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Full text of "Volkssagen aus Pommern und Rügen"

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Volkssagen 
aus  Pommern 
und  Rügen 


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aus 


ummetrn  unl  Wägern 


<Sff«lt  imi  lifrattiigtjtlifn 


von 


«ötctttn. 

Sfcrlaa,  bon  Xnnnenöeiij. 
1880. 


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'LG,  V]  4  .  t  *2- 


N0V16  I88G 


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$>em 
gfsevvn  . 

©to-JrifiöMra  Her  IroBtm  pmmern 

©ruf  ^fJjr-Pfgfnöttttk 

fifiniglittjfm  ^amnifrljcrrn  unö 
f  rtkfidjfitmrtlter  tra  fftrüentum  Pgrn  unö  htx  Canie  $artl; 


e^rfurfySbofl  angeeignet. 


Qte  l>ier  erfdjeinenbe  Sammlung  ton  3?olf3fagen  aus  ^om-- 
mcrn  unb  SRügen  foll  eine  SRetye  öon  $ub(ifationen  eröffnen,  meltf/e 
bte  grünblidje  (Srforfdmng  be«  pommerfdjen  9?olf8leben3  ifjrem 
©egenftanb  ^aben.  S)ie  ®efidjt$punfte,  welche  midj  bobei  leiten, 
finb  einmal,  meinen  £anb81euten  if/re  Sagen,  Üttärd>en,  Sitten  unb 
©ebräu^e,  mit  einem  ©orte,  tyr  93olf$tümlid)e8,  ba«  bem  9(nfturm 
ber  moberuen  Kultur  mo^l  nic^t  Tange  me^r  ftanbljalten  bürfti1, 
trenigftenS  litterarifdj  ju  erhalten,  bann  aber,  ben  SHötfyologen,  Gtfc 
nologen,  $ialeftforfäern  unb  Äulturt>ißorifern  eine  roertöotle,  $ut>er= 
läfftge  Stofffammlung  für  tyre  Stubien  $u  bieten. 

$er  Anfang  ift  mit  einer  Siebergabe  ber  pommerfdjen  SSolfS* 
fagen  gemadjt  roorben,  weit  hierfür  baS  Material  am  üoÜftänbigfUen 
üorJfanben  mar  unb  weil  ftdj  in  meiten  Greifen  baö  SöebürfniS  gel» 
tenb  gemacht  Ijat,  für  bie  veraltete  unb  nod)  ba$u  im  ?tod$anbel 
faft  gan$  »ergriffene  £emmefd)e  Arbeit  möglutyft  balb  einen  (Erfafc 
$u  Raffen.  Urfprüngltdj  beabfidjtigte  idj  nun,  in  biefer  neuen 
Sammlung  nur  ba£  5um  Slbbrucf  ju  bringen,  ma£,  auö  gang  $om» 
mern,  von  mir  felbft  unb,  fpegielt  au$  bem  Äreiä  SRegenmalbe,  öon 
bem  $errn  ^Jrofeffor  @.  ßuljn  in  üftündjen,  unter  tätiger  99eiljilfe 
ber  ftrau  ÜWajor  $nna  üon  Äleift,  geb.  Godjiu«,  gu  (£ofel,  bireft 
bem  3$olf8tnunbe  entnommen  ift.  Da  jebodj  bie  SSerlegerin  ber 
Setnmefdjen  Sagenfammlung,  bie  SRicolaifdje  Söudjfjanblung  in 
93erlin,  nidjt  gewillt  ift,  eine  neue  Auflage  berfelben  ju  bringen,  fo 
Ijielt  idj  midj  »erpflidjtet,  eine  größere  Slnjaljf  Don  Sagen  auS  bie» 
fem  Sudje  3U  entlegnen,  fomeit  biefelben  nämlidj  ber  Slbrunbung 


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VI 


unb  93ert>ollftänbigung  ber  neuen  Sammlung  btenen  fonnten.  Söeredj* 
tigt  war  iö)  $u  einem  folgen  Schritte  fcfyon  be£r)alb,  tretl  Xemnte 
für  ben  größten  £eil  ber  tn'erbei  in  93etracf)t  fommenben  Sagen 
lebigltcf)  auö  ben  Elften  ber  ftefeüfäaft  für  »ommerftrje  ©efdjid)te 
unb  SUtertumötunbe  geköpft  r;at  unb  biefe  Sttten  mir  ebenfalls  $ur 
freien,  unbefcrjränften  Venufcung  oon  juftänbiger  Seite  au£  $ur 
Verfügung  geftellt  würben. 

9Jadj  biefer  Vereiterung  beS  felbft  gefammetten  Sagen* 
Materials  fc^icu  e$  mir  nötig,  nod)  weiter  aufgreifen.  Qdj 
erbat  barum  unb  erhielt  aud)  bereitwiüigft  bie  (Erlaubnis,  alles 
(Siufcr/lägige  aus  ben  ^orbbcutfdjen  Sagen  Don  91.  Äurjn  unb 
XB.  Scbwarfe,  fowie  au«  ben  Söeftfältfc^en  Sagen  von  91.  ftufjtt 
aufnehmen  $u  bürfen.  tfcrncr  1»,D  SlrubtS  flJMrdjen  unb  ^itgenb- 
eriunerungen,  wooon  £emme  nur  ben  erften  £eil  in  erfter  Auflage 
benufeen  fonnte,  foweit  fic  verwertbar  waren,  ausgesogen  worben. 
9)?cbrerc  Sagen  finb  enblidj  ben  Valtifdjen  Stubien  entnommen, 
einige  wenige  aud)  anberen  Sdjrifteu  unb  ben  fdjriftlidjen  ÜKtttei- 
tungen  uon  $reutiben  CCj8  ©eifeS,  bod)  mit  großer  33orfid)t,  Weil 
t/ier  nur  baS  geboten  werben  foll,  was  burdjauS  bolfstümlid)  ift.*) 

?US  bie  Vorbereitungen  3um  $)rucf  getroffen  würben,  erlieft 
id)  bie  9cad)ridjt,  ba§  von  bem  |>errn  ©BmnafiaUebrer  ß.  Änoop 
in  ^ofeu  eine  Sammlung  beS  VotfStümlidjen  aus  bem  öftlidjen 

*)  2>m  ganjen  ftcllt  fid?  baS  ^erl)ältni$  ctroa  folgenbermafeen:  SJon 
ben  670  dummem  fiut>  fclbft  geiammelt  circa  420  Sagen,  burd)  $errn  tyxo- 
feffor  .Hutjn  mitgeteilt  gegen  70;  bcr  Oicft  uon  etroa  180  Sagen,  bie  alfo 
fdjon  früher  einmal  abgebrudt  roorben  finb,  tommt  jur  §älfre  auf  Jcmme, 
baS  übrige  auf  bie  betreffenben  Söerte  uon  %  tfufjn  unb  50.  Scbroarfc, 
31.  .ttubn,  G.  s])i.  ?lrnbt,  bie  baltife&en  Stubien  jc.  —  Sie  genauen  Xitel 
berm  Sctradjt  tommenben  Sagenrocrte  finb:  lemme,  £ie  SJolfSfagcn  uon'pom* 
mern  unb  ftügen.  SJcrlin  1840;  31.  Äubn  unb  28.  Scbroarfc,  91orbbeutiaje 
Sagen,  *3Jlüra>n  unb  Webräudje  au«  Wetlenburg,  Bommern,  bet  5Jlart,  Sad)- 
ten,  Xlnirithjeu,  23raum'cbrocifl,  Hannover,  Clbcnburg  unb  23eftfalen.  3lufc 
bem  ÜJhtnbc  be*  Golfes  geiammelt  unb  berau*gcgeben.  ?eipjig  1848; 
31.  ftuljn,  Sagen,  (Mobräucbc  unb  QRärcben  au$  sJi>eftfalen  unb  einigen  anberu, 
befonberS  ben  anarenjenben  öcgenben  WorfebcutfcblanbS.  2  2)be.  l'eipjig  1859; 
l*.  W.  3lrnbt,  Wäreben  unb  ^ugenberinnerunaen.  1.  Xcil,  2.  3(u£gabe. 
«erlin  1842;  2.  Seil,   »erlin  1843. 


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VIT 


|)interpommern  im  Üflanuffript  vorliege,  gleidjgettig  mürbe  idj  $u 
einem  gemeinfamen  93orgeIjen  aufgeforbert.  £a  aber  bie  beiber^ 
fettigen  Arbeiten  öon  gang  t>erfcbiebenen  ©efidjtöpunften  aus  getrie- 
ben maren,  eine  Umarbeitung  mitbin  feljr  müljfam  uub  geitraubenb 
gemefen  märe,  fo  gerfdjtug  fidj  bie  Sadje  mieber.  ^ngmifdjen  ift 
bie  Sammlung  be3  .fjerrn  O.  ftnoop  bei  ^olotuieg  in  ^ofen  er* 
fdjienen,  unter  bem  Üitel:  „3?oIf$fagen,  (Erklungen,  Aberglauben, 
@ebräud)e  unb  Sftärdjen  au$  bem  öftlidjen  .f)interpommern.  ®cfam- 
melt  dou  Ctto  Änoop.  Wen  1885".  $dj  Dermeife  hiermit  auf 
biefetbe  unb  bemerfe  bagu,  bafc  bie  beiben  Sammlungen  fidj  feine«- 
roegS  Fonfnrrieren,  fonbern  uiefme^r  einanber  ergänzen,  inbem  §err 
änoop  t>auptfäd>lidj  auf  beu  faffubifdjen  Xeil  Bommerns  fein 
Slugenmerf  gerietet  Ijat,  mätyrenb  id)  aus  ber  beutfdjen  SJetötfe* 
rung  ber  gangen  'JJrobing  geköpft  Ijabe. 

($3  erübrigt  einige  Üttitteilungen  über  bie  öorliegenbe  Arbeit 
felbft  ju  machen.  $)ie  Sagen  finb  »on  mir  in  ber  SBeife  gefammett 
»orben,  bog  id)  mit  einzelnen  Männern  unb  grauen,  bie  ber  foge* 
nannten  ungebitbeten  SWaffe  angehörten  unb  au«  ben  fcerfdjiebenften 
Äreifeu  ber  ^ßromng  flammten,  SerüljrungSpunfte  fudjte  unb  S3e- 
fanntfdjaften  fd)lo§,  unb  bann  mit  üjnen  in  einen,  mehrere  ©odjen, 
teümeife  fogar  9ftonate  anbauernben,  intimen  3$erfefyr  trat.  5>aburd) 
gelang  e8  mir,  ba«  gange  ftütylen  unb  £enfen  ber  tfeute  öou  ©runb 
au*  fennen  gu  fernen;  unb  me$r  tneUeidjt,  »ie  man^er  anbere, 
barf  id)  beSljalb  öon  bem,  mag  idj  gefammeft  ^abe,  behaupten,  baf? 
e£  burd?au$  üolfötümlid)  fei. 

9iun  fragte  e$  ftdj,  in  melier  Hnorbnung  ba8  gemonnene 
Sagen«ÜWaterial  miebergugeben  fei.  ftdj  fdjmanfte  gmifdjen  ber  rein 
geograptyfdjen  unb  ber  rein  fadjtidjen  unb  entfdjfoj$  midj  enblidj, 
beibe  gu  fcerbinben,  inbem  id^  baS  ©ange  je  nad>  ben  »ergebenen 
Sagengruppen  in  Äapitef  teilte  unb  in  biefen  fobann,  mo  e$  irgenb 
angänglidj  mar,  bie  geograpljifdje  Stnorbnung  gu  ü)rem  9ted)te  fom* 
men  tief*.  Söeil  ferner  bie  grofje  üfteljrgaljt  ber  tfefer  an  ben  Sagen 
nur  ein  lirterarifdjeS  ^ntereffe  §aben  bürfte,  fo  Ijielt  id}  eö  für  er* 


VIII 

furicvlid),  bcu  elften  gn>ölf  $ib)d)Mttcu  Jur^c  Einteilungen  »ov« 
au$&ii)($t(feii,  bie  jebodj  gum  Seit  aud)  für  ben  ©etefyrten  »on  ©ert 
fein  roerben,  ba  in  iljnen  and)  ^Beobachtungen  au$  bem  pommerfdjen 
VolfSleben  mel)r  allgemeiner  91  rt  if>re  Stelle  gefunben  f^oben. 

(Sinen  oiibern  Wrunb  f)«t  e«,  bafc  ben  einzelnen  Sagen  fein 
tfadjmeiS  beigefügt  ift  über  bie  Verbreitung,  bie  fie  in  ben  übrigen 
leiten  3>eutfd>tanb8  unb  anberen  tfänbern  fjaben.  ©äre  ba8  näm* 
lief)  gefdjeljen,  fo  n?ürbe  baS  ofmefjin  fdwu  umfangreiche  ®udj  fafi 
um  boS  doppelte  geroadifen  fein,  unb  aufterbem  mödjte  mandjem 
bei  bem  Stnbticf  ber  t>ieten  9lnmerfungen  ber  ©enufc  am  l'efen 
griinblid)  verleibet  »erben.  Um  $u  geigen,  wie  »icl  9?aum  bie  ein* 
jetneu  ?tnmerhingen,  fclbfl  bei  gebrängtefler  ftiirje,  einnehmen  ftnir* 
ben,  unb  augleidi,  um  einem  3Bunfcf>e  meinet  oeretyrten  ÜMitarbeiterS 
nad^nfommen,  foü  ju  ben  beiben  tfenorenfagen  in  9?r.  515 
biefer  Sammlung  bie  Literatur  abgebrueft  werben,  wie  fie  ©err 
^rofeffor  G\  Ä u r) n  $ufammengefteüt  fjat: 

„Über  bie  weite  Verbreitung  biefeS  Sagenftoffeö  uergleidje 
„man  bie  reic^attigen  ^ufammenfteltungen  i»on  ©aefernaget  (unb 
„.jpoffmann)  in  ben  SUtbeutfdjen  ©tattern  1.  S.  174  —  204 
„(SMeberbolt  in  3Bacf  er  nagelt  fteineren  Schriften  II.  S.  399 
„bis  427);  ^rö^te,  ©ottfrieb  3luguft  ©ürger.  S.  77 — 1 15; 
„SBarrenS,  Sd?n?ebifd)e  VolfSlieber  ber  Vorzeit  S.  302;  fcäniföe 
„3?olf$lieber  ber  Vorjeit  S.  2*2-2*:*;  Srf>ottifd?e  Voltelieber  ber 
„Vorgeit  S.  1*0—195;  9corroegifd)e  ;e.  VolfSlieber  ber  Vorzeit 
„S.  405-406;  Viebredjt,  #ur  VotfSfunbe  S.  195  -197;  Dilmar, 
„,£)anbbüd)lcin  für  ^reuube  beS  beutfd)en  VolfStiebeS.  dritte  9luf; 
„tage.  Harburg  1886.  S.  152—167;  Söollner  im  Sirrin'*?  für 
„flawifdje  Wlotogie  VI.  2.  239—269  (ügl.  ba^u  ebb.  S.  493); 
„^fidjari  in  ber  Revue  de  Fhistoire  des  religions.  IX.  S.  27 
,,bi«  64.  —  Wermanifdje  Verfioncn,  wetdje  bie  poetifdje  ftorin  auf* 
„gegeben  traben,  finbeu  ftd)  bei  NJD?üU  curjoff ,  Sagen,  flftärdjen 
„unb  Vieber  ber  Herzogtümer  Sdj}le£wig«$olflein  unb  l'auenburg. 
Jh.  CCXXIV,  @.  164;  Verualefen,  <Dty$en  unb  Eräuge 


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IX 


„beS  Eolfeö  in  Defierreidj.  S.  76—80  (woran  fid>  ©.  80—81 
„eine  (Erching  offenbar  f  tattrigen  UrfprungS  anföliefjt,  bic  in 
„bem  fpejififdjen  £uge  Dorn  Äodjen  be«  SotenfopfeS  fidj  ben  fcon 
„Zöllner  S>.  257  bef prodienen  froatifdj'flooentfdjen  unb  flofcafifdjen 
„SRärdjen  anfdjtiefct);  Üftaurer,  Qglänbifdje  3?otf6fagen  ber  ©egem 
„toart  @.  73—74  unb  bamit  übereinftimmenb  Arnason,  Islenzkar 
„Thjödhsögur  og  .Efintyri  I.  S.  280—283.  0»  *«&"n  an 
„wie  in  ben  meiften  ber  oon  Solln  er  bejubelten  (flaroifd/en  unb 
„litauiföen)  33erfionen  bie  Sorte  „£er  ÜWonb  ber  föeint  fo  ^eü" 
„u.  f.  tt).  met)r  ober  »eiliger  äfmlid)  nrieber,  über  beren  anbenoeitigcS 
M93orfommen  im  übrigen  nodj  bie  'Jiadjroeifungen  t>on  ©rimm, 
„fönber*  unb  ©auSmärc^en  III.»  S.  75;  X)eutföe  ^Anthologie.  Vierte 
„aufläge.  <S.  704  unb  33ugge  in  SWonrab*  unb  Sinter*©  jelin* 
„Nordisk  Tidsskrift  for  Videnskab  og  Litteratur.  1854— 55. 
„S.  105  üerglidjen  werben  fönnen.  $)er  gtocite  Xote  unferer  einen 
„pommerfdjen,  in  üftefonj  aufgezeichneten  Gage  ftimmt  fo  d)araf» 
„teriftifd)  gu  ben  flawifdjen  unb  Utauiföen  dornten,  bafc  an  flan?ifd)en 
„Ginflufj  311  benfen  nafje  liegt.  —  ^ie  neufte  itoblifation  }ur  Venoren* 
„fage  ift  eine  gried)ifdje:  „To  drjftorixjv  qafiu  mni  toö  vtxooü 
„ddtktfüv  viio  A.  üokiiov.  stnooTtuOfiu  ix  tov  dtltiou  1% 
„iotoQixijg  xai  iO^voKityix/jg  haiyiug  tijg  'EXladog.  *Ev  lrfitt;vai<: 
JSS5.    (iV  5.  ffr.  8°.u 

©ine  fur^e  9üt$einauberfefeung  ift  enblid)  nodj  erforbcrlid}  über 
bie  Gdjreibart  ber  im  Diateft  wiebergegebenen  Sagen.  33ei  bem, 
was  oon  mir  felbft  gefammelt  unb  aus  ben  Worbbeutfdjeu  Sagen 
ton  äu^n  unb  ©djwarfc  übernommen  ift,  babe  ich  überaü  ftrcng 
ba£  phonetifdje  'JJrinjip  burchgeführt.  öefonberc  Vettern  finben  fidj 
nur  bei  ben  totalen,  wo  hängen  unb  Äür$en  3U  fdjeiben  unb  für 
bie  Swifdjenlaute  befoubere  Reichen  31t  fefeen  waren.  Die  furzen 
Utofafe  finb  wiebergegebeu  mit  ben  Vettern:  a,  ä,  c,  i,  0,  ö,  u,  ü, 
bie  entfpredjenben  Väugeu  mit:  ä,  ae,  6,  i,  6,  oc,  ü,  ue.  Die 
Reichen  für  bie  ^wifdjeulaute  oou  ä  unb  6,  oon  ae  unb  oe,  unb 
für  ba$  fccrbumpftc  au  finb  ä,  äe  unb  au.    Wcf/t  jur  ?lntt?enbung 


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X 


gebracht  ift  bie  pfyonetifdje  ©djreibart  bei  ben  ptattbeutftf>en 
«Sagen  au«  Slrnbt«  2Wärdjen  unb  ^ugenberinnerungen,  bic  genau 
in  ber  Sdjreibart  be8  Original«  abgebrucft  finb. 

3um  «Sdjluffe  hängt  e«  mtd),  allen,  toeldje  ttjätigen  Anteil 
an  bem  .ßuftanbefommen  SBerfe«  genommen  Ijabeu,  meinen 
^erjü^pen  SDanf  aussprechen.  @«  finb  ba«:  .fterr  ©umnafial; 
bircftor  Dr.  «.  20.  Sdjtoarfe  in  ©erlin,  $>err  ©et>eimrat 
Dr.  Seemann  unb  §err  ®totnnafialbireftor  £.  ?em<fe  in  Stettin, 
unb  Don  ©eitragfpenbenben :  ftrau  üHajor  %  toon  tleift  in  Sofft, 
|)err  ^rofeffor  Dr.  G.  Äuf)n  in  SJftindjen,  mein  ©ruber,  stud.  theol. 
Äarl  ^a^n  in  ©reif&ualb,  £err  ©ömnafialletjrer  C  Änoop  in 
^ofen  unb  §err  Dr.  9t.  §aa«  in  «Stettin.  ©or  allen  aber  nenne 
id)  an  biefer  Stelle  meinen  f>ocfU)eretyrten  Se^rer,  ben  $errn  <ißro; 
feffor  Dr.  Äarl  $Beinf>olb  in  ©reSlau,  auf  beffen  Anregung  über* 
f>aupt  bie  ganje  Sammlung  begonnen  ift.  2Röge  biefe«  ©udj  il)m 
geigen,  bafj  feine  Vetren  bei  bem  Sdjüler  nic^t  auf  unfruchtbaren 
©oben  gefallen  finb. 

Jtettht,  ben  17.  Woüember  1885. 

Dr.  §ct§n. 


L  $ic  alten  CHöttcr.  

1.  Mgemeinee   1 

2.  Ter  T!?obe  in  Wigen   4 

3.  Ter  roilbe  ^öger  in  9iüqen   6 

1.  Ter  wilbc    a vi c r  unb  bic  Seejungfrau   7 

5.  Ter  ggobc  in  Weuporppinmem   7 

6.  Tor  Tl'übc  unb  ber  Gber   * 

7.  fracfelfrerg*  frunbe  aerreifeen  eine  ^rnu   8 

8.  fracfelberq  unb  bie  TOitcbftra&c   9 

f.  Ter  v£?aur  ober  v3ihiu1   10 

10.  Ter  ggmirte   10 

11.  bor  fracfclberg  \nm  nnlben  »Viflcr  warb   11 

12.  Hcann  halt  einem  Leiter  quo  friufclbcrgg  uulbcv  ^qgb  bic  frunbc  .  .  12 

13.  Ter  fiatfclberq  auf  ber  ^aqb     13 

14.  Tie  roitbe  ^aflb  nimmt  einen  fcunb  mit  fid)   13 

15.  Ter  (flrof  pon  (fbcrnbutq   14 

16.  -Der  roilbe  feiger  uerfolgt  bie  tpetfte  ftrou  *. .  15 

17.  Ter  gogcryilatj  ber  nnlbcn  '^agb   16 

1*.  Ter  unlbc  ^agcr  unb  bic  3d)lüi'i"cliungfrau   16 

19.  Tic  roilben  täflet  unb  bie  beiben  brauen   17 

2<i.  Tie  unlbe  ?sagb  bei  IBacbbol fingen   18 

21.  Ter  %3ob  wirft  ein  ,yraucnbcin  \u..   18 

22.  Ter  33ob  verfolgt  ein  Minb   U> 

2.'}.  Tie  imlbe  ^agb  im  frcllbrucfa   10 

24.  Tie  rmlbc  ^agb  im  Sdnpcriner  ^ruch  unb  ben  ^ichbergen  bei 

fefoip   20 

25.  Dat  ÜUeke  un  d3  willo  Jeger   21 

26.  Tie  roilbe  $agb  bei  Urenberg   21 

27.  Ter  Traum  pom  gbet   22 

28.  Ter  ipiibe  feiger  als  Dräk   22 

29.  Ter  23ott  unb  bie  ftüne   23 

30.  Ter  9Botf  unb  ber  @d>äfei   24 

31.  Ter  "li'ott  begegnet  einer  alten  ,yrau   24 

32.  Ter  vBott  erfüllt  ben  s£3unfdj  einer  ^rau   24 


XII 


33.  Ter  gBuib   25 

34.  Ter  gguib  unb  bic  TOil&ftrafee   25 

35.  Ter  itnlbc  ^üger  trägt  einen  gcbatcrfnccfet  und)  Engellanb   26 

36.  Ter  roÜbe  ^äger  erlegt  bret  grauen   29 

37.  jßjerbcteule  wrroanbclt  fieb  in  Gtolb   30 

38.  Ter  roilbc  ^äger  oerfolgt  eine  laube   30 

39.  frie,  ftuit,  ftu   31 

40.  Mumilisel   31 

41.  W&tormaunk  unb  Püttmoen   33 

42.  ftommön  ober  Woggenmutter  unb  iKoggentpoIf   33 

43.  Ter  Tob  ftel)t  (Seuatter   33 

44.  Ter  tob  beim  Inns  in  ber  9fouia[n»nad)t   34 

45.  Ter  Tob  bolt  ein  9JMtcbcn   35 

46.  geben3(id)t  uertaufefet   35 

47.  !pcfi  eingepflodt  '.   36 

48.  Tie  Seft  überfallt  einen  Arbeiter   37 

49.  Tie  tlbolera   37 

50.  ftranfheit  iüeht  burd)  bie  Suft   38 

51.  Tie  Stimme  uon  oben   38 

52.  Tie  (ehte  ScHaeftt   39 


II.  gfltttb,  guftfdjifjcr  unb  (Mcfttrnc.  lo  -4s 


53.  Allgemeines   40 

54.  Dp  Wind  im  <!.-  HQr   42 

55.  Ter  $9inb  roirb  am  SBeine  oerrounbet   43 

56.  Ter  li'uttf duner  über  Nambin   43 

57.  Ter  Anfer  in  ber  Aiird)e  m  Stngermünbe   44 

58.  Ter  fllonb   44 

50.    UtidKl  unb  ber  vJJIonb   45 

(V").    Ta*  langen  ber  3onuc  am  Cftennorani   46 

61.  Sonnen^  unb  DJtonbhnftemig   46 

62.  Ter  Muctud  unb  bas  3icbcna,eftirn    46 

6.'\    Tie  lieben  ^rebigcrsfö(?nc   47 

61.    Dci  Duoink    4* 


III.  $tc  ^roerflc.  49-103 


65.  l'Klgcineinev   41) 

66.  Tie  llntcrirbifdjcn  in  'Hünen   51 

67.  Tie  UnterirbüriKit  beim  TicbftaM  ertappt   52 

<>'.  Tic  Unterirbudien  oerfdienfen  einen  Lecher  TQcine?   53 

69.  Tie  Unterirbifcftcn  rauben  einem  Scftäfcr  ba8  flugenlidit   53 

70.  Tie  Hnxrge  in  ben  neun  bergen   54 

71.  Ter  flroerajcbiU)   56 


XIII 


SL  Ssiü 

72.  Tag  fitberne  3roerfl=01ö(!d?cn   5" 

73.  Tor  leiste  ^fluo,   58 

74.  Mottbcg  jlggel*   59 

7.").  3d)iiHUU'f  .SiPfft;  flicbt  einen  Aiviuiuii;   G<) 

70.  halber  von  3erput   Gl 

77.  lag  ^atcnflcfcbent   02 

75.  Tic  Ulten  ober  Hinten   03 

79.  Ter  ffullfater  unb  ber  Ulf   63 

80.  Ult  labet  etu  Mäbcbcn  ut  Weuatter   64 

81.  Sie  Sroerge  in  ©reifsinalb   65 

82.  Rroerfl  Toin'cltürf   66 

83.  Unterirbifcbc  geigen  3cbühc  an   67 

84.  Scgfalb  eg  bm  genfeiner  dauern  mit  il)reu  ^ittfebatten  futg 

lücfroärtg  gegangen  tft   68 

85.  (Sinem  Unter irbif eben  roirb  bev  SBatt  guSflcriffen   69 

86.  Sie  Hroerqe  im  unterirbifcben  Crange  ^i  jtubaflln    70 

87.  Sie  &tbrt  nneb,  ^igflcljagael   71 

88.  Unterirbifcbcr  holt  eine  yebcanune   72 

S9.  Sccbfelbalg  lüfjt  fid?  5cbul)fd)larreu  toeben   73 

91).  ^uu'i  lUabcbcn  werben  von  ben  U uteri rbifdn'n  \u  Okuattcr  gebeten  74 

91.  Sie  Unterirbifcben  fcbenlen  einem  ftneebt  eine  ffanne  Skaunbier  ..  75 

92.  flegrabni*  bei  ben  Unterirbifcben   7G 

93.  Tie  ftunaerbark   77 

94.  Sie  ÜUerteng  bei  floef   77 

95.  äroerq  Wang   78 

96.  Tic  ttüeten  bei  Hartenberg   79 

97.  Sie  inerten  unnen  '-Bier.   80 

98.  Tic  jrl?n  CUetcg  im  l'mbeubcrg   81 

99.  Sie  Unterirbifcben  bei  IBcmftcin   81 

100.  Sie  brei  Winqe  \u  akmfin   81 

101.  Sie  Üüctcg  im  Wcilenberg  bei  frtbcg   83 

102.  Sie  Unterirbifcben  in  Moro   84 

1<»3.  Tie  Unterirbifcben  im  Scbroerincr  ^urgwaü   85 

104.  Sie  Unterirbifcben  unb  bie  flanbroerlgburfcben   86 

l'fi.  &Mc  bie  Unterirbifcben  aug  ben  QMocfenbergen  wnnberten   87 

106.  Sie  Unterirbifcben  bei  ftunoto   88 

107.  Sag  fflcicfr  bet  Unterirbifcben   88 

l'«S,  Tie  Unterirbifcben  in  Ara^ia,   SU 

109.  Sic  Unterirbifcben  laben  eine  >yrau  ,;u  (.Safte   90 

HO.  Unterirb ifeber  tauft  fieb  log   91 

111.  Tie  Unterirbifcben  in  iKitng   92 

112.  Sie  Unterirbifcben  unb  ber  @cbneibcr   92 

113.  Sie  Unterirbifcben  ju  ^Ottenburg   93 

114.  Sie  Unterirbifcben  in  Sempclburg   94 

115.  Sie  Unterirbifcben  am  flepUner  5<e   95 


XIV 


*L  Stils 

116.  Die  Untetitbiüben  DcrfoVnfen  ein  gfrot   96 

117.  TOibcften  gebt  in  ba3  jReicb  ber  UnterirNüften   96 

118.  Die  9tac6c  ber  Unterirbifdkn   97 

119.  Die  Unterirbijdjen  feiern  fiodweit   98 

120.  Die  Untecirbifd)cn  bringen  ein  geftobleneS  Äinb  jurüd   98 

121.  Die  Unterirbifcften  bei  Buborn.   99 

122.  Unterirbiftfre  bringen  (gelb   100 

123.  Sie  Untcritbifcften  in  ftobenfelbe   101 

124.  Entlarvter  sBed)fe[ba[q   102 


IV.  Die  $auflßetftfi  mtb  ftQu3fri)loitflen.  104—140 


125.  Allgemeines   104 

126.  Klabatersmännckon  ober  Pükse   lQfj 

127.  Der  Kalfater  ober  Klabätermann  auf  ben  ©(ftiffen   107 

128.  Der  Pok   109 

129.  3Bie  ber  Drak  Korn  brtfebt   110 

130.  Der  flobolb  bei  ®ingft   110 

131.  Schipper  Gau  un  sin  Puk   111 

132.  Der  Chimmeke  in  £oife   113 

133.  Die  lieben  leufelcften  binter  bem  Ofen   113 

134.  Die  ftobolbe  in  Qretfgroolb   114 

135.  Da3  Dorf  floneroro   115 

130.  Pftks  sieht  mit  bem  Webiilt   116 

137.  l'ftks  baut  einen  ^aun   116 

138.  ttobolb  ote  ftaftn   117 

139.  Der  Pfiks  purrt  ttlöfie   117 

140.  Der  Rodbücksch  in  flreboro   118 

141.  Der  Rödbüekscli  unb  ber  -Stiefel   119 

142.  Der  Rodbücksch  unb  bie  beiben  dauern   119 

143.  Die  Mobolbe  auf  ber  Vei^iacr  gitcffe   121 

144.  ftobolb  pettragen   122 

145.  Die  Bäuerin  unb  ber  Drak   123 

146.  Die  beiben  Rödjäckten  in  Wollnotu   123 

147.  Dem  ftobolb  roirb  fein  ',vriU)ftiid  genommen   12f> 

148.  Der  .Hobolb  im  Vogelbauer   125 

149.  %rau  roirb  uon  ibrem  ftobolb  getbtet   125 

150.  Dag  ftuftn  im  grimbufdj   126 

151.  Der  ftobolb  in  bei  @djacbtel   126 

152.  Der  ftobolb  im  Spinnrab   128 

153.  Drak   128 

154.  Dag  Späei   129 

155.  Der  Rodjacktc  maefrt  Spcüen   129 

156.  Der  Rödjackte  iiberliftet  eine  ftrau   130 

157.  Der  Rudjackte  roirb  angerufen   130 


XV 


158.  Set  Rödjackte  teuftet  einem  ffriippet   131 

159.  Set  Rödjackte  mufe  Spinngewebe  aflüttein   131 

160.  Set  ftobolb  uetlnnbert  bie  geftattung  feinet  ftettn   132 

161.  Der  flobolb  in  %omin   132 

162.  flobolb  als  Settel   133 

163.  Ter  flobolb  in  Rantum   133 

164.  Set  geufcl  als  bunteg  flanb   134 

165.  Dei  Alf  treckt   135 

166.  Ter  Älf  tot  gcid?lngen   135 

167.  Tie  fraugfcftlamien   136 

168.  Sie  Schlange  in  ber  gjqtlorofcben  .freibe   137 

169.  Schlange  trtedjt  einem  t~cf)lafeubcn  UJtäbcfeen  in  ben  £eib   1.38 

17<>.  Tie  paugfcfrlange  unb  bie  ,Hul)   138 

171.  Tie  Schnauk  unb  bie  Muh   139 


V.  $ie  SKSafferßetftcr.  141—157 

172.  Allgemeine*   141 

173.  Tie  Seciungfern  bei  Dtöncfagut   142 

174.  Ter  Wiefel  im  ftcttbajec   143 

175.  Sie  tHoffc  im  febroatjen  See   143 

176.  Sunaftaucnopjer  an  Seen   144 

177.  Set  (hbbcqen   144 

178.  S)ie  Seejungfet  im  ftummetoiP'See    146 

179.  Sa3  SBaffetpfetb  unb  bie  Secjungfet  im  Senninet  See   146 

IN >.    Tie  Secjungfern  in  ber  Citjee  unb  bei  Sroincmünbc   147 

181.  Sie  Seejungfer  im  fraff   148 

182.  Ter  Bircnpaul  in  ber  Mebrberqer  gorft   148 

183.  Sie  ^Bafferjunafet  in  ber  IWabüe   150 

184.  Set  SBaffetgeift  in  bem  ttdleUSacfe   150 

185.  Ser  SBangetinet  See   151 

186.  Ter  .Hlücfeniee  unb  ber  See  bei  "Jibrenberg   151 

187.  Sie  brei  Saffetpfetbe  im  See  bei  Sabet   152 

188.  Sie  flUaffctjungfct  uertodt  ein  UMäbcbcn   153 

189.  Tie  Safferjungfer  in  ber  Wega   153 

190.  Sie  Stimme  aug  bem  ffiorcrnpalbfee   153 

191.  Ser  fompclbutqct  See   154 

192.  Set  %itmfee   154 

193.  Set  ftammermitblenteicb   155 

194.  ffBaffetjungfet  ntft  iftten  s))tann   155 

195.  Tie  Teufclgiuofinunfl  bei  SBelqatbt   156 

196.  Sie  SttUefreitaflg: Arbeit   156 


TL  3)tc  Wiefett  unb  fititbtoürmer.  158—172 

197.  Allgemeine*   158 

198.  Sic  neun  33etqe  bei  tHambin   159 


XVI 


!ßL  Seite 

199.  Ter  Tubberroortfr   160 

200.  Ter  Steiufqfr  bei  Bhutan  auf  pasinunb   162 

201.  Tie  Sieqjteine  bei  ftlein'Streforo   162 

202.  Ter  Micfenftein  bei  "Kabelte   162 

2"3.  Ter  Mefenftein  bei  Zarrentin    163 

201.  Ter  [anac  fferg  bei  ^aqqcnborf   16t 

205.  Ter  friinenftein  bei  s-Iftuftorh,ufen   161 

206.  Tie  Hünengraber  bei  Rüffoio   164 

207.  Ter  Hünenitein  bei  s)Worgenik   165 

208.  Tie  Hünenbaden  auf  Ufebom   165 

209.  Ter  fliefenftein  .w  jU^agla   166 

210.  Der  arofte  3tein  bei  Dlecfiqer   166 

211.  Ter  Wieienftein  bei  Mtentotn   IM 

212.  Ter  Wiefenftein  bei  fKehhagen   167 

213.  Ter  fliarnaVtiftein  jroifcften  Sibünebed  unb  Trainptc   168 

214.  ^iinen  unb  dauern   168 

215.  Ter  Trünfelnberq  bei  Munorp   168 

216.  Ter  Hünenqraben  unb  ber  Hünenftem  bei  flruoifr   169 

217.  Tie  Hünen  im  ftüncnberq   169 

218.  Tie  Hünen  im  gebamoor   170 

219.  Ter  üiinbipurm  bei  Gambia...'   170 

220.  Tie  ^ergfdjlange  im  ^auetl-evgc  bei  sjHotart|'t   171 

221.  Tie  beiben  SMnbnnirmet  bei  t'afian  nnb  in  ber  'jteenemünber  ^>cibc  171 

VIL  $tc  t>crmüttfri)tcii  $mfle.  173-260 

222.  Maemeinc*   173 

223.  Butter  Hibben  unb  fflutter  Hibben   174 

224.  Tie  Stabt  Mrtona   176 

225.  Hertha.  Hertlwfee  unb  Hertbabuva   176 

226.  Tie  fdnnar.se  iytnu  auf  frem  Möniqvjtubl   178 

227.  Tie  <d)mar<e  Arau  in  ber  rtubbentammev   178 

22S.  Tai?  uerfuntene  ftlofter  \u  bergen     Ist) 

229.  Ter  "Jionnenfee  bei  Zeigen   1*" 

230.  Tie  Mircbalodc  \u  bergen   18" 

231.  Ter  "Ucägbefprunfl  auf  bem  Migarb   181 

232.  ^rimeffin  3iuanipitl)e   182 

233.  Tic  uer.uiuberte  Urhueffin  im  sBallbcrg  bei  &ax\   185 

234.  Tie  lieben  bunten  Dtäufe   1*~> 

23">.  Ter  Mtisbrok  bei  Tunit'cuifr    188 

236.  Tie  Mreusfirfle  auf  -{ubar   188 

237.  Tie  uerfuntene  8\v<bc  im  ffullpaul  bei  Araiubnrq   189 

238.  Dei  witte  Jumfer  in  DflrnrflmBl  bi  Siwortslmtren    189 

239.  »uHtater   190 

240.  Tie  lieben  eingemauerten  dauern  ju  Xuroio   191 

241.  Ter  9Hfiuie»pqgen  in  Hrimmen   192 


xvi  r 


242.  Ser  fcbroarse  See  bei  (grimmen   193 

243.  Sic  (Dioden  \u  Stoltenbagen   193 

244.  Ser  flummerotP'See   194 

245.  Die  petjuntenen  Stäbte  im  Wiubow--  unb  Sctoarpioroer  See   195 

246.  Sic  penpünfcbten  Jungfern  in  fraug  Semmin   195 

247.  Set  ccbah  im  öaufe  Semnun   196 

248.  Set  perroünfdjte  "iUlann    im   unterirbifcben  Wang  uon  frau? 

Semmin  nad)  %enfm   197 

249.  Sie  perfunfene  Stabt  bei  Wübtoip   198 

250.  Sie  ftlofterruine  su  gloena   199 

251.  Ser  SteintreiS  in  ber  flcftcbanber  öeibe   200 

252.  Ser  fdupaw  See  bei  Srnngefeburg   200 

253.  Cochem  flbt   201 

254.  Sag  perfunfene  ScpIob  auf  Dem  yausbetg   2<)3 

205.  Sie  @lo*cn  uon  ^apen^in   204 

256.  SBineta   204 

257.  Sie  qolbene  öeniie  tu  'Buk  a   2t  Jö 

258.  Set  ^ungfernbera  w  iRanftpift   206 

259.  Sie  pcrwuberte  Urimeiiin  im  Wollen   206 

260.  Sie  fcftioarje  ^rau  auf  bem  0o(m   207 

261.  Sie  ipeiBe  »jrau  auf  bem  ftaltbetgc                                ...  208 

262.  Sic  ftlodcn  uon  gudoip   209 

263.  Tic  Jungfrau  im  ^icaem-Uier  aihu   21' > 

264.  Sie  »etfuntene  Stabt  im  gkrmfcc   211 

265.  Set  (Slambediee   211 

266.  Set  tpeifee  6unb   212 

267.  Sie  fd?roane  Jungfrau  in  ber  ü)iaubetl)öi)le  bei  3d)iubUen   213 

268.  Sie  neriuntene  Stabt  bei  Watt   214 

269.  Junten  Wteifcnbagcn    214 

270.  Sag  uerfunfene  Tort  im  iWa&ucfcc   21") 

271.  Sie  alle  Stabt  bei  Serben   216 

272.  S;e  flickte  in  ter  Hiarienhidk'  ui  sSavaaifr    217 

273.  Ser  ffurgrooll  atpifcfren  Dtanenflicft  nnb  Hohberg   217 

274.  Ser  Raubritter  ^utoo   218 

27.").  Sei  "2^otubl'ee  unb  bie  clact  flobrtmmpT    219 

276.  Sie  Jungfrau  im  Stubbenfee   220 

277.  Ser  ftratauberq  bei  flaeban   221 

278.  Sic  Jungfer  im  ffratuSbeTg   221 

279.  Sie  pernmnfdjte  Jungfrau  in  ber  alten  &urg  uon  Sdnpanenbea  222 
2sS0.  Sie  Mircbajoden  pon  3arnidon?   223 

281.  Sie  brei   Jungfern   im   ^urauiaU  bei  lHancnjlici?  unb  ber 

SdUofiertebtling   224 

282.  Sag  SäloB  *u  Saber   225 

283.  Ser  penpünfebte  Sdwfct  in  ttarua.   226 

2b4.  Sie  (trafen  uon  (gberitein  bei  ÜMtoio   227 


XVIII 


Sir. 

Stitc 

2m. 

T>ie  uerfunfencn  Hirzen  bei  ÜJlefoiD  unb  ©anaerin  

229 

280. 

Tie  roetfee  Jungfer  im  oerfunfenen  Scblofe  bei  $latlje  

2'29 

287. 

Tic  ucTiiuiin'djtc  Urmjeifm  bei  OirolVStcpenifc  

230 

288. 

Ter  Vollmer  iöer^  bei  Moro  

230 

280. 

Ter  aro&e  Stein  bot  Oflnftoro  

230 

290. 

Sie  &d)lü)lelmamfell  auf  bem  Äöntq*ftulH  

231 

291. 

Ta*  iievmüufdjte  Scblof;  bei  Ireptoro  an  ber  Weaa  

232 

292. 

Ter  aolbene  Sdjlüffel  in  ber  tfloftcrruine  \\i  ^elbofl  

233 

293. 

Tic  uerfuntenc  Stabt  ÜHeaamünbe  

233 

294. 

Ter  Äerl  bei  (MrapAoro  

234 

295. 

Tic  Wloden  nou  ttrafoia.  

234 

29ti. 

235 

297. 

Tic  uenpiinfebte  ^rinwfin  im  Sdjiefelbeiner  Sctjlou  

236 

298. 

Ter  Saum  im  Äloftcraarten  von  Sdmfelbcin  

237 

299. 

Ter  unterirbifdje  ©ann  uom  Älofter  in  Scbiefelbcin  bis  *um  Sdjlofe 

238 

300. 

239 

301. 

241 

302. 

241 

303. 

Ter  Derftcinerte  Sdjroeinetretbcr  bei  s.Uumlou)  

242 

304. 

Tie  ("Hoden  von  .Ulebom  

243 

305. 

Ter  Trn,üa--3ec  

243 

306. 

Tic  itfleie  im  ;Jeplmer  See  

244 

307. 

Ter  Sölodäberq  bei  Temuclbura  

245 

308. 

Tie  löenbcnfllodcn  im  "iBircbon^See  

246 

:-J09. 

Ter  Schwinäjrer  bei  Söurcboiu  

247 

310. 

Ter  tfammmiec  

247 

311. 

Tie  öloden  von  Ketertau  

247 

312. 

Tao  ucnoünfdjte  Sdjlof?  bei  iHitom  

248 

313. 

Cnn  '.Utii un  wirb  in  ben  ucriDÜnfdjten  ÜJera,  bei  sMutoiu  aefübrt  .  . 

248 

314. 

Tie  ucrwünidjtc  ^uiuu'niu  im  uerwuberteu  SaMofj  bei  söiitotD  .. 

249 

315. 

Tic  ^unafcrumüblc  

249 

310. 

Ter  nxinbernbe  Stein  bei  TamcrSbort  

250 

317. 

250 

318. 

Tag  uenoünfcbtc  Äöniareid)  bei  Sbelaarbt  im  it  reife  Ünuenbura  . . 

251 

319. 

Tic  Scölofeiunrtfcrn  au§  bem  ueriminicbten  Jöerae  bei  IBelaarbt 

roafdjen  SÖäfdje  

253 

320. 

Ter  arojse  Stein  am  ,yufic  be*  ueniuinfdHcn  fernes  bei  ^ei^aröt 

254 

321. 

Ter  Äeffel  auf  bem  uermünfebten  5)erfle  bei  SMaarbt  

254 

322. 

Tie  Wloden  von  Kretin  unb  Saulin  

255 

323. 

Ter  Sdmhc  au*  bem  uernüiufcbteu  Torf  bei  Medow  

256 

324. 

Tie  öloden  in  bem  üefroünfdbten  Torf  bei  SRedoro  

257 

325. 

Tas  'Urebirttbud)  in  bem  oerroiiu'djten  Ton"  bei  Medow  

257 

■m. 

258 

327. 

Ter  topflofe  "Mann  unb  ber  Wiinfeliirt   

258 

32N. 

259 

XIX 

 Stttt 

Tin.  $er  Teufel.  261—327 

329.  allgemeine*   261 

330.  Tet  gflleifftem  ber  SBeiber   263 

331.  Ter  3cfaah  bei  Tanten   263 

332.  Tie  ftirefre  \u  Startoro  unb  ber  Teufeljframm   264 

333.  Tag  "Jtorbfenfter  im  Wtolaiturm  ui  (Mrcifgroalb   265 

334.  Ter  SBettlnuf  um  ba«  Cineradb   266 

335.  Ter  Scbofr  m  03rei?*ttHilb   266 

336.  Ter  Teufel  gefangen   267 

337.  2er  gebafr  bei  WrutotP   268 

338.  Ter  Teufel  ate  fliäbfren  unb  fcer  Ebelmnnn   268 

330.  Ter  leufefcncm  auf  t>cm  kartier  falbe   269 

340.  S?er  ftedctftaler   270 

341.  Ter  ctbafr  im  gilbcrberfl  bei  Rellin   271 

342.  Sie  ber  £d?u)'ter  aug  feinen  leiten  fam   271 

,343.  Dat  Rflkläs  spölen   274 

344.  Ter  frcidonibamm  bei  Doberan   275 

345.  Tet  Opferftein  bei  gufflmüfrl   276 

346.  Ter  Stbafe  im  Tofltruq  bei  Temmin   277 

347.  Ter  Scpofe  in  Temmin   278 

348.  Ter  ganbqraben   279 

349.  Ter  höbe  Stein  bei  «ntfam   279 

350.  Ter  Sdmfe  »u  SdnoermSburo   280 

351.  Ter  Scblofcidmft  pon  Spantetoro   280 

352.  Ter  Scbafr  im  Wolbbera,   282 

3,53.  Ter  Stfraft  in  goflelfano,   282 

354.  3d?afr  petfieaelt   282 

355.  Ter  3cbafr  im  ^aieniher  .fterreni'cMofc   283 

:156.  Ter  Seufeleftein  bei  ^olcfaoro   283 

357.  Ter  Teufel  baut  eine  Scfteune   284 

358.  Tag  Sjrotmönnlein  in  Stettin   284 

359.  Tie  »tutfleden  in  ber  fofobitittfee  au  Stettin   285 

360.  Tie  btennenbe  TOüfee   286 

361.  Ter  Xcufelsftein  bei  (?oben-^ränifl   287 

362.  Ter  gd>aft  bei  Sdnpocfroro   287 

363.  Tas  blaue  Aeuer   288 

364.  Tag  gcufclC'Oclflqe  auf  bem  (Malocnbera,   288 

365.  Tie  SeufctociaV  bei  vJJtarienflicfe   290 

366.  Ter  Teufel  in  bei  3Ratienfird)e  au  ©tarflatb   291 

367.  ginem  3d?aUl)cber  mirb  burdj  einen  Stein  t>er  fiopf  aba,cüfr  lagen  291 
36S.  Sdnparjcr  Mater  wtnxmbelt  fid?  in  Wölb   292 

369.  Habiten  mufr  von  einem  gehobenen  cdiaH  eine  ttirebe  bauen  .  . .  292 

370.  Ter  Teufclebamm  im  sJiauqorEer  See   293 

371.  Snffer  penoanbett  fid)  in  sBein   293 

372.  Ter  gkdmlthaUt   294 


jogle 


XX 


2tL  Siiic 

373.  ffierbemift  penpanbelt  fith,  in  (Mb   294 

374.  (gelb  perroonbelt  fid)  in  ^ferbemift   295 

375.  Ter  Wenerol  i'uremburo,   295 

376.  Ter  leufcl  al3  Stednabel   296 

377.  Tic  Pfir=6finiten   297 

378.  5dnnieb  hilft  ein  eifernd  ffanb  für  ben  Teufel  febmieben   298 

379.  Ter  Teufel3bamm  im  Sotfcbtpinefee   299 

380.  TcufelSfput  pcrcitclt  ba*  Sdjahgraben   299 

381.  Ter  3d)lofefd>qfr  \u  Tnfrcr   300 

382.  Tie  brei  £  flippen  voll  ftobjen   300 

383.  Ter  tote  frunb   301 

384.  Ter  tote  cctninmel   301 

HS").    Ter  nertleibete  leufel .  .  . .      302 

:N).    Beutel  aU>  Uferb  '.   304 

3S7.    leufel  Im  1 1  einen  alten  Wann    3"4 

388.  Ter  flrofecStein  bei  Qtiüoip   305 

389.  Ctto  uon  Bamberg  unb  ber  Teufel   305 

390.  Tie  pier  Soppen   306 

391.  Ter  Teufet  ftetlt  Tämern  unb  Spielern  nacb   307 

392.  Ter  8d?afe  in  gahig   309 

393.  Tie  8d)äfer3tod)ter   309 

394.  flauer  tpill  ben  Teufel  betrügen   311 

395.  Tng  ffontmftuud)  beg  Teufels   311 

396.  Scoahe  bei  Whig   312 

397.  ffbelmann  hebt  einen  (Schah   313 

398.  Ter  ftifdjet  unb  ber  Teufel   314 

399.  Tie  flrofcen  Steine  Ihm  Qrofc=Tt)cftcnp  unb  flurjlaff   315 

400.  Ter  3ct)au  in  311t  -Traheim    317 

■IUI.    Ter  flidner  unb  ber  leufel   318 

402.  Tot  geprellte  leutcl   320 

403.  Teufel  betommt  für  einen  £d)ah  baä  fllut  pon  fiepen  ff  rübern..  321 

404.  flauer  in  IrKbiattoro  übergiebt  bem  Teufel  fein  0*elb   322 

405.  Ter  reiche  unb  ber  arme  flruber   323 

406.  Olelb  lüttert   323 

407.  Ter  Teufel  bejeftentt  einen  flauem   324 

408.  Ter  Teufel  fdnnbet  eine  l'eicfte   324 

409.  Ter  Teufel  roirft  nacb  einem  (£dmt  lieber  mit  bem  fleile   325 

410.  ^roei  Teufel  fud>en  einen  jungen  ÜJtann  \w  ucrfiirjtcn   326 

411.  Ter  leufel  in  (%oft-.floi\tpol   327 


IX.  freren  unb  ^anbercr.  328—363 

412.  Allgemeine»   328 

413.  Ter  ftreifeftufr   330 

414.  Tie  Ticbslicftter  unb  Tiebsferjen   331 

415.  Tie  ficu'umühe  unb  ber  MreuL>frornftod   332 


XXI 


äfc.  Seite 

416.  Ser  unfdbulbiae  freienmeiftet   333 

417.  Sie  perbrannte  freie  au  frobenborf   333 

418.  SeT  fdwfefeftc  Qeneral   334 

419.  freien  Penaten   334 

420.  milö)  abmetfen   335 

421.  Ser  fKabeliauber   335 

422.  Set  Zauber  mit  bem  Sucfte   336 

423.  Sie  frere  unb  ber  Scufel   337 

424.  Sag  fiei''eli"  dauern  in  ber  9?euial)rgnad)t   338 

425.  Ser  ftreiicfrüfe  in  ber  AaMenipolber  freibe   339 

42li.  Sas  yercnreiteu  \\i  sBaUuuajg   340 

427.  freie  im  Siebreifcn  bei  3)cicrgftöt>e   341 

428.  Ser  <Rudentno<ften  nom  febroarjen  flater   341 

429.  fluaen  nerblenben   342 

430.  Sie  Müllerin  unb  ber  ?Jtüblrnecfrt   342 

431.  Set  fflodsbera  im  Scftroerincr  3?rud)   344 

432.  freie  roiü  ibte  Softer  säubern  lebren   345 

433.  'Urebiaeretoditer  lernt  haen   345 

434.  *353ic  man  freien  unb  frerenroert  ettennen  tann   346 

435.  CtouHet  cntlarpt   346 

436.  Ser  Softer  unb  ber  Sd)äfer   347 

437.  Sog  fedjftc  unb  fiebentc  %ud)  'JJloieg   347 

438.  Sag  SSuttermacben   348 

439.  Sag  Scblofe  perfcblieften   349 

440.  frinriebtunfl  einer  ftinbgmürberin  bei  Saber   349 

441.  3Bnrum  ber  Xna_  jlbbon  iefet  fleatm  beißt   350 

442.  Ter  Räuber  in  ber  flnbicaöuqdit   H5< > 

443.  Ter  ^lodybera,  bei  Sannum   351 

444.  Ccbfe  in  Hobe  gezaubert   351 

445.  ÜWittrood)  unb  Sonnabenb  finb  feine  Sage   352 

446.  freie  entbedt   353 

447.  Sßaftor  lebrt  eine  grau  befprerfjen   353 

448.  Viebfvuntber  in  ber  ^eujabrgnacbt   354 

449.  freie  fäbrt  jum  fflodt-beta,    355 

450.  Sie  uni'dmlbia,  neibrannle  frrrc   355 

451.  Untreuer  '.Wann  wirb  berbeiaeforiu   356 

452.  Straft  teg  Sieb$fea,eng   357 

453.  Ser  Qfalflenberg,  bei  Sempclbura,   357 

454.  Chrot  Tromk  iif  klnu  Treink    35X 

455.  freie  oernuinbclt  )ut  in  einen  ^aaen   359 

456.  Sie  Freimaurer   360 

457.  sBic  bie  Arcnnauret  ibre  fiebeiinniife  bewabren   361 

45S.  Sie  Wartie  ber  Areinuuirer   361 

459.  Ser  Freimaurer  *Rubel  in  ÜJlefoto   361 


460.   Die  ber  Seufet  mit  einem  Freimaurer  bind?  bie  üiuft  tortte   362 


XXII 


X.  $te  2Woftrt,  364—378 

461.  Moemeinc*   364 

462.  3nat?rt  mit  tfouftbanbfcfrufren  ergriffen   365 

463.  Wann  fteirotet  bic  üKarjrt   366 

464.  ^ferbemabtt  in  Ufcbom   367 

465.  Tlaijü  im  Siebranb  gefeinnen   368 

466.  ^fctbemabrt  uerroanbelt  fiel?  in  eine  3tcrfnabcl   369 

467.  IRabit  in  Sdjroatjotp   370 

468.  3Hofrrt  uerungliidt  mit  ihrem  Siebranb   370 

469.  gjlabrt  tötet  einen  SRenfchen   371 

470.  M)rt  als  8irnfeiae   371 

471.  Wahrt  als  Strohhalm   371 

472.  IBtabtt  burdj  ccbeltroorte  uertrieben   372 

473.  "Jcabrt  läuft  in  einem  ciebtetfen  nach  (foiodlonb   372 

474  OTaftrt  in  Mifeia   373 

475.  ÜKahrt  in  feifetb   373 

476.  Tic  bret  QJtabrten   374 

477.  Wahrt  als  gaclbime  mit  smei  (Stengeln   375 

478.  $ie  Wahrt  als  (Schimmel   375 

479.  Wahrt  roirb  herbeigefodit   376 

4MP.  Tie  Wahrt  ueruxmbelt  ftd)  in  einen  gelben  Gipfel   376 

481.  Wahrt  üuf  ben  nnbern  2a\\  hefte LIt   377 


XI.  $er  gBcrmolf.  379-387 


482.  Allgemeines   379 

483.  $ie  gBerroblfc  in  (greifSroaFb   379 

484.  ®er  SBerrcolf  bei  fiafeburg   380 

485.  Hauptmann  ol*  'ÜSermolf   380 

486.  Ter  'üBcrrooIf  bei  flarnoro   381 

487.  Stau  bat  Umgang  mit  einem  SBerrooIf   381 

488.  Berroolf  bei  yflngrab«   382 

489.  £ie  Sermölfe  im  flegentpalber  ftreife   383 

490.  $er  9BenooIf  in  Sarnorp   383 

491.  $cr  SBerrootf  in  Ärohia   384 

492.  ISic  brei  Drishitro   385 

493.  S)er  flferbefreffer  in  ftteboto   385 

494.  Benpolf  erlöft   386 

495.  Ter  \YillpduowPl»d6d   3S7 


XII.  $et  <OTenfd).  388-432 

496.  KügemeineS   388 

497.  ©dmxm-  unb  %bebor»©teine   390 

498.  Sie  roeifee  WauS   390 


XXIII 


2^  2cuc 

499.  $er  Doppelgänger   391 

500.  gonntaqgftnber  unb  (jkifterfcher   392 

501.  $gg  Tanten  ber  Seele   393 

502.  3)ie  roei&en  Sauben   394 

503.  3ttli(frtet   395 

501  ftrrlicftt  roirb  burd)  Studien  uertrieben   395 

505.  ftnlidn  bei  Medow   396 

506.  Do  frame  Dur   396 

■")07.  Ter  Tornbufd)  bei  ^qtob*l)qq,eu   338 

508.  S)ie  3)ifteiüaube   398 

509.  Ter  fputenbe  3kum  m  Trambuui   399 

510.  Sag  *lbtenrobr   399 

511.  Ser  Kcuntütcr   401 

512.  $a3  Unt)ir  ober  Unbuer   402 

513.  £a3  Unbir  in  £r*ebmtfou>   402 

514.  $er  9?ad»ehrer  in  flqtfäoro   403 

515.  Ser  Xreufdbrout  auf  Sob  unb  &ben   404 

516.  Verdorbene  9Rutter  ftiüt  ihr  timb   407 

517.  Qeift  ber  redeten  Butter  jücfttiflt  bie  Stiefmutter   408 

518.  2\c  -Seelen  abq^rinebencr  C*i)eaatten   408 

519.  De  Grising  un  de  Schatz   408 

520.  3)a3  Sotcnbembe   411 

521.  l'eicfre  ergreift  einen  Tieb   412 

522.  ÜRäbcften  raubt  einem  ®eift  bie  Scblafmüfrc   413 

523.  geftrafter  %ortpifr   413 

524.  fieiebe  aerteifet  einen  founb   414 

525.  £)er  (Stottwbietift  ber  Qeifter   414 

526.  Qkift  forbert  feinen  Sarg  jutüd   416 

527.  De  Briigg  hi  Slcmmin   416 

528.  Do  Steen,  de  do  Klook  slan  hürt   418 

529.  Doi  Maudol   420 

530.  5)er  fputenbe  ftelbmeffer   421 

531.  öefpcnftifaV  ÜHcitet   421 

532.  Gfofpcnmftfrc  frunbc   422 

533.  2ai  Strohrtbrccrjcn    422 

534.  2ex  beiliqe  ÜBartbelma  in  ber  Atafelorocr  freibe   423 

535.  ftid  aud)   423 

536.  Sputenber  irbelmann  imrtj  ipcflgetraacn   424 

537.  Sputenbcr  üBauer  in  Tororo  roirb  gebannt   424 

538.  Ser  pom  ftengft  crfcfalagene  gnejfrl  ♦   425 

539.  3)er  @put  auf  ber  3d)ard)oroer  $3  rüde   426 

540.  $er  Sput  in  flemife   426 

541.  3)er  gefpenftifefre  guefrä  am  ffordnoalbfee   427 

542.  Ter  fputenbe  Sebroeinehiinbler  in  9iibtg   427 

543.  Ter  3puf  auf  bem  231oefcberq,  bei  Jiifet^   428 


XXIV 


544  Spufcnbeg  TOäbdien  bei  %rnebiatfoip     428 

545.  Qkfpenft  roegfingen   429 

546.  9tocfrtttcujer  unb  9tad»  lidner   430 

547.  Sie  befeffene  SBäuerin  in  *Bügeu   431 

548.  ®er  gefeffene  in  HoUin   432 


XIII.  $ie  £icre  unb  ffffonficn.  433—492 

549.  Sie  bet  f&äx  au  feinem  fonberbaren  fluäfeben  getommen  ift   433 

550.  S)et  treue  ÜBät   434 

551.  Sie  ein  Lebemann      einem  Griten  warb   435 

552.  S)er  3Bolf   436 

553.  Sie  ber  s3Bolf  m  bem  fteifen  oEemd  unb  bem  Eumpfufe  getommen  ift  437 

554.  Sie  ber  Solf  um  feinen  Sd?roan,s  tarn   437 

555.  £ej  Solfee  t\M&en*ge;~d)id)tc   43S 

556.  Sie  ber  Soli  ben  And?*  betrug  unb  frod)  juletU  Den  turjeren  joa.  439 

557.  Voss  un  Wulf  up  de  Kinnellnr   441 

558.  Sie  AudK-  unb  Soli  \nx  .v?üri?^eit  aufluden  gingen   444 

559.  Sic  bet  %ud>§  ben  Solf  an  ben  dauern  »erriet   446 

560.  Ter  Aiutv  unb  ber  flauet   447 

561.  $er  ftutbs  unb  ber  Kanter   417 

562.  2)er  ftucfag  unb  bic  ®ang   448 

563.  S)et  ftucfrg  unb  bet  ftotm   449 

564.  3)et  feofe   449 

565.  $er  qRautiourf   450 

566.  £>ie  Matten   450 

567.  Sie'3  getommen  ift,  bab  bic  frunbc  bie  Atnod?en  etbalten   451 

568.  Scvbnlb  Die  .vnmbe  fid)  immer  bericdien   452 

569.  SlWw  triebt   453 

570.  Stäben  barf  man  bei  DuicjUsctt  uid?t  anreben   4">4 

571.  3)05  lU'erb   454 

572.  S)a3  fHinb   455 

573.  Winbcr  ueilünben  ben  lob  iljre*  v)errn   455 

574  3)et  fttieg  ber  ÜBbget  mit  ben  pietfüBioen  Xiercn   456 

575.  Seäbalb  bie  0änfc  oor  ben  Schafen  über  bie  Stoppeln  getrieben 
roerben   460 

576.  $er  Hbebot  ein  Mttetgutäbefifeer   461 

577.  Sas  Storcfaianb,  unb  roic  ein  Bieter  Don  ]u   einem  Jlbebor 
geworben  ift   463 

578.  Sd>iffer  fegelt  baä  Stotcfrlanb  auf   464 

579.  £ae  feibene  unb  bn*  golbenc  flanb   465 

580.  1er  ÜBlaufuft   465 

5S1.    Sic  (gute   -167 

582.  Eule  unb  Dtuuv    467 

583.  Xie  Krabe   468. 


XXV 

584.  gßqg  )\<b  bic  fträfrcn  eryiblcn   408 

585.  Ser  Kabenftein   4T)9 

586.  Ter  ÜRabc  unb  bet  ffiebifr   470 

587.  Sic  elfter   471 

588.  Set  ftuduet   472 

589.  Sie  bet  fludud  feinen  tarnen  betam   472 

590.  Set  Siebcbopf   473 

591.  Seeaal  b  Die  'IkucMrimHilhen  einen  roten  Med  unter  ber  Mehle 

hohen   174 

592.  Ter  8ttcqttU   474 

593.  Sic  flofttigaU   475 

594.  Set  ;"{aun-  unb  ^criolUmiq   475 

595.  Sie  bet  flauntäniq  ein  ßönig,  bet  $öflel  gerootben  ift   477 

596.  Sa?  flotfclcbcn  unb  rie  Woblmcifc   179 

597.  ^ogelfrnute   481 

598.  Set  ftlunber   483 

599.  Sic  'Platane   483 

GOO.  Sie  Ätemotter  unb  bic  %ünbfcbleid?e   484 

601.  Set  geblangentäniq   485 

W>2.  Sem  rclilmiqcntbnig,  wirb  bie  Mrone  gerauht   485 

603.  erlangen   486 

004.  Sie  ftabifee  ((*ibcd?fc)   487 

605.  ftroicbqcfprädb    487 

606.  Sie  »jene   487 

«it >7.  Sa*  fratwerb  (VihollO   4*8 

608.  Sie  Spinne   488 

609.  Sie  "JlVibe  unb  bie  lannc   4SKJ 

61<>.  Set  flalbtmn   491 

61 1.  ^crgifnncinnicbt   491 

612.  Ser  gVrnftein   492 


XIV.  l'fflcttbcn  unb  Icflcnbiftfjc  (frsäftlunßcn.  493—508 

613.  Set  ftert  ($btiftu3  befugt  ben  ^cidjen  unb  ben  Ernten   493 

614.  Seähalb  bie  Mütter  it)te  ftinbet  ein  g,an&e§  ^abt  auf  bem  Htm 

tragen  miiffen   494 

615.  Ser  fferg  fltatat   494 

610.  Set  fromme  Vaffeniu*   495 

617.  Sie  sjflqrtinSgane   498 

618.  Sie  ttitcbc  jju  (Mingft   498 

619.  Sie  Mircfte  in  (jktib   499 

620.  Sie  Mircbc  in  l'uhbcn   500 

621.  Spott  heim  (Gemittet   500 

622.  Sie  btei  oajüffe  naefa  bem  liehen  Wort   500 

623.  Sic  frmb  in  Sellentin   501 

624.  Sag  Sorf  Ungnabe   501 


jogle 


XXVI 


*L  Still 

625.  Tie  beiben  Störe  unb  bie  getstgen  .Wöncbc  \\i  Wxobc   502 

626.  2Bie  ber  alte  fttife  unb  Rieften  bei  bem  dauern  cintehrten   503 

627.  S)tc  Raubcrtünfte  beg  alten  ^rife   505 

028.    Ter  alte  ,yrih  unb  ber  8auw   5U5 

62?.).    Ter  alte  Arifr  unb  feine  gefallenen  3olbatcn   ~>4 jG 

630.  Ter  alte  ,uifr  unb  fein  3olbat   506 

631.  T)er  alte  frift  im  fltroat   508 

632.  Ter  alte  ^rijj  unb  fein  öliger    508 


XV.  %ouemftrcid)e  unb  'Sflioänfc,  ?Wätfclmarrf|cit.  509—527 

633.  Wüßr  Külmami  dat  Spn-kpn  tirt   50!) 

634.  Würaus  dei  Taotröor  ein  Söll  Atmuetcn  habbn   510 

(>35.    Von  den  Räubpiistaelern   511 

636.  Dat  Vägelnest   511 

637.  Wiirans  dpi  Tactrijfr  dei  Schau  rnäkpn   512 

638.  Würans  dei  Schult  in  Tactro  praedicht  hät   513 

639.  3er  flnoanfl   514 

040.    Ter  Wfafioroer  (Alflen   514 

641.   2)ie  ftird)e  in  Ranoro   515 

612.    Tic  Ranoroer  fiien  3a Ii   515 

643.  Tie  oparfamfeit  ber  Ranoroer   516 

644.  sBie  bie  Ranoroer  u'üilen    516 

645.  Tie  Ranoroer  bringen  ffauboh  in  bie  Stabt   516 

646.  Ter  *])tau*bunb  in  Ranoro   517 

647.  gfoSbalb  bie  Ranoiofcfte  ftelbmart  fo  Kein  i?t   517 

648.  Ter  Mönig  tommt  bureb  Ranoro   518 

Gl!).    Tae  Walhaii*  in  T>atfctoro   518 

650.  3)ie  luftige  ©efdueftte  vom  dauern  ftieroit  in  Tarfetoto   519 

651.  (hilenfmcaet  in  Sommern   532 

652.  gulenfuiegel  lebtt  ben  gfcl  lefen   524 

653.  ftrau  aiebt  ben  9fäubern  ein  fflätfel  auf   525 

654.  sXSic  ber  3d?afcr  bem  (Balgen  entrann   525 

655.  Verurteilte*  ÜKäbcfrcn  rettet  tut  burd?  cm  Watfei   527 


XVI.  £<crnnfrt)tcv.  528-541 


656.  61ou&  Störtebeden  unb  (jtöbete  <Ptid)el   528 

657.  Sie  ^ftörbcT  im  9RotbtubIenberq  auf  2Bollit   529 

658.  9Kttet  Demming   530 

659.  Ta*  WaubfaMoB  bei  ftantred   531 

660.  S)ie  Dtäubet  im  (SoHenbetge   533 

661.  S3aggu3  Spedin   535 

662.  2)ie  Stranbberoolmer  in  feinterpommem   535 

663.  Ter  leufelSfee  bei  WaticnfUcB   536 


XXVII 


Kr.  Seite 

664.   3)a3  »ojclflelb  in  <5xt)lam   536 

m.    Str  Warne  2)emmin   538 

G66.   Sei  flgme  Ufe&om   5.'» 

667.  S)er  9tame  Sroinemünbe   539 

668.  Die  ÜKiiftlen  bei  Stettin   540 

6G9.    3)ie  treue  Xodjter   540 

670.   £)er  ffuraroaü  tm  gpirfloro  See   541 


I. 


alten  GMtta* 

i. 

8tf gemeine*. 

Sßon  ben  alten  beulen  ©öttern  fjat  fid)  bic  ©ejtalt  beS 
Wuotan  ober  Wöden  in  ber  pommerfdjen  $>olfSfage  am  fc^ärfften 
erhalten.  35or$ügtic^  tritt  er,  tok  überall  im  üReid)e,  als  roilber 
.^ager  auf,  aber  nid)t  in  farblofer  £rabition,  fonbern  in  frifd)en 
tebeubigen  Sagen.  $ier  liefet  er  als  SobeSgott  bie  Seelen  ber  tym 
oerfallenen  9Jienfd)en,  bort  jeigt  er  fid)  als  ben  grimm ften  ^einb 
ber  9ttefen  (£ünen),  3merge  un^  SKeerjungfern.  33alb  üerfolgt  er 
bie  meifee  ftrau,  batb  jagt  er  3auberer,  £iebe  uiib  aubere  5?civ 
brecfyer.  ^n  iener  ©egenb  gieljt  er  auf  einem  ©agen  burdj  bie 
2üfte,  in  biefer  fyod)  ju  SRofe  an  ber  Spifce  eines  jafyllofen  ©efolgeS, 
tuieber  in  einer  anbern  als  einfamer  SHeiterSinaun  auf  fd)neetoeifjem 
Schimmel  ober  auf  feuerftammenbem  Wappen,  begleitet  Don  feinen 
fdjtoaraen  §unben. 

ferner  tt>ei§  ber  pommerfd)e  93olfSmunb  $u  berieten,  urie  ber 
©ort  $um  »üben  $äger  toarb.  üDcan  fennt  ityn  als  ©unbertljäter 
imb  a(S  mächtigen  SBefdjüfcer  feiner  ftreunbe.  <©elbft  als  ©rnte» 
gottljeit  ift  er  nod)  IjeutigeS  Jage«  befannt,  par  nidjt  in  ber  Sage, 
tootyl  aber  im  ©raud),  maS  Ijier  beSfyalb  nur  Iura  in  einer  3ln> 
merfung  berührt  werben  (ann  1). 

l)  3n  t'eljr  uielen  Orten  Bommerns  wirb  au£  ber  legten  ßorngarbc 
eine  men(d)lid)e  ©eftalt  geflochten,  ber  211  te  genannt.  £aj?  biefer  2Ute, 
nxlcber,  mit  ^Blumen  betränkt  unb  mit  SBänbern  gefdjmüdt,  in  feierlichem  3uöc 
por  ba§  $crrenf)au$  getragen  mirb  unb  bort  einen  (Sbrcnplafe  erbält,  niebt* 
anbereS  tft  als  eine  Opfergabc  für  Wöden  unb  baji  ber  ?Utc  ein  SJctname 

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2 


3iks  nun  ben  tarnen  Wöden  angebt,  fo  f>at  fid)  berfelbc 
in  inelcii  Mreifeu  erhalten,  natürlich  ntd)t  olme  getoiffc  bialeftif c^c 
yautpcränberungen.  £)a«  w  ber  altfäd)fifd)en  Urform  ift  lu'er  unb 
ba  in  g'  übergegangen,  aus  6  ift  au,  aus  d  ein  r  unb  aus  biefem 
r  toieberum  ein  1  geworben.  9lufserbem  ift  meiftens  bas  n  fort* 
gefallen,  bafür  aber  fyäuftg  bie  £>eminutiü*(5nbung  ke  (;d)en)  an- 
gefügt ttjorben.  Sir  finben  im  gangen  folgenbe  formen:  iniRügen 
unb  ^enoorpommern :  \V  ö  d  e,  Waur,  W  a  u  1,  G  a  u  d  o  n,  G  a  u- 
ren,  (fiefje  oben  bie  Slnmerfung);  auf  Ufebom^öollin:  Waud1); 
im  Streife  feminin:  Waurke,  Wödke,  Gaur;  9iaugarb: 
Wöd;  ftürfteutum:  Wötk;  Wcuftcttin:  Wüid  unb  Wdd. 

Ü5on  gleidjcm  bitter  ift  bie  ^Benennung  a  cf  et  ber  g  (Häkel- 
barch), tueldjc  in  oieten  Dörfern  ber  Greife  ©rimmen  unb 
feminin  für  ben  unlbcn  $äger  allein  befannt  ift.  £as  Sort  ift 
cntfteltt  aus  Hakclbercnd  unb  Tcniiftcidjnct  Wöden  als  ben 
2Jiantelträger,  nad)  feinem  großen,  gewaltigen  3)?antcl,  bem  Rimmels* 
jelt.  2lud)  bie  3käciduumg  als  &  r  a  f  oonßbernburg  im  Greife 
iRaubow  mag  alt  fein  unb  auf  mt)tf)ologtfd)er  ©runblage  berufen. 
Dagegen  jeigen  Manien  wie :  D  u  e  w  e  1,  13  od  s  e  r,  Beelzebub, 
Dräk,  Alf,  Rödjäckter,  weldje  fonft  bem  loilben  ^äger  bei* 
gelegt  werben,  bie  Ijäufig  beobadjtete  (Jridjcinung,  bajj  bie  alten 
Ijeibmidjen  (Götter,  fofralb  fie  bem  $olfsgebäd)tnis  $u  entfajwinben 
beginnen,  teuflifd)e  9fotur  annehmen  unb  fd)lief;lid)  sunt  £eufcl 
felbft  werben  ober  in  bic  Älaffe  ber  niebern,  etbifdjen  ©eifter,  ber 
iiobotbe,  T)rad)cu  u.  f.  w.,  übergeben. 

bicfeS  6otte§  ift,  babc  id)  nadjaeroiefen  in  meinen  „Teutfd)c  CpfcrgcbräudK 
bei  Sieferbau  unt>  $ielr,ud?t.  Breslau,  ©illjelm  äöbner.  1884.  S.  171 
bis  174."  —  ^n  ben  Mreifen  Ofcimmcn  unb  Tcmmiu  roirb  nad>  bem  Grnte= 
id>mau$  (Arcnklatsch)  ben  cinjelnen  Grntearbeitern  eine  (Sab:  an  ^leifd), 
©urft,  ibrot,  $orn  n.  inö  $aul  gefdndt.  9Han  fagt  baju:  „Tal  friegt  iljr 
auf  Gaudon  Ueil,  auf  Gauren  Doil  ober  up't  Gaur."  Tiefer 
Skaueb  ftimmt  ju  ber  uon  Aufm  unb  Scproarb  für  einen  ajofeen  Teil  xJiorb= 
bcutfdjlanb*  uadjgeiüiefeneu  3iUe  bc*  Vorgodendeol  (—  Frau  (Pro)  Godon 
Teil),  unb  bebeutet  fomit  jene  merfiu'irbiflc  Webcnäart  auf  l)od)bcutfd>  fouiel 
als:  „3br  bclommt  bas  auf  "©uotans  (Gaudeus,  Gaurens. 
Gödens  =  Wödens)  Teil,  auf  3«3uotan".  sHgl.  ju  bem  Vergodendeel 
meine  Cpfergelmiuebe  £.  166  fg.  unb,  bte  bort  angeführten  Jöeleajtellen. 

l)  lUuf  Ufebom  unb  ©ollin  fagt  man:  -De  Waud  kümtu,  roenn 
nidjt  abgefponnen  ift.  «gl.  Äubn  unb  Sdjnwri,,  "Jtortib.  Sagen  u.  @ebr. 
6.  413,  9tr.  173. 


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$\\  geringerem  IDJa^c  als  bie  (Erinnerung  au  Wöden  I?at  bie 
pommerfdje  Überlieferung  ba$  Mubenf en  au  feine  ®emafylin  Fria  be= 
maljrt.  $>ie  fpärlidjen  tiefte,  Ivette  fid)  oon  bem  Manien  ber  (Güttin  cr^ 
galten  baben,  fiiib  in  *Jir.  31)  $ufammcngeftellt.  (linen  trefflichen  J-ria-- 
mptfyuö  bietet  bie  Sage  iwu  bei*  Mümilisel,  weldje  trofe  ber 
fdjeinbar  30113  fübbeutfdjen  32anicn$fonn  ed)t  poinmerfdjen  CEfyarafterS 
iji.  Q'n  ber  W atermäunk,  W a t e r ni ä u in,  I * ü 1 1 nur  11  unb 
in  ber  Roggen  mau  er,  Korn  111  uun  erfdjeiut  fttia  als  tyrvm* 
neu*  unb  (Srntegottfyeit,  freilid)  fdjou  in  arger  (Sntftctlung,  ift  fic 
bodj  3um  Sdjrecfgefpenft  unb  jur  iiiuberfdje  11  dje  fyerabgefnnfeu.  ©ö 
ift  eben  bei  u)r  berfelbe  3erfefcungöpro3ejj  t>or  fidj  gegangen,  wie 
bei  bem  Wöden. 

33on  fonfttgen  ©örtern  lebt  in  ber  Sage l)  nur  nod)  bie  £obe$; 
gottheit  fort,  teils  als  perfonifiaierter  Xob,  teil*  als  roerförperte 
Siranfljeit.  $)a$  Nähere  barüber  ift  aus  ben  unten  aufgeführten 
Sagen  erfidjtlid),  nur  bie  fpridnubrt  liehe  iKcbcnSart :  „Dem  Xob 
ein  paar  Sdjlurrtüffeüt  geben"  (Hr.  Wegeuwalbc);  „Dem  Död  he 
pur  Schuuh  schenke"  -)  mag  l;ier  üne  «teile  finben.  Sic 
fenn$eidmet  ben  Qwtt,  wie  er  i?on  beut  aus  fdjwcrer  Jlranfbcit 
©iebergeuefenen  £pfer  forbert  unb  erhält,  unb  ift  bestyalb  für  uns 
Don  fyödjftem  ^ntereffe.  ^m  übrigen  finb  bie  ^orftcllungen  uon  ber 
^erfonififation  beS  £obcS  unb  ber  ftraufheiteu  nod)  immer  unge* 
mein  verbreitet,  unb  es  bürftc  üerfyältniSmäjng  wenig  Öanbleute 
geben,  bie  nid;t  feft  baran  glaubten,  bafj  3.  23.  bie  Cholera  ober 
irgenb  eine  aubere  ocr^cercnbc  Seudjc  ein  bewußte*  bämonifdjeS 
föefen  fei,  wctdjcS  je  uad)  feinem  ©utbünfeu  in  biefem  Orte  alle 
2ien?o^ner  tötet,  wäfyrenb  fic  jenen  gnäbig  bcrfdjont. 

Sie  lefete  Sage  in  biefem  Kapitel  ift  ein  Üiiebcrfajlag  beS 
germanifdjen  9ttr/tf)uS  00m  Seituntergang  (Kagnarök).  Souft  finb 
jeboef;  bie  lieber f daläge  bou  ©ötter*9Jitttl;cn,  wie  fic  fid)  in  ben 


»)  3m  Volfsbraucb  unb  in  ben  Weinungen  bei  Vanbleute  finben 
ftd)  j.  5Ü.  nod»  manche  tfrinucrungcu  an  ben  Donnergott  Thuner,  loä'hrenb 
bic  Soge  ilm  in  ber  Weftalt  Wödcns  Ijat  aufgehen  laffcu  0)ir.  '20,  9iv.  3T> 
barin  beionber«  bemerlen«wcrt)  ober  il?n  juni  Xeufel  gemacht  hat  u".  ba« 
Kapitel  „Ter  Scufel"). 

*)  Vgl.  ju  ber  jiueiten  iKcbeuc-art :  C  Mnooy,  Volfsfagen  au«  bem 
öftlidjen  fcinterpommern.  3.  VII;  über  bic  fonftige  Verbreitung:  3al)n,  'Die 
beutfäeu  Opfcrgebrauche  bei  Adcrbau  unb  Vichjudjt.   3.  13. 

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4 


Sagen  öon  bergentrtitftcn  gelben,  Weifjen  5rfluen/  Sdjlüffeljung* 
fern  u.  f.  w.  erhalten  fyafan,  Eier  nidjt  berücffidjtigt  worben,  fou* 
bern  werben  in  einem  befonberen  Slbfc^nitt  beljanbelt  »erben. 

2. 

$cr  SBobe  in  JRtigeu. 

Sor  langen  3eiten  lebte  im  Sad)fenlanbe  ein  großer  $tirft, 
ber  oiele  Surgen  nnb  Sdjlöffer,  Dörfer  nnb  ^-orften  fyatte.  C£r 
liebte  am  meiften  oon  allen  Dingen  in  ber  Seit  bie  ^agb  nnb 
Übte  mef>r  in  ben  wilben  Sälbern  als  auf  feinen  <Sd)lbfferu  unb 
war  überhaupt  eines  jäljcn  nnb  wütigen  ©emüteS  nnb  ein  rechter 
ßwingljerr. 

(Einft  f>atte  ein  {)irtenfnabe  in  feinem  Salbe  einen  jungen 
Saum  abgefault  unb  fidj  aus  ber  abgehalten  9tinbe  eine  @d)almei 
gemacht.  Diefem  armen  unfdjulbigen  Silben  fyat  ber  llnfyolb  ben 
Vcib  aufgefdmitten  unb  baS  (Snbe  beS  ©ebärmS  um  ben  Saum  ge* 
bunben,  unb  nun  Ijat  er  ben  Knaben  fo  lange  um  ben  Stamm  treiben 
laffen,  bis  baS  ©ebärm  aus  bem  Vcibe  gewunben  unb  ber  Änabe 
tot  Eingefallen  mar,  unb  baju  Ijat  er  gerufen:  „Das  ift  bie  Sdjal« 
mei,  worauf  bu  blafen  follft;  baS  ljaft  bu  für  bein  pfeifen."  — 

©inen  Sauern,  ber  auf  einen  §irfdj  fdjofc,  welcher  ilmt  baS 
ftorn  abwertete,  f)at  er  olme  alle  Sann^erjigfeit  l^beubig  auf  ben 
$'u\d)  feftfdjmieben  unb  baS  milbe  Jier  fo  mit  ifmt  in  ben  ©alb 
laufen  laffen.  Da  ift  baS  geängftete  ©Üb  mit  bem  armen  Spanne 
fo  lange  gelaufen  unb  Ijat  ifym  t'eib  unb  $)aupt  unb  Sdjenfel  an 
ben  Säumen  unb  Strändjern  fo  lange  jämmerlid)  jerquetfdjt  unb 
jerriffen,  bis  juerft  ber  Sauer  tot  war,  bann  auefy  ber  §irf$  Ein; 
ftürate. 

ftür  foldje  greulidje  2^aten  f>at  ber  ungeheure  ilttaun  enblidj 
audj  feinen  oerbienten  tfolm  befommen.  (£r  t>at  fid)  auf  ber  $agb 
mit  feinem  ^Jferbe  bdt  $alS  gebrochen,  weld)eS  burdjgegangeu  unb 
fo  gewaltig  gegen  eine  Sudjc  gerannt  ift,  bajj  eS  ben  Slugenblid 
tot  Einfiel,  bem  Leiter  aber  an  bem  Saume  baS  ©e^iru  in  taufenb 
Stüde  jerftob.  Unb  baS  ift  nun  feine  Strafe  nad)  bem  lobe,  baß 
er  aud)  nodj  im  ©rabe  feine  9tuEe  ljat,  fonbern  bie  gange  Wadjt 
umf>erfdnreifen  unb  wie  ein  wilbeS  Ungeheuer  jagen  muß.  Dies 


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gefdjieht  jebe  9kcht,  ©tnter  unb  Sommer,  oon  üttitternacht  bi« 
eine  Stunbe  oor  Sonnenaufgang,  unb  bann  fjören  bie  l'eute  it)n 
oft:  „©ob!  ©ob!  §ot)o!  ,£>allo!  $aUo!M  föreien;  fein  gewöhnlicher 
iHuf  ift  aber:  „©ob!  ©ob!  unb  baoon  wirb  er  felbft  an  mannen 
Orten  ber  ©obe  genannt. 

Der  ©obe  ftefjt  fürchterlich  au«  unb  fürchterlich  ift  auch  fein 
Slufeug  unb  fein  ©efolge.  Sein  $ferb  ift  ein  fchneewei&er  Schind 
mel  ober  ein  feuerfl  ammige«  9io&,  au«  beffeu  braufenben  Lüftern 
Junten  fprütjen.  Darauf  fifet  er,  ein  langer  hagerer  üttann  in 
eiferner  Lüftung,  Qoxn  unb  ©rimm  funfein  feine  2lugen,  unb  fteuer 
fliegt  au«  feinem  5lngeficht ;  fein  £eib  ift  oornüber  gebeugt,  weil  e« 
immer  im  haHenben,  faufenben  ©alopp  geht;  feine  fliehte  fchwingt 
eine  lange  ^ettfaV,  mit  welcher  er  fnallt  unb  fein  ©ilb  aufjagt 
ober  auch  *>a«  oerfolgte  fchlägt.  ©iitenbe  Jmnbe  ohne  ßahl  um* 
fchtoä'rmen  ihn  nnb  machen  ein  fürchterliche«  ©etofe  unb  ©eheul; 
er  aber  ruft  oon  £eit  gu  3ett  brein: 
„©ob!  ©ob!  $>allo!  $>a(lo! 
£alt  ben  2Hittelweg!  $>alt  ben  2Kittelweg!" 

Seine  ^ahrt  geht  meiften«  burch  wilbe  ©älber  unb  öbe 
Reiben,  in  ber  ÜRitte  ber  orbentlichen  Strafcen  unb  ©ege  barf  er 
nicht  reiten.  Irifft  er  zufällig  auf  einen  Sreujweg,  fo  flürjt  er  mit 
^ferb  unb  Üttann  unb  flttau«  fürchterlich  $>al«  über  ftopf  unb  rafft 
fich  weit  ienfeit«  erft  wieber  auf.  Doch  auch  bie,  toelche  er  jagt, 
bürfen  biefem  Sreuawege  nicht  gu  nahe  fommen. 

Unb  wa«  für  ©ilbbret  jagt  er?  Unter  ben  Xieren  alle«  bie* 
bifche  unb  räuberifche  ©efinbel,  welche«  pr  diatyaett  auf  Seilte 
gleicht :  ©ölfe,  ftüchfe,  Vüchfe,  äafeen,  Harber,  ^Itiffe,  Matten, 
äRäufe  unb  oon  ÜRenföen:  UJiörber,  Diebe,  Räuber,  §ereu  unb 
£ejenmeifter  unb  alle«,  wa«  oon  bunften  unb  nächtlichen  Äünjten 
lebt.  So  mufe  biefer  ©öfewidjt,  ber  im  tfeben  fo  oiel  Unheil  an» 
richtete,  e«  gewiffermatjen  im  £obc  toieber  gut  machen.  @r  hält, 
wie  bie  tfeute  fagen,  bie  Straße  rein;  benu  wehe  bem,  welchen  er 
bei  nächtlicher  ©eile  auf  oerbotenen  Schleichwegen  ober  im  ftelbe 
unb  ©albe  trifft  unb  ber  nicht  ein  gute«  ©ewiffen  hol!  95fo  »tan« 
eher  muß  wohl  sittern,  wenn  er  fein 
,,#oho!  $>allo! 

$alt  ben  Mittelweg!  §alt  ben  SWittelweg!" 
hört.    Denn  gewöhnlich  jagt  er,  wa«  er  oor  feine  ^eitfdje  be* 


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r, 


fommt,  fo  fange,  big  eS  bie  ßunge  au«  bem  §alfe  ftrecft  unb  tot 
Anfällt. 

21m  ftrengften  tft  ber  toilbe  ^äger  gegen  bie  §ercn  unb 
§erenmeifter.  liefen  ift  ber  lob  baS  «cunffeftc,  toenn  er  fic  cim 
mal  in  feiner  $agb  fjat,  e$  fei  beim,  ba§  fie  cttoa  eine  ?llfranfe 
ober  eine  £)erenfd)tiuge  finben,  too  fie  burd)fd)füpfen  mögen. 
£ann  finb  fic  für  ba«  9)?al  frei. 

SUfranfc  ift  ein  fleiner  5traucfj,  ber  im  &\ilbc  ftel)t  unb  im 
elften  ^rür)iat>r  grünt  unb  fid}  gerne  um  anbere  Sföume  fdjlingt 
unb  rauft  unb  babei  oft  eine  Sdjlingc  mit  einer  Öffnung  mad)t, 
iDo  jemanb  binburd)  fd)lü>fen  fann.  Gfrenfo  Jvachfen  einzelne 
;jmeigc  oon  Räumen  oft  fo  wunberfam  gufammen,  ba§  fie  ein  runbcS 
Vod),  einer  8 dringe  gleidj,  bilben,  bäufig  roeit  genug,  bafj  ein 
Odjä  lunburdjfdilüpfen  fönute,  roic  oiel  leichter  ein  SMenidj.  £>a§ 
nennt  man  eine  .^eyenfcfylinge  ober  einen  §crenf  djlupf; 
beim  wann  fie  in  ber  9Jot  ein  foldjeS  treffen  unb  binburd)n,ufd)en, 
barf  niemanb  fie  anrühren. 

Tmd)  (f.  3H.  ?lrnbt,  OJtön&cn  unb  ^uflenberfl.   2.  3CufI.  I.  3.  33G-339. 

3. 

$cr  loilbe  Säger  in  ^Hügrit. 

3u  iKiigeu  fagt  mau,  ber  toilbe  ^ager  fei  ber  Teufel.  Cr 
reitet  jebe  Ofadu"  ^»ifa^cn  elf  unb  .vuölf  auf  feinem  feuerfrfjnaubcit: 
ben  Woffc  au«  unb  jagt  burd)  ba$  Vaub.  .'pod)  oben  au3  ber  Vuft 
fdjreit  er  fein  toilbe*  Tschü  hä!  Tschü  ha!  unb  trenn  bie  Veute 
baS  boren,  fo  eilen  fic,  um  fid)  fo  fdmcll  als  möglid)  ror  ilnn 
in  5idjerfyeit  gu  bringen. 

2tc^t  irgcnbtoo  in  einem  .ftaufe  ^orbertfnir  unb  .pintertbür 
auf,  fo  reitet  er  fyinbnrdj  unb  nimmt  alles,  \va$  er  oon  inenfdjlidjcn 
^efeu  auf  bem  ^lure  ergreifen  fann,  mit  fid)  in  fein  Oieid).  $*cr» 
utgstoeife  aber  raubt  er  gerne  *iinber.  ^ft  ba$  .v>au$  ocrfdjleffeu, 
fo  siebt  er  mit  großem  Öcbraufe  um  baffclbe  fyerum. 

£er  Arbeiter  Völler  in  Gotbcoitt  batte  in  einer  ^iad)t  au$ 
Oiad)lä)figfeit  bie  beibeu  Tbürcn  offen  getaffen.  £a  fubr  ber 
toilbe  ^äger  fyiuburrf),  boef)  sJDJcnfd)en  Ijat  er  auf  biefein  $hnc  feine 
getroffen.   Vaä  l;at  aber  ber  Völler  i>ut3  genau  gefeiten,  bafe  3iir 


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7 


redjten  unb  gur  (infen  be«  toilben  SRoffeS  je  ein  lebenbiger  ftnabe 
fjiug,  bie  ber  Xenfel,  weife  ©Ott  wo,  »orfyer  aufgegriffen  fyatte. 

Ominbltd)  au*  tfolbeuifc  auf  Miiam. 
4. 

$er  nrilbc  ^äfler  unb  bie  Seejungfrau. 

(Sin  fttfcfyer  aus  Sing  ftanb  eine«  N)iad)t$  an  bent  Sdjmacfyber: 
See  unb  wollte  fifdjen.  $a  taufte  plöfclid?  eine  Seejungfrau  empor, 
bie  war  fjalb  ftifd)  unb  falb  9ttenfd>  unb  babei  gang  naeft.  *)lod) 
gang  oerwunbert  über  bie  feltfame  Srfdjeinung  erblidte  er  mit  einem 
2)iale  ben  wilbeu  ^äger  burd)  bie  Suft  bafyer  gießen.  $erfelbe 
legte  auf  bie  Seejungfrau  an  unb  erfdwjj  fie,  fo  ba§  fie  fofort  tot 
in  bie  Xiefe  juriitffanf  unb  feit  ber  3eit  mc  lieber  gefeljen  wor* 
ben  ift. 

Wünbüd)  aus  Sinj  auf  «Rügen. 


5. 

$cr  SBobe  in  Weutoorpommern. 

Sin  ©djäfer  tag  nacfjtS  mit  feiner  $erbe  am  ÜHalbeSfaum. 
T>a  fam  ber  Söobe  mit  ber  wilben  Qagb  baljer  unb  befaßt  ifym, 
auö  bem  SDege  gu  gefyen;  aber  ber  <Sd)äfer  erwiberte,  er  fjabe 
gleiches  föedjt  auf  ben  Salb ,  wie  ber  Säger.  $a  ergriff  ifm  ber 
Söobe  unb  serrifj  ityn  in  Stürfe. 

Gin  9ttann,  ber  oon  Gamifc  nad)  (Prügel  ging,  mufjte  einen 
bebeutenben  35?alb  pafficren.   9luf  einmal  Ijörte  er  in  ber  Vuft  ein 
gewaltiges  ©e:öfe,  wie  üon  einer  fernen  $agb,  unb  ben  9?uf: 
„Midden  innen  Wech! 
Süs  biten  di  rntne  Hunne!" 
(Sr  Warf  fitt)  fogleid)  platt  auf  ben  23audj  unb  füllte,  wie  bie  «Jmnbe 
über  feinen  föücfen  fortliefen. 

©in  3ftüllerburfd)e  ftanb  oor  ber  TOfjle,  als  an  ihm  bie 
»übe  3agb  ooriiber  30g.  „Nimm  mi  mit!"  rief  ber  *9urfd)c.  — 
„Halb  Part !u  fagte  2l*obe  unb  warf  iljm,  als  er  äurücffeljrte,  eine 
ÜJicnfcr/enfeuIe  oor  bie  Mtylt,  inbem  er  rief: 


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„Hast  du  wullt  jagen, 
Kannst  6k  mit  gnägen!" 
Die  $eutc  oerfudjte  bcr  Surfte  auf  ade  mögliche  üBeife  weg* 
jufc^affcn,  e3  ging  aber  nidjt.   (Snbtid)  würbe  fic  gebannt. 

Äubn,  Scftfäl.  Safl.  I.  9ir.  401-403. 
6. 

$cr  SBobe  unb  ber  (Sber. 

3n  9?euoorfeommern  meijj  man  aud)  fonft  nod)  mand)eS  üon 
Sobe,  bem  wtfben  ^äger,  gu  erjagen,  ©inige  fagen,  er  fei  ein 
SBote  SlapperbeinS,  beS  £obe$,  anbere  galten  t^n  für  ben  Üeufel, 
wieber  anbere  behaupten,  er  fei  mit  feiner  Seele  bem  Xeufel  ber* 
falten,  bie  er  tym  um  ben  ^reis,  ewig  iagen  gu  bürfen,  oerpfänbet 
fyabe,  unb  enblid)  ersten  fie: 

Der  Sobe  mar  ein  reifer  (Sbetmann,  beffen  $Öo$nfu$  man 
nidjt  angugeben  weijj.  (Sinft  jagte  er  einen  CSber  unb  oerwunbete 
itjn  tbttid).  Derfelbe  mürbe  auf  einem  ffiagen  nad)  §aufe  geführt, 
mo  iljn  SSobe  triumpljierenb  feiner  grau  geigte,  bie  iljn  am  bor- 
gen gebeten  fyatte,  nidjt  gur  $agb  gu  gefyen,  ba  fie  feinen  £ob 
almte.  Qefct  aber,  ba  ber  ©ber  tot  mar  ober  es  tocnigftenS  fo 
fdjien,  fyob  ilm  ber  SBobe  in  bie  §bl)e;  aber  ba8  totgeglaubte  £ier 
fdjlifete  i^m  ben  Vcib  auf,  baß  er  batb  nadjfjer  feinen  ©eifl  aufgab. 
3m  Xobe  jebodj  rief  er  nodj,  wenn  er  burd)  einen  toten  ©ber  fiep 
ben  fotte,  fo  motte  er  emig  jagen. 

Äul)n,  ©eftfäl.  Saarn  I.  91r.  400. 
7. 

^atfelberg«  $uube  gerretften  eine  grau. 

(£in  Sttann  ging  be8  StbenbS  bem  ©atbe  gu,  als  ttöfelid)  ber 
§adelberg  (Häkelbärch)  auf  ifyu  lo3  fam  unb  ifmt  befaßt,  feine 
beiben  großen,  fdfywargen  |mnbe  gu  galten.  Der  SBauer  ging  barauf 
ein,  benn  er  wußte,  bafe  er  fetbft  getöbtet  mürbe,  menu  er  fidj  bem 
$>acfelberg  wiberfefcte.  9iad)bem  er  bie  Äoppelfette  in  bie  ,£>anb 
genommen,  fragte  itm  ber  milbe  Säger,  ob  er  nid)t  einer  grau 


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9 


begegnet  märe.  Der  Sauer  bejahte  bieS,  gab  audj  bie  fltidjtung  an, 
in  ber  fie  ifyren  2öeg  genommen,  nnb  ber  $atfe(berg  mannte  fief) 
eilenbS  an  üjre  Verfolgung. 

(Sa  bauerte  nidjt  lange,  fo  braute  er  bie  $rau  lebenb  jurütf, 
unb  gmar  fjatte  er  fie  feft  anf  ba£  *ßferb  gebunben.  2118  er  bei 
bem  üftanne  anfam,  forberte  er  ibn  auf,  fidj  jur  33elolmung  ^trif^en 
ben  3?orberfüjjen  be£  *ißferbeö  etrcaS  aufgunetmien.  Der  9J?ann 
meinte  jebod),  er  brauebe  für  baö  ^unbefjalten  feine  Söeloljnung. 
DaS  mar  ber  §a<felberg  fdjliefjlid}  aueb  aufrieben,  bebanfte  fid) 
fdjön,  nafjm  feine  .£>unbe  roieber  an  fidj  unb  ritt  in  ben  SBalb 
fjinein. 

35er  ©auer  folgte  in  ber  $erne  nad)  unb,  als  er  mitten  in 
bem  tforft  fear,  fal)  er  bie  ?eicbe  ber  gefangenen  $rau,  oon  ben 
.fwnben  be$  £acfelberg  gau3  in  3tücfe  jerriff c?i ,  auf  bem  Grb« 
boben  liegen. 

^ünblid?  aus  Sieucrtöljaflcn,  Äreiö  ötimmen. 


<§atfelbcrg  unb  bie  3Rtld)ftrafte. 

Den  ^aefetberg  Imt  man  ^äufig  fyodj  burd)  bie  Vüfte  reiten 
feben.  <So  fam  er  audj  einmal  angeritten  unb  mürbe  von  beu  Veuten 
in  'SicoertSfjagcn  erblirft,  tuie  er  über  ba£  Dorf  50g  unb  am  aufierfteu 
(£nbe  beöfclben  ftd)  auf  ein  $au3  ^crab(icfe  unb  barin  oerfdjroano. 
$n  biefem  .$aufe  rft  feit  ber  $eit  immer  Unglücf  gemefen,  unb 
mäfjrenb  bie  Siilje  bort  fonft  feljr  gute  unb  reidjlidje  Wüä)  gegeben 
Ratten,  Ijat  man  üon  bem  Xage  au  immer  nur  $Uut  auö  ityreit 
(Sutern  fyerauS  melfen  fönnen. 

Slber  nidjt  nur  auf  ber  Grbe  fjat  ber  £)acfelberg  Unheil 
angeridjtet!  ©inft  ift  er  fo  fyod)  geritten,  baf;  er  ben  .Jmumel 
berührte,  nnb  Ijat  bort  einen  gangeu  Streifen  fo  ^ugeridnet,  baf?  er 
nodj  t>eutige$  Xagcö  mobl  $u  erfennen  ift.  (£r  fiebt  gang  meifigrau 
aud  unb  roirb  baljer  bie  Melk  straf)  genannt. 

Cbenbüljer. 

J)  öcroölmltd)  wirb  bie  Oflilcbftrn&c  in  Bommern  Wildban  genannt. 


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10 


9. 

Der  SBaur  ober  ©aul. 

3m  ©rctfötoalbcr  Greife  fennt  man  ben  wilben  Qäfler  al« 
Wäur,  fo  um  9*euenfirdjen,  ober  al«  Wäul,  wie  gum  Seifpiel  in 
©(bona.  2lud>  f)icr  erjagt  man  allgemein,  er  aiefje  mit  feinen 
.£>unben  unter  gewaltigem  ©etöfe  burdj  bic  C'üfte  unb  rufe  babei 
tmmemä^renb:    „galtet  ben  3tfittelweg!   galtet  ben  ÜWittelweg!" 

Den  2Rüller  an«  <Steffen«l)agen  berbrofc  ber  £ärm,  unb  l>öt>nenb 
rief  er  uon  feiner  üHütjle  au«  bem  wilben  ^ä'ger  <§d)eltwortc  31t. 
Da  warf  ifnn  ber  ffiaur  au«  fjo^er  £uft  eine  SDienfdjenfeule  fjerab 
unb  befaßt  iljin,  biefelbe  $u  effen.  ftefct  überfam  ben  freien  Spötter 
£obe«angft,  er  tief  jum  ^aftor  unb  fragte  jitternb  um  9lat,  wie  er 
ftdj  »erhalten  folle. 

Der  Pfarrer  betete  juerft  mit  iljm  gemeinfdjaftlidj,  baranf 
fpradj  er:  ,,©el)  nadj  §aufe  unb  warte  gebulbig  ab,  bi«  bie  wilbe 
3agb  wieber  oorbei  jieljt.  Dann  tritt  Ijerau«  unb  rufe  bem  wilben 
Säger  $u,  bu  Wolleft  bie  tfeule  effen,  fall«  er  bir  aud)  ba«  <3ala 
bagu  gäbe.41  Der  3Mler  u)at,  wie  iljm  geheißen  war,  unb  faum 
tyatte  er  feine  ütebc  beenbet,  fo  natjm  ber  Saur  bie  Äeule  wieber 
31t  fidj;  beim  nod)  niemal«  f>at  man  gehört,  baß  ber  wilbe  ftäger 
Salj  bei  ftdj  führen  barf. 

SRünblia)  au3  ber  Umgcaenb  utm  örcifSroalb. 


10. 

Der  SSaurfe. 

De«  9iadjt«  trieb  früher  ber  Waurko  ober,  wie  mandjc 
i'eute  iljn  aud?  nennen,  berWödko  feinSEBefen.   2Rit  einer  großen 
2Heute  wilber,  feuerfpeienber  §nnbe  30g  er  über  SBalb  unb  $elb 
batjin  unb  natun  alle  mit,  bie  fidj  nidjt  auf  bem  $>auptwege  befanben, 
fonbern  querfelbein  liefen.   Dod)  warnte  er  fd)on  au«  weiter  fterne 
bie  iöJanberer  bur$  feinen  laut  f^allenben  üRuf: 
„Hau!   Hau!  Hau! 
Hüllt  den  Middelwech, 
Donn  dauo  min  Hunn  juch  niks!M 


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11 


(Einem  Schäfer,  ber  inmitten  ber  §ürbe  marf)  in  feiner  Scbäfer* 
^ütte  lag,  fam  bie3  Schreien  läctyerlid}  tor,  nnb  toUfüfm,  tuie  er 
mar,  rief  er,  fo  faut  er  tonnte,  in  fpötttfdfem  Sone  bem  3S3aurf c  nadj: 
„Hau!   Hau!  Hau! 
Hüllt  den  Middelwech! 
Donn  daun  min  Hunn  juch  niks!u 
ßauiu  t)attc  er  btcfe  Sterte  bcenbet,  fo  öffnete  fidj  bic  rerfdjfoffcnc 
Il)üre  nnb  ein  ftrauenbein  fam  auf  ifjn  angeflogen  nnb  fmd)  auö 
ber  ?uft  fällte  bie  Stimme  bcS  Saurfc  ^erao: 

„Kannst  du  mit  jagen 
Kannst  uk  mit  nagen !" 
$cr  Sdjäfer  tmt  fic^  barüber  bermafcen  cutfefct,  bajj  man  if)n 
brei  Xage  barauf  auf  ben  Äircr)r)of  trug. 

^ünt(id)  au§  »cnfein,  Ärciö  Xcmmin. 

11. 

©ic  ber  $acfclberg  jnm  mifben  3«fler  warb. 

2)er  ^acfelberg  ift  ber  roilbe  ^ager.  (Sr  reitet  mit  riefen 
GJenoffen  unb  gefolgt  ton  §unbcu  burd)  ba$  £anb  „dörch  Tun 
un  Häkclwarku  (^edenaefträudf),  roeSmegen  er  audj  ben  tarnen 
Häkelbärch  führt. 

Gr  mar  früher  ein  reidjer  ©raf,  ber  finntoS  ber  ^agbluft  frönte. 
Saß  il)m  oor  bie  Slugen  fam,  Ijefetc  er  311  £obe,  unb  niemals 
fronte  er  baS  Söefitjtum  ber  armen  ?eute.  Giuft  jagte  er  am 
Sonntag^ormittag  mit  feinen  milben  ©efeUen  hinter  einem  Stücf 
Silb  fjer.  Sie  famen  an  eine  $)erbc,  unb  ba  er  baS  Silb  erfangen 
rcolfte,  ritt  er  mitten  burdj  baS  meibenbe  3>icl)  fytnburd),  fo  bafe 
aUeS  ton  ben  £mubcn  gerriffeu  unb  ton  ben  hoffen  jerflamtft 
mürbe,  darauf  ging  e3  in  einen  großen  Salb  hinein,  ber  ©raf  immer 
voran.  s]Möfelidj  flaute  er  fid)  um,  unb  ftet>c  —  er  ^atte  fidj 
terirrt.  WingS  um  ilm  Ijenfcfjte  XobeSftilfe.  ($3  fam  ihm  tor,  als 
märe  er  in  bie  $öik  hineingejagt  unb  mirflid),  ber  Teufel  crfdjicit 
unb  rief  il)in  31t:  „33i3  jefet  f>aji  bu  Silb  gejagt,  ton  nun  an 
fodft  bu  in  ömigfeit  ^enfdjen  jagen."  Unb  fo  jiebt  er  benn  aud) 
nedj  heutiges  2agc3  in  ben  bunfcln  Wädjtcn  über  bic  Grbc  baf;in. 

3)lünbli$  aus  ÜJtefigcr,  Mrciö  Xcmmin. 


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12 


12. 

SRann  Ijält  einem  Weiter  au£  ^arfelbergS  kotlber  ^tagb 

bie  $unbe. 

<£in  flnedjt  au«  üWefiger  mollte  be§  9lbenb8  [eine  üftutter 
befudjen.  ©r  truej  ein  ^äefrfjen  fdnnufeiger  Säfdje  unter  bem  9lrm, 
um  fid;  btefelbe  gu  £aufe  mafrfjen  5U  (äffen.  ?ll$  er  nun  in  bie 
©rammentiner  $bniglid)e  ^orfl  fam,  r)örtc  er  öon  meitem  ben 
£acfelberg  mit  feinen  Jägern  ^a^er  braufen.  Unuerjagt  blieb  el- 
fteren unb  martete  ben  .ßng  ab.  £)a  ritt  plöfelid)  einer  ton  ben 
Leitern  auf  ifyn  511  unb  bat  Ujn:  „$alte  mir  bodj  auf  einen  Slugem 
blief  meine  beiben  .Jmube.  Senn  bu  mid)  aber  aus  bem  Salbe 
rufen  l)örft:  tt,^>attc  bie  £unbe  redjt  feft!"  bann  lafj  bie  ÜTierc  taufen." 

Der  $ned)t  ging  barauf  ein,  ergriff  bie  fdjmerc  ftette,  mit 
ber  bie  ,§unbe  aufammengcfoppelt  maren,  unb  Ijielt  fie  fo  lange  feft, 
bis  ber  Leiter  nad)  einer  Keinen  Seite  auS  ber  fterne  fdjrie: 
„#altc  bie  .fmnbe  rerf)t  feft."  $cm  Slbfommen  gemäjj  liefe  er  jefet 
bie  Äette  fahren  unb  im  9?u  maren  bie  Xiere  im  ©e^öla  oer- 
fdjmunben. 

"ärgerlich  über  ben  ^eitoerluft  ging  er  feines  SegeS  meiter. 
Sie  er  nun  an  ben  SluSgang  be$  SalbeS  gelangte,  fam  ifjm 
ber  Leiter  aus  £>acfelberg8  ©efolge  lieber  entgegen  auf  fdmum* 
bebeeftem  Stoffe  unb  gefolgt  oon  feinen  ^agbt>unben.  fiaum  Ijattc 
er  ben  SDJann  erblicft,  fo  fprengte  er  auf  Um  3U,  bantte  tym  unb 
bat  ifm,  feinem  ^Sferbc  ben  8dmum  mit  einem  £ud)e  abjuttHfdjen. 
(Sin  £ud>  f>abe  er  nidjt,  antwortete  ber  $ned)t,  menn  er'«  aber  $u* 
f rieben  märe,  fo  motte  er  fein  fdjmufeigeä  .<pembe  ba$u  beiluden! 
$er  Leiter  mar  bamit  einoerftanben,  bebanfte  fid)  nochmals  unb 
forberte  babei  ben  Üttann  auf,  bod)  ia  ba$  §embe  nic^t  fort^u* 
werfen,  fonbern  c8  mieber  in  baö  ^äefdjen  $u  micfeln.  <2obann 
oerfdnoanb  er. 

Der  $ned)t  paefte  baS  §embe  ein  unb  ging  31t  feiner  Üttutter. 
Den  anbern  üftorgen  mollte  er  tyr  feine  fd)mufcige  Säfdjc  jum 
Safajen  übergeben,  öffnete  ba§  93ünbel  unb,  wer  bef treibt  fein 
Grftaunen,  ba3  $embe,  mit  meinem  er  ben  Sdmum  beä  <ßferbe£ 
abgemtfdjt  fmtte,  mar  über  unb  über  mit  ©olbftücfen  gefüllt,  fo 
bajj  er  fein'  Lebtage  nid)t  ^ot  au  leiben  brauste. 

ßbenbaber. 


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13 


13. 

$er  §(uf elfter g  auf  ber  3  a  gb. 

Gin  Sdjäfer  fitere  auf  frembem  Gebiet  feine  $erbe.  Da 
^örte  er  ben  §acfelberg  eint^ergie^en  unb  tueil  er  mu§tc,  bap  ber* 
jclbe  fein  Unrecht  ungeftraft  lä'&t,  fo  warf  er  fidj  in  feiner  flngft 
mit  glattem  t'eibe  in  einen  ©ren$graben.  Da  rief  tr>m  ber  wilbe 
Säger  au«  ber  Vnft  311:  „Is  din  Glück,  dat  du  uns  üt  den 
Wech  gän  büst,  süs  harren  wi  di  dei  Bedreijeri  an- 
streben!« 

(Sin  anberer  ^djäfer  lag  be«  Madjtä  bei  feinen  <Sdjafen  im 
Sdmbfarren,  als  er  ben  .^atfetberg  Ijeranbraufen  falj.  Übermütig 
afmtte  er  ba$  Äläffen  ber  ^agb^uube  nadj.  Da  warf  tym  einer 
au«  £acfelbergS  befolge  eine  Üflenfdjenreulc  in  feinen  Starren  lun^ 
ein  mit  ben  ©orten: 

„Hast  du  mit  bellt, 
Donn  kannst  du  uk  mit  fn>tcn!u 
$>armlofen  tauberem  tlmt  ber  $)arfelberg  iebod)  nid)ts  p 
leibe;  im  ©egenteil,  er  warnt  fie,  ifym  auS  bem  &>ege  3U  geljen, 
mit  bem  .$uruf: 

„Hüllt  den  Middelwech!    Hüllt  den  Middelwcch!u 
Darum  ift  e$  audj  woljl  nid)t  rid)tig,  wenn  mandje  t'eute  bc* 
Raupten,  ber  wilbe  ^ägcr  fei  nidjts  anbereä  als  ber  Teufel,  fonft 
tonnte  er  gemifj  nidjt  fo  mitleibig  fein. 

(!bcnbal)<r. 


14. 

$ie  wilbe  ^ofl5  nimmt  einen  $uub  mit  ftdj. 

Stuf  bem  Sielow,  einem  £tüd  Vanb  in  ber  ftälje  ber  Kolonie 
fternowsfelbe,  ba8  jefet  nur  nod)  ein  bürrer,  mit  einigen  liefern 
bewad)fener  «Sanbboben  ift,  f)at  fidj  fd)on  oft  bie  wilbe  ^agb  Ijören 
laffen. 

(Sinft  weibete  ein  3d)äfer  bort  feine  «»ajafe;  unb  wie  er 
be*  9?ad>tS  in  feinem  Marren  lag,  tjörte  er  braufjen  ^agbruf  unb 
laute«  ©ebell.    ^ornig  über  bie  geftörte  92ad)tru$e  begann  ber 


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14 


ÜRann  ju  fluten;  in  bemfelben  SCwgcnblicfc  warb  aber  and)  ein 
Äiuberbein  burd)  bie  $ecfc  in  ben  hagelt  gefdjleubert  nnb  [ein 
$mnb  in  bie  Vüftc  entführt. 

9lm  anbern  borgen  fanb  ber  ©ehäfer  ben  fopflofen  ?eia> 
nam  beS  treuen  £iere3  auf  bem  Dicton?  liegen.  £ättc  er  ben  §unb 
uid)t  bei  fid)  gehabt,  fo  hätte  ber  wilbe  Qäger  ilmt  felbft  ben  $alS 
umgebrefyt. 

SJMinblid)  aus  ^f^noioSfclbf,  Alrciö  U|ebom=$8oUin. 
15. 

$cr  ©raf  tum  (Sbcrnbnrg. 

SBor  uielen  fahren  lebte  einft  ber  ©raf  oon  ©bernburg.  £a§ 
War  ein  fo  wilber  nnb  gottlofer  $äger,  baß  fein  Sag  in  ber  Sodjc 
oergiug,  an  bem  er  nid)t  eine  große  $)efcjagb  abgehalten  hätte.  %a, 
enblid)  würbe  er  freoetf)aft  genug,  fogar  ber  SountagSheiliguug 
nic^t  mehr  $u  gebenfen  unb  fclbfl  am  Xage  be$  .§errn  feine  tolle 
Oagbluft  311  befriebigen.  2Bie  er  nun  mit  feiner  »Üben  ©efelffdjaft, 
gefolgt  fcon  ben  fdmellen,  beutegierigen  $)unben,  über  bie  gelber 
unb  Söiefen  bahinritt,  erfdjallte  um  neun  Uljr  ber  9Juf  ber  tfirchen- 
glocfe  unb  neben  ihm  ftanben  $roci  SDiänner,  oon  benen  ber  eine 
au£fah  wie  ein  Gngel,  ber  anbere  aber  gang  fd)war$  0011  Syarbe 
war.  3cner  maa^te  bem  ©rafen  öon  ©bernburg  3?orftellungen  ob 
[eines  gottlofen  £reiben$,  biefer  bagegen,  wcld)e$  ber  Teufel  fclber 
mar,  mußte  ü)m  fogleid)  alle  Gebenfen  burd)  fpöttifdt>c  unb  rud)(ofe 
9Jcben  mieber  au8  bem  Sinne  &u  bringen. 

dreimal  fprad)  fo  ber  ©ute  bem  ©bernburger  ju,  unb  brei- 
mal  oerftanb  ber  ©bfe,  alle  ©ewiffenäbiffe  in  be$  (trafen  Qnnern 
fdjweigeu  ju  machen,  darauf  uerfdjwanben  bie  beiben,  unb  weiter 
jagte  ber  witbe  SDfann  mit  feinen  wüften  ©enoffen.  3)od)  bie 
©locfe  ^atte  nod)  nid)t  bie  gelitte  <2tunbe  uerfünbet,  als  fd)on  alle 
ju  i^rem  <2d)recfen  gewahr  würben,  baß  fie  nid)t  mehr  auf  ebener 
©rbe  waren,  fonbern  f>oth  burch  bie  Vüfte  mit  ihren  hoffen  unb 
§unben  brauften.  Qe^t  Ratten  fie  gerne  aufgehört,  aber  nun  war 
e£  gu  fpät.  Ohne  SHulje  unb  töaft  muß  ber  ©raf  oon  ©bernburg 
oon  ber  ©tunbc  an  bis  in  alle  ©wigfeit  hinein  als  wilber  ^äger 
an  ber  «Spuje  ber  ©einen  burch  ^it  Stifte  Riehen. 


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15 


ift  er  trofe  fetner  S-B)i(bfyeit  uidjt  ganj  eineö  mitleibigen 
^inneö  bar,  benn  Sinbern,  bie  er  beim  {wlgfammetn  traf,  rief  er, 
um  fie  oor  feinen  biffigen  §unben  ju  bewahren,  fcfyon  aus  roctier 
fterne  $u:  „tretet  auf  ben  üJtittelweg,  fonft  jerreipen  eudj  meine 
|>unbe!" 

<Dtünblid>  auä  3abel3borf,  Är<i$  JHonboro. 


16. 

$er  wilbc  gäßtr  tierfolgt  bie  weifte  ftran. 

9Jodj  cor  ber  a^  b*c  ^rangofen  in  Bommern  Rauften, 
ging  einest  Slbenbä  ber  <Sdjul(eIjrer  oon  ^otjenfyolfc  nad}  "Stettin, 
um  Ginfäufe  jum  Äinbelbier  ju  madjen.  'Da  Ijörte  er  mit  einem 
Sftate  bie  witbe  $agb  m^  <|)unbegebell  unb  ^ägergefa^rei  fyeran- 
naljen  unb,  elje  er  fid)  oon  feinem  ©djrecfen  erholen  tonnte,  fam 
eine  fdmeeweifje  Xaube  auf  itjn  ju  geflogen  unb  bat  ü>n,  mit  feinem 
Äreujbornftocf  einen  ttreis  um  fidj  $u  fdjlagen  unb  benfelben  mit 
brei  ftreugen  ju  weisen. 

$)er  tfeljrer  tfyat,  wie  tym  befohlen  war,  unb  faum  war  er 
fertig,  fo  fd)lü>fte  bie  laube  in  ben  9iing  hinein  unb  oerwanbelte 
fidj  bort  in  eine  wei§geHeibete  Jungfrau.  3)odj  fdwn  war  audj 
ber  milbe  Säger  auf  f«nem  SRoffe  bei  ber  Stelle  angelangt  unb 
rief  bem  geängfteten  3)ianne  5U:  „Öffne  ben  Äreiö  unb  ftofj  bie 
weiße  ftrau  heraus!"  SöaS  fyalf  cä,  bajj  biefe  ben  furdjtfameu 
SMenfdjen  bat,  bem  Söefeljl  uidft  31t  geljordjen,  bafc  fie  tym  wieber 
unb  wieber  oerfid)erte,  ber  mit  bem  Sreu^born  gezogene  färei«  fcfjüfce 
ilm  oor  jcber  ©ewalttfyätigfeit  ber  wilben  ,§agb.  Umfonft,  ber 
erfdjrocfeue  ?el)rcr  leiftete  bem  ©ebot  ^otge,  öffnete  ben  fireiö, 
unb  im  war  audj  bie  Jungfrau  barauä  entfdjlüpft  unb  jagte 
ber  wilbe  Säger  wieber  hinter  iljr  brein.  Slber  lange  fann  bie 
Sagb  nidjt  ineljr  gebauert  fyaben,  benn  fdwn  nad)  fur$er  $eit  fam 
ber  Säger  gurücf  unb  l)atte  oor  fidj  auf  bem  ^ferb  bie  getötete 
$rau  liegen,  fo  ba§  tyre  langen,  fdjwarsen  $aare  ben  Grbboben 
fdjleiften. 

ÜKünblicb  au«  ©arfow,  ÄteiÄ  Manbow. 


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16 


17. 

$er  £agerp(al?  ber  tuttbeit  Sfagb. 

33ei  einem  3)orfe  unmeit  (£ammin  logen  einft  Änetftte  auf  ber 
^ßferbehntung.  (£s  mar  fdjon  fpät  in  ber  stacht,  als  e£  einem  ber 
Söurfche  einfiel,  in  ben  benachbarten  (Ellernbruch  ^inabgufteigen.  Sie 
er  fo  über  bie  Saumftümpfe  flctterte,  faf)  er  plöfcfidj  ein  prächtiges 
Qagblager  öor  fid).  $>ie  $eueu  trieben  allerhanb  $urgmeit  unb 
ajjen  unb  tranfen,  mährenb  |)unbe  unb  ^Jferbe  auf  guter  Streu 
ausruhten. 

$er  Unecht  mußte  noch  9ar  mc*jt  recht,  toie  ihm  gefdjah,  als 
mit  einem  ÜWale  baS  gange  ^agblager  [ich  in  bie  i'üfte  erhob  unb 
unter  tollem  Värm  unb  ®ef<hrei  bahin  faufte.  $)aS  mar  fo  greulich 
anzuhören,  bafj  ber  iöurfdje  geitlebenS  baran  gebaut  hat  unb  nie 
mieber  in  ben  (SUerubruch  hinab  geftiegen  ift. 

ähnlich  erging  eS  einem  dauern  bei  5hmom.  $)er  manberte 
in  tiefer  9tad)t  über  £yclb  unb  ärgerte  fid),  baß  ihm  fein  Pfeifchen 
ausgegangen  mar.  #u  feiner  ^reube  erblicfte  er  ba  t>or  ftdj  eine 
große  3lngahl  feiner  Herren,  oon  benen  aud)  einige  gu  rauchen 
fchienen.  Slrtig  trat  er  an  fie  h^an  unb  bat  um  ^euer,  aber  in 
bemfelben  Slugenblicf  mar  aud;  fchon  bie  gange  ©efellfchaft  hoch 
oben  in  ben  Vüftcn  unb  begann  als  milbe  $agb  über  bie  @rbe  gu 
fahren.  28aS  ber  SJauer  für  glühenben  £abaf  angefehen  hatte, 
waren  bie  feurigen,  funfenfprühenben  Slugen  ihrer  §unbe  gemefen. 

9Münbltd>  aus  Üunoiu,  ÄreiS  (Sammin. 


18. 

3>er  totlbc  Säger  unb  bie  Sdjlüffeljungfrau. 

3mei  tfeute  aus  $unom,  ein  ftörfler  unb  ein  3lrbeiter,  fehrten 
nach  Sonnenuntergang  oon  ihrem  £agetoerf  im  Söalbe  fyiin.  Stuf 
ber  i'anbftraße  gmifcljen  ftlein*2Öecfom  unb  $unom  begegnete  ihnen 
eine  Jungfrau,  bie  an  ihrem  gangen  Körper  mit  Schlüffeln  behangen 
mar.  Sluf  ihre  ftrage,  ob  fie  mitgehen  fönnten,  antwortete  bie 
Jungfer,  fie  müßten  fid)  guoor  Dreimal  an  einem  3*reitag  »or 
Sonnenaufgang  gemafchen  haben,  unb  lief  bann  meiter. 


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17 


iöalb  bavauf  trafen  bic  beibeu  einen  Leiter,  ber  fidj  genau 
nad)  bei*  Sdjlüffcljungfrau  ertmibigte.  8obalb  fie  ijjin  3lusfnnft 
bariiber  gegeben  batten,  jagte  er  baoon.  Unb  nod;  für*  oor 
Äimoro  bat  er  fie  wieber  eingcfwft  unb  ift  an  il>ncn  Oorüber 
geritten  mit  ber  <2d)lüffclfrau,  meiere  an  feinem  Dattel  tung,  ben 
Äopf  nad)  unten. 

(fbenbaljcr. 


19. 

$ic  niilbcn  ^agcr  unb  bie  beibeu  grauen. 

(Sin  ^djäfer  lag  beö  Wad)t$  in  feiner  £ütte  auf  ber  3d*af; 
f>utung.  Samen  ^wei  prächtig  getteibete  ftrauenjimmer  oorbei,  unb 
bie  eine  fagte  jur  anbern:  „$er  un$  Friegen  foU,  fann  uns  l)ent 
uid)t  friegen;  benn  er  Ijat  fid)  nod)  nidjt  gewafdjen."  Dornap  eilten 
fie  U)reS  ©ege3  weiter. 

sJJad)  einer  Keinen  Söeile  erfreuen  jwei  ^ägerSleute,  gefolgt 
t?on  iljren  fteuer  fprübenben,  laut  bellenben  £unben  unb  riefen 
bem  üftanne  ju:  „<Sd)äfer,  l)aft  bu  nidjt  ein  paar  §raueii8(eute 
gefefjen?"  —  „®cwifj",  entgegnete  biefer,  „unb  fie  fpracfyen  311 
einanber:  „£eut  fann  er  uns  uidjt  friegen,  beim  er  f>at  fid)  nod) 
ni(bt  gewafdjen.""  — 

2U3  bie  ^äger  ^aä  toeniafjmen,  gingen  fie  feitab  $n  einem 
Keinen  £eidj  unb  wufdjen  fid),  barauf  jagten  fie  ben  SBeibern  nad). 
(£§  bauerte  gar  nid)t  lange,  fo  fjörte  ber  ^cfyäfer  in  feiner  £ütte 
au«  ber  g-erne  Sdjüffe  faden  unb  nod)  ein  SBeildjcn,  fo  famen  bie 
^äger  wieber  $urü<f  unb  führten  bie  erlegten  ftrauensimmer  als 
^agbbeute  mit  fid}.  SBei  bem  £d)äferfarren  matten  fie  fyalt;  ber 
eine  rief: 

„Du  hast  uns  hülfe  j achte 

Nu  sallst  (Tuk  mit  uns  tdreu 
warf  ü)tn  bic  £enbe  eineö  ber  Leiber  in  feinen  Barrett  hinein  unb 
üerfdjwunbeu  waren  fie.   3)er  Schäfer  tjat  fid)  »iet  ütfülje  gegeben, 
ben  «c^enfel  Don  fid;  $u  fdjaffen,  er  ift  aber  immer  wieber  $u  iljm 
$urücfgefefyrt. 

(fbenbaber. 
2 


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20. 


$tc  uitCbe  %atf>  bei  SBndjfwIjfjaflcn. 

SBct  2Sacf)I;olaf)agen  im  Steife  ®reifenberg  fmt  man  oft  bic 
»übe  3agb  aiefjcn  gefe^cn.  £)er  milbe  Säger,  ber  fic  anführt,  ruft 
immer  fort: 

„Holl  de  Middelwech, 
Sus  territen  di  mine  Hunn!w 
unb  marnt  bamit  bie  ©anbercr. 

sJJlünblid)  nu«  25>nd?f)otjT>aocnr  tötet*  Grcifcnherfl. 
21. 

$er  28ob  ttrirft  ein  ftrauenbciu  ju. 

3;n  fliefer,  StreiS  9iaugarb,  glaubt  man,  bie  tuifbc  -^agb  faljre 
in  einer  f$n?ar$en  $utfrfje.  3)er  äutfdjer  folt  einen  aan&  weißen 
Sfopf  Imben,  wie  eine  weiße  £aube.  25or  bem  $>agen  befinbeu  fufy  3tuci 
Wappen,  unb  baoor  taufen  wieber  flwei  fdjwar$e  {rnnbe,  benen  fort» 
wäfjrenb  fitner  auä  bem  2Raute  fdjtägt.  2)er  mitbe  3:äger  fclbft 
l)ei§t  berWöd.  Rubere  nennen  Um  audj  dei  Drak  unb  ergäben, 
baß  er  jumeifi  im  Spätfyerbft  beim  Flassbrake  burd)  bie 
Vnfte  ^te^e. 

©inft  waren  ^immerteute  im  Stfalbe  auf  Arbeit,  unb  unter 
tynen  befanb  fiefj  ein  arger  Spötter.  ?U$  nun  ber  $Bob  bafycr  tarn, 
um  auf  feine  Opfer,  bie  ungetauften  Äinber,  3a3D  ju  madjeu,  fo 
frimmte  ber  «Spötter  mit  in  ben  3ai3Dntf  cm  11,10  johlte,  wie  bic 
^äger  ju  tbun  pflegen.  ©3  banerte  aber  gar  niajt  lange,  ba  mürbe 
ifnn  ber  i'oljn  für  feine  ftred^eit  311  teil.  Denn  ptöfclia)  Warb  tym 
00m  Sob  ein  $™uenbcin,  0em  ein  roter  Strumpf  angezogen  mar, 
aus  ber  tfuft  zugeworfen  unb  eine  Stimme  rief: 

„Hast  mit  jacht, 
Käst  uk  mit  fröte." 

3>er  3i,n,ner9cfc^  wollte  fid)  be£  Seinem  entlebigen,  aber  trojj 
alter  feiner  Söemüfntngen  unb  obgfeid)  Hm  feine  Mamcraben  tfyatig 
unterftüfcten,  gelang  eS  nidjt,  baSfclbc  oon  ber  Seite  be£  üNanncS 
31t  entfernen.  üttan  oergrub  c£,  aber  faum  mar  e$  mit  @rbe  bebetft, 
fo  mar  CS  audj  gleidj  mieber  bei  bem  Spötter.   Gnblid)  legte  man 


19 


baS  Söein  in  einen  Sarg  unb  beerbigte  e$  wie  eine  ridjtige  (£Ijriften« 
feiere  auf  bem  Sird)l)of.  $>a8  fyalf,  unb  feitbem  ift  ber  tfflann  ton 
feiner  abfcr/eulicfyen  ^Jlage  befreit  geroefen. 

2Jlünbli#  au§  Mieter,  Ärciö  flauaarb. 


22. 

$>er  SBob  tierfolgt  ein  Äinb.1) 

ftriifyer,  als  bie  ^ferbe  nodj  brausen  gehütet  würben  unb  bie 
^ferbefurten  bie  9ia(f/t  burd;  äufammen  am  %mer  lagen,  Ijörte  mau 
häufig  ben  3Bob  burd;  bie  Süfte  jiefjen.  ©inft  gefdjaty  bteö  and) 
wieber  unb  fd)Ieunig  matten  einige  oou  ben  ftnedjten  einen 
8rei3  um  fid)  l>erum  unb  brei  ^reu^c  hinein.  $aum  waren  fie 
bamit  fertig,  fo  tarn  ein  fleineS  Äinb  gelaufen,  fdjlüpfte  in 
ben  Strete  hinein  unb  Hämmerte  fid)  feft  au  bie  Seine  beS  einen 
ÜflanneS  an. 

§inter  iljm  brein  fain  gleich  barauf  ber  SÖob  mit  $wei  fdjwaraen 
§unben  ba^er  geftürmt  unb  Verlangte  gebieterifdj,  bie  Jlnedjte  follten 
ba8  #inb  auö  bem  Greife  IjerauSlaffen.  Anfang«  weigerten  fid?  bie 
tfeute  aus  2)iitleib  mit  bem  Äinbe,  enblid)  aber  gefjordjten  fie  tyrer 
fturdjt  unb  ftiejjen  ba3  arme  Seien  au$  bem  Glinge  f>erau«.  ©obalb 
fie  ba$  getrau  Ratten,  lief  ba3  Äinb  eitigft  in  bie  Seite  unb  ber 
3äger  eitte  l)intcrf)er.  Ob  er  eS  eingeholt  tyat,  weife  man  nidjt, 
aber  Sdjüffe  l?at  man  gehört. 

(Jbcubaber.  * 

23. 

Sic  loilbe         im  ^cllbrurf). 

©egen  Gnbe  be3  »origen  3afyrl)unbert8  ging  einmal  ber  ftörfter 
ton  ftaulenbeng  bei  2J?affow,  ber  in  §ofyen*2d)önau  einen  33efud) 
gemalt  fyatte,  fpät  in  ber  9?ad)t  feiner  $eimat  gu.  2(l£  er  im 
Salbe  jtoifcr/en  $retyeibe  unb  33oigtöf)agen  mar,  fybrte  er  nidjt  weit 
ton  fid}  $>unbegebetl  unb  babei  ben^agbruf:  „^i  fyau!  £$i  tyau! 
£alt  ben  «Mittelweg!"    Übermütig  ftimmte  er  mit  ein;  bod>  als  ba$ 

*)  3"  ftiigcniualbe,  SireiS  Sc&laro«,  erjäljlt  man  biefelbe  Sage  uon 
bem  rotlben  ^äger  unb  einer  ftrau. 

2* 


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20 


GJeräufch  gteidj  barauf  nät)er  fam,  ahnte  er,  bafj  es  wohl  bie  wilbe 
3agb  fein  möchte.  ©itig  lief  er  barum  311  einem  .Sireujmcg  unb 
warf  fid)  bafclbft  auf  bie  @rbe  Inn,  fo  baß  er  auf  bem  hauche  lag, 
bie  §änbe  über  baS  ©efidjt  gefaltet. 

$aunt  J>atte  er  bieS  gett>an,  als  aud)  fdjou  bic  wilbe  ^agb 
über  it)n  weg  faufte  unb,  ba  er  ein  flein  wenig  burdj  bie  Ringer 
feitwärts  31t  feljeu  vermochte,  fo  fonute  er  gang  genau  erfemten,  wie 
ben  ,£)unbeu  baS  ftcuer  aii*  ocm  fltodjcti  f prüfte  unb  eine  gan^e 
ÖJefeUidjaft  bem  wilben  $äger  f^9tc-  m(^t  ^auäc  öertoeiltc 

bie  Wilbe  Qagb  bei  if)m,  fonberu  manbte  ftd)  bem  Defschtij  (Diebs» 
fteig)  ^u  unb  30g  oou  bort  in  ben  nahe  gelegeneu  55rud;,  bie  Hell 
genannt,  wo  fic  audj  oerfdjwanb. 

{Dlünblid)  au*  JreilKibc,  Mrei*  ftaugatb. 
24. 

$ie  wilbe  3aflb      Schweriner  8rnd}  unb  ben 
Siehbetgen  bei  2)iefow. 

$m  Schweriner  SBruc^  unb  in  ben  SMefjbergen  bei  3)2efow 
hat  fidj  bie  wilbe  ^agb  fef>r  häufig  bemerfbar  gemalt.  95Me 
anberwärtS  in  Bommern  hat  fie  auch  bort  teu  SBanbercru  augerufen: 
„$alt  ben  Mittelweg,  bafj  bid)  meine  $unbe  nicht  beifjen,"  unb 
hat  beuen,  Welche  fpöttifch  ben  $agbruf  nachäfften,  ein  Stücf  übet« 
riechenben  9(afeS  ober  eine  ÜDienfdjenlenbe  ^geworfen  mit  ben  Sorten: 
„$aft  bu  mit  Reifen  jagen,  fo  mußt  bu  auch  Reifen  f reff en. "  Sonberbar 
ift  jebodj,  baß  es  fyex  zuweilen  jiuei  ^äger  Waren,  bie  mit  ben 
.^wuben  burd)  bie  t'üfte  fuhren. 

Daö  3JZerfmürbigfte  aber  begegnete  einem  Sauern,  weldjer  bei 
Üiac^t^eit  bie  :j)eibe  in  ber  ?iäl;e  ber  3Mel)berge  paffierte.  Derfclbe 
t^örtc  nämlich  lauten  $agbruf  hinter  feinem  föücfen,  unb  als  er  fid) 
umfehaute,  fah  er  eine  weifce  ÖJeftalt  auf  fich  jufommen.  Das  mar 
bie  (Seele  eines  ungetauft  oerftorbeneu  ÄinbeS,  welche  ber  wilbe 
$äger  oerfolgte.  ?lngfthd)  rief  fie  bem  9ftanne  31t:  „Sufy  einen 
$rciS  um  bich  unb  fdjlage  ein  Äreuj  t;tnctn;  barauf  laß  mich  hinein« 
treten  unb  nimm  mich  awifdjen  beiue  unij?c.  ftommt  bann  ber  wilbe 
ftäger  unb  befiehlt:  M®ieb  mir  bic  Seele  fycrauä",  fo  antworte 
beileibe  nic^t:  „Da  ^aft  bu  fte",  fonbern  nur:  „9iimm  fie  bir!"" 


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21 


$a8  tfjat  ber  33auer  aud)  afleS  getreutid>  unb,  fo  fef>r  bcr 
tuilbe  (Jäger  tobte,  er  ift  iljm  nid)t  getvidjen  imb  ift  im  Greife 
geblieben,  bis  bie  9)?ttternad)r3ftunbe  vorüber  roar.  £>a  ift  bie 
Seele  ertöft  geioefen  unb  frö^Iid;  unb  guter  2>inge  mit  gellem 
©efaug  in  bie  Stifte  geflogen.  $5od)  aud)  für  ben  Bauersmann 
blieb  bie  93elofjnung  uidjt  au$.  Gr  fanb  auf  bem  ^eimioeg  einen 
großen  Raufen  ©etb,  bog  er  genug  ^atte  fein  lebelang. 

"JluS  Wt\om,  ßrci«  Wegennwlbe:  mitgeteilt  burd?  fcerrn  ^rofefior  (*.  »u!?n. 

25. 

Dat  ÜUeke1)  un  de  wille  Jeger. 

Da  was  einmal  ein  riko  Graf.   De  stund  des  Middachs 

Klock  tweren  up  üe  dunn  frueschtückt  hei  cister.  Ue 
wenn  hei  frueschtückt  harr,  dunn  nam  hei  sich  sine  Hunn 
vaer  üe  tressirte  de. 

Des  Abeuds,  wenn  dat  duesde  wäd,  dunn  töeh  hei 
up  .Jacht  mit  sim  Lifjeger  üe  den  annern  Jdger.  Kis 
jing  hei  uk  wedder  up  Jacht,  da  troef  hei  sone  gröte 
Hirsch  an.  Disse  hebbn  sei  jagt  dS  ganze  Nacht  üe  dö 
ganze  Dach  bat  dS  andre  Nacht  Klock  twölbe.  Dunn 
k<>me  se  an  dö  Milebärch,  d$  lijjt  dar  dicht  anne  Rej 
bi  Labs  (Rega  bei  Labes),  üe  da  was  er  dö  Hirsch  mit 

einem  Mal  üt  de  Ögne  verschwunne. 

Dunn  stund  a  kleie  Clleke  väer  er  üe  de  fröch  6, 
wat  sö  soekten.  Sächt  dö  Graf:  „Wi  soeke  dö  gröte 
Hirsch,"  üe  dunn  sächt  dat  Ülleke:  „De  is  bawen  inne 
Luft,  üe  de  söjji  nü  bat  anne  jüngsde  Dach  jäge.^ 

ÜJiünbüd)  auö  2)torienflie&,  Kteia  ©aajifl. 
26. 

$ie  tuilbc  3<tgb  bei  Wörenberg. 

3n  ber  Rosenberger  ©egenb  Ijört  man  nicfjt  fetten  an  frönen 
Sommerabenben  in  ber  Vuft  ein  Stommeln,  Saufen,  pfeifen  unb 

>)  Ülleke  =  3roerg. 


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22 


©ejudjje.  (£8  bauert  bann  nidjt  lange,  fo  erblicft  man  in  weiter 
Entfernung  Ijod)  oben  in  ber  Cuft  einen  Leiter  unb  fyinter  iljm  brein 
einen  gangen  «djwarm  bon  ÖJefpenftern.  Unter  lautem  ©etofe  fenft 
ftc^  ber  3U9  immer  tiefer  fyerab  unb  oerfdjwinbet  enbtia)  mit 
gewaltigem  ©rbrötjneu  beS  @rbboben£  in  ber  Briefe,  begegnet  man 
ber  milben  3agb,  fo  fann  man  fid)  nur  baburdj  oor  iljr  retten,  bafe 
man  fid)  platt  auf  bie  Grbe  wirft  unb  ben  3»3  an  fid)  oorbeijicfien 
lä&t.  Die  Veute  fagen  ju  ber  ganzen  ©rfdjeiuung:  „Da  tuet 
dö  wil  Jacht." 

OKitöctcilt  burd)  £errn  0nmnafmlIcl)rcr  C.  Änoop. 
27. 

Der  Xxanm  öora  (Sber.1) 

3m  £ud)8jagbfdjlofj  bei  j^alfenburg,  im  ftreife  Dramburg  in 
Bommern,  foll  uor  ßciten  ein  gräflicher  Orörfter,  namens  ftföfefe, 
gemefen  fein.  Dem  Ijat  einmal  in  ber  s3iad>t  oor  einei  ©berjagb 
geträumt,  baß  er  einen  großen  Gber  erlegen,  aber  oon  iljm  ter* 
munbet  werben  würbe.  Durd)  ben  £raum  gewarnt,  ift  er  $u  ©aufe 
geblieben,  aber  nad)  ber  3a9D  Sdjloffc  tyerabgefommen,  wo  er 
unter  bem  erlegten  Silbe  gerabe  einen  foldjeu  ©ber,  wie  ben  int 
Xraume  erblicften,  fanb.  $113  er  nun  benfelben  vom  Sagen  fyob, 
um  tyn  $u  befefycn,  glitt  er  ifym  aus  ber  $anb  unb  ber  .^auer  fufyr 
tym  in$  Siein,  fo  bajj  er  lange  $t\t  barnieber  liegen  mufcte,  aber 
enblidj  bod)  wieber  genaS. 

äuljn,  SÖeftfäl.  £afl.  I.  %x.  40G. 
28. 

Der  wilbc  3ägcr  nl£  Dräk. 

©ine  IMertelftunbe  oou  Stifcig  entfernt  liegt  ber  .Jicjberg,  bie 
fyödjfte  53obener^ebung  ber  ganzen  ©cgenb,  mit  einer  SKuubfidjt  ton 
jwei  teilen  nadj  jeber  Stiftung  fyin.  9?on  biefem  33erge  au«  jictyt 
bie  wilbc  3^9^/  unb  man  fagt  bann:    „Dei  Dräk  treckt". 

(Sinft  fyütete  ein  Sdjäfer  beö  "tfadjtg  feine  .£>erbe  auf  bem 
Selbe  nidjt  weit  t>on  biefem  5krgc.    Da  tjörtc  er  mit  einem 

')  3*al.  Stulln  in  Raupt's  3tfd?r.  V.  3.  379  unb  oben  Sciqc  9ir.  6. 


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23 


2Me  lautes  $efcen  unb  4?unbegebcU  nngS  um  bic  $)erbe  tyerum. 
©eil  er  nun  gloubte,  ber  33öfc  roolle  ilm  oerfpotteu,  fo  r/efete  er 
nad)  Gräften  mit. 

$113  bie  ;Qagb  5u  @nbe  mar,  marf  ifun  ber  Dradje  eine 
9)?enfd)enlcnbe  31t  unbfagtebabei:  „Sö!  Hast  6k  mit  jage  hulpe, 
käst  ök  mit  nage  helpe.  Da  hast  6k  wat  veer  din  Un- 
moej."  Son  ber  $eit  an  fyielt  bem  Sdjäfer  ben  £ag  über  eine 
unfidjtbare  Gewalt  baS  ülflenfdjenbein  über  bie  8dmlter,  be8  9fad)tS 
mar  baSfelbe  immer  üerfdjmunben.  'JJicmanb  mußte  ttym  311  Reffen. 
!>a  ging  ber  2)iann  enblidj  311  einem  ikfror,  ber  bie  fdjma^e  Äunft 
fcerftanb;  aber  aud)  bem  gelang  eS  erft  beim  britten  sJ)tole,  bas 
2)Jeufd)enfleifdj  fort  3U  bannen. 

Überhaupt  ift  eS  auf  bem  Biberg  ntdjt  red)t  geheuer.  93c* 
fenberö  bat  man  in  ber  OJegenb  nad)  ber  Noitwisch  (iVeibroiefe)  311 
große  $üge  üpn  Gittern  unb  Königen  uou  tf>m  Ijerabfommcn  gefetjen. 

5Jtünblicb  aus  ÜHifeia,  Mr.  Sdjicoclbcin. 

29. 

$cr  SBorf  unb  bic  §ünc. 

3n  früheren  $eiteu  30g  oft  unter  lautem  £unbegebe(l  bie 
milbe  $agb  burd)  bie  Vuft.  $er  ^äger,  ber  fie  anführte,  fyiefj 
dei  Wötk.  Qerfelbe  nafmt  alles,  ma£  auf  unredjten  SBegen  fear, 
mit  fidj,  befonberS  aber  uermünfdjtc  Siefen:  bie  £ünen  unb  bie 
Unterirbifdjen. 

£0  pflügte  einmal  ein  Sauer  bidjt  am  35Jalbe  bei  ftrafeig, 
unb  eine  §üne  mar  bei  Ujm,  als  plöfelicf;  bie  milbe  {Jagb  angezogen 
fam.  $er  Sauer  aljnte  nod)  gar  nidjts  baüon,  bod)  bie  §üne  er* 
tonnte  ben  2öotf  fd/on  üou  mettem  unb  rief  üoller  ?lngft  bem  sJ)tonne 
311:  r  Stülp  üm  din  Mull,  ik  war  di  da  wull  vöa  betalo!" 

$er  Sauer  backte  bei  fid):  „2BaS  tonn  bir  bie  mofyl  geben", 
fippte  aber  bod)  feine  3)iitlbe  um,  unter  ber  fie  fofort  fcer* 
fd;manb.  ©leid;  barauf  30g  beim  aud)  ber  "Bott  mit  großem  ©e* 
töfe  torüber.  }Jadj  einer  fleinen  ©eile  fam  bie  .§üuc  mieberum 
3um  $orfd)cin  unb  befahl  bem  Sauern,  fie  3U  begleiten  $et}t  folle 
er  feine  Scloljnung  empfangen,  Gr  mußte  feinen  Satf  mitnehmen, 
unb  als  fie  in  ben  2öalb  getommen  waren,  füllte  ilmt  bie  .früne 
benfetben  gan3  üoll  §ätffel. 


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24 


ftaum  toar  ber  93auer  aus  bcm  ©albe  f>erauS,  fo  fdjalt  er 
über  bie  ävnittc^c  SBeloljnuug  uiib  fluttete  umrillig  ben  §äcffel  auf 
ben  s)(cfcr.  Wie  er  nun  in  fein  £>au§  trat,  Hingelte  e$  im  Sacf, 
unb  als  er  nadjfal;,  Ratten  firfj  bic  toenigen  fct)arfen  Stapeln,  bie 
in  ber  tfeinetoaub  haften  geblieben  tvaren,  in  blanfe  £ljaler  i?er* 
tvanbclt.  Sdjnell  rannte  ber  sJJiaun  jurücf  auf  ba$  falb,  um  audj 
baö  übrige  311  fyolen,  bod)  ba  mar  alles  ücrfdjnmnbeu. 

Wünblid)  au§  Ärafoi«,  ftt.  ^ürftentum. 
30. 

Ter  Wort  ntib  bcr  @<f)äfcr. 

?ll§  cinft  bie  Birten  mit  il)reu  <Sdjafcn  bie^adjt  über  braufeen 
in  ben  Würben  geblieben  toaren,  lam  unter  lautem  3agbruf  unb 
.Jmnbegebell  bie  roilbe  ftagb  angeaogeu.  (Sin  übermütiger  Sdjäfer 
befte  mit  unb  rief:  ..Huisk,  ksz,  ksz!u  Ta  marf  ilun  ber  Sott 
eine  ^ferbef etile  $u  unb  fagte: 

..Du  hast  mit  jachte  hulpe, 

Kast  ök  mit  ftto  helpo." 

(?hcnbol)er. 

31. 

Ter  Wott  fregepet  einer  %xau. 

(Sinft  ging  eine  alte  o"-rau  aus  ftrafcig  allein  auf  ber  Straße, 
als  plüfelid)  bcr  SBotf  mit  feinen  $unben  ba^er  tarn,  benen  baS 
rote  fteuer  MS  bem  9iad)en  fprübte.  il*or  ^djiecf  fdjrie  fic  laut 
auf,  bod)  ber  ©ort  rief  ifjr  $u: 

„Tritt  up  dea  Mittelwech, 
Denn  löpe  all  min  Hunn  bi  di  wcch!u 
$aS  tfjat  fic  benu  aud),  unb  bic  toilbe  ^agb  30g,  ol>ne  fic 
31t  jdjäbigen,  au  iljr  oorüber. 

(jbcnfcaber. 

32. 

Ter  SBorf  erfüllt  bett  Söunfrfj  einer  ftran. 

(Sine  grau  aus  töra(jig  ging  einft  im  SBalbe  f parieren,  unb 
als  fie  bort  bie  5?ögel  fo  fdjön  unb  lieblich  fingen  fyörtc,  rief  fie 


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25 


au$:  ,,?ld),  tonnte  idj  bodj  audj  fo  ljerrlidj  fingen!"  Staub  ba  mit 
einem  9Jfale  ber  ©otf  for  ifn*  nnb  fagte:  „Da;ui  ift  nur  ein  ©ort 
öon  mir  nötig/'  unb  oon  Stunb  an  f/atte  bie  Jrau  ifyre  menfdjlidjc 
Spradje  verloren  unb  fonnte  nur  nodj  tuie  bie  l^ögel  „piepen". 

(*bcnbaber. 

33. 
$er  SBuib. 

^m  ^feuftettiner  Greife  glaubt  man,  bie  toilbe  ftagb  flöge  Ijocf; 
in  ber  Vuft  als  eine  xHrt  ftuljrfcerf.  Die  föoffe,  n?eld)e  ben  ©agen 
fliegen,  finb  feurig;  baoor  laufen  f)of>l  beüenbe,  fc^roar^e  £>unbe. 
£er  {Jäger  fetbft,  ber  mit  ftudjen  unb  iUapperu  baf)iufäl)rt,  fyat 
einen  ^ferbefnfj  nnb  wirb  dei  Wüid  ober  dei  W6d  (fo  in 
©rof?*£alleutiu)  genannt,  daneben  fennt  man  ilm  and)  unter  ben 
tarnen  Duewel  nnb  Beelzebub. 

(£inc§  Hbeub*  befanb  fief?  auf  ber  Yienfdjeu  .£>eibe,  einige 
teilen  öftlid)  von  Sempelburg,  ein  ?lrferbürger  mit  feinem  ftnedjte, 
um  bie  ^ferbe  einsangen.  Sie  Raiten  gerabe  biefe  üBefdjäftigung 
uollenbet,  als  fie  in  ber  Vuft  IjotyleS  .§uubcgcbell,  laute«  Älapperu 
unb  3ud;eu  üernalmieu.  £er  Äucdjt,  ein  tollfülmer,  toilber  3Meufd>, 
juckte  mit,  würbe  aber  fogleid?  oou  bem  §errn  baran  gefjiubert  mit 
bem  Söemerfen,  ba$  fei  ber  ©uib  mit  ber  ioilbeu  $agb. 

Unb  fo  n?ar  e$  auef;  tuirflid).  ©är/renb  ber  datier  uod) 
feinen  Änedjt  $ur  sJiebe  ftellte,  fdjmebte  bie  tuitbe  ^agb  |*a>n  über 
beiben,  unb  ber  SBuib,  eine  große,  [djiuarae  ®eftalt  mit  IJferbefufj, 
jtanb  vor  ifynen.  Sie  hüteten  fid)  jebodj  beibe  roolfltvciölid),  jefet 
nod)  ein  ©Örtchen  gu  fageu,  fonbern  betreuten  fid)  vielmehr  an- 
bädjtig.  $a  fie  fid)  burä)  nidjtS  in  ifyrem  Stillfduocigen  ftöreu 
ließen,  fo  oerfdrtvanb  ber  ©uib  nadj  einer  ©eile  toieber.  .£ättc 
ber  Änedjt  nod>  ein  ©ort  gefprodjen,  fo  Ijätte  Um  ber  SBuib  mit* 
genommen. 

OJlünblid)  nu$  lempcllmrfl,  Är.  tteuftettin. 
34. 

$er  Snib  nnb  bie  SRiltf|frnu?e. 

$er  ©uib  fät)rt  mit  feinem  Sagen  fyodj  oben  tu  ber  Vuft. 
(Sinmal  ift  er  babei  fo  unüorfidjtig  getoefen,  bafj  ber  feurige  ©agen 


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26 


ba3  ,£immci§gewölbc  berührte  unb  einen  großen  (Streifen  bafon 
nnfengte.  i&eil  berfclfce  iufo(cje  beffeu  eine  loeiftgrauc  Partie  be= 
fommeu  \jat,  nennen  it;n  t>cuti^cö  2age£  bie  teilte  bic  üWildjftrafie. 

(*benbal)er. 

$er  itftlbc  3<i(|cr  tränt  einen  Srf)äferFnerf)t  und)  Chtgellanb. 

Jriiljer  blieben  bic  Sdjafe  beö  sJiiad;t£  branden  auf  bem 
Jyelbe,  ba  ber  Seibeptal«  von  Xag  311  £ag  gctocdjfelt  »ourbe  nnb 
ein  jebcöiualigcS  CSintreiben  in  ben  Stall  ju  jeitraubenb  geti>e)eu 
wäre.  3Man  umgab  bie  §crbe  am  Slbenb  mit  £>locfcu  (b.  Ij.  färben), 
unb  ber  Sdjäfcr  luelt  in  einem  jmciräbrigcn  «djlaffarren  bie  ")iadp 
wadje. 

So  lag  and)  einmal  ein  Sefyäfcrfnedjt  au$  &lem$on),  im  Greife 
2d)icfelbciu,  in  feinem  SdjlafljäuSdjen,  als  plöfclid)  ber  $)unb  laut 
an|d)lng.  (Sr  gutftc  aus  bem  .starren  fyerauS  nnb  fal)  nun  einen 
I)cd)geroadn"cnen,  ftarten  Wann  in  roter  ^aefe  mit  großem  Vollbart 
bcraufomiucu,  begleitet  von  fünf  fdiroar^cn  £mnben,  benen  bie  Junten 
aus  bem  9iad)en  fprüljten.  £er  Rödjäekte  raudjtc  eine  pfeife, 
aber  uidjt  tvie  anbere  iWcufdjen,  benu  ftatt  bcS  i)iaud)e£  blies  er 
baö  fyclle  J-eucr  aus  beut  'Jttmibe  IjcrauS. 

Xrofc  feines  abfdnecfeuben  Supern  trat  er  freunblid)  an  ben 
2L4agcn  fyeran  unb  bot  beut  Sd)äferfucd)t  einen  guten  9lbenb.  tiefer 
ertoiberte  ben  ßjritj;,  bat  aber  sugleid)  ben  Rödjäcktcn,  feine 
.spnnbc  jururfjurufen,  ba  biefelben  fidj  mit  bem  £>irtentnmb  31t 
fdjaffen  tnadjeu  trollten,  t^er  tuilbe  ^äger  millfafyrtc  ber  SMtte,  unb 
bic  fünf  ©mibe  gefyordjtcu  il;in  auf  bao  3£ort.  Sobann  fragte  er 
ben  Sdjäfer,  ob  er  ilnu  einen  (Gefallen  ttuiu  tuolle.  Sein  Sdjabe 
würbe  cS  nid)t  fein;  benu  er  follc  bafair  eine  große  Summe ©clbcS 
jur  2klolmung  crljalten. 

£cr>tiied)t  erflärtc  fid)  mit  allem  cinoerftanben,  uorauSgefcfct, 
baft  er  es  ausfuhren  föuue.  „9iun",  antwortete  ber  in  ber  roten 
^aefe,  „bann  madic  bid)  bereit,  bu  follft  uäm(ttf)  mit  mir  auf  eine 
ftadjt  511111  Mönig  oou  (Sugcllaub  unb  mir  bort  ein  Sdjlof;  auf* 
frtjliefjeu." 

Jlaa)  Gngcllaub?"  rief  ber  ftnedjt,  „unb  auf  eine  3Jad>t? 
iVctn,  ba«  getjt  iüd;t  an."  —  „„Um  baS  tfortfommeu  braud;ft  bu 


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27 


btd)  nirfjt  3U  forgcn,""  fcerfefetc  bcr  wilbe  ^äger.  —  „Sa,  aber  bie 
Schafe.  Senn  mein  |>err  ba$  mcrit,  jagt  er  mid)  fofert  au*  bem 
Dienft."  —  ((((r,  fjaft  bn  nicbt  beiiteu  £unb,  nub  habe  idj  uirf>t 
beren  fünf?  ^on  ben  Sdjafcn  foll  bir  and)  nidjt  ein  Stiief  cnt- 
Weubet  »erben.""  — 

Sefct  cnblid)  willigte  bcr  ©urfdje  ein.  Der  Rödjäckte 
{teilte  feine  .§unbe  an  ben  (Srfen  ber  Würben  auf,  beö  Sdiäfcr* 
$mub  mupte  ben  (Singaug  bemalen,  Sobann  tn'ef?  er  ben  ttncd)t 
fid)  ein  Safdjcntud)  nm  ?lugen  nnb  Cfyren  bittben  nnb  il;m  auf 
ben  dürfen  Dorfen.  Gr  wolle  ilm  tragen,  aber  eö  ginge  ein  wenig 
rafajer  wie  bie  9fienfd)cti  $u  reifen  Vfkfltc"/  Carinii  wäre  cä 
beffer,  wenn  er  Weber  fefjen  nedj  l)ören  fönne. 

Der  Sd)äferfned)t  tfjat,  wie  il)m  befohlen  war,  nnb  nun  ging 
e$  wie  ein  •Sturm  nad)  (Sngellanb,  fo  rafd),  bafe  beut  ^urfdjeu  faft 
ber  Altern  ausblieb.  Wad)  Verlauf  weniger  Stuubcn  Inctt  ber 
Rödjüekte  twr  einem  großen  Sd)lcffc  an.  Der  Mucdjt  f prang  jur 
©rbe,  banb  fid)  baö  lud)  ab  nnb  erlnett  nun  t-ou  bem  Witten 
Säger  einen  Sd)lüffcl,  mit  bem  er  bie  Pforte  öffnete,  darauf 
traten  fie  in  fcerfdjicbcne  Stuben  l)iuein. 

Sn  einer  berfelben  ftaub  ein  Spinb,  beffen  Sdjlofc  mit  einem 
metallenen  &ren$  beberft  war.  „Sd)icbe  ba*  Krens  juriief/'  fprad) 
bcr  wilbe  Säger,  „unb  fdjlieft  mir  ba*  Sd)Iofi  auf,  beim  id)  bin 
es  ntd)t  im  ftanbe."  Der  Mncdjt  tfjat  ed  uiid  entfernte  fid)  alc 
bann  auf  ben  Sunfd)  bc*  Rodjüokten  an«  bcr  Stube,  Madj 
einer  Seile  würbe  er  wieber  biueingerufen  unb  anfgeforbert,  baö 
Sdjlofe  $u  fd)liefecn.  Dann  gingen  fie  31t  ber  Uferte  juriitf,  unb 
aud)  tyev  fdjlop  ber  Sdjäfer  wieber  ab.  Sobann  banb  er  fid)  bei* 
lud)  twn  neuem  um  xHiigcn  unb  Obren,  Iwcftc  auf  ben  Mitten 
feinet  ^Begleiters  unb  in  berfelben  Seife,  wie  er  nad)  (Sngcllaiib 
getragen  war,  fefirte  er  311  feiner  £mbe  juritd. 

Der  Rödjüekte  War  über  ben  mutigen  9)tonn  febr  erfreut 
unb  bebanftc  fid)  luclmals,  fteeftc  if)in  jur  ^elclmnng  W\i}c  unb 
2afd)eu  twll  ©olb  unb  rerfdjwanb.  Ded)  jmiwr  fjattc  er  feine  fünf 
.£mnbe  wieber  31t  fid)  gerufen  unb  bem  Srfiäfcr  befolgen,  uidu*  von 
allebem  311  ersten,  fonbern  baS  ftrcngfte  Stillfdnucigen  511  freebadrtcu. 
i£on  ber  £>crbc  fehlte  aud)  uid)t  ein  einiges  Stücf.  — 

9inu  begann  ein  ,'pcrrenlebeu  für  ben  Wnedjt.  Sar  er  früher 
wegen  feiner  3lrmut  als  Minder  verfdjricn,  fo  fpielte  er  ict*t  ben 


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2* 


reichen  9J?onn.  %\\  Strümpfe-  unb  Jj)anbfdmh<  Striefen  war  fein 
©ebanfe  mein*,  bic  würben  gefauft.  9lnd)  rauchte  er  fortan  nie 
mehr  Xabaf,  fonbern  mir  nodj  ßigarren.  ?lufterbem  würben  bie 
feinften  unb  teuerften  Stleiber  unb  eine  neue  Ur)r  gefauft,  unb  wo 
ein  Jana  war,  ba  feljtle  ber  früher  [o  arme  ©djäferfnedjt  nie. 

"Das  erregte  natürlich  allenthalben  ?(ttffe^en  unb  9Jeib,  oor* 
3ügtiet}  aber  bei  feinem  23rotherreu  unb  beffen  $rau.  Vettere  war* 
tete  einen  günftigen  ?lugenblicf  ab,  wo  ber  itnecht  beu  Sdjlnffel  311 
feinem  haften  311  «'paufe  Dergeffen  fyalte,  öffnete  benfelben  ^eimtic^ 
unb  fanb  nun  in  ber  5ki(abe  baö  Diele  ©olb,  weldjeS  ber  33urfd)e 
Don  bem  wilben  ^äger  311m  ©efcfyenf  erhalten  ^atte.  Schnell  rief 
fie  it)ren  2)?ann  I^crbci,  unb  ber  bcfdjloji,  feinem  Unechte  bte  £)älfte 
be£  Sd)a|je£  311  ftehlen.  „Angeben  fattii  er  un£  ja  bodj  nidjt,"  badete 
er,  „beim  auf  unredjtc  Seife  ift  eS  ganj  gewiß  gewonnen,  unb  er 
wirb  fid)  boch  nicht  felbft  burdj  bie  ^In^eige  Dor  bie  (Berichte  bringen." 

©etban,  wie  gebadjt!  T^er  habgierige  2J?ann  raubte  einen 
großen  Xeil  be$  (Selbes  unb  oerfuhr  babei  mit  foldjer  .f)aft,  bafi 
ein  ©olbftücf  unter  ba$  ,^eug  in  bie  £)auptlabe  fiel.  ber  ftnecht 
nad;  .$aufe  fam  unb  feine  Truhe  öffnete,  merfte  er  be«t)alb  fogleid), 
bajj  er  beftotjten  fei.  9lber,  Was  war  3U  machen?  Senn  er  and) 
an  gelegeutltdjen  Stidjeleien  ber  Sirtin  merfte,  auf  wen  er  feinen 
$erbad)t  311  wenben  fyabe,  fo  Ijatte  er  bod}  feineu  hinreichenben 
33eWei3grunb  bafür  ai^ubringeu. 

Sie  er  nun  eines  9lbenb3  mißmutig  in  feinem  Starren  tag 
unb  über  bie  Sadje  nadjbadjte,  erfc^ien  ber  Ködjäc-ktc  wie  bamalS 
mit  feinen  fünf  ,$uuben.  „Seifet  bu  aud),  wer  bid)  beftoljlen  fyat?" 
rief  er,  nadjbem  er  feinen  ^reunb  tyrhüd)  begrüßt  t)attc. 

„Mein,"  antwortete  biefer.  —  „Wim,  bein  93rott)err  ift  eS 
gewefen.  Seijjt  bu  aber  auch,  warum  berfelbe  fid)  geftern  baS 
Sein  gebrod;en  f>at?  —  §d)  bin  cS  gewefen,  ber  itm  3m'  Strafe  für 
feine  Sdjanbthat  dou  bem  läDiittelbalfen  ber  Scheune  auf  bie  3)iele 
herabgeftür3t  fyat  i'a§  barum  jefct  bie  gatt3e  Sache  auf  ficr)  be* 
ruhen,  beim  ber  Schelm  ift  beftraft  genug.  £>amit  bu  jebodj  feinen 
schaben  erleibeft,  fo  wiü  ich  °ir  ^cr  no£ty  breimat  fooiel  ©elb 
geben,  als  bu  baö  erfte  ÜRat  Don  mir  empfangen  Ijafi.  SBleibe 
aber  nicht  mehr  Schaf erfnedjt,  fonbern  faufe  bir  ein  hübfd)eö  ©ut; 
benn  ®elb  ^aft  bu  jefct  fooiel,  ba{j  bu  als  bein  eigener  freier  «£err 
luftig  unb  guter  £>inge  leben  fannft." 


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29 


Sobalb  er  baS  gefagt  fjarte,  gab  ber  milbe  ^äger  bem  Änedjt 
baS  Derfprodjene  ©elb,  bcbcnifte  fid)  bann  uod)  einmal  für  feine 
33eif)ilfe  bei  ber  fiafyrt  nad)  (Sngellaub  unb  üerfchmanb. 

Miinblid?  nu$  3i)t>oiü,  Mr.  ccblaroc. 
M. 

$er  milbc  Sttfitt  erlegt  brei  grauen. 

55or  Dielen  fahren  hütete  ein  Kuhhirt  aus  bem  Dorfe  Hainen, 
im  Streife  Selgarb,  beS  sJ?achtS  feine  Otinber.  Da  tarnen  bvei  fttaueu 
querf elbein  gelaufen  unb  baten  iuftänbig,  ilmen  Untevfuuft  311 
geben.  Der  Sinecht  glaubte,  bic  Seiber  feien  auf  böfen  &?egen  gc* 
roefeu  unb  Ratten  irgenbroo  geftol;len;  beöl)alb  oerfagte  er  ihnen 
unter  allen  llmftänben  feinen  53eiftanb.  Darauf  liefen  fie  weiter. 

@S  bauerte  gar  nicht  lange,  fo  tarn  ein  Leiter,  gefolgt  fon 
fchmargen  #unben,  ba^er  gefprengt  unb  fragte,  ob  er  nicht  brei 
grauen  gefehen  ^abe.  &<cil  er  in  bem  iHeitcr  benienigen  oermutete, 
tueldjer  von  ben  Leibern  gefdjäbigt  märe,  gab  ber  ,£)irt  über  alles 
genaue  Slusfunft  unb  mies  aua)  bie  Widmung  au,  in  ber  bic  Flücht- 
linge geflogen  maren.  Sofort  ocrfolgte  ber  frembe  SDtonn  biefe  Spur 
unb  mar  balb  ben  Sölicfen  beS  flüchten  eutft^rounben. 

ÜJach  Verlauf  einiger  Stunben  fehlte  er  jeboch  mieber  juriief, 
it)m  roeit  oorauS  liefen  feine  ,£unbe  unb  fpraugen  fieubig  mebelnb 
unb  belleub  au  bem  knechte  empor.  Da  bemerfte  biefer  31t  feinem 
Sdjrecfen,  baj?  ben  Bieren  baS  $euer  bei  iebem  l'aute  auS  bem 
$alfe  fut;r  unb  bafj  fie,  menn  fie  auch  ben  $)irtenhunb  mie  einen 
ihresgleichen  mit  ber  Schnauze  befd>uuvperteu,  bennodj  nicht  ge* 
möhnliche  ,£unbe  fein  fonnten. 

9iod)  mehr  aber  entfette  er  fid),  als  ber  Weiter  jefet  oor  ihm 
anhielt  unb  er  bie  brei  ftrauen,  au  ben  paaren  $ufammengefoppelt, 
tot  über  ber  2tfälme  beS  *J3ferbeS  hängen  fah- 

Der  SReitersmaun  festen  feine  fturcht  nicht  ju  bemerfen,  fon* 
bem  bebanfte  fich  freunblich  für  ben  guten  Söefdjeib  unb  forberte 
ihn  auf,  fich  feinett  tfofm  bafür  $u  holen.  Derfelbe  läge  jmifchen 
ben  $orberfü§en  feines  ÜtoffeS.  Der  Unecht  tonnte  fich  <*&er  in 
feiner  fturdjt  nicht  bagu  entfdjliejjen,  an  baS  ^ferb  henmsutreten, 
fo  fehr  auch  Dfr  frembe  §err  ihn  baju  ermunterte.   SltS  alles  gu* 


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30 


rcbeu  nidjta  fmlf,  fprad)  ber  Weiter,  meldjeS  bcr  toilbe  Säger  °bcr> 
wie  man  Um  aud?  foitft  toofyt  nennt,  bcr  Duowol  ober  Alf  war, 
tl)in  nochmals  feinen  fyer$lid)ften  Dan!  onö,  rief  feine  £mnbe  beran 
nnb  ritt  mit  berfclbeu  Sdjnelligfeit,  in  ber  er  gefommen,  wieber  baoon. 

(Sbenbnl)cr. 

37. 

^fcrbefeulc  octmanbclr  ftdj  in  Qtalto. 

^mei  iWeilcn  von  33ütom  liegt,  inmitten  oon  &*alb  nnb  ÜDioor, 
auf  einem  $crgc  baS  Dorf  glitten.  Dort  $icl)t  oft  bic  wilbe  Sagb. 

(Sinft  ln'itete  ein  Mued)t  bc*  :Nad)t$  bie  N^ferbe,  als  ylöfelidj 
bic  toilbe  Sagb  anfam.  Voller  $agblu|t  fycfete  ber  Ü)iann  mit,  unb 
als  bie  $agb  vorbei  war,  warf  ilnn  berSööfe  eine  ^ferbefeule  ju, 
mit  ben  Korten:  „Da  hast  uk  wat  vaer  dir  Jaugeut."  ?tm 
anberen  sJO?orgcit  aber  mar  baö  s}3ferbef(eifd)  311  lauterem  ©ofbe  ge* 
werben. 

sJJtünt»Iia)  aus  Jrjcbiatton),  Ät.  Söütoi». 
38. 

$er  luilbe  Säger  ocrfolgt  eine  $aufcc. 

Der  2lnfnl)rer  ber  wilben  $agb  ift  dei  Duewcl,  bcr  cS 
bei  feinem  Sagen  l)auptfäd)lidj  auf  bie  Beelen  ber  ungetauft  Oer» 
ftorbenen  Minber  abfielt.  Stuft  ftarb  in  Slatfdww  ein  folajeö  ftinb 
unb  mürbe  uad;  brei  Jagen  unter  ben  übüdjen  2reftlid)feiten  be- 
erbigt.  Wdjt  lange  baranf  ftanb  ber  ftnedjt,  melier  bei  bem  3?ater 
be£  oerftorbenen  ftinbeS  biente,  oor  bem  ©efybft  unb  fafy,  wie  burd) 
ben  §ofjlweg  eine  weific  £aube,  oerfolgt  oon  bcr  wilben  $agb, 
flog,  fidj  uad)  bem  §aufc  ^umaubte  unb  burd)  bie  £>au£tln*ire  hinein 
in  bic  Stube  eilte,  wo  fie  fid)  unter  ber  Cfenbauf  nieberliefe. 

Slbcr  ber  toilbe  Säg^  Kfcte  tyt  audj  baifin  nadj  unb  biß  bem 
armen  Siere  in  ($eftalt  eines  fdjrecf  licfyen  Ungeheuers  ben  §al£  ab ; 
bod)  mar  oon  iölut  nidjtä  31t  fefjcn.  911«  bie  Xaubc  getötet  mar, 
öffneten  fid)  ^enfter  unb  X^ürcn  oon  fetbft,  unb  in  einem  2lugcn- 
blitfe  maren  Säger  unb  Jaube  ocrfdjwunben. 

SJtünblid)  aus  Statfdjoio,  Är.  fiauenbura. 


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31 


39. 

Der  Oiame  ber  beutfdjeu  (Göttin  3*via  fyat  fid)  in  Komment 
in  ben  formen  %rie,  $uif,  %ü  ermatten.  3(uf  .Jn'bbenfce  itub  Um« 
manj  fagte  mau  näiulid)  nod)  Dor  breifng  $afn;en  oou  ^wei  si*er* 
tobten:  „Dar  is  de"  oll  Frie  in'tHüs  tagen,  dö  Warden  sik 
trecken  (fjeiraten)". 

3n  ^cufuu  im  Greife  töanbow  uub  in  $al)n  im  ©reifen* 
fyageuer  tireife  brobt  mau  bcirDiägbcn,  weldjc  3iir  $c\t  ber  Zwölften 
nod)  \$L\A}$  auf  beut  Soden  fyabcn:  „Die  <yuif  wirb  fommeit  uub 
iljn  befubelu."  .Üned)te  fdnuiereu  aud}  mofyl  ^ferbemift  unb  Qfrvim* 
foljl  in  ben  ftlad)**  hinein  uub  fagen  fyeruad):  „Daö  tyat  bie  <yuif 
getljan!" 

?U)nlidje3  wirb  im  iiireife  Wegcnwalbc  i>on  beut  $n  er3äl)lt, 
weldjer  bort  ebenfalls  ein  Sdjrecfgefpenft  für  bie  faulen  Spinnerinnen 
bitbet  uub  bem  bie  Söefubelung  beö  tfladjfcs  mit  2lfd)e  uub  Gaffer 
jugefdjrieben  wirb.  t)odj  ift  mau  fid)  über  baS  $efd)ledjt  beS  $u 
nidjt  gang  flar;  mau  fagt  dei  Fü  uub  dat  Fü,  aud)  weift  feiner 
red)t,  was  Fü  cigentlid)  für  ein  Siefen  ift.  Ohir  ein  alter  3)?ül)len» 
fnedjt  aus  Letten  fyatte  battou  tfuube.  Uub  ba£  mar  fein  Sunber, 
beim  fein  <$rofwater  fyatte  eS  tfjm  er$äl)lt.  'Das  War  ein  fo  ge* 
Ictjrter  Sttann,  baß  er  faft  für  einen  kubierten  gelten  tonnte.  Gr 
wäre  aud)  beinahe  ein  ^aftor  geworben;  beim  auf  ber  itaii^el  ber 
<S;d)topfird)e  %u  Stettin  I)atte  er  fdjou  geftanben  unb  aud)  eine 
wuuberfdjönc  ^rebigt  gehalten,  l'ciber  oergaf;  er  es?  hinten  31t 
fagen,  unb  ba  war's  benn  mit  feinem  9lnfel)cn  bei  ber  ®eiftlid)feit 
aus.  Diefcr  ©rofwater  nun  l)at  immer  gefagt:  „Dat  Fü  ift 
nidjts  anbereS  wie  ber  leibhaftige  Xeufel"  uub  babei  wirb'S  benn 
aud)  woI)t  bleiben. 

%  iluljn,  ©eftfät.  eng.  II.  9lr.  4-5;  SHMcUuna  bcö  fcertii  ^rof.  G.  Äul)n 

in  iVtüiicbcn  unb  münblia). 

40. 
Mumiliscl. 

In  ullen  Tiden,  dar  ging  mal  eis  dei  Hultwärcr  von'n 
Ködenbusch  bi  Sommersdörp  des  Nachts  in'n  Hult  üm- 


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32 


her,  üm  uptöpassen,  dat  dei  Spitzbauwen  kein  Halt  ncmen. 
As  hei  nu  so  den  Stij  entlang  geit,  sin  Hund  geigen  eni 
up,  kürnmt  en  lütten  Kirl  an  mit  na  Kapp  uppen  Kopp 
unnen  langen  Bart.  Dei  sticht  tu  em:  „(lau  hir  üt'n 
Waej !  Denn  dat  durt  nich  lang,  denn  kümmt  uns  Herrin 
Mürnilisel  hir  lang  tö  fueren." 

Dunn  sacht  hei:  „Wat  is  dat  denn  faer  eino?  Kann 
ik  mi  dat  Fürwark  woll  eis  mitanscin?"  —  „Ja!"  sächt 
hei,  „Gä  hir  man  'n  baeten  anne  Sid  stan,  un  verhüll  di 
ganz  rühich.    Süs  kann  di  dat  slieht  gün,  denn  sei  hat 

all  öfter  einen  dat  Fell  äewer  dei  Üren  tröckt";  un  as 
hei  dat  ütsäeht  harr,  dunn  wir  hei  verswunncn. 

Na,  dei  Hultwarcr  stellt  sich  dar  ja  in  dat  Gebüsch 
hen,  üm  sich  den  Kram  mit  antausein.  Dat  dürt  noch'n 
Tid  lang,  dar  mit  eimmal  wart  sin  Hund  so  wild  kikeu, 
nimmt  den  Swanz  twischen  dei  Bein  un  ritt  üt  Dar 
suet  hei  wat  äewer  den  Barch  räewer  käm'n,  dat  was'n 
oll  Frü,  dei  satt  upp'n  Wägen.  Därväer  wiren  vir  Witten 
Kotten  spannt.  Dei  harren  aewer  sonne  lange  Bein,  dat 
up  jedes  Diert  'n  lütten  Kirl  satt  un  mit  dei  Pitsch  inne 
Hand  lür  väerbi  knallt. 

Dem  Hultwärer  wir  därbi,  as  wenn  em  von  links 
un  rechts  einer  'n  pär  düchdije  Mülschcllcn  göw.  Hei 
söj  äewer  kein'n  un  ging  därup  tö  Hüs.  As  hei  bi  sin 
Frü  was,  dunn  sächt  hei:  „Hued  Abend  is  mi  wat  passirt, 
sö  wat  heffk  in niinii  ganzen  Laebent  nonnich  erlaeft.a  — 
nNa,  wat  denn?"  sacht  sin  Frü.  —  „Ney'  sächt  hei,  „dat 
kann  ik  nich  irer  verteilen,  ik  moet  irst  Fuer  un  Wäter 
seien;  denn  ik  gloew,  därbi  hat  dei  Duewel  sin  Spill  hat." 

Sin  Frü  geit  hon  nä  dei  Käek,  üm  Fuer  un  Wäter 
tö  hälen.  Dunn  steit  där  dei  lütte  Kirl  mit'n  langen  Bart 
inne  Käek.  Sei  verfirt  sich  däräewer;  där  sächt  doi 
Kirl  tau  er:  „lk  will  di  blosz  säggen,  min  Frü  laet  di 
säggen,  du  sast  din'n  Mann  säggen,  hei  sali  sich  nich 
taun  tweiten  Mal  där  wedder  henstellou,  denn  geit  em 
dat  slicht" 

Wünb(id)  aus  SoinmerSborf,  fir.  Semtnin. 


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33 
41. 

Waterinäiink  unb  Püttmoen. 

Die  Wätormäunk  (Är.  ©rimmen),  Watermäum  (Dein* 
min)  ober  Püttmoen  (Ifyrife)  ift  eine  gefpenfttfdje  grau,  lueltfje 
bcii  fiinbern  fe^r  gefafjrlid)  ift.  £ie  fifet  am  Siaubc  ber  SJrumien 
unb  winft  mit  tf>ieu  Sinnen  beu  Steinen  freunblid)  $u.  flommeu 
bann  bic  Stfnber  l)erbei,  fo  ergreift  fie  biefelbeu  unb  gieret  fie  über 
ben  SBrunnenranb  in  baS  falte  SBaffer  hinein  unb  ertränft  fie. 

SSenn  Äinber  Saffer  ^oten  unb  eine*  bcrfelben  git  tief  in 
ben  93ruuuen  gutft,  ruft  mau  be$ljalb:  „Du,  buck  di  nich  sö 
wit  aewer  dei  Bücrd,  süs  treckt  dl  dei  Watermäum  in'n 
Söd." 

9Hünblid>. 

42. 

Äornmöu  aber  iHoggcnmutter  unb  ftoggenuiolf. 

$n  ben  wogenben  Äornf  elbern  fyält  fid)  bie  Roggen  mau  er 
ober  Kornmoen  auf,  toeldje  alle  .Siinber,  bie  fidj  3U  weit  in  ba$ 
©etreibe  wagen,  fängt  unb  tötet.   (Str.  $tyrty.) 

ftaft  nod)  fdjlimmer  als  bie  iHoggenmutter  ift  ber  fedjäfüfuge 
Öioggentoolf.  $öenn  ber  35Jinb  bnrdj  baS  Horn  gefyt,  glaubt  man 
if)n  gu  erfennen  unb  fpridjt:  „Dö  Wulf  is  in't  Körn"  ((Sammin). 
Staufen  aber  bic  Sinbcr  gwifdjeu  Slornbtiite  unb  SRatyb  iu  bie  Reiter 
unb  gertreten  ba$  (betreibe,  fo  ruft  mau  ilmeu  31t:  „Gät  nich  in't 
Küern,  dar  sitt  dei  Roggenwulf  in  mit  söss  Bön,  dei  frett 
juch  up.u  ((trimmen.) 

2lm  beutlidjften  geigt  ftd)  bie  ^djäblidjfeit  beö  9toggenwolfeS 
in  ber  (Srntegeit;  beim  er  ift  e$,  tocldjer  ben  Sdmittern  bie  fdjtoereu 
3ufäÜe  bereitet,  ftöüt  ein  (Srntearbeiter  plöfclidj  frafttoö  um,  weil 
tfm  bie  fernere  Arbeit  gu  ftarf  erfnfete  unb  if>m  ber  <5d)wei§  in'S 
SRüdfgrat  fra§,  fo  faffen  itjn  bie  anbereu  fcfyeu  liegen  unb  fpredjen: 
„Dem  ^at  ber  SRoggenwolf  aufgetyadt."  (Inflam.) 

SJlünblia). 

43. 

35er  £ob  fleljt  ©ebattcr. 

<£in  armer  23efenbmber,  ber  mit  tinbern  fd)on  reidjlidj  genug 
gefegnet  fear,  würbe  oon  neuem  in  bie  Vage  gebracht,  ein  Äinbel* 

3 


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:-J4 


bier  au«$urt^tcii.  <£r  mochte  fid)  bc^a(6  auf  ben  3$eg,  um  bie 
nötigen  ©eoattern  für  bic  ^eierlidjfeit  ju  laben. 

Da  begegnete  $m  ber  liebe  ©Ott  unb  fpraa):  „34  toill  ber 
^ate  betneö  ÄinbeS  werben!"  Der  2Wann  befann  fid)  einen  9lugeu= 
blief,  bann  fprad&  er:  „Wein,  nein,  bu  fannft  itic^t  ©eüatter  (leben, 
bu  bift  gu  ungerecht.  Dem  einen  giebft  bu  auf  ber  (5rbe  foüiel, 
baß  er  nidjt  weife,  wo  er  mit  feinem  Üleidjtum  bleiben  foll,  bem 
anbern  bagegen  teilft  bu  fo  wenig  Don  irbifäen  ©ütern  mit,  bafc 
er  be3  §unger8  fterben  muß!" 

flommt  ber  teufet  batyer  unb  fpridjt:  „lieber  ftrcunb,  id> 
werbe  bie  ^atenftelte  einnehmen."  „Did)  mag  idj  erft  red)t  niduy* 
oerfefete  ber  23efenbinber,  frbu  bift  nod)  oiel  ungerechter,  als  ber 
liebe  ©Ott.  Dein  ganje«  Eradjteu  gefyt  barauf,  mit  öug  unb  2rug 
uu8  Üttenfdjen  5U  oerberben  unb  un«  $u  f^aben.  ©ef>'  nur  beincS 
SÖegeS  weiter!" 

<5nblitf>  erbot  fiefy  audj  ber  £ob  jur  ©etfatterfdjaft,  unb  atö 
ber  Söefenbinber  biefen  fal)  unb  erfannte,  rief  er  au$:  „Du  bift 
ber  ffledjte,  ben  id)  fudje.  Du  bift  $war  ein  ftrenger  föidjter,  aber 
wenigftenS  geregt  unb  berfdjonft  Weber  reid)  nod)  arm,  Weber  oor* 
nelun  nod)  gering."  <£o  na§m  ber  Job  bei  be$  armen  2ttanneö 
iüngftem  tinbe  bie  ^ateufrelle  au. 

Münblicb  au«  Mrafeig,  ffrete  ^ürftentum. 


44. 

Der  Job  beim  $an$  tu  ber  9icujaljr$uad)t. 

3u  Xempelburg  Ijatte  fi4  einfr  in  ber  Uieiiia^rSna^t  eine 
luftige  ©efellfdjaft  jufammengefunben.  2Wan  jubelte  unb  lärmte 
unb  tankte,  um  red)t  oergnügt  in  ba8  neue  3<4r  fu'neinaugelangen. 
<ödjon  tyatte  bie  Jurmuljr  bie  amtternadjtsftunbe  angezeigt  unb 
nod?  immer  Nörten  fie  nid)t  auf  mit  tyrem  a.otte8läjterlid}en  treiben. 

Da  gefeilte  ftc§  plb(}li4  $u  aller  (Sntfejjen  ein  frember  3ttann 
ju  ben  Xänaern,  ber  nidjt  ftleif4  unb  S31ut  Ijatte,  fonbern  ein 
lid)e8  ftnod/engertype  mar.   3,n  ^"  »ar  ber  Janaboben  leer,  unb 
$al3  überÄoyf  ftürate  alle«  na$#aufe;  unb  fie  Ratten  nod>  ©lücf, 
beim  fie  famen  bieSmal  mit  bem  bloßen  ©djrecfen  bauon. 


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35 


Üttan  fteb,t  aber  barau«,  tute  gefä^rlidj  e8  ift,  ba$  alte  Qatyr 
mit  £ang  unb  (Belage  gu  befdjliefcen.  (£$  fann  ftdj  gar  $u  leicht 
ber  lob  als  3edjbruber  mit  einfielen  unb  bem  tollen  treiben  ein 
fct)recf(i{$e8  @nbe  bereiten. 

OJiünblid)  au*  Sempelburß,  Streik  9?euftctttn. 
45. 

$er  tob  holt  ein  Wäbc^eit. 

<£in  9Jiann  ging  oon  ßemmen  £r$ebiatfoto.  3Xnf  bem 
@ren$berg  begegnete  er  bem  £ob.  ^Irgto«  begann  er  eine  Unter» 
Haltung  mit  iljm,  benn  er  mußte  nidjt,  mit  toem  er  e«  ju  ttyun 
§abe.  $)a  fagte  ber  Unbefannte:  „ftdj  bin  ber  Xob  unb  gefye  nadj 
STjebiatforn,  um  bort  einen  SWenfdjen  gu  ^olen.  Söillft  bu  aber 
einen  guten  SHat  frören,  fo  »erhalte  bidj,  toenn  bu  be8  Slbenb«  aud* 
gebft,  immer  Ijübfd)  rufjig  unb  lajj  ba8  gottlofe  pfeifen,  (Singen  unb 
mit  ben  #unben  $efeen;  eS  fn'lft  [a  bodj  $u  ni^tS." 

81«  ftc  nun  an  baS  $orf  tyeranfamen,  brauen  bie  tfeute 
gerabe  ftlad)«  unb  fangen  babei.  „@ie§  einmal/'  $ub  ber  Xob  an, 
„iefet  fmb  fic  fo  luftig,  balb  werben  fie  »einen."  sJtod}bem  er  ba« 
geffcrod&en,  oerliejj  er  ben  ÜWann.  Seim  ftladjSbredjen  aber  mar 
ein  grofje«,  fiarfed  3Häb<&eu  beföäftigt,  ba8  fc^ric  mit  einem  9Me 
auf:  „Bdj,  mein  Äopf!"  unb  mar  eine  öeidje.  @o  $atte  ber  Zoo 
©ort  gehalten. 

3Äünblt4  au«  Irjebiattoro,  ÄtetS  »ütoro. 
46. 

£eben8lid|t  oertaufdjt. 

(Jin  9Kann  lag  ferner  franf  barnieber,  unb  ber  Slrjt  Ijatte 
il)n  fdjon  oöllig  aufgegeben,  ^n  feiner  XobeSangft  lief?  er  eine  alte  ftrau 
Iommen  unb  fudjte  bei  ifu*  9Rot  unb  $tlfe.  Diefetbe  tröftete  iljn 
aud)  mit  ber  tfunbe,  bajj  er  nodj  nidjt  alle  Hoffnung  aufzugeben 
brause;  gelänge  e8  tljm  nämlidj,  fein  £eben$lid)t  umftutaufdjen,  fo 
mürbe  er  gefunber  werben,  mie  ie  guoor.  Sonft  märe  er  freilüty 
bem  Xobe  oerfallen. 

$er  SWann  fragte  oermunbert,  ma«  eS  benn  mit  bem  Sebent 
lify  für  eine  Semanbtnis  fmbe,  unb  $örte  nun,  bafe  ieber  3)fenfdj 

3* 


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36 


ein  Lid)t  befifce.  Solange  biefeS  brenne,  lebe  ber  Stöenfch,  fobalb 
es  erlöse,  fei  er  tot.  2ludj  über  ben  Ort,  wo  biefe  Lichter  brennen, 
tonnte  baS  ©eib  93efd>eib.  Der  !ranfe  3ftann  folle,  fo  fdjmer  e$ 
ihm  auch  fiele,  üoii  feinem  Lager  auffielen  unb  in  einer  befHmmten 
föidjtung  immer  gerabeauS  gehen,  bann  mürbe  er  enblich  ba^in  ge* 
langen,  Sobalb  er  bort  angefommcn  fei,  möge  er  fein  Licht  auf* 
fudjen  unb  es  mit  einem  Äinberlitfyt  t?ertauftt^en;  fo  mürbe  baS 
Sinb  fterbeit,  menn  baS  LebenSlirfjt  beS  flranlen  erlof  djeu  fei,  er 
felbft  aber  fo  lauge  (eben,  als  baS  $inb  urfprünglid)  I)abe  leben 
f  ollen. 

Der  üliann  tf}at,  mie  ihm  geheijjeu  mar,  erhob  fid}  uon  feinem 
Lager  unb  manberte  immer  gerabe  aus.  3lnfangS  ging  eS  fcljr 
fdjledjt,  ja,  einen  £eil  beS  SöegeS  mußte  er,  auf  allen  Bieren 
fried)enb,  gurikflegen,  aber  enblidj  erreichte  er  bennod)  ben  erfehnten 
Ort.  Dort  brannten  oiele,  Diele  Lid)ter,  unb  er  hätte  baS  feine 
moljl  niemals  herauSgefunbeu,  menn  nicht  ein  frcunblidjer,  alter 
3ttann  bort  gemefeu  märe,  ber  ir)m  fein  Lebenslicht  geigte.  Das 
brannte  mir  nod)  gang  fdjmad),  aber  bidjt  baneben  ftanb  ein  großes, 
langes,  Ijellbrennenbes  flinberlia^t.  SclmeH  ergriff  er  baSfelbe  unb 
fefete  fobann  bie  beiben  Lichter  um,  unb  taum  hatte  er  baS  get§an, 
fo  mar  er  auch  mieber  gang  gefuub  unb  fonnte  frifdj  unb  munter 

naa^  $oufe  gehcn- 

Das  Äinb  aber,  bem  er  fein  Lebenslicht  genommen  tyattt, 
ftarb  noch  am  anbern  £age. 

OJttinbltdh  auS  ftedoio,  SlteiS  Sauenburg. 
47. 

$eft  eragepftoeft. 

©in  üKann  fah  einmal  bie  ^ßeft,  „mie  einen  Knäuel  blauen 
Duuft"  hmem  Ul  cul  "n  ^foften  eines  £bormegS  fliegen.  So» 
gleich  na^m  cr  emcu  Woc*  unb  fchlug  ihn  in  bie  $öhluug.  SllS 
er  nun  nach  Sahren  »ifber  an  ben  ^foften  herantrat,  fagte  er: 
„ftdj  fperrte  bort  einmal  einen  SBogel  ^ttteiu,  ich  mödjte  boch  miffen, 
ob  er  noch  barinnen  ift,"  unb  gog  ben  ^flocf  aus  bem  Loche.  Da 
fuhr  bie  $eft  hera»^  ihm  gerabe  in  ben  3J?uub,  fo  ba§  er  auf 
ber  (Stelle  tot  gur  (£rbe  ftürgte. 

91  u«  föüaen.  Mitgeteilt  bura>  fcerrn  $rof.  6.  Äubn  in  München. 


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37 


48. 

Sic  $eft  überfällt  einen  «rbetter. 

©in  Arbeiter  ging  auf  bem  ftufifreig  am  Ufer  ber  Ober,  al« 
über  bie  ©iefe  tyn  bie  ^efl  ttrie  ein  langer,  fcfjmaler  ^ebelßreif 
auf  iljn  gugeflogen  fam  unb  fia)  ifym  auf  bie  Schultern  fegte.  $n 
feiner  ?lngft  roufjte  er  fid)  feinen  befferen  9fot,  alä  in  ba$  Söaffer 
31t  fpringen.  Unb  ba«  r)atf  audj,  bie  Sßeft  fdjeute  fcor  bem  falten 
SBabe  guriief  unb  öerltefe  ben  2flann,  Ijat  iljm  aber  in  ifyrer  ©ut 
ein  große«  <Stncf  ©rbreidj  naä)geftürgt,  fo  bajj  er  mit  genauer  9iot 
bem  £obe  entrann. 

SNünblicb  au«  3ün<$on>,  Äreig  ftanboro. 

• 

49. 

$ie  (Spolera. 

<£d  giebt  in  Bommern  manage  $eute,  bie  fefl  glauben,  bie 
(Spolera  fei  im  $abre  1831  abftdjtlidj  in$  £anb  gebraut,  unb  gtoar 
foll  ber  ^rau^ofe  baö  getrau  Ijaben,  bamit  baS  £anb  entüölfert 
merbe  unb  er  eS  mieber  genrinnen  fönne.  Um  fein  SJorljaben  au& 
Juristen,  foü  ber  ^raugofe  auf  allerlei  Segen  unb  unter  allerlei 
©eftalten  fid)  ^erbeigeftotylen  tyabeu.  <2o  ergäbt  man  fid)  nament* 
lid}  oon  Stettin  folgenbeS: 

(£ine£  JageS  fam  burd)  ba«  ^Berliner  Xfyot  ein  SDtann  in  bie 
Stabt  hinein,  ber  eine  große  Äifte  auf  bem  Süden  trug.  $)er 
SDiann  faf>  fidj  ängfHidj  naa)  allen  Seiten  um  unb  fuä)te  unbemertt 
an  ber  Sdn'lbmadje  oorbeigufommen.  $)ie  ©dn'lbtoadje  bemerfte  ü)n 
aber,  unb  er  touibe  feftgefyalten  unb  in  bie  ©adjc  gebraut.  2)ort 
mürbe  if>m  befohlen,  feine  Äifte  gu  öffnen;  er  meigerte  ficr)  beffeu 
groar  anfangs,  mußte  aber  gulefet  bod)  golge  leiften. 

55a  fanb  man  in  ber  großen  Stifte  eine  anbere  fleinere;  in  biefer 
fanb  man  roieber  eine,  unb  baS  ging  eine  gange  3eit  lang  fo  fort, 
fo  baß  man  immer  auf  eine  fleinere  Sifte  fam.  211$  man  aber  enb* 
lid)  bie  fleinfte  öffnete,  ba  fanb  man  barin  ein  gang  fletneS,  f leine« 
ÜWänndjen,  ba«  war  ber  ^rangofe,  ber  bie  (Spolera  in  bie  Stabt 
bringen  mollte. 

Xemme,  SBoltefagen  9U.  261. 


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38 


50. 

ffrantyeü  jie^t  burdj  bte  fiuft. 
I. 

alten  Reiten  ^errfc^tc  einmal  eine  große  £eurung.  Da 
30g  bann  bte  Ärantyeit  burdj  bie  Suft  nnb  naljm  alle  ?eute,  metdje 
nidjts  mefyr  gn  effen  Ratten,'  mit  fid).  So  fam  fie  audj  $u  einem 
armen  SWanne,  ber  SBrottyagen  Ijiefe,  ftopfte  an  fein  frenfter  nnb 
rief:  „93rotljagen  tyaft  bn  ©rot?"  Dod)  biefer  aljnte,  baf?  eS  bie 
ftrantyeit  fei  unb  antwortete  fdjnett:  „%a".  Da  30g  fie  an  feiner 
$ütte  oorüber. 

(Sin  anbermat,  als  Wteberum  bie  „teure  3eit"  im  tfanbe  mar, 
rief  bie  Äranfljeit  tyodj  aus  ber  ?uft: 
„Äauft  eudj  SBibernett, 
Dann  fommt  ber  Job  nidjt  fo  fdjnetl?" 
Daoon  fdjreibt  fid),  bafc  bie  £cute  ben  SiberneU  fo  fyod)  aalten ! 

3RttnbÜ$  au«  Jfrafeig,  #rci$  tfürftentum. 

IL 

3"  Xempetburg  wirb  gana  9iljnIid)eS  oon  ber  CHjofera  erjagt. 
Diefelbe  wütete  bort  fo  ftarf,  bajj  bie  ^(r^tc  nidjt  meljr  Reifen  fonnten 
unb  bie  Stabt  bem  StuSfterben  nafye  war.  Da  rief  es  eines  ÜageS 
am  gelten  ÜJttttage  in  bie  ©trafjen  hinein: 

„Briikt  BlberneU!   Brukt  BiberneU! 
Dat  jt  nich  stärft  so  schnell!" 
Üttan  glaubt,  baj?  es  bie  ftranfljeit  gemefen  fei,  bie  ba 
gerufen  fyat. 

9Rünblid>  au$  lempelburfl,  ÄreiS  fleuftettin. 
51. 

Die  Stimme  fton  oben. 

3m  ^a^re  1625,  gu  ber  3ett,  als  bie  *=ßef»  in  Stettin  mutete, 
war  bafelbft  ^rebiger  au  ber  Sanct  $etri»5lird)e  §err  Wlipp 
GrabeliuS,  ein  gar  frommer  unb  gotteSfürdjtiger  SWann.  Der  ging 
eines  SlbenbS  über  ben  §eumarft  au  Stettin,  um  nad)  feinem  §aufe 
auriiefgufe^ren.  Da  työrte  er  auf  einmal  bei  gaua  ftiltem  Detter 
oben  au«  ber  Vuft  eine  fyeUflingenbe  Stimme,  bie  rief  il>m  au: 
,,©ann  wir  gerietet  werben,  fo  werben  wir  00m  §errn  geaüdjtigt". 


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39 


Der  ^rebiger,  als  er  bie«  fyörte,  blieb  flehen  unb  fragte  fonber  fturdjt 

bie  Stimme:    „9luf  ba§  mir  nicht  mit  ber  Seit  uerbammt  merben, 

mo  bleibt  baS?"  —  @r  befommt  aber  feine  Slntmort  unb  merft 

nun  roofjl,  maS  bie  Stimme  31t  bebeuten  habe. 

Unb  fo,  mie  er  ftd)  bieö  gebaut  hatte,  fo  gefdjah  e3  aud). 

(St  mar  bamatS  nod>  frifcf>  unb  gefunb,  altein  fo  mie  er  heimfommt,  legt 

er  ftd)  l)in  unb  fHrbt.   Sein  Sodjterchen  SMartlm,  ton  elf  ^a^ren, 

als  fie  hört,  ba&  if>r  3>ater  tot  fei,  fagt  fie:    „DaS  fei  ©ott  geflagt, 

ift  mein  Sater  tot,  fo  tröfle  ©Ott  un8  arme  tfinber!"  geht  bamit, 

ba  fie  bod)  jimor  gang  gefunb  mar,  meineub  liegen,  mirb  franf  unb 

ift  be$  3)?orgen8  tot.   Daß  anbere  Söchterlein  Sophia  fommt  fobann 

fpielenb  3U  $aufe  unb  legt  fidj  gleichfalls  unb  ftirbt.   Salb  barauf 

folgt  ihm  auch  fein  Sohn  ^ßljilippu^.   Sllfo  nimmt  ber  Sater  feine 

jmei  Üödjter  unb  feinen  Sohn  mit  fid;  in  ba«  ©rab  hinein. 

Xemmc,  ^oltefaaen  91t.  91  nad>:  fcräliuS,  SUteS  ^ommerlanb  II. 
c.  117.  118;  (£f)t.  3idcnnann,  fctft.  %)toa)riduen  von  bcn  alten  Ginn>oI)nern 

in  Bommern.  8.  63. 

52. 

Sie  !el?te  Schladt. 

3n  uralten  Reiten  mar  Deutfdjlanb  nur  ein  ganj  fleineS 
^ürftentum.  damals  hat  ber  Schäfer  XfyomaS  prophezeit,  Deutfch* 
(aub  mürbe  einft  grof?  unb  mächtig  merben,  mie  e$  ba«  ja  auch 
jefct  fd)on  ift.  2tbcr  es  mujj  nod)  ^crrlia^er  fommen,  benn  bie 
l'eute  merben  fo  großen  Dteichtum  erlangen,  ba§  fie  bie  Äülje  an 
golbene  Äetten  legen.  Dann  beginnt  jeboch  ber  Verfall,  unb  baS  gange 
beutfdfe  sJteid)  mirb  am  (Snbe  ber  Dinge  feinen  größeren  Umfang 
haben,  als  ein  Sauer  mit  oier  ^ferben  an  einem  Jage  umfahren  fann. 

3nt  Demmiuer  Greife  roiffen  bie  alten,  erfahrenen  L'eute  fogar 
31t  berieten,  auf  meldje  SBeife  ba£  Unglücf  hereinbrechen  mirb.  Der 
König  ton  üttitternadjt,  fo  fagen  fie,  mürbe  über  bie  See  gefahren 
fommen  unb  in  einer  gemaltigen  Schladt  mit  ben  Deutfdjen  ftreiten. 
SCüe  Deutfchen  gehen  in  biefem  Kampfe  gu  ©runbe,  nur  fooiel 
bleiben  über,  als  unter  bem  Vaubbad)  einer  (Siehe  %Mafc  haben. 
ÜKünMicb.  aus  3<d>clsborf,  Äreiö  Stanboro,  unb  ÜJtfffißfT,  ÄreiS  £emmin. 


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II. 


Ptnli,  guftrdjtflfer  mti>  ®tßcm. 

53. 

Stttgettieme«. 

$ie  SBinbe,  meiere  über  bic  ©rbe  bahin  braufen,  bic  ©offen, 
mefdje  ber  Sturm  t>or  fief;  Ijer  treibt,  bie  ©eftirne,  meldte  am  |>immel^ 
jett  ofme  sJinhe  unb  9iaft  tr)re  $atm  burchmeff.'it,  fie  alle  galten 
bem  finblidjcn  ©tauben  uuferer  ^eibnif^eu  Vorfahren  für  belebte 
Sefen,  unb  trofc  beö  iiaturiüiffenfctjafttidjcu  Unterrichte^  ber  r/eutigeö 
XageS  jebein  Sinbe,  and;  bcS  entlecjenften  TtörfdjenS,  gu  teil  roirb, 
giebt  e§  in  Bommern  nod)  jefet  gar  manche  teilte,  meiere  an  biefem 
fcon  ben  Tätern  ererbten  Glauben  treu  unb  feft  fangen,  fönen 
tft  ber  Sötnb  ein  launenhafter,  rtefifc^cr  $eift,  mit  bem  fieb,  gut  311 
ftefleu  man  alten  ©runb  ()at. 

SÖenn  bie  Schiffer  ber  Oberfähne  ober  bie  f^tfe^cr  SBinbftille 
befommen,  fo  legen  fie  fid)  mit  gefreuten  Firmen  über  ben  93orb 
be§  Sc^iffe^,  flöten  an§  ?eibe£fräften  unb  rufen  bann  ftarf  aeeentuiert: 
..Bris  kumm!  Bris  kumni!"  ftommt  bann  luirflidj  ein  ©inbfiojj, 
fo  roirb  ba£  nur  bem  flöten  unb  fttnfen  gugefd)rieben. 

ßinige  gebrauten  babei,  roie  £emme  berietet1),  noch  Monbere 
i^orficht.  ©eil  niemanb  n>iffeu  fann,  ob  ber  SSMnb  nicht  gar  311 
ftarf  roerben  roirb,  fo  fpredjcn  fie  ihm  groifchen  bem  pfeifen  Schmeichel* 
iuortc  ju,  3.  93.:  „Kumm  olt  Broederken!  Kumm  olle  Junge!44 

ältere  Sd)iffer  brauchen  gar  nicht  einmal  311  pfeifen,  um  ben 
©inb  31t  locfen.  Sie  finb  mit  ihm  fdjon  befannter,  ftellen  fich  nur 
an**  Steuer  unb  rufen  einige  üftale:  „Kül  up,  oll  Vadder! 
Kül  up!    Kül  up!"    Sinnen  einer  iMertelftunbe  erfcheint  bann 

M  Semmc,  Holtefaflen  von  Bommern  unb  fllügen.   ©.  348  fg. 


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41 


gewifc  ber  gewfinföte  ©inb.  Sie  bürfen  aber  nur  halblaut  unb  in 
fchmeidjelnbem,  fcertrautidjem  £one  rufen,  benn  fonfl  mö^te  er  bod) 
etwa«  31t  gewaltig  fommen. 

©er  e«  unternehmen  wollte,  ben  beuten  biefen  glauben  gu 
rauben,  ber  wirb  im  günftigften  ^allc  ein  ffcöttifdje«  Äopffd)ütteln 
al«  Antwort  ermatten,  wenn  nic^t  gar  bie  2J?äuner  ihrem  Unwillen 
über  biefen  fraffeu  Unglauben  auf  kräftigere  ©eife  Vuft  mad)en. 
Selbftbie  9lnwefen^eit  eine«  Zweifler«  fönnte  ja  i>ielleid)t  bem  geftrengen 
•£)crrn  ©inb  feine  Saune  »erberben,  tritt  fein  ftom  bod)  fdjon  bei 
weit  geringeren  ?lnläffen  ein.  hiebet  man  3.  twn  ihm,  wenn  er 
gerabe  günftig  wer/t,  fo  ärgert  er  fid)  unb  fernlägt  fofort  um.  Qn 
gleidjer  ©ei|*e  fann  er  nidjt  vertragen,  wenn  jemanb  bie  Söeforgni« 
äußert,  baß  er  batb  umfdjlagen  inöd)te.  ©er  aber  im  Vertrauen 
auf  be«  ©inbe«  33eftäubigfeit  fid)  au«redjnet,  wie  balb  er  am  £iele 
fein  werbe,  ber  fann  ganj  gewijj  fein,  bafj  er  ftdj  wrredmet  fyat  unb 
bie  boppelte  #eit  aufefeen  rnufe. 

Ürofe  feine«  wetterwenbifdjen,  launenhaften  ®emüte«  gilt  ber 
©inb  für  üerfyeiraiet  nnb  obenbrein  für  einen  fepr  geljorfamen  ©h** 
mann,  ber  ben  SJorjtclluugeii  feine«  ©eibe«  gewiffenhaft  nad)fommt 
unb  auf  ihren  föat  tyn  manchen  Schaben,  ben  er  bem  2D?enfdjen 
jugefügt  tyat,  wieber  gut  madjt.  $n  ber  &ö«liner  ©egenb  weife  man 
aud),  wo^er  biefe  $rau  ©inbin  flammt;  benn  auf  bie  SRätfelfrage: 
„©0  hat  ber  Wöjer  (b.  i.  ber  ©inb)  feine  $rau  hergeholt?"  tautet 
bie  Antwort:    ,,2lu«  föu§lanb". 

Streng  untertrieben  twn  bem  ©inb  unb  feiner  ©emahtin  wirb  ber 
©irbelminb  (Kuesel-  ober  Kaekwind).  $a&  ba«  nur  ber  Xenfel 
felber  fein  fann,  barüber  ift  man  fuh  einig,  unb  man  nennt  be«halb 
bie  <£rfd)einung  furj  unb  bünbig:  „Dei  Duewel  danzt".  3?on 
aufcen  fieht  ein  folcrjer  «Staubwirbel  freilich  nur  fo  au«,  wie  ein 
Sd)iff  mit  Dollen  Segeln,  bie  fid)  im  Sturme  brehen,  jieht  man 
aber  bie  $adt  au«  unb  bluft  bind)  ben  nmgefehrten  linfeu  9lrmel, 
fo  fann  man  genau  ben  33öfen  erFennen,  wie  er  mit  einem  Gefeit 
auf  ber  Grbe  tan^t.  9Iudj  bann  mu§  fid)  ber  Jenfei  seigen,  wenn 
man  ein  2J?effer  mit  einem  $ten$  ober  einen  Holzpantoffel  rücfling« 
in  ben  ©irbel  hineinwirft.  Üritt  man  aber  nahe  heran  unb  gerät 
in  ben  ©irbel  hinein,  fo  wirb  man  üou  bem  93öfen  mit  fortgenommen, 
unb  mit  bem  Ceben  iß'«  au«. 


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42 


Söäljrenb  bic  ljeibmfd>en  ^orjteüungen  toom  ©inb  imb  SBirbet* 
nünb  nod)  feljr  verbreitet  finb  unter  bem  Vanböolf  unb  ben  3fi|d)ern, 
ift  ber  ©taube  an  ®efd)öpfe,  hjetcfye  bie  ©otfen  behauen,  mit  iljren 
Söotfenfdjiffen  bnrdj  bie  Vüfte  fegetn  unb  babei  Stegen  imb  (Meuütter 
auf  bie  @rbe'  fycrabfenben,  bem  (Srtöfdjeu  nalje.  3Me  <2>agen 
91r.  56  unb  ??r.  57  finb  ba$  (Singige,  roaS  id)  über  bie  Suftföiffer 
uodj  aufgefiinben  fyabc,  unb  tuenn  bie  t'eute  audj  nicfyt  bie  Soweit 
ber  ®cfd)idjten  anzweifeln  wagten,  fo  gelten  fie  borf;  bafür,  baß 
jefet  alte  Öuftfdjiffer  ausgeflogen  feien. 

Qfn  äfmlicfyer  3Beife  beginnen  aud)  bie  Sagen  über  bie  ©eftirue 
bem  5?olfSgebäd)tui8  $u  entfdjwinben  ober  in  baä  (Gebiet  ber  Aminen* 
märdjen  überzugeben.  i)2ur  vereinzelt  fiuben  fidj  nod)  (gläubige  unb 
and)  benen  fängt  bie  Sacfye  an  gweifelfyaft  jn  werben.  ÜKoberne 
^olföfdjulbilbuug  unb  ber  alte  2?elf$glaube  fämpfeu  eben  einen 
gu  ungleichen  Slampf. 

54. 

D6  Wind  im  de  Bür. 

Da  was  mal  es  en  Bür,  den  sin  Hüs  was  sör  gröt 
un  schoen.  De*  Wind  öwer  rot  em  alle  Dachschten  run. 
Da  mäk  he  sieh  up  un  jung  hon  nä  em  un  bünn  sin 
Esel  an  bi'n  Böm,  wo  d£  Wind  wönt.  As  de.  Bür  rup 
kaem,  da  was  d£  Wind  selwst  nonnich  dar,  un  hO  ver- 
teilt dat  sin  Frü.  Un  dürt  gär  nieh  lang,  da  kümmt  he, 
un  sö  verdeckt  em  rasch  mit  ne  Tünn.  As  hö  öwer 
kaem,  sao  h&  glik :  „Dat  ruekt  hir  nä  Menschenflesch".  De 
Frü  sacht  öwer:  „Da  is  noch  ken  Mensch  bi  mi  west", 
un  hö  l£t  sich  bereden  un  schwach  schtill. 

Nich  lang,  da  jüng  dö  Wind  werrer  wech,  un  sin 
Frü  let  den  Bür  rüt  un  sae  tö  em,  se  wull  alles  besorgen. 
As  he  unnen  is,  da  was  sin  Esel  all  los  von  Wind,  un 
he  moekt,  dat  ho:  nä  Hüs  kümmt. 

As  d£  Wind  werrer  troech  kaem,  sächt  em  sin  Frü, 
wat  he  all  anrieht  harr.  Dat  dae  em  dunn  uk  lid,  un 
he  gaef  den  Bür  düchdich  Jeld  un  let  em  unjeschören. 
D£  Bür  was  nü  rik  un  em  kaem  ken  Schäden  an. 

ONünblia)  au«  Ücfetmünbf,  Är.  Ürfermünlx. 


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43 


55. 

$er  SBtnb  wirb  am  Seine  uerwunber. 

2)  er  ©inb  Ijatte  einem  Säuern  häufig  übel  mit  gefpielt. 
(Sinfl  trieb  er  es  jebod)  gar  toll,  benn  er  becfte  bem  geplagten 
3Ranne  mit  einem  heftigen  <§tofje  baS  ganje  Stroljbad)  ab.  2lber 
ber  93auer  oerffanb  feinen  £>pajj,  fonbern  warf  fein  fdjarfeS  Xafdjen* 
meffer  mit  fold)er  Söudjt  auf  ben  28inb  ju,  bafj  biefer  fdjleunigfl 
entflog. 

$)er  erzürnte  Söauer  eilte  hinter  iljm  brein  nnb  trat  in  bie 
<2tnbe  beS  ©tnbeS,  um  tym  bort  aud)  münblirt)  heftige  Vorwürfe 
für  fein  ungebürltd)eS  ©enetjmen  ju  mad)en.  Slber  ber  Söinb  tvotite 
»on  flleue  nidjtS  triff  eu.  ,,$)ab'  idj  ja  fdjon  mebr  gelitten/'  fagtc 
er,  „als  ber  ganje  Settel  wert  ift.  <öielj  nur,  wie  tief  mir  bie 
Älinge  beineS  ÜWefferS  in  baS  Sein  gefahren  ift.  3Öenn  bu  eS 
mir  aber  ljerauS$iel}ft,  will  id)  fofort  allen  @d)abeu  wieber  gut 
mad)en." 

3)  erSKann  ging  barauf  ein  unb  entfernte  baSöifen.  darauf 
fcerabfd)iebete  er  fid)  Don  bem  SBMnbe,  unb  elje  er  nod)  fein  $auS 
erreicht  l)atte,  fonute  er  fc^on  fefjen,  bajj  ber  ©inb  alles  ©trofj 
mieber  fo  fd)ön  unb  fauber  auf  baS  £ad)  gewebt  tyatte,  wie  eS  311» 
oor  gewefeu  war. 

URünblicb  au*  ^abelsborf,  Mr.  ftanboro. 
56. 

Der  £uftfd)tffer  über  fflambtn. 

9?or  rielen,  Dielen  ^aljren  fa^eit  bie  Veute  auf  tftügen  ein* 
mal  einen  Vuftfd)iffer  auf  feinem  ®d)iffe  burd)  bie  Wolfen  fahren, 
©erabe  über  fliambin  warf  er  baS  <2enfblei  tyxdb,  unb  als  baS- 
felbe  bie  Grbe  berührte,  ergriffen  eS  bie  Dorfbewohner  unb  banben 
eine  Korngarbe  barau.  5llS  ber  i'uftmanu  wieber  in  bie  §ölje  30g 
unb  baS  ©efdjenf  erblicfte,  erwies  er  fid)  ben  töambinern  baburd) 
erfennttid),  bnfj  er  iljneit  ein  ed)iff  bereite,  welkes  in  ber  bortigen 
^farrfirc^e  aufgehängt  würbe  unb  nod)  Ijeute  gu  fer)en  ifi. 

<Utünblia>  aus  ÜKambin  auf  9iügen. 


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44 


57. 

$er  Sfofer  in  ber  Äirdje  $n  »ngcrraänbe. 

.Qfn  flfleefiger,  im  Steife  2)emmin ,  erteil  bie  tfeute,  ba§ 
einft  oor  fielen  fyunbert  ^abreu  über  ber  <£tabt,  roetc^c  jefet  Singer» 
niiinbe  Ijeifjt,  ein  fdjtoereS  ©etoitter  tagelang  ftanb  nnb  nidjt  tueidjen 
toottte.  (Snbttdj  fam  bie  i£ad)e  ben  beuten  bodj  51t  fonberbar  oor, 
nnb  ber  föat  fdjirfte  ben  Xüxmtv  auf  ben  ßircfyturm  Ijinauf,  bamit 
er  nadjfefje,  ob  ba$  ©etoitter  oielleidjt  an  ber  tfirdjturmfpifce  fid} 
feftgefyaft  Ijätte  unb  baruin  ntd)t  weiter  $ieljen  fönne. 

2öer  betreibt  nun  be«  3J?anneä  @rftaunen,  als  er  im  @d>a(U 
lod>  einen  9lnfer  fifecu  faf>,  ton  bem  au«  eine  fdjtoere,  eiferneÄette 
in  bie  SBolfen  311  einem  Sd)iffe  hinaufging.  SHlerbiugö  I)at  man 
bie«  <Sd)iff  nidjt  fetjeu  fönuen,  aber  was  füllte  e«  auberS  getoefen 
fein.  Sdmell  umrbe  nun  bie  Äette  mit  einem  f djarfen  Seile  ge* 
tappt,  unb  oon  <2tunb  an  oerjog  fidj  baS  ©etoitter  in  eine  anbere 
©egenb. 

2)er  hinter  ift  3itm  ewigen  ®ebäd)!niS  in  ber  flirre  aufge* 
Ijängt  tuorben,  unb  nadj  ifmt  \jat  bie  Stabt  tyreu  iefeigen  tarnen 
?lngermünbe  erhalten. 

SRiinblicp  aus  ^cefaer,  äteis  £emmin. 


58. 

$cr  SRonb. 
I. 

3m  9Ronbe  fifet  ein  SRami,  weldjer  mit  ber  SWiftgabel  $ung 
ftreut,  unb  eine  ftrau  mit  ibrem  Spinnrab. 

2)er  aßaun  f)at  am  Samstag  2lbeub  £ung  geftveut.  Obwohl 
nun  ber  3ttonb  gefduenen,  n?ar  e$  bem  gottlofen  SWenföen  bod) 
uiajt  I;eU  genug,  unb  er  rief  au«,  fo  gut,  luie  ber  3Honb,  fönne  er 
and)  fdjeinen  unb  nod)  beffer.  .ßur  Strafe  bafür  ift  er  mit  feiner 
9J?iftfurfe  in  ben  ü)?onb  werfest  roorbeu  unb  mufj  bort  £ag  unb 
9iad)t  £>ung  [treuen. 

£ie  $rau  l;at  $ur  felbeu  .ßeit  gewonnen,  ftatt  fi$  jum  fom* 
meuben  Sonntag  ooraubereiten,  unb  biefetben  gottlofen  Lebensarten 


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40 


gebraucht,  mie  ber  ÜKami.  Dafür  fifet  nun  aud)  fie  im  Ottonb  unb 
mufj  bort  in  (Stoigfeit  fpinnen. 

ÜJtünblidj  aus  bem  gürftentum,  Kegemualbe,  (fammin,  Uiebom«3Öollin. 


II. 

(Sin  SJauer  gefyt  am  Sonntag  borgen  §olj  §olen.  Da  trifft 
it)n  ein  UNann  mit  einem  ®efangbudj,  ber  nir  ilirdje  roill,  unb  fragt 
il)n,  ob  er  benn  nidjt  audj  Eingeben  toolle.  Antwortet  er:  „92etn, 
idj  mufc  $ot3  Idolen!"  —  ,M(3Öarum  mujjt  bu  eS  benn  ljeute  tjolen,"" 
fragt  ber  ftirdjgänger.  —  „Söeil  idj  am  Arbeitstage  feine  $t\t 
bagu  Ijabe,"  enoibert  ber  grobe  Sauer.  Der  Kirchgänger  mar  aber 
ber  liebe  ©Ott,  meldjer  jefet,  bell  3orn  u&er  °'c  ^art^er^igfeit  be$ 
2Wanne£,  fprad):  ,„,9iun,  toenn  bu  am  Arbeitstage  feine  3eit 
fo  follft  bu  oon  beinern  2obe  au  ^ur  Strafe,  fo  fange  bie  ©eflirne 
auf  bie  @rbe  Jjerabfdjeiuen,  mit  beiuer  Xrad)t  4)0(3  im  2J?oube 
flcr)enr  $um  marnenben  SBeifpicl  für  iebermanu."" 

ÜJtünbliO)  au§  ben  tttci'en  Semmin  unb  (Stimmen. 
59. 

amdjel  unb  ber  9Wonb. 

(Sinem  ftnecfyte  ging  e«  fet)r  fa^Iec^t,  beim  fein  $err  mar  f)art 
unb  graufam  unb  gönnte  it)m  faum  eine  ruljige  ©tunbe.  8US  tyn 
nun  einft  ber  ^aftor  fo  traurig  einfyergeljeu  faf),,  moüte  er  iljn  tröffen 
unb  fprad):  „9?un  2J?id)el,  wenn  bu  erft  tot  fein  mirft  unb  im 
Gimmel  bift  bei  ben  lieben  ©ngelein,  bann  toirft  bu  bidj  aud)  nidjt 
mef)r  fo  oiel  ju  quälen  brausen,  nüc  Iucr  auf  Grbcu!" 

„Ja,  Herr  Paster,"  antwortete  ba  Wityl,  „dat  säggen 
sei  sö.  Wenn  ik  irst  dar  bin,  dennheitdat  uk:  „Michel, 
gä  hlr  hen,  Michel,  gä  dar  hen,  Michel,  putz  d6  Stiern 
un  de*  Män!M  un  morgens  möt  ik  d6  Sünn  anstecken." 

©enn  nun  §a!bmonb  ift,  fagen  bie&ute:  „Michel  hat  d6 
Män  nich  ganz  putzt  krejen,  därüm  hängt  h6'n  man  half 
rüt" 

Wünbli*  au*  3ap«njinf  ffteil  Antlarn. 


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46 


GO. 

$o«  £an*en  ber  Sonne  am  Cftcrraora.cn. 

9Benn  am  Dftermorgen  bic  Sonne  aufgebt,  ift  eS,  als  ob  ein 
fdjttjarflcr  %lov  auf  iljr  läge.  Die  Sonne  aber  tanjt  unb  fpringt 
hne  eine,  bie  ütrauer  gehabt  fjat  unb  nad)  (anger  3eit  toieber  rec^t 
frolj  ift.  Unb  bann  fällt  ber  fdjioarge  ftlor  ab,  unb  fie  ftcigt  ganj 
flar  unb  fyerrlid)  in  bie  $ö^e.  2)?and)e  teilte  fagen  jtoar,  ben 
ftt^tearjeu  ftlor  tonne  man  alte  Jage  fefyeu ;  baS  ift  aber  ntdjt  toaljr. 

SluS  Mo»,  Ätete  Stcaenroalbc.   9)titßctcilt  burd)  fcerrn^rof.  G.  ftubn. 

61. 

Sonnen*  unb  SRonbftnfterntä. 

Söenn  Sonnen»  unb  üRonbfiufterniS  eintritt,  fo  fagen  bie  alten 
Scute:  Sonne  unb  9Bonb  müßten  mit  eiuanber  tämpfen.  Söci  ber 
üHonbfinfterni«  fiegt  ber  2Honb,  bei  ber  SonnenftnfterniS  bie  Sonne. 
Sollte  einmal  baS  ©egenteil  eintreten,  fo  ift  ber  iüngfte  Jag  ba. 

SOTünblia?  au$  Ärafcia,  tötete  Sütftentum. 
62. 

$et  5curfurf  unb  ba£  Sicbengcfrirn. 

(Sin  ÜWann  lebte  mit  feiner  ftrau  in  ftetem  Unf rieben,  unb 
im  #rger  öerroünfdjten  fidj  beibe  gegenfeitig.  311$  fie  nun  ftarben, 
roarb  ber  SKann  $um  Jhufwf,  bie  ftrau  aber,  als  ber  weniger 
fdjulbige  £eil,  würbe*  mit  ityren  fedjS  Äinbern  an  ben  §immel  Oer* 
fefet,  too  man  fie  nod)  Ijeute  als  Siebengeftirn  (Säwastöenk)  fclKii 
fann. 

Die  fedjs  5öodjen,  in  benen  im  Sommer  ber  Äucfucf  fidj 

Ijören  läßt,  ift  dei  SäwastSenk  nidjt  fidjtbar.  Die  anbern  9?bgel 

laffen  biefe  3eit  fjinburd)  ben  fiutfuef  nidjt  jur  SRutye  fommen;  fie 

flehen  ilmt  nad)  bein  lieben,  unb  er  muf}  oor  ifynen  meinen.  Slber 

nadj  Verlauf  ber  fed)S  Söodjen  toirb  ber  ftuefuef  311m  $)abid}t,  unb 

bann  Ijerrfdjt  er  mieberum  über  bie  anberen  95ögel. 

ÜRünbIi$  au$  Ärnfeifl.  fftrig  Bürftentum;  SHeefigeT,  ftreiS  ^emmin; 
StfrtS&agen,  tfreiS  ©rimmen. 


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47 


63. 

$te  fteueii  $rebtgcr£föfmc. 

ftrüljer  mar  bod)  gar  mandjeS  anberS  wie  fjeute.  Da  U- 
fyerrfdjte  ein  2lbt  in  SRom  bic  ganje  ÜBelt,  unb  jeber  ÜRenfd)  nwfete 
tym  getyordjen.  DaS  wollten  fid)  aber  auf  bic  Dauer  bic  Greußen 
nia)t  gefallen  (äffen,  unb  eö  fam  $u  einem  gewaltigen  tarnte  mit 
bem  2lbt,  in  bem  fajliefjlid)  bie  Greußen  fiegten.  Dag  waren  bie 
ftretyeitsfriege,  unb  bie  ftolge  baoon  ift,  ba§  jefet  ber  rtfmifdje  2lbt 
nur  nodj  bie  £älfte  ber  Seit  befifet.  Damals  lebte  audj  ber  grojje 
Räuber  SHinalbo,  ber  aber  nur  reidjen  beuten  etwa«  getrau  Ijat; 
bie  Firmen  fdjirmte  unb  fdjiifcte  er. 

^n  biefen  Reiten  wohnte  in  preußifdjen  Rauben  ein  frommer 
s^5rtefter.  Der  fjatte  fieben  Sblme,  weldje  wie  ifyr  33ater  audj  ^rebiger 
werben  wollten.  Söeil  aber  ber  preufeifc^c  ftönig  Solbaten  brauste, 
fo  mußten  fie  mit  in  ben  ftreiljeitgfrteg.  £>ier  würben  fie  alle  fieben 
üon  beu  fteinben  gefangen  genommen  unb  in  einen  fefleu  £urm 
gefperrt. 

Die  ©efangenfdjaft  fam  iljuen  fyart  an,  unb  fie  befd|loffen 
besbalb  &u  fliegen.  W\t  großer  9ttülje  würbe  ein  Öocb  burdj  bie 
biefe  üflaucr  gefdflagen,  bann  befahlen  fie  fidj  ©Ott  unb  wanberten 
ibjer  §eimat  $u.  Dorf)  bie  fteinbe  waren  tlmen  auf  bie  ©pur  ge* 
fommeti,  unb  elje  fie  e$  fid)  oerfaljen,  waren  fie  oon  allen  ©eiten 
Don  ©olbaten  umringt. 

Qu  tyrer  Xobe&utgft  flüchteten  bie  fieben  ©ruber  in  eine 
SBolfSljöfjle  unb  flehten  ben  lieben  ©Ott  an,  er  möge  fie  bod)  er» 
retten.  Sie  fjätten  fid)  ia  oon  ifjrer  erfteu  Qugenb  an  aüein  feinem 
Dieufte  gewibmet  unb  wären  audj  gewiß  fcfyon  alle  ^rebiger  ge* 
worben,  wäre  nict>t  ber  lange  Srieg  bajwifc^en  gelommen.  Da 
faubte  iljnen  ©ott  in  iljrer  9Jot  einen  Ijerrlidjen  ©ngel  in  blenbenb 
weißem  ©ewanbe.  Der  fprad;  gu  ifmen:  „eure  ßuoerfidjt  unb 
eure  Xreue  foll  eudj  belohnt  werben,  aber  anberä,  als  tyr  es  woljl 
gebaut  f>abt."  Damit  ergriff  er  bie  fieben  ©ruber,  trug  fie  junt 
Gimmel  unb  fefete  fie  an  baS  ©ternenselt.  Dort  finb  fie  nodj  bis 
auf  ben  heutigen  £ag  als  fieben  fcfyöne,  tjcllglänaenbe  Sterne  ju 
fefyen,  bie  man  gewölmlid)  baS  Sicbengeftiru  ober  bie  fieben  ©rüber 
nennt. 

MünMid)  au$  •iabelöbotf,  äreiä  Dauborn. 


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48 


64. 

Dei  Duemk. 

£a$  ©ternbilb  beä  großen  Säreu  nennt  man  dei  Duemk. 
2)a8  mar  eljemals  ein  böfcr  ÜWann,  welker  ftets  mit  ber  größten 
©raufamfeit  gegen  [eine  t'eute  unb  fein  2Mety  t>erful>r,  unb  beStyatb 
roarb  er  jur  ©träfe  nad)  feinem  £obe  an  ben  Gimmel  gefegt. 

©o  »Üb,  mie  er  immer  auf  @rben  gefahren  ift,  fätnt  er  aud) 
bort  nodj.  £rei  $ferbe  fjat  er  uor  feinem  Sagen,  unb  auf  bem 
mittelfteu  reitet  er  felbjt.  $)a3  gauje  ©eftirn  getyt  aber  fo  fc^ief, 
als  ob  ber  Sagen  jeben  9lugenbticf  ummerfen  rooüte. 

$Hünbltd>  au3  Ärabifl,  £rci$  (Jürftcntum. 


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III. 

65. 

SlUgemetncä. 

3)te  3»erge,  icne  Keinen,  unber&ättniSmäBig  gebauten,  menfdjeu* 
äbnlidjen  SBefen,  bie  in  ber  germanifdjen  üftutbologie  oon  fo  großer 
öebeutung  finb,  fpteten  aud)  in  ber  pommerfdjen  8age  eine  beroor* 
ragenbe  9tottc.  Überall  fennt  man  fie,  tteif?  oon  ifmen  bie  oer* 
fd)iebenften  ©efcbidjten  $u  ergäben,  unb  es  giebt  nidjt  menige,  melä> 
feft  baran  glauben,  bajj  bie  Weinen  Ceute  nodj  heutiges  XageS  unter 
ber  Grbe  mo^nen  unb,  je  nacb  tyrer  Sinnesart,  ben  üftenfdjen  @ute« 
ober  93öfe8  Wirten. 

ftreilidj  ben  Manien  3»erge  tt>irb  man  fetten  finben;  gemöfynlid) 
nennt  man  bie  Reinen  l'eute  nad)  ityreit  &obnungen,  bie  fte  unter 
bem  Grbbobeu  befifcen,  bie  Unterirbifdjen  (Urmererdschken, 
Unnerersken,  Unterirdschken  etc.),  unb  nur  Ijier  unb  ba 
finbet  man  baneben  bie  Benennung  Zwerchen,  ein  Warne,  meldjer 
bem  Ijodjbeutfdjen  „^merg"  entfpridjt  unb  beffen  fpradjlidje  ©ebeutung 
bie  Unterirbifd)en  at«  bie  quer föpf igen  ©eifter1)  fennaeidjnet.  (Sine 
©onberftellung  nehmen  ein  ber  Ärei«  ©rimmen,  einige  Dörfer  be« 
töanbower  unb  ©reifeubageuer  Greife«,  ber  Söeiaatfer,  ein  groger 
Seil  beS  tfreifeS  <Saa$ig  unb  üerfcbiebene  Drtfdjaften  oon  £abe8 
norböftlid)  bis  hinter  <Sd£(in.  Dort  feigen  bie  3toerge  ntc^t  Unter* 
irbiföe  fonbcrn  Ulke,  Umken,  Öllerken,  Üllerken,  Öllekes, 

')  3roet0  ift  cntftanben  au§  bem  alt()od)bcutfcb?n  Twerh.  £ic$  tw 
Qfljt  mit  ^omoflener  £autoerfd)iebung,  meldte  binlcttifd)  tfart  entioicfelt  ift,  in 
kw  über,  alfo  Twerh  =  Querh.  Sfll.  ffieinbolb,  9HittcIl)od>beutfd)C 
ötammntit.  ^nbetbotn  1877.   §  142,  §  211. 

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50 


Ullekes,  Jülken,1)  was  fooiel  bebeutet  als  bie  fleinen  Gilten 
(Äofeform  oon  olt,  ult)  unb  mit  ber  auch  fouft  in  Qeutfölanb 
öerbreiteten  $3orftelluug  jufammen  tätigt,  bafj  bie  $werge  bie  legten 
SHefte  eines  untergegangenen  SBolfeS  feien. 

3BaS  nun  an  SlllgemeinoorfMungen  über  bie  3lüCr9c  *n  Bommern 
oorhanben  ift,  lä'jjt  fid)  fur$  in  folgenbe  Säfce  jufammen  faffen. 
Sie  wohnen  faft  immer  in  großen  ®efellfd)aften  beifammen  unb 
haben  ihre  Oberhäupter,  benen  fie  ©ehorfam  fdjulbig  finb.  Um 
if>r  ©efdjlecht  gu  uermehren,  fchliejjen  fie  CSfjen,  unb  ob  fie  gleich 
ein  unermeßliches  Sllter  erreichen,  finb  fie  bech  nicht  unfterblich;  eS 
giebt  beStjalb  bei  ihnen,  wie  bei  ben  üHenfchen,  Hochzeit,  Sinbtaufe 
unb  VeichenfdjmauS.  3hrc  häusliche  Söefchäftigung  ift  oerfdjieben, 
ie  nachbent  fie  fid)  mehr  ben  (Srbgeiftern,  ben  Hausgöttern  ober 
ben  93egetationS*$>ämonen  nähern,  beim  bie  Zwerge  finb  feineswegs 
allein  erbifc^cr  Statur.  ?lls  ©rbgeifter  gelten  fie  für  funftreidje 
Schmiebe  unb  $erren  ber  SRetalle,  als  Hausgötter  finb  fie  ©efdjüfcer 
beS  «JwfeS  unb  Reifen  bem  93aueru  unb  feinen  l'euten  hilfreich  bei 
allen  ©efchäfteu,  als  stfegatationS=£>ämouen  eublich  folgen  fie  für  baS 
®ebeil;en  ber  gelber  unb  nehmen,  wie  Sage  tffr.  110  baS  acigt, 
bie  auf  bem  Siefer  juriiefgeblicbenen  ,J)alme  als  ihren  Opferanteil 
ju  fic^.  $\i  jeber  §infia)t  finb  fie  jebodj  aller  Räubereien  funbig, 
tonnen  fid)  unfictytbar  madjeu  unb  befifeen  häufig  eine  Siiefenftärfc. 
daneben  haben  fie  freilich  aud)  mandjerlei  3)Jäugcl.  3h"  Seiber 
fönueu  iitc^t  ohne  bie  $>ilfc  menfi^lic^er  grauen  entbunben  werben, 
befdjeint  fie  audj  nur  ein  Strahl  beS  SonnenlidjteS,  fo  fiub  fie 
unrettbar  verloren,  wirb  ihnen  enblid)  ein  Stücf  ihrer  Äleibung  ober 
ü)r  langer  93art  entriffeu,  fo  finb  fie  mehrlos  ber  ©nabe  ober  Ungnabe 
beS  Räubers  oerfallen. 

Schließlich  fei  noch  erwähnt,  baß  man  in  Bommern  biswetten  bie 
$werge  in  jwet  2lrten  einteilt,  in  gute  unb  böfe.  3Me  guten  fchabeu 
bem  üJienfchen  niemals,  fonbern  leiften  ihm  im  Uugtücf  ftetS  hilfreichen 
53eiftanb;  bie  flechten  bagegen  finb  ©rafdjelme  unb  T>iebe,  »erheben 
ben  beuten  bie  Butter  unb  baS  33ieh  unb  fielen  bie  Heilten  ftinber 
aus  ber  Söiege.  SBor^üglic^  fd>arf  hat  fich  biefer  Uuterfchieb  awifdjen 
ben  guten  unb  böfen  Rwergen  bis  auf  ben  heutigen  £ag  im  Streife 
trimmen  erhalten  (ogl.  vJir.  78),  er  war  aber  in  berfelbeu  ü&eife  auch 

l)  3u  ber  5orm  Jülkon  ogl.  0.  Änoop,  ^olföiaaen  :c.  au«  bem 
öftlicfan  fcinterpommero.  ^Jofen  1886.   ©.  125.   9U.  257. 


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öl 


anberSroo  burdjgeführt,  fo  5.  93.  in  Üiügen,  mie  wir  au$  bcit  9J?ih 
teitungen  ©ruft  2)?ori&  3(rubtö  erfef;en.  Derfclbe  erjählt  allcrbingd 
nic^t  Don  ^mei  fonbern  ton  brei  Birten  ber  Unterirbifchen,  bic  er  al£ 
bie  weijjen,  bic  braunen  unb  bie  fdjwar$en  beaeidwet;  aber  bie 
britte  %xt,  bie  fdjwargen,  erlangt  er,  rote  er  gelegentlich  felbft  gugefteht, 
nur  baburd),  bajj  er  baS  gan$e  ©efdjledjt  ber  ftobolbc  ober  Sllfe  in 
beu  Zwergen  aufgeben  läßt.  Das  ift  jebod;  nidjt  suläffig,  ba  bie 
$au8geifter  trofc  mancher  23erührung3ounftc  mit  beu  Zwergen  eine 
eigene  Siooe  bilbeu  unb  beö^alb  gefoubert  betrachtet  werben  muffen. 
<£«  bleiben  alfo  auch  fur  Stögen  nur  sroei  ^wergarten  übrig. 

2öir  geben  jefet  bie  einzelnen  ^toergfagen  wieber,  inbem  wir 
mit  3tügen  beginnen  unb  bann  ber  Meitze  nact)  bie  toerfc^tebenen 
anberu  Greife  folgen  (äffen. 

$te  Hnterirbifdjeu  in  Wiigcit. 

$n  früheren  Reiten  haben  in  SHügen  bie  Unnerördschkon 
fehr  oiel  oon  fich  reben  gemacht.  Sie  hallen  ihre  Wohnungen,  wie 
fdjon  ihr  9iame  befagt,  unter  ber  (Srbe  unb  waren  faft  überall  in 
beu  ©egenben  anfäffig,  wo  2)?enfcr/en  lebten,  Die  Ausgänge  ihrer 
Wohnungen  münbeten  gewöhnlich  tu  bie  ftüdje,  in  beu  Stall  ober 
hinter  beut  Cfen  in  bie  fogenannte  £ölle. 

ÜHan  fah  fie  gerne,  beim  fte  Ralfen  beu  SJieufchen  bei  allen 
möglichen  Arbeiten.  Sie  fütterten  baS  SBiet)  unb  wufdjen  baS  ®e* 
fchirr  ab,  trugen  #013  unb  £orf  jur  Neuerung  herbei  unb  fcr)eiterteit 
bie  Stuben,  unb  was  foteher  ®efchäfte  nod;  mehr  finb.  xUlleä  bieö 
traten  fte  ohne  Sejahlung;  tourbeu  fie  belohnt,  fo  blieben  fie  für 
immer  oon  bem  betreffeuben  ©chöfte  fern. 

Da«  mufcte  auch  einmal  eine  93äueriu  31t  ihrem  tfeibwefen  er* 
fahren,  ffln  tägliche  .<pilfe  war  eine  fleine  unterirbifche  grau. 
Diefetbe  mar  fo  fleifciß/  *>ie  Bäuerin  fdjou  lange  barauf  fanu, 
mie  fie  bem  «einen  ©efeu  feine  maunigfaltigeii  Dienfte  oergelten 
tonne.  9ton  trug  bie  Unterirbifche  eine  gang  aerriffene  Schürte. 
Die  grau  ließ  barum  eine  fchöue  neue  anfertigen  unb  übergab  bie- 
felbe  ber  3wergtn  als  Belohnung  für  bic  mele  2Nüi)e,  welche  fie 
in  ihrem  Dienfte  auSgeftanben  halte-  Die  Jolge  baoou  mar,  bafj 
fie  fett  bem  Jage  bte  Unterirbifche  nie  mieber  gefel;en  hat. 

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52 


So  gerne  man  bie  Keinen  tfeute  um  iljrer  $)ilfe  toiüen  fyatte, 
fo  feljr  fürchtete  man  fic  -  in  anberer  $infidjt.  Sie  Ratten  nämlidj 
bie  übte  ©eroolmfyeit,  ben  attenfdjen  bie  tfinber  oor  ber  £aufe 
$u  fteljlen  unb  an  ifyre  Statt  ifyre  eigenen  ätnber,  Heine  mifc 
gemattete  ®efd)öpfe  mit  biefem  #opfe,  511  legen.  Söaren  bie 
ßinber  getauft,  fo  tonnten  iljnen  bie  Unterirbifdjen  nidjts  meljr  an* 
fyaben,  unb  ebenfalls  burften  fie  fid)  an  tynen  aud)  oor  ber  £aufe 
bann  nidjt  oergreif eu,  toenn  an  ber  SBiege  £id>ter  brannten.  2luS 
bem  ©runbe  ioirb  nod)  heutiges  £ageS  ntc^t  oerabfäumt,  bis  jur 
Xanfe  bie  gan$e  92ad)t  Ijinburd)  brennenbe  ?id)ter  an  ber  SÖMege 
beS  $inbeS  aufstellen. 

@in  Wann  fyatte  biefe  ^orfidjtSmaßregel  unbeachtet  getaffen. 
Da  famen  bie  Unner£rdschken,  tauften  baS  Ätnb  um,  unb  ber 
itfater  fanb,  als  er  mieber  nad)  §aufe  tarn,  ftatt  feine«  \vof)U 
gematteten  SinbeS  einen  ^äfelittjen  9Bea)felbalg  in  ber  ©iege 
oor.  @r  mußte  fidj  |ebodj  ju  fjelfen.  Sorgfältig  paßte  er  auf, 
bis  bie  Unterirbifdjcn  mieber  einmal  itjre  föoljuuug  oerließen,  unb 
ging  bann  fajnell  auf  bie  Stelle  ju,  mo  bie  9Hiiubung  ber  $öfjle, 
mcldje  in  tyr  9ieidj  führte,  mar.  Darauf  ftieg  er  eilenbs  lunab 
unb  fanb  aud)  toirflid)  in  ber  Untertoett  fein  Sinb  oor.  Den  Heilten 
beuten  mochte  cS  lieb  ober  leib  fein,  |te  mußten  baS  geflogene 
äWenföenfinb  ttrieber  tyerauSgeben  unb  befamen  ftatt  feiner  tyren 
I)äßlid)en  ©edjfelbalg  surücf. 

Münblid)  au«  öarj  auf  «Hügcn. 

67. 

$ie  Unterirbifdjen  beim  $iebfta$i  erta^t. 

(Sine  grau  fjatte  auf  bem  Ofen  eine  ftifte  $u  freien,  meiere 
mit  alten  ftlafcfyen  unb  fonfligem  ©erümpel  gefüllt  mar.  eine« 
Sage«,  als  fie  sufällig  auf  einige  Stunben  baS  $>auS  oerlaffen 
mußte,  fam  hinter  ber  ,J)ölle  Ijeroor  eine  ganje  Sdjar  Unner- 
ördschken,  um  ftd>  in  ber  Stube  umjufeljen.  &aum  Ratten  fie 
ben  Raiten  auf  bem  Ofen  erblicft,  als  fie  aua)  oermuteten,  es  möge 
baS  Heine  Äinb  ber  ftrau  barin  liegen.  M  tyr  Segeljren  mar 
barum  auf  ben  SJefife  ber  Äifw  gerietet. 

Slber  mie  Ijinauf fommen?  Denn  auf  ben  Ofen  $u  langen, 
maren  fie  oiet  ju  Hein.   Da  oerftelen  fie  auf  ben  ©ebanfeu,  fidj 


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53 


einer  auf  ben  anbern  311  ftellen  unb  fo  tyren  gtoeef  $u  erretten. 
Unb  baS  traten  fie  aud).  Qmmer  einer  Wetterte  auf  bie  <2dmltern 
be8  anbern,  mtb  bie  ganje  ©efellfdjaft  reichte  gerabe  baau  au8,  baf? 
ber  oberfte  mit  ben  $>änben  bie  ©eitenroänbe  ber  Äifle  foffen  fonnte. 
$n  bemfelben  Slugenblicf,  too  biefer  ben  Äaften  in  bie  §ötye  $ob, 
fant  aber  and)  bie  ftrau  burdj  bie  2^üre  in  il>re  ©otynung  juriief, 
unb  bie  Unterirbifd&en  befamen  borüber  einen  folgen  <3d)recf,  bajj 
fie  fämtli$  fopfüber  Grbe  purzelten.  Watürlid>  faufte  audj 
bie  Äifle  auf  ben  SBoben  Ijerab,  unb  bie  (Splitter  ber  gerbrodjenen 
ftlafdjen  bebeeften  bie  Keinen  Seute  über  unb  über. 

$odj  lange  $at  fid)  bie  ftrau  an  bent  lädjerlidjen  Slnblicf 
nia)t  ergöfeen  fönnen,  benn  faum,  ba§  bie  Unterirbifdjen  fidj  oon 
bent  erften  ©c^reef  erholt  Ratten,  fo  Oerfdjtoanben  fie  audj  fdjleunigft 
hinter  ber  §ölle  unb  eilten  üpren  ©o^nungen  $u. 

9JtünbIid>  au«  Wnmbin  auf  töüaen. 
68. 

Sie  Untertrbifdjen  toerfdjenfen  einen  Sedier  2Beine£. 

9?id)t  fern  oon  bem  ÜDorfe  Wotljenfirdjen  auf  SHügen  liegen 

fieben  Hünengräber.  0«  unD  unter  ^ncn  foücn  Wcr  Dic  Unner- 
ördschken  iljre  Söo^nungen  gehabt  ^aben. 

Ginmal  ritt  ein  Weiter  bort  oorbei  unb  fanb  bie  fleinen  Veute 
bei  einem  großen  ©ajtmat)le  beföäftigt.  ©3  ging  $odj  $er,  unb  fie 
wollten  audj  ben  Weiter  nidjt  teer  ausgeben  laffen,  ein  Unter* 
irbifdjer  trat  an  üjn  ^eran  unb  reifte  tym  einen  23ea>r  ©eine« 
bar.  $)er  ÜWann  tranf  aud)  aus,  gab  jebod)  ben  Söedjer  nidjt 
juriitf,  fonbern  na^m  tyn  mit  nadj  §aufe.  «Später  ifl  berfetbe 
an  bie  SHntye  $u  Wambin  gefommen,  too  er  no$  feurige«  Jage« 
aufbewahrt  totrb. 

OWünblid?  aus  Stot^ntitdpen  auf  <Rüßett. 
69. 

Sie  Untertrbtf^en  rauben  einem  6d>äfer  baö  3tugenlid)t. 

$n  ber  Wälje  bcS  ©utS^ofe«  $aljlan  bei  ßirfoto  liegt  ein 
fleiner  Serg,  in  bem  Raufen  bie  Unnerördschken.  Ginft 


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54 


hütete  ein  Sdjäfer  bort,  ba  frod)  au«  beut  §ügel  einer  t>on  ben 
flehten  Kenten  fjeraus  unb  rief  einem  anbern,  ber  nodj  im  Innern 
beö  JBerge«  war,  51t:  -Schnitt  den  Höd  rüt!"  2cf,rie  ber  ?lm 
gerebete  ^iiritcf:  „As  wider  nix  hir  as  Gröszvaddcrs  H6d!wu 
.,Nau,  oerfefcte  ber  erfte,  „denn  schmit  den  rüt!u 

Unb  faum  Ijattc  er  baS  gefagt,  fo  flog  aud)  ein  gro[;er  .£mt 
aus  ber  .£>öl)le  fyerauS.  $er  8d)äfer  batte  jebodj  genau  Obadjt 
gegeben,  unb  efte  ber  Unterirbifdje  ned)  jugreifen  fonnte,  fjatte  er 
ben  §ut  in  ber  £anb  nnb  fefete  tfjn  fid>  felbft  auf  ben  äopf. 

er  au  Wittag  I)eimtrieb  unb  in  bie  ®efinbeftube  trat, 
fafeen  bie  Änedjte  fdion  alte  beim  2ttaJ)le,  aber  feiner  fonnte  ifm 
fef)en,  benn  ber  $mt  ber  Uuterirbifdjen  machte  iljn  unftcfytbar.  $a 
erblicfte  er  nun  51t  feinem  (Srftaunen,  bafe  immer  jttjifdjen  ie  jnjei 
ftnedjten  einer  t?on  ben  fteinen  beuten  faft  unb  watfer  oon  ben 
Hellem  gulangte.  $efet  würbe  e$  bem  £#äfer  flar,  warum  ba$ 
(Sffen  tfmen  immer  fmtrloS  t>om  Sifdje  oerfdjwunben  War. 

©ie  nun  aber  gar  einer  fcon  ben  Keinen  Derlen  nad)  bem 
ftleifdjteller  griff  unb  oon  bem  ftleifd)  ein  grofeeS  Stiicf  mit  feinem 
Keffer  Ijerunterfdntitt,  ba  fonnte  er  feinen  ftrger  nitfit  mefjr  be* 
meiftern,  unb  er  rief  bem  junädjft  fifeenben  ©urfdjen  ju:  „Johann! 
Sist  du  nieb,  dat  de  Söll »)  di  dat  Flesch  weeh  nimmt?" 

$>a«  machte  bie  fteinen  teilte  ftufcig,  benn  fie  fa^en  fid)  Oer* 
raten;  unb  fie  fpradjen  ju  bem,  ber  wofyl  ber  sUtefte  oon  ben 
llutcrtrbifdr)cti  fein  mod)te  nnb  audj  mit  am  £ifd)e  fa§:  „Püst  em 
dat  Licht  üt!  Püst  em  dat  Licht  üt!"  £er  ftanb  fofort  auf 
unb  I;aud;te  bem  £d;äfer  in  bie  9lugen,  unb  ba  warb  er  oon  <2tunb 
an  blinb  unb  ift  e$  geblieben  fein  lebelang.  Die  Äapoe  tjat  er 
aud)  nid>t  behalten;  bie  Ijaben  bie  Unterirbifdjen  if>m  00m  Äopfe 
gcriffen  unb  wieber  in  ifyr  SReid)  3uriicfgenommen. 

DaS  Ijatte  ber  «d;äfer  baoon,  bafj  er  bie  flehten  tfente  oerrtet. 

SJiünbltdj  aus  ^irtoto  auf  9iügcn. 

70. 

Sie  £wergc  t«  ben  neun  Sergen. 

Auf  ber  Onfel  dftigen  finb  allenthalben  oiele  3werge.  ®d 
giebt  beren  brei  oerfdjiebeuc  Birten,  weiße,  braune  nnb  fdjwarse. 

»)  Söll  =  öcfcllc. 


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55 


Die  wetfcen  unb  braunen  finb  gut  unb  tt)uu  fo  leidjt  niemanbem 
etwas  51t  leibe.  Die  freunblidjften  oon  ifynen  finb  bie  weifjen.  Die 
fdjroargen  $werge  bagegeu,  weld/e  Xaufenbfünftler  unb  Äunftfdjmiebe, 
tauberer  unb  .f>cjenmcifter  finb,  taugen  nidjt  oiel,  fic  finb  tooller 
£rug  unb  ©djaMjeit,  unb  man  barf  ifynen  nic^t  trauen.  Äudj 
fagt  man  von  i^nen^  bafe  fic  beS  ©ommerS  öiet  unter  §otlunber* 
bäumen  fifcen,  bereu  Duft  fie  feljr  lieben,  unb  bat?,  wer  etwas  »on 
ifynen  will,  fie  ba  filmen  unb  anrufen  mu§. 

SlUe  biefe  $werge  galten  fid)  befonberS  gern  in  ben  Sergen 
ber  ^fnfet  auf.  9tud)  in  ben  neun  Sergen  bei  SRambin  fmb  ifyrer 
oiele,  aber  nur  braune,  bie  in  fiebeu,  unb  meifje,  bie  in  ben  jwei 
anbern  Sergen  wohnen.  Sie  führen  bort  ein  luftiges  Veben  unb 
fyaben  2J?ufif  unb  baS  fajönfte  (Effen  unb  Xrinfen  üolfauf.  ©ie 
fyaben  audj  otele  9J?enfdjenfinber  bei  fid),  benn  fic  lieben  eS,  bie 
fdjönften  ftnaben  unb  üfläbdjen  ben  beuten  31t  [teilen  unb  fie  mit 
in  ifjre  Serge  gu  nehmen,  wo  fie  it)nen  bienen  muffen. 

Dodj  bürfen  fie  biefelben  nur  bis  ju  einer  gewiffen  3eit  be* 
galten;  benn  alle  fünfgig  $a^re  muffen  fie  ba«  t)erauSgeben,  waS 
fie  bis  bafn'n  eingefangen  t)aben.  Dabei  ift  eS  nun  merfmürbig, 
ba§  ben  Äinbern,  bie  in  ben  Sergen  gefeffen  tyaben,  biefe  ftnt  nid)t 
ooll  an  ifn-em  Hilter  angerechnet  wirb  unb  bafe  feiner  bann  älter 
»erben  fann  als  jtoan^ig  $al)re,  unb  wenn  er  auc§  oolte  fünfzig 
ftaljre  in  ben  Sergen  gefeffen  Ijätte.  @S  fommen  auf  biefe  SBeife 
alle  wieber  jung  unb  fc^ön  an  baS  SageSticty  heraus.  2lu$  $aben 
bie  meiften  ÜRenfd;en,  bie  bei  it)nen  getoefen  finb,  nadjt)er  auf  ber 
erbe  uief  ©lücf  gehabt:  entmeber  bafc  fte  ba  unten  fo  Flug  unb 
anfdjlägig  werben,  ober  baß  bie  Weinen  Seute,  wie  einige  ergäben, 
tynen  unfidjtbar  bei  ber  Arbeit  Reifen  unb  ©olb  unb  ©Uber  ju* 
tragen. 

Sern  es  glüeft,  oon  biefen  gwergen  ctttja^  m  fcmc 
(Gewalt  ju  befommen,  3.  S.  eine  ÜHüfce  ton  ifmen,  einen  gläfer* 
nen  ©dmlj,  eine  ftlberne  ©pange  unb  bergleidjen,  bem  muffen 
fie  bienen,  unb  er  fann  aisbann  ein  fet)r  reicfjer  unb  fcorneljmer 
£err  werben.  GS  fyat  fdjon  mandjer  auf  biefe  Sßeife  fein  ©lücf 
gemalt. 

5tttd)  6.  0)1.  SUnbt,  Ü)iäi(|m  unb ^ugenberg.  2.Slufl.  I.  6.  132-258. 


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56 


71. 

$er  .gtoergfdjttf). 

9?or  triefen  ftaljren  lebte  in  bem  Dorfe  $Kotl>enfird)en  auf 
9tügen  ein  Sauer,  namens  ^o^ann  ©Übe.  Der  wollte  gerne  rct^ 
werben  nnb  fing  baS  auf  folgenbe  liftige  Seife  an.  <5r  ging  um 
SOfttternadjt  gu  ben  nenn  Sergen,  naljm  eine  Sranntweinflafdje  mit 
unb  legte  fid)  nieber,  als  wenn  er  fdjwer  betrunfen  wäre. 

2öie  nun  bie  3werge  aug  oen  neuu  Sergen  r)eroorfamen,  um 
auf  ber  Oberwelt  gu  tanken,  ba  glaubten  fie,  bafe  er  wirflid)  be* 
trunfen  fei,  unb  nahmen  fiä)  ntc^t  fonberlid)  oor  iljm  in  adjt,  fo 
ba§  eS  i§m  glücfte,  einem  oon  iljnen,  etye  berfelbe  fid)  beffen  Der* 
feljen  fonnte,  feinen  gläfernen  ©djulj  oon  bem  «einen  ftufee  gu  gießen- 
3ftit  bem  lief  er  eilig  nadj  §aufe,  wo  er  u>  forgfälttg  oerbarg. 
Die  anbere  9?ad)t  aber  ging  er  gu  ben  neun  Sergen  gurücf  unb 
rief  laut  hinein:  „(Jfo^ann  SLMlbe  in  9iot$enfird)en  f>at  einen  gläfer* 
nen  ©djufy!  Ser  fauft  iljn?  ©er  fauft  Hjn?"  Denn  er  wufjte,  baf? 
ber  ßwerg  bann  balb  fommen  würbe,  um  feinen  @d?ulj  wieber  ein* 
gulöfen. 

Der  arme  .ßwerg  mufcte  feinen  ^ufj  fo  lange  blofj  tragen, 
bis  er  feinen  @djuf>  gurücf  Ijatte.  ©obalb  er  baf>er  wieber  auf  bie 
Oberwelt  fommen  burfte,  öerfleibete  er  fidj  als  ein  reifenber  Äauf* 
mann  unb  ging  gu  ftor/ann  ©Übe.  Dem  fud?te  er  ben  <5d)uf)  an» 
fang«  für  ein  ©pottgelb  abkaufen;  Qo^annSöilbe  pries  aber  feine 
2Bare  an,  bis  ber  tieine  ifym  gulefet  bie  Äunft  angauberte,  bafe  er 
in  jeber  fturdje,  bie  er  pflügte,  einen  Dufaten  finbe.  Dafür  gab 
er  ben  ©cfjutj  gurücf. 

Wun  fing  ber  Sauer  gefd)Winb  an  gu  pflügen,  unb,  fowie  er 
bie  erfte  Sd)olle  gebrochen  fjatte,  fprang  ifjm  ein  blanfer  Dufaten 
aus  ber  @rbe  entgegen,  unb  baS  ging  immer  fo  weiter,  fo  oft  er 
eine  neue  <£urcr)e  anfing.  Daljer  madjte  er  benn  audj  balb  gang 
Heine  fturtfjen  unb  wenbete  ben  ^ftug  fo  oft  um,  als  er  nur  eben 
fonnte.  Daburd)  würbe  3or>ann  ©übe  in  furgem  ein  fo  reifer 
üKann,  bafc  er  felbft  titelt  Wußte,  wie  reid)  er  war. 

Dod)  eS  war  bieS  aüeS  fein  Unglücf,  unb  er  f>atte  feinen 
«Segen  baoon.  Denn  weit  er  immer  beS  Selbes  me^r  tyaben  wollte, 
fo  pflügte  er  gulefct  Jag  unb  $lad)t  unb  tf>at  nidjtS  mef>r  als 
pflügen.  Das  tonnten  nun  gwar  feine  $ferbe  wo^l  aushalten,  benn 


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57 


er  faufte  ftd)  bcren  eine  große  üWengc,  bamit  fte  immer  frifdje 
Gräfte  hätten  uub  befto  me^r  ^ur^en  pflügen  fönnten;  aber  er 
fefbft  mürbe  burä)  bie  riefe  3Rü§e  unb  Arbeit  gang  franf  unb  elenb. 
»I«  ber  gmeite  ^rü^ling  fam,  fiel  er  eine«  Tage«  hinter  bem  Pfluge 
f>tn  unb  mar  oor  ©ntfräftung  plöfelid)  gejlorben. 

©eine  ftrau  un0  flinber  fanben  nadj  feinem  Tobe  einen  un* 
geheuren  (Schafe  öon  SDufaten  oor.  3)aoon  §aben  fie  fid)  große 
©üter  gefauft  unb  ftnb  $ernad)  reiche  (Sbelleute  gemorben. 

91ad)  (*.  TO.  2ltnbt,  <Wcird>n  unb  Sußenberg.  2.  «uff.  I.  S.  197-200. 

72. 

$»o*  {Werne  3merg*<&I8tfrf|en. 

3?or  oielen  Qa^ren  lebte  gu  $afcig,  eine  $albe  üttetle  t?on 
ber  <2tabt  Sergen,  ein  armer  <Sdjäfeijunge,  ber  #eß  ftrifc  ©djlagen* 
teufet.  (Sine«  ÜRorgen«  fanb  er  gmifdjen  ben  Hünengräbern,  bie 
bort  auf  ber  $>eibe  liegen,  ein  Heine«  filberne«  ©löcfa>n.  $a« 
war  üon  ber  ÜRüfce  eine«  brauneu  ßmerge«,  ber  e«  in  ber  %lad)t 
beim  Tangen  im  üflonbfdjein  oerloren  l)atte;  gu  feinem  großen  Un* 
glütf,  benn  näc^ft  bem  33erluft  t^rer  ÜWüfec  felbft  ober  tyrer  ©ajulje 
$aben  bie  ^toerge  feinen  flimmeren  Serluft,  al«  ben  be«  ©löcf* 
d&en«,  ba«  fie  an  ber  SWüfce  tragen,  unb  be«  <&»änglein«  an  iljrem 
©ürtel.  (Sie  fönnen  bei  folgern  Serlufte  uia^t  e^er  fajlafen,  al«  bi« 
fie  ba«  Verlorene  toieber  ljerbeigefd)afft  tyaben. 

3>arum  grämte  fid)  ber  arme  3wer9>  fe^r>  oer  Da!&  Don 
3$lagenteufel  gefunbene  ©löcfdjen  oerloren  fjatte.  Um  fein  iln* 
glütf  aber  ooll  gu  madjen,  burfte  er  in  ber  erften  3eit  nodj  nidjt 
»ieber  au«  feinem  Serge  ^erau«;  benn  bie  3»erge  bnrfen  nia^t 
immer,  fonbern  nur  menige  Tage  im  $atyt  auf  bie  Obermelt  getyen. 
Sit«  er  enblidj  §erau«fam,  ba  mar  fein  Srfte«,  baß  er  fein  Oer» 
lorene«  ©Ibcfdjen  fudjte.  ©r  fonnte  e«  lange  nidjt  finben,  benn 
ftrifc  ©djlagenteufel  mar  unterbe«  oon  <ßafeig  meggegogen  nadj  Un* 
rom  bei  ©ingjt,  mo  er  ©djäferfnedjt  geworben  mar. 

(Snblid)  fam  ber  gmerg  audj  fu'er^er  unb  falj  fein  ®lörfdjen, 
toie  ber  ©djäfer,  ber  auf  bem  ftelbe  feine  Strafe  tyütete,  bamit 
Mingelte,  ©efdjminb  öermanbelte  ber  3merg  fid)  m  cinc  armc/  aItc 
$rau  unb  fud>te  bem  Surften  ba«  ©löcfdjen  mit  glatten  Sorten 


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58 


abgufdjmafeen.  Da$  wollte  tym  ober  nidjt  glüefen;  beim  ftrife 
Sdjlagcnteufet  mochte  ba$  fdjöne,  Ijellflingenbe  ©lötfdjen  uit^t  oon 
fid)  geben.  Gr  30g  baljer  ^liefet  ein  weijjeä  Stäbdjen  Ijeroor,  baä 
er  bem  5$äfer  für  [ein  ©lörfdjeu  anbot,  nnb  pries  baSfelbe,  ba§ 
er  bomit  aüerlei  Räuberei  uerridjten  fönne.  Darauf  ging  Sdjlagen* 
teufet  ein,  unb  ber  3werg  befam  fein  ®löcfdjen  jurücf. 

Da£  weiße  Stäbchen  war  wirflid)  ein  $auberftab,  ber  e$ 
machen  fonnte,  bajj  aUe  8d)afe,  welcfje  bamit  getrieben  würben, 
tner  SÖodjen  früher  fett  würben  unb  jwei  *Pfuitb  SBollc  mefyr  trugen, 
alö  anbere  .gerben.  Daburd)  würbe  benn  ^rty  Sdjlageuteufel  ber 
reichte  Sdjäfer  auf  gan$  fliügcn  unb  faufte  fid}  ^liefet  ein  Ritter- 
gut, Händig  ©rabifc  bei  jRambiu,  unb  würbe  felbft  ein  Gbelmann. 
Seine  9}ad}fommenfd)aft  bittet  nodj. 

Wnd)  (*.  3».  ?lrnbt,  Wärmen  unb  ^ugenbero.  2.  Slufl.  I.  3.  191-196. 

73. 

Der  Icidjtc  $ffug. 

(SS  war  einmal  ein  Sauer  auf  ber  ^nfet  Oiügen,  ber  fanb, 
als  er  eineö  Borgens  $u  feinem  fylbt  ging,  auf  einem  fteinernen 
ftrcujc  am  SBege  einen  frönen,  blaufen  2$urm,  ber  immer  auf  bem 
ftreuje  tyin  unb  f>er  lief,  wie  wenn  er  grofje^ngft  ^ätte  unb  gerne 
fort  wollte  unb  bod)  nidjt  fönnte.  ^adjbem  ba£  ber  Sauer  eine 
£cit  lang  ooller  Sermunberung  mit  angefcfjen  Ijatte,  fiel  tym  ein, 
bafc  bie  fleinen  ^werge  be$  £anbe$,  wenn  fie  gufällig  an  etwa« 
©ewetyteS  geraten,  barau  feftgeljalten  werben  unb  nidjt  oon  ber 
Stelle  fönuen,  e3  nefjme  fie  benn  ein  ütteufdj  hinweg.  (Sr  badjte 
alfo,  bafc  ber  föurm  ein  foldjer  $werg  fei,  ber  nidjt  Oon  bem 
tfreuae  fönne,  unb  er  Ijoffte  baburd)  fein  ©lücf  ju  ma^en. 

Unb  fo  gefdjalj  e8  aud).  Denn  wie  er  nun  ben  föurm  ein* 
fing,  ba  uerwanbelte  fid)  ber  auf  ber  Stelle,  unb  ber  Sauer  Ijatte 
wirflid)  einen  fleinen,  fd)war$eu  ßwerg  in  ber  §anb.  Der  friimmte 
fid)  gewaltig  unb  wollte  bem  Üflanne  entf djlüpfen;  bod)  wie  er  faf), 
ba§  ba$  nidjt  anging,  gab  er  gute  SBorte  unb  bat  iämmerlid)  um 
feine  ^lei^eit.  Der  Sauer  aber  war  ftug  unb  fagte  $u  ilmt:  ,,^ur 
[tili,  bu  Heiner  ©efeü!  Umfonft  fommft  bu  nid)t  toS!  $ä)  werbe 
bidj  nidjt  eljer  wieber  311  ben  Deinigen  laffen,  als  bis  bu  mir  oer= 


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59 


fpria^fr,  boB  bu  mir  einen  $flug  machen  willjt,  ber  fo  leidet  ift, 
ba§  ifm  aud)  ba«  fleinfte  füllen  gießen  fann." 

Die  fdjwargen  ^werge  finö  töfc  imD  tütfifdj  «nb  gönnen  bem 
2Renföen  nidjtö.  Der  befangene  antwortete  bafier  bem  dauern 
gar  nicfyt  nnb  fcf/Wieg  maufeftill  unb  backte,  bem  sJ)?ann  werbe  bie 
3eit  fdjou  lang  werben,  unb  enbltd)  muffe  er  ilm  bod)  wieber  frei 
geben,  $n  bem  eigenfinnigen,  tücfifdjen  Sdjweigen  oerljarrte  er 
lange.  <Sö  ^atf  fclbft  nid?t,  als  ber  Sauer  tyn  prügelte  unb 
geißelte,  bafe  ifym  ba$  ©tut  ton  bem  fleineu  V?cibe  flog,  ^liefet 
aber,  al$  ifm  ber  Wann  in  einen  fdjwargen,  rufftgen  (Sifengvapen 
fteefte  unb  fo  in  eine  falte  Stammet  fefcte,  wo  ber  kleine  frieren 
inu&te,  bafc  ifmt  bie  3%e  Happerten,  frodj  er  gu  äreuge  unb  t>er> 
fprad)  ben  ^fl«9  gu  liefern. 

darauf  liefe  if>n  ber  Sauer  flug«  lo«,  benn  and)  bie  böfen 
fdjwargen  3fcwge  muffen  alle«  galten,  wa«  fie  i>erfprod)en  fjaben, 
nnb  man  !)at  fein  Seifpiel,  bafc  einer  fein  ©ort  gebroa^en  Ijätte. 
Unb  ridjtig,  am  anbern  borgen,  ef>e  noa^  bie  Sonne  aufging, 
ftanb  ein  neuer  eiferner  <ßflufl  auf  bem  §ofc  be«  Sauern,  unb  er 
fpannte  feinen  $)unb  Saffer  baoor,  unb  ber  .^punb  30g  ben  %*fhig, 
ber  wie  ein  gewöhnlicher  ^flug  t»on  ©röfje  war,  burdj  ba8  fdjwerfte 
Älailanb,  unb  ber  ^flug  rijj  mächtige  fturdjen.  33iele  $atyrc  ^at 
ber  Sauer  ben  ^Jftug  gebraust,  unb  ba«  fleinfte  Kütten  unb  baS 
magerfle  <ßferbd>en  tonnte  ilm  gur  Serwunberung  alter  teilte  burdj 
ben  Siefer  gießen  nnb  legte  fein  $aar  babei.  Daburd)  würbe  beim 
ber  Sauer  gar  balb  ein  wotylljabenber  Wann  unb  fonnte  ein  luftige« 
unb  uergnügteä  i'cbcu  führen. 

%\$  C.  W.  Slrnbt,  Wärmen  unb  ^ugenberfl.  2.  Slufl.  I.  S.  2M-2G5. 

74 

SWanlje*  $agef*. 

Md)t  weit  oon  bem  Dorfe  Canfen  auf  föügcn,  in  ber  DUi)e 
ber  ©ranifc,  wohnte  oor  Reiten  ein  Sauer,  2J?attf)e8  Wägete  ge* 
tyeifcen,  ein  böfer,  betrügerifdjer  3J?enfd).  Der  Ijatte  einmal  feinem 
SRadjbarn  baS  £anb  abgepflügt,  unb  als  biefer  itm  oerflagte,  fdjwur 
$agel*  burd)  einen  (£ib  unb  braute  aud)  eine  Urfuubc  bei,  bafe 
baö  Vanb  il)m  gehöre,  fo  weit,  als  er  gepflügt  tyabe,  ja  nod)  geljn 
Stritte  weiter  bi«  gu  ber  fyofjen  Sudje,  bie  oben  am  Otain  ftanb. 
So  fam  e$,  bafe  fein  sJ?adjbar  ben  ^rogef*  oerlor. 


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60 


$agel£  mar  aber  ein  $eyenmeifrer  unb  ftanb  mit  ben  fdjmarjen 
3»  er  gen  in  SBerbinbung.  3?on  benen  Ratten  iljm  jmei,  meldje  if»n 
au<§  fonft  (&elb  in  fein  §au«  ju  tragen  pflegten,  bie  falfdje  Urfunbe 
gefdjmtebet.  $od?  traf  ben  9J?attljeS  für  foldje  Betrügerei  fdjmere 
Strafe. 

Sd)on  bei  feinen  ^ebjeiten  tyatte  er  feine  9hu)e  unb  mu§te 
jebe  9tac^t ,  in  ffiinb  unb  ©etter,  au«  bem  Bette  fyerau«  unb  auf 
bem  abgepflügten  Vanbe  Ijerumgetyen  unb  Riefet  auf  bie  tyolje  Budje 
Rettern  unb  bort  3»ei  Stunben  frille  fifcen  unb  frieren.  Unb  baS 
mufj  er  aud}  Ijeute  nodj  tljun,  obgleid)  er  jefct  fct)on  biete  ljunbert 
Saljre  tot  ift.  9Han  fann  iljn  alle  Wadjt  ba  fetyen  in  einem  grauen 
töoefe  unb  mit  einer  meijjen  ÜRüfee  auf  bem  Äopfe.  Oft  fifet  er 
audj  mie  eine  fdmeemeifee  (Sule  auf  ber  93ud)e  unb  fdjreit  gar 
jämmerlidj.  Äcin  ^Jferb  ift  ba  auf  bem  ©ege  oorbeigubringen, 
fonbern  fie  fdjnauben  unb  blafen  unb  bäumen  ftdj  unb  getyen  felbft 
mit  bem  beften  Leiter  burdj  unb  querfelbein. 

ftrityer  fangen  bie  Ceute  aud)  ein  Sieb  auf  ben  3Ratt$eS  unb 
feine  Sudje,  unb  ba«  lautete  folgenbermafjen: 
„Pageis  mit  de  witto  Mütz, 
Wo  koold  un  hoch  is  din  Sitz 
Up  de  hoge  Bök 
Un  up  de  kruse  Eek 
Un  achterm  hollen  Tuun! 
Worüm  kannst  du  nich  ruhn?"  — 
„„Darum  kann  ik  nich  rasten, 
Dat  Papier  liggt  im  Kasten, 
Un  mine  arme  Seel 
Brennt  in  de  lichte  Höll!~u 

Wad)  6.  OK.  &rnM,  m\xtyn  unb  ^ugcnbetß.  2.  Stufl.   I.  8.  207—209. 

75. 

Sdjtoarfter  3metg  flM*  etnew  3fretfd)uft. 
<£$  lebte  einmal  auf  föügen  ein  Säger,  3odjen  Sdmls  mit 
tarnen,  ber  Riefet  alö  äirdjenoogt  ju  Söart^  geftorben  ift.  Der 
mar  bisher  immer  glücflid)  auf  ber  ^agb  getoefen,  fonute  aber  ju 
einer  $eit  gar  nit^t«  metyr  treffen,  er  motzte  aielen  fo  richtig  unb 
fc^arf,  al«  er  nur  tonnte. 


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61 


@r  badjte  gleidj,  *baf$  baS  nidjt  mit  redeten  fingen  gugefye, 
aber  er  fonnte  nidjt  hinter  ben  ©runb  fommen.  Da  fagte  ib,m  511= 
lefct  eine  alte  ©ettelfrau,  bie  er  im  Sföatbe  traf,  bie  fdjtoargen 
3n)erge  ^ätteu  iljm  getoi§  feinen  Sdjufc  befprodjen,  unb  e3  gäbe 
feinen  anbern  SRat  für  ityn,  al$  baß  er  fudje,  etwas  üon  iljnen  in 
feine  bemalt  gu  betommen,  wofür  fie  tljm  ben  Sdmfj  wieber  frei 
geben  müßten.  Das  föune  er  aber  babura)  erreichen,  bog  er  gu 
einer  Stelle  im  $ßalbe  fnnfdjleidje,  wo  bie  Sd)wargen  um  ÜWitter- 
nadjt  iljre  Xänge  hielten,  eine  §anbüoll  £>agel  mitnehme  unb  ben 
nadj  i^uen  auswerfe,  wie  man  (Srbfen  auSftreut.  Dabei  müffe  er 
rufen:  „3m  Tanten  ©otteä!  Satan,  weidje  üon  mir!"  ©a«  er 
bann  üon  ben  Sd)w  argen  aueb,  nur  mit  einem  .ftagelforn  treffe, 
ba$  mieten  fie  im  Stidje  laffen! 

2tlfo  tljat  ber  $äger  in  ber  uädjften  9iadjt,  unb  wie  er  am 
anbern  borgen  nadj  Sonnenaufgang  wieber  gu  ber  Stelle  ging, 
um  gu  feljen,  was  er  getroffen  f>abe,  ba  fanb  er  einen  frönen 
fitbernen  ©ürtel  nebft  einer  flehten  filbernen  Spange  auf  ber  (£rbe 
Hegen,  unb  auf  bem  Silber  waren  uod)  bie  gwei  beuten  gu  er* 
fennen,  freite  feine  Sdjrotförner  gefdjlagen  Ratten.  ©S  bauerte 
audj  uidjt  lange,  fo  fanb  fidj  ber  fleine  fdjwarge  3werg  «in,  bem 
bie  Dinge  gehörten.  Der  mujjte  bem  Säger  üiele  gute  ©orte 
geben  unb  tauge  mit  u)m  Rubeln,  .ßulefet  würben  fie  bafnn  einig, 
baß  ber  Qäger  fid>  einen  frreifdmfc  auSbebuugen  b,at,  bamit  er  gu 
cjemiffen  3citen,  woljin  er  audj  fließe,  ein  Stücf  SBMlb  treffen 
müffe,  aud)  wenn  nid)ts  ba  fei.  Darauf  würbe  3odjen  Sdjulg  ber 
erfte  Säger  im  i'anbe. 

Wacb  6.  ?W.  Krnbt,  »djen  unb  Sugenbcro,  2.  »ufl  I.  S.  200-210. 

76. 

Öatber  üon  Serbin. 

Gin  armer,  reblidjer  SBauer  brauste  notwenbig  @elb  unb 
fann  unb  fann,  wo  er  wob,!  etwa«  leiten  fönne.  ^nbern  fuljr  er 
beim  S^loffe  Serpin  üorbei,  unb  ein  freunblidjer  SWann  trat  an 
tyn  b,eran  unb  fragte  tyn,  toarum  er  fo  befümmert  fei,  unb  ob  er 
tym  nify  Reifen  fönne.  Da  flagte  iljm  ber  Sauer  feine  3tot.  Der 
ftrembe  ^ie§  ilm  einen  Slugenblfcf  warten  unb  braute  gleidj  barauf 
einen  gangen  Steffel  @elb  tyerbei,  Wethen  er  bem  dauern  unter  ber 


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62 


93ebtngung'  gab,  bafe  er  ifm  ju  beftimmter  'grift  aurücfgaljte.  £)er 
93auer  glaubte  erft,  er  Ijabe  mit  bem  33öfen  3U  tljun;  allein  ber 
2Wanu  beruhigte  tyn  ba(b  uub  fagte:  „Senn  bu  am  3af)(ung8tage 
fyerfominft,  fo  rufe  nur  nadj  33  a  Iber  öon  S  erpin!" 

$)a$  ©elb  braute  bem  Säuern  »iet  ©lücf,  unb  er  fanb  fidj 
banfbar  am  beftimmten  3af)lungStagc  eiu  Unb  rief:  „Balder  von 
Serpin,  häl  di  diu  Geld!"  Allein  umfonft,  er  erfdjien  nirgenbS, 
bis  enblidj  eine  «Stimme  rief:  „Balder  is  nich  mier,  Balder 
is  fürt,  behoU  din  Geld!" 

Äuljn,  ©eftföl.  Sagen  I.  9Jr.  399. 


77. 

$a«  ^otengefdjenf. 

ftn  ber  ©egenb  oon  Stratfunb  lebte  etnftmate  eine  fromme 
grau.  $16  bie  eine«  Slbenb«  gerabe  in  ber  $ofrU(e  la$,  ttopfte  e$ 
an  bie  Xlu'ire,  unb  e$  trat  ein  ganj  Heines  graudjen  herein.  $a3 
mar  eine  Äinbtaufbitterin  ber  Uuterirbifdjen,  bie  lub  bie  fromme  grau 
gur  ßinbtaufe  ein.  Siefe  erftaunte  jmar  barüber,  fagte  aber  enblid) 
$u,  unb  ba8  frembe  SBeiblein  uerfprad)  barauf  fie  abholen. 

9Jadj  ein  paar  Xageu  fam  bie  Unterirbifdje  mieber  unb  Ijotte 
bie  grau  ab.  Sie  führte  biefelbe  aber  nid?t  au$  bem  $>aufe,  fonbern 
burd)  bie  .frofttyür  in  iljreu  eigenen  Äu^ftaü,  unb  bort  ging  fie  mit 
il)r  eine  Xreppe  fyinab,  mctdje  bie  grau  oorfyer  nodj  nie  gefeljen 
Ijatte.  So  tarnen  fie  in  ein  fdjöneS  ©emadj,  mo  Diele  Unterirbifdje 
maren  unb  bie  ßtnbtaufe  gehalten  mürbe. 

2118  biefe  oorbei  mar,  gaben  alle  bie  uuterirbifdjen  grauen 
ber  Sinbbetteriu  ein  ^atengelb.  fcaran  fjatte  bie  fromme  grau 
aber  nicr)t  gebaut,  unb  fie  tyatte  uid)t$  bei  fidj.  (Sie  moüte  fid) 
barüber  feljr  entfcfyulbigeu,  aber  bie  Unterirbifdjen  fagten,  ba$  fdjabe 
ntcr)tö;  fie  baten  fie  bagegen,  bafe  fie  bod>  ben  ftutyftali  oertegen 
möge,  inbem  bie  ftaudje  u)uen  gerabe  auf  ben  Sifdj  fomme.  35a« 
ocrfpradj  bie  grau,  unb  bie  Unterirbiföen  maren  barüber  fetyr  fro$. 
$ie  grau  tjat  audj  if)t  93erfpred)en  gehalten. 

Semme,  SoIte|agen  9ir.  220. 


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G3 


78. 

$ic  Ulfen  ober  Hurten. 

Um  Deneteborf,  im  Streife  (Stimmen,  werben  bie  gtoerge 
Ulfen  ober  Umfen  genannt.  ü)?an  unterfdjcibet  beten  jtoei  tfrten, 
gute  nnb  böfe.  Die  tefeteren  fügen  ben  beuten  allen  möglichen 
Sdjaben  ju.  SBenn  3.  93.  im  Reißen  Sommer  bie  9)?ilfl)  ber  Äülje 
feine  ©utter  geben  will,  fo  finb  baran  gan$  allein  bie  böfett 
Ulfen  Scfmlb. 

Die  ?eute  nehmen  bann  ben  SRaljm  unb  fdHitten  it)n  in  einen 
irbenen  £opf;  fobann  getjeu  fie  bamit  in  ben  ©arten  unb  oergraben 
it)n  an  einem  füllen  'Plafc.  Darauf  eüt  mau  $u  irgenb  einem 
äirfdjbatttn  unb  binbet  um  feinen  «Stamm  einen  Söinbfabeu  feft  um, 
ober  mau  fctyält  aud;  einen  93aftring  oon  bem  Saume  ruub  ab. 
Dann  tnnffen  bie  böfen  Ulfen  oerberben. 

bitten  in  ber  9?adjt  fommen  bie  guten  Ulfen  $u  bem  ein- 
gegrabenen £opf  unb  fangen  an  31t  buttern.  SBenn  bann  am 
aubern  SDforgen  früt)  bie  Bäuerin  biefen  9tat)m  in  baä  33utterfa§ 
fdjüttet,  fo  wirb  nadj  furjer  3eit  9cnji&  p*c  «fdjnte  Söitttcr  311m 
33orfd)ein  fommen. 

9ludj  bie  ^rrfid^ter  finb  böfe  Umfen.  Sie  geigen  fid)  am 
9tbcnb  unb  in  ber  }<ad)t  00m  SBege  abgefommenen  SBanberern  unb 
führen  biefelben  burdj  il)r  trügerifdjeS  Vicfjt  erft  redjt  in  bie  $rre. 
SefouberS  gerne  locfeu  fie  bie  arglofen  SERenf  djen  in  3)ioräfte  unb 
Seen.  Sobalb  biefelben  bortlnn  gelangt  finb,  wirb  aber  plöfclidj 
au£  bem  i'ityt  ein  böfer  Ulf,  ein  Meiner  Äerl  mit  langem,  fdjmargem 
5krt,  metdjer  ben  lluglücflidjen  int  Sumpf  erftieft  ober  im  Gaffer 
ertränft. 

'JJJünblicb  au§  £ci)döborf,  ÄrciS  Wtimmcn. 
79. 

Der  Suflfaicr  ntib  ber  Ulf. 

Der  öullfater,  jener  berüchtigte  Raubritter,  oon  bem  wir 
fpäter  nod)  me^r  hören  werben,  befafj  außer  feiner  $>auptburg  Xurow 
nodt)  eine  arueite  fteftttng  tu  Behringen,  oon  wo  au«  er  feine  Raub» 
jüge  nad)  sJftef(enburg  unternahm.  Qn  bem  £urm  btefer  ftefte,  bem 
noc^  he"t*  ftet)enben  ftangelturm,  t)atte  er  unter  anberen  befangenen 

«gl  Sage  <Rr.  239. 


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64 


einfimaf«  auä)  ein  9J?äbcfjen  fifcen,  meldjeS  er  be3  Verrat«  an  feiner 
^erfon  befdjulbigte.  @r  machte  ifn*  ben  $rogefj,  uerurteilte  fie  511m 
Sobe  unb  befahl,  fie  an  ber  ©teile  Ijinguridjten,  toeldje  nod)  Ijeute 
„bie  brei  föitytannen"  tyeijjt  unb  mitten  gmifdjen  ftä'fefotü  unb 
9tfefyrtngen  liegt. 

Äurg  bor  ber  $inrid)tung  trat  ein  Heiner  Ulf  gu  ber  (befangenen 
unb  fprad)  gu  ifyr:  „$<fy  »erbe  beine  Unfdmlb  an  ben  Sag  bringen. 
Senn  nämlia)  auf  beinern  ©rabe  SRofen  madjfeu,  fo  Ijält  man  bidj 
für  unfdjulbig;  menn  aber  Dornen,  fo  giltft  bu  be$  angefdjulbigteu 
SßerbredjenS  überführt,  merbe  jebod)  bafür  forgen,  bajj  9?ofen 
au£  bem  $)ügel  Ijerüorfpriejjen;  unb  madje  bu  beSljalb  nur  getroft 
oon  Dorne  herein  bie  Seute  auf  bies  3eid}en  aufmerffam". 

Unb  fo  gefdjalj  eö  audj.  9lm  Sage  nad)  ber  §inridjtuug  er« 
blitften  bie  fceute  gu  ifyrem  (Srftaunen  auf  bem  ©rabe  beS  unglücf* 
lidjen  üfläbdjenS  fdjöne  blüljenbe  3?ofen,  meldje  uodj  ljeutiged  Sage« 
üppig  gebeten  unb  nidjt  auSgerobet  werben  fönnen.  Sei  itjnen 
läßt  fid)  audj  gu  jeber  3eit  oer  ®c'f*  oer  Jungfrau,  oljne  Äopf 
umljerroanbelnb  ober  auf  einem  Steine  fifcenb,  fe^en. 

Da$^)aupt  ber  (Srmorbeten  Ijat  ber  Ulf  mit  ftdj  in  fein  unter* 
irbifdjeä  Meid)  genommen,  um  e£  bem  Sftäbdjen  tuieber  auf  ben 
Stumpf  gu  fefcen,  menn  er  ben  ^ullfater  gur  fltecfycnfctyaft  für  feine 
Untl)at  geforbert  f)aben  mirb.  Der  ©uüTater  mujj  nämlidj  (eben 
Slbenb  auf  bem  ©affelbamm,  einer  mit  SBeiben  bepflangten  «Stelle 
auf  bem  3Öege  oon  @Hen>ife  nadj  DeöelSborf,  mit  bem  Ulf  fömpfen. 
Der  ©ullfater  mirb  gmar  bei  biefem  Streite  oon  feinein  gemaltigen 
§unb  ftlambo  unterftüfct,  aber  trofcbem  toirb  einft  ber  Sag  fommen, 
ba  ber  Ulf  feinen  fteinb  überminbet. 

Gbenbatjer. 

80. 

Ulf  labet  cht  SRäbdjcn  gn  ©etoattet. 

(Sin  flfläbdjen  fafy  jebeSmal,  menn  fte  in  ben  Stall  ging,  bie 
Äübe  gu  melfen,  eine  fyäfclidje  tfröte  um^er^üpfen.  Um  baß  Sier 
I08  gu  merben,  entfcfylojj  fie  fi$,  e$  gu  töten,  unb  mürbe  e£  audj 
mirHidj  eine«  Sage«  erljafdjt  tyaben,  wenn  fid)  bie  Sröte  nidjt  nodj 
re^tgeitig  in  ein  £od)  öerfrodjen  tyätte. 

CHnige  Sage  barauf,  als  bie  Dirne  mieber  im  Statte  befdjäf* 
tigt  mar,  trat  ein  Heiner  Ulf  an  fie  tyeran  unb  forberte  fie  auf, 


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65 


mit  tfoii  in  ba«  unterirbifdje  töeu$  gu  fteigen.  Die  SMe^magb  ging 
barouf  ein,  flieg  mit  tyrem  Begleiter  eine  treppe,  bie  fie  aber  fonft 
nodj  nie  bemerft  fjatte,  ^inab  unb  traf  unten  eine  gange  ©efellfdjaft 
Heiner  Ulfe  beifammen,  tueld^e  gerabe  Äinbelbier  feierten.  Sie  er» 
fc^racf  aber  nid)t  wenig,  al«  fie  über  bem  ©ingang,  bur$  ben  fie 
getreten  mar,  einen  mächtigen  üflityljtein  an  einem  feibenen  ftaben 
Rängen  fa§. 

Der  Ulf  merfte  tyr  <£ntfefeen,  beruhigte  fie  unb  fprad> :  „Die* 
felbe  «ngjt  f>afi  bu  mir  bereitet,  al«  bu  bie  Äröte  oerfolgteft  unb 
fie  gu  töten  tradjtcteft !"  Sobann  mufete  ba«  2Häbd)en  mit  effcn 
unb  trinfen  unb  erhielt,  al«  ba«  geft  beenbet  war,  ein  ©elbftücf 
gum  ®efd)enf.  Da«  folle  fie  ja  redjt  forgfältig  bemalen;  benn  fo* 
lange  ba«felbe  in  tyrem  unb  ber  O^rtgen  ©efifc  wäre,  würbe  e« 
if>nen  mental«  an  @elb  festen. 

Darauf  begleitete  berfelbe  Keine  Ulf,  melier  fie  herunter  gc* 
fü§rt  $atte,  bie  Dirne  njieberum  gur  Oberwelt  hinauf  unb  befahl 
tyr  beim  Slbfdjieb,  ja  niemal«  einem  ÜRenfajen  oon  iljrem  (Erlebnis 
gu  berieten.  £§äte  fie  e«  bennoc§,  fo  würben  bie  Ulfen  fie  wie* 
berum  $erab§olen  unb  unter  ben  ÜHüljljtein  ftelfen.  Darauf  würbe 
bann  ber  feibene  $aben  reifen  unb  fie  bur<$  ben  ©fein  gerfdjmet* 
tert  werben. 

SDKinbliaj  au$  (Srammenbotf,  ÄrciS  öJrimmcn;  ganj  äbnlidj  and)  in  ®rcifs= 
roalb  crjof)lt.   <8al.  Icmme,  gjoIUfagen  ftr.  216. 

81. 

Die  3»erge  in  ©reifswalb. 

$n  ber  <®tabt  ©reif«malb  unb  ber  Umgegenb  fetten  fid?  in 
früheren  Reiten  öiele  unterirbifd)e  (Srbgeifter  auf,  oon  ben  beuten 
gewö$nli<$  nur  bie  3werge  genannt,  ©ie  tyaben  fetyr  lange  bort 
gekauft,  bi«  fie  auf  einmal  gang  au«  bem  tfanbe  gegogen  ftnb.  £u 
welker  £eit  unb  bei  wa«  für  Gelegenheit  bie«  gefd/e^en  ift,  wei§ 
man  ni$t  me$r,  aber  man  fennt  nod>  redjt  gut  ben  SBeg,  ben  fie 
genommen,  unb  baß  fie  bei  Rannen  au«  Bommern  gegangen  finb. 
Ston  ba  follen  fie  fid)  weiter  in  ba«  gebirgige  i'anb  begeben  $aben. 

Diefe  £werge  Ratten  ©ewalt  über  alle«  ®olb  unb  ©Uber 
unb  über  bie  eblen  «Steine,  bie  in  ber  <£rbe  oerborgen  liegen.  Sie 
waren  aud)  im  gangen  gutmütig  unb  Ralfen  ben  9)ienfd)en  gern 

5 


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66 


unb  traten  U)nen  ©ute«.  Dabei  trugen  fie  freiließ  manchmal  ein 
fonberbare«  Verlangen  nadj  tyübfdjen  SWenfdjenfinbern,  fo  baß  fie 
biefelben  ben  beuten  oft  au«  ber  Siege  {tagten  unb  itjrc  tyäßlidjen 
SBed&fefbälge  bofür  Einlegten.  Oft  audj  üerliebten  fie  fid)  in  tyübfdje 
üftäbdjen  unb  begehrten  ifyrer  gur  CSfcie. 

Der  S33eg  ju  ityren  ©Dünungen  ging  gewbfyntidj  burdj  einen 
fdjmufcigen  Ort,  $.  95.  unter  bem  ©ußlodje  bcö  Spülidjt«  ober 
unter  einer  Xranftonne  Ijer.  De«  £age«  froren  fie  in  ©eftalt  oon 
ftröfdjen  ober  anberm  fjäßlidjen  Ungeziefer  fyerum,  be«  "Jiadjt«  aber 
geigten  fie  fid)  in  ifyrer  eigentlichen  ©eftalt.  SJefonber«  gern  tanjten 
fie  im  üHonbfdjein  unb  waren  bann  feljr  oergnügt  unb  luftig. 

9ttan  ergäbt  fidj  oiele  fonberbare  ©efdu'djten  oon  ifyneu.  <Bo 
war  einmal  in  ©reif«walb  eine  %rau,  bie  oerwünfdjte  eine«  9lbenb«, 
wie  eö  fdjon  fpät  war,  tyr  $hnb,  weit  e«  fo  arg  fdjrie  unb  bie 
üttutter  nicfyt  fcblafen  fonnte.  Da  t&at  fiet;  plöfelicfy  bie  Xljüre  (eife 
unb  befyenbe  auf,  unb  e«  fdjlidj  fid)  ein  3wcr9  hinein.  Der  riß 
ifyr  fdmell  ba«  iHnb  Dom  «Sdjoße  unb  tief  bamit  fort.  Die  ^rau 
Ijat  ba«  &inb  nie  wieber  gefe^en.  (£iner  anberen  ftrau  glüefte  e« 
eine«  Slbenb«  nod)  eben,  tyr  JKnb  an  ber  fterfe  fefou^alten,  al« 
fie  eingefdjlafen  war  unb  ein  3werg  tl)r  e«  t)atte  flehen  Wolfen. 
Die  merfwürbigfte  ©eföictyte  aber  ift  bie  oon  bem  3werg  Doppeltür* : 

2emme,  »oRSfagen  216. 

82. 

Btoetg  Doppeltttrf. 

(Sin  oorne^mer  3toer8  auS  ^cr  ©reif«watber  ©egenb  $atte 
fidj  etnft  in  ein  fdjöne«  SWäbc^en  ber  ©tabt  oerliebt  unb  begehrte 
fie  mit  großer  ©ewalt  jur  ftrau.  Da«  ÜRäbdjen  tyatte  jwar  einen 
unüberwinblid)en  ffiiberwiüen  gegen  tyn,  weit  er  fo  Hein  unb  garftig 
war,  unb  fonnte  fidj  ntc^t  entfallenen,  ü)n  ju  heiraten;  er  fteefte 
fic$  aber  hinter  tyren  Steter,  unb  ba  er  biefem  oiel  ©elb  unb 
©ut  oerfpradj,  fo  mußte  fie  tym  julefct  U)re  $anb  gufagen.  Dodj 
fam  fie  mit  tym  überein,  baß  fie  tyrer  3ufafle  fe°*8  fem  faß*  un0 
er  oon  tyr  abfielen  müffe,  wenn  e«  u)r  gelinge,  feinen  tarnen  ju 
erfahren. 

Sange  3eit  funbfdjaftete  ba«  üfläbdjen  »ergeben?.  3utefc* 
ljalf  tyr  ber  3ufall.   (£«  fu$r  nämlid&  in  einer  9ca$t  ein  frifefc 


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67 


r)änbler  bie  Stra&e  nadj  ©reifsroalb.  SBie  bcr  an  einer  <©tetfe 
toiele  3merge  im  3)?onbenföein  tanjen  unb  fpringen  fa^,  ba  Ijiett 
er  öertuunbert  an;  unb  nun  ^örte  er  auf  einmal,  rote  einer  ber 
,3tt»erge  in  feiner  ftreube  iani  rjef: 

„SBenn  meine  93raut  toüfct', 

Dafe  iä)  Doppeltür!  ^eifce, 

Sie  näljme  mid}  nidjt!" 
Da«  ergäbe  ber  gifdjfjänbler  be«  anbern  £age$  im  $öirt$< 
ljauS  gu  ©reifSwalb,  unb  toon  ber  2£irt$tod)ter  fyörte  e$  bie  93raut. 
Diefe  badjte  gteid),  ba&  ba«  ifjr  ?iebf>aber  genjefeu  fei,  unb  roie 
berfelbe  tuieber  $u  iljr  fam,  nannte  fie  il)n  Doppettürf.  Da  oer- 
fdjroanb  ber  3roerg  i"  9™($em  5lrger  unb  bie  l'iebfdjaft  Ijatte 
ein  (Snbe. 

Semme,  Soflsfattcn  Vit.  216. 

83. 

Unterirbifa^c  jetgen  Sd)ä$e  an. 

^n  bem  leite  oon  ©reif&oatb,  toeldjer  ber  ©dju^agen  ge* 
nannt  toirb  unb  ber  ättefte  £eil  ber  @tabt  ift,  follen  t?iete  <3$äfee 
»erborgen  liegen,  oon  benen  man  fi<$  allerfei  erjä^tt.  Unter  anberm 
tarn  oor  nodj  nidjt  langer  Qtit  gu  einer  grau  in  ber  langen  gu$r* 
flrajje  brei  92ädjte  Ijintereinanber  ein  Keine«  ÜRänndjen,  ben  bie 
?eute  einen  @lücf«boten  au«  ber  Unterwelt  nennen,  unb 
forberte  »on  tyr,  bog  fie  in  ben  ©(tyu^agen  getyen  folte,  too  fte 
an  einer  ©teile,  bie  er  tyr  bezeichnete,  einen  großen  ©ctyafc  ftnben 
»erbe.  Anfang*  toottte  bie  grau  ni($t.  Qn  ber  brüten  SNadjt 
aber  entfdjlojj  fie  fidj  $in$ugeljen,  »eil  au$  tyr  SWann  tyr  öiel  gu* 
rebete. 

811«  fie  aber  an  bie  bejei^nete  ©teile  fam,  fanb  fie  ni<$t«, 
al«  einen  großen  fte^ridjtyaufen  fcon  ©o^nenranfen,  $>obelfpäncn 
unb  berglei^en.  Darüber  ärgerte  fie  fid)  fe$r,  unb,  nur  um  tyreut 
«Wanne  $u  aeigen,  bafc  er  fein  gureben  $ätte  fparen  fdnnen,  nafyn 
fie  eine  ©o^nenranfe  unb  einige  $obelfpäne  mit  fidj.  Die  marf 
fie,  al«  fie  mieber  nadj  #aufc  gefommen  toar,  tyrem  SWanne  in  bie 
©erfftätte  mit  ben  ©orten:  „Da  $aft  bu  ben  3uf«!"  »ber  rvic  ber* 
tounberten  fid>  bie  guten  i'ente,  al«  fie  njtyer  bie  @a($en  befallen 
unb  nun  auf  einmal  entbeeften,  bafi  bie  83o$nenranfe  eine  fernere 

5* 


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G8 


golbene  Äette  unb  bte  $obelfpäne  lauter  fifberne  Löffel  maren^ 
Die  ftrau  lief  nun  gmar  gefdjminb  nod)  einmal  in  ben  <5dmf$agen, 
aber  fic  fonnte  üon  bem  Äef>rid)tlmufen  nid)ts  mefjr  auffinben. 

©in  foldjer  ©lütfSbote  fam  aud)  gu  einer  anbern  grau,  in» 
bem  er  tljr  eine  Stelle  im  <©d)uf$agen  anzeigte,  mo  fic  einen 
<5d)a&  finben  »erbe,  ber  nur  eine  .f)anb  breit  mit  Grbe  bebecft  fei. 
©eil  bie  ^rau  gerabe  in  ben  ©odjen  lag,  fo  teilte  fie  tyrem 
Spanne  bie  SSotfdmft  beS  ©lücfSboteu  mit.  Der  ging  benn  aud) 
gu  ber  angegeigten  Stelle.  Sie  er  ba  aber  nid)ts  als  einen  Äorfr 
mit  ftifdn"dmppen  fanb,  fo  mürbe  er  ärgerlich  unb  naf>m  baoon  eine 
,£anböolJ,  bie  er  feiner  %xau  mit  ben  ©orten  auf  baS  ©ett  marf: 
„Da  ift  ber  £djat}!"  ^n  bem  SlugenMicfe  aber  falj  er,  baß  bie 
$ifd)fd)uopen  lauter  blanfe  Üfjaler  maren.  Slud)  er  ging  nun  gmar 
nod)  einmal  gu  ber  Stelle,  fanb  aber  ebenfalls  nid)tS  meljr  bort. 

Semmc,  $olt*fagcn  9lr.  235. 

84. 

©e$$alb  cd  ben  SJenfciner  Sanern  mit  ifjrcu  SBtrrfdjaftcn  frets 

rütfmärtS  gegangen  tfr. 

Qu  SBentjin  fonnte  früher  trofc  allen  ftleißeS  feiten  ein  ©aucr 
mit  feiner  ©irtfdjaft  auf  ünm  grünen  ßmeig  fommen.  ftaft  alte 
©infünftc  mußten  fie  auf  bie  93eföfKgung  beS  ©efinbeS  gufefeenr 
unb  bod)  fonnte  im  gangen  Dorfe  faum  ein  Dienftbote  angetroffen 
merben,  ber  fid)  bei  feinem  SBrotfyerrn  jemals  orbentlid)  fatt  gegeffen 
fyätte.  Der  £ifd)  mochte  unter  ber  ?aft  ber  ©oeifen  brechen,  el)r 
bie  t'eute  itjren  junger  aud)  nur  einigermaßen  geftillt  Ratten,  mar 
alle«  fpurloS  oerfd)munben. 

fange  3eit  tyinburd)  mußte  fid)  niemanb  bafür  eine  (Srflärung. 
©nblid)  fam  bie  <2ad)e  an  ben  Sag.  ©in  $tned)t  mollte  nämlid) 
gerabe  bie  If)üre  aufflinfen,  als  er  gu  feinem  ©rftaunen  bemerfte, 
mie  fid)  neben  ifmi  bie  Diele  auftrat  unb  eine  ^erfon  nad)  ber 
anbern  311  bem  fad)c  tjerauStrippelte  unb  burd)  bie  Styirtyalte  in 
baS  ©ßgimmer  f?iueinfd)lü>fte.  ftreilid)  fonnte  er  bie  ^erfonen  nid)t 
fefjcn,  fonbern  nur  f|bren,  aber  gu  meld)er  3lrt  fie  gehörten,  mar 
ifjm  benuod)  fd)on  jefet  flar  genug. 

3um  Überfluß  fam  nod)  gu  guter  le-fet  einer  gum  2?orfd)eiur 
ber  nidjt  mie  bie  anbern  unfid)tbür  mar.   Raum  fonnte  jebod)  ber 


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69 


ßnedjt  erf ernten,  baß  er  einen  l)äßlid)en  Unnerirdsken  oor  fid) 
1jabe,  fo  fd)rie  auc^  fdjon  ietnanb  ton  unten  fyer:  „$)alt  an,  bu 
$aft  |a  beinen  |>ut  tergeffen!"  ^n  bemfelben  Slugenblicfe  flog  ein 
großer  &rempl)ut  jum  2od)e  Ijerau«,  ber  fteine  $erl  fing  ifnt  auf, 
ftülpte  tyn  auf  ben  Äopf,  unb  unfid)tbar  fear  er,  wie  bie  anbern  alle. 

211«  ber  Suedjt  jefct  in  bie  Stube  eintrat,  erjagte  er  bie 
^anje  ©efdjidjte,  unb  ba  oertounberten  fid)  bie  teilte  beim  tüctjt 
meljr,  als  fie  aud)  bieSmal  mieber  fiungrig  oon  üifdie  aufftefjen 
mußten,  ftmmer  ^mtfd^ett  je  jtoeien  unb  gtoeien  faß  ja  einer  oon 
ben  Unterirbifdjen  unb  ftatjl  feinem  Wacbbarn  bie  beften  Siffen  oom 
SDtabe  fort. 

(Sin  &ned)t,  ber  fiel)  fdjon  lange  über  biefe  tfiedjbeit  ber 
fleinen  t'eute  geärgert  Ijatte,  fiel  einft  burdj  Zufall  ocn  öingaug 
3u  iljrem  töeidje  Ijerab.  911«  er  unten  angelangt  toar,  befd)loß  er, 
ftd)  red)t  empfinblid)  an  ben  Sieben  au  rächen.  2lber  c^c  er  fid) 
Ted)t  befinnen  tonnte,  toen  er  juerft  paefen  folte,  waren  aud)  fdjou 
<rHe  oerfdjtounben.  So  mußte  er  unoerridjteter  Singe  unb  nod) 
baju  mit  jerfdjlagenen  ©liebmaßen  ioieber  auf  bie  Cbenoelt  ^urinf* 
lehren. 

"IHünblid)  <iu$  Söcn&tn,  Streik  Temmin. 
85. 

CHnem  Untcrirbifdicn  wirb  ber  Sart  auögcriffcn. 

Sei  bem  Sorfe  Sufdjmüfjl,  im  Semminer  Greife,  liegt  ein 
SJrudjtoalb,  in  welkem  fid)  ein  großer  Stein  befinbet.  Unter  biefem 
<$el«blo<f  gel)t  ein  £od)  bi«  $u  ben  SBJoljnungen  ber  Unterirbi'djeu 
über  §aibucfen,  wie  fie  bie  bortigen  Sauern  nennen,  hinein. 
HWan  fürchtete  bie  fleinen  Öeute  fet)r,  benn  fie  waren  fdjlimme  Diebe 
unb  flauen  befonber«  gern  ba«  tforn  oon  ben  ft^be™-  21urf) 
tonnten  fie  fidj  burdj  tyre  Äappen  unfidjtbar  madjen. 

(Sinft,  al«  fie  toieber  fo  fdjlimm  auf  ben  äefern  gekauft 
Ratten,  gingen  bie  Säuern  be«  9<adjt«  mit  einer  alten  ftrau,  welche 
ba«  Sannen  oerftanb,  gu  bem  Steine  unb  »arteten  ab,  bis  bie 
$aibu<fen  ba«  Codj  oerlaffen  Ratten.  Sarauf  fprad)  bie  ftrau  ifjren 
^auberfegen,  unb  nun  machte  fid)  alle«  an  bie  Verfolgung  ber 
^iebe.  ftebodj  gelang  e«  ben  Unterirbiföen  trofc  be«  Sannfprudje« 
in      Meid)  ju  entfommen,  mit  2*u«naf)me  eine«  einzigen,  ben  ein 


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70 


SBaiter  bei  fiinem  langen  SBart  ermifd}t  f>atte.  Der  gefangene  #ai* 
butf  fträubte  fid)  ober  $u  folgen  unb  jerrte  fo  lange,  bis  ifjm  ber 
Sart  auSgeriffen  unb  er  baburdj  toieber  in  ^freiljeit  gefontmen  war. 
9?icC  nüfcte  ilnn'8  freiließ  titelt ;  benn  o§ne  feinen  93art  fonnte  er 
bod)  nidjt  toieber  ju  ben  Seinen  jurücffefjren. 

Den  folgenben  2(benb  fam  er  barutn  $u  bem  betreffenben 
©auern  unb  bat  tyn  um  ben  auSgeriffenen  Sart.  Der  wie«  i^it 
aber  fjart  auriief;  erf!  ben  2lbenb  barauf  jeigte  er  fid)  milber  ge* 
frimmt  unb  erflärte  fidj  mit  ber  Auslieferung  einoerftanben,  toenn 
bie  Unterirbifdjen  bafür  baS  Stellen  uuterlaffen  wollten.  Der 
$>aibud  fagte  fofort  $u,  bat  aber  sugleidj,  ber  Sauer  möge  ben 
S3art  auf  einen  beftimmten  Stein  im  SJrutt)  legen,  fonft  Ijiilfc  iljm 
bie  Sadje  gar  nichts. 

CSnblid)  erflärte  fidj  ber  SWann  aud)  baju  bereit,  legte  ben 
SBart  in  ber  ifladjt  auf  bie  angegebene  Stelle  unb  im  9?u  toar  ber* 
felbe  oerfdjwunben.  Sfucr)  ^aben  bie  §aiburfen  Sort  gesotten  unb 
ba«  Stornierten  feitbem  ööllig  untertaffen. 

SJlimblia?  aus  OTcefiger,  ffreis  Tcmmin. 


86. 

Die  3werge  im  unterirbtfdjcu  dtange  $u  ^nbngta. 

9?on  ^ubagla  nad)  Sellentin  auf  ber  ^nfet  Ufebom  führte 
cfyebem  ein  unterirbifdjer  ©ang.  Der  ift  aber  jefet  jugemauert  unb 
baö  fam  fo: 

tfange  nadjbem  baS  Softer  ju  ^ubagta  eingegangen  war, 
wollte  man  mehrmals  ben  @ang  unterfudjen,  um  $u  wiffen,  ob  er 
autfj  wirflidj  nadj  9Hettentin  füljre;  aber  fetner  fonnte  e«  ergrün* 
ben,  unb  alle  fe^rten  unterrichteter  Sadje  wieber  jurücf.  Da  würbe 
gerabe  einmal  eine  ftrau  bort  $um  Xobe  oerurteilt,  unb  man  madjte 
i$r  ben  SBorfdjlag,  fie  foüe  in  ben  ©ang  §inunterfteigen  unb  i$n 
unterfudjen;  bann  foüe  i$r  ba«  Öeben  gefdjenft  fein. 

Darauf  ging  fte  ein,  flieg  $inab  unb,  nadjbem  fie  fdjon  weit, 
fe§r  weit  gegangen  mar,  fam  fie  an  eine  große,  eiferne  Xtjür.  Die 
fprang  oon  felber  auf,  unb  fie  fa$  auf  einmal  eine  große  3aty 
oon  fleinen  3»ergen  mit  großen,  langen  ©Arten  um  einen  £ifä) 
fujen,  bie  fragten,  wa«  ifyr  $3ege$ren  märe.   Da  erjagte  fie  nun 


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71 


alte«,  wie  e$  gefommen,  bafe  fie  tyerabgeftiegen,  unb  barauf  fagte 
einer  ber  3merge:  rr>$ft  f°>  f°  foüft  bu  bieSmat  ungeftraft 
wieber  fyinauffommen.  Slber  fage  benen  ba  oben,  fie  mödjtcn  und 
lu'er  ntc^t  wieber  frören." 

9ton  bat  fie,  man  möge  if>r  ein  Söaljrjeidjen  mitgeben,  womit 
fie  ityre  ftuSfage  befräftigen  fönne,  unb  erhielt  audj  als  fotdjeS  eine 
lange  (ErbSranfe.  2ttit  ber  ftieg  fie  wieber  hinauf  unb  beruhete 
alte«,  was  fie  gefe^en.  Unb  als  fte  nun  ba«  Saljrgeiajen  üor= 
braute,  ba  oerwanbelte  e8  fid)  oor  aüer  Slugen  in  eine  fdjwere 
eiferne  &ette,  bie  barauf  jum  ewigen  Slnbenfen  am  S  ö  d  (53runnen) 
befeftigt  würbe,  wo  fie  nod)  bis  auf  ben  heutigen  Xag  Ijängt.  Der 
©ang  aber  würbe  gugemauert,  bamit  niemanb  wieber  bie  Unter* 
irbifetyen  in  ifjrer  Segnung  ftöre. 

2lu§  8tmnemünbe:  Äul)n  unb  <5d>roatfe.  Worbb.  Sailen  91r.  13. 

87. 

$ic  ftatyt  nad}  ^iggeljagflti. 

Da  was  emäl  6ns  ne  F*rvl,  un  dö  kam  in  de  Wochen, 
un  se  harren  dat  Licht  ütgän  läten,  datte  Unneraersken 
körnen  un  oer  dat  Kint  furtnäraen.  Aewer  se  hadde  dat 
doch  nich  markt,  bet  op  Sne  Tit,  as't  nü  all  wat  öller 
wären  was,  da  kam  se  dahinter. 

Det  Sundachs  nämlich  käken  hlr  to  Lanne  de  Luee 
in  Winterstit  groenen  Kaul  met  Wost  un  Speck  in,  un 
dat  d&e  unse  Frü  6k.  Wenn  dat  nu  innen  Kötel  uppet 
Fuer  stund,  dunn  kam  min  Unneraersken  üte  Wej  un 
frat  all  Wost  un  Speck  up.  As  dat  nü  so  £nen  Sundach 
uu  alle  Sundach  passörte,  gung  mine  Frü  bi  oere  Näbers 
un  vertellde  dat,  un  de  saeden  oer,  dat  dat  nich  oer  Kint 
was,  wat  se  in  de  Wßj  harre,  un  dattet  en  Unneraersken 
wesen  möst  Un  se  saeden  oer  ök,  se  schülle  man  mal 
Schauschlärn  statt  Wost  un  Speck  innen  Kaul  käken  un 
schülle  gaud  uppassen,  wat  dunn  scheen  würr. 

Dat  dfct  se  denn  ök  uppen  niesten  Sundach  un 
stellt  sik  up  de  Lür.  Un  dat  dürt  auk  gär  nich  lang, 
kümmt  min  Unneraersken  wedder  üte  Wej  un  geit  nän 


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72 


Kötel  un  will  sik  bimäken,  den  Speck  ütfröten;  aewer  as 
hei  nü  de  Schauschlärn  fund,  sacht  hei: 

„Nü  bün  ik  so  old 

As  Boehman  Gold 

Un  häw  doch  noch  ken  Schauschlärn  in 

Kaul  geten!* 

Dunn  käm  de  Frü  voertospringon  un  scholl  em 
düchtich  wat  üt  un  schlöch  ganz  Gotts  erbarmiklich  up 
em  lös  un  gung  dunn  wedder  bl  oere  Näbers  un  fröch, 
wat  se  nü  dauen  schülle.  D6  saeden,  se  schülle  nü  dat 
Unneraersken  nömen  un  met  em  nä  Jiggeljaggel 
frieren;  da  schüll  set  baden  läton,  dattet  dij.  Da  sott  se 
sik  denn  6k  innen  Bot  un  für  wit  met  cm  in  de  Se  nä 
Jiggeljaggel. 

As  se  nü  all  en  ganz  Enne  furt  weren,  da  käm  up 
eis  en  anner  Böt  antefueren,  da  wören  6k  Unneraerskens 
in.  Dö  harren  de  Frü  oer  Kint  bt  sik ;  un  as  se  nü  den 
Ollen  in  de  Frü  oer  Böt  seien  deen,  da  fungen  se  an  to 
raupen:  „Na  Külkopp!  Wo  wistu  denn  hen?"  Da  fung 
de  Olle  up  eis  an  te  kueren  un  saede:  „Se  willen  met 
mt  nä  Jiggeljaggel  un  mi  bäden  läten,  dattik  dfj!" 

Dä  würen  de  Unneraersken  boes  un  schlaugen  up 
dat  Minschenkind  laus,  dattet  jämerllke  anteschricn  funk, 
un  de  Frü  würd  auk  boes  un  schlauch  up  dat  Unner- 
aersken un  dat  schrej  auk.  Un  se  schlaugen  beid  ümmer 
tau,  bet  dat  de  Unneraersken  updlest  do  Frü  oer  Kint  int 
Wäter  smiten  deen,  un  dö  dat  Unneraersken  6k  rin  smet, 
un  se  man  beid  schnell  taupacken  muston,  dat  se  oere 
Kinner  weddor  kröjen.  Un  as  se  dei  nu  harren,  dä  faur 
de  Frü  nä  Hüs,  un  bat  sik  kein  Unneraersken  wedder 
bi  oer  seien  läten. 

XuS  Sroincmünbe:  Äu&n  unb  Scb  warft,  9torbb.  Saarn  9ir.  36.  II. 

88. 

Unteurbtfd)cr  Ijoft  eine  $ebeamme. 

$n  einem  3)orfe  lebte  ein  armer  üttann  mit  fetner  £odjter, 
einer  £ebamme,  benen  e«  fe§r  fümmerlii^  unb  bürftig  ging.  Sine« 


73 


ftadjt«  nun,  gegen  elf  U$r,  Köpfte  e«  an  bie  ©tubentljür,  unb  herein 
trat  einUnnerörsken,  ein  gang  Heine«  SWfinndjen,  mit  einer  Laterne 
in  ber  §anb,  unb  bat  ba«  ÜRäbdjen,  e«  möge  feiner  %vaü  bei 
tyrer  (Sntbinbung  Reifen. 

Die  ^ebeamme  billigte  barin  ein  unb  fragte,  mo  benn  ber 
Sagen  märe,  auf  bem  er  fie  311  feiner  2Bol)nung  fahren  motte. 
„O,  mir  fyaben  e«  nicfyt  fo  feljr  meit",  ertotbertc  ber  Unterirbifdje, 
„mir  geljen  ba«  (5nbd>en  gu  %ü$e;  id)  geige  mit  ber  i'aterne 
ben  2Seg." 

Da«  yJiäbc^en  maä)te  ftdj  fertig  unb  folgte  bem  SHänndjen. 
@«  ging  immer  genau  gerabeau«  eine  breite  fdjöne  (Straße  entlang, 
bie  an  beiben  Seiten  bidjt  mit  Käufern  unb  93äumen  befefet  mar. 
Dann  mürbe  ber  ©eg  auf  einmal  etma«  abfcfyüfftg,  unb  in  menig 
$(ugenblicfen  befanben  fidj  beibe  in  ber  SBoljnung  be«  gmerge«, 
mo  bie  Heine  unterirbifcfje  ^rau  fdjon  mit  <©el)nfud)t  auf  bie  Slnfunft 
ber  §ebeamme  martete.  Diefe  oerriajtete  fdmett,  ma«  i^rcö  Slmte« 
mar,  unb  mürbe  fobann  oon  bem  Unterirbifdjen  gefragt,  mie  oiel 
fie  gum  i'oljne  oerlange. 

„®ar  nidjt«",  antmortetc  fie,  „bie  Heine  9)?iu)e  brauet  mir 
md>t  oergolten  gu  merben".  „Sflun,  bann  Ijebe  beine  ©djürge  auf," 
entgegnete  ba«  ÜHänndjen,  unb  fdjnell  füllte  e«  biefelbe  mit  bem 
3Wüll,  meiner  in  ber  ©tubenecfe  lag.  Darauf  begleitete  e«  mit 
feiner  i'ateme  bie  4>ebeamme  mieber  auf  bemfelben  SßJege  bi«  gu 
it)rer  Söolmung  gurücf,  unb  —  oerfdjmunben  mar  e«. 

Neugierig  forfd)te  ba«  üftäbdjen  jefct  nadj,  melden  $Seg  fie 
eigentlich  gegangen  fei,  aber  fie  modjte  fid}  oon  it)rer  $f)üre  au« 
naa)  jeber  ^immelöric^tuug  menben,  oon  ber  fdjönen,  breiten  Straße 
mar  nidjt«  met)r  gu  erblicfen.  Sie  fe^rte  barum  gu  i^rem  Später 
gurücf,  ergät)lte  it)m,  mie'«  it)r  gegangen  fei,  unb  fdjüttete  ben  ^n^alt 
ber  Sdjürge  oor  ifyn  au«.  Da  mar  e«  aber  fein  SWüll  mel)r,  ber 
auf  bie  (Erbe  fiel,  fonbern  lauter  blanfe«,  gemüngte«  ©elb,  fo  ba$ 
fie  beibe  tljr  gange«  Seben  lang  feine  ftot  meljr  gu  leiben  brausten. 

üRünblia)  au«  3abel$borf,  tfreis  «onboro. 

89. 

»cdrfel&alg  läßt  ftd>  8d)ul|f^IarTen  foifjen. 

(Eine  ©auerfrau  tjatte  nidt)t  redjt  91d}t  auf  tyr  neugeborene« 
ßinb  gegeben,  unb  fo  mar  e«  gefommen,  baj?  eine«  £age«  flatt  be« 


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74 


Woljlgebilbeten  SWenfdjenfinbeS  ein  abfcfjcultdjeö  Unnerdrsken 
in  ber  Siege  lag.  9?un  fing  baS  Unglücf  in  ber  Familie  an.  Der 
2Bed)felba(g  würbe  tro|j  feiner  gewaltigen  (£i?(uft  nidjt  größer  imb 
»erlangte,  Xag  unb  9?ad)t  gewiegt  gu  werben.  2^at  man  ifjm  nidjt 
feinen  Sillen,  fo  fdnie  unb  brüllte  er  fo  entfefclidj,  bafj  fdjliefjlid), 
um  nur  wieber  SRutye  im  $>aufe  311  ljaben,  jemanb  bie  Siege  in 
^Bewegung  fefcen  mujjte. 

3lud)  machte  ber  Uuterirbifdje  ans  feiner  SBoStyeit  gar  feinen 
$)el>l.  .Qm  ©egenteil,  er  fdjrie  feinen  Pflegeeltern  au«  ber  Siege 
ju:  „Senn  ifn*  midj  nidjt  orbentlidj  Wiegt,  fo  fdjreie  idj  fo  lange, 
bis  iljr'S  getljan  f>abt".  ferner  befaßt  er  alle  Sage,  wetdjeS  ©ericfyt 
man  iljm  jum  üftittageffen  bereiten  foüe. 

Stuf  biefe  Seife  waren  oiele  Qatyre  oergangen,  unb  eS  modjte 
mit  ber  3eit  bem  Sedjfelbalg  langweilig  in  feiner  Siege  geworben 
fein;  benn  eines  borgend  fprad)  er  ^ur  ^Bäuerin:  „Senn  bu  mir 
Ijeute  <Sd)uf)fd>larren  focfyft,  fo  oerfdjwinbe  icfy.''  Die  arme  ftrau 
lief?  fid)  baS  ntc^t  zweimal  fagen,  foa^te  baS  feltfame  ©eridjt,  fefete 
eS  bem  Sedjfelbalge  oor,  unb  fort  war  er.  $n  bemfelben  Äugen» 
blicfe  ftanb  aber  aud)  ü)r  richtiger  ©oljn  als  frrammer,  ausgeworfener 
Surfte  oor  ber  ^rau;  benn  bie  Unterirbifdjen  burften  benfelben 
oon  ber  ©tunbe  an,  ba  ber  Sedjfelbalg  gu  tynen  jurüdgefetyrt  war, 
nidjt  me§r  bei  fidj  behalten. 

ßbenbaljer. 

90. 

«Swei  SWäbdfen  werben  oon  bcn  Unlcrirbtfdjen  50  ©etmtter 

gebeten. 

3wei  ÜJMbcfyen  ^arften  Kartoffeln.  Da  falj  bie  eine  Oon  ü)nen 
eine  bicfe  Ijäfjlidje  Äröte  üorbetljttpfen.  ©djnett  eilte  fie  mit  ü?rer 
§a<fe  hinter  bem  armen  Xtere  $er,  um  eS  gu  erfdjlagen.  Dodj  bie 
©efä^rttn  ©erwehrte  eS  iljr  unb  erinnerte  fie  an  ben  alten  ©prudj: 
„SaS  bu  nidjt  willfit,  bafj  man  bir  t^u,  baS  füg'  audj  feinem 
anbem  $u"  unb  erreia^te  audj  wirflid),  bafj  baS  üKäbdjen  bie  $röte 
ungetyinbert  entlaufen  lie§. 

Einige  Sodjen  nadj  biefer  Gegebenheit  fam  eine  Heine  ftrau 
oon  ben  Unnerßrsken  ju  ben  beiben  unb  (ub  fie  311  ©eoatter. 
Die  3J2äba^en  befannen  fia)  nia)t  lange  unb  willigten  ein,  unb  fort 
ging'S  unter  ben  ftfuerfjerb,  in  ba§  sJtei<§  ber  Keinen  Seute.  $ier 


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75 


waren  fdjon  alle  SJorfehrungen  ju  ber  fteftlichfeit  getroffen,  unb  für 
bie  beiben  ÜJienfchenfinber  wäre  e«  ein  recht  fröhliche«  ftinbelbier 
geworben,  wenn  nicht  bie  $irne,  welche  bamal«  nach  ber  ÄrÖte 
fchlagen  wollte,  jufällig  in  bie  .§öfye  gegueft  I)ätte. 

©ogleidj  fc^rie  fie  laut  auf,  beim  über  if>r  hing  an  einem 
bünnen,  feibenen  ftaben  ein  fetterer  3Wü^ljiein,  unb  flehentlich  bat 
fie  bie  Unner£rsken,  tt>r  einen  anberen,  minber  gefährlidjeu 
^Jfafe  anjuweifen.  Äaum  ^atte  man  ihrer  ©itte  n?iüfat)rt,  fo  fiel 
auch  ber  Stein  herab,  unb  fefct  fagte  bie  Meine  Unterirbifdje,  meldte 
fie  hinabgeführt  fyattt:  „Siehft  bu,  fo  märe  eS  bir  gegangen, 
wenn  bu  ntidj  bamal«  mit  bcr  $acfe  erfcr)lagen  hätteft.  $>och  ba 
bu  e«  fdjlieijlid}  noch  unterlaffen  ^afl,  fo  foll  bir  auch  m&  *n 
ber  ©ache  nicht«  nachgetragen  werben." 

2?on  ba  an  »erging  ba*  fteft  luftig  unb  heiter,  unb  traten 
weiter  feine  Störungen  mehr  ein.  $um  Sdjluffe  forberte  bie  Unter» 
irbifche  ihre  @äfre  auf,  mieber  in  bie  Oberwelt  jmrücfyuf ehren;  auch 
hiejj  fie  bie  aWäbdjen  bie  Schürte  mit  bem  flehridjt  füllen,  ber  in 
ber  Stubenecfe  lag.  £)erfelbe  werbe  fidj  oben  in  ©olb  fcerwanbefn. 
$ie  üWäbchen  gehorchten  unb  fchütteten  wirtlich,  als  fie  in  ber 
Gliche  bie  Schürten  ihre«  Inhalt«  entleerten,  eine  grojje  3Waffe 
©olb  auf  ben  ftufeboben,  fo  ba§  fie  genug  baran  Ratten  ihr 
?eben  lang. 

öbetibatjet ;  ganj  ähnlich  auch  in  oroincmünbc  betannt:   $gl.  fluhn  unb 
©ebroatfe,  florbb.  Sagen  8.  321.  91r.  2. 


91. 

$te  Itnterirbifchen  febenfen  einem  Äned)t  eine 
ftanne  Sraunbier. 

2ln  einem  h«fcn  löflc  pflügten  $wei  Änechte  mit  ihren  Ochfen 
auf  bem  ftelbe  unb  holten  feinen  ÜTropfen  ©affer,  um  ihren  $>urft 
$u  fiillen.  $a  feufjte  ber  eine  oon  ben  beiben  fo  redjt  tief  auf: 
„O,  hätte  ich  mir  «nc«  Weinen  Sd)lucf  S3ier,  wie  wäre  mir  wohl!" 
Äaum  halte  er  biefen  ©unfeh  ausgebrochen,  fo  fam  ihnen  auch  *in 
recht  lieblicher  Geruch  entgegen  geftrömt,  wie  wenn  ba«  fdjönfte 
SBraunbier  bicht  bei  ihnen  gebraut  würbe,  unb  bodj  war  woht 
meilenweit  feine  Brauerei  in  ber  gangen  ©egenb  ju  finben. 


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76 


9(1$  bie  Äned)te  nun  ifjre  3rurd)e  ootlenbet  Ratten  unb  toieber 
in  bie  SWälje  bcr  Stelle  jurücffamen,  mo  ber  eine  feinem  Verlangen 
nad)  einem  guten  HErunfe  fo  lebhaft  Sluäbrucf  »erliefen  Ijatte,  ftanb 
ba  eine  gierlia^e  &anne  oon  reinem  Silber  unb  angefüllt  mit  betn 
foftlufyften  53raunbier.  £)a$  Ratten  bie  Unnerörsken  lu'nge* 
ftellt,  meld)e  gerabe  unter  biefem  $elbe  iljre  ©rauerei  Ratten  unb 
ben  ©unfdj  beö  burftigeu  JftnedjteS  erfüllen  moUten.  ftiefer  liefj 
fidj  audj  nidjt  lange  nötigen,  ergriff  ba8  ©efc^trr  unb  tranf  baraus 
unb  reidjte  bann  aud)  feinem  ©enoffen  511m  Soften  bar. 

92adjbem  fie  bie  Äanne  geleert  unb  auf  ben  Grbfroben  geftellt 
Ratten,  tf>at  e£  bem  einen  Snedjte  leib,  baö  fd)öne  Silbergefäfj  lieber 
au8  ben  £änben  311  laffen.  Gr  fefcte  e«  barum  bei  Seite,  um  eö 
nadj  Söeenbigung  ber  Xage£arfreit  mit  nad)  $>aufe  ju  nehmen.  $118 
er  jebodj  $ur  5cicra^cn^^3e^  °'e  $anne  Ijeroorljclen  toollte,  n?ar 
fie  nirgenbs  melir  $u  fefyen;  bie  Unterirbifd>en  Ratten  fie  in  it>r 
flleidj  jurüefgenommen. 

Cbcnbaljer. 

92. 

ScgräbiiiS  frei  ben  ttHlcrtrbtfdjen. 

S)ie  Unnerersken  ljaben  iljrc  SÖoljnuug  unter  bem  fteuer* 
!>erb  unb  finb  arge  Sh'idjenbiebe,  t>or  benen  man  fid)  niajt  forgfältig 
genug  in  ad)t  nehmen  fann.  Sie  finb  babei  fo  habgierig,  ba§ 
fie  t>äuftg  me^r  ftefylen,  als  fie  füglid)  baoon  bringen  fbnnen,  unb 
bann  babei  $u  Stäben  fommen.  ©0  erblicfte  ein  Sauer  einft  ein 
Unnerörsken,  »oelcfyeS  unter  ber  £aft  beS  geraubten  OtoteS  $u* 
fammenbraa)  unb  infolge  beffen  auf  ber  Stelle  feinen  ©eifl  aufgab. 

©8  bauerte  nidjt  lange,  fo  tarn  ein  anberer  Unterirbifcfier  ba$u, 
fHmmte  ein  grofeeS  Älagegefdjrei  an  unb  rief  babei:  „O  tuäreft 
bu  bo$  jtoeimal  gegangen,  fo  wäre  bir  baS  Unglücf  nidjt  juge* 
ftofcen,  unb  bu  fönntefl  bidj  nodj  beineS  bebend  freuen."  Sobann 
nafym  er  bie  £eidje  feines  flameraben  mit  ft$,  um  fie  auf  bem 
Äird^of  ber  Keinen  tfeute  feierlich  beftatten  $u  laffen. 

Solche  $ird$öfe  merben  bei  (Erbarbeiten  nod)  häufig  auf« 
gebeeft,  unb  jroar  finb  eS  lauter  Heine,  irbene  Xöpfe,  Aschpötte 
genannt,  in  benen  bie  Überrefte  ber  Unnerersken  rufyen. 

Gbettbaljer. 


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77 


93. 

$ie  §nngerl}arfe. 

^ni^er  fanntc  man  bie  große  Sd)leppharfe  nod)  nirgenb« 
im  £anbe,  unb  fie  ^et§t  barum  aud)  altgemein  nur  bie  ^mngerharfe, 
toeil  bie  tfeute  jefct  fo  geizig  geworben  finb,  baß  fie  nidjt«  mehr 
auf  bem  $elbe  surürf (äffen  wollen. 

2lm  empfinblichften  finb  burd)  bie  §ungerharfe  bie  fleinen 
Unner£rsken  getroffen  morben,  welche  fidj  fonft  bie  gurürfge* 
bliebenen  §a(me  oon  beu  (Stoppelfeldern  auffammelten  unb  bantit 
ihren  23ebarf  au  SJrotfom  beeften.  9hm  ihnen  biefe«  Diabrung«* 
mittet  burdj  bie  ^mngerharfe  gänjlidj  entzogen  ift,  fjört  mau  faft 
nichts  mehr  oon  ihnen.  $£ahrfcf>einlich  finb  fie  alte  junger«  ge* 
ftorben  ober  bod)  wenigfteu«  in  ein  anbere«  l'anb  audgewanbert. 

Gbenbafjet. 

94. 

$ic  ttflerfen«  bei  $oef. 

Die  f leinen,  in  ber  Grbe  wohneiiben  unb  bem  SRenfdjen 
freunbtichen  .ßwerge  werben  in  mannen  ÖJegenben  Bommern«  Don 
ben  ßeuten  Üllerfen«  genannt.  ü)?an  finbet  fie  an  oielen  Orten; 
faft  bei  jebem  Serge  erjäljlt  mau  etwa*  »on  ihnen. 

$m  ©lanbomer  See  bei  bem  Dorfe  Soef  liegt  ein  Serg,  in 
welkem  aud)  Üllerfen«  finb.  3?or  nod)  tuc^t  oielen  ^a^ren  wohnte  am 
Crnbe  biefe«  Dorfe«  eine  alte  ^rau,  mit  ber  fie  gute  $reunbfd>aft 
gelten,  «sie  befugten  biefelbe  oft  unb  baten  fie,  if>nen  einen  ©aef* 
trog  $u  leiten.  Die  ^rau  t^at  ba«  gern  unb,  al«  fie  ifjr  am 
anbern  SWorgen  beu  Xrog  jurücf  brauten,  Ratten  fie  au«  Danfbar* 
feit  ein  fchöne«,  feine«  99rot  hineingelegt. 

(Ein  anbermal  hörte  biefe  ftrau,  wie  be«  SJadjtS  unten  in 
ihrem  Äeller  SDiufü*  unb  fonftige«  ©eräufch  mar.  Sie  ging  baljer 
hinunter,  um  gu  fef>en,  wa«  e«  ba  gebe,  unb  erblicfte  burdj  eine 
©palte  ber  $hür,  baß  ber  Heller  tfeit  erleuchtet  unb  tooller  ÜUer* 
fen«  mar.  ©in«  oon  Urnen  faß  auf  einem  ftaffe  unb  geigte,  unb 
bie  übrigen  tanken  unb  fpielten  unb  fchmauften. 

Die  ftrau  beging  nun  bie  Unüorfid)tigfeit,  baß  fie  mit  ihrer 
t'ampe  in  beu  Äeller  hineintrat.  Da«  frembe  £id)t  fonnteu  bie 
IWerfen«  nicht  oertragen;  fie  oerfchmanben  be«f>alb  augenblicflich  unb 


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78 


löfdjten  ihre  dichter  unb  aud)  bte  ?ampe  ber  ^rau  au8,  baß  fic 
faum  aus  ber  ftinfterniS  fiefc)  mieber  ^erauSfinbcn  tonnte.  Söfe 
maren  fie  aber  ntcf>t  geworben;  benn  als  fie  am  onbern  ©Jorgen 
in  ben  ÄeUer  juriicfging,  fanb  fic  barin  fdjöne  «Sachen,  meldte  bie 
ÜllerfenS  Hu*  gum  ©efdjenf  gurücfgelaffen  Ratten. 

Scmme,  $o!t*faaen  Wx.  217. 

9ö. 

3»etg  2Wand. 

$n  ber  ftetjr&erger  $orft,  im  ÄreiS  ©reifenhagen,  liegen  bie 
Üftüngenberge.  $ort  trieben  einft  bie  berüchtigten  Räuber  ÜWüng 
unb  @a)n?Qrj  mit  itjren  ©piefcgefetten  ihr  2Öefen.  3CDCn  ©anbercr, 
ben  fein  SBeg  burd)  ben  Söalb  führte,  plünberten  fie  aus,  erfd)Iugen 
tt)n  unb  warfen  feinen  Ceidjnam  in  einen  fleinen  $fut)l,  ber  nod) 
btd  auf  ben  heutigen  Jag  ber  SRäuberpfuIjt  t)ei^t.  $ie  geraubten 
$oftbarfeiten  aber  bargen  fie  in  ihrer  $)ö^te  im  $nnern  be8  SergeS. 

(Eineö  £ag8  Ratten  bie  9?äuber  einem  reichen  Sauern  aus  ber 
Umgegenb  fo  mit  gefpielt;  bod)  weit  er  ein  fernerer  3D?ann  unb  ber 
Jteict}  weit  entfernt  mar,  fo  ließen  fie  feinen  naeften  tfeidmam  im 
S3ufd)njerf  liegen.  3)er  Sauer  mar  aber  nicht  tot,  fonbem  nur 
betäubt;  unb  als  er  fiel}  toteber  erholt  fmtte,  machte  er  fid)  auf  ben 
2Seg  gum  dürften  unb  geigte  it)m  bie  Untaten  ber  Sanbe  an.  3)er 
tjrürß  lieft  foglctd)  ©olbaten  rufen,  fiellte  fid)  felbft  an  it)re  ©pitye 
unb  30g  mit  ihnen  unter  5*"?rong  be$  Stauern  in  bie  ftehrberger 
ftorft  hinein. 

ber  9Jätye  ber  SRüngenberge  machten  fie  t)a(t  unb  ent« 
marfen  ben  ©djladjitplan.  $)er  Sauer  riet,  ber  ^ürft  fotle  mit 
ber  SD^ehrgal)!  ber  ©olbaten  am  (Singang  ber  $öt)(e  Sache  t)alten, 
unterbe£  motte  er  mit  brei  entfctjloffenen  Sönnern  auf  ber  anbern 
©eite  be8  Sergej  einen  ©c^act)!  in  ben  §üget  graben  unb  ben 
Räubern  in  ben  Würfen  faden.  $)er  fRat  gefiel,  ber  Sauer  wählte 
[ich  brei  ftarfe,  mutige  Ceute  au£,  machte  fict)  mit  it}nen  auf  ben 
3Beg  unb  begann  ben  ©ang  in  ben  Serg  gu  führen.  Sil«  fie  eine 
furge  $eit  gearbeitet  hatten,  gab  ba$  Grbreict)  nad)  unb  fie  fließen 
auf  einen  finftern  SRaum.  $töfe(id)  aber  marb  e$  tyü  um  fie  her, 
unb  ein  Keiner  ßmerg,  mit  einem  Cidtt  in  ber  $>anb,  ftanb  bor  ihnen 
unb  fragte  nad)  ihrem  Segehr. 


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* 


79 


„SBtr  wollen  ben  SRäubern  in  bcn  dürfen  fallen",  fagte  bcr 
Sauer  unerfdjrocfen;  „aber  wer  bift  bu  unb  wie  fommft  bu  Ijicr 
$er?"  —  f>eif?e  ÜWan«,"  erwiberte  ber  Uuterirbiföe,  „unb 
bin  ber  ©d/a^üter  ber  SRäuber.  2)a«  finb  alle«  gewaltige,  ftarfe 
©efellen,  barum  fe^rt  nur  wieber  um  unb  feib  fro$,  bafc  iljr  eudj 
nidjt«  mit  tynen  gu  Raffen  ma^en  brauet."  Hl«  9ftan«  jebo$ 
falj,  bafe  bie  i'eute  fi$  bur$  feine  hieben  nidjt  einflüstern  liefen, 
fprad)  er:  „9iun  gut,  fo  lauft  benn  bem  Unglücf  in  bie  Sirme; 
ben  2öeg  in  bie  ftö^te  will  id>  eud}  gerne  weifen." 

9iad/bem  er  bie«  gefagt  Ijatte,  fdjritt  er  mit  feiner  l'eudjte 
»oran,  unb  bie  anbern  folgten  iljm.  ©«  bauerte  titelt  lange,  fo 
flanben  fie  bor  einer  fdjweren  X$ür.  „Öffnet  biefe  Pforte,  unb  ifyr 
feib,  wo  iljr  wollt,"  rief  ber  3werg,  unb  bamit  oerfdjwanb  er. 

Üticfctig,  al«  ber  Sauer  bie  Stytre  aufgeflinft  Ijatte,  flaute 
er  in  einen  weiten,  $ell  erleudjteten  ©aal,  in  weldjem  attünj  unb 
©djwarj  mit  swanjig  ©pießgef  eilen  oor  einem  langen  £ifd>  fa&en 
mib  ©elb  abgälten,  ^n  bemfelben  Slugenbtitf  ftürjte  aber  auü) 
ber  ftürfi  mit  feinen  ©otbaten  burd)  ben  $aupteingang  hinein  unb 
fiel  über  bie  Wäu&er  $er. 

£)ie  überragten  SWänner  wehrten  fi$  ^etbenmütig;  bo$  tyre 
£apf  erfeit  $alf  iljnen  gu  nid&t«,  benn  um  fidj  tyrer  ftetnbe  ton 
oorn  unb  im  dürfen  erwehren  ju  fönnen,  baju  war  tyre  3a$l  &u 
gering.  (Sie  alle  würben  niebergemefeelr,  unb  ber  ©elbtyaufen  auf 
bem  fciföe  fiel  in  bie  $änbe  ber  Sieger.  $ie  unermefjlid&en 
weld&e  «ßwerg  üRan«  $ur  ©ewa^rung  tyatte,  erhielten  fte 
aber  ni$t,  benn  ntrgenb«  war  eine  ©pur  ton  tyrem  Hägerort  unb 
bem  ©c^a^Ater  au  finben.  SRo$  bi«  auf  ben  feurigen  lag  liegen 
biefe  ftoftbarfetten  in  ben  SOWlnjenbergen,  unb  no$  immer  werben 
fie  oon  bem  3toer8  2Ran*  «*  M«er  $ut  gehalten. 

sIRünbIitfe  au*  ©teinnxbr,  JcteiS  Ofreifenfjaoen. 

96. 

3>te  äUefen  *<t  »mrieiAerg. 

Unweit  ©Ortenberg,  im  ^ttrifcer  Äreife,  befinbet  fi$  eine  alter* 
tümlidjeSBefefHgung,  bie  bort  allgemein  unter  bem  Warnen  ©djweben* 
Wanje  befannt  ift  unb  au$  für  einffierf  au«  ber  3eit  be«breifjig* 
jährigen  Striege«  gehalten  wirb,   fraß      ^er  9Ritte  biefe«  alten 


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80 


SBalleS  fteigt  ein  Meiner  runber  ©erg  auf,  welcher,  obfdjon  teilweife 
abgetragen,  immerhin  noch  über  hunbert  ftufc  t)°dj  ift.  Hn  ber 
«Scfjange  unb  bem  ©erg  fyaften  allerlei  Sagen. 

©efonberS  m'el  ergäbt  man  fid)  t?on  Keinen,  unterirbifchen 
Söefen,  Ü  Hefen  genannt,  welche  in  früheren  Reiten  b°r*  ^ren 
$Öot)nfife  gehabt  haben  follen.  8ie  beunruhigten  bie  ©ewotjner  beS 
^orfeö  befonberS  gur  ^fadjtgeit,  unb  wenn  bie  erboften  i*eute  ftdj 
rächen  wollten,  ftc^  gur  3öehre  festen  unb  bie  ÜUefen  angriffen,  fo 
waren  biefelben  plöfelich  oerfchwunben ;  benn  fie  befajjen  allefamt 
bie  ©abe,  fid)  urtflr^tbar  machen  gu  fönnen. 

(Sin  alter  SBJirt  ergät)lte,  bafj  eines  ber  ÜUefen  einmal  mit 
einem  fleinen  ©äff  erfrag  auf  ben  $of  beS  dauern  $enf  dj  gefönt* 
men  fei,  um  au«  beffen  ©rannen  Sxinfmaffer  gu  fd)öpfen.  ©eil 
eö  jebodj  verfolgt  worben,  babe  es  ben  fdjon  gefüllten  Ärug  an  ber 
@cfe  beS  ^aufeS  ftetjen  gelaffen  unb  fei  Derfdjwunben  gewefen.  £aS 
©efäjj  aber  habe  man  noch  lange  Qeit  gum  2(nbenfen  an  ben  merf* 
würbigen  SSorfali  auf  bem  betreffenben  £ofe  aufbewahrt. 

©alt.  Stubicn.   1846.  fceft  n.  ©.  184. 
97. 

$>te  ÖOerfen  g<U»fcn  ©ier. 

$m  ©eigaefer  »erben  bie  $werge  Ö  Herfen  genannt.  Sfttt 
biefen  ift  einmal  in  bem  2)orfe  Sartenberg  eine  benfwürbige  ©e* 
fchidjte  gugetroffen.  $n  bem  §ofe  beS  ©auern  §enfd)  waren  bie 
Öllerfen  nämlich  gewohnt,  au«  bem  ftaffe  im  Seiler  fic^  ©ier  für 
i^ren  häuslichen  ©ebarf  gu  gapfen.  (SineS  £ageS  waren  Wieberum 
gwei  ber  «einen  Ceute  mit  biefer  Arbeit  befchäftigt,  als  plitylidj  ein 
Dritter  hingu  trat  unb  rief:  „Töws!  Purr  Murr  is  dödl"  Äaum 
hatten  ber  Slngerebete  unb  fein  ©enoffe  bieS  gehört,  fo  liegen  fie 
auch  ©iergapfen  unb  oerfdjwanben,  unb  niemals  fyat  man  feit 
ber  $eit  wieber  etwas  oon  ben  Öüerfen  gehört. 

9?ur  ein  Slnbenfen  an  fte  würbe  bis  in  unfere  3eit  fymem  m 
bem  ©auerhofe  beS  $>enfd)  aufbewahrt,  nämlich  ber  Serag  (Krös), 
ben  bie  Öllerfen  in  ihrer  großen  <5ile  mitgunehmen  öergeffen  hatten. 
Gr  war  fet)r  altertümlich  geformt,  auch  *°ar  "nc  Snförift  auf  ihm 
eingegraben,  bie  jebod)  ton  niemanbem  entziffert  werben  fonnte.  Leiber 


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81 


ifi  ba$  merftoürbige  ©efäp  bei  bem  ©ranbe,  tx»efc^cr  ba«  ©efjöft 
be«  $enfd>  »or  einigen  3<ü)rgelmten  in  21faje  legte,  mit  gu  ©runbe 
gegangen. 

SDtünblic^  au§  ©Ortenberg,  ftreis  ^orifc. 
98. 

$ie  ge$n  Öflefe«  int  fiinbeuberg. 

3m  l'inbenberg,  auf  bem  SBege  oon  tfoüin  nadj  Äruffoto, 
motten  früher  getyn  Ö  liefe  3.  ©ie  ßanben  mit  ben  Sewoljnern 
ber  betreffenben  Dörfer  auf  fetyr  freunbfdjaftlidjem  5ufce-  ©efon» 
ber«  häufig  famen  fie,  um  fid)  einen  93a<ftrog  gu  borgen  unb  fonfüge 
(SJeräte,  roeldje  gum  ©aden  gehören.  $lud)  fte  Ratten,  ttrie  alle 
3merge,  bie  fdjlimme  ©igentümlidjfeit,  ben  3Renfd)en  iljre  flinber 
gu  fielen.  Die  2Öed)felbätge,  n>eld)e  fie  ftatt  ber  geflogenen  Äinber 
in  bie  Siege  legten,  nannte  man  Weiszkoepe  (SBeifefäufer). 

SJlünblid)  aus  ^rilupp,  ffrei§  $qtife. 
99. 

$te  Uuterirbifrf)cn  bei  Scrnftetn. 

3n  ber  ©egenb  ber  ©tobt  Sernftein  galten  fid)  oiete  fleine 
3»erge  auf,  toeld)e  oon  ben  Acuten  bie  Unterirbifdjen  ge* 
nannt  toerben.  Giner  oon  tynen  fam  einfien*  auf  lange  3eit  gu 
einem  armen  ©d)uf>mad)er  unb  Ijalf  i§m  bei  ber  Arbeit,  fo  bafc 
ber  SWaim  fdjon  anfing  gu  ©elbe  gu  fommen.  Da  fiel  e«  tym 
rö»,  ftd)  9^gen  ben  Äleinen  banfbar  gu  betoeifen,  unb  er  lief  tym 
einen  $fibfd)en  neuen  SRocf  madjen. 

©o  etma«  Wimen  bie  Unterirbifdjen  iebod)  ntdjt  oertragen- 
SWS  ber  3»^9  °*n  ^^rf  befam,  ging  er  baljer  fogleid)  fort  mit  ben 
Korten:  „ÜReifter!  9fom  $aft  bu  mid)  abgelo^nt,  nun  ift  e«  mit 
ber  Urbeit  au$!"  —  <£r  fam  aud)  nid)t  toieber. 

2cmme,  «oltSfaaen  9lr.  218. 

100. 

$ie  brei  9iinge  gu  $anfiu. 

©ine  ÜReile  oon  ©targarb,  nad)  Djlen  Ijin,  Hegt  ein  großes 
Dorf  mit  einem  alten  unb  aufefynüdjen  ©djloffe,  $anfin  ge^eifjen. 

6 


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82 


35afifelbe  gehörte  früher  bem  ^oljanniterorben,  tourbe  aber  nad^er 
ein  Sorffdje«  £e$en  imb  ifl  jefct  im  ©efifce  ber  ftamilie  *wi  $utt« 
tammer. 

Stuf  biefem  ©djloffe  lebte  oor  3etten  ^  Sfräuletn.  £>er 
«rfdjien  in  ber  92ac^t  ein  ©eift,  toetdjer  il>r  gebot,  aufjufleljen  unb 
il)m  in  bie  Stirpe  $u  folgen.  Anfang«  freute  ftd)  ba«  ftraulein, 
auf  fein  britte«  ©ebot  getyorfye  fte  aber,  SBie  fie  nun  in  bie  Äirdje 
trat,  ba  fa$  fie  am  Altäre  ein  ^euer  brennen,  unb  ber  ©eiji  gebot 
ityr,  bafe  fie  $u  bemfelben  tn'nge^en  unb  ifjre  <5d)ür$e  mit  ben  gtufjenben 
Äoljlen  füllen  fotte.  Gr  ermahnte  fte  babet,  ba§  fie  beim  Seggefyen 
fict)  nidjt  umfe^en  bürfe.  $a«  fträulein  tljat  $roar  anfangs,  wie 
ü)r  geheißen  mar;  als  fie  aber  $ule$t  au«  ber  £ir$e  l)erau«ging, 
ba  tonnte  fie  ntd)t  miberfteljen,  fid)  no<$  einmal  urnjubtiefen.  Mein 
auf  einmal  fielen  ade  Sorten  auf  bie  <£rbe  unb  oerlöfdjtcn;  nur 
brei  tonnte  fie  geföroinb  aufgreifen. 

211«  fie  mit  biefen  in  ba«  <5$loß  jurütf  fam,  ba  toaren  e« 
brei  gotbene  SRinge.  9ln  biefen  brei  fingen  fcängt  feitbem  ba«  ©lücf 
ber  ftamilie,  bie  Da«  <Sd)lojj  befifct.  SDarum  tourben  fie  mit  gro§er 
Sorgfalt  aufbetoatyrt.  $ennodj  ift  einer  Oon  iljnen  einmal  oerloren 
gegangen.  ©leid)  barauf  entjtanb  im  $orfe  eine  fdjrecflidje  fteuer«* 
brunft,  unb  ba«  ©djlojj  befam  einen  grofcentöifc.  9ttan  fdjufte  bie 
beiben  anbern  infolge  beffen  in  ein  JMoftcr;  julefct  $at  man  fie 
aber,  bamit  fie  gar  nietyt  Oertoren  ge^en  tonnten,  in  bem  ©djloffe 
eingemauert. 

9Wan  fagt,  ber  ©eift,  ben  ba«  Fräulein  gefe^en,  fei  einer  oon 
ben  fleinen  Unter  irbifd)en  getoefen,  beren  e«  in  ber  SEBiefe  bei 
^anfin  $u  oielen  ^unberten  giebt  ftnbere  behaupten,  ta«  ^räuletn 
Jjabe  gar  feinen  ©eift  gefetyen;  aber  e«  tyabe  Ujr  in  brei  9?äd)ten 
nadjeinanber  geträumt,  bafj  fie  fo  Jtmn  folle,  toie  fie  Hadder 
g,etl/an  l)at.  3ie  tyfitte  audj  nic^t  in  bie  ßird>c  ge^en  follen, 
fonbern  auf  bie  ©iefe,  in  melier  bie  Untertrbifdjen  toofyien. 
Stöie  fte  nun  toieber  flurüefgegangen,  ba  fyabe  fie  auf  einmal  einen 
großen  Raufen  oon  biefen  fleinen  üftänntein  gefetyen.  darüber  foll 
fie  fo  erfdjrocfen  fein,  bajj  iljr  alle  Äotylen,  bi«  auf  bie  brei,  ent* 
fallen  finb. 

Semme,  »olfäfaflen  9h.  206. 


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83 


101. 

$tc  Ütfefe*  int  SäUiltubtt%  frei  £abe*. 

3m  Stettenberg  bei  £abe*  wohnen  bie  Üllefe*.  (Einft  fant 
<ine  arme  2)refdjerfrau  au*  $öfyle  bei  ©djicfelbein  in  bie  ffiodjen, 
3U  berfclben  3«^  <*I*  <*ud)  «ne  oon  ben  Reinen  ÜUefe«  mit  einem 
ftinbe  niebergefomtnen  mar;  unb  ba  bie  $)refd)erfamilie  auf  ben 
©äugüng  nidjt  redjt  Obadjt  gegeben  ^atte,  fo  oertau|d)ten  bie  Meinen 
Seilte  bie  ftinber.  £>a  mar'*  benn  fein  2Bunber,  baß  bie  2)refdjer« 
frau  tvofc  alter  SD2ü$e  ba«  ftinb  nidjt  junt  ©ebenen  friegen  fonnte. 
<5*  war  unb  blieb  mißgejtaltet  unb  Hein. 

2?on  bem  betrug  ber  Üllefe*  a^nte  fie  jebodj  ntdjt*. 
darüber  Härte  fie  erft  eine  ©eöatterin  auf;  benn  bie  tyatte  faum 
ba*  ftinb  gefe^en,  fo  fdjrie  fie:  mein  ®ott!  2öa*  giebft  bu 

bir  mit  bem  ©urm  nod)  2Jftu)e!  35a*  ifl  ja  ein  SBedjfelbalg  unb 
ton  ben  Üllefe*  im  Stettenberg  eingetaufdjt".  $od)  bie  ^rau  ent- 
gegnete ruftg:  „Ob  Üllefe  ober  nidjt,  ©ort  f)at  mir  ba*  ftinb 
fcefd)ert,  unb  idj  werbe  e*  gut  galten." 

SBeü  nun  bie  SKutter  ben  ©ed^felbalg  fo  liebeüoll  pflegte,  fo 
§atte  e«  au$  tyr  redete*  ftinb  im  ^Rettenberg  fe$r  gut.  3)a*  tourbe 
gefüttert  unb  getrfinft,  baß  e*  batb  ein  riefenftarfer  Surfte  warb 
unb  bie  Üllefe*  iljm  eigen*  ein  großes  3immer  in  tyrem  Serge 
bauen  mußten,  daneben  bergaßen  fie  aber  aud)  be*  Jftrigen  bei 
ben  $refä>r*leuten  niä)t;  fonbem  jebe*  Qa^r  an  feinem  Samens» 
tage  fegten  fte  iljm  ©elb  unb  ftteiber  jum  ©efajen!  auf  fein  ©ett; 
unb  ba*  mar  fo  oiel,  baß  ber  arme  2)refdjer  ba(b  baburdj  ein 
reifer  SKann  mürbe  unb  fidj  einen  großen  $of  faufen  tonnte. 

©o  maren  fdjon  oiele  Qa^re  oergangen,  ba  raffte  eine  ©eudje 
t>en  ffiedjfelbalg  fort,  unb  feine  Pflegeeltern  ließen  i$m  ein  djrifUidje* 
»egr&bui*  $u  teil  »erben.  £ann  ftarben  aud)  biefe  unb  alle  tyre 
ftinber,  unb  ber  $>of  mürbe  bereit*  oon  tyren  Urenfeln  bemirtfdjaftet, 
al*  eine*  Sage*  bie  Üllefe*  ju  bem  $refd>er*fo$n  fagten:  „©öre, 
beme  Cltern,  ©efa>)ifter  unb  beren  ftinber  finb  fa>n  alle  geworben, 
jefct  ift'*  aud)  für  btd)  3eit  auf  bie  ©bermelt  aurütf$ufe$ren".  Unb 
<tt*  fte  ba*  gefprodjen  Ratten,  nahmen  fie  i^n  bei  ber  $>anb  unb 
brauten  tyn  beim  töegafrug  bidjt  an  ber  Glmuffee  mieber  an  ba* 
£age*lidjt.  Dann  fagten  fte  ifym  nodj  SBefdjetb,  in  meldjer  9iid)tung 
*r  nad)  ^öljle  $u  gcf>en  fyabe,  unb  oerfcfjroanben. 

6* 


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84 


2Bie  ber  3Kann  nun  in  Qityle  anfam  unb  nadj  feinen  3?er* 
»ai'bten  fragte,  toufjte  itym  anfangs  niemanb  SBefäeib  $u  geben,  fo 
feftfatn  fant  aßen  fein  &u£fetyen  unb  feine  Spraye  tcr.  ©nbli<§ 
berftanb  man  tyn  unb  führte  ilm  auf  ben  $of  feiner  Sßerroanbten, 
unb  ba  ffellte  e8  ftdr)  benn  Ijeraug,  ba§  er  ganje  fyunbertfünfjig 
Oafjre  bei  ben  ÜllefeS  im  ^Rettenberg  jugebradjt  Ijatte.  £ange  geno§ 
er  jebod)  ba$  £eben  bei  ben  Seinen  nidjt  mefjr;  fd)on  nadj  adjt 
Jagen  raffte  tr)n  bie  ungeteilte  Cuft  unb  5Uteröfdjtt>äd)e  baljin. 

ffiinem  $3auer  au3  Sdjlöntoifc,  bem  audj  bie  Üllefeä  ein  Sinb 
umgetaufcbt  Ratten,  erging  e8  nidjt  fo  gut.  Gr  fd)lug  ben  ffiedjfel* 
balb  nämlid)  Xag  für  lag  unb  gönnte  iljm  feine  ruhige  Stunbe. 
$a8  fjaben  aber  bie  Meinen  £eute  gewaltig  übel  genommen  unb  itynt 
allen  möglichen  Sdjabernac?  angetljan.  2Benn  er  j.  93.  mittag* 
^lt\\d)  im  Steffel  Fodjen  lie§,  fo  jogen  fie  baSfelbe  lerauS,  nahmen 
e$  mit  ficf)  unb  warfen  bafür  alte  ?unfdjen  unb  Wappen  hinein  unb 
fo  me§r. 

211$  aber  ber  93auer  mit  ben  ÜHiftljanbtungcn  gegen  ben  Wede* 
foljn  gar  nic^t  nadjliefj,  fo  nahmen  bie  ÜHefeS  enblidj  ityren  ©enoffen 
nrieber  $u  fidj  unb  fducften  ftatt  feiner  ba«  redjte  Äinb  $urücf.  £>aS 
Gatten  fie  aber  im  Stettenberg  gerabe  fo  gemijjljanbelt,  wie  ber 
Söauer  ben  ©edjfelbalg;  unb  als  eS  bei  feinen  (Sltern  war,  fallen 
biefe  eS  barum  gang  rerrrfipppelt  unb  $erfdjlagen  oor  fidj  fielen, 
unb  ein  Krüppel  ift  eS  benn  audj  geblieben  fein  lebelang. 


Qie  Unneaerskens,  unten  in  ber  (Jrbe,  finb  früher  oft 
$u  ben  ÜHenfdjeu  gefommen  unb  Ijaben  gar  ein  lieblidjeS  unb  freunb» 
lidjeS  betragen  gehabt.  Oftmals  borgten  fie  fid)  baS  ©aefgerät 
Don  ben  beuten,  brauten  eS  aber  immer  unoerfefjrt  jurücf  unb  legten 
jebeSmal  gum  £anfe  einen  fdjönen  Stuten  (Semmel)  Innen« 
©efefyen  ^at  bie  Unneaerskens  niemanb;  nur  an  ben  Stuten 
Ijat  man  erfannt,  bafj  fie  bagewefen. 

2Öie  überall,  fo  f>abeu  audj  um  2ftefow  bie  Untevirbifdjen  bie 
üble  ©ewof>nf>eit  gebabt,  Heine  Äinber  t>cr  ber  laufe  $u  ftetyleit 


Wünblifl  aus  SHarienfliefc,  Äreid  Soajig. 


102. 


$te  Unterirbifdjen  in  SJfefom. 


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85 


unb  bafür  itjre  eigenen  tyijjlidjen  SOBec^felbäCge  tu  bie  Stege  ju  legen. 
«Stieren  8$ufc  gegen  biefe  Ttebftä^lc  gemäljrten  nur  bret  „Spierfen" 
»om  blauen  Tränt,  gleich  nad;  ber  ©eburt  in  bie  SMege  be« 
Neugeborenen  gefteeft. 

(Sinmal  fyaben  bie  Keinen  teilte  ein  3R5b$en  mit  fta)  unter 
bie  <5rbe  genommen.  Dort  ift  e«  gro§  geworben  unb  fcat  audj 
einen  ftreierSmaun  gefunben.  Hm  §odj$eit3abenb  Nörten  bie  (Slrer.i 
ber  Dirne  einen  <Sd}all  tote  2J?uftf,  unb  eine  Stimme  fprac^  baju: 
„Huet  holt  juch  Fie  (Sophie)  Hochtid!  Huet  holt  juch  Fio 
Hochttd!"   ©efetyen  tyat  man  aber  nidjt«. 

Äu$  SJtyoro.  Ätei*  Steaennwlbe :  mitgeteilt  buta)  $errn  $rof.  Q.  Äufcn 

in  SÜtünd)en. 


103. 

$ie  Uitterif^tf^en  int  S^toctinct  »urg&afl. 

3m  Surgtoall  bei  <©djtoerin  gibt  e«  nodj  bi«  auf  biefen 
£ag  Unneaerskens.  (S*  fm°  ba$  tieine  Äerldjen  mit  langen 
grauen  ober  rötli^en  Sorten,  je  nadj  bem  fie  fdjon  älter  ober  nodj 
jünger  finb.  Da«  ffiunberbarfte  an  tynen  ftnb  tyre  Nebelfappen, 
mit  benen  fie  ftd)  nic^t  nur  unftdjtbar  machen  fönnen,  fonbern  bie 
tynen  aud)  eine  ubermenfdjltctye  ftraft  »erleiden,  ©eljen  fte  biefer 
Äappen  oerluftig,  fo  finb  fie  fäwad&e  unb  ^ilflofe  ©efen  trofe 
einem  Äinbe. 

Die  üttenfäen,  benen  bie  Meinen  $eroot>ner  be«  Surgmall« 
günftig  gefinnt  finb,  $aben  e«  fe&r  gut.  $ü  ü>nen  fommen  bie 
Unterirbifajen  be«  Nadjt«  in  bie  $>äufer  unb  beforgen  Urnen  alle 
Arbeiten,  bie  man  fidj  nur  benfen  fann.  Unb  bamit  no$  nidjt 
genug,  fie  fte^len  au«  ben  fremben  SBauerljöfen  ©rot  unb  ftleifdj 
unb  ftorn  unb  ©elb  unb  tragen  e«  tyren  ftreunben  in  bie  SBorrat«* 
fammern  hinein.  Die  lefcte,  oon  ber  man  meifj,  bafc  fte  mit  ben 
Keinen  Dieben  auf  gutem  ftujje  ftanb,  ift  bie  alte  äMagebang  in 
©<$toerin  getoefen.  Die  $at  ni$t«  taufen  bürfen,  alle«  tourbc 
if)v  unentgeltlich  in  ba«  $>au«  gefdjleppt. 

^ünbliaj  au«  ©dproerin,  ftreiS  StegentoalDe. 


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86 


104. 

Die  Itttfertrbtfdjcn  unb  bte  ^anbwcrFSburfdjen. 

3»e:  #anbwerf8burfd)en  blieben  ctnft  bei  einem  Sauern  über 
SRadftt.  2118  eS  fo  gegen  $wölf  U$r  war,  §örte  ber  eine  bon  i$nen, 
ber  ein  budli^er  (Sdjneibergefette  war,  ©eräufdj  unb  fte^e,  au$  ben 
(5cfcn  ber  Stube  Fanten  Weine,  winjige  ?eute  $erau«,  wefdje  tanjten 
unb  prangen  unb  fid)  einen  frö^li^en  lag  matten.  Der  ©djneiber 
tyatte  an  bem  £rei&en  feine  ^ergli^e  Ofauoe,  uno  oergnügt  jtimmte 
er  mit  in  ben  ©efang  ein  unb  fang,  )o  gut  er  fonnte: 

„Tri  de  rt,  tri  de  rt,  tri  de  rtdldl." 
Sil«  nun  aWitternadjt  balb  borüber  war  unb  bie  Unnerörsken 
an  ben  $eimweg  benfen  mußten,  fprad)  einer  oon  iljnen:  „&a$ 
madjen  mir  benn  mit  bem  (ufrigen  ©efellen,  ber  und  fo  mader  fjat 
fingen  Reffen?  benfe,  mir  neunten  tym  feinen  2lft  (SBucfel)  afr 
unb  fteflen  benfelben  auf  ben  ^arfjelofen." 

©et^an,  wie  gefagt.  Die  Meinen  £eute  nahmen  bem  @$neiber 
ben  Söudel  ab,  ftellten  il?n  auf  ben  Ofen  unb  berfiegen  fobann  ba* 
Limmer.  Voller  ftreuben  weefte  ber  #anbwerf«burföe  barauf  feinen 
Äameraben,  unb  biefer  mar  ni^t  wenig  erftaunt,  feinen  flteifege* 
fährten  otyne  ben  entfteüenben  SBucfet  bor  fid)  $u  feljen.  211*  es 
bottenb*  SWorgen  geworben  toar,  berabföiebeten  ftd>  beibe  oon  bem 
Säuern  unb  flogen  weiter. 

Unterweg«  begegnete  tynen  ein  wanbernber  <Sd)uftergefelle, 
©ie  erjagten  tym  bte  ©efäufye;  boa)  ber  wollte  baoon  nichts 
glauben  unb  lieg  fia)  ba$  $au3  be8  ©auern  betreiben,  um  bort 
bte  folgenbe  92ac^t  ju  oerbringen  unb  fu$  burdj  ben  eigenen  Kugen* 
fdjein  oon  ber  ffia^r^eit  ber  <Sa$e  ju  überzeugen. 

Unb  wirflid}  begegnete  tym  baSfetbe,  was  Jag«  jubor  ber 
©fyteiber  erlebt  $atte.  Do$  anftatt  in  ben  ©efang  ber  fleinen 
Seute  mit  eingufrimmen  unb  tynen  in  tyrem: 

„Tri  de  rt,  tri  de  rt,  tri  de  rididl« 
gu  Reifen,  oerfteüte  er  feine  ©ttmme  unb  fang  im  tiefften  SBaffe: 
„Tr&  de  r&,  tri  de  rä,  tr&  de  r&d&dä." 

Da  fagte  berfelbe  Unnerörske,  welker  früher  gu  bem 
©$neiber  gefpro^en  $atte,  ju  feinen  ©enoffen:  „©aS  foüen  wir 
mit  biefem  groben  Äerl  anfangen,  ber  un«  in  unferer  2freube  geftört 
unb  uns  fo  oon  ber  Wracksid  angefe^en  $at  (b.     un«  eine» 


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folgen  ©$abernatf  gefpiett  $at)?  —  «Iber  ba  flety  ja  noä)  ber  Slft 
auf  bem  £aä)elofen.  benfe,  tttr  nehmen  ben  unb  fefeen  tyn 
bem  <5d)ufier  auf  ben  Würfen."  Unb  e$e  ber  $anbtoerf«burfdje 
nod}  n?u§te,  tute  tljm  gefcfyalj,  mar  er  gum  Söucfltdjen  geworben  unb 
nwjjte  e«  bleiben,  fo  lange  er  lebte. 

IRünblta)  au«  fttfi&eibe,  Ärei«  ftauaatb. 

105. 

Sie  bie  Unierirbtfdjeii  an»  ben  @ÜMf  ruber  gen  nmuberten. 

3n  ben  ©lodenbergen,  hinter  ©ollnoto,  trieben  oor  ßetten 
bie  Unnerfisken  tyr  ffiefen.  ©alb  Ratten  bie  ßeute  bon  tynen 
gu  leiben,  inbem  ffc  ü)*t"t  ftatt  ber  toob,lgeftatteten  üttenfa)enfinber 
f>ä§ttä)e  Zwerchen  in  bie  ©iege  legten,  balb  n?aren  fie  »oll 
föüfynen«  über  bie  ffiiflfÄ&rigr'eit  unb  «n$änglta)feit  ber  Äleinen. 
SWit  einem  SMale  finb  jebod)  alle  Unnerßsken  au«  ben  ©loden* 
bergen  berfdjtounben  getoefen,  unb  ba«  ift  fo  gugegangen. 

(Eine*  SRaajt«  toarb  ein  Äa^nfdjiffer  in  ©ollnoto,  ber  mit 
feinem  fta&rgeug  in  ber  3b,na  lag,  au«  bem  ©djlafe  getoedt,  unb  tote 
er  bie  ttugen  auffdjlug,  ftanb  bor  u)m  ein  toingige«  Äerldjen  unb 
fbradj:  „©Ziffer!  &<u)r  miü)  unb  bie  üßcinen  ben  ftlufc  $inab  bt« 
girr  Ober,  e«  foll  toabjrlidj  bein  ©djabe  niä)t  fein,  ffiir  ftnb  au« 
ben  ©lotfenbergen  b;ierb,er  geeilt  unb  mfiffen  in  ein  anbere«  Canb 
wanbern."  ©er  2Rann  geb,ora)te  ben  ©orten  be«  Äleinen  unb, 
naä)bem  ade«  eingefHegen  war,  löfte  er  ba«  ftabjgeug  unb  langte 
aud)  glüdliä)  an  ber  Ober  an.  $ort  bebanften  fid)  bie  Unter» 
trbifdjen  bei  bem  <3d)tffer,  fliegen  au«  unb  riefen  tym  gu:  ,,$a« 
ft%gelb  liegt  auf  bem  ©oben  be«  fla^ne«." 

Neugierig  flaute  ber  SKann  gu;  aber  toie  f!ud)te  unb  toetterte 
er  lo«,  benn  ba  lag  fein  eingiger  $eüer,  fonbern  nid)t«  al«  eitel 
^ferbemift.  ßornig  ^flnff  er  bie  ©djaufel  unb  toarf  ben  Unrat 
über  &orb.  darauf  toanbte  er  ba«  ftaljrgeug  um  unb  fe^rte  nad) 

STOittlertoeile  toar  e«  SKorgen  getoorben  unb  bie  ©onne  brad) 
toieber  $erbor.  $>a  fa$  e«  ber  ©djiffer  gtoifdjen  ben  töifcen  unb 
©palten,  an«  benen  er  bor$er  ben  ätttft  niä)t  $atte  entfernen  fönnen, 
flimmern  toie  lautere«  ©olb.  Unb  feine  Hugen  täubten  i$n  nidjt, 
e«  toaren  toirtlid)  funfelnagelneue  ©olbfiüde.  $ätte  er  ben  übrigen 


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88 


Üfttft  nicfyt  fcrtgefc^aufcU,  er  toäre  ein  fteinreidjer  SRann  getoorben; 
aber  audj  fo  Blieb  tym  nodj  ©elb  genug,  ba§  er  geitleben«  nidjt  gu 
barben  brauste. 

ÜJlünblicb  aus  ißubbmjiQ,  Ätei§  9tauaarb. 
106. 

$te  Uittertrbifc^cn  bei  Äunom. 

2lucfy  um  ftunoto  Ijat  e8  gu  ©rojjoater«  3c*ten  Unner- 
ärtzken  bie  Dflenge  gegeben,  ÜWan  Ijatte  fte  feljr  gerne,  benn  bei 
jeber  tfrbeit,  motzte  fte  audj  nodj  fo  befdjtoertid}  fein,  Ralfen  fte 
bereittoillig.  31(8  einzigen  (Entgelt  für  bie  Dielen  3)ienfte,  toelaV 
fte  ben  dauern  leiteten,  forberten  fie  nur  ein£.  <E$  gebradj  ben 
(leinen  beuten  burd)au£  an  Sacftrögen.  ©enn  fte  nun  baden 
trollten,  fo  famen  fie  in$  SDorf  auf  bie  §öfe  unb  entließen  bie 
gro§en  SBatftröge. 

Slber  aud)  biefen  (Segenbienß  burften  iljnen  bie  ^Bauern  nidjt 
gang  unentgeltlich  tljun.  Senn  biefelben  Hjr  33acfgerät  gurücf* 
erhielten,  (ag  nämlid)  jebeSmal  auf  bent  95oben  be$  £rogeS  ein 
ttingigeS  SBrot  (©tuten),  fo  groß,  toie  bie  Unnerörtzken  fte 
in  üjrem  ^aud^aüe  gebrausten.  2)a8  mar  bie  (Erfenntlidjfeit  ber 
Heinen  Ceute  für  bie  geborgten  ©efäjje. 

SRünblia)  au*  Äunoto,  ÄreiS  (£ammin. 
107. 

$a*  SRetdj  ber  Uitrcwbtfdjen. 

$)af3  e$  Unterirbifdje  giebt,  unterliegt  gar  feinem  3tt)etfcL 
2Kam$e  wollend  freilidj  befrreiten  unb  behaupten,  mit  ben  ((einen 
beuten  fei  baS  nur  fo  eine  alte  Sage.  8ber  toaS  galten  benn 
biefe  (lugen  SWenfdjen  bon  ber  folgenben  ©efdji^te,  bie  im 
Kamminer  ffretfe  geföe^en  ift  unb  beweift,  bafc  e*  nid&t  nur  Unter* 
irbiföe  giebt,  fonbern  ba|  man  ba  unten  audj  $au8tiere,  Quellen, 
Brunnen  u.  f.  to.  befujt? 

£)ie  Bauern  eine«  Dorfe«  gruben  einen  Brunnen.  <5ie 
führten  gu  bem  $toedt  einen  tiefen  <S$adjt  in  bie  <£rbe  hinein; 
aber  fo  tief  fte  audj  gruben,  e«  geigte  ftdj  fein  ffiaffer.  <S$on 
tooÜte  man  oon  toeiterer  »rbeit  abfielen,  al«  mit  einem  ÜRate  ein 


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89 


mächtiger  Qnell  'empor  [»rubelte  unb  in  wenig  Slugenblicfen  ba« 
gange  Srunnenlocty  üotl  ©affer«  füttte.  Uber  bamtt  mar  e«  nic^t 
genug.  $)a«  ©affer  trat  über  ben  töanb  tyinau«  unb  ergoß 
in  Strömen  auf  bie  ©traße,  unb  ton  ba  au«  floß  e«  in  bie  $äufer 
unb  ©arten,  unb  e«  §atte  ben  Slnfdjein,  al«  foütc  ba«  gange  $)orf 
-  untergeben. 

2>a«  Sonberbarfte  mar  babei,  baß  au«  bem  ©affer  eine 
fä)neeweiße  ©an«  empor  taufte.  «Sie  mar  Oon  wunberbarer 
@$ön$eit  unb  gang  anber«,  tote  bie  ©änfe  auf  ber  Oberwelt  ftnb. 
2Ran  fudjte  tyrer  ffatytft  gu  werben,  aber  fo  liftig  man  e«  aua? 
anfing,  ba«  fa^öne  £ier  ließ  fta)  ni<$t  erwifäen.  (Sajließlidf  gab 
man  bie  Qagb  auf,  ba  bie  tmmerme^r  gune^menbe  ffiaffer«not  bie 
8eute  auf  anbere  ©ebanfen  braute. 

3um  guten  ©lütfe  tarn  eine  alte  ftrau  tyingu,  weldje  me^r 
al«  ©rot  effen  fonnte.  $ie  erfannte  fofort,  baß  man  gu  tief  ge* 
graben  Ijabe  unb  in  ba«  $Rei<$  ber  Unterirbifdjen  gebrungen  fei. 
©ajnell  lief  fie  be«$alb  nad)  :paufe  unb  $olte  ein  fteberbett  $erbei, 
watete  bi«  bidjt  an  ba«  Srunnenlodj  $eran  unb  toarf  bann  ba$ 
93ett  hinein.  Äaum  mar  bie«  gefdje^en,  fo  begann  ba«  ©äff er  gu 
fallen,  unb  e«  bauerte  gar  nidjt  lange,  fo  war  ber  ©rannen,  tote 
jeber  anbere  ©rannen  audj  tft  3)a«  ^eberbett  aber  unb  bie  mun* 
berbare  ©an«  oerföwanben  unter  bem  ©äff er  unb  ftnb  nie  toieber 
gum  ©orföein  gefommen. 

ebenbafjer. 

108. 

$ie  Unterirbifajew  in  Srrat?ig. 

ftrfityer  §at  e«  in  tfrafcig  gang  wingige  ßeutdjen  gegeben,  bie 
ft&rfflen  fo  groß  wie  Heine  fcinber.  5)iefelben  $aben  ben  ÜRenföen 
oft  bie  Säuglinge  geraubt,  um  tyr  eigene«  ©eföledjt  größer  an 
©ud?«  gu  madjen  unb  gu  beratenen.  Statt  be«  geflogenen  Äinbe« 
ließen  fie  einen  ber  3$rigen  in  ber  ©iege  gurücf.  3»ang  man 
jebodj  biefen  ©e^felbalg  gum  Sfcre<$en,  fo  mußten  bie  Unner- 
ßrdschen,  tote  man  bie  Reinen 8eute  nannte,  i§re  ©eute  mieber 
gurüefgeben. 

(Etnft  Ratten  bie  Unnerdrdschen,  welttye  hinter  einem 
Ärafeiger  ©auerfaufe  unter  bem  Würt    (ba«  £anb  gwtfd&en 


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90 


©arten  unb  gelb)  toobnten,  bem  SBefi^er  be$  $>ofe§  ein  Äinb  ge* 
froren.  Sie  waren  aber  fo  fdjtoa$,  baß,  fo  oiel  tyrer  roaren,  an« 
faffen  mußten,  um  ben  {Raub  gu  ooübringen.  3)afür  legten  fic  bann 
eine  gang  alte  3>verajn  in  bie  ©iege,  »eldje  bo$  balb  fierben 
mußte. 

Die  Bauerfrau  merfte  aber  ben  ©einig  an  bem  großen  tfopfe 
ber  Unnerördschen  unb  fiellte  eine  $robe  an.  Sie  na$m  ©er» 
f^alen  unb  rührte  bann  etma«  juredjt,  fo  baß  bie  3toer9m  au* 
ber  Siege  alle«  mit  anfe^en  tonnte.  $a  fragte  biefelbe  gang  Oer* 
tounbert,  »a«  fie  benn  mit  ben  (Jierfdjalen  anfangen  motte.  M$arin 
will  id}  brauen,"  fagte  bie  grau.  —  „®e$t  ba«  benn?"  fragte  ber 
ffie^felbalg  weiter.  „@emiß,"  ertoiberte  bie  Bäuerin.  „Nau  fagte 
ba  bie  3toergin: 

„Bün  ik  doch  all  sö  ult 

As  Boem  un  Hult, 

N6je  Mal  afhdcht 

Un  nöje  Mal  werra  wussa; 

Auwa  sö  wat  hef  k  doch  noch  nich  seia." 
$a  $atte  ftdj  ber  Söedjfelbalg  oerraten,  unb  bie  Unner- 
ördschen mußten  ba*  geflogene  Äinb  »ieber  herausgeben. 

aRünbltd)  au3  ftmfctg,  SfreiS  Jürftentum. 
109. 

$te  ttirtetirbifdjen  laben  eine  Stau  &n  ©afte. 

3n  einem  Bauer$ofe  Ratten  bie  Unnerördschen  iljre 
Sofmung  unter  bem  geuer^erb  aufgetragen,  ©enn  nun  bie 
Bäuerin  i^rc  ftinber  reinigte,  toarf  fie  ftet«  ba§  au«gefammte  $>aar 
unb  bie  Saufe  auf  ben  $erb.  2>a«  oerbroß  bie  3w<r9e>  oenn  fle 
Ratten  ben  $erb  immer  al«  tyren  Xifä  angefe^eu. 

Hl«  nun  einmal  bei  ben  Untertrbiföen  Äinbelbier  mar,  luben 
fie  aud)  bie  Bauerin  baju  ein.  Beim  ÜRa$le  ließ  bie  3toer8m 
eine  oerbedte  Staffel  oor  tyren  ©afi  ffcellen,  unb  al«  bie  grau 
ben  $e<fel  Öffnete,  erbliefte  fie  ftatt  ber  Steifen  lauter  Saufe  in 
bem  ©efäß.  Sie  fie  gang  oenounbert  fragte,  wo$er  all  ba«  Unge* 
giefer  in  bie  ©Rüffel  gefommen  fei,  unb  ma«  ba«  bebeuteu  folle, 
antwortete  i$r  bie  Unnerördsche:  ,,©ie  bu  baö  ©eridjt  Saufe 


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91 


nidjt  cffen  magfl,  fo  wiberlidj  ift  eS  audj  uns,  wenn  bu  biefe 
efefyaften  Üiere  auf  unfern  Xi\d),  ben  fteuer^erb,  toirffl.  Da  »er» 
fpradj  i$r  benn  bie  ©äuertn,  fünftig  nidjt  mefjr  bie  Öäufe  auf  ben 
$erb  gu  werfen. 

Gbenbaber. 

110. 

ttniembtfdjer  fauft  fuf}  los. 

@in  ©auer  fu^r  einft  mit  feinen  #ne$ten  auf  baS  3r«lb,  um 
bie  (Ernte  gu  beforgen;  feinen  adjtjätyrigen  @ol>n  liefe  er  allein  im 
$>aufe  gurücf.  $a  Tarnen  bie  Unner&tzken,  flauen  ü)n  unb 
liegen  an  feiner  (Statt  einen  uralten  3werg  gurücf,  ber  aber  aujjerli$ 
baSfelbe  SluSfeljen,  wie  ber  Änabe  beS  ©auern,  fyatte. 

SUS  biefer  nun  Dom  $e(be  gurücf  tarn,  war  ber  Söagen  gu 
fyod)  bewarft,  fo  bafj  er  nidjt  bunf)  baS  $oftt)or  fonnte.  ©ergeblid) 
trieb  man  bie  ^ferbe  an;  ba  (am  ber  ^unge  herbeigelaufen  unb 
erbot  fid),  ben  SBagen  burdjgufdjieben.  3)er  ©ater  fnelt  biefe  Sieben 
für  albernes  ®efd)Wäfc;  aber  ber  Jlnabe  griff  gu  unb  fd)ob  bie 
frfiroere  3ruf)re  gang  leidjt  burdj  baS  £ljior. 

(Sin  anbereS  ÜJtat  erbot  fidj  ber  3unge,  aüein  bie  (Farben 
oon  einem  (Erntewagen  „abguftafen."  (Snblid)  gewährte  it;m  ber 
©ater  bie  ©ttte,  unb  in  furger  3«*  $at*e  oer  Äletne  feine  Arbeit 
oerridftet.  )flvm  merfte  ber  ©auer,  ba§  baS  nidjt  mit  regten  fingen 
gugeljen  fönne,  unb  berUnnerßtzke  geftanbbenn  audj  ein,  wer  er 
wäre,  unb  ba§  Ujn  bie  ©einigen  oertaufdjt  gälten.  Cr  fei  felbft  gar 
ntc^t  bamit  gufrieben  gemefen  unb  wolle  ftdj  gerne  wieber  todtaufen. 

3u  bem  Qtotdt  ging  er  mit  bem  ©auern  auf  bie  ©iefe  unb 
ftampfte  breimal  mit  bem  ftujje  auf.  ©ogleidj  flog  ein  @tücf  (Srbe 
fort,  unb  es  geigte  fi$  eine  Ürepöe,  bie  fte  in  baS  fRetc^  ber 
Unnerötzken  führte.  $5ort  ftanb  ein  fdjöneS  ©titjlofj  ootter 
©otb  unb  Silber.  „X)aüon  fannfi  bu  bir  fooiet  nehmen  wie  bu 
roiUft,"  fagte  ber  ©edjfefbalg;  „nur  mufjt  bu  midj  bann  freigeben 
unb  b einen  ©oljn  bei  ben  3*&ergen  (äffen."  SRadj  furgem  ©ebenfen 
willigte  ber  f)abfüdjtige  URenfdj  ein,  »acfre  alte  Saften  tooU  ©o(b 
unb  ging  barauf  wieber  auf  bie  Oberwelt  gurücf,  wo  er  no<$  lange 
als  reifer  SRaim  lebte,  ©einen  @o$n  t)at  man  aber  nie  wteber* 
gefefjen. 

Wünblia)  au«  SRibia,  Jrrei«  Sajiefflbtin. 


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92 


111. 

$te  UnterirbtMett  in  OTifcig. 

$n  SRifcig  tebte  cinft  ein  febr  moljlf>abenber  SBauer.  ©eine  gelber 
unb  2Bie[cn  brauten  ben  reidjften  Grtrag,  befonberS  aber  fein  SBielj 
mar  ba3  befte  im  ganzen  Orte,  ©etttt  bie  $ned?te  ba£  SBielj  füttern 
moflten,  fo  tag  fdjon  ©ra$  unb  Älee  in  ben  Grippen,  unb  menn 
bie  SDiägbe  jum  üttelfen  tarnen,  bann  fanben  fte  bereits  aüeS  beforgt. 

2)er  ©auer  moüte  gerne  miffen,  mie  ba§  juginge,  unb  pafiite 
bewarb  bie  föadjt  über  auf.  £)a  fafj  er  benn  gmei  Unnerötz- 
kes,  einen  f (einen  SRann  unb  eine  Heine  ^rau,  fleißig  futtern  unb 
Stetten  beforgen.  Seif  er  nun  ben  fl  ei  nett  beuten  feinen  Danf 
abftatten  moüte,  fefcte  er  iljnen  ein  SRäpfdjen  üofl  Sftüdj  unb  ©rot 
tyiu.  2HS  biefetben  am  Slbenb  mieber  famen  unb  ba£  ©efdjenf 
faljen,  fpradj  ber  Unnerdtzke  $u  feiner  5rou:  nSfifi  fin0 
mir  abgeloljnt  unb  müffen  meiter  $ieljjen."  <Seit  ber  $eit  Ijat  man 
fie  nidjt  mieber  gefefcen,  unb  mit  bem  ©otylftanb  be$  ©auern  ift  eS 
oon  ba  an  bergab  gegangen  1). 

Gbcnbaljer. 

112. 

$te  Unterirbifdjen  unb  ber  Säjuciber. 

(Ein  ®$neiber  $atte  ein  grofceS  ©efdjäft,  unb  obgleim,  er 
mehrere  ©efetlen  Ijielt,  bie  Arbeit  mudj«  iljm  bermafcen  über  ben 
äopf,  bafj  er  $u  ber  für  bie  Ablieferung  feftgefefcten  3eit  bie 
Äleibungdfiücfe  oft  nidjt  ^erfteüen  tonnte.  <So  foüte  er  einmal 
mieber  $um  anberen  borgen  eine  9ttenge  ßleiber  fertig  t)aben,  unb 
bad  #eug  mar  faum  sugefdjnttten.  ©etrübt  erjagte  er  bie«  am 
Hbenb  feiner  ftrau;  bodj  bie  oertröftete  tyn  auf  bie  Unner- 
ötzken.  2)te  hätten  ja  fdjon  fo  bielen  beigeftanben,  oieüeidjt 
mürben  fie  aua)  tym  Reifen. 

ffiie  nun  ber  ©djneiber  am  anbern  ÜRorgen  in  bie  Söerfftatt 
tarn,  mar  alle«  3eug  oon  ber  S3anf  berfdjmunben.  ©c$on  gtaubte 
er,  ©püjbuben  Ratten  tym  bei  9iadjt  einen  ©efu$  abgeftattet,  ba 
fa$  er  alle  ÄleibungSftwfe  ftr  unb  fertig  an  ben  SBanbnägetn 
Rängen. 

*)  Sprint  man  in  JHifeig  roegroetfenb  oon  ben  Untertrbifcben,  fo  nennt 
man  fie  Mummatze. 


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93 


I)en  anbern  £ag  ging  e£  ebenfo,  nnb  ber  ©dmeiber  Ijätte 
wofjl  noa)  biet  92u$en  bon  ben  Meinen  beuten  Ijaben  fönnen,  wenn 
feine  ^rau  nidjt  fo  neugierig  gewcfen  märe,  $>iefelbe  wollte  nämlidj 
gar  $u  gerne  wiffen,  wie  bie  Unterirbifdjen  au£fäf>en,  nnb  ftreute 
bcSfyalb  einen  Steffel  Grbfen  in  ber  Serfftatt  au&  $n  ber  sJladjt 
ging  fie  mit  einem  $irf?t  hinein,  unb  ba  fafy  fie  benn,  Wie  bie 
Unner&tzken  fid)  bie  Äöpfe  blutig  gefallen  hatten  unb  ftd) 
eiligft  aus  ber  <Stube  entfernten.  2118  fie  ber  9J2etfierSfrau  an« 
fidjtig  würben,  riefen  fie  ifyr  311,  ob  baS  ber  &>t)n  fei,  unb  fjaben 
fidj  feitbem  nie  wieber  bei  bem  ©d)neiber  feljen  laffen. 

Gbenbaber. 

113. 

$ic  llnterirbifrfjen  $u  ftalfcnbnrg. 

Qn  Ottenburg  fyaben  in  früheren  Sauren  bie  Unneraetz- 
ken  riet  oon  fid)  reben  gemalt.  3t>re  Sotynung  Ratten  fte  unter 
bem  $>aufe  beö  XudjmacfyerS  3tblcr,  unb  um  ber  guten  -ftadjbarfdvaft 
willen  Ralfen  fie  iljm  aufs  befte  in  feiner  ©irtfdjaft.  3Me  gange 
9?ad)t  fjinburdj  faufien  unb  brauften  bei  bem  alten  Slbler  bie  £ud)* 
mafcfyinen  fort;  babei  war  fein  ÜHenfd)  $11  fefyen,  welker  ba«  ®e« 
triebe  in  Bewegung  erhielt.  Unb  bod)  war  ba$  fein  £eufel8f»ucf, 
fonbem  bie  unftd)tbare  £ilfeleiftung  ber  Keinen  tfeute,  weldje  mit 
itjren  winjigen  $änben  wäljrenb  ber  s)kd)tjtunben  mefyr  £uct)  gu 
wege  brauten,  al«  bie  gelernten  Sudjmadjer  am  £age  anzufertigen 
bermodjten. 

93orwifcige  93urfd>e  unb  ÜRägbe  wollten  einmal  batytnter 
fommen,  was  e$  mit  ben  Unterirbifdjeu  eigentlich  auf  fid)  t)abe. 
9118  e8  bunfel  geworben  war  unb  bie  flehten  tfeute  fdjon  wie  ge* 
wötynlid)  bei  ber  Arbeit  waren,  öffneten  fie  besfyalb  gang  leife  bie 
Zffüre  unb  warfen  eine  gute  $anbootl  föefelfteine  bie  fielen  ber 
Sßerfftott  entlang.  SBar'8  nun  bie  ftolge  be8  großen  Sdtjrecfe« 
ober  war'S  9Rad>e  für  ben  ©djabernaef,  ben  man  iljnen  gefpielt  fyatte, 
furj  am  anbern  ÜWorgen  war  ber  gange  ftufeboben  mit  fleinen  §äuf* 
djen  bebeeft,  fo  ba§  eS  auSfalj,  als  befänbe  man  fi$  in  einem 
^ü^nerftaüe. 

Qu  ifjrer  ©utmütigfeit  Ijaben  bie  Unneraetzken  fid) 
aber  mit  ifyrem  ftreunbe,  bem  Slbter,  baburdj  nidjt  wfeinben  laffen, 


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94 


fonbern  finb  ebenfo  fleißig  be«  9lad)t«  mieber  bei  ber  Arbeit  er- 
fdjtcnen,  a(«  üorbem.  ©rfi  bann,  at«  ber  alte  Slbler  ftdj  aurtöutje 
fefcte  unb  fein  iRadrfotger  ba«  $au«  t>on  ©runb  au«  umbaute,  fmb 
fie  für  immer  tjerfdjmunben.  SEBte  hätten  fie  aber  audj  mieber  in 
ber  ©erfftatt  erfreuten  fönnen,  Ijatte  man  Hjnen  bodj  aHe  ifjre  §(u£* 
gange,  meldje  in  ben  Setter  führten,  mit  93atfftein  vermauert. 

SRünbliaj  au«  Wallenburg,  Streik  Srambura. 

114. 

Die  Untertrbifdjen  in  ?em|jelburg. 

Qn  Xempelburg  lebten  früher  toiete  Unnerörtzken.  ©« 
toaren  ba«  fteine  Veutdjen  mit  großen,  bieten  Stopfen,  ©ern  fal) 
man  fie  nid)t,  benn  fie  Famen  be«  sJ?adjt«  in  bie  Äufyftäüe  unb 
flauten  ben  $üf>en  bie  ÜWUd)  aus  bem  (Suter.  21udj  auf  ben  9flarft 
gingen  fie  fyäufig,  um  bort  ifjre  (Sinfäufe  gu  madjen.  $odj  Ratten 
fie  eine  fonberbare  SBorfteflung  oom  kaufen.  Sie  gaben  ben  Krämern 
eine  ^tüffigfett  unb  forberten  fie  bann  auf,  fidj  bamit  ba«  ©efidjt 
ju  toafdjen.  ©ingen  biefelben  barauf  ein,  fo  oerloren  fie  für  eine 
3eit  bie  ©eljfraft,  toa«  bieUnnerörtzken  baju  benufcten,  bie 
betreffenbe  93ubc  nadj  $>er3en«tuft  au«auplünbern.  Söefonber«  Ratten 
fie  e«  babei  auf  rote  unb  bunte  3euge  abgefetyen.  ©enn  bie  be* 
trogenen  Saufleute  i§r  9tugenlid)t  ttrieber  erlangt  Ratten,  waren  bie 
Keinen  <2djelme  fdjon  (ängfi  in  bie  Untermelt  fluriicfgefefyrt. 

Riefet  t)ört  man  in £empelburg  uidjt«  mefyr  t?on  ben Unner- 
Grtzken,  unb  ba«  Ijat  folgenbe  Semanbni«.  3n  ber  ©trage, 
rceldje  alte  £eute  nod)  jefct  ,,ba«  potnifdje  Gnbe"  nennen,  befinbet 
fid)  ein  ©arten,  in  tuetcfyem  fidj  bie  Unterirbifdjen  gu  beluftigen 
pflegten,  unb  unter  bem  fie  iljre  ffioljnungen  Ratten.  3ur  3f'*  ^er 
Dämmerung  ober  be«  92aa)td  famen  fie  gemö§ntid)  $um  S?orfcr)ctn 
unb  tanjten  unb  fangen  bann  gnufdjen  ben  SBoljnenftangeit  fjerum. 

(Sine«  9?ad)t«  mürbe  ber  ©efifeer  be«  ©arten«  burd)  biefen 
ßärm  au«  bem  <Sd)lafe  getoetft.  (5r  ftanb  auf,  ging  Ijin  unb  Ijörte, 
n?ie  bie  Heinen  £eute  immerfort  fangen: 

„Wi  schoee  sitt  mi  Kippke-Kappke  — 
Böeneckecke." 

£er  um  feinen  Sdjfaf  gebraute  9flamt  bietete  bie[en  9Ser« 
fofort  um  unb  fang  Ootter  3orn: 


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95 


„lk  wutt,  dat  ji  voll  Scheite  waere  — 
Böeneckecke." 
311$  bie  Unnerörtzken  ba8  Nörten,  uerfdjmanben  fie 
fc^fcuntgfl  unter  ber  (Srbe  unb  fyaben  fidj  fett  ber  Qtit  nie  lieber 
gezeigt.   $)er  ©pottoer8  ift  itynen  ju  fe^r  an  bie  (Sljre  gegangen. 

URünbltcfr  aus  Scmpelbura,  ÄreiS  9tciiftetttn. 

115. 

$te  Untcrirbtfdjen  am  £ejrtmcf  @ee. 

Sluf  ber  ftönigSwiefe,  tuetc^e  tyart  an  ben  3e)?Uner  ©ec  fW* 
nieten  einft  mehrere  ^tfc^er  oon  i^rer  Slrbeit  aus. 

ttttd  e£  9fad)t  geworben  mar  unb  bie  üRänner  fdjon  (ängft 
im  tiefften  ©djlafe  lagen,  ftiegen  bie  Unnerörtzken  aus  bem 
^nnern  ber  Grbe  tjeroor,  um  fidj  auf  bem  frifdjen,  grünen  ©rafe 
ju  erlufKgen.  ©ie  fprangen  unb  tankten  unb  nahmen  ftdj  babei  fo 
Wenig  in  adjt,  bajj  fie  ityre  luftigen  «Sprünge  immer  über  bie  tförper 
ber  ©djtafenben  matten.  2113  ber  eine  Don  biefen  nun  gar  jufäüig 
»on  einem  ber  fleinen  Seute  einen  Srujjtritt  erlieft,  ermatte  er  unb 
bat  fidj  für  bie  ^ufunft  ßröfcere  töütffidjt  auö. 

X)iefe  (Ermahnung  fruchtete  jebodj  wenig,  bie  Unnerdrtzken 
trieben,  anftatt  fi$  orbentlidj  ju  »erhalten,  nur  um  fo  größeren 
Unfug.  $a  fdjrie  ber  ftiföer  $ormg:  „Toew,  ik  war  dt  helpe", 
griff  gu  unb  erljaföte  einen  ber  £werge  ©tiefei.  tiefer  Ue§ 
jwar  ben  ©djuty  fahren  unb  entrann;  aber  er  war  bennodj  gefangen, 
wie  mir  fogteid)  fe^en  werben. 

Sföittlerweile  war  e$  nämlidj  üflorgen  geworben,  unb  e«  tonnte 
nic^t  me§r  tange  bauern,  bis  bie  (Sonne  aufging.  $)a  begaben  fidj 
alle  Unterirbifdjen  in  tyre  ©o^nungen  jurücf,  nur  ber  eine,  bem 
ber  ©tiefet  fehlte,  mußte  auf  ber  Oberwelt  bleiben.  <£r  bat  unb 
flehte  ben  garten  äflann  an,  iljm  fein  (Eigentum  gurücf  ju  erftatten. 
Umfonft,  bie  fpäte  SReue  rührte  ben  fttföer  nidjt,  unb  ber  Unter* 
trbifäe  Ijatte  woljl  nie  roieber  in  ben  Sefifc  feine«  (Eigentums  gefangen 
fönnen,  (benn  fobalb  ein  «ßwerg  oie  aufge^enbe  ©onne  fietyt,  ift 
er  für  immer  unb  ewig  üertoren)  wenn  tym  niäjt  eine  tftft  ge* 
Rolfen  ^ätte. 

ör  forberte  ben  ftifdjer  auf,  bodj  einmal  in  ben  ©tiefet  Ijhiein 
$u  flauen.   2)er  ttyat  bie«  audj,  fdjteuberte  aber  fofort  ben  ©djulj 


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90 


weit  bon  fid),  benn  berfclbc  war  gan$  angefüllt  mit  efelhaftem  (Eiter 
(MattSj).  5Dcr  fc^Ioue  3merg  aber  ergriff  fdjleunigfl  feinen  erfe^nten 
©tiefei  unb  oerfdjwanb  nodj  glüdKd)  gerabe  oor  bem  3lugenbli(f  in 
ber  (Erbe,  ba  bie  erften  ©onnenfrrahlen  henwrbrad)en.  —  üton  ben 
UnnerSrtzken  ^at  man  feit  ber  Qtit  auf  ber  £önig«wiefe  nie 
wfeber  etwa«  oerfpürt. 

gbenbaber. 

116. 

$ie  Untertrbifdjen  Dcrfdienfcn  ein  Srot. 

Ginft  pflügte  ein  SWann  auf  bem  ftelbe.  $)a  er  fdjon  lange 
gearbeitet  hatte  unb  feine  ftrau  bodj  immer  nod)  nief^t  mit  bem 
(£ffen  erfdjien,  fo  würbe  er  fehr  hungrig.  911«  nun  plöfclid)  aus  bem 
©rbboben  tyratö  ein  fräftiger,  angenehmer  Satfgerudj  ^eröor  brang, 
fpraä)  er  barum:  „©  wenn  ich  bodj  ton  bem  frifd)en  Sörote  ein 
(Stütfdjen  hatte!" 

#aum  ^Qtte  er  bie*  gefagt,  fo  erfduen  ein  Unner&rtzken 
unb  fteüte  in  einer  ©ajale  ein  ©rot  auf  einen  großen,  glatten  Stein, 
ber  ganj  in  ber  Sßähe  be«  SWanne«  fidj  befanb.  darauf  »erfdjwanb 
e«.  X)er  93auer  befann  fia)  nidjt  lange  unb  griff  $u,  »erwehrte  ba« 
frifäje  ©ebäcf  mit  großem  Rehagen  unb  machte  fid)  bann  wieber  an  feine 
Slrbeit.  fcabei  fiel  ihm  ein,  er  fyabt  ja  bie  «Schale  oergeffen,  unb 
fdjnett  eilte  er  hin,  um  biefelbe  in  <Std^er^cit  ju  bringen.  Aber  oon 
bem  frönen  ©efäße  war  nicht«  met)r  ju  fe^en;  bie  Unterirbifd)en 
batten  e«  wieber  $u  ftd)  genommen. 

(Jbenbahex. 

117. 

OTäbtien  geht  in  baö  9iei<f)  ber  Unterirbtfrf)eu. 

(Sine  UnnerSrtzke  würbe  beim  SWilchftehlen  oon  ber 
Äuh^agb  ertappt.  (E«  fam  ju  einer  Unterhaltung,  unb  bie  fleine 
$rau  bewog  ba«  üftäbchen,  ihr  mit  in  bie  Unterwelt  ju  folgen.  §o$ 
möge  fie  ja  ihre  Jipp-Jöp  föade)  anziehen,  benn  unten  fei  e« 
falt.  5)ie  Ü)irne  ließ  fid}  befdjwafcen,  ftieg  mit  ber  Unner£rtzken 
herab,  unb  balb  famen  fie  in  einen  wunberfdjönen  ©arten,  in 
welkem  ba«  2)täbchen  oolle  ft^h"*  fi<h  8U  beluftigen  fyattt. 


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97 


Sefonber«  gefiel  ü)r  ein  93ogel,  ber  btc^t  bor  ü)r  aufflog  unb 
fid)  bann,  nadjbem  er  eine  Heine  ©trecte  geflogen  war,  wieber  nieber 
lieg.  Da«  SRäbdjen  fudjte  ba«  fc^öne  £ter  ju  fangen,  aber  fo  oft 
fie  nadj  tym  $afa>n  wollte,  war  er  audj  fdwn  wieber  enteilt,  unb 
ba«felbe  ©m'el  begann  oon  neuem. 

@nblid)  würbe  ber  Dirne  bie  $eit  lang,  fie  ging  $u  ben 
Unnerörtzken  gurücf  unb  bat,  man  möge  fie  bodj  toieber  in  bie  Ober* 
weit  $urü(f  laffen.  Die  Heine  ftrau,  welä)e  fte  $erab  geführt  ^atte, 
erbot  fid)  aud)  fogleid)  $ur  ftüljrerin,  unb  balb  waren  fie  bem  9lu3» 
gang  nafje.  Äur$  oor  bemfelben  lag  ein  Raufen  Äeljridjt,  unb  bie 
UnnerSrtzke  forberte  bie  Dirne  auf,  benfelben  in  tyre  (Sd)ür$e  $u 
raffen  unb  mit  in  iljre  3Bo$nung  $u  nehmen.  Darauf  oerabfd)iebeten 
fid)  beibe,  unb  ba«  SWäbdjen  ging  in  iljr  $au«. 

£ier  fanb  fie  gu  iljrem  (Srftaunen,  ba§  fie  in  iljrer  <Sd)ürge 
ftatt  be«  £eörid)t«  lauter  blank«  ©Uber*  unb  ©olbgetb  $atte.  Modjmefjr 
aber  oertounberte  fie  fid)  barüber,  baf  fie  in  bem  $>aufe  meber  iljre 
(Eltern  nod)  iljre  ©efd)wifler,  fonbern  ganj  frembe  ©efid)ter  erbtiefte. 
<Sie  fragte  nad)  tfjren  Slnge^örigcn,  aber  niemanb  wollte  oon  biefen 
je  etwa«  gehört  fyaben.  Grnblid)  fdjtcfte  man  jur  ^olijei,  unb  ba 
fteüte  fid)  benn  l)erau«,  bajj  ba«  betreffenbe  2Räbd)en  »or  metyr 
benn  tyunbert  $aljren  fmirlo«  oon  ber  ÜBelt  oerfd)munben  War  unb 
ba§  man  fie  feiner  Qtit  für  oerfd)ollen  ausgegeben  tyatte. 

(Fbenbaber. 

118. 

2>te  ftadj*  ber  Untcrirbtfdjen. 

„3Räbd)en,  warum  giebt  e«  immer  fo  wenig  Wild)?"  fagte 
bie  ^Bäuerin  ju  iljrer  2ftagb;  „bie  ftülje  feljen  bod)  ade  gut  au« 
unb  Ijaben  fonft  ben  boppelten  (Ertrag  geliefert."  —  „$a,  ÜJhitter", 
entgegnete  bie  Dirne,  ,,id)  Ijabe  mid)  aud)  fd)on  gewunbert.  2Benn 
id)  bie  3ttild)  in  ben  3J2etffübet  gefd)üttet  ljabe  unb  brelje  mid)  faum 
einmal  um,  fo  ift  fd)on  bie  £älfte  baoon  oerfdjwunben." 

„Dann  finb  bie  nid)t«mu)igen  Dinger,  bie  Unnerßtzken, 
baran  <©d)ulb,"  rief  bie  ©äuerin  erboft,  lief  in  bie  Äüd)e  unb  fefcte 
bort  ben  gro§en  Äeffel  mit  Sßaffer  an.  311«  baSfelbe  fod)f}ei§  war, 
trug  fte  ben  Seffel  in  ben  Äufyftall,  ging  in  bie  (Scfe,  wo  ber  %u%- 
toben  frifd)  aufgewühlt  war,  unb  go§  ba«  fiebenbe  ©äff er  hinein. 

7 


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9* 


„leiten  hab'  idj'8  oergolten",  fagte  fie  vergnügt  unb  fehrte  wieber 
in  bie  5hiche  ^urücf. 

TOdjt  lange  barauf  $u»fte  eine  f leine  ftrau  üon  ben  Unner- 
ötzken  bte  ©tallmagb  am  SRocfe  unb  pfterte  ihr  ju:  „Üftmm 
aüe  beine  §abfeligfeiten  unb  fliege  aus  biefem  §aufe."  2)a8  ÜRäbchen 
folgte  bent  $ehei§;  bodj  ehe  es  fortging  erfdjien  bie  Unner£tzke 
iioc^  einmal  unb  fprad):  „bergig  nur  ba«  unb  baS  nicht,"  unb 
als  bie  2J?agb  auet)  biefem  ^Befehle  nachgefommeii  mar,  fuhr  bie 
f leine  ftrait  fort:  „Die  Unbarmherzige,  baS  8inb  in  ber  SÖiege 
hat  fie  mir  oerbrannt.  ^efet  aber  madje,  bap  bu  wenigftemS  gerettet 
wirft,"  unb  bamit  föob  fie  ba$  OWäbchen  $ur  J^üre  hinaus.  Äaum 
hatte  fie  ben  £of  hinter  fich,  als  auch  Die  ©ebäube  in  hellen  flammen 
aufgingen,  fo  ba§  bie  SJänerin  mit  allen  ihren  Angehörigen  elenbiglich 
oerbrannte. 

gjiünblith  aus  3i)bon>,  flteis  S*laroe. 
119. 

$ie  Unterirbifchen  feiern  $odföett. 

früher  gab  eS  in  $r&ebiatfoto  ganj  fleine  l'eute,  bie  man 
Unterirdschken  nannte.  9Sor  bem  Dorfe  liegt  bicht  bei  bem. 
©ehöft  beS  Säuern  #linfbetn  ein  groger  QrelSblocf.  Um  ben  herum 
hörte  ber  Sefifeer  eines  SlbenbS  laute,  feltfame  ÜJhifif.  Das  waren 
bie  Unterirdschken,  welche  gerabe  ^ochaeit  feierten.  «Seit* 
bem  jefct  aber  ber  grojje  <©tein  mit  ©rbe  berfchfittet  ift,  hat  mau 
nie  wieber  oon  folgen  Dingen  etwas  gehört. 

SRünblia)  aus  ^rjebiattoro,  Ätcis  Sütom. 

120. 

$te  Unterirbifchcn  bringen  ein  geflohenes  ftinb  ^arficr. 

Die  Unterirdschken  flauten  oft  ben  üßenfehen  fftnber 
unb  legten  bafür  einen  ber  3h"8en  in  Siege,  ©o  hatte  eine 
ftrau  auf  ihren  (Säugling  nicht  recht  acht  gegeben;  ba  famen  bie 
Unterirdschken  unb  oertaufchten  ihren  «Sohn  mit  einem 
Sechfelbalg.  SlnfangS  merfte  bie  ^Kutter  gar  nicht  ben  betrug; 
boch  fo  fehr  fie  baS  Äinb  auch  Pflegte,  es  wollte  nicht  gröfcer  werben 
unb  nicht  fpredjcn  lernen. 


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Ü9 


Da  flagte  fte  nun  bem  Siadjbarn  i^rc  9Jot,  unb  bcr  jagte  fo* 
-gtcid^,  e«  würbe  wo^I  ein  ©edjfetbalg  fein.  8ie  foUe  u)n  nur 
nehmen,  tüajtig  burdfprügeln  unb  bann  üor  bie  Xfjüre  werfen.  Die 
$rau  tfjat,  wie  tyr  ber  üttann  geraten,  unb  als  fte  am  anbern 
borgen  oor  bie  XIjüre  trat,  war  ber  ©edjfelbafg  oerfajwunben, 
unb  ftatt  feiner  lag  ifjr  nötiger  £ofjn,  pbfdj  unb  gro§,  aber 
jäntnterltdj  aerfajlagen,  auf  ber  Sdjwelle. 

Die  Unterirdschkcn  Ratten  au«  fltfitleib  mit  Ujrem 
CJenoffen  benfetben  wieber  $u  fidj  genommen,  aber  ba«  üWenfdjeti* 
ftitb  $iwor  getabe  fo  gugeridjtet,  tüte  ber  Söedjfelbatg  oon  ber  garten 
3rau  jugeridjtet  war. 

Gbenbal)«. 

121. 

Die  ltnterirbifdjeu  bei  öuboto. 

Qn  bem  Dorfe  Söubow,  im  Stolper  Greife,  tebte  einft  ein 
Sdjäfer,  ber  Ijatte  einen  Dubelfacf,  auf  bem  er  fidj  bei  ben  §djafen 
auf  bem  ftetbe  etwa«  oorbubette.  Sit«  er  nun  audj  einmal  fa£ 
unb  fpiette,  ba  fafy  er  einen  ftrofdj  üor  fu$,  ber  fprang  berum, 
al«  wenn  er  orbentlicfj  nadj  ber  SWufif  tankte.  Da«  faJ>  ber 
©djäfer  eine  $eit  lang  an,  ^tiefet  wollte  er  mit  bem  ftufje  nadj  ifjm 
fto§en;  ba  war  ber  ftrofdj  aber  mit  einem  ÜWale  berfetywunben. 

Über  eine  Heine  Söette  fanb  ftdj  ein  winaige«  2J?änndjen,  ein 
Unterirbifc^er,  bei  Hjm  ein.  Der  fragte  i^n:  „3J?ein  Heber  ©djäfcr, 
wollte  er  ben  fjrofc^  tot  madjen?"  Der  Sdjäfer  antwortete:  „Wein, 
ba«  toar  id)  nid)t  willen«!  Rimberte  mid)  nur,  baß  ba« 
Ding  fo  pufeig  fprang."  Da  fagte  ba«  üKänncfyen  $u  Üjm:  „3Rein 
lieber  ©djäfer,  wenn  er  ben  ^rofdj  tot  gemalt  Ijätte,  fo  Ijätte  er 
mtd)  getroffen,  benn  ber  $*rof(^  war  tdj."  Darauf  bat  ba«  2)?änn* 
djen  ben  <5d)äfer,  ob  er  nietjt  mit  tt^m  getjen  in  olle  511  ben  Veuten 
ton  fetner  Slrt  unb  ein  bifjdjcn  auf  bem  Dubelfacfe  fpielen,  beim 
feine  Zoster  madje  fyeute  $>odjaeit.  Der  <5cf|äfer  entgegnete  ifym: 
„Da«  ge^t  ntdjt;  benn  »0  würben  unterbe«  meine  «Sdjafc  bleiben?" 
Da«  SWänndjen  oerfprad)  tym  aber,  fte  füllten  gut  uerfeljen  »erben, 
worauf  ber  Sdjäfer  ftd>  bereben  lieft  unb  mit  it)m  ging. 

<2>ie  wanberten  nur  ein  Heine«  3tücfd)en,  ba  tljat  ftd)  bie 
Grbe  oor  Urnen  auf,  unb  fte  ftiegen  eine  -treppe  hinunter,  bi«  fie 
in  eine  fdjöne  8tube  famen.   Darin  waren  fo  fciele  ©äfte  bei» 

7* 


100 


fammen,  ba§  e«  orbentlidj  fribbelte  unb  wimmelte,  .ßuerft  tru8 
man  bem  ©djäfer  oiel  (Sffen  unb  Sxtnfen  auf  bcn  lifcr)  unb  bat 
iljn,  babon  gu  genießen.  9iadj  bem  (Sffen  bubcltc  er  bann  bie 
gange  9?ad>t  burdj,  unb  bie  Keinen  tfeute  tangten  unb  [prangen,  bat} 
iljnen  bie  Littel  um  ben  Stopf  flogen. 

311«  e«  £ag  geworben  »rar,  bat  ber  Sdjäfer,  fie  mbdjien  tyn 
jefet  wieber  gu  feiner  £erbe  gurürf  bringen,  Da«  waren  fie  gu* 
frieben.  5tber  oorf>er  famen  fiele  an  if>n  fjeran  unb  fteeften  tym 
alle  £afd)en  üoll  Serbfpäne;  boa)  merfte  er  nichts  baoon,  benn  er 
r)atte  Don  bem  Irinfen  etwa«  guoiel  in  ber  ftrone.  darauf 
brauten  fie  ifm  auf  ben  Seg,  unb  ba«felbe  ÜNänncrjen,  ba«  ifm  ge* 
l)olt  trotte,  führte  ilm  wieber  auf  ba«  ftelb,  wo  feine  ©djafe  no(fy 
waren,  unb  oerfäwanb  bann,  naajbem  e«  ir)m  noa?  oielmal«  gc* 
banft  f>atte. 

2öic  ber  Sdjäfer  nun  mit  feinen  Srfjafen  nad)  $aufe  trieb, 
ba  famen  ifmt  plöfclicr)  feine  Saferen  fo  ferner  oor,  unb  al«  er 
funeiufüljlte,  ba  fanb  er  bie  Äerbfpäne  barin.  Da«  oerbrot}  ilm, 
benn  er  meinte,  bie  Unterirbifcr)en  gälten  ir>n  gum  Marren  gefjabt, 
unb  er  warf  fie  alle  oon  fidj  auf  bie  Grbe.  Olm  bie  Xafdje  oorn 
auf  ber  ©ruft  oergafc  er,  unb  wa«  er  in  biefer  r)atte,  blieb  unbe* 
rübrt  liegen. 

911«  er  fid>  be«  Slfrcnb«  au«gog,  um  gu  93ette  gu  gefyen,  r)örtc 
er  auf  einmal  in  ber  S3rufttafd)e  etwa«  Hingen.  Da«  üerwunberte 
ifm,  unb  wie  er  f)ineingriff,  fo  fjatte  er  bie  gange  £afd)e  ootl  harter 
S^aler.  Da  merfte  er  wor)l,  bafc  iljm  bie  Unterirbifdjen  ba«  al« 
SBegafjlung  für  fein  spielen  gegeben  Ratten,  unb  er  ärgerte  fia), 
bat}  er  fooiel  weggeworfen  r)attc.  Die  9?ad)t  würbe  ir)m  reift  lang, 
unb  am  anbern  borgen  war  fein  (£rfh«,  bat}  er  gurücf  ging  unb 
na$  ben  weggeworfenen  Spänen  fudjte.  3lber  er  fanb  baoon  nid)t« 
wieber. 

8nltif<f>e  otuoien.   II,  1.   £.  170.  171;  lemmc,  ^oWam  <JU.  219. 

122. 

Untcrirbifdjc  bringen  ©elb. 

tSin  3dweiber,  ber  bei  einem  üfteifter  in  Damcrow,  im  Streife 
Vauenburg,  in  ber  Vef)rc  ftanb,  mut}tc  an  einem  Sonnabenb  nad) 
Saulin  gefeit,  um  bert  einen  Slnjug  abzuliefern.    511^  er  nun 


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101 


mitten  in  bem  großen  ©albe  mar,  weiter  bic  beiben  Dörfer  oon 
einanber  trennt,  begegneten  ifym  jteei  flctne,  gan$  grün  angebogene 
üRänner.  @r  fragte:  „SEBoljin?",  erhielt  aber  feine  Antmort,  unb 
fcalb  maren  bie  fleinen  Öeute  feinen  Augen  entfdjmunben. 

Über  Qaffr  unb  £ag,  naäjbem  er  injmifdjen  felbft  2)teifter 
gemorben  mar,  führte  ifyn  fein  ©eg  mieberum  burdj  benfelben  Salb 
unb  fielje,  wie  bamald,  fo  famen  Üjm  aud>  Ijeute  bie  fleinen,  grün 
getteibeten  Underörtsckken  ju  ©efidjt.  $ie3mal  flatftyen 
fte  jeboefj  in  bie  ,£)änbe,  tiefen  quer  über  bie  «Straße  in  baS  SBufdj* 
merf,  unb  ber  eine  ton  iljnen  rief  bem  <2d)neibermeifter  au$  bem 
SBalbe  fyerauö  3U:  „Ik  war  di  dit  verjelde." 

&er  9J2ann  backte  fidj  meiter  nicr)t^  babei  unb  ging  ruhig  nad) 
4>aufe.  (Einige  ©odjen  fpäter  befanb  er  fidj  in  großer  ©elboer* 
legenf>eit  unb  bat  in  feinen  borgen  ©Ott  um  9iat  unb  $>Hfe. 
darauf  legte  er  ficf>  rufyig  fdjlafen.  SSie  er  ermatte,  fal)  er  unter 
ber  Cfenbanf  jene  b-iben  grünen  9flännlein  fifcen,  bie  aber  fofort 
toerfdjmanben,  als  er  aufflanb.  9Jtdjt8beftomeniger  ging  er  Ijin  unb 
fal)  nad)  unb  crblicfte  $u  feiner  ftreube  auf  bem  Zicde,  roo  bie 
Underörtschken  gefeffen,  gmei  große  ©olbfrüefe,  für  bie  tym 
ber  ©olbfdjmieb  fünfaig  blanfe  Jfyaler  auf  ben  £ifä)  gatylte.  @o 
mar  tym  burd)  bie  fleinen  ÜWänuer  au$  aller  9Jot  geholfen. 

SHünblicb  au3  Äatfäoro,  SfreiS  i'nuenburg. 

123. 

$ie  Untcrirbifdjen  tu  §of>cufclbe. 

3n  £>of)enfelbe  mar  alle«  mit  ber  ftoggenerute  befdjäfttgt. 
Unter  ben  ©inberinnen  befanb  fidj  aud)  eine  Xagelöljnerfrau,  meldje 
tyren  älteften  jungen,  ber  aber  nodj  ni^t  ge^en  fonnte,  mit  auf 
ba3  ftelb  genommen  unb,  mäljrenb  fie  arbeitete,  hinter  eine  Koggen* 
manbel  gefegt  fwtte.  ^lö^Hcr)  i>örte  fie  einen  lauten  Störet,  eilte 
ju  i§rem  Äinbe  Inn  unb  fanb  bort  allerbing«  einen  jungen  fö*n, 
«ber  tyr  <sofjn  fonnte  e8  nimmermehr  fein.  $er  fa^  l>übfä  unb 
manterlu$  aus,  mä^renb  ba«  Stirb,  ma«  jefet  bafaß,  einen  unge- 
heuer großen  Äopf  $arte  unb  fictyerlicfc  ein  SBe^felbalg  mar. 

$n  tyrem  8 Breden  fing  bie  arme  3rrnu  an  $u  meinen  unb 
$u  jammern,  fo  baß  au$  bie  anbem  Arbeiter  unb  Arbeiterinnen 
tynau  eilten.   Unter  biefen  befanb  fi$  ein  fe^r  flugeS,  alte«  Söeib, 


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102 


toeldjeg  ber  beftoljlenen  ÜRutter  bcn  Rat  gab,  ben  35*ecf)felba(g  ur> 
barmljergig  burdjguprügeln,  oljne  auf  fein  Sdjreien  311  adjten,  unb 
babei  immer  auf  biefelbe  Stelle  gu  f plagen.  Die  5rau  M  at  wit 
ifyr  gefjeifcen  mar,  unb  entfernte  fidj  fobann  oon  ber  dtoggenmanbet. 
Qe  roeiter  fic  gurücftrat,  um  fo  fc^tväc^er  mürbe  baö  Sdjreien  be£ 
£inbe$,  unb  enblic^  f)örte  e8  gang  auf. 

ftefct  fer)rtc  fie  mieber  gurücf.  Da  erfdjoll  pfö^lidr)  ein  ©e* 
räufcfy,  als  menn  ein  Sturmminb  fäme,  ber  Sedjfelbalg  r-erfdjmanb, 
unb  an  feiner  Stelle  fam  ber  Soljn  ber  ftnm  au$  bem  Joggen* 
Raufen  gum  33orfct)etn.  <Sr  war  fonjt  gefunb  unb  moljlbefjalten,  nur 
tyatte  er  ben  ganzen  Äörper  ooller  Striemen;  benn  bie  Un der- 
art schken  Ratten  ba8  2Henfd)enfinb  ebenfo  gugerityet,  wie  bie 
5rau  ben  2Öe$felbalg. 

Sluf  biefe  Sßeife  mar  bie  ftrau  nodj  einmal  mit  bem  btofcen 
Sdjrecfen  baoon  gefommen.  (58  ifl  jebodj  feljr  unrecht,  wenn  bie 
ÜRütter  ifyre  ftinber,  beoor  fie  ge^en  fönnen,  oljne  Sluffidjt  laffen;. 
benn  bie  Underdrtschken  ftnb  gu  eifrig  hinter  ben  kleinen 
t)er.  %f)üt  man  e$  aber  bennod?,  fo  fotlte  man  menigftenS  ba£ 
Äinb  Dörfer  befreien  unb  ein  ($efangbud}  baneben  legen;  bann 
fönnen  bie  Keinen  tfeute  iljm  nidjtS  angaben. 

ebenbn^er. 

124. 

<£»tlar*(er  »edjfelbafg.. 

(Sin  Glternpaar  Ijatte  einft  ein  gang  munberbar  geartetes 
£inb.  G$  mar  nämlid)  gar  nidjt  fo,  mie  anbere  Sinber  fonjt  finb, 
fonbern  (lein  von  ©eftalt  unb  fjatte  aufcerbem  bie  merfwürbige 
®abe,  fid)  in  alte  möglichen  ©eftalten  oermanbeln  gu  fönnen.  ?ü£ 
e$  ungefähr  gmölf  $al?re  att  mar,  ff>racJr)  e$  gu  feinen  (Sltem: 
„Sffiaä  merbe  idj  eudj  länger  gefjorfam  fein;  bin  id)  bod)  ein  33?enfc^en* 
ftnb,  mie  fein  anbere«  unb  fann  midj  oermanbeln,  in  meiere  ©ejtalt 
tc$  mill". 

ÜRit  biefen  Sorten  »erliefe  ba$  Äinb  fein  (Elternhaus  unb 
manberte  bem  SRadjbarborfe  gu,  »0  gerabe  eine  große  .'porfjgeit  mar. 
Da  e8  einen  meiten  ffieg  gegangen  mar  unb  junger  ljatte,  aber 
trofcbem  bie  ßeute  nidjt  um  eine  <$abe  anfüredjen  mottte,  fo  oer* 
manbelte  e«  fidj  in  einen  $unb,  fuc^te  bie  Änodjen  unter  ben 


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I 

103 


Sifdjen  auf  unb  fra§  baöon.  Dodj  faum  Ratten  bie  |)odjgeit«gäfte 
ben  $>unb  erblitft,  ba  ergriffen  fie  aud)  fdjon  ifyre  ©töcfe  unb 
fcr)(ugen  nad)  tym. 

Voller  Stngjt  fto^  ber  $unb  unter  einen  Eifdj  mit  brei  ^"§cn 
unb  oermanbelte  fiä)  bort  in  einen  $>al)n.  3Me  Öeute  oertounbeilen 
fidj  feljr  barüber,  faljen  näljer  gu  unb  mürben  nun  gu  ifyrem  ©nt* 
fefcen  geroatjr,  ba§  e«  fein  richtiger  $>aljn  mar,  benn  er  Ijatte  einen 
$)üfmer»  unb  einen  ^ferbefuß.  $)a  fam  man  auf  ben  ©ebanfen, 
e«  möchte  ber  leibhaftige  Xeufet  fetber  fein,  ber  fte  oertreiben 
tootte;  unb  um  iljm  ba«  unmöglich  gu  machen,  fttmmte  bie  gange 
©efeüfdjaft  ba«  fromme  Sieb  an:  „$)er  lieben  Sonnen  £ia?t 
unb  ^radjt  tyat  nun  ben  £ag  ooUfü^ret  je."  211«  fie  gu  bem  93er« 
famen:  „$ljr  $)öüengeifter  paefet  eudj,  Ijier  Ijaot  iljr  nidjt«  gu 
[erraffen",  ba  begann  fict)  ber  £ifd),  unter  bem  ber  $aljn  fafc,  gu 
breiten,  unb  je  metter  man  fang,  um  fo  fdjnetter  bewegte  er  fid), 
fo  bafc  aüe  anberen  £ifdje  umfielen  unb  alte«  ©efdjirr  barauf 
gerbradj. 

(Erft  als  bie  ©tropfe  beenbet  mar,  ftanb  aud)  ber  £ifd) 
mieber  fülle,  (£«  gab  aber  babei  einen  foldjen  Ärad),  bajj  jeber« 
mann  meinte  ba«  gange  $au«  fiele  um.  SRadj  bem  ÄnaU  oer* 
manbelte  fiä)  ber  §atyn  in  ein  Keine«,  alte«  2Rännä)en  mit  langem 
23art,  ba«  unter  furä)tbaren  2)rotyungen  unb  gemaltigem  €>d)elten 
ber  £$äre  guging  unb  bann  auf  9limmerroieberfe^en  oerfdjmanb. 

$ie  testen  SBorte,  metd)e  ba«  2Rännd)en  fpra<^,  maren: 
„Ek  war  jü  dat  anschtrtke." 

SRünbliO)  auS  SRedoro,  ÄrciS  fiauenbutg. 


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IV. 

$t*  §misgrijto  uni>  fjansfdrlmtgm 

125. 
^  0  ^  ^  ^  ^  c  $  • 

(Sbenfo  (eb^aft  mie  ba«  Slnbenfen  an  bie  3merge  $at  P*4  in 
gang  Bommern  bie  (Erinnerung  an  bie  alten  Ijeibnifdjen  §au«geifter 
ermatten.  @8  finb  ba$  Keine  tyalbgötttictye  SBefen,  welche  gmar  in 
©röfce,  SluSfe^en  unb  £rad)t  ben  3mergen  fc$r  ä^nefa,  and)  mie 
toiefe  bie  ^ä^igfett  befifcen,  fidj  unfidjtbar  gu  machen,  anbere  ©eftalten 
angune&men,  überhaupt  .ieglidje  ^auberfunj^  gu  »errieten,  aber 
benno($  burdj  manche  ©igentümlidjfeit  fid)  fdjarf  öon  i^nen  unter» 
Reiben. 

<5o  ift  ber  $>au3geift  ftet«  männliä^er  9?atur  unb  erfäeint  faft 
immer  allein,  toätyrenb  e$  bei  ben  ^mergen  3JMnner,  Söetber  unb 
Äinber  giebt  unb  biefetben  in  größeren  ©efeüfd^aften  gufammen* 
leben.  SDen  §au$geift  gcidjnet  ferner  bor  ben  3mergen  feine  intime 
(Stellung  au«,  mefdje  er  bem  2Renfdjen  gegenüber  einnimmt.  Gr 
ift  in  feinem  innerften  SBefen  mit  bem  gangen  |>augjtanb  unb  ber 
ftamüie  beraa^fen,  er  ift  üjr  trautefter  unb  getreufter  ftreunb,  ia 
urfprüngttdj  felbft  einer  üjrer  Angehörigen  getoefen;  benn  überall  in 
Bommern  finben  mir  nodj  bie  beuttidjften  ©puren,  baß  ber  Sinnen* 
unb  @ee(en*Äu!tu«  in  ben  be8  §au$geifte8  übergegangen  ift.  ©o 
^errft^t  unter  ber  ©djiffcrbeöölferung  am  ©tranbe  ber  ©taube,  baj? 
ber  Klabätermann  eine  Stinberfeete  fei  3)em  entfm-ic^t,  n?enn 
man  im  ftreife  Sauenburg  fagt :  tftnber,  bie  ungetauft  fterben,  tofir* 
ben  gum  „wille  Alf.w  l)  2)ie  $au$fd}Iange  enbftdj,  meiere  ja 
nur  eine  befonbere  ftorm  be$  $au$geifte8  ift,  fte^t  in  fo  naljent 

*)  9Rünbli#  aus  Äatfa^ow,  StteiS  fiauenburg. 


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105 


3ufammenhang  mit  bem  menfdjlichen  Seelenleben,  ba§  mit  it)rem 
£obe  auch  ber  Tot)  ihre«  Schübling«  eintritt,  b.  t)-  mit  anberen 
©orten,  fic  ift  bie  Seele  it)re«  Schübling«. 

3>ie  2iebling«»läfce  be«  $au«geifte«  finb  hinter  bem  Ofen, 
auf  bem  $erb  unb  im  Schornreut.  (50  f&richt  fid)  barin  feine 
SRatur  al«  ^eueretbe  au«,  »eiche  übrigen«  fdjon  au«  ber  Reibung 
hervorleuchtet.  ©etoöhnlicb,  benft  man  fid)  nämlich  an  it}m  toentg* 
ften«  ein  Äleibung«ftücf  bon  brennenb  roter  f^arbe,  enrmeber  bie 
ffcüje  attüfce  ober  bie  §ofen  ober  bie  ftacfe.  Sluch  ber  Umftanb  ge^ 
hört  ^ter^er,  ba§  er  bei  feinen  9lu«flügen  toie  ein  feuriger  ©te«* 
bäum  burdj  bie  tfüfte  gieht.  9Jicht«befton?eniger  ift  bie  3?orfkltung, 
»eiche  ben  $au«geift  al«  §auSfdjIatige  in  <Erblödjern  »ohnen  lägt, 
mit  jener  anbern  oollfommen  gleichaltrig.  £)er  $)au«geift  birgt 
eben  eine  zwiefache  9iatur  in  ftdj,  eine  feurige  unb  eine  erbige,  unb 
ba«  hat  feinen  @runb  barin,  bafe  er  au«  einer  SJerquicfung  öon 
Oberelben  unb  (Srbgeiftern  entftanben  ift. 

(5«  erübrigt,  bie  mancherlei  tarnen  anzugeben,  bie  bem  §au«» 
getft  in  Bommern  beigelegt  werben.  92ur  brei  baoon  finb  allgemein 
»erbreitet:  Äobolb,  $)rache  unb  Teufel.  Sobolb,  in  unferm 
^lattbeutfcb.  Kübolt  ober  mit  SBerberbni«  be«  ©orte«  Kla- 
bätermann,  Kl abätersmänneken  genannt,  ift  fein 
beutf^e«  ©ort,  fonbern  ftammt  au«  bem  latent,  cobalus,  griedt). 
xößakog  =  oerfchmifo'er  Sert,  ^offenreijjer,  pellt  alfo  ben§au«gott 
al«  ben  fchalfifchen  fteefegeift  bar.  ©benfo  ift  bie  33egeichnung 
5)rache  (Dräk,  Dräuk)  unbeutfeh  unb  au«  bem £atetn.*©rtechi* 
fchen  draco,  ÖQaxwv  =  Schlange  entftanben  unb  be«halb  auf  ben 
$au«geift  übertragen,  »eil  er  nach  freut  35oIf«glauben  wie  eine 
lange,  feurige  Schlange  burd)  bie  tfüfte  fährt.  2)ie  ©leidjftellung 
be«  §au«geifte«  mit  bem  Xeufet  bagegen  h^  tyrci*  ®runb  in 
bem  berechtigten  Streben  be«  ©hriftentum«,  bie  urfprünglicb  bem 
Sföenfdjen  »ot)l»ollenbe  9iatur  be«  Äobolb«  gu  oerfinftern  unb  ent* 
ftellen  unb  ihn  baburd)  ben  feinem  Dienfte  ergebenen  beuten  gu 
entfremben. 

Weben  ben  eben  angeführten  tarnen  finben  fid)  in  ben  Oer* 
fdjieben?n  Seilen  Bommern«  noch  folflenbe  anbere  Benennungen  für 
ben  §au«geift  oor.  SSon  9iegen»albe  bi«  gur  äu&erften  Spifce  oon 
Sauenburg  fennt  man  ihn  al«  Alf,  e«  t)at  fich  mithin  bort  bie 
SJorflellung  fcharf  erhatten,  ba§  ber  #au«geift  gu  ben  etbifchen 


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ICH» 


©etftcrn  gehört,  Buf  Ufebom,  ©olfin,  töügen  unb,  nad;  SlrnbtS 
Zeugnis,  and)  auf  ber  ötfigen  gegenüber  liegenben  neuoorpommer* 
fd)en  äüfte  finbet  fia)  bie  Segeidmung  Püks  »),  Pök,  Pük,  toa« 
fooiel  iuic  Änabe  bebeutet.  2)er  9came  oerbanft  feinen  Urfprung 
offenbar  ber  groergljaften  ©efralt  be8  ^au^getfte«,  toe^alb  berfelbe 
audj  in  bem  ©tolper  Greife  tjäufig  fctylecrjt&in  baS  SRänndjen2) 
genannt  mtrb.  ^n  ben  Greifen  SRanboto,  9caugarb,  3#rf*entum  unö 
©ctjlaroe  ift  für  bie  Benennung  be$  ^auögeifted  feine  Reibung 
mafcgebenb  getoefen,  er  Ijeifct  bort,  je  nadjbem  man  fict)  üm  mit 
roten  $)ofen  ober  mit  einer  roten  ^acfe  DorfreUt,  Rödbücksch 
ober  Rodjäckte,  Rödjackte.  33ei  ben  (Seeleuten  mieberum 
üerfdjaffte  ir)m  fein  rütyrigeä  unb  raftlofeS  Arbeiten  unb  $antieren 
an  allen  (Scfen  unb  (£nben  beS  ©cbifM  ben  tarnen  Kalfäter. 
SBon  bem  traulichen  3$erfe!)r  fc^lic^ttct),  in  bem  ber  §au3geifr  mit 
ben  §au«genoffen  fterjt,  geugen  Äofenamen  toie:  Chimmeke 
Ooadjimctjen),  Häs  (§an$),  Michel  (SWicrjael)  u.  f.  to,  mit 
benen  man  iljn  in  oieten  Greifen  Bommerns  benennt. 

126. 

Klabätersmänneken  ober  Pükse. 

5)ie  Klabätersmänneken  ober  Pükse  galten  fiel)  in  Käufern, 
befonberfi  aber  in  TOtylen  unb  auf  ©djiffen  auf,  wo  fte  oon 
SKilct),  bie  man  tynen  Ijingefefct  §at,  (eben  unb  bafür  aller^anb 
2)ienfte  oerridjten.  9tamentlicc)  melfen  fie  bie  Äüfje,  ftriegeln  bie 
$ferbe,  arbeiten  in  ber  Äüdje  ober  fte  toafdjen  baS  <2cf)iff,  Reifen 
bie  Snfer  aufgießen  unb  anbereä  me^r,  unb  man  ^at  nid)t8  meljr 
gu  fürdjten,  als  »enn  baS  Klabätersmänneken  ba«  <5d>tff  oer« 
lägt.  Darum  muß  man  fiel)  gang  befonberS  hüten,  u)nen  einen 
SRoct  ober  ein  paar  ©d)u$e  ^ingulegen,  benn  bann  oerlaffen  fie 
augenblicflict)  iljren  Aufenthalt,  ©ie  getjen  nämlidj  mit  furgen,  roten 
3ä(fa)en  einher,  bie  nidjt  im  beften  ©tanbe  futb  unb  oft  Stößen 
geigen,  fo  baß  e£  einem  too^l  baS  $erg  belegen  möchte,  toemt 
man  fie  fie^r.   Qn  ben  Käufern  Raiten  fte  fta)  befonber«  gern  im 

*)  Sei  ber  %otm  Püks  tft  baS  s  au8  bem  $Iurali3  in  Den  ©inau« 
IaxiS  aebtungen. 

*)  0.  Änoop,  SßoltSfaaen  u.  f.  w.  aus  bem  öftliipen  fcmtetpommern. 
Wen  1885.   &  78. 


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107 


(Mebä'lf  auf,  we«I>alb  man  aud)  beim  Umbau  eine«  §au|t«  bie 
Soffen  nidjt  fortwerfen  barf,  fonbern  fomei  al«  mögfid)  batwn  gutn 
|)aufe  oerwenben  mup. 

Äubn  unb  Sajroarfe,  91orbbcutfd)f  Saarn  91r.  17. 

127. 

$cr  Kalfater  ober  Klabatermaun  auf  ben  Skiffen. 

<2obalb  ein  neue«  ©djtff  fertig  unb  »on  feiner  Sftannfdjaft 
in  ©efifc  genommen  ift,  jiefjt  in  ba«fe(be  ein  fleiner  ©eijt  mit  ein. 
$ie  (Schiffer  nennen  ifm  ben  Kalfater  ober  Klabätermann.  G« 
ift  ein  guter  @eift,  fomoljl  für  ba«  ©djiff  af«  audj  für  bie  üttann« 
fcr>aft.  ©efetyen  fjaben  if)n  nur  wenige,  benn  e«  ift  ein  Ungtütf 
für  ben,  ber  iljn  fiefyt.  SDie  ifjn  gefe^en  $aben,  ergäben,  er  fei 
faum  gwei  grofc  unb  trage  eine  rote  3acfe,  weite  ©$iffer$ofen 
unb  einen  runben  $ut.  Sfnbere  bagegen  behaupten,  ba§  er  gang 
naeft  fei. 

^e  weniger  man  ü)n  fie^t,  befio  öfter  fann  man  i§n  im 
<2d>iffe  $ören;  benn  für  biefe«  forgt  unb  müljt  er  fi$  o^ne  Unter* 
lafc.  Gr  fcilft  im  föaum  bie  ©allen  na$ftau$en,  er  falfatert  ba« 
€dn'ff  ba,  wo  fein  3ttenfd>  gufommen  fann,  wo^er  er  au$  ben 
tarnen  Ijat.  Söenn  ber  <S$iffer  in  ber  Äaiüte  eingefdjlafen  ift, 
ba«  Styff  aber  üon  ©efa^r  bebrof>t  wirb,  bann  fül)lt  er  ftdj  pUHfity 
tom  ffeinen  Klabätermann  angeflogen,  bafc  er  erwadjt  unb  auf* 
fäljrt  unb  nun  gefdjwinbe  anorbnet,  wa«  gur  Stbwenbung  ber  ®e* 
fa^r  nötig  ift.  2)ie  ©$iff«leutc  wiffen  re$t  gut,  bafc  bie«  alle« 
ber  flehte  Kalfater  tf>ut.  ©ie  fagen  audj  nidjt«  anbere«  al«: 
„§örft  bu  wofjl,  ba  ift  er  wieber !"  wenn  fie  tyn  unten  im  Staunte 
ober  brausen  an  ben  ^Manfen  hantieren  fjören. 

£ie  ÜWannfdjaft  fudjt  ftd>  gut  mit  i$m  gu  galten;  berni  ben 
fltnfen  Sttatrofen  $ilft  er,  wo  fie  irgenb  eine  «rbeit  $aben,  bafc  fie 
frifö  unb  gut  öon  ber  $anb  ge$t.  (Er  forgt  bafür,  bafe  bie  Xaue 
beim  (Einrahmen  ber  <Segel,  audj  beim  fd^ärfften  ffiinbe,  trity 
fölenfern;  er  erleichtert  tynen  bie  $albe  Arbeit  beim  Bufoiffen  ber 
Slnfer.  Unb  wenn  ein  fünfer  ©urfäe  »on  einem  <S$iffe  auf  ein 
anbere«  abgebt,  bann  giebt  iljm  ber  Klabätermann  ein  ßeuten 
mit,  woran  tyn  ber  Klabätermann  be«  anberen  «Skiffe«  erfennt, 
bamit  ber  tym  ebenfo  gut  unb  $elfenb  fei.  X)ie  faulen  unb  trofctgen 


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108 


üttatrofen  bagegen  $n>icft  unb  quält  er  unb  t^ut  ipnen  allerlei 
Sdjabernacf  an,  bis  fie  gule^t  flinf  unb  fleißig  »erben,  ©enn 
aber  nichts  ^Uft,  fo  geigt  er  fidj  ihnen  $ulefct  unb  fdjneibet  ihnen 
©efidjter  $u.  Qann  ift  e$  aber  auch  aus  mit  ihnen;  benu  roer 
ben  Klabätermann  mit  leiblichen  Slugen  fielet,  beffen  lefeteS  Stünblein 
hat  gefdjlagcn.  $)ie  9D?atrofen  tf)un  ihm  baljer  alles  $u  Gefallen 
unb  fefcen  ihm  oft  beS  Nachts  oon  ihrem  tfieblingSeffen  ^in.  9?oit 
toem  er  fo  etwa«  annimmt  unb  gegeffen  hat,  bem  ift  er  gar  ab* 
fonberlidj  gut. 

SefonberS  laut  unb  rührig  ift  ber  Kalfater,  menn  ©türm 
fommt  ober  baä  Schiff  in  grofje  ©efahr  gerät.  3)?an  hört  tfm 
bann  an  allen  (Scfen  unb  Tanten;  er  forgt  für  aüeS  unb  Ijilft 
bei  allem. 

Sßenn  ber  Klabätermann  einmal  in  ein  Schiff  eingebogen 
ift,  meiert  er  oon  bemfelben  nid)t  toieber,  als  bis  es  $u  (ürunbe 
geht.  9Jierft  er  baS  aber  unb  ftet)t  er  ein,  baß  trofc  aller  Üttühe 
unb  3lrbeit  baS  Schiff  nicht  mehr  $u  retten  ift,  fo  oerläjjt  er  eS 
enblid).  2luch  hierbei  geigt  er  noch  feine  ^-reunbfe^aft  für  baS 
SdjiffSOolf;  benn  ba  man  ir)n  ntcr^t  feljen  fann,  fo  fteigt  er,  fo  fjod) 
er  fann,  unb  ftürjt  ftdj  bann  oon  oben  t)cr  mit  großem  (^eräufet) 
in  baS  SÖaffer,  bamit  man  if>n  hören  fönne.  Einige  fagen,  er 
fteige  bei  folc^er  Gelegenheit  auf  bie  äufeerfte  Spifee  beS  53ugfprietS 
unb  fpringe  oon  bort  in  bie  See.  Söer  ihn  aber  bort  fehe,  mit 
bem  fei  eS  für  immer  aus. 

Sobalb  nun  ber  Klabätermann  baS  Schiff  oerlaffen  hat 
bann  toeiß  aud)  baS  SchiffSoolf,  bafj  eS  mit  bemfelben  fein  Gnbe 
hat.  (SS  legt  jefet  feiner  mehr  §anb  an,  beim  Stellung  beS  Schiffe« 
ift  nicht  mehr  möglich-  3eoer  nur  fe^f*  Su  retten,  fo 
gefchtoinbe  er  fann ;  benn  man  toeifj  auch/  öa§  ocr  Klabätermann 
bis  gum  legten  Slugenblicfe  bei  bem  Schiffe  unb  bei  ber  ÜRannfchaft 
au3t)ält. 

Manche  behaupten,  ba§  nicht  jebeS  Schiff  einen  Kalfater 
habe,  fonbern  ba§  ein  foldtjeS  Glücf  nur  wenigen  Schiffen  gu  teil 
toerbe.  3)ie  Klabätermänneken  follen  nämlich  bie  Seelen  oon 
Äinbern  fein,  bie  tot  geboren  ober  fonft  oor  ber  Xaufe  geftorben 
finb.  2Benn  fotehe  ftinber  nun  in  einer  ^)eibe  unter  einem  öaume 
begraben  merben  unb  oon  einem  folc&en  SBaume  irgenb  etioas  311 
bem  93aue  beS  Schiffe*  oertoenbet  toorben  ift,  bann  geht  mit  bem 


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109 


£olge  bie  «Seele  be«  ÄinbeS  al$  Klabätermänneken  in  bog 
Sdjiff  hinein.  Die  bieS  behaupten,  fageu  aud),  ba&  ein  fola)e$ 
Sdjiff,  ba«  einen  Kalfater  befifct,  niemals  $u  ®runbe  gelten  fönne. 

(Einige  ergäben,  ba§  man  ben  Klabätermann  aud)  ofme 
©efafjr  3U  fefjen  befommen  fönne.  DaS  mufe  man  auf  folgenbe 
SGBcife  anfangen:  ÜKan  mufe  be8  9iadjt3  jmifcfyen  jtuölf  unb  ein 
Uljr  allein  $um  Sm'llodj  getyen  unb  fid)  felbft  burdj  bie  Seine  burdj 
nnb  fo  burd)  baö  Spillod}  feljen.  Dann  fann  man  ben  fleinen 
©eift  erblitfen,  roie  er  an  ber  33orberfeite  be8  SpillodiS  ftef>t. 
Senn  man  t^tt  bann  aber  naeft  fteljt,  fo  muß  man  fid)  fürten,  ba§ 
man  nidjt,  etwa  aus  2ttitleib,  ifjm  Kleiber  gutoirft,  womit  er  fid) 
fletben  folle;  benn  baö  fann  er  nid)t  leiben.  Gr  roirb  über  foldjeS 
SMitleib  leidjt  befe  unb  meint,  man  Nolle  fid)  baburd)  mit  ifym  ab- 
fiuben. 

Scmme,  «olfotaaen  Wx.  253. 

128. 
$er  Pök. 

Der  Pök  ift  ein  böfer  ©eifr,  wo^l  gar  ber  Satan  felbft; 
benn  „hei  hat  mit  den  Pök  wat  tö  daun"  ift  fooiel  als:  „er 
mad)t  fid)  mit  bem  Xeufcl  ju  fdjaffen."  9ttd)t$beftoroeniger  Ijat  fidj 
ber  Pök  fd)ou  mandjem  nüfclid)  erliefen.  Ser  ifm  befifet,  bem 
trägt  er  buref)  bie  frift  fo  oiel  ©elb  gu,  als  er  fid)  nur  münfdjen 
mag.  216er  ba$  tfjut  ber  Pök  nify  umfonft,  er  lä&t  fid)  als  @nt« 
gelt  für  feine  Dienfte  bie  Seele  feine«  #erren  terfdjreiben  unb 
fä^rt  nad)  beffen  £obe  bamit  gur  £ölle. 

$om  Pök  erf>ält  man  ben  ®ed)feltf)aler.  £u  bem  3toerfe 
begiebt  man  fidj  in  ber  9?ad)t  gmifdjen  elf  unb  gtoölf  Uljr  auf  ben 
&ird$of,  too  ber  ©eift  ftetS  gu  treffen  ift.  (Sr  geigt  fid)  bann  in 
feiner  regten  ©eftalt,  als  ein  fleineS,  fdjroargeS,  abf^euli^  l)ä> 
lidjeS  üttänncf>en.  Der  Vertrag  fjinfidjtlid)  ber  Seele  mirb  gefdjfoffen, 
unb  ber  fltteufd)  fjat  feineu  Sedjfeltfjaler,  ber,  fo  oft  er  ifm  aus* 
giebt,  immer  roieber  in  feine  $änbe  gurueffe^rt. 

Ser  einmal  einen  foldjen  $anbel  eingegangen  ift,  fann  if>n 
nidjt  roieber  rücfgängig  machen.  9lur  einem  flauen  Säuern  ift 
bieS  auf  folgenbe  Seife  gelungen.  Der  gottlofe  fatt  warb  ilmt 
leib,  ©r  gimmerte  fid)  barum  ein  $olg  mit  brei  Sreugcn  unb  legte 


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110 


ben  Iljaler  barauf,  fteUte  fidj  in  eine  @<fe  ber  ftirdjfyofömauer  unb 
fc^ob  ba$  ©eftell  *or  ftdj.  Dann  citierte  er  ben  Pök.  $öa$  follte 
ber  roofjt  anfangen,  als  er  fam.  $u  bem  2flann  fonnte  er  nidjt; 
beim  auf  groei  «Seiten  Ijinberte  iljn  bie  sJWauer,  auf  ber  britten  bie 
&reugc.  ($3  blieb  ibm  ntc^td  aubereS  übrig,  als  ben  SBcdjfeltbater 
jurüdjune^men  unb  beS  33auern  Seele  freiflulaffen. 

Wünblid)  au§  ©arj  auf  Mtflen. 

1 2J>. 

Sie  ber  Dmk  Äorn  brtfdft. 

Der  53auer  Nijär  in  ^irforo  fjatte  ben  Dräk,  ba$  roufcte 
ba3  gan^e  Dorf;  benn  oft  tjatte  man  benfclben  in  Weftalt  einer 
feurigen  tfugel  mit  langem  5cucrfärocif  in  ben  Sdtornftein  feines 
§aufeS  hineinfahren  gefeben. 

GineS  9iad)tö  borte  ber  9Jadjbar,  rote  in  ber  Streune  beg 
Nijär  fortroäfjrenb  gebrofd)en  rourbe.  „&a§  fann  bad  fein,"  badete 
er  bei  fid),  „ber  roirb  bodj  nidjt  £ag  unb  9Jad)t  arbeiten  (äffen?" 
Seit  ifjm  ba$  Ding  gar  ju  abfonberlid)  oorfam,  machte  er  fid)  auä 
bem  Söette,  ging  auf  bie  <Sd)eunbiele  unb  rief:  „Der  £aufenb! 
Nijär,  brifdjft  bu  benn  Ijier  bie  gange  9iad)t?" 

$a,  ba  roar  uon  Nijär  nidjts  gu  feiert,  rooljt  aber  ftanb  in 
ber  ©djeune  ein  Heiner,  Ijäfjlidjer  Äerl,  ber  f  topfte  eifrig  auf  eine 
einzige  Stbre  unb  rief  bei  jebem  ®d)(ag: 

„Von  en  Ör  ön  Dräemt1)! 

Von  en  ör  dn  Dräemt!" 
$opffd}üttetnb  ging  ber  -Wadjbar  nad)  $aufe ;  bodj  ridjtig,  ben 
anbern  3Rorgen  faj?  Nijär  in  feiner  Sdjeune  unb  mafj  jroölf  Steffel 
Seiten  ab,  bie  hatte  i^m  ber  Dradje  gebrofdjen.   Da  roar'S  benn 
feine  Äunft,  ba§  er  fteinretdj  rourbe. 

Ominbliaj  au*  Sixtow  auf  9tügen. 

130. 

Der  Äobotb  bei  ©ingft. 

Huf  einem  ©ute  bei  ©ingfl  auf  SRügen  roar  ein  Äodj  ange* 
fleüt,  ber  be$  9ftorgen$  immer  am  (ängften  im  ©ette  lag  unb  bodj 

M  Draerat  =  12  Steffel. 


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111 


jebeSmal  jur  red>ten  fyit  feine  Slrbett  tooüenbet  ljatte.  $)a8  fam  ben 
beuten  fonberbar  t>or,  unb  fie  befdjloffen,  ber  <2adje  auf  ben  ©raub 
3U  geljen.  SBie  fie  nun  am  fotgenben  £age  gang  fritfj  in  bie  Äüdje 
traten,  fafyen  fie  bort  ein  Heineg,  beljenbeS  Äerldjen  am  §erbe 
eifrig  berum  garnieren  unb  aüe  Arbeit  be8  ßodjeS  »errieten.  (Sr 
lie§  fidj  aud)  burdj  bie  CSinbringlinge  in  feinem  Z\}M\  burdjau« 
nicfyt  ftören.  9iur  luenn  einer  gu  breift  tuurbe  unb  ju  nafye  an  ben 
$erb  fyeran  trat,  würbe  baS  ÜDfanndjen  böfe  unb  gab  bem  33e« 
treffeuben  eine  berbe  Cljrfeige,  fo  ba§  er  fidj  fpäter  beffer  uorfatj. 
$a  erfannte  mau  benn,  mfyalb  ber  &odj  täglidj  ungeftraft  fo  tange 
im  S3ette  bleiben  burfte. 

3Rünblid>  au«  ©mgft  nuf  MtQen. 
131. 

Schipper  Gau  un  sin  Puk. 

In  Barth  lewdo  eon  Schipper,  Hinrich  Gau,  dat  was 
de  glücklichste  un  vörwegenste  Schipper  in  der  ganzen 
Ostsee,  dem  ook  alles  to  Faden  leep.  He  unnerstund  sick, 
wat  keen  anner  Schipper  dörste,  un  se  seden,  he  kunn 
mit  allen  Winden  segeln  un,  wenn  he  wull,  ook  wedder 
den  Strom.  So  was  he  denn  jümmer  de  erste  up  dem 
Platz  un  makte  de  besten  Frachten  un  wurd  in  weinigen 
Jähren  een  riker  Mann,  datt  se  en  den  riken  Schipper 
edder  den  riken  Gau  nömden. 

Dat  Ding  hedd  äwerst  so  sinen  egnen  Haken;  denn 
de  Lüde  munkelden  so  wat  van  eenem  blanken  Käwer 
edder  eener  grönen  Pogg  in  eenem  Glase.  Dat  was  sin 
Puk,  de  em  den  Wind  un  dat  Glück  makte,  un  de  Matrosen 
wullen  dat  düwelsche  Ding  unnerwielen  sehn  hebben, 
wenn't  stief  weihde  edder  de  Nacht  gefährlich  düster  was, 
wo't  as  een  lütt  winzig  Jüngiken  in  eener  swarten  Jacke, 
eene  rode  Mütz  up'm  Kopp,  up  dem  Schipp  herümleep 
un  alles  nahsach,  edder  ook  as  een  old  gris  Männiken 
mit  eener  kritwitten  Parück  up  dem  Kopp,  dat  am  Stür- 
roder  satt  un  in  den  Häwen  keek  un  dem  Schipp  den 
Weg  wisde.  Se  vörtellden  ook,  datt  de  Schipper  sine 
blanken  un  grönen  Düwelskamraten  sehr  prächtig  plegde 


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112 


in  eenem  aparten  Schrank  in  einer  Koje,  wo  keen  Minsen 
hensnuwen  dörst,  un  datt  he  en  dä  jümmer  söten  Muschat- 
win  un  Rosinen  un  Figen  hendrog. 

Dat  Glück  was  up  disse  Wis  un  mennigen  schönen 
Dag  mit  dem  Schipper  Gau  up  der  Fahrt  west,  un  he 
vorstund  sine  Geisterkens  to  regieren  un  se  weren  em  up't 
Komando  gehursam  un  willig.  Äwerst  tolest  vörsach 
he  sick  eenmal.  He  was  mit  eener  riken  Ladung  ut 
England  kamen  un  sin  Schipp  lag  up  dem  Strom  der 
Sundschen  Rhede  vor  Anker.  Nu  was  he  eenen  Dag  in 
de  Stadt  fähren,  un  —  Gott  weet,  wo't  geschach  —  he 
was  in  een  woist  Gelag  geraden  un  se  hedden  so  deep 
in't  Glas  keken,  datt  Gau  Schipp  un  Puk  un  de  ganze 
Welt  vörgatt. 

So  hedd  unser  Schipper  twee  utgeslagene  Dage  in 
Stralsund  vördrunken,  un  sine  Dinger,  de  he  hungern  let, 
weren  grimmig  worden,  hedden  de  Gläser  terbraken,  worin 
se  seten,  un  blösen  eenen  Storm  up,  datt  dat  Schipp 
anfung  mit  allen  Segeln  to  speien  un  sick  van  allen 
Ankern  losret.  Et  wurd  een  grot  Geschrei,  un  veele 
Schippers  lepen  herbi  un  ook  Schipper  Gau.  De  kreeg 
flugs  een  paar  van  sinen  Matrosen  un  eenige  Waghälse 
tohop,  löste  sin  Boot  un  leet  de  Remen  knarren  un 
reep:  „Frisch,  Jongsl  Frisch!  Wenn  ick  an  Burd  kam, 
schälen  mine  Kerls  woll  wedder  to  Loch,  se  kennen  min 
Komando  woll!u 

Un  Gau  kam  richtig  an  dat  Schipp,  dat  sick  jümmer 
rundum  küselde,  as  wenn't  in  eenem  Strudel  stack.  Alle 
annern  Schippe  rührden  sick  nich,  as  wenn  för  se  keene 
Luft  weihde,  un  was  een  heel  moj  Wäder.  Äwerst  de 
kecke  Gau  hedd  sick  dittmal  to  veel  vörmeten.  Sine 
Bürschken,  de  wegen  des  langen  Hungers  to  grimmig 
weren,  leten  sick  van  em  weder  locken  noch  hissen.  Se 
makten  jümraer  gewaltigem  Storm  un  dullere  Arbeit  un 
küselden  tolest  so  arg,  datt  Schipp  un  Schipper  mit 
Mann  un  Mus  to  Grund  gingen. 

(*.  3Jt.  Slrnbt,  »eben  unb  ^ugenberg.  II.  8.  61—66. 


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113 


132. 

$er  Chinimeke  in  gotfc. 

Stuf  ben  -Sdjlöffern  in  Bommern  gab  e«  in  früheren  Otiten 
oiele  ^oltergeifter,  btc  ba«  33olf  Chimmeke  nannte.  3ttan  mufcte 
ftc  ftd)  $u  ^reunben  Ratten;  bann  traten  fie  niemanbem  etma«  $u 
leibe,    ©onft  tonnten  fie  aber  feljr  böfe  merben. 

<5in  fotdjer  Chimmeke  war  au$  auf  bem  alten  ©djloffe 
gu  £oifc.  @r  mar  fdfcn  lange  $al)re  ba  gemefen,  unb  man  mufjte 
if>m  jeben  31benb  einen  trbenen  £opf  mit  füfcer  Sttild)  oorfefeen. 
$ic  ajj  er  über  s)la$t  auf,  unb  alfo  tfjat  er  feinen  Stäben.  3öie 
aber  $u  einer  3eit,  gegen  ba*  ^afjr  1370,  bie  2Weflenburger  ba« 
<sa)Iojj  inne  Ratten,  fo  mar  barm  ein  übermütiger  Srudjenjungc,  ber 
natym  bem  Chimmeke  einftmal«  bie  ÜRild)  meg  unb  tranf  fie  felbft 
aus,  inbem  er  bem  ©eift  obenbrein  fpöttifdje  ©orte  gab. 

2)a«  oerbrofc  biefen  fefjr,  unb  mie  am  anberen  2Worgen  frü^, 
beoor  nodj  ber  ftod)  aufgejtanben  mar,  ber  tfüdjenjunge  in  bie  $hid)e 
fam  unb  ba«  Jeuer  anmaßte,  ba  ergriff  ber  Chimmeke  ben 
©üben,  fneb  ifm  in  Stüde  unb  ftetfte  biefelben  in  ben  großen  ©rapen, 
ber  mit  Ijetfjem  2öaffer  auf  bem  fttuer  ftanb.  2)arnadj  fam  ber 
£0$  in  bie  Äütfe  unb  moüte  ftleifdf  Imlen,  ba«felbe  in  ben  ©rapen 
jum  ftodjen  ju  merfen. 

£)a  ladjte  aber  ber  Chimmeke  unb  fagte  $u  bem  Äodje, 
ba«  ftleifd)  fei  fd)on  gar,  er  folte  nur  anrieten  unb  e«  auffegen. 
$er  Äodj  fal>  in  ben  ©rapen  hinein  unb  fanb  barin  bie  gefodjten 
{)änbe  unb  ftüjje  unb  erfannte,  bafc  fie  be«  93uben  maren. 
darüber  erfdjraf  er  fefyr,  ber  Chimmeke  aber  ift  oon  bereit  an 
au«  bem  @d)loffe  meggejogen  unb  fyat  fidj  nidjt  mieber  feljen  laffen. 

2)en  ©rapen,  in  bem  ber  Äüdjen  junge  gefönt  morben,  fjat 
man  nod)  oiele  $a$re  auf  bem  <5djloffc  gezeigt.  ©0  er  fidj  jefct 
befinbet,  rneij?  man  jebodj  nic^t. 

Jemmc,  Stolfciaaen.  9lr.  214.  9iad)  Äanfeom,  ^omerania  I.  S.  333; 
OTicräliu*.  «lt.  ^ommctlonb.  I.  S.  268. 

133. 

$tc  jtebeu  £cufclrf)cn  hinter  bem  Ofen. 

3u  bem  reiben  ©aftmirt  im  £>orfe  fam  einft  ein  guter  35e* 
fannter,  um  bei  ifmt  bie  9?ad)t  31t  bleiben.  2(1«  e«  $ch  ^um  ?lbenb* 

8 


114 


effcn  war,  trug  bte  ©irtin,  obwohl  nur  brct  SÄenfdjen  gu  Jifdje 
fajjen,  eine  mächtige  edjüffel  SBrüljfartoffeln  mit  ©tippe  auf,  fo  ba§ 
ber  ©aft  gang  erftaunt  fragte,  ob  fie  benn  fo  erfdjrecflidj  t>tcl  gu 
effen  pflegten.  „Das  gerabe  nidjt,"  ertoiberte  bie  ^rau,  „aber  Oer» 
fpeift  werben  bie  Äartoffeln  bodj  immer  bei  un«  unb  barum  fodje 
id)  fo  oiel." 

Dem  ©aft  fam  ba$  nidjt  geheuer  oor,  unb  er  fyielt  bie  Slugen 
fdjarf  offen.  3£ie  er  nun  beu  erften  93iffen  gum  2ftunbe  führen 
wollte,  geigte  fid)  plöfclidj  fjinter  bem  Ofen  ein  Heiner  Äcrl  mit 
einer  roten  9)iüfce.  Der  fteefte  oorfidjtig  ben  5topf  tyerauS,  30g 
ifm  aber  fogleidj  toieber  gurütf,  al$  er  fid)  oon  bem  5rcmpcn 
obadjtet  faf).  Derfelbe  Vorgang  roieber^oltc  fidj  uoefy  gu  mehreren 
Sföalen,  otyne  bafj  ber  ©aft  gegen  feine  SöirtSlcute  ein  9Bort 
barüber  oerlor. 

211$  bie  SWaljlgeit  beenbet  mar,  fpradj  bie  9Btrtin :  „Diesmal 
finb  wirflid)  bie  Kartoffeln  nidjt  aufgegeljrt  Horben''  unb  ftellte  fidj 
gang  oertounbert  barüber.  ©obann  legte  ftdj  alles  gu  ©ette,  ber 
©aft  naljm  feinen  ^lafc  auf  ber  Ofenbanf  unb  tljat,  als  wenn  er 
feft  fdjliefe.  Da  famen  gang  leife  hinter  bem  Ofen  fieben  Heine 
rotmügige  Äobolbe  Ijeroor  unb  fielen  über  ben  Itfdj  fyer,  ajjen  alte 
Kartoffeln  mit  fammt  ber  ©tippe  auf  unb  eUten  bann  ebenfo  oor* 
fidjttg,  tote  fte  gefommen,  in  iljren  93erftccf  gurücf. 

31m  anbern  borgen  rief  ber  ©aft  ben  SBirt  unb  feine  ^rau 
au  ben  Ofen  unb  mied  auf  bie  fieben  ftobolbe  ljin.  Isßon  nun  an 
tonnten  bie  beiben  nidjt  meljr  ableugnen,  toaS  fdjon  feit  $af)ren 
baS  gang?  Dorf  behauptet  Ijatte,  nämlid)  baf?  fte  fid)  t?on  Dielen 
Dramen  ©etb  unb  ©ut  burd)  ben  (Sdjoraftein  gutragen  tiefen  unb 
gum  <5rfafe  bafür  bie  Keinen  Teufel  oon  iljrem  £ifdje  fpeifen  mü&ten. 

gRünblid)  au§  abtragen,  ÄrciS  ©rimmen. 

134. 

Die  ttobolbe  in  ©reifömalb. 

3u  einer  3C^  9a&  c*  m  ©reifStoatb  eine  SWenge  gräfs(id) 
angufefjenber,  Heiner  Äobolbe,  meldte  rote  $ofen  an  ben  ©einen 
trugen,  ©ie  gelten  fidj  befonberS  in  ber  ftnopfftrafje  auf,  wo  fie 
bie  §äufer  befehlen  unb  auf  ben  93öben  iljren  ©peftafel  trieben, 
bann  oben  aus  ben  Sdjornfteinen  IjerauS  gueften  unb  bie  tfeute  auf 


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115 


t>er  <©tra§e  öerfyöljnten.  Sollte  man  fic  fangen,  fo  cntf prangen  fic 
bttrdj  bie  Sajornfteine,  unb  man  fal)  i^re  roten  $ofen  oft  fdjon  auf 
bem  britten  £)a($e,  wenn  man  fie  nodj  in  bem  erften  §aufe  fudjte. 
(Snblidj  öerfcfywanben  fie  oon  felbflt. 

Semme,  ^oltSfaaen.  9ir.  215. 

135. 

$a&  $orf  äonerow. 

$a$  $>orf  Äonerow,  im  Äreife  <$JreifSwalb,  ift  t>on  ^ejengelb 
aufgebaut.   $)a$  fyat  fid)  auf  fotgenbe  Seife  angetragen. 

9iadjbem  ber  Ort  im  breifeigjäljrigen  Kriege  ganglid)  jerftört 
unb  niebergebrannt  mar,  mußten  fidj  bie  Öeute  in  elenben  ©trolj* 
Kütten  aufhalten,  wo  fie  oiel  oon  ben  hatten  unb  üKäufen  ju  leiben 
fyatten.  (£ine$  £age8  tarn  einer  biefer  armen  SKenfdjen  tiacf?  Sol* 
gaft  $u  einem  Säcfer,  um  fidj  ein  ©rot  $u  erbitten.  $>abei  flagte 
er  feine  9Jot,  bie  er  mit  ben  hatten  unb  SWäufen  Ijabe.  2)a  bot 
iljm  ber  93äcfer  feinen  Äater  an,  ber  werbe  ba«  Ungeziefer  wotyl 
vertilgen,  i§m  aud)  fonfl  $u  ©ienften  fein.  $a8  naljm  ber  93auer 
mit  SDanf  an. 

Sie  er  nun  mit  bem  Äater  in  feine  §fitte  fam,  tyub  baS  £ier 
auf  einmal  an  $u  fpre^en  unb  fragte:  „SaS  fott  idj  tlmn?"  ©er 
Sauer  befahl  tym,  alle  Matten  unb  SWäufe  meg^ufangen  unb  fie 
auf  einen  Raufen  gu  bringen,  ©ad  tfcat  ber  Äater  alSbalb  unb 
fragte  Weiter:  „Sa«  foU  i$  jefet  t$un?  fann  alle*."  „Senn 
bu  alles  fannft",  oerfefcte  ber  üftann,  „fo  bringe  mir  ©efb."  Da« 
fcerridjtete  ber  Äater  gleidjfallS  unb  braute  tym  ©elb  bie  3Wenge, 
fo  oiel  er  fjaben  Wollte.  SU«  er  genug  $atte,  gab  er  ben  Äater  an 
bie  anbern  Säuern  beS  ©orfeS,  bie  nun  au$  fo  m'el  ©etb  befamen, 
als  fie  fid)  nur  wünfd)en  mochten.  Darauf  bauten  fie  ba8  $>orf 
wieber  auf,  fdjöner  unb  beffer,  als  eS  guöor  gewefen  war. 

Sie  fie  bamit  fertig  waren,  wolftei  fie  ben  Äater  gerne  roieber 
loä  fein;  beim  er  fam  ifynen  bod)  gar  $u  oerbä$tig  for,  unb  e8 
roarb  tynen  ängftlidj  in  feiner  ©cfeüfdjaft.  ©ie  gingen  beätyalb  gu 
bem  iöäcfer  in  Solgaft  unb  fragten,  roie  fie  e$  ju  mad)cn  hätten, 
bap  fie  be*  ÄaterS  lebig  mürben.  ©er  riet  i^nen,  fie  füllten  eine 
Äiepe  nehmen  unb  ju  bem  Äater  fagen: 

„Äater,  in  bie  ftiep!" 

8* 


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116 


fo  »erbe  er  hinein  fpringen,  unb  bann  fottten  fie  iljm  ba«  $ier 
nur  lieber  bringen.   Stlfo  traten  fie  and}. 

33on  ber  3eit  an  fi°D  bi*  dauern  31t  Sonerow  reic^  unb* 
wo^Ujabenb  geworben,  fo  reter),  bafc  fie  fpäter  U)remÄönig  ÄarlXIL 
(Selb  in  bie  Xürfei  fdjitfen  tonnten. 

<Rad)  Semme,  Stoltefnaen.  9lr.  271. 

13(5. 

Puks  *ict)t  mit  bem  OJeWlf. 

Qu  Swinemünbe  ftanb  efjemal«  an  ber  (£<fe  ber  $önig«ftra§r 
ein  fleine«  $on«,  in  meldjem  ein  Wann  woljnte,  bem  alle«  nadj 
Söunfdj  ging  unb  ber  aulefet  ganj  wofflfyabenb  würbe.  Da«  fant 
baljer,  ba§  er  einen  Puks  batte,  ber  ifjm  in  ber  5öirtfcr)aft  bebüflidj 
war  unb  ben  man  oft  be«  9?acf)t$  im  $aufe  flappern  unb  jammern 
fjörte.  9(1«  ber  Wann  ftarb,  würbe  ba«  $au«  oon  einem  53äcfer 
erftanben,  ber  ein  fdjöne«,  fteinerne«  ©ebäube  an  ber  Stelle  auf* 
führte  unb  audj  ba«  alte  ®ebälf  l)inau«warf  unb  neue«  nafnn, 
bamit  ba«  $a\i&  redjt  faltbar  würbe. 

Da«  war  aber  fetjr  31t  feinem  Sdjaben,  benn  oon  bem  Singen* 
bliefe  an  micf>  ba«  ®lücf  oon  ber  Stelle,  unb  er  ift  feine«  l'eben« 
nie  wieber  redjt  fror)  geworben.  Sein  Dia^bar  in  ber  Votfenftraße 
aber  laufte  ifym  ba«  ®ebälf  ab  unb  baute  fein  Dacf>  bamit  au«» 
Unb  barin  fafj  ber  Puks;  benn  oon  Stunb  an  würbe  ber  9Jadj* 
bar  ein  wofylljabenber  Wann  unb  ift'«  geblieben  bi«  an  feinen  Job. 
ft'ein  Weufd)  aber  tonnte  redjt  begreifen,  wie  ba«  fam,  bi«  cnblidj 
einmal  ein  paar  ftinber  auf  ben  ©oben  famen  unb  bort  ein  Heine« 
9J?ännrf>en  fifcen  iafycn.  Da«  trug  einen  großen,  aufgefrämpten 
£)ut  unb  einen  roten  fltoef  mit  blanfen  knöpfen,  oon  benen  fieben 
auf  jeber  Seite  fa$cn.  Da  mußte  man  benn,  wober  ber  $Bol>l* 
ftanb  fam. 

2(u$  Sroinemünbe:  Äu()n  unb  Sdjroarfc,  91orbbciitfd)c  Sagen.  9ir.  18. 

137. 

Pfiks  baut  etuen  Sann. 

3m  Srfjilfe  be«  Ri  $u  Soffiu  bielt  fitf)  lange  3flbre  f)in 
burefj  ein  fleiner  Puks  auf  mit  roter  3arfe  linD  9Mih)e,  ber  bort 


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117 


fdjon  mancherlei  5ct)er$  unb  Wcrfcrei  oeriibt  battc.  CSinft  mar  er 
plöfelict)  fort,  aber  in  berfelben  ftactit  mar  einem  ber  bortigen  dauern 
ein  gaun  run^  "m  fcm  ^et)öft  geführt  roorben,  uon  bem  bod}  am 
Slbenb  tort)er  nod)  feine  Spur  $u  fel)en  mar.  Seit  ber  3ctt  Reiben 
auc^  fai  bcmfelben  ftet$  bie  ftcnfterlaben  ber  einen  Cammer  ge= 
fct)loffen,  unb  man  fagt,  bort  babe  ber  Püks  feine  ©otjnroig  auf* 
{jefdjlagen;  benn  ber  $auer  mürbe  $ufchenb$  reicher  unb  reicher, 
unb  ba3  meife  jeber,  bajj,  mer  plbfclich  reid)  roirb,  in  ber  töegel 
einen  Püks  hat. 
2lu§  Sellentin  auf  Ui'ebom:  Äuljn  unb  Sdjioarfc,  9?orfct>.  Sag.  9?r.  19. 

138. 

Äobolb  ald  $alm. 

3>r  93auer  £)eibfct)mieb  in  SReftoro  im  Vieler  &Mnfel  befaß 
«inen  ftobolb  in  ©eftalt  eines  £at)ne§,  meldjer  il)m  bie  oerfchiebenften 
3>inge  jutrug.  $)en  £ag  über  fa§  er  gewöhnlich  hoth  °&en  tn  ber 
<Sd)eune  auf  bem  3)cittelbalfen,  fyattt  e$  aber  gar  nidt)t  gerne,  wenn 
ein  anberer,  als  fein  §err,  il)n  bort  erbtiefte.  <Sdjauten  $.  33.  bie 
Änedjte  beim  $refd)en  $u  ihm  in  bie  $>öt)e,  fo  warb  er  feljr  ^ornig 
unb  marf  ftorn  auf  fie  herab,  fo  bajj  fie  nur  flinf  ben  ©lief 
roieber  $ur  (Srbe  fehren  mußten,  um  nicht  baS  Augenlicht  311 
verlieren. 

OTünblid)  au£  iHeftoro  auf  Ufefcom. 
130. 

$er  Püks  putxt  tölöfee. 

$)ie  5ami^e  eme$  ©Aitern  ging  jeben  Sonntag  jur  $ird)e. 
Obwohl  nun  bie  üöäuerin  nur  wenig  früher  mie  bie  übrigen  ba$ 
©Ottenaus  t>erlie$,  um  ben  §eimweg  anzutreten,  fo  mar  bod)  immer, 
wenn  bie  anbern  nach  $>aufe  famen,  ba8  ÜWittageffen  fct)on  bereitet, 
nämlich  Wnc  fdjwarae  Älbfje. 

$)a3  fiel  einem  Änedjte  auf.  @r  fa)lug  ein  ^odt)  in  ben 
©chornfrein,  unb  als  am  nächften  «Sonntag  bie  ftrau  bie  ÄÜche 
betreten  fyaüe,  flaute  er  buret)  bie  Öffnung  hinab. 

3)a  fah  er  benn  bie  Säuerin,  wie  fie  bem  Püks  befahl, 
Älö&e  ju  „purren".   «ber  ber  Äobolb  bemerfte  ben  tfaufcher,  unb 


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118 


warnenb  rief  er:  „H6  kikt!  H6  horkt!"  —  „Ach  watu, 
antwortete  bie  %rau,  nplurr  immer  tau.M 

2U«  mm  ade  beim  Mittagbrot  fajjen  unb  ftcf)  bie  &Iöj$e  gut 
fdjmecfen  tiefjen,  wollte  ber  £ned)t  nid)t  miteffen.  Die  ftrau  tljat 
ganj  argto«  unb  fragte,  warum  er  benn  nidjt  gufange,  e«  wären  bod) 
fo  fööne  f^roarge  Stöße.  Da  erwiberte  ber  Surfte  joroig:  .,SoI 
Wat  de  dar  plurret  hat,  dat  sali  ik  ete?„ 

3Himblid>  au«  SernoroSfflbe  auf  SoUin. 

140. 

Der  Rödbücksch  in  Srebow. 

3u  ©refcoater«  3eiten  war  nodj  manme«  ganj  anber«  auf 
ber  2Belt,  al«  eS  fjeutjutage  ift.  Da  roar  in  Bommern  Wo^l  faum 
ein  Sauer  $u  finben,  ber  nidjt  feinen  $au«geijt  gehabt  f)ätte.  (£« 
toar  bog  ein  Heine«  üWänncfjen,  faum  anbertyalb  ©djuty  f)od),  mit 
einem  Säpfel  auf  bem  Äopf,  einer  fcf/Warjen  ^aefe  unb  roten  $ofen 
angetan,  um  berentwillen  man  tyn  furjtoeg  ben  Rödbücksch 
nannte.  Gr  mar  ein  fetyr  nüfclidje«  SBefen,  benn  alle«  möglü^e 
trug  er  feinem  $errn  ju,  Sorn,  £trof>,  ®elb  unb  fo  weiter.  fWic^td 
beftoweniger  finbet  man  jefet  bie  Rödbücksche  nur  nod)  feiten, 
bie  ^oli^et  ift  gar  $u  arg  hinter  tynen  $er,  unb  aujjerbem  ift  bie 
<©eele  Desjenigen,  ber  einen  foldjen  tfobolb  befifet,  rettungslos  bem 
Xeufel  oerfallen,  e«  fei  benn,  bajj  er  be«  Rödbücksch  nodj 
oor  bem  lobe  burcr)  i'ift  ober  Serfauf  ju  entlebigen  wei§. 

(Siner  oon  ben  wenigen,  weldjer  feinen  Rödbücksch  oor 
ben  Slugen  ber  geflrengen  ^Jolijei  ju  oerbergen  gewußt  Ijatte,  war 
ein  Sauer  Söafc  in  Srebow.  Stuf  bem  Sobeu  fjatte  er  tyn  in 
einer  £onne  ju  ftfcen,  unb  bort  befugte  tyn  bie  Säuerin  alle  bret 
Üage,  gab  tym  einen  Üopf  2RU<§  3U  trinfen  unb  mattete  iljm  fein 
Säger  fertig.  Säljrenb  fie  ba«  t§at,  ergä^lte  tyr  ber  Äobolb  alle«, 
wa«  bie  Dienftboten  hinter  iljrem  SRücfcn  angegeben  f>atten. 

Einmal  oerriet  er  bie  Äötyn,  welche  Ijeimlid)  auf  ben  ©oben 
geftiegen  war  unb  fidj  einen  Slpfel  genommen  Ijatte.  Die  Sauer«« 
frau  fdjalt  ba«  üWäbdjen  be«wegen  unb  bro^te  tyr  mit  <2d}lägen. 
Da  warb  bie  SWagb  ärgerlict)  auf  ben  Rödbücksch  unb  ftagte  tyrem 
6a)afc  feine  Ütücfe.  „©arte  nur,"  tröfrete  ber  feine  Sraut,  „bem  will 
iä)  fein  3ttaul  f$on  ftopfen."   211«  ber  Sauer  mit  feiner  ftrau  auf 


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119 


ben  3J?arft  gefahren  mar,  ging  er  auf  bem  Soben  hinauf  unb  ftedte 
fidj  atte  £afd)en  unb  bie  aftüfce  ooH  be«  fdjönften  Cbfte«;  fobann 
trat  er  an  bie  Xonne  tyeran,  ljub  ben  Reifet  auf,  unb  fpradj: 
„Rödbücksch!  Herr  un  Frü  sin  ütgän,  un  Gott  gaew,  dat 
du  nischt  näsäggst!"  Da  mußte  bcr  Rödbücksch  fKfl  fdjmeigen 
unb  burfte  and)  fetner  $errin  oon  bem  ganzen  $>anbel  nichts  er^len; 
benn  fdmu  ber  Warne  ©otte«  ift  bem  Äobotb  fo  fyart,  ba§  gegen  ben, 
ber  ilm  auöfpridjt,  alle  feine  9J?adjt  toerloren  ift. 

Wünblid)  aus  3abel$borf,  ÄrciS  9ianboro. 

141. 

$ct  RMbücksch  unb  ber  Stiefel. 

(Sin  Sauer  fefcte  mit  bem  Rödbücksch  einen  fü)riftlid>n 
Äontraft  auf  unb  untertrieb  tyn  mit  feinem  eigenen  Slute.  Damadj 
mar  ber  flobolb  oerpfliajtet,  big  an  fein  ?eben«enbe  treu  bem  üttanne 
311  bieneu  unb  jebe  Arbeit,  meldje  tym  aufgetragen  mürbe,  »oll  unb 
gang  au«aufül)ren.  .Jnette  ber  Rödbücksch  ben  Sertrag  ein,  fo 
oerfiele  if>m  feine«  $errn  Seele  nacf>  bem  £obe,  fönnte  er  jebccfy 
feinen  33er^fticr)tuugen  nicfyt  naa^fommen,  fo  foüte  ber  ganje  §aubel 
null  unb  nichtig  fein. 

Der  Sauer  war  aber  ein  Sajalf  unb  badjte  gar  mdft  baran 
bem  Rödbücksch  feine  Seele  gu  (äffen.  2U«  im  frrmjia^r  bie 
große  Sd>eune  teer  fitanb,  madjte  er  oben  in  bem  Strotybadj  ein  i'od), 
ftecfte  einen  ©tiefelfdmft  hinein  unb  befahl  bem  flobolb,  ben  Stiefel 
ooü  ©elb  $u  tragen.  Der  maajte  fu$  audj  fofort  an  bie 
Arbeit  unb  fdjleppte  immerfort,  brei  Sage  unb  brei  ftätye,  ©elb 
gerbet  unb  fluttete  e«  in  ben  Sdmft  Innern;  bodj  ber  ©tiefet  mar 
unergrünblicb.  unb  mollte  fiü)  nidjt  füüen.  Sil«  ber  britte  Sag  $u 
Gnbe  gegangen  mar,  ba  riß  bem  Rödbücksch  bie  ©ebutb:  „3efci 
trage  biefer  unb  Jener  nod)  länger,"  rief  er  au«  unb  oerfdnoanb. 
Der  Sauer  aber  mußte  ba«  ©elb  au«  ber  Sdjeune  in  Äarren  roeg* 
fdjaffen  unb  marb  ein  ffceinreiajer  2ftann. 

(ftenbaber. 

142. 

$er  Rddbücksc  h  unb  bie  betben  Säuern. 

3mei  benadjbarte  Sauern  Ratten  jufammen  einen  Rödbücksch 
in  t^ren  Dienflen  unb  Ratten  mit  iljm  eine  befrimmte  3eit  au«ge* 


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madjt,  nadj  bcrcn  Ablauf  er  it)re  Seele  t)olen  bürfe.  guuor  war 
jebodj  ber  Äobolb  gehalten,  für  jeben  t>on  ifmen  eine  Arbeit  gu 
»errichten,  toet^c  fic  frei  nadj  tyrem  Grmeffen  befiimmen  fonnten. 
23crmod)te  er  bie  üerlangten  2£erfe  binnen  fünf  Minuten  nidjt  gu 
üollbringen,  fo  follte  ber  Sontraft  nichtig  fein  unb  bie  beiben  ir)re 
Seelen  behalten. 

9113  nun  bie  $icnftgcit  be$  Rödbücksch  fidj  it)rem  Gube 
nat)te,  warb  ben  Sauern  Slngft  um  it)r  Seelenbeil.  £er  eine  oon 
innen  liefe  einen  großen  Raufen  Steine  auf  feinein  .Jwf  auffarren, 
ging  bann  gu  feinem  9fad)barn  hinüber  unb  fagte:  „©eoatter,  id) 
will  bent  Rödbücksch  aufgeben,  er  foU  mir  in  fünf  ülfinuten  au$ 
ben  Steinen  eine  -Jttauer  um£  gange  @ef>öft  bauen.  38a8  meinft 
bu?  baS  wirb  er  boct)  nicr)t  fönnen?  —  9lber  wa$  für  eine  Arbeit 
Wiltft  bu  itjm  benn  aufgeben?"  —  feufgte  ber  Slngerebete, 

,,ict)  fjab'  gar  feinen  üJiut  met)r;  ber  ftobolb  ift  gu  mädjtig.  93iel= 
leidet  fommt  mir  aber  nod)  im  testen  9lugenblitfe  ein  guter  We» 
banfe,  baö  ift  meine  cingige  Hoffnung."  —  „3Benn  bu  fo  »er* 
gweifelt  bift,  ©enatter",  entgegnete  fein  92ad)oar  guterfidftlid),  „bann 
toirb'S  bir  wot)l  ben  fragen  foften",  unb  bamit  ging  er  auf  feinen 
§of  gurüd. 

Ginige  Xage  barauf  fam  ber  Rödbücksch  unb  erflärte,  bie 
3eit  fei  abgelaufen,  man  möge  if>m  bie  Arbeiten  fagen.  „93au  mir 
ans  ben  Steinen  ba  um'S  gange  ©et)öft  eine  SOJauer",  rief  ber 
erfte  S3auer.  Saum  r)atte  er  auSgef proben,  fo  wanberten  bie  Steine 
burd)  bie  tfuft  it)rem  SeftimmungSorte  gu,  unb  et)e  bie  fünf  Minuten 
aud)  nur  gur  §älfte  oerftridjen  waren,  war  ba$  ©erf  t»ollbrad)t. 
2)er  Rödbücksch  breite  barauf  bem  tarnte  ba£  ÖJenicf  um  unb 
manbte  fid)  an  ben  anberen  ©auern.  £er  tiefe  in  feiner  $ergen$; 
angft  einen  Sinb  fahren  unb,  ba  it)m  nichts  33effere$  einfiel,  fo 
fagte  er:  „ftang'  mir  ben  wieber  ein." 

3)er  Rödbücksch  jagte  wot)l  eine  Stunbe  biutcr  ir)m  breüt 
Sltemloö  fam  er  enblidj  gurücf  unb  fpradj:  „Dat  Ding  is  nich 
to  krlgen.  Ball  heff'k  cn,  ball  is  ho  weck"  $)ann  nat)m 
er  bie  Seele  be£  ir)m  oerfaüenen  Sauern  unb  oerfdjwanb.  Der 
anbere,  welker  auf  biefe  3öeife  einem  gleichen  ®efd)icf  glüeflid) 
entronnen  war,  lebte  nodj  lange  ^a^re  gtürfttd)  unb  gufrieben  unb 
t)at  iebem,  ber  es  t)ören  wollte,  feine  wunberfame  Wertung  ergät)lt. 

GbcntKUKc. 


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121 


143. 

$ie  Äobolbc  auf  ber  Seidiger  2Weffe. 

35  a§  auf  ber  i'eipgiger  2Weffe  üiel  $u  feljen  unb  $u  faufeu 
iß,  baS  meifc  jebermann;  ba§  man  bort  aber  fogar  Äobolbe  gegen 
billiget  ©elb  einljanbeln  fann,  bürfte  roofjl  nur  wenigen  befannt 
fein,  unb  bodj  ifl  eS  budjftäblid)  maljr.  35er  alten,  jefet  längft  »er- 
ftorbenen  üKutter  Sittfdjen  in  3abelSborf  fefiger  ©ruber  bat  es 
felbft  mit  angefefien. 

@inc$  £ageS  faß  er  in  l'eip&ig,  mo  er  bamalS  bei  einem 
Säcfer  in  Slrbeit  ftanb,  gerabe  mäfyrenb  ber  ÜWefoeit  im  SirtSljauS 
unb  tranf  feine  Äanne  ©ier.  Sefet  fidj  ein  frember  #erl  gu  if>m, 
nimmt  eine  große  ^ylafttje  auS  bem  $Rocffd)o&  fjerfcor  unb  fpridjt: 
„Sdjau  fjcr,  ftreunb!"  3Bitt  gudte  Ijin  unb  erblitfte  in  bem  ©lafe 
ein  Herlsen,  fo  grofj  mie  eine  Spanne.  $)er  Jrembe  h°Q  barauf 
ben  üoxt  auS  ber  ^laf^e,  fmlte  baS  üftänndjcn  IjerauS  unb  ftellte  eS 
auf  ben  £if(f).  2)a  mar  eS  nun  ein  Vergnügen  mit  angufeljen,  mic 
ber  ftleine  iJurgefbäume  fc^tug  unb  ©rimaffen  fdmitt  tro^  einem 
$aoian.  M9iun  fomm  tyer",  fagte  ber  ftrembling,  „unb  trinf  gur  33e» 
lofmung."  Oüdjtig  baS  3J?änndjen  tief  gum  ©lafe  unb  tranf  in  Döllen 
3ügen,  fo  mel,  ba§  eS  trunfen  »arb  unb  rücflingS  Ijinfdjlug. 

„£icfj  mollen  mir  fdmn  friegen,"  tackte  ber  ftrembe  unb  lub 
ben  ©äcfergefellen  ein,  mit  tym  gum  2)?üf}lgraben  gu  gefjen.  $)ort 
pacfte  er  ben  flehten  #er(  an  einem  ©ein  unb  fdjlenferte  ifyn  fo 
lange  im  2fi?affer  Ijerum,  bis  er  gang  nüchtern  marb.  $)ann  tljat  er 
tyn  mieber  in  bie  $(aföe,  manbte  fid)  an  2öitt  unb  fprad):  „Äauf 
mir  baS  ©las  ab,  für  einen  ©rofdjen  foüft  bu  eS  fyaben."  SBitt 
tyatte  aber  längft  gemerft,  bafe  baS  Sfffänndjen  in  ber  fiiaity  ein 
$obolb  fei  unb  baft  fein  jefciger  Sefifeer  ifm  nur  beSfyalb  üerfaufen 
tocUe,  meit  bie  in  bem  Sontraft  abgemalte  35ienftgeit  balb  abge* 
laufen  mar,  er  antmortete  barum  entfctyieben:  „©ehalte  beinen 
Rödbücksch  nur  für  bidj,  idj  bebarf  feiner  nidjt."  —  „©ebenfe 
boa),  maS  er  bir  alles  gutragen  mirb,  unb  mie  oiel  ^yreube  er  btr 
burdj  feine  Späfce  bereitet,"  brang  ber  ^rembe  in  iljn.  Slber  SBitt 
wiberftanb  bem  33erfudjer,  fajlug  alles  runb  meg  ab  unb  ging  fort 
oon  ilnn  in  baS  §auS  feine«  2WeifterS  an  bie  Arbeit. 

$er  ©äcfer  tyatte  oon  ber  Stube  aus  ben  gangen  |)anbel 
mit  angefe^en  unb  glaubte  nidjts  anbereS,  als  ba§  fein  ©efelle  ben 


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122 


ftlafcfjenfobolb  gefauft  habe.   Sobalb  SBitt  in  bie  Serfftatt  trat, 

rief  er  ihn  $u  ftd)  unb  fagte:  ,,^acf  beine  Sachen  unb  geh'  auS 

bem  ^aufe.   ÜWit  einem  2ftenfdjen,  ber  ben  Xeufel  befifct,  will  idt) 

feine  Stunbe  mehr  unter  einem  Dad)e  wohnen."    $öitt  beteuerte 

feine  Unfcf)ulb  unb  ließ  fict)  am  gangen  Seibe  unterfudjen,  baß  er 

nirgenbS  bie  ^fafc^e  habe;  aber  ber  £>err  glaubte  ihm  nid)t  eher, 

bis  er  ben  5rcnt^en        Dcr  Straße  ^olte  unb  in  bie  Stube 

hineinführte.   Da  erfannte  ber  ätteifter  nun  freilief),  baß  fein  ®e* 

feile  ihn  nicht  belogen  t)abe. 

<So  arg  ftnb  alfo  auch  m  ^ci^ig  bie  Ceute  l?*ntcr  benen  \)tr, 

welche  einen  Rödbücksch  befifcen.    (SS  ift  in  biefen  Sachen  eben 

in  Sadjfen  nicht  oiel  anberS,  wie  in  unferm  pommerfchen  93ater« 

lanbe.  ebenbaher. 

144. 

ftobolb  oertragen. 

$n  bem  Dorf e  SBrebow  bei  «Stettin  tytlt  fieb  oor  etwa  oierjig 
fahren  auf  einem  Sauerhofe  ein  Äobolb  auf,  ber  Uriun.  Da 
berfelbc  bem  Sefifcer  burch  feine  (Streiche  oiel  Schaben  gufügte,  fo 
war  biefer  eifrig  bemüht,  beS  fct)limmen  ©ajleS  lebig  gu  werben. 
Aber  nicht«  tooltte  h^f™,  bis  fich  enblich  ein  ÜMJer  au«  ber  9?ähe 
oon  ftrauenborf  für  eine  gute  Belohnung  gewinnen  ließ,  baS  fd)wie* 
rige  Sßerf  gu  oollbringen. 

(£r  nahm  einen  großen  Sacf,  fprach  feine  3auberfprüdje  «nD 
brachte  bamit  auch  riä)t\Q  3«  ©ege,  baß  fich  Dcr  Uriän,  trofc 
oteleS  Sträuben«,  in  ©eftalt  einer  toten  Äafce  in  ben  beutet  be* 
geben  mußte.  Darauf  nahm  er  ben  Sacf  auf  ben  föücfen  unb  ging 
mit  ihm  nach  ©arforo  $u.  Unterwegs  mochte  bem  leufet  feine 
Wadjgiebigfeit  leib  geworben  fein;  benn  er  machte  ftet)  mit  einem 
ajeale  fo  fdjwer,  baß  ber  ättüllcr  ihn  unmöglich  weiter  tragen  fonnte. 

Slber  ber  2J?ann  wußte  fich  ^at-  Schnett  fchnitt  er  fich  emen 
5creugbornftocf  unb  fchlug  bamit  bermaßen  auf  ben  Sacf  ein,  baß 
ber  Äobolb  flehentlich  um  SSerjeihung  bat  unb  oerfprach,  feinem 
2J?eifter  feine  Schwierigfeiten  mehr  in  ben  2öeg  $u  legen. 

Da  hörte  benn  jener  mit  bem  prügeln  auf,  brachte  ben  Sacf 
bis  ju  einem  Dornftraud),  ber  fyatt  an  bem  ©ege  nach  ©arfow 
fleht,  unb  oergrub  ihn  bafelbft  Dort  wirb  er  fich  Wohl  noch 
bis  auf  ben  heutigen  Xag  befinben. 

SRünblia)  au§  fttauenborf,  Ärei*  Äanboro. 


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123 


145. 

$te  Murin  nttb  ber  Dräk. 

(Sine  Bäuerin  bei  Stargarb  f>atte  t?tet  baoon  gehört,  baß  gar 
mandje  ftrau  burd)  tyren  $>au«teufel  fid)  ba«  Mittagbrot  befora.cn 
laffe.  „$>alt,"  backte  fie  eine*  Sonntag«,  ,,ba«  fönnteft  bu  bei 
beinern  Dräk  bod)  aud>  einmal  probieren,  bequemer  mu§  e«  ge* 
toi&  fein,  al«  »oäfjrenb  ber  ftird^eit  am  Reißen  ftüdjenfeuer  $u 
fteb.en  unb  ba«  (Sffen  felber  zubereiten.''  „Dräk!  Schaff  mir  ein 
gute«  &cfttag«=©erid)t,"  fdjrie  fte  sum  ßobolb  hinauf,  unb  fie  hatte 
faum  nod)  ^eit,  eine  große  Srfjüffel  Jjerbeisn^olen  unb  unter  $u 
Ratten,  ba  f (äderte  fd)on  burd}  ben  «djornftein  eine  9Waffe  be« 
fdjönjtcn  Sd)tt?ar$fauer«  f>erab. 

Vergnügt  ftellte  bie  alte  |)ere  ba«  leufelSgeridjt  auf  ben 
%'\)d).  $11«  aber  bie  Seute  sulangten  unb  bie  Speifen  nä>r  be* 
fallen,  ba  war'«  fein  Sdm?ar$fauer  mefjr,  fonbern  eitel  hatten« 
fdrtoänae  unb  tote  üKäufe. 

3Rünblid>  aus  6taraarb,  tfreil  Saa}ia. 


140. 

$ie  beiben  Ro^jäckten  in  ©olltum». 

3n  ©ollnoio  unb  ben  umliegenben  Dörfern  baben  nodj  oiele 
tfeute  ben  Rödjäckten  in  iljrem  Sefifc,  weit  mefjr  al«  ber,  treuer 
mit  ber  ©egenb  nid>t  fo  feljr  oertraut  ift,  tootil  glauben  möchte. 
$a«  fommt  aber  baf>er,  »eil  fid)  ber  Sobolb,  um  feinen  §errn 
nid»t  ju  oerraten,  getoitynlid}  in  anberer  ©eftalt,  fei  e«  al«  ©djmein, 
al«  §unb,  Äafce  ober  al«  fonft  ettoa«,  fefyen  läßt. 

(Sinft  fpamtte  ein  ftu^err,  ber  mit  feinem  fluedjt  auf  jtoei 
großen  ftradfttoagen  ©üter  tief  naa^>  $interpommern  hinein  ju  be* 
forgen  ^atte,  in  einem  ©olfootoer  95Mrt«$aufe  au«.  SBityrenb  ber 
Äuety  fid>  im  «Stalle  mit  ben  $ferben  ju  fäaffen  mattete,  fprangen 
bie  beiben  fd)toar$en  ftater  be«  ©aftmirt«  fdjmeidjelnb  um  tyn 
Ijerum.  $>er  eine  baoon  war  bief  unb  fett,  ber  anbere  bagegen  fo 
hinfällig,  ba§  man  ifnn  bie  Wippen  im  Ceibe  jaulen  fonnte. 

'  Der  Änedjt  $atte  ein  gute«  $er$,  barum  ftreidjclte  er  ba« 
magere  Eier  unb  fpratf}  frennblio}:  „9lify  roatyr,  3ttiefefäfcdjen,  bu 


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124 


roirft  lu'er  fdjledjt  bebanbelt?  Dein  .£>crr  giebt  bir  mofjl  nid)t8  $u 
freffen?"  ,ßu  feinem  (Srftaunen  ermiberte  ber  tfater  mit  menfdjlidjer 
9lebe:  ,,^a,  bu  t>aft  föecfyt.  $ct>  fd)leppe  bem  ©irt  nidjt  fo  üiel 
®elb  fjeran  wie  ber  anbere  ftater,  unb  barum  befommc  id)  oicl 
©djläge  unb  fein  (Sffen.  3lber  menn  bu  bein  QHücf  madjen  millft, 
fo  fc^c  bidj  auf  meinen  dürfen;  benn  idj  meife  einen  ^cfjafe  unb 
fann  itm  alleine  nidjt  fyeben. 

Der  Änedjt  tiefe  ftd>  ba$  nid)t  ^»eimal  lagen,  ^o^leic^ 
fprang  er  auf  ben  Sater  unb,  fyaft  bu  nid)t  gefetjen,  ging  e$  burdj 
bie  Öuft  baoon,  über  ein  gro§e$  ©affer  hinüber,  $u  einem  präa> 
tigen  Smlojj.  „^efet  fteig'  ab  unb  löfe  ben  äreitftlnotcn  öor  ber 
2t)üre,"  rief  bie  $afce;  „benn  fo  lange  ber  baoor  liegt,  fann  id) 
nicfyt  in  bie  $urg  Ijineinfommen."  Der  Surfte  tfyat,  mie  itjm  be= 
fohlen  mar,  unb,  laum  fmtte  er  ben  ftnoten  getöft,  fo  mar  ber  Äater 
audj  fdmn  in  ber  £dm&fammer,  fyatte  jmei  Säcfe  aufgerafft  unb 
gang  mit  ®olb  unb  ftoftbarfeiten  gefüllt. 

„9Jun  fty  mieber  auf  unb  lege  mir  bie  3äcfc  auf  ben  9iücfen," 
fprad)  bie  Äafce.  Der  8tte$t  tfmt  cä  unb  gurücf  ging  bie  ftabrt. 
Da  bie  Öaft  aber  bieSmal  meit  fernerer  mar,  mie  auf  bem  §in= 
roege,  fo  flog  ber  Sater  fo  niebrig,  bap  be£  ©urfd)en  ©eine  ba$ 
©affer  ftreiften.  ,/Äd),  £err  3efu«,"  er  »or  «djreden  auf. — 
„$)alt  ben  ÜJhinb,"  entgegnete  gornig  bie  &afce,  „fonft  bringft  bu 
unö  beibe  ins  Ilnglütf."  Da  mar  ber  ^nec^t  ftille,  unb  nadj  menig 
SHugenblitfen  befanb  er  fidj  mieber  im  stalle  bei  feinen  ^ferben. 
„Der  eine  ^aef  für  bidj,  als  Q5clolmung,  ber  anbere  für  meinen 
Herren,  SRun  merb'  idj  moljl  mieber  reidjlidj  ^utter  erhalten/' 
fagte  ber  ftater,  fyänbigte  feinem  Leiter  ben  einen  ©elbfacf  ein  unb 
eilte  mit  bem  gmeit  en  in  ba$  Limmer  be#  ©aftmirt^. 

211$  am  anbern  ©Jorgen  ber  $u$r$err  mit  feinem  Äncdjt  auf 
ber  £anbftra§e  mar,  fagte  biefer :  „SBatcr,  bad  ift  meine  lefcte  jyaifvt ; 
idj  bin  baS &ned)t  fein  fatt  unb  roiü  midj  felbftänbig  machen!"  Der 
$err  munberte  fidj  nicfyt  menig,  mie  fein  Änedjt  baS  anfangen  molle, 
aber,  ba  ber  Sontraft  mit  ber  ftaljrt  ju  @nbe  lief,  fo  mufjte  er 
tyn  moljt  ober  übel  sieben  laffen.  ©ie  erftaunte  er  aber,  al$  ber 
Surfte  fidj  nad>  ber  $>eimfe$r  ^ferb  unb  ©agen  taufte  unb  nad> 
menig  ^aljren  ein  fteinreidjer  9)fann  mar.  Da  merfte  er  mof)l, 
ba§  fein  Shtcdjt  untermeg«  einen  großen  «Schafe  erlangt  Imben  mufcte. 

ÜKünblid?  aus  ^ubbenjig,  Jtxci«  Waugarb. 


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12;» 


147. 

$em  Äobolb  wirb  fein  5*ö|ftörf  genoratnen. 

(Sin  Sauer  in  &unow  f^attc  einen  Äobolb  in  ber  Scheune, 
wetdjer  if>m  jebe  3?ad)t  Äorn  braute.  $afür  befam  er  ton  feinem 
§errn  be«  Borgens  auf  ber  fltidjtwanb  feine  SWild).  einmal  nafym 
ein  Änedu  bie  2ttil(f>  fort,  ba  f)örte  er,  wie  ber  Äleine  rief: 

„pnfeig  3KciI  marfdn'ert, 

Sünfeig  Stieg  geführt, 

Unb  boef)  noaj  fein  5riU)ftü(f?" 
@8  bauertc  fef>r  lange,  bis  ber  Sauer  feinen  Üobolb  wieber 
befänftigt  tjatte  unb  er  ba«  Unredjt,  baö  i$m  t?on  bem  $ned)t  311= 
gefügt  war,  tergafj. 

ÜJlünßlia)  aus  tfunoro,  Äreis  ISammtn. 
148. 

$cr  äobolb  im  Sogelbauer. 

23or  etwa  öierjig  ^afyren  fam  cinf*  nac*>  ^afet3  3Rann, 
ber  f>anbelte  mit  (Sifenbrafjt  unb  trug  in  einem  $äfig  einen  Keinen 
Sögel  bei  fid).  liefen  faufte  if>m  ein  Eigentümer  für  brei  unb 
einen  fjalben  Sfjaler  ab.  Sobalb  nun  ber  §anbel$mann  fort  war, 
fpraef)  ber  Sögel  $u  feinem  neuen  §errn:  „Sdjaff  mir  Arbeit!" 
unb  babei  blieb  er  brei  bis  oier  ÜHal.  £)em  aKanne  warb  angft 
unb  bange  bei  biefen  Sorten ;  benn  er  merfte,  bafc  er  einen  Äobolb 
gefauft  fyabe.  (5r  gab  iljm  natürlidj  feine  Arbeit,  fonbern  machte 
fid»  fogleid>  auf,  um  ben  Sögel  bem  üftanne  wieber  $u  bringen, 
ßurg  hinter  Vaafeig  traf  er  tyn  au*  unb  gab  ifjm  feinen  Äobolb 
jurücf. 

Wünblia)  aus  Saafeig,  ÄretS  Gammin. 
149. 

$rau  wirb  tum  tfjrera  Äobolb  getötet. 

©ine  ftämmereräfrau  in  ftafobsfjagen  fyatte  einen  Äobolb  unb 
war  baburd)  fef>r  reid},  aber  aud)  fer)r  geizig  unb  habgierig  gewor* 
ben.  9U§  fie  nun  im  Sterben  lag,  befiel  fie  grefie  3lngft,  unb 
flef)entlia)  bat  fie  ir)re  Xodjter,  bodj  ba§  an  fidj  $u  nehmen,  wa§ 


126 


fie,  iljre  üttutter,  oerborgen  bei  fidj  trage.  $a$  ÜHäbdjen  weigerte  fid) 
jebod),  barauf  einjugeljen,  follte  ftc  auefj  beSljalb  gang  arm  werben. 

5lm  anbern  üflorgen  l)at  man  bie  ÜWutter,  baß  ©eftdjt  nad) 
bem  Warfen  gebrefyt,  tot  int  Sette  gefunben.  $er  9ieid)tum  aber 
ift  in  ber  #amilie  e&enfo  fdjnell  wieber  oergangen,  als  er  gefönt* 
nten  war. 

©emöljnlid)  pflegen  bie  Veute,  weldje  einen  folgen  Äobolb  bc* 
fifeen,  benfelben  in  einer  Keinen  Südjfe  bei  fid>  $u  tragen,  wo  er 
bann  nicfyt  größer  iß,  als  ein  Sujjbunf  (üflifHäfer).  Sr  ftyeppt 
feinem  Sefifcer  nidjt  nur  ©elb  unb  (betreibe  in'S  $)au$,  er  forgt 
and)  ungefeljen  für  baS  2)2ittagSmatyl.  $>od)  ijt  alles,  was  er 
bringt,  eitel  Slenbwerf.  $)ie  ©eridjte,  bie  er  aufträgt,  finb  ÄobolbS- 
breef,  unb  ftatt  ber  ©ürfte  giebt  er  #uljftränge. 

2luS  3Dlefon>,  Ärci§  ÜRcgenroalbe :  mitgeteilt  burd)  £«mt  ^Jtofcffor  6.  Stubn 

in  ÜWündjen. 

150. 

$uljn  im  Örintbnfd). 

(Sin  Malier  fanb  cinft  in  einem  Srimbufd}  (©infter)  ein  fyalb 
erftarrteS  §ufm.  3Rtt(eibig  naljm  er  e8  auf  unb  fefetc  e$  bafjeim 
hinter  ben  Ofen.  $n  ber  9tac^t  begann  baS  $u^n  $u  glucffen  unb 
fprad):  „Sdjaff  mir  Strbeit !"  5)a  nafym  ber  Sauer  einen  Stiefel, 
fdjnit  ben  Sdjaft  ab  unb  tying  benfelben  im  Qnnern  feiner  Sdjeune 
oben  in  bem  Dadjfirjt  auf.  $)amt  fprad)  er  $u  bem'Jmljn:  „Xrag' 
mir  biefen  Stiefel  toll  @ofi>!"  Sofort  flog  baS  §ufm  baoon  unb 
fd)leppte  ©olb  über  ©olb  ^eran  unb  warf  e$  in  ben  Sdjaft,  bajj 
eö  auf  ber  Xenne  nur  fo  flang,  unb  tonnte  bod>  ben  Stiefel  nidjt 
ootl  befommen.  Qv&tlgt  warb  e8  ber  oergeblidjen  Arbeit  mübe  unb 
fpradj  $u  bem  Sauern:  „Qdj  fann  baS  Stücf  ntc^t  ooübringen. 
(£8  ift  beffer,  wenn  wir  uns  trennen,"  unb  bamit  jog  e$  ab.  £er 
Sauer  aber  tyatte  @otb  bie  ftüüe  fein  lebelang. 

Gbenbaber. 

151. 

$er  ftofrolb  in  ber  8dmd)tel. 

(Sin  Rieglet*  auS  (SloerSljagen  fanb  einft  auf  bem  2öege  eine 
fcfyöne,  bunte  S^ac^tel,  bie  er  aufhob,  um  fie  feinen  ftinbern  mit* 


* 


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127 


gubringen.  211$  er  fte  öffnete,  fanb  er  barin  einen  SBurm,  ben  er 
Wegwarf.  9}adj  einer  flehten  ©eile  tt)at  er  ba£  Safteten  gunt 
^weiten  üttale  auf,  unb  fic^c,  ber  $Burm  faß  wieber  auf  fetner  alten 
©teile.  @r  warf  tt}n  von  neuem  hinaus,  aber,  n>ie  er  gum  britten 
9)2 ale  nachtat),  war  bie  (Sache  nicht  anberS  al$  juoor. 

3u  ^)aufe  angelangt,  gab  er  bie  fd/öne  «Schachtel  feiner  ^rau 
unb  erzählte  ihr,  wie  e£  babei  jugegangen  fei,  unb  richtig  —  al$ 
ba$  SBeib  neugierig  Öffnete,  fajj  auch  bieSmal  ber  nämliche  Surm 
barin.  Da$  feinen  ber  5rau  unheimlich,  unb  fie  bat  ihren  9Jianii, 
baS  ääftdjen  fort  ju  werfen;  benn  wer  fönne  wiffen,  was  fte  fidj 
bamit  sujögen.  Stber  ber  3ttann  fpottete  iJ>rcr  Slngft  unb  behielt 
bie  ©chacfjtel. 

911$  es  nun  9?adjt  war,  tönte  auf  einmal  eine  Stimme  au« 
bem  ftäftdjen,  bic  fpradj:  „Qefct  habt  ihr  mich  fdwn  gu  lange  be* 
galten,  nun  werbet  it)r  mich  nic^t  wieber  lo8.  @ebt  mir  Arbeit!" 
Da  gab  ber  üflann  bem  Söurm  ju  tfmn  unb  würbe  in  lurjer  3e^ 
fo  reich,  ba§  er  fid)  ein  ©ut  laufen  tonnte. 

Söic  be$  3*c9Icr58  ä*tcftc  ^od^ter  $o^eit  machte,  ^at  einer 
ber  üflufifanten  ein  Ding  in  rotem  SRocf  mit  langer,  roter  3un9c 
unb  einem  «Schwange  unter  ben  ©ajten  tyerumtanjen  fehen,  aber 
niemanb  fonft  t)at  e8  bemertt.  Der  SWufifant  neefte  e$,  tnbem  er 
mit  feinem  $)orn  nad)  ihm  fHejj.  Da  Ijat  baS  Ding  allerhanb 
©rtmaffen  gefdjnitten,  ift  über  ben  Zifä  gefprungen  unb  ^at  bem 
3Jhifitanten  lauter  ftnochen  auf  ben  Heller  gepaeft.  9tficht$befto; 
weniger  fuhr  ber  SWann  mit  feinen  Redereien  fort,  obwohl  ber 
«Stegler,  ber  alle«  mit  angefehen  ^atte,  ihn  mehrfach  bat,  e$  $u 
unterlaffen. 

9ladj  Mitternacht  ging  ber  SWuftfant  cor  bie  I^üre.  Da 
fat)  er  auf  bem  Dadje  beS  $aufe$  einen  hellen  <Sd)ein  unb  gewahrte, 
wie  ber  Äobolb  bafelbfl  umherfuhr.  (Sofort  fchrie  ber  ©pielmann 
ben  ©äften  im  §aufe  $u:  „flommt  unb  feht,  ^ier  langt  ber 
Seufel  föon  auf  bem  Dadje  herum."  $n  bemfelben  Slugenblüfe 
ift  aber  auch  ber  Äobolb  herunter  gefahren,  tfat  ben  SWuftfanten 
$u  SBoben  geworfen  unb  ihn  fo  entfefeltdj  gebrüeft  unb  ge* 
würgt,  ba§  bie  h^rbeieilenben  ®äfte  ihn  für  tot  auf  ber  @rbe 
liegen  fanben. 

33on  bem  läge  an  f)at  niemanb  ben  Äobolb  mieber  gefehen, 
ber  ÜWufifant  aber  ift  nach  breimal  oierunbgwangig  <Stunbcn  eine  deiche 


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12* 


getoefen,  nad)bem  er  nod)  juoor  genau  erjäfylt  Ijat,  n?aS  ilun 
toiberfafyren  mar. 

Gbenboljft  unb  münblidj. 

152. 

$cr  äololb  im  Spimtrab. 

©ine  ftrau,  bie  fd>on  um  ad)t  U$r  abenbs  bei  iljrem  Spinn* 
rabe  einnitfte,  ging  ^um  3tteifter  unb  bat  if>n,  tyr  bod)  ein  Spinn* 
rab  au  fertigen,  baS  oon  felbcr  fpänne.  £>er  ÜWeifter  »erfprad/S, 
unb  bie  ftrau  erhielt  ein  sJtab,  baS  oom  ÜWorgen  big  gum  Slbenb 
bie  9?adjt  burd)  bis  toieber  junt  Sonnenaufgang  ofme  Sluffjören 
arbeitete,  unb  Ijatte  fie  immer  nur  neuen  ftlad)S  aufjuttyun. 

£)rei  Jage  lieg  fie  fiaj  baS  gefallen,  ba  toarb  fie  fo  mübe 
»on  bem  beftänbigen  Sadjen,  baS  fie  fteb.  auf  ba«  ©ett  marf. 
$odj  faum  tyatte  Tie  ein  paar  Slugenblicfe  gefdjlummert,  als  ifyr  ber 
Spinnrocfen  an  ben  Sopf  flog  unb  fie  aufftefjen  mußte,  für  baS 
unermüblidje  tftab  neuen  gladjS  aufjulegen.  £arnacfy  legte  fie  fia) 
toieber,  aber  oon  neuem  flog  ifjr  ber  9tocfen  an  ben  Mopf  unb 
trieb  fie  in  bie  $öfje.  So  ging'S  bie  ganjc  $lad)t,  ba§  fie  audj 
mdft  eine  Stunbe  ruhigen  Schlafes  genojj. 

2lm  anberen  borgen  ging  fie  ju  bem  9fteifter  unb  fagte,  er 
möge  baS  9fab  nur  toieber  änbem.  $er  üWann  naljm  barauf  baS 
Spinnrab,  fdn*ob  baS  „3flütter$cn"  tyerauS  unb  naljm  eine  fliege 
meg,  bie  er  barunter  gelegt  Ijatte,  fobann  fteefte  er  baS  „Üttütterdjen" 
toieber  hinein  unb  gab  baS  Kab  ber  grau  gurücf.  £>a  mar  eS 
nic^t  anberS,  als  bie  Spinnräber  alle  finb,  unb  Ijat  bie  grau  feit* 
$er  immer  allein  fpinnen  muffen. 

Gbenbaljer. 

153. 
Dräk. 

Über  bem  leidj,  bidjt  bei  bem  SWefomer  §erreul)of,  §offoll 
genannt,  fieljt  man  fyäuftg  eine  feurige  Äugel  mit  langem  Sdnoeif 
aufzeigen  unb  burtff  bie  tfuft  toeg  in  baS  $orf  fliegen.  $aS  ifl 
Dräk,  ber,  mit  ©rot  unb  Specf,  betreibe,  SBacfobft  unb  ©elb  be* 
laben,  burdj  ben  Sdjornftein  $u  bem  dauern  fä^rt,  bem  er  bienen 
imr§.   üttan  faun  genau  miffen,  maS  er  mit  fid)  füfortj  beim  fietyt 


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129 


er  blau  au«,  fo  trägt  er  Äorn  unb  bergteid)en,  fie^t  er  aber  rot 
au«,  fo  trägt  er  ©elb. 

©enn  man  Dräk  gießen  fie$t  unb  ruft: 
„Olle  Alf!  Half  af !tt 
fo  muß  er  einen  Seil  oon  bem  ©ut,  womit  er  belaben  ifr,  herunter 
werfen.  $)er  tyn  anruft,  mufe  iebod)  gufe^en,  bafe  er  unter  Dadj 
fte^t,  fonft  befd)üttet  Dräk  tyn  mit  einem  ©efdjenf,  wooon  er  ben 
®eftanf  fein  ßebtage  nidjt  lo«  wirb.  ÜRandjmal  wirft  er  bann  aud) 
eine  ^ferbefeute  herunter,  bie  fid)  nidjt  fo  o^ne  »eitere«  wieber 
entfernen  läßt. 

Ifbenbaber. 

154. 
$a«  Sp&ei. 

ü?egt  ein  $u^u  ein  (Si  ofyne  Dotter,  ein  fogenannte«  Späei, 
fo  rnufc  ba«felbe  über  ba«  $>au«  geworfen  werben,  bafc  e«  entjwei 
fpringt.  ?äfet  man  ein  foldje«  @i  nämlid)  au«briiten  ober  aud)  nur 
längere  £eit  liegen,  fo  fdjlüoft  balb  ein  Xeufet  §erau«,  ber  ftobotb 
ober  Rödjackte,  wie  man  ilm  nad)  feinem  roten  3äcfd)en  aud) 
häufig  gu  nennen  pflegt.  2)en  fauu  man  bann  fein  lebelang  nidjt 
wieber  lo«  werben  unb  gefjört  ifmt  nad)  bem  £obe  an.  £afür 
forgt  er  allerbing«,  fo  lange  fein  $err  lebt,  auf«  befte  für  i$n. 
25er  Söefifcer  fann  aud)  ntc^t  el)er  fterben,  al«  bi«  er  fid)  baburd) 
be«  Äobolb«  entlebigt  tjat,  bajj  er  ilm  an  einen  anbern  ÜKenfdjcn 
oerfd)enft. 

(Sin  Sauer  fyat  einmal  au«probieren  wollen,  ob  ba«  mit  bem 
Späei  feine  fflidjtigfeit  Ijabe,  unb  legte  e«  be«l)alb  in  ^ferbebünger. 
£>od)  fd)on  am  brüten  Jage  fonnte  er  merfen,  bafe  ber  Teufel  balb 
au«fd)ltipfen  würbe.  5Da  Ijat  er  nod)  fdjnell  mit  ?ift  ba«  ei  Oer* 
nidjtet  unb  ift  fo  ben  Sööfen  wieber  lo«  geworben. 

9)tünblid)  auS  flrafctfl,  ftrciS  ftürftcntum. 


155. 

$cr  Rödjackte  madjt  Steifen. 

eine  93äuerin  f>ielt  fid)  einen  Rädjackten,  ba«  merfte  man 
an  folgenber  ©efd)id)te: 

9 


130 


Grs  war  (Ernte,  unb  bie  i'eute  gingen  jum  SWittageffen  nad) 
§aufe.  $>ie  Sauerfrau  jeboc^  blieb  mit  einigen  üflägbeu  auf  bem 
ftelbe,  um  nod)  fdjnett  einige  ©arben  au  binben.  £en  beuten  fam 
es  munbertid)  oor,  wie  ba  nod)  baS  SWittagbrot  gur  regten  $eit 
fettig  »erben  foUe.  %l$  bie  3frau  cnblic^  nad)  $aufe  gefommen 
war,  belaufete  fie  be^^afb  ein  Änedjt  unb  guefte  burdj  baS  #odj 
ber  Älinfe,  wo  ber  Siemen  burdjgeaogen  wirb.  2)a  faf)  er  benn, 
wie  bie  ^rau  bie  «Sdjüffeln  aus  bem  «Sdjranf  nahm,  auf  ben  Xifdj 
fefcte  unb  bem  Rödjackten  befabt,  biefelben  ju  füUen.  Dod)  ber 
Äobolb  antwortete:  „Kik!  Dei  Knecht  kekt!a  £>a  bie  $rau 
aber  nidjt  öerftanb,  was  er  bamit  meine,  warb  fic  aornig  unb  fdjalt, 
unb  ber  Rödjackte  mufcte  Wohl  ober  übet  baS  9D2ittagSmaht  oon 
fidj  geben:  ftlöße  unb  feigen. 

$)en  anberu  r)at  bie  ^Ka^r^ett  aud)  fehr  gut  gejdjmecft,  nur  ber 
Änedjt  Ijat  nichts  batton  effen  mögen.  diäter  ^at  er  aber  ben 
anbern  ben  Vorfall  eraähtt,  unb  ba  ift  bie  ©djledjtigfeit  ber  Sauer* 
fr  au  gar  balb  in  ber  gan3en  ©egenb  ruchbar  geworben. 

Gbcnbafar. 

156. 

2>er  Rödjackte  ftierltftet  eine  ftrou. 

(Sin  ©auer,  welker  einen  Rödjackten  in  feinem  Sefifc  ljatte, 
»erheiratete  fidj ;  bodj  feine  ftrau  wollte  nichts  mit  bem  Xeufet  311  tt)un 
^aben,  um  ihm  nicht  nach  bem  £obe  anjugehören.  ®ie  war  aber 
bem  Sobotb  oerfaüen,  wenn  fic  auch  nur  ein  ©ort  mit  ihm  fprad). 

Wadjbem  ber  Rödjackte  febon  aüeS  angewanbt  fyattt,  um 
bic  ftrau  au  Überliften,  üerwanbette  er  fidj  fdjliefelich  in  einen 
fdjmucfen  Dffiaier.  SltS  bie  ftrau  nun  au«  ber  Äüdje  in  bie  ffiohn« 
frube  trat  unb  bort  ben  l)übfc^en  Solbaten  fah,  gab  fie  ihm  bie 
$anb  unb  h«fc  tr)n  wilflommen.  $a  lachte  ber  tfobolb  tyVL  auf 
unb  gab  fich  3U  erfennen.  ©0  war  beim  bie  ftrau,  wie  it)r  2ttann, 
bem  Xeufel  tterfallen. 

Gbcnbaljer. 

157. 

$er  Rödjackte  wirb  angerufen. 

©enn  baS  ©etreibe  eingefahren  wirb,  fo  mufc  man  bie  beiben 
erften  (Farben  überS  tfreua  legen,  bann  fanu  ber  Rödjackte  nicht« 


131 


aus  ber  Sdjeune  forttragen.  2^ut  man  baS  triebt,  fo  fliegt  er  oft 
große  haften  nnb  fäfyrt  bamit  burä)  bte  £uft,  wie  ein  SieSbaum, 
nnb  lä§t  einen  fangen  feurigen  Streif  hinter  fid}. 

Wlan  fann  tym  aua)  etwas  öon  feiner  tfaft  abnehmen,  wenn 
man  tyn  anruft,  nur  mujj  man  babei  unter  einem  Äreuj  ftefjen,  b.  f>.,  fidj 
jwei  $öl3er  frcujweis  über  ben  ftopf  legen.  Statt  eines  SreujeS 
fann  man  auä)  unter  ein  §auö  treten  (ba  bie  53a(fen  beS  $aufe^ 
unter  einanber  Diele  Äreuge  bitben)  ober  unter  eine  (Egge. 

?(1S  ibm  einft  ein  Üftann  „Half  Part!"  anrief,  fyat  er  tym 
ein  ftuber  Chrbfen  Ijerabgemorfen;  einem  anbern  wieber  mehrere  Quart 
99uttermild). 

CSiner  l)at  audj  mal  ben  Rödjackten  angerufen,  ofme  Dörfer 
unter  ein  $freu$  $u  treten.  Den  f>at  ber  Üeufel  aber  uon  oben  bis 
unten  berntajjen  uoü  gemalt,  ba§  er  ben  ©eftanf  zeitlebens  nidjt 
mieber  Ijat  toö  »erben  fönnen. 

ßbcnbaljcr. 

158. 

$tr  Rödjackte  (engtet  erneut  Ärfifliel. 

Ginmal  gingen  mehrere  färafciger  am  5lbenb  iuS  Dorf  jurücf, 
barunter  audj  ein  Ärüppel  in  $)olapantoffeln,  mit  einer  ?aft  93rcnn» 
I»l$.  Da  fufjr  plöfclid>  ber  Rödjackte  bur$  bie  Vuft.  Die  anbern 
waren  ganj  ruf)ig,  ber  tfrüppel  fdjrie  aber  oor  2lngft  laut  auf  unb 
üerlor  oor  Scfyrerf  feine  §olapantoffeln,  fo  ba§  er  fie  in  ber  DuuFelf)eit 
nidjt  »ieber  finben  tonnte.  Da  fam  ber  Äobolb  jurücf  unb  leuchtete 
u)m  fo  lange,  bis  er  fie  »ieber  Ijatte. 

(fbenbaber. 

159. 

$er  Rödjackte  rauft  Spinngewebe  aflfittern. 

(Sin  SBauer  fyatte  einen  Rödjackten.  Da  er  fid)  nun  ärgerte, 
baß  feine  Scheune  ganj  öoller  Spinngewebe  »ar,  befahl  er  bem  Äobolb, 
biefelben  ab^ufengen.  Söäljrenb  teuer  bei  feiner  Arbeit  »ar,  rief  ber 
©auer  immerfort:  „Häs!  Lütter  sacht!",  bamit  baS  Stroty  nidjt 
mit  oerbrenne. 

DaS  Ijörte  ber  3tad)bar  beS  Sauern,  unb  ba  er  aud>  gerne 
bie  Spinngewebe  in  feiner  Scheune  loS  fein  wollte,  befahl  er  feiner 

9* 


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132 


Sfrau,  biefelben  anguftecfen.  Dabei  rief  er  bann  ebenfall«:  „Häsf 
Lütter  sacht!"  Dod)  fooiel  er  auch  fdjrie:  „Häs!  Lütter  sacht!" 
ba«  fr*"«  er9"ff  b«*  ©troh,  unb  bie  gange  ©d)eune  brannte 
herunter. 

ßbmbnber. 

160. 

$er  ffobolb  »erljtnbert  bie  »eflattung  feine«  $crru. 

<Sin  ©auer  in  Ärafeig  ^atte  einen  Steufel  in  feinen  Dienjten, 
ber  fia)  in  ©eftalt  eine*  $afen  immer  im  ©arten  umhertrieb. 
Da  ber  ÜKann  nun  oerfäumt  hatte,  fidt)  bei  Üebgeiten  be«  ©öfen  gu 
entlebigen,  fo  ereignete  fidj  nach  feinem  £obe  allertjanb  munber* 
barer  ©puf. 

2Ran  »ufa)  bie  Seidje  unb  wollte  it)r  ba«  £otenhemb  anfiel en, 
bodj  e«  war  gu  Hein.  2Ran  öerfertigte  ein  größere«,  aber  auch 
ba«  reifte  nid)t  au«,  ©rft  ein  gewaltig  umfangreiche«  $embe 
genügte,  lieferte  ©adje  wieberbolte  fich  bei  bem  ©arg;  aua)  ber 
tonnte  erft  nach  mehreren  oergeblichen  ©erfudjen  grofj  genug  ber» 
gefteüt  werben. 

SHun  würbe  bie  deiche  gum  Kirchhof  getragen  unb  follte  bort 
etngefenft  werben.  Der  $aftor  unb  bie  Angehörigen  fianben  ring« 
herum.  Da  geigte  fich  Wieber,  bafj  bie  ©ruft  tief  gu  ftein  war; 
unb  ber  Totengräber  mochte  graben,  fo  oiel  er  wollte,  bie  ©rube 
wollte  nicht  fo  geräumig  werben,  um  ben  ©arg  faffen  gu  fönnen. 

Da  fagte  ber  $aftor:  „O  tfinber,  wa«  habt  ihr  für  einen 
©ater!"  bann  trat  er  an  ben  ©arg  heran,  murmelte  einige  ©orte 
barüber,  unb  fiehe,  ber  ©arg  liefj  fich  gang  leicht  hinabfenfen.  $a 
bie  ©ruft  war  jefct  fo  grojj,  bafj  brei  ©ärge  in  ihr  neben  einanber 
hätten  ftchen  fönnen. 

(fbenbaber. 

161. 

Der  Sobolb  in  ©angin. 

Der  noch  icfc*  lebenbe  Sauer  %  in  ©angin  befifct  einen  Äobolb 
in  ©eftalt  einer  Äafce.  Derfelbe  offenbart  feinem  £crrn  alle«,  wa« 
hinter  feinem  fflficfen  »affiert,  unb  barum  halten  e«  auch  °*c  #n«hte 
nie  lange  bei  ihm  au«. 

Diefer  ftobolb  geigt  fich  nicht  immer,  aber  jeben  Slbenb  um 
gehn  Uhr  hat  ber  ©auer  eine  Unterrebung  mit  ihm  am  ©aefofen. 


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133 


$ann  giebt  er  bem  Seufel  feine  Söefe^le.  fcerfelbe  muß  tym  ©elb 
unb  ©ut  aufammentyalten  unb  audj  toon  anbern  beuten  ©etreibe  unb 
bergleidjen  autragen. 

9(1«  ber  ©auer  einmal  eine  ^o^geit  au«auri($ten  $atte,  liejj 
er  ben  Äobolb  bie  feinften  ©peifen  in  bie  ©Rüffeln  fefeen.  «ber 
man  $at'«  boa)  gteic^  gemerft,  benn  e«  ^atte  alle«  einen  fo  merf* 
toürbigen  ©efdjmacf. 

Gbenbabet. 

162. 

ftoboft  al«  fterfef. 

(Sine  ^rau  tyatte  ein  gang  Heine«  $trfe(,  ba«  fdjlug  unb  ftiefj 
fie  jeben  üHorgen,  wenn  e«  ftutter  befommen  §atte.  911«  nun  ber 
Snedjt  einmal  atiein  auf  ba«  ftelb  fätyrt,  ba  fpringt  ba«  ^erfel  auf 
feinen  SBagen  unb  fpridjt  $u  ifyn:  „$ä)  bin  nur  ein  Keine«  fterfeldjen 
unb  !ann  bie  Änoten  bon  be«  3JiüIler«  <öä(fen  nidjt  aufbefommen, 
unb  wenn  i($  fein  2tte$l  bringe,  fd&lägt  mi($  bie  ftrau.  üftaä)  bu 
fie  mir  bod)  auf." 

$a«  fterfel  war  alfo  ein  Äobolb  unb  fonnte  bie  @ä<fe  nidjt 
forttragen,  weit  Äreujfnoten  baran  waren.  Ob  ber  Änedjt  bem 
ffiunfdje  willfahrt  $at,  ba«  wei§  man  nidjt;  er  wirb'«  aber  wo$( 
fyibfä  $aben  bleiben  laffen. 

ajtünblicb  au8  $oljin,  ÄreiS  Selgarb. 
163. 

$er  tfobolb  in  Rantum. 

$n  bem  üDorfe  ^anfnin  bei  ©elgarb  lebte  ein  ©auer,  welker 
einen  flobolb  befaß.  $on  3eit  au  #eit  faßte  ber  ÜKann  nämlidj 
au  feinem  Älteste,  er  foUe  nur  au«ge$en,  er  wolle  felbjt  bie  ^ferbe 
futtern.  Dietere  befamen  bann  auä)  jebe«mal  iljr  ridjHgeöftutter; 
merfwürbig  war  babei  nur,  baß  ber  $>err  immer  ru^ig  in  feiner 
©tube  ftfcen  blieb. 

©er  ftned&t  warb  neugierig  unb  wollte  fe^en,  wie  ba«  au* 
ginge.  911«  ber  öauer  wieber  einmal  fagte,  er  werbe  $eute  fetbft 
ba«  futtern  beforgen,  berfteefte  er  fiefy  be«$alb  ^eimlidj  in  bem 
^ferbeftall.  £ort  faty  er  nun,  wie  ein  unfidjtbare«  Söefen  ben 
hoffen  reine  Grbfen  t?orfä)üttete.  ©odj  plöfctic^  fam  etwa«  auf 
tyn  a«  unb  warf  Um  mit  großer  ©ewaft  au«  ber  ©talltljüre  Ijerau«. 


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134 


(Sin  anbcrer  Änedjt  ging  einf!  fpät  in  ber  9Jadjt  bei  bem* 
felbcn  dauern  borbei  unb  ^örte,  mte  jemanb  im  <StaU  gang  bumof 
$ä<ffet  fc^nttt.  Sermunbert  ging  er  ljinetn  unb  erbtiefte,  wie  neben 
ber  2flafa)ine  immer  gro&e  ättaffen  §äcffet  tyerab  fielen,  ofyie  ba§ 
ein  £äcffetfd&nciber  gu  fefyen  mar.  darüber  Ijat  er  fidj  fei/r  entfefet 
unb  ift  eitenbS  nadj  #aufe  gelaufen. 

SRimbltcp  au8  ^anfnin,  ÄreiS  SBelaarb. 

164. 

$er  Teufel  als  bunte«  Sanb. 

(Sin  Sauer  ging  bon  Buborn  nadj  $emniu)Ienfamb  guriief. 
£)a  fa$  er  auf  bem  SÖege  ein  fdjöne«,  buntfeibeneS  Sanb  liegen. 
Cfyte,  mie  fid)  ba«  bod}  fo  gehört,  babei  gu  fagen:  „Help  Gott, 
Herr  Jesus  Christ,14  naljm  er  e8  auf,  um  e3  feiner  ftrau  a(8 
©eföenf  mitzubringen.  SDicfc  freute  fidj  aud>  fe§r  barüber  unb  legte 
es  in  iljren  Saften. 

©unberbar  mar,  bajj  feit  biefem  £age  bei  bem  Sauern  in 
ber  ©irtfdjaft  nidjt«  mebj  feinen  richtigen  Serlauf  naljm.  ^DcS 
ÜHorgenS  beim  auffielen  fehlte  batb  bie«  ÄteibungSftücf  batb  jene« 
unb  mar  trofe  aüe$  SRadjfudjenS  nidjt  mieber  gu  ftnben;  unb  ebenfo 
ging  es  mit  ben  ©erätföaften  gum  §äcffelfd)neiben  unb  gum  liefern, 
mit  bem  ftüdjengefdjirr  unb  fo  meiter. 

<£ä  bauerte  nidjt  lange,  fo  naljm  ber  ©buf  meit  größere  StuS* 
be^nung  an.  $n  ben  ©tuben  mürben  bie  ©tityle  unb  £if(b>  um« 
gemorfen,  furg  e«  mar  ein  fotdjer  ^öüenlärm  im  #aufe,  bat}  eS 
fein  2Renfd^  mef>r  bort  anhalten  fonnte.  Sine  alte,  Fluge  %rau, 
meiere  2lbb,ilfe  fdjaffen  follte,  fragte  fogteidj,  ob  ber  Sauer  nidjt 
bieÜeidjt  irgenb  etma«  gefunben  unb  ungefegnet  mit  nadj  §aufe  ge* 
nommen  Ijabe.  ©ofort  fiel  bem  3J?anne  baS  bunte  Sanb  ein.  @r 
ergäbe  baoon  unb  erlieft  bon  bem  3Beibe  ben  5Rat,  genau  barauf 
JDbad&t  gu  geben. 

Sit«  ber  Sauer  nadj  §aufe  fam,  mar  baS  Unheil  gerabe 
mieber  im  freien  ©ange.  ©djnett  öffnete  er  ben  Äaften,  in  bem 
ba8  Sanb  tag,  aber  oon  biefem  mar  iiityS  meb,r  gu  fe^en.  (Srft, 
nadjbem  ber  2ärm  fidj  gelegt  ^atte,  befanb  fidj  aud)  baö  feibene 
Sanb  mieber  an  feinem  ^lafce  im  Äaflen  oor.  ^efet  mar  eS  Kar, 
bat}  ba«  Sanb  ber  Sobolb  ober  Teufel  fetbft  mar.    2)er  ÜWann 


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135 


fegnete  fi(§  be«falb  mit  ben  ©orten:  „Help  Gott,  Herr  Jesus 
Christ,"  na$m  e«  barouf  in  bie  $>anb  unb  trug  e«  auf  btefetbc 
Stelle  jurfid,  oon  ber  er  e«  bamal«  weggenommen  ^atte.  «Seit 
biefer  .ßeit  fa*  er  nie  wieber  etwa«  ton  bem  ©»ufe  gemerft. 

3Hünblid>  au«  Soboto,  ÄteiS  Sajlaroe. 

165. 

Dei  Alf  treckt. 

3Randfa  öauern  falten  fid}  «nen  Xeufel,  weiter  für 
feinen  §crrn  oon  ben  Sfacfaarn  (Srbfen,  Äorn,  Sutter  u.  f.  m. 
fliegt.  <8r  fliegt  bann  mit  feiner  Vaft  wie  ein  feuriger  ©traljt 
burdj  bie  8nft;  man  nennt  ba«:  „Dei  Alf  treckt"  SBtrb  ber 
Sllf  in  feinem  ftluge  angerufen,  fo  fann  iljm  ein  Xeil  feine«  töaube« 
Wieber  abgenommen  werben;  nur  mm}  man  ba&ei  unter  einem 
Dacfa  flehen. 

©in  üttamt  falj  einmal  ben  3llf  bura)  bie  t'uft  sieben,  trat 
fdjnell  in  ein  $au«  unb  rief  Ü)m  $u :  „Half  Part  1"  Da  warf  ifat 
ber  Teufel  mehrere  Scr)effet  Grbfen  unb  Joggen  farab.  Wun  fragte 
er  weiter,  wer  benn  fein  $)err  wäre;  bott)  herauf  wollte  ber  2Uf 
niajt  antworten.  Da  entblößte  ber  SWann,  mit  töefpeft  $u  öermel* 
ben,  fein  ^unterteil,  jeigte  e«  bem  Teufel  unb  Wieberfalte  bie  ftrage. 
311«  Antwort  be«  Sllf  brannten  barauf  tolöfclia^  bie  Dac^ftarren 
eine«  S3auerfaufe«  fall  auf. 

(Silig  liefen  Seute  gum  Söffen  farbei,  bod)  ber  Teufel  rief 
ifaen  $u,  fie  möchten  nur  nadj  £aufe  gefan.  Unb  al«  bie  Sparren 
farunter  gebrannt  waren,  erlofdj  bie  flamme  üon  felbft.  9tun  mußte 
man,  ba&  ber  93efu)er  biefe«  $>ofe«  mit  bem  Teufel  in  23erbinbung 
ftanb.  <£rbfen  unb  Joggen  aber,  wa«  bem  Sllf  auf  feiner  tfuftfafat 
abgenommen  war,  faben  felbft  bie  Sdjmeine  nic^t  freffen  mögen. 

©in  anberer  9J?ann  rief  ben  Sllf  an,  ofae  oorfar  unter  ein 
Dad)  ju  treten.  Da  bewarf  biefer  ifa  berart  mit  fcäufen,  ba§  er 
ein  ooöe«  Qafa  tynburaj  ba«  Ungeziefer  nidjt  lo«  werben  fonnte. 

SMnblirt)  aus  Srjebiattoio,  ÄreiS  93üton>. 

166. 

$er  SWf  tot  gefc^fagen. 
(Jin  öauer  au«  Xrsebtatfow  fufa  einft  über  ftetb.   Da  fa$ 
er  ben  2llf  anfommen.   Sdfaeli  nafat  er  eine  Söagenrunge,  ftürgte  auf 


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136 


tyn  lo8  unb  fdjuig  auf  i$n  unter  ben  Sorten:  rTwei  ein  sö  as 
up  den  DueweL"  &udj  fetyrte  er  bei  iebem  ©djlage  bie  9iunge 
um.  Der  2Hf  manb  fidj  unter  ben  ©djmerjen  unb  fc^rie:  „Na, 
s&gg  doch  dd  dritte  uknoch!"  Denn  $ätte  berSMann  ge^ät)tt : 
„Ein  twei  drei"  ober:  „Drei  twei  ein  sö  as  up  den  Due- 
wel,M  fo  märe  bem  Sllf  nod)  ein  onberer  Xeufet  gu  §ilfe  gefom* 
nten.  ©o  aber  blieb  ber  Sauer  rufyig  bei  feinem:  „Twei  ein  sö 
as  up  den  Duewel,u  unb  ließ  fidj  nidjt  irre  matten. 

Der  SCtf  oermanbelte  ftd)  unter  ben  Rieben  in  alte  möglichen 
liere,  in  eine  Solange,  einen  ©olf  u.  f.  to.,  um  feinem  Reiniger 
gu  entfommen;  bodj  biefen  flimmerte  ba«  toenig,  er  fc^Iug  nur 
immer  ftärfer  barauf  (oä.  Da  gab  e£  plöfettcf)  einen  heftigen  jfttatt, 
unb  e$  (ag  auf  ber  (5rbe  toie  eine  ausgebrannte  Jeertonne,  mie 
man  nod)  lange  nadjljer  Ijat  feljen  fönnen.  «Seit  ber  3eit  c* 
immer:  „Der  93aner  tyat  ben  Xeufel  tot  gefdjlagen." 

Cbenba^er. 

167. 

Die  $au$fd)langen. 

$n  ben  Stätten  galten  ftd)  bauftg  ©drangen  auf,  §art* 
toürmer  ober  Schnaken  genannt,  meiere  ben  Äüljen  bie  SOTUcb  auf* 
faugen.  Xrifft  man  fie  bei  bem  2?? iid) fielen,  fo  barf  man  fie  ja 
nic§t  ftören  unb  noa)  oiel  meniger  totfdjlagen,  nribrigenfaüs  bie 
Äufj  (angfam  oerborrt  unb  gu  £obe  fiedjt. 

3fland)mal  fdjlüpfen  bie  Schnaken  audj  $u  ben  Äinbern 
tn'd  SBett,  um  fid}  bort  ju  mannen.  Sie  fügen  ben  steinen  aber 
feiten  einen  ©djaben  $u.  §ie  unb  ba  ift  e8  aüerbingS  öorgefom« 
men,  bajj  fie  fid>  ben  Äinbern  in  ber  Söiegc  um  ben  $af«  fdjtangen 
unb  fie  baburdj  erftirften. 

©eljr  Ijäufig  ift  eS  ferner  gefcfyeljen,  baf?  bie  ©drangen  mit  ben 
Äinbern  aus  berfelben©djüffel  gegeffen  Ijaben;  bodjnatymen  fie  bann 
immer  nur  SDWd)  $u  fidj.  Da$  Ijat  bie  ßinber  geärgert,  unb  fie 
fyaben  ben  Söffet  genommen,  ber  ©Stange  bamit  auf  ben  Äopf 
gefd)(agen  unb  gerufen:  „Dings,  et  6k  Brack !w  Dann  finb  Seute 
herbeigeeilt,  oernwnbert  über  ba$  ©efprädj,  toeldjeö  baö  #inb  ge» 
füljrt  f>at,  unb  Ijaben,  fobalb  fie  bie  ©erlange  erbtieften,  nad)  iljr 
gefdjtagen.   Darauf  ift  ba«  £ter  fdjnelf  in  ein  i'odj  entfdjtityft  unb 


137 


nie  wieber  gefommen.  Den  Meinen  $at  aber  bie  gemeinfame  ÜRaI>(* 
Seit  mit  ber  ©Stange  feinen  ftadjteif  ober  (Stäben  gebraut,  ©e* 
lang  eS  bagegen,  bie  Solange  ju  löten,  fo  ift  regelmäßig  baS  Äinb 
gefiorben,  wie  and)  bie  folgenbe  «Sage  jeigt. 

SRünblttb  au«  Den  Äreifen  ©rimmen,  2)etnmin,  Waugarb,  ftegenroalt*  unb 

168. 

$te  Solange  in  ber  Sarfowfdjett  $etbe. 

On  ber  Sarfowfdjen  £>eibe  liegt,  nidjt  weit  bon  bem  §ofg* 
wege,  ber  mitten  burd)  ben  5Balb  geljt,  ein  einfameS  ©auerfyauS. 
$n  bemfelben  würbe  bor  3a^ren  c*ne  *ote  Solange  gejeigt,  bon 
ber  man  ftdj  folgenbeS  er$äfylte. 

Qn  bem  £)au[e  lebten  bor  langen  3^iten  einmal  ^Bauersleute, 
bie  nur  ein  einziges  Äinb  Ratten,  ein  üttübdjen  bon  bier  3af?ren. 
Qm  Pommer  liegen  ftc  baS  ftinb  bor  bem  $aufe  fielen,  moljin 
fte  iljm  audj  beS  üKittagS  feine  üttild)  mit  eingebroefter  Semmel 
brauten.  Senn  nun  baS  Äinb  bieS  berjeljrte,  fam  jebeSmal  eine 
grcj?e  Solange  tyerbei,  fefote  ftd)  ju  iljm  unb  tranf  mit  iljm  bon 
ber  SRtldj  unb  ajj  bon  ber  Semmel.  (Es  fürdjtete  ftdj  garniert  bor 
bem  liiere,  würbe  bielmetyr  fo  vertraut  mit  iljm,  ba§  eS  baSfelbe 
o$ne  Sdjeu  auf  ben  §al$  flopfte  unb  ju  iljm  fagte:  „Ürinfe  mir 
aud)  ntc^t  gu  fiel  ab." 

Seinen  (Eltern  ergäfylte  baS  9Jläbd)en  nidjts  hiervon.  911«  eS 
aber  eine«  üflittagS  biermat  nadj  einanber  Attila)  forberte,  ba  fiel  baS  ber 
üttutter  auf,  unb  wie  fie  baS  lefcte  9)?al  bie  ÜJiüö)  Eingebracht  Ijatte, 
blieb  fte  hinter  ber  Xtyürt  fteljen,  um  ju  fef>en,  was  baS  Ätnb  mit 
ber  3fltldj  anfange.  Sluf  einmal  far)  fie  bie  Solange  gerbet  fommen, 
welche  bie  2ftild)  aufoeljren  tjalf. 

darüber  entfette  fie  fid)  unb  rief  ir)ren  Üflann  ju  §ilfe,  ber 
mit  einem  fötittet  Ijerbei  fam,  um  baS  STier  totjufdjlagen.  Das 
üfläbdjen  weinte  gwar  fetyr  unb  bat  ben  35ater  um  ©nabe  für  bie 
Solange;  aber  er  tötete  fte  bod).  SBon  ber  Stunbe  an  fdjwanb 
baS  Äinb  an  allen  ©liebem,  unb  nadj  wenigen  Jagen  war  eS  tot. 

lemme,  SSoltefagen.  91t.  257. 


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138 


169. 

Solange  friert  einem  frfjfafenben  ÜJtäbtfjcu  in  ben  Seid. 

(Sin  9Räbd}en  ging  in  ben  SBalb,  Steifer  filmen,  unb  ba  e£ 
mübe  mar,  legte  e$  fidj  unter  einem  fdjattigen  $3aum  auf  ben 
dürfen  unb  fdjlief  ba(b  mit  offenem  üftunbe  ein.  "Plöfclidj  fdmg 
eine  groge  (Solange  unter  einer  üöurgel  Ijeroor  unb  fuljr  ber 
fdjlafenben  Dirne  burdj  ben  2D?unb  in  ben  tfeib  hinein.  Da$  9ttäbdjen 
ermadjte  unb  fal)  mit  (Sntfefeen,  bag  iljr  ber  gange  Körper  biet  an« 
gefdjtoollen  mar,  tief  nadj  §aufe  unb  Ragte  ben  Gltern  ifjre  sJiot. 
Die  liegen  fofort  ben  Slrgt  ljolen  unb,  alä  bei*  oernommen  fyatte, 
bag  ber  Dirne  ba$  Unglücf  gugeftogen  fei,  mie  fie  im  Salbe  lag 
unb  f djlief,  badete  er  e8  ftd)  gleidj,  bag  iljr  eine  ^djtange  in  ben 
Ceib  gefroren  fei. 

(£r  martete  ab,  bis  bie  9Jfübigfeit  bie  $ranfe  fibermältigte  unb 
fie  einf djlief.  Dann  fMte  er  eine  (Sdr)üffe(  oolt  ÜRildj  neben  ba8 
tfager,  öffnete  ifir  ben  SDtunb  unb  fn'eg  bic  üflutter  genau  Obacht  geben. 
(£$  bauerte  garnidjt  lange,  fo  rodj  bie  ^cfylange  in  bem  Veite  bef 
9ttäbdjen$  ben  lieblidjen  ®erud)  ber  fügen  üDfttdj,  frodj  aus  bem 
üJhmbef/erauSunb  eilte  auf  ben  9tapf  gu.  i^efet  fprangen  ber  91rgt 
unb  bie  SWutter  ^erbei,  fdjloffen  ber  Dirne  ben  ÜWunb  unb  meeften 
fie  auf. 

9?un  mollten  bie  anbem  über  bie  (sdjlange  Verfallen  unb  fie 
töten,  ber  Slrgt  aber  rief:  „Grfdjlagt  i^r  ba$  £icr,  fo  ift  and)  ba« 
ÜRäb<§en  Oerloren."  Da  fianben  fie  oon  ifyrem  3*orf)aben  ab,  öff* 
neten  bie  Xfn'ire  unb  liegen  bie  (Solange  in  ba3  %vtk  funauS. 
Slber  audj  ba8  Imt  nidjts  geholfen,  ba$  ÜJ?äbd)en,  meldje«  oorfyer 
eine  groge  unb  ftarfe  Dirne  getoefen  mar,  »urbe  oon  bem  Xage 
an  gufeljenbs  fajjoädjer  unb  „oerquiente"  langfam  gu  £obe. 

OHünblid?  aus  tyibbenjifl,  ÄreiS  9iauaarb. 

170. 

$ic  $au£fa)(ange  unb  bie  Äulj. 

Gin  Sauer  tyatte  in  feinem  Stalle  eine  <5djlange,  meiere  ftd)  immer 
beS  ÜttorgenS  an  ba«  Guter  ber  einen  Äuty  legte  unb  fidj  oon  i&rer 
üflild)  ernährte.  SRidjtSbeftotoeniger  mar  bei  biefer  $u$  nidjt  an 
eine  »bnaljme  beö  aRitdjertrageS  gu  benfen,  im  ©egenteil,  fie  gab 


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139 


me^r  üttilcf),  wie  je  auoor,  unb  aud>  ifn-  gan^e«  3to«fetyen  würbe 
ton  Xag  ju  Jag  fdjöner  unb  ftattlidjer. 

JDod)  bcm  Sauern  war  ba«  Stier  juwiber,  nnb  er  befaßt 
beSfjalb  feinen  SWägben,  biefe  ffut)  ftel«  fo  jeitig  ju  melfen,  ba§ 
fie  öor  ber  «Solange  im  Stalle  erfdjienen.  Slfrer  audj  ba«  tjalf 
niet>t«,  bie  ©Klange  ernährte  fid>  oon  ber  $eit  an  mit  ber  wenigen 
jurücfgebliebenen  2ttildj,  unb  fonft  blieb  alle«  beim  alten.  $a 
machte  fid)  ber  unbulbfame  9Kenfcfj  eines  SWorgen«  felber  in  ben 
(Statt,  lauerte  ber  Solange  auf  unb  erfcfflug  fie,  al«  fie  gerabe  auf 
bie  £uf>  aufriefen  wollte.  3Jon  biefem  Jage  an  naljm  ba«  be« 
treffenbe  töiub  jufefjenb«  ab ;  unb  e«  währte  nidjt  lange,  fo  war  e« 
an  ber  9lu«3ef>rung  geftorben. 

171. 

$ie  Schnäuk  nnb  bie  fiulj. 

©enn  ber  Shufttrt  oon  Sßbow,  im  Greife  Sctjlawe,  be« 
Üftorgen«  feine  Ütinber  auatrieb  unb  im  natyen  SBalbe  angelangt 
war,  fo  oerfctjwanb  regelmäßig  auf  einige  £eit  bie  eine  Shilj,  weldje 
einem  Jagelöljner  gehörte,  unb  war  für'«  erfte  nictit  wieber  ju  finben. 
Äam  fie  bann  enblicf;  ju  ber  $>erbe  jurücf,  fo  waren  bie  (Suter 
fcf>laff  unb  au«gefogen. 

£>a  ber  #irt  trofe  aller  Sorgfalt  bie  llrfacfye  biefer  fonber* 
baren  <£rfct)einung  nidjt  au«finbig  machen  fonnte,  fo  behielt  ber 
(Eigentümer  feine  ßuf>  im  Stalle  gurrn*  unb  fe$lojj  fie  bort  feft  ein. 
Slber  aud)  ba«  f>alf  nidjt«.  $>ie  Suter  fdjwotleu  toielmeljr  ftarf  an, 
unb  an  9Wilct)ertrag  war  ebenfowenig  ju  benfen,  wie  juoor.  §11«  fo 
ber  britte  Jag  gefommen  war,  tiefe  man  bie  8ul)  wieber  au«  bem 
Stalle  unb  Jagelityner  unb  $irte  folgten  ifn*  eifrig  nad).  $)ie 
Äulj  rannte  fofort  bem  SBalbe  $u,  in  ba«  ©ebüfdj  hinein,  bi«  fie 
ju  einem  Steinhaufen  gelangte.  Ü)ort  blieb  fie  fteljen  unb  brüllte, 
gfeid)  al«  ob  fie  baburdj  jemanb  oon  ifner  Änfunft  benadjridjtigen 
wollte. 

tfaum  war  iljr  ©ebrüü  »erftumtnt,  fo  fdjlüpfte  eine  grofce 
Schnäuk  unter  ben  Steinen  ^emor,  fdjlang  fid>  um  ba«  Hinter- 
bein be«  SRinbe«  unb  frodj  baran  bi«  juni  Guter  empor,  worauf 
fie  nac^  einanber  au«  allen  oier  $i&en  bie  üflildj  bi«  jum  testen 


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140 


tropfen  auSfog.  ©otoeit  liegen  bte  Bethen  i'eute  bie  ^djlange 
gett>ä§ren;  bann  ftfirjten  fie  aber  auf  fte  fo$,  riffen  fte  tum  ber 
Shrt}  tyerab  unb  fähigen  fte  tot.  <5eit  ber  $eit  Ijat  ft<§  ba« 
Winb  nie  »ieber  t>on  ber  $erbe  getrennt  unb  immer  retd)Ü($  SMitdj 
gege&en. 

aRiinblicD  aus  Sgbow,  Ärei«  Scplaroe. 


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V. 


172. 
«ugemerncs. 

Die  ©affergeifier  bilben  eine  Abteilung  ber  elbifdjen  ©eifter. 
Sie  Reißen  in  Bommern  getoityntidj  ©eemenföen  (Sömösch),  ©ee* 
männer,  ©äff  er  Jungfern,  ©eejungfern,  aüeS  tarnen,  bie  an  fi$ 
fetbft  berfiänblid)  finb.  9tor  eine  «Soge  au*  töügen  fennt  ben 
©affergeift  at8  Wiefel,  eine  9iamenSform,  in  ber  ttir  tyn  aud)  fonft 
in  Deutfdjtanb  toieberfinben.  <Sie  ge$t  auf  baS  altfy>djbeutfdje 
Nihhus,  Nichus  jurücf,  beffen  ettimologiföe  »ebeutung  jeboa)  bis 
jefct  nodj  üödig  unftar  ift.  Sludj  ber  ©runnenfrauen,  ber  Wäter- 
mäunken,  Wätermäumen,  Püttmoenen,  muj?  ^ier  nodj  einmal 
gebaut  »erben,  obtoo^t  toir  biefelben  an  anberem  Orte  x)  nur  al« 
jüngere  3lbfd)toäd)ungen  ber  Fria  erfannt  l>aben. 

©ie  bei  ben  3»ergen,  fo  finb  audj  bei  ben  ©affereiben  beibe 
©eföled)ter  tertreten.  Die  weiblichen  ©affergeifter  erfajeinen  häufig 
in  grojjen  (Sparen  beifammen  unb  führen  gemeinfam  itjre  fröt)Iid)en 
Ketgentänae  auf;  bie  männlidjen  bagegen  jeigen  fid)  faft  immer 
einzeln  unb  liegen  fogar  bidtoeilen  mit  einanber  in  blutiger  fteinb* 
fdjaft  *).  3$r  tujjereä  ftellt  man  fid)  in  Bommern  »erfdjieben  dqv, 
t)ier  $alb  üBenfdj  t)alb  ftifdj,  bort  gana  in  menftyidjer  ©eftalt,  in 
biefer©egenb  gelten  fie  für  abfdjeulid)e  Ungeheuer,  in  jener  wieberum 
fann  man  it)re  ©t^ön^eit  nic^t  genug  greifen.   DaSfelbe  gilt  üon 

vTWv.  1  unb  91t.  41. 

*)  $ierf>er  gehört  sJir.  177  bic  Soge  tum  bem  (Srbbegen.  2 et  Änc*tf 
rodlet  ein  ganje«  2Mr  um  einen  Seoen  Dient  unb  bann  in  ben  £eid)  ßebt, 
ift  ein  oertappter  ©afferöeift.  3Jfll.  öriinm,  £eutid>e  9J(ntf)ologie.  2.  Stuf* 
laße.   ©.  463  Snmerfung.  • 


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142 


ihrem  (Sfjarafter.  Oft  »erben  fte  al«  bem  ÜWenfchen  günftige  ©elfter 
bargeftellt,  öfter  noch  fchilt  man  auf  it)re  ©raufamfeit  unb  ÜWorb* 
ruft.  @«  hat  ba«  feinen  ©ntnb  in  bem  ©alten  be«  ©affer«,  ba« 
batb  fegen«reich,  balb  oerberbfidj  unb  oertjeerenb  auftritt. 

Um  fich  oor  ber  übten  i'aune  be«  ©affergeifte«  §u  fehlen, 
Würben  ihm  üor  alter«  Opfer  bargebracht.  Allgemein  t)at  fich  noch 
bie  Erinnerung  barau  in  Bommern  in  bem  ©tauben  erhalten,  baß 
bie  einzelnen  f^lüffe,  93äche,  deiche,  Seen  u.  f.  w.  jebe«  Jahr  eine 
beftimmte  ttngahl  Oon  üttenfdjen  at«  ben  ihnen  jufümmenben  Sribut 
forbern.  @«  bürfte  wohl  wenig  ©ewäffer  in  unferer  ^rooina  geben, 
in  betreff  berer  biefer  Aberglaube  nicht  mehr  herrfdjenb  wäre.  SWeift 
finb  bie  Opfer  am  Johannistage  faltig,  atfo  jur  ^eit  be«3Jaben«; 
boch  haben  wir  für  ba«  beutfehe  §eibentum  wirtliche,  bem  Saffer* 
geijt  bargebrad)te  3Wenfd)cnopfer  an3itnebmen. 

SÖa*  bie  fonftigen  Eigentümlichfeitcu  ber  Saffergeifter  angebt, 
fo  weiß  man  in  Komment  noch  überall  oon  ihrem  munberbaren 
©efang  unb  begaubernben  Spiel  51t  crjärjlen.'  Selbft  Die  Erinnerung 
an  bie  3)?eifterföaft  be«  Wiefel«  in  allerf)anb  funftreidjen  Arbeiten 
hat  eine  Sage  bewahrt,  wenn  aud)  in  fcfwn  feljr  abgeblaßter  frorm 
©ehr  häufig  bagegen  finbet  fid>  ber  uralte  ©laube,  baß  ber  ©affer* 
geift  al«  prächtige«  9ioß  ober  at«  Schwein  au«  bem  See  tyraui* 
tritt,  Sßorjtellungen,  bie  in  ähnlicher  ftorm  fchon  ben  alten  Äultur* 
oölfern  am  üflittelmeer  befannt  waren.  2Ran  benfe  nur  an  ben 
riuafidow  inmog,  unb  ravQtog  ber  ©riechen.  93on  großem  motho* 
logifchem  Jntereffe  enblich  ijt  ber  3ug,  baß  in  töügen  ber  Wtlbe 
Qäger  al«  eifriger  Verfolger  ber  Seejungfern  auftritt,  wo$u  man 
bie  im  erften  Äapitel  9ir.  4  aufgeführte  Sage  nachlefe. 


173. 

$ie  Secjungfeni  frei  SWönchgut. 

Die  Seejungfern  finb  oerWÜnfchte  ^rinjeffinnen  unb  nur  am 
Oberförper  oon  2Renfchengeftalt,  ber  Unterförper  läuft  in  einen 
langen  fttfchfchwanj  au«.   Um  Qohanni«  SWittag,  $wif<hen  elf  unb 

')  9ir.  193  bie  Sage  vom  {>aminertnUh(enteich.  Set  in  ben  See 
hinabgeftiegene  Sdjmieb  tft  niemanb  anbers  als  bei  ©affetgeift  felbft.  3>gl, 
©rimm,  Eeutfäe  «Dcqtbologie.  2.  Aiylage.  3.  463  Hnmertung. 


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143 


gwölf  Uhr,  fteigen  fie  an  bie  Oberfläche  ber  Dfrfee  empor,  gegen« 
über  ber  &üfte  oon  93?öncf)gut. 

$ebe  Don  ben  Jungfern  hat  eine  zinnerne  ©Rüffel  in  ber 
$anb,  mit  föftlichen  Speifen  gefällt.  Daraus  effen  fie.  Dann 
legen  fie  bie  Jeder  fort  unb  beginnen  t^re  fröhlichen  Üänje.  «Sie 
faffen  einanber  an  unb  wirbeln  ftdfy  im  Streife  herum,  lachen  unb 
fpielen,  fingen  nnb  Hatten  ooll  Übermut  in  bie  $)änbe.  Sobalb 
aber  bie  ÖHocfe  bie  jtpötftc  Stunbe  fcerfftnber,  finb  fie  wie  ber  3Binb 
oerfdjwunben ,  um  erft  am  nächften  Johannistag  wieber  gu  er« 
fcfyeinen. 

Mitunter  finb  bie  Seejungfern  auch  bis  an  baS  Ufer  oon 
üJibwhgut  gefchwommen  unb  haben  bann  ihre  diunbtänge  auf  bem 
BrödstSn  abgehalten,  welcher  fo  groß  tote  eine  geräumige  Stube 
unb  auf  feiner  Oberfläche  ganj  glatt  nnb  eben  ift. 

Wünblicb  aus  9Höna)aut  auf  Äüaen. 

174. 

$er  Wtcfei  im  #ertlmfee. 

3(uf  ben  £>erthafee  a"f  SRügen  barf  niemanb  einen  Sahn  ober 
ein  'Jfefe  bringen.  CSS  Ratten  oor  3eiteu  einmal  etliche  tfeute  fich 
unterftanben,  barauf  mit  einem  Äaf>n  31t  fahren,  ben  fie  beS  Nachts 
auf  bem  Saffer  liegen.  $113  fie  aber  am  anbem  SDtorgen  bahhj 
$urücffehrten,  mar  er  fort,  unb  fie  fanben  ihn  erft  nach  langem 
Suchen  oben  auf  einer  ©ud)e  am  Ufer  wieber. 

Da  hatten  ihn  bie  @eijter  beS  SeeS  über  9iad)t  hinauf  ge- 
bracht. Denn  mie  bie  tfeute  ihn  herunterholten,  hörten  fie  tief 
unten  aus  bem  See  ein  ©efpött,  unb  eine  Stimme  rief:  „Qdj  unb 
mein  ©ruber  Stiefel  hoben  baS  gethan." 

Zemme,  5Bol!*foflfn.  9fr.  38  Scblufe. 

175. 

Die  Stoffe  im  fchwar$en  See. 

Qn  ber  9iähe  oon  ©ergen  liegt  ein  Heines  ©ewäffer,  ber 
fdtjwarje  See  genannt  (Eines  SlbenbS  führte  einen  dauern  au£ 
£il§ow  fein  ©eg  baran  oorüber.  Da  erblicfte  er  oier  prächtige 
Wappen,  welche  am  Ufer  einher  fprengten.    9US  fie  jebodj  beS 


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144 


üttatme«  anfutytig  mürben,  fHhrgtcn  fte  fi<$  mit  ©inbe«eile  in  ben 
8ee  hinein  unb  oerfdjmanben  fofort  unter  ber  Oberflättye.  ©te  ftnb 
anä)  nidjt  wieber  ljerau«gefommen. 

3WünbIid>  au«  liljon)  auf  «Rügen. 

176. 

Snngfrauettopfer  an  Seen. 

(£«  giebt  einen  8ee,  bem  wirb  alljätyrlicb  eine  Jungfrau 
geopfert,  ©efdjietyt  ba«  nietyt,  fo  mirb  ba«  ©äff er  unruhig,  bie 
©eilen  »erben  größer  unb  größer,  fteigen  työtyer  unb  työtyer  unb 
fiberfdjmemmen  föließlicb.  ba«  gange  £anb.  Sludj  eine  Stabt  ift 
»ortyanben,  beren  Bürger  alljätyrlidj  eine  reine  Jungfrau  einmauern 
laffen.  $od)  mo  unb  marum  ba«  gettyan  mirb,  barüber  meiß  eigentlich 
niemanb  metyr  rechte  91u«funft  $u  geben,  ©inige  behaupten,  baß  ba« 
S0?abd)en  ebenfall«  ba«  Opfer  für  einen  großen  <See  ift,  ber  fonft 
bie  ©tabt  Oellingen  mürbe. 

3lu§  «Rügen,  mitgeteilt  bureb  fcerrn  ^rofeffot  G.  Äul)n  in  9Ründ?en. 

177. 
$er  (£rbbegeu. 

3n  ber  ©egenb  ton  ©riftom,  unmeit  be«  ©reif«malber  Sobben«, 
liegt  im  gelbe  ein  £eid),  in  meldjem  früher  große  «Sdjäfce  verborgen 
gemefen  fein  follen.  $ie  finb  aber  jefct  tyerau«.  <£«  lebte  nämlidj 
oor  3eiten  in  ber  bortigen  ©egenb  ein  Sauer;  ju  bem  fam  eine« 
Jage«  ein  frember  Snedjt,  ber  fid)  bei  itym  oermieten  mollte.  $er 
Sauer  fragte  ben  Surfdjen,  meldjen  ßotyn  er  benn  forbere,  morauf 
ber  ßnedjt  ifym  ermiberte:  ©a«  er  oerlange,  fei  nur  eine  Steinigfeit, 
bie  für  ben  Sauern  gar  feinen  ©ert  tyabe.  @r  miffe  nid}t  einmal, 
baß  er  fte  befuge. 

©eil  ber  &ne$t  nun  ein  fdjmucfer,  rühriger  2J?enfd>  mar,  fo 
natym  ber  Sauer  ityn  auf,  obgleidj  er  au«  bem  fonberbaren  Scgeljren 
megen  be«  Öotyne«  nietyt  red)t  flug  merben  founte.  2)er  Surfte  mar 
audj  treu  unb  fleißig,  unb  e«  geriet  if>m  alle«,  toa«  er  üornatym, 
unter  feinen  $>änben,  fo  baß  ber  Sauer  gana  aufrieben  mit  itym  mar. 

©ie  nun  ba«  ^a^r  um  mar,  trat  ber  flnedjt  oor  feinen  Srot* 
tyerrn  unb  oerlangte  ben  oerfprodjenen  Sotyn.  2)er  Sauer  ermiberte 


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145 


üjm:  „Sie  fann  idj  bir  ben  geben;  bu  fagft  ja  felbjt,  itfr  miffe 
nidjt  einmal,  baß  idj  bie  ©a(§e  Ijabe,  bie  bu  begehrt  fyafi"  Darauf 
fpradj  ber  £ned)t:  „Oben  auf  beinern  Soben  fyaft  bu  einen  @rb* 
begen,  ben  erbitte  idj  mir  als  Sotyn."  Den  oerfpradj  iljm  ber  Sauer, 
wenn  er  gleidj  oon  bem  Degen  ntd^td  mußte.  Sie  gingen  alfo 
gufammen  oben  auf  ben  Soben ;  bort  geigte  ber  tfnedjt  ein  altes, 
gang  »errofteteS  <Sdjmert,  baS  (unter  einer  tfatte  unterm  Dad) 
fteefte,  in  einer  ®egenb,  in  meldjer  ber  Sauer  fid)  niemal«  um» 
gefe^en  tyatte. 

DaS  ©djmert  fjatte  feinen  befonberen  Sert,  mie  ber  Sauer 
balb  falj;  e£  mar  nidjt  einmal  eine  Sdjeibe  babei.  (Er  fagte  bafjer 
gu  bem  &ned)te,  er  tönne  eS  fidj  nur  nehmen.  Slber  biefer  ent* 
gegnete  iljm:  „Senn  idj  e$  mir  felbft  neljme,  fo  fann  e$  mir  nichts 
Reifen,  bu  mußt  e$  herunterlangen  unb  mir  geben."  Der  Sauer  mar 
baS  am  (Snbe  audj  aufrieben,  unb  ed  gefdjaf)  fo. 

9lm  anberen  Üftorgen  trat  ber  Änedjt  cor  feinen  $errn  unb 
bat  ifyn,  einen  Sagen  angufpannen,  er  roolle  if)m  nun  geigen,  marum 
er  ben  Grbbegen  Don  ifjm  erbeten.  Der  Sagen  »urbe  angefpannt, 
unb  fie  fuhren  gufammen  fyütauS  gu  bem  £eidje,  üon  bem  mir  oben 
gefagt  Ijaben.  Sie  fte  bort  angefommen  maren,  fpradj  ber  Änedjt 
gu  bem  Sauern:  „9hm  paß  auf,  maS  id)  bir  fagen  merbe,  unb 
maS  gefdjefjen  mirb.  $d>  merbe,  fo  mie  idj  bin,  mit  meinem  Degen 
in  ben  £eidj  fpringen.  Dann  mirft  bu  ein  fdjrecflidjeS  ©türmen 
unb  Sraufen  be$  SafferS  feljen.  Daoon  mußt  bu  bir  aber  nidjt 
Slngft  merben  laffen,  fonbern  nun  mußt  bu  gut  auf  paffen,  maS 
meiter  gefdjieljt,  unb  ob  baä  ©affer  barnadj  fdjmarg  ober  rot  mirb. 
Sirb  e£  fdjmarg,  bann  tft  alles  oorbei,  unb  es  taugt  nidjt,  unb  bu 
fannft  nur  gefdjmtnbe  mit  beinern  Sagen  umbreb,en  unb  nadj  §aufe 
jagen,  benn  fonfl  foftet  es  bir  ben  $als.  Senn  es  aber  rot  mirb, 
batrn  Ijabe  idj  gemonnen,  unb  bu  marteft  ru^ig,  bis  idj  aus  bem 
Saffer  gurücffomme." 

2llS  ber  ftnedjt  baS  gefprodjen  Ijatte,  ftieg  er  oom  Sagen  unb 
fprang  in  ben  Xeid)  hinein,  bie  Spifee  beS  (ErbbegenS  nad)  unten 
gefetyrt.  (5r  oerfdjmanb  atsbalb  unter  bem  Saffer,  fo  baß  ni$t& 
oon  iljm  gu  feljen  mar.  (Sine  Seite  blieb  alles  ruljig.  Sllletn  auf 
einmal  erljob  fidj  tief  unten  im  £eidje  ein  bumpfeS,  milbeS  £ofenf 
baS  immer  ßärfer  mürbe  unb  nadj  oben  fidj  Ijingog.  Darauf  geriet 
ber  gange  Xeid)  in  eine  erfdjretflidje  Semegung.   Die  Sellen  fotogen 

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140 


turmboch  in  bie  $öt)e,  unb  brauften  fo  fürchterlich,  bajj  bem  dauern 
faß  $ören  unb  <Set)en  »erging.  (Sr  gebaute  aber  ber  SBorte  be« 
Snedjte«  unb  faradj  fich  2Rut  ein  unb  fytit  bie  ^ferbe  feft,  bie 
baoon  jagen  wollten.  Wati)  einiger  $eit  mürbe  auf  einmal  aüed 
wieber  friß,  unb  jefct  fal)  ber  Sauer,  wie  ber  ganje  Xeidj  fic^ 
rot  färbte. 

Nun  bauerte  e«  auch  n\d)t  lange,  ba  fam  ber  Änedjt  au«  ber 
STiefe  be«  SlBaffer«  lieber  h*roor.  <£r  war  wohlbehalten  unb  trug 
mit  beiben  $änben  eine  fd)were  8ifte.  ÜWit  ber  ftieg  er  and  Ufer 
unb  legte  fie  auf  ben  Sagen  unb  fpract)  gu  bem  Sauern:  „Da« 
foll  beut  jTeil  fein,  weil  bu  mich  flu*  gehalten  unb  mir  ben  Degen 
gegeben  haß-  ft&hre  fcfct  na$  §a"fa  benn  ich  n^B  wieber  in  ben 
leicb  unb  holen  mir  auch  mcm  Ztli." 

Damit  ging  er  in  ba«  SBaffer  gurücf.  '©er  Sauer  aber  fuhr 
mit  feiner  Ätfte  nach  ^auK  unD  wie  er  fie  ba  öffnete,  waren  (auter 
a(te,  aber  blanfe  Xijalcr  barin.  —  Den  Änedjt  h^  «  3e'*  f«*1** 
Sebent  nicht  wieber  gefehen. 

2emme,  S&oltefaaen.  9tr.  252. 

178. 

3>te  Scejungfer  hu  Äummero»  See. 

^ifcher  au«  bem  Dorfe  Serchen  am  äummeromer  ©ee  fyahen 
einft  eine  ©eejungfer  gefangen.  Da  e«  2Binter«$eit  mar,  fo  legten 
fte  biefelbe  auf  ba«  (Et*.  «Sie  mar  gang  wie  ein  SWenfch  gehaltet, 
boch  lief  ber  Unterförper  in  einen  ftifdjfchwana  au«. 

Stuf  bem  ©ife  fdjien  fie  ftdj  recht  wohl  au  fühlen,  benn  fie 
ftrich  |ich  bie  §aare  unb  lachte  immer  fort.  (Jnblich  befam  fie 
wieber  ©ehnfudjt  nach  ihrem  (Element.  Da  bie  ftifdjer  nicht  recht 
acht  auf  fie  gaben,  benufcte  fie  bcö^alb  einen  unbewachten  Äugen* 
blief,  fchlüjjfte  in  ba«  <£t«loch  fywin  unb  mar  mit  höt}nifchem  ©e* 
lädier  in  ber  £iefe  oerfchtounben. 

ÜJciinblicp  au8  SReefiger,  Ärci«  S)cmmin. 

179. 

Da«  SBaffcrpferb  unb  bie  Seejungfer  im  Genuiner  See. 

Sei  bem  5hrd)borf  Dennin  liegt  ein  Srud)  mit  einem  ©ee. 
Dort  hat  früher  ein  grofje«,  mächtige«  Dorf  geftanben,  welche«  eine« 


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147 


91ad)tS,  gerabe  um  ^o^annt«,  plöfclid)  »on  ber  (Erbe  üerfdjlungen 
ift,  toorauf  an  feiner  ©tatt  fidj  ber  iefcige  2>enniner  ©ee  bilbete. 
©etyeuer  tft  eS  bort  bis  auf  ben  heutigen  Sag  nodj  nid?f. 

SöefonberS  häufig  tä§t  fiü)  ein  $ferb  fe$en,  toeld&eS  ab  unb 
ju,  au«  bem  ©affer  tyerauS,  fidj  auf  bie  Srudjtoiefen  begiebt  unb 
bann  nadj  einer  flehten  ©eile  toieber  in  ben  ©eilen  beS  ©eeS  »er* 
fdjtoinbet.  $aS  Xier  wirb  aus  bem  ©ruhbe  allgemein  baS  Water- 
fölen  genannt. 

sWo^  feltfamer  tft,  bafc  in  jeber  QotyanniSna^t  auf  bem 
©runbe  beS  ©eeS  Die  ©locfen  ber  üerfunfenen  Äirdjc  ju  läuten  be* 
ginnen.   $fn  bemfelben  Äugenbtufe  fleigt  aus  ber  liefe  eine  »eifce 
©eejungfrau  Ijeroor  unb  fingt  breimal  folgenbeS  Sieb: 
„Johanne  Susanne 1 
Wenn  du  mit  wißt,  denn  kumm." 
$at  ftc  biefe  ©orte  gefungen,  fo  fe^rt  fie  toieber  auf  ben 
©runb  jurü<f,  unb  baS  ©eläute  oerfhimmt.   ©aS  ber  ©efang  be« 
beutet,  triff  en  bie  tfeute  re^t  gut.   (ES  tft  ein  ?o<fruf  für  ben 
flttenfdjen,  welker  in  biefem  Qcujre  bem  ©ee  jum  Opfer  fallen 
fotl.   ©olange  nämlidj  Sennin  ßetyt,  ertrinft  jebeS  Qa^r  bei  ober 
rurj  nad)  ber  ©^aftoafa)e  in  biefem  ©etoäffer  ein  menfäliaVs 
©efen. 

Wünblia)  au«  ©eaejin,  ÄreiS  Bntlam. 
180. 

$te  Seejnngfern  in  ber  Dfrfee  nnb  bei  ©ttrinemünbc. 

9luf  ©ee  fe^en  bie  ©Ziffer  oft  ©eejungfern,  bie  ftnb  oben 
anjufe^en  toie  grauen,  aber  untertoärts  ge^t  tyr  öeib  in  einen 
Ruppigen  ftifa)f$toana  aus.  ©enn  fo  rea)t  fa)öner  ©ounenfajein 
tft,  tommen  fie  au«  ber  ftlut  tyeröor  unb  fämmen  tyr  langes  §aar, 
fornmen  audj  tootyl  jutoeilen  an  5Jorb  ber  ©$iffe. 

Slüein  fie  »erben  biefen  aua)  oft  gef%lid).  £enn  toenn  fie 
fo  in  großen  ©djaren  gegen  biefelben  anbringen,  ift  es  toofyl  fdjon 
gefdje§en,  ba§  fic  eins  umgeworfen  ^aben  unb  bie  gange  üflannfdjaft 
$at  ertrinfen  muffen. 

jutoeilen  fie^t  man  fie  aua)  in  ©affern  auf  bem  Sanbe. 
$aS  ift  namentlicb,  ^äufig  ber  ftall  in  bem  ©raben  an  ber  ©o$l* 
brüefe  bei  ©toinemünbe.  $5ort  fietyt  man  eine  ©eejungfer  in  rotem 

10* 


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148 


©ewanbe  fifcen.   2)ie  Hatf($t  frö'fylidj  in  bie  £änbe  unb  lactyt  taut 
auf  oor  ^rcuben,  trenn  ein  SWenfdj  über  bie  ©rüde  batyer  fommt 
8u3  ©toinemünbe:  Jtugn  unb  6a)n>arfe,  Slotbbeutfaje  Sagen  9fr.  12. 

181. 

$te  @eejnngfer  im  $aff. 

3fnt  ©ber*§aff  »eilt  fdjon  feit  unbenflid)en  Reiten  eine  tounber* 
fdjöne  ©eejungfer.  Senn  bie  ©djiffer,  befonberS  bie  fttfdjer,  am 
Ufer  arbeiten,  fo  fteigt  fie  oft  bis  an  ben  tyatben  Ceib  aus  bem 
©äff er  ^erauS  unb  ftetyt  ü)ren  Arbeiten  $u.  <Sie  fagt  nidjtS;  aber 
»er  fie  fo  fie$t,  bem  bebeutet  fie  ©lütf. 

Semme,  Söllingen.  9U.  213. 

182. 

$cr  Birenpaul  in  ber  Äefjrbergcr  ftorft. 

Qn  ber  tfetyrberger  ftoxft,  im  Greife  ©reif «tragen ,  liegt 
3toifd)en  ben  SDfünjenbergen,  too  bie  berühmten  Räuber  üftün$  unb 
<Sdjte>ara J)  c^ebem  tyr  Siefen  trieben,  ein  fteiner  £eid),  ber  Biren- 
paul geheißen,  liefen  tarnen  fü^rt  er,  »eil  in  i$m  ein  aflmädj* 
tige8  Gberfdjtoein,  auf  plattbeutfö  Btr  genannt,  feine  ©otynung 
ljat.  Öeute,  toeldje  an  bem  $ful)(  oorüber  gingen,  finb  oon  biefem 
©djtoein  fdjon  oft  geftngfftgt  morben;  benn  mit  einem  ÜWale  toaUte 
unb  braufte  ba8  Jöaffer  Ijodj  empor,  ba8  Untier  trat  au£  ben 
Sogen  heraus  unb  §ieb  mit  feinen  gemaltigen  Jauern  auf  ben 
arglofen  ©anberer  ein,  fo  ba|  er  faum  mit  bem  Ceben  bauon  fommen 
tonnte. 

■Kun  lebte  in  biefer  ©egenb  ein  ©utSljerr,  ein  harter,  geftrenger 
SWann,  ber  fidj  oor  £ob  unb  Xeufel  nidjt  fürchtete,  nrie  man  fo  ju 
fagen  pflegt.  3M£  ber  eines  £age$  in  ber  9tä|je  M  Bireapauls  jagte, 
ljörte  er  plöfctidj  ein  HägüdjeS  ©egrunge.  Uner|d)rocfen  fdjritt  er 
auf  ben  Ort  $u,  aus  bem  ba$  @ef(f>rei  511  fdjaUen  fdfjien,  unb 
ficfye,  ba  war  baS  grofce  Ungeheuer  in  eine  Solfögrube  gefallen 
unb  fudjte  oergebenä  einen  SluStoeg  au$  feinem  ©efängnis.  ©obalb 

»)  «gl.  oben  Safte  9tr.  95. 


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149 


ba«  ©tytoein  ben  ©ut*ljerrn  erblicfte,  hub  e«  an,  mit  menfdjltdjer 
©timme  gu  rcben  unb  fpraty:  „©efreie  mity,  e«  foU  bein  ®tyabe 
nic^t  fein."  $)er  §err  hatte  2ftitlieb  mit  bem  Untier  unb  miüfahrte 
feiner  ©itte.  tfaum  fünfte  ber  (Eber  fity  mieber  frei,  fo  ri§  er  brei 
Sorften  au«  feiner  $aut,  gab  fie  bem  3ftanne  unb  foraty:  „®etm 
bu  bity  in  8eben«gefaljr  befinbefl  unb  reibft  biefe  brei  ©orften 
gmiftycn  ben  Ringern,  fo  bin  ity  fofort  bei  bir  unb  rette  bity, 
möge  bir  audj  fonfl  ber  £ob  getoi&  fein."  iRatybem  er  ba«  ge* 
fagt  ^atte,  lief  er  feinem  Xeitye  gu  unb  oerftymanb  in  ben 
©etten. 

2Bar  ber  ©ut«beftyer  ftyon  früher  ein  harter  §err  gegen  feine 
Untergebenen  getoefen,  fo  nmrbe  er  uon  jefct  an  graufam.  2)ie 
Sagelityner  ftytouren  ü)m  SRatye  unb  tratyteten  ihm  naty  bem  i'eben, 
aber  er  latyte  ihrer.  £)a«  SBerfprechen  be«  Ungeheuer«  au«  bem 
Blrenpaul  hatte  ihn  fo  ftc^er  gemalt,  baß  er  fity  cor  ieber  Nafy 
fteüung  fityer  mätynte.  Unb  er  mar  in  feinem  Vertrauen  auch  nicht 
getäufcht. 

(Sin  großer  Seil  feiner  @ut«teute  ^atte  fity  gu  Dcr  WJtate* 
banbe  be«  Üflüng  unb  ©tymarg  geftylagen  unb  tauerte  ihm,  Der* 
ftärft  burty  einen  Raufen  ber  SBegelagerer,  £ag  für  £ag  auf,  um 
tyn  gu  ermorben.  Vange  3eit  waren  alle  it)re  ©emühungen  Oer* 
geblity  gemefen;  enblicr)  traf  e«  fity  aber  boty  einmal  fo,  baj?  ber 
©ut«befifcer  ahnungsto«  in  ben  Hinterhalt,  ben  fte  it)m  gelegt  Ratten, 
hineinritt.  (Sogleich  ftürgten  bie  mitben  flerle  auf  it)n  gu,  riffen 
tyn  Dom  föofc  ^erab  unb  gogen  tyn  naefenb  au«,  bamit  fi*  fity 
um  fo  me^r  an  feinen  Xobe«qualen  toeiben  fönnten. 

$er  ©ut«befüjer  liejj  alle«  tätyelnb  mit  fity  geftyehen  unb 
reigte  gum  Ueberflufj  noty  burty  ftyarfe  ©orte  bie  SKorbluft  ber 
SWänner.  Sil«  fie  iefct  aber  ihre  ^werter  unb  SDoltye  ergriffen 
unb  ihm  ben  ©arau«  machen  tootlten,  ba  rieb  er  ftynelt  bie  brei 
©orften  gmiftyen  ben  Ringern,  unb  in  bemfelben  Slugenblicfe  ftanb 
ba«  gewaltige  @berftytoein  neben  ihm.  ©ein  Sfablicf  bannte  bie 
föäuber,  baß  fie  fity  nicht  oon  ber  ©teile  rühren  tonnten,  unb  fo 
fam  e«,  baß  feiner  oon  ihnen,  al«  ftty  ber  <£ber  auf  fie  ftürgte, 
bem  grimmen  STobe  entrann. 

«I«  alle  getötet  maren,  oerftymanb  ba«  ©tytoein,  ber  @ut«* 
beftfeer  30g  feine  äleiber  mieber  an,  beftieg  fein  fltofc  unb  ritt  wohl« 
gemut  auf  fein  <©tyto§  gurücf.  $ort  führte  er  aber  ein  fo  gottlofe«, 


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150 


toüe«  £eben,  ba§  er  naa)  feinem  £obe  im  ©rabe  feine  9hdje  finben 
fonnte.  <Jr  mürbe  ju  bem  Gberfötoein  in  ben  BIrenpaul  ter» 
toünfdjt  unb  madjt  nun  in  beffen  Segleitung  bie  gange  fle^rberger 
3rorft  bi«  auf  ben  heutigen  £ag  unftdjer.  (Ster  mandjer  if!  ben 
beiben  nodj  in  unfern  £agen  begegnet,  unb  »er  biefen  Salb  bur$* 
toanbert  $at,  toirb  gemitynlidj  mit  ber  ftrage  empfangen:  „Mint, 
f)at  bidj  im  §otg  audj  ber  Sär  geflogen?" 

SHünblia)  au«  ©teinroefr,  ftwt*  ÖreifenlK>flen. 

183. 

$te  SBaffcrjmtgfer  tu  ber  9Jtabfie. 

2(n  ber  SDtabüe  pflügte  einft  ein  Sauer  mit  feinen  Odjfen, 
m%enb  fein  #ned)t  £ung  ftreute.  $a  fdjrie  au«  bem  @ee  eine 
Stimme: 

„Nu  kuram! 
Nü  is  Tid!" 

$er  Sauer  flaute  fic$  öerbufct  um.  $a  erfäjatlte  e«  no# 
einmal  in  bringenberem  £one: 

„Nü  kumm! 
Nü  is  Tld  !a 

unb  jefct  Heß  ber  Sauer  ^flug  unb  Dürfen  fte^en  unb  rannte  §al» 
über  Sopf  in  bie  2ttabüe  hinein.  ©djon  mar  er  fo  tief  im  SBaffer, 
baß  Ujm  bie  ©eilen  in  ben  üttunb  fd)lugen,  als  ber  Änedjt  herbei 
geeilt  fam,  tyn  am  «Stopfe  ergriff  unb  toieber  jum  Öanbe  jurücf* 
braute.  (Sin  Slugenblitf  fpäter,  unb  ber  SRann  märe  mit  bem 
tfopfe  ganj  unter  ©affer  gemefen  unb  bann  mm  ber  ©afferjungfer 
auf  ben  ©runb  beS  ®ee«  gebogen  morben. 

aflünblifl  au$  XxampU,  ÄreiS  ©aajiß. 

184. 

$er  ©affergeifr  in  bem  Ü(ftei*$arf}. 

$ie  alte  (Sdjullefyrerfrau  in  9toggoto  er$ä§Ite,  bafc  if>re  SWutter 
einfl  in  großer  9?ot  unb  SetrübniS  getoefen  fei.  Qfjr  ÜWann  mar 
gefiorben,  unb  in  ber  Sergmeiflung,  toie  fie  tyre  unmünbigen  tfinber 
bun$  bie  SGBctt  bringen  fofle,  fafcte  fie  ben  ©ntfdjlufj,  fi$  $u  ertränfen. 


151 


9K§  fte  an  bem  Ücf(ei<33a$  war  unb  fi$  gerabe  in  bte  ^(ut 
hinein  ftür^en  wollte,  wirbelte  git  ü)ren  ftfifcen  baS  SBaffcr  auf  unb 
aus  bem  ©runbe  §erau$  brangen  bie  fdjimften  ©atjerflänge  an  ifyr 
D$r.  ©rförocfen  rief  fte  au«:  „#ilf  ©ort  unb  $efu8  <5T^rift!" 
3n  bemfelben  Stugenblitf  war  bie  flJhtfif  öerfhtmmt,  bie  ^rau  befann 
ftdj  eines  Sefferen  unb  teerte  nadj  §aufe  jurücf. 
SluS  SWefonj,  ÄteiS  9teaenn>att>ef  mitgeteilt  bura)  $erm  $tofeffot  G.  Äubn. 

185. 

$er  ©angeriner  See. 

.ßwifdjen  ©angerin  unb  fi  fernlagen  liegt  ein  (See.  £u  Dem 
ging  einft  an  einem  (Sonntag  Vormittag  ein  ÜRann,  um  bafelbjt 
ftiföe  ju  angeln.  <Sr  wählte  fidj  eine  günftige  ©teile  im  ©$ilf 
aus,  unb  wie  er  fo  baftanb  unb  in'8  ©äff  er  faty,  työrte  er  aus 
bem  ©eegrunbe  herauf  ein  wunberfdjöne«  pfeifen  an  fein  O&r 
bringen.  2)a8  na$m  feine  ganzen  ©inne  gefangen  unb  trieb  tyn 
immer  Weiter  in  ba«  ©affer  hinein.  SDrit  einem  üMe  fam  tym  ber 
©ebanfe:  „$u  witlffc  $ier  fterben  unb  fönnteft  bo$  fo  glücflidj  auf 
ber  <5rbe  [eben?  $aft  bu  benn  nidjt  beine  liebe  ftrau  unb  beine 
Äinber?"  Unb  wie  er  ba«  fo  bei  fidj  bebacfjte,  fam  neue 
tfraft  über  i$n,  er  fonnte  jefct  ber  Socfung  wiberfteljen  unb  nad) 
$aufe  eilen. 

SDenfelben  Sag  ging  aurfj  ein  ©<$äfer  auf  bie  nämtidje  ©teile, 
feinem  franfen  ©o^ne  ftiföe  $u  fangen.  Sluo}  er  $örte  bad  munber» 
fdjöne  pfeifen  auf  bem  ©runbe,  fonnte  aber  nidjt  ber  ßocfung  wiber- 
fteljen.    ©8  30g  tyn  tiefer  unb  tiefer,  bis  er  oerfant 

gbenb<u)er. 

186. 

$er  ftltitfenfee  unb  ber  See  bei  Dörenberg. 

3fn  bem  Älücfenfee  bei  3lrn$walbe  mufj  alljäljrlid)  eine  Stn^a^t 
2Renf$en  ertrinfeu.  3)ie  brei  legten  Jage  oor  bem  ÜTobe  eines 
„OöferS"  ruft  eine  ©timme  auS  bem  ©äff er  Slbenb  für  Stbenb  ben 
■Warnen  beffen,  ber  bem  ©ee  jur  ®eute  werben  foll. 

Slud)  bei  ber  ©tabt  Dörenberg  liegt  ein  ©ee,  ber  alljä^rliä) 
ein  „Opfer"  forbert.   ftebe«  $a$r  um  biefelbe  £eit  Ijört  man  au» 


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152 


ü)m  eine  Stimme  rufen:  „3eit  mtb  ©tunbe  ift  ba,  unb  ber  SRenfdj 
nodj  nidjt  $ier?" 

<£ine«  £age«  ging  ein  9Wann  borten  aum  Ingeln.  919  er 
ftdj  bem  ©ee  näherte,  oernatym  ein  $fMger,  toie  bie  ©timme  gerabe 
rief:  „3eit  unb  ©tunbe  ift  ba,  unb  ber  3Renfä  no$  nic^t  $ier?" 
3)a  marnte  er  ben  Slngler,  an  ben  ©tranb  $u  treten,  unb  erjagte 
tym,  mag  bie  (Stimme  eben  geforodjen.  £)a«  fam  bem  ÜRanne 
unb>imlia)  oor  unb  er  eilte  nadj  §aufe  jurücf,  ber  ^fltiger  aber 
ertranf  am  anbern  £age  in  einer  fluljtrap&e. 

ffbenbaber. 

187. 

$te  brei  ffiafferpferbe  im  See  bei  $«ber. 

3um  ©Stoffe  au  $>aber  gehört  ein  umfangreidjer  See.  §ier 
foü,  toie  bie  Seute  fa)on  Don  alten  Reiten  $er  fagen,  eljemaf«  eine 
grofje  ©tabt  geflanben  ^>aben,  bie  aber  nadfter  in  ben  ©ee  oerfunfen 
ift.  5Die  ©toefen  ber  mituntergegangenen  £ürme  fann  man  nodj 
gu  Reiten  $ören. 

9?un  begab  e«  fid)  einmal,  ba§  ein  ©djutymadjer,  ber  oft  auf« 
Öanb  ging,  um  Arbeit  $u  fud)en,  in  einer  9iadjt  etwa«  angetrunfen 
au«  bem  Scruge  ju^lantifom  fam,  einem  £>orfc,  meiere«  ettoa  eine 
$atbe  3Heile  Don  ©aber  entfernt  liegt.  Äaum  mar  er  eine  93icrte(» 
ftunbe  gegangen,  al«  er  am  SÖege  brei  fdjtoarje  $ferbe  toeiben  fafy. 
<5r  badjte,  fie  gehörten  einem  ©auern  au«  ^lantifow  $u,  unb  weil 
tym  ba«  ®eljen  fauer  mürbe,  maajte  er  fidj  an  fte  $eran  unb  fefcte 
fiä)  auf  ein«,  um  fo  nadj  $>aufe  $u  reiten. 

Slber  auf  einmal  $ub  fi$  ba«  $ferb  mit  iljm  in  bie  §itye 
unb  flog  tyodj  burdj  bie  £uft,  baß  bem  ©$ut)maa)er  $ören  unb 
©e$en  oerging.  @rft  an  bem  ©(bjofefee  liefe  e«  ftä)  mit  tym  nieber, 
toarf  tyn  am  Ufer  ab  unb  Oerfdjtoanb  bann  in  ber  Xiefe  be«  ©ee«. 
©teidj  nadfter  ljörte  ber  ©djufynacfyer  unten  im  ©affer  ein  $efle« 
©lorf engeläute  unb  oernatym  beutlid)  bie  Sorte: 

„Anno  Susanne, 
Wist  du  mit  tö  Lanne?u 
„„O  ne,  mi  Grete, 
Man  immer  depe."M 

2)ie  Seute  meinen,  bafc  bie  brei  fätoarjen  $ferbe  ben  brei 
»ertoünföten  prften  ju  fcaber  gehört  tyaben;  manche  fagen  bagegen, 


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153 


ba*  britte  fei  bcr  Seufef  felbfi  gemefen.  (£3  foll  auch  in  ber 
Cuft  gang  feurig  geworben  fein  unb  lauter  flammen  Don  ftd) 
gefm'een  ^aben. 

lemme,  «oRlfagen.  ftt.  148  ©<&lujj. 
188. 

$tc  SBafferjungfcr  oerlocft  ein  9tt&bdjen. 

(Sinft  ging  ein  üttäbchen  aus  9?augorb  an  ben  <2>ee,  um  $u 
baben.  ffiie  fie  fidj  enttteibet  hatte  unb  tn$  SBaffer  gefüegen  roar, 
gefeilte  fidj  eine  SBafferjungfer  ju  it)r  unb  fpiegelte  it)r  cor,  ba  unb 
ba  im  (See  lägen  grofe  ©djäfee  »erborgen,  aud)  fei  bort  ein  weit 
angenehmerer  SJabeplafc.  3)a$  nad)  ben  ©chäfcen  lüfterne  Ding  Itej? 
fidt)  &on  bem  fallen  SBefen  betören  unb  eilte  $u  bem  angegebeneu 
Orte  fyin.  2)och  faum  mar  fie  bort,  als  auch  bie  Waterjumfer 
fie  mit  it)ren  Slrmen  umfing  unb  in  bie  £iefe  beS  ©ee8  fyndb  $og. 

Sttünbltcb.  au§  Äirfex,  «reis  tagatb. 

189. 

$te  SBajferjnngfer  in  ber  föcga. 

Sei  ber  @chneibemüt)le,  toelche  5n?ift^en  Ürepton?  unb  ©reiffen* 
berg  liegt,  füt)rt  über  bie  9lega  eine  ©rikfe,  bie  ^ungfernbrüefe 
genannt.  $)ort  forbert  alle  3at)re  bie  SRega  it)r  £pfer;  aber  eigentlich 
ift  eä  nid^t  ber  $lujj,  fonbern  bie  Söafferjungfer  in  it)m.  SBenn  ber 
üoin  (Schicffal  befrimmte  iDienfd)  lange  ausbleibt,  fo  aeigt  fidt)  bie 
SBafferjungfer,  tritt  mit  halbem  Seibe  auS  bem  ©äff er  h^roor  unb 
ruft:  „Die  <Stunbe  ift  ba,  nur  ber  üDlann  toill  immer  noch  n*fy 
fommen."  Dann  bauert'S  aber  gemijj  nicht  mehr  lange,  bis  einer 
in  ber  föega  ertrinft  unb  ihm  oon  ber  SÖafferjungfer  baS  331ut  aus 
bem  £eibe  gefogen  toirb. 

9Jlünblid)  au3  Ireptoro  unb  (Srciffenbetg. 
190. 

$ie  Stimme  and  bem  ^ordmmlbfee. 

31m  öorchioalbfee  ereignen  fich  fpät  abenbs  häufig  allerljanb 
ungeheuerliche  Dinge,  ©inf*  fuhr  ein  Sauer  beS  Nachts  eine$eb* 
amme  in  ihr  Dorf  aurücf.   911«  fie  nun  an  ben  ®ee  famen,  rief 


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154 


qu«  tym  eine  Stimme  gang  laut  unb  fläglidj  um  $>ilfe.  Sdjon 
tootlte  ber  93auer  antworten,  bod)  bie§ebamme  oertoe^rte  üjm  bie«, 
benn  fpridjt  man  mit  bem  Spuf,  fo  begiebt  man  fidj  in  feine  SRadjt. 
Sie  ljie§  if?n  ftatt  beffen  einen  tfreugfnoten  in  bie  ^eitfdje  Jarlingen 
unb  bann  mit  berfef&en  oor  unb  hinter  bem  ffiagen  ein  Äreug  in 
ber  Suft  betreiben.  2)a  tonnte  iljnen  ber  ©affergeift  nidjt«  angaben, 
unb  fie  fuhren  ungefiujrbet  nadj  $aufe. 

ÜJtünbliaj  au$  Ärafeig,  ÄteiS  gürftcntum. 

191. 

$er  £crapclburgtr  See. 

Der  STempelburger  See  forbert  jafjrlia)  minbefien«  ein  Opfer; 
am  liebften  ift  e«  u)m  aber,  menn  er  beren  brei  auf  ein  flttat 
er^afdjen  tann. 

@ine«  Slbenb«  ging  ein  üttamt  oon  $>emer«borf  nad)  bem  un* 
gef&ljr  eine  $>reioierteljhmbe  entfernten  Üempelburg  gu  unb  traf 
unterwegs  nodj  einen  ©efäfyrten.  Cefcterer  tuoClte  burd)au«  immer 
Don  ber  Gljauffee  ablenfen;  benn  er  tuelt  ein  fttuer,  ba«  feitmärt« 
ber  £anbjrra§e  brannte,  für  ein  $id)t  au«  ber  Stabt.  (Snblidj  folgte 
ber  ©anberer  aud)  feinem  ©enoffen.  Da  fa^en  fic  nun  feie  ba« 
l'idjt  plöfclid)  am  ffianbe  be«  See«  §alt  madjte  unb  breimat  minfte, 
bann  rief  eine  Stimme:  „Die  Stunbe  ift  fyier,  aber  ber  2Jtann 
toill  nidjt  fommen!"  Da  finb  bie  beiben  ßeute  fdjteunigft  umgefeljrt 
unb  gur  ©Qauffee  gurücf gegangen. 

Slm  anbern  üttorgen  ging  eine  alte  frrau  am  See  oorbei,  unb 
»eil  fie  burftig  mar,  toollte  fie  trinfen.  Dodj  fie  tyatte  ba«  ©äff er 
nodj  nidjt  gang  mit  bem  9Jiunbe  berührt,  al«  fte  fdjon  tot  umfiel. 
So  tyatte  ber  See  bo<§  fein  Opfer  befommen. 

anünblid)  aus  9tifeig,  ÄrciS  Sd)iefelbein. 

192. 
$er  Sürafee. 

Der  33ilmfee  bei  ^euftettin  forbert  jebe«  3<aljr  ein  Opfer. 
9iun  mar  in  ben  Sommernädjten  ben  ^ifdjern,  wenn  fie  fifdjten, 
oft  ein  große«  Xier  in  ba«  9?efc  gefommen.   3°9  man  ba«fe(be 


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155 


herauf,  fo  war  baß  Ungeheuer  jebeftnal  nod)  rechtzeitig  cntfcr)füpf f. 
einmal  gelang  e$  aber  bodj  fetner  fyabtjaft  ju  »erben,  unb  ba 
jetgte  e*  ftdj  benn,  bafj  e*  eine  Wäterjungfer  ober  S6m6sch 
war,  halb  S0?enfc^  halb  3tffch. 

Dieselbe  fagte,  wenn  bie  ^ifcfjer  fic  jejjt  nicht  gefangen  hätten, 
fo  würbe  fic  fid)  einen  oon  ihnen  geholt  haben.  $a8  ^abe  fie  biß 
jefct  jebe*  jQfa^r  fo  gemalt.  $)a  ließen  bie  ßeute  fie  gang  erfchrocfen 
wieber  in  ba*  ©affer  aurücf.  $n  bem  Saljre  aber  ljat  ber  «See 
lein  Opfer  genommen. 

Gbcnbafjer. 

193. 

$er  $ammcrmühlenteid). 

etwa  eine  SMertetmeile  oon  fcempelburg,  auf  ber  rechten 
@eite  ber  fctyauffee,  welche  oon  ber  ©tabt  nad)  Sörofeen  führt,  liegt 
ber  $amntermü$lenteid)  (HäumemäulecUk.)  Qbm  gerabe  gegen« 
über,  auf  ber  anbern  ©eite  ber  l'anbfrrafce,  befinbet  bie  Jammer« 
mwjle  (Häumemäul.) 

Qn  biefer  aJtttyte  follen  einft  jwei  trüber  gelebt  haben,  oon 
benen  ber  eine,  ein  gelernter  ®d)mieb,  fidj  bon  feinem  ©ruber  im 
erbe  beeinträchtigt  glaubte.  (Sr  nahm  be^alb  Jammer,  2lmbo§ 
unb  fonfiige*  ©a^miebegerät  unb  ging  bamit  in  fcen  @ee  hinein. 
$>ier  lebt  er  auf  bem  ©runbe  bt*  511m  heutigen  Xage,  unb  wenn 
bie  2eute  am  ffianbe  be«  fceidfeS  rote«,  etfenhaltige*  Söaffer  be« 
merfen,  fo  Jagen  fie:  „$aS  fommt  au*  ber  ©tfjmtebe." 

SJtünblicb.  aus  Xempclburg,  flteiS  9leuftettin. 
194. 

SSafferjungfet  ruft  ihren  Sftann. 

(ginft  fingen  ftifcher  im  <£ee  eine  Söafferjungfer,  halbütfenfö 
halb  ftifch-  $iefelbe  »erhielt  ft<h  gang  ruhig  unb  fajien  ftumm. 
211«  fidj  aber  bie  Seute  mit  ihr  ^cr)crae  erlauben  wollten,  rief  fie: 
„©eernann!  3)er  Sanbmann  fifcelt  mich!"  2)a  befamen  bie  ftifdjer 
einen  großen  «Sct)rccf  unb  warfen  bie  Safferjungfer  eilig  in  ben 
©ee  gurücf. 

SRünblia)  aus  Irjebinttoro,  Är.  Söütoro. 


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156 


195. 

$ic  TcufelSUioljnung  bti  Selgorbt. 

iöct  bem  $)orfe  SJelgarbt  befitibet  fid)  ein  fleiner,  frei«ruuber 
£eid),  welker  bie  Duewelswönung  genannt  wirb.  $>iefer  £eid) 
ift  ungeheuer  tief,  ©d)on  biete  £eute  r)abe;i  terfud)t,  u)n  $u  er* 
grünben,  aber  bis  iefct  ijl  e«  nod)  niemanbem  gelungen.  2)a« 
ffiaffer  ber  Duewelswönung  ifi  faft  fdjwarg  bon  ftarbe,  unb  fein 
ftifd)  fcält  fid)  bort  auf. 

(Sinft  trieb  ein  #ned)t  eine  §erbe  <Sd)afe,  weiche  ein  <Sd)täd)ter 
bon  einem  @d)äfer  getauft  §atte,  über  ©elgarbt  nad)  Sauenburg  gu. 
(5«  war  fpät  geworben,  unb  fo  fam  e«,  bajj  ber  Shted)t  furg  bor 
üWitternad)t  mit  feiner  §erbe  ben  verrufenen  Xeid)  paffteren  mujjte. 

2U«  er  etwa  Imnbert  <Sd)ritte  weit  bei  bem  Saffer  borbei 
War,  fafj  er  plöfclid)  in  einiger  (Entfernung  bor  fid)  eine  grojje  $erbe, 
ber  ein  fd)marger  $unb  bellenb  folgte.  Anfang«  l)ielt  er  e«  für 
eine  <Sd)affyerbe,  balb  überzeugte  er  fid)  jebod),  ba§  e«  nid)t  ed)afe, 
fonbern  <Sd)weine  waren,  unb  wenn  er  fid)  aud)  weiter  nid)t«  babei 
bannte,  fo  mad)te  ifm  bod)  ba«  fhtfcig,  bajj  bem  fd)wargen  §unbe 
feurige  flammen  au«  bem  föadjen  fd)lugen. 

$)a«  bermodjte  u)n  bagu,  fid),  nad)bem  er  fd)on  lange  bei 
ber  ©d)weinefyerbe  borbei  getrieben  ^atte,  nod)  einmal  umjufd)auen. 
Slber  er  tyätte  feinen  ftürwife  faß  mit  bem  Seben  gebüjjr,  benn, 
Wer  befd)reibt  fein  (Entfefcen,  at«  bie  gange  ®d)ar  <Sd)weine  mit* 
famt  bem  $unbe  in  bie  Duewelswönung  funabging  unb  barin 
berfd)wanb. 

DJtünblid)  au§  töati'd)oro,  Str.  Saucnbuta. 
196. 

$ic  Sttllefreüag**ar&eit. 

ß«  war  an  einem  Karfreitag,  al«  ein  Sauer  au«  <3au(in 
fein  <ßferb  oor  ben  $flug  fpannte  unb  bamit  ben  £ung  unterpflügte, 
We(d)en  er  am  grünen  2)onner«tag  geftreut  fatte.  StUe  Öeute,  bie 
U)n  bei  biefer  Arbeit  trafen,  riefen  u)m  gu,  er  möge  bod)  oon  feinem 
rudjtofen  Eorljaben  abftetyen,  ba  ijeute  ber  größte  fjeiertag  ber 
Gtyriftenljeit  fei.  Umfonft  —  alle«  hieben  war  üergebtid),  ber  gott* 
lofe  3flann  fe^rte  fid)  an  nid)t«  unb  pflügte  nu)ig  weiter. 


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1Ö7 


&($  eS  ein  Siertel  über  elf  Utyr  mar,  gefeilte  fidj  p l ö^licfj  ja 
bem  Sauern  ein  ftrember  mit  einem  $ferbe  unb  erbot  ftdj,  tym  bei 
ber  Arbeit  ju  Reifen.  Der  SKann  naljm  baS  Anerbieten  o^ne  »ei* 
tereä  an,  ba  er  §offte,  auf  biefe  Seife  mit  bem  treibe  nodj  bis 
SWittag  fertig  ju  »erben.  9iadjbem  fie  nun  eine  Seile  gemein* 
fdjaftlic^  gearbeitet  Ratten,  fprad)  ber  5rcm^c«  »Seifet  bu,  ftreunb, 
mein  $ferb  »ill  alleine  nidjt  mefyr  redjt  gießen,  unb  beinern  gefjt  e$ 
ebenfo.  Sir  »ollen  bie  beiben  Stoffe  jufammenfpannen.  21u§erbcm 
üerfteljt  mein^ferb  »eit  beffer  »ie  bein£  am  Feiertage  $u  arbeiten, 
unb  gleidjer  Seife  bin  id)  eine  foldje  Sefajäftigung  metyr  getooljnt, 
»ie  bu.  ^olgft  bu  mir,  fo  »irb  in  »enig  Slugenblicfen  bie  Arbeit 
beenbet  fein,  unb  »ir  reifen  bann  jufammen  »eiter." 

Dem  Säuern  »arb  bei  biefer  3tebe  bebentlid)  ju  9Jhtte,  unb 
fcr)oii  be)d)(o§  er,  umjutetyren  unb  mit  feiner  ^rau  gemeinfam  Kar- 
freitag ju  feiern,  als  i^m  »ieber  ber  üertocfenbe  ©ebanfe  bor  bie 
Seele  trat:  „Sie  fdjön,  »enu  bu  nod)  oor  Wittag  bein  ^elb  ge* 
pflügt  ^ätteft."  (5r  fdjlug  fid)  barum  alle  guten  ©ebanfen  aus  bem 
Sinn,  rief  bem  ^remben  jju:  „Spann'  bie  ^ßferbe  jufammen  unb 
nimm  bie  Seine;  id)  »erbe  ben^flug  galten."  Unb  nadj  furjer  Qtit 
arbeiteten  fie  gemeinfdjaftltdj  unb  $»ar  fo  fdjnell,  ba&  im  9tu  baS 
gange  ^e(b  mit  Dung  unterpflügt  »ar. 

©leid)  barauf  ertyob  fld;  aber  aud)  ein  entfefclictyeS  Unwetter 
unb  mit  rafenber  ©aft  eilten  bie  ^ferbe  bem  Sauliner  See  ju. 
Der  Sauer  »olfte  jefct  gerne  ben  ^flug  fahren  laffen,  aber  er  blieb 
an  ü)m  Ijaften  unb  mußte  famt  bem  ftremben  unb  ben  beiben 
Stoffen  in  ben  Sellen  beS  See«  oerfinfen.  Se&or  jebodj  bie  fluten 
über  bem  ©efä^rt  jufammen  fdjlugen,  rief  ber  ftrembe,  bajj  man 
eS  »eit^in  fjörte:  „Dit  es  dei  Lön  vaer  dei  Schtillfridachs- 
arbeittt 

9Jtünbliaj  nu3  Saiij,  ffreig  Sauenburg. 


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VI. 

Wu  JlwJIm  uttf>  gmi>rottrm*r. 

197. 
Sdlgemeiitei. 

Qm  fdjärfjlen  ©egenfag  ju  ben  elbifdjen  ©eiftern  freljt  ba£ 
©efdjledjt  ber  liefen  ober  $ünen.  $>ie  Glbe  unb  3toerge  f"10 
Hein  oon  ©eftalt  unb  fdjeu,  aber  ftug  unb  oon  aufgetoecftem  @etfte ; 
in  ben  liefen  bagegen  „waltet  oolle,  ungebänbigte  SHaturfraft,  bie 
jene  Uberfdjreitung  be8  leiblichen  2JJa§eS,  trofcigen  Übermut,  alfo 
ülüfj&raudj  be$  finnlidjen  unb  gci  fügen  93ermögen$,  jur  fjolge  t)at 
unb  julefot  it)rer  eigenen  l'oft  erliegt  ^ierauö  leitet  fid}  leicht  ab, 
bafc  it)nen  Dummheit  beigemeffen  wirb,  gegenüber  ben  oerftänbigen 
SDfanfdjen  unb  ben  flauen  3wergen."  l) 

$lu8  bem  ©runbe  oerlieren  bie  liefen,  wetd)e  urfprünglicf) 
alte  -Raturgottheiten  haaren,  bie  einem  längeren,  entwicfelteren 
©ötterftyftem  weichen  mußten,  in  bem  33oIf£glauben  nad)  unb  nadt) 
bie  göttlichen  3fige  unb  finfen  gu  einer  Älaffc  Don  ffiefen  fytvdb, 
bie  jwar  flörpergröfsc  unb  ©tarte  oor  ben  SRenfdjen  oorau£  f)at, 
it)nen  jebodj  in  geiftiger  $infit^t  in  jeber  ©ejiehung  unterlegen  tft. 
SJtan  erblicfte  in  it)nen  batb  nur  nod)  bie  Urbewohner  beS  CanbeS, 
roelcfye  ber  Sföenfch  mit  feiner  fyöfjeren  Äultur  au«  ihren  ©ohnfifcen 
oertrieb;  unb  ba  ein  ®(eidje8  ben  Reiben  burcb,  bie  SBelt  erobernbe 
9ftad)t  beS  GfyriftentumS  wiberfucjr,  [o  würben  bie  liefen  fchtießlid) 
mit  benfelben  auf  eine  Stufe  gefiellt  unb  gelten  beSfyalb  in  bem 
heutigen  Sßolfäglaubeu  für  bie  SRepräfentanten  be£  $eibentum$  unb 
bamit  für  bie  erftärteften  fy'm'be  ber  Ätraje.  9iicht3  liegt  ihnen 
me^r  am  bergen,  al8  bie  aufgebauten  ©otte8häufw  wieber  gu  ger* 

l)  ©rimm,  $cutfcpe  ^t^oloQtc.  2.  «ujl.  S.  495. 


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159 


ftören  unb  baburch  ba«  weitere  Vorbringen  ber  tfehre  S^rifti  511 
oerhinbern. 

Qn  ben  meiften  pommerfdjen  £ünenfagen  tljut  fid)  biefe  (Entartung 
ber  ^Riefen  funb.  Slber  baneben  haben  fich  auch  nod}  (Spuren  it)re$ 
c^emald  göttlichen  ffiefend  erhalten,  ©ir  rennen  bahin  ben  23off$» 
glauben  im  Greife  ftürftentum,  bemjufotge  ber  Wötk  ber  grimmjte 
fteinb  ber  liefen  ift,  welker  fie  »erfolgt  unb  tötet,  wo  er  ihrer 
nur  habhaft  »erben  fann.  Da  ber  Wötk  nämlich  fein  anberer 
als  ber  £immel8gott  Wöden  ift,  fo  liegt  in  feinem  $)afc  gegen  bie 
§ünen  füglich  nur  bie  (Erinnerung  oor  an  feine  Äämpfe  mit  ben 
alten,  rot)en  sJiaturgottheiten,  meiere  oor  Ujm  herrfdjenb  waren. 

Da  bie  ganje  Watur  ber  liefen  mit  bem  Steinreich  gufammen* 
^angt,  ba  man  fie  fich  auf  Reifen  unb  Sergen  Qaifenb  badete,  fo 
wirb  einleuchten,  warum  gerabe  Reifen  unb  Serge  bie  (Erinnerung 
an  fie  wact)  gehalten  haben.  Qn  Bommern  finb  ed  einmal  bie 
erratifct)en  Slöcfe,  an  bie  fich  $>ünenfagen  fnüpfen,  bann  aber  üor« 
$ug8weife  bie  lünfilidj  aufgeführten  (Erbhügel  unb  Steinhaufen, 
welche  auö  üorgefchichtlicher  3eit  ftammen  unb  Söerfe  unferer  h«b* 
nifchen  Slltoorberen  finb,  aber  bem  Solfe  nur  als  Hünengräber, 
^ünenbetten  ((Eammin),  $>ünenberge,  $ünenbrinfe  (Stoty)1)  be» 
fannt  finb. 

2ln  bie  föiefenfagen  fct)Iiejjen  wir  billig  bie  SolfSüberlieferungen 
oon  ben  Öinbwürmern  an,  ba  biefetben  biete  3üge  mit  jenen  gemein 
haben*).  Qm  übrigen  fprechen  biefe  Sagen  für  fid)  felbffc  unb  be» 
bürfen  feiner  weiteren  (Einführung. 

198. 

$te  neun  Serge  bei  9?atnbm. 

3n  ber  wefiltdjen  Spifce  ber  Qnfel  föttgen,  an  ber  ftefbfdjetbe 
ber  Dörfer  föothenfirchen  unb  ©ötemifc,  etwa  eine  SBiertelmeile  oon 

i)  fcünenbetten:  SBett  ailt  biet  oon  @rab,  Der  SRuheftätte  Soter.  - 
fcünenbrint:  JBrtnt  fouiel  nrie  „arüner  fcügel."  —  3n  JRügen  werben  bie 
fntnenaräber  aua)  Käpelstöcke  genannt. 

*)  ©timtn,  fceutfebe  9Rqtl)oloßie.  2.  «uff.  6.  653.  —  erwähnt 
mag  hier  werben,  ba£  fiä)  in  ber  cor  turjem  erfebienenen  ©djrift  be$  $ertn 
0.  Änoop:  SJolfSfagen  2c.  au8  bem  öftlicpen  Cuntcrpommern.  $ofen  1885. 
3lx.  72,  Kr.  126—128  roertooUe  iinbnmrmfagen  finben. 


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160 


bem  ftircfjborfe  {Rambin,  liegen  auf  flauem  f^elbe  neun  fteine  $üflel 
ober  Hünengräber,  meldte  getoölmliä)  bie  neun  Serge  ober  bie 
neun  Serge  bei  {Rambin  genannt  werben.  Diefe  entftanben 
metlanb  burd)  bie  Äülmfyeit  eine«  {Riefen. 

Sor  langer  3«*  lebte  nämlid)  auf  {Rügen  ein  gewärtiger 
{Riefe.  $)en  oerbrofc  e«,  ba§  ba«  £anb  eine  3nfet  mar  unb  ba§ 
er  immer  burd)  ba«  üReer  roaten  mußte,  wenn  er  nadj  Bommern 
auf  ba«  fefie  öanb  trollte.  (£r  ließ  fid}  alfo  eine  ungeheure  (Sdjürje 
machen,  banb  fte  um  feine  $üften  unb  füllte  fie  mit  (Jrbe;  benn 
er  wollte  fidj  einen  <£rbbamm  aufführen  üon  ber  Qnfel  bis  $ur 
^efte.  ©ie  er  nun  aber  mit  feiner  £raä)t  bi«  über  {Rotfyenttrajen 
gefommen  mar,  ba  ri§  plöfolidj  ein  Sodj  in  bie  <2>djür$e,  unb  e« 
fielen  neun  Raufen  (£rbe  Ijerau«.  $)a«  ftnb  bie  neun  Serge  bei 
{Rambin. 

9(uf  gleite  ©eife  finb  audj  bie  breijef>n  Heineren  Serge  ent* 
ftanben,  bie  man  bei  ©uftow  finbet.  Denn  al«  ber  {Riefe  ba«  erfte 
%od)  gugeftopft  $atte  unb  bis  ©uftow  gefommen  mar,  ri§  ein  neue« 
Sod)  hinein,  unb  e«  fielen  nun  bie  breijeljn  Keinen  Serge  Ijinau«. 
3Rit  ber  nod)  übrigen  (Jrbe  ging  er  an«  ÜReer  unb  fdjüttete  fie 
hinein.  2)a  warb  ber  $ro£ni$er  $>afen  unb  bie  niebliaje  $albinfel 
Drigge.  Slber  e«  blieb  nodj  ein  formaler  3wifdjenraum  3Wif<$en 
{Rügen  unb  Bommern,  unb  ber  {Riefe  ärgerte  fid>  barüber  fo  feljr, 
bajj  er  plöfelidj  oom  «Silage  gerührt  mürbe,  ^mftür^te  unb  ftarb. 
Unb  fo  ift  benn  fein  Damm  leiber  nie  fertig  geworben. 

6.  ÜJt.  «tnbt,  Wärmen  unb  3"9™t*ta.  2.  Stufl.  I.  S.  132-133. 

199. 

$er  $ubberwortlj. 
1. 

9ln  ber  ©übfeite  be«  Rieden«  <Sagarb  auf  ber  {Rügenfdjen 
$albinfel  Qaftmunb  finbet  man  ein  ungeheuer  grofce«,  alte«  {Kiefen* 
grab,  ber  Dubberwortfj  gereiften.  ©«  I)at  einen  Umfrei«  oon  170 
©abritten  unb  ift  16  <5üen  fjod).  Oben  ift  e«  mit  allerlei  ©traudj* 
merf  unb  mit  Dornen  bewadjfen.  $n  ben  Südjern  fjeifjt  e«  gtt>ar, 
unter  biefem  Dubberwortfy  fei  eine  {Riefin  begraben,  unb  ein  anbere« 
{Riefenroeib  Ijabe  ibr  biefe«  ©rab  errietet,  inbem  fie  @rbe  unb  (Steine 


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101 


ba^u  gang  allein  uon  ber  Stubnifc  über  eine  halbe  ÜWeile  meit  h*rge» 
tragen  habe.  Allein  bie  ßeute  in  Sagarb  unb  gang  ^aSmunb  miffen 
e3  beffer,  mie  ber  Dubbermortt)  entftanben  ift. 

(£8  tooljnte  nämlich  oor  unbenfltdjen  3ettcn  auf  ^a^munb  ein 
mächtiges  töiefenmeib,  unter  beren  SBottnä&tgfeit  bie  ganje  §albinfel 
flanb.  Die  ^atte  ftdj  in  einen  ^ürjien  oon  9lügen  oerliebt  unb 
trug  fich  ihm  jum  ©ernaljl  an.  Der  föügenfche  ftürft  aber  mollte 
nichts  »on  ihr  toiffen  unb  gab  ihr  einen  Sorb.  darüber  geriet 
bie  SRiefin  in  einen  fdjrecflidjen  $orn,  U,,D  berief  alle  it)re  ShiegS« 
(eute  aufammen,  um  ben  dürften  gu  amingen,  ba§  er  fie  heirate, 
ober  fein  gan$eS  ?anb  gu  oermüften. 

Söeil  fie  nun  aber  befürchtete,  über  bie  üWeerenge  ^mifchen 
^faSmunb  unb  9?ügen,  bei  ber  i'iefeomer  ftät)re,  mit  ihrem  ÄriegS* 
t?offc  nicht  gefct)minb  genug  hinüber  fommen  ju  fönneu,  fo  befdjfofc 
fie,  biefelbe  aufzufüllen,  fo  bafj  fte  einen  breiten  unb  bequemen 
Übergangen? eg  l)ätte.  3U  Dem  ®n^c  ä^n9  f*c  Sur  Stubnife  unb 
tob  aüba  it)re  ungeheure  Schürte  oott  @rbe  unb  «Steine.  Sie  fie 
bannt  aber  bis  in  bie  ©egenb  oon  Sagarb  gefommen  mar,  ba  ri§ 
auf  einmal  ein  £odj  in  bie  Schürte,  unb  aus  bemfelbeu  fielen  fo 
trief  (Erbe  unb  Steine  ^erauö,  bafj  baoon  fofort  ber  große  $>ügel 
entfianb,  ber  jefct  ber  Dubbermorth  heißt» 

Die  SRiefin  hatte  fiel)  bie«  Unglücf  jmar  noch  nic^t  oerbriejjen 
(äffen  unb  mar  meiter  gegangen  bis  jur  ßiefeomer  $äl)re;  allein 
hier  mar  ihre  Schürte  ganj  jerriffen,  unb  üon  bem  herausgefallenen 
entftanben  bie  $ügel,  bie  man  in  ber  5Rähe  ber  ftähre  fieht.  DaS 
fah  fie  beim  boct)  für  ein  böfeS  3e*chen  a">  unD  f*e  PanD  nun  *on 
ihrem  Vorhaben  ab. 

Semme.  Holtafagen.  9lr.  190. 

IL 

(Sin  ütiefenmäbchen  fprach  ju  fich:  „3$  mill  mir  eine  Sörücfe 
nach  ^ügen  machen,  bamit  ich  über'S  Säfferdjen  gehen  fann,  ohne 
mir  meine  ^antbffeldjen  ju  nejjen."  (Sie  nahm  eine  Schürte  öott 
Sanb,  and  Ufer  eilenb.  Slber  bie  Schürte  halte  ein  unb 
hinter  Sagarb  tief  ein  $eil  ber  Labung  aus  unb  bilbete  einen 
Keinen  ©erg,  namens  Dubbermorth-  „Sich",  fagte  baS  .jpünenmäbchen, 
„nun  mirb  bie  Butter  fchelten",  hielt  bie  $anb  unter  unb  lief, 
maS  fte  tonnte. 

11 


162 


Die  2)tutter  flaute  über  ben  ffiatb:  „Unartige*  flinb,  tt?a« 
madjft  bu,  fomm'  nur,  bu  foltft  bie  Mute  Ijaben!"  Da  erfdjraf  bie 
Softer,  ließ  bie  Sdjürae  oollenb«  gleiten,  aller  Sanb  toarb  untrer 
gefdjüttet  unb  bilbete  ben  bürren  ,f)üget  bei  ?iefeon>. 

Örimm,  Seutföe  *Dh)tboloflic.  2.  flufl.  S.  502  fa. 

200. 

Der  Stetufafc  bei  SRucran  auf  3^^nnb. 

Vinte  üon  bem  Dorfe  SDfucran  auf  ber  ^albinfel  ^a^munb 
liegt  am  ffiege  nad)  bem  Darjjin  unb  nadj  bem  Dorfe  (Srampad 
ein  Steinfafc.  (£r  jietyt  fid)  gan$  genau  t>on  Dften  uad)  ©eflen, 
befielt  au£  Dielen  Steinen  unb  Ijat  eine  l'änge  uon  fedjäunbbreifcig 
unb  eine  breite  »on  jtt?ötf  Stritten. 

(Sine  Miefin  Ijat  tner  ifyre  beiben  Äinber  begraben,  bie  burd) 
iljre  Sorglofigfeit  in  ber  See  ertrimfen  waren.  Deshalb  fteljen 
aud)  am  SGBeftenbe  beä  ©rabeS  jtuei  große  Scffteine,  uon  benen  ber 
eine  jefct  in  bie  (Erbe  gefunfen  ift,  ber  anbere  aber,  ber  auf  ber 
Äante  fte^t,  eine  §öf)e  oou  uicr  (Süen  mißt. 

lemme,  SJoltetagen.  «Rr.  189. 

201. 

4jte  <otegftetue  oet  wictu=«irc|oni. 

Äm  3rufee  ber  Strefomer  Sannentyiget,  auf  ber  Seite  narf) 
Dummerteoife  Inn,  ftetyen  gruppemoei«  in  einer  (Ebene  mehrere 
(Steinfeget,  bie  Siegfteine  genannt.  $ier  ^a^en  ™  uralten  Reiten 
bie  ÜRbndjguter  unb  ^utbuffer  einen  Mutigen  Stampf  gehabt. 

Die  töiefentoeiber,  toeldje  ben  Siegern  beiftanben,  richteten 
jum  Sfabenfen  btcfc  Steine  auf.  Slber  auf  »Detter  Seite  ber  Sieg 
gewefen  ift,  baS  weife  man  ni$t  me$r. 

Semme,  MSfaflen.  9?r.  189. 

202. 

Der  Wtefenftei«  Bei  ftabefi*. 

©ei  bem  Dorfe  Mabelife  auf  Mügcn,  an  bem  ©ege,  ber  nadj 
^ofenjalb  fityrt,  liegt  ein  ungeheurer  Stein,  ber  Miefenflein  ge« 
I;eiBen.   Der  ift  auf  folgenbe  Seife  entflanben: 


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163 


3u  ber  3"*/  atö  SU  SBilmnifc,  eine  ^atbe  Steile  t>on  ^utbuS, 
eine  djriftliche  Äirdje  gebaut  würbe,  lebte  auf  9tügen  ein  groger 
Ütiefe.  ÜHandje  fagen,  e8  fei  berfelbe,  ber  bie  neun  öerge  bei  SRam* 
bin  au8  feiner  Sdjürje  ^at  fallen  laffen.  SBeil  er  ein  $eibe  war, 
fo  üerbroß  ir)n  ber  33au  berSlirche;  erfagteaber:  „Vafc  bie  ©ürmer 
nur  ben  Slmeifen^aufen  bauen,  id)  werfe  it)n  bodj  nieber,  wenn  er 
fertig  ift." 

Sil«  bie  tfirrtje  nun  fertig  würbe  unb  aud)  ber  £urm  aufge* 
fü^rt  war,  fo  nahm  er  einen  gewattigen  Stein.  Damit  fiellte  er 
fich  auf  ben  ^utbuffer  Dannenberg  unb  warf  if>n  mit  großer  ©e* 
watt  nad)  ber  neuen  Äird)e.  2lber  er  ljatte  in  feiner  Soweit  $u 
fa)re(ftia)  ^art  geworfen,  fo  baß  ber  Stein  wohl  eine  23iertelmeile 
weiter  über  bie  Äirdje  weg  flog,  auf  bie  Stelle  Ijtn,  wo  er  noch 
jefet  liegt. 

"flaa)  (?.  9R.  Slrnbt,  Wärmen  unb  Sugenberg.  2.  «ufl.  I.  ©.  133. 

203. 

Der  töiefenftein  bei  Zarrentin. 

(Sine  ^albe  Stunbe  oom  Dorfe  3arrentin,  in  ber  ©egenb  üon 
Soifc,  liegt  ein  ungeheuer  großer  Stein,  in  Wefdjem  fid)  fünf  runbe 
Vertiefungen  finben.  3ttan  nennt  Um  in  ber  ©egenb  ben  liefen* 
ftein.  %n  früherer  Qtit,  als  ba8  (J^riftentum  hier  eingeführt  würbe, 
war  ba«  tfanb  fron  liefen  bewohnt.  Diefe  mußten  bor  bem  <£t)riften* 
tum  an  ben  Stranb  ber  Oftfee  jurücfweichen.  Darüber  ergrimmten 
fie  beim  gegen  bie  djriftlicheu  $irdjen,  bie  fidj  überall  im  Sanbe 
aufrichteten.  Sefonber«  ^atttn  fie  e8  auf  ben  hofcen  Äiräjturm 
bed  Dorfe«  Soffen  abgefchcn,  unb  fie  befdjloffen,  it)n  oon  ber 
©egenb  oon  Stralfunb  tyx,  welche*  fünftehatb  teilen  fron  Saffen 
entfernt  ift  unb  wo  fie  fidj  bamal«  aufhielten,  mit  einem  großen 
Steine  einzuwerfen. 

©inen  tüchtigen  Stein  Ratten  fie  balb;  bamit  aber  auch  ber 
©urf  nicht  mißlinge,  fütterten  fie  baju  eigen«  bie  brei  fiärfjlen  unter 
ihnen  eine  3eit  laug:  ben  einen  mit  föinbfleifch,  ben  anbent  mit 
Sd^weinefleifd)  unb  ben  britten  mit  §ammelfleifch.  Dem,  ber  mit 
töinbfleifd)  gefüttert  war,  gelang  ber  Surf.  <£r  traf  ben  Dürrn, 
baß  er  einftürgte,  unb  ber  Stein  flog  bodj  noch  weiter,  bi« 
nahe  oor  3airentin,  wo  er  noch  jefct  liegt.  Der  JHiefe  hotte  ben  Stein 

11* 


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164 


fo  gewaltfam  angepacft,  ba§  feine  fünf  frtngerfptfcen  ftdj  tief  bari» 
abbrütften,  unb  ba«  ftnb  bie  fünf  8ödjer,  bie  man  nodj  fte§t. 

Grftet  3afrte*beriü)t  ber  ®efeWd>aft  für  $omm.  «ItertumStunbe  ©fite  8; 

Xemme,  SJoItefagen.  Slx.  177. 

204. 

$tr  lange  ©erg  bei  ©aggenborf. 

3(uf  bem  Söege  üon  2öenbifdj*©aggenborf  nadj  ©rhnmen 
fommt  man  an  einem  langen  ©erg  oorbei.  &en  fyaben  oor  3eiten 
bie  $ünen  errietet,  bie  fid}  bama(£  im  Sanbe  aufhielten.  ©3  war 
näntlicfy  ju  jener  3eit  oa*  3rlüfjd)en  Trebel  nur  ein  Heiner  ©ad} 
unb  ben  £)ünen  nicfyt  groß  genug,  ©te  fyaben  iljn  baljer  tiefer  ge* 
mad}t,  unb  oon  ber  ausgeworfenen  Grbe  ift  ber  lange  ©erg  ent* 
ftanben. 

lemme,  SJoltefagcn.  9U.  175. 

205. 

$er  £fincnßein  Bei  SBufxerljufen. 

93  ei  bem  $)orfe  SBufterljufen,  unweit  beä  ($reif£walber  ©ob* 
ben«,  liegt  ein  groger  $ünenftein.  ©on  bemfelben  ergäben  bie 
tfeute,  baß  ein  §üne  i$n  bortljin  geworfen  l>abe,  ber  bamit  ben 
^trc^turm  ju  SBufter^ufen  tyatte  $erfdjmettern  wollen.  Die  fünf 
Ringer  be«  liefen  finb  nodj  in  bem  ©reine  au  fetyen. 

lemme.  EoItSfaQcn.  Ar.  176. 

206. 

$te  Hünengräber  jn  3üffoto. 

3luf  bem  ©uggentyagenföen  @ute  3üffow  waren  oor  Reiten 
$wet  große,  uralte  $ünengräber.  «3m  3*$**  1594  'Mten  einftmatö 
bie  ©reifswalber  ©teine  ju  einem  ©aue  nötig,  unb  auf  ü)r  ©itten 
Ratten  bie  ©uggenr)agen«  tynen  oergönnt,  bie  ©teine  ber  beiben 
Hünengräber  ju  nehmen. 

31t*  nun  bie  ©rctfswalber  ©teinmefeen  bie  großen  ©teine 
äerfölugen,  ba  würben  fte  neugierig,  was  barunter  in  ber  (Srbe 
oergraben  liegen  möge,  ©ie  gruben  beS^alb  na$  unb  fanben  unter 
bem  einen  ©rabe  oiele  menfölidje  Körper,  bie  waren  nod)  ganj 
erhalten  unb  ungeheuer  groß.   ©ie  maßen  elf  bis  fecfoelm  ©djulje 


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165 


unb  lagen  alle  in  einer  sJfleif?e  unb  jWar  fo,  bafj  jwifdjen  jebem  ein 
Ärug  ftanb,  ber  mit  (Erbe  gefüllt  fear.  $Ü3  fie  fobann  mit  bem 
feiten  OJrabe  badfetbe  »erfüllen  mottten,  ba  Nörten  fie  ptöfetidj  unter 
bemfelben  in  ber  (Srbe  ein  großes  Getümmel,  wie  wenn  getankt 
unb  bogu  mit  Sd}(üffe(n  geraffelt  mürbe. 

darüber  erfdjrafen  fie  fo  fetyr,  bafe  fie  oon  weiterem  ®raben 
abflanben. 

SRicräliuS,  Hit.  $ommerlan*.  I.  ©.  130;  Semme,  5Bolf$|aaen.  9lr.  173. 

207. 

$er  £finenftcin  bei  SWorgentfc. 

Stuf  bem  ^eunjeljnfirdjturm&SBerg  bei  2Rorgenty  auf  Ufebom, 
ber  baoon  feinen  tarnen  fyaben  foü,  bafc  man  eljemalä  Oon  bort 
auS  neunjefyn  förd)türme  fafy,  liegt  ein  Stein,  ber  jeigt  bie  (Sinbrücfe 
einer  $anb,  eines  Sujjeä,  einer  Sdjtange  unb  einer  ^unbstrappe. 
©en  fott  ein  ^)üne,  at$  er  nod)  rocicr)  mar,  von  Ucfermünbe  ober 
Uom  jenfeitigen  Ufer  ber  ^Jeene,  ba8  weif}  man  nidjt  genau,  bort^tn 
geworfen  tyaben,  unb  aus  biefer  3eit  foüen  benn  auä)  nod)  bie 
(Sinbrtirfe  barauf  ljerrüljren. 

(Einige  fagen  audj,  ein  $üne  Ijätte  einen  «Streit  mit  ben 
Räubern  gehabt,  bie  $u  Redentin  wohnten,  unb  §ätte  u)n  batyin 
fdjleubern  wotten,  tyätte  aber  feine«  ßiets  oerfe^tt,  unb  ba  fei  ber 
Stein  tyier^er  gefaden. 

2lu3  ©roinemünbe,  Äul)n  unb  ©ebroarfe,  florbb.  Sagen.  91t.  26. 

208. 

$te  §iineu$a(feu  auf  Ufebom. 

Stuf  ber  $nfel  Ufebom,  befonber«  auf  ben  ftetbmarfen,  meiere 
$u  ben  Ätnfyfpielen  Senfe  unb  3ir$ow  gehören,  »erben  nidjt  feiten 
©ramtblöcfe  oon  eigentümtidjer  ^orm  gefunben,  metdje  in  ber  93otfS* 
fpradje  ben  tarnen  $tinentya<fen  führen. 

$)a3  waren  urfprüngtidj  uom  SRegen  erweichte  S^onftöfce,  in 
welä)e  einer  ber  £ünen,  oon  benen  oor  3eiten  °*c  3nfc^  &*wo^nt 
mürbe,  mit  bem  Hinteren  (Snbe  be$  3Mje$  getreten  §at  unb  in  benen 
er  ben  ©inbruef  ber  $acfe  bi«  $ur  fdjmalften  Stelle  ber  ftu&fo^le 
$urü<f  liefj.  Später  ift  bann  ber  meidje  2^on  oerljärtet  unb  Oer* 
fteint  unb  jum  ©ranit  geworben. 

»altijcpe  ©tubien  XVD.  1,  ©.  13  fg. 


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1*56 


209. 

$cr  9itcfenftcin  ju  $ubag(a. 

In  ollen  Tien,  wo  noch  de  Risen  hier  tö  Lann  west 
sin,  da  is  auk  mal  ein  west,  dei  häft,  as  dat  Klauster  tau 
Pudagla  bucht  was,  einen  grauten  Stein  nämen  un  häft 
den,  man  wett  nich,  isset  von  Lassan  ader  vannen  Höfder 
Barch  bl  Loddin  west,  nät  Klauster  dal  smßten.  Äwerst 
de  Stein  is  em  üte  Fingers  ütglipt  un  is  uppen  Kämker 
Barch  bi  Pudagla  däi  fallen  un  is  dunn  van  bäben  runner 
trueelt  un  int  Wäter  liggen  bliwen,  wö  hei  noch  tau  seien 
is.  Wil  dunn  äwerst  de  Stein  noch  wassen  deen,  is  de 
Stein  so  weik  west,  dat  de  fif  Fingers  van  den  Kisen 
sik  indrückt  hebben,  und  dat  is  auk  huetendägs  noch 
tau  seien. 

2tu8  fcerinflSborf,  Äuljn  imb  Sa)roar&,  Wortb.  Saßen.  9ir.  27. 

210. 

$ex  große  Stein  bei  üDiceftgcr. 

S3ei  SWeefiger,  am  Äummerotoer  (See,  liegt  ein  grofcer  (Stein 
mit  fünf  Södjern,  fo  bafc  e$  ausfielt,  als  ob  jemanb  mit  einer  riefen* 
großen  $>anb  hineingegriffen  ljätte.  33on  biefem  (Stein  ergäben  bie 
Sitten,  ein  9liefe  in  üReflenburg  ljabe  ityn  geworfen,  unb  bie  Södjer 
rührten  oon  feinen  fünf  Ringern  l?er. 

3»ünblid)  au«  Wttfxqtr,  ÄreiS  Xcmmin. 

211. 

$er  fötefenffcin  bei  Älejrtow. 

3n  ber  SRälje  be«  Dorfes  meptoto,  unweit  ^afemalf,  liegt 
auf  bem  ftelbe  ein  groger  «Stein.  3)ie  Ceute  nennen  ifm  ben  liefen* 
ftein  unb  erjagten  fid^  oon  üjm  folgenbe«: 

93or  alten  3eiten  haben  in  ber  9?iü)e  biefe«  (Steine«  ^mei 
ftelfen  geftanben.  $n  bem  einen  Ijat  ein  9ttefe  getoolmt,  in  bem 
anbeten  ijaben  eine  Spenge  Keiner  ©erggetfter  t^r  $>au«  gehabt. 
$>er  SHicfe  unb  bie  3»cr9«  töten  mit  einanber  in  «Streit  unb  traten 
fidj  gegenfeitig  mannen  «Sdjabernacf  an,  wo  fte  nur  tonnten. 


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167 


3ulefct  matten  bie  3wer9e  «nter  °em  3relfen  be«  Miefen  ein  <£rb* 
beben,  woburdj  fie  ben  ganzen  Reifen  jertrihnmerten. 

Darüber  geriet  ber  Miefe  in  großen  3oru  unb  lauerte  auf 
eine  Gelegenheit,  toie  er  ben  fteinen  Serggeiftcrn  ttrieber  Sdjaben 
t$un  fönne.  Da8  traf  fidj  balb.  Denn  furg  nad$er  feierten  bie 
3toerge  in  einem  Seile  i^re«  Reffen«  ein  fteft,  bei  bem  fie  alle 
»erfammelt  waren.  Sit«  nun  ber  Miefe  ifjr  Singen  unb  jubilieren 
hörte,  nahm  er  ein  gute«  Stücf  uon  feinem  jerrrümmerten  ftelfen 
unb  warf  es  nadj  bem  f^eCfcn  ber  3toerge,  fo  baß  ber  Xeil,  in 
welchem  biefe  ihr  fteft  feierten,  baoon  gerf^mettert  unb  eine  ganje 
Spenge  bon  ihnen  erfdjlagen  würbe.  Unter  ben  Getöteten  befanb 
fidj  fogar  ihr  ÄÖnig,  ben  fie  naa)  einigen  Xagen  mit  großer  Xrauer* 
mufif  ju  Grabe  trugen. 

darauf  fdjwuren  bie  ß^erge  bem  Miefen  ben  Xob,  unb  auch 
baju  fam  balb  bie  Gelegenheit.  (5$  wot)nte  nämlich  in  ber  Gegenb 
ein  Sauer,  ber  eine  fdjöne  Tochter  ^atte.  $n  biefe  oerliebte  fidj 
ber  Miefe  unb  begehrte  fie  oon  bem  Sauern  $um  SBeibe.  Allein  ber 
Sauer  wollte  fie  bem  ungefdjladjten  Reiben  nicht  geben.  Der  Miefe 
raubte  fie  bat)er  mit  Gewalt.  Mun  wanbte  fid)  ber  Sauer  au  bie 
Serggeifter  unb  bat  fie  um  .f)ilfe. 

Diefe  paßten  barauf  eine  Gelegenheit  ab,  a(d  ber  Miefe  einmal 
im  ^elbe  feinen  flttittagSfchlaf  hielt.  $efct  nahmen  fie  ein  großes 
Stücf  bon  ihrem  $erfdjlagenen  Reifen;  ba8  wanben  fte  in  bie  §öt)e, 
gerabe  über  bem  fdjlafenben  Miefen,  unb  ließen  e<8  bann  auf  btefen 
fjernieberf  allen,  fo  baß  er  babon  jjerbrücft  würbe  unb  elenbiglid) 
barunter  fierben  mußte.  3)iefe£  ^elsftücf,  ba8  bon  ber  3ri*  an  Hegen 
geblieben,  ift  bev  Miefenfrein  bei  Äleptow.  flflan  fann  barin  nodj  bie 
Spuren  bon  bem  Gefühle  be$  Miefen  fet)en,  me(dr)e  fid)  bei  bem 
herunterfallen  eingebrüeft  haben. 

Semme,  $o!f  «tagen.  9ir.  182. 

212. 

$cr  Mtefenjfcin  bei  Menagen. 

Sei  ber  ^adjtung  Menagen  unweit  Daber  liegt  ein  unge* 
teurer  Miefenftein.  93or  alten  3eiten  lebte  nämlich  awifdjen  Stettin 
unb  $afen>alf  ein  großer  unb  ftarfer  Miefe,  ber  gulefct  be8  ?eben$ 
überbrüffig  würbe.  (Er  riß  batyer  in  ber  Gegenb,  wo  jefct  bie  Sott» 
f$e  2Öaff ermüfjle  get)t,  einen  großen  Stein,  öon  fünf  ftuß  im  Durch* 


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168 


meffer,  aus  ber  ©rbe  unb  warf  tyn,  fo  weit  er  tonnte,  mit  bem 
SSorfafee,  bort  au  jterben,  wo  ber  ftelsblod  nieberfallen  »erbe. 

$i($t  bei  föe^agen,  eine  SWette  weit  weg,  fiel  ber  «Stein  jur 
Grbe.  2Ulba  erfrag  fidj  ber  föiefe.  Sein  93lut  foü  in  gewaltigem 
©ogen  über  fec^unbert  Stritte  weit  gefprifet  fein  unb  einen  ganjen 
SWer  rot  gefärbt  $aben,  ber  baoon  no$  jefct  ber  rote  Äamp  $ei§t. 

2emme,  StoltSiaaen.  9ir.  182. 

213. 

$et  9?ö>fd)citftein  &Wtfd}en  6a)Bnebe<f  unb  Stampfe. 

£wifdjen  Sdjönebetf  unb  Xrampfe,  auf  bem  SBSegc  nadj 
üftarienfliejj,  tag  früher  ein  Käpfdjenftein.  $n  feine  gerabe  fyorigon* 
täte  Cberflädje  waren  neun,  wie  ber  ftegelftanb  georbnete,  runbe 
Vertiefungen  oon  ber  ©röfje  einer  Obertaffe  hinein  gemeißelt.  <J$ 
ging  bie  Sage,  bie  $ünen  hätten  oom  Sioatinäberge  fyer,  au$  einer 
(Entfernung  oon  etwa  jwettaufenb  fünffjunbert  9luten,  baljin  Shget 
gefdjoben.   3)er  Stein  war  im  $afyre  1825  bereit*  gefprengt. 

93fllt.  «Stubien  pon  1846.  fceft  1.  (Seite  114 

214. 

$änen  unb  Vanern. 

Vor  oiefen,  oielen  ^aljren  lebten  in  Bommern  grofce  Kiefen, 
irelc^e  man  $ünen  nannte.  §118  bie  SDfenfdjen  nadj  Bommern 
famen,  waren  oon  ben  ^>ünen  jebod)  nur  nod)  wenige  oortyanben ; 
benn  fie  waren  im  Sluäfterben  begriffen. 

(£ine$  £age$  ging  nun  eine  oon  ben  Xödjtern  eines  alten 
^ünenpaareS  auf  ba£  ^e(b  unb  fatj  bort  einen  Vauern  mit  oier 
Ccfyfen  pflügen.  $>a  fie  nidjt  wufcte,  waä  für  ©efcfyöpfe  ba8  wären, 
raffte  fie  afted  in  ifire  Sdjürje  unb  geigte  e8  itjrem  Vater.  5)er 
aber  fpradj:  „Maeken,  Maeken!  Lät  dat  sin.  Dat  sin  dö 
Erdwörmkel  Dat  is  dö  Art,  dö  willen  üs  vordrlben.w 

ÜJlünblia)  au«  ftretbeibe.  ffreie  ftaugarb. 

215. 

$er  £rünfctnbcrg  bei  Sunoto. 

$rw)er  lebten  auf  ber  Onfel  SSMin  Kiefen.  (Einer  oon  biefen 
Wollte  bie  SDieoenoW  bei  Sager  gubämmen.   $ie  ©rbe  baau  trug 


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1G9 


er  in  einer  ©d)ür$e.  Untertoeg«  riffen  jebod)  bie  ©änber  berfetben 
unb  oon  ber  {jerabfaücnben  (Erbe  iß  ber  jefcige  Srünfefnberg  bei 
Äuno»  entftanben.  9ioü)  heute  fann  man  bei  biefem  Dorfe  ba$ 
ßod)  feljen,  bon  wo  ber  ÖHefc  bie  (Erbe  fortgenommen  tyat. 

SRünblid»  au«  Äunoro,  ÄreiS  Gamtnin. 

21G. 

$er  $ünengraben  uub  ber  $finenftein  bei  Äriwifc. 

Huf  bem  ftritoifcer  tylbt,  jwifd^en  ftriroifc  unb  Safenrin  am 
©ubenthaf  im  Kamminer  Streife,  beftnbet  ftd)  eine  <Sä)anje,  ber 
Dünengraben  genannt  Unterhalb  berfelben  Hegt  in  ber  2cf)lncf)t 
beö  ©ubenfluffeS  ein  großer  ©tcin.  &ie  Oberfläche  beSfelben  ift 
jefot  burd)  ^Juloer  abgefprengt  loorben.  Huf  ihr  foltcn,  nad)  ^Insfage 
be#  ehemaligen  93arfujjborfer  Birten,  eine  ÜWenfdjenhanb,  ein  Sften* 
fd)eufufj  unb  barunter  jmei  93ud)ftaben  (angeblich  ein  C  unb  biet« 
(eid)t  ein  D)  ftdt)tbar  getoefen  fein.  5>te  Söudjfiaben  bezeichneten 
ben  tarnen,  §anb  unb  5U§  toaren  Slbbriicfe  ber  ©lieber  eines 
$ünen,  ber  oor  $eiten  Dcn  3fel8bIoef  Don  Safentin  h*r,  eine  93ier* 
telmeüe  meit,  au«  feinem  3°Pf  8e9en  cm  @d)lo§  gefdjleubert  hat, 
baö  in  ber  ©d)an$e  gefianben  haben  fott. 

$)er  ©tein  liegt  an  ber  redeten  «Seite  be$  ftluffeS,  in  einer 
©d)Iueht,  bie  fid)  oon  9?orbmeft  nact)  ©üboft  gu  bem  ©affer  bin 
erftreeft.  9Han  erzählt,  e«  entfiele  bort  jutoeilen  ein  £ärm,  als 
wenn  tiefe  3ugleid)  auf  bie  $agb  gingen. 

»alt.  ©tubien  X.  2,  ®.  177  fg. 

217. 

$te  &iineu  im  .^ünenberg. 

$)ie  §ünen  finb  üemmnfd)te  Söefen  oon  riefiger  ©eftalt,  mit 
langen,  gelben  paaren,  ©ie  roohnten  im  $änenberg  bei  &ra(»g, 
too  man  nod)  jefct  bie  £öd)er  feljen  fann,  in  benen  fie  ehemal« 
Rauften,  liefen  $ügel  haben  fie  fid)  felbft  aufgefdjüttet.  $)a8 
(Erblod),  welche«  baburd)  entftanben  ift,  lief  fpäter  ooü  SBaffer  unb 
rotrb  heute  ber  ©ordjroalbfee  genannt. 

©ie  »erfehrten  gern  mit  ben  2ttenfd)en  unb  baten  bie  Sauern 
oft,  fie  mödjten  fie  bod)  laufen;  benn  ba«  mar  ihnen  ein  befonber« 


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170 


angenehme*  ©efühl.  Dafür  lohnten  fic  auch  immer  reichlich,  bodj 
ftct«  mit  oermünfdjten  fingen.  Stamm  biefelben  aber  in  ben  Sefifc 
ber  üttenfdjen,  fo  nahmen  fic  it)re  frühere  ©eftalt  wieber  an. 

3efct  giebt  e3  feine  §ünen  mehr,  ber  Wötk  §at  fic  alle 
ausgerottet. 

ORünbUd)  aus  Ära&ifl.  tfrei$  ^ürftentum. 
218. 

$>ie  $fineu  im  Sefcantoor. 

CSinft  Rauften  im  tfebamoor  witbe  i'eute,  bie  liefen  waren 
unb  $)üncn  genannt  würben.  <Sie  waren  Reiben  unb  traten  be& 
halb  ber  djrifllichen  Seoölferung  grojjen  ©chaben.  Gin  Sauer  aus 
bem  33orwerf  GolicSnife,  ber  feinen  flefer  pflügte,  fotl  einft  oon  ihnen 
angegriffen  fein;  er  hat  fia?  iebod)  burch  fd)leunige  fttucht  gerettet. 
Unter  ben  2(ngreifem  befanb  fia)  ein  Seib,  beffen  Prüfte  fo  gro§ 
waren,  bajj  es  bicfelben  über  bie  Schultern  jurücffchlagen  fonnte. 

Die  £)ünen  waren  auch  arge  föäuber  unb  Ratten  ihren  Schlupf* 
winfel  befonberS  in  bem  SRäuberberg  bei  Darfow.  Die  33ornehmf!en 
unter  ihnen  bauten  fidj  ©räber,  baS  finb  bie  fogenannten  $>ünen» 
brinfe.  $iile|}t  würben  fie  in  einem  grojjen  Kriege,  ber  in  biefen 
©egenben  wütete,  oertilgt.  Slnbcre  fagen,  bafe  fie  burd)  einen  großen 
SWoorbranb  gezwungen  würben,  baS  t'anb  $u  oerlaffen. 

C.  Änoop,  Soltefagen  au«  bem  öftliajen  fcintervommern.   9Jr.  128. 

219. 

$er  i'inbwurm  bei  Slambin. 

9lm  Ufer  beS  SJinnenwafferS  bei  bem  Dorfe  SRambin  lebte 
oor  tiefen  ^a^ren  ein  greulicher  tfinbwurm,  ber  bie  ganje  ©egenb 
unfidjer  machte.  Sein  3Rauf  war  gehaltet  wie  baS  eines  l'öwen, 
unb  nac^  fynttn  enbete  er  in  ben  Schweif  einer  (Solange.  #ein 
SWcnfdt)  wagte  eS,  bem  Untier  entgegen  511  treten. 

Da  machte  fid;  ber  93efifeer  beS  ©uteS  SRambin,  ber  iRitter 
Sanft  Jürgen,  auf>  befKeg  fein  fdjnelleS  Ütojj  unb  ritt  jum  ©ejtabe 
hinab.  SllS  er  ben  Dramen  erfat),  fprengte  er  auf  ihn  gu  unb 
jagte  ihm  bie  £an$e  burch  ben  dachen  hinburch  bermajjen  in  ben 
Mb  hinein,  bajj  baS  Ungeheuer  fofort  oerenbete. 


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171 


3mn  Qanfe  für  feinen  wunberbaren  (Sieg  oermachte  ©anft 
Jürgen  feine  feetben  ©üter  bei  SRambin  unb  <5tralfunb  ber  Stivty, 
welche  fttoei  Älöfter  auf  bem  gefdjenften  @runb  unb  ©oben  errichtete: 
<eanft  Jürgen  oor  SRambin  unb  @anft  Jürgen  am  @tronbe.  $1(8 
(Erinnerung  an  bie  $elbent$at  unb  bie  ©djenfung  fte^t  über  ben 
Vortaten  beiber  Älöfter  ber  bitter  ©anft  Jürgen  in  <Sanbftein 
auSgehauen,  wie  er  h°<h  gu  8?oß  gerabe  bem  $)radjen  bie  Cange 
in  ben  ©djlunb  bohrt. 

SHünblicb  au§  Stambin  auf  Müßcn. 
220. 

$ie  $erflfd}fonge  im  »auerberge  Bei  SBolgaft. 

3mifdjen  ben  ©täbten  SBolgaft  unb  £affan,  bei  bem  £)orfe 
Sauer,  befinbet  ftdr)  eine  9tnf>öhe,  ber  Sauerberg  geheißen.  $n 
biefem  Serge  tyä(t  fidj  feit  ewigen  Reiten  eine  ungeheuer  große 
(Schlange  auf,  bie  oon  ben  t'cuten  in  ber  ©egenb  bie  alte,  große 
Sergfchlange  genannt  wirb.  SDtc  ift  ein  <Scb,recfen  für  bie  ganje 
©egenb;  benn  wenn  fie  fic^  fefjen  läßt,  fo  entfielt  fidjer  irgenb  ein 
Unglücf  in  ber  9Jä$e,  entWeber  ein  unvermuteter  SobeSfall  ober 
eine  fteuerSbrunft  ober  eine  große  fcürre,  baß  feine  ©aat  unb 
ftrudjt  gebeizt.  Unb  wer  fic  fteht,  ben  trifft  baS  Unglücf  felbft 
am  meinen. 

3ulefet  ^at  fic  eine  Sauerfrau  erbtieft,  bafl  war  im  $ahre 
1817.  Stm  Sage  barauf,  am  vierzehnten  $uni  be«  genannten  ^ahre«, 
an  einem  ©onnabenb,  entftanb  auf  einmal  beS  Nachmittage  eine  er» 
fehreefliche  fteuerSbrunft  im  $orfc  Sauer,  welche  in  wenigen  klugen* 
bliefen  jwei  unb  breißig  SBohnhäufer  in  Slfdje  legte.  SDaS  SBunber« 
barfte  unb  (Sntfefelidjfte  babei  war,  baß  bie  ftrau,  welche  bie  alte, 
große  Sergfdjlange  gefehen  hotte,  auf  eine  gräßliche  SGBeifc  in  bem 
fteuer  oerbrannte. 

lern  ine,  ^olfsfagen.  sJ?r.  228. 

221. 

$ic  beiben  Sinbwärmer  bei  üaffau  nnb  in  ber 
^ceuentänber  §eibc. 

Sor  langen  fahren  hoben  fia)  einmal  in  Bommern  gwei  greuliche, 
große  tfinbwürmer  aufgehalten,  welche  oon  ben  beuten  auch  Raffet* 


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172 


to  ärmer  genannt  murbeu.  (£iner  batoon  harte  feinen  ©ifc  in  bem 
$>otge  bei  ttaffan,  ber  anbere  in  ber  ^eenemihtber  §eibe.  9(u3 
ihren  großen  iRacfyen  unb  aud  ihren  <Sd}tt)ängen  f prüften  fie  Breuer 
unb  <Sct)n)efel,  unb  bie  gonge  ©egenb  gelten  fte  burdj  graufame 
Räubereien  an  sD?cii)c^en  unb  35ieh  in  ©Breden  unb  Hngfl.  $u* 
toeüen  ^at  eS  fiel)  begeben,  bafj  fte  auf  it)ren  föaubgiigen  einanber 
begegneten;  bann  ifl  unter  ihnen  ein  fürc^terttc^er  ftampf  entftanben, 
baß  aus  ihren  «Schwängen  gange  ^euerflammen  geflogen  ftnb  unb 
bie  (Erbe  meit  untrer  gegittert  unb  gebebt  ^at. 

92achbem  fie  lange  Qtxt  uiel  Unreif  angerichtet,  traten  fid)  gu* 
lefct  bie  tapferen  üWänner  ber  ©egenb  gufammen  unb  günbeten  eines 
5tageS  toon  atten  (Seiten  baS  <Sct)Üf  an,  toorin  baS  Ungeheuer  bei 
tfaffan  Li  erborgen  lag  unb  gerabe  feinen  üflittagSfdjlaf  hielt.  Stuf 
foldje  SBetfe  gelang  es  it)nen,  baffelbe  gu  üertttgen.  @S  er^ub  babei 
QPer  ein  fo  fürcr)ter(tc^eö  ©efchrei,  bafe  ber  anbere  £inbnmrtn  auf 
ber  $eenetnfinber  ©eibe  eS  hörte  unb  nun  fofort  unter  großem 
5Mage*  unb  Slngftgefdjrei  bie  ^fuc^t  ergriff.  (Er  marf  ftd^  in  bie 
@ee,  fco  man  fein  $eulen  in  immer  »eiterer  (Entfernung  hörte, 
bis  eS  gufefet  gang  üerftummte.  (Einige  fagen,  er  fei  nach  Schieben 
hinübergefdjtoommen ;  onbere  meinen,  er  fei  in  ber  Oftfee  umge« 
fommen. 

Semme,  SoKSfaaen.  31r.  229. 


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VII. 

mttrttnfrfrten  §ht0*- 

222. 
Sffgemehte*. 

3u  ben  oerroünfdjten  ober,  ber  SBolfdfpracfye  nodj  meljr  ent* 
fpred)enb,  oertounfdjenen  fingen  gehört  alles,  toaS  oon  $auber* 
f prüfen  ober  Verfluchungen  betroffen  ift,  mögen  biefelben  nun  Don 
einem  SWenfcfjen  ober  oon  ber  ©ottfjeit  felbft  ausgegangen  fein. 
Qie£  Äaoitel  umfaßt  mithin  bie  ©agen  oon  oerfunfenen  Surgen 
unb  (SdjlÖffern,  fördjen  unb  Älößern,  ©täbten  unb  Dörfern,  oon 
erbentrüeften  gelben  unb  oergauberten  ^ringeffinnen,  oon  meinen 
unb  fduoarflen  grauen  unb  <5d}lüffeliungfern,  oon  oerfteinerten 
3)?enfdjen  unb  £ieren  ic. . 

©8  finb  ba8  Überlieferungen,  bie  für  ben  ^orfcfyer  oon  nidjt 
geringem  mojljologifdjem  SBerte  finb,  benn  in  iljnen  haben  toir 
unzweifelhaft  Dtfeberfchläge  alter  tyeibnifdjer  2Rotben  ju  erfennen; 
bodj  fpielt  gerabe  ^ier  bie  $öpothefe  eine  große  Üiolle,  unb  e8 
würbe  barum  $u  toett  führen,  und  an  biefem  Orte  auf  ben  Urfprung 
unb  bie  ©ebeutung  ber  einzelnen  (Sagen  näher  eingulaffen.  Ü2ur 
mit  ben  unter  9lr.  225  mitgeteilten  £erthafagen  *)  müffen  wir  eine 
Ausnahme  machen. 

£)ief  elften  gehören  näm(icf)  eigentlich  garniert  in  eine  Samm- 
lung pommerfdjer  2*olf8fagen,  ba  ber  Stfame  ber  (Göttin  nur  ber 
falfa^en  Lesart  für  baS  ^acitetfcr)e  9?erthu8  feinen  Urfprung  Oer* 

J)  ©rimrn,  S)eutfd)e  Sagen  9?r.  132  tennt  ben  fcerujafee  nur  unter 
bem  tarnen  ber  fehroarje  ober  bei  SBurgfee,  von  bem  bie  Sage  umgebe:  2tor 
alten  fyittn  fei  bort  ber  leufel  angebetet,  in  feinem  SMenft  eine  Jungfrau 
unterhalten  unb,  wenn  er  iljrer  überbrüffia,  geworben,  im  fcfctoarjcn  See  eriäuH 
roorben. 


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174 


banft,  iljr  (See,  tyre  SJurg,  tyre  Cpferfteine  auf  öiügen  be«$afb 
nic^td  af«  gelehrte  Grftnbung  ftnb.  91idjt«beftomeniger  Ijat  biefe 
@djufmeifter*Sei«f>eit  mit  ber  3"*  'n  oer  Seoöfferung  ber  $nfef 
fo  fejle  2Bur$el  geflogen,  bog  fic  iefet  bort  in  jebermann«  9)hmbe 
febt.  $)er  ©runb  bafür  ift  febigtidj  barin  £u  fudjen,  baß  fid)  mit 
bem  auf  föügen  lofafifierten  $>ert$antytfm«  bafb  eine  51nga^I  beimifdVr 
(Sagen  oerquidte  unb  berfelbe  auf  biefe  Seife  ooff«tümfid)  mürbe. 
Da«  ift  benn  audj  bie  Urfadje,  me«fyafb  mir  in  unferer  Sammlung 
bie  $>erttyafagen        übergeben  ju  bürfen  glaubten. 

223. 

SWutter  Hibben  unb  SWutter  Hibben. 

3m  »örbftc^cn  leite  ber  ^nfcl  |>ibbenfee  ftanb  auf  bem 
glecf,  ber  nodj  tyeute  Äfofter  Reifet,  bor  tiefen  Qa^ren  ein  große« 
Softer.  $ie  2Hön$e  bereiten  maren  fromme,  ^eilige  üRänner  unb 
fanben  iljren  Unterhalt  baburdj,  bajj  fte  oon  Ort  31t  Ort  jogen  unb 
um  Sümofeu  baten. 

(Sinft  fam  ein  fo($er  SWöndj,  mübe  unb  matt,  3U  einer  grau, 
bie  ^iejj  üKutter  Hibben,  unb  bat  um  eine  «eine  ®abe.  Butter 
Hibben  mar  aber  ein  böfe«,  geigige«  2Beib,  bie  fc^att  ben  frommen 
SWann  einen  Herumtreiber  unb  Sagebieb  unb  marif  ü)n  §um  $aufe 
$inau«.  £a  ging  ber  3Wöni§  $u  iljrer  9?adjbarin,  ber  üttutter 
Hibben,  unb  bettelte  bort  um  ein  «fmofen.  ©0  fölimm  nun  9Hutter 
Hibben  mar,  fo  gut  mar  üflutter  Eibben;  fie  föenfte  bem  $lojter< 
bruber  nidjt  nur  ©efb  unb  9ia$rung«mittef,  fonbern  behielt  tyn  audj 
bie  9tadjt  im  §aufe  unb  erquicfte  unb  ermärmte  tyn.  G^e  ber 
3Wöndj  am  anbern  ÜWorgen  meiter  30g,  bebanfte  er  fia)  für  all  bie 
Siebe  unb  forad):  „^um  So^ne  für  beine  ©uttyat  folf  ba«  erfte 
©er!,  ma«  bu  tyeute  oornefjmen  mirfi,  reidjfic^  gefcgnet  fein." 

3Hutter  Hibben  $atte  für  biefen  STag  üor,  ifire  Seinemanb  ab» 
aumeffen.  SÜ«  fie  nun  ba«  Sinnen  au«  bem  ©ctyranfe  §erau«§ofte 
unb  abmafc,  ba  naf>m  unb  natym  bie  öiolie  fein  (Enbe.  ©ie  ma| 
bie  Stube  »off,  fie  mafe  ben  glur  oolf,  bie  Stoffe  mar  nod}  nit^t 
fleiner  gemorben,  af«  fie  e«  im  Anfang  gemcfen  mar.  CErft  mie 
bie  Seinemaub  3ur  ,£au«I^iir  fjinau«  auf  bie  Strajjc  ragte,  tte§  bie 
SÖunberfraft  nadj,  unb  9)?utter  Hibben  mar  bmd)  ba«  triefe  Sinnen 
eine  freinreidje  grau  gemorben. 


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175 

211«  tfjre  Wad>barin,  SWutter  §ibben,  toon  biefer  ©efäifye 
$brte,  würbe  fic  über  bie  2ttafjen  neibifdfc,  tief  sur  Butter  Hibben 
herüber  liub  fpradj:  ,,©ic  l)aft  bu'«  benn  nur  angefangen,  in  fo 
furjer  3eit  einen  folgen  9teid?tum  $u  erlangen?"  „Qa",  fagte 
50?utter  Hibben,  idj  ^abe  ben  frommen  Älofterbruber  fo  aufgenommen 
unb  befc&enft,  wie  fidj'«  gebührt,  unb  311m  8otyne  l>at  er  mir  ge* 
wünföt,  bafc  meine  erfte  Arbeit  reidjlid)  gefegnet  fei." 

„Wa,  n>enn  er  wieber  fommen  follte,  fo  fettef  tyn  bod>  ja 
audj  in  mein  $au«,"  quälte  ba«  habgierige  ©eib,  unb  üflutter 
Eibben  fagte  3U  unb  ^teCt  audf>  ©ort.  Sie  ber  ^eilige  ÜWann  wieber 
bei  tyr  uorfpra^,  fyiefe  fie  ilm  tyrer  ftadjbariu  einen  93efucf>  abftatten. 
Sil«  ber  9)iönd)  nun  bort  war,  würbe  er  aufgenommen,  wie  ein 
grojjer  §err;  üflutter  Hibben  bat  taufenbmal  um  Cfntfdjulbigung  unb 
liefe  auftragen,  waö  ba«  §an$  uermodjte,  aber  nidjt  au«  Eereljrung 
für  ben  frommen  9Wann,  nein  nur  be«f)alb,  weit  fie  ba«felbe  ©efdjenf 
ju  erhalten  wünfdjte,  weldje«  sJ)?utter  Hibben  befommen  $atte. 
$ocfy  ber  ÜWöncb  ftyen  biefe  böfe  %b)\ty  nid)t  ju  bemerfen,  fonbern 
fagte  ebenf all«,  at«  er  fortging:  ,,©ott  »ergelf«  bir  unb  fegne 
bir  gum  Soljne  ba«  erfte  ©erf,  ba«  bu  Ijeute  »ornefymen  wirft, 
rei$li$." 

©er  war  jefct  froher  als  Butter  $ibben.  ^um  ©elbfaflen 
lief  fie,  um  bie  garten  Xfyaler  aufjujiüjlen  unb  babunty  ein  gange« 
£>au«  boll  Silber  ju  erlangen.  9lber  gerabe,  al«  fie  auffliegen 
woüte,  brüllte  bie  £uf>  im  Stalle  nadj  ©affer. 

„#alt",  fpracfy  fie,  (,bie  foll  midj  bunfy  tyrüttuljen  bei  meiner 
Arbeit  nidjt  ftören,  ber  werbe  id)  erft  fdjnell  einen  Spann  ((Eimer) 
©äff er  ju  faufeu  geben."  Damit  lief  fie  gum  ©00b  (örunnen) 
unb  füllte;  aber  al«  ber  ©imer  üoll  war,  fonnte  fie  nidjt  aufhören, 
fie  mufcte  fööpfen  unb  fdjöpfen,  bi«  fie  alle«  Öanb  um  fid)  I>er  üoll 
©affer  gefdjöpft  $atte  unb  an  feine  Stelle  ein  grofer,  mä^riger 
See  trat. 

(Erft  bann  ^atte  fie  9im>e;  bod)  all  iljr  Slderlanb  war  nun 
baljin  unb  lag  auf  bem  ®runbe  be«  ©affer«,  weldje«  nad)  tyr  bi« 
auf  ben  heutigen  £ag  §ibbenfee  Ijeigt.  ÜRutter  $>ibben  ftarb  arm 
unb  toeradjtet,  aber  ÜJhitter  Hibben  blieb  rei$  unb  geehrt  ibr 
lebelang,  unb  nad}  ifjrem  tarnen  würbe  ba«  Dorf,  wo  fie  wohnte, 
93itte  genannt. 

DJünblid)  aus  War}  auf  JHüaen. 


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176 


224. 

$te  Btaht  «rfona. 

9(uf  ber  itörbltc^ftcn  Spifce  ber  Jnfel  SRügen  ftanb  früher  bie 
$>auptftabt  be«  £anbe«,  Slrfona  genannt.  Sie  ift  plöfclidj  man  weiß 
nidjt  wie  unb  mann,  in  ba«  üKeer  oerfunfen.  Stuf  bem  (Srunbe 
ber  Oftfee  ruljt  fte  nod)  Ijeute,  unb  wenn  e«  nebtige«  ©erter  ift, 
ftetgt  fte  guweiten  au«  bem  ©affer  ljeroor,  unb  man  fann  fie  fe^en 
mit  tyren  Käufern,  Satten  unb  Üürmen.  Die  £eute  in  ber  ©egenb 
fpre^en  bann:    „Die  alte  Stabt  m afett". 

9ia$  lemme,  «öolfSfnaen.  sJlr.  36. 

225. 

$crrlja,  $ertljafee  unb  £ertf)aburg. 

L 

Jn  ber  §erttyaburg  wohnte  oor  Reiten  bie  ©öttin  $erttya. 
Sie  f>atte  pr  Weg«  awölf  Jungfrauen,  weldje  na$  Ja$re«frifr 
3u  tyrer  ©fyre  geopfert  würben.  £u  bem  «3  werfe  mußten  fte  ganj 
feufdj  unb  rein  bleiben,  unb  Feine  burfte  jemals  Umgang  mit  einem 
SWanne  gehabt  Ijaben.  Daß  bte«  genau  eingehalten  würbe,  bafür 
Ratten  bie  Dpferprieffcr  gu  forgen. 

9ton  war  eine«  2lbenb«  bie  eine  oon  ben  gwölf  Jungfrauen 
im  SBatbe  mit  einem  Jüngling  gefe^en  worben.  ÜRan  war  tyr 
nad/gegangen,  Ijatte  fte  aber  nify  ergreifen  unb  audj  nic^t  erfennen 
fönnen.  %m  anbern  läge  würben  be«  ÜJiorgen«  frülj  bie  gmölfe 
fc^arf  in«  SSer^ör  genommen,  bod)  wottte  feine  tyr  ©etübbe  gebrochen 
^aben,  fo  fetyr  man  aud)  in  fie  brang.  Da  liegen  bie  $riefter  e« 
auf  ein  ®otte«urteil  anfommen. 

2$or  einem  großen  «Stein,  ber  nodj  tycute  gu  feljen  ift,  mußten 
fte  fid)  fämtlu}  aufhellen  unb  bann  ber  föeifje  naa)  über  tyn  weg 
fdjreiten.  ©Ifen  gelang  e«,  bie  gwötfte  bagegen  trat  mit  bem  ^uße 
ein  tiefe«  Üod)  in  ben  garten  frei«,  unb  neben  biefer  ftußtapfe  war 
ein  gang  windiger  Xritt,  wie  oon  einem  neugeborenen  fiinbe,  fidjtbar. 
Da  war  e«  jebermann  Aar,  baß  bie  ©öttin  über  ben  frreoet  ergürnt, 
unter  ben  Sorten  ber  Sfyilbigen  ben  Stein  erweidjt  $abe,  bamit 
tyr  2$erget>en  an  ben  Sag  fomme.  3flan  nafyn  bie  $erbredjerin 
unb  richtete  fie  l)in.   Jfyre  ©enoffinnen  burften  no$  bi«  gum  <£nbe 


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177 


be«  Q'afyreS  (eben,  worauf  fie,  unter  trommeln  unb  üftufif,  ber  (Göttin 
jum  Opfer  in  ben  ^ertljafee  geworfen  mürben. 

Sitte  ^a^re,  furj  Dor  ber  drnte,  würbe  ba«  ©ötterbilb  ber 
§ertfw  auf  einen  ©agen,  ber  mit  ffiinbern  befpannt  war,  gefefct 
unb  burdj  ba«  ?anb  gefahren.  93rle  folfen  fid)  bann  oor  bie  föäber 
geworfen  unb  auf  biefe  ©eife  gunt  Opfer  geweift  f>aben.  Seljrte 
ber  ©agen  jur  $)ertfjaburg  jurücf,  fo  würbe  er  oon  ftnedjten  im 
See  gewafdjen  unb  biefe  barauf  im  ©affer  ertränft. 

So  Ijeilig  galt  be«fyalb  nod)  511  ©ro§oater«  3eiten  Dcr  4>wt$afee, 
bajj  niemanb  au«  ifjm  ©äff er  fdjöpfte,  ja  nid)t  einmal  an  fein  Ufer 
heranzutreten  wagte,  $efct  ift  ba«  gan$  anber«  geworben  fangen 
bod)  ftfyon  manage  grauen  an,  in  ber  ^eiligen  \$lut  ifyre  ©äfdje 
gu  fpülen. 

9Wünblid>  au§  ©nrj  auf  Dtüaen. 

II. 

üKan  fiefyt  oft,  befonber«  im  fyellen  SWonbenfdjeiu,  au«  bem 
naljen  ©albe,  ba  wo  bie  ^)ert^aburg  liegt,  eine  fdjöue  $rau  fjeroor 
fommen,  bie  fidj  naa)  bem  See  fnnbegiebt,  um  fiel)  barin  ju  baben. 
Sie  ift  oon  otelen  Wienerinnen  umgeben,  bie  fie  gu  bem  ©äff  er 
begleiten,  $n  biefem  oerfdjwinben  fie  alle,  unb  mau  §ört  nur  ba« 
^lätfcfjern  barin.  9iadj  einer  ©eile  lommen  fie  fämtlid)  mieber 
fjerau«,  unb  man  ftefjt  fie  in  großen,  weisen  Soleiern  31t  bem  ©albe 
äurücffefyren.  5ür  oen  ©anberer,  ber  bieg  erblicft,  ifl  ba«  alle« 
fefjr  gefäfyrlid);  beim  e«  jietyt  tyn  mit  ©ewalt  nad)  bem  See,  in 
bem  bie  wei§c  ^rau  babet.  Unb  wenn  er  einmal  ba«  ©affer 
berührt  tyat,  fo  ift  e«  um  tyn  gefd)ef)en,  ba«  ©affer  »erfdjlingt  upn. 
ÜWan  fagt,  bafe  bie  frau  alle  $aljre  einen  ÜHenfdjen  in  bie  ftfut 
oerlocfen  müffe. 

Semme,  9}otf$faQen.  *Rr.  38. 

III. 

3n  ber  Stubnife  liegt  im  ©albe,  eine  9?iertelftunbe  00m 
f^war^en  See  entfernt,  ber  ^fennigrafien.  Gr  bejfe^t  au«  mehreren 
großen,  im  33ierecf  jufammen  gefügten  Steinen,  um  meldje  fyerum 
einige  Heinere  Steine  aufgerichtet  finb.  Wie  ^Jriefter  ber  Göttin 
$ert^a  Ijaben  Ijierljer  ba«  Opfergelb  gebraajt,  welche«  für  bie  (Göttin 
eiugefommen  ift.   Wafyer  ift  aud|  ber  9iame  entftanben. 

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178 


IV. 

^enfeit«  be«  Ifcrattbufdjberge«  auf  ^aSmunb,  am  ftu&c  ber 
gegenüberliegenben  Cuottifcer  ©erge,  breitet  fidj  ein  tyai  au«, 
beffen  9Hitte  Hegt  ein  einzelner  grauer  Stein,  länglich  runb,  am 
SWorbenbe  jugefpujt  unb  oben  glatt  abgeplattet,  Derfelbe  ift  oier 
Glien  lang  unb  beinahe  jtoei  Glien  ho<h-  Gr  $at  ben  alten 
Reiben  $um  Dpferftein  gebient.  2Ran  ftnbet  noch  oben  auf  ber 
Statte  eine  querlaufenbe  fflinne,  unb  unter  berfelben  jtoei  35er* 
tiefungen  in  bem  Steine,  von  benen  bie  Veute  fagen,  ba§  ber 
Cvfervfaffe  in  biefelben  bie  SBlutgrapen  gefegt  habe. 

Xcmme,  «oltisfnflcn.  Tit.  189. 

22(5. 

Die  fchttiarje  Jrau  auf  bem  Äönigäftuhl. 

$n  Stögen  hat  einjl  eine  ftürfrin  gelebt,  bie  viele  Sdjäfee 
hatte.  Sie  fürchtete  aber,  baß  it)r  biefelben  geraubt  »erben  mieten, 
unb  tiefe  fie  batjer  in  bem  Äreibefelfen  ber  Stubbenfammer  »er* 
graben.  Die  Arbeiter  fcurben  gleich  barauf  hingerietet,  bamit 
fie  nid)t  oerraten  füllten,  roo  bie  Sdjäfee  lägen.  Dafür  muß 
bie  ^rinjeffm  nun  bei  bem  (Stoib  unb  Silber  in  bem  ©erge 
©adje  galten. 

Stile  ^(Ujre  am  ^oljanniStage  fommt  fic  au«  bem^nnern  be« 
Reifen«  ^eroor  unb  fefct  fid)  oben  auf  ben  flönig«ftuhl.  Dort  »artet 
fie  ben  ganzen  Jag,  ob  fetner  fommen  will,  bie  Schäfte  ju  heben 
unb  fie  au  erlöfen.  Äuf  »eiche  SBcife  bie«  gefchetjen  fann,  »ei§ 
man  aber  nidjt. 

lemme,  SJolf «fagen.  Sir.  210. 
227. 

Sie  fd)warje  ftran  in  ber  ©rubbenfaramer. 

Qn  ber  Stubbenfammer  auf  ber  $nfet  dtügen  befinbet  fid) 
eine  große,  tiefe  $>öhle,  bie  $ö^le  ber  fdj»ar$en  ^rau  genannt.  G« 
fttt)rt  gu  berfelben  ein  fteiler  unb  fdjmtaler  ^fab,  ber  tief  in  bie 
Reifen  hineingeht.  $n  biefer  ^ö^le  fifct  eine  fd}»arje  $rau.  Sie 
fifct  ba  fdjon  feit  oieten  t)unbert  fahren  unb  ift  jefet  auf  e»ige 
fetten  bafun  gebannt. 


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179 


^rüljer  bewadjte  fic  einen  golbenen  Sedier,  unb  bamalä  t)iett 
eine  wei§e  £aube  oben  auf  bem  Reifen  bie  SBadjt.  Da£  ift  aber 
jefct  anberS.  Denn  einfiend  oor  mefyr  als  Ijunbert  ftafjren  fflin  ein 
Sdjtff  auS  bem  SWeere.  Daraus  fliegen  öiele  freinbe  unb  f)of>e 
ÜHänner,  bie  fragten,  wo  bie  $öfjle  ber  fd)War$en  Jrau  f««  Hnb 
als  man  fie  ifmen  gezeigt  ljatte,  fo  begaben  fie  fid)  ba&in  mit  einem 
3J2iffet^äter,  beit  fte  mit  fid)  führten,  tiefer  war  in  feiner  §eimat 
jum  £obe  oerurteilt,  aber  ber  Äönig  Ijatte  iljn  begnabigt,  wenn  er 
ben  Sedjer  Ijolen  werbe,  ben  bie  fa^roar^e  ^rau  bewachte. 

Die  aWänncr  führten  ifjn  bis  auf  ben  ^elfeupfab,  ber  $u  ber 
$bljle  gef>t.  Dort  löften  fie  feine  Ofeffeln,  unb  nun  mu&te  er  allein 
jur  §öf>le  gefyen.  ©r  fanb  fie  offen;  aber  bie  ganje  $>öljle  toar 
ooller  feiger,  Ijeller  flammen,  f°  Da§  n,a"  e*  üor  $ifec  mt^t 
barin  aushalten  fonnte.  bitten  in  biefem  ^euer  fa§  unbeweglid) 
bie  fdnoarae  ftrau;  fie  war  ganj  in  fdjwar$e  ftleibcr  gefüllt,  unb  ein 
fdjwarjer  Soleier  fying  oor  iljrem  ©efidjte.  hieben  ü)r  lag  oon 
reinem  GJolbe  ber  93ed>r,  ben  fie  ^ütete. 

Der  9Kiffetl>äter  fdjritt  gagenb,  aber  bodj  eilig,  um  au«  biefem 
2J?eere  oon  ©tut  ju  entfommen,  auf  fie  ju  unb  langte  nadj  bem 
SBedjer.  Da  bewegte  fid>  bie  fdjwarje  ftrau  unb  fagte  mit  Hagen* 
ber  (Stimme  3U  iljm:  „Söctyle  redjt,  frember  ÜHann;  wenn  bu  red>t 
wäljlft,  fo  bin  id)  auf  ewig  bein!"  Slber  ber  3Jtiffeu)fiter  fafj  nidjtS 
al«  ben  ©ed)er;  ben  ergriff  er  unb  tief  eiligft  bamit  fort  au*  ber 
§öf)le,  benn  er  oerftanb  bie  ©orte  ber  ftrau  nitfjt  unb  badjte  nia^t 
baran,  ba§  er  fte  felbft  Ijätte  nehmen  unb  erlöfen  f  ollen. 

Qm  3urücffef>ren  työrte  er  fie  fdjwer  unb  tief  fnnter  ftdj 
feufeen,  unb  fie  ftagte  mit  trauriger  Stimme:  M$Bel)e  mir,  nun 
faim  mid)  feiner  tnefyr  erlöfen!"  Qn  bem  2lugenbli(fe  oerfdjwanb 
aud)  bie  weiße  Xaube  oben  oom  Reifen,  unb  an  iljrer  Stelle  fafy 
man  einen  fdjwaraen  Stäben,  ber  bort  jefct  bie  ewige  2öad)t  fyält. 

Die  fd)warje  fri-au  iammerte  aber  in  ber  §öf>(e  fo  laut,  baß 
alle  9Hänner,  als  ber  2Wiffettyäter  Urnen  ben  Sedier  übergab,  fie 
beutlid)  Nörten.  Sie  entfetten  ftdj  barüber  unb  trugen,  als  wenn 
fie  baburd)  bie  %vau  befreien  fönnten,  ben  53ed)er  in  bie  benadjbarte 
Slird>  $u  Gobbin,  wo  man  tbn  jum  ewigen  9Inbenfeu  uoa>  jefct 
fcfjen  rann. 

Icmmc,  ^oltefaaen.  9ir.  212. 

12* 


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180 


228. 

$a*  oetfnnfene  Äfoffcr  bei  Sergen. 

3n  ber  9M^e  oon  Sergen  ftanb  in  alter  £eit  ein  mädjtige* 
fitofter.  Da«  ift  eine*  Jage*  plöfclich  in  bic  <5rbe  hinein  gefunfen, 
unb  an  feiner  ©teile  $at  fi<h  ein  Keiner  ©ee  gebitbet.  «I«  nun 
bort  einmal  ßeute  fifchten,  entbetften  fie  auf  bem  ©runbe  eine  ge* 
»altig  große  ©lotfe.  ©te  befeftigten  ©eile  baran  unb  fpannten 
je^n  $ferbe  baoor,  bann  trieben  fie  bic  Stiere  an,  bie  ©locfe  herau«* 
Sujiehen.   Slber  fie  regte  unb  bewegte  fidj  nta)t. 

Da  fam  ein  2Rann  auf  ben  flugen  (Einfall,  fiatt  ber  sehn 
^ferbe  $ehn  0<hfen  $u  nehmen.  SWan  folgte  feinem  9tat  unb  fielje, 
bie  ©torfe  ließ  ftdj  iefct  mit  Seityigfeit  au*  bem  ©ee  Raffen.  ©ie 
mürbe  barauf  in  ein  benadjbarte*  Dorf  gebradjt  unb  bort  im  &ira> 
türm  aufgehängt,  2öie  ba«  Dorf  aber  geheißen  hat,  ba*  weiß 
man  nidjt  mehr. 

TOttnblu*  au«  Siljoro  auf  9tüflen. 

229. 

$er  9tonncnfee  frei  Sergen. 

iRiäjt  meit  oon  ber  ©tabt  Sergen  auf  Stügen  liegt  ein  ©ee, 
ber  ungefähr  eine  Siertetmeile  groß  ift  unb  ber  3ttonnenfee  genannt 
toirb.  Den  tarnen  hat  er  baljer  erhalten,  toeil  oor  3eiten  auf 
feiner  ©teile  ein  9lonnenflofter  geftanben  fyat,  meldte*  aüba  Oer* 
funfen  unb  morau*  ber  ©ee  entftanben  ift.  9lm  $fingfttage  fann 
man  tief  unten  im  ©affer  bie  QHocfen  be£  Softer*  nodj  läuten 
^ören.  9ludj  foll  e*  be*  Diadjt*  nidjt  geheuer  an  ben  Ufern  fein, 
unb  man  fagt,  baß  ber  ©ee  alle  3ahre  fein  Opfer  haben  müffe. 

Semme,  SSolföfaaen.  3lx.  171. 

230. 

$ie  Äirdjglorfe  §u  Sergen. 

ftn  ber  Äirdje  ber  ©tabt  Sergen  auf  SRügen  hängt  eine  h*rr* 
lidje  ©locfe,  ein  toahre*  3Weifterfr»tcf ,  unb  bodj  fyat  fie  nidjt  ein 
ütteifter,  fonbern  ein  Lehrling  gesoffen.  Der  ging  in  ber  Slmoefen* 
heit  feine*  $errn  an  ben  Äraljr,  breite  ihn  auf,  unb  al*  bie  %orm 
abgebrochen  foarb,  ftanb  bie  ^lotfe  ohne  jeglichen  &et)l  unb  üttafet 


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181 


ba.  SluS  föeib  erftadj  ber  ÜHeifter  bcn  Änaben  unb  oergrub  tyn  im 
©djweineftatt;  bann  rief  er  bie  Bürger  ber  Stabt  unb  wie«  ifuien 
bie  ©locfc  af3  feiner  $änbe  ©erf. 

SKan  glaubte  i$m  audj  unb  $ing  bie  GHocfe  im  £urme  auf. 
3U3  fte  jeboe^  ba*  erfte  üttat  geläutet  mürbe,  fpraä)  fie  gang  laut 
unb  oernefymlidj: 

„Schade,  schade, 

Dat  dt  Jung  död  isl 

H6  liggt  begräwen 

Unnern  Swinskäwenl 

Schade,  schade, 

Dat  de  Jung  död  is!u 
$>a3  natym  männigtiefj  ©unber,  man  grub  in  bem  Sdjmeine* 
ftall  nad)  unb  ftelje,  ba  lag  ber  Mutige  tfeidjnam  beS  armen  ©üben. 
Ocfct  fonnte  aud)  ber  Stteifter  nidjt  meljr  leugnen,  er  geflanb  bie 
flttorbtljat  ein,  unb  fein  $aupt  fiel  unter  be«  §enter«  93eU. 

ORün&lid)  au«  ©cToen  auf  iHüaen. 
231. 

$er  TCgbcfprung  auf  bem  föugarb. 

Sluf  bem  föugarb  bei  Sergen  fief)t  man  einen  «Stein,  in 
welkem  gan$  beutlid)  bie  ©puren  eines  ftrauenfufceS  unb  eine« 
^eitfdjeitfdjfageS  abgebübet  [int.  2)iefe  Spuren  finb  auf  folgenbe 
©eife  entftanben.  Huf  bem  fltugarb  lebte  einft  ein  Runter,  ein 
gar  grojjer  unb  freier  SRäb^eniäger.  Der  traf  einmal  bei  biefem 
Steine  eine  Jungfrau,  bie  er  mit  feinen  falfdjen  iMebeSfäjmüren 
beftürmte,  fo  bafc  fie  fi$  feiner  faum  erwehren  fonnte. 

2Ü$  fte  nun  julcfct  gar  feinen  SluSmeg  meljr  fa$,  tym  $u  ent* 
fommen,  ba  fprang  fie  in  ü)rer  Slngft  oon  bem  Steine,  auf  meinem 
fie  ftanb,  hinunter  in  bie  Siefe  bes  tyaU»,  worüber  ber  Qunfer 
fo  jornig  mürbe,  bafj  er  mit  feiner  Reitgerte  auf  ben  Stein  fdjtug. 
5Da  war  eS  benn  wunberbar,  nic^t  nur  bafe  bie  Jungfrau  unoerfe^rt 
unten  im  fctyale  angefommen  war,  fonbem  au<f>  ba§  fid)  bie  Spur 
\i)n§  ftufje«  unb  bie  beS  $eitfa)enfd>lage8  in  bem  (Steine  abge» 
brüeft  fyatte. 

Xemme,  »olfefagen.  9lr.  194. 


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182 


232. 

^rinjefftn  Stoanrntty. 

93ei  ber  Stabt  ©arg  auf  tilgen  befinbet  fich  ein  See,  neben 
welchem  früher  ein  Scb,lo§  geftanben  Ijat.  SllS  baßfclbc  oor  oielen 
Satyrn  oon  ben  Triften  genommen  iß,  hat  barin  ein  alter  Reiben» 
fönig  gelebt,  ber  ift  fet)r  reich  gemefen  unb  fo  geijig,  ba§  er  immer 
bei  [einen  <2d>ä$en  oon  ©olb  unb  @belfteinen  lag,  bie  er  in  einem 
großen  ©aale  tief  unter  bem  Schlöffe  aufgehäuft  ^atte.  Darin 
Wühlte  er  Jag  unb  Waty  umher,  unb  bei  ber  3erftörung  ber  Reiben« 
bürg  burdj  bie  Gf>riften  mürbe  er  bort  oerfchüttet,  fo  baß  er  eine« 
elenben  £>ungertobe£  fterben  mu&te. 

Darauf,  weil  feine  «Seele  oon  bem  irbifdjen  ©ute  nicht  Reiben 
tonnte,  mürbe  er  in  einen  fdjmar$en  £unb  oermanbelt,  ber  nun 
immermährenb  bie  ©olbljaufen  bemalen  muß.  $uweilen  fiet)t  man 
ifm  aud)  in  feiner  menf^lidjen  ©eftalt,  mit  $elm  unb  ^anjer  an* 
gett)an,  auf  einem  ©Gimmel  über  bie  Stabt  unb  über  ben  <See 
reiten.  SWanchmal  hat  er  babei  anftatt  be8  $elme8  eine  gotbene 
Ärone  auf.  Slnbere  haben  ihn  aud)  wohl  in  ber  9?ad>t  im  ©ar$er 
$)olje  an  bem  Sege  nach  ^oferifc  gefeljen,  wie  er,  mit  einer  fdjwarsen 
^ubetmüfce  auf  bem  Äopfe  unb  einem  weißen  Stocfe  in  ber  £anb, 
^erurn  wanbelte. 

©ie  nun  biefer  alte  £eibenfönig  erlöft  werben  fann,  baö  mag 
folgenbe  ©efdndjte  erzählen: 

Ginft  wohnte  in  Sergen  auf  föügeu  ein  tf  önig,  ber  eine  fc^önc 
Socfjter  hatte,  Swanwithe  geheißen.  $u  ber  tarnen  oiele  frembe 
^ringen,  um  fie  ju  freien.  Sie  wollte  aber  feinen  oon  ihnen,  als 
einen  ^rin^en  oon  Dänemarf,  ber  ein  feiner  unb  ftattlidjer  2Wann 
war  unb  ihr  auSnehmenb  mot)l  gefiel.  Der  würbe  alfo  ihr  oerlobter 
©räutigam,  unb  e«  follte  balb  bie  $>od)geit  fein. 

hierüber  ärgerte  fidj  fein*  ein  polnifajer  <ßrin$,  ber  auch  ju 
ben  freiem  gehörte;  unb  weil  er  oon  tücfifdjem,  boshaftem  ©emüte 
war,  fo  ftreute  er  glaubhaft  unter  bie  Veute  an«,  bie  ^rinjeffin 
fü^re  ein  untüchtiges  tfeben  unb  habe  manche  9faa)t  bei  ihm  $uge* 
bra^t.  Das  wujjte  er  fo  glaublich  machen,  bajj  alle  ihm  trauten; 
unb  e$  reiße  nun  ein  freier  nach  bem  anbern  fort,  unb  auch  ber 
^rina  oon  Dänemarf  wollte  nicht«  mehr  oon  ber  Verlobung  wiffen. 
Die  ©efchichte  tarn  jule^t  an  ben  Sönig,  unb  er  glaubte  fie,  wie 


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183 


bie  anbern  alle,  unb  geriet  barüber  fo  in  3orn,  ba§  cr  ^e  ^"n* 
jeffin  fd)lug  unb  tf)r  §aar  gerriß  unb  jte  in  einen  finflem  lurm 
fperren  ließ,  bantit  er  fie  nimmer  nrieber  oor  Slugen  befäme. 

3n  bem  Xurm  faß  bie  ^ringeffin  wo^l  über  brei  Qatye  unb 
grämte  unb  nrityte  fid)  »ergeben«,  wie  fie  iljrem  $ater  tyre  Unfdjulb 
bereifen  folle.  Da  fiel  tyr  gulefet  bie  ©efdjidjte  mit  bem  alten 
$>e$enfönig  ein  unb  wie  berfelbe  erlöft  werben  fönne.  Die«  foll 
nämlid)  gefdjefjen,  wenn  eine  reine  Jungfrau  ben  ütfut  l)at,  in  ber 
^oljanniSnadjt  gwifdjen  jtuölf  unb  ein  Ufjr  naeft  unb  einfam  ben 
Sdjloßwall  an  bem  ©arger  See  gu  erfteigen  unb  barauf  rütfwärt« 
fo  lange  fyin  unb  f>er  gu  geljen,  bi$  fie  gerabe  auf  bie  Stelle  trifft, 
unter  ber  bei  ber  ßerftörung  be8  S^loffeS  bie  £ljür  unb  bie  Xnppt 
gu  ber  Sdjafcfammer  beS  alten  Äönig«  »erfd)üttet  finb.  Sie  wirb 
bann  Ijinuntergleiten,  aber  ofme  Scfjaben  gu  beforgen,  unb  nun 
fann  fie  fooiel  <55otb  unb  ©belfteine  nehmen,  als  fie  gu  tragen  Oer* 
mag,  unb  bamit  bei  Sonnenaufgang  toieber  gurüefge^en.  2BaS  fie 
nidjt  fetbft  mitnehmen  fann,  wirb  tyr  ber  atte  ftönig  nadjtragen, 
alfo  baß  fie  geitleben«  ©elb  unb  ©ut  genug  fyat.  Sie  barf  fidj 
aber  bie  gange  3eit  fein  eingige«  2ftal  umfe^en,  audj  barf  fie  fein 
eingigeö  Söort  fpred)en,  fonft  gelingt  es  tyr  nidjt,  unb  fie  fommt 
elenbigliaj  um.  (fbenfo  ergebt  e3  tyr,  wenn  fie  feine  feufdje  Qung* 
frau  ift.  4 

DiefeS  fiel  ber  ^ringeffin  Smanwitfje  in  iljrem  einfamen  @e< 
fängniffe  ein,  unb  fie  gebaute,  baS  Sageftücf  gu  unternehmen,  um 
fo  ifjrem  $ater  unb  ber  gangen  SBelt  gu  bemeifen,  baß  fie  rein  unb 
unfdjulbig  fei  unb  baß  ber  fdjledjte  ^ole  fie  belogen  Ijabe.  Sie 
ließ  baf>er  ifyr  Horljaben  bem  Könige  angeigen  unb  bat  tyn  um 
Erlaubnis,  baSfelbe  auSgufüljren.   Da«  würbe  tyr  geflattet. 

9118  nun  einige  ^eit  narffber  bie  Qoljannignadjt  fam,  ba  ging 
bie  *ßringeffin  allein  Don  ©ergen  nadj  ©arg;  unb  wie  es  Dom 
©arger  Äirdjturm  üflitternadjt  fdjlug,  tljat  fie  ifjre  Sieiber  oon  fidj 
unb  betrat  ben  Sdjloßwaü,  auf  bem  fie  nun  rücfwärts  auf  unb  ab 
föritt,  mit  einer  ßofyanniSrute,  tozity  fie  mitgenommen  fyatte,  bie 
<£rbe  berüfyrenb.  9tt$t  lauge  war  fie  fo  gefdjritten,  ba  t^at  fid) 
bie  @rbe  auf,  unb  fie  glitt  fanft  unb  langfam  tief  hinunter,  bis  in 
einen  großen  Saal,  in  bem  über  taufenb  Sinter  brannten  unb  ber 
gang  angefüllt  war  mit  großen  Raufen  oon  Silber,  ©olb  unb 
©belgeftein. 


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184 


hinten  in  einer  (5<fe  faß  ber  Äönig,  ber  aüe  biefe  Schä&e 
bemalte.  (ES  war  ein  Heines,  graues  ÜHänndjen,  baS  ihr  guwtnfte, 
um  ihr  9ftut  einaufpredjen.  Sie  aber  fürchtete  fidr)  nicht  unb  be* 
grüßte  beu  ftönig  nur  (eife  mit  ber  $anb.  Da  erföieiten  auf  ein- 
mal mele  ^errlia)  getleibete  Liener  uno  Dienerinnen.  Die  fäüten 
ihre  $änbe  mit  @olb  unb  ©belfteinen,  unb  alfo  t^at  aud)  bie  $rin* 
^effin.  Unb  als  fic  genug  fjatte,  ba  trat  fic  ihren  SRücfweg  an, 
unb  aüe  bie  Diener  unb  Dienerinnen  folgten  ihr. 

©ie  fie  nun  fdjon  fciele  Stufen  herauf  gefHegen  war,  fo  warb 
ihr  auf  einmal  bange,  ob  jene  mit  ben  Schäden  ihr  auch  wohl 
folgen  mürben,  unb  fie  wanbte  ftd)  um,  nach  it)nen  ju  fehen.  Slber 
baS  mar  it)r  großes  Unglücf;  beim  plöfclidj  oerwanbelte  ftcb,  ber 
alte  Äönig  in  einen  großen,  fdjmarflen  $unb,  ber  mit  feurigem 
föü^en  unb  glühenben  2lugen  auf  fie  p  f prang.  Unb  wie  fie  nun 
weiter  oor  9lngft  unb  ©ntfefeen  laut  ausrief:  „Ol  §err  ^efuS!" 
ba  fcf/lug  auf  einmal  bie  Xfyüxt  über  ihr  mit  tautem  knalle  $u, 
unb  bie  Üreppe  fcerfanf,  unb  fie  fiel  in  ben  großen  Saal  hinein, 
in  bem  bie  Sinter  piöfclict)  üerlbfct)ten. 

Darin  fifct  fie  nun  fdjon  oiele  Imnbert  $af)xe  (ang  unb  mu§ 
bem  atten  §eibenfönig  Reifen,  feine  Sd)ä$e  ^üten.  Sie  fann  nur 
crtöfr  werben,  wenn  ein  reiner  ftunggefell  eS  wagt,  in  ber  ftobanniS* 
nad)t  auf  biefelbe  ©eife,  wie  fie  es  tt)at,  auf  ben  ®ar$er  Sd}loß< 
wall  $u  gehen  unb  in  bie  Schafcfammer  ^inabjufatlen.  ®r  muß 
fieb,  bann  breimal  oor  ihr  neigen  unb  iljr  einen  8uß  geben  unb  fie 
fHü  an  ber  $anb  herausführen.  Sprechen  barf  er  babei  fein 
©ort.  ©er  fie  fo  herausbringt,  ber  wirb  ihr  ®emaf)l  werben 
unb  fo  mele  Sdjäfee  erwerben,  baß  er  fid)  ein  gangeS  Königreich 
faufen  fann. 

@S  follen  fdjou  oiele  biefeS  ©ageftücf  öerfudjt  l^aben ;  aber 
eS  ift  nod)  feiner  gurücfgefommeu.  2Han  fagt,  ber  alte,  fchwarje 
$unb  fei  fo  fdjrecflich,  baß  alle,  bie  ihn  fetjen,  oor  (Jntfefeen  laut 
freien  müffen,  unb  bann  ift  alles  oorbei  Der  lefete,  ber  in  ben 
Schloßwaü  gegangen  ift,  foll  ein  Sd)uhmad)ergefell  gewefen  fein, 
welcher  Joachim  ftT'fc  ^c§-  *tn  iungeS,  fdjöneS  Sölut 

unb  ging  immer  üiel  auf  bem  ©all  fpa$ieren.  üJlit  einem  ÜÄale 
War  er  jebod)  berfd)munben,  unb  fein  ÜJHenfd)  f)at  jemals  erfahren, 
wohin  er  gegangen  ift,  unb  feine  Gltem  unb  ^reimbe  fyaben  ihn 


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185 


in  bcr  gangen  SGBelt  fudjen  faffen,  aber  nidjt  gefunben.  <£r  mag 
nun  au<h  teo$t  ba  fifeen  bei  ben  anbern. 

6.  9JI.  Ernbt,  aMrajen  unb  Sugenberg.  2.  Stuft.  I.  S.  10-25. 

233. 

$te  bezauberte  ^rinjefftn  im  SMberg  bei  ©arg. 

3Mc  Xodjter  be$  dürften  oon  ©arg  verliebte  fidj  in  ben  Äönig 
üon  ^oten,  obgleich  fie  mit  bem  Sohne  be«  dürften  oon  Sergen 
berlobt  mar.  Sind  bem  ©runbe  fam  e«  gu  einem  3ttje^amPf  i^i* 
fdjen  ben  beiben  ^ringen,  in  meinem  ber  ^o(e  fiel.  $113  ber  alte 
3rürft  bie«  Ijörte,  mar  er  fo  empört  über  feine  Xodjter,  um  berent» 
teilten  ber  tapfere  $önig  gefallen  tear,  bafj  er  fie  oerfludjte  unb  in 
ben  Sßallberg  oerteünfdjte. 

$ort  fifct  fie  nod}  $eute  unb  harrt  fehnfüdjtig  ihrer  ©rlöfung. 
$n  ber  3obanni«nad>t  gteifdjen  elf  unb  gteölf  1%  öffnet  ftdj  ber 
SBerg,  unb  wenn  bann  ein  reiner  Jüngling  rücfroärt«  Ijineingetyt 
unb  bie  ^ringeffin  ruft,  fo  fann  er  fie  erlöfen.  §at  fid)  ber  33e= 
treffenbe  jebodj  nicht  gang  feufch  erhalten,  fo  mirb  er  oon  einem 
fdjrecflidjen,  fdjteargen  |mnb,  ber  in  ber  üftitte  be«  (Singang«  ©a*e 
hält,  gerriffen. 

2lber  nicht  nur  in  ber  ÜMitternadjt,  foubern  auch  in  ber  ÜHittag«* 
ftunbe  be«  Johannistage*  fann  ba«  CSrlöfungSteerf  borgenommen 
teerben.  {Jn  teuerem  ftalle  bat  baöfelbe  jeboeb.  ntc^t  im  ©allberge 
ftattgufinben,  fonbern,  bei  fonft  gleiten  Sebingungen,  an  bem  ©arger 
«See,  melier  gtetfehen  bem  Rittergut  Üieng,  ba«  burch  einen  unter* 
irbifd^en  ©ang  mit  bem  ©allberg  oerbunben  fein  foll,  unb  ber 
©tabt  liegt.  2luf  jenem  <2ee  fehteimmt  bie  ^ringeffin  in  biefer 
<Stunbe  al«  Seejungfer  ^erum  unb  ift  bann  halb  teie  ein  üflenfeh 
^alb  mie  ein  ftifd)  gehaltet. 

aHünblia)  au$  ®arj  auf  JHiigen. 
234. 

$te  fteben  buuic«  SRaufe. 

2?or  langer  $eit  lebte  gu  ^ubbemin  auf  öligen  eine  Sauer* 
frau,  bie  hatte  fteben  flinber,  teelche«  (auter  ÜWäbchen  tearen,  ba« 
ältefte  gmötf  unb  ba«  jüngfre  gteei  Jahre  alt.  Sie  ßinber  tearen 
alle  übereinö  gefteibet  unb  trugen  bunte  fööcfe  unb  rote  SDfüfcen. 


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isr, 


Da  trug  e«  fidj  etnft  auf  einen  Karfreitag  ju,  baß  bie  ftrau 
mit  if)rem  ÜWanne  gur  ßirdje  ging  unb  bie  fieben  Ätnber  allein 
ju  $aufe  ließ.  SlnfangS  waren  fie  audj  alle  ftiü  unb  fromm.  9fun 
tyatte  aber  bie  %rau  hinter  ben  Ofen  einen  ^Beutet  mit  Hüffen  unb 
Äpfeln  gefiellt,  ben  fte  be«  üflittagS  tyrem  Keinen  $aten  fdjenfen 
wollte.  Den  befamen  bie  Äinber  gu  feljen,  unb  barauf  mar  e«  au« 
mit  iljrer  föulje.  Sie  fielen  über  ben  Seutel  f>er  unb  fdjmauften 
Slpfel  unb  9Jüffe  auf,  fo  oiel  beren  barin  waren. 

darüber  erzürnte  fidj  bie  %rau,  als  fie  auö  ber  Äirdje  gurücf* 
fam,  unb  fte  tonnte  fid)  nidjt  mäßigen,  obglcidj  eS  am  ftillen  finita^ 
toar,  fonbern  fdjimpfte  bie  Sinber  taut;  unb  weil  man  Heine  Diebe 
audj  woljl  SRaufemärteu  gu  nennen  pflegt,  fo  ging  fie  in  tf>rem 
3orne  fo  weit,  baß  fie  ausrief:  „Der  Slife!  wollte,  baß  iljr 
üftaufemärten  alle  gu  Käufen  würbet!"  —  (Sinem  folgen  5Iu$c 
an  bem  ^eiligen  Xage  unb  gegen  bie  eigenen  ßinber  folgte  bie 
Strafe  auf  bem  ftuße  nadj.  Denn  faum  l)atte  bie  ÜWutter  bie 
Sorte  gef prodjen,  fo  waren  auf  einmal  alle  bie  fieben  ftinber  in 
9J?äufe  ferwanbelt.  Die  liefen  in  ber  Stube  Inn  unb  Ijer,  mit 
bunten  Vettern  unb  roten  Äöpfen,  wie  bie  Ätnber  fidj  getragen  Ratten. 

Da  erfdjraf  bie  ftrau  fcr)r  unb  wußte  nidjt,  wa$  fte  in  ibrer 
3lngft  anfangen  fotle.  ÜWtttlerweile  fam  ber  ßnedjt  unb  öffnete  bie 
Xfn'ire,  unb  nun  liefen  bie  fieben  ÜKäufe  alle  auf  einmal  burd)  bie 
offene  Xlu'ire  gur  Stube  fn'uau«  unb  au«  bem  §aufe  unb  immer 
weiter  über  ba8  ^ubbeminer  unb  ba«  ©ünjer  ftelb,  über  ba« 
Sdjorifeer  ftelb  unb  burdj  bie  ßrewe  unb  enbtidj  über  baS  Dumfc 
oifeer  ftelb  in  einen  flehten  33ufd)  hinein.  Die  9)?utter  eilte  Urnen 
nadj  unb  weinte  unb  jammerte  unb  bat  ben  lieben  ®ott,  baß  er 
ibr  bodj  tyre  Hinber  wieber  geben  möge.  2lber  fie  fonnte  fie  nict)t 
einholen. 

3n  bem  #ufd)e  hinter  bem  Dumfeoifeer  $elbe  war  ein  flarer 
Xeiä).  2luf  biefen  liefen  bie  fieben  9Diäu$djen  gtt,  unb  erft  an  bem 
Ufer  blieben  fte  flehen  nnb  fatyen  fidj  um.  Da  erblicften  fie  bie 
5D?utter,  bie  iljnen  gefolgt  war,  nnb  nad)bem  fie  biefelbe  eine  SBeile 
angefeljen  Ratten,  gleidj  als  wenn  fte  tyr  noa?  einmal  Ratten  Vebe» 
motyl  fagen  wollen,  fprangen  fte  plöfclidj  alle  fieben  in  baS  Söaffer 
unb  gingen  fofort  unter.  —  311«  bie  Söauerfrau  biefeS  llnglwf  fa^ 
ba  würbe  fie  oor  großem  Sdjrecf  gu  Stein  unb  rührte  nidjt  .ftanb 
ober  ftuß  mehr. 


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187 


$er  93ufd),  in  we(cf>em  bie«  gcfc^e^cn  ift,  bei&t  fett  ber  3«t 
ber  ÜRäufewinfet.  $en  Xeidj  fietyt  man  no$  barin  imb  an  bem* 
felfren  aud;  nocf)  einen  großen,  rnnben  Stein,  in  ben  bie  ftrau  fer* 
manbelt  ift.  Hu«  bem  Seiaje  fommen  alte  Wadjt  bie  fieben  bunten 
9Wäufe  Ijerau«  unb  tanaen  um  ben  Stein  fjerum,  eine  ganje  Stunbe 
lang,  ton  aWölf  ityr  bis  um  ein«.  £er  Stein  Hingt  bann,  af« 
wenn  er  fprecf>en  fönnte;  bie  fltfäufe  aber  fingen  einen  ©efang, 
wetd>er  atfo  Tautet: 

„Herut!  Herut! 

Du  junge  Brut! 

Din  Brüdegam  schall  kamen; 

Se  hebben  di 

Doch  gar  to  früh 

Din  junges  Leben  namen. 

Sitt  de  recht  up'n  Steen, 

Watt  he  Flesch  un  Been, 

Un  wi  gan  mit  dem  Kranze: 

Säwen  Junggesell'n 

Uns  führen  schäll'n  — 

Juchhe!  —  tom  Höcht idsdanze." 

9J?au  fagt,  ba§  biefe«  £ieb  bebenten  fotte,  bn&  bie  2Häufe  unb 
bie  ftvau  einft  wieber  in  3Wenfdjen  »erwanbelt  werben  fönnen.  2)ieS 
foll  auf  folgenbe  &?eife  gefcfyeljen: 

©S  mufe  eine  ftrau  fein,  gerabe  fo  alt,  wie  bie  Söauerfrau, 
al«  fie  au«  ber  tftrdje  fam.  $ie  mufj  fieben  Sölme  Ijaben,  gerabe 
fo  alt,  a(S  bie  fieben  Keinen  2)?äbd)en  waren,  ba  fie  oerwanbelt 
würben.  Senn  bie  ftrau  nun  mit  ifjren  fieben  Söhnen  auf  einen 
Karfreitag,  gerabe  um  bie  3J?tttag«3eit,  in  ben  ÜWäufewinfel  fommt 
unb  fie  fidj  alle  auf  ben  rauben  Stein  fefeen,  fo  werben  biefer  Stein 
unb  bie  fieben  SRäufe  wieber  31t  ütteufdjen  werben,  unb  fie  werben 
gerabe  fo  auSfeljn  unb  biefelben  Kleiber  tragen,  als  bainalS 
3ur  $eit  ^rer  S?erwanbtung.  Sinb  bann  bie  Merheim  ftinber 
gro§  geworben,  fo  foUen  fie  einanber  heiraten  unb  fefjr  reid?  unb 
glücT(icf)  werben;  benu  alle  ®üter  unb  £öfe  ringsum  werben  itmen 
gehören. 

G.  9H.  XtnM,  Märien  unt»  ^ugenbera.  2.  «ufl.   I.  ®.  3-9. 


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188 


235. 

$et  Müsbrök  bei  $mnfrt>it?. 

Jrau  ©ittmife  auö  'SumfciMfo  ging  eine8  Sonntag*  511m 
heiligen  Slbenbmahl  unb  legte  ihren  oier  33uben  an'ä  ^)er^  wäljrenb 
beffen  recht  artig  ju  fein.  9113  fie  nad)  $nufe  jurücffehrte,  jeigte 
fid)'£  ieboch,  Wa8  bie  Ermahnungen  gefruchtet  hatten.  $>a8  Unterfte 
mar  ju  Cberjt  gefeljrt,  unb  nidjtS  hatten  bie  gottlofen,  unnüfcen 
jungen  auf  feinem  rechten  ^lafee  gelaffen. 

$)a  ergrimmte  bie  üttutter  unb  fchrie  in  ihrer  $8ut:  „Qhr 
üWaufe$eug,  euch  foll  alfefamt  ber  teufet  holen!"  Unb  faum  ^atte 
fie  biefe  ©orte  auägefprochen,  fo  ging  auch  fogleidj  ber  fchrecfliche 
ftludj  in  Erfüllung.  $ie  oier  Äinber  mürben  ju  oier  SOiäufen 
unb  rannten  gur  Stube  hinauö. 

$efct  that  e8  ber  SWutter  leib  unb  fie  eilte  hinterher,  auch 
bie  Nachbarn  famen  unb  halfen  mit;  aber  bie  SOTäufe  waren  fchneller 
unb  tiefen  bem  alten,  abgeholzten  Elternbruch  ju.  Et)e  noch  jemanb 
e$  oerhinberu  fonnte,  waren  fte  alte  unter  einem  ber  Stubben  in 
ein  ?och  gefroren  unb  für  immer  oerfdjwunben.  ftein  ÜWenfdj  hat 
fie  je  wieber  gefet)en,  ber  Sllernbruch  he»§t  °&er  baoon  noch 
auf  ben  heutigen  Xag  ber  Müsbrök. 

OTünblich  auä  Jumicuife  auf  9iüaen. 

236. 

$te  Äreujfirche  auf  .j}ubar. 

9Iuf  ber  Ülügener  $>albinfel  $ubar,  in  ber  ©rabomer  %tti)* 
mar!,  höt  früher  fyart  am  Stranbe  eine  Äreugfirche  geftanben. 
Eine*  läge«  ift  fie  plöfelid}  in  ben  2Heere£grunb  oerfunfen,  unb 
bie  Stelle,  auf  ber  fie  geftanben,  wirb  jefct  oon  ben  ©ogen  ber 
Ofifee  überflutet. 

Ginmal  wufdj  nun  in  biefer  ©egenb  eine  alte  ft-rau  ihre  Seine* 
Wanb  unb  fafe  babei  auf  einem  Stein,  ber  nicht  weit  ab  00m  Stranbe 
in  ber  See  tag.  £)a  oernahm  fie  unter  ihrem  Sifee  helle*  ©locfen» 
geläut.  Erfdjrocfen  fprang  fie  auf  unb  erzählte  ben  beuten  im 
"borfe,  was  ihr  wiberfahren  fei.  $)ie  zogen  fynanS,  gruben  unter 
bem  Steine  nach  nnb  fanben  brei  fchöne  ©locfen,  welche  auf  einem 
jweifpännigen  ©agen  in  ba«  äirdjborf  £ubar  gefchafft  würben. 


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189 


Seil  aber  bie  eine  öon  ben  ©locfen  fetyr  grofc  unb  beStyatb 
für  bie  ftetne  $)orffird)e  nic^t  redjt  geeignet  mar,  fo  befc^tog  man, 
biefetbe  nadj  ©orj  ju  bringen.  Ratten  nun  5 »ei  $ferbe  bie  brei 
©tocfen  nadj  3ubar  def^ren,  fo  oermodjten  jefet  niü)t  einmal  aa)t 
$ferbe  bie  eine  ©locfe  über  bie  3ubarftt)e  ©renje  gu  fd)affen,  es 
blieb  nidjts  anbereä  übrig,  man  mußte  bie  ©to(fe  in  Qvbav  (äffen, 
wo  fie  aud)  nod)  heutige«  £age8  oor^anben  ift;  bodj  if*  fie  um« 
gegoffen  toorben. 

SRitgeteilt  burd>  fcetrn  0.  Änoop  in  $ofen. 
237. 

$ic  öerfunfcne  jtfräje  im  ^nUpttut  bei  ^ranjbnrg. 

So  jefct  ber  SJutlpaul  bei  ftranjburg  liegt,  Ijat  früher  eine 
große,  ft^öne  flirdje  geftanben.  (Sie  mar  mit  ber  ©tabt  ftran$burg 
burd)  einen  unterirbifdjen  ©ang  oerbunben,  ber  nodj  jefct  ermatten 
ift;  aber  man  fann  tyn  rttr^t  mefyr  betreten.  $)enn  als  bie  Stirpe, 
man  meijj  ntc^t  wie  unb  mesfyatb,  eine«  SageS  in  bie  @rbe  oerfanf, 
ift  bie  tiefe  ©rube  fog(eid)  00U  Saffer  gelaufen,  unb  babei  mürbe 
and)  ber  ©ang  überflutet. 

Den  tarnen  ©ultyaul  erhielt  ber  neu  entftanbene  £eta),  weit 
bie  SBiefen,  n?efd)e  u)n  umgeben,  ben  Sommer  fyinburdj  oon  ben 
StabtbuHen  gur  Söeibe  benufct  werben.  Slber  nodj  immer  fyält  fi* 
baß  Anbeuten  a:i  bie  oerfunfene  Äirdje  madj;  benn  jeben  SWidjaeltetag, 
Sdjlag  jmölf  Ityr,  erfdjeinen  if>re  ©loden  auf  ber  ©berflädje  be3 
©uttpaut«,  mooon  fia)  fdjon  biete  tfeute  burd)  ben  eigenen  Stugen* 
fcfietn  überzeugt  baben. 

ÜDiünblicb  nuS  3ttt$baßen,  ÄreiS  ©rimmcn. 
238. 

Dei  wltte  Jumfer  in  Dürnremel  bi  Siwertfthägen. 

Twischen  Siwertshägen  un  Baukhult  up  dei  Scheir 
lijjt  en  Dürnrömel;  dar  sali  abends  Ummer  'ne  witte  Jumfer 
sin  un  leggen  wat  up  den  Dürnbusch.  Eis  häbben  dei 
Luer  sein,  dat  sei  ön  Bröt  up  den  Busch  lejjt  hat.  As 
sei  äewer  dicht  bi  west  sin,  dar  is  dat  Bröt  verswunnen. 
Annermäl  hat  en  Klöd  up  lägen,  un  uk  dat  wir,  as  sei 


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190 


henkämen  verewunnen.  Sö  'st  noch  mit  velen  annern 
Dingen  gän. 

D6  sülwige  Dürnr&mel  geit  nä  Poppenhagen  hen. 
Wenn  man  dar  geit,  läpen  ümmer  Hunn  mit  'na  Kedd 
nfcben  em  up.  Bi  den  Kruezwech  nä  Baukhult  hen  ver- 
laten  sei  em  werrer. 

^Jlünbli*  au«  8icuert*baQcn,  ÄreiS  trimmen. 

239. 
öttflfater. «) 

Qn  Xurom  tjauftc  oor  oielen,  tiefen  $af>ren  ein  Raubritter, 
Sullfater  mit  Warnen;  fein  Sajloft  ftanb  auf  ber  Stelle,  wo  ba« 
jefeige  §errenljau$  von  Invon  fidj  beftnbet.  Diefer  ©ullfater  mar 
ein  fefyr  graufamer  Üttann,  fo  ba§  nodj  ^eute  bie  Üttütter  tyre  fönber 
mit  ben  ©orten  bange  madjen:  „$)u,  ber  Sullfater  fommt."  Sein 
$>auptbeftreben  war,  ben  reiben  Äaufleuten  aufgupaffen,  fte  fobann 
i^rer  Söaren  gu  berauben  unb  if>nen  ein  f>otye«  £öfegelb  abgupreffen. 
Sluf  biefe  Steife  braute  er  unermeßliche  Reichtümer  gufammen. 

konnte  ein  ©efangener  ba«  Söfegelb  nia^t  begaben,  fo  lief} 
it)n  ber  ©uüfater  lebenbtg  einmauern.  3ttit  fedjö  üWenfdjen  t)at  er 
eS  fo  gemadjt,  unb  man  geigt  bie  Stube  nod),  in  beren  SGBanben  bie 
Slrmften  eingemauert  finb.  Sludj  follen  fidr)  an  ben  Stetten  ©tut* 
flecfen  befinben,  welche  burdj  feine  ÜWacht  ber  Seit  befeitigt  werben 
fönnen.  ©egen  9Wittemadjt,  gwifdjen  elf  unb  gwölf  Ut)r,  fangen 
bie  ©eifter  ber  (Ermorbeten  ein  Mögliche«  ©efchrei  an  unb  fragen 
mit  ben  Wägein  an  bem  SRörtel,  wie  fie  bamalS  gett)an  Ratten,  als 
fia)  ber  Sullfater  nad)  ihrer  (Jinmauerung  ^o^nlai^enb  entfernte. 

Der  Sullfater  ^atte  auch  eine  ©raut,  welche  er  fe$r  liebte 
unb  bie  er  einem  3fürf*en  au^  Rügen,  beffen  £odjter  fie  war, 
gefto^len  ^atte.  Xrofe  feiner  Siebe  gu  ber  ©raut  hing  er  aber  bodj 
nodj  mehr  an  feinem  ©olbe.  $11$  er  nämlich  gum  Sterben  tarn 
unb  ihm  ba$  ©ewiffen  wegen  feiner  oielen  Sdjanbthaten  feine  Rut)e 
liejj,  bat  if>n  feine  SBraut,  bie  it)m  ebenfalls  in  inniger  ©egenliebe 
guget^on  mar,  er  möge  bodj  gu  feinem  Seelenheil  bie  geraubten 
Schäfte  gum  ©au  oon  ©otteS^äufern  oermenben.   icaum  ^attc  er 

»)  «ßl.  oben  79. 


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191 


biefe  ©orte  vernommen,  fo  [tieft  er  [eine  SBraut  von  fidj,  rief  bie 
ßnedjte  unb  befahl  tynen,  bie  unfdjulbige  ftrau  ebenfalls  ein* 
aumauern. 

Söeoor  ba£  unglücflidje  SBcib  bem  entfefclidjen  Sdjicffal  verfiel, 
mußte  fic  ben  Sdjloßljauptmann,  ber  gtvar  ben  $3efel}(  be$  ©ullfater 
ausführen  mußte,  aber  bennod)  fetner  Gebieterin  fef>r  ergeben  mar, 
bagu  beftimmen,  baß  er  »enigftenS  einen  Seil  ber  geraubten 
©cfyäfce  $um  33au  von  GotteSfyäuferu  verroenbe.  $)enn  ba£  Golb, 
welcfjeS  ber  Sullfater  auf  feinem  legten  föaubjuge  erbeutet  Ijatte, 
mar  von  iljm  befouberS  eingegraben  loorben,  unb  bie  ^xau  r)attc 
von  ber  Stelle  $unbe  erhalten. 

$)er  Sd)loßbauvtmanu  tlwt  fyäter,  wie  tynt  feine  $>errin 
befohlen  Ijatte,  unb  von  biefem  Gelbe  ftnb  bie  Sirdjen  in  3iel)ringeu, 
Äirdfbaggenborf  unb  ^Jorlanb  errietet  loorben.  £)ie  eingemauerte 
^rinjeffiu  aber  erfdjeint  iioö)  heutiges  $age3  jumal  bei  ÜRonbfdjein 
auf  bem  Xurm  be£  Sdjloffeä  in  fnieenber  Stellung  unb  betet  um 
Vergebung  für  iljre  ©ünbcu,  ba  fic  als  bie  Gemahlin  SöullfaterS 
fidj  für  mitfdjulbig  an  ben  Sdjanbtljaten  ir)reö  Gatten  l)ält. 

$)er  Sullfater  felbft  fiarb  balb  naa)  ber  (Srmorbung  feiner 
SBraut  unb  fifct  nun  tief  unten  im  Sdjloßteller  bei  ben  unermeßlichen 
2d)äfcen.  $fjm  jur  Seite  liegt  fein  treuer  ^Begleiter  in  biefem 
£eben,  fein  großer,  fd)n>ar^er  »"punb  ftlambo.  Üeuten,  iveldje,  nad) 
bem  Gelbe  beö  Sullfater  lüffcern,  in  ben  Heller  bringen,  fpringt  ber 
ftlambo  entgegen  unb  fdjeuctyt  fic  jurücf. 

jWünblid)  au«  SepelSborf,  Ätci$  ©Timmen. 

240. 

$ie  fielen  eingemauerten  Säuern  $u  $nroto. 

$n  bem  Äreife  Grimmen  liegt  ein  große*  abligeS  Schloß, 
Surotv  geheißen;  unb  um  baSfelbe  läuft  ein  tiefer  unb  breiter  Graben, 
ber  erft  vor  ungefähr  jroeilmnbert  ftaljren  entftanben  ift.  £u  ocr 
bamaligen  fteit  lebte  nämlidj  auf  bem  Schlöffe  ein  (Sbelmaun, 
namen*  23ono;  ber  ließ  burdj  feine  fieben  ^Bauern,  bie  ju  bem 
Sdjloffe  gehörten,  ben  Graben  madjen.  (£r  Ijatte  iljnen  einen  guten 
Xagetofyn  verfprodjen,  unb  bie  fieben  Sauern  arbeiteten  brei  volle 
$at)re  baran,  alle  Sage  unb  mit  tyren  ©eibern  unb  Äinbern,  bamit 
fic  befto  eljer  $u  tyrem  2ofme  fommen  möchten. 


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192 


Der  Scfyloßfjerr  rechnete  aud?  alöbatb  mit  iljncn  ab,  al$  fie 
fertig  n?aren.  9tttein  er  machte  ilmen  fo  me(e  ©egenred)nungen,  für 
©Ifen  unb  Sxinfen,  fo  er  iljnen  gegeben,  für  ©Rippen  unb  Spaten, 
fo  fie  ü)m  oerborben,  unb  für  anbere  Sachen,  baß  bie  Sauern  nic^t 
meljr  at$  fieben  Sdjiltinge,  alfo  ber  SRanu  einen  Shilling  für  alte 
brei  $<it)Tt,  Ijeraud  haben  foüten.  Damit  toollten  bie  Säuern  nidjt 
aufrieben  fein,  unb  fie  befeuerten  ftdj  bitter  bei  bem  $)errn.  Hu* 
fangd  broljte  er  t^uen;  auf  einmal  aber  gab  er  ü)nen  gute  Sorte 
unb  oerfpradj  tynen  i^reu  »ollen  tfoljn.  Sie  foüten  nur  mit  tym 
fommen  in  eine  Stube,  bie  hinten  im  Schlöffe  lag,  ba  motte  er 
ihnen  alles  auszahlen.  Sltfo  locfte  er  fie  in  bie  entlegene  ftammer, 
unb  roie  er  fie  alle  fieben  barin  hatte,  ließ  er  fie  lebenbig  barin 
einmauern,  baß  fie  eines  jämmerlichen  Xobeö  gerben  mußten. 

9118  nun  aber  ba£  ©infein  be$  legten  nicht  mehr  gehört 
mürbe,  ba  fuhr  auf  einmal  ber  Jeufei  in  ben  Schloßhemt  unb  ließ 
ihm  feine  Stühe  mehr?  bid  er  oben  in  feine  Stube  ging  unb  fein 
©emeljr  oon  ber  ©anb  nahm  unb  fid}  bamit  eine  Äuget  burdj  ben 
#opf  fdjoß,  baß  ba£  Shtt  bi£  oben  an  bie  Deofe  fprifcte. 

Diefe  Slutflecfen  fielet  man  noch  jefct  bort;  man  hat  fie  mit 
feiner  Äuuft  oertilgen  fönnen,  unb  wenn  bie  Stetten  auch  jmanjig» 
mat  ^intereinanber  übertoeißt  toerben,  fo  fommen  fie  bodj  jebeSmal 
gleich  roieber  jum  SBorfe^ein.  9tuch  bie  $nochen  ber  fieben  einge* 
mauerten  dauern  liegen  nod)  unten  in  ber  Stube;  e$  barf  fein 
Sftenfdj  fie  oon  ba  fortnehmen.  Den  Schloßherrn  unb  bie  Sauern 
fietyt  man  jebe  Sftadjt  herumfpufen. 

2  e  mme,  MSfaßen.  9tr.  280. 

241. 

25er  STOäufcmagen  in  ©rimmen. 

Qn  ber  Stabt  ©rimmen  fär)rt  jebeö  $a1)r  in  ber  ©alpurgi«* 
naef>t  ein  ©agen  mit  »ielem  ©eraffel  bureh  aüe  Straßen.  <£r  fährt 
fo  rafd)  unb  fdjtoer,  baß  bie  5*"fto  an  ben  Käufern  gittern,  mo 
er  oorbei  fär>rt.  ©enn  man  nun  hinaus  auf  bie  Straße  fiebt,  fo 
erbtieft  man  eine  große,  fchmarje  fiutfdje,  oor  bie  oier  fteine  üßäufe 
gefpannt  finb.  Sluf  bem  Socfe  fifct  ein  Äutfcher,  ber  einen  großen 
|>ut  trägt  unb  einen  $ühnerfuß  fyat.  ©er  in  ber  tfutfcfje  ftyt, 
toeiß  man  nicht.  mmm  ^  m 


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193 


242. 

$er  fd)tt>ör$c  ©ce  Ui  örimmcu. 

Die  ©tobt  ©rimmen  Ijat  früher  an  einer  onbern  ©teile  ge* 
ftanben  al«  jefet,  nä'mlid)  ba,  too  heutige«  Jage«  ber  fogenannte 
f(^tt)arje  See  ift.  $)ie  Stabt  ift  bort  »erfunfen  mit  allem,  toa« 
barinnen  mar.  SBann  unb  mie  bie«  gefdjeljen  ift,  meijj  man  nid)t 
mefyr,  benn  e«  ift  fdjon  oiele  Rimbert  ftafyre  fyer.  9lber  bajj  e« 
tuafyr  ift,  bemeift  ber  fdjtoarae  See,  ben  man  an  tyrer  Stelle  finbet. 

iDerfelbe  liegt  ungefähr  eine  9ld)telmeile  oon  ber  jefcigen  Stabt 
©rimmen,  linf«  am  SBege  nadj  ©rellenberg.  (£r  ift  länglidjrunb, 
ungefähr  fieberig  Stritte  lang,  too  er  am  längften  ift,  unb  fedjgig 
Stritte  breit,  ©ie  tief  er  ift,  ba«  meifc  fein  üflenfdj ,  benn  er  foti 
gar  feinen  ©runb  Ijaben.  @r  ift  rnnb  umljer  mit  fleinen  3(nl)öf)en 
nnb  einem  <S(fen&ufc^e  umgeben.  $)er  Söoben  biefe«  93ufd)e«  ift 
aber  fo  feudjt  unb  moraftig,  bajj  man  nur  in  gan$  trocfenen  Som* 
mern  bi«  an  bie  Ufer  be«  See«  gelangen  fann. 

$)a«  Söaffer  in  biefem  See  ift  fd}ioar$  unb  bitter.  <£«  »er* 
änbert  fid)  niemal«.  $er  SÖinb  mag  leife  meljen  ober  audj  nod) 
fo  oiel  ftürmen,  ber  See  bleibt  immer  ruljig,  unb  e«  Ijat  nodj  feiner 
gefeljeu,  bafj  ba«  Saffer  barin  fid)  aud)  nur  ein  einzige«  2)ial  ge= 
fräufelt  ptte.  3)a«  foll  baoon  fommen,  bafj  ber  See,  mie  bie  V?eute 
fagen,  auf  ber  oerfuntenen  Stabt  rufyt.  ©«  lebt  aud)  fein  ftifd) 
in  biefem  Söaffer,  unb  ba«  Ijat  barin  feinen  ©runb,  toeil  eine 
gemeinte  SHrdje  barunter  oerfuufen  ift.  3fn*e  ©locfen  fann  mau 
notfj  oft  $ören. 

Je  mute,  3tolf$i*aQen.  <Rr.  1GG. 

243. 

$te  ©lotfett  ju  ©toftenfjagen. 

sJ?idjt  ioeit  oon  färcfyborf,  im  Streife  ©rimmen,  in  ber  ©egenb 
oon  ©reif«malb,  liegen  ^mei  Üetdje,  ein  großer  unb  ein  fleiner. 
9fn  ber  Stelle  be«  großen  ftanb  eljebem  ein  9)Jöndj«floßer;  roo  jefct 
ber  flehte  ftd)  befinbet,  bagegen  lag  früher  eine  Sdjmiebe.  33eibe 
©ebäube  mürben  eine«  Sage«,  gerabe  am  $ol)aimi«fefte,  um  ber 
©ottlofigfeit  ber  SMöudje  millen,  oon  ber  @rbe  oerfdjluugen.  SDJit 
ber  Älofterfirdje  oerfanfen  aud)  bie  beiben  ©lotfen;  bod)  taudjten 

13 


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194 


fic  jebe£  3a^r  am  ^ofyanniötage  be$  ÜNittagä  auf  ben  SBafferfpiegel 
empor,  begaben  fid)  ,511m  Ufer  1111b  fonnten  fid)  bort,  Sobalb  bie 
Uljren  cin^  fälligen,  tierfcfiruanben  fic  »rieber  in  ber  £iefe. 

3)a$  l)at  fo  gebauert  oiele  (|al)re,  bis  einmal  ein  ÜHäbdjen  311- 
fällig  am  ^o^anuieta^e  beä  ÜWittag*  in  bem  großen  Xcidje  $eug  toufd). 
Cfjne  fid)  ettoaö  babei  $u  beuten,  legte  bie  £irnc  bie  fertige 
"itfäfdje  auf  bie  OHocfen  nnb  bannte  biefelben  baburd),  ba§  fie  nidjt 
toieber  iii  ba$  Gaffer  $urürf  teuren  fonnten.  £a  fyabcu  bie  beiben 
(Dioden  min  lange  ^cit  gelegen,  unb  es  fjat  fein  ÜJienfdj  fie  oon 
ber  Stelle  bringen  tonnen.  Tie  dauern  oon  Veoenfyagen,  bie  ba^ 
malö  gerabe  eine  neue  Mircfye  bauten,  Ijaben  e#  ocrfudjt,  fie  für  fid) 
flu  neinneu,  unb  einen  ühJageu  mit  ^f erben  Ijingefdjirft,  um  fie  ab- 
äufjoleu.  H\i\  ben  Ziagen  Ijabcn  fie  bie  ©locfen  aud)  tool)l  be^ 
fomnteu  tonnen,  weiter  aber  nid)t ;  beim  fo  oiel  ^ferbe  fie  aud) 
baoor  fpanneu  modjten,  fie  tonnten  bie  Vaft  nidjt  oon  ber  Stelle 
Sieljen. 

(Snblid)  tarnen  bie  Stoltenfjagener,  bie  aud)  feine  ©lorfen  in 
ifjrer  Stirpe  Ratten,  auf  ben  flugen  ©infall,  ftatt  ber  ^ferbe  Cdjfen 
p  neunten.  Unb  fielje,  jefyt  ging  alleö  leidjt  unb  glücflid)  oon 
ftatten,  unb  feitbem  Rängen  bie  gebannten  ©lorfen  in  bem  ftirdj* 
türm  511  Stoltcnfjageu. 

Waa)  Xemme,  ^olt*fnflen.  s)ir.  266. 
244. 

$er  Äummerom  See. 

9luf  bem  ftummeron>Sce  fdjnmnmcn  jebeSmal  am  QofanniS-- 
tagc  um  jwölf  Ul)r  mittags  ein  großer  SJerg  ©eruftein  unb  eine 
golbeuc  &Mege.  $äl)rt  mau  Ijeran  unb  berührt  bie  Sd)ätje,  fo 
fürten  fie  unter  fürd)terlid)em  Wcpraffcl  auf  ben  Scegruub  jurürf. 

3u  bem  Äummeron^Sce  ifl  aud)  oor  oiclcn  (Jahren  eine 
Stabt  untergegangen,  ©raboto  genannt.  9Jod)  iefet  ^eipt  banad) 
ein  Heiltet  l^orf  am  See  $Mift  ©raboro.  'Sie  ©lorfeu  oon  ber 
$>auottird)e  ber  oerfnnfeuen  Stabt  fann  man  31t  berfelben  $t\t,  ba 
bie  SBiege  unb  ber  ^ernfteiuberg  auf  ber  Cberflädjc  erfdjeinen,  im 
Gaffer  läuteti  tjöreu. 

OHünblid)  au*  Wfcfiaer,  Äreiä  Tetmnin. 


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195 


245. 

$te  oerfnnfcnen  Sthbtc  im  (Üxabom  unb  im  Snjarpfouier  See. 

$u  ber  @egcnb  amifcfyen  Sellentin  unb  ber  ftummerowföen 
Ü)?eterei,  im  Greife  Demmin,  liegt  ein  See,  ber  ©rabow-See  ge* 
nannt.  $ier  Imt  in  früheren  Reiten  eine  Stobt,  namenS  ©rabom, 
geftanben,  bie  einftmalö  burrf)  eine  ©rberfdnitterung  31t  ©rnnbe  ge* 
gangen  ift  unb  bein  See  bie  ©ntftetmng  unb  ben  Warnen  gegeben 
f>at.  Die  ?eute  fagen,  baß  man  bei  gellem  Setter  bie  lürmc  ber 
Stabt  auf  bem  ©runbe  be«  SöafferS  fefyen  fönne.  —  Wafye  bei 
bem  See  fieljt  man  uod)  bie  SHuine  einer  23urg,  meiere  uon  ben 
Veuteu  ber  ©egenb  baS  <&raboh>;Sa)loß  genannt  mirb. 

9lua^  an  ber  Stelle  be$  Sdjarpfotoer  SecS,  im  Greife  Demmin, 
ber  in  ber  ifummeroroer  fyorft  liegt,  Ijat  früher  eine  Stabt  ge* 
ftanben,  bie  barin  oerfunfen  ift.  Da«  9?ä^ere  baritber  meiß  man 
nidjt  mefyr,  aber  bei  Flarem  Setter  fann  man  unten  im  See 
bie  Stabt  erbliden.  Sogar  bie  einzelnen  Straßen  laffen  fid)  nod) 
ganj  beutlidj  erfennen. 

Semme,  Voltdfaflen.  <Kr.  1G7  unb  1G8. 
246. 

$ie  öertounfd)tcn  ^uugfern  in  #an«  Demmiu. 

Sluf  ben  Demminer  Äirdjnriefen,  ring«  umfloffeu  von  ber 
Xollenfe,  liegt  ein  alte£,  fwlb  oerfalleneö  Schloß  mit  üRuiue,  $au$ 
Demmin  genannt.   Dort  ift'*  nid|t  geheuer. 

So  foll  fidj  3.  99.  in  bem  bemo^nten  Steile  be«  alten  ©e< 
bäube«  ein  Limmer  befinben,  roeldjeS  sroar  unbemoimt  ift,  aber 
bennod)  jeben  Jag  gereinigt  unb  in  Orbnung  gebraut  luerben  muß. 
SBirb  ba«  einmal  aus  Unafyfamfeit  unterlaffen,  fo  föunen  e$  bie 
t'eute  im  Sdjloffe  oor  bem  treiben  beS  Spule«  faum  aushalten. 
%\n  Sdjloßgarten  bagegen  geigen  fid)  f)äufig  smei  meiße  Jungfern, 
oon  benen  audj  bie  jefct  folgenbe  ®ef$td)te  tjanbelt. 

Der  ftifäer,  melier  bie  £ollenfe<ftifd)erei  gepa^tet  Ijatte, 
fu^r  eine«  Wadjt«  bei  gellem  ÜHonbfdjetn  mit  feinem  Äafyt  am 
£aufe  Demmin  oorbei,  als  er  oben  auf  bem  Xurm  bie  eine  ber 
beiben  Jungfern  in  blenbenb  meißein  ©eroanbe  flehen  unb  nad)  ber 
meflenburgifdjen  Seite  l>in  flauen  fal>.  Wadj  tuenigen  Slugenblicfen 

13* 


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1 90 


Oerfdjwanb  fic  wieber,  erfdn'en  mit  bcr  anbem  Jungfer  am  Ufer 
ber  ÜtoUcnfe,  unb  beibe  riefen  jefct  bem  ftifcfjer  einen  guten  9tbenb 
gn.  Der  üftann  banfte  unb  fragte  nad}  ibrem  SBegeljr.  Darauf 
antworteten  bie  meinen  Jungfrauen:  „Sir  finb  bie  oerwünfdjten 
^ringeffinnen  oon  £>au8  Demmin.  Senn  bu  morgen  um  biefe  Qeit 
mit  beinern  Keinen  töinbe  Ijierljer  Fonimft  unb  e$  un$  füffen  täjjt, 
fo  finb  wir  ertöft,  uub  bu  toirft  glütflid)  fein  bein  lebelang."  Der 
ftifdjer  ging  barauf  ein,  öcrfprac^  in  ber  anbem  9todjt  fidj  einju» 
finben,  unb  bie  Jungfern  oerfdjwanben. 

Jn  ber  folgenben  9iadjt  nat)m  ber  SOTann  ^eimli^  ofyne  ba8 
SBorwiffcn  feiner  ftrau,  ba£  ftinb  au£  ber  Siege,  frieg  bamit  in 
ben  fta$n  uub  ruberte  auf  bie  Winne  ju.  Die  Jungfrauen  er« 
warteten  tyn  fajon,  bieSmal  jebodj  nicf>t  in  menfdjlid)er  ©eftalt, 
fonbern  als  jwei  abfdjeulidje  Sdjlangen,  benen  baö  $euer  au$  bem 
ÜNaule  fufyr.  9113  ber  t$rifcfjer  bicö  fal),  warb  iljm  War,  baß  fein 
Hinb  bie  &üffe  uic^t  überleben  würbe;  er  fd>tug  barum  bie  ganjje 
©adje  runb  ab  unb  erflärte  auf  ba£  beftimmtefte,  unter  folgen 
Umftänben  fidj  nie  unb  nimmermehr  auf  baS  (Srlöfungäwerf  etntaffen 
3U  fönnen. 

9iadjbem  bie  oerwünfdjten  Jungfern  eingefeljen  Ratten,  baß 
fein  Sitten  unb  3ure ben  mefyr  Reifen  fönne,  erhüben  fie  ein  jammer* 
lidjeS  Slagegefcfjrei  unb  Jagten,  jefct  fei  iljre  (Srlöfung  wieber  auf 
lange,  lange  3eit  oerfdjoben.  ©rjt  bann,  Wenn  bie  fieben  Rappeln 
in  Demmin  fo  groß  geworben  wären,  baß  man  au$  ber  fiebenten 
fieben  Siegen  anfertigen  fönne,  bürften  fie  Don  neuem  Hoffnung 
fd)öpfen.  Da&  &inb  namlidj,  welches  in  ber  fiebenten  Siege  juerft 
gewiegt  würbe,  oermöge  fie  $u  erlöfen.  Unb  nadjbem  fie  biefe 
Sorte  ju  (Snbe  gef proben,  oerf^wanben  fie  unter  fortwäfyrenbem 
Schlagen. 

9Jlünblid)  au«  $emmin. 

247. 

$cr  Srf)al?  im  §aufe  Demmin. 

Unter  ben  ^Ruinen  be8  §aufe8  Demmin  finb  oon  atten  Reiten 
fjer  nod)  oiele  ©djäfce  oergraben,  ©ie  liegen  aber  feljr  tief,  fo  bajj 
man  in  einer  iftadjt  nidjt  fo  oiet  graben  fann,  um  bis  ju  Urnen  gu 
getaugen.  Deshalb  fyaben  bie  Ceute,  bie  anfangt  oiet  nad}  iljnen 
gruben,  julefct  baoon  abfielen  müffen.   Denn  wenn  fte  bi$  gur 


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197 


$mölften  ©tunbe  ber  92ad^t  gegraben  Ratten,  fo  purste  auf  einmal 
alle«  toieber  $u,  unb  ihre  ganje  Arbeit  mar  »ergeben«.  üDodj  glaubt 
man,  toeun  ber  redete  SRann  fäme,  fo  würbe  ber  bic  ©chäfee  tooljl 
heben  fönnen.  Sei  benfelben  macht  Übrigend  ein  ganj  fchtoarjer 
§unb. 

(Jinem  Änaben  ift  e8  einftmal«  geglüeft,  etmaö  oon  ben 
©djäfeen  ju  befommen.  @r  ^atte  auf  ber  ffiuine  Sali  gefpielt,  tt?o* 
bei  it)m  fein  Sali  in  eine  Oeffnung  be«  ©emäuer«  gefallen  mar. 
Um  iljn  mieber  ^olen,  flieg  er  nad)  unb  fam  in  ein  große«, 
bunfle«  ©emölbe,  too  er  eine  ^alb  offene  £hür  fah,  burdj  roctcr>c 
i'idjt  flimmerte.  'Der  Änabe  ging  bem  Sidjte  nach,  unb  trat  in 
einen  ungeheuren  ©aal,  ber  ooll  ber  reidjften  ©cf>äfce  lag.  £>aoon 
ftetfte  er  fid)  gefchtotnb.  beibe  Saften  Ooll  unb  eilte  baoon.  Seim 
3urü(ffe^ren  fat)  er  jefct,  toie  an  ber  Zf)i\vz  ein  großer,  f^ttjarger 
$)unb  lag.  2)a«  Untier  f djlief  aber,  unb  er  fam  glücflich.an  ihm 
oorbei,  unb  mieber  au«  bem  ©emölbe  tyerauS. 

(Er  lief  mit  feinen  ©chäfeen  nach  §aufe,  unb  erzählte,  toie  er 
baju  gefommen  fei.  9Jun  ^atte  er  eine  ©tiefmutter,  toeldje  \)art 
unb  geizig  mar.  2)ie  befahl  ihm,  baß  er  gur  SRuine  jurüeffehren 
unb  fid)  noch  einmal  bie  STafdjen  öoll  Ijolen  fotle.  Da«  mußte  ber 
arme  Shtabe  tt)un,  aber  e«  h<*t  it)n  fein  2ttenfch  au«  ber  $iefe  jurücf 
fommen  fet)en. 

Scmmc,  »oltefagen.   91r.  196. 

248. 

$er  bcrtofinfrhtc  2Rann  im  untcrirbifcf)cn  (Dang  oon  $au« 

$cmmin  nad)  ^cuftn. 

Son  $au«  fcemmin  geht  unter  bem  Sette  ber  Sotlenfe  hin, 
an  ber  Äirche  oorbei,  ein  unterirbifdjer  ©ang,  melier  erft  bei  bem 
föittergute  «Sßenfin  münben  foll.  tiefer  ©ang  burchfehneibet  bet- 
rage nac^  au<h  alle  ^ferbefoppel  bei  SDemmin,  unb  eine  in 
berfelben  befinbtidje  tiefe  ©rube  foll  mit  it)m  in  Serbinbung  ftet)en. 

©inft  pleten  bort  Hütejungen  it)re  fJferbe  unb  trieben  babei 
allertjanb  üttutmillen.  ©inem  oon  ben  Surften  mürbe  fogar  bie 
2Hüfce  oom  ftopfe  geriffen  unb  in  bie  ©rube  geworfen.  £>a  ber 
$unge  $u  meinen  begann,  fnoteten  bie  anbern  bie  föoßhalftern 
3ufammen,  oerfertigten  ein  lange«  ©eil  barau«  unb  ließen  baran 
ihren  ©efährten  in  ba«  ©rbloch  h»nab. 


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19« 


SllS  er  auf  ben  ©runb  ber  ©rube  gefommeu  war,  ftte§  er 
fofort  auf  ben  unterirbifdjen  ®ang.  $n  biefem  faj?  an  einem  großen 
5i|"d;e  ein  alter  SRann  unb  fcf>rteb ;  neben  ifmt  auf  ber  (Srbe  lag 
ein  gewaltiger,  fdjwar^er  .£mub,  welcher  bem  ?lufömmling  bie  3äfme 
wies.  Sobalb  ber  ?llte  beS  ÜBurfdjen  aufidjtig  würbe,  fragte  er  ihn 
uadj  feinem  Söegchren  unb  befahl  ihm,  nachbem  er  ben  ganzen  Hergang 
ber  Sache  erfahren,  unter  ben  2ifd)  31t  greifen.  Stert  tage  bie 
3)2ii$e  auf  einem  .Raufen  ©olb,  unb  er  möge  baoott  getroft  fooiel 
aufraffen,  wie  er  tu  ber  üttüfce  fortfehaffen  fönne.  Der  $unge 
geljordjte  unb  Würbe  fobauu  von  bem  3)tanne  ju  ber  ©rube  jurücf 
geleitet,  ton  wo  aus*  bie  anbern  ^litejungeu  Hm  wieber  in  bie 
$)itye  jogeu. 

tfaum  war  er  oben  unb  hatte  ber  ©urfdje,  welker  i^m  bie 
ÜMiijjc  vom  Stopfe  geriffeu  unb  in  baS  l'od)  geworfen  tyatte,  baS 
viele  ©olb  gefehen,  fo  würbe  er  neibifefy,  warf  feine  Wiifce  ebenfalls 
hinein  unb  lie^t  fid)  bann  au  berfelben  föalfterleine  in  bie  ©rube 
hinab.  Unten  erwartete  ihn  jeboch  ber  fc^war^c  Jjpunb  unb  serrifj 
ilm,  fo  ba&  nie  wieber  etwas  von  ilmt  $um  55orfc^cin  gefommen  ift. 

sJWünblia)  au*  Tcmmin. 

249. 

$ic  oerfunfene  Stabt  bei  Wttjforo. 

$n  ber  ©egenb,  wo  jefct  ©iifcfow  liegt,  war  früher  eine  Stabt, 
bie  fein-  in  Sünben  lebte,  fo  bafe  (>wtt  ihren  Untergang  befa^lop, 
wie  ben  von  Sobom  unb  (Wontorra,  (5s  erbarmte  ihn  aber  ber 
(Sinwofmer,  unb  er  fd)icfte  ihnen  baljer  einen  Gngcl,  ber  fte  vor 
bem  Uuglücfe  warnen  unb  aus  ber  Stabt  herausführen  mußte.  Der 
(Sngel  gebot  irrten  aud)  babei,  bajj  fte  fid)  nicht  untfehen  follten. 

Sie  nun  aber  bie  Stabt  mit  fr^reefttdjent  ©eräufd)  in  bie  ßrbe 
oerfanf,  ba  war  eine  ftrau,  bie  it?rer  Sieugierbe  nicht  wehren  tonnte. 
(Sigentlidj  umfehen,  wie  t'ots  i&cib,  wollte  fic  fid)  nicht,  fie  büefte 
fid}  beStjalb  unb  fah  jwiftt)en  ben  deinen  ^urüct.  Vlber  augcnblicflidj 
würbe  fie  in  einen  Stein  oerwaubelt,  unb  ebenfo  gefdjah  auch  tt)rem 
.Jntnbe,  ber  fidj  gleichfalls  umgefehen  hatte. 

Die  beiben  Steine  fieht  man  nod)  ^eutigeö  XagcS.  2ln  bem 
größeren,  in  ben  bie  £rau  oerwanbelt  würbe,  lann  man  nod)  beutlidj 
bie  ©eftalt  eines  ÜttenfchenfopfeS  erfeunen.   ^icht  weit  baoou  liegt 


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1 99 


ber  See,  ber  au  ber  Stelle  ber  öerfunfetten  Stabt  fidj  bilbete. 
$)iefelbe  Ijat  übrigens  mehrere  Türme  geljabr,  lodere  nodj  aufregt 
fteljen  miiffen;  beim  e8  begegnet  ben  Stftyern  oft,  baß  fie  mit  i^rcn 
?iefcen  auf  bie  Xurmfpifeen  geraten. 

Icmme,  Soltefagen.  9?t.  165. 
250. 

$ie  Äloftoritine  ju  CHbena. 

2?on  bem  ehemaligen  reiben  SUofter  nnb  ber  ftirdje  (Slbena 
ftefjt  man  jefet  nod)  fdjöne  9fhtinen,  bie  meit  in«  tfanb  nnb  in  bie 
See  funeinfdjauen.  Unter  ben  Prummern  finb  allerlei  Sunber  in 
ber  (Srbe  »erborgen. 

^nöbefonbere  fotl  ein  große«,  tiefe«  ©emad>  ba  fein,  311  tuet* 
djem  ein  finftcrer  ®ang  füfjrt,  ben  man  aber  jefct  nidjt  ntefyr  feuut. 
3n  bem  ©emarf)e  ftel;t  ein  £ifd),  anf  bem  ein  frfjiuai^er  Vilbel 
•  liegt;  neben  bem  £ifd)e  befinbet  fic^  eine  große,  fdjmarje  Äutfdje. 
$iefelbe  tuirb  001t  bem  .Jninbe  betuatfjt.  Site«  e«  fonft  nod)  für 
eine  33ebeutung  hiermit  f>at,  roeiß  man  nidjt;  e«  mirb  aber,  wie 
bie  £eute  fagen,  an  ben  2ag  fommen,  meint  ber  Sdmtt  oon  ber 
föuine  gan$  weggeräumt  ift  unb  man  ben  ®ang  ju  bem  ©entadje 
miebergefunben  Ijat. 

Sor  ungefähr  fiebenjig  ober  ad^ig  $aljreu  famen  einft  gmei 
ftapuginer  au«  9iom  nadj  Glbena.  3)ie  fragten  bei  bem  bamaligen 
Vanbreiter  nad)  einer  verborgenen  Styür,  meldje  in  ba«  alte  Öe^ 
mäuer  unter  ber  9tuine  führen  follte.  35er  Vanbreiter  gab  ilmen 
feinen  Shtedjt  mit,  unb  meil  bie  #aou$iner  genau  bie  ©egeub  an* 
gugeben  mußten,  mo  bie  2f)üre  lag,  fo  fanben  fte  biefelbe  nurflidj 
balb  unter  bem  Sdmtte,  ben  ber  $ned)t  nadj  ifyrer  Slnmeifung  auf 
bie  (Seite  fdmffen  mußte.  Somie  bie  $apuäiner  nun  bie  $f)ür  be> 
rübrtcu,  tbat  fie  ftd)  oon  felbft  auf,  unb  bie  SOföndje  traten  mit  bem 
ftnedjte  in  ba«  Gemäuer  hinein.  £ier  famen  fte  in  mehrere  Limmer, 
ftn  ben  erften  mar  nidjt«  $u  fetyen;  ^tiefet  gelaugten  fie  aber  in 
ein«,  in  meldjem  otete  i'eute  faßen  unb  fdjrieben.  $on  biefen  mur* 
ben  fie  moljl  aufgenommen  unb  bann  mieber  entlaffen,  nadjbem  bie 
tapu^iner  juoor  otel  $eimli$e«  mit  ifmen  gefprodjen  Ratten.  311« 
ber  Shtedjt  auf  bie  Obermelt  aurüeffam,  fanb  e«  fidj,  baß  er  bret 
gange  ^at)re  fort  gemefen  mar. 

Stemme,  Mgfagen.  9ir.  202. 


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200 


251. 

$er  Steinfrei«  in  ber  9lcl?ebanber  $ctbe. 

93on  bcm  ^eeneftrom,  fübltd>  Solgaft,  bid  $u  ber  fogenannten 
bänifdjen  SBiecf  bei  ©reifswalb  jicfjt  fid^  eine  unterbrodjenc  breite 
Mieberung,  bie  ^icfe  genannt,  ^nnerfjalb  berfelben  liegt  infelartig 
eine  etwa  taufenb  borgen  große,  fanbige  t$iäd)tf  bie  mit  Salb  be* 
ftanben  ift,  bie  Wefeebanber  £eibe  geheißen.  £>ort  befinbet  \idf  ein 
StcinfreiS,  oon  bem  jcbod;  nur  brei  Steine  uodj  aufregt  ftefjen, 
weöfyalb  aua?  bie  gange  ©egenb  31t  ben  brei  Steinen  ge» 
nannt  wirb. 

Dort  ift  e«  nidjt  geheuer,  Weber  bei  Jag  nodj  bei  sJiac^t. 
ftein  $ferb  Ijätt  bie  SJadjt  burdj  bei  ben  brei  Steinen  au«,  fo  un* 
Ijcimlidj  ift  bie  Öcgenb.   $aS  tyat  aber  folgenben  örunb. 

$or  uieten  Safyren,  fo  erjagen  bie  alten  tfeute,  mcibeten  f>icr 
.J)irten  i^re  £erbe.  Sie  waren  fo  übermütig,  baß  fic  mit  ©rot 
jtegel  fpielten.  tiefer  ftrebel  fonnte  nidjt  ungeftroft  bleiben.  (Sine 
Stimme  auö  bem  Salbe  rief  tynen  gu:  M3)2at^t  eudj  alsbalb  auf 
in  bie  Solgafter  tfirdjc  unb  betet  ein  25aterunfer,  fo  foll  eS  eudj 
gefdjenft  fein!"  Nber  bie  gottlofen  t'eute  teradjteten  bie  Sarnung. 
£a  würben  fic  plöfelid)  in  Steine  oerwanbelt,  unb  fo  ftefjen  fie  nod) 
ba.   £)ic  großen  finb  bie  $irten,  bie  flehten  tyre  $unbe. 

9tor  einer  ber  $irten  Ijatte  fid)  gulefct  nod)  befonnen  unb  auf 
ben  JöJcg  nadj  Söolgaft  begeben.  Allein  e«  war  fdjon  gu  fpät;  er 
fam  etwa  bi«  gur  $älfte  Ijin,  ba  mürbe  audj  er  in  einen  Stein 
berwanbelt  unb  fein  $m\b,  ber  tyn  begleitete,  beögleia)en.  $u  ber 
XljQt  geigt  man  aud)  auf  bem  ÜÖolgafter  ftelbe  einen  großen,  auf* 
red)teu  Stein,  ber  jenen  in  ber  s)ie(jebanber  $)eibe  älwlidj  ift,  unb 
baneben  einen  Heineren. 

»alt.  etubien.  XXVIII.  6.  545-547. 
252. 

$er  fdjwargc  See  bei  SBrangelSbnrg. 

"Jiidjt  weit  Don  Sörangeleburg,  im  Greife  ©rcifäwalb,  liegt 
ein  See,  ber  gang  fd)warge§  SBaffer  fyat  unb  be«l)alb  ber  fdjwarge 
See  genannt  wirb.  Dort  ift  bor  bielen  ^afyreu  auf  einen  ^otyanniS* 
tag  eine  Äirdje  mit  brei  türmen  berfunlen.   2ln  biefent  Jage  Ijört 


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201 


man  barum  aud)  nodj  alle  $aljre  bie  ©locfen  bcr  Xürme  unten  au« 
bem  (See  Ijeroortönen,  fo  traurig  unb  n>ef>mütig,  bajj  man  e«  mit 
Sorten  gar  nid)t  fagen  fann.  tttte  tyunbert  $aljre  biirfen  jnjet 
Don  itjnen  eine  Stunbe  lang  oben  auf  bem  SÖaffer  herumfönnrnmen 
unb  an'«  Ufer  Fommen. 

9ln  einem  foldjen  Xage  gefdjaty  e«  einmal,  bafe  jmei  ftinber 
au«  5Örangel«burg  an  bem  (See  if)r  ^nppenseug  mufdjen  unb  c« 
3mn  £rocfnen  auf  einer  ber  beiben  ©toefen  ausbreiteten,  bie  gerabc 
am  Ufer  tag  unb  fid)  fonnte.  Daburä)  nnirbe  bie  ©locfe  gebannt 
unb  fonnte  nidjt  jurücf.   Die  anbere  rief  ifyr  311: 

„Sinuc  Sufanne,  fomm  mit  mir  gefduoinb!" 
fic  aber  antwortete  traurig: 

„$<fy  fann  nidjt,  ©cliebte,  gebunben  idj  bin!" 
darauf  mu&te  bie  gtoeitc  ©locfe  allein  in  bie  Jicfe  be«  See«  gurücf* 
fefyren. 

211«  nun  bie  fdjöne,  große  ®locfe  fo  ba  lag,  ba  oerfatnmelten 
fidj  bie  reiben  ©ut«befifeer  ber  ©egenb,  um  fic  auf  ben  £urm  su 
©üfefom  311  bringen,  »0  fie  nur  für  f  i  e  geläutet  »erben  follte.  Da« 
toollte  aber  nidjt  gelingen,  unb  obgleid)  fie  fed^eljn  ^ferbc  oor* 
fpannten,  fo  fonnten  fic  bamit  boefy  nidjt  Don  ber  (Stelle  fommen. 
Da  fam  ein  armer  $auer  au«  bem  Dorfe  ^arnefom  mit  3toci 
Cdjfen  be«  2Öege«,  Rannte  biefelbcn  baüor  unb  rief: 

„iKun  in  ©ottcö  Hainen, 

$ür  fteidje  unb  für  2(rme!" 
Damit  trieb  er  bie  Sicre  an,  unb  fic  sogen  olwc  Söefc^trerbc  bie 
©locfe  nao)  ^arnefom,  loo  fie  im  £urm  aufgehängt  tourbe.  Da« 
bortige  ©eläut  ifl  nod)  jefct  ba«  fer/önfre  im  ßanbe. 

Der  fdm>ar$e  See  f;at  neben  oielen  anberen  ^if^en  audj  feljr 
grofje  {>ed;te,  bie  ba«  Sonberbare  Ijaben,  bafc  fic  eine  Äroue  auf 
bem  Äopfe  tragen.   2Wan  fann  fie  aber  nur  feljr  fdnoer  fangen. 

lemme,  sSoltefagen.  91r.  207. 

253. 
Sodjem 

Der  ftanglturm  in  Sd)n)erin«bnrg  ftebt  mit  bem  n?of>l  eine 
ÜWeile  bauen  entfernten  Steinturm  oor  Inflam  burd)  einen  unter* 
irbifdjen  ©ang  in  ^erbinbung,  ber  aud)  nod)  bi«  tief  in  bie  Stabt 
hinein  fid|  erftreeft.   ^efet  ift  biefer  ©ang  311111  gröHtcn  Xeile  3er* 


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202 


fallen;  angelegt  warb  er,  bamit  bie  Hnflamer  bei  ^Belagerungen 
nidjt  ganj  t?on  aller  3ufu^r  abgefdjnittcn  werben  fönnten.  ?lud) 
fanben  in  bem  ^anglturm  gemeinte  ^Beratungen  einer  SBrüberfdjaft 
ftatt,  bie  älmlid)  waren,  wie  bie  Freimaurer,  ^crc»  Flamen  ntan 
aber  jefct  uid)t  mein*  fenut. 

$m  3ufamtnen^anÖ  bamit  fteljt  ein  wwünfdjte«  Scfen,  ba« 
bis  anf  ben  heutigen  Xag  in  bem  (Dange  fein  Sefen  treibt.  ($« 
ift  ba«  ein  ganj  fleiue«  Üftännd>en,  ^otfjem  9lbt  genannt.  Da«= 
felbe  fäl;rt  jebe  9?ad)t,  Sd^lag  ^mölf  llfyr,  mit  einem  Sagen,  üor 
ben  feefy«  weifte  9)Jäufe  gefpannt  finb,  oom  ^anglturm  in  Sdjwerin«* 
bürg  ab  unb  bringt  bie  Sdjäfee  beweiben  uadj  Inflam  jum  Stein* 
tnrm.   Um  ein  llljr  ift  nidjt«  meljr  oon  tfmt  ju  feljen. 

Ginft  pflügte  ein  SBauer  auf  bem  Stridj  Vanb,  weldjer  3Wi« 
fd;en  ben  beiben  Jürmen  liegt,  unb  jroar  gerabe  in  ber  NJfid)tung 
be«  untcrirbifdjen  ©ange«.  Da  ftieg  mit  einem  sDfale  ^0(^em  9lbt 
üor  il»n  au«  ber  (Srbe  Ijerau«  unb  fprad) :  „£)Öre  SBauer,  bu  fannft 
mir  einen  Dienft  erweifen.  Der  ©ang  ift  feit  furjem  oerfdjüttct, 
unb  idj  fann  bcöljatb  mit  meinem  Sagen  nidjt  me^r  gum  Stein* 
türm  gelangen;  beim  oor  aller  Seit  klugen  unter  freiem  Gimmel 
mit  meinen  üfläufen  über  ba«  ftelb  3«  fahren,  fte^t  mir  nid/t  an. 
Senn  bu  wiüft,  fannfi  bu  mir  aber  au«  meiner  SRot  Reifen.  Spanne 
beine  beiben  jungen  Cdjfen  au«  unb  faufe  bir  ein  ^aar  ftarfe,  alte 
Siere,  Weld)e  fdmurgerabe  iljren  Seg  mit  bem  ^fl»8c  nehmen. 
Sobann  fefee  fjart  beim  ^anglturm  ben  $flug  in  ben  ?lcfer  unb 
jiefy  eine  fturdje  bi«  gum  Steinturm;  bort  feine  um  unb  wirf  bidjt 
bauebeu  eine  neue  ^urdje  bis  junt  5an9^"rm-  9an3c  muB 

aber  Sdjlag  $wölf  Ufn*  beenbet  fein.  Xtyuft  bu  ba«,  fo  follft  bu 
jur  SBelofmung  5dm  mal  meljr  ©elb  oou  mir  empfangen,  al«  bie 
neu  getauften  Odjfen  wert  finb." 

Die«  (Defdjäft  beulte  bem  53auern  ntc^t  übel,  unb  er  ging 
fofort  baran,  ein  ^aar  alte  Cdjfen  $u  taufen.  Dann  pflügte  er 
lo«,  unb  ba  ber  ?ltfer  drOsch  (b.  I).  brad>liegenb  unb  mit  fllec  be* 
wadjfen  mar)  war,  fo  fam  e«,  bajj  bie  beiben  neben  cinanber  baljiu* 
laufenben  3"Ur^e"/  eine  bÜX  Merten,  bie  aubere  jur  t'infeu,  in 
ber  Sftitte  ba«  ©rbreidj  bcrgeftalt  gegen  cinanber  warfen,  bafc  e« 
Wie  ein  Dart)  ftanb  unb  einen  fortlaufenben  ©ang  bilbete. 

%[*  nun  ber  SBauer  mit  feinem  öefpann  wieber  am  &angl= 
türm  angelangt  war,  ftanb  ^otym  Slbt  fäon  mit  feinem  ®ef%t  ba. 


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203 


Die  fecf)$  weiften  üftäufe  waren  wot)l  bretmal  fo  groß  wie  gewör)nlid)e 
üüiäufe,  bocf)  far)  ber  Sauer  genau,  baS  e£  feine  Statten  n?aren. 
Sefjr  willig  nar)m  fid)  bagegen  ba8  Heine  SBägeldjen  aus  mit  feinen 
blifcblanfen  SHäbern.  Oodjem  H&t  teerte  fidj  jebod)  nicr/t  an  ba3 
Stauneu  beö  <D?annc£,  fonbern  banfte  irun  freunblid)  unb  überreichte 
ifnn  ein  Säftdjeu,  melcfjeS  gauj  mit  Gwlbftüden  angefüllt  war.  Dann 
jagte  er  gu  ifjm:  „$öenn  bu  aeffu  3af>re  über  ben  heutigen  Vorfall 
fdjweigen  fannfi,  fo  fomm'  um  biefcfbe  ßeit,  tu  ber  bu  midj  fyeute 
gefeljen  Ijaft,  wieber  unb  pflüge  bie  beiben  ^urdjen  not§  einmal, 
benu  wafjrfdjcinlicr;  werben  bie  alten  bann  fctjon  tetlweife  wieber 
verfallen  fein.  9ieid;licr)er  Vorm  fotl  bir  audj  bann  für  beine  Arbeit 
»erben." 

Mad)  biefen  Korten  trieb  ftocfyem  9lbt  fein  wunberlidjeS  ®c- 
fätut  an  unb  faufle  bamit  unter  bem  fcfn'ujenben  (Srbbad)  nad)  beut 
£tetnturnt  bei  ^Inflam  $u.  Der  Sauer  aber  fuljr  freien  SRutö 
nad;  .$aufe  unb  warb  burcr)  ba$  erf/altene  ©olb  ein  fteinreidjer 
iDJaun.  Wdnsbeftoweniger  lieft  er  eS  fidj  nicr/t  entgegen,  nadj  $er)u 
^af/ren  noef;  einmal  für  ^odjem  Slbt  $wei  fturdjen  $u  sieben,  unb 
ba  er  feinen  SRunb  gehalten  t)atte,  fo  erbielt  er  audj  bieSmal  bie- 
felbc  grofte  Selolmung  für  feinen  geleifteteu  Dienft. 

Münblia)  aus  ©eaejin,  Ätei«  Slntlam. 

254. 

$a«  öerfunfene  Sdjtoft  auf  bem  ^aitäbcrg. 

©ine  i>iertelmeile  Don  ^apenjin  entfernt  liegt  ber  .frauSberg. 
3(uf  if/m  foll  uor  Reiten  ein  Sdjloft  geftanbeu  l;aben,  in  bem  jtoci 
Damen,  manche  fagen,  e$  waren  Tonnen,  gcwotjnt  fmben.  (Sineö 
^ac^tg  ift  bie  93nrg  jeboef;  in  bic  (Srbe  rjerfuufen,  unb  fcon  ber 
ganzen  ,£)errlicr/teit  blieb  nur  ein  tiefes  t'od)  auf  bem  Öipfel  beö 
$ügel«,  weldjeS  aud)  ^eute  nod)  31t  fet/en  ift. 

(Sinft  fpielteu  bort  gwei  Knaben,  unb  mutwillig,  wie  ftinber 
finb,  warf  ber  eine  bem  anbern  bie  tDiü^e  in  ba«  Vod).  Der  arme 
kleine  frodj  feiner  tfappe  nad)  unb  fam  nad)  einiger  Seit  in  einen 
groften  tffaum,  wo  ein  alter  ÜJknn  cor  einem  Jifdjc  faft  unb 
fd)rieb.  ttacfjbem  berfelbe  ben  Unfall  beö  Äiubeö  erfahren,  fcf/üttete 
er  if)in  bie  verlorene  3)2üfee  oolt  ®elb  unb  ließ  e$  auf  bie  Dberwelt 
aurücf. 


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204 


311*  ber  anbere  ßnabe  bie  reiche  s3elo1;nung  feine*  ©efäljrten 
faf>,  warb  er  netbifc^  unb  ftürjte  fidj  audj  in  baS  £odj  hinein; 
bodj  t»at  man  ilm  nie  wieber  gefefyen. 

ÜWünblia)  au$  ^apenjin,  ÄteiS  Inflam. 

255. 

$te  (Dürfen  üon  3<M>tB&in. 

3?or  fielen  ^atyren  Tag  $wifd)en  $af  en^n  unb  $f  en  ein  grofceö 
Dorf.  GineS  Wadus  ift  baäfelbe  mit  SWann  unb  9J?auS  ferfunfen, 
unb  als  am  anbern  borgen  bie  l'eute  hinein  wollten,  fanben  fie 
ftatt  bc«  Orte«  einen  See,  auf  bem  nur  nod)  bie  brei  #irdjenglo<fen 
Ijerum  fdjwammen. 

Üttan  fifd)te  biefelben  auf,  unb  ein  jebeS  oon  ben  beiben 
9iad)barbbrfern  machte  feine  Diente  auf  bie  fdjönen  ©lotfen  geltenb. 
"Die  $fener,  weldje  juerft  an  ber  Stelle  waren,  fugten  fie  fid)  mit 
©eroalt  anzueignen.  916er  obgleich  fie  fedjjefm  ^ferbe  9?orffann 
Ratten,  bie  ©locfen  rührten  fid}  nidjt  ton  ber  Stelle.  $a  machte 
fid)  ein  3apen$iner  mit  feinen  gwei  ^ferben  an  bie  Arbeit,  unb  nun 
folgten  fie  ganj  leidet.  $>a  faljen  bie  £eute,  baß  bie  ©locfen  naa) 
^apen^in  wollten. 

yiod)  heutiges  XageS  fdjwimmt  an  jebem  ÜWarientag  eine 
©lotfe  auf  bem  Spiegel  biefeS  See*.  Sollte  eS  einem  gelingen, 
ein  £ud)  auf  fie  gu  werfen,  fo  würbe  fie  auf  ber  Oberpdje  bleiben 
muffen  unb  fönnte  (eidt)t  aufgefifdjt  werben.  $)ie  Hütejungen  Ijaben 
barum  in  biefen  Reiten  fefjr  2ldjt  auf  ben  See. 

Gbenbaljer. 

256. 
»meto. 

(£twa  eine  3?iertelmeile  fom  Strecfelberg,  einem  Vorgebirge 
ber  ^nfel  Ufebom,  nid)t  weit  Don  bem  $orfe  ^innowi^  $at  for 
fielen,  fielen  ^afiren  eine  gro&e,  mächtige  Stabt  geftanben,  weldje 
SBtneta  ober  beliebig  (Fenedich)  tjte§.  Sie  war  ganj  ungeheuer 
reicr).  SRingS  um  fie  Ijerum  lief  eine  Ijofje  üttauer,  unb  in  berfelben 
waren  brei  frädjtige  Xfjore,  wcldje  ganj  fon  Silber  unb  ®olb 
aufgeführt  waren  unb  fiele  fjerrlidje  Silbwerfe  an  tyrer  Ober« 
fläche  trugen. 


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20f) 


(So  retc^  bicfc  <5tabt  ober  mar,  fo  gottlo«  maren  aud)  iljre 
(Sinmotyner.  Obgleich  oiele  Siirdjen  in  $?enebia,  ftanben,  fo  befanben 
fid>  bodj  be«  ©onntag«  bie  ^rebiger  immer  gan$  atlcin  in  ben 
weiten  Räumen,  ba  e«  niemanb  meljr  für  nötig  tn'elt,  bem  ©otte«* 
bienfie  beiaumotjnen.  Äleine  i'ödjer  in  ben  täuben  ^aben  bie 
freoetyaften  tfeute  mit  93rot  »erftopft,  iljrc  Äinber  mifdjten  fie  an« 
reiner  Solluft  mit  gartem  Semmetfrum,  nnb  bie  Sdnoeine  ließen 
fie  an«  gotbenen  Drögen  freffen,  unb  felbjt  bie  maren  ifjnen  nodj 
nidjt  gut  genug. 

(Snblid)  mürbe  e«  bem  lieben  ©ott  ber  ^reöcttl;atcn  $u  trief, 
unb  er  befdjloß,  Sineta  untergeben  $u  taffen.  3tn  einem  frönen 
«Sommertoge  ert>ob  fidj  plöfeti^  ein  große«  Setter,  bie  (£rbe  tlmt 
fidj  auf,  bie  Sellen  brauen  über  bie  <Stabt  herein  unb  begruben 
allen  föeidjtum  unb  alle  $rad)t  mitfamt  ben  gottlofen  (Sinmoljnern 
für  immer  in  tyrem  faltigen  Gaffer.  9tur  ein  einziger  2J?ann,  ber 
fromm  mar,  fefete  ftcf^  auf  fein  fd)netle«  ^ferb  unb  eilte  baoon. 
Die  Sogen  ftüraten  hinter  itym  Ijer,  allein  er  entfam  glücflidj  nadj 
Soferom,  unb  ba  mar  er  gerettet.  <Sein  ^ferb  aber  bradj  audj 
fogleidj  tot  unter  iljm  aufammen. 

©o  ift  Stneta  untergegangen;  aber  alliäfjrlidj  am  ^eiligen 
Dftermorgen  ergebt  e«  fidj  au«  ber  ftlut  unb  tan^t  unb  fpringt 
freubig  über  ben  Sogen.  Rubere  fagen  aud},  wenn  man  8onntag« 
um  bie  9ttittag«ftunbc  über  biefe  Stelle  auf  einem  Söote  balun 
faljre,  fo  tonne  man  nodj  beute  genau  bie  »erfrfjiebenen  Strafen 
unb  bie  fdjönen  tfirdjen  auf  bem  ©eegrunbe  liegen  feljen. 

9Künblia>  unb  nad)  Äuf)n  unb  ©a>n»atfe,  9iotbb.  Saij.  <Jlr.  31. 

257. 

$ie  golbene  $emtc  in  Stueta. 

93or  oielen  ^abren  lebte  in  Sineta  ein  alte«  ättüttter^en. 
2)a«  ^atte  eine  abfonberlidje  $>enne,  meiere  jeben  Sag  ein  golbene« 
<£i  in  ba«  9?efi  legte.  ^>^re  9Jad}barn  mußten  ba«  nidjt,  unb  barum 
munberten  fte  fidj  fe&r,  moljer  ba«  ÜHütterdjen  iljren  großen  sJieia> 
tum  tyabe.  (5infl  befugte  fie  ein  entfernter  93ermanbter,  bem  er^lte 
fie  oon  bem  ^u^ne. 

„©",  fagte  ber,  „ba«  mußt  bu  nodj  fdjlauer  anfangen,  $efet 
er^älft  bu  täglidj  nur  ein  Qi;  befolge  meinen  9tat,  unb  bu  ^aft 


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206 


baoon  Xag  für  £ag  eine  große  ÜWenge.  ©ringe  unten  in  bem 
$)üf)nerforbe  eine  klappt  an.  SBcnn  nun  bic  .J>enne  gelegt  f>at,  fo 
nintmft  bu  ifyr  Ijeimlid)  ba«  @i  unter  bem  ?eibe  fort,  Da«  lier  toirb 
anfftefjen  unb  ba«  @i  begarfern  toollen.  (£«  finbet  nicfjt«  unb  legt 
flug«  nod)  ein«,  bei  bem  bu  e«  bann  toieberum  fo  madjft,  toie  bei 
bem  erften.  9luf  biefe  Seife  fannft  bu  fo  oiel  (Sier  erlangen,  wie 
bu  nur  fyaben  nnllft." 

tiefer  fflat  leuchtete  bem  alten  9)fütterd)eu  ein,  unb  ba  il?r 
großer  9tri$tum  e«  otynebie«  maßlo«  gelbgierig  gemalt  fyatte,  fo 
ging  e«  foglei^  au  ba«  Serf  unb  oerfertigte  bie  Etappe.  Sil*  nun 
am  anbern  üWorgen  ba«  £>ulm  fto)  in  ben  tforb  gefegt  fjatte  unb 
ba«  Seib  glaubte,  jefct  fei  ba«  ©otbei  gelegt,  fo  griff  fie  eilig  burd) 
bie  Etappe  unb  fu^r  bem  Hier  unter  ben  t'eib.  3tber  fie  ertoifa)te 
fein  (5i,  fonbern  einen  Settel.  $$ertounbert  30g  fie  Um  berau«,  unb 
ba  ftanben  auf  ifun  bie  Sorte: 

„Du  fudjft  mid)  ju  betrügen, 
9lun  ftraf  id>  bir  ba«  2ügen". 

Äaum  fatte  fie  biefe  Stferfe  $u  6nbe  gelefen,  fo  führte  fie  auf 
bie  $enue,  um  loenigften«  biefe  ju  retten.  9lber  ba«  £u!m  toar 
»erfajtounben,  unb  mit  ben  golbenen  Stern  ift  e«  für  immer  oorbei 
getoefen. 

»blieb  aus  ber  >fel  ©otlm. 
258. 

$er  Jungfernberg  jn  iHaufwitj. 

33ei  SRanftoife  auf  Ufebom  liegt  ein  öerg,  ben  mau  ben 
Jungfernberg  nennt.  Den  tarnen  Ijat  er  baoon  ermatten,  baß 
einmal  oier  Jungfrauen  in  bem  Dorfe  gelebt  fmben,  bie  oon  einer 
folgen  Xangluft  befeffen  getoefen  finb,  baß  fie  be«  Sonntag«,  anftatt 
in  bie  flirdje  31t  ge^en,  auf  biefem  Serge  fort  unb  fort  getankt 
Imben.  Dafür  Ijat  fie  benn  Gtott  geftraft,  inbem  er  fie  unter  biefen 
93erg  begrub. 

Semmc,  ^oltsfagen.   91t.  230. 
259. 

$ie  Herzauberte  $rmjefftn  int  Sollen. 

Huf  ber  Jnfel  Ufebom,  nidjt  weit  oon  bem  Dorfe  Äamiufe 
am  $aff,  liegt  ein  93erg,  ber  ©ollen  ober  (Gollenberg  geheißen. 


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207 


<£r  ift  in  ganj  Bommern  tuegen  ber  frönen  SluSfidjt  befannt,  bic 
man  oon  [einer  3pu)e  au«  l?at.  tiefer  33erg  nun  entftaub  auf 
folgenbe  Seife: 

Jn  alten  fetten  lebte  auf  Ufebom  ein  prft,  ber  nur  eine 
einige  2od)ter  uub  uicle  ^c^äfec  Ijatte.  Da  er  fetjr  geiäig  war, 
fo  gab  er  bei  feinen  Ccbjeitcn  nidjt  311,  baß  bie  ^rinjeffin  heirate, 
um  mdjtö  fcon  feinem  ®olbe  miffen  ju  muffen,  fonbern  er  tote« 
alle  freier  auriief.  Sic  er  nun  enblirf)  ftarb,  war  feine  £odjter 
mittlerweile  in  bie  Jal;re  gefommen  unb  ebenfo  hägltdj  geworben, 
als  fie  früher  fd)öu  gewefen  war.  Deshalb  wartete  fie  aud?  Der 
gebenS,  bajj  fid>  nod)  ein  freier  mclbcn  würbe. 

^ulefct  erfd)ien  iubeS  ein  mächtiger  tauberer,  ber  wollte  i^r 
bie  .§anb  reiben.  tHber  weil  er  grunbl)ä§lid)  war,  fo  gab  fie  iljm 
einen  korb.  Darüber  ergrimmte  ber  9Mamt  uub  üermanbelte  ba« 
<2d)lo§,  in  weltfern  fie  wohnte,  in  einen  SJerg  unb  bannte  fie  mit 
ihren  2dj%n  auf  ewige  Reiten  in  benfetben  hinein.  Dabei  fpradj 
er  bie  Sorte: 

J)ä  liggt  dat  (Jollen  (Gold), 

Schall  ml  wol  äewer  hollen, 

Bet  stumm  'n  bötern  Frijor  kümmt, 

Up'n  Hansdach,  'n  rein  Sundachskind!" 

Der  23erg,  ber  alfo  entftanben  war,  erhielt  oon  ba  an  ben 
Tanten,  ben  er  nodj  führt,  unb  bie  t?erwünfd)te  ^rinseffin  muß 
feitbem  im  Jnnern  beSfelben  bei  ihren  Sdjäfceu  fifeen  unb  fie  hüten. 
3llle  Jahre  auf  ben  Johannistag  fommt  fte  heraus,  um  511  fcljen, 
ob  ber  ftumme  freier,  baS  reine  ^onntagSlinb,  fie  nod>  nicht  freien 
unb  erlöfen  will. 

3ulefct  ^at  man  fie  nod)  im  Jahre  1822  gefetyen.  9tm 
Johannistage  biefeS  Jahres  fpielten  einige  Minber  au«  bem  beuaa> 
borten  Dorfe  am  (Mienberge,  als  fie  auf  einmal  oon  biefem  herab 
fam  unb  auf  bic  kleinen  zuging,  ftinber  liefen  aber  fdjreienb 
baüon.   Da  fah  man  fie  langfam  unb  trauernb  äurücf  f ehren. 

Scmme,  ^oltefaaon.  vJlr.  172. 

260. 

X>ie  fdjwarje  ^rau  auf  bem  ©otm. 

Stuf  bem  ©olm  bei  ©wtoeinitabe  lä&t  ftd)  alle  Johannistag 
eine  fa^war^e  ftrau  m^  e'"em  Q^o^en  ©chlüffelbunb  feljen,  bie  will 


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208 


erlöft  fein.  —  2ln  biefem  Sage  fam  audj  einmal  eine  arme  ftrau 
auf  ben  Söerg,  bie  fammelte  trotfene  33ud)nüffe,  unb  als  fic  nad; 
$aufe  fam,  Ijatte  fie  bie  gan^e  iHepe  voller  ©olbftücfe. 

©in  anbermal  famen  ein  ^aar  Üttäbdjen  am  ftolmnntetage 
auf  ben  33erg,  unb  e£  mar  gcrabe  ber  (Geburtstag  ber  einen.  9118 
fie  nun  oben  toaren,  fam  tljnen  alles  ganj  oeränbert  vor,  unb  fie 
fafjen  fogar  ein  $)auö  fteljcn,  burd)  beffen  5cnf*cr  cmcn  a^en 
üDJann  mit  langem  Söavt  erblicften,  ber  eifrig  mit  (#clb$äl)len  be* 
fdjäftigt  fd)ien.  2113  fie  einige  Stritte  meiter  gingen,  fafjen  fie  in 
ber  fterne  eine  fdjroarje  o^auengeftalt  a»f  ficf>  $u  fommen,  bie  Urnen 
freunblid)  njinfte  unb  auf  ein  i'odj  im  Serge  geigte. 

C£rft  glaubten  fie  faft,  e3  fei  eine  9fad;bariu  unb  gingen 
näfyer,  aber  alSbalb  erfannten  fic  iljren  ^rrtum  unb  mollten  um« 
feljren.  Da  oerroanbelten  fidj  bie  $üge  oer  $rau  unb  maren 
fdjrecflid)  anjufeljen;  fic  roitdjö  gemattig  üon  ber  (Srbe  empor,  ifjr 
langet,  fd)roar$e8  $)aar  flatterte  im  SBinbe,  unb  nun  flog  fie  gar 
burd)  bie  Vuft  bafyer  auf  fie  311.  Da  flogen  fie  eitig  oon  bannen, 
ben  fteÜeu  53crg  fjinunter,  aber  bie  fd)mar$c  $rau  bratifte  ftetä 
hinter  tr)nen  t;er  unb  liefe  erft  00m  Verfolgen  ab,  a($  fic  unten 
auf  ber  SBiefe  anlangten. 

Sind)  einem  SDianue  begegnete  bie  fdjmarje  Qfrau  eiuft  auf 
bem  ©olm  unb  minfte  tym,  in  eine  offene  fyöfyk  mit  tnnabjufommen. 
Da  ging  er  benn  einen  langen  ©ang  hinunter  unb  fam  in  ein 
grofted  ÖJeroölbe,  mo  große  mit  ©olb  unb  «Silber  gefüllte  Äifien 
ftanben,  au$  benen  er  feine  £afd)en  füllte.  Darauf  minfte  fie  il)m 
metter  $u  fommen,  unb  er  folgte;  aber  plöfetid)  erfaßte  ilnt  ein  ge* 
mattigeä  brauen,  unb  er  flolj.  Da  fdjlug  ber  öerg  fracfyenb  hinter 
iljm  jufammen;  brinnen  Ijörte  mau  aber  no$  lange  ein  fläglidjeS 
^ammergetyeul. 

StuS  Sroinemünb«:  Äut>n  u.  6a?roarfe,  Wotbb.  6aa.  <Rr.  30. 

261. 

$ie  wctfjc  fttau  auf  bem  Äalfberge. 

2luf  bem  Salfberge,  unmeit  ber  Soljlbrütfe  bei  <3minemünbe, 
läjjt  fidj  $u  gemiffen  Reiten  eine  roeifce  ftrau  mit  einem  großen 
©unb  Sdjlüffel  fefyen,  bie  auf  (Srlöfuug  ^arrt.  So  fal)  fie  audj 
einmal  ein  ÜWann  aud  ©mtnemünbe,  als  fie  gerabe  tyre  sä$ä|d;e 


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209 


im  naljeliegenben  See  mufdj.  $)a  rief  er,  al$  er  bei  it)r  mar: 
„@ott  Ijelf".  Sie  aber  mürbe  fc^r  sorntg  unb  rief:  „§ätteft  bu 
„@ott  Ijelf  und  allen"  gef proben,  fo  mär'  id)  erlöft,  aber  fo  muß 
id)  nodj  ferner  manbeln".  Unb  bainit  warf  fie  ifym  it)r  S3unb 
Sdjlüffel  inö  ©enirf.  Der  üflann  eilte  fdmell  uadj  |)aufe,  aber  e$ 
mäffrte  nur  brei  Sage,  ba  mar  er  tot. 

SluS  Swinemünbe:  Äubn  unb  Sdjroarfe,  Worbb.  Sag.  91t.  29. 

262. 
L 

Bt  Ueckermünn  liggt  6n  Dorp,  höt  Lükow.  Da  in 
de  Kirch  sin  drö  Klocken,  d6  gän  immer:  „Anna  Süsanna, 
wenn  d'  met  wist,  denn  kumm.u  Fruer  was  da  mal  6s 
ne  Klock,  dö  foel  mal  runner  un  was  verschwunnen.  Da 

kern  6s  6n  Maeken  met  6n  Süborch.  DO  woelt  de  Eid 
up,  un  dä  fünnen  de  Lued  de  Klock  und  häbben  drö 
Klocken  üt  mäkt.  Wil  nü  dat  Maeken  Süsanna  harr 
hfiten,  säggen  de  Klocken  immer:  „Anna  Süsanna,  wenn 
d'  met  wist,  denn  kunim." 

2«ünbli(b  ouö  ttdermimbe. 

n. 

(Eine  SReile  oon  Ücfermünbe  bei  bem  ©ute  Vogelfang  liegt 
eine  gro&e  5Biefe,  auf  ber  et)emal$  ein  £)orf  geftanben  f>aben  foll. 
93or  langen  ^aljren  hütete  einmal  ein  $)irt  ^ter  feine  Sdjmeine. 
2U3  er  nun  faty,  bafj  einä  ber  liere  immer  an  einer  unb  berfelben 
Stelle  bie  Grbe  aufrollte,  mürbe  er  neugierig,  ging  felbft  Inn  unb 
falj  nun  ben  Snopf  einer  QUocte  au$  ber  <5rbe  hervorragen.  (Jr 
rief  mehrere  Ceute  Ijerbei,  meldje  eine  grofee,  fetjöne  ©foefe  IjerauS* 
gruben. 

$ie  Stabt  Ücfermünbe  machte  barauf  3(nfprüd}e  an  bic  @Ho(fe, 
unb  bie  ^Bürger  famen  mit  einem  Sagen,  ber  mit  adjt  ^Jfcrbcn 
befpannt  mar,  um  fie  in  bie  Stabt  $u  fdjaffen.  Allein,  fooiel  fie 
fiel)  audj  abmühten,  bie  ad/t  ^ferbe  oermodjten  bie  i'aft  nid)t  oon 
ber  Stelle  $u  bringen,  ©äljrenb  fie  fid)  nodj  bamit  quälten,  fam 
juf&Uig  be«  ©ege«  ein  Öucfomer  Jöauer  mit  feinem  Odjfengefpann 

14 


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210 


baljer.  Der  lub  bie  ©locfe  auf,  unb  [eine  beiben  Cdjfen  jogen  fic 
ganj  leicht  nad)  Cucfom.  Dort  würbe  fic  im  Kirchturm  aufgefangen, 
mo  fic  nod)  ift. 

Diefe  ©locfe  §at  einen  fdjönen  ftngenben  Xon,  unb  wenn  man 
genau  juhört,  fo  fann  man  fören,  mie  fic  beim  flauten  immerfort 
bie  ©orte  fingt: 

„Süborch  —  Damgärden!u 
Sie  toitt  baburdj  baS  $(udroür)len  beS  Sct»meinS  (Süborch)  unb 
beu  tarnen  beS  oerfunfenen  Dorfes,  bem  fie  $ugehört  fat,  be* 
3ci<hnen. 

lemmc,  <Boltefaflen.  Wr.  268. 

263. 

$ie  Jungfrau  int  3tegenorter  i^orft. 

Jn  bem  3'e3cnor*cr  5orP  ^toif^en  Stettin  unb  Ücfermünbe 
fat>  man  in  früheren  fyittn  oft  eine  meiße  Jungfrau  f^n,  bie 
taut  meinte  unb  ftagte.  ®emöhnlich  faß  fie  an  einem  Keinen  $3ad)e 
im  £1jal;  benu  borthin  mar  fie  gebannt  morben  unb  tonnte  nicht 
anberS  erlöft  werben,  als  menn  jeinanb  fie  am  Johannistage  burd) 
baS  Sßaffer  trug. 

93iele,  oiele  Jahre  f  at  fie  hierauf  marten  miiffen,  unb  manchen 
Johannistag  ^örte  man  Üj>r  Ziagen  unb  bitten  um  ©rlofung  au 
bie  33orüb ergeh enben  burdj  ben  SBalb  fcfaUen.  91ber  atle,  bie  fie 
fafen  unb  hörten,  fürchteten  fid)  üor  bem  3au&cr  unD  magten 
nicht  heran  $u  fommen,  fonbern  machten,  baß  fie  eilig  oon  bannen 
famen. 

Gnbtich  fdjlief  einmal  an  einem  Johannistage  ein  Jäger  an 
bem  Sache  ein.  3Öie  er  nun  gegen  3Jfittag  aufmachte,  fah  er  bie 
Jungfrau  in  munberbarer  Schönheit  oor  fich  flehen.  Sie  meinte 
unb  flagte  bitterlich  über  ihr  großes  (Slenb  unb  bat  ihn,  baß  er  fie 
bura)  bie  fturt  tragen  möge.  Da  mürbe  ber  Jäger  gerührt;  er 
faßte  fich  eut  natym  fie  auf  feinen  2(rm  unb  trug  fie  eilenbs 
burch  bie  ©eilen  beS  ! leinen  Saaßes.  Unb  als  er  fte  an  ber  anbem 
Seite  auf  baS  grüne  Ufer  legte,  mar  plöfclich  ber  3auber  gelöft 
unb  bie  Jungfrau  oerfdnounben.  Slber  an  ber  Stelle,  mo  fie  ihm 
erfchienen  mar,  fah  ber  SWann  einen  großen,  unermeßlich  reichen 
Sdja^  liegen,  melden  bie  Jungfrau  hatte  Oermahren  muffen.  Den 
nahm  er  gu  fich  unD  Ntc  genug  D^an  fein  lebelang. 


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- 


211 


ÜJlon  erzählt  audj,  ba§  einige  $eit  oor  ihrer  (Srlöfung  bind) 
ben  Jäger  an  einem  Johannistage  ein  ©auer  mit  einem  <Juber 
§ol$  bei  ihr  »orbeigefommen  fei.  Den  hat  bie  Jungfrau  freunblich 
angerebet  mit  ben  ©orten: 

„Lad  af  dln  Föder  Holt! 

Lad  up  Ön  Föder  Gold! 

Drag  ml  hir  däer  därvan, 

Soll  6k  nich  schwöre  gän.M 
Der  Sauer  fyat  aber  feine  Öuft  ju  bem  (ErlöfungSmerfe  gelobt, 
fonbern  ihr  ertoibert: 

„Dat  Gold  kann  ml  nich  räken, 

Nä  kort  mot  ik't  verläten, 

Där  helpt  ken  höher  Möd, 

Wann  kümmt  dö  bittre  Död  !M 
Darauf  ifi  bann  bie  Jungfrau  unter  großem  Söehgefdjrei  berfa>unben. 

£emme,  SSoltefagen.  9it.  208  au$  ben  Htten  ber  $omm.  ©efeQfcb.  f.  ©efajidjte. 

264. 

$ie  oerfunfeue  ©tabt  im  Öarmfee. 

Ungefähr  eine  SBiertelmeile  oon  $alfentoalbe  liegt  auf  bem 
©ege  oon  St^Igraben  nadj  Stettin  mitten  im  SBalbc  ein  See,  uu* 
gefähr  jmei^unbert  SRuten  lang  unb  tyunbert  9luten  breit,  ber 
©armfee  genannt.  Derfelbe  ift  fdjon  gleidj  an  ben  Ufern  fein-  tief 
unb  foü  in  ber  Üttitte  unergrünbliä)  fein.  Sin  feiner  ©teile  Ijat 
früher  eine  ©tabt  geftanben,  bie  burdj  eine  fdjrecfliche  (Srberfdjütte* 
rung  untergegangen  ift.  Hm  Johannistag  tann  man  bie  ®lorfen 
ber  oerfunfenen  ©tabt  unten  im  See  nodj  läuten  hören. 

$emme,  SoltSfagen.  9ir.  169  aus  ben  Sitten  ber  $omm.  ©efeüfch.  f.  ©efajic&te. 

2G5. 

5>er  GMambeiffee. 

©o  jefct  ber  ©lambedfee  liegt,  fianb  früher  eine  grofje  ©tobt, 
©lambeef  genannt,  meldje  plöfclich  m  bie  (£rbe  oerfunfen  ift  unb 
fobann  oon  ©afferoogen  überflutet  tourbe.  Wod)  iebeS  Jahr,  am 
Johannistage,  mittags  jtoölf  Uhr,  fann  man  bie  beiben  flirren* 

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212 


gtotfen  beS  alten  ©lambecf  in  ber  liefe  be8  <See$  fummen  Ijören. 
Vit  eine  baoon  fjiefc  flugufte  unb  bie  anbere  9lnna  Margareta. 

Ginft  fpielten  Äinber  am  Qoljanniätage  am  (See  unb  mufdjen 
ifyre  ^uppenmäfdje  in  feinem  ©äff er.  £)a  tauften  plöfelid)  bie 
beiben  öiloden  aus  ber  Xiefe  fyeroor  unb  fdjwammen  bem  i'anbe 
$u.  $ie  Sfinber  bauten  ftdj  nichts  babei,  fonbern  breiteten  iljre 
^uppenmäfdje  $um  Irorfnen  auf  ber  einen  bon  ilmen  au$,  fo  ba§ 
biefelbe,  al8  bie  ÜRittagSftunbe  berfrridjen  war,  nidjt  mieber  »er* 
finfen  fonnte.   3»ar  "cf  tyr  °ic  anbere  ©lotfe  nodj  $u: 

„Anna  Margrßte, 
Kumm  mit  tö  Döpel" 
aber  fie  mar  feflgebannt  unb  burfte  nidjt  folgen. 

9iadj  $aufe  anrücfgefeljrt,  erjagten  bie  ftleinen  ifjre  Grlebniffe, 
unb  nun  mattete  fid)  ba8  ganje  T)orf  auf,  um  bie  oerfunfene  ©locfe 
in  ifyre  Rirdje  ju  bringen.  3J?an  Ijob  fie  auf  einen  Sagen  unb 
fpamtte  fec^d  ^ferbc  baoor.  2lber  eS  frudjtete  nidjtS,  bie  ©locfe 
ließ  fidj  nia^t  tum  ber  Stelle  betoegen.  $a,  mit  einem  2Wale  rourbe 
ber  S5oben  unter  iljr  fo  meid;,  bajj  fie  mitfamt  bem  Sagen  unb 
ben  hoffen  roieber  in  bie  bobenlofe  liefe  oerfanf  unb  jroar  fo 
fdjnell,  bap  bie  babei  befdjäftigten  £eute  faum  nod)  tyr  ?eben 
retten  oermodjten. 

3>er  ©lambeeffee  felbft  ift  ungeheuer  tief  unb  nod)  niemals 
foü  ein  üttenfd)  i§n  ergrünbet  fjaben.  $lud)  fagt  man,  er  forbere 
jefceS  $aljr  roemgftenS  einen  flftenfdjen  jum  Opfer. 

SJtünblid)  auss  3abeleborf,  ftr.  9toiibon>. 

266. 

$er  meif?e  §ttnb. 

$n  2)?eflenburg  mar'8,  ba  lag  einmal  ein  SlrbeitSmann  im 
Seite  unb  fdjlief.  2)?it  einem  9J?alc  öffnete  fid)  gan$  leife  bie  $f)üre, 
unb  herein  tappte  ein  roeifjer  §unb.  $5er  fdjlidj  fidj  an  ba£  £ager 
f>eran,  legte  feine  beiben  Sorberfüfje  auf  bie  Dede  unb  meefte  baburd) 
ben  Sdjläfer.  $)ann  fprad)  er:  „©uter  ^rcunb,  fomm  mit  mir 
funauS  in  ben  ©arten.  Sei  beinern  Sacfofen  liegt  ein  Sd^afc,  ben 
fannft  bu  fjeben."  Sdjlaftrunfen  ertuiberte  ber  ÜHann:  „®et)\ 
tag  midj  in  üiulje,  id)  mag  bein  ©elb  nidjt."  2)a  mürben  beö 
£)unbe§  Sorte  brtnglidjer,  unb  er  bat  unb  quälte  fo  lange,  bis  ber 
Arbeiter  tym  ju  ttillfa&ren  uerfpradj. 


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213 


$efct  fat)  er  fidj  auch  ba«  £ier  näher  an  unb  fiebe,  jiatt  ber 
Pfoten  hatte  ber  .£)unb  ein  $aar  fäneetoetjjc  .ftänbchen,  mie  bie  einer 
»orneljmen  Dame.  Da«  machte  it)n  ftufcig,  bod)  weil  er  nun  einmal 
fein  Sort  gegeben  hatte,  molltc  er  e«  nidjt  mieber  aurüefnebmen 
unb  folgte  bem  $unb  in  ben  ©arten.  Äurj  oor  bem  Söacfofcn  blieb 
ba«  Xier  plötjlich  fielen  unb  fagte:  „|>alt,  ein«  habe  id)  noch  Der* 
geffen.  Sßenn  bu  ben  <©djafe  gehoben  t)aft,  fo  bin  ich  erlöj*  unb 
erlange  mieber  üHcnfchengeftalt,  unb  bann  mußt  bu  mich  beiraten." 

„Da«  fehlte  noch  gerabe11,  fd^alt  aber  iefet  ber  Arbeiter  lo«, 
„bafc  id)  a"  meiner  SNten  «0(*>  eine  S^eite  ftrau  *>aju  befäme. 
Wein,  mein  fdjöne«  fträulein,  hebe  fie  fidj  ihren  «Schafe  nur  aüeine." 
unb  bamit  breite  er  fid)  um  unb  ging  in  feine  #ütte  juriief.  Der 
.ftunb  hinter  ihm  brein;  bod)  ba  er  fat),  baf?  ber  3J?ann  unerbittlich 
blieb,  fo  ertjub  er  ein  flägltdje«  ^ammergefchrei  unb  oerfdjroanb  mit 
ben  Korten:    „^efct  bin  id)  auf  emig  verloren." 

9lm  anbern  Xage  oerbreitete  fidj  ba«  ©erüc^t  oon  ber  mmt* 
berbaren  Gegebenheit  im  ganjen  Dorfe,  unb  auch  ber  ©ut«t)err 
hörte  baoon.  Sogleich  ritt  er  Dorn  «Schlöffe  herab  $u  bem  Arbeiter 
unb  fragte  ihn,  marum  er  bie  uertoünfdjtc  Jungfrau  nicht  habe 
erlöfen  wollen.  f°üte  ^r  ia  öerfprechen,  fie  $u  heiraten,  unb 

hab'  boch  fchon  eine  ftrau",  antwortete  er  fleinlaut.  —  „So  toei§ 
er  noch  »tty,  bajj  einer  Jungfer  ba«  ßatoort  geben  unb  fie  heiraten 
jmei  gang  üerfduebene  Dinge  finb?  $>ätte  er  ba«  gräulein  nur 
erlöft,  ba«  übrige  hätte  fich  üon  felbft  gefunben."  Unb  nachbem 
ber  ©ut«befu)er  ba«  gebrochen  hatte,  nahm  er  feine  9feitpeitfche 
unb  prügelte  ben  2J?ann  tüchtig  burch,  unb  bie  tfeute,  meldte  herum 
ftanben,  gaben  bem  $)errn  SWecht,  beim  e«  Jammerte  fie  alle  gar 
ju  fehr,  bajj  bie  fchöne  Qungfer  nun  auf  emig  oerloren  mar. 

ßbenba&et. 

267. 

$ie  fchtoarje  Jungfer  in  ber  Räuberhöhle  bei  ©chraiWeu. 

Sei  bem  Dorfe  Schmöllen,  unmeit  ber  Stabt  fJenfun  im 
Greife  SRanbom,  finbet  man  eine  grofje  £öt)le,  nod)  jefet  bie  SRäuber» 
höhle  geheimen.  Diefelbe  ifi  ber  Schlupfroinfet  be«  Raubritter« 
§an£  oon  SRamin  unb  feiner  ©enoffen  gemefen,  mot)in  fie  alle  ihre 
geraubten  Schäfee  gebracht.  Diefer  §an«  von  föamin  hatte  einen 
©ruber,  ber  in  Schmöllen  mot)nte  unb  eben  fo  gottlo«  mar,  feie 


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214 


jener.  (SinftmalÄ  fyattt  er  ein  abetigeö  ^rräulein  ber  ©egenb  geraubt 
mit  meldjer  er  in  biefe  $öf)le  fluttete.  $itt  mollte  er  fie  gmingen, 
ihm  gu  Sitten  gu  fein;  mie  bie  Jungfrau  fidj  aber  ^artnäefig  gur 
Sehre  fefete,  lieg  er  ihr  ben  Äovf  abplagen. 

Der  (Seift  be$  ennorbeten  ^räuleind  ijt  nachher  noch  lange 
um  bie  Räuberhöhle  herumgegangen.  3ule|jt  tya*  toor  not^  iwty 
gar  gu  vielen  $at;ren  ein  Schäfer  gefehen.  Derfelbe  tveibete  in 
ber  ©egenb  [eine  ^perbe,  als  er  auf  einmal  einer  gang  fdjföar^ 
gefleibeten  Jungfrau  anfid)tig  mürbe,  bie  am  Eingänge  ber  £)öf)(e 
ftanb  unb  it)m  gwvinfte,  gu  ihr  gu  fommen.  2lnfang$  graute  fid) 
ber  3d)äfer,  am  (£nbe  nahm  er  fiefy  aber  ein  §erg  unb  ging  gu  ihr 
unb  folgte  u)r  in  bie  $öty(e  hinein. 

$ier  fanb  er  viele  unb  gro§e  Raufen  öon  ©chäfcen,  unb  bie 
Jungfrau  fagte  ü)m,  bajj  er  bavon  nehmen  fönne,  foviel  er  möge, 
bafj  er  auet)  alle  £age,  aber  nur  um  biefelbe  €>tuube,  mieberfommen 
bürfe.  Der  <2cf>äfer  tljat,  tvie  fie  ihm  geheißen  hatte,  unb  iß  ein 
reid)er  202ann  gemorben.  Die  Jungfrau  f)at  man  aber  feitbem  nicht 
tvieber  gefehen.  sJfur  am  Johannistage  foll  man  in  ber  $>öljle  noct) 
fdjtoadje  ßlagelaute  hören. 

lemme,  $ott&fagen.   92r.  161. 
268. 

Die  verfunfenc  öurg  bei  $arg. 

SBor  vielen  fahren  ftanb  bei  ©arg  eine  alte  Ritterburg.  211* 
man  biefelbe  gerftören  mollte,  ifi  fie  mit  üWann  unb  ÜWauS  in  bie 
Ober  cerfunfen.  Die  Svifce  beg  Sdjlofeturm«  ragt  bis  bicht  unter 
bie  Oberfläche  beS  SafferS,  unb  beö^alb  bilbet  ber  ©trom  an  biefer 
stelle  einen  heftigen  ©trubel. 

Stile  <2ct)iffe,  meldte  bariiber  fahren,  muffen  untergehen.  Unb 
baS  Söunberbarfte  babei  ift,  baß  ftet«  guerft  bie  2ftenf<hen  in  ben 
Slbgrunb  h^abgegogen  »erben. 

Wünblico  aus  ®atj,  ÄteiS  Kanboro. 
269. 

£fittfen  ©reifenlmgen. 

55ei  ©ingloto,  im  Äreife  ©reifenhagen,  liegen  viele  $ünen< 
gröber  beifammen,  mit  (Steinen  belegt  unb  eingefaßt.   Die  bortige 


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215 


ftelbmarf  fycifct  bis  auf  ben  heutigen  Xag  Cüttfen  ©retfenhagen,  uttb 
es  get)t  bie  SRebe  oon  einer  ©tobt  gleiten  Samens,  meldje  cor  3eiten 
an  biefem  Orte  geftanben  t)aben  foll. 

US  t)at  nämlidj  bafelbft  cor  toicten  ^atjren  eine  ^rtiijeffin 
ifjren  Sot)nfife  gehabt,  an  beren  Sdjicffal  baSjenige  ber  Stabt  gebunben 
mar.  Sie  moUte  einmal  über  einen  Sumpf  in  ber  s3iäl;e  ber  §ünen^ 
gröber  get)en,  unb  jn  bem  3nj*(*e  »urbe  ü)r  üon  einem  93äcfer  ber 
Stabt  ein  Seg  üon  Semmeln  gebaut.  Äaum  t)atte  fie  jebod)  it)ren 
ftufj  barauf  gefefct,  fo  bra$  ber  (Steg,  unb  bie  ^rinjeffin  oerfanf 
in  ben  SWoraft.  (Sin  ÖHetdjeS  miberfuljr  audj  ber  Stabt,  unb  bie 
Steine  auf  ben  Hünengräbern  finb  baS  (Sinaige,  maS  oon  tfüttfen 
©reifenden  auf  ber  Oberflä<f>e  ber  @rbe  geblieben  ift. 

3roeitct  ^abresberidjt  ber  CkfeHfcbaft  für  pomm.  ©efebiepte  unb 
3Utettum$tunbe.   S.  44. 


270. 

2>a*  tterfunfene  Dorf  im  9Rabfiefee. 

2ln  bem  3Wabüefee  tag  oor  Reiten  ein  Sorf,  in  meinem  oiele 
Räuber  unb  anbere  gottlofe  üttenfdjen  wohnten.  SefonberS  Ratten 
fie  es  auf  bie  2flönct)e  beS  benachbarten  SlofterS  abgefetyen,  unb  fie 
plünberten  biefetben  au«,  fo  oft  fie  mit  it)ren  eingefammelten  ©aben 
heimfeljrten. 

(Sinft  am  Sanft  Johannistage  fam  au*  ein  Älofterbruber 
mit  oielen  ©aben,  bie  ihm  bie  frommen  «eute  ber  Umgegenb  gefdjenft 
hatten,  an  bem  See  oorbei,  um  in  fein  Älofter  aurücfjufehren.  Sie 
föäuber  Ratten  it)n  bemerft,  unb  auf  einmal  fiel  ein  großer  §aufe 
fcon  Urnen  über  ben  frommen  2Kann  fyv,  natun  ihm  alles  unb  fdjlug 
it)n  blutig,  olme  auf  fein  Sitten  unb  ©e^flagen  ju  hören.  Sa  Oer* 
fludjte  ber  ÜWönch  fie  auf  emige  Reiten. 

2Iugenblicflich  erhub  fuh  ein  entfe^lidjer  Sturm  unb  ein  ge* 
toaltigeS  Umoetter.  Sie  bellen  beS  SWabüefee  fliegen  in  bie  $)ölje, 
mie  fc^redli^e  ©efpenfter,  unb  brangen  auf  baS  Sorf  ein  unb  Oer» 
fd>langen  eS  alfo,  ba§  eS  mit  SWann  unb  9KauS  in  bem  ©runbe 
beS  See«  begraben  tourbe.  Sort  unten  liegen  bie  föäuber  nun 
unb  ^aben  nimmer  8hn>;  benn  ber  flttöndj  t)at  fie  auf  eroige 
Reiten  oerflucht. 


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216 


51m  3<rf>anni*tage  fann  man  nod}  alle  $atye  bie  ©locfen  De« 
T>orfeS  unten  in  ber  ÜRabüe  läuten  fjören.  ©«  barf  fi#  aber  al«bann 
Fein  Schiffer  auf  ben  See  wagen,  beim  ba«  ©affer  »erfdjlingt  an 
biefem  läge  alle«,  was  fi($  tym  na^t. 


3n  ber  ©egenb,  wo  jefct  ba«  Stäbtlein  Serben  an  bem 
üWabüefee  liegt,  Ijat  oor  alten  Reiten  eine  große,  fc^öne  Stabt  ge* 
ftanben.  fäxt  ©ewolmer  Waren  fo  reid),  baß  fic  fity  nur  in  Sammet 
unb  Seibe  fleibeten  unb  tljre  ftutfdjen  nie  anber«,  al«  mit  fedj« 
«Pferben,  befpannten.  <£«  lebte  au$  eine  «ßrinseffin  barin,  bie  wußte 
oor  allem  9lei$tum  ni^t,  wa«  fie  tljun  follte.  #um  Slbenbbrot 
aß  fie  immer  ©efröfe  oon  geringen,  fo  baß  fie  baju  jeben  Sag 
gange  Sonnen  »oll  geringe  oerbraud)te. 

92un  gefdjalj  e«  aber,  baß  eine  teure  3eit  in'«  Sanb  fam  unb 
bie  anbem  Veute  gulefet  gar  nidjt«  mefjr  3U  brechen  unb  $u  beißen 
Ratten.  2>a  gingen  bie  Bürger  gu  ber  reiben  ^ringeffiu,  an  bie 
nodj  feine  9?ot  gefommen  war,  unb  fielen  oor  iljr  auf  bie  flniee 
unb  baten  fie  mit  gerungenen  ,§änben  um  Srot.  Die  ^ringeffin 
aber  ^atte  ein  partes  $erg,  unb  fie  tljat  baber,  al«  I)öre  fie  bie 
tfeute  titelt.  Unb  wie  biefe  gar  mdjt  wieber  gefjen  wollten,  ba  ließ 
fie  gulefet  tyren  £unbejungeu  fommen,  ber  mußte  mit  ber  $)unbe- 
pcitfdje  bie  armen  9Henfdjen  00m  £ofe  lagen. 

Diefe  riefen  iljr  wol)l  gu,  baß  ber  liebe  ©Ott  gegen  foldje 
©artljergigfeit  ein  ©infeljen  fabelt  werbe;  aber  fie  mafye  fid)  nichts 
barau«,  unb  wie  e«  wieber  2(benb  würbe,  fo  ließ  fie  fidj,  wie  fonft, 
gwei  Sonnen  geringe  bringen.  3?on  benen  aß  fie  ba«  ©efröfe,  unb 
ba«  ftleifdj  ließ  fie  in  bie  3)?abüc  werfen,  Weit  fie  e«  ben  armen 
beuten  ntc^t  gönnte,  $a,  fie  ging  in  tyrer  23erftocftl)eit  fo  weit, 
baß  fie  über  s3iad)t  bie  Straßen  ber  Stabt  mit  3alg  beftreuen  ließ, 
al«  wenn  e«  bie  gange  "Dtfadjt  burd)  gefdjneit  fyätte.  Darüber  fuljr 
fie  bann  am  anbem  ÜJiorgen  in  einem  Sdjlitten,  ben  fie  mit  bem 
feinften  Seigenteig  Ijatte  befdjmieren  laffen  unb  fcor  bem  bie  ^ferbc, 
anftatt  ber  Sdjellen,  mit  lauter  Semmeln  bedangen  waren. 


Icmme,  Stoltsfaflen.   Jlx.  163. 


271. 


Tie  alte  Stabt  bei  Serben. 


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217 


?l6er  für  fotdjen  ftreoelmut  blieb  bic  Strafe  nidjt  au«.  Denn 
e$  fnljr  plöfelidj  ein  Sölife  oom  |)immel  herunter,  ber  fdjlug  fic  unb 
it)re  ^ßferbe  tot  unb  riß  ein  große«  £odj  in  bic  (Srbe,  baß  bie  gange 
Stabt  binein  fauf.  Seitbem  ijl  ber  2Habüefee  bariiber  gegangen, 
unb  man  fanu  in  itym  auf  St.  3ot)anni§  Wittag  bie  ©locfen  ber 
oerfunfeneu  Stabt  nodj  Ijeute  läuten  työren.  2lud)  wirft  bie  9ttabüe, 
wenn  großer  Sturm  ift,  oft  3J?cnfd)enfd)äbel  Ijerauä  unb  diägel  unb 
Keffer  unb  anbere  Dinge,  welche  bie  t'eute  gebraucht  fyaben. 
Semmc,  Msfaafit.  Str.  \<k  au§  ben  Stten  ber  $omm.  ÖefcWcp.  f.  Wefdjid>te. 

272. 

$te  ©lorfc  in  ber  3Wartcnfird)e  $u  Stargarb. 

211S  oor  alten  Reiten  für  bie  St.  9)?arientird)e  in  Stargarb 
eine  ©locfe  gegoffen  werben  follte,  würbe  befannt  gemalt,  baß  alle, 
welche  ^aten  p  ber  ©forte  werben  wollten,  p  berfelben  SÖietall 
bringen  unb  in  ben  Cfen  werfen  möchten,  je  met)r,  je  beffer.  darauf 
famen  oiele  t'ente  unb  opferten  311  ber  ©lotfe,  wag  in  ifyren  Straften 
ftanb.  Die  9?eid)en  ließen  filberne  ©eräte  oor  ftcb  ^ertragen,  bie 
fic  prnnfeub  oor  ifjren  Singen  in  ben  JDfen  werfen  ließen.  Rubere 
brauten  meffingne  53ecfen  unb  Veudjter  ober  audj  nur  einen  zinnernen 
Xeller  ober  einen  Pfennig,  wenn  fic  nidjt  mefjr  Ratten.  Denn  jeber 
wollte  fidj  um  bie  ©locfc  einen  ©otte$lof)n  erwerben. 

gulefct  fam  audj  eine  alte  ftrau  an  ben  Ofen.  Sie  war 
gan$  arm,  unb  mau  wußte,  baß  fic  gar  nicljtö  f>atte.  Die  Veutc 
oerwunberten  fid)  baljer,  waö  fie  opfern  werbe,  unb  man  fing  an, 
ifyrer  31t  fpotten.  Sie  feljrte  ftrfj  aber  nid)t  baran,  fonbern  30g 
eine  Solange  fyeroor,  bie  fie  in  ben  glüljenben  Cfen  warf,  iubem 
fie  babei  einige  nnoerftänbltcfje  Sporte  lu'nein  murmelte.  $tta$  baS 
bebenten  folle,  fagte  fie  feinem. 

2lber  als  bie  ©locfe  fertig  war  unb  pm  erften  iDiale  anfing 
p  läuten,  ba  merfte  man  ben  Segen  ber  alten  ftvan.  Denn  oon 
Stunb  an  oerfajmanbeu  alle  Sdjlangen  ring«  um  bie  Stabt,  fo 
weit  man  ben  Xon  ber  ©locfe  boren  tonnte. 

Icmme,  ^oltefaaen.  51  r.  2«9. 

273. 

Der  »nrgwatt  puffen  Sttaricnfltcß  unb  «ofjbcrg. 

3wifc^en  ÜHarienfließ  unb  Foßberg  liegt  ein  großer  föingwall, 
ber  ©urgwall  genannt.   Dort  Ijat  oor  oielen  $ai)ren  ein  prächtiges 


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218 


Sdjlofc  geftanben,  in  bem  ein  alter  $raf  wohnte.  @r  war  uner* 
inefUid)  reic^  unb  fiolj  unb  Ijatte  brei  feljr  fdjöne  Xödjter. 

(SineS  Johannistages  fam  ein  9ttann  $u  iljm  unb  fyielt  um 
bie  §anb  einer  ber  brei  ©räfinnen  an.  „&cr  bift  bu  beim?" 
fragte  ber  Sdjloffterr.  „Jdj  bin  ber  weltbefanute  $auberer  9tum« 
pelpumoel,"  antwortete  ber  (gefragte.  „So,  unb  einem  Haufenb- 
fünftler  foüte  id)  meine  Xodjter  oermäljlen?  .$eba  ^o^ann!  ^rieb» 
ridj!  tarl!  werft  mir  ben  unoerfdjämten  Äcrl  $um  $aufe  hinaus!" 

Die  Liener  traten,  wie  leiten  befohlen  war,  unb  ber  @raf 
[teilte  fidj  au  baS  Surgtfyor  uub  ladjte  über  bie  2öut  beS  gefränften 
^aubererS.  Da  ftreefte  bcrfelbe  feine  $anb  in  bie  «$ölje  unb  rief: 
„3ur  Strafe  foüft  bu  uad)  adjt  Jagen  eines  jäljen  lobe«  fterben, 
unb  beine  £öd)ter  follcn  tief  in  bie  (Srbe  hinein  öerwünfdft  werben. 
sJtur  alle  fmnbert  ^a^re  einmal  am  Johannistage  bürfen  fie  an 
baS  lageSlidjt  Ijeroorfommen,  unb  wer  fie  bann  erlöfen  will,  mag 
es  tlmn."   3US  er  baS  gefagt  hatte,  oerfdjwanb  er. 

3Bie  töumpelpumpel  gefagt  t^atte,  fo  gefdjah  es  aud).  Die 
fommenbe  Söodje  War  gerabe  abgelaufen,  als  ber  ®raf  tot  $u 
93oben  fiel,  unb  in  beinfelben  21ugenblicf  oerfanf  baS  gan3e  Sdjlo§ 
mit  ben  brei  Gräfinnen  in  bie  Üiefe  Ijinab.  Jinmer  naa)  bem 
Verlauf  oon  Rimbert  Jahren  finb  fte  am  Johannistage  aus  ber 
@rbe  herauSgeftiegen,  um  erlöfl  ju  werben;  ihre  Hoffnung  ift  aber 
bis  auf  ben  heutigen  lag  nod)  nid}t  in  Erfüllung  gegangen. 

Münblid)  aus  SRatienfliefe,  ftrei*  Saaji«. 

274. 

$et  Raubritter  $td)ot>. 

Unweit  Isenhagen,  im  Steife  Saajig,  fieht  man  bei  einer 
SSHefe  einen  großen,  trüben  Sumpf.  Dort  tyat  früher  ein  Ijoljer 
S3erg  gejtanben  unb  auf  ihm  eine  fefte  $urg,  in  welker  ein  mäch* 
tiger,  graufamer  Raubritter  Raufte,  SBidjo»  geheißen.  Der  war  nicht 
nur  aller  Äaufleute  unb  föeifenben  Sdjrecfen,  fonbern  auch  bie  ge* 
famte  SRitterfchaft  ber  Umgegenb  fürchtete  ihn.  Denn  auf  feinem 
ftarfen  Sergfchlojj  fonnte  it)m  niemanb  etwas  angaben,  unb  überbieS 
»erfügte  er  über  einen  grojjen  Raufen  wilben,  tapferen  ©efinbels 

Diefer  25ichoo  liefe  beftänbig  auf  ber  ^inne  feiner  Surg  einen 
feiner  t'eute  Sache  fielen,   ftahte  fid}  nun  jemanb,  fei  es  ffltrter 


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219 


ober  Äaufmann  ober  fonfl  ein  SReifenber,  fo  mufete  ber  ©ädjter  mit 
einem  ftlbernen  ©Ibcfdjen  ein  geidjen  geben.  Dann  ftürjte  SMcfjoo 
mit  fetner  Spotte  öon  ber  35urg  herunter,  über  bic  Slrnten  ^cr. 
Dabei  ^atte  er  eine  ©ewotynljeit,  bie  war  folgenbe:  3Öer  fidj  itnn 
wiberfefcte,  ber  würbe  o^ne  ßmabe  mebergeftofcen ;  wer  aber  fein 
Veben  ermatten  wollte,  ber  mufjte  tyin  fortan  bienen.  — 

Den  Kittern  unb  tfanblcuten  ber  ©cgeub  loar  fein  Drucf  am 
©nbe  unerträglich  geworben,  unb  e«  traten  ftd)  batjer  einfhnal« 
ihrer  mehr  benn  $elmtaufenb  üWann  aufammen  unb  belagerten  tfm 
in  feiner  23urg.  Allein  er  oerfoottete  unb  oerhöhnte  fie,  unb  al« 
fie  an  bie  9ttaueru  ^eranrüeften,  go§  er  fiebeube«  Cl  unb  ©äff er, 
Slei  unb  $ech  auf  fie,  atfo  bafe  er  fie  jur  .ftälfte  tötete  unb  bie 
anbere  $)älfte  bie  ^(uc^t  nahm.  Den  ftliehenben  fefete  er  nad}, 
unb  alle,  bie  er  einloten  fonnte,  nahm  er  gefangen,  fperrte  fie  in 
einen  §unbeftalt  unb  fteefte  benfelben  barauf  an,  fo  ba§  fie  famt 
unb  fonber«  jammernd)  oerbrannten. 

Qnfolge  beffeu  war  er  fet>r  übermütig  geworben  unb  befahl 
feinen  Veuten,  bafj  fie  ihn  al«  ihren  Herrgott  anfehen  unb  oerehren 
füllten;  benn  er  fönne  auch  alle«,  wa«  er  wolle.  Das  war  aber 
fein  SSerberben;  benn  al«  er  be«felben  Xage«  mit  feinen  ©enoffen 
ju  £ifc$e  faß  unb  mit  ihnen  am  Rechen  war,  unb  nun,  allen  uner« 
wartet,  ba«  filberne  @föcfd)en  $u  läuten  anfing,  ba  oerjerrte  er  auf 
einmal  gräjjlidj  bie  Slugen,  feine  roten  £aare  fliegen  ihm  ju  93erge, 
unb  inbem  er  einen  gotteöläfterlichen  ftlud)  ausliefe,  oerfanfen  unter 
Donnern  unb  Äradjen  ber  SScrg  unb  bie  ©urg  tief  in  bie  Grbe 
Innern.  Sin  ihre  Stelle  trat  ber  trübe  Sumpf,  ber  nod)  jefet  ba  ift. 

Da«  war  an  einem  ^oljanniatage.  Unb  iebe«$ahr  auf  ben* 
felben  Üag  fann  ber  ©anberer,  melier  um  bie  3Hittag«seit  an  bem 
«Sumpfe  oorbei  geht,  tief  unten  im  ®runbe  ba«  filberne  ®likfd)en 
läuten  ^ören.  G«  Wahrt  fid)  aber  jeber  baoor ;  benn  man  fagt,  wer 
ba«  ©löcflein  ^öre,  ber  müffe  nod>  in  bemfelben  ^ahre  fterben, 
fall«  er  nid)t  mit  bem  Xeufel  im  93unbe  ftet)e. 
Semme,  <Bolt*iaacn.  91t.  159  au§  ben  2lften  ber  $omm.  «ffcllfcbnft  für 
©efcbidjte  u.  »alt.  ctub.  II,  1,  8.  165  fg. 

275. 

$er  SBotufjlfee  unb  bie  Stobt  föoljrbumpf. 

3wifd)en  "Dörenberg  unb  ^afob«^agen,  im  Streife  Saagig, 
liegt  ber  SEBofuljlfee,  in  ben  ein  Steinbamm  hineinführt.   Sin  ber 


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220 


Stelle  be«  ©ee«  Ijat  in  alter  .ßett  eine  große  «Stabt  geftanben, 
bereit  93ewolmer  gottlos  unb  böfe  waren.  Da  fie  fid)  nun  gar 
ntc^t  beffent  wollten,  fonbern  ifne  SBoöfyeit  oon  Jag  p  Jag  mefyr 
wudj«,  fo  ließ  ber  liebe  ©ort  eiltet  iNadjt«  eine  große  ^(ut  fommen, 
in  weldjer  bie  gan$e  <Stabt  perfanf.  9fod)  jefct  fann  man  p  ge^ 
wiffen  Reiten  Geläute  itjrer  (Dioden  au«  ber  liefe  be«  See« 
herauf  fdjallen  Ijören  unb  bei  flarem  Söetter  ben  Sirdjturm  feljen. 

2lud)  bei  Sdjönebccf  foll  pnfdjen  bem  ©locfenberge  uub  bem 
3?oßbeiger  ÜWoorbrudj  oor  ^titen  ein  <Stäbtdjen,  sJlof)rbumpf  ober 
üRöl)rbuiig,  gelegen  Ijaben,  ba«  eine«  Jage«,  man  weiß  nidjt  wie 
unb  warum,  in  bie  Grbe  oerfanf. 

SJHttciluna  bc*  fcertn  0.  ftnoop  in  ^ofen;  22.  ^al)reöbcrid)t  beö  SkteinS  für 
pomm.  ©cfa).  k.  3.  21  unb  23.  >bre$b.  S.  59. 

276. 

Die  Jungfrau  im  Stubbenfcc. 

sJ?id)t  toeit  pon  Dörenberg  liegt  ber  ©tubbenfee.  $n  feiner 
Wälje  ftanb  oor  alten  Reiten  ein  große«  Sd)loß,  welche«  jebodj  pou 
einer  böfen  |>ere,  al«  man  fie  reijte,  Pergaubert  unb  in  ben  naljen 
©ee  Perwünfdjt  würbe.  (Sine  ©Höfling  ift  nodj  möglich,  aber  fie 
muß  an  einem  Johannistage  ftattfinben. 

Ginft  begab  fid)  au  biefem  Jage  ein  $ifd?er  fluf  Dc,t  ^ce- 
211«  er  im  Sounenfdjeine  fo  ganj  allein  in  feinem  Salme  baftanb, 
taufte  bia)t  neben  Ü)tn  eine  ©eftalt  au«  bem  ©äff er  empor,  bie 
war  Pom  eine  tfröte  unb  hinten  eine  Jungfrau,  ftleljentlid)  bat 
fie  U)n,  er  möge  i^r  ben  üDZunb  pm  Äuffe  reiben,  aber  ber  $tfd}er 
entfette  fid)  oor  bem  Ärötenmaulc  unb  fdjlug  bie  Sitte  ab.  Da 
hielt  bie  ©efialt  ein  Judj  Por  ben  ungeftalten  sJKunb  unb  flehte 
ben  Üttami  nodj  bringlidjer  an,  fie  p  fiiffen.  Dod)  aud)  bie«mat 
weigerte  fid)  ber  fttfd)*1"/  weil  er  fdjou  oerlobt  wäre. 

Da  oerfdjwanb  bie  Jungfrau,  inbem  fie  fagte,  nun  muffe  fie 
nodj  ljunbert  Jal)re  auf  (Srlöfung  warten,  bis  ein  anbre«  @efdjled)t 
aufgewadjfen  fei.  Der  ftifdjer  ftarb  nadj  einigen  Jagen  infolge  be« 
Sdjrecfen«,  ben  er  gehabt  hatte;  bie  Jungfrau  aber  foll  nodj  jefet 
an  jebem  Johannistage,  mittag«  gwölf  Uhr,  auf  bem  See  bal)in 
wanbeln,  um  im  nackten  2lugenblicfe  wieber  p  oerfdjwinben. 


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221 


2lnbere  er$äc)len,  bie  Jungfrau  Ijabe  bei  tfjrem  SÖeggang  ge- 
jagt: „9lun  muß  idj  nod)  fo  lange  »arten,  bi$  ber  33anm,  ber 
iefet  gepflanjt  wirb,  aufgewad)fen  ift.  $u§  feinem  ^olgc  werben 
Fretter  gefdjnitten  unb  barauö  eine  ffiiege  gemalt  werben.  t>a« 
ftinb,  baS  juerft  in  biefer  Siege  gerutjt  fjat,  wirb  mid}  erlöfen." 
2(u3  Wörenberg.  ÄreiS  oaajifl:  Dtitfleteilt  burefc  £errn  C.  Änoop. 

277. 

$cr  Ärafaufcerg  bei  £ärf)an. 

Sei  bent  Stäbtdjen  3ad)an,  SWrifcn  uon  Stargarb,  liegt 
in  einem  SBudjenwalbe  ein  35erg  oon  jiemlidjer  $>öhe,  ber  ftrafau* 
berg  geheißen,  ^litf  biefem  Serge  hat  in  alten  Reiten  ein  <5d)lojj 
geftanben,  in  weldjem  ein  ©rafengefcc/lecbt,  namen§  Ärafau,  gewohnt 
haben  foü.  £>ie  beiben  legten  biefcö  ©efdjlechteä  waren  amei 
Srüber,  bie  aber  in  großer  t^iubfdjaft  unb  Zwietracht  mit  einanber 
lebten.  Qux  Strafe  für  foldjen  unnatürlichen  4)aß  würbe  ihr  Schloß 
$erftört  unb  fie  felbft  in  $werge  fcrwanbelt.  ?U£  folcfye  muffen 
fie  nodj  immer  auf  bem  Serge  umgehen,  unb  auf  ben  Johannistag 
fann  man  fie  bort  fcfyeu. 

Qn  bemfetben  Suchenmälbchen  Ijört  man  auet)  manchmal  um 
SDJitternacht  ein  großes,  grauenhaftes  Qagbgetöfe  mit  ^mnbebeüen, 
i3ferbegerrampel,  Stafen  unb  <5d»eßen.  SOtan  fagt,  baß  bicö  üon 
ben  beiben  (trafen  herrühre. 

Hemme,  Itoltstaacn.  Dir.  152. 
278. 

$ie  Jungfer  im  SfrafuSberg. 

Johannis  Wittag,  Schlag  gmölf  Ur>r,  öffnet  fid>  ber  ftrafuS* 
berg  bei  3ad)an  unb  ^eraud  tritt  eine  üerwünfdjte  Jungfrau  in 
blenbenb  weitem  SUeibe,  befefet  mit  blauen  Sdjärpen.  Sie  ift 
fdjtanf  unb  groß,  unb  ihr  folgen  üierunbgwan^ig  Sagen  üon  lauterem 
©olbe.  Die  ^rinjeffin  unb  bie  unermeßlichen  ©olbfehäfce  faxten 
ber  ©rlöfung,  unb  ber  erfte  ÜWenfcf;,  welcher  genau  um  bie  oben 
angegebene  £eit  ben  Scrg  betritt,  würbe  biefelbe  ju  Stanbe  bringen 
unb  baburch  fetn*  glüeflich  unb  fteinreid;  werben.   Slber  au«  fturdjt 


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222 


unb  9lngft  Ijaf«  bisher  nodj  niemanb  wagen  wollen,  unb  fo  farnt 
nodj  immer  ein  mutiger  3J?ann  bort  fein  ©liicf  madjen. 

äRünblia)  auS  3na>an,  ÄretS  SaajiQ. 

279. 

$ie  nerwfinfdjte  Jungfrau  in  ber  alten  Söurg  oon 

@a)nianenbeff. 

$n  ber  9iäfje  be«  Dorfe«  ©djwanenbecf  bei  3ad)an  l'e(jcn 
nod)  Ijeute  bie  SRefte  einer  atten  9taubritterburg.  Dort  foll  eine 
Jungfrau  oerwünfdjt  fein  unb  ityrer  (SrlÖfung  t>orren. 

©«  ift  nod)  nidjt  fo  lange  ljer,  etwa  geljn  ober  fünfgefm 
$aljre,  ba  fam  in  ber  Waajt  gu  bem  ©of>ne  eines  (©djwanenbecfer 
Säuern  ein  fleine«  ÜWännä)en  unb  forberte  üjn  auf,  mit  tym  gu 
fommcn.  Der  Surfte  fürdjtete  fid)  jebodj  unb  ging  nid^t.  3lm 
fotgenben  Slbenb  fam  ba«  9Wänna)en  wieber  unb  fpraa):  „Stamm 
mit  mir  unb  crtöfe  bie  S^togiungfer."  Slber  audj  bie«mal  fanb 
er  bei  bem  Sauernfofyn  fein  ©etyör.  Den  britten  Slbenb  fagte  ber 
Heine  9Hann:  „borgen  sJ?adjt  finbe  bidj  auf  ber  alten  Surg  ein. 
Dir  wirb  ba«  @rlöfung«werf  gelingen,  unb  bu  wirft  baburdj  gu 
großem  föeidjtum  gelangen." 

^efct  würbe  ber  Surfte  fhtfcig  unb  befd)lo§  bei  fid},  bem 
©eljeijj  be«  ÜHänndjen«  gu  folgen.  3ut>or  machte  er  jebodj  feine 
(Sttern  mit  feiner  Slbfidjt  befannt.  Da  fpradj  aber  feine  Sühittcr : 
„Sa«  wiüft  bu  bidj  unnötig  in  ©efafjren  ftürgen.  $aben  wir  benn 
nidjt  ©elb  genug,  um  gang  nadj  unferm  Vorgefallen  leben  gu 
fönnen?"  unb  fte  trieb  biefe  9iebe  fo  lange,  bi«  iljr  ber  <3o§n  oer* 
fpradj,  oon  feinem  5?or^aben  abgnfteljen. 

$n  feiner  9ieugierbe  ging  er  mdjtsbeftoweniger  gu  ber  ©tunbe, 
auf  bie  iljn  ber  fleine  üßann  in  bie  33urg  beftellt  tyatte,  in  ben 
©arten,  weldjer  nadj  ber  föuine  gu  lag,  unb  fietye  ba  —  ba«  gange 
©djlojj  war  oon  einem  ftra^lenben  £id)te  Ijell  erleuchtet,  ba«  aber 
balb  wieber  einer  oöüigen  Dunfetyeit  widj. 

Ginige  Sodjen  nad}  biefem  33orfall  ging  berfelbe  Sauernfo^n 
am  <©onntag  Vormittag  in  bie  9iäfje  ber  95urg,  um  fia)  bort  an 
bem  frönen  ©etter  gu  freuen,  al«  plöfclicf)  au«  bem  ©emäuer  eine 
wunberfdjöne,  iunge  Dame  heraustrat.  Der  93urftf>e  gog  eilig  feine 
2ttiu)e  oom  Stapfe,  aber  ba«  frembe  tfräuletn  banfte  nic^t.  «1«  er 


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223 


ftdj  barauf  na$  iljr  umfalj,  mar  fic  in  ben  9iuj#ecfen  ber  $Ruinc 
mieber  fpurfoS  oerfcfjmunben. 

ÜJtiinblicp  aus  Scbnxmenbcd,  ÄrciS  SaajiQ. 

280. 

Die  itird)(]Io(fcit  uon  ^arnitfoiu. 

(Sinfl  hütete  oor  bieten  $aljren  ber  <3djmeinel)irt  ber  $ar* 
niefomer  Dorfgemeinbe  feine  $erbe  auf  bem  ©emeinbefanb.  Da 
falj  er,  wie  eine  grofje  ©an  eifrig  in  ber  (Srbe  nriiljfte.  Neugierig 
eilte  er  fn'n,  unb  fie^e  ba,  ba8  £ier  Ijatte  mit  feinem  Düffel  eine 
prächtige  ©foefe  fjerau8gefd)arrt. 

(Schnett  fief  ber  ©djmeineljirt  nad)  $arni(fom  unb  fcerfunbete 
ben  Säuern  feinen  ftunb.  Manien  mit  ^ferben  unb  ftarfen 
Seifen,  f dj  fangen  bie  ©triefe  um  bie  ©foefe  Ijerum,  fpannten  bie 
9?offe  baoor  unb  trieben  biefefben  511m  $ieljen  an-  $töer  f°  fe^r 
bie  £iere  aud)  anzogen,  unb  fo  zeitig  man  3uruf  un0  ^citfe^c 
fparte,  bie  ©foefe  bewegte  fidj  nidjt  öon  ber  ©teffe. 

$n  biefen  9toten  trat  pföfcfidj  eine  rounberfdjöne  Jungfrau 
auf  bie  ?eute  ju  unb  fprad):  „ftfjr  guten  ftreunbe,  *>a*  gebt  ifyr 
mir,  roenn  id)  eudj  bie  ©lotfe  Ijer  ausfliege?"  Die  Stauern  fafjen 
einanber  uerbufct  an,  nur  ein  breifter  ©nrfdje  fpradj  feef:  „(Shten 
Ijer^aften  $u§  foflft  bu  bafür  t>on  mir  erhalten."  „DaS  bin  idj 
aufrieben",  entgegnete  bie  Jungfrau.  Dann  fjolte  fie  eine  feine, 
feibene  ©dmur  aus  ber  Xafdje  unb  30g  fie  burd)  baS  Öfjr  ber 
(Mlorfe,  gab  bie  beiben  ©nben  ben  Öeuten  in  bie  $>änbe  unb  fpraa): 
„9hm  gie^t!" 

Hnfangd  glaubten  bie  Stauern,  baS  üftäbdjen  fpotte  i^rer; 
aber  ba  fie  ganj  ernfi  babei  auSfaf;,  fo  traten  fie  enbfid)  bod),  roie 
iljnen  geboten  mar,  unb  mirffiefy,  bie  ©locfe  fiefc  fid}  ganj  feiert 
aus  bem  (Srbboben  berauS  unb  gum  Dorfe  Ijin  fdjaffen.  IRun  fam 
ber  öoljn  für  bie  fdjöne  Jungfrau.  ,,^)alt  iljr  bein  ©ort  nidjt", 
fdjrien  bie  ©eiber  bem  93urfd>en  31t,  „benn  fie  ift  eine  Zauberin."  — 
,,%d)  maS",  fprad)  ber  efyrfidje  9J?enfd),  fdjfojj  baS  flftäbdjen  in 
feine  9(rme  unb  brürfte  iljr  einen  ^cr3r)aften  $u§  auf  bie  kippen. 
$aum  mar  ba$  gefcfyefjen,  fo  Dcrfdjmanb  bie  Jungfrau  unb  mar 
erlöp.  Die  ©foefen  oon  garniefom  aber  fpredjen  nod)  immer,  menn 
fie  geläutet  merben: 


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224 


„Sü  fand! 
Maekon  bandl 
Sü  fand! 
Maeken  band!" 

aJlünblid)  ou§  Waricnflicfi,  flrei*  oaaita. 

281. 

Sie  brei  Jungfern  im  »urgtDatt  bei  SWarrniftfefj1) 
nnb  ber  ©djlofferlcfjrlina,. 

£er  <5d}Ioffer  Stange  in  ftreicnwalbe  fjatte  am  JoI)anni«; 
tage  in  3flarienfliefc  eine  9ln$aljl  Sdblöffer  au«3ubeffern.  £)a  er 
fclbpt  nic^t  abfommen  tonnte,  fo  fdjicfte  er  ben  ©efellen  bei  Sonnen* 
anfgang  in«  £orf  unb  fanbte  ihm  am  Vormittag  ben  tfehrburfdjen 
mit  ben  fertigen  Sajlüffeln  nad).  Sobalb  biefer  fidj  in  SDJarien* 
flieg  feine«  Auftrag«  entlebigt  hatte,  fehrte  er  auf  ber  Stelle  nadj 
ber  Stabt  jnrüd. 

darüber  war  e«  Üftittag  geworben,  al«  er  ben  fdjönen  ftufr 
weg  burdj  ben  ^idjtenmatb  unweit  be«  Surgwalle«  baljin  eilte. 
2)iit  einem  2)Jale  fah  er  oor  fid)  brei  tief  oerfdjleierte  Jungfrauen, 
weldje  gerabe  auf  tyn  ju  gingen.  @r  wollte  ihnen  ehrerbietig  au«* 
weisen,  aber  ba«  ^alf  ihm  itidjt« ;  benn  bie  Mittlere  oon  ben  brei 
SJJäbdjen  oertrat  ihm  ben  $Beg,  fdjlug  ben  Soleier  jurücf  unb  bat 
um  einen  Äufj. 

Jefct  fah  ber  Junge  näher  $u  unb  würbe  gewahr,  bajj 
bie  Jungfrau  ftatt  ber  ^afe  einen  garfiigen  <Sdjmein«rüffel  im 
©eftdjte  trug.  „Schaffe  bir  erft  ein  anbere«  9lu«fehen  an,  wenn 
bu  wünfdjft,  ba§  man  bid)  auf  ber  Strafe  füffe",  fprad)  er,  fHe§ 
ba«  SNäbdjen  oon  fidj  unb  lief  weiter.  $)odj  fiejj  ihm  bie  9feu* 
gierbe  feine  9tuf}e,  er  flaute  fid;  nodj  einmal  um  unb  fah  wie  bie 
brei  Jungfern  bitterlid)  weinten  unb  bann  olöfclidj  oerfdnuanben. 

SBerWunbert  eilte  er  naa?  §aufe  unb  erzählte  alle«  feinem 
2fleifter.  „Junge",  rief  ber,  „freute  ift  ja  Johannistag,  unb  bie 
brei  Sftäbdjcn  waren  bie  brei  üerwünfd)ten  ©rafentöajter.  $>ätteft 
bu  bie  Mittlere  unter  ihren  Sd)wein«rüffel  gefügt,  fo  wären  fic 
aüefamt  erlöft  gewefen,  unb  bu  Wäreft  ein  reicher  SWann  geworben. 
9iun  fönnen  fie  wieber  h"nöcrt  Jahre  warten."  Sil«  ber  £ebr» 
burfd)  oernahm,  wa«  für  ein  Unheil  er  angeridjtet  unb  wetdje« 

"V»fll.  obm  Kx.  273. 


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22» 


&iM  er  leidjtfinnig  tu  beu  2Binb  gefdjlageu  habe,  marb  er  üou 
£tunb  au  tiefftnnig  unb  lag  nad)  brei  Jagen  auf  ber  Üotcnbahre. 

Gbenbaljer. 

282. 

$aS  Sdjlofj  ju  $abct. 

£)aS  Scf>loß  <m  £aber  ift  fe^r  alt  unb  jefct  gau,^  verfallen, 
fo  baß  fein  9)?enfch  mein*  barin  molmen  fann.  $u  uralten  3e'ten 
Rauften  bort  brei  oornelnne  dürften,  meldte  ein  milbeS,  gottlofeS 
i'eben  führten,  nichts  traten  als  Jagen,  Xrinfen  unb  fluchen  ""o 
beu  Heben  ©ort  ganj  vergaßen,  "ißlöfclid)  ftarb  einer  von  ihnen, 
unb  bie  beiben  anbern  ÜBrüber  ließen  ifyn  im  Grbbegräbniö  auf  bem 
2d)loffe  beifefeen;  in  ihrem  rudjlofen  VebenSmanbel  befferten  fic 
fid)  aber  barum  nicht,  darauf  finb  fic  benn  ebenfalls  eines  jähen 
XobeS  öerftorbeu,  unb  baS  Sdjloß  ift  von  ber  3eit  an  verfallen 
unb  bie  ©olwung  böfer  ©eifter  geworben,  meldte  bie  t'eutc  in  ber 
©egenb  bie  ftobolbe  nennen. 

2)ie  treiben,  flumal  beS  Nachts,  ein  fchrecflicheS  ütJefen  in  bem 
alten  <2djloffe,  unb  niemanb  magt  beShalb,  nad)  beu  vielen  '«djäfcen 
ju  fudjen,  bie  noch  barin  »ergraben  finb;  benn  bei  läge  fann  mau 
einem  folgen  <©d)afee  nid)t  beifommen.  (Sinigc  Seute  fjaben  biefe 
Äobolbe  auch  fdjon  gefet)en: 

£ie  alte  ^cadjtroächterfrau,  bie  nod)  jefct  gu  £)aber  lebt,  mar 
einmal  auf  beu  Johannistag  gerabe  um  bie  Mittagszeit  auf  baS 
alte  Sd)Ioß  gegangen,  um  ^lieber  $u  »flüefen.  Sluf  einmal  fal)  fie, 
roährenb  fie  ftch  büefte,  aus  bem  (Schlöffe  brei  fjerrlidj  gefleibete 
fträulein  fommen,  benen  brei  fleine  SERänner  folgten.  9llle  fcd)S 
führten  einen  gierli^en  Xang  auf  bem  $>ofe  auf,  ju  bem  bie  "ÜJtuftf 
aus  bem  (Schlöffe  fam. 

sJJachbem  baS  eine  $L>eile  gebauert  ^atte,  erfdneu  ein  großer 
£>unb  an  einer  golbenen  ftette.  $)aS  mar  ber  leibhaftige  Xeufel; 
benn  er  oertvanbelte  fid)  plöfelid)  in  einen  großen,  fdjmaraen  bitter 
unb  fing  nun  mit  an  ju  tanaen,  morauf  eS  ittc^t  anberS  mar,  als 
menn  runb  untrer  ber  ganje  (Srbboben  bis  tief  In»  erfd)üttert  merbe. 
Die  alte  92adjtmäd)terfrau  befam  barüber  einen  folgen  Sdjrecf,  baß 
fie  in  aller  (Sile  ben  Schloßftcig  herunter  tief-  l'luf  ber  93rücfc 
erft  ftaub  fie  ftill  unb  bliefte  fid;  um,  morauf  fie  benn  wahrnahm, 
baß  auS  einem  verfallenen  £urme  beS  Sd)loffeS  eine  f(hrecfliche 

15 


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220 


©eftalt  IjerauS  flaute.  $>a$  ift  aucf>  ber  Xeufel  genjefen.  <£r  fab 
au8,  mie  ein  Dradje,  unb  fpie  au$  bem  2J?unbe  ijfcutr  nnD  erljub 
auf  einmal  ein  fold)e$  Sdjreien,  baß  baöon  baS  gan^e  Sdjloß  gitterte 
unb  eine  3)?aner  barft. 

©leid)  barauf  fd)lug  bie  ©lotfe  ein«,  unb  nun  war  mit  einem 
üWale  alle«  oorbei.  T>er  Sturm  aber,  an«  bem  ber  Jeufel  gefdjrieeu, 
ftürjte  gugleid)  mit  bem  ©locfenfdjlage  ein.  $a,  ber  Teufel  tyatte 
fo  arg  gebrüllt,  baß  bie  alte  $rau  Don  Stunb  an  taub  ttntrbe  unb 
e«  aud)  mof>l  bleiben  mirb  iljr  lebelang. 

@in  anbermal  mar  ein  alter  33bttd)er,  ber  33anbftöcfe  geholt 
unb  fid)  barüber  oerfpätet  fyatte,  um  2ftitteruad)t  bei  bem  alten 
Sd)loffe  toorbeigefommen.  Stuf  einmal  begegneten  ifym  unweit  be«* 
felben  bret  Üttänner,  meldte  feurige  $üte  trugen,  aber  foiift  ganj 
fajwarg  maren.  $)ie  ftelltcn  fid)  an  bie  Srütfc,  über  bie  er  geben 
mußte,  unb  mollten  iljn  nidjt  hinüber  laffen  unb  broljten  it)m. 
Slnfang«  graute  bem  alten  SUfann;  fluletjt  aber  faßte  er  fidj  ein 
^erj  unb  t^ub  an,  mit  lauter  Stimme  ba8  Vieb  $u  fingen: 
l($fjr  ^öllengeifter,  paefet  eud), 
$fjr  Ijabt  Ijier  nidjt«  31t  fdjaffen." 

35a  Derfdjmanben  bie  fdjtoarjen  ©eftalten  eiligft  unb  liefen 
bem  alten  Schlöffe  $u.  Cben  in  bemfelben  erhoben  fie  ein  fdneef 
lidje«  ©eljeul  unb  ftür^ten  fid)  bann  tum  oben  in  ben  £unn  tynab, 
oon  bem  bie  tfeute  fagen,  baß  früher  bie  (befangenen  barin  gefeffen 
hätten,  ©leid)  barauf  fjörtc  ber  Sööttdjer  ein  große«  $>unbegebell 
unb  bann  ein  fürd)terlidje«  firatfjen.  $a«  alle«  fjat  ber  9J?ann  bem 
DreAölermeifter  $>abermann  in  Daber  erjäfylt,  ber  bafelbft  nod) 
leben  mag. 

lemmc,  $oU0fagrn.  9tr.  148. 

283. 

$cr  bcrmütifdjte  ©djftfer  tu  Äar^ig. 

^n  bem  £)orfe  Sarjig,  eine  fyalbe  SWeile  Don  9?augarb,  liegt 
ein  großer  Stein  mit  Dielen  Slbern,  Don  bem  bie  Veute  fagen,  bafj 
er  ein  Dermünfdjter  Sdjäfer  fei.  (5$  biente  nämlid)  Dor  langen 
3eiten  in  bem  $orfe  ein  Sdmfljirt,  ber  DorauSfagte,  baß  er  in 
einen  Stein  mürbe  Dertoanbelt  merben.  Sein  größter  «Kummer  ba- 
bei  mar,  baß  er  bann,  fern  Don  ben  beuten,  einfam  auf  bem  fteibt 
liegen  müffe,  unb  er  bat  be«f>alb  feinen  $)errn,  menn  er  tyn  einmal 


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227 


außerhalb  be8  Dorfes  als  «Stein  ftnbe,  iljn  nid)t  liegen  $u  laffen, 
fonbern  fidj  in  baß  Dorf  $u  nehmen.  Dod)  nidjt  burdj  ^ferbe, 
nur  burd)  ein  ©efpann  oon  ad)t  Ddjfen,  merbe  er  oon  ber  Stelle 
gu  gießen  fein. 

92idjt  fange  bontad)  mar  bie  $eit  De!&  ^^äfcrö  gefommen. 
(Sr  fef/rte  mit  feiner  £>erbe  nidjt  toieber  in  baS  Dorf  3itrücf,  unb 
bie  Sauern  gingen  aus,  Um  ju  filmen.  Sie  fanben  aber  nidjtS 
als  einen  großen  Stein  mit  oielen  Slbern,  wie  bei  einem  üWenfa^en. 
Der  lag  mitten  im  $e(be,  unb  bie  Sdjafe  Ratten  fi$  um  i^n  I)er 
ucrfammelt. 

Obgleid)  ber  Sdjaflnrt  nun  feinem  $)errn  juoor  angefünbigt 
^atte,  auf  toeldje  ©eifc  er  in'S  Dorf  31t  fd)affen  fei,  fugten  tfyn 
bie  Seute  bennodj  guerft  burd)  ^Jferbe  Oon  ber  Stelle  31t  bringen; 
aber  alle  ÜWiilje  mar  oergeblid).  9(18  fie  aber  ad)t  Cd)fen  oorge» 
fpannt  Ratten,  tonnten  fte  ben  Stein  mit  t'cidjtigfeit  in  baS  Dorf 
gießen.  $ier  mürbe  er  auf  einem  freien  ^lafee  aufgeteilt,  too  er 
nod)  liegt.  3ttan  §at  ben  ©lauben,  baß  ber  Sdjäfer  fpäter  einmal 
mieber  üWenfdjengeftalt  annehmen  mirb. 

2cm me,  SSolfSi'aaen.  91r.  185. 

284. 

$ie  trafen  oon  (Bcrftciu  bei  Mehrow. 

$n  ber  ©egenb  oon  9iaugarb  lebten  früher  bie  trafen  oon 
Gberfitetn.  ©ei  bem  Dorfe  SRefctoto  Ratten  fie  ein  feftcö  Sdjlofj, 
bie  SolfSburg  genannt,  toooon  man  nod)  fyeute  bie  krümmer  feljen 
tann.  Diefe  ©berfteiner  führten  alle  ein  müfteS,  gottlofeS  t'eben, 
unb  befonberS  Ratten  fie  iljre  ftreube  baran,  oon  ber  üBolfSburg 
aus,  roo  fte  oft  511m  Jagen  mit  ifjren  toilben  ©efellen  gufammen 
trafen,  ben  Sauern  bie  Saaten  ju  oerberben.  Deshalb  freien  fte 
aud)  jefct  nod)  in  ber  gangen  ©cgenb  in  einem  fdjledjten  SRufe,  unb 
man  fagt,  fie  hätten  feine  SRulje  unter  ber  (Erbe  unb  müßten  norf) 
Ijeute  um  bie  SoffSburg  tyerum  toanbern.  Dod;  finb  fie  iefet  nidjt 
immer  meljr  böfe,  fonbern  befdjenfen  fogar  mandjmal  bie  tfeute,  mit 
benen  fie  gufammen  treffen. 

So  mar  oor  oielen  Jaljren  einmal  ein  Sdjäfer  in  9tefctom, 
ber  hütete  am  Johannistag  mit  feiner  £)erbe  auf  bem  fogenannten 
•t)ünenberge,  nidjt  meit  oon  ber  SßotfSburg.   Stuf  einmal  oerfanf 

15* 


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er  mit  allen  feinen  Sd)afeu  in  bic  <Srbe  hinein,  baß  fie  fid>  über 
il)m  jufammen  tljat.  Unten  fam  ifmt  ein  großer  $uub  entgegen, 
ber  ifni  an  eine  £ljür  führte.  Der  Sdjäfer  öffnete  biefelbe,  morauf 
er  an  eine  3h?eite  If)ür  fam.  911$  er  audj  btefe  aufgeftinft  fyatte, 
befanb  er  fidj  in  einem  großen  Saale. 

3n  bemfelben  faßen  oiele  vornehme  Herren  beim  Speifcu. 
Sie  fafyen  beut  Schäfer  )'o  ftattlid)  auä,  baß  er  fie  für  dürften 
fyielt,  obgleid)  bie  t'eutc  meinen,  baß  es  bic  (trafen  oon  Gbcrftein 
geiocfeu  mären,  bie  in  ben  .^üneuberg  hinein  gebannt  feien.  Sie 
luben  ben  Sdjäfer  ein,  mit  ifmen  31t  effen,  ma$  er  audj  tljat.  Ml£ 
er  fie  aber  barauf  fragte,  mie  er  auö  bem  Serge  roieber  Ijerauä 
tommen  fönne,  fagten  fie  ifmi,  baß  er  baranf  oor  Ablauf  eines 
OaljreS  nidjt  benfen  fönne. 

$llfo  gefctyaf)  es  audj,  unb  ber  Sdjäfer  mußte  ein  gangem  ;$a&r 
mit  feiner  #erbe  im  Serge  bleiben.  2Us  baS  $al»-  $u  <£nbe  mar, 
oereljrten  tym  bie  (trafen  einen  golbenen  Stab,  fagten  tytn  aber 
babei,  baß  er  niemals  mieber  in  bie  Mä>  beS  $>ünenbergeS  font* 
men  folle. 

9tid)t  fo  gut  erging  e£  einem  Mefctomer  Sauern.  Der  befanb 
fid)  eines  9(benb8  bei  ben  Hünengräbern,  bic  bort  aud)  in  ber  (#e* 
geub  liegen,  als  if>m  oier  junge  HJfänuer  begegneten.  Dem  dauern 
famen  fie  nid}t  abfonberlidj  oor,  unb  er  fprad)  fie  breifit  an.  Sic 
gaben  il)m  audj  freunblid)  Sefcfyeib  unb  fragten  if>n  bann,  roaö  bie 
tfeutc  in  ber  ©egenb  üon  ben  trafen  üon  ©berftein  fprädjen.  Der 
Sauer,  roeldjer  nodj  immer  nidjts  s2lrgc£  backte,  anttoortete  itmen 
efjrlid},  mie  man  oon  benen  nod)  immer  nichts  ®ute$  rebe,  unb  teilte 
ihnen  audj  mit,  toaö  fie  in  früheren  Reiten  alles  oerübt  hätten. 
Da  mürben  bie  oier  9)?änner  auf  einmal  grimmig,  faßten  ifyn  an 
unb  fuhren  mit  if>m  in  bie  Vuft  funein,  brei  üftcilcn  meit.  SllS  fte 
ifm  enblidj  nieberfefcten,  maren  fie  plöfclidj  oerfebmunben,  unb  er 
falj  jefet  brei  fd)roar$e  ^)unbe  oor  fid),  bie  $euer  auSfpicen.  Der 
arme  9J2enfdj  Ijat  fidj  oor  «Sdjrccf  faum  mieber  nad)  $aufe  finben 
fönnen,  mo  er  tagS  barauf  geftorben  ift. 

Son  ber  3eit  an  l)at  man  aber  nur  nodj  jmei  fd)mar$e 
£mnbe  erblidt,  unb  man  glaubt  bafyer,  baß  ber  britte  feitbem 
erlöft  fei. 

<Raa)  Jentme,  «oltsfagen.  91r.  149. 


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229 


285. 

Die  »erfnnfenen  SHrdittt  bei  Sttefoto  unb  Sängerin. 

X>tc^t  bei  ÜHeforo  liegt  ber  faule  See.  Dort  ift  eine  Äirtfie 
oerfunfen,  unb  nod)  fjeute  fann  man  aufteilen  in  ber  2ftittag$frunbe 
beS  ^oljanniatageS  ibre  ©locfen  tauten  frören.  3Ber  fie  aber  fyört, 
ftirbt  in  bemfetben  ^a^re. 

"Sludj  bei  SBangerin  mar  früher  ein  foldjer  GHocfenfee,  ber 
jebodj  jefct  abgelaffen  ift.  Dort  fjat  man  genau  gteei  (SHocfen  Ijören 
fönnen,  oon  benen  bie  eine  fprad): 

„Hanne  Susanne, 

Wi  wullen  tö  Lanne!u 
toorauf  bie  anbere  antwortete: 

„  Hanne  Margröte, 

Man  immer  in't  Depe!u 

ttuS  Ulfforo,  Sttm  flegemoalbe:  Mitgeteilt  burd>  fcerrn  «Prof.  C.  Äubn 

in  SJtündjen. 

286. 

Die  wetfee  Jungfer  in  beut  uerfunfenen  Sdjloft  bei  yiat^e. 

SBenn  man  oon  <piaü)c  bie  Gljauffee  nadj  Dan$ig  ge^t,  fo  fiet>t 
man,  nidjt  toeit  oon  ber  erfteren  Stabt,  linfer  $anb  am  Söegc 
einen  $>ügel,  ber  mit  Strawfymerf  bewarfen  unb  mit  großen 
Steinen  beberft  ift.  $)ier  fotl  ein  Sdjtofe  oerfunfen  fein,  auf  bem 
früher  graufame  bitter  tyr  SBefen  trieben,  Üttan  Ijat  bauon  nod) 
jefet  einen  SemeiS. 

3n  ber  *Mf)t  beS  SdjloffeS  lag  nämlid)  nod)  ein  anbere« 
Sd)lo§.  Die  Herren  ber  beiben  Sdjlöffer  aber  lebten  mit  einanber 
in  ftrieg,  unb  ber  in  bem  oerfunfenen  Sdjlojj  raubte  bie  £od)ter 
beö  aitbern  unb  (ie&  fie  einmauern.  Diefe&  ^räulein  fiefjt  man 
nun  uod)  }ebe  }?ad}t  auf  jenem  §ügel.  Sie  i)l  gan$  toeifj  gefteibet 
unb  fyat  u)re  .£>aare  tang  herunter  Rängen.  So  gefyt  fie  meittenb 
5toifd)en  ben  Steinen  untrer. 

2Jor  mehreren  ^afyren  fanb  Ijier  audj  einmat  ein  Hagelöfmer 
einen  'Pferbefujj  mit  einem  golbeneu  $ufeifen.   Der  ÜDtaun  ift  aber 
von  bem  Slugeublicfe  an  toie  oou  einem  böfen  (Reifte  befeffen  ge 
roefen  unb  batb  barauf  jämmerlich  geftorben. 

2emme,  Myogen.  9lr.  162. 


230 


287. 

$ic  wrtoftitftfjte  ^rtn^cffitt  bei  @rofr®tel»em$. 

Qn  ber  ^ätye  Don  ©rofretepenifc  am  $aff  Hegt  ein  a(ted 
<£d)lo§,  baS  tyat  einen  9li§  quer  im  ©emäuer,  unb  ben  fyat'8  nidjt 
uon  ungefähr.  £enn  in  alten  $eiten  tootynte  fyier  eine  ^ringeffin, 
bie  burfte  fidj  niajt  weiter  al$  eine  3WcUc  oom  Sdjlofj  entfernen. 
2lber  einmal  r)attc  fie  e8  bodj  getban.  $a  Ijörte  fte  pfö^Iid^  einen 
furdjtbaren  tfnall,  unb  im  felben  9lugenbli(f  war  baS  <§d)lofj  oon 
oben  bis  unten  geborflen  unb  fie  in  eine  fdjeujjlidje,  bi(fe  $röte 
»erwanbelt.  Seitbem  fifct  fie  in  einem  großen  gimmer  be8  Sdjloffe« 
unb  fyarrt  auf  ©rlöfung. 

2lu$  Söollin:  Äu^n  unb  Sajroarfe,  florbb.  8aa.  *Rr.  9. 

288. 

$er  ©ofliuer  Sera,  bei  ^affo»- 

(Sine  SMertelmeile  nörblid)  oon  ©üffentin  liegt  ba«  $orf 
Oaffow.  Neffen  ©locfen  foüteu  »or  öielen  ^a^ren  nad)  3Bollin 
gefdjafft  werben,  um  in  ber  bortigen  ftirdje  aufgehängt  ju  werben. 
Äaum  war  man  aber  auf  bem  «einen  Söerg  bi^t  oor  bem  Orte 
angelangt,  al«  bie  ©lorfen  tief  in  ben  ©oben  hinein  fanfen,  unb 
obgleid)  ge^n  ^ferbe  oorgefoannt  waren,  fo  fonnten  fie  bodj  nify 
weiter  gefdjafft  werben. 

$a  fam  ein  $auer  oom  ftelbe  mit  feinen  ffoei  Dorfen, 
triefe  fpannte  er  oor  bie  ©locfen  unb  lenfte  wieber  nadj  bem  Dorfe 
gu.  Unb  fielje,  bie  ©locfen,  welche  oorfyer  je^n  ftarfe  ^ferbe  nidjt 
Ratten  üon  ber  Stelle  bringen  fönnen,  liefen  fid>  jefet  oon  gwei 
Ddjfen  gang  leicht  auf  iljren  alten  $lafc  in  bie  Äirdje  gu  $affow 
guriieffü^ren.  X)er  93erg  aber,  wo  fi$  biefe  merfmürbige  ©efdncbje 
begeben,  fjei&t  nodj  ^eute  allgemein  ber  ©olliner  33erg, 

9Rünblid)  au«  «üfientin,  Är.  Gammin. 

289. 

$er  grofje  Stein  bei  ©riftow. 
I. 

^örblidj  Den  ber  ftnjel  ©riftow,  etwa  auf  falbem  SBege 
$wifa>n  Gammin  unb  ^üng,  liegt  in  ber  T>ieoenow  nidjt  weit  oom 


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231 


Ufer  ein  gewaltiger  ©ranttblocf.  Der  liegt  fdjon  feit  grauen  fahren 
ba  uub  ift  oor  altera  ein  prächtiges  <2chlofj  gemefen,  in  meinem  ein 
gieriger  Räuber  wohnte,  tiefer  [teilte  oornehmlich  auet)  ben  ÜKäb^en 
uac^  unb  mollte  etrtft  einem  folgen  ©cmalt  anthun.  Slber  bie  Der* 
ftanb  fidj  auf  bie  Räuberei,  brüefte  bad  gange  Schlofc  in  einen 
Steinflumpen  gufammen  unb  fdjlojj  ben  böfen  Stäuber  für  ewige 
Reiten  barin  ein. 

$n  Sammin  ergäbt  man  auch  ben  Äinbern,  bafc  ber  (Storch 
fte  öom  großen  Steine  ^er  ihren  Altern  bringe. 

Äuljn  unb  ®cb  warft,  9torbbeuti'd)e  Saaen.  9ir.  14. 

IL 

$m  Kamminer  93obben  liegt  bei  ber  $nfel  ©riftom  ein  großer 
Stein.  $n  biefen  ift  oor  üielen  fahren  ein  gange«  Rittergut  hinein 
Oerwünfcht,  unb  mitten  in  ihm  ftfct  eine  biefe  ©djorffröte  (Schäf- 
kräute).  —  (Sinft  ha*  man  ben  $e(£blocf  fprengen  wollen;  bod) 
ba  ift  S3lut  au«  ihm  ^erauögefommen.  Da£  Heine  Stücfcheu  aber, 
Weldas  babei  abgelöft  mürbe,  tfi  mit  einem  eiferueu  Glinge  wieber 
an  bem  (Steine  befeftigt  worben. 

2tud)  fagt  man,  wenn  ber  grofje  Stein  t>ernid)tet  werbe,  müffe 
gang  ©riftow  untergeben.  s2llle  biefe  ©efc^i^ten  finb  in  alter  ßett 
aufgezeichnet  Worben,  unb  bie  Schriftftücfe  befinben  fid?  nod>  icfe* 
irgcnbwo  im  Dom  gu  Gammin. 

2Rünblicb  au$  Süfientin,  ftreis  (lammin. 

290. 

$te  ©rf)lüffclmarafett  auf  bem  fiönigSftufjl. 

gwifdjen  ocn  Reiben  ^orften  9fega>§acfen  unb  tfebbin  bei 
©reiffenberg  liegt  ein  £ügel,  ber  ÄönigSfhihl  genannt.  Dort  foU 
früher  ein  Schloß  geftanben  fyaUn,  oon  bem  jebod)  jefet  nichts  mehr  gu 
fet)en  ift.  @8  ift  in  ben  53erg  oerfunfen,  unb  oon  feinen  früheren 
Bewohnern  geigt  fich  nur  noch  emer  ocn  W  Ifbenben  9)fenfchen. 
Da«  ift  eine  Jungfrau,  weldje  über  unb  über  am  Körper  mit 
Sdflüffeln  behängt  ift,  unb  bie  beShatb  allgemein  bie  Scf)ltiffel» 
mamfell  heifet. 

2Ran  fann  fie  fehr  oft  feljen,  oormtttagS  wie  nachmittag« 
uub  ebenfo  auch  beS  2lbenb8.   $>äufig  jteht  fie  auf  ber  t)ölfan  £)öfje 


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232 


beS  ÄönigSftuhlS  unb  fc^rcit  mit  lauter,  wehllagenber  Stimme,  fic 
fönne  nicht  über  ben  SScrcj  fommen.  Nähert  fid)  irgenb  ein  2)?enfd) 
bem  £ügel,  fo  forbeit  fic  ihn  auf,  fic  gu  erlöfen  unb  $u  bem  ^weefe 
baS  unb  baS  $u  unternehmen  SWan  barf  ihr  aber  nicht  willfahren; 
tlmt  man  bieS,  fo  ift  bie  Schlüffelmamfell  allerbingS  erlöft,  aber 
ber  3?etreffenbe,  welker  ihr  ben  T>ienft  erwiefen  l)at,  muß  bann 
felbjt  an  ihrer  Stelle  Sdjlüffelmamfell  werben. 

<£infl  rief  bie  Jungfrau  einen  fleinen  jungen,  welker  unweit 
beS  SBergeS  bie  Jäühe  weibete,  31t  fid)  heran  unb  bat  ihn,  bem  einen 
föinbe  in  ben  Hinterfuß  $u  beiden.  Des  Änaben  ©lütf  war,  baß  noa) 
rechtzeitig  ber  Dörfler  ba^u  fam  unb  ihm  bie  lüefe  ber  Sd)lüffeU 
mamfcll  offenbarte.  $>ätte  er  ben  Befehl  aufgeführt,  fo  wäre  er 
fia>r  an  ihrer  Statt  in  ben  ÄöuigSftuhl  oermüufcht  worben. 

s])lünblid>  aus  Ofretffenberg. 

291. 

$a«  ner»ttnfd|t€  ©djlofe  bei  trtptom  an  ber  töega. 

3?or  einem  ber  £hore  uon  Xreptow  an  ber  föega  liegt  bidjt  an 
ber  i'anbftraße  ein  alter,  grauer  Stein.  Das  ift  ber  lefcte  oon  einem 
großen  Schlöffe,  baS  hier  geftanben  hat  unb  oerwünfdjt  worben  ift. 
darunter  häuft  aber  noch  feine  ehemalige  Bewohnerin  in  bezauberter 
Weftalt;  benn  allnächtlich  fielet  man  einen  Sagen,  mit  oier  Wappen 
befpannt,  über  baS  Stabtthor  branfeu  unb  mitten  auf  bem  s2Harfte 
uor  bem  Wathaufe  halten.  T>ann  fleigt  eine  fchwarj  gefleibete  £ame 
au«,  fieht  fich  um,  fteigt  wieber  ein,  unb  wie  fie  gefommen,  geht'S 
auch  wieber  $urücf. 

So  fah  fie  auch  einmal  ein  Solbat,  ber  oor  bem  föathaufe 
auf  ber  Sacht  ftanb,  unb  als  fie  ben  erblicfte,  trat  fie  auf  ihn  ju 
unb  fragte  ihn,  ob  er  fie  erlöfen  wolle?  Dann  folle  er  oor'S  Ülwr 
$u  bem  Stein  fommen,  ba  werbe  eine  große,  graue  Schlange  heroor 
frieden,  bie  werbe  fich  um  ^n  ringeln  unb  ihn  Tuffen  wollen,  unb 
wenn  er  ba«  ruhig  ertrage,  bann  werbe  fie  erlöft  fein.  $er  Solbat 
wollte  erft  nicht  barauf  eingeben;  bod)  fie  fam  nach  einiger  3eit 
wieber  unb  enblich  aum  britten  Üttale,  unb  ba  bat  fie  fo  flehentlich, 
baß  er  enblich  berfpradj,  ihren  SÖunfch  $u  erfüllen. 

Da  ging  er  benn  in  ber  ^aa)t  hinauf  tor'ö  Z^ox  hmtt  Stein, 
unb  es  gefchah  alles,  wie  bie  ^rinjeffin  gefagt  hatte,  unb  er  behielt 


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233 


audj  ben  2Jiut  bis  gum  legten  9lugenblicf,  ba  ftdj  bie  Scf/lange  nadj 
feinem  Äopfe  empor  reefte  unb  i^re  fpifce  3unge  Ujrn  entgegen  ftreefte, 
um  ifyn  ju  füffen.  Da  fdjauberte  eö  ilm  boef;  gewaltig,  unb  er  30g 
ben  $opf  juriief.  $m  felben  3lugeublicfc  Ijörte  er  einen  gewaltigen 
$nall,  alles  war  oerfdjwunben,  nnb  er  oernalnn  nur  nodj  bie  ftagenbeu 
Sorte:    „2luf  ewig  oerloreu". 

"Jlue  *©ollm:   Mul)n  unb  3d)roatfc,  ^orbb.  6aaen.   9ir.  10. 

292. 

$cr  aolbcnc  Sdjlfiffel  in  ber  ftfofierrtttnt  $u  Selbog. 

Da,  wo  früher  ba$  mädjtige  unb  reidje  ftlofter  SBelbog  geftanben 
f)at,  fielet  man  jefct  nic^tö  alö  arme  Sagelölmer^äufer.  9iur  eine 
alte  ^flauer  l)at  fid)  nodj  bon  bem  Älofter  erhalten;  fic  foU  bon 
bem  früheren  Speifefaal  ber  ÜHöudje  fein.  3(n  biefer  Stelle  liegen 
audj  nod)  biete  Sd)äfce  in  ber  ©rbe  berborgen,  weldje  bie  3)Iönd)e, 
als  bas  ftlofter  eingegangen  ift,  uidjt  mitnehmen  fonnten. 

2J?an  er^ä^lt  fidj,  baß  efyebem  häufig  2Höndje  üon  bem  ftlofter 
Clit?a  nadj  Söelbog  fameu.  Die  Hegen  fid)  bie  Ruinen  genau  geigen, 
unb  bann  maßen  unb  rechneten  fie,  als  wenn  fie  bie  Stelle  IjerauS 
rennen  wollten,  mo  bie  S(f/äfce  berborgen  liegen.  Sic  follen  aber 
bamit  nief/t  auredjt  gefommen  fein. 

einmal  fanb  man  au$  in  bem  Stfmtt  einer  alten  flauer 
einen  großen,  golbenen  Sdjlüffel.  Der  f>at  *u  ber  £futr  gehört, 
welche  baS  Sdjafcgewölbe  uerfdjloffen  f>ält,  unb  man  tjätte  biefe 
bamit  öffnen  fönnen.  ?lber  ber  ben  Scpffel  gefuuben,  uerfaufte 
ilm  um  einen  geringen  <ßreis  an  einen  ^uben  in  Treptow  unb 
fonnte  junt  Unglücf  aud)  nadjlier  bie  Stelle  nidjt  wieber  ftnbcn, 
wo  er  gelegen  l)at.  So  wirb  man  woljl  nidjt  meljr  311  ben  großen 
Sd)äfeen  bes  fttofterS  gelangen  rönnen. 

Icmme,  ^oltefaaen.  9tr.  Xß.  »alt.  Stub.  II.  1.  8.  71,  oal. 

293. 

$ie  uerfnnfenc  Stabt  flflegamfinbe. 

SÖJo  bie  Wega  in  bie  See  ausfließt,  t/at  i>or  Reiten  eine  jwar 
nidjt  große,  aber  reidje  $)anbel$ftabt,  namens  töegamünbe,  geftanben, 
welker  audj  ber  jefeige  Sreptowfdje  £afen  guge^ört  Ijaben  foU. 


2H4 


Die  £eute  bicfer  Stabt  finb  toegen  i^rcd  9teidjtum8  fo  übermütig 
gemorben,  baf?  fte  bie  geringe,  roelcfye  Ijier  f)äufig  gefangen  würben, 
mit  fönten  frrid)en  unb  $ulefct  felbft  ©Ott  ben  $errn  oerfpotteten. 
Dafür  fyat  fte  ber  3orn  beS  $immel£  ereilt;  benn  e3  ift  plöfelidj 
in  einer  $acf>t  ein  fdjrertlidjer  Siurm  gefommen,  ber  bie  gange 
Stabt  in  ben  ©runb  be$  Speere*  ri§. 

Sie  ift  fo  tief  oerfunfen,  bafc  man  aud}  gar  nichts  meljr  oon 
iln*  fefycu  fann,  nnb  bafj  nur  bie  fogenannten  tflegamünber  3Bicfen 
in  ber  s3fäljc  üon  Streptoto  an  fie  erinnern.  "Jfur  bie  $ird)englocfen 
follen  gerettet  fein,  unb  man  fagt,  bafe  bie  ©locfen  in  ber  $irdje 
ju  9lobe  fcon  ber  oerfunfenen  Stabt  feien. 

»alt.  Stubien,  1833.  I.  e.  28;  1860.  S.  81  fg. 

294. 

Der  Äcrl  bei  fönty&ftto. 

•3m  2ljal  ber  Sotlenfe,  etma  jmeitanfenb  Schritte  oon  bem 
Jtuffe  entfernt,  lag  nod)  im  $abre  1825  Ijart  an  bem  SBege  Don 
©rapjom  nad)  fteffin,  ungefähr  in  ber  9Hitte  beiber  Dörfer,  ein 
ungeorbneter  Steinljaufe,  bie  Steinfammer  genannt.  Der  grbfcte 
Sölocf  baruuter  mar  ad/t  ^ujj  lang  unb  öier  unb  einen  falben  ^u§ 
l>ocf>  uub  enthielt  auf  feiner  ebenen,  nadj  ^orbroeft  gemanbteu  Seite 
eine  regelmäßige  Vertiefung.  Diefelbe  mar  überall  gleidjttef  einen 
Viertel^oll  in  ben  Stein  hinein  gearbeitet  unb  fteüte  in  roljen  Um* 
riffen  ben  Oberförper  ettied  ÜRanneS  mit  breiten  Schultern  bar. 
Die  l'eute  ber  Umgegenb  nannten  ba«  ©ilbtoerf  ben  „Äeii"  unb 
fagten,  er  bemale  ben  Sdjafe,  toeldjer  unter  bem  Stein  oer- 
borgen liege. 

^meifmnbert  Stritte  gegen  Cftnorbofl  lag  ein  einzelner 
mächtiger  Stein,  ben  bie  Sage  mit  ber  Steinfammer  burd)  eine 
Äette  unter  ber  Grbe  oerbuuben  toupte. 

SBaltifdjc  6tub.  XI.  2.  ©.  190  fo. 

295. 

Die  (Mlo<fen  bon  ftra^ig. 

(Sinft  foUte  bie  eine  oon  ben  brei  Äirajenglocfen  in  Ärafctg 
in  ein  anbere*  Dorf  uertauft  toerben.    Cbmoty  man  nun  aroölf 


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235 


fiarfe  ^ferbe  oor  ben  ©agen  fpannte,  tonnte  man  fie  bod)  nidjt 
ben  fleinen  l'eljmberg,  bidjt  oor  bem  Dorfe,  hinauf  bringen.  Dabei 
war  e«  Ijeißer  Sommer  unb  ber  2öeg  gang  troefen  unb  feft. 

Da  fam  ein  Malier  bagu  nnb  fagte,  bie  ©locfe  wolle  gewiß 
im  Dorfe  bleiben,  fpannte  feine  beiben  ^ferbc  baoor  unb  fiet)e,  er 
futyr  fie  gang  leidjt  $ur  &trdje  gurücf.  Der  SBerg  bei  ftrafcig  f/eißt 
aber  nodj  Ijeute  ber  ©locfenberg. 

SRünblt*  aus  Äiatig,  ftrctS  gürftentum. 

296. 

Der  alte  Wann  im  (Gollenberg. 

Daß  e«  im  Innern  be«  ©ollenberge«  gar  abfonberlid)  au«* 
feljen  muß,  ^at  man  fdjon  feit  uralten  3^iten  gewußt,  obgleich  feiner 
redjt  genau  baoon  Äunbe  gu  geben  oermag.  9?ur  ein  Sdjäfer  er* 
lebte  oor  meiert  ^afyren  folgenbe«: 

(£r  fjütete  einft  feine  Sdjafe  am  ftuße  be«  ©erge«.  Da  e« 
ein  tjeißer  Sommertag  war,  fo  fdjtief  er  um  bie  üJ2ittag«geit  im 
Statten  eine«  ©aume«  ein,  mürbe  iebod)  balb  burdj  ba«  ©eilen 
feine«  $)unbe«  toieber  gemeeft.  353ic  er  bie  klugen  auffällig,  oer* 
fdnoanb  ba«  Xier  gerabe  in  bem  ©ebüfd),  unb  er  eilte  ilnn  fdjnell 
batjin  nadj,  beim  er  glaubte  nid)ts  anbere«,  al«  baß  ein  Dieb 
ein  Sdmf  geftofjlen  Imbe  unb  nun  mit  bem  töaube  in  ba«  ©ufd> 
wer!  geflüchtet  fei. 

311«  er  ben  $>unb  eingeholt  r)atte,  ftanb  berfelbe  oor  einem 
großen  Steine  unb  fdjarrte  unb  fragte  baran  fyerum,  wobei  er  fort' 
wätyrenb  laut  beulte.  Da«  fiel  bem  Sdjäfer  auf,  unb  neugierig, 
toa«  ber  .$unb  Ijaben  möge,  mälzte  er  ben  Stein  auf  bie  Seite. 
Da  erbliche  er  eine  große  Öffnung  unb  unter  berfelben  ein  tief  in 
bie  @rbe  t)inabget)enbe«,  alte«  Gemäuer,  ©r  ftieg  tjinab  unb  fam 
an  einen  fdmialen  (Gang,  ber  in  ben  (Gollenberg  bmeinfürjrte  unb 
immer  fdtjmaler  mürbe,  9fad>bem  er  mot)l  eine  gange  Stunbe  lang 
gemanbert  mar,  ftieg  er  enblidj  auf  eine  große,  eiferne  £t)iir,  bie 
iebodj  einem  Stoß  mit  bem  Sd/äferftab  fofort  nachgab  unb  in 
Staub  au«einanber  fiel. 

*Run  trat  er  in  ein  ljot)e«,  geräumige«  ©emad),  in  meld>em 
runb  Ijerum  alte  ©äffen  unb  (Gemälbe  fingen.  Slber  aud)  bie 
waren  fdwn  fo  alt,  baß  fie  bei  ber  geringften  ©erityrung  $u  Staub 

i 


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236 


mürben.  Der  Schäfer  burdjeilte  bie  Stube  unb  gelangte  an  eine 
$meite  2ln'ir,  bie  mie  bie  erfte  bein  Sto§e  nadjgab.  ^u  biefem 
©emad)e  fa§  ein  alter,  alter  9)Janu  in  gan$  frembartiger  Äleibung, 
roie  fic  ber  .frirt  noefy  niemals  gefefyen  Ijatte.  Ü?or  tym  lag  Sdjreib; 
$eng  unb  Rapier;  bod)  ma«  auf  bein  Rapier  ftanb,  mar  fc^on  fo 
oergilbt,  bajj  ber  Sdjäfer  e«  tüc^t  gu  entziffern  »ermodjte.  Sr  trat 
näfjer  Ijeran,  ba  zerfiel  oon  ber  ©rfduitternng  alle«  in  Staub. 

Darauf  zertrümmerte  ber  £>irt  mit  feinem  Stab  eine  britte 
%\)üv,  unb  nun  befanb  er  fid)  mit  einem  sJHale  in  einem  grofjen 
Saale,  ber  ganj  mit  Sdjätjen  angefüllt  mar.  Raufen  oon  golbenen 
unb  filbernen  (Geräten  maren  fjicr  gu  erblicfen,  Sätfe,  mit  ÖJolb* 
utib  Silbergelb  angefüllt,  ftaubeii  in  Weiljen  untrer,  unb  perlen 
unb  Sbelfteine  lagen  bazmifdjen.  SdjncÜ  griff  er  mit  beiben  §än* 
beu  gu  unb  fteefte  zu  fia),  ma«  er  gu  faffen  oermodjte.  Dann  lief 
er  bamit  zuriief,  fo  eilig  er  tonnte. 

2t(ö  er  fpäter  einmal  mieber  in  ben  Serg  hinein  geffen  mollte, 
mar  alle«  oerfdjmunben.  ^a  uidjt  einmal  ben  Stein  fonnte  er 
finben,  unter  meldjem  ber  Eingang  gemefen  mar. 

Semme,  Soltefagcn.  9Jr.  231  unb  münblidj. 

297. 

$ie  toermüufdjie  ^rinjeffiti  im  ©djtefclbctner  Sdjloft. 

3  m  Sdjiefclbeiiier  Sd)loß  fifct  eine  oermünfdjtc  ^ringeffin. 
l*or  langen  ^aljren  märe  beinahe  iljre  ©rlöfung,  nad)  ber  fie  fdmn 
bamal«  uuenblidje  #eit  oergebeuö  gefjarrt  fyatte,  in  (Erfüllung  ge* 
gangen.  Sie  erfdjien  nämlidj  einem  armen  Sdjreiber,  ber  im 
Sdjloffe  befdjäftigt  mar,  unb  forberte  tfyn  auf,  am  erften  Oftcrtag 
früf)  basjenige  SÖcfcn,  bem  er  bei  feinem  Austritt  au«  ber  $t)ür 
Zuerft  begegnen  mürbe,  auf  ben  3)iunb  3U  füffen.  £t)äte  er  ba«, 
fo  mürbe  er  fie  crlöfen  unb  fein  ©lücf  matten. 

Der  Schreiber  Ijatte  fidj  ba«  (£rlöfung«merf  fernerer  gebaut 
unb  fagte  fogleidj  gu,  er  moüe  alle«  pünftlid)  beforgen.  (Stma  ad)t 
Zage  barauf  crfdjien  bie  ^ringeffin  abermal«  unb  legte  iljm  brin* 
genb  au'«  «^>crg,  bod)  ja  fein  5öort  gu  galten  unb  redjt  genau  an 
bie  93ebingung  311  benfen.  (£«  mußte  bie  Jungfrau  moljl  fdjon  ein 
3?orgefüf>l  oon  bem  fominenbcn  Unglücf  fyaben,  benn  felbft  ein  britte« 
ÜJJal  fam  fie  gu  bem  Schreiber  unb  mieberfyolte  iljr  Anliegen.  Unb 
ba«  mar  etma  oierzelm  Jage  oor  bem  ^eiligen  ftefte. 


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237 


TO  nun  ber  ÜWorgen  be$  crfteu  DftertageS  angebrodjen  war, 
fo  madjte  fid)  ber  Jüngling  auf  unb  öffnete  bie  ^>auötl?üre,  um 
ba$  (SirlöfungSwerf  31t  erfüllen.  <5r  backte  fidj,  eö  würbe  nun  eine 
fdjöne  Dame  auf  ilm  311  fcfjreiteu ;  aber  nidjtä  baoon,  weit  unb  breit 
war  fein  menfdjlidjeö  Söefen  5U  fefyen.  vJfur  eine  garftige  Sdjorf* 
fröte  fafj  auf  ber  Steintreppc  unb  glofcte  if)n  an. 

üftifemutig  guefte  er  auf  fic  binab.  Da  Rupfte  baS  tjäjjfidje  Xier 
ganj  nafye  an  il)n  hieran,  falj  ilm  mit  feinen  blöben  Slugen  bittenb 
an  unb  f prang  tfym  auf  bie  Spifee  beS  Sdmfyeä.  „ftredjeS  93iefj!" 
fd)alt  ber  Schreiber  unb  fdjleubcrte  e§  mit  bem  $u§e  gegen  bie  Sanb. 

$n  bemfelben  3tugenblicfe  erfmb  bie  ftröte  ein  flägli(fKS  3öelj-- 
gefa^rei  unb  —  war  oerfd/wunben.  Da  merfte  ber  Sajreiber,  bafe 
eS  bie  ^rinjeffin  gewefeu  war,  unb  baß  er  bic  ftröte  ^ätte  Riffen 
muffen.  Söller  $orn,  Zd)am  unb  ®ewiffen$qual  über  ba$  gebrod)cne 
Serfpredjeu  eilte  er,  wie  ein  föafenber,  auf  fein  3"nmcr  jurürf. 
Dort  befiel  Um  eine  fernere  Äranfljeit,  unb  nad)  Verlauf  oon  oier 
Sod)eu  war  er  tot. 

Wünblia)  aus  Sa>iefc(bcin. 

298. 

Der  Saum  im  ftlofteraarten  oon  Sd)icfelbciit. 

Sor  oielen,  oielen  .^afyren  Ijat  einmal  ein  21bt  be£  <5d)iefel- 
beiner  Älofterö  im  ©arten  einen  Saum  gepflanzt  unb  babei  befohlen, 
berfelbe  folle  jum  ewigen  ©ebädjtnis  au  ilm  bort  freien  bleiben 
unb  niemals  umgehauen  werben.  WS  biefer  91bt  fdwn  gejtorbeu 
unb  baS  junge  2tämmdjen  bereit«  $u  einem  armftarfeu  Saume  fjer« 
angeworfen  war,  Nörten  plöfelid)  bie  in  bem  SMoftergarten  oerfam« 
melten  2ftöndje  aus  feinem  l'aubmerf  tyerauS  eine  Stimme  fpredjen : 
„Diefer  Saum  wirb  einft  umgehauen  unb  aus  feinem  jpotg  eine 
Söicge  gewimmert  werben.  Das  erfte  Siinb,  welche«  in  biefer  Siege 
gefdjaufett  wirb,  fann  mid)  erlöfen". 

Die  i'cute  erjagten  fid),  bafc  eS  bie  oermünfdjte  $rhtjeffin 
au«  bem  <2d)lo§  gemefen  fei,  weldje  biefe  SZÖorte  gerebet  fyabe,  unb 
ba§  ber  <Sd)rciber,  oon  bein  wir  in  ber  üorfyergeljenben  ®efdjid)te 
gebort  Ijaben,  baS  geweisfagte  $inb  gewefeu  fei.  Denn  ber  Saum 
im  Äloftergarten  ift  fdjon  feit  langer  3eit  nid)t  metn*  oorfjanbeu, 
unb  oon  einer  anbern  ©rlöfung  Ijat  man  audj  nid)t  gehört. 

ßbenbaber. 


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238 


299. 

$er  unterirbtfdje  Gtong  Dom  Äloftcr  in  ©ttjiefel&eitt 
bid  jura  Schloß. 

33om  hofier  in  Sdjiefelbein  gct)t  gerabe  unter  bem  Flußbett 
ber  Wega  hi"  ein  unterirbifcher  ©ang  bi*  311  bem  Schloß,  ftefct 
foll  er  freiließ  guttt  größten  Xeil  verfallen  fein.  Qiefer  ©ang  galt 
niemals  für  recht  geheuer,  heutige*  Xage*  aber  noch  biet  weniger, 
wie  früher,  ba  man  nun  genau  weiß,  wa*  für  Sdjrecfniffe  bort  ben 
Sefutfyer  erwarten.   Unb  ba*  ift  fo  zugegangen: 

^wei  ÜRäbdjen  in  Schiefelbcin  Ratten  fid)  Don  leichtfertigen 
Söurfdjen  »erführen  (äffen  unb  waren  gleichzeitig  niebergefommen. 
^Dte  eine  ergriff  barauf  ihr  $inb  au*  ^urdjt  oor  ber  Sdjanbe  unb 
erbroffelte  ed.  Doch  faum  t>atte  fie  bie  Unttjat  begangen,  fo  trat 
an  fie  bie  noeb,  größere  ^urdjt  oor  ber  frrafenben  ©eredjtigfeit 
^eron,  unb  fie  nahm  be*halb  ba*  lebenbe  &inb  von  ihrer  fdjlafen* 
ben  Stamerabin  (benn  fie  wohnten  beifammen)  unb  legte  bafür  an 
bereu  Seite  ben  Leichnam  be*  erwürgten  Äinbe*. 

$lm  anbem  borgen  merfte  bie  rechte  üftutter  fofort  ben  53c- 
trug,  bocl)  bie  böfe  üttörberin  eilte,  um  fid)  oor  ber  Seit  ganz  zu 
rechtfertigen,  auf  ba*  ©ericht  unb  ttagte  bort  bie  ©efährtin  be* 
&inbe*morbe*  an.  Der  9lugenfchein  war  ja  auch  offenbar  gegen 
biefelbe,  unb  fie  würbe  be*halb,  trofe  alte*  Söeteuern*  ihrer  Unfchulb, 
Don  ben  Richtern  zum  $obe  verurteilt.  Um  ihr  iebodj  zu  jeigen, 
baß  man  fein  üftittel  unterlaffen  wolle,  mit  ©otte*  £ilfe  ihre  etwaige 
Unfchulb  an  ben  lag  zu  bringen,  würbe  ihr  geftattet,  awifcfjen  fol* 
genbem  z"  wählen:  „(Sntweber  fie  folle  fofort  hingerichtet  werben, 
ober  fie  rniiffe  beim  Schloß  in  ben  unterirbifchen  ©ang  gehen  unb 
bi*  zu  feiner  ÜDlünbung  am  Hlofter  benfelbeu  entlang  wanbern". 

Die  arme  ÜKutter  oertraute  auf  ben  SBeiftanb  be*  ^ttnmltfdt)en 
SBater*  unb  wählte  ba*  lefetere.  Hucb,  oerpflichtete  fie  fich,  ein 
3öahr$ei(hen  au*  bem  ©ange  mitzubringen.  Sobann  machte  fie  fich 
mutig  an  ba*  gefährliche  Serf. 

s)iachbem  fie  eine  3cit  lfln9  gewanbert  war,  fah  fie  »löblich 
ben  Schimmer  einer  1-ampe.  Sie  befchleunigte  ihre  Schritte  unb 
befanb  fich  na(h  fairer  3*it  in  cttier  geräumigen  Stube,  in  welcher 
ein  Xifdj  unb  ein  große*  Söett  ftanb.  Sin  bem  Ütfdje  faß  eine 
Jungfrau  unb  nähte  emfig,  im  53ette  bagegen  lag  ein  ungeheurer 


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239 


SDradje  unb  fdjnardjte,  unb  ba«  fteuer  flog  tym  babei  au«  9ttaul 
unb  tWafc  bera««- 

ftaum  fjatte  bie  Jungfrau  bic  dritte  bcr  9ial)enben  gehört, 
fo  tyelt  fie  in  ifyrer  Arbeit  mite,  flaute  fid)  um  unb  nrinfte  ifyr, 
fidj  gan$  ftilf  ju  oerfmlten.  T>ann  fagic  fic:  „(£«  ift  bein  ©lücf, 
bafj  bcr  Dradje  fdjläft,  jonft  fy&tte  er  bid>  unfehlbar  jerriffen. 
bin  bie  oerwünfdjte  ^rinjcffiti  com  8d)loffe  unb  bin  für  immer 
uerloren,  benn  ber  mid)  erlöfen  follte,  f)at  midj  oerftofcen.  $)er 
t)radje  ba  ift  mein  2ßacf|ter.  2)u  aber  gefye  jefct  eilig  oon  fyier 
unb  üollenbe  bein  SJorlmben  mit  ®ott". 

$)a  bat  bie  SWutter  um  ein  SBkfyrjeidjen,  benn  bie  fltidjter 
bätten  ein  foldje«  »erlangt.  Sdjnell  uafym  bie  $rht&efftn  eine  $anb 
uoll  ©trob  aus  ber  23ettftelle  be«  Dracfjcn,  fdjlang  ba«felbe  311  einem 
Söanbe  ^nfammen  unb  legte  e«  fobann  bem  Söeibe  um  ben  Veib. 
Sil«  ba«  gefdjefyen  mar,  »erließ  biefe  eiligft  ba«  Limmer  un0  ^ef 
bem  ?(u«gange  $u,  unb  ba«  ©trofjbanb  leuchtete  iljr  auf  bem  SBege, 
wie  eine  §elle  ttampe. 

hinter  fidj  f>er  Ijörte  fie  jefct  ben  $)rad)cn  brüllen,  roetetyer 
au«  feinem  (Schlafe  ermaßt  war.  2)od)  er  uermodjte  bie  3)iutter 
nidjt  meljr  einholen,  benn  nur  noa?  wenige  Stritte,  unb  fie  mar 
im  Sloftergarten,  wo  bie  föidjter  iljrer  fa>n  darrten.  §kt  mu&tc 
fie  alte«  fjaarflein  ersten,  unb  (,X)a«  ift  mein  Sal^eiajcn"  fagte 
fie,  al«  fie  mit  bem  Scripte  gu  @nbe  gefommen  mar,  unb  wie« 
auf  ba«  glänjenbe  ©trofybanb.  $)a«  war  aber  iefet  fein  <£troljbanb 
me$r,  fonbern  ein  Reifen  öon  bem  feinften,  lauterften  @o!be,  für 
ben  fie  fo  Diel  (Selb  erhielt,  bafe  fie  ofme  Sorgen  mit  ibrem  Äinbe 
baoon  bi«  $u  tyrem  Xobe  leben  fonnte. 

£)ie  gottlofe  Äinbe«mörberin  aber,  welche,  um  fidj  gu  retten, 
tyre  Orreunbin  fjatte  oerberben  wollen,  würbe  auf  ben  föid)t»la{} 
geführt  unb  erlitt  ben  £ob  0011  genfer«  |)anb. 

gbcnbafjet. 

300. 

3)ii«  alte  Sdjlofc  bei  üföljfe. 

3u  ber  ftelbmarf  be«  $orfe«  ©öljle  bei  Sdjiefelbein  foll 
früher  eine  alte  SRaubritterburg  geftanben  Ijaben,  öon  ber  aber  jefct 
feine  @»ur  meljr  oorlmnben  ift.  $or  langer  £eit  nun  al«  bie 
Ruinen  be«  ©ebäube«  nodj  wobl  erhalten  waren,  faf)  man  in  bem 


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240 


<öd}foj?  jebe  Wadjt  ein  IjelleS  £id)t  brennen,  obgleich  bafelbft  feit 
Wielen  ^afyren  niemanb  mebr  tuofjnte.  üWcljrere  Yente  Ratten  fdmn 
unternommen,  bort  gu  übernadrten,  um  gu  erfahren,  ma$  e«  mit 
bem  \Md)t  auf  fidj  Ijabe;  aber  am  anbern  Üttorgen  waren  fie  iebe$< 
mal  tot  aufgefunben  toorben. 

s}Jun  fam  einft  ein  reifcnber  Sdmftergefetl  burd)  beu  Ort  unb 
febrte  im  ©aftljauS  ein.  Der  Sirt  erjagte  ibm  beiläufig  bie  ®e- 
fd)idjte  unb  madjte  ben  |)anbmerf$burfdjen  baburdj  fo  abenteuerluftig, 
ba&  berfelbe  befdjlojj,  audj  eine  ^tadjt  in  ber  SBurg  gugubringen. 
Vergeben«  fufye  ber  SBirt,  ben  3)?ann  ton  feinem  Vorhaben  abgu* 
bringen;  ber  fagte  nur:  „3u  verlieren  fwbe  idj  nichts  auf  biefer 
SÖelt,  möglia),  baß  id>  fner  nod)  mein  ®lücf  mad)e".  Da  alle« 
Ableben  nid>t«  fjalf,  ließ  ilm  ber  Sirt  be«  ?lbenb«  auf  ba«  Sdjlofe 
gießen.  Der  ©efelle  nafym  Jammer,  3an9f/  ^rt  unD  ^ed/braljt 
mit  fia%  fefetc  fid?  in  ein  ßimmer,  günbete  ein  fteuer  an  unb  be* 
gann,  fleißig  ein  BtM  £eber  gu  bearbeiten.  Dabei  flötete  er  ein 
luftiges  ü'ieb. 

Um  fjalb  groölf  Ufjr  öffnete  fid)  bie  £pre  unb  gmei  2Jfänner 
traten  herein  mit  einem  fdjön  auSgefdjlagenen,  leeren  Sarg  unb 
einer  fdjmeren  ßifte  »oll  ©elb.  Die«  fdjütteten  fie  auf  einem  Xif$ 
au«  unb  befahlen  bann  bem  Sdjufter,  ben  Sdjafe  in  gmei  gang 
gleite  Hälften  gu  teilen;  bringe  er  ba«  nidjt  gu  ftanbe,  fo  mürben 
fie  itju  töten  unb  in  ben  Sarg  legen. 

Dcr®efelle  marfjte  fidj  fofort  an  feine  Arbeit  unb  Ijatte  audj 
nad)  furger  3eit  ba§  gait3e  ®elb  geteilt;  nur  ein  geller  mar  übrig 
geblieben.  Da  nalnn  er  lmrtig  Jammer  unb  3an9e/  WH  Die 
tfupfermüngc  entgmei  unb  legte  gu  iebem  Raufen  je  eine  §älfte. 
911«  er  fertig  mar,  fagten  bie  Männer,  nun  feien  fie  erlöft.  pnf* 
gebn  2Hen|d)en  Ratten  oor  ilun  baSfelbe  fcerfudjt,  e«  märe  aber  feinem 
gelungen,  unb  alle  fyätten  iljr  Abenteuer  mit  bem  Veben  begaben 
müffen.  @r  folle  für  fid/  ben  einen  oon  ben  beibeu  Raufen  behalten, 
ben  anbem  aber  ben  ?lrmen  geben.  Darauf  nahmen  fte  ben  Sarg 
unb  uerfdjtoanben. 

9lm  anbern  borgen  ging  ber  2öirt  gang  traurig  auf  ba« 
Scfylojj;  beim  er  glaubte  uidjt«  anbere«,  al«  bie  Yeidje  be«  $anb= 
merfSburfdjen  31t  finben.  Der  aber  roadjte  gang  oergnügt  auf,  über» 
gab  bie  eine  $älfte  be«  Sdjafce«  bem  ©erid>t  gur  Verteilung  au 
bie  Armen,  bie  anbere  behielt  er  für  fi$  unb  mürbe  ein  reidjer 


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241 


üDZann,  fo  baß  er  geitlebenS  feine  sJJaIjrung$forgen  mefyr  batte.  9ludj 
ben  gutherzigen  Sirt  bebaute  er  mit  einem  großen  ©elbgefdjenf. 

"Dlünblidj  au$  Wifrifl.  tfreiö  2d)icfeU>cin. 

301. 

$ad  ocrroünfditc  Sdjlofi  bei  JHitjig. 

$n  einem  Dorfe  bei  ffiifcig  mofmte  einmal  ein  armer  üWann, 
welcher  gerne  rcict)  werben  moüte.  (Siuft  ging  berfelbc  31t  feinem 
^acfybarn  unb  ergäfylte  biefem  Diel  Don  feineu  flauen,  luic  mau 
fdjuell  $u  ©elb  fommen  fönne.  9ll£  er  fidj  lieber  auf  ben  $c\m* 
meg  madjte,  mar  e3  mittlcrtoeilc  fpät  geworben,  fo  baß  er  in  ber 
Dunfelbeit  »om  SBegc  abfam  unb  fidj  oerirrte. 

Da  falj  er  plö&lia)  oor  fidj  ein  IjelleS  i'idjt  flimmern,  unb 
als  er  näljer  fyinjueilte,  mar  e£  ein  großes  Sd)loß.  (£r  ging  fyin^ 
ein  unb  tarn  burd)  oielc  gimmer.  jebem  brannte  ein  t'icfyt, 
bod)  mar  nirgenbs  ein  lebenbeS  SBefen  31t  fer)en.  <Sd)lie§ltd>  ge- 
langte er  in  eine  Jiammer,  in  toeldjer  ein  großer  Raufen  blanfer 
Xfyaler  lag.  ©icrig  griff  er  3U  unb  begann  feine  Xafdjen  mit  ben 
©Jungen  gu  füllen.  Da  rief  plöfelidj  eine  Stimme:  „Du,  ik  rud 
di,  nimm  etwas!"  Dod)  er  artete  nidjt  auf  bie  Sarnung  unb 
ftopfte  nur  nodj  mel;r  hinein.  Die  Stimme  fdjrie  wieberum:  .,Dü, 
ik  räd  di,  nimm  etwas!u  Statt  gu  gel)ord)en,  gog  er  fein 
Sdjnupftudj  fyerauS  unb  begann,  aud)  ba  hinein  ©clb  gu  fdjarren. 
3efet  ließ  e$  fid)  gum  britten  9JJale  öernelunen:  „Du,  ik  md  di, 
nimm  etwas!"  (£r  aber  fyatte  gerabe  alle  Kleiber  ooller  Jljaler 
geftopft  unb  oerließ  baS  Sdjloß. 

Draußen  icbod)  fam  plöfelid)  ein  ßiegenborf  auf  ifm  51t  unb 
nalnn  ityn  auf  feinen  Surfet,  flog  mit  ibm  burdj  bie  i'uft  unb  marf 
tyn  brei  ©Zeilen  hinter  £abe$  auf  bie  (Srbe,  baß  er  9lrm  unb  Söein 
bradj.  $e&t  mar  er  allerbingS  ein  reifer  ÜWann,  blieb  aber  bafür 
aud)  gettleben«  ein  Krüppel. 

(fbenbaljer. 

302. 

$ie  ©lotfeu  mjit  SCruljaufen.1) 

(Sttoa  gmei  3tteilen  oon  Wm,  im  Streife  Selgarb,  ent; 
fernt  liegt  ba«  Dorf  5(rnf>aufcn.   Da3  foll  oor  Reiten  eine  große, 

»)  Xicielbe  Säße  wirb  in  Sempclbura  von  Den  Ölocfen  ber  3tabt 
Stngermünbc  erjätjU.   $erajei$c  aud)  oben  Sage  230. 

16 


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242 


mächtige  Stabt  gewefen  fein,  mährenb  IJoIjtn  nur  ein  fleiner 
Crt  mar. 

Damals  nun  beflellten  bie  Hrnhaufener  SJürger  ein  $aar 
fdjöne  ©locfen  für  ibre  fttrdje.  Slbcr  fomel  2Müt)e  oud)  ber  ©locfen* 
gießer  borauf  fertuenben  mod)tc,  ber  <5toj3  wollte  it)m  nicht  gelingen. 
%[$  fid)  ober  ber  ©efelle  an  bie  Arbeit  machte,  famen  bie  ©locfen 
gleich  ba£  erfte  Wal  ohne  5ch*  unb  Wafel  an«  bem  ©u§. 
Da  warb  ber  Weifter  eiferfüdjtig  unb  erftadj  ben  ©efellen,  ben 
beuten  erjät)lte  er,  ber  Surfte  fei  ifjm  bei  9iacht  unb  Webel  babon 
gegangen. 

Wachbem  jebod)  bie  ©toefen  im  Xurm  aufgehängt  waren,  fangen 
fie  ganj  beutlidj: 

„Dei  ml  göt, 
Dei  is  all  död. 

Meschter  schtak  de  Geselle  död, 

As  hei  mi  göt; 

Lijjt  begrawe 

Unnem  Schw!ekäwe.u 
Da  gingen  ben  beuten  bie  klugen  auf.   Sie  gruben  nadj  unb 
fanben  bie  deiche  be«  ffirmorbeten.   Der  ©IocfengieBer  aber  würbe 
balb  barauf  hingerietet. 

(Sbenbabet. 

303. 

2)er  tterftetnerte  Srfjmemerrciber  bei  ^uralow. 

Stuf  ber  ftelbmarf  be«  Dorfe«  ^umlow  unweit  Söelgarb  tag 
ehebem  ein  längliche«  Steinoierecf,  in  beffen  Witte  fidj  ein  ftelSblocf 
befanb,  ber  bie  übrigen  Steine  an  ©röjje  überragte.  $efct  ift 
baoon  nur  noch  wenig  $u  feljen,  ba  bie  meiften  Sölöcfe,  unb  unter 
ihnen  auch  Dcr  8r°fcc  äflittelfiein,  bon  ben  beuten  ber  Umgegenb 
weggeholt  ftnb. 

33on  biefem  Steinbierecf  ergä^ft  man  fich:  (Einft  flanb  bor 
bielen,  Dielen  fahren  auf  biefem  ^Jlafce  ein  Schweinetreiber  inmitten 
feiner  $)erbe,  al«  ein  ^riefter  mit  bem  ^etltgen  91benbmahle  borbei 
jog.  Der  gottlofe  Söfemicht  berfpottete  ben  Zeitigen  Wann,  unb 
$ur  Strafe  bafür  mürbe  er  famt  feiner  ganzen  $erbe  auf  ber  Stelle 
in  jenen  Steinhaufen  berwanbelt. 

lt  mme.  SJoltSfaaen.  9h.  188  au§  ben  ?Uten  ber  ^omm.  ®efem'$aft  f.  öefäicbte. 


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243 
304. 

$ie  ©locfen  t>on  Älcbom. 

Um  ben  ßefciner  ^cc>  «n  Greife  $)ramburg,  liegen  bie  toter 
Dörfer:  Älebom,  Xefdjenborf,  3cfem  unb  2öuflcrn?i^.  2)aoon  ift 
ftlebom  ba8  größte  unb  in  [einem  93efü)  befinben  fid)  bed^alb 
feit  uralter  Qtlt  $mei  Äirdjenglocfen,  2lnna  Sufanna  unb  ÜJtargarete 
geheißen. 

2)a$  mar  ben  SBuftertüi^ertt  ein  $orn  im  Sluge.  @ine$  SEßiutcr* 
tageä,  al$  ber  3e$iner  ©ee  feft  zugefroren  mar,  matten  fie  fid) 
auf  ben  2Öeg  nad>  ßlebom  ljin,  ftaljlen  bie  ©locfen  unb  trugen  fie 
eilig  jum  Ufer,  bort  mürben  fie  barauf  in  ©glitten  gelegt  unb  fort 
ging'3  über  ba$  (5iö  nad}  ©uflermifc  ju.  $)oa)  als  fie  mitten 
auf  bem  (See  maren,  brad)  bie  (SiSbecfe,  bie  ©lorfen  oerfanfen, 
unb  bie  $>tebe  fonnten  »on  @lü(f  fagen,  baß  fie  mit  bem  l'eben 
baoon  famen. 

2118  nun  im  nädjflen  Orrüljjatyr  bie  fllebomer  ^ifdfyer  im  See 
ifyre  Wefce  auSmarfen,  Nörten  fie  tief  unten  im  ©runbe  bie  beiben 
©lotfen  läuten,  unb  Margarete  fyradj: 

„Anne  Susanne! 

Wist  mit  tö  Lanne?u 
„NG,  Margret",  antmortete  bie  (Gefragte,  „man  immer  deiper 
rin.u   Das  fyaben  bie  tfeute  im  Dorfe  erfläfflt,  unb  barauf  Ijat  man 
bie  ©locfen  mieber  tyerauSgefifdjt,  unb  fie  Rängen  nodj  iefct  in  ber 
ßlebomer  Äirdje. 

SRünbltcb  au«  JHifetg,  Äreiä  3djicfelbein. 
305. 

Die  <§tabt  Xempelburg  liegt  jmifdjen  bem  Dra$tg»  unb 
bem  3eplm*®tt  eingefeilt,  unb  batyer  Ijat  fid>  ber  ©laube  bei  ben 
Semobnern  enrmicfelt,  fcempelburg  mürbe  bereinfl  bur<$  ©äff er  gu 
©runbe  ge^en.  SDfan  behauptet  fogar,  fdjon  jefct  befänbe  fid)  unter 
ber  ©tobt  Hanfe«  ©affer;  aud)  mirb  er^lt,  ein  Steif  oon  bem 
^eftlanb  fei  cor  langen  3«ton  plöfctidj  oerfunfen,  unb  bilbe  bort  ber 
See  eine  $e$n  bis  fünfeefm  Älafter  tiefe  Stelle.  <£S  foll  baS  oer» 
funfene  Sanb  $art  an  bie  ©erbereien  geßojjen  fyaben,  meiere  fid) 
jefet  am  Drajig^ee  befinben,  unb  als  ©emeiS  für  bie  fliifyigteit 

16* 


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244 


biefer  ©ebauptung  roirb  angegeben,  baß  bort  ba3  Seeufer  gleid)  am 
SRanbe  fc^roff  abfällt. 

orüfjer  foll  int  See  tief  Salb  gemefen  fein,  unb  bie  £eute 
ersten  fidj,  baß  nodj  ^eute  große,  mädjtigc  23aumftämme  auf  bem 
Seegrunbe  lägen.  ferner  n;irb  bem  $ragig  See  nadjgefagt,  er  forbere 
|ebe$  3a()r  minbeftenS  ein  Cpfer.  £a$  Üfterlmürbigfte  aber  ift 
ein  9lusfprudj,  ben  oor  Dielen  ^afyren  ein  fef;r  gelehrter  9)iann  über 
*  biefen  See  getljan  fmt.  Süerfelbe  fagte  nämlidj,  bie  Xcmpelburgcr 
müßten  gar  nicfyt,  meiere  9?eirf|tümcr  fie  in  ifyrem  See  befäßen. 
£ief  in  beffen  Saffern  gebettet  liege  ber  Stein  ber  Seifen,  unb 
ber  ferluubere,  baß  jemals  ein  ßjemitter  Don  ber  5)ragiger  Seefeite 
aud  über  Jempelburg  fommen  fönnc.  3>aß  fie  Don  biefer  Rimmels 
gegenb  anö  mit  ®emittern  Derfdwnt  blieben,  mußten  nun  freiließ 
aud)  bamalS  bie  Xempelbnrgcr  fdjon,  baß  baran  aber  ber  Stein 
ber  Seifen  in  ifjrem  £ragig*See  fdmlb  fei,  ba«  mar  i^nen  bi£  • 
batjin  oerborgen  gemefen. 

WünMicb  au*  Icmpclbura,,  Ära*  fleuftettin. 

300. 

$tc  Jöleic  im  &tpüntv  ©ee. 

t)er  ^c^fincr  See  bei  Jempelburg  mimmeltc  früher  Don  ben 
größten  unb  fünften  JÖlcien.  §eute  bagegen  ift  fein  einziger  ftifdj 
biefer  Gattung  mefjr  31t  finben,  unb  baö  baben  fid)  bie  5»f<^er  felbft 
gugufdjreiben. 

(Stuft  Ratten  fie  nämlid)  einen  überaus  reiben  ftang  an  33leien 
gemalt.  2)a  fam  ein  9flann  au8  lempelbnrg  unb  mollte  fid>  ein 
©eridn"  baoon  taufen;  benn  er  Imtte  am  folgenben  läge  Sinbelbier 
auöguridjten,  unb  nad)  alter  Sitte  gehören  in  ber  bortigen  ©egenb 
ftifclje  gu  jebetn  ^Pnwuö.  2)?od)ten  nun  bie  &ifdjer  gegen 
ben  Käufer  einen  §aß  gehabt  fyabtn,  ober  beabfidjtigten  fie,  bie 
öleie  im  gangen  an  einen  Jpänbler  gu  üerfaufen,  furg  ber  ÜMann 
tonnte  fo  Diel  ®clb  bieten,  mie  er  mollte,  er  erhielt  audj  itic^t 
einen  ^ifdj- 

$a  marb  er  gornig  unb  rief  ben  borten  i'euten  gu:  „Seil 
if>r  fo  graufam  gegen  mief/  gemefen  feib,  follt  iljr  gur  Strafe  beute  bie 
legten  33leie  in  biefem  See  gefangen  baben".  Unb  ber  £lud)  ift 
in  Erfüllung  gegangen.   9iodj  nie  mieber  Ijat  fidj  feit  ber  ^ett  im 


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I 


245 


See  ein  99lei  erbltrfen  laffen.  Die  alten  ?eute  in  Jempeflntrg 
behaupten,  fie  lägen  unter  bem  gelben  93erg,  amifdjen  pfeifen 
eingeflemint. 

ebenbaber. 

307. 

Der  $Io<f«bcrfl  bei  tcmpdbnrg. 

(Sttoa  eine  Stunbe  oon  Deinpelburg  entfernt  liegt  im  Stobt* 
toalbe  bort  am  Dolgenfee  ein  großer  $riigel,  ber  SÖlocfSberg  ober 
Sdjlofeberg  genannt.  Diefer  93erg  ift  nic^t  nur  beöroegen  merfnnirbig, 
treit  auf  tyn  am  SSJalpnrgiSabenb  bie  $ejen  auf  ÜBefenftielen  reiten 
ober  in  einem  Siebraub  laufen,  foubern  man  toeifc  fid)  aud)  t>on 
Üjm  er^len,  bafc  früher  auf  feinem  Gipfel  ein  grofje«  Üiaub» 
fdjlofc  geftanben  fjat.  Die  .jperren  beSfelben  fyaben  bie  umliegenbc 
ftegetib  fef>r  bebrüeft,  unb  jur  Strafe  für  iljre  ©etoafttyateu 
l)at  ©Ott  eines  Sage«  bie  Surg  tief  in  bie  <5rbe  hinein  Oer* 
finfen  laffen. 

£u  ber  ^eit,  als  bie«  gefdjaf),  meinten  in  bem  Schlöffe 
gerabe  jroei  ^rinaeffiimen,  Don  benen  bie  eine  Sufanne,  bie  anber* 
Margarete  Inefi.  Diefe  beiben  Jungfrauen  leben  nun  im  33lotf«berg 
bis  auf  ben  heutigen  Xag  verzaubert  fort  unb  Marren  i^rer  Grlöfung. 
Jebe«  Jaljr  am  Johannistag,  mittag«  12  llfyr,  öffnet  fid>  ber 
SBerg,  unb  bie  ^rinjeffinnen  fteigen  au«  iljm  Ijerau«  unb  geljen  bem 
naben  See  $u,  um  bort  gu  baben.  Jtyre  ©eftalt  ift  ^alb  3)?cnfdj, 
balb  ftifdj.  ÜSafu-enb  bie  eine  im  See  if>re  «§aare  lammt  unb  fonnt, 
fingt  bie  anbere  itfx  $u: 

„Susann! 

Wist  mit  tö  Lann?" 
»orauf  bie  anbere  antwortet : 

„Nö  Margaret, 

Ma  imme  d£p! 

N6  Margaret, 

Ma  imme  d6p!M 
2öer  ein  SonntagSfinb  ift  unb  e$  fo  glüeflia)  trifft,  gerabc 
am  Joffanniötag,  mittag«  jnjölf  U^r,  beim  See  oorbei^ufontmen, 
ber  fann  bie«  alle«  nodj  heutige«  Sage«  erleben. 

Gbenbabw. 


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246 


30*. 

$te  ©cnbenglotfen  im  ©irrf)ott)-See. 

Um  ben  ©trdjotv*See,  im  9?euftettiner  Streife,  tvoljnten  in 
alten  Reiten  bie  ©enben.  3^rcn  $a"plfife  Ratten  fte  in  bcm  Dorfe 
Saffenburg,  tuelc^ed  aber  bamalä  ben  tarnen  ©irajotv  führte. 
Dort  gehörte  Urnen  eine  große,  vrädjtige  Äirdjje,  unb  in  bem  ftirdj- 
turm  fingen  bie  fd)önften  ©locfen  be8  gangen  £anbe$. 

Da  gefdjal)  eö  vor  vielen  Rimbert  ^a^ren,  bafc  bie  Sadjfen 
in  bie  ©egenb  eintvanberten,  fid)  ju  ^erren  matten  unb  bie  armen 
©enben  veralteten  unb  unterbrächen.  Denen  gefiel  audj  ba$  fdjöne 
Dorf  ©irdjotv,  unb  fic  bertrieben  bie  ©enben  barauS  unb  ließen 
fidj  barin  nieber  unb  nannten  e$  bon  nun  an  Saffenburg. 

Die  verjagten  ©enben  gogen  barauf  an  bie  anbere  Seite  bed 
Seeä  unb  grünbeten  bort  ein  neueä  Dorf,  tvelc^ed  fic  junt  Slnbenfen 
an  ba8  alte  mieber  ©irdjotv  (©urcfyotv)  nannten,  tvie  e$  aud)  jefet 
nod)  gereiften  mirb.  2lu8  bem  alten  ©ofynfifee  Ratten  fie  nidjts 
mitnehmen  fönnen  als  bie  frönen  Äirdjenglocfen.  Über  biefe  freuten 
fie  fid)  aber  fefyr,  benn  fie  waren  ja  ba$  einzige  Slnbenten,  baS 
i^neu  von  bem  ^eimatäborfe  geblieben  mar,  in  bem  fie  geboren 
waren,  unb  tvo  iljre  (Sltern  unb  von  fo  mandjem  bie  Äinber 
begraben  tvaren. 

Allein  aud)  biefe  ftreube  motten  iljneu  bie  Sadjfen  nia)t 
gönnen.  ©ine$  lageö  erfdjienen  fie  in  bem  neuen  Dorfe  ©irdjotv 
unb  nahmen  bie  ©locfen  mit  ©etvalt  fort,  um  fie  in  iljren  Skiffen 
über  ben  See  nadj  Saffenburg  %w  bringen.  Stber  tvie  fie  mitten 
auf  bem  ©affer  tvaren,  erlmb  fid;  auf  einmal  ein  fdjretflidjer  Sturm, 
bie  Scfyiffe  mürben  an  einanber  getrieben,  bafj  fie  jerfdjellten  unb 
aerbradjen  unb  bie  Saufen  einen  erbärmlidjen  Job  in  ben  ©eilen 
fanben. 

Die  ©locfen  gingen  mit  ifmen  $u  ©runbe.  Unb  bie  tfeute 
fagen,  von  ben  ©locfen  allein  fei  biefed  Ungtücf  Ijergefommen;  benn 
bie  Ratten  nidjt  von  ben  ©enben  laffen  unb  ben  Saufen  bienen 
mollen.  Sie  liegen  nodj  fjeute  unten  in  bem  ©äff er,  unb  utemanb 
vermag  e$,  fte  herauf  $u  1/olen.  Slber  gu  getviffen  fann  mau 
fte  auf  bem  ©runbe  mit  menfd/lidfen  Stimmen  ein  ftlagelieb  fingen 
frören,  bafc  fie  ba  unten  auf  bem  ©runbe  meilen  muffen  unb  nid)t 
§u  ben  ©enben  gurürf  fönnen. 

lemtne,  ^Bolföfagen  91t.  280  unb  münblia). 


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247 


309. 

$er  Schwinäger  bei  SBurdjow. 

$n  ber  9iäfje  öon  Surdjoto,  an  ber  (Sljauffee  nadj  Sublim 
liegt  ein  SEßälbdjen,  in  bem  fidj  eine  Unaaljl  teil«  größerer  teils 
Heinerer  $el«blöcfe  befinbet.  Dort  toeibete  nämlid)  einmal  öor  uielen 
^a^ren  ein  ©djioeineljirt  feine  §erbe.  Dabei  flutte  er  ieboc^ 
fo  greulidj,  baß  ©otte«  3orn  "&er  ty"  entbrannte  unb  er  famt 
feiner  gangen  großen  $erbe  auf  ber  ©teile  in  ©teine  oertoanbelt  mürbe. 

3um  ©ebäd)tni«  baran  $at  ba«  SBälbdjen  ben  tarnen 
Schwinäger  oder  Schwtnäwer  erhalten  nnb  fjeijjt  fo  bis  auf 
biefen  lag. 

Wünblid?  au3  SBurcpoio,  ÄreiS  SReuftetttn. 

310. 
35er  Gararainfcc. 

95ei  bem  Dorfe  ©bboto  liegt  ber  Gamminfee,  an  beffen  ©teile 
früher  eine  große  ©tabt  ftanb,  Gammin  geheißen.  Diefetbe  if*  jebodj 
oor  bieten  fyunbert  ^a^ren  plbfclidj  oerfunfen,  unb  tyr  Slnbenfen  erhält 
fidj  nur  baburdj,  baß  immer  in  ber  Sei^naa^t^eit  bie  ©locfen  ber 
oerfunfenen  Sctrd&en  im  ©ee  tauten.  2luc$  fann  man  nidjt  überall 
ben  ©ee  befifdjen,  »eil  fidj  nod?  an  oielen  ©teilen  bidjt  unter  bem 
©affcrfpiegel  ba«  Sau^olg  beT  alten  ©tabt  befinbet. 

%n  bem  oerfunfenen  Gammin  Ijaben  Ulanen  geftanben.  (Sinmal 
im  fta^re  in  ber  3o$anni«nadjt  fommen  biefelben  au«  bem  Saffer 
Ijeroor  unb  fteigen  auf  ben  in  ber  «Witte  be«  ©ee«  befinbltdjen 
©erbet,  einen  Meinen  33erg,  unb  madjen  bort  iljre  Übungen.  Doct) 
fann  man  bie»  nur  jtoifdjen  elf  unb  gtoölf  Utyr  erbtiefen. 

Sin  bem  Ufer  be«  ©ee«  ift  aud)  oft  eine  gefpenftifdjc  ftrau 
gefe^en,  toetdje  il)re  ffiäfdje  toufdj.  Ob  fte  gleidrfall«  ber  oeifunfeuen 
©tabt  angehört,  weiß  man  aber  nid)t. 

OJiünbltdj  au*  Spboro,  Ärei*  Sdjlaroc. 

311. 

$te  ©locfcn  oon  $eterfau. 

211«  in  bem  Dorfe  ^eterfau,  in  ber  9?ä^e  oon  8tummel«burg, 
bie  £ir$e  abbrannte,  oerließen  bie  beiben  ©locfen  ifjren  ©tuljl  unb 


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248 


flogen  in  bcn  See  hinein,  toofetbft  man  fic  noch  oft  läuten  Gört. 
(Sinft  toanberte  ein  üftann  am  Ufer  üorbei  unb  fah  bie  GMocfen  auf 
ber  95Mefe  fielen.  Sdniell  eilte  er  fjingu  unb  ergriff  bie  größere 
von  ben  beiben.  $>a  fagte  aber  bie  attbere:  ,,©cnn  man  ba$ 
kleine  oerachtet,  tt)irb  man  beö  ©roßen  nicht  §err!"  unb  bie  große 
@Mocfc  entriß  fich  ben  .pänbeu  bc$  2ftannc$  unb  teerte  mit  ihrer 
©efährtin  roieber  in  ben  See  jurücf. 

ÜJHinblid)  aus  Srjcbiattoro,  Ärcia  SJütoio. 

312. 

$a«  t>crtottiifd)tc  ©djlofj  bei  ©fitotti. 

Vei  SSiitotü  liegt  ein  fyoljer  Verg,  auf  beffen  ©ipfel  fidj  eine 
bebeutenbc  trichterförmige  Vertiefung  befinbet.  ü)tan  ^at  fchon  oft 
berfud)t,  bicfelbe  jupfchütten,  bod)  ift  baö  noch  niemals  gelungen. 
$>ie(er  Verg  nun  fotl  eine  oertoünfehte  Vurg  fein  unb  burdj  einen 
unterirbijdjen  ©ang  mit  bem  Schloß  in  Vütoro  in  Verbinbung  ftefjen. 

Vor  oieten  fahren  ttmrbe  in  ber  Stabt  ein  Verbrecher  $um 
2obe  oerurtcilt,  unb  man  ftetlte  ihm  bie  2ßahl,  ben  Job  burd) 
£)eufer§  ,f)anb  $u  erlciben  ober  burdj  ben  ®ang  nach  bem  Oer* 
münfdjten  Sdjloß  ju  gehen  unb  bort  eine  Schrift  oou  bem  Vurgherrn 
ju  holen,  melier  in  bem  Verge  bezaubert  fifet.  ©r  loählte  ba§ 
lefetere  unb  tarn  nach  einiger  3eit  an  eine  Pforte,  oor  ber  ein  großer 
.f)unb  tag.  9)cutig  trat  er  über  ba§  Untier  hinweg,  öffnete  bie  £h"rc 
unb  faub  mirflich  in  einem  Saale  ben  Schloßherrn  fttyen.  ?(udj 
befam  er  baö  Schreiben  unb  gelangte  glücftich  toieber  in  bie  Stabt 
juriief.  Daö  Sd)riftftü(f  foll  fich  noch  icfet  un*cr  ocn  »on 
Viitoio  befiuben,  aber  fo  oergilbt,  baß  c£  fein  ättctifdj  entziffern  fann. 

Cbenbaber. 

313. 

(Sin  Sttann  tuirb  in  ben  i>erttmnfd)tcn  93erg  bei  Viitott)  geführt. 

Vor  einigen  fahren  ging  ein  fflann  au  bem  oermünfehten 
93erg  bei  Vütoto  ooriiber.  Da  traten  jmei  grauen  au$  ihm  hcr^u^ 
unb  führten  ihn  in  ben  4>ügel.  Dort  befanb  er  fich  mitten  in  einer 
belebten,  oolfreidjen  Stabt;  bocf>  fürchtete  er  fia)  fo  fe$r,  baß  er  fid) 
oon  feineu  Vegleiterinneu  über  nichts  ftuäfunft  geben  ließ  unb  fich 
auch  Mit  2lubenFen  mitnahm.   Jochbein  er  fedjs  Stunben  in  bem 


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240 


Serge  oermeitt  fjatte,  führten  iljn  biefelben  grauen  mieter  in  bie 
Cbermelt  3urücf. 

(?bcnbaf)cr. 

314. 

$tc  ticrmftnfdftc  ^uugfrau  im  Bezauberten  @d|fofj  bei  SJtitom. 

3n  Söütotü  ftanbcu  früher  ^pufaren.  Giner  ton  biefen  ging 
ciuft  an  bem  üermünidjten  Sdjtofc  uorüber;  ba  trat  eine  Jungfrau 
aus  bem  33erg  auf  ifm  3U  unb  fagte,  er  fönne  fic  ertöfen.  ©r  foüe 
fie  nur  auf  feinen  Warfen  nehmen  unb  31t  ber  (nidjt  gau^  eine 
25iertelftunbe  entfernten)  faffubifdjen  ßirdje  tragen.  9iur  bürfe  er 
rein  2öort  babei  fpredjen,  e8  möge  tfun  audj  3uftofjen,  maS  ba  motte; 
c$  fönne  ifmi  nidjtä  etmaS  angaben. 

©er  <3olbat  mittigte  ein  unb  ging  mit  feiner  £aft  gerabeSroegS 
auf  bic  flirdjc  3U.  2Ulerlmnb  Xiere:  ©drangen,  Drad)en  u.  f.  m. 
erfdjienen  unb  fügten,  if>n  am  Weitergeben  311  oerfyinbcrn.  Dod) 
er  teerte  fidj  au  nichts  unb  mar  fdjon  auf  bem  £irrf|ljof;  ba  fyatte 
er  plöfclid)  ba$  ©efütjt,  a(3  Ijöbe  ifyn  jemanb  in  bie  $)öf)e,  unb  als 
mürbe  it)in  ber  $mt  oom  Äopfe  geriffeu.    ©rfcfyrocfen  fdjrie  er  auf: 

mein  .f)ut!"  Da  fdjmang  fidj  bie  Jungfrau  in  bic  £üfte 
unb  begann  311  jammern:  „£)ätteft  bu  bodj  nidjt  gefprodjen;  nun 
bin  idj  neunmal  tiefer  in  bie  (Srbe  oerttriinfcfyt  als  oorljer.  9htr 
auf  3mei  Birten  fann  idj  jefct  nod)  ertöft  merbeu: 

©in  ÜJfäbdjen  mu§  fidj  »erführen  laffen  unb  bie  Jodjter,  bie 
fo  geboren  mirb,  mieber  unb  fo  immer  meiter.  Das  fiebente  Sinb 
in  biefer  ÜReifje  mirb  mid}  erlöfen  fönneu. 

Ober  eine  .£>ol3taube  mirb  herangeflogen  fommen,  mit  einem 
©amenforn  im  ©djnabel.  Dies  mirb  fie  auf  bem  oerroünfdjten 
Serg  fallen  taffen,  unb  barauS  mirb  eine  $id)te  erroadjfen.  Wenn 
ber  Saum  nun  grofj  ift  unb  umgehauen,  mirb  eine  Siege  barauS 
oerfertigt  merbeu.  Da«  $inb,  meines  in  biefer  Siege  geroiegt 
mirb,  fann  mid)  erlöfen".  s3iadjbem  fie  baS  gefagt  fyatte,  oer= 
fcfymanb  fie. 

Cbcnbaljfr. 

315. 

#art  an  bem  oermünfdjten  Serge  bei  Sütom  oorbei  fliegt 
ein  93a^  ber  eine  Saffermüf)te  treibt,   ©ie  Reifet  bie  Jungfern* 


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250 


mityle  unb  §at  ihren  tarnen  baoon  erhalten,  bajj  jebe  9Jacc)t  jwi* 
fdjen  elf  unb  jtoölf  Uhr  brei  Jungfrauen  au3  bem  SBerge  heraul« 
fommen,  an  ben  Söadj  gehen  uub  fid)  bort  baben. 

(Sinft  traf  fic  ein  ooriibergehenber  SEBanberer  bei  biefent  @e- 
fchäft,  unb  bie  Jungfrauen  forberten  ihn  auf,  fie  bodj  $u  ertöfen. 
Der  3Haun  jeigte  fid)  bagu  bereit  unb  oerfprad)  audj,  bie  it>m  ge* 
ftellten  S3ebingungen  genau  einzuhalten.  Gr  follte  nämlich  ba8  @r* 
löfung&oerf  an  brei  auf  einanber  folgenben  dächten  üoüfüfjren,  unb 
jtoar  mußte  er  jebe  oon  biefen  brei  dächten  unter  Beobachtung  be£ 
ftrengften  «tillfchtoeigenS  amifchen  elf  unb  jwölf  Uhr  eine  ton  ben 
brei  Jungfern  nad)  ber  faffubifdjen  Sirdje  tragen. 

2)a3  erfte  unb  jroeitc  2ttal  ging  alles  nad)  Söunfct),  ja  aiict) 
ba8  brittc  2ftat  hätte  er  trofe  mannigfacher  Slnfedjtungen  feine  Sluf* 
gäbe  glücflict)  gclöft,  wenn  u)m  nicht  ungliuffeliger  Seife  bidjt  »or 
ber  Sirene  fein  §ut  t»om  Seopfe  gefallen  wäre.  Ohne  an  fein  2?er* 
fpredjen  $u  benfen,  rief  er  au«:  „Sich,  mein  £ut"  unb  oerfdjwunben 
war  bie  Jungfrau  unb  uergeblich  alt  bie  angewanbte  SMje.  £)ie 
brei  Jungfern  ftfeen  baruin  nodj  heutiges  £age$  in  bem  S3erge  unb 
harren  u)rer  Grlöfung.  ^       ^  mm 

316. 

$er  wanbernbe  Stein  bei  $amer3borf. 

Sei  bem  $orfe  DamerSborf,  etwa  eine  ütteile  öon  SBütom 
entfernt,  liegt  feitwärts  ber  S^auffee  an  einem  ÜJidjtfteig  ein  gro§er 
Stein,  ber  gan$  baS  2luöfe^cu  eine«  ftriefenben  3Jtöbchen$  \)at. 
üSor  oielen  Jahren  nämlich  foll  fid)  einmal  in  biefer  ©egenb  eine 
SWutter  mit  ihrer  Softer  entgweit  unb  fie  uertoünfdjt  haben.  ^Darauf 
würbe  ba8  SRäbchen  in  jenen  (stein  öerwanbelt. 

2118  nun  bie  fatholifche  Kirche  in  $)amer$borf  gebaut  würbe, 
follte  auö)  biefer  3tein  baju  oerwanbt  werben.  $)och  fo  oft  man 
ihn  gur  Sauftätte  hinfthaffen  mochte,  am  anbern  SKorgen  fianb  er 
immer  wieber  auf  feinem  alten  ^lafee.  2)a  hat  man  ihn  benn  un* 
benufct  liegen  laffen  muffen. 

ÜJtünblid)  aus  2r§ebtattow,  ÄtetS  »ütoro. 

317. 

$er  berwfinfdjte  »erg  bei  Sufaow. 

Jm  $orfe  Söubow  bei  tfupow,  im  Greife  @tolp,  liegt  h^t 
hinter  ber  Stühle  ein  hoher  Serg,  auf  beffen  ©tpfel  fid)  ein  tiefe* 


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251 


Sodj  befinbet.  Oft  $at  man  oerfudjt,  baSfefbe  juaufdjfitten ;  bis  jefet 
ift  es  aber  nodj  feinem  gelungen. 

<£inft  braute  ein  alteS  aWütterdjen  3Hel>l  $ur  ÜHiU)le;  ba  faf) 
fie  eine  große  SWenge  Söäfdje  auf  bem  oertoünfdjten  Serge  jutn 
Ürocfnen  ausgebreitet  unb  Ijörte  aud)  gang  genau,  wie  bie  tfeine^ 
manb  im  SBiube  flatterte.  @rftaunt  ging  bie  %rau  in  bie  ÜHityle 
unb  fragte,  ob  benn  ^ente  fjier  Söfa^e  getrocfnet  würbe.  Die  Seute 
oerneinten  bieS  unb  gingen  InnauS,  um  baS  Sunber  ju  fetyen ;  fdmn 
mar  aber  alle«  roieber  oerfdjmunben. 

(Sbenbatjer. 

318. 

$n$  ftermfinfdjte  Äöniareirf)  bei  Selgarbt  int  Äreife  Üauenbnrg. 

Sei  bem  Dorfe  Selgarbt,  im  Äreife  l'auenburg,  liegt  ein 
fegeiförmiger  Serg,  oon  bem  bie  ^age  ergäbt,  er  fei  ein  uertufinfd}» 
teS  &imtgSfa)lo{$.  Die  ©egenb,  ringS  um  ben  Serg  fjerum,  foll 
ebenfalls  oermünfa^t  fein  unb  baS  au  bem  £d|lo&  gehörige  Äönig* 
rett^  barftellen. 

3luS  bem  Serge  famen  oor  £eiten  oft  gegen  flbenb  jmei 
toeijje  Jungfrauen  $erauS  unb  geigten  fidj  ben  ©anberern,  meiere 
am  Serge  ober  bem  babei  liegenben  Söalbe  oorüber  gingen.  $)äufig 
Ijat  man  fogar  bemerft,  ba§  fie  es  barauf  abfafjen,  fidj  mit  ben 
beuten  in  eine  Unterrebung  einjulaffen.  Sobalb  biefelben  fid>  jebod» 
auf  eine  gemiffe  (Entfernung  ben  Jungfern  genähert  fyaütn,  feinen 
eS  mieber,  als  fürdjteten  fie  fid)  oor  iljnen. 

9Jnn  lebte  einjt  in  Selgarbt  ein  frommer  Äuedjt,  melier  einen 
gang  unbefdmltenen  ?ebenSroanbel  führte.  Sei  jebermann  mar  er 
beliebt,  unb  jeber  ^ätte  ilm  gern  in  feinen  Dienften  gehabt.  Sluf 
bie  oerlocfenbften  Slnerbietnngen  t)atte  er  aber  immer  nur  biefe  9lnt- 
mort:  „Memanb  fann  gmeieri  $erren  bienen.  Ja?  lmbe  meinen 
guten  Srotfyerrn,  unb  ben  oerlafc'  id)  aud)  mdft". 

911S  biefer  fromme  Änedjt  ftd)  eines  SonnabenbS  fdjlafen  ge* 
legt  ljatte,  ^Örte  er  gegen  Irnlb  gmötf  1%  bie  ©talltfuire  fnarren 
unb  bie  beiben  ©djlo&jungfern  traten  herein,  aber  nidjt  meijj  toie 
fonft,  fonbern  gang  fd)mara,  als  mären  fie  in  tiefer  Xrauer.  Dem 
SDlanne  »arb  in  feinem  Sette  unfjeimlid)  gu  9Wute,  bie  Jungfrauen 
traten  jebod),  als  merften  fie  nid>ts  oon  feiner  fturdjt,  fonbern 
f»rad)en  ju  tym,  fie  hätten  eine  große  Sitte  an  ilm  unb  münzten 


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252 


nid)t§  fefmlidjer,  als  baß  er  fic  if>nen  erfülle.  $efct  würbe  ber 
Shtedjt  mutiger  unb  antwortete :  „bringt  euer  Anliegen  nur  öor; 
faun  idj  eud)  fyelfen,  fo  folfö  an  meiner  SBeifulfe  nidjt  fehlen". 

darauf  ljub  bie  eine  folgenbermaßen  an:  „Sir  finb  bie  Jooster 
be§  ÄöhigS  oon  bem  oermünfd|ten  9teidje  unb  warten  fdjon  feit 
langen  ftaljren  auf  unfere  Grlöfung.  $efct  ift  bie  geil  gefommen, 
ba  biefelbe  ftattfinben  faun,  unb  in  beiner  ÜJiadjt  fteljt  e3,  baö 
3Öerf  jju  öollbriugen.  (Srljebe  bidj  unb  geljr  mit  un3  auf  ben  Stirdj* 
l)of,  wo  ber  <2d)lüffel  $u  bem  »erwünfdjten  Sdjtoffe  liegt,  etiler* 
bingö  wirb  bir  bort  manrijeS  3eltfame  begegnen,  aber  Ijarre  nur 
au§,  benn  fdjließlia}  wirb  alles  ein  gutes  (Snbe  nehmen.  ®leidj 
im  Anfang  wirb  bir  beine  terftorbene  SOhtfter  entgegen  treten  unb 
bir  bie  £)anb  reiben.  Xfju  jeboa),  als  bemerfeft  bu  fie  gar  nidjt 
unb  rüfyre  fie  ja  nidjt  au.  öet)  oielmefjr  gerabeSWegS  auf  ben 
Sdjlüffel  3U. 

8obaIb  bu  benfelbeu  in  ber  $anb  ^aft,  werben  wir  bid)  auf* 
forbern,  breimal  mit  unö  um  ben  ttirdjljof  ju  geljen.  53ei  bem 
britten  Üflale  erfcfyeinen  alle  Xoten,  weldje  je  auf  beut  ^irdjljof 
begraben  würben,  fomiueii  auf  bidj  311  unb  begrüßen  bid)  mit  fröfc 
liefen  ©efängeu.  Du  aber  fei  ftill  unb  fummere  bid)  um  nidjt£, 
felbft  wenn  bidj  alte  freunbtid)  aufforbern,  mit  ilmen  einjuftimmen. 

5ftad)bem  ber  britte  Umgang  beenbet  ift,  fdflagen  wir  ben 
ÜBeg  311  bem  oerwünfdjten  Serge  ein,  ben  wir  ebenfalls  brcimal 
umfreifen  muffen.  §ier  wirb  beim  britten  Umgange  eine  große 
vJ?Jenge  reißenber  Xiere  unb  großer  Sdjlangen  auf  bid)  loSftürgcu. 
Die  Raubtiere  werben  bidj  jit  zerreißen  fudjen,  bie  ©drangen 
fcfylingen  fid)  bir  um  $ai&  unb  Veib  unb  werfen  bid)  gu  ©oben. 
Soüteft  bu  bid)  aber  aud)  oor  Sdjmerg  wie  ein  Söurm  frümmen, 
fo  fyarre  bod)  au§  unb  gieb  feinen  l'aut  oon  bir.  Denn  fyaft  bu 
ben  britten  Umgang  oollenbet,  fo  erfdjallt  ein  Donnerschlag,  unb  ba§ 
edjloß  mitfamt  bem  gangen  ftöntgreid)  fteigt  au$  ber  Unterwelt 
fyeruor.  Der  ftönig  unb  bie  Äönigtn  fommen  auf  bid)  $u,  begrüßen 
bidj  freunblid)  unb  fefcen  bid)  gu  tyrem  9Jad)foIger  in  ber  .§err* 
fdjaft  ein. 

Deinen  S?ater  unb  beine  ©efdnrifter,  beine  9?erwanbten  unb 
beine  Qreunbe,  alle  fannft  bu  311  bir  in  ba8  Sönigreidj  nehmen,  unb 
feiige  Jage  wirft  bu  mit  ilmen  barin  »erleben.  Denn  bie£  ftönig* 
retd)  Wirb  (ein  (Snbe  nehmen,  fonbern  bis  $um  Untergang  ber  SBelt 


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253 


bauern.  DaS  jetjt  bcftcljenbe  ffieidj  freilief)  mirb  mit  [einen  Dörfern 
ltnb  Stäbten  unb  ben  barin  mormenben  üHenfdjen,  bid)  nnb  bie 
Peinigen  ausgenommen,  untergeben  unb  für  immer  Derloren  fein". 

9US  ber  ßnedjt  biefe  testen  ©orte  fjörte,  fpraef;  er:  „9fein, 
baS  fann  idj  nun  unb  nimmermehr  tfntu.  9Bie  mürbe  idj  mof)l  ben 
Jammer  mit  anfctjen  fönnen,  roenn  alles  umliegcnbe  Vanb  burdj 
mein  (Srlöfungsmerf  511  ©ritnbe  ginge",  traurig  [teilten  bie  beiben 
)c^tDar3cn  ©eftatten  bem  2)Janne  noef)  einmal  all  bie  £)errlidjfeiten 
Dor,  meiere  er  erlangen  fönne,  aber  er  blieb  uuerfcfnittcrlicf;  unb 
antmortete:  bin  bisher  ein  &ned)t  gemefen  unb  roill'S  aud) 

ferner  bleiben  mein  lebelang". 

t>a  nidjts  ben  üflann  in  feinem  Sntfdjluffc  roanfenb  31t 
inadjen  Dermodjte,  Derfünbigten  ifmi  bie  ©djlofciungfraucn,  bafj  ir/re 
(Srlöfung  nun  nodf>  Rimbert  3aljre  anfter/en  mürbe.  SBiö  $n  biefer 
$ett  mürben  |te  fttf)  barum  nie  mieber  in  ber  gemolmten  SÖeife 
feben  laffen.  Wart)  ljunbert  Jaljren  iebod)  mürbe  ein  SWcnfcb,  ge- 
boren merben,  beffen  SBiegc  aus  bem  ^olgc  beS  alten  2i?eibenbaumS, 
ber  am  Dermünfdjten  Serge  ftefyr,  angefertigt  märe.  Diefer  Üflenfdj 
mürbe  gan^  gemijj  alle  $)inge  Dollfüljren,  meldje  fie  beute  Don  iljm 
Oerlangt  fyätten,  unb  mürbe  bann  baS  alte  Äönigreidj  in  feiner  frfi* 
fyeren  .fjerrlicfyreit  mieber  erfreuen,  mäfyrenb  baS  jefcige  311  @runbe 
ginge.  9iacf}bem  fie  bieS  gefagt  fyatten,  Derfdjmanben  bie  beiben 
Jungfrauen  unb  finb  mirflidj  fett  biefer  $cit  nie  mieber  gefetyen 
morben. 

Tier  alte  SÖeibenbaum,  Don  bem  bie  <£{f/loj}jungfern  gefprodjen, 
ftefyt  nod)  f>eute.  Oft  ijaben  bie  l'eutc  fdjon  bie  ?lbfid)t  gehabt, 
ifw  31t  fällen,  aber  jebeSmal,  menn  einer  bie  Sljt  anlegte,  rief  eine 
(Stimme  aus  bem  Saume  fjerauS:  „Dis  Böm  säl  ö  kän  uk 
nich  unihaucht  wäre". 

OTünblidj  au§  SBelflarbt,  itreis  ^aufnluirö. 
319. 

$tc  Stf)lo^inugferu  and  bem  ücrmüufdjtcu  Serge  bei  Selgarbt 

wafdjeu  2£äfrf|c. 

IIS  bie  ©ro&muttcr  eines  jefct  nod)  lebenben  SelgarbterS  ein 
junges  SPMbdjen  mar,  mürbe  fie  einmal  Don  ifyreu  Altern  31t  bem 
ftlüBdjcn,  meines  an  bem  oermünfdjten  Serge  oorbei  fliejjt,  gcfäitft, 


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2f>4 


um  $u  wafdjen.  ©egen  Hbenb,  wie  e«  bunfet  würbe,  fah  fie  »löfc* 
Iidj  au«  bem  Serge  gwei  weifce  ©eftalten  fommen,  bie  ebenfali« 
Söäfche  auf  ihren  Sichfein  trugen  unb  bamit  junt  Ufer  ^erabfHegen. 
Dort  begannen  Tie  bie  einzelnen  Stücfe  au«subreiten  unb  in  bem 
©affer  $u  reinigen,  wie  anbere  ÜRenfdjen  auch  thun. 

^efet  überfiel  ba«  9Rfibd}en  ein  Schauer,  fchnell  raffte  fie  ihre 
Sßäfche  gufammen  unb  eilte  in  tyrer  (Sltern  $>au«  $urücf  unb  er» 
jaulte  bafelbft  ihre  feltfamen  ©rlebniffe.  Sie  erregte  jeboc^  bei  ben 
©Item  gar  feine  ©erwunberung;  biefelben  fagten:  „So  etwa*  ifl 
ju  unferer  unb  unferer  Sorfahren  $eit  fc^on  häufig  gefehen  worben". 

gbenbaber. 

320. 

Der  große  Stein  am  &ufte  be«  fcerwünfdjten  Sergeö 

bei  Selgarbt. 

$n  bem  tyüfäen,  welche«  an  bem  oerwünfdjten  Serge  bor* 
beifliefet,  liegt  an  ber  ©teile,  mo  man  früher  befonber«  ^äufig  bie 
Schlojjjungfern  hat  wafeben  fe^en,  ein  großer  (Stein  Don  ungefähr 
fcier  Steter  Umfang.  (Er  ift  runb  wie  ein  Kegel  unb  oben  platt 
wie  ein  £if$. 

tiefer  «Stein  foll  ein  Hauptmann  au«  bem  oerwünfehten 
Königreiche  fein,  unb  be«halb  ift  e«  nicht  möglich,  ihn,  fo  fctyön  er 
auch  au  Saugwecfen  oerwenben  liefe,  §u  jerfprengen  ober  oon 
feiner  Stelle  ju  bewegen.  (Einmal  ^at  ein  frember  SKann  eine 
ffiette  gemalt,  ba&  er  ben  Stein  aerftücfeln  fönne,  unb  oiele  tfeute 
au«  bem  Dorfe  finb  al«  ßufdjauer  mit  ihm  gum  Serge  gegangen. 
Sei  bem  tylMod  angefommen,  nahm  ber  «Stetnfpr  enger  fein  $>anb* 
werf«geug  unb  bohrte  ihn  mit  oieler  5ttühe  an,  fluttete  bann  $ufoer 
hinein  unb  entjünbete  ba«felbe.  Slber  ftatt  gu  serfpringen,  begann 
ber  Stein  heftig  311  bluten.  Da  mujjte  ber  ÜRann  Wohl  ober  übel 
oon  feinem  Vorhaben  ablaffen,  unb  feine  ©ette  war  uerloren. 

Gbenbahex. 

321. 

Der  ffejfel  auf  bem  toetwünfdjten  Seige  bei  »elgarbt. 

9luf  bem  ©ipfel  be«  oerwünfthten  Serge«  befaub  fid}  noch 
im  Anfange  biefe«  ^ahrhunbert«  ein  Keffel.  Seim  gemeinen  (Ernte* 
banffeft  fam  ein  jeber  oon  ben  Dorfbewohnern  unb  brachte  mit  fidt> 


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25f) 


eine  Äanne  Sier,  ein  mädjtigeS  Srot  unb  etwas  3ut*cr-  ©o&alb 
bie  Öeute  auf  bem  ©ipfel  be£  Sergej  angefommen  waren,  warfen 
fie  nadj  einanber  ifn*e  Cpfergaben  in  ben  Äcffct  fyinein.  ©enn 
Sier,  Sörot  unb  $ucfer  Dcn  Soben  be$  ÄcffetS  berührt  Ijatten,  »er* 
fdjwanb  berfelbe  fofort  unb  entleerte  fid}  im  Qnnern  be8  SergeS. 
9facfj  wenig  Slugenbticfeu  n>ar  er  jeboc^  fdjon  wieber  oben  unb 
wartete  auf  baS  Opfer  beS  folgenbeii  Sauern,  um  bann  wieber  im 
Sevginnem  $u  oerfdjwinben.  Unb  baS  wteberljolte  ftdj  fo  lange, 
als  Opfernbe  ba  waren. 

Qiefeu  Äeffel  benufcten  bie  Dorfbewohner  audj  gum  Sier* 
brauen  unb  liegen  bann  regelmäßig,  wenn  fie  iljn  wieber  auf  feinen 
^lafc  priuf  brachten,  etwas  ton  bem  neuen  Siere  jum  Danfe 
barin.  Sludj  würbe,  wie  bei  bem  ©mtefeft,  Srot  unb  ^uefer  bagu 
gelegt.  Sinft  Ijatte  fid)  ein  großer  Sauer  ben  Reffet  gum  Srauen 
Ijolen  (äffen  unb  fdjicfte  t$n,  nad)bem  alles  fertig  war,  mit  ben 
üblidjen  ©aben  burdj  ben  (SJroßfnedjt  gum  Serge  flurücf.  S>aS  war 
aber  ein  roljer,  gottlofer  ÜJZann,  unb  er  badjte:  „$BaS  follen  bie 
im  Serge  mit  bem  guten  ©etränf  unb  bem  fdjönen  Srot  unb 
3ucfer".  @r  na^m  barum  alles  fjerauS,  aß  eS  auf  unb  üerridjtete, 
bamit  nodj  nic^t  jufrieben,  um  ber  $rebettl)at  bie  ftrone  aufgufefeen, 
in  bem  fteffel  feine  s32otburft.  ©obann  ftellte  er  it>n  in  bie  Öff- 
nung, ging  nadj  §aufe  unb  erjäljlte,  er  Ijabe  alles  narf>  SBunfd) 
ausgerichtet. 

Dod)  bie  Unttyat  fam  batb  an  ben  Jag;  benn  am  folgenben 
Sföorgen  war  ber  fteffel  oom  Serge  oerfdjwunben,  unb  ber  Änedjt 
mußte  nun  wo^l  ober  übet  ben  gangen  ^rcoet  befennen  unb  warb 
&ur  Strafe  entlaffen.  ©c^olfen  fyat'S  freiließ  aud)  nidjt,  benn  ber 
Reffet  war  unb  blieb  berfdjwunben  unb  wirb  audj  wofyl  nie  wieber 
gum  Sorfayin  fommen.  vJ?ur  baS  tfodj,  in  bem  er  geftanben,  ifl 
bis  auf  ben  heutigen  lag  nodj  auf  bem  ©ipfel  beS  Serge«  ju  fe^en. 

Gbenbabcr. 

322. 

$>ie  ©lotfen  0011  Sreftn  unb  Saultu. 

Sei  Srefin,  im  Greife  Neuenbürg,  if!  ein  fleiner  Xeid), 
Peiterkedlk  (^eterdjenteid))  genannt.  $n  if>m  foll  oor  langen 
^aljren  einmal  eine  @lotfe  öerfmifen  fein,  unb  gwar  ging  baS  fo 
ju.   Die  Äatfyolifen  in  Cauenburg  wollten  gerne  bie  (SJlocfe  aus 


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256 


bcr  fatyoliföen  $ird>e  in  SBrefin  tfdbcn.  Sic  fuhren  gu  bem  3wccfc 
mit  Söagen  Inn,  normen  bie  ©lorfe  oom  Stuhl  fjerab,  luben  fic 
auf  unb  famen  glüeflich  bis  $u  bcr  ©teile,  wo  fid>  bic  ftelbmarfen 
ber  Dörfer  Srefin  unb  Strellentin  fdjeiben.  $ier  erhub  fidj  plöfefid) 
bic  grofee,  fernere  ©lotfe,  an  bereit  ^ortfdjaffung  jueor  amanjig 
ftarfe  ÜRänner  Ratten  arbeiten  müffen,  oon  felbft  in  bie  l'üfte  unb 
floß  in  ben  Peiterkedik  hinein.  Seit  ber  3eit  hat  man  auch  bon 
ber  ©locfe  nie  wieber  etwa«  gehört. 

Sifmliche«  hat  fid)  in  bem  Dorfe  Saulin,  in  bemfelben  Streife, 
äugetragen.  Die  ©locfcn  ber  bortigen  &ird)e  fingen  $war  fa)on 
eine  gange  3eit  lang  im  Stuhle,  waren  aber  trofcbem  noch  nicht 
getauft  unb  mit  einem  Wanten  oerfehen  worben.  911«  nun  einft  eine 
grofee  fteuer«brunfl  im  Dorfe  an«brad;,  meinte  alle  $)äufcr  be« 
Dorfe«  mitfamt  ber  Äirdje  in  9lfct)c  legte  unb  fd)liefelich  auch  ben 
©locfenftuhl  311  ergreifen  brohte,  flogen  bie  ©locfen  3U  aller  ©rftaimen 
in  bie  $>öt)c  unb  Itcfeen  fid>  im  Sauliner  See  nieber,  wo  fie  noch 
heutiges  Xage«  liegen. 

lltünblicb  aus  äatfa)oro,  ärei*  i'auenburg. 
323. 

25er  ©djuljc  au«  bem  üerttiüiifdjten  Dorf  bei  Medow. 

2lu  ber  Oftfeite  be«  Dorfe«  Stetfow  liegt  ein  Heiner  SBalb, 
welcher  bie  SHü  genannt  wirb,  ^n  feiner  9Jlitte  liegt  ein  ungeheuer 
tiefer  £eidj,  in  bem  fid)  oielc  ftifclje  befinben,  unb  ring«  fjerum 
breiten  fid)  bic  fchönften  SSalbwiefen  au«;  aber  bennodj  toagt  feiten 
jemanb  biefe  herrliche  ©egenb  gu  betreten,  weil  überall  gefährliche 
SWoräfte  ben  $ugang  erschweren  ober  gar  unmöglich  machen. 

Diefer  Salb  foll  ein  oerwüfehte«  Dorf  fein.  @inf*  mufete  eine 
ftrau,  welche  in  föecfow  it)re  Altern  befugt  hatte,  fpät  abenb«  an 
ber  föü  borbei  gehen.  Sie  wanbertc  gang  alleine,  beim  e«  war 
gerabe  (Srntegeit  unb  barum  fein  SRitglieb  ihre«  elterlichen  §aufe« 
in  ber  £age,  fie  begleiten  gu  föttnen.  ^löfctich  fam  ein  großer, 
ftarfer  Warm  mit  fchwärgtichem  ©cfid)t  au«  bem  3Balbe  auf  bie 
ftrau  gU  unb  mact)te  ©ebärben,  al«  wollte  er  mit  it)r  ein  ©efpräd) 
anfnüpfen.  Die  ftrau  liefe  fia?  jeboet)  barauf  nict}t  ein,  befahl 
fid)  ©Ott  in  i^rcr  Hngft  unb  eilte,  ohne  fidj  anfguhalten,  ihre« 
3ßege«  weiter. 


257 


9Ü*  ber  fdjtoarje  ÜWaun  bieS  merfte,  ging  er  auf  föecfoto  $u 
unb  ift  bort  audj  gegen  Ijalbstublf  Ub,r  oon  jwei  Ältesten  gefe^en 
toorbeu,  tute  er  üon  bem  einen  ©übe  be«  Dorfes  bi$  junt  onbern 
fdjritt.  'Und)  ben  folgenben  Xag  3eigtc  fidf)  betreibe  9Wonn  lieber 
in  iRecfotu,  unb  atuar  war  bieämal  bei  iljm  eine  fdjtnarje  fiul), 
tueldje  bei  einem  dauern  an  baö  ftenfter  trat  unb  burd)  baSfelbe 
in  bie  <Stube  tyneinfalj. 

(£3  läßt  ftdj  benfeu,  bafe  bartiber  große  Aufregung  in  ber 
ganzen  ©entehrte  fjerrfd)te,  nur  bie  alten  flehte  arteten  ttid)t  utel 
barattf.  Sie  fagten,  ber  |d)tuar3e  3Hann  fei  ber  •Smutje  au§  bem 
oernriittfdjten  2>orf,  unb  bie  ttul)  wäre  feine  ftrau.  Leiter  fjabe 
ba$  alles  nidjtS  $u  bebeuten. 

SJtünblia)  au$  Wcdoro,  Ärciö  tfauenburg. 

324. 

$ic  ©locfcu  in  bem  t>ermünfd)ten  $orf  Ott  Mctforo. 

©inen  SlrbeitSmanu  führte  fein  2Beg  fpät  abenbs  oon  Srefin 
nadj  SRecfotu  gurücf.  2113  er  an  ber  sJtü  uorbeifam,  trat  ein  fdjtoarjer 
tel  auf  ifw  3U,  ergriff  ib,n  an  ber  $anb  unb  leitete  ifm  in  ben 
SBalb  hinein,  tuo  er  flu  feiner  SBertuunberung  auö  bem  ÜTeidje  I)erau3 
bie  ©loden  be«  toertoünfa^teu  $orfe$  läuten  fjörte.  Sobalb  baS 
©eläut  oerflummt  mar,  oerfdjtoanb  ber  ©cfytoarae,  uub  ber  9Wanu 
fonnte  jefet  ungeljinbert  ans  ber  SM  berauStreten  unb  feinen  ©eg 
fortfefeen.   Slud/  ift  ifjm  babei  uiajts  ÜflerftoürbigeS  metjr  augeftopen. 

(*benbab,et. 

325. 

$aS  ^rebigtdnt^  int  nemtunfajten  $orf  bei  Wctfoto» 

5luf  einer  flejnen  Snljölje  in  ber  9iü  liegt  ein  iSrebigtbudj, 
toeldjeS  ber  Sage  nad)  aus  ber  Mirale  bes  oertoünfdjten  Dorfes 
ftammt.  Sdjon  oft  Ijaben  eS  fleute  bort  liegen  feb,eit;  ftub  fie 
aber  nalje  an  baSfelbe  Ijcran  getreten,  fo  fyat  ftctö  eine  Stimme 
gerufen:  „Lät  dat  Bauk  ligge,  dat  jehört  di  nich.  Dat 
Bauk  es  dei  Verschriwuug  vom  vurwünsehde  Dorp", 
■ftad)  biefen  Korten  muß  fid)  ein  jeber  fofort  toieber  aus  beut  3Öalbe 
entfernen  unb  barf  audj  nie  toieber  wagen,  il)u  oon  neuem  311 
betreten. 

ßbenbaber. 
17 


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258 


326. 

$tr  fopffofe  Wann  bei  SWunfterljof  ttnb  ber  Sauer. 

©ei  üttünfkrfjof,  im  Äreife  Wallenburg,  liegt  ein  fdjöner  Salb. 
Der  Seg,  meldjer  binbutdj  ftityrt,  bilbet  gu  beiben  Seiten  Ijolje 
©erge,  unb  in  biefem  ©objmege  ^ält  firf>  ein  fdjmarger  Sföann  ofyie 
Äopf  auf. 

Gined  SlbenbS,  gegen  ge^n  Utyr,  mujjte  ein  ©auer  and  9te£f oto 
ben  £>otytmeg  paffieren.  ©r  fyatte  [einen  Sagen  fdjtoer  mit  Sttefyl 
belaben  unb  fonnte  beSbatb  nur  langfam  weiter,  Sie  er  nun  eine 
furje  Strede  be«  $>oljlroegd  gurfid  gelegt  Ijatte,  fiel  mit  einem  üttale 
ein  SWefjlfacf  oou  bem  ftufyrtoerf  herunter.  Der  ©auer  atynte,  toa*  baran 
fdjulb  [ei,  unb  fuljr  bedtyalb  rufyig  meiter.  9iid)t  lange  jebodj,  fo 
fiel  roieberum  ein  ©ad  jur  (Srbe  nieber.  Slud)  ba$  ftörte  tyn  nidjt, 
unb  erft,  nadjbem  »löfelidj  alle  Säde  of>ne  SluSnaljme  Dom  Sagen 
tjerab  rollten,  $ielt  er  an,  fKeg  ab  unb  lub  alled  toieber  auf. 

2tber  beenbet  follte  bamit  fein  Ungtücf  nod)  nidjt  fein,  benn 
faum  trieb  er  Don  neuem  bie  ^ferbe  an,  al«  ntdjt  nur  bie  Säde, 
fonbern  aujjerbem  au$  nod)  bie  ©retter  unb  Settern  oom  Sagen 
fielen  unb  in  ben  Sanb  geworfen  mürben.  $)a  marb  bem  ©auern 
bie  Sadje  bod)  31t  bunt  unb  in  feinem  #rger  flutte  er  gang  ent« 
feglidj.  ftnbem  er  nod)  bie  ftlndje  fpradj,  fanb  fidj  fdjon  aüeö 
»ieber  auf  bem  Sagen  beifammen;  bie  Weitem,  bie  Säde,  bie 
©retter,  nidjt«  fehlte,  unb  neben  tym  ftanb  ber  fdjmarje,  fopflofe 
ÜWann  unb  fafy  ifjm  fd)arf  ind  (Wefidjt. 

$)od)  ber  ©auer  hütete  fid),  iljn  mit  einem  Sorte  angureben, 
fonbern  fdjweigenb  fufjr  er  feineö  Sege«  batyin  unb  erreichte  aud) 
oljne  »eitere  «Störung  feinen  £of  in  fliedoto. 

©enbaber. 

327. 

$er  fopflofe  9Ranu  unb  ber  (StSufeQirt. 

(Sinft  hütete  ber  ©ünfeljirt  bon  diedoto  in  ber  SRäfje  btefed 
SalbeS.  2118  eö  oormittag$  gegen  elf  Uf>r  mar,  erhoben  ftcfy  plöfc* 
lid)  alle  Öfönje  t?od>  in  bie  Wuft  unb  flogen  bem  Steidje  gu,  melier 
fid)  fyart  am  Saume  beä  SalbeS  befiubet.  ©eoor  fie  jebod)  jum 
Saffer  gelangen  fonnten,  Ijatte  fie  ber  fdjtoar$e,  fopflofe  üftann  in 
feinen  $>änben  unb  fpielte  mit  tynen  ein  abföeulid&e«  Spiel.  Z\t 


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2f>9 


armen  Üiere,  melche  fict)  au«  ^urdjt  oor  ber  grauenerregenben 
polt  jur  @rbe  herabließen,  würben  oon  bem  Schmarren  mie  Spiel* 
balle  mieber  gen  $immel  getoorfen,  fameu  fic  herab,  fo  mieberhotte 
er  feinen  geitoertreib  &°n  neuem,  unb  e«  banerte  nicht  lange,  fo 
lagen  bie  ©änfe  fämtlich  tot  auf  bem  (Srbboben. 

Der  ©änfehirt*  liejj  ftdj  ieboa)  baburdj  nicht  irren,  beim  e« 
mar  ihm  fd)ou  oiel  oon  bem  Spuf  erzählt  morben,  unb  er  hatte 
oon  ben  Kenten  erfahren,  ba§  ^ndjen  tyn  fogletc^  oertreibe.  De«< 
halb  erlmb  er  plöfelich  feine  Stimme  unb  begann  fürchterlich  $u 
fluten.  Unb  mirflict)  —  faum  roaren  bie  'ftlüdfe  feinem  üWunbe 
entfahren,  fo  lebten  and)  fct)on  alle  ©änfe  mieber  auf,  unb  ber 
fopflofc  SRann  mar  Oerfdjmuuben. 

ßbenbatyer. 

328. 

Stampf  eine«  Sauern  mit  bem  fopflofen  SRann. 

Der  fopflofe  üftann  fyatte  buret)  feine  Streiche  ben  $)ohltoeg 
unb  ben  Salb  fo  oerrufen  gemacht,  bafj  niemanb  met)r,  meber  bei 
$ag  noch  bei  9Jad)t,  buret)  biefe  ©egenb  $u  gehen  magte.  Da«  Oer* 
brofc  einen  Sauern  au«  <©ct)martoro,  melier  allgemein  in  ber  gan* 
•jen  Umgegenb  al«  ber  ftärffte  Stauf  er  befattnt  mar,  unb  er  fpradj: 
„3<h  mill  einmal  bem  fd)roar$en  Äerl  gute  Sitten  beibringen.  $d) 
bin  ja  ber  größte  unb  fiärffte  ÜJiann  im  ganzen  t'anbe,  fo  werbe 
ich  auch  tyn  befiegen  unb  baburch  jmingen,  unfer  ßanb  3U  oerlaffen, 
bamit  bie  Sauberer  fortan  Stühe  höben.  Dag  er  aber  feinen  Äopf 
hat,  barnach  frage  icb  gan$  unb  gar  nicht«;  fchlimmften  ftall«  merbe 
ich  tyw  e»ncn  auffegen". 

Unter  folgen  Sieben  ergriff  er  einen  Imnbfeften  ©toef  unb 
ging  jum  ^ohlmeg  hin.  $11«  er  bort  angefommeu  mar,  trat  and) 
fchon  ber  fopflofe  SRann  auf  ihn  311  unb  bot  ihm  einen  freunblichen 
„(Sutten  Slbenb".  Der  Sauer  baufte  eben  fo  h^füth/  würbe  aber 
gleich  barauf  0011  bem  Schmarren  fcharf  in«  Sertjör  genommen, 
mie  er  fich  untergehen  fönne,  feinen  ^)ohlmeg  ju  betreten.  Süßte 
boch  alle  Seit,  baß  ber  Salb  unb  ber  Seg  fein  nnbeftrittene« 
Eigentum  feien. 

Der  Sauer  antwortete:  „Sa«  fagft  bu  mir,  Dretjfopf?  $abe 
ich  btch  etma  jur  Siebe  geftellt?  Sie  fommft  bu  bagn,  mit  mir 
$u  fpredjen?"    Diefe  breiften  Sorte  ärgerten  ben  fopflofcn  SHann 

17* 


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260 


gan$  getvaCttg,  unb  fie  Begannen  beSfyab  beibe  mit  etnanber  511 
fämpfen.  SlnfangS  roanbte  fid)  baS  ©lürf  auf  bie  Seite  beö  dauern. 
Der  Sdmjarje  tag  unten  unb  flöfjute  fürchterlich  unter  ben  häuften 
beö  ftarfen  Säuern.  Salb  iebod)  erlangte  ber  ftopflofe  bie  Cbcr- 
haub,  ftanb  auf  unb  richtete  fiel)  in  feiner  ganzen  Vänge  in  bie 
4)öf>e,  ergriff  fobann  ben  crfdjrocfenen  üftann  unb  fcfjleuberte  it)n 
hoch  in  bie  Vuft. 

311S  ber  unglüefliche  Sauer  roteber  jur  (Srbe  hcrabfain,  njurbe 
burch  ben  Sturj  fein  ganzer  Körper  flerfchmettert,  fo  ba§  h^cr  un^ 
ba  auf  bem  2öege  uub  jtotfdjm  ben  Säumen  ein  <2tücf  oon  bem 
Leichnam  lag.  Bo  haben  ihn  am  anbern  9J?orgen  bie  Dorfberooh* 
ner  gefuuben. 

Gbcnbahcr. 


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VIII. 

H29. 
9Hfgcmetnc&. 

Die  ©eftalt  beS  Teufels  mar  bcnt  beutfdjen  $eibentum  frcmb. 
@ö  fannte  bei  feiner  Vielgötterei  nic^t  ben  Dualismus,  meldjer  ba$ 
tjöcfjfte  SBefen  in  ©egenfäfce  fpaltet;  benn  ber  ©runbgug  ber  Viel* 
götterei  ift,  wie  ©rimtn  fc^ön  bemerft,1)  ba§  baS  gute  unb  mot)l* 
tt)ätige  ^ringip  in  bein  ©öttlidjen  ttbertoiegt,  unb  nur  einzelne  bent 
©on^en  untergeorbnete  ©ottt)eiten  neigen  fid)  jum  Vöfen  ober 
Sdjäblidjen.  sJttd)t3beftomeniger  fjat  ber  XeufelSglaube  in  unfenn 
Volfe  fo  fefle  Surfet  gefdjlagen,  baß  er  met)r  bie  ©enriiter  be 
tyerrfdjt.  tuie  irgenb  eine  anbere  religiöfe  Vorftellung. 

Den  ©runb  bafür  t)aben  mir  barin  ju  fudfyen,  bajj  bie  djrift* 
licf^e  Äirdje  feit  jeljer  beftrebt  mar,  bie  Ijeibuifcfyen  ©ötter  als  teuf« 
lifdje  SEßefen  branbtnarfen,  unb  bamit  eine  üflenge  frember  3itge 
in  bie  "ißerfon  beS  XeufelS  hineinbrachte.  DaS  gelang  gtoar  ooll* 
tottraten,  Ijatte  aber  ben  SNadjteil  gur  ^olge,  ba§  ber  STeufel,  roie 
it)n  baS  Volf  glaubt,  ntit  bent  Jeufel,  tote  it)n  bie  ©ibel  unb  bie 
orientalifd)e  Überlieferung  let)rt,  nur  wenige,  allerbingS  f)öcfyft 
d)arafteriftifdje  güge  gemein  l)at. 

Dagu  gehört  oor  allem  ber  fafl  fämtlidjen,  hierher  gehörigen 
©agen  eigentümliche  $ug,  D0§  oer  Teufel  fein  gange«  Veffreben, 
all  fein  ©innen  unb  Iradjten,  lebiglid)  barauf  ridjtet,  bie  Seele 
beS  ERenfdjen  in  feine  ©etoalt  $u  befommen.  Um  baS  gu  erreichen, 
legt  er  fidj  felbft  bie  fdjtoerften  t'aftcn  auf,  plagt  ftdj  oiele  $at)re 
lang  ab  unb  läßt,  bamit  er  nur  gang  fidjer  get)e,  einen  fdjriftlicfyen 
Vertrag  auffegen  unb  benfelben  oon  feinem  Opfer  mit  bem  eigenen 

')  ©rimrn,  2)eutfd>e  SDtyboloaie.  2.  Auflage.  6.  936. 


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262 


33lute  uuterfdjreiben.  Söenn  aber  ber  Xeufel  babei  fidj  bumm  unb 
täpfcijdj  benimmt  unb  Oon  93auernflugbeit  überrumpeln  lä§t,  wenn 
als  Entgelt  für  ben  gefd^toffenen  i?a!t  oon  ifmt  gemaltige  33auwerfe 
oerlangt  werben,  bie  er  meifterfmft  ausfährt,  wenn  mit  bem  £af>n* 
frafjt  ober  XageSanbrucf;  [eine  üttadjt  in  ^tidjt«  aerfliefit,  wenn  feine 
(Meftalt  Ijüfmer*  ober  pferbefüfeig  gefdu'lbert  wirb,  fo  finb  ba«  $u 
traten  ed)t  gennanifd)en  Urfprung«,  bie  bem  orientalifdjen  Teufel«» 
glauben  oöllig  fremb  finb. 

$amit  finb  jebodj  bie  3üge,  toeldje  ber  fjeimifdjen  ü)?tott|ologie 
entleimt  würben  nnb  bann  in  ben  cfjriftlidjen  Xeufel«glauben  über- 
gingen, bei  weitem  nidjt  erfdjöpft.  Sllle  unb  jebe  f>eibnifd)e  ©ötter 
unb  fmlbgöttlidje  Söefen  manbelten  fid)  in  Teufel,  nnb  fo  fafyen  mir, 
ba§  ©oben  unb  $ria  im  heutigen  3?olf«glauben  bem  Teufel  gleiaV 
gefitellt  werben,  baft  gewiffe  s)faturerfd>einungen,  wie  ber  5ßirbel- 
winb,  für  fein  üflad)Werf  gelten,  unb  ba§  ber  |)au«geift  faft  immer 
für  einen  Untergebenen  bc«  Teufel«  gehalten  unb  be«fjalb  r)äuftg 
fdjledjtfyin  Teufel  genannt  wirb,  ©ir  Werben  jefct  fef>en,  bafc  er 
aua}  alle  (5igentümlid>feiten  ber  auf  ifyre  rofye  Jttaft  podjenben, 
funfterfafyrenen,  aber  babei  tölpifd)  bummen  liefen  unb  ber  fd/äfee- 
^ütenben,  lanboerfjeerenben  Vinbtuürmer  in  ftcfj  aufgenommen  Ijat, 
ja  bisweilen  fogar  bie  9iotle  eine«  Spufgefpenfle«  fpielt.  93Mr 
werben  wieberum  aud)  Sagen  finben,  in  benen  ber  Teufel  gerabeju 
eine  alte  Owttfjeit  oertritt,  wo  atfo  oon  orientalifdjem  CSinflufj  gar 
nicfyt  bie  $Rebc  fein  fann.  (£«  finb  ba«  Überlieferungen,  in  benen 
ber  Teufel  als  Heine«,  graue«  ÜWänndjen  bem  53ebrängten  $>ilfe 
bringt  unb  ben  5'rcö^cr  beftraft,  (Sagen,  in  welken  er  al«  ber 
göttliche  ÖJeift  erfdjeint,  ber  ba«  SBöfe  Ijafct  unb  auf  ba«  fürdjter* 
lidjfte  rädjt.  Selbft  bie  tiefte  uralter  ®öttermtytljen  werben  wir  in 
einigen  Teufelöfagen  ju  erblicfen  Ijaben,  fo  93.  oielleidjt  in  ber 
Sage  9Jr.  342  bie  Grinnerung  an  Tfjorr«  93efud)  bei  Utgarbalofi. 

Obwohl  bie  Slnaaljl  ber  in  biefem  ftapttel  wiebergegebenen 
Teufel«fagen  eine  redjt  betracf/tlidje  ift,  fo  glaube  man  bod)  nidjt, 
baj?  fie  ooll$äljlig  fei;  beim  alle  Teufel«fagen,  meldjc  in  Bommern 
im  Sdjwange  finb,  gum  ?lbbrucf  ju  bringen  ober  audj  nur  ein* 
fammeln  ju  fönnen,  wäre  ein  £)ing  ber  Unmöftlidjfett.  9lu§erbem 
oermetjren  fid)  biefelben  oon  ftafyr  $u  $af)r,  weil  mit  ber  3eit  bie 
au«  beut  ^eibentum  überfommeneu  göttlicf/en  ©efen  famt  unb  fonber« 
in  ber  ^erfon  beö  Teufel«  aufgeben  unb  wir  mithin  cnblidj  faft 


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■ 

263 


nur  nodj  Steufetöfagen  befifeen  toerben.  Jrofebem  bürften  bie  narf)= 
fotgenben  Sogen  einer  3$ermeljrung  fomn  bebürfen,  ba  fid)  aüe 
3üge  be$  &ommerfd)en  XeufelSglaubenS  in  ifnien  gerreu  toiber» 
f&iegeln. 

330. 

$er  ©djletfffcin  ber  Seibet. 

En  Bür  sacht  tom  Duewel:  „Wenn  du  mi  dfc  Wiwer 
eren  Schlipschten  bringst,  denn  sast  du  m!n  Sei  häwwen". 
Da  gaf  sich  dö  Duewel  alle  Mäu,  um  den  Schlipschten 
tö  finnen.  Nu  sach  hö,  dat  en  Wif  dat  Metz  up'n  Teller 
schtrök.  Dunn  bracht  h&  den  Teller.  MN6U,  saed  de  Bür, 
„dat  is  hö  nich".  Na,  da  bracht  h§  on  Schtön.  Dat  was 
h6  uk  nich.  H6  bracht  'n  Pottschärt  (Topfscherben). 
Dat  was  h6  uk  nich.  Hö  bracht  en  Schtück  von  Kachel. 
Dat  was  h6  uk  nich.  H6  kunn  dö  Wiwer  eren  Schlip- 
schten nich  finnen,  wil  dß  Wiwer  up  alles  Sr  Metz 
scharp  mäken.  Dä  saed  de  Bür  tom  Duewel:  „Wenn 
du  den  rechten  Schlipschten  nich  finnst,  denn  kannst 
uk  min  SGl  nich  krijen". 

SRünblid)  ou8  Qtorj  auf  «Hüaen. 
331. 

$er  ©d)«j  bei  Saufen. 

SWidjt  toeit  Don  bem  ftirdjborfe  Tanten  auf  SRügen,  bidjt  beim 
ffiatbe,  liegt  ein  <Sä)a(j  in  ber  (Erbe  oergraben,  ben  ber  teufet  be* 
toadjt,  unb  ben  nodj  niemanb  fyat  Ijeben  fönnen.  $n  einer  $erbft* 
nad?t  fanten  einmal  brei  Stauern  au£  einem  benachbarten  $)Drfe, 
bie  in  Saufen  $ur  §od)3ett  getoefen  maren,  beS  ©egeS  geritten  unb 
fasert  an  ber  ©teile  ein  Breuer,  als  toenn  bort  ein  großer  Raufen 
Äo^Ien  in  SBranb  ftiinbe.  Vit  $9aueru  backten  gleich,  bafj  ba  ber 
©cfyafc  liegen  müffe;  fie  Ratten  aber  feinen  flftut,  näljer  Ijeran  $u 
reiten,  benn  fie  fürchteten,  bafe  ber  £eufel,  ber  ben  ©<$afc  betoadjt, 
tynen  ben  §al«  umbre^en  möchte. 

9cur  einer  oon  iljnen  magte  es.  (Jr  ritt  tyin,  oljne  ein  SBort 
)u  fagen,  fprang  oom  "Pferbe  ab  unb  fußte  fidj  alle  feine  Xafcr)en 
mit  Äotyen.  2(1«  er  aber  *u  $aufe  anlangte  unb  na$fa$,  wo*  er 


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264 


mitgebracht  habe,  ba  fattb  er  nicht«  als  tote  ÜRäufe.  9hm  fagten 
ihm  bie  tfeute  jmar,  baß  er  »orher  Sal$  auf  bie  Stöhlen  flreuen 
mflffe,  unb  er  ging  tuieber  bin  unb  tljat  baß  auch;  aber  er  brachte 
auch  bieSmal  nichts  nad)  $aufe,  als  nur  fchmar^e  «^oI^foMen.  @S 
muß  alfo  mit  bem  $cbtn  biefeS  SdjafeeS  eine  gan$  eigene  33e* 
manbtnis  ^aben. 

lfm  tue,  «oltefnaen.  Wr.  207.   SJgl.  "jCtnbt,  Härchen  u.  ^uaenbeta. 

1.  tfufl.  r.  S.  397 -400. 

332. 

Die  ftirdje     Starfoni  unb  bei  tcufcISbamra. 

Qu  alten  geiten,  °ic  Reiben  ausgetrieben  unb  ©otteS 
$8ort  unb  baS  ftreug  geprebigt  mürben,  mar  bie  ©egenb  um  Starfom, 
StcbebaS  unb  l'öbmfc  nichts  als  SBufa),  £>eibe  unb  SWoraft,  unb  nur 
hier  unb  ba  ftanb  ein  fleineS  £)äuSdjen.  ittim  foUte  eine  Sircbe 
gebaut  merben;  aber  lote  baS  aufteilen,  ba  ber  teilte  nur  wenige 
unb  bie  menigen  obenbreiu  blutarm  maren? 

^n  biefer  5iot  fanb  ber  bamaligc  ^aftor  einen  trefflichen 
SluSmcg.  DaS  mar  nämlich  ein  fef»r  gotteSfürchtiger  unb  fluger 
SRanu,  unb  fo  ^mang  er  burch  Vift  ben  Teufel,  bafc  er  it)m  in  brei 
Jagen  ba*  ©Ottenaus  fir  unb  fertig  fyerftellcn  muj?te.  Den  Satan 
fränfte  cS  bitter,  oou  bem  ^ßrtefter  an  ber  9?afc  herumgeführt  $u 
fein,  unb  er  fann  auf  Vergeltung,  Da^u  fdjicn  fid)  auch  halb  eine 
gute  Gelegenheit  311  finben. 

Der  Starfomer  Slirdje  mar  ein  Dorf  eingepfarrt,  in  meldjeS 
ber  ^aftor  oftmals  reiten  mufjte.  9lber  fo  nah  baS  Dorf  auch  lag, 
mau  nutzte,  um  flu  ihm  £U  gelangen,  bodj  einen  meiten  3Beg  machen 
um  ben  ganzen  Söalb  herum,  meil  in  bem  SBufd)  ein  tiefer  2)?oraft 
ftd)  befanb,  ber  nur  im  he*f$en  Sommer  betreten  merben  fonnte. 
DaS  ärgerte  ben  ^riefter,  unb  er  befteUte  ben  Söfen  $u  fich  unb 
fpracr/:  „Teufel,  menu  bu  in  brei  lagen  ben  9Beg  unb  Damm 
burch  ben  Sumpf  herftellfl,  fo  foüft  bu  meine  Seele  nehmen,  mo 
bu  fie  finbeft,  fofern  ich  nicht  mehr  auf  biefem  meinem  ©ebiet  flehe". 

Oa  fcfytniingeCte  ber  Xeufel  in  feinem  Sinn  unb  backte:  M3Öie 
mill  ber  butnmc  ^aftor  baS  moh(  anfangen,  ba§  ich  ihn  niemals 
außerhalb  feines  ©ebiets  treffen  foüte".  Vergnügt  ging  er  ben 
4)anbel  ein  unb  madjte  fich  fofort  an  bie  Arbeit,  fällte  (Sidjen  unb 
fd)lug  SJrücfcn,  fdjleppte  Steine  herbei  unb  farrte  Sanb,  unb  ehe 


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265 


brei  Tage  um  maren,  ftanb  $Beg  unb  Damm  fertig  ba,  fo  fcfjcn 
unb  glatt,  bafj  ein  Äönig  mit  #uft  barüber  I|ätte  roegfahren  fönnen. 
darauf  geigte  er  bem  ^Jriefter  bie  Sadje  an  unb  pafjtc  Jag  unb 
s)?ad)t  auf,  ob  er  tyn  nid)t  auf  einer  Übertretung  beS  ^afteS  er* 
tappen  fönne. 

GS  bauerte  auch  gar  nta^t  lange,  fo  glaubte  ber  Teufet  ge* 
monneneS  Spiet  ju  ^aben.  Der  "tßaftor  mar  unbefümmert  um  ben 
Vertrag  aus  ber  Pfarre  hinausgegangen  unb  ftanb  an  ber  SBrücfe, 
mo  bie  ®rengfd)eibe  ifl  amifdjen  ber  Starfomer  unb  ber  ffiebebaffer 
ftelbmarf.  Sogleich  mar  ber  $)err  ^almenfufj  bei  it)m  unb  fpradj 
gar  fpöttifch:  „Qefet,  lieber  £>err  ^aßor,  macht  eudj  nur  fertig  $ur 
SReife!  $fn-  fönnt  nun  mat  fcfyen,  ob  ihr  bie  $ölle  euren  dauern 
richtig  aufgelegt  ^abt  ober  nic^t!"  unb  bamit  moflte  er  Um  paefen 
unb  mit  ihm  bauon  fahren. 

Slber  er  30g  feine  9trme  juriier,  als  menn  er  mit  feinen 
flauen  in  GiS  gegriffen  tjättt,  unb  ber  *tpaftor  lachte  mit  großem 
Vergnügen  hfll  auf  unb  ermiberte:  „£),  bu  bummer  Teufel!  bach* 
teft  bu  mich  fo  leicht  ju  fangen?  3öo  ich  gehe  unb  flehe,  befinb' 
id)  mich  auf  meinem  ©ebiet ;  benn  als  id)  ben  ^aft  mit  bir  abfd)loj?, 
^atte  ich  "'der  meine  Sohlen  33lätter  00m  heWgeu  (Soangelienbucb 
gelegt,  bie  liegen  noch  heute  ba  unb  merben  auch  nid)t  fortfommen, 
fo  lange  ich  ^be.  3J?erfft  bu  nun  mohl,  marum  bir  ein  ©raufen 
unb  Schauem  anfam,  als  bu  mich  paefen  mollteft?" 

Da  erfannte  ber  Teufel,  bajj  er  ber  Klugheit  beS  ^riefterS 
nicht  gemadjfen  mar,  unb  öoll  Sut  unb  Scham  machte  er  fidj  eiligft 
aus  bem  Staube  unb  hat  fid)  fcin  ^c&tage  nicht  mieber  bei  bem 
^aftor  0011  Starfom  fehen  laffen. 

^ach  (?.  sJJt.  2lrnbt,  ^arttjen  unb  ^uflenberg.  II.  3.  86— 9<>. 

333. 

DaS  Morbfcnfter  im  Wifolaiiurm  ju  GfccifSmalb. 

Der  ©achter  oben  auf  bem  St.  Wfolaiturm  in  ©reifsmalb 
mufe  beS  Nachts  bie  Stunben  burch  Olafen  anzeigen,  ©r  bläft 
aber  nur  aus  brei  ftenftern  be§  TurmS,  nämlich  b™c»  lta^ 
Süben,  Cften  unb  SBeften.  5luS  bem  nach  Horben  barf  er  nicht 
blafen,  baS  leibet  ber  Teufet  nicht.  2SaS  biefer  babei  hat,  ba 
fonute  noch  niemanb  Innter  fommen;  aber  fo  oiel  ift  gemi§,  baß 
ber  Teufel  einmal  einen  ©ächter,  ber  eS  magte,  aus  bem  ^ioibfenfter 


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4500 


3U  btafen,  olöfelid)  im  Sterten  ergriff  unb  tyn  fron  oben  au«  bem 
^oljen  ftenfier  warf,  bafc  er  Äopf  unter  ßopf  über  flog  unb  unten 
auf  ber  ^trafje  tot  anfam. 

<Seitbem  $at  e«  feiner  mieber  berfudjt,  au«  bem  genfter  $u 
blafen;  ber  SNagiftrat  foll  e«  aud)  »erboten  Ijaben.  ©enn  ber 
Satter  in  ber  3iadjt  nur  ben  Äopf  au«  biefem  ftenfter  ju  fletfen 
wagt,  fo  fann  er  fidjer  barauf  rennen,  ba§  er  bom  Xeufel  eine 
Ohrfeige  erhält.  ^  m 

334. 

©et  ©ertlouf  um  ba«  Otfcrgclb.1) 

3u  ©ribßiDalbe,  im  £anbe  $u  Bommern,  faget  man  befienbig 
tmb  fürwar,  ftieg  ein  3)ieb  in  bie  $ircfje,  barinne  ftunb  ein  33ilb 
Slifolai,  fcnb  im  ©otte«faften  folt  Diel  ©elb  oerfdjloffen  liegen.  Der 
Dieb  foradj:  $err  SJifolae,  ift  ba«  ©elb  mein  ober  bein?  2öir 
wollen  barumb  in  bie  SBette  lauffen ;  fömpftu  elje  onb  fdjneller  $um 
©elbfiocf,  beim  id),  fo  fett  ba«  ©elb  bein,  fonft  fo(  e«  mein  fein. 
Stifolae  ba«  93itb  lieff,  onb  fam  jum  erften  an  bie  ©elbftat.  ©ie 
lieffen  bettbe  nod)  einmal  onb  jum  britten  mal,  @anft  Zittau« 
oberwanb  mib  oberlieff  ben  Dieb.  Der  Dieb  fttrad) :  9ttein  liefet, 
bu  ^aft  ba«  ©elb  gewonnen,  bu  fanfi  e«  aber  nidjt  borje^ren,  benn 
bu  biß  £)oty,  idj  mit  bauon  einen  guten  üftutt)  Ijaben,  onnb  e«  mit 
guten  ©efeüen  oorfdjlemmen. 

tiefer  ÜWenfd)  tft  nad)  wenig  tagen  gefrorben;  feinen  tobten 
£eib  führet  ber  £euffel  wiber  au«  bem  ©rabe,  in  bie  Äirdje,  warff 
jn  be«  ittadjt«  auff  eine  25Mnbmüle  oor  ber  <Stabt,  oon  berfelben 
fagt  man,  bie  fotle  ttnredjt  ombgeljen,  ünb  lin<f  mahlen.  Dt§ 
Üeuffelifd)  ©efpenfi  fei  war,  ober  anber«,  fo  Ijab  idj«  bod)  marlid) 

gelefen.  fttuanbet,  Mt*ronita.  Waabebutat  1602.  fr  113a. 

335. 

$er  Stfml?  in  ©retf«toalb. 

hinter  bem  §aufe  be«  ©äefer«  ÜReier  in  ber  Cangenftrafje 
SU  ®rcif«walb  liegt  ein  fleiner  ©arten.  %n  biefem  tft,  wie  bie 
tfeute  fagen,  ein  <Sd)afe  oergraben,  ben  ber  Stufet  bewa^t,  ber  aber 

*)  SluSgefdjmüdt  unb  mit  einigen  Slbroeidjungen  nadfr  jüngeren  Cueflen 
bei  lemme,  3JoIf*fagen.  Är.  118. 


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267 


nur  atte  fta^re  einmal  in  einer  SBotfmonbSnadjt  pm  SBorfdjein  fommt. 
<5r  leuchtet  bann  im  ÜHonblid)te  unb  fieljt  au«,  tote  ein  großer 
$>aufe  brennenber  ftotylen. 

©inftmal«  biente  in  bem  §aufe  eine  fdftäfrige  ÜBagb,  bie  ge* 
möl)nlid)  be«  borgen«  bie  £eit  oerfdjlief  unb  be«$alb  jum  öftern 
Don  tyrer  ftrau  au«gefd)olten  mürbe.  911«  bie  $u  einer  3eit  au« 
bem  Schlafe  ermatte,  fa$  fie,  bafj  e«  fdjon  gang  fjett  mar,  morüber 
fie  fe^r  in  <Sd)rec!en  geriet;  beim  fie  meinte,  fie  tyätte  ft<$  mieber 
oerfdjlafen.  ©efdjmtnb  tief  fie  be«tyalb  in  bie  Äiidje,  um  geuer 
angumadjen.  3Bie  fie  aber  au«  bem  ftenfter  faty,  meld)e«  in  ben 
©arten  führte,  gemährte  Tie,  baß  bort  fd)on  ein  fteuer  brannte. 

Sie  oermunberte  fid)  $mar,  mie  ba«  $euer  ba^in  fäme;  aber 
in  tyrer  Gtfc  freute  fie  fid)  aud),  ba§  fie  nun  nid)t  erft  lange  mel» 
d)e«  anaumad)cn  brause,  nafjm  eine  <Sd)ü>»e  unb  ging  bamit  in  ben 
©arten  unb  tyolte  fid)  bie  coli  ftofjien.  (Sowie  fie  inbe«  bamit  mieber 
in  bie  8iid)e  Farn  unb  fie  auf  ben  $erb  legte,  erlofdjen  fie  auf  einmal 
alle  gufammen.  Sdmell  eilte  fie  in  ben  ©arten  gurücf  unb  nafym 
eine  gmeite  ©d)ü>»c  ooll ;  aber  aud)  bie  oerlöfdjten  in  berfelben  ESeife. 
darauf  madjte  fie  fid)  gum  britten  ÜMe  gu  bem  ftcuer.  Äaum 
mar  fie  aber  jefet  babei  angefoinmen,  al«  hinter  ben  brennenben 
flogen  l>er  eine  fd)recflid)e  Stimme  rief:  „Senn  bu  nod)  einmal 
fommft,  fo  bre^e  id)  bir  ben  $)al«  um!" 

darüber  erfd)raf  ba«  arme  ÜÄäbdjen  fo  gemaltig,  baß  fte  faum 
in«  §au«  guriicflaufen  fonnte.  Sit«  fie  e«  erreidjt  Ijatte,  fd)lug 
gerabe  bie  ©locfe  auf  bem  Wfolaiturme  ein  illjr,  unb  mit  bem 
<Sd)lage  mar  ba«  fteuer  im  ©arten  oerfd)munben.  $a  entfette  fie 
fid)  nod)  mefyr  unb  ging  eilig  in  u)r  3Jett  gurücf,  mo  fie  aber  bie 
gange  sJJad)t  burd)  fein  3luge  metyr  guttun  fonnte.  $öie  fie  jebod) 
am  attbern  ÜWorgen  an  ben  §erb  fam,  lagen  lauter  blanfe  £ljaler 
barauf,  unb  nun  erfannte  fie,  ba§  fte  um  Üttitternadjt  bei  bem  oom 
leufel  bemad)ten  8d)afe  gemefen  fei,  unb  bafe  ba«  i'idjt  be«  25oU» 
monb«  fie  glauben  gemadjt  Ijatte,  fie  fjätte  fid)  oerfdjlafen. 

Jemmc,  $oIt3faaen.  91r.  281. 

336. 

Der  Teufel  gefangen. 

@«  giebt  fct)r  oielc  Xeufel,  unb  oon  benen  fmb  bie  meijten 
in  ^orb^aufen  $eimat«bered)ttgt.   Söarum?  —  9?un,  menn  e«  nidjt 


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268 


ber  ftafl  märe,  fo  mürbe  bort  moljl  nidjt  fo  entfefclidj  biel  ©djnaps 
gebrannt  merben.  @inft  roollte  foldj  ein  9forbf)äufer  teufet  einem 
3Konne  in  ©reifäroalb  etmaS  angaben.  ?lbcr  ba  mar  er  an  ben 
Unrechten  gefommen,  benn  ber  ©reifsmalber  mar  iljm  an  Gräften 
unb  Giften  weit  überlegen  unb  jagte  iljn  in  bie  ftiutift.  $n  feiner 
^ersenßangft  fdjlübfte  ber  leufel  in  ba$  Nftlodj  einer  (Sidje.  $ier 
mahnte  er  fid)  fidjer,  aber  ber  üttann  fyatte  itm  bemerft,  ergriff 
einen  ,f)ol$pfloct  unb  feilte  bamit  fd>neü  ba$  £od)  $u.  <2o  mar  ber 
Xeufel  gefangen  unb  fifet  aud)  nod)  bis  auf  ben  heutigen  Jag  in 
bem  ©idjbaum. 

üNünblid?  au$  (*(bena,  ÄreiS  Cfceiflroalb. 
337. 

$er  Sdjafc  bei  ©riftott. 

93ci  bem  ftirdjborf  ®riftom,  eine  ÜKeile  bon  ©reifsmalb,  fteljt 
man  in  einer  Imfyen  ®egenb  am  Straube,  Sufom  genannt,  ein 
.£)iiuengrab,  unter  bem  fieb,  ein  ungeheurer  Sdjafe  befinbet.  iDerfefbe 
tuirb  in  einer  Pfanne  bermafyrt  unb  fyat  biäber  nodj  ntc^t  gehoben 
merben  fönnen. 

SSor  mehreren  ,$ar)ren  berfudjten  e8  einmal  einige  Arbeits* 
leute,  ifyn  $u  gemimten.  Sie  waren  aud)  fdmn  bis  an  bie  Pfanne 
gefommen,  ba  erfdjien  ilmen  auf  einmal  ber  Teufel,  wie  er  eine 
grojje  £offd)eune  tyeranfufyr,  meldje  bon  bier  Staufen  gebogen  mürbe. 
5Uö  ba8  einer  ber  SWänner  fal),  rief  er  bermunbert:  „Wö  will  dt 
de  Duewel  darmit  hon  habben?"  unb  fomie  er  bie  Sorte 
gefbrodjen  fyatte,  mar  e8  mit  bem  3d)afee  borbei;  benn  einen  Sdjafe, 
ben  ber  Üeufel  bermafyrt,  fann  man  nur  lieben,  menn  man  fein 
©ort  babei  fbridjt. 

Semme,  ^oltefaaen.  s)tr.  174  aus  Sieberftebt,  Seiträßc  j.  ®efa)ia>te 
b.  Äircben  unt>  ^rebiget  in  Bommern.  I.  ©.  118. 

338. 

$er  Teufel  al«  9tfäbd)e»  unb  ber  Jeimann.1) 

3luf  ber  ^fnfel  Ufebom  lebte  einmal  ein  ©betmann,  ber  führte 
ein  gar  fünbfjafteS  unb  müfteä  ßeben  nnb  fteüte  namentlidj  jungen 

M  Sie  Sage  ift  foft  in  allen  Mrcifen  $ommern$  txrbreitet  unb  überall 
auf  anbere  6d)löfier  lotalificrt.  Gine  folepe  Variante  bietet  au*  Semme, 
SJoltefaaen  5lr.  255. 


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269 


üRäbdjen  nad>,  fo  bafc  nur  wenige  feinen  9?efeen  entgingen.  Da 
fuf>r  er  aud>  einmal  am  Stranbe  be«  ÜWeere«  Ijin  unb  fal)  Oon  fem 
eine  Shttfdje,  in  ber  ein  fdjöne*  9fläba>n  faß,  bafjer  fommen.  ©o* 
gleia)  fprang  er  au«  bem  SBagen  unb  wollte  gu  iljr,  als  üjrn  fein 
Äutfc^er  nodj  nachrief:  f,#err  feljt  iljr  nadj  ben  ftüfcen,  fefjt  iljr 
nad)  ben  pfeen!" 

Da  bliefte  er  f)in  nnb  bemerfte,  bafj  ba«  üttäbcfycn  einen 
$ferbefu§  Ijatte,  unb  prallte  entfefct  aurücf.  Slber  im  felben  Äugen* 
blief  fprang  aud)  ba*  9ttäbd)en  au«  bem  SÖagen  unb  eilte  hinter 
iljm  ljer.  @r  f>atte  ftcb  nun  in  feinen  SBagen  geworfen  unb  ftürmte 
in  milber  (Sile  nadj  §au«;  bodj  bid)t  hinter  tym  folgte  ba*  SDtäb$en 
mit  lang  aufgelöstem,  fliegenbem  $aar.  (Sttblid}  fam  er  oor  feinem 
£>aufe  an,  ftürjtc  fdjnell  hinein,  riegelte  bie  £fjüre  hinter  ftdj  $u 
unb  eilte  hinauf  bi«  unter  ben  ©iebel  be«  Dadje«,  um  au  fel>en, 
ob  feine  graufe  SBerfolgerin  nodj  ba  fei. 

Da  fielet  er,  mie  fie  fidj  gleid}  einer  Äafce  an  ber  Söanb 
emporredt,  fyityer  unb  Ijöljer  flimmt,  unb  jefct  ift  fie  oben;  ba  reifet 
er  in  rafenber  Slngft  feine  ftlöte  oon  ber  3öanb  unb  bläft: 

„$>err,  id>  Ijabe  mifegetyanbelt, 

3a,  groß  ifl  ber  Sünben  tfaft, 

§abe  nufy  ben  ©eg  geroanbelt, 

t)en  bu  mir  gegeiget  $afl". 
Unb  mit  bem  legten  Xone  be«  tfiebe«  mar  audj  ba*  üttäbdjen  Oer* 
fdjtounben.   Der  öbelmann  tf>at  93ufee  unb  begann  ein  neue«  t'eben. 
?luS  ©roineiminbe:  Äuljn  unb  ©a^raarfe,  ftorbb.  ©anen.  9?r.  23. 

339. 

$er  $eufcf*frcin  auf  beut  9Bartlj«t  3felbe. 

L 

3luf  bem  SBartyer  ftelbe  auf  ber  $nfel  Ufebom  liegt  ein  un* 
geheuer  großer  Stein,  in  ben  bie  ©pur  einer  $>aub  eingebrütft  iß. 
üttan  fagt,  ber  Teufel  tyabe  biefen  ftel«blo<f  baln'n  geworfen. 

Sil*  nämlidj  ju  Anfang  be«  Sljriftentum«  in  Bommern  eine 
cfyrifHidje  Äirdje  gu  ^ubagla  auf  Ufebom  erbaut  ift,  ba  fyat  ber 
Xeufel  fidj  oorgenommen,  biefelbe  gu  ^erfrören.  $u  ocm  .ßtoeefe 
naljm  er  biefen  «Stein  unb  ftellte  fidj  bamit  auf  ben  SJaujoberg  bei 
Caffan  unb  warf  ü)n  oon  bort  au*  nadj  ^ubagla  Ijin.   Allein  ©ott 


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270 


ber  $err  fanbte  gu  berfelben  3eit  «neu  heftigen  SBinbfiofc,  ber  Der» 
fefcte  ben  «Stein,  fo  baj?  er  auf  ba«  ©art§er  ftelb  flog  unb  bafelbft 
nieber  fiel,  ©ei  bem  $öurfe  &atte  ber  £eufel  ben  ftelSblod  fo  feft 
gebacft,  bajj  fidj  feine  #anb  barin  abbrücfte,  wie  bieS  nodj  $eute 
311  fe^en  iß. 

Semme,  «oltSfaaen  9ir.  179  aus  ben  «tteti  ber  $oinm.  ©efellfäaft 

f.  ®efa}ia)te. 

EL 

9Kd)t  weit  bon  Äoferow  liegt  baS  $)örfdjen  Gobbin  am  Hdjter* 
waffer.  Dort  foll  am  tfobbiner  #öft  einfi  ber  ÜTeufcl  geftanben 
fjaben,  um  feine  ihraft  an  einem  ©teinwurf  ju  erproben.  $u  bem 
3wecfe  ergriff  er  einen  mädjtigen  ftelsbfocf  unb  warf  benfelben  über 
ba«  ©affer  hinüber  auf  bie  SBartyer  ftelbmarf,  wo  er  nodj  feurige» 
£age3  liegt. 

«Wünblia?  aus  Üderife  auf  Ufebom. 
340. 

Set  $e(fetl}aler. 

$n  <§winemünbe  lebte  bor  einigen  ^aljren  ein  3Wann,  ber 
fyatte  einen  ©etfetfyaler,  unb  ben  tyatte  er  fo  erhalten: 

©r  ging  in  ber  9ieujal>r$nad}t  an  bie  SHrdjtljür,  fyatte  ftdj 
einen  fdjwar&en  Äater,  ber  aud)  nidjt  ein  einziges  weijjeS  ©aar  am 
Seibe  Ijatte,  gefangen  unb  ben  in  einen  &ad  gefledt.  Den  nafym 
er  auf  ben  föücfen,  ging  rücfmärts  bon  ber  ftirdjtfyur  um  bie  Äirdje/ 
unb  als  er  Ijerum  war,  flopfte  er  breimal  an.  Da  trat  ein  SJiann 
heraus  unb  fragte,  ob  er  ben  Äater  berfaufen  wolle?  —  „3a!"  — 
©ie  teuer?  —  „ftür  einen  X^ater!"  —  Das  ift  gu  biel,  idj  will 
aajt  ©rofdjen  geben!  —  „'Dafür  ifl  er  nidjt!"  —  Unb  nun  ging 
er  511m  britten  Üßate  rüifmärts  um  bie  Äirdje  unb  flobfte  wieber 
an,  ber  9Rann  fam  wieber  tyerauS,  er  forberte  unb  erhielt  nun  fei* 
nen  X^aler.  Darauf  warf  er  ben  Sacf  mit  bem  Äater  jur  örbe 
unb  lief  mit  bem  ©elbe,  fo  fdmell  er  nur  tonnte,  nad)  $>aufe. 

©eitbem  mo^te  er  ben  2^aler  ausgeben,  fo  oft  er  wollte, 
fobalb  nur  ber  lefete  ©rofdjen  fort  war,  f>atte  er  audj  ben  ganzen 
SHjaler  wieber  in  ber  Xafdje. 
Äug  ©winetnünbe:  Äufcn  unb  6a>iuark,  9lorbbeutfd)e  Saßen  <Rr.  24. 


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271 


341. 

$rr  Sdja^  im  ©Uberberg  bei  Göttin. 

^m  ©Uberberg  bei  ©ollin  Hegt  ein  großer  ©djafe  begraben, 
©er  ifm  tyeben  will,  mujj  nadjt»  gwölf  Ul)r  ein  fdjwarge»  $)ufm, 
einen  [d^ar^en  33ocf  unb  eine  fd)warje  Äafce  bort  ftillfdnDeigenb 
opfern.  3lber  bi$  jefct  ftnb  nodj  alle,  bic  es  oerfudjt  Ijaben,  babei 
geftört  worben,  fo  bajj  fic  ein  ©ort  fpradjen,  unb  bann  Ijat  man 
feine  3Ra$t  meljr  über  ben  @djafc. 

HuS  Söollin:  flubn  unb  Sflroarfc,  Wortb.  Saften  «Rr.  11. 

342. 

©ie  ber  Sanfter  and  feinen  SRöteu  fam. 

6»  war  einmal  ein  ©djufter,  bem  ging  e$  feljr  fdjledjt.  Da» 
Veber  war  teuer  unb  mufcte  fogleidf  bejaht  »erben,  unb  bie  Äunben 
waren  fpärlidj  unb  liegen  mit  bem  üWat^erlo^n  ©odjen  lang  warten. 
$n  feiner  33ergn>eiflung  badjte  ber  arme  9Jteifter  f$on  an  biefee^ 
unb  jene«,  al»  e»  plöfelidj  an  bie  2$üre  pod)te.  „$erein!"  rief  ber 
©djufter.  Die  Jljüre  öffnete  fidj  unb  ein  groger  SMann  mit  fdjwar» 
gern  flntlifc  Rumpelte  in  bie  @tube. 

„lieber  SWeifter",  ljub  er  an,  f,id)  ^abe  oon  beiner  sJtot  ge« 
f)ört  unb  will  bir  Reifen".  Dem  <5d>ufter  fam  ber  9ttenf$  Oer* 
bädjtig  oor,  unb  er  fragte  barum,  mit  wem  er  benn  bie  @tyre  Ijabe 
gu  reben.  „fta",  fagte  ber  ©djwarje  unb  fragte  fidj  oerlegen  hinter 
ben  Ofyren,  „meinen  tarnen  nenne  idj  eigentlich  nict>t  gerne,  bod) 
fagt  man  ja  gewitynlid)  oon  mir,  \d)  fei  ber  $an  Äräuger  au» 
^ffilippSgrün.1'1)  „<5o,  fo",  erwiberte  ber  (©djufter  unb  oerfärbte 
fitt)  ein  wenig,  „alfo  $err  $>aunerfaut  ftef>t  oor  mir.  Slber  fei'* 
brum.  SWir  ge$t  e»  ju  fa)lect)t,  be^alb  neunte  idj  $>ilfe  an,  fetbft 
wenn  fic  oom  Teufel  fommt". 

„Da»  nenne  id)  mir  bodj  nodj  ein  oernünftige»  ©ort",  fiel 
tym  ber  ©öfe  in  bie  föebe.  „3*fct  wollen  wir  audj  fa^neö  ben 
tfontraft  auffegen.  2üfo:  bu  er^ältft  auf  ber  (»teile  awet  Sonnen 
©olbe»,  unb  fobalb  biefelben  »erbraust  finb,  Ijole  idj  bia>  unb  neunte 
bi$  mit  mir  jur  $)öüe".  —  „©emadj,  gema$,  lieber  $>err  #auner» 

*)  „6r  mu&  nna)  ^bilippSgrün"  ift  fooiel  wie  „er  mufe  auf  ben 
Mixcfchof,  balb  ftetben". 


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272 


faut",  fagte  ber  Schufter,  „auf  fo  horte  SJebingungen  faffc  ich  mich 
ntc^t  ein.  @he  ich  bir  mit  ?etb  unb  Seele  ocrfallen  bin,  muffen 
mir  unfere  ftraft  nod)  $u  breien  Waten  mcffen.  SBcftcgft  bu  mich 
bann  auch  nur  ein  einziges  9Wal,  fo  magfi  bu  mit  mir  beginnen, 
maS  bir  gut  bünft;  bin  id)  aber  in  dien  brei  Stücfen  ber  Sieger, 
fo  fyaft  bu  auf  emig  feinen  Üeil  an  mir." 

$au  Äräuger  mar  nun  feit  jeher  ein  gemattig  hochmütiger 
.J)err,  ber  fich  für  ben  Stärfften  auf  ber  gan$en  28elt  f^ielt  unb 
niemaub  fid)  überlegen  glaubte.  „Sdjufter",  fprad)  er,  MbaS  hilft 
bir  alles  nichts ;  aber,  menn  bu  burdjauS  barauf  beftehft,  fo  bin  ich'S 
auch  sufrieben.  $efot  unterfchreibe  aber  fdjneU".  Sobalb  ber 
2Heifter  feinen  tarnen  unter  baS  Schriftflücf  gefegt  unb,  mie  eS  fid) 
bei  JeufelSpaften  gehört,  ftatt  ber  Üinte  fein  eigenes  Slut  genom« 
men  ^atte,  oerfchmanb  ber  93öfe  unb  mar  nach  toenig  Slugenblkfen 
mit  ben  beiben  Tonnen  ©olbeS  §ur  Stelle. 

3BaS  oon  biefem  Jage  an  für  ein  luftiges  l'eben  in  ber 
Schuftermerfftatt  begann,  baS  lägt  fich  beuten.  Stiefel  unb  Schuhe 
mürben  gar  nicht  mehr  gearbeitet,  bafür  jeboch  oon  morgens  früh 
bis  fpät  in  bie  flacht  hinein  gejubelt  unb  gelärmt,  gegeffen  unb 
getrunfen,  als  fönne  baS  ÖJelb  niemals  alle  merben.  Slber  jegliches 
5)ing  h<*t  einmal  ein  ßnbe  unb  befonberS  00m  £eufe(Sgelb  gilt  baS 
alte  Spridjmort:  „Söie  gemonnen,  fo  jerronnen".  $u  feinem 
Sdjrecfen  marb  baher  ber  Schufter  eines  XageS  inne,  ba§  auch 
nicht  mehr  ein  einziges  ©olbjh'icf  oon  ben  beiben  Tonnen  in  feinem 
93efü)  fei.  Unb  mie  er  fich  noch  ocn  ^°Pf  barüber  gerbrach,  roo 
benn  in  aller  SBelt  alles  fo  fchnell  htngefommen  fei,  ba  floofte  ihm 
fchon  ber  §err  $>aunerfaut  auf  bie  Schulter  unb  fpradt) :  „i^efct 
geht'S  an  bie  ©ettfämpfc". 

„9iun  gilt'S  bich  beiner  fyaut  mehren",  backte  ber  Schufter 
unb  ging  mit  bem  Xeufet  ins  ftreie,  um  bort  ben  Streit  auS$u< 
fechten.  „QaS  erfite  9tätfel  [teile  ich,  Du  ntagft  bie  anbern  aufgeben", 
fagte  $an  Oranger,  als  fie  im  Salbe  waren.  ,,«£)ältft  bu  eS  mohl 
aus,  menn  ich  mit  einem  Schlage  alle  iÜfte  unb  ^meige  im  gangen 
Jöufch  gur  (£rbe  fallen  laffe?"  „Söarum  nicht!"  antmortete  ber 
Schufter.  $)a  gab  es  einen  entfefolicheu  tfnall,  bafj  ber  ©rbboben 
erbröhnte  unb  bie  £iere  in  jähem  Schrecfen  auffuhren,  unb  herab 
fauften  alle  $meige  un0  Äfte  9ongen  SöalbeS,  fo  bajj  bie  ©äume 
glatt  unb  fahl/  mie  bie  üttaften  eines  Schiffes,  bajltanben. 


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273 


$er  Sdjufter  tyatte  fid)  aber  üorljer  bie  Clären  feft  zugehalten 
unb  gut  adjt  gegeben,  bafj  ifjn  ba8  fallenbe  ,£ols  nidjt  üertefete. 
911$  ber  Xeufel  fid)  nad)  Uhu  umfatj,  fagte  er  baruiu  fpöritfd): 
„W\t  folgen  fingen  äugfiigt  man  ftinber;  unb  trofebem  luirft  bu, 
teeuu  idj  iefot  baSfelbe  tlnte,  teaä  bu  eben  getrau,  e$  uirt)t  aushalten 
fönuen".  T»iefc  trofcigen  Sorte  bereiteten  beut  Xeufef  große  Sorge, 
uitb  er  antwortete:  „lieber  Sdjufter,  laß  und)  bodj  juoor  bie  Singen 
toerbinben,  wenn  e$  gar  fo  fdjretflid)  teerbeu  fort".  ftaum  fjatte  fid) 
3au  Üräuger  ba£  2ud)  umgefnüpft,  fo  fd)ric  ber  SDieifter:  „3e{>t 
gefjfs  lo$!"  unb  bamit  ergriff  er  feinen  fdjteeren,  eidjeneu  ftnoteu? 
ftotf,  unb  bagelbidjt  f  außen  bie  teudjtigen  Streike  auf  ben  Sdjäbel 
beö  leufels. 

„|>alt  ein,  l;alt  ein",  rief  ber  jebod)  fdjou  nad)  furjer  |}eit, 
„in  biefem  Streit  gebe  idj  mid)  uerloreu,  ba$  erfte  Mätfel  Ijaft  bu 
gewonnen".  —  „Sagte  idj  es  bodj  gleidj,  baß  bu  mir  nidjt  ftanb 
Ratten  tenrbeft",  entgegnete  ber  Sdjufter  troefeu  unb  baub  betu 
Xeufel  bie  23inbe  ab.  „Muu  fonimt  aber  bie  Weifyc  an  mid},  bir 
eine  9iug  jum  Änatfeu  aufzugeben.  Sief)  einmal,  bort  graft  ein 
$eugft.  Mimmft  bu  beu  roofjl  auf  ben  Müden  unb  trägft  ilm  mir 
um  ben  Salb  tyerum?" 

„$a$  teirb  ein  faureä  Stücf  Arbeit  teerten",  meinte  §crr 
$auuerfaut,  bann  ging  er  auf  ba£  Jier  ju,  legte  fid)  bie  beiben 
Horberfüße  über  bie  Sdjuttern  unb  begann  bie  beftt)teerlid)e  Steife. 
Der  $eugfr  tear  nämlidj  ein  teilbeS  Xier  unb  fällig  mit  feinen 
§iut errufen  bermaßen  um  fid},  baß  bem  Xeufel  bie  ftüße  jätniner* 
litt)  aerfdjlagen  teurben.  3lud)  fjatte  baS  ^ferb  eine  große  Sdjtecre, 
unb  babei  tear  e$  fyeißer  Sommer,  unb  bie  Sonne  ftanb  gerabc 
am  f}öd}fteu.  ©ublid)  braute  er  aber  bie  Arbeit  bod}  auteege  unb 
tarn  feuttjenb  unb  Don  Sdnueiß  trief enb  unb  mit  Sdjmufe  unb  33lut 
bebedt  teieber  bei  bem  Sdjufter  au.  „Sdjau  nur",  fagte  ber  ladjenb, 
„bir  Ijat  baS  fo  biet  9JÜtf}e  gefoftet,  id)  neunte  ben  $>engft  fogar 
3teiftt)eu  bie  Seine  unb  fomme  ofjue  bie  geringftc  Hnfireuguug  um 
beu  $ufdj  f>erum.  Sprad)'3  unb  fdjteang  fid)  auf  ba$  3ioß,  ritt 
fritylid}  beu  Saum  be$  Salbeö  entlaug  nub  fprang  auf  bem  s]>la(je, 
teo  ber  Teufel  ftanb,  teieber  auf  ben  Soben  Ijerab. 

$an  fträuger  fperrtc  SKunb  unb  Mafe  auf,  als  er  ba$  fal), 
nub  fagte  fleiulaut:  „@3  ift  tea^r,  tc^  511:  bu  fannft  meljr  teie 
td}".  —  „Mein",  rief  ber  Sdjufter,  „fo  gel;t  es  nidjt.    ^aft  ift 

18 


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274 

^$aft,  jefct  fommt  noc^  ba8  brittc  fliätfel.  9(ber  ba  idj  bir  gu  ftarf 
bin,  fo  n?HI  idj  ftatt  meiner  meinen  fleinen  jungen  mit  bir  flreiten 
laffen". 

9iun  ^atte  ber  Sdmfter  einen  jungen  $>afen  in  einem  fyöljer* 
neu  Söauer.  Den  Ratten  im  ^rül^iat)r  bie  Veute  bei  bem  Söeftellen 
beä  9lcfer$  gefangen,  unb  ber  SMeifter  !>atte  ilm  für  ein  paar  ^fen* 
uige  gerauft,  um  ifyn  grofe  511  gießen  unb  511  mäften.  Sdmell 
lief  er  jefct  nad)  $>au)*c  unb  polte  beu  ftäfig.  Dann  fprad)  er: 
M$err  $>aunerfaut,  oaä  britte  StiUf  ift  ein  Söettlauf.  £>olt  er 
meinen  jungen  im  Vaufe  ein,  fo  t)at  er  gewonnen.  Sobalb  idj 
brei  gät)le  beginnt  ber  Äampf.  C£inö!  ßxoeil  Drei!"  unb  geöffnet 
mar  ber  iÖauer,  ber  §a)e  t)erau3,  unb  pfeitfdjnell  lief  er  über  baS 
Bcferfelb  bat)in. 

Der  Teufel  rafte  mie  ein  Sinblmnb  hinter  it)m  brein  unb 
flaute  nidjt  redjta  unb  nidjt  finfs,  nid)t  vorwärts  unb  nic^t  xüd* 
wärt«;  nur  be«  SdjufterS  fleinen  jungen  einholen  war  fein  ©e* 
gefyr.  ^aft  fjätte  er  il)n  aud)  fd)on  bei  feinen  langen  Ot)ren  erwifdjt, 
ba  fameu  fie  plöfelict)  au  einen  breiten  3ttoorgraben,  ber  gan$  mit 
2J?oo8  übermadjfeu  mar.  Der  $>afe  ^ufc^te  leidjt  barüber  Ijinweg, 
aber  ber  |*d)were  Teufel  tjattc  fauin  einen  Örufj  hinein  gefefet,  fo 
brad)  bie  bünne  Dede,  unb  er  fiel  in  ben  tiefen  ©raben  hinein. 
Der  <5dmfter  fat)  nur  nod)  aus  ber  fterne,  wie  baS  fdjwarje  ÜRoor 
waffer  über  $an  iiräugerö  $>aupt  5ufammenfd)lug,  unb  bann  mar 
alle«  ftiüe.  Äein  2J?enfd)  ijat  feitbem  mieber  etwa«  oon  $errn 
.ftaunerfaut  gehört,  er  ift  bort  rlcnbiglid)  ertrunfen.  Der  <©(t)ufter 
aber  mar  auö  allen  feineu  9?öten  befreit. 

Wüntfid)  au«  ÜKeeHfler,  flrei«  Semmin. 

343. 

Dat  Rüklas  speien. 

To  Winachten  häbben  dei  süss  Hofknecht  in  Fanslow 
Rüklas1)  speit  bin  Holländer  (Milchmeier),  un  Nijärsäbend 
süll  dat  werrer  lös  gän.  Don  11  häbben  äewer  den  Hol- 
länder sin  Deinstdierns  'n  Tuppen  vullWäter  nän  Bauen 
rup  drägen,  un  as  dei  Knecht  nä  dei  Del  rup  kämen, 

M  Wt  Rftkhis  mir*  in  uiclcn  Wfflenben  Vorpommern«  ber  ©eil)nad)t$-. 
umjug  bejeittnet. 


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275 


donn  gOten  sei  £r  den  Tuppen  vull  Wäter  aewer  dei 
Üren. 

Dit  ärgert  ör  jö  ganz  gcwaldich,  un  wil  sei  dei 
Dicrns  nich  ankämen  könn'n,  säggen  sei:  „Xü  willn  wi 
nä  Schmärsow  gän  un  dar  Kükläs  speien.  As  sei  aewer 
unnerwaejens  sünd,  bliwt  dei  ein  troeeh  un  suet,  dat  dar 
noch  söss  Mann  gän.  Dat  kümmt  ein  snäeksch  voer,  un 
hei  lüpt  rasch  tau  un  sacht  tau  den  einen:  „Du,  bliw 
mal  troeeh!"  un  nü  suet  dei  ök,  dat  dar  man  noch  fif 
Mann  gän,  un  dei  ein  davon  hat  'n  Haunerlaut  un  ein 
Pirdfaut. 

Donn  sächt  hei:  „lk  gloew,  dat  is  wol  dei  Duowcl" 
un  röpt  dei  annern  tau:  „Dat  is  böter,  wi  kirn  um  un 
gän  nä  Hüs".  -  „Jäu,  sächt  dei  Duewel,  „wenn  wi  man 
irst  aewer  dei  Fildscheir  wiren,  denn  wull  ik  aewer  ök 
Hüklas  mit  juch  speit  häbben." 

Dat  anner  Jär  därup,  da  wirn  weck,  dei  wulln  dat 

nich  gloewen.    Dei  mäken  sich  up  un  gän  aewer  dei 

Fildscheir  nä  Schmärsow.    Un  as  sei  nä  den  Ilult  rin- 

kämen,  da  watt  dat  ein  grügliches  Gesüs,  sö  dat  sei  all 

ütriten,  un  den  einen  davon  hat  dat  krejen.    As  sei  nü 

den  annern  Morgen  hengän,  üm  den  tau  soeken,  dar  is 

hei  ganz  in  Stücken  reten,  un  dei  Darmn  hingen  up  dei 

Büsche  ümher.  ,£,  , 

(Sbenbaber. 

$er  ^eiligeubomm  bei  Doberan.1) 

ftn  yöiccfii3cr,  im  Äreife  feminin,  crjötjlt  mau  fid)  üou  ber 
(Jntftclmng  bcS  §ciligenbamm3  bei  Doberan  folflenbeä:  (Sin 
£d)äfer  munte  immer  mit  feiner  #crbe  lueit  um  ba«  ©affer  Ijerum 
treiben,  unb  baS  oerbrofe  tyu  fo  fefyr,  bafj  er  alte  Jage  feinem  Un* 
mut  barüber  tu  SDhtrren  unb  $[\\§m  Vuft  ma^te.  <£ine«  Slbenbö 
trat  ein  9JJann  $u  it>m  unb  fpradj:  i(^d>  iuiü  bir  beinen  Stummer 
nehmen  unb  bir  bis  morgen  einen  fdjöuen  Damm  burd)  baS  ©affer 
bauen.   Du  mujjt  mir  aber  bann  mit  Veit»  unb  Seele  angehören." 

l)  tfine  aanj  üf)nlid)c  3nac  von  bem  I?ufc($baimn  im  (^iljlenketer 
See  (auf  ber  ©rcnjc  jiuit'cben  Bommern  unb  Wetlenluiral  bei  Irwine, 
Voltdfaeen  Mr.  232;  boa>  auggefebmiieft. 

18* 


27i ; 


Der  Sdjäfer  merfte  gwar,  mit  wem  er  311  tfmn  fyabe,  willigte 
aber  nidjtsbejtowcuiger  ein,  bebang  fid)  nur  aus,  er  wolle  bret 
£)älwe  mitbringen,  einen  weiften,  einen  roten  unb  einen  febwarjen. 
Sobalb  ber  Icfcte  oon  b'efcu  gefräst  fyabe,  muffe  altes  oollenbet 
fein.  Der  Xeufel  nafnn  ben  Vertrag  an  unb  madjte  fid)  an  bie 
Arbeit,  fdjleppte  in  bas  Gaffer  grofte  Steine  hinein  unb  fyatte  fdwn 
ben  größten  Heil  bcS  Ü'erfeö  fertig  geftellt,  als  ber  borgen  graute 
unb  ber  weifte  .£>alm  311  träfen  begann. 

Der  Xeufet  Ijordjte  auf,  fprad)  aber  fogleidj: 
„Dat  is  Hau  witt, 
Dat  is  so  völ,  as  de  Hund  schitt," 

"Jl'vfyt  lauge,  fo  fdjrie  ber  rote  ^)alnt  ebenfalls.  Diesmal 
würbe  ber  $öfe  fd)on  etwas  bebenflicr/er,  tröftete  fid)  jebod) 
unb  fagte: 

„Dat  is  Hau  röd 
Dat  hat  kOn  Nöd." 
älMrflid)  fc^icii  cS,  als  folle  ber  Xeufet  fein  2Ö*erf  $u  (Snbe 
bcfomineu,  beuu  eS  feljlte  nur  uod)  ein  Keines  Stücfdjeu  am  Damme, 
als  and)  ber  lefcte,  ber  fdjmarje  $alm  fid)  vernehmen  lieft.  Da 
fdjrie  ber  Xeufel  traurig: 

,.Dat  is  Han  schwärt, 
Dat  geit  nii  dörch't  Hart" 
warf  ben  legten  Stein  fort  unb  war  üerfdnuunbeu. 

l*benfcal)er. 

$er  Ovferftctn  bei  Öiifdjutti^l. 

2luf  bem  ili'cge  t?ou  iüufdjtnüljl  uad)  ber  Stabt  Demmin 
lag  in  ber  vJiäl»e  beS  Veiftenower  Jpol^eö  au  ber  nörbtidjeu  9lb* 
badjuug  eines  $)ügcls  ein  anfeludidjer  ©rauitblocf.  $n  tym  waren 
brei  Vertiefungen,  unb  $mar  erfaunte  man  genau  bie  Sturen  eines 
^ferbelmfeS,  eines  2)Jeufd)enfufteS  unb  eines  ,'pülmertrittcS. 

3Jet  bem  Stein  war  eS  nidjt  getjeuer.  Quv  Diadjtjeit  faf> 
mau  um  itm  l)er  blaue  stammen  tanken  unb  fyörte  babei  öfters 
ein  ©eljeul,  wie  baS  eines  groften  .'punbeS.  Vorübereilenbe  $Bau* 
bercr  tjatten  aud)  wirflid)  juiweileu  einen  groften,  fdnuaraen  ^unb 
mit  laug  Ijerabljängenber,  roter  ^Junge  auf  bem  Steine  erblitft,  was 


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277 


natürlid)  niemanb  auberS  gemefen  fein  fann,  lüic  ber  leibhaftige 
Xenfel. 

3?oh  biefem  $uube  erzählten  fiel)  bie  Veute  fotgenbe^:  Vor 
alters  fließ  er  bie  Drohung  aus,  er  molle  baS  gan^e  tfaub  Oer* 
heeren  mtb  alles  morben,  fofem  ihm  uidjt  jä^rücf>  eine  fdjöne  ^itug* 
frau  jum  Cpfer  gebrad)t  toerbe.  &Mc  er  nun  einmal  mit  einem 
foldjeu,  fein*  frommen  Stinbe  ben  Sieigen  Ijat  tai^cn  molleu,  flehte 
baffelbe  in  fetner  9tot  ben  lieben  ($ott  um  £)ilfe  an.  Da  mußte 
ber  Xenfel  abgießen;  bod)  prägten  fid)  bie  «Spuren  ber  Xan^enben 
feft  in  bem  garten  «steine  ein.  Die  üWenfdjenfpur  cjct^i5rt  betn 
2)Jäbd)en,  bie  beibeu  anbern  fyat  ber  Jeufel  3urücfgelaffen. 

Rubere  tuiffen  über  ben  Urfprutig  ber  Vertiefungen  anbercS 
p  beridjtcu.  35er  Stein  ift  nämlich  außerbem  noch  mit  einer 
2)fcttge  (eS  fiub  bereu  aa^tunbitoan^ig)  größtenteils  regelmäßig  georb» 
iteter  Vödjcr  überfät.  Da  er^är)leii  fte  nun,  ber  Teufel  ^abe  in 
alter  $eit  auf  biefem  ftelöbloct  mit  Voluten  gefpiclt  unb  bei  biefer 
Gelegenheit  ben  9lbbrucf  feiner  beiben  ftüße,  beS  ^fcrbe^nfö  unb 
beS  SNenfcheufußeS,  juriicfgelaffen. 

Söaltifaje  etubien  I.  3.  288  Ja.;  XII.  1.  §.  110  irt. 

34«;. 

$er  Sdja^  im  Toüfrug  bei  Dcmmiu. 

$n  bem  Dorfe  Vorwerf  bei  Demmin  lag  früher  ein  .$auS, 
ber  Jolltrug  genannt,  beffen  Vefifccr  Düroir  fn'eß.  $u  beut  fam  eS 
eine  9iad)t  an  baS  $enfter  unb  rief:  „Düroir,  fomm  IjerauS! 
Unter  beinern  Birnbaum  liegt  ein  Schafc."  Dem  Üftannc  warb 
babei  in  feinem  Vette  graulich  311  2)?ute,  unb  er  antwortete  trofc 
beS  ^urebeuS  feiner  ftrau  ber  Stimme  nicht.  $u  ber  nätfiflen 
9todjt  fam  baS  Söefcn  bis  31t  ber  Stubenthür  unb  rief  btefelben 
©orte,  aber  toieberum  fonute  ficf>  Düroir  nicht  3U111  ÜHitgeljeit  ent> 
fließen,  ^n  ber  britten  Stacht  trat  ber  rätfclljafte  Sprecher  fogar 
oor  baS  Vett  beS  sJDJantteS,  unb  ba  fah  er  nun,  baß  es  ein  Heiner 
$ert  mit  einem  großen  ©arte  mar. 

Diesmal  roieberholte  er  feine  flufforberung  nod)  brtnglidjer 
roie  jitoor  unb  fügte  l)inau,  er,  ber  Düroir,  brause  fid)  bei  bem 
$eben  beS  Sd?afee$  gar  feine  3)?ü^e  311  madjen,  benn  er  felbft  toolle 
ihm  baS  Gelb  bis  3ur  treppe  tragen.    Seiter  bürfe  er  aüerbingS 


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27« 


nidjt  geljen.  £)od)  ber  furdjtfame  üttenfd)  wollte  ntc^td  baoon  wiffen, 
unb  fo  mußte  fiä)  bic  ©eftalt  unberridjteter  Sadjc  wieber  entfernen, 
fagte  aber  nod)  beim  Fortgang:  „Senn  auef)  bu  baS  ©elb  »er* 
fdunälj!  fyafr,  fo  roirb  eö  bod)  noä)  einmal  in  ben  ©efife  beiner 
Wadjfommen  gelangen." 

9118  nun  baö  näcr/fte  ^riibjaljr  fani  unb  ber  ©arten  be$  %o\t* 
frngS  umgegraben  würbe,  ftieß  man  unter  beut  ^Birnbaum  plöfclid) 
auf  ben  Sdjat},  ber  jeboety  fogleief)  mit  großem  Graffeln  tief  in  bie 
ßrbe  üerfanf.  ^efct  würbe  ber  ÜDiann  nad)  bem©elbe  lüftern  unb 
eilte  naefj  Treptow  p  einem  ©elbbanner.  3öie  er  in  beffen  3Bolj* 
itutig  trat,  lag  auf  bent  Sofa  ein  f(f/warger  Vilbel,  ber  ifjm  bie 
$ärme  entgegeufletfdjte,  aber  fofort  oerfrummte,  als  ber  »J)erenmeifter 
Ijereintrat  unb  einen  3auberfprudj  rjermurmelte.  Sobann  fragte 
ber  Sanner  ben  Qütoir  nad)  bem  Sd^afc  unb  forberte  ü)n  auf,  irun 
eine  .fjanbooll  @rbe  au3  feinem  ©arten  511  bringen. 

Dad  tfjat  ber  tr;örid)te  Wann  aud)  offne  weiteres.  $aum 
fjatte  aber  ber  ©elbbanner  bie  (Srbe  in  feiner  $anb,  fo  jagte  er 
ben  SMiroir  311m  .J)aufe  InnauS;  benn  nun  fonntc  er  ben  Scr/afc 
für  fief;  behalten.  ."pattc  ber  33efü)er  be£  £ollfrug$  bie  Grbe  nidjt 
gebradjt,  fonbern  ben  .'peyenmeifter  im  ©arten  feine  ©efdjwörnngen 
i?orner/men  laffen,  fo  wäre  baS  ©elb  ir/m  ocrblieben. 

ßbenbabet. 

347. 

$er  Sdjafc  in  $emtmn. 

ber  Stabt  Dentmiu  liegt  ein  großes,  fefteS  £)auS,  oon 
weldjem  bie  eine  Seite  uaa)  ber  Straße,  ber  fdmelle  Vauf  genannt, 
bie  anbere  aber  naef;  ber  ftafylbtfdjeu  Straße  lungert,  $n  biefem 
$aufe,  unb  jmar  in  einem  Stalle  beSfelbcn,  ift  üon  alten  $eittn 
fyer  ein  großer  Sdja^  oergraben,  ben  biöijcr  nod)  fein  SOTenfdj  fyat 
f;ebcn  fönnen.  Oiur  bem  Slpotfyefer  $of)ann  ftarl  £reu,  ber  oor 
faft  jweirninbcrt  Rainen  bort  wolmtc,  Wäre  eS  beinahe  gelungen, 
il;n  311  erhalten. 

CSr  träumte  in  einer  'Jiadjt  f on  biefem  Scf/afce,  unb  besfelbigen 
£ageS  uodj  fam  eine  alte,  frembe  Skucrfran  $u  ilnn,  meldje  ifnn 
bie  Stelle  anzeigte,  wo  er  Um  fiuben  werbe.  Sie  gebot  ifjm  aber 
babei,  baß  er  wäljrenb  beS  ©rabeuS  fein  Sort  fprecr/en  bürfe.  35er 
9lpotfjefer  mattete  fidj  in  ber  folgenben  Waü)t  au  baS  ©raben,  unb 


279 


weil  er  oon  ber  ftrau  gehört  fjatte,  baß  ber  Sdjafe  feljr  tief  liege, 
fo  Rolfen  tljm  feine  fixau  uub  £od)ter;  beim  oor  (Sonnenaufgang 
mußten  fie  fertig  fein. 

(£g  bauerte  aud)  nid)t  lange,  fo  fliegen  fie  auf  einen  großen 
töeffel.  $lllein  barüber  freute  fidj  bie  $rau  beö  Xreu,  meiere  fjod}» 
fdjmanger  war,  fo  fefyr,  baß  fie  in  iljrer  Uuoorfidjtigfeit  anfing  ju 
fpredjen.  $)a  mar  beun  in  bemfelbeu  Slugenblirf  alles  oorbei,  uub 
fie  fanben  in  bem  Reffet  nid^td  als  lote  ßoljlen.  9ludj  ^atte  ber 
Teufel  baburefy  fo  üiele  3Had)t  über  fie  befommen,  baß  auf  einmal 
ba$  alte  HDfauerwerf,  au  bem  fie  gegraben  Ratten,  einftür^te  unb 
bie  arme  ftrau  nebft  tyrer  $od)ter  baoon  bebeeft  würbe,  baß  fie 
faum  mit  bem  tfeben  baoon  fameu. 

£)er  SCpot^efcr  Ireu  tyat  feitbem  nidjt  mieber  nad)  bem  Sdjafce 
gegraben.  33or  ungefähr  Imnbert  ^aljreu  fam  aber  auf  einmal  ein 
SRönd)  aus  Italien,  ber  f)a:te  in  ben  Südjeru  beS  ^apfte«  ju  töoin 
ljerauSgefunben,  baß  ber  ©d)afe  nod)  ba  fei,  unb  wie  man  ifyn 
Ijeben  fönne.  (£r  wollte  audj  bie  Veute  in  $emmin  hierüber  be* 
lehren;  aber  ber  Üflagiftrat  Ijielt  tyn  für  einen  Setrüger  unb  ließ 
tyn  fein  93or$aben  nidjt  jur  Sluöfü^rung  bringen. 

Scmme,  $olf*faaen.  91t.  197. 

348. 

$er  &mbgrabeu. 

3)er  Canbgraben,  ein  ftanal,  weiter  bie  Jollenfe  mit  ber 
$eene  oerbinbet,  bilbet  bie  ©ren$e  jwifdjen  Bommern  unb  ÜHeflen* 
bürg.  üflan  fagt,  er  fei  oon  bem  Xeufel  gepflügt  morben,  inbem 
er  ftatt  ber  «Stiere  feine  Großmutter  oorfpannte. 

SRünblia)  aus  ?(npenainf  Äreiä  3lntlam. 

$er  Ijolje  Stein1)  bei  Inflam. 

Dafl  SInflamer  Stabtgebiet  war  in  früheren  3eiten  bis  an 
bie  ^eene  mit  einem  Iwfycit  (Jrbwall  eingefdjloffen.  $\\  ber  (Sin» 
fafyrt  biefeS  ©alles  nad)  Ücfermünbe  Ijin  fieljt  man  nod)  jefct  einen 
©artturm,  ber  gar  feinen  Eingang  t>at  unb  beStjalb  ber  fyolje 

»)  3n  6aae  9ir.  253  „Steinturm"  genannt. 


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280 


Stein  genannt  wirb.  Sin  t&m  ereignen  fidj  »tele  fdjauerlidje  Dinge. 
Unter  anberm  fagen  bieVeute,  bafe  berjenige,  metd>er  am  3oIjanni$< 
tage  ben  f>oben  Stein  erfteigt,  oben  anf  bemfelben  einen  Sacf  voll 
©rbfen  finbe,  bic  fid)  beim  heruntertragen  in  lauter  ©olbftücfe 
verwanbeln  werben. 

Semme,  Stoltefnacn  Wx.  M)  oiid  ben  ?ütcn  ber  $omm.  (Heiellf*.  f.  Wcfd). 

350. 

Der  Sdjatj  $n  SajtocrtnSbnrß. 

9fid)t  weit  von  2lnflam  liegt  baä  Sd)lo§  SajmerinSburg, 
weldjeö  bein  (trafen  von  Schwerin  gugeljört.  Didjt  bei  biefem 
Sdjloffe  ^at  bie  alte  $urg  berer  von  Sd)Weriu  gelegen,  von  ber 
man  nod)  jefet  bie  Xrihumer  fiel)t.  Darin  mo^uen  viele  böfe  ®eifter, 
was  man  am  befteu  barauS  erfenuen  fann,  baß  cö  fester  uumöglid) 
ift,  bei  'Jiadjtgeit  ein  ^ferb  in  biefe  Gkgenb  gu  bringen.  3lud)  fiiib 
in  ben  Ruinen  große  Sdpäfee  vergraben. 

Ginft  lebte  511  SdjweriuSburg  ein  alter  Sdjäfer,  bem  erfdjien 
breimal  nadjetuanber  um  SWitteruad)t  ein  OJeift  uub  befahl  ifcm, 
aufeufteljen  uub  mit  iljm  $u  geljen.  Der  alte  3JJann  fürchtete  fid) 
aber,  uub  als  er  bat»  Abenteuer  feinem  .fterrn  ersäufte,  meinte 
biejer,  er  fyabe  gewiß  nur  geträumt.  Wadj  einiger  ^eit  erfdjicn  ber 
(Meifl  inbe*  mieber,  uub  nun  ging  ber  Sd)äfer  mit  iljm  bia  gu  ben 
Krümmern  ber  alten  $urg.  Dort  geigte  iljm  ber  ®eift  einen 
großen,  ferneren  ftaften  uub  Ijalf  ilmt  benfelbeu  nacb^aufe  tragen. 

3lm  anbern  borgen  ging  ber  Sdjäfer  wieber  gu  feinem 
$emt  uub  geigte  tym  an,  wag  gefdjeljen  mar.  Der  (&raf  ließ 
fogleid)  ben  Äaften  in  ba$  |)errenl)au$  fcolen,  aber  er  War  jefet  fo 
fdjwer,  bafe  ilm  vier  ^ferbe  faum  gießen  fonnten.  Sllö  man  il)n 
öffnete,  fauben  fid)  barin  allerlei  golbne  Sltüngen  uub  f ofale  uub 
©eräte  von  (Mb  uub  Silber,  bie  uod)  iefet  auf  ber  SdjWcrinSburg 
gegeigt  werben. 

2cmme,  «olt«fa«en.  Wr.  200. 

351. 

Der  Srf)Iofffrt)atj  von  Sfcnntefow. 

9IIS  bie  ^urg  von  SvautefoW  im  brcifjigiäljrigen  Stiege  vom 
©allenftein  belagert  würbe,  nafym  ber  alte  ®raf,  ber  Söefifcer  be$ 


 Digitteed  b^ÖOögle 


2«! 


SctyloffeS,  btc  graten  floftbarfeiten  Rammen  tntb  flüchtete  bamit 
uadj  SBegcgin  31t.  $te  ftaiferlidjcn  merftcit  ba»on  nid)tö,  fie  lagen 
rnbig  auf  ber  entgegengefefcten  Seite,  auf  bem  #lecfe,  ber  nad} 
tf>ucii  nod>  ^eute  btc  ßaiferfoppet  f)eißt. 

Äurj  hinter  S»antefow  madjte  bev  (Mraf  jebod)  fd>on  £alt  unb 
»ergrub  bic  tiefen  ßoftbarfeiteu  unter  bem  großen  Stein,  weldjer  nodj 
heutiges  £age$  bort  am  SBege  liegt.  2Ba$  bann  aus  bem  ©rafen 
geworben  ift,  tucij?  man  nidjt  mein*;  nur  fo  »iel  ift  fidler,  baß  er 
bie  Sd)%  nid;t  wieber  Ijerauägrub,  beim  fie  liegen  big  auf  biefe 
Stunbe  unberührt  ba.  (#ar  mancher  f)ätte  ftdj  nun  woljl  fdjon 
barau  gemadjt  unb  ba$  »iele  (Mb  gehoben,  wenn  nidjt  ein  fdjrecf* 
lieber  95!äd)ter  bei  bemfetbeu  fäße.  VaS  ift  ein  riefengroßer, 
fdnoarger  £mnb  mit  feurigen  Singen,  bie  loo^l  fo  groß  roie  eine 
Sflännerfauft  finb.  Der  liegt  Jag  unb  9fad)t  über  ben  Sdjäfeeu, 
nur  in  ber  SWUternadjtfifhinbc  »erläßt  er  fie,  fteigt  aur  Oberwelt 
empor  unb  legt  fid)  auf  ben  großen  Stein. 

Um  biefe  $e\t  bei  bem  Steine  »orbeigufalncn,  ift  gar  nidjt 
ratfam.  (Sinem  SDJüllergefellcii,  weldjer  bieä  tfyat,  ftanben  bie 
^ferbe  »or  ber  »errufenen  Stelle  mit  einem  3)2a(e  regungslos  ftill. 
211$  er  fie  barauf  mit  fdjarfeu  ^eitfcfyenljieben  antrieb,  »erlor  ber 
3£aa,en  plöfclid)  alle  »ier  Wäber  unb  mit  einem  gewaltigen  Safee 
befanbeu  fid)  ^feibe,  ^ageugeftell  unb  sJJ2ülIergefelle  jeufeitS  bc§ 
Steines,  Wäfyrenb  bie  SRäber  bieöfeitö  bcö  ftelsblocfeS  surücf- 
blieben. 

Grwäfmt  mag  uodj  werben,  baß  fid)  in  bem  Scfjloßgraben 
»on  Spantetow  »iele  Sdjlangen  aufhalten.  Qu  früheren  Reiten 
follen  eä  aber  nod)  uneublid)  »iel  mein*  gewefen  fein,  fo  baß  fie  ben 
Solbateu,  weldje  im  Solb  be$  Sdjloßljerrn  ftanben,  31t  fiinfeu  unb 
fedjfen  in  bie  Letten  froren  unb  ifjneu  baburd)  baö  ?eben  faner 
matten.  Sdjabeu  fügten  bie  Scblan^en  näinlid)  weiter  feinen  31t, 
ba  bie  Änedjte,  efye  fie  fid>  gur  tfiufye  legten,  tyren  gangen  tfeib  mit 
ungeladener  öutter  einrieben,  todj  bann  eine  Solange  an  fie 
Ijeran  unb  wicfelte  fi^  um  irgenb  ein  ©lieb  beS  Körpers  ^erum, 
fo  fiel  fie  »on  ber  eingefetteten,  glatten  $>aut  fofort  wieber  ^erab 
unb  fonnte  nidjt  gum  $iffe  gelangen. 

OHiinblid)  au«  ©caejin,  Äteis  ?lntlam. 


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282 


352. 

$er  @dja4  im  Gtalbberg. 

Dicht  bl  Ueckermünn  is  en  Barch,  do  h&t  Goldbarch. 
Dar  hät't  immer  brennt  Wenn  nü  de  Lued  henkommen 
sind  un  wullen  dat  Jeld  rüt  gräwen,  so  durften  s'  ken 
Würd  spreken.  Wenn  se  en  Daschendök  rin  schnitten 
un  därbi  kön  Würd  röden,  so  krejen  s'  den  Kasten  met 
Jeld  rüt.  Oewer  bet  hued  häbben  s'  all  röd't  därbi  un 
noch  kener  hat  dat  Jeld  krejen. 

SRünblicb  au$  ttdmnünbc. 

353. 

$er  @d>a<?  in  Sogelfang. 

Bl  Ueckermünn  lijjt  en  Dorp,  dat  hH  Vagelsang. 
Da  is  en  grdt  Schloss,  da  wönt  en  oller  Graf.  De  hat 
in  Schloss  dre  Kasten  vull  Jeld  stan:  en  voer  sin  Säen, 
en  voer  de  Armen,  en  voer  kenen.   Voer  jeden  Kasten 

lijjt  ön  gröter  Hund  an  de  Köd  met  fuerige  Ogen.  Dä 
darf  kener  bigän  as  de  Graf;  wer  sus  däbi  göt,  de  ward 
gllk  terrelen. 

gbenbo^et. 

354. 
64*4  berfiegelt. 

Dä  was  mal  6s  en  Mann,  d6  harr  völ  Jeld.  Am 
Sünndag  sae  h6  mal  tö  sinen  Knecht,  h6  sull  nä  d'  Kirch 
gän.  H6  wull  oewer  dat  Jeld  vergräwen.  D6  Knecht 
jüng  nich  hen,  denn  he  änt  all  sö  wat  H6  jüng  hen 
nän  Heustall  un  lejjt  sich  dä  unnert  Heu  hen.  Dä  dürt 
gär  nich  lang,  un  d6  Mann  kaem  met  en  gröten  Kasten 
vull  Jeld  an,  un  de  Duewel  hulp  em  drägen. 

As  hö  kenen  sen  dae,  so  lejjt  he  ruhich  hen  unner 
de  BreU  De  Knecht  oewer  k6k  rüt,  un  d6  Duewel  sej 
em.  Dä  sae  d£  Duewel:  „HG  kikt!u  un  de  Herr  sacht: 
„Wat  het,  he  kikt?"  Dunn  sae  he:  „Met  dissen  Sijel  soll 
't  uk  upmäkt  w6rnu  un  sett  sich  dremäl  rup. 


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2«3 


Un  dilrt  gär  nich  lang,  da  stürwen  sin  Kinner,  un 
nich  lang  däna,  da  stürw  uk  he\  Da  kaom  d&  Knecht 
an  un  sett  rai  drdraäl  rup,  da  kaem  de  Duewol  an  un 
sehmöt  em  dat  Jeld  hen. 

l*bcnbo[)er;  flanj  tiljnlid)  erjagt  in  9JWoiü,  .«reis  SKcflenronlbf. 

355. 

$cr  Sd)o^  im  ^afem^er  §erreitfd)lof}. 

$m  $)errenfd>lo&  gu  3afe»ife  Heflt  tief  unten  im  ftetler  ein 
edjafc  »ergraben.  Memanb  l)at  ibn  bis  jefct  ju  Ijeben  üermodjt, 
benn  an  feine  ©eioinuung  finb  gar  fonberbare  Söebingungen  gefnüpft. 
Ser  ibn  Ijeben  n>iü,  barf  bei  feiner  ©eburt  fein  einige«  .J)aar  auf 
bem  .Raupte  gehabt  tyaben,  fonbern  mu§  ^tatt  beffeu  oon  3Wutter* 
leibe  an  mit  £d)orf  unb  9lu$fd)lag  über  ben  ganzen  Äopf  fn'n  be* 
berft  getuefen  fein,  roa«  bie  teilte  einen  Kisskopp  311  nennen  pfle* 
gen.  ©einigt  e$  ttjm  nun  toirflidj,  bem  £eufel  ba«  ©elb  im  Heller 
ab^unebmen,  fo  wirb  ber  föert  be$  ertoorbenen  8djafee8  gerabe  fo 
uiet  betragen,  als  bie  tfurfoften  auömadjen,  toeldje  ber  Doftor  für 
bie  Teilung  be«  2ln8fa&e$  nimmt.  2o  fefcr  groß  fdjeint  ber  Sdjafe 
alfo  ttic^t  31t  fein. 

SJtünblicb  quS  ^afcnib,  ÄreiS  9lanbon>. 
356. 

* 

$er  tcufclöftctn  bei  ^ohfuno. 

$n  ber  sJiä^c  beö  Dorfes  ^oldjoto  liegt  ein  grofjer  Stein, 
ber  fogenanute  2eufe(3ftein.  ?lm  .ftobanniStage  fyätt  ber  Xeufel 
barauf  feinen  iDJittagSfcfylaf.  $er  JelSblocf  mirb  bann  fo  toeid), 
n?ie  frifdjer  ftäfe,  fo  bajj  fidj  gan$  beutlid)  Äopf,  Sd)ultern,  9lrm, 
?eib  unb  ftiifc  beS  ©Öfen  auf  feiner  Oberfläche  abbrüefen,  mo&on 
fiü)  jeber,  bcr'S  nid)t  glauben  roill,  felbft  überzeugen  fann. 

Senn  ber  teufet  ausgefdjlafen  fyat,  fo  getyt  er  in  baS  an- 
gren^enbe  3hud),  ioeldjeö  baoon  ba«  £eufelöbrudj  Reifet.  9?eben 
bem  ieufelöfteinc  liegen  nodj  fieben  anbere,  fleinere  Steine,  meldje 
bie  Siebenbrüberfteine  tyeißen.  (Es  follen  nämlicfy  in  ber  grauen 
©orjeit  in  biefer  ©egenb  fieben  ©rüber  regiert  bflben.  $>iefe  Opfer* 
ten  auf  bem  großen  Steine  bem  Teufel  unb  festen  fidj  wä^renb  ber 


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284 


heiligen  §anblung  auf  bie  Keinen  Steine  nieber.  Dicht  babei  fllcfit 
ein  Sad),  melier  ber  Siebenbrüberbach  genannt  mirb. 

«altifdje  3tul)icn.  XI.  ^atjrflrtna.  2.  fcfft.  ©.  191. 

357. 

Der  Teufel  fcant  eine  Sdjenite. 

©in  Sauer  befafe  nur  eine  Heine  Sdjeune.  Da  machte  er 
eirtft  eine  überau«  reiche  ©ritte,  baß  er  nicht  mußte,  mo  er  all  ben 
Segen  laffen  foffe.  @r  befc^Iog  be«halb,  eine  größere  Scheune  311 
bauen  unb  ging  in  bie  Stabt,  um  fid)  ®elb  311  leiten.  Dod)  nie* 
manb  mollte  it}m  borgen,  unb  fo  mußte  er  fdjließlich  ganj  betrübt 
lieber  ben  ,f)eimmeg  antreten. 

llntermeg«  begegnete  ihm  ein  oornehmer  .fcerr  unb  fragte, 
me«halb  er  beim  fo  traurig  ausfege.  Der  Sauer  teilte  tym  feine 
Sebrängni«  mit,  unb  ber  ftrembe  erbot  fitfj,  iit  einer  "Jtadjt  oor  bem 
.|)ahnenfchrei  bie  ermünfdjte  Streune  gu  bauen;  nur  müffe  er 
il)m  bann  bafür  ein  f leine«  Ding  in  feinem  $>aufe  als  Selohnnng 
überlaffen.  Der  Sauer  erfannte  nun  gmar,  baß  er  e«  mit  bem 
leibhaftigen  Teufel  311  thun  Imbe,  auch  fah  er  $um  Überfluß,  baß 
ber  eine  ftuß  ftremben  ein  ^ferbef  nß  mar ;  meil  ber  Söfe  aber 
nur  eine  Äleiuigreit  oerlangt  ^atte,  mürbe  er  mit  ifjm  .Raubet«  einig. 

&Me  ber  sMann  nad)  $aufe  fam  unb  feiner  ftvau  unb  ber 
alten  Großmutter  fein  @rlcbni«  erjagte,  merfte  bie  lefctere  fofort, 
baß  ber  Teufel  mit  bem  fleinen  Ding  ba«  $erj  bc«  Sauern  ge* 
meint  Imbe.  31m  $aufe  Ratten  fich  unterbe«  oiele  frembe  Veute  an* 
gefunben  unb  arbeiteten  mit  ungeheurer  ©efchminbigfeit.  Salb  nad) 
Mitternacht  mar  bie  Scheune  beinahe  fertig,  nur  ein  fleine«  Stücf 
am  Daa^  fet)lte  noch;  öfl  fchl'd?  fid^  bie  alte  Großmutter  in  ben 
^pühnerftall  unb  rüttelte  ben  £>alm  mad),  fo  baß  berfelbe  311  fräßen 
begann,  $efct  hatte  ber  Teufel  oerloren  unb  mußte  abgießen.  Da« 
Stücf  Dat^  aber  hat  nie  3iigebecft  merben  fönnen;  ma«  be«  Jage« 
^zbaut  mar,  fiel  regelmäßig  be«  9?adjt$  mieber  ein. 

Dliinblidj  auö  iBreboro,  ÄteiS  SHnnboio. 

358. 

Da«  Srotmännlein  tu  Stettin. 

$n  Stettin  fam  eine«  Slbenb«  fpät  ein  Sürger«mann  au« 
bem  3öirt«haufe,  um  in  feine  SBoImung  gurücf^ufehren.    211«  er 


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285 


wenige  Sdjritte  gegangen  war,  ftanb  auf  einmal  ein  gan$  fleine« 
2Jiännlein  mit  einem  großen,  ferneren  Sacf  oor  iljm  nnb  fragte  Um: 
„©Ulf!  bu  ©rot?"  Der  Bürger  erfd)raf,  bajj  er  nidjts  antworten 
tonnte,  wid)  auf  bie  Seite  unb  tief  eilenbö  baoon.  Das  fleine 
SRänndjen  aber  lief  fnnter  ifmt  t)er  unb  war  ifnn  immer  gauj  bidjt 
an  ben  Herfen.  Unb  al$  er  enblidj  an  feinem  $>anfe  angefommen 
war,  fragte  er  nod)  einmal:  „Siüft  bn  Sörot  ?"  Dodj  ber  Söürger 
antwortete  aud)  bieSmal  nidjt.  Da  nafun  ba$  2)Jännlein  ben  Sarf 
unb  Warf  ifm  gegen  ba8  $>au£ ;  ba$  flaug  gerabe,  wie  lauter  ©olb 
nnb  Silber,  unb  gleich  barauf  waren  üJtännlein  unb  Sa<f  Oer- 
fdjrounben. 

Semme,  ^olfsfaaen  9ir.  2.r>4  au§  ben  Httcn  ber  ^omm.  ©efellfcpaft 

I".  C3eia)ia)tc. 

359. 

$ic  «httfletfen  in  ber  ^ofobifird)c  jn  Stettin. 

3u  ber  ^afobifirdje  flu  Stettin  geigt  man  einige  fleine  3}lut* 
fletfen,  bie  burefy  fein  Söafdjeu  ober  Stäben  $u  oertilgen  finb. 
Die  follen  auf  folgenbe  Seife  eutftanben  fein: 

$n  ber  Äirdje  fpielten  einft  wäljrenb  be3  ©otteSbienfte«  oier 
gottlofe  23ubeu  in  ber  ftarte.  Wfelid)  trat  ber  Xeufet  $u  tynen 
unb  fing  an,  mit  ifmen  ju  fpielen.  SlufangS  fannten  bie  Knaben 
ilw  uidjt.  Salb  merfte  aber  einer  oon  ifmeu,  ba§  es  ber  £eufel 
fei,  ber  fidj  mit  iljnen  in'8  Spiel  gegeben  fjabe,  benn  er  falj  beffeu 
^ferbefujj ;  unb  gefdjminbe  mattete  er  fidj  baoon.  tffad)  einer  Seile 
merfte  e$  ber  jweite  ebenfalls  unb  eilte  fort.  2lud)  bem  britteu 
gingen  enblirf}  bie  3lugen  auf,  unb  er  tfyat  wie  bie  beiben  anbern. 

Der  oierte  ober  war  fo  auf  fein  Spiel  oerfeffen,  bajj  er  gar 
nidjt  gewahrte,  mit  Wem  er  fpielc.  Dafyer  befam  ber  Teufel  fo  oiel 
(Gewalt  über  i^u,  ba{j  er  mit  i&m  aus  ber  Stirpe  baoon  fahren 
bnrfte.  Das  tljat  er  benn  aud),  inbem  er  ilm  plöfelidj  ergriff  unb 
ilnn  ben  .J)alS  umbreljte  unb  ifm  bann  mit  großem  ©etöfe  oon 
bannen  führte.  Der  Üeufel  fyattc  babei  mit  feinen  fdjarfen  «raüen 
fo  feft  in  ba$  oHeifdj  beS  Sinabeu  gepatft,  bajj  baö  Slut  barnad) 
floß,  unb  baoon  rühren  uod)  jene  Slutflecfen  ^er. 

2c mute,  SJoltSfaaen.  9lr.  93. 


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28G 


360. 

$>ie  brennenbe  9Wütjc. 

3u  ber  ©egenb  oon  ©reifentjageu  tebte  einmal  ein  Amtmann, 
ber  fe^r  reic^  mar.  Sein  betreibe  gebieh  immer  am  beften  auf 
bem  (Selbe,  unb  feine  gerben  oermehrten  ftcb,  oon  $ahr  31t  Oaljr. 
Da  nahm  er  gutefet  einen  Sdjöfer  an,  bem  er  auf  beffen  eigene 
(SJefatyr  feine  Sdjafl)erbe  verpachtete,  unb  fiehe,  oon  Stunb  an  Oer* 
barb  biefetbe.  (£$  ging  beinahe  fein  Jag  vorbei,  baß  ntr^t  oon  beu 
fc^ötiften  Xieren  etliche  ftarben.  Der  Schäfer  mußte  fie  mit  fd)werem 
©elbe  erfefcen,  fo  baß  er  enblicb,  fo  arm  würbe,  baß  er  fein  $rot 
inet)r  im  $aufe  fyatte.   Da  jtarb  ber  reiche  Amtmann. 

Um  biefe  $eit  ging  ber  Schäfer  einft  in  ben  ©alb,  um  fid) 
etwa*  trocfneS  $0(3  ju  fliegen,  bamit  er  fid)  unb  feine  ftinber  gegen 
bie  #älte  fdjüfeen  fönue.  $n  bem  93ufch  fanb  er  einen  Stricf,  unb 
wie  er  gerabe  recht  über  fein  (Slenb  nachbaute,  fo  nahm  er  in  großer 
SJerjioeiflung  benfelben,  um  fid^  baran  aufguhängen.  $am  auf 
einmal  ein  Heiner  ÜHann  auf  ilm  $u  unb  ermahnte  ihn,  oon  feinem 
55or^aben  abjufte^en  unb  guoor  mit  ihm  in  bie  $Öor/nungen  ber 
Söfeu  $u  gehen.  Da«  war  ber  (Schäfer  aufrieben,  unb  ber  fleine 
SOiann  führte  ihn  311  ben  ©olmungen  ber  93öfen. 

4>ier  fat)  er  lauter  brennenbe  SDcenfdjen,  bie  mitten  in  ben 
t)eißeften  flammen  flecften.  Darunter  erfannte  er  auch  feinen  Oer* 
ftorbenen  $erm,  ben  Amtmann.  Der  brannte  fdjrecfttdj,  unb  al« 
er  ben  Schäfer  erbliche,  rief  er  ihm  31t:  „©ruß'  meine  ftrau  oon 
mir".  —  M©ern,  aber  fie  wirb  mir  nicht  glauben,  wenn  ich  (ein 
Schleichen  mitbringe",  entgegnete  ber  Sdt)äfer.  Da  warf  ber  Ätnt* 
mann  it)m  eine  brennenbe  2Jlüfce  31t,  bie  aber  fogleich  aufhörte  3U 
brennen,  als  ber  Schäfer  fie  auftjub,  unb  fprad)  babei :  „Die  ÜJcüfec 
geige  nur  metner  ^rau  oor,  aud)  fage  ihr,  id)  hätte  bid)  mit  ben  ge> 
ftorbenen  Schafen  betrogen,  unb  fie  möge  bir  beinen  "Schaben  erfefcen". 

9cadj  biefen  Sorten  ging  ber  Schäfer  mit  bem  Keinen  ÜWaune 
wieber  fort.  Der  begleitete  ihn  bis  an  fein  $auS  unb  gab  ihm 
unterwegs  ben  9tat,  ja  nicht  bie  üDiüfee  31t  behatten.  Sonfl  muffe 
er  bahin,  wo  ber  Slmtmann  fei.  —  Um  anbern  ©Jorgen  ging  ber 
Schäfer  3U  feiner  $errtn,  überbrachte  ihr  ben  ©ruß  oon  ihrem 
SJcann  unb  reichte  ihr  auch  bie  SWüfce  bar,  wogegen  er  ben  (Srfnfc 
für  bie  begasten  Schafe  erhielt. 


« 


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287 


2>ie  SWüfee  bereit  bie  ftrau;  aber  fie  §atte  oon  bem  Slugen* 
blicf  an,  bafe  biefelbe  in  ü)rem  $aufe  war,  feine  9tulje  unb  fein 
(SHürf  me$r.  Sie  liefe  bed^atb  ben  Sdjäfer  wieber  fommen  nnb 
bat  iljn,  bie  ÜRüfce  jnriicf  $u  nehmen.  $aS  wollte  biefer  anfang« 
nidjt;  al«  ilmt  bie  ftrau  aber  fedjStaufenb  Xljaler  bot,  ba  liefe  er 
fta)  oerbleubeu  unb  naljm  bog  ®elb  uub  bie  üJJüfce.  $od>  fowie 
er  bamit  in  fein  |)au«  fam,  würbe  er  auf  ber  Steüe  gefäfjrlidj 
franf,  worauf  er  alSbatb  üWüfce  unb  ©elb  auf  ba$3lmtt)au«  jurücf 
fdjicfte.  £>ie  Kmtmanndfrau  wollte  ieboct)  bie  üttüfce  audj  nidjt  be* 
galten  unb  liefe  fie  baljer  in  ber  Äirdje  be$  2)orfe8  einmauern,  wo 
fie  ftd>  noa)  fyeute  befinbet. 

£emme,  2*olt3iaaen.  9tr.  256. 

361. 

$er  teufelöfteiu  bei  $of}en<ftram0. 

Unweit  ber  Stabt  Sc&webt,  in  ber  ftelbmarf  D„n  £o$en* 
tranig,  ergebt  fidj  ein  ©ügel,  ber  Äobolbberg  genannt.  Slnf  bem« 
felben  liegt  ein  grofeer  Stein,  ber  in  einer  $öf>e  oon  fünf  bis  fed)5 
ftufe  unb  einer  ©reite  oon  gwei  bi«  brei  ftufe  über  ber  (Srbe  tyer* 
oorragt,  aber  nodj  weit  tiefer  in  berfelbeu  liegt.  Dcrfefbe  ift  oben 
fladr>  unb  eben,  unb  eine  tfegelplatte  ift  fünftlidj  barin  eingegraben. 
2$on  biefem  Steine  erjagt  man,  bafe  ber  Teufel  bort  jeben  Rannte* 
tag  Äegel  fdjiebe.  9J?an  fann  audj  beutlid)  fef>en,  wie  ba8  üttooä, 
weld>«  ba«  3a§r  über  oben  auf  bem  «Steine  geworfen  ift,  am 
Jage  nadj  ^otyanniS  ganj  rein  tyeruntergefegt  ift. 

Semme,  SSoltSfaaen  9lr.  184  auS  ben  Sitten  ber  $omm.  ©efeUfdjaft 

f.  ®efa>ia>te. 

362. 

$er  Sdjafe  bei  Sd)Woa)ow. 

sJl'\d)t  weit  oom  Dorfe  Sd}Wod)ow  fteljt  am  Söege  nad)  ^tyrty 
ein  Birnbaum,  unter  welkem  ein  grofeer  Sdjafc  oer graben  ift.  Sei 
bemfelben  wadjt  ber  Teufel,  unb  ju  feiner  Seite  fteljt  ein  mächtiger, 
feuriger  Stiefel,  ©er  e8  wagt,  benfelben  anju^ie^en,  bem  muß 
ber  Teufel  ben  Sdjafc  geben. 

lemme,  SJoltSfagen.  ^r.  201. 


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288 


363. 

$aö  blaue  fteuer. 

9)?an  fattn  in  fur^er  $eit  S,ini  reiben  Planne  lucrbnt,  wenn 
man  baS  ©lücf  bat,  blaues  $e,lcr  brennen  flu  fetyen;  beim  bort 
brennt  nid)t$  anbere£,  al0  ein  Sdjafe,  roic  baä  jebermann  in  ber 
■Mörenberger  (Megenb  bezeugen  fann.  Um  baä  ©clb  ju  fyeben,  bran^jt 
bn  nur  etwas,  wa$  bn  gerabc  in  ber  ,f)anb  fyaft,  etwa  einen  Stiefel 
ober  foitft  einen  ©egenftanb,  bineinjumerfen,  mußt  aber  bann,  oljne 
bid)  untjuifetyen,  in  einem  3uflc  na(fy  $°nfe  taufen.  ?lm  näd)ften 
Üttorgen  fiubeft  bn  auf  ber  Stelle,  wo  baö  Reiter  gebrannt  bat, 
eitel  (Mb  unb  Silber.  £)aft  bu  bid)  jeboaj  untgefef)en,  fo  bleibt 
bir  ber  $opf  fdjief  flehen  bein  lebelang. 

2lu$  ber  9iöwnbfrrt.fr  Ofeaenb,  Äwi*  eaajifl:  Witrteteilt  burd)  $>crrn  0.  Änoop. 

364. 

$a«  teufe(#Qe(ngc  auf  beut  ©aljjenberg. 

(rincS  9iad)tg  ging  ein  Maurer,  fdjtoer  betrunfen,  ü)2aricnflic§ 
ju.  9(uf  bem  (Poigenberg  fanb  er  trofc  ber  fpäten  Stunbe  eine 
luftige  ©efellfd)aft  beifammen.  ©iuer  baoon  jeidmete  fidj  oor  allen 
übrigen  auö  unb  modjtc  wobl  ber  2öirt  fein,  bic  anbem  waren 
meift  junge,  ftarfe  Surfte.  Sie  fd)mauften  unb  aedjten  unb  lebten 
luftig  in  ©au«  unb  SörauS. 

£>a£  gefiel  bem  üflaurer,  unb  weil  ilun  in  feiner  £runfenfjeit 
aud)  niajt  bie  geringfte  ^urdft  oor  ber  fonberbaren  s-23erfammlung 
auf  bei»  SBerge  anfam,  fo  bat  er  ben  $iMrr,  ob  er  uid>r  mit  teil 
nehmen  biirfe.  ©eine  warb  ifnn  bie$  geftattet  unb  tüd)ttg  langte 
er  oon  ben  föftlidjen  Steifen  unb  Oetränfen  j$u.  3iad)  bem  3)ial)(e 
warb  Karte  gefpielt,  unb  aud)  baran  beteiligte  fid)  unfer  9)?aurer 
waefer.  3öer  befd)reibt  aber  feinen  Sdjrecfen,  als  er  fid)  unter  ben 
Ütifdj  biitftc, .  um  eine  heruntergefallene  Karte  aufgeben,  —  ber 
©aftljerr  Ijatte  einen  SKenf^en»  unb  einen  ^ferbefuß! 

9lun  wußte  er,  mit  wem  er  gegeffen  unb  getrunfen  Ijatte. 
Srofebem  blieb  er  nodj  eine  gute  Streite  broben  auf  bem  ©algem 
berge  unb  tub  fogar,  als  er  enblid)  weg  ging,  ben  £eufcl  511m 
fünftigen  2lbenb  ju  ftd)  31t  ©afie.  $>ann  taumelte  er  bie  Straße 
entlang  big  in  feine  Sltofynung,  warf  fid)  bort  auf  fein  £ager  unb 
fdjlief  ein. 


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28JI 


?US  er  am  anbern  UNorgen  au$  bcm  SRaufdje  ermatte  unb 
fid}  feiner  ©inlabung  erinnerte,  warb  if>m  tyintmelangft  git  ü)?ute. 
1)oa)  ba  er  ein  bester,  eljrlid)er  9)?ann  mar,  fo  badjte  er:  „Söort 
mujjt  bu  galten",  unb  fpraü)  barnm  3n  feiner  $rau:  „$citte  %&enb 
wirb  ein  3rrei,,Der  niit  und  fpetfen,  bede  alfo  für  brei  auf".  Das 
neugierige  Seib  fyätte  gerne  meljr  gemußt;  bodj  ber  ÜWanrer  wie« 
fie  fur^  ab  unb,  alö  bie  Sonne  untergegangen  war,  erfdjien  ber 
©afr,  ofjnc  bajj  bie  grau  afjnte,  wer  an  iljrein  $ifd)e  faß.  @ä  fiel 
audj  gar  nichts  Slbfonbcrlidjeä  oor,  fo  baß  ber  2)iann  fdwn  wieber 
freier  aufatmete.  Srft  beim  9)M)lc$fd)lujj,  als*  ber  ^rembe  fid) 
üerabfdjiebete,  fefete  er  feinen  3Birt  baburd)  in  bie  größte  Seßüraung, 
bajj  er  ilnn  eröffnete,  er  erwarte  ifni  beftimmt  bie  fommenbe  Wadjt 
wieber  auf  bem  ©aigenberge. 

Sa«  war  ba  gu  tljuu?  Der  SWann  tief  in  feiner  3(ngft  jum 
^aftor  unb  geftanb  tynt  alle«,  tjörte  gebulbig  beffen  Strafrebeu  au 
unb  bat  um  ©otte«  willen,  ifm  nid)t  in  feinem  Uuglütf  $u  Der* 
laffen.  Drauf  fprad)  ber  Pfarrer:  „3luf  ben  Serg  mußt  bu  unb, 
bainit  bir  ber  teufet  nidjtö  angaben  fann,  werbe  idj  bid)  begleiten, 
^nawifdjcn  muß  ber  Äüfter  fo  ftarf  wie  möglid}  mit  ben  ©lotfen 
läuten". 

2)?it  (Sinbrud)  ber  s)lad)t  madjten  fie  fidj  ber  Serabrebung 
gemäjj  auf  ben  SBeg.  DaS  häuten  folltc  beginnen,  wenn  fie  in  bie 
9iäf>e  be$  ©algenbergc«  gelangten.  £atte  fid)  nun  ber  Lüfter  oer* 
fpätet  ober  tyatte  ber  Xeufel  feine  $anb  babei  im  Spiele,  wer 
fann'd  wiffen?  —  furj,  ber  $aftor  unb  ber  Maurer  waren  am 
$n§e  beS  jntgels,  bie  ©lotfeu  läuteten  nid)t.  Sie  Ratten,  feft  2lrm 
in  9lrm,  bie  tjalbe  $>öl)e  be$  Serge«  erreicht,  audj  jefet  war  nod) 
fein  ©locfenton  3U  oerneljmen.  ®aus  langfam  ftiegen  fie  Ijöfyer, 
bis  fie  auf  ben  ©ipfel  gelangten,  weldjer  in  blenbenbem  V'idjte  er» 
glänzte,  unb  wo  ber  Seufel  iljrer  fdjon  fyarrte. 

$etyt  enblid)  begannen  bie  (Dioden  gu  ertönen.  Da  trat  ber 
Söfc,  unbefümmert  um  ben  heiligen  Diener  ber  ilirdje,  an  ben 
üttaurer  f)eran,  oerfe^te  ilnn  einen  gewaltigen  3ä)lag  in'd  ©efidjt 
mit  ben  Sorten:  „Sieljft  bu!  Um  meinet  willen  Ijabeu  fie  uid)t  ge* 
läutet!"  unb  oerfdjwunbeu  waren  Vtd^t  unb  leufel,  unb  ber  ^aftor 
befaub  fid)  mit  feinem  Segleiter  allciue  in  ber  rabeufdnoarjen  9fad)t. 
sJ)iiil)fam  fanben  fie  ben  $)eimweg.   Dod)  faum  waren  fie  im  Dorfe 

19 


290 

angelangt,  fo  brad)  audj  ber  3Jiaurer  jufammen,  würbe  totfranf  in 
(eine  $Öol)nung  gebraut  unb  war  in  brei  lagen  eine  i'eidje. 

ÜKünblid)  aus  *JWaricnflie&,  Äreis  <5aajifl. 

3(if>. 

Die  £eufclSeid)e  bei  SRarieitfüeff. 

©inft  jag  bie  Sibtiffin  beS  9ionnenflofterS  ton  SDJarienfliejj 
mit  ifyren  Untergebenen  an  einem  fdjöuen  <Sommernad}mittag  auf 
bem  ßlofterlwfe  nnb  freute  ficty  beS  fdjbnen  Setters,  Da  fam  ber 
Jenfei  31t  ifyr  nnb  fpradj  bieS  unb  baS  oon  feinen  wunberbaren 
ftäljigfeiten. 

„3e,  nun",  warf  bie  ^riorin  ein,  „eine  gro§e  (Sidje  aus 
^aläftina  Ijoten  unb  mir  in  meinen  ©arten  pflanzen,  baS  fannft 
bn  aber  bodj  nid/t."  —  „Unb  ob  id)  baS  nitt)t  fönnte",  erwiberte 
ber  £eufel;  „uerfpriajft  bn  mir  beinc  Seele  bafür,  fo  bringe  id) 
bir,  elje  einer  0011  beit  $ä()iten  auf  biefem  $wfe  jn  fräßen  beginnt, 
bie  gewnnfdjte  ($ia)e  in  beineit  ©arten." 

Die  Slbtiffiu  Inelt  bog  für  unmöglid)  unb  fagte  $u,  nnb  fort 
flog  ber  Jcnfel.  Dou)  es  waren  faum  einige  üJJinuteu  vergangen, 
fo  faf)  il;u  eine  ber  Tonnen  gau^  oon  ferne,  mit  einem  mächtigen 
kannte  in  ben  Rauben,  burd)  bie  Vüfte  faufen.  Da  warb  ifjr  um 
ifyrer  |)errin  Seele  bange,  unb  fdmell  Ijodtc  fie  nieber,  flatfdjte 
mit  beiben  Rauben  auf  ifyre  fdjönc,  fa^mar^ffibeue  Sdjürje,  fo 
bafe  eS  fid;  anhörte,  wie  wenn  bie  §ü^ner  mit  ben  ftlügeln 
fragen,  unb  fräste  bagu  aus  V?eibeSfräften.  Das  madjte  alle 
£>älme  auf  bem  $>ofe  milb  nnb,  elje  nod)  ber  Xcufel  bis  jum 
«(öfter  getaugt  mar,  Ratten  fie  fdwn  bermajjen  gefdjrien,  bajj  er  es 
Ijod;  in  ber  l'uft  Ijörcu  mu&te. 

Da  warb  ber  leufet  ärgerlich  unb  tief?  bie  @idje  auf  bie 
erbe  fallen,  wo  fie  fogleid/  weiter  mudjS  unb  nod)  lange  ^atyre 
geftanben  Ijat.  2US  fie  enblia)  oerborrte  unb  ju  ©runbe  gegangen 
war,  bilbete  fid)  an  ifyrem  Drte  ein  unergriinblidjeS  Sumpf lod), 
fo  groß,  wie  ber  Umfang  einer  geräumigen  Stube,  bitten  in  bem« 
felben  l)at  nad)  unb  nad)  eine  anbere  @ia>,  bie  aber  nod)  uicftt  fein* 
grojj  ift,  ©urjet  gefdjlagen,  unb  biefelbc  wirb  bcSfjalb  nadj  ber 
alten  ebenfalls  bie  leufelSeidje  genannt. 

(?benbol)cr. 


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291 


36*5. 

$er  Teufel  tu  ber  2Warieitrtrri)e  $n  Stargarb. 

$u  ber  Ü)?arienfird)e  Stargarb  fmben  gotttofe  Ü)Jenfd)en 
einmal  Marten  gefpielr.  (Gefeilte  fid?  ber  Teufel  gu  itynen  unbfprad): 
„Den  Stopften  auö  eurer  IDJitte  neunte  id)  mit  mir.  $Jer  mag 
btiS  mofyl  fein?"  (£3  mar  aber  einer  barunter,  ber  trug  immer 
nur  einen  fd)lid)teu  Veinroanbdtittel,  unb  man  Inelt  ifyu  beöljatb  für 
gar  nidjt  ftotj.  Dod)  gerabe  ben  paefte  ber  Xeufel  unb  futyr  mit 
itjm  oben  bind)  bie  Detfe  fjinaus,  mo  man  nod>  fyeute  ba8  Vod) 
feljen  fanu  unb  ba§  ©tut;  beim  ba3  i'odj  fyat  uidjt  äugemauert 
merben  tonnen,  unb  audj  ba$  $}lnt  bat  fid)  ntdjt  roegmafdjen  taffen. 
%ui  Weforo,  Mr.  fteflcnnwlbe:  "äJtitactoilt  fcurd)  $>errn  ^rof.  (*.  Äuljn. 

3(37. 

hinein  3d)aljf)cbcr  luirb  burd)  einen  Stein  ber  Stopf  abgcfnjlageu. 

3n  einem  dauern  fam'ä  jebe  9fad)t  unb  forberte  ilm  auf,  tu 
ben  &atb  311  gefyeu.  Dort  läge  an  ber  unb  ber  Stelle  ein  großer 
Stein,  unb  unter  biefem  fei  in  einem  Meffel  ein  Sdjafc  Verborgen. 
Der  Sauer  Ijatte  nidjt  SDhtt  genug  ju  bem  Unternehmen,  er^lte 
jebod)  feinem  Xagetöfmer  baoon;  unb  biefer  madjte  fid)  otyiie  mei* 
tereS  in  ber  folgenben  sJ2adjt  mit  bem  gmeifpäuuigeu  €>d)femoagen 
auf  ben  3Beg  unb  fufjr  311  bem  betreffenbeu  Crte  bin. 

Dort  ftattb  (Sr  (fo  mirb  ber  Xeufel  angerebet)  fdjon  bei  bem 
Steine,  fetyrte  üjn  um  unb  tjalf  itmt  baö  oiele  ©elb  nod)  obenbrein 
auf  ben  SBagen.  Sobann  oerabfdjicbete  er  fidj  oon  ilnn  unb  befal;! 
ilmt,  fidj  bei  ber  liHiicffatjrt  ja  nidjt  um$ufel)en. 

Wacfybem  ber  £agelöfmer  eine  $L*ei(e  gefahren  mar,  tieft  ilnn 
aber  bie  ^ieugierbe  feine  s«Huf|e,  er  übertrat  baS  ©ebot  unb  falj 
nun  }u  feinem  CSrftaunen,  mie  ber  bemußte  Stein  fid)  immer  Inn 
unb  Ijer  bemegte.  Sogleich  oermutete  er,  e$  fei  bort  uielleid)t  uod) 
meljr  ($elb  flu  fyeben,  fefyrte  fdjleunig  um  unb  guefte  unter  ben 
marfelnben  Stein.  Dahinter  ftanb  jeboa)  ber  Sdnuar^e,  meldjer 
jefct  mit  einem  Üfucf  ben  Stein  fo  fdjnctt  umfippte,  baß  bem  Imb- 
gierigeu  Zantic  ba£  $aupt  ooin  iHumpfe  flog. 

?U8  ber  iöauer  am  anbern  sJ02orgeu  erroadjte  unb  bie  Ddjfeu 
nidjt  im  Stalte  fanb,  abnte  er  alsbalb,  ma«  gefdjeljen  mar, .  eilte 

19* 


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4 


292 


in  ben  Sßalb  linb  fanb  bei  bem  Steine  bie  £eid;e  feines  Slrbei- 
terS.  Widjt  weit  baüon  ftanb  ber  ©agen,  ganj  mit  ®elb  gefüllt. 
Dies  nalnn  er  als  fein  Eigentum  an  fid)  nnb  warb  baburd)  ein 
fteiiireidjer  2)?ann. 

MiinMid)  aus*  äiefer,  Steig  9touaart). 
3C8. 

Sdjtoarjer  Safer  toerwanbelt  fid)  in  ©elb. 

Gin  Änedjt  tag  im  SBette.  Da  trat  etwas  an  fein  genfter, 
Köpfte  au  nnb  forberte  tyn  auf,  ^inauS  ju  fommen.  Der  $fried)t 
ftanb  furdjtloS  auf  nnb  ging  au«  bem  £aufe.  Draufeen  fab  er 
einen  grojjen,  fdjwarsen  üflann,  ber  tym  befaßt,  tym  $u  folgen. 
2tud)  biefem  ©eljeifj  tarn  ber  mutige  $urfa)e  unerfdjrocfen  nad). 

SllS  fie  barauf  an  ben  nädjften  tfreujweg  gelangten,  ergriff 
ber  ftrembc  plöfelid)  einen  gewattigen,  fdjmargen  tfater  unb  warf 
ifm  bem  #ned)t  auf  ben  Warfen.  Der  fal)  bie  Sadje  für  einen 
Sd)er$  an,  uat>m  baS  Xier  mit  fiefy  unb  fefcte  eS  in  ben  Stall, 
bamit  bie  sJ)?agb  am  anbern  ©Jorgen  beim  helfen  erfdjrecft  werbe. 
Söie  biefc  jebod;  um  vier  lU;r  in  beu  Mnfjftall  lunciu  trat,  fal)  fie 
feinen  Kater,  woljl  aber  einen  fdjwercu  Sacf  voll  (Melb.  xHlS  ber 
Jtuerf)t  nun  merfte,  baß  er  burd)  beu  üermciutlidjeu  ftater  bie  <D?agb 
311  einem  fteimeitt^cn  9ttäbd)en  gemadjt  l;abe,  cntfdjlofe  er  fid;  fur$ 
unb  heiratete  fie.  Stuf  biefc  Seife  gelangte  er  wieber  311  bem  ©elbe, 
baS  er  burd;  feinen  2Mut  fid;  reidjlid)  oerbient  Ijatte,  beffen  er  aber 
burd;  feinen  l'eidjtfinn  faft  wieber  berluftig  gegangen  wäre. 

(ftcnbaljer. 

9tthbd)eu  muft  uon  einem  gehobenen  Sd>«$  eine  Äirdje  bauen. 

diu  armes  sJ5?äbd;en  biente  bei  einem  93auern.  Da  flopfte 
es  eines  s}fad)tS  an  iljr  5c,lftcr  cmc  Stimme  befahl  tljr,  fie 
folle  fid)  eine  Sc^iirgc  oorbiuben  unb  bann  ba  unb  ba  fjinfommen. 
Dort  lege  ®elb.  Sie  tfjat,  wie  ityr  befohlen  war,  unb  fal),  als  fie 
au  bem  betreffenben  Jürte  angelangt  war,  einen  fdjwaraen  2)?ami 
bort  ftefien,  weldjer  mit  ber  SBurffc^ippe  brenuenbe  ftoljlen  würfelte. 

Sobalb  ber  ÜWann  fie  erblicfte,  Ijiejj  er  fie  bie  Sdjürae  auf- 
halten, unb  barauf  fdjüttete  er  fie  ooll  Äofylcn  unb  befahl  iljr,  bie* 


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293 


felben  auf  ben  fteuerfjerb  311  tragen.  Sic  tfjat  bied  unb  fam  fobann 
toieber  3U  bem  Scfuoargen  guriief.  Der  füllte  aud)  of)iie  lueitereö 
bie  Sdjürae  gutn  feiten  ÜWate.  2(13  fie  jebod)  baS  britte  Wal  er* 
fd)ieu,  fagte  er  bei  bem  ©infdjippen  ber  ftoljlen :  jefct  bürf c  fie  uidjt 
mefyr  jurücffominen.  Die  ftoljlen  würben  fid)  nämlidj  am  anbern 
borgen  in  ®elb  fcertoanbeln.  DaS  folte  fie  nehmen  unb  $uni  5)au 
einer  ftirdje  üerroenben;  alles,  »ad  baüon  übrig  bliebe,  märe  aber 
tyr  (Eigentum. 

Das  SWäbdjen  mar  roieberum  ger)orfam  unb  baute  bie  ftirdje 
unb  behielt  mirflid)  nod?  fo  Diel  übrig,  ba§  fie  forgenfrei  tyr  ?eben 
»erbringen  tonnte.  ebenbaf>er. 

370. 

$cr  Jcufelöbamm  tut  Wangarbcr  See.1) 

3Benn  baS  ©affer  in  bem  See  bei  3?augarb  ruljig  ift,  fo 
ftet/t  man  barin  einen  Damm,  ber  genau  bi£  in  bie  Witte  beä 
SeeS  tjineingefyt.   Derfelbe  ift  auf  fotgenbe  SBeife  entftanben: 

9?or  Reiten  lebte  einmal  in  ber  ©egeub  ein  Schäfer,  ber  mit 
bem  Jeufel  einen  ftontraft  gemacht  Ijatte,  bajj  berfelbe  itun  einen 
Damm  burdj  ben  galten  See  baue.  Dafür  nutzte  ber  Sdjäfer 
bem  ©öfen  ein§  üon  feinen  Äinbern  oerfpredjen.  Der  Teufel  mar 
aber  gehalten,  ben  Damm  in  einer  einzigen  9iadjt  fertig  ju  ftellen, 
unb  ber  Jtontratt  follte  nicfyt  gelten,  toenn  er  tyn  oor  bem  erften 
.|)afmenfdjrei  nidjt  gan$  »ollenbet  Ijätte. 

2öie  nun  ber  Sdjäfer  nad)  $aufe  fam,  ba  überfiel  ifm  große 
Stngft,  unb  er  geftanb  feiner  ftrau,  roaS  er  getljan  fyatte.  Die 
befann  fid}  gefdjminb  auf  eine  i'ift,  ging,  elje  ber  Jag  graute,  in 
ben  $ü$nerftatt  unb  reifte  ben  §alw,  bajj  er  fräßen  mujjte.  Der 
Jeufei  fyatte  feinen  Damm  erft  bis  jur  .ftälfte  fertig  unb  mufete 
beSlmlb  mit  Schimpf  ab^en.       2emme,  $olf«faacn.  flr.  234. 

371. 

»affer  toernmnbelt  fi(^  in  »ein. 

@in  Surfte  ^atte  in  ber  üleuialjrSnafy  einen  ©imer  Söaffer 
braufjen  ftefjen  laffen,  unb  am  anbern  2J?orgen  enthielt  er  iöein. 

')  Siefelbe  Sage  wirb  uon  bem  tüplomer  See  im  Sreife  Jürftentum 
etjäl)lt,  nur  bafe  bort  ba$  Seufelroert  fdjon  foweit  aebieben  mar,  bafj  man 
vom  Xamme  aus  auf  ba$  geftlanb  hinüber  fprmgen  tonnte. 


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294 


3>a  tourbe  bcn  übrigen  ftnedjten  ber  SDfrtnb  toäffrtg  unb  fte  oerab* 
rebeten  fid),  im  fommenbcu  Qaljre  ba$  Sunber  ber  9ieuiat)r3uad)t 
a  ^unü^en. 

9Ue  bie  $eit  tjerangerütft  n?ar,  gingen  fie  $um  Staunten 
binau£.    (Siuer  büefte  fid),  foftete  unb,  als  er  fcrjtnecfte,  bafe  ba$ 
Gaffer  fid)  n?trf li<^  tvteberum  in  Sein  oertuanbelt  fyabe,  rief  er  au*: 
„3uiigen£  fontnit!         ift  alles  Saffer  Sein!" 
£a  antwortete  eine  Stimme  anS  bem  Staunten: 
„"Jhut  bift  bu  aber  audj  mein", 
unb  eS  30g  ifju  in  bie  Tiefe  berab.    Seit  ber  ftnedjt  aus  3?orroitj 
in  ber  fjeiligen  s?iad)t  l)iuauägegangcn  war,  l)atte  er  baran  glauben 
muffen. 

%ui  yic}om,  ftr.  *Rcgcnroalt>c:  9)iitfletcilt  tnird)  Gerrit  *Prof.  (5.  Äufcn. 

372. 

$et  9Bedjfeltl>iiler. 

Senn  man  fid)  einen  Sedjfelttyaler  oerfdjaffen  mill,  muß  man 
in  ber  9?eujal)r$nad}t  sroifdjeu  elf  unb  sroölf  Uljr  eine  fcfjtüarjc 
ftafee,  an  ber  fein  einziges  roeifseS  .£>aar  fein  barf,  in  ein  ftifrtV 
tiefe  fterfen,  breimat  bamit  um  eine  ftirdje  taufen  unb  jebeS  Ü)?al 
burd)  baS  Sdjlüffellod)  ber  MirdUtu'ir  pitften.  Dann  fragt  ber 
Teufel:  „Saö  bringft  bu  ba?"  -  „„©inen  Jpafen.""  —  „SaS 
toillft  bu  bafür  fabelt?"  —  (r „(Sitten  Tljalcr.""  —  Dann  fommt 
ber  Teufet  unb  toirft  ben  Sedjfeltbaler  bin  unb  nimmt  bie  tiafee. 
2)?an  muß  aber  eilen,  unter  Dad)  $u  iommen,  el)c  ber  Teufet  bie 
fönotett  beö  ftifdjuefeeö  gtücfticb  gelbft  bat,  fonft  ift  man  ibm  ücr- 
fallen.  (Sin  Secfifeltljater  trennt  fid)  nie  oon  feinem  Skfifecr,  mau 
mag  it>n  abgeben,  fo  oft  mau  toitl,  er  ift  immer  roieber  ba. 

(*l»cnbal)cr. 

373. 

^ferbettttft  »erwonbelt  ftd)  in  ©olb. 

(£in  $?auer  fam  aus  ber  Stabt  3urürf  unb  faub  auf  beut 
Sege  einen  Raufen  ^ferbemift.   Da  er  nirgenbS  bie  Spur  eines 
^ferbeS  fafy,  fo  nntnberte  er  fid)  l)öd)lid),  tvie  ber  Dünger  bafyiu; 
gefommen  fei,  Ijielt  bie  gan$e  Sadje  beSfyatb  für  eine  große  Werf 
roiirbigteit  unb  paefte  fid)  ben  Raufen  oorn  in  bie  Söruft  unter  bie 


295 


©efte,  um  iljn  bafyeim  feiner  ftrau  $u  geigen.  911$  er  aber  $u 
$)aufe  ben  SRotf  auffnöpfte,  Ijatte  fid)  alle«  in  eitel  ©olb  oer= 
wanbelt. 

Gbenbaljfr. 

374. 

©eib  wrwonbcit  ftdj  in  $ferbrmtft. 

GinftmalS  ging  ein  armer  HZann  auf's  t$tib,  um  für  bie 
jungen  ©änfe  Butter  31t  fdjneiben.  Da  fall  er  um  einen  (Stein  l>er 
(auter  Maufed  (Hclb  liegen,  bad  er  alSbalb  auflaö  unb  in  feinen 
,£)ut  tfyat.  $öie  er  nun  fycimfam  unb  fdjon  bicfyt  bei  feinem  ^)aufe 
war,  trat  ifym  feine  ÜWutter  entgegen.  Der  rief  er  üoller  ^reu^e 
$u:  „£olla!  $ier  Ipab'  id)  lauter  blanfeS  ©elb!"  öffnete  ben  ,^ut 
unb  liefe  bie  Üttutter  f)ineinfef)en.  Da  mar  aber  nidjtS  barin  als 
ein  Raufen  ^ferbemift,  ben  er  bor3irger  wegfdnittete.  9lld  er  aber 
im  .$)aufe  mißmutig  nod)  einmal  in  ben  $ut  flaute,  fanb  er  gan$ 
in  ber  ©de  ein  glänjenbeS  ©olbftüd. 

(5benbal>er. 

375. 

Der  (Zentral  l'ujreraburg. 

Die  Stabt  Vuremburg  ift  auf  einem  einigen  «Stein  erbaut 
morben,  unb  unter  \\)v  ift  eine  große  $Öl}lr,  fo  groß,  baß  ein 
ganjeä  iWegiment  barin  üotlauf  ^lafc  Ijätte.  ^reußifcfye  Solbaten, 
bie  bort  in  ©arnifon  gelegen,  tyaben  baö  felber  mit  angefeljen. 

Daö  Hingt  wunberbar  genug;  wer  aber  weiß,  wie  Vuremburg 
entftanbeu  ift,  ber  wirb'«  bennodj  glauben,  ifl  bodj  ber  leufel  in 
fyöd)ft  eigener  ^erfon  ber  Saumeiffrr  ber  Stabt  gewefen.  (Sä  lebte 
nämlidj  früher  einmal  ein  ©eneral  Vuremburg,  ber  fyatte  fid)  bem 
leufel  mit  i'eib  unb  «Seele  oerfdjrieben.  Dafür  mußte  tym  biefer 
fe^öunbbreißig  $atyre  Lienen  unb  tyat  wäfyrenb  jener  $ett 
fdjwierigflen  unb  unerhörteren  Dinge  oerridjter. 

Söenn  ber  ÖJeneral  über  einen  ftluß  gewollt  Ijat,  fo  ift  fo 
fdmeü  wie  ber  95Mnb  eine  prädjtige  93rücfe  barüber  gefd/lagen 
gewefen;  war  er  auf  ber  aubem  Seite  angelangt,  fo  oerfdjwanb  fie 
ebenfo  fd)uell  wieber.  bitten  im  fälteften  hinter  fyat  Vuremburg 
frifdjeä  Obft  »erlangt,  unb  ber  Xeufel  ift  bann  audj  fogleidj  mit 
ben  fäönften  Äirföen  $ur  Stelle  gewefen.   3luf  biefelbe  «Beife  f>at 


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290 


er  aud)  bem  Söunfdje  beS  ©enerats  gemäß  bie  fdjbne  Stabt 
Wernburg  auf  einem  einzigen  Ijofjfeu  Stein  aufführen  muffen. 

9U8  nun  bic  fed)8uubbreu)ig  Qa^rc  lim  roaren,  richtete 
Luxemburg  ein  großes  ©aftmat)!  an.  $?äljrenb  alte«  beim  beften 
©djmaufen  war,  trat  ber  Teufel,  als  feiner  .'perr  gefleibet,  herein 
unb  fprad):  „öeueral  Yurcmburg!  ftomm  IjcrauS,  beine  3eit  ifi 
um!"  Der  ©eneral  tr)at  aber,  alö  Ijbrc  er  nidjt.  Da  rief  ber 
2enfel  311m  anbern  9ft ale:  „©eneral  Vuremburg!  $örft  bu  nidjt? 
Äomm  l)erau$,  beine  $eit  ift  aus!"  Da  fyat  itym  ber  ©eneral 
folgen  müffen,  unb  fie  finb  in  M  Limmer  nebenan  gegangen. 

Dort  bat  ber  Venera!  ben  93bfen,  er  möge  ifjm  nur  nodj 
einige  Slugenblitfe  gemäljreit,  er  wolle  ^ur  ©cfellfdjaft  äurürffebren 
unb  bort  oerfd)iebene  Hnorbnungen  treffen,  darauf  Ijat  fidj  ber 
Xeufel  aber  nidjt  eingelaffcn,  fonbern  er  f)at  fteber  unb  Rapier 
au$  ber  Xafdje  gebogen  unb  bem  ©euerat  befohlen,  feine  Sünfdje 
aufaufdjreiben. 

(Sin  $ebienter,  ber  jebotf)  auuor  anbädjtig  ein  2?aterunfer  ge* 
fprodjen,  faf>  burefy  ba$  edjlüffellod),  unb  ba  erblidte  er  ben 
©eneral,  roie  tyn  ber  Üeufel  beim  Schopf  patfte  unb  mit  ifun 
burdj  ben  Sdjornftein  futir,  baß  baä  Sötut  weit  um&erfprifcte. 
9ludj  l)at  ber  Teufel  gerufen:  ,,^d)  würbe  bir  baffetbe  antfmn, 
Ijätteft  bu  nidjt  baS  $ateruufcr  gebetet."  2o  ift  ber  Sebiente 
burdj  <5wtte$  ©nabc  nod)  gerettet  worben. 

(?benbnbcr. 

376. 

$er  tenfcl  «I«  Sterfnabel. 

Der  Jeufel  Ijat  früher  bie  SMeufdjen  unter  meiertet  ©eftalten 
gu  »erfuhren  gefudjt.  93cfouber$  t>orficr)ttg  ^aben  aber  bie  Veute 
fein  muffen,  wenn  fie  eine  am  ^oben  liegenbe  ©tetfnabel  aufnefj* 
men  Wollten;  benn  gerabe  in  eine  <Stetfnabel  I>at  fi$  ber  Seufel 
gerne  oerwanbelt.  Um  fid)  311  fitt)ern,  fprad;  man  beim  2lufteben 
bie  ©orte: 

„l'icber  ©ott,  £err  Oefu  Gljrift! 

$>ier  finb'  idj  eine  itnöpnabel". 
Surbe  bann  bic  Stecfnabet  ferner  unb  gewichtig,  fo  war'8  ber 
93öfe,  blieb  fie  leidjt,  fo  burfte  man  fie  in  ©otteö  Hainen  einftetfen. 


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297 


tRur  bie  ©eftalt  oon  $wei  Bieren  Ijat  ber  Üeufel  niemals 
annehmen  föuncn,  ba£  waren  baS  £äubdjen  unb  bev  ,^>ed)t,  weld) 
legerer  ja  befanntlid)  ba$  ^eilige  Ärcttj  in  feinem  ftopfe  trägt.1) 

tfbenbaher. 

377. 

$te  ^eilf  Triften.2) 

$ie  $e\V  Glniften  flehen  am  SlkinadjtSabeub  oou  £aus  31t 
$au«,  bitten  mit  fjöflidjeu  £prürf)en  nm  (Sinlafe  imb  geben  bann 
eine  3lrt  $orftcllung  3um  beften.  3>abei  teilt  ber  „«freil'*  Gfn-ift" 
Gipfel  unb  Wiffe  au$,  wäf;renb  ber  „93auer"  ben  9lfd)enbeutcl  fpie* 
Ceit  läßt.  $ie  .£)eilrf)riften  finb  nämlidj  ifyrer  fünf  ober  fieben :  Vcv 
,£eir*(5brift,  ber  33auer,  mit  (Srbfenftrofy  umwirfelt  unb  einem 
Slfcfyenfatf,  ber  @ngel  ®abrtel  ober  SMidjael,  Vugifer,  Söeet^e^ 
bub,  ber  2 d)i  mittel  unb  ber  ©djnapperbocf  mit  langer,  roter 
£unge  unb  blanfen  klugen. 

Einmal  finb  bie  „,£>eir*®f)tifteu"  über  ^anb  in  ba«  beuaa> 
barte  $orf  gegangen.  @$  waren  aber  böfe,  gottlofe  teilte,  weUr/e 
unterwegs  Söranntwein  häufen  unb  gotteSläfterlidje  Sieben  führten. 
SUS  fie  nun  an  einen  zugefrorenen  STeid)  famen,  frf)littcrtcn  fie  bar^ 
auf  untrer  unter  Schwören  unb  ^ludjen.  £)a  merften  fie  plbfclid), 
n?ie  nodj  anbere  $eif*Gf)riften  ftdj  $u  iluten  gefeilten,  unb  31t  ifjrcut 
(Sntfefeen  würben  fie  inne,  bafe  ba«  leibhaftige  Xeufel  waren.  $a 
finb  fie  fdjnetl  unb  ftill  auSeinanber  gegangen. 

9(ud>  in  3)?efon)  begegnete  ben  ^eif^riften  cU)nlid)e$.  Wie 
üblid)  aogen  fie  Don  £au$  31t  $)au$  unb  trieben  babei  ben  größten 
Unfug,  flutten  unb  foffen,  bafj  eö  ein  ©reuel  war.  £>a  gewahrten 
fie  mit  einem  üttale,  bafj,  fo  oft  fie  aus  einem  .£aufe  traten,  immer 
ein  §eir*(If)rift  mef)r  bei  tynen  war,  als  fie  fetbft  <ßerfouen  jaulten. 
$a$  war  ber  Teufel,  unb  bie  $eif  *<5Ijrtjten  matf>tcn,  bajj  fie  eilenbS 
nad)  $aufe  famen. 

Söegen  biefe«  oiclen  £eufe(werf$  galten  manche  Veute  es  für 
gottlob,  an  bem  Umjuge  ber  §eif>Gf)riften  teil  311  nehmen.  Unb  baß 
fie  nidjt  fo  gans  im  Unredjt  finb,  fiefjt  mau  an  folgeuber  ©efdjifye: 
(Sine  ftrau  brofyte  am  SeilmadjtSabenb  ifyrem  unartigen  Minbe: 

1)  >  fcen  ttopfgräten  t?e<*  freebted  ertennen  bie  teilte  ba§  flieu\  unb 
t'iimtlicbe  tylarterinünnnentc,  mit  benen  Der  fcerr  gepeinigt  rourbe,  lieber. 

2)  «ßl.  oben  Sage  9ir.  343. 


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29* 


„Du,  bidj  foü  ber  .f)eüM5f)rtft  Imben".  3(1$  nun  ber  .£>ei(' ;(Sf)rift 
nacfy  einer  $öeilc  ersten,  übergab  fie  ifmt  baS  Äinb  jum  Sayrje; 
beim  fie  ertaubte,  e$  fei  il)r  SRruber.  —  Slm  näc^flen  ÜHorgen  tagen 
bie  Sd)enfel  be$  SftnbeS  oor  Ujrer  -£)au8tfyür. 

Cbenbaber. 

378. 

©djmirt  lutft  ein  eifenic«  #anb  für  ben  Teufel  famteben. 

(Sin  Sdjmieb  würbe  brei  "Jfädjte  fyintereitianber  t>on  einer 
Stimme  gerufen:  er  möge  fjerauöfommen  unb  fein  ,f}anbwerf$$eug 
mitbringen,  e§  mürbe  fein  fölücf  fein.  ftäme  er  nidjt,  fo  folle  e$ 
itym  fd)led)t  gel)cn.  Da  ift  er  beim  tu  ber  britten  9tod)t  foerauS* 
gegangen,  unb  eö  ftanb  eine  ^ßerfou  ba,  bie  aber  gar  nid)t  gefäbj* 
lidj  auöfat),  fo  ba§  ber  Sdunieb  jeglidje  oHirdjt  oerlor.  'Der  llube* 
fannte  oerbanb  itun  bie  klugen  unb  führte  ifjn  bann  weit,  weit  fort, 
bis  in  ein  $emad)  hinein,  wofelbft  er  if)in  bie  33inbe  wieber  abnahm. 

Da  falj  er  nun  ringS  um  fidj  Ijerum  lauter  feuerfprüfjenbe 
Teufel  an  ftetteu  liegen,  $n  ber  SOJitte  ftanben  an  einem  Slmboft 
brei  (Gefeiten  unb  dämmerten  an  einem  eifernen  SBanb,  fonnten  e3 
aber  nicf>t  fertigfreüen.  —  3obalb  fie  ben  Sdjmieb  erblicften,  mußte 
er  Einzutreten  unb  mit  bem  .Jammer  brei  3d)läge  führen.  Darauf 
fdnitteten  iljiit  bic  brei  Männer  ba$  SdjurafeU  t>olf  Üoljlcn,  unb 
ber  llnbefauute  geleitete  it>n  wohlbehalten  wieber  nad)  §aufe  jurürf. 

Die  glüljeubeu  &ot>leu  waren  am  anbereu  Uftorgen  lautered 
Öolbgelb  geworben.  Der  Sdmtieb  wollte  eö  gerne  meffen  unb 
fanbte  bcsljalb  ju  feinem  ®ct>atter,  er  möge  iljm  ein  -edjeffelmajs 
leiten.  Da$  tljat  ber  audj  gerne;  weil  aber  ber  Sdjeffel  fliifceu 
unb  spalten  hatte,  fo  blieben  einige  öwlbftücfe  in  tym  ftetfen,  melaje 
bie  ftiuber  be#  OJeoattcrS  beim  2(bl)olen  beö  Sdjeffcte  fanbeu  unb 
ihrem  2>ater  brauten,  ber  fie  aud)  behielt. 

Da  f>at  fid)  beim  oor  feinem  ^aufe  $mei  9Jädjte  hmtereinan* 
ber  eine  Stimme  oernehmen  laffen:  „Du,  gieb  betn  Sdjmieb  feinen 
oerbienten  Vofm,  fonft  mirb'S  bir  fd}led)t  gehen".  Qn  feiner  5lngft 
lief  ber  QJeoatter  511  bem  ^chmieb  fjeritber  unb  erjätjlte  ihm  beu 
Sangen  Vorfall.  Darauf  riet  ihm  ber  Sdjmieb,  er  möge  bass  nädjfte 
üftal  bem  ©eifte  antworten:  „Mein  (^eoatter  ^at  bie  ©olbftücfe 
meinen  Jliubern,  feinen  fleiuen  ^aten,  jutn  ©efdjenf  gegeben". 


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299 


liefen  Wat  h«t  ber  ©eoatter  in  ber  brüten  Wad)t  befolgt,  unb  ba$ 
©efpcitft  ift  nie  loicber  getomiuen.  Cbenbabcr. 

379. 

$er  SeufclSbatmn  im  ^otfdmmicfcr. 

Unterhalb  Tefdjenborf  get?t  ein  langer,  fdmtalcr  (yraöftreifen 
in  ben  Süotfdnoinefee  hinein,  ber  baher  feinen  Flamen  befonunen 
hat,  toeil  feine  Cuelle  oor  Reiten  oon  einer  San  mit  ihren  ^er 
fein  aus  ber  ©rbe  aufgewühlt  werben  ift.    Über  bie  (Sntfteljnng 
ber  yanbnmge  bagegen  erzählt  man  fief?  felgenbeS: 

$or  Dielen  Rainen  lagen  an  ben  Ufern  be*  &*otfd)toinefee$, 
einanber  gegenüber,  jtoei  Burgen.  T>ie  Herren  berfelben  verfemten 
gerne  mit  einanber,  nnb  bamit  bieö  öfter  nnb  bequemer  gefeheben 
lönue,  ^egte  ber  eine  Witter  ben  feljnli^en  2£uufd),  einen  1>amm 
burd)  ben  See  ju  bcfi&en.  T>a  metbete  \i<$)  bei  ihm  eiueä  ttbenbö 
ein  iiomelmier  .*perr  mit  großem  ."put  nnb  ftebcrbufd)  nnb  erbot  fid}, 
ben  oerlangten  Vamm  nod?  in  berfelben  Wad)t,  beoor  bie  Moden 
bie  oierte  Stunbe  oerfiinbet  hätten,  aufzuführen,  falte  ibm  ber  Witter 
bafür  feine  Seele  oeridjreiben  wolle,  mau  weift  nicht  mehr  genau, 
ob  für  immer  ober  nur  für  fed>3uubbreiftig  ^alnc. 

i>er  Schioftherr  ging  auf  ben  /paubel  ein,  unb  ber  leufel 
(benu  eö  war  niemanb  auber*)  entfernte  fid)  wieber.  Qu  ber  Wadjt 
l^örte  ber  Witter  nun  ein  Sdjlageu,  «ualleu,  Saufen  unb  Traufen 
am  ÜBotfduüinefce,  baft  ihm  gauj  uuheimlidj  311  3Wute  warb.  ^efct 
fiel  i^m  aud)  ber  lenfelöpalt  fdjwer  auf  bie  Seele,  unb  er  befd)loft, 
»eint  irgenb  ntöglidj,  ben  SBöfcit  51t  Überliften  unb  um  feinen  Waub 
311  bringen.  (Silig  lieft  er  fein  ^ferb  fatteln  unb  jagte  barnuf  in 
bie  benadjbartcn  Dörfer  unb  überrebete  bort  bie  3£äd)tcr,  alle  Uhren 
eine  Ifaibe  Stunbe  oor^uftelleu  unb  bem  eutfvrecfjenb  aud)  bie  oierte 
Srunbe  früher  auszurufen.  I>a$  gefdjal);  ber  leufel  ahnte  uid)t$ 
oou  bem  betrüge,  lieft,  als  eö  vier  Uhr  fd)tug,  baö  begonnene 
©erf  im  Stid)  unb  eilte  baoon,  unb  ber  Witter  tyaUe  feine  Seele 
gerettet.       Mitfletoilt  bnreb  (>errn  C.  Knoop  in  Hofen  nnb  lnünbltcb. 

:5SO. 

Tciifclöfpuf  »ereitelt  ba«  Sdjrt$ßrflbeit. 

3n  alten  ßeiteu  baben  bie  Veute  ^weilen  Weib  oergraben, 
loa«  bann  in  ber  (£rbe  geblieben  ift.    Über  foldjeö  $elb  befommt 


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300 


bcr  Teufel  üttadjt.  9Bo  man  nun  fyier  ober  ba  eine  blaue  flamme 
über  bem  Grbboben  brennen  ftefyt,  ba  liegt  ein  fold)er  Sdjafe  Oer* 
graben.  Um  beSfetben  Ijabfyaft  ju  werben,  mu§  man  fid)  ftiü* 
fdjroeigenb  nähern  unb  etmaä  auf  bie  Stelle  werfen,  junt  SBei- 
fpiel  ein  UWeffer  ober  einen  Pantoffel,  unb  barauf,  olme  $u  fpredjen 
ober  fid)  umpbreben,  nad)  $aufe  eilen.  Den  näd)jten  Jag  fann 
man  ben  Sd)afc  ausgraben.   Dod)  geljt  nid)t  immer  alle«  fo  glatt  ab. 

(Einmal  finb  ifyrer  oiere  gemefen,  bie  einen  Sdjafc  brennen 
fafyen.  2llä  fic  an  bie  Stelle  famen,  ftaub  ba  ein  f^roarjer  9J?anu, 
bad  mar  ber  leufel.  <2ic  ließen  fid)  aber  nid)t  fdjrecfen,  fonbern 
fingen  an  51t  graben  unb  fpradjen  fein  &*ort.  Da  fam  ein  Ijod)* 
bepaefter  ^eumagen  fyerangefabren,  oor  ben  oier  üfläufe  gefpannt 
maren,  unb  bann  nod)  einer  mit  §ät>nen ;  jebod)  aud)  babet  betoal)r< 
ten  bie  üDiänner  baS  ®tillfd)meigen  unb  fuhren  unauSgefefct  in  Hjrer 
Arbeit  fort,  fönblid)  erlistete  ber  £eufel  einen  ©algen  unb  fd)rie 
bem  einen  gu:  „Du,  mit  bem  Veinmanbfittel !  $ieran  follft  bu  Rän- 
gen". Da  rief  ber  Slngerebete  in  £obe$angft :  ,,2Id)  meine  arme 
$rau  unb  ftinber".  Itfaum  fwtte  er  ba£  gefprod)en,  fo  oerfanf  ber 
Sdjafe  in  bie  (Erbe  jnriief,  unb  bie  l'eute  Ratten  ba«  9Jad)fel}en. 
?lu$  SJleforo,  Sit.  fteflenroalbe:  'JRitfltteilt  burd)  £mn  $rof.  (!.  Äuljn. 

381. 

$m  ^urgoerliefj  ber  fltutne  $u  Daber  liegt  ein  ©djafc  in 
einem  haften,  bemadjt  oon  einem  $unbe.  9iur  ein^err  oonDemu) 
fann  biefen  Sd)afc  lieben,  unb  31001*  muß  berfelbe  fed)£  Ringer  an 
jeber  .$anb  unb  fcdjö  .ßetjen  an  jebem  $ufee  traben.  2Bie  er  e3 
aber  an^ufteUeu  fyat,  unb  marum  baö  alles  fo  ift,  toeijj  niemaub. 

(fbenbober. 

382. 

$ie  bret  Srfjippen  ooH  ftofjfrit. 

(Sin  9J?äbd)en  fal)  in  ber  s}?ad)t  beim  i<f erbeuten  nid)t  meit 
oon  fid)  ein  ^euer  brennen.  Da  e8  falt  mar,  ging  fie  nätjer,  um 
fid)  baran  311  mannen.  Dod)  mie  erfdnal  fie,  als  fie  neben  bem 
$euer  ^mei  große  fd)roar$e  OWänner  flehen  falj.  Die  traten  aber 
fefyr  freunblid),  minften  bie  Dirne  $u  fid)  l>eran  unb  geboten  tyr, 


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301 


bie  Sdjürge  aufhalten;  fobann  warfen  fie  ifn*  brei  Sd)typen 
ooll  glüfjenber  &ofyleu  hinein  uiib  fließen  fie  wieber  gefyen  mit  ben 
©orten:  „Daran  manne  bid)  nur."  3lin  anbern  ÜJforden  flaute 
baS  ÜNäbdjen  nad)  unb  ficfje,  aüe  Jdofylen  Ratten  fidj  in  ManfeS 
ÖJolbgelb  oerwanbelt.  l*benbaf)er. 

383. 

$er  tote  ^punb. 

(Sin  #ned)t  träumte  brei  }Jäd)te  fyintereinanber,  oajj  er  au 
einer  gewiffcn  Stelle  jur  ^iadjtgeit  einen  großen  <Sd)afe  finben 
njürbe.  (£r  fiird)tcte  fidj  jcbocfy,  bcr  erhaltenen  Reifung  $u  folgen, 
ersäufte  aber  beu  Sraum  feinen  ÜHitfnedjten.  Die  berebeten  fidj, 
baß  fie,  of)ne  bem  anbern  etwas  baüon  31t  fagen,  hingegen  unb  fid) 
ben  Sdjafe  gueignen  wollten.   Unb  fo  traten  fic  audj. 

9US  fie  nun  au  bem  begeidjneten  iJlafe  anlangten,  fanbcn  fie 
nichts  als  einen  toten  f)unb.  Den  warfen  fie  ooü  Unmuts  weit 
fort,  olme  auf  baS  Stöhnen  ju  adjten,  baS  oon  bem  9lafe  ausging. 
Sobanu  matten  fie  fia)  auf  ben  $>eimweg,  wobei  fie  gar  gornige 
Sieben  führten,  wie:  „(£r  foll  es  un«  wofyl  begaben,  bafj  er  uns 
fo  gum  Marren  gehabt  f)at",  unb  bergleidjen  mefyr. 

Der,  ben  fic  alfo  bebrofyten,  lag  inbeffen  ruljig  im  Söettc  unb 
fdjlief.  $öie  aber  erftaunte  er,  als  er  am  anbern  2)Jorgcn  erwarte 
unb  einen  großen  Sacf  ooll  öJelb  neben  feinem  Vager  fanb.  So 
war  ber  Sdjafc  bocr)  an  ben  getommen,  für  ben  er  beftimmt  war. 

(5bcnbal)er. 

384. 

$er  tote  ©djimmel. 

(Sin  Wann  fall  auf  bem  treibe  ein  blaues  ^lämmd^en 
„f Vielen".  Sdmetl  warf  er  feinen  Stiefel  auf  bie  Stelle,  grub 
nad)  unb  [tieft  auf  eine  eiferne  &ifte.  Da  er  biefelbe  altein  nid/t 
fortbringen  fonnte,  ging  er  eilenbs  nad;  ^paufe  unb  bat  feineu 
9iad)bar,  bafj  er  if)m  fein  ftärffteS  ^aar  ^ferbe  leiten  möge, 
©äfjrenb  er  uod)  mit  bem  ?lnfpannen  befdjäftigt  war,  falj  er  mehrere 
©auern  f)inauS  auf's  $elb  gelten.  @r  beforgte,  fie  motten  ber 
Äifte  anfidjtig  werben  unb  fie  für  fid)  behalten;  barum  fufjr  er  fo 
fdmetl  wie  möglid)  Inn  unb  traf  aud)  wirflid)  bie  dauern,  wie  fie 
in  weitem  Streife  um  ben  $la(j  [tauben. 


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302 


Unruhig  f prang  er  ob,  aber,  o  ÜMtnbcr,  ba  lag  nidjt  eine 
.Stifte,  fonbern  ein  toter  Sdn'mmel,  ber  ftatt  be$  SduuanjeS  einen 
Stiefel  fmtte.  Das  mar  be*  Uenfclö  £tferf,  ber  ben  Sdjafc  nidjt 
berausfgeben  wollte  unb  tyn  barum  in  baö  tote  ^fcrb  vermanbelt 
Ijatte.  Jhtr  beut  Stiefel,  ben  ber  Malier  in  bie  flamme  luneiiv 
geworfen,  Ijatte  ber  Sööfc  feine  roabre  (Meftalt  nidjt  nehmen  fönnen. 
$>er  Wann  liefe  fid)  and)  bind)  bas  ÜJlenbtperf  bnrdjaus  uidjt 
beirren,  faßte  311  nnb  ergriff  ben  Sdnmmel,  lub  tyn  auf  feinen 
"-hJagen,  b\ad)k  iljn  glütftid)  nad)  .Jnuife  nnb  marb  burd)  ba*  ge* 
funbene  ®elb  ein  fteinreidjer  Wann. 

(fbenbabcr. 

385. 

$er  öcrfleibcte  Xeufcl. 

(Sin  blutarmer  Wann  manberte  um  Witternadjt  bei  Sturm 
unb  fliegen  bie  Vanbftrafje  entlang.  Wit  einem  Wale  fal>  er  brei 
Säcfc  oor  fid)  fteljen,  bie  mit  $clbfriid)ten  gefüllt  fdnenen.  Gr 
banb  ben  mittclfteu  auf  unb  fanb  Dolmen  barin.  „T^aö  ifl  gut 
für  ben  .junger",  forad)  er  erfreut,  „unb  ber  ben  Sacf  tarieren 
Imt,  mirb  iljn  rocljl  nidjt  fo  nötig  brausen,  roic  idj."  X^amit 
naljm  er  it)u  auf  ben  iKiiden  unb  eilte  mit  itjm  in  feine  §ütte,  xoo 
er  ben  fiunt  feiner  J-rau  wies. 

3a,  ba  roaren  feine  Söofjnen  mcfyr  barin,  fonbern  alle£  liatte 
fid)  in  L  Umlaufe,  funtelube  ©olbftücfc  oerroanbelt.  ^iun  tonnte  ber 
arme  Wann  aber  nidjt  gälten,  unb  bod)  fjättc  er  gar  511  gerne  ge- 
mußt, roieoiel  Oielb  il;nt  bae  OMiicf  3ugemanbt  fjabe;  er  fdjicftc 
beäfyalb  feinen  Solm  51t  bem  reirf)en  Oiadjbarn  mit  ber  $itte,  üjm 
ein  Sdjeffelmajj  <ju  leiten.  £er  SKeidje  backte:  „95k£  mag  ber 
anne  Xropf  311  meffeu  l;aben?"  ual)m  bas  Sdjeffelmaü  unb  beftridj 
feinen  ©oben  mit  <$onig,  bcoor  er'3  bem  jungen  gab.  $>er  lief 
bamit  jju  feinem  i^ater  unb  braute  e$,  uadjbem  e$  genug  gebraudjt 
mar,  mit  fdjönem  ©auf  mieber  gurücf. 

£>er  Dietere  mar  aber  ein  redU  fdjäbiger  (^ei^alö.  Qx  be* 
flaute  ba£  ($efäfj  oon  allen  Seiten,  unb  maä  falj  er  auf  ber  mit 
§onig  befindeten  Seite?  -  T>ort  ftebte  ein  glän^enbeö  ©olbftücf. 
2)er  blaffe  OJeib  ftieg  tym  bei  biefem  ?lublitf  in  baS  ©efidjt,  unb 
e$  miirgte  Um  orbentlid),  menu  er  nur  an  feinen  Otodjbar  badjte. 


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303 


©S  lief?  ihm  auch  nicht  eher  Muhe,  als  bis  er  eine  Vift  auSgefonnen 
hatte,  tvoburch  er  beit  Scbafc  au  fid)  gu  bringen  vermeinte. 

3u  bem  ßtveefe  verfleibete  er  fich,  als  eS  Slbenb  geworben 
tvar,  gar  fct)euf?lid),  ^ing  fid)  ein  fchroarjeS  Cchfenfell  über  bie 
Schultern,  ging  bann  junt  9iachbarn  anS  5e,,fter  unb  Ith™  nnt 
fiir(^terlicf)er  Stimme  hinein:  „OKeb  baSÖMb  IjeranS,  roaS  bu  mir 
geftohlen  ^aft!"  Da  glaubte  ber  Sinne,  ber  leibhaftige  Xeufel 
ftünbe  brauften,  mib  erfdjraf  aufs  Ijeftigfte;  „beim",  backte  er, 
„ficfjerlid)  gef>t  eS  an  bein  i'cben,  tvenu  bu  ihm  uidjt  beu  ganzen 
Schafc  IjerauSgiebft.  3iMe  fannft  bu  baS  aber,  ba  bu  fdjon  einen 
guten  Seil  bavon  verbraucht  ffoft?"  Gr  rief  alfo  in  feiner  .^er^enS- 
angft  ben  vor  bem  ftenfter  a"/  fid)  bodj  311  gebulben  unb  beu 
folgenbeu  Jag  tvieber  311  fommen,  bann  follc  er  gewißlich  alles 
haben.  „Xlmft  bu'S  aber  nicht,  fo  hol'  ich  bich",  entgegnete  barauf 
ber  anbere  unb  ging. 

Den  jiveiten  Slbcnb  tarn  ber  böfc  9)ienfd)  mieber  mit  ber^ 
felben  ^orberung.  öcr  ^Irme  Kbod)  von  neuem  um  einen 

Jag  Sluffchub  flehte,  fo  begnügte  er  fid)  aud)  bieSmal  mit  einer 
Drohung.  ^tuii  trug's  fich  $u,  bafj  am  folgenben  Stbenb,  als  ber 
Sinne  niebergefchtagen  in  feiner  glitte  fa§  unb  fann,  lvic  er  fich 
vor  bem  Xciifel  reiten  möchte,  ein  s&auberSinaun,  ein  fleineS 
ii  erlchen  mit  langem,  grauem  Söart,  an  feine  Zljürc  Vod}te  unb  um 
'Jfadjtherbergc  bat.  Der  Sinne  gemährte  fie  iluu  gerne,  „bodj", 
fefete  er  hu,3u>  „müßt  ihr  vorlieb  nehmen  unb  auf  ber  Cfenbanf 
fd)lafen;  benu  ein  SRett  habe  idj  nid)t".  Der  ^rembe  mar  bamit 
aufrieben  unb  trat  ein. 

SllS  er  nun  bie  befümmerte  sJ)2iene  feines  Wirtes  fah,  fragte 
er,  tvaS  ihm  beim  miberfahreu  fei,  ba§  er  fo  traurig  auSfebe,  unb 
ruhte  nicht  eher,  bis  er  ihm  alle  feine  Sorgen  mitgeteilt  hatte, 
^nbern  Köpfte  es  an  baS  ftenfter,  unb  ber  böfe  x)iad)bar  erfdnen 
}um  brittenmale  in  feiner  leufelsgeftalt.  „$Meib'  nur  tyex",  fagte 
barauf  baS  2Wännchen  $u  feinem  2£irt,  „idj  roerbe  fchon  alles  bc 
forgen"  unb  fdjritt  jur  Xh"rc  h",au& 

Draußen  vor  bem  .£)aufe  erhub  fid)  alsbalb  ein  fdjrecflidjes 
©efdjrei,  baS  aber  nach  fur$er  #eit  mieber  verftummte.  SBcftürjt 
eilte  ber  Sinne  hinaus,  fanb  jeboer)  nid)ts  als  ein  fdnvaraeS  Cchfenfell, 
baS  im  SÜegc  tag. 

ßbenbaber  unb  münbltcb  au*  Munoiu,  ÄreiS  ßammin. 


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304 


386. 

Senfe!  nl«  $fcrb. 

©in  Wann  an«  .ßebbtit  ritt  gegen  3lt?cnb  nad)  3Bollin,  um 
bort  ^ferbe  gu  tterfaufcn.  Unterweg«  gefeilte  fid)  31t  feinen  lieren 
ein  wunberfdjöne«,  fd>war$c«  »iofe.  Da  e«  Ijerreulo«  War,  liefe  er 
eS  mitlaufen  unb  bradjte  e«  in  SBollin  mit  ben  übrigen  ^ferben  in 
beu  Stall. 

?ll«  er  nun  am  anbern  Worgeu  feine  ^ferbe  uerfanft  ^atte, 
füllte  er  bie  Veute  in  ben  Stall,  um  aud)  ba«  fc^tvarje  i)io§  511 
befid)tigen.  ifllle  fanben  ba«  Sier  tabello«,  fo  ba§  e«  mele  Äänfer 
fanb.  ?llö  il)in  jebod)  ein  Wann  in  bie  Slugen  faf),  würbe  er 
gewahr,  bafi  biefelbcn  feuerrot  waren;  e«  fonnte  alfo  niemanb 
anber«  fein,  wie  ber  leibhaftige  STetifcf.  $ßie  er  aber  feinen 
Hameraben  biefe  ©ntbetfung  offenbarte,  entfprang  ba«  ^ferb  au« 
bem  Stalle  unb  mar  oerfdjwunben.  .f)ätte  man  tytn  brei  Äreuj« 
fnoten  in  ben  Sd)Wan$  gefdjlagen,  fo  Ijätte  ber  Teufel  ein  ^ferb 
bleiben  müffen  auf  immerbar,  bis  ifnn  jemanb  bie  knoten  lieber 
gelöft  l)ätte. 

9)lünfc(i$  au*  3ebbin,  ÄreiS  Gammin. 
387. 

£cufcl  (wir  einen  nlteu  Wann. 

(Sinft  lebte  in  92eint$  ein  alter  Wann,  mit  bem  niemanb 
gerne  etwa«  31t  tfyun  f)aben  mottete.  3iMe  nun  einmal  alle  tfeute 
be«  Dorfe«  branden  bei  ber  (Srnte  waren,  fuljr  eine  oierfpännigc 
tfutfd)e  in  beu  Ort  fn'netn  unb  t)ielt  bor  ber  £ütte  biefe«  Wanne« 
an.  ^urücffaljren  f*e  feiner  gefeljen,  unb  bod)  mar  fie  ver* 
fdjmunben. 

911«  bie  Dorfbewohner  am  Slbenb  bon  ber  Arbeit  tyeimfetyrten, 
fafjeu  fie  barum  in  ber  sÜJolmung  be«  SUten  nad),  unb  ba  ftanb  er 
mit  bem  Kopfe  nad;  unten  in  bem  Ofen  unb  mar  ganj  fdjwarg 
gebrannt.  Sd)neü  fdjaffte  man  einen  Sarg  herbei,  um  bie  ?eia)e 
möglicf/ft  balb  $u  beerbigen.  &Me  fie  aber  in  ben  Sdjrein  gelegt 
werben  foUte,  mar  fie  trofc  alle«  Sudjeu«  berfdjwunben.  Da  nalnn 
man  ftatt  be«  £oten  ^elbfieine  unb  paefte  fie  in  ben  Sarg.  Dod) 
aud)  jc&t  wollte  fid)  ber  $eufel*fpuf  nod)  nidjt  geben;  beim  fed)«« 


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?,or> 


äeljn  ftarfe  N]Jferbe  foimten  nur  mit  größter  51nftrengung  bentfeidjen* 
wagen  bi$  jum  ftriebljof  t)inauäfa?affen. 

OTünblicb  au«  9icmiH,  flreis  (5ammin. 

388. 

35er  ®rofjc*Stem  bei  ©rifroto.1) 

Der  ®roBc>  Stein  bei  ©riftow  ift  ein  redjter  Xeufclsftein. 
9113  93ifd)of  Otto  oon  Samberg  nämlidj  in  Gammin  bie  erfteSirdjc 
baute,  War  ber  £eufel,  irelcfjer  bamalö  in  bem  ©albe  oon  ©riftow 
Raufte,  auf  alle  ©eife  bemüht,  baö  ©erf  $u  aerftören.  ©r  warf 
beSfjalb  mit  Steinen  barnadj;  aber  ®ott  oert)ütete  eS,  baß  fie  if>r 
3ict  nidjt  erreichten.  Der  ©ro&e*Stein  nun  ift  and)  einer  t?on 
biefen  ftelSblöcfen,  ebenfo  wie  bie  bei  ©riftow  umfyerliegenbeu  Steine, 
unb  man  fagt  nod)  f>eute,  bafj  fie  ber  ÜEeufel  „geriütert"  f>abe. 

giebt  aber  aud)  i'eute,  bie  nifyS  oon  biefer  ©efdjidjte 
wiffen  wollen  unb  ersähen,  ber  Teufel  t)abe  gang  unb  gar  nid)ts 
mit  bem  ©rof}eu=Stein  gu  t^un.  Der  fei  trielmefyr  auf  folgenbe 
9Beife  in  ben  Kamminer  Sobben  gefommen:  Sor  Reiten  retteten 
3Wei  liefen  in  Schweben,  wer  wof)l  am  ftärfften  fei,  unb  jebcv  oon 
tynen  warf  einen  ftelsbtocf.  Der  Stein  beS  erften  fiel  in  ben 
SBobben,  wofelbft  er  nodj  fyeute  liegt,  unb  ift  eben  ber  @rofee= Stein. 
2Öot)in  ber  anbere  gefallen  ift,  rueife  man  nidjt  meljr  fo  genau  ju 
fagen.  Einige  behaupten,  er  läge  in  ber  Oftfee,  anbere  bagegen 
geben  an,  er  fei  nod)  Diel  weiter  geflogen,  wie  ber  ®rofce*Stein, 
unb  befinbe  fid)  irgenbmo  auf  ber  ^nfel  Söollin. 

SJlünblidj  au§  Gammin. 

389. 

Otto  oon  Samberg  unb  ber  Teufel. 

91(3  S3ifdr)of  Otto  oon  Stettin  $u  Schiff  über  ba$  £aff  sog, 
um  benen  in  Sollin  bag  Goangelium  gu  oerfünben,  war  ber  Teufel 
gerabe  guin  Sefudj  bei  feiner  ©rofjmuttcr,  in  ber  9Jäljc  beö  jefeigen 
Ottoberge«  bei  ©aulife.  Da  erhielt  er  mit  einem  Utfale  bie  Sot» 
fdt>aft :  „Der  Sifdjof  oon  Samberg  fommt,  um  bie  SöoUiner  31t 
befeljren". 

»)  ^fll.  baju  Sage  ttr.  28.9. 

20 


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306 


Sowie  mein  Xeufel  bie«  fjört,  nimmt  er  rafdj  bie  Schürte 
feiner  ©rofjmutter,  binbet  fie  fid)  um,  fra^t  in  ber  größten  £aft  fo 
oiel  @rbe  mit  feinen  $änben  jufammen,  al«  nur  in  bie  Sdntrje 
hineingehen  will,  unb  nun  gct^t'ö  fpornftreich«  quer  über  ba«  $elb 
nach  ber  dieoenow,  um  biefelbe  ju^ubärnmeu  unb  bem  93ifchof  Otto 
bie  durchfahrt  3U  oerfperren.  ftber  leiber  l>aüe  Großmutter« 
Schürte  ein  £oci),  unb  e«  war  uuterweg«  fo  oiel  (Srbe  herau«ge* 
fallen,  baß  ber  leufel  nicht  im  Stanbc  war,  bie  Durchfahrt  $u 
oerfperren,  er  fonnte  fie  nur  verengen,  darum  giebt'«  swifchen 
©aulife  unb  ber  ^nfet  ©ollin  fo  oiel  flache«  ©affer,  unb  ba«  Strom» 
bett  ift  fo  fdnnal,  unb  bic  Sdjiffe  müffen  fidj  recht«  unb  linf«  »in* 
ben,  wie  ein  Hai,  um  burd}$ufommen. 

Dod)  33ifd)of  Otto  fegelte  wohlgemut  burch  ba«  offen  getaffene 
iJoch  weiter  in  ben  ©olliner  Strom  hinein,  unb  ©Ott  fegnete  feine 
Arbeit  an  4>en  Einwohnern,  fo  baß  er  balb  auf  bem  größten  Raufen 
(£rbe,  ber  au«  be«  Xeufel«  Schürte  gefallen  war,  unb  ber  tyut 
ber  Cttoberg  genannt  wirb,  bie  erften  ©olliner  taufen  fonnte.  Stuch 
aeigt  man  in  ber  92%  be«  Cttoberge«  bi«  auf  biefen  Xag  bie 
Stelle,  wo  ber  Teufel  bie  (Srbe  in  feine  Schürte  gefragt  hat.  $efct 
ift'«  ein  Heiner  See  unb  wirb  ba«  Schwert  genannt. 

£a§  liebe  $ommerlanb.  III.  ©.  272. 

390. 

3>tc  toter  töaWeu. 

©«  war  einmal  ein  hartherziger  ©belmann,  ein  rechter  Scute* 
fchinber,  ber  nicht«  lieber  that,  al«  feine  Sauern  unb  Tagelöhner 
an  allen  (Scfen  unb  (Snben  ju  plagen  unb  31t  brütfen.  Sine«  Jage« 
oerfefcte  ihn  ein  geringe«  Vergehen  feine«  braoen  ©ärtner«  in  ben 
fürchterlichften  ßorn,  unb  er  fd)wur  mit  taufenb  @iben,  er  wolle 
ben  9ftann  mit  $)unben  au«  feinem  $)ofe  hefeen  unb  ihn  nie  wieber 
gu  ©naben  annehmen,  wenn  er  ihm  nicht  ben  großen  33anm  oor 
bem  Schlöffe  innerhalb  jwei  Stunben  fällen  unb  cor  bie  Xhüre 
fchaffen  würbe. 

der  arme  ©ärtner  weinte  bie  bitterlichften  ^ränen.  92ie* 
manb  burfte  ihm  h^fen,  ^ferbe  ober  Cdjfen  ftanben  ihm  nicht  $u 
©ebote,  wa«  fein  £err  oon  ihm  »erlangte,  war  alfo  ein  ding  ber 
Unmöglichfeit.   Schon  war  eine  Stuiibe  oergangen,  unb  immer  noch 


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807 


fag  ber  unglücflidje  2)ianu  ratio«  unter  beut  mädjtigen  Saunte,  a(« 
plöfelidj  et«  ©efätjrt  auf  tyn  gu  fuljr,  mit  üier  lofylfdnuarseu  Wappen 
befpannt  unb  oon  einem  flehten,  grauen  si)fäuntf}en  mit  langem 
»arte  geleitet. 

„Sillft  bu  ben  Saunt  mit  ober  ofme  bie  Sudeln  auf  bas 
8cfyloB  gebraut  Ijaben?"  fragte  ber  ®raue,  unb  elje  er  ttod)  bie 
Slntmort  be«  ©ärtuer«  abgewartet  Imtte,  tjolte  er  fdjou  eine  ^öljerne 
$arfe  Ijeroor  uub  fcfylng  bantit  runb  um  ben  etamm  auf  ben  (£rb= 
boben.  6ogleid>  ftürgte  ber  Saum  um,  unb  nur  ein  Würgeldjen 
haftete  nodj  in  beut  ©rbreid}.  „Sie  iBurgel  mußt  bu  burd)fd)lagcn, 
baju  bin  idj  nidjt  im  ftanbe",  Imb  ba«  <D?ännd}en  oon  neuem  an, 
unb  ber  Gärtner  geborgte  fdjroeigenb  unb  fdmitt  fie  mit  ber  2l$t  burdj. 

darauf  ergriff  ber  (Tratte  ben  Saum  mit  beiben  ^änben, 
warf  tyn  auf  ben  Sage»  uub  trieb  bie  oier  Stoffe  an.  2lber  bie 
Vaft  mar  ityiteit  311  ferner  unb  fie  tonnte«  niebt  oon  ber  Stelle. 
$mi,  toie  fauften  ba  bie  ^eitfa?cnfd)läge  auf  il>rc  £d)enfel  unb 
Warfen,  unb  ba«  Ijalf  audj;  benn  nun  raften  bie  Xiere,  inbem  fie 
fyelie  freuerflammcM  au«  ben  Lüftern  Miefen,  mit  bem  Sagen  ben 
Serg  lunauf,  burdj  ben  Xfyormeg  auf  ben  ^djloßpla^,  roo  fie  sit* 
tcrub  uub  bebenb  oor  ber  «*pau«tf)ür  ljuttmadjten. 

$er  ebelmann  flaute  gerabe  3um  ftenfter  Ijerau«,  alö  bie« 
gefd)af>,  unb  mar  üor  edfreef  roic  oerfteinert.  „£d)öne  ^ferbe, 
nidr)t  maln?"  rief  ba«  graue  sJWänndjen  51t  tfjm  hinauf;  „Iner,  bie 
beiben  finb  bein  Sater  unb  beine  SDhttter;  unb  bie  Sorberpferbe, 
ba«  ftnb  beute  ©ro&eltern.  Senn  bu  unb  bein  Seib  eud>  nidjt 
beffert,  fo  merbe  id>  rool)l  balb  mit  fedtfen  fahren".  Sprados  unb 
»erfcfytoanb,  unb  mit  if)m  oerfdjtoanben  bie  un^eimlidjen  Mappen 
unb  ber  Sagen,  fo  baß  allein  ber  entiourjelte  Saum  oor  ber  £au«* 
tf>ür  nod)  au  ba«  graufe  (Sreigni«  erinnerte. 

£>er  ebelmann  nat>nt  fid>  bie  Sad^e  fefyr  51t  ^ergen  unb 
marb  oon  Stunb  an  ein  neuer  flttcnfay  £>cm  Gärtner  aber  fa)enfte 
er  feine«  $>of  3unt  freien  eigen,  unb  ber  lebte  barattf  glütflid)  unb 
aufrieben  fein  lebelang.         Miinblicp  ou$  itunoio,  Ärci*  (Jammin. 

391. 

$cr  Jeufei  freUt  tänjern  unb  Spielern  itad). 

$u  Ärafeig,  im  Streife  ftiirftentum,  taugten  bie  Siirfd)ett  mit 
bc«  ^äbdie«  in  milber  Vnft  imb  Ijaüen  auf  biefe  »Weife  fdjou  beu 

2<k 


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308 


größten  Xeil  ber  ^acbt  gugebracfyt.  Da  öffnete  ftd)  bie  £f)ürc  unb 
herein  trat  ein  fdjmucfer  Offizier.  Die  2Rufifanten  fpiclten  gerabe 
gum  Damenpolfa  auf,  unb  eins  oon  ben  ÜHäbd)en  ging  audj  fogtetc^ 
auf  ben  ftattlicfyen  ftrembling  gu  unb  forberte  iljn  für  fid)  gum 
länger.  Der  Offizier  war  bagu  bereit  unb  taugte  fo  fdjön,  wie 
fein  anbrer  in  ber  ©efellfajaft-  Slber,  als  bie  Üttufif  gu  ßnbe  war, 
führte  er  nicf>t,  wie  bie  anbern  alte,  fein  üWäb^en  wieber  auf  tyren 
^lafe,  nein,  er  wirbelte  fie  immer  fd>ueller  im  Äreife  §erum  unb 
tjörte  trofc  tyrer  bitten  nidjt  auf,  fo  ba§  fie  nalje  baran  mar,  atem» 
loS  gufammen  gu  bredjen. 

Oefet  warb  ben  beuten  unheimlich  gu  ÜKute,  fie  fa^en  ge* 
nauer  gu  unb  würben  gewahr,  bajj  ber  frembe  |>crr  fein  anberer 
fein  fonnte,  als  ber  Xeufet  felbft;  benn  er  hatte  einen  OHenfchen^ 
unb  einen  $ferbefu§.  Da  überfiel  fie  JobeSangft,  unb  bie  üflufi* 
tonten  fm'etten  in  ihrem  Scheden  ftatt  ber  leichtfertigen  Sangweifen 
ben  Ghoral:  „Der  lieben  Sonnen  Vicht  unb  bracht".  Dag  tyclt 
ber  $ofe  nicht  auS;  er  entflog  unb  fuhr  gum  Jenfter  tymau*,  ri§ 
aber  babei  bein  armen  3Käba)en  ein  großes  Stücf  aus  ihrem 
§interteil  heraus,  ba§  ihr  oon  ber  £eit  an  jebe  t'uft  gnm  Jangen 
für  alle  $cit  grünblich  oerborben  war. 

DaS  genannte  ©efangbucbslieb  f>at  noch  in  oielen  anberen 
gälten  feine  guten  Dienfte  getrau.  Qn  bem  Dorfe  tiefer  im  Steife 
ttaugarb  fyielen  brei  Surften  Starten.  Stammt  ein  oierter  bagu, 
ben  niemanb  fannte.  (Sr  oerlangt,  mittelen  gu  bürfen,  unb  eS 
wirb  ihm  auch  gewährt,  Wd>t  lange  barauf  öffnet  fich  bie  Sln'ir, 
unb  ein  mächtiger  Odjfe  fa^reitet  auf  ben  Hinterbeinen  herein.  Da 
erfennen  fie,  bajj  fie  mit  bem  Icufel  Starten  gefpielt  Ijabeit,  fingen: 
„Der  lieben  Sonnen  i'ict/t  unb  bracht",  unb  bie  beiben  böfeu 
©eifter  fahren  gum  ftenfter  ^inauS  auf  Mmmermieberfehen.  Sie 
haben  bei  biefer  Gelegenheit  jeboch  baS  ftenfterfreug  mit  ^erauSge* 
riffen,  unb  fein  2)ieufd>  ift  bis  auf  ben  heutigen  lag  im  ftaube 
gewefen,  baSfelbe  wieber  eingufügen. 

(Sin  anbereS  üttal  würbe  in  ftrafeig  ber  Teufel  oon  ben  Spie* 
lern  baran  erfaunt,  bajj  einer  oon  ihnen,  als  er  fich  unter  ben  £ifch 
büefte,  beS  ^fevbefujjeS  aufidjtig  würbe.  Wan  fang  ben  Choral, 
unb  ber  SBöfe  oerbuftete  unter  Grgcugung  eines  fo  abfajenlia)eu 
©eftantes,  bajj  eS  in  ber  Stube  ein  ganges  ^afn-  lang  fein  sJKenfaj 
auSgu^alten  oermodjte. 


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309 


Söet  betn  fdjon  oben  erwähnten  $orfe  Äicfer  nahmen  ber 
Teufel  unb  feine  ©roftmutter,  bie  ein  gottlofer  ©utsbefifeer  ber  bor* 
tigen  ®egenb  unter  bem  SluSflofeen  gottesläfterlidjer  ^lüc^e  gu  fidj 
jum  äartcnfpiel  geloben  Ijatte,  ben  ©rfftein  be8  £>errenf)aufe8  mit 
ftd)  fort,  at§  fie  burdj  ba$  V'ieb:  „£er  lieben  Sonnen  Vic^t  unb 
^rod)t"  in  bie  ftlüdft  gejagt  waren.  9lua^  biefen  Stein  tyat  nie* 
ntanb  wieber  einfefcen  fönnen.  ©aS  am  Jage  gearbeitet  würbe, 
fiel  in  ber  9iac6t  wieber  jnfammen. 

SJtünblicb  au$  Ärafeia,  Äreis  gürftentum,  unb  Äidcr,  ÄreiS  91aunarb. 

392. 

$er  Sdjat?  tu  £a#g. 

3n  bem  25orfe  Vafeig,  welches  etwa  eine  9Hcite  oon  &ö$lin 
entfernt  liegt,  foll  hinter  ber  fyerrfdjaftlidjen  Sdjeuue  ber  $öfe  um^ 
getjen.   3?or  ungefähr  awanjig  $afyren  foielten  bort  einige  ftinber. 

ftd)  ber  eine  $unge  hinter  biefer  Sd/eime  oerfterfen  wollte,  fat) 
er  bort  eine  SKenge  ©olb-,  Silber-  unb  föuofermiinjen  aufgellt 
liegen.  ®an$  erftannt  rief  er  ba  au$:  „Ach  du  meines,  wat 
vöa  völ  Jild!u  Äanm  fyatte  er  aber  biefe  ©orte  gefagt,  fo  war 
aud)  fdjon  alles  njieber  oerfd)wunben.  ^ur  brei  Äupferbreier,  weldje 
ber  Änabe  nodj  fdmell  mit  ber  §anb  aufgerafft  fyatte,  finb  oon  bem 
Sdjafee  gerettet.  XHefe  üttünjen  befinben  fid)  bis  auf  ben  heutigen 
Jag  in  bem  ©efife  ber  ftamilte. 

^tünbliaj  au«  Äta&ifl,  Är.  gürftentum. 

393. 

$te  Sri|hfcr$todjtcr. 

3n  ganj  Bommern  ergäbt  man  fidj  bie  Sage  Don  einem 
Sdjäfer,  beffen  Jooster  oor  ber  $>od)$eit  $u  breien  2WaIen  nieber- 
gefommen  war.  Um  ber  Sdjanbe  ju  entgegen,  fyatte  fie  bie  armen 
Sürmer  umgebradjt  unb  trat  barum,  als  fie  fid)  enblidj  mit  einem 
braöen  93urfd)en  oermäfylte,  breift  in  bem  grünen  ©Ijrenfrange  oor 
bie  £od)3eitSgäfte.  Dod).  ©otteS  wunberbare  Fügung  Ijatte  ein« 
ber  brei  tiinber  am  Veben  erhalten,  unb  baS  erfd)ien  nun  wäljrenb 
beS  SDia^le«  oor  ber  SWutter  als  Kläger  wegen  beS  breifadjen 
SWorbeS.    $ie  SdjäfcrStodjter  legte  fid}  auf's  Veugnen  unb  rief: 


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310 


„Senn  meine  Sorte  nidjt  tualjr  finb,  fo  fjole  mitfe  jur  Stunbe  ber 
Teufet!"  Sannt  fjattc  fic  auSgefprodjcn,  fo  erf  du"  cn  ber  SBöfe  unb 
naljm  fic  mit  fidj. 

Diefe  Sage  wirb  in  ber  SöSuner  ©cgenb  nod)  bis  auf  ben 
heutigen  Jag  als  $o(f$(ieb  gcfungeu: 

©8  trieb  ein  Sdjäfcr  oben  In'nanS, 
©r  trieb  n?o^  in  ben  grünen  Salb. 

(Sin  Sinblein  fjört  er  fdjreien. 

,3d)  Ijbr'  bidj  fdjreien,  aber  fef)'  bid)  nid)t.' 

,,3d)  bin  im  fjofjlen  Saum  oerftetft, 
iDiit  Dorn  unb  Difteln  $ugebecft." 

,Scr  ^at  bid)  benn  barin  gefpetfi?' 
„mdj  f>at  gefpeifi  ber  fettige  <&eift. 

31  d)  Schäfer,  nimm  mid)  mit  nad}  .'pauf, 
Deine  Jodjtcr  foll  meine  SDlutter  fein." 

,Sie  fann  fie  beine  sJJhitter  fein, 

Sie  trägt  ja  fyeuf  ben  grünen  Äranj?' 

„Xrägt  fie  ja  fyeut'  ben  grünen  £ran$? 
Drei  Sülmeteiu  f>at  fie  geboren: 

Den  einen  Ijat  fie  in'3  2)2eer  geworfen, 
Den  anbern  in  ben  3)?ift  gegraben, 

Unb  midj  im  bohlen  93aum  oerftetft, 
Sliit  Dom  unb  Dtftetn  jugebedt."  — 

Gr  natun  baS  Äinb  n?ofyt  auf  ben  3lrm 
Unb  ging  bamit  öor'ö  .§o(focitß$au«. 

„(Muten  Jag,  guten  Xag  tfyr  .^od^eitägäft'! 
.frier  fifet  meine  SDhMer  im  Sinfel  feft." 

„„Sie  fann  id)  beine  2)Jutter  fein? 
$d)  trag'  ia  fyeut'  ben  grünen  Shanä."" 

„£rägft  bu  ja  Ijeut'  ben  grünen  Äranj? 
Drei  Söfmetein  l)aft  bu  geboren: 

Den  einen  tjaft  bu  in'ö  9)?eer  geworfen, 
Den  anbern  in  ben  ÜHift  gegraben, 


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311 


Unb  midj  im  ^oljlen  Saunt  oerftecft, 
2)?it  Dorn  unb  Difteln  gugcbcrft." 

„„(Ei,  fo  rooÜY  id),  bafj  ber  ftucfucf  fäm' 
Unb  mir  bcn  grünen  #ran$  »egn^m'."" 

35er  Shtefucf  »or  bem  ftenfter  fajj 
Unb  tyr  ben  grünen  Ärang  abnahm. 

Sie  fetyrie:  „„£)  toety,  mein  maifeS  .£>er$!"" 
«Sie  fdjrie:  „„£)  toefj',  mein  waifeä  $er$! 

|)ätt'  id)  ba8  Sinb  mit  fliedjt  geboren, 
So  mär'  id>  nimmermehr  Oerforen. "" 

'Jtünblift  au3  tfrafcig,  ÄreiS  ftürftetitum. 
394. 

Sauer  tmU  ben  teufe!  berrttgeu. 

Sin  Sauer  war  in  feiner  SBirtföaft  fetyr  tyeruntergefommen 
unb  machte  in  feiner  9?ot  mit  bem  Xeufel  einen  ^aft.  $ülfe  tym 
ber  Söfe  ein  ooüeS  3af>r  reblidj,  fo  folle  er  bafür  feine  Seele  be* 
fommen.  $)er  Xeufel  ging  auf  ben  .ftanbel  ein  unb  Ijielt  audj 
Söort.  2113  nun  baö  3a$r  um  mar  unb  ber  93öfe  bie  Seele  be« 
2ttanneS  mit  fi$  in  bie  |)öUe  nehmen  mollte,  braute  tym  biefer  einen 
großen  Raufen  Stroljfeile  oon  ben  Stroljbünben,  meldje  er  beim 
|>ä(ffelfdmeiben  oerbraudjt  fyatte,  unb  fagte,  er  I)abe  nidjt  „Söleu 
fonbern  „S6ileu  Otrftanben. 

$er  Xeufel  mar  barüber  feljr  ärgerlidj,  liejj  fid)  aber  fdjliefjlid) 
bodj  bereben  unb  mad)ie  einen  neuen  tyatt  mit  bem  95auern  auf 
bie  gleiten  Sebingungen.  311$  biefer  nun  nodj  3al>re*frifi  mit 
berfelbcn  21u$rebe  tarn,  antmortete  ber  SBöfe:  „Diesmal  laffe  idj 
feine  @ntfdmlbigungen  gelten!"  unb  flog  mit  ber  Seele  baoon. 

6benbcü>er. 

395. 

$a0  ftonrraftbuaj  bcö  teufclö. 

Der  £eufel  ging  einft  in  ÜWenfdjengeftalt  burd)  ba$  fanb, 
unb  ba  gerabe  grofje  Neuerung  mar,  fo  rebete  er  ben  Veuten  alter» 
Ijanb  oor:  Die  Reiten  feien  fdjledjt,  fie  tonnten  nidjt  redjt  leben. 


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312 


«Run  brausten  fic  fia?  nur  in  feinem  93ud)e  unterfdjreiben,  bann 
mürbe  er  fie  aüe  reicfy  machen. 

£o  fam  ber  Teufel  audj  $u  ^tm  armen  liidjler  nnb  for 
berte  ifjn  auf,  feinen  Manien  in  ba£  $ud)  einzutragen,  tiefer 
almte  aber,  baf?  eS  ber  33öfe  fei,  nnb  antwortete,  er  möge  ba$  33ucfi 
boa)  ein  menig  liegen  laffen,  im  Slugcnblitf  fyabe  er  nia^t  red)t  ^eit, 
uadjfjer  aber  Nolle  er  fogleicfy  imteraetdjnen.  $er  33öfe  wollte  fidj 
anfangs  nidjt  barauf  einlaffen,  fdjlieftlidj  liefe  er  fid)  jcbo<ty  über* 
reben.  3>er  SDfann  aber  na^m  ba$  93ud)  unb  f abrieb  hinein:  DaS 
33lut  ^efu  ßlnifti,  beö  £olmeö  ©otteS,  madjt  und  rein  oon  aller 
£ünbe.  1.  $o^.  1,  7. 

3118  ber  Jeufel  nun  juriuffam,  tonnte  er  ba$  Sud)  nicfyt 
oom  £ifdje  aufgeben,  fo  fefyr  er  fid)  and)  anftrengte.  Gr  mu&te 
baöfelbe  im  SJefifc  bes  lifdjlcr*  laffen,  unb  aüe  bic,  roetc^c  fid) 
fdwn  untertrieben  Ratten,  waren  auf  biefe  Seife  nod)  einmal 
gerettet.  (fbcntxiber. 

300. 

Sdjäfce  bei  9ii#fl. 
L 

$ei  9?ifeig  ijatte  man  oft  ©elb  brennen  feljen,  unb  ein  «Wann 
befdjlofe,  baöfclbe  Ijeraussulefen.  Seil  nun  gum  ^djafelefen  breijclm 
^erfonen  nötig  finb,  naf)m  er  ^roölf  teilte  mit,  befdjrieb  um  ben 
Crt,  wo  baS  ©elb  immer  gebraunt  Ijatte,  mit  bielen  Ärcujen  einen 
itrete  unb  [teilte  fia)  mit  feinen  ©enoffen  hinein.  3>orf)er  ermahnte 
er  biefclbcn  nod)  einbringlid),  ja  nidjt  51t  fprcd)en  ober  aus  bem 
Äreifc  Ijerau^utreten. 

9Jad)bem  bie*  alleö  geföefyen  mar,  begann  er  in  einem  93ud)e 
3u  lefen,  unb  ber  Teufel  muj?te  felbft  ben  Sd)afe  tyerbeifölewat; 
bod)  fitste  er  auf  alle  Seife  einen  uon  ben  edjafegräberu  über 
ben  Äreiö  ju  bringen.  Gr  fufyr  an  einen  nad)  bem  auberu  Ijeran 
unb  rief:  „Üat  Jild  schall  jü,  äwer  ein  von  juch  wick  ml 
neme.u  Die  beiben  erften  liejjen  fid)  burdj  biefe  $rolmngeu  nidjt 
fd)recfen;  alö  aber  ber  SBöfe  511  bem  britten  fagte:  „Sö,  di  krij 
ik  doch  ganz  gewis,u  ba  geriet  biefer  bermafcen  in  fturcfyt,  bafe 
er  umfiel  unb  mit  bem  Stopf  au$  bem  Ärcife  tjerauäragte.  3n 
bemfelben  SUigcnblicf  waren  aber  audj  Icufei  unb  Sdjafe  Oer* 
fa)wunben. 


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313 


1 1  ♦ 

©in  anberer  332ann  ging  cinft  beö  ^iadjtS  über  bie  föifeiger 
ftelbmarf  unb  faf)  bort  etwas  brennen.  Sofort  vermutete  er,  e$ 
fei  ein  SdjatJ,  unb  fdwell  eutfdjloffen  warf  er  fein  Üreujmeffcr  in 
bie  flamme  nnb  eilte  bann  fdjleunigft  in  feine  SSoImuug  ^uriirf. 
sßHe  er  fid)  nun  am  anbern  borgen  wieber  auf  bie  Stelle  begab, 
fal)  er  fein  SWeffer  auf  einem  großen  Raufen  ®elb  liegen.  (Srfreut 
über  ben  reidjen  ^-unb  fdjrie  er  laut  auf;  ba  war  oou  bem  Sdjafc 
mit  einem  sJ0iale  nichts  mebr  $n  feljen,  nur  baS  Keffer  lag  nodj  ba. 

3mmerf)iu  ging'S  iljm  nod)  beffer,  wie  einem  dauern  aus 
bemfelben  Dorfe,  ber  geitlebenö  üiel  Don  Sdjäfcen  gehört,  aber  nod) 
niemals  welche  31:  ©efid)t  befommen  tjattc.  (Snblid)  faf)  er  eines 
^iad)ts  auf  bem  Jelbe  einen  3c^a^  brennen,  fttog,0  30g  er  feine 
neuen,  ljirfdjlebernen  $anbfd)ul)c  von  ben  $änben,  warf  fie  auf  bie 
glütyenben  Holsen  nnb  eilte  nad)  ,£aufe.  ?lm  anbern  borgen  lagen 
3n?ar  bie  $tof)len  nod)  immer  auf  berfelben  Stelle,  aber  bie  $aub< 
fdnifjc  waren  311  ^Ifct^c  verbrannt;  benu  ber  t>ermeintlid)e  Sdjafe  war 
nur  ein  öerglimmenbeS  ,£irtenfcuer  gewefen,  weldjeS  bie  Hütejungen, 
um  fid)  $u  wärmen,  am  ?lbcnb  auf  ben  Stoppeln  augesiutbet  Ratten. 

Münblitt)  au*  Wfeia,  Ärciö  3a>icfflbcin. 

3<J7. 

(vöclmann  (jebt  einen  Srfjaty. 

(Sin  (Jbelmann  Ijattc  fo  mel  Sdjulben,  bafe  er  uid)t  wußte, 
wie  er  fid)  oor  feinen  ©laubigem  retten  folltc.  Da  würbe  itym  er- 
ääljlt,  in  ber  vJfäf)C  feines  ©utcS  fei  ein  Sdjafc  uergraben;  bod)  ber 
Xeufel  madje  ben  ®elbfaftcn  fo  fdjwer,  baj?  ifyn  bis  jefct  fein 
iÖJeufd)  fjabe  f>erauSl)eben  fönnen. 

Der  ,£)err  bang  nun  Diele  Arbeiter,  ließ  ein  großes  ©erüft 
bauen  unb  begann  mit  oHafcfyen&iigen  ben  Sdjafc  in  bie  $)öf)e  31t 
winben.  Der  33öfe  fudjte  baS  Scrf  auf  alle  $>eife  311  vereiteln. 
Gr  erfdjien  mit  feinen  ©efellcn,  errichtete  über  bem  0>erüft  einen  (Balgen 
unb  ftür^te  fid)  bann  auf  einen  Srfjafcgräber  nad)  bem  anbern,  in» 
bem  er  fo  tfyat,  als  wolle  er  fie  anbenfen.  Dod)  bie  Vcute  er^ 
fdjrafeu  unb  fpradjen  nid)t,  beun  ber  £)err  fyattc  iljneu  üorfjer  baS 
größte  Stillfdjwcigen  befohlen  unb  babei  offenbart,  baß  in  2iMrflid)= 
feit  ber  Xeufel  feinem  etwas  angaben  bürfe. 


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314 


Sctyrenb  ber  93öfe  burdj  fein  93lenbmerf  bie  SWönner  ju 
tauften  fitste,  las  ber  #err  eifrig*  in  einem  aufgefd&lagen  oor  tym 
liegenben  ©ebetbudje,  bis!  ber  Mafien  über  ben  9ianb  ber  ©rube 
getuunbeu  war.  T)a  mar  es  and)  mit  beS  Teufels  3Had>t  über  ben 
£cf>afe  au«,  nnb  er  oerfdjmanb.  Der  .f)err  aber  bejahte  mit  bem 
©elbc  feine  Sdmtben  unb  behielt  uod>  fo  Diel  übrig,  ba§  er  fortan 
forgenfrei  leben  fonnte. 

Gbenbofcet. 

398. 

$er  Ofifdjer  unb  ber  Teufel. 

Die  ®egenb,  in  ber  bie  Dörfer  Buborn,  ftafom  unb  tiefer 
liegen,  Ijeifjt  allgemein  ba«  Satansireid) ;  beim  fner  Ijat  ftet)  eine 
Unja^l  üon  Tcufel$gefd>ia>n  augetragen. 

Ginft  fifa^te  ein  armer  ftifdjer  auf  bem  tfubonjfec  unb  fonnte 
nichts  fangen.  Traurig  fefete  er  ftdj  an  ben  3tranb,  als  ein  feiner 
fterr  au  tyn  herantrat,  um  ^ifdje  ju  faufen.  Söie  er  biefem  nun 
feine  s)lot  flagte,  bafe  er  nidjt  einmal  jutn  (Sffeu  genug  tyabc,  for* 
berte  ilm  ber  ftrembe  auf,  oon  neuem  au*jutterfcn.  9fad)  langem 
^ureben  tl>at  baS  ber  &ifd>er  aud>,  nnb  ba$  *)Ut$  fdjien  mieber 
ganj  leicht;  als  er  eS  jebod>  in  bie  £öf)e  bradjte,  mar  e$  ooll 
großer  unb  Keiner  ftifdje. 

darauf  fagte  ber  ftrembe,  fo  oiet  follft  bu  täglid?  fangen, 
menn  bu  mir  beinen  merjätjrigen  Solm  an  bem  Tage,  ba  er  jwötf 
ftatyre  alt  mirb,  übergiebft.  Der  3J?ann  fafy  mol>l  ein,  bajj  er  e$ 
mit  bem  Sööfcn  flu  tyun  &abe,  unb  zögerte  lange;  bann  ermog  er 
aber  mieber  feine  grofce  Sirmut,  unb  fo  ging  er  fdjliefelidj  ben  <ßaft 
ein  unb  nnterfdjrieb  eine  Schrift  mit  bem  eigenen  State. 

SBon  nun  an  mürbe  ber  $ifd)er  mit  jebem  Tage  reifer,  unb 
ba  er  fonft  einen  guten  VebenSmanbel  führte,  mar  er  aud)  all* 
gemein  geartet.  @o  »ergingen  einige  ^aljre.  Der  junge  @otm 
beS  ftifdjer«  mar  inbeffen  ein  frommer  unb  fluger  Änabe  gemorben, 
an  bem  alle  t'eute  tyre  ftreube  Ratten,  ^e  älter  ber  ©ofm  aber 
mürbe,  um  fo  trauriger  mürbe  ber  93ater.  fragte  man  tyn,  marum 
er  fo  betrübt  fei,  fo  gab  er  ftetö  jur  Slntmort:  „Dit  is  alles  gaud, 
äwer  wenn  dat  nich  so  waer,  as  dat  isu. 

«eine  £rau  unb  ber  $uuge  Imtten  tyn  fd>ou  oft  gequält, 
ma«  er  bamit  befagen  moüe,  maren  aber  immer  fetyroff  jurütfgemiefen 


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315 


morben.  91(8  ber  SoIjn  nun  in  baS  jmölfte  $ar/r  fam,  unb  ber 
^ater  tuteber  einmal  aufrief:  „Dit  is  alles  recht  gaud,  äwer 
wenn  dat  nich  sö  waer,  as  dat  isw,  ba  fagte  ber  Änabe: 
,,3>ater,  entmeber  bift  bu  ton  ©innen  ober  baö  ift  ber  Xeufel". 
Da  tonnte  ber  ^ifc^cr  fein  Geheimnis  nid)t  länger  ^nrücf^alten  nnb 
erjagte  bie  gange  ©efdjidjte. 

Dod)  bereinige  mar  gar  nid)t  traurig barüber,  fonbern  lachte, 
mie£  auf  fein  ^unterteil  unb  fagte:  „3*  fmbe  ben  äontraft  utcfyt 
gemacht;  bir  fann  ber  £eufel  uid)t$  angaben,  unb  mid)  fann  er 
nirfjt  Ijofen."  (Sr  erjäf)lte  barauf  bie  Sadje  bem  Veljrer  unb  ber 
mieber  bem  ^aftor.  tfetyterer  meinte  nun,  fo  gang  einfadj  märe  ba§ 
bod)  nid)t.  Der  ftnabe  foHc  ein  Stücf  au«  bem  Sitten  Üeftament 
unb  einö  auö  bem  9>ieuen  ausmenbig  lernen,  an  feinem  brennten 
Geburtstage  in  bie  Sirdje  gelten,  fid)  mit  ber  SBibel  oor  ben  SUtar 
fefcen  unb  bie  beiben  3lbfd)nittc  lefen.  @r  folle  fid)  aber  lütten,  ia 
nid)t  bem  Teufel  auf  bie  erfte  $ra9c  5U  antworten. 

Der  ^unge  tyat  fo,  mie  ilnn  ber  *ßaftor  befohlen  fyatte,  unb 
gu  bcrfelbcn  Stunbe,  mo  er  oor  jmölf  ^aljren  geboren  mar,  trat 
ber  leufel  in  bie  ftird)e  hinein  unb  fragte  if)n,  ob  er  mitfommen 
molle.  3113  er  hierauf  feine  Slntroort  erhielt,  fragte  ber  Teufel 
meiter,  roaS  er  beim  tfyuc.  Da  la$  ifnu  ber  ^unge  bie  beiben 
SBibelftücfe  oor  unb  fagte  fobann:  „Du  bummer  Teufel,  jefet  merbe 
id)  bir  breisJ?ätfel  aufgeben:  „2Baö  ift  füper  beim  £onig?"  .  .  .  . 
(Die  beiben  anbern  iMätfel  maren  bem  -ÖJanu,  ber  bie  Sage  er- 
3ät)lte,  entfallen).  Haunft  bu  biefe  in  einer  falben  Stunbe  raten, 
fo  mill  id)  bir  angehören."  Die  #eit  mar  oerfloffeu  unb  ber  53bfe 
fyatte  fein«  Oon  ben  Wätfeln  erraten,  iliief  ber  ^uuge:  „Du 
bummer  Teufel,  nad)  ber  Slvbeit  ruljen  ift  füfcer  beim  .£)ouig." 

üttitt  lern?  eile  mar  jebod)  bie  Stunbe  üerftoffen,  in  meiner  ber 
Ööfc  bem  ftnaben  etmaö  antjabeu  tonnte,  unb  er  mußte  mieber  in 
bie  .$öllc  3urürf;  ber  ^unge  aber  mar  gerettet. 

libenbaber. 

31)9. 

Tic  großen  Steine  bei  $rofc$nd)om  mtb  $urjtaff. 

91uf  bem  3'CiDC  17011  Groß  2tyd)om,  füböftlid)  von  SÖelgarb, 
fieljt  man  einen  ungeheuer  großen  Stein,  ber  ebenfo  tief  nod)  in 
frer  (Srbe  liegt,  alö  er  über  berfelben  ergaben  ift.   Seine  §öf>e 


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31ii 


beträgt  aber  neun  £uß;  oben  ift  er  ganz  platt,  intb  nadj  9?orbofien 
Zu  bac^t  er  fidj  fdjrä'g  ab.  Gr  ift  fo  groß,  bog  man  bicrunb; 
fünfzig  Stritte  machen  muß,  trenn  man  ritnb  um  tbn  fyerum  getjen 
will,  unb  bie  ^fu^rleute  fagen,  man  Tonne  mit  einem  SMergefpann 
oben  auf  feiner  platte  umwenben.  ©in  anberer  großer  Stein  lag 
früher  bei  bem  ftorfe  Söurzlaff,  weldjeS  eine  gute  Strede  oon 
Öroß«Xtydww  entfernt  ift.  25on  biefen  beiben  Steinen  erjagt  man 
fid),  ber  Üeufet  I)abe  fie  bafyin  geworfen,  unb  ba$  foü  fid)  fol* 
genbermaßen  zugetragen  fmben. 

$n  ®roß'XDdww  lebten  einmal  .fterren,  bie  mit  bem  Teufel 
einen  ^aft  mannen  unb  fid)  ilmi  oerfdjrciben  wollten.  3U  ^em 
3wecfe  Ratten  fie  fid)  fdwn  mit  bem  SBöfen  näber  eingelaffen,  unb 
ber  Imtte  if)nen  oiel  ©elb  unb  Wut  öerfprodjen  unb  fie,  um  bie 
Sadje  in«  reine  zu  bringen,  in  einer  Wadjt  nad>  3abfow,  cjn,a 
eine  Drciüiertelmeile  oou  ©roß»!tö(bow,  befteUt.  £)ort  follten  fie 
ibn  auf  bem  großen  Steine  treffen,  ber  bidjt  bei  bem  t)orfc  tag. 

2113  aber  bie  betreffenbe  .  :)iadjt  beranfam,  ba  mürbe  ben 
£öd)ower  Herren  bie  ©efdjidjte  bebenflid),  unb  fie  fafjen  ein,  eine 
wie  große  Süube  fie  gegen  ben  lieben  ®ott  zu  begeben  oorbätten. 
Sie  ließen  bafjer  ben  ^Jriefter  gu  fid)  rufen  unb  öertrauten  itynt 
ifjre  sJiot  an  unb  baten  if>n,  baß  er  ftatt  ibrer  zu  bem  großen  Stein 
nadj  3abfow  gefyen  unb  bem  Üteufel  fagen  mödjte,  bie  Sad)e  fei 
ibnen  roteber  leib  geworben.  £er  ^aftor  mar  ein  frommer,  fluger 
3J?ann  unb  übernahm  ben  $)anbel.  (Sr  fällig  ein  Äreug  unb  bat 
ben  lieben  ©Ott,  baß  er  Hjm  beifteljen  möge,  unb  bann  madjte  er 
fid)  in  ber  bezeichneten  9Jad)t  woblgemut  auf  ben  $öeg  ju  bem 
Steine. 

9lllba  traf  er  ben  Jeufel,  ber  fdwn  auf  bie  £tjdjower  Herren 
wartete.  35er  ®eiftlia)e  batte  anfangs  »orgeljabt,  bem  SBöfen 
gerabe^u  bie  ©efd)id)tc  511  erzählen  unb  Um  auö  ber  ©egenb  51t 
bannen;  aber  wie  er  fo  gang  allein  oor  Üjm  ftanb,  fo  oerging  ifym 
bod)  fein  3)?ut,  unb  er  fab  ein,  baß  e£  beffer  fei,  ^ur  t'ift  feine 
^uflit^t  511  nehmen.  (Sr  madjte  alfo  bem  Xenfel  allerlei  hinten 
oor,  Worauf  biefer  nid)t  recfyt  flug  werben  tonnte.  Unb  bamit  tyielt 
er  ilm  auf,  unb  bie  £eit  oerftrid),  biö  auf  einmal  ber  .$al)n  in 
^abfom  zu  fräben  begann. 

X'a  merfte  ber  Teufel,  baß  er  betrogen  war,  unb  Doli  3orn8 
warf  er  bem  ^riefter  oor,  baß  bie  |)erren  oon  $i?d)om  iljn  betrügen 


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317 


trollten.  Der  ^ricftcr  fyatu  aber  jcfct  ÜHut  befommen  unb  fagte 
bcm  SJöfcn  gerabeju  inö  ©efia)t,  baß  bic  .fterren  in  fia)  gegangen 
mären  nnb  ntc^td  meljr  mit  ü)m  311  t^un  fyaben  tootften.  Darauf 
fafj  fidj  ber  Jeufel  milb  um  unb  mürbe  ganj  grimmig  unb  toll, 
unb  aulefct  naljm  er  ben  großen  Stein,  auf  bem  er  geftanben,  unb 
warf  iljn  fyodj  burdj  bie  i'uft,  um  bie  $>erren  in  Xndjow  bamit 
tot  gufdjmeijjen.  $n  feinem  Sifer  mar  er  aber  gu  ungefcfjicft  ge« 
mefen,  unb  ber  «Stein  fiel  in  3Wei  Xetle.  Der  eine  baDon  fam  bei 
bem  Dorfe  Surglaff  jur  6rbe,  eine  Imlbe  sJJ?eile  Don  .ßabfow,  Daö 
größere  Stücf  bagegen  fiel  eine  iBiertelmeile  weiter  Ijtn,  bidjt  bei 
©roß'Xtjdjom. 

Der  lefetere  Stein  liegt  nodj  fyeute  bort;  ba$  Stücf  aber, 
weldjeS  bei  Sur^taff  nieberfiel,  würbe  fpäter  Don  einem  Sauern 
genommen,  ber  fidj  eine  Sdjeunenbiele  baüon  oerfertigte.  Da« 
große  £od),  worin  ber  Stein  bei  3abfow  fl*fefl«n,  ifl  bafelbft  nodj 
jefet  su  feljen  unb  Ijeißt  bie  ftunbelfuljle. 

Einige  l'eute  ersähen  bie  ®efd)idjte  Don  ben  beiben  Steinen 
anberS.  Der  teufet  foll  fia?  nämlid)  ben  großen  Stein  beigabfom 
in  einem  Sacfe  t)aben  Ijolen  wollen.  35JetI  nun  ber  Sarf  ein  311 
enge«  Yod)  t)atte,  baß  ber  Stein  nicfyt  fyineinfonnte,  fo  mußte  er 
ben  ^elSblocf  ent^tuei  brechen.  Dabei  l)ielt  er  fid>  iebocfy  $u  lange 
auf,  unb  ber  $dt)n  begann  gerabe  31t  fräßen,  als  er  fertig  war 
unb  ben  Stein  in  bem  Sacfe  auf  ben  9iacfen  natjm.  Da  fing  er 
an,  gewaltig  $u  taufen,  unb  Darüber  riß  in  ben  Sacf  ein  tfodj, 
unb  er  Derlor  ba$  eine  Stücf  Don  bem  Steine  bei  Surglaff  unb 
ba$  aubere  auf  bem  ftelbe  3U  XDdjom. 

lemme,  ttoltefaflen  NJU.  187  auö  ben  lÄttfn  bor  Uomm.  ®eielllcbaft  für 
©efebiebte  unb  «alt.  Stubien  II,  1,  3.  168. 

400. 

Der  Sä)a$  in  9Ut*Draf}eiut. 

$n  bem  Dorfe  Sllt^Drafyeün  bei  Xempelburg  liegt  eine  Surg* 
ruine.  ftrütyx  t)atte  bort  ber  Staroft  fein  fefteS  Schloß.  Dag  mar 
ein  tjarter  2)fann,  unb  nodj  iefct  fagt  mau  Darum  in  ber  Umgegenb 
Don  Xempelburg  dou  einem  sJftenfd)en,  ber  einen  unbeugsamen, 
ftarren  Sinn  t)at:    „Hei  is  schtarossisch4*. 

SeDor  nun  bie  Söurg  jerfiört  würbe,  fmt  ber  Staroft  feine 
großen  Sd>äfce  Dergraben  unb  ba3  ©etjeimniS  itjrer  Sage  mit  ft$ 


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318 


in  baS  ©rab  genommen.  Wdjt  lange  baraitf  träumte  jebodj  einem 
Xempelburger  Bürger,  er  fofte  nur  ba  liub  ba  in  ber  ffiuine  naro* 
graben,  fo  mürbe  er  ben  ©djafc  (jebcn.  (Sr  ging  aitdt)  Inn,  grub 
bie  Grbe  auf  unb  wäre  in  ben  93efifc  ber  ÜHeidjtümer  gelangt,  wenn 
er  Ijätte  Zweigen  föuneu.  Da  er  eS  aber  nid)t  über  ftcft  ju  ge- 
roinnen oermodjte,  ben  3)funb  $u  galten,  fo  nafmi  H)m  ber  Sööfc 
ben  offen  baliegenben  ©elbfafteu  üor  ber  9iafe  roieber  roeg. 

^Itnitidj  roie  biefem  Spanne  erging  es  nodj  fielen  anbern 
Xempelburgern,  ja  felbft  Veuten,  bie,  ebenfalls  burd)  Üräume  be* 
roogen,  aus  roeiter  $erne  m(§  5llt*Draljeim  gebogen  roaren. 
©nblid)  ift  es  aber  bodj  einmal  einem  gelungen;  beim  er  ocrftanb 
es,  bcm  teufet  Xrofc  gu  bieten  uub  bei  bem  .£eben  ftill  $u  fdjroeigen. 
©cftanben  fyat  er  freiließ  nietnanbem,  bajj  er  ben  Scfyafc  gehoben; 
bod)  roer  fönnte  baran  jroetfeln,  bajj  er  eS  oollbradjt?  9lrm  30g 
er  eines  9(bcnbS  jur  Stutne,  reid)  fam  er  am  anbern  borgen  in 
bie  2tabt  ^urürf,  unb,  roo  ber  2dwtJ  gelegen,  ift  nort)  bis  auf  ben 
heutigen  Jag  ein  tiefes  t'odj  311  fefyeu,  roeldjeS  früher  nidjt  oor^ 
f>anben  roar. 

Wiinblid)  au«  Xcmpclbura,  ÄreiS  9]cuftettin. 
401. 

$tr  töidjter  unb  ber  teufet. 

3n  einem  Dorfe  lebte  ein  armer  £agelöf>ner  mit  fieben  Sin* 
bem.  Äein  $3unber,  baß  eS  ba  fnapp  suging,  roenn  audj  nid)t 
Inn^u  getommen  roäre,  bajj  ber  ©utsfyerr  trofe  ber  großen  ftin* 
berfer)ar  baS  juftänbige  örotforn  nid)t  erfyöfyte.  91IS  nun  nodj  gar 
ber  $ater  fclöfclidj  ftarb,  roollte  bie  9?ot  fein  @nbe  meljr  nehmen; 
bie  2Öittroe  fonnte  fd>on  fo  fidj  mit  iljren  kleinen  faum  Oor  bem 
.Jmugertobe  bewahren  unb  follte  jefct  nodj  aus  il>rcn  Mitteln  IjerauS 
einen  (Jrfafcmann  ftellen.  Das  ging  nidjt.  Slber  ber  $>err  mußte 
sJiat,  er  fufjr  jum  SRidjter  in  bie  <3tabt,  unb  ber  fpract),  als  fein 
guter  ftreunb,  bem  armen  SSßeibe  ifjre  4M}  ab,  bamtt  fidj  ber  ©uts* 
Ijerr  baran  fdjabloS  fyatte.  Sludj  erlaubte  er  tym,  bie  Familie  aus 
bcm  Dorfe  $u  oertreiben. 

Die  grau  fiebelte  nun  in  baS  Üiadjbarborf  über,  bie  Äiuber 
roudjfen  Ijeran  unb  fonnten  mit  an  bie  Arbeit  gelten,  fo  baß  nad) 
roeuigen  Rainen  bie  Sittroe  roieber  an  ben  Anlauf  einer  neuen  Mulj 


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319 


benfen  fonnte.  Qu  bem  gmecfe  wanberte  fic  am  Häuften  ftolmnnis* 
marftc  in  bie  <5tabt. 

Denfelben  2J?arfttag  war  ber  ungcredjte  9iid)ter  früfj  anfge* 
ftanben,  um  fid)  ein  wenig  in  ber  frifdjen  ?uft  311  ergeben.  (£r 
ftellte  fid}  oor  ben  Spiegel,  benmnberte  feine  fdjmude  ©eftalt  nnb 
rief  bann  ans,  wie  ftattlidj  felje  id)  aus,  nnb  wie  ftolj  barf  id}  fein, 
ba  auf  mein  $ebot  r)in  alle  Veute  bei  bem  tarnen  beS  Herrgotts 
fd)Wören  müffen  unb  id}  trofcbem  tljun  nnb  laffen  fann,  was  id) 
will.   Sobann  madjte  er  fta)  auf  ben  $Beg. 

33or  bem  £{>ore  begegnete  iljm  ein  ebenfo  feiner  $>err,  to»e  *r 
felbft  war.  Da  berfelfrc  olme  ®rufc  an  iljm  ooriiber  fctjritt,  rief  er 
iljm  3U:  „©arum  grüßt  er  benn  nidjt?  $in  id)  ü)m  etwa  nidjt 
befannt?"  —  „©ewifj  feinte  id?  bid)",  erwiberte  jener.  —  „Wun, 
wie  Ijeijjt  er  benn,  ba  er  fo  wwerfdjämt  gegen  mid)  auftritt?" 
„Das  3Jefte  war'S  eigentlid),  bu  erfüljrft  meinen  tarnen  nid)t; 
aber  ba  bu'S  wiffen  willft,  fo  will  idj  ilm  bir  nid)t  uerfajweigen. 
3dj  bin  ber  Xeufel  unb  will  mir  am  heutigen  ^ofyanniSmarft  tyolen, 
maS  mir  uon  SKedjtS  wegen  jufommt". 

Der  föidjter  mar  neugierig,  was  ber  £eufe(  woljl  als  fein 
redjtmäjjigeS  (Sigentum  anfeilen  mürbe,  ba  audj  er  bie  falfdje  3Kei- 
nung  fyatte,  ber  33öfc  rjanble  nur  unredjt,  nnb  bot  fi$  beSfyalb  bem 
Jeufel  3um  Begleiter  an.  @S  bauerte  nid)t  tauge,  fo  begegneten 
fic  einer  ftrau,  welcr/e  ein  tfinb  auf  bem  Slrme  trug  unb  jmei  an* 
bere  an  ber  $anb  führte.  Seit  bie  Steinen,  um  if/re  Scr/auluft 
311  befriebigen,  nun  batb  tyer  balb  bort  fielen  blieben,  fo  riß  bem 
«öeibe  enblidj  bie  ©ebulb,  unb  fie  rief:  „3d>  wollt',  bafc  eudj  ber 
Xeufel  t)oU\" 

„Wun,  iefet  greif  3U",  forad)  ber  töid)ter  311m  £eufel.  „Wein", 
erwiberte  biefer,  „id)  barf  nid)t,  benn  eS  ift  il>r  nur  im  ärger  fjer> 
ausgefahren;  es  ift  nicfjt  tyr  (Srnft". 

Sie  gingen  weiter;  ba  fatyen  fie  einen  Sauern,  ber  ein  ftör- 
rigcS  Schwein  oor  fid>  Ijer  trieb,  um  es  auf  bem  9ttarfte  ju  oer» 
faufen.  Da  baS  Eier  an  jeber  @de  fmltmadjte  unb  nidjt  weiter 
gef>en  woüte,  rief  ber  erbofte  üttann:  „Verfluchtes  £ier,  tyV  biefj 
ber  Teufel!" 

211S  bieS  ber  Widder  Ijörte,  rief  er:  „^efet,  Heber  Xcufet, 
greif  31t ;  benn  wenn  bu  aud)  bieS  laufen  läfjt,  bann  wirft  bu  über» 
tyaupt  nia^t  31t  beinern  Mcdjte  fominen".    „Wein",  fprad)  ber  leufel, 


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320 


„auch  baö  Sdjmein  fteht  mir  nicht  gu.  Der  93auer  f>at  e$  ÜHonate 
lang  gemäftct  unb  muß  ton  feinem  örrlöfe  Sdmlben  bejahen.  @3 
mar  ihm  mit  [einer  ÜRebe  nic^t  (Srnft.  $ch  merbe  bod)  noch  ju 
bem  2J?einigeu  fommen". 

Unter  biefen  ®efprächen  dritten  fic  auf  ben  ftuhmarft  ,ut, 
n?o  gerabe  bie  SÖittme  fid}  eine  fdjöne  Äuh  erhanbelt  hotte.  $aum 
faf)  fie  ben  Dftdjter,  fo  fdjrie  fie:  „O,  bu  barmherziger  ©Ott,  ber 
roill  mir  gemiß  and)  biefe  $uh  abfpred)en!  O,  fäme  bodj  ber  Üeufel 
unb  ^oKe  ilm!"  —  „Steift  bu",  fagte  barauf  ber  £eufel  jum 
9iid)ter,  „ber  ift'$  (Srnft",  unb  fofort  pacfte  er  feinen  Begleiter  bei 
beu  paaren  unb  flog  mit  ü)m  burd)  bie  Vuft  baoon. 

9)Uinblid)  aud  «yboro,  ÄretS  ©djlatw. 

402. 

Der  gepreßte  Xeufcl. 

$n  einem  Dorfe  lebten  gmei  ©ruber,  bie  ein  fefn*  Iteberltc^ed 
Veben  führten.  3113  fie  Jpab  unb  (*Mt  üerpraßt  f>attcn/  fam  ber 
Teufel  $u  i^uen  unb  fagte;  er  motte  ihnen  einen  großen  Raufen 
®elb  geben,  ber  nie  alle  mürbe,  üladf  $al)re$frift  mürbe  er  barauf 
mieber  fommen,  unb  fie  füllten  ihm  bann  etmaS  gu  thnn  aufgeben. 
Rönne  er  bieg  oollbringen,  fo  müßten  fie  ihm  mit  Ceib  unb  Seele 
augehören;  »ermöge  er  e$  auch  nur  bei  einem  oon  ihnen  nicht,  fo 
mürbe  er  ihnen  nod)  ebenfooiel  ©elb  baju  geben,  als  fie  fchon  be* 
fommen  hätten. 

Die  S3rüber  gingen  ben  ißaft  ein.  Der  jüngere  fdmffte  fich 
oiele  ^ferbe  an  unb  fuhr  aus  bem  ganzen  Vaube  bie  Steine  auf 
einen  SBerg  gufammen;  ber  ältere  bagegen  fam  jefot  erft  recht  nicht 
aus  feinem  milben  Seben  tyrauS.  211$  nun  nach  3ahre£friß  oer 
SBöfe  fam,  befahl  ihm  ber  eine  93 ruber,  mit  breimaligem  SMafen 
ben  Steinhaufen  aud  einanber  $u  puften.  Doch  fdwn  beim  gmeiten 
ÜJiale  blies  ber  Üeufel  ben  Sanb  mit  ben  Steinen  in  bie  $)öhe, 
unb  gar  beim  britten  mar  ber  halbe  93erg  mit  oerfdjmunben.  tftach* 
bem  er  bieS  gethan,  nahm  er  ben  3)iann  mit  fich  un0  P°9  3U  Dem 
anbern  öruber  hi»- 

Der  faß  ruhig  in  ber  Scheute  unb  fam  erft  nach  längerem 
3ureben  heraus,  ihn  nun  ber  Teufel  aufforberte,  ihm  feine 
Arbeit  aufzugeben,  ließ  ber  iDfaun  einen  Sinb  fahren  unb  fprad): 


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321 


„$ang  mir  biefen  unb  fdjlag  einen  ^reujfnoten  binein!"  Da$ 
War  für  ben  Seufel  311  Diel.  ©r  mußte  ben  jüngeren  ©ruber  wie* 
ber  jurttcfgeben  unb  bap  nod)  einen  großen  Raufen  ®elb. 

Üflan  wirb  nun  oielleid)t  benfeti,  bie  Sebingung,  einen  ftreuj* 
fnoten  ju  Wagen,  fei  redjt  iiberflüffig  gewefen;  beim  fo  n?ie  fo  fjätte 
ber  Xeufel  bie  Aufgabe  uicfyt  gu  löfen  »ermodjt.  Da«  ift  aber  uic^t 
maljr,  wie  ein  tfrafciger  Sauer  $u  feinem  l'eibwefen  erfahren  mußte. 
Der  gab  bem  ©Öfen  baffelbe  auf,  aber  olme  ben  tfreuafnoten,  unb 
Wa3  gefrfjaf)?  @3  uerging  ein  Xag,  eS  ocrftrid}  ein  ÜWonat  unb 
nodj  einer,  ber  $eufel  fam  nid)t  wicber,  unb  ber  Sauer  füllte  fid) 
fdjon  gaii3  ftdjer;  ba,  nad>  bem  Verlauf  eine«  galten  ^a^reö,  fam 
ber  Söfe  atemlos  fjerbei  geraunt,  30g  eine  fteberpofe  fyerau«,  unb 
fietyc!  er  Ijatte  ben  ganjeu  SBinb  beö  üÄanne«  bis  auf  ben  lefeten 
§aud>  aufgefangen  unb  in  ben  Stiel  gefteeft.  Seibftoerftänblidj  tjatte 
er  bamit  bie  Seele  beS  Säuern  gewonnen. 

Seffer  glüefte  es  einem  anbern  9JJanue  aus  bemfetben  Dorfe. 
Der  trug  bem  Xeufet  auf,  baS  (Sifen,  Weldas  burd)  baS  (Srbreid) 
abgefdjabt  wirb,  wenn  ber  N]3flug  burd)  ben  flefer  geljt,  einaufammeln 
unb  31t  itym  su  bringen,  hierauf  f>at  fiefy  ber  Söfe  oon  oorne^erein 
nidjt  einlaffen  mögen,  fonbern  er  nafym  ben  tfoutraft,  warf  iljn  bem 
Sauern  $u  ftüßen  unb  flog  baoon. 

2lud>  baS  oermag  ber  Xeufel  nidjt,  aus  einem  Sanbberg 
Stränge  511  fpinnen;  unb  gar  mancher  ifl  ilju  los  geworben,  inbem 
er  tym  biefe  Arbeit  $u  oerridjten  gab. 

Wiinblid)  au*  ben  «reifen  Süütoro,  Jiirftcntum  unb  Meaenroalbe. 

403. 

teufet  befoutmt  für  einen  Sd>al|  baS  Slnt  tum  fieben  Stiftern. 

$n  einem  Dorfe  wohnte  ein  reidjer,  Wol)lf>abenber  Sauer. 
iÖMe  ber  nun  juni  Sterben  fam,  wagten  feine  tfinber  an  bem 
Äranfenlager.  @r  rebete  ifjnen  ju,  fie  follten  fid)  bod)  jur  föutje 
begeben;  fie  aber  wollten  ben  fterbeuben  Sater  nidjt  allein  laffen. 
Sil«  eS  aber  eine«  Jage«  ben  Slufdjein  nafym,  als  würbe  eS  wieber 
beffer  mit  tym  werben,  fdjenftcu  fie  enblidj  feinen  Sitten  ®e$ör 
unb  verließen  tyn. 

2lm  felben  flbeub  fpradj  ein  Settier  auf  bem  $ofe  um  SKadjt* 
lager  au.   Derfetbe  fam  febeS  $al)r  einmal  bnre^  baS  Dorf,  unb 

21 


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322 


weil  er  ein  orbentlidjcr  9Haun  war,  wie*  iljn  niemaub  jurücf.  $)er 
altefte  2olm  ^ofjann  aber  fagte,  fie  tonnten  ifjn  fjeute  itic^t  im 
.'paufe  aufnehmen,  weil  tyr  Hilter  totfranf  fei.  So  ging  benu  ber 
Bettler  in  bie  3  d)  ernte  nnb  legte  fidj  bort  nieber. 

G*r  war  nod)  uicfyt  ciiigefd)(afcn,  al*  ber  alle  ferner  mit  einer 
großen  Ätjtc  Doli  (^elb  in  bie  2d)eune  trat,  ben  £d)afc  in  eine  tiefe 
warf,  tyn  bem  Teufel  übergab  nnb  bem  53öfeit  befahl,  benfelbeu 
nid)t  efyer  wieber  berau*(vigcbeu,  bi*  er  bafür  ba*  ©litt  t?on  fieben 
33rübern  befontmen  tyabe.  £er  Xeufcl  balte  jebod)  ben  Üöettler  be< 
mertt  unb  rief:  „(Sr  fielit'*!  CSr  fiel)t'*!"  bod)  ber  Steuer  adjtcte 
uidjt  weiter  barauf,  ging  in  ba*  ,£>au*  juriief  nnb  ftarb  uodj  in 
berfelben  Siadjt. 

%m  anbern  Tage  ucrlicp  ber  Bettler  ben  Crf.  311*  er  nun 
nadj  3afyre*frift  wieber  binburd)  fatu  nnb  auf  bem  ,Jwf  cinfef>rte, 
berrfdjtc  bort  bie  bitterfte  ?lrmut.  ^ol^anu  erjagte  il)m,  fo  rcirt) 
man  fünft  feinen  iteter  gehalten  Ijabe,  nad)  feinem  Tobe  fjabc  fanm 
ba*  ©elb  31t  feiner  iöeerbigung  aufgebracht  werben  fönnen.  $e|jt 
Ijabe  er  oou  alt  bem  reidjen  SIMeljftanb  nur  nod)  jwei  ^ferbe. 

T)a  erjä^lte  if>m  ber  Bettler  ben  Vorfall  in  ber  edjeuue  unb 
fagte:  „$e*  iDfüller*  fdiwarje  8au  tiat  fiebeu  (Sber-fterfel  gewor* 
fcn ;  gefyc  fyitt  unb  oorpfäiibc  für  biefetben  beine  beiben  iJferbe". 
£a*  tfjat  3ol;ann,  barauf  uafym  ber  Bettler  bie  Tiere,  fdjnitt 
ilmen  ben  .£at*  ab  unb  ließ  tljr  Wut  in  bie  Srfjeunenecfe  fliegen. 
£ann  fprad)  ber  £ofm:  (f^e^t  baft  bu  ba^  ©int;  nun  gieb  ba* 
Öelb!"  unb  in  bemfelben  iHugenblicf  lag  and)  ber  3tfat}  fd;on  ba. 
Wüublid?  au*  Srjoluattoiu,  .Um*  Jöiitow,  unb  Wct'oiu,  Mrci*  Mcflemoau*. 

4<>4. 

Steuer  tu  Tr^cbiatfoW  ftkrgiebr  bem  Teufel  fein  OJelb. 

(Sin  reidjer  Gatter  in  Tr$ebiatfow  würbe  frauf.  $a  jagte 
er  bie  Minber  au*  ber  2tubc;  nur  ein*  überfal)  er,  beim  ba* 
war  ijmtex  ben  Cfeu  gefrodjeu.  ^?eil  er  nun  glaubte,  allein  gtt 
fein,  brachte  er  all  fein  Weib  unb  fd)itttcte  e«5  tu  bie  Cfeitecfe.  T>odj 
ber  Teufel  rief:  „Hei  kikt,  hei  kikt!"  Jhm  fo  frafce  ibm  bie 
^ugett  au*",  antwortete  ber  Gatter.  „Ja",  fagte  ber  $bfe,  „hei 
hat  vuerhaspelt  (fid)  gefeguet)". 

Ta  übergab  benu  ber  sJOJaun  beut  Teufel  ba*  ©elb;  er  fette 
e*  and}  nief/t  cljcr  wieber  ^müifgebeu,  bi*  er,  ber  datier,  e*  mit 


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323 


feiner  eigenen  §anb  IjerauSgefratjt  $abe.  ?US  nun  ittd^t  lange  ba» 
nad)  ber  9llte  gefiorben  mar,  er^atylte  ber  Sof)n,  welker  Ijinter  bem 
Cfen  gefeffen,  bie  ganje  ©efdnd}te  feinen  SBrübern.  Diefe  nahmen 
barauf  bie  £eid)e,  trugen  fte  in  bie  Ofeuecfe  unb  fdjarrten  mit  ber 
§anb  beS  Xoteu  auf  bem  iÖoben.  Da  bauerte  eS  gar  nidjt  lange, 
unb  baS  ©elb  tag  üor  tynen. 

ÜIWünMicb  au§  Irjcbiattoio,  Ätrei^  ©ütoto. 

405. 

$er  reiche  unb  ber  arme  «ruber. 

$n  einem  Dorfe  lebten  fltuei  33rübcr,  Don  benen  ber  eine 
reid)  unb  finberloS  war,  mäbreub  ber  anbere  uietc  tfinber  Ijatte 
unb  oou  bitterer  ?lrmut  gebriieft  mürbe.  @inft  fam  nun  ber  ?lrme 
unb  bat  feinen  reidjen  trüber  um  etmaS  ©elb;  bodj  ber  fagte 
^art^er^ig,  er  fyabe  nichts.  93etrübt  ging  ber  SRann  mieber  fort. 
211S  er  aber  bie  Dielen  #pfcl  in  bem  ©arten  feines  ÜöruberS  fal>, 
gebaute  er  an  ben  junger  feiner  Sftnber,  unb  um  ifmen  menigftenS 
etmaS  (SfjbareS  mitaubringen,  Heiterte  er  auf  einen  53aum. 

$nbem  er  pflüefte,  fam  ber  SRetdje  mit  einer  großen  $ifte 
Doli  ©elb  in  ben  ©arten,  marf  baöfelbe  unter  ben  Apfelbaum, 
übergab  eS  bem  Xeufel  unb  fagte,  er  folle  eS  nicfjt  efjer  fjerauS* 
geben,  als  bis  man  tym  bafür  eine  Sdjüffel  biefer  iöudjmeiaen* 
grüfee  geopfert  Ijabe.  2US  ber  föeidje  mieber  fortgegangen  mar, 
ftieg  ber  Slrme  eifenbs  oom  53aum  Ijerab  unb  borgte  ftd)  im  Dorfe 
etmaS  ©ucfymeijen.  Daoou  bereitete  er  eine  ©cfytiffel  ©rüfce,  trug 
fie  in  ben  ©arten  unb  goß  fie  unter  bem  SBattm  auS.  ©an$  erzürnt 
(am  ba  ber  teufet  fyerbei  unb  marf  bem  üNaun  ben  <2d)afc  oor 
bie  $"&c  mit  De»  SBorten:  „Ho,  ho!  1k  bin  därup  noch  nich 
warm  wurde  un  schall  dat  allwedder  rät  gewe?u 

öbenbnlKr. 

406. 
©elb  lüttert. 

$n  ber  9(benbbämmeruug  ober  am  frühen  2Jforgeu  fielet  man 
oft  auf  freiem  ^elbe  5-euer  brennen.  DaS  ift  oor  alten  Reiten 
»ergrabenes  ©elb,  meiere«  ber  Xcufel  buttfyfdnippt.  3ttan  fagt 
ba$u:  „Da«  ©elb  lüttert."    Spricht  man  ein  SBort,  fo  ift  baS 

21* 


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;V24 

Jeuer  üerfd^iiniiibcn ;  mirft  man  aber  ben  Stiefel  vom  Ihtfen  JUB 
ober  ein  Üfleffer  mit  biet  ftreugen  in  bie  flamme,  bann  fann  ba« 
©elb  nidjt  roicber  juritct,  nnb  man  barf  e£  fid}  am  anbem  Sage 
Imlen.  Wux  muß  man  fid)  oor  bem  Umfeljen  f)üten,  menn  ber 
Stiefel  ober  baS  Keffer  fjineingemorfcn  ift. 

#ei  Xrgebiatfon)  luttert  aud)  tjäufig  ®elb.  Ginft  faf)  bie«  ein 
9)*ann  uub  rief  fdmeü  feinen  ^iat^bar;  ba  mar  aber  fofort  alle« 
oerfdjnjunbcn.  (Sin  anberer  benahm  fid)  üorfic^titjer,  gog  feinen 
Stiefel  oom  linfen  ftujj  uub  warf  ben  hinein;  bann  ging  er  weiter. 
9hm  fam  allerfjaub  ©ciuiirm  unb  fudjte  il)ii  gurücfgu^alten;  bodj  er 
fel>rte  fid)  nid)t  an  beu  Smtf  uub  eilte  unbefümmert  nadj  ^aufe. 

911$  er  am  anbern  borgen  ermadjte,  rief  eine  Stimme:  „Söiflft 
bu  bir  beim  ntc^t  beiu  ©elb  fmleu?"  £>a  ging  er  auf  baS  $elb 
$urü(f  unb  fanb  bort  einen  gropeu  Sdjafc  liegen. 

(Sbenbrtl)er. 

407. 

$et  Teufel  befdjeuft  eilte«  dauern. 

©in  ©auer  ging  über  ftelb.  £>a  begegnete  iljm  ber  leufel 
uub  fagte  31t  tym:  „Saä  bir  auf  bem  $öege  begegnet,  baS  nimm 
nur  mit;  es  mirb  bein  Sdjabe  nidjt  fein."  Der  flttann  mar  nodj 
uidjt  weit  gegangen,  alfl  er  givei  Raufen  3Menfd)enfot  liegen  fal). 
So  etma«  mitaitucfjinen,  festen  u)m  jebod)  31t  gemein,  unb  er  eilte 
meiter.  Untertuegö  befaun  er  fid)  aber  eine«  ©efferen,  fefyrtc  $u* 
riirf,  uub  ba  lag  nur  uod)  ein  Raufen  ba.  Den  naljm  er  auf, 
banb  ilm  in  fein  Sdjnupftud),  uub  mte  er  baöfelbe  in  feiner  S&olj» 
liuug  öffnete,  fanb  er  ftatt  beö  Unrat*  eine  große  Üttenge  ©olb. 

l*benbol)cr. 

408. 

$cr  Teufel  fdjtnbet  ctue  Üeidje. 

(£8  ftarb  einmal  ein  reidjer  §err,  nnb  jmei  SOiätmer  mürben 
beauftragt,  bie  tfeidjeiiwadjt  511  galten.  ?ll$  e$  $la$t  gemorben 
mar,  trat  ber  Xenfel  in  baä  Limmer  Ijiueiu,  ging  auf  bie  tfeicfie 
31t  nnb  madjte  fid)  barau,  il?r  bie  $aut  abjuaieljen.  Sofort  be* 
fdjrieb  ber  eine  oon  ben  Sädjtern  um  fid)  einen  $rei$  mit  Äreibe, 
machte  ein  Äreiij  hinein  unb  mattete  barauf  ab,  melden  Verlauf 
bie  Sadje  nennen  mürbe. 


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325 


s)Jad)bem  ber  Teufel  feine  fanbere  Arbeit  beenbei  fyatte,  fyielt 
er  bie  abgezogene  $aut  gegen  ba«  £id>t,  um  uadjznfeljen,  ob  er 
aud;  oielleidjt  irgenbmo  f)ineingefdjnitten  fjabe.  liefen  Slugenbltcf 
bennfcte  ber  ©ädjter,  griff  uon  hinten  511  unb  entriß  bem  afynung«* 
Cofeit  Teufel  bie  Haut  be«  üietc^cn.  £>a  berfelbe  megen  be«  be* 
freisten  Greife«  bem  Ü)?aime  nidjt«  anhabtu  fonnte,  fo  legte  er  fidj 
auf«  Sitten.  Der  3Bäd)ter  fyütete  ftdj  jebod),  bem  Söfen  bie  $aut 
Zurücfzugeben;  tro^bem  fonnte  er  e«  nidjt  unterlaffen  311  fragen, 
warum  er  bie  V?eid)c  gefrfjuubeu  Ijabe,  unb  ma«  er  mit  ber  Haut 
fyätte  anfangen  mollen.  Unb  ba  fyörte  er  nun  oon  bem  teufet, 
er  Ijabe  beabfidftigt,  bie  Haut  fid)  anzuziehen  unb  bann  in  biefer 
®  eftalt  ben  beuten  51t  erfdjeinen.  So  mürben  a(Ce  fagen:  „Der 
reiche  Wann  fpuft".  Va  ba«  aber  nidjt  matyr  fei,  mithin  eine 
^üge,  fo  mären  baburd)  oiele  ÜWeufdjeu  zu  Lügnern  gemorben,  unb 
er  f>ätte  ifjre  Beeten,  al«  bie  Seelen  Don  Lügnern,  mit  fid)  in  bie 
Hölle  nehmen  bürfen.  ebenbaber. 

409. 

$cr  Teufel  mirft  naa)  einem  Sd^a^cber  mit  bem  Seile. 

Qn  ber  sMty  Srefin«  bemerften  bie  Sauern  einft  ein  Ijelle« 
fteuer  auf  bem  $elbe  brennen.  Anfang«  meinten  fie,  e«  fei  ein 
Hirtenfeuer,  ba«  bie  Hütejungen  au«zulöfdjen  oergeffeu  hätten;  al« 
ba«  fteuer  jebodj  immer  in  berfelben  Helle  weiter  brannte,  ba  ahnten 
fie,  bafj  es  ber  Teufel  märe,  meiner  bort  ®elb  lüttre.  Vüftern 
mar  nun  moljl  mancher  nadj  bem  Sdjafe,  and)  mußten  alle  oon 
ifyren  ©Itern  Ijer,  ba§  man  nur  einen  Sacf,  ein  $aar  Holzpantoffeln 
unb  ein  Seil  jum  Heben  braudje,  aber  trofebem  magte  fidj  feiner 
an  bie  Stelle  fyeran,  au«  fturdjt,  tym  merbe  oon  bem  Söfen  ber 
Hai«  umgebrefyt  merben. 

(Snblia)  fafcte  ein  2Hann  fid}  ein  $tr%  unb  tyolte  Sad,  ^3an* 
toffeln  unb  Seil;  fobann  ging  er  fyin  unb  marf  bie  beiben  (enteren 
Stüde  in  ba«  fteuer,  mäljrenb  er  benSarf  gur  Stedden  berSranb* 
ftelle  legte.  Sor  berfelben  ftanb  eine  fdjmarge  ®eftalt,  meiere  mit 
einer  mächtigen  Gifenftange  bie  ftoljlen  fdjürte.  9?adjbem  ber  9flann 
eine  furze  fyit  lang  ben  Sad  Ijatte  liegen  laffen,  ergriff  er  tf)n,  bei- 
legt ganz  fdjrcer  getoorben  mar,  mieber  unb  eilte  oon  bannen. 

Sie  er  eine  Streife  gelaufen  mar,  liefe  ujm  bie  9ieugierbe 
feine  föu&e  meljr,  er  muj?te  uuterfucfyen,  ma«  ifym  ber  Sdjmarje  in 


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326 


ben  v&atf  gefd)iittet  ^atte.  $u  beut  .ßwctfe  mad)te  er  unter  einer 
bitfen  (Siehe  £alt,  fefcte  fich  tiieber  unb  fdjüttete  ben  Qnljaft  [eines 
Warfes  anS.  Unb  wirflid)  waren  e*  (anter  gemünzte  ®elbftücfe 
ber  oerfdnebenften  Korten,  weldjc  babei  auf  bie  Srbe  roüten. 
$n  bemfelben  2(ugenblicf  fam  aber  aud)  ein  Söeil  burd)  bie  Vuft 
geflogen,  unb  hätte  nicht  ber  SBaumftamm  ben  2d)a|jheber  gefdnifct, 
fo  wäre  er  fielet  getötet  Korben;  beim  baS  33cil  brang  fo  tief  in 
baS  £ofä  ber  (Siehe  hinein,  bat?  eS  bie  Veute  mit  einer  2ljct  wieber 
herauSfdjlagen  nm§teu. 

55er,  welcher  baS  Söctt  geworfen  hatte,  war  fein  anberer  wie 
ber  Üeufel  felbft  gewefeu,  welcher  feinem  Unmut  über  bie  gtücflidje 
^cbuug  beS  SdjafeeS  unb  bic  uuverfcbämtc  Neugier  beS  ÜWanneS 
Vuft  machen  wollte,  l'efeterer  ift  auf  biefc  Seife  nod)  mit  bein 
Moften  Sdjrecf  baoongefommen;  baS  gehobene  ©elb  aber  Ijat  it)n 
unb  feine  9iadjfotnmen  ju  reiben  feilten  gemalt. 

attiinblid)  au*  33refm,  flrei*  tfnueuburg. 

410. 

»Jwei  teufe!  fndjen  einen  jungen  Wann  $u  »erführen. 

9?or  wenig  ^a^ren  ging  ein  junger  3)?ann  ben  5ßeg  ton 
©rofcßwbbentow  naa)  ©rofcSöofchpol.  Gr  toav  &ei  feinen  ©Itern 
gewefen,  hQtte  fid)  bort  aber  ni  lange  aufgehalten  unb  würbe  beS* 
halb  unterwegs  oon  ber  SDunfelheit  überfallen.  9US  er  etwa  bie 
$älfte  feines  SÖegeS  gurücfgelegt  hatte,  gefeilten  fid)  ju  ihm  jwei 
hübfdje,  junge  $)ameu,  welche  erft  eine  f (eine  Strecfe  lautlos  neben 
ihm  hergingen,  fobann  jebod)  baS  Schweigen  brauen  unb  ilm  auf- 
forberten,  fid)  ihnen  angufchliefeen.  Gr  möge  ihnen  bie  |>änbe 
reiben,  fo  wollten  fie  bann  guter  Thinge  oereint  ben  3ßeg  jurücf* 
legen. 

X)er  junge  SRann  f  ehrte  fich  aber  nid)t  im  minbeflten  an  biefe 
oerlocfenben  Sieben,  fonbem  ^ielt  fich  ftets  an  ber  'Seite  ber  Straße, 
bie  ben  Tanten  abgefegt  war.  SÖie  fie  nun  au  ben  Salb,  ber 
fur$  cor  bem  $)orfe  ©rofc^ofdjvol  liegt,  famen,  erfjub  fid)  plöfelid} 
ein  entfefelidjer  Sturmwiub,  ber  bem  Smrjchen  baS  Weitergehen 
unmöglich  machte  unb  ihn  baburd)  gum  Stillftehen  gwang.  Unb 
wer  befdjreibt  fein  Gntfefcen,  als  er  jetjt,  unter  einem  ÖJetöfe,  bajj 
ber  ganje  Salb  bat>on  erfrechte,  bie  beiben  SDiäbchcn  in  bie  ?uft 


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327 


fafyrcu  fafj  uub  babei  mit  bonneräl;nlidjer  Stimme  tfym  gurufen 
r;örte:    „$ein  ©lüd,  baß  bu  unä  nidjt  beinc  §änbe  gereift  fyaft." 

C?bcnbal)ct. 

411. 

Ter  Teufel  tu  ©rofc$ofdjl>ol. 

^m  $orfc  ©roß'Vofdjpol,  im  Ärcife  Sauenburg,  Ratten  bie 
Surften  ein  Tangfrängdjen  ueranftaltet,  bei  bem  c$  fef)r  fröblid) 
guging.  ")lur  ein  jungeö  UWäbdjen  wollte  nidjt  in  bie  allgemeine 
ftrenbe  mit  einftimmen  nnb  beteiligte  fidj  audj  nid)t  am  Tang,  weit 
if>r  in  tyrem  grengenlofen  #odwiute  fein  einziger  ber  anwefenbeu 
Surfen  fein  genug  uorfam. 

35er  ma^te  nid)t  Verbeugungen  genug  bei  ber  Slufforberung 
Sinn  Tange,  jenem  fehlte  e$  überhaupt  an  ben  nötigen  Sanieren, 
fnrg,  fie  oerweigertc  einem  jeben  aus  $od)mut  ben  Tang.  £a  fam 
plöfelidj  ein  überaus  fein  gcfleibeter  £err  in  ben  Saat  hinein,  ging 
auf  baS  ftolge  9JJäbd)eu  gu  uub  forberte  fie  unter  ben  gierltdtfteu 
Verbeugungen  gum  lange  auf.  Vei  biefem  9lnblitf  war  fie  gang 
entgücft,  willfahrte  fofort,  unb  balb  flogen  beibe  ?lrm  in  3(rm  nadj 
ben  klängen  ber  2flufil  burd)  ben  Saal  baljin. 

Volt  (Srftaunen  nnb  23ewunberung  gutfteu  alle  übrigen  bem 
fdjönen  faax?  gu,  als  fie  plöfetid)  gu  ifjrem  (Sntfefeen  gewahr 
würben,  baß  ber  neu  fyingugefommene  ^rembe  einen  Uferte*  uub 
einen  |)ül)nerfnß  fyatte.  ftefet  wußten  fie,  mit  wem  man  eS  ffier 
gu  tfyun  §abe,  unb  bie  9J?ufifanten  ließen  fdjleunigft  bie  Tangweife 
falten  unb  fpietten  ftatt  iljrcr  baS  fdjöne  Vicb :  „3)er  lieben  Sonnen 
tffy  nnb  $rad)t  f>at  nun  ben  Vauf  oollfü^ret".  ©ie  fie  nun  an 
bie  Strohe  famen:  „3ftr  $)öllengeifter  parfet  eudj",  ba  erfaßte 
ber  unfjeimlidje  Tanger  feine  T>ame  plbfeltd)  bei  ben  paaren  unb 
flog  mit  tyr  gum  genfter  ln'nauS. 

T)ie  anbern  eilten  gwar  nad),  aber  Reifen  fonnteu  fie  bod) 
mdjt;  fie  mußten  melmeljr  gu  ifjrem  Sdjrecfen  fe&en,  wie  ber  Söfc 
(>odj  in  ber  £uft  bem  fyerggerretßenb  jammernben  9ttäbd>cn  ben  §alö 
umbrefyte  unb  fie  bann  in  Stüde  riß,  fo  baß  ba8  gerfefete  ftleifdj 
unb  bie  Änodjen  ben  (Srbboben  bebedten. 

(fbenbnljer. 


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IX. 


412. 
3Wgcmcinc#. 

□Kit  ben  .§ercu  unb  «ßaubereni  berühren  n?ir  bic  numbefte 
©teile  be$  ^olfSlebenS;  beim  unenblicfy  ift  ber  Jammer  unb  ba§ 
(Slenb,  hjeldjen  biefer  ^rrtoalw  im  ^aufc  ber  $e\t  angeridjtet  Ijat 
unb  nodj  immer  anrietet.  Vanbleute,  roeldje  fid)  ergaben  bünfen 
über  it>re  ©enoffen,  bie  necfy  üon  bem  imlben  $ager,  ben  groergen 
u.  f.  tu.  reben,  an  Räuberei  unb  §ereu  glauben  fic  nid)t  minber 
fefl  toie  jene.  Unb  toa$  ba$  ©djlimmfte  bei  ber  Sadie  ift,  e$  giebt 
tuirflic^  uod)  eine  große  9lnjal)l  ton  Veuten  beiberlei  GJefcrjledjtS, 
irctc^c  ber  felfenfeften  Überäeugnng  finb,  fie  fönnten  aaubern,  unb 
tyre  VebeuSaufgabe  barin  fudjen,  eine  Unjafjl  ber  finnlofeftcn  Sprüdje 
unb  Zeremonien  ficf)  anzueignen,  um  in  ber  oermeintlidjen  3auber* 
fünf!  fid)  mbgli(f)ft  öollfonunen  $u  machen. 

$a  ge^t  ein  SHeib  fjin  unb  gebraust  ifjre  Littel,  um  ber 
Oermten  9?ad)barin  baö  IMefc  31t  Derberen.  Sie  f>at  ©iftfrauter 
barunter  ober  ber  Zufall  miß'«  fo,  bie  Siere  werben  franf,  unb  bie 
3auberin  jubelt  unb  frofytocft  in  ibrem  ^mieru,  bajj  i^re  Äun|t  fid) 
&etual?rt  ^at.  2)ie  gefdjabigte  Bäuerin  afynt  enttoeber,  »er  e3  iljr 
angetan  §at,  unb  fje&t  ba$  ganje  $orf  gegen  ifne  ftetnbin  auf, 
ober  aber  fie  läuft  meilemoeit  $u  einem  berühmten  Sdjwarsfunftler, 
einer  ftugen  $rau  unb  läfjt  fid)  bort  ben  2D?iff ct^ätev  offenbaren  unb 
einen  ©egen^auber  anmeiiben.  Cb  ber  Ruberer  nun  eine  rec^t- 
fdjaffene  ^erfon  ober  einen  ^öfen)ia)t  als  ben  Sdmlbigen  bejeidmet, 
geglaubt  ioirb  ifnn  immer,  unb  mand)  ein  uugliicflidjer  9tfenfdj,  ber 
nie  an  3aubereien  gebaut  f)at,  loirb  bann  zeitlebens  oou  bem  gau« 
jen  Dorfe  toie  ein  SluSfafeiger  gemieben. 


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329 


3BaS  nun  baS  iimerfte  ä&efeit  bei*  $ererei  äugelt,  fo  tonnen 
wir  uns  barüber  hier  nid)t  näher  verbreiten,  eS  tuirb  baS  vielmehr 
an  auberem  Orte  $u  behanbelu  fein,  wo  ausführlich  toie  einzelnen 
^auberbräudje  1111b  Sprüche  Bommerns  wiebergegeben  werben.  sJhir 
fo  viel  werbe  fcfjon  jefct  vorweg  genommen,  ba§  bie  meiften  3üge 
beS  J£)e$englaubenS  .unbeutfd)  unb  burdj  frembe  (jum  großen  Üeil 
orientalifdje)  93eeinfluffnng  in  unfer  33olf  gebrungen  finb.  $u  ocm 
Söenigen,  was  unferer  ^eintifc^en  Anthologie  entlehnt  ift,  gehören 
bie  $üge,  Ul  beneu  ein  $ufammenhaug  foer  £eren  mit  ben  elbifchen 
©eiftern  erfidjttict)  ift,  fo  3.  33.  bcr  wunberfchöne  ©efang  ber  $ejen, 
bie  SRinge,  welche  fie  in  ben  grünen  9?afen  taujen  u.  f.  w. 

@a)t  beutfdjen  UrfprungS  ift  auch  Dcr  ©taube,  ba&  bie  $)eren 
auf  bem  SölocfSberg  ihre  üBerfammlungen  feiern.  Dabei  ift  nämlich 
feincSwegS  an  ben  .^arjer  Sörocfen  ju  beuten;  nein,  vor  3eiten 
fcheiiit  jebeS  Dorf  ober  boch  wenigfienS  jebe  ©augemeinfehaft  einen 
Sölocfsberg  gehabt  $u  haben,  ftür  üfteflenburg  ift  baS  nachweisbar, 
unb  auch  für  Bommern  fann  eS  faum  zweifelhaft  fein;  benn  SttorfS* 
berge  finben  fich  in  unferer  ^rovin§  in  SJfenge  vor.  9Wir  finb  im 
©ebächtnis  Sötotfsberge  bei  ^entmin,  $reis  Stolp;  Svbow,  ÄrciS 
^Schtawe;  Xempelburg,  Sireis  9ieujtettin ;  Mifcig,  ÄrciS  Schief  elbein; 
itrafeig,  ftreiS  ftürftentum ;  Schwerin,  ftretS  föegenmalbe;  Soltin, 
SreiS  Sammin;  Steinwehr,  ÄreiS  ©reif einjagen ;  Xedjlin,  ÄreiS 
©rimmen,  unb  ein  ©lorfsbergfec  im  Streife  Saa^ig.  Unb  bei  genauer 
^achforfdmng  bürften  fich  nod)  viele  anbere  auf  finben  laffen. 

Diefe  ©lotfsberge  fdjeiuen  mir  im  $eibentuiu  bem  Opfer* 
fultuS  gebient  $u  haben,  unb  ihr  9?ame  ift  oielleicht  nur  eine  @nt» 
ftelluug  aus  SölotSberg,  b.  i.  Cpferberg.  Später  würben  fie  bann, 
als  bie  oerha&teu  Stätten  heibnifcher  ©reuel,  ben  £erat  $u  33er* 
fammlungSörteru  sugemiefen,  um  bereit  £tm»  uno  treiben  ber  jum 
6hriftentum  belehrten  ©evölferung  noch  verabfd>enungSwürbiger 
barjuftetten. 

Angehängt  finb  biefem  Äapitel  einige  Sagen  über  bie  ftrei« 
mau r er,  welche  in  bem  ^olfSglauben  eines  großen  XeileS  von 
Deutfchlanb  burdjauS  als  bem  Xeufel  verfchriebeue  Ruberer  gebaut 
werben.  SefonberS  gerne  macht  man  fie  für  plöfeliche  SobeSfälle 
verantwortlich  unb  haßt  fie  bcSt)alb  auf  baS  ärgfte,  wagt  aber  aus 
furcht  vor  ihren  vermeintlichen  XeufelSfünften  niemals  #aub  an 
irgenb  einen  von  Unten  31t  legen. 


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330 


413. 
$cr  ftretfönft. 

@8  giebt  $äger,  bie  man  ^rcifc^üfeen  nennt.  Vor  i^nen  tyaben 
alle  anbern  Säger  ein  ©rauen,  nnb  ftc  füllen  ftdj,  wenn  fie  mit 
iljnett  jufammen  auf  ber  ^aejb  finfc/  ltt  '&rcr  ©efcUfdjaft  nne  be* 
fyert,  fo  bafc  ifjnen  entioeber  ba$  ©eroebr  üerfagt  ober  ftc  nichts 
treffen  fönnen.  Über  bie  9(rt  unb  Stfcife,  rcie  man  ben  ^rctfc^u§ 
erlangt,  ersten  bie  Veutc  fotgenbeö- 

9?ur  ftreifdjnfeen  tiermögen  ben  ^reifdntf?  »erteilen.  Unter 
iljnen  ifi  aber  immer  ein  verborgener  unb  gebeimer  9Utmetftrr,  ben 
fie  laben,  menn  ein  frifcfjer,  grüner  ^ägerburfcb  ftreifdfüfe  nmben 
totll.  tiefer  Slltmeifter  nnb  3n?ei  ^reifdntfeen,  bie  ben  Deuting 
mitbringen,  tterfammeln  fid)  bei  SDJonbfdjcin  im  grünen  SBalbe. 
$)ort  feiern  fie  ifyre  Gimueifntug  um  bic  ©iitteruadn  awifcfyen  ^wölf 
unb  eiug. 

$er  Jüngling  n?irb  fpliuterfafernaeft  InngefteUt,  bainit  fie  ilm 
unterfudjen,  ob  er  einen  $ef)t  tjabe;  beim  tuer  mit  irgenb  einem 
üDiafel  behaftet  unb  nidjt  mel)r  ^uuggefeU  ift,  mag  nimmermebr 
tfretfdjüfc  »erben.  enu  er  untit  belig  erfunbeu  tuorben  unb  fid) 
rein  befannt  fjat,  laffen  fie  ilm  nieberfnien  unb  galten  greuliche 
©ebete  unb  93efdjtoörungen  über  ibn,  unb  er  felbft  mujj  äfmtid)e 
©ebete  tfjun  unb  fdjrecflidje  ©elübbe  unb  tylüdie  unb  Sdrtuüre 
nadjfpredjen.  $ann  er  bieg  nirf)t  freien  Üftuteä  tfjun  unb  giebt  er 
fonft  3eicf|en  »on  3rurd)t  unb  Slngft  oon  fid),  fo  geißeln  fie  if>n  un- 
barmherzig bis  auf«  ©tut  unb  laffen  t^n  als  einen  feigen  unb 
Untüchtigen  laufen. 

ÜBenn  nun  ber  SUtmeifter  unb  feine  beiben  Veififeer  bie  erfte 
Vorbereitung  gemalt  fjaben,  unb  trenn  mit  Bielen  fyeimlidjen  nnb 
enrfefclidjen  ©orten  unb  ©ebärben  bie  Vefdjtobrung  unb  Verlobung 
im  tarnen  beS  XeufelS  gefdjefyen  ift,  mufj  ber  junge  ^dfjüfc  fein 
©etoetyr  orbentlid)  laben,  darauf  nehmen  fie  ein  £ud)  unb  binben 
tym  bie  klugen  feft  $u;  breljen  ilm  brcimal  im  Greife  berum  unb 
fpredjen  abermals  manche  buuftc  unb  greuliche  Sorte,  ^ft  ba$  ge* 
fd)el)en,  fo  fyört  er  breimal  Inallen  mit  bcm$lu$ruf:  „Sdnefj  Um!" 
unb  mit  §(nbeutungen,  als  gelten  ifmi  bie  Sdu'iffe. 

3ittert  er  babei  ober  judt  aus  $itr($t  nur  einen  Ringer,  fo 
geißeln  fie  iljn  bis  auf's  93lut  unb  jagen  Um  fogleidj  n?eg.  $at 


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331 


er  febod)  aud)  bie$  tapfer  bcftauben,  fo  wirb  il;m  bie  iöiube  oon 
ben  2lugen  genommen,  uiib  n?a$  iefyen  biefe  klugen  bann?  —  91u 
einem  Söaume  fielet  er  eine  latente  fangen  unb  unter  ber  Laterne 
ein  grofjeS,  ireißcö  Sirenj,  frifd)  in  bic  ffiinbe  getanen,  Daljiu  mujj 
er  unter  fdjeufclidjeu  ^erfludmugeu  unb  i;enoünfd)ungen  fielen  uno 
[dnefeeu,  einmal  unb  zweimal.  $ei  beut  britteu  3dnife  aber,  ben 
er  tljun  null,  erfa>iut  baö  ^efuäfinblein  au  ber  Stelle,  roo  baä 
Sreiij  mar,  unb  lädjelt  ilun  freunblirf)  unb  b/olbfelig  ju. 

©emtnnt  er  es  über  fidj  unb  fjat  er  aurf)  biefeu  britteu  3dmf?, 
ber  nie  feljlt,  aud  feinem  ©erocljr  gefdjoffen,  fo  gef)en  bie  brei 
mit  ifnn  311  beut  $3aum,  nnb  er  muß  ba$  fdjöne  fttnb  in  feinem 
Jölute  liegen  fefycn.  Die  brei  aber  laaieu  nnb  fingen  fd)änblid)e 
Vieber  ba3U,  unb  er  muß  mitladjen  unb  mitfingen,  %'diit  ilmt  ba 
ba$  /perj  3iifamnten  ober  oerfagt  ilun  bic  Stimme,  fo  roirb  er  weg* 
gejagt.  |)at  er  bagegeu  alle  biefe  fürd)terlid)cn  Zeremonien  ganj 
burdjgemadjt  unb  beftanben,  fo  ift  er  ein  rechter  ftreifdjm)  geworben 
unb  befifct  bie  trefflidtften  ^ägergaben. 

Dfiemanb  fann  tym  fein  ©etoefjr  bellen  ober  befvredjeu,  unb 
fein  (Gefrorner  ober  Setter  ober  bnrd)  bic  ficbenfacfye  unb  fieben* 
uubfiebeusigfadje  i*affauer4tunft  (Mjärtetcr  faun  oor  feiner  ttngel 
beftebeu.  3llle  tuerunbjtoansig  Stuuben  bat  er  brei  ftreifdmffe,  b.  \). 
er  fann  alle  oicrunb^njan^ig  Stunbcn  brei  ©titcf  Silbbrct  ober 
Geflügel  —  maS  er  eben  ^aben  will  —  mit  fetneu  brei  ^reifdjnffcn 
fällen,  oljnc  baß  fte  auf  bem  £clbe  ober  im  Salbe  fidjtbar  ba  finb. 
Denn  bie  miiffcn  fommen  unb  fallen,  fo  mie  er  fie  in  ftebanfeu 
auf's  .sioru  nimmt,  er  fließe  bei  £ag  ober  Oiad)t,  in«  Seijje  ober 
in  bie  leere  tfuft.  $a  menn  er  in  ben  $Jonb  hinein  jielte,  fo  nritr* 
ben  fie  aus  bem  üJJonbe  herunter  fallen. 

%\d)  (*.  W.  SUnbt,  mäxd)c\\  u.  ouflenber«.  U-  3.  332-  339. 

414. 

$te  $ieb$lid}rtr  unb  $icliöfcr$en. 
L 

Die  Diebslirijtcr  finb  bie  Ringer  bou  uugeborenen  unb  unföul* 
bigen  ttiubern,  benn  bie  Ringer  von  fdjou  geborenen  unb  getauften 
fann  mau  baju  nidjt  gebrauten.  3lud)  müffen  biefe  ungeborenen 
Äinber  bem  Vcibe  oon  Diebinnen  unb  Sttörbcrinuen  entnommen  toer» 


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332 


ben,  weldje  fid)  felbft  errängt  ober  crfäuft  l)aben  ober  oon  ber 
Obrtgfeit  gelängt  ober  geföpft  finb.  Dabei  »erben  abfd>euttc^e  95c* 
fdjwörungen  gefprodjcn  unb  Söeile  unb  Keffer  fcerwanbt,  bie  fd)on 
oon  $)enfer$f/äuben  gebraust  finb.  ?liidj  mufs  foldjeS  burdjauä  um 
bie  üJntteroadjt  oollbradjt  werben,  in  üoüfommcnfter  ©infamfeit  unb 
©djweigfamfeit,  fo  bajj  audj  fein  leifefter  Saut  über  bie  Sippen 
gleiten  barf. 

Die  abgefdjnittenen  f^tncjcr  gewähren  Vinter,  bie,  wann  ber 
SJefifeer  will,  leuchten  unb,  wie  fur^  fic  and)  finb,  bodj  nimmer  au$* 
brennen,  fonbern  immer  gleid)  lang  bleiben.  Durd)  iljre  .£>ilfe  fann 
ber  Dieb,  wann  unb  wo  er  will,  alles  fefjen;  fic  leud)ten  aber  nur 
für  ifm  unb  für  feinen  anbern,  unb  er  f ctbft  bleibt  unfidjtbar,  wenn 
fie  tym  audj  alles  anbcre  fielt  madjen.  Slujjerbem  ftfct  nod)  bie 
©reulidjfeit  in  iljnen,  ba{j  fie  eine  geheime  (Gewalt  über  ben  Sdjlaf 
fyaben,  unb  baß  in  ben  Zimmern,  )üü  f'c  ange^üiibet  werben,  ber 
<Sd)lafenbe  fo  feft  fajnardjt,  ba§  man  3cljn  Donnerbüdjfen  über  feU 
item  Raupte  foSfuaUen  fönnte  unb  er  bod)  nidjt  ermaßen  würbe, 
üttan  fann  fidj  benfen,  wie  luftig  fid)  ba  fteljlen  unb  nehmen 
laffen  mu§. 

6.  9R.  Ärnbt,  9R8tö>n  u.  Juöfnbctg.  II.  S.  348-349. 

IL 

Slljnlid)  ijt  eS  mit  ben  DiebSfe^en.  Diefelben  werben  aus 
ben  ©ebärmen  ungeborener  Sinber  oerfertigt  unb  tonnen  nur  burdj 
füfce  SDfild)  auSgelöfdjt  werben.  Sonft  bewirten  fie,  ganj  wie  bie 
DiebSlidjter,  burdj  if>r  ©rennen,  baß  alle  Seilte,  bie  im  £)aufe  fdjla- 
fen,  fo  lange  bie  $er$e  brennt,  nidjt  aufwaren  fönnen. 
3lu8  SRcforo,  Ärciä  SHcaennKÜbe:  Witflctcilt  bura;  Gerrit  $rof.  Äugn. 

415. 

$te  ftejenmütjc  uub  ber  fcenjboruftocf. 

$n  ber  «Stabt  (trimmen  gab  es  früher  oiele  §>cren,  wie  ja 
bie  ©tobt  aud)  jefet  nod)  in  bem  fttufe  ber  £)ererei  ftefyt.  (Einft* 
mal«  füllten  bafelbft  jwei  .J>eren  $u  gteidjer  #eit  verbrannt  werben. 
Die  eine  baoon  ftarb  balb,  bie  anbere  aber  fonnte  gar  nidjt  $u 
£obe  fommen;  beim  baS  $ener  beS  «SdjeiterfjaufenS  wanbte  fidj 
immer  bon  ü)r  ab,  anftatt  fie  311  ergreifen.   Da  fam  ein  üttann 


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333 


mit  einem  ftreusbornftoef  gerbet.  Wit  bem  ftieß  er  ber  $e$e,  meldje 
lorio  Ärüger  fneß,  eine  fc^iDarje  2Jhifee  oom  flopfe,  bie  man  tyr 
gelaffeu  fyatte.  ÜNit  einem  OHale  flog  ein  fdjmarger  SRabe  tmn  tyr, 
nnb  nun  verbrannte  fie  augenblicflid;. 

lern  nie,  «oltefaaen.  9lr.  249. 

4H>. 

$er  uttfdjnlbige  ftejenmeifter. 

bem  Dorfe  Söottenfjageu,  im  Greife  QheifSmalb,  lebte  ein* 
mal  ein  frommer,  tluger  Ü)?ann,  ben  man  für  einen  |>ej:enmeifter 
tjielt.  (£r  mürbe  baljer  an  einen  ^fa^t  gebunben,  um  lebenbig  per» 
branut  ni  merben.  Da  fproffeu  aber  auf  einmal  brei  frifdje,  grüne 
^jiDfige  au$  bem  |>olgyflocf  IjerauS,  unb  nun  erfannten  alle  2eute, 
baß  er  unfdjulbig  fei,  worauf  |te  ü)n  am  tfeben  ließen. 

Scmmc,  <Bolt8faö«n.  91r.  247. 

417. 

$ie  uerbrannte  §cge  $u  ^olyettborf. 

3u  $>of)enborf,  in  bemfelben  Greife,  lebte  einmal  eine  Lüfter« 
fraii,  bie  eine  ,£e£c  mar.  ®ie  uerjtanb  eS  ^mar,  fidj  fetjr  fromm 
unb  gotteSfürcfctig  ju  ftetfen,  fo  baß  fie  bie  Söibel  auSmenbig  mußte 
unb  ber  Pfarrer  oon  tyr  fagte,  fie  fei  eine  feiner  anbädjtigften  3u* 
1/örer innen;  aber  iljre  £eufel$ftreid)e  famen  gulefet  bodj  an  ba« 
2age$lidjt,  unb  fie  mürbe  jum  fteuertobe  oerurteilt.  Da  na^m  ber 
^rebiger,  ber  nodj  immer  an  iljre  Sdmlb  nidjt  glauben  toolfte,  mit 
ifjr  bie  Slbrebe,  baß  fie  nad)  tyrer  ^inridjtung  u)m  erf feinen  folle: 
wenn  fie  unfa^ulbig  fei  als  eine  £aube,  fonft  aber  al«  9labe. 

^ac^bem  fie  nun  Eingerichtet  mar,  erfdjien  bem  Pfarrer  ein 
]a;marjer  Nabe,  ber  fdjrie  beutlidj: 

„ftoar!  Äoa^! 
©ott  einmal  »erfdjmoren, 
Derfelbe  emig  terloren!" 
Da  erfauntc  ber  ^rebiger,  baß  er  fidj  bodj  geirrt  Ijabe,  unb  baß 
Stirdjeugeljeu  unb  33ibcUefen  allein  e8  nidjt  tljun. 

Xemme,  «ottöfagen.  9h.  248. 


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334 


418. 

Der  fdjujtfcftc  General. 

$u  ber  $eit  be£  breifjigjäljrigen  Krieges  mar  in  ©rcifsmalb 
ein  alter  öfterrcia'iifdjer  (General,  namens  s}*erufiu$,  Slommanbant 
ber  2tnbt.  Die  ?eute  nennen  Um  nod)  ben  alten  ©encral  Srufe. 
Diefer  oerftanb  bie  ftitnft,  fiefy  gegen  kugeln  feft  31t  madjen,  unb 
e$  Ijatte  ilwt  beStjalb  in  allen  2d)ladjten,  bie  er  mttgetnadjt  fyatte, 
feiner  etwa*  antraben  fönnen.   ^n  ®efefy  mit  ben  Zdjtot* 

bilden  mürben  einmal  mefyr  al£  gman^ig  Ingeln  hinter  einanber 
auf  tfm  abgesoffen,  olme  baß  fie  tym  Schaben  traten. 

ßulefct  fam  aber  ein  fdjmcbiidjer  Sotbat,  ber  einen  geerbten, 
filberueu  $nopf  in  ber  lafdje  Imtte.  Den  Inb  er  in  fein  ©emef>r 
nnb  erfdjop  bamit  ben  ©eneral;  benn  gegen  foldje  ererbte  knöpfe 
fd)üfct  feine  fdjmarse  tunft.  Das  gefd)af>  in  bem  iHofentbal  bei 
©reifsmalb,  mo  ber  ©eift  beS  alten  ©eucral«  nod)  umgeben  foll. 

Semme,  »oltefaßen.  9tr.  244. 

419. 

#cjcit  »erraten. 

$n  We^eramt  auf  Ufebom  lebten  jroct  Sauern,  oon  benen 
mar  ber  eine  fdmn  über  brei  ^afyre  taitcj  iranf  unb  fonnte  nid)t 
auffielen,  benn  er  empfanb  beim  Auftreten  bie  fyeftigften  Sduner$en. 
Die  beiben  Äned^te  ber  Sauern  f>atten  aber  beren  %vauzn  in  £>er* 
badjt,  bap  fie  §ejen  feien,  unb  festen  fid)  beSfyalb  in  ber  ©almtr* 
giSnadjt  in  ben  Cfen  beteiligen,  beren  sJttanu  franf  mar. 

Da§  mährte  auefy  nidjt  lange,  ba  fameu  fecr/S  .£)ejccn  an,  bie 
eine  als  Sdjroem,  bie  anbere  ate  ftatje,  bie  brittc  als  breibeiniger 
$afe  unb  fo  meljr,  unb  ba  mareu  aud)  bie  beiben  Sauerfrauen 
barunter.  2(13  fie  nun  gufammeu  maren,  fagte  bie  eine:  „ÜWidj 
fjungert  f)eut  fo,  id)  meijj  ntdjt,  mie  idj  mid)  fatt  madjen  foll!" 
«Sagte  bie  anbere:  „Drüben  untere  9?adjbariu  liegt  in  ben  Sooden, 
ba  motten  mir  ifyr  ba§  ftinb  fortfjolcn  unb  es  fdjladjten!" 

Sogletd)  eilte  eine  fyin  unb  fam  and)  balb  mit  bem  $inbe 
mieber,  aber  jefet  fehlte  e§  an  einem  3)?effer.  Da  fagte  bie  $rau 
beS  franfen  Sauern:  „ftdj  fmbe  meinem  Sttaune  fdjon  feit  brei 
3afyren  ein  ÜKeffer  in  ber  fteule  beigebracht,  ba§  Ijolc  idj  iljm  all* 


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335 


j%lidj  einmal  in  ber  Salpurgi«nad)t  t)crau«,  ba«  mill  idj  r)olen. 
Süßte  er'«,  fo  fönnte  er  auffielen."  Damit  ging  fic  in  bic  an* 
ftoßenbe  Stube  nnb  fam  and}  fofort  mit  einem  Keffer  toieber,  ba« 
mar  mo^l  einen  ftuß  lang. 

(Sben  wollten  fte  bem  Äinbe  ba«  2fteffer  auf  bic  ©ruft  fefeen, 
als  einer  ber  tfnetf|te  im  Ofen  „|>err  ^efu8!"  rief.  Da  floben 
bie  .J>cren  au«eiuanber;  ber  ftnedjt  aber  eilte  311  feinem  $errn  unb 
bief?  ilm  auffielen,  inbem  er  tym  ben  ganzen  Vorgang  ergä^lte. 
Der  wollte  e«  anfänglich  nid)t  glauben,  aber  er  »erfüllte  bodj  auf* 
äufteben,  unb  fiel;  ba!  er  fonnte  obne  Sdjmeraen  geljeu.  ftefet 
traten  fie  in  bie  Stube  unb  fanben  bort  nod)  ba«  Äinb  famt  bem 
ÜMeffer,  meld>e«  bie  ,$ereu  juriicfgelaffen.  Da  ging  ber  Ottann  fyn 
unb  gab  feine  eigene  ftrau  an,  unb  fie  geftanb  and),  mer  bie  anberen 
£crcn  gewefen,  unb  fie  mürben  allefamt  oerbrannt. 

?lu$  Sminemtinbe:  Äuljn  unb  Sdjnxub,  sJtorbb.  Sag.  9Ir.  32. 

420. 

9J?ild)  abmelfcn. 

3»  Äafeburg  mar  einmal  ein  ©auer,  beffen  Äülje  wollten 
feine  Wiid)  geben,  fo  gut  er  if)iten  audj  $u  freffen  gab,  fo  bafj  er 
enblict)  einfal),  fie  müßten  beljert  fein,  unb  einen  flugen  Üflann  fom* 
men  ließ,  bamit  er  tynen  hülfe.  Der  ging  benn  audj  in  ben  Stall, 
fafj  bie  ifülje  an  unb  mußte  fogleicf),  mie  e«  mit  if>nen  ftanb:  fte 
waren  beliert. 

Darum  manberte  er  im  Dorfe  untrer,  um  bie  §ere  au«finbig 
Sit  madjen.  Da  faf>  er  benn  im  Stalle  be«  9iac^barö  beffen  ftrau ; 
bie  ftanb  an  ber  SÖanb  be«  Stalle«,  bic  nad)  bem  ©e^öft  jene« 
Säuern  $u  lag,  ^atte  einen  ©efenftiel  in  biefelbe  gefdjlagen,  baran 
einen  (Jimer  gelängt  unb  melfte  ben  ©efenfHef,  unb  biefer  gab  and) 
Wtid),  mie  ein  natürliche«  Guter.  Da  mar  bie  $ere  »erraten.  @r 
bebrotjte  fie  gemaltig,  unb  üon  ber  ^eit  an  gaben  be«  ©auern  ®iti)t 
toieber  2JJHd). 

2lu3  Sioinemiinbe:  tfubn  unb  3cbtoaT&,  91orbb.  Sag.  9fr.  31. 

421. 

Der  <Wabel$aiifcer. 

$n  Sartlje  lebte  oor  meuig  ^at)ren  ein  junge«  @hepaar,  roets 
fyem  bie  eigene  ©rojjmutter  auf  |ebe  28eifc  Sdjaben  aujufügcn  fuct)te. 


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336 


Die  alte  ftrau  war  nämlich  eine  £>ere,  unb  iebermann  im  Dorfe 
fürchtete  unb  freute  fidj  oor  if>r. 

Salb  nach  ber  ^od^eit  wollte  ber  junge  2J?amt  fein  $ol$, 
ba8  in  üftieten  cor  ber  Söohnung  ftanb,  in  ben  Stall  bringen,  weil 
er  ben  tyia\$  notwenbig  $u  anberen  3^ecfen  gebrannte.  Da  fanb 
er  nun  auf  einem  Sdjcit  fünf  ^älmabeln  fteefen,  bie  waren  feft 
mit  einanber  oerbunben,  fo  baß  immer  bie  Spifee  ber  etuen  ^iabet 
ba£  Chr  ber  anbern  burchbohrte.  S$  war  unmöglich,  fie  auäetn* 
anber  ju  treuuen,  ofme  fie  $u  ^erbrechen.  Sein  ©eoatter,  wettern 
er  baS  Sunber  geigte,  erfannte  fogleidj,  baß  e8  ein  3auber  fei, 
ber  ben  jungen  Eheleuten  juin  Nachteil  ^eretc^en  folle,  unb  oerwieö 
tt)n  bat)er  an  eine  Sdjwarafünftlerin  in  SBolgaft. 

Der  ÜWann  machte  fid)  umgehenb  auf  ben  5Seg  gu  ber  Jrau, 
liefe  fid}  bie  harten  legen  unb  erhielt  folgeube  Enthüllung:  ,,^n 
beinern  Dorfe  wohnt  jemanb,  ber  bir  beiu  ^äudlic^ed  (SHücf  ju 
flören  futr)t.  Die  fünf  Mähnabeln  gelten  beiner  ftrau.  Sie  finb 
in  baS  Slüchenholj  gefteeft,  bamit  fie  redjt  balb  in  ben  Ofen  fontmen 
unb  glühenb  »erben;  benn,  fobalb  bie«  geidjehen  ift,  wirb  beine 
ftrau  unfruchtbar  werben  unb  it)r  t'eben  langfam  „  oerquienen " 
müffen,  bid  fie  in  ^a^rcöfrift  tot  ift.  2öiüft  bu  wiffen,  wer  bein 
fteinb  ift,  fo  braudjft  bu  bidj  nur  mit  eurem  ÜMler  ju  oerabreben, 
ba§  er  bir  für  furae  $eit  feine  Ü)?üf>fc  überläßt.  Stecfft  bu  nätn« 
lieh  bie  Nabeln  auf  eine  ÜNühlenfcheibe  (ftlügel  ber  3Binbmühle), 
fo  befommt  bie  betreffenbe  ^erfon  einen  Stich  in«  $)erg.  Sinb 
bie  9J?ühlenflüge(  einmal  herumgegangen,  fo  überfällt  fie  furchtbare 
Hngft,  unb  fie  fühlt  ftd)  getrieben,  gu  bir  $u  fontmen.  Seim  ^weiten 
SRunbgang  wirb  ihre  innere  Unruhe  noch  heftiger  fein;  wiberfter)t 
fte  felbfi  noch  beim  brüten  üKale,  fo  mufj  fie  fterben". 

Der  Sauer  ahnte  jefet,  bafe  nur  feine  ©roBtnntter  gemeint 
fein  fönne,  unb  um  ihr  nidjt  $u  fchaben,  fällig  er,  al$  er  heimfam, 
bie  Nabeln  entgwei.  Seine  ftrau  aber  ift  nie  SÖiutter  geworben 
unb  war  oor  Ablauf  be«  3at)re$  eine  deiche. 

Wünfclicb  au«  SöartfK  auf  Ul'ebom. 

422. 

Der  Räuber  mit  beut  $iid)e. 

einem  .fcauSbefifeer  in  SMepe  War  fein  Schwein  oertjert  wor« 
ben,  inbem  ihm  ein  böfer  Wann  in  ben  dachen  gefpien  h«tte.  $m 


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337 


Verlauf  breicr  Sage  war  baS  Stier  fo  herunter  gefommen,  baj?  ed 
jebermann  für  üerforen  fyieft.  35a  fam  jum  ®lücfe  eine  fluge  ^rau 
{jinju  unb  »erfpradj,  ben  Stäben  »ieber  gut  511  machen. 

$u  bem  Sxotdt  ging  Tie  am  $)onnerftag  nad)  ©onnenunter* 
gang  in  ben  ©taU  unb  naljm  ein  Safdjeutudj,  flridj  bamit  bem 
©djtoein  breiinal  über  ben  föücfen  unb  betrieb  mit  ber§anb  brei 
Äreuje  babei.   $ann  fpraä)  fie: 
„Dat  is  uptächt, 
Das  is  insl&cht, 

2)u  ©djmein  fottft  wieber  gefunb  werben, 
<So  mafyr  ba«  fyier  ein  Safdjentuä)  ift 

3m  tarnen  ©orte«  be«  EaterS  f  beS  ©ofyteS  f  unb  beS  ^eiligen 

©eifte*  f". 

2H$  fie  am  anbern  9J?orgen  »or  Sonnenaufgang  wieberfam, 
fing  baS  (Sdjmein  fdjon  an  $u  freffen.  <öte  wieberljolte  biefefben 
3eremonten  unb  fpradj: 

„$iefem  ©djmein  foü  niemanb  etwa«  angaben  fönnen, 
Seöor  nidjt  bie  ftäben  biefeö  SudjeS  gejätet  finb. 
^m  tarnen  ©otteS  be8  33ater8  f  beS  SolmeS  f  unb  be$  heiligen 
©eifteS  f".  darauf  fam  fie  am  9lbenb  beöfetben  Sage«  nad)  \5on* 
nenuntergang,  um  baS  ©djwein  junt  britten  2JJale  ju  befpred)en; 
aber  ba  war  e8  fdjon  ööUig  gefunb  unb  jebe  weitere  Üttül>e  unnötig. 

!DtünbIic&  auä  fiicpc  auf  Ufebom. 

423. 

$te  §ejfe  rntb  ber  Genfer. 

(Sine  ftrau,  wetdje  aflcntfjatben  in  bem  sJfufe  ftanb,  eine  $>e$e 
ju  fein,  fam  einft  ju  if>rer  9iadjbarin  unb  fagte:  „Näwersch, 
wenner  backst  de*?u  „üftorgen",  erwiberte  bie  ©efragte.  M$d) 
aud)",  fpradj  bie  $)ejre,  „unb  bann  mufet  bu  mir  ein  ©tücf  oon 
bem  $3acfmerf  bringen".   S)aä  oerfprad)  bie  SBäuerin. 

Sit«  fte  nun  gebaefen  Ijatte,  gebaute  fie  an  ifyr  SBerfpredjen, 
unb  obgleidj  e$  fdjon  fpät  abenbS  mar,  mad)te  fie  fid>  bennodj  auf 
ben  $Beg.  Derfetbe  führte  fie  burä)  ein  Heine«  Btüd  SBatb,  in 
bem  brei  Sauben  fafcen  unb  riefen: 

„Dü,  't  is  Mirrenacht, 
Lät  em  j£re  d'Rühe-Rast!" 

22 


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33* 


®o  Warnten  fte  brci  Sttal,  bic  ftrau  tie§  fidj  aber  nidjt  gurü<fl)al= 
ten  unb  antwortete,  fte  tyabe  es  Derfproc^en  unb  müffe  ber  Näwersch 
Ijeute  nodj  ein  Stücf  Don  bem  neuen  Söacfwerf  Eintragen. 

(Snblidj  gelangte  fie  an  ba£  ®etyöft,  wo  bic  $ere  wohnte, 
unb  ba  falj  fte,  wie  ba8  $oft$or  mit  einem  2Wenfdjenfu§  $ugejti(ft 
mar.  ftud)  fjierburdj  lieg  fic  ftdj  oon  iljrem  93orljaben  nidjt  ab* 
Ratten,  fte  jrttfte  baö  £f>or  auf  unb  bann  wieber  ju.  2113  fte  an 
bie  §au«t^ür  fam,  war  ber  Stiegel  berfelbcn  mit  einer  9ttenfctyen* 
§anb  jitgeftidt.  £te  ftiefte  auf  unb  wieber  ju.  ^m  fttur  ftanb 
ein  großer  Äübet  mit  $tut,  gerabe  oor  ber  ^tubentljür,  unb  biefe 
war  mit  einem  ÜWcnfdjcnftnger  gugejticft.  ^efct  erfc^ratf  bie  ftrau 
benn  bodj;  weit  fte  aber  nidjt  umfonjl  gegangen  fein  wollte,  fridte 
fte  audj  bie  ^tubenttyür  auf  unb  wieber  gu. 

Qn  ber  Cammer  faß  bie  $>ere  auf  einem  Stu^l  unb  laufte 
einen  großen,  fd)warjen  33ocf,  welker  auf  iljrem  @djoß  lag.  $)ie 
ftrau  teerte  fidj  ittc^t  baran  unb  überreizte  iljr  ruljig  ein  Btüd 
oon  bem  33atfwerf  unb  ebenfo  bem  $ocf;  in  bemfelben  3lugenbli<f 
war  berfetbe  aber  aud)  ttcrfdjmunben.  9?un  fragte  bie  §e$e  nadfj 
aüem,  was  i^r  unterwegs  $ugeftoßen  fei;  fte  foüe  eS  nur  ber  Söa^r* 
Ijcit  gemäß  erjagen,  fonft  würbe  es  iln*  fdjledjt  geljen.  SDic  arme 
$rau  madjte  in  ifyrer  $lngft  ein  ooUftänbigeS  ©eftänbnis,  unb  faum 
§atte  fte  iljre  SRebe  beenbigt,  fo  rief  bie  $ere:  „Baff,  dar  löjstl" 
unb  fofort  erfdjien  ber  53ocf  unb  oerfefcte  ber  Ungtücflidjen  einen 
fotdjen  Stoß,  baß  fte  auf  ber  <5tette  ben  ©eift  aufgab. 

SRünblia)  au$  ScrnoroSfelbc  auf  ©ollin. 

424. 

$aS  äcffelfdjeueru  in  ber  9ieujat}rduad}t. 

SBenu  ein  üftäbdjen  um  jwölf  llf>r  in  ber  9?euiatyrSnadjt  ben 
Äeffet  feuert,  fo  muß  tyr  ber  tüuftige  l'iebfte  erfdjeinen  unb  ein 
Slngebinbc  uerefyren.  (Sinft  fudjte  auf  biefe  JBeife  ein  iungeS,  (eidjt* 
fertiges  Ding  feine  ^eugierbe  $u  beliebigen,  unb  herein  trat  burdj 
bie  Xtyüre  ein  langer,  Ijagerer  8d)neiber  unb  reidjte  u)r  einen  3>oldj 
fjin.  (Srfdjrocfen  flo§  ba«  ÜJMbc^en  burd)  bie  entgegeugefefcte  2f)ür 
fytnauS,  unb  ber  3dmeiber  warf  ifyr  ben  $old)  mit  fo(djer  ©udjt 
na$,  baß  er  fidj  tief  in  ba«  $013  ber  I^ür  hinein  bohrte.  Hm 
anbern  Üflorgrn  entfernte  baö  3fläba>n  baS  ÜWcffer  unb  legte  es 


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339 


in  tyre  Sabe.  <£«  »erging  aud)  nic^t  lange  Stit,  fo  fam  ber 
<3djnetber,  ben  fie  in  ber  9teujafa«nadjt  gefefan,  $ielt  um  fie  an, 
unb  beibe  feierten  bie  $od)$eit.  Der  junge  (Seemann  nm§te  jebotf) 
ton  bem  bamaligen  Söegebni«  nidjt«  meljr. 

©ine«  Jage«  nun  framte  er  in  ber  2abe  feiner  ftrau  tyerum, 
fanb  ben  Doldj  unb  erfannte  tyn  al«  fein  (Sigentum  wieber.  3u 
gleicher  #eit  ftieg  tym  auä),  wie  ein  bunfler  Eraum,  bie  (Srinnerung 
an  bie  9Hitternaö)t«ftunbe  be«  ©tjfoefterabenb«  oor  bie  <5eele.  (£r 
rief  feine  ftrau,  aWang  fte  jum  ©eftänbni«  unb  ftiefc  iljr  barauf 
ben  'Sola)  in«  §er$  unier  ben  ©orten:  „9Ufo  bu  bift  e«  gewefen, 
bie  mir  bamal«  bie  entfefelid)e  tfuftfafyrt  in  ber  9ieuja$r«nadjt  be* 
reitet  $at". 

SHünblicp  au«  OReeftger,  ffreiS  $emmin. 
425. 

$er  Sretfdjfifc  in  ber  ^alfcittoalber  §etbe. 

5Sor  noä)  nidjt  aö^u  langer  Qeit  madjte  ein  verwegener  ©Üb* 
bieb  bie  ftaffenwalber  $eibe  unfid)er.  Äein  <5{fm§  ging  tym  fe^l, 
unb  ba«  toar  aua)  im  ©runbe  genommen  fein  ©unber,  benn  er 
fyatte  fidj  einen  ^reifc^ug  »errafft.  Unb  ba«  war  fo  ^gegangen : 
211«  er  bei  ber  (Sinfegnung  al«  tfonftrmanb  ba«  erfte  9Wal 
3um  ^eiligen  Slbenbmaljl  gegangen  war,  liefe  er  bie  Oblate  nidjt 
auf  ber  3unge  jergefan,  fonbem  na^m  fte  au«  bem  aflunbe,  trug 
fie  au«  ber  Äirdje  tyerau«  unb  fjeftete  fte  mit  einem  9iagel  an  einen 
Söaum.  Darauf  falte  er  fein  ©ewefa  unb  fpradj  Darüber  bie  ©orte  : 

„töofyr,  behalte  betne  ©tut, 

Unfer«  $>errn  3efu«  Gfaijru«  fein  Slut. 

<Bo  ba«  töofa  nidjt  will  galten, 

@o  mufe  ba«  9ioljr  öerfpalten. 
3fm  tarnen  ©otte«  be«  33ater«  f  be«  <So$ne«  f  unb  be«  ^eiligen 

©eifh«  f." 

Wachem  ba«  gefdjeljen  war,  ergriff  er  ba«  gefegnete  ©eweljr 
unb  gab  bamit  auf  bie  Oblate  einen  ©djufj  ab.  Der  traf,  beim 
fotdjc  <Sdjüffe  »erfetylen  niemal«  if>r  £iel,  unb  oon  bem  Slugenblicfe 
an  fonnte  er  mit  feiner  ftltnte  treffen,  loa«  er  wollte,  war  alfo  ein 
richtiger  ftreifdjüfc.  «Sdjofj  er  $um  ^cnfter  tyinau«  unb  war  audj 
ättöor  nirgenb«  ein  £ier  jn  feljen  gewefen,  er  erlegte  bod)  jebe«mal 

22* 


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340 


ein  3tücf  SBilb.    iflur  war  er  geawungen,  »or  iebem  Sdmtfe 
faredjen: 

„(Satan,  Ijalte  mir  baS  £ier, 

3$  geb'  bir  Scib  unb  Seele  bafür!" 

ZarauS  läfct  fidj  entnehmen,  wem  er,  als  fein  le^tes 
Stünblein  fdjlug,  gefahren  ift. 

Tlünblid)  au$  «oadfang,  Ärei«  Äanboro. 
426. 

$a£  $crenretten  StfalpurgiS. 

2(m  Wolborgen,  baS  ift  in  ber  Sftainadjt,  reiten  bie  §eren 
jum  93locf$berg  auf  einem  Sefenftiet.  Sie  faredjen  ju  bem^weefe, 
nadjbem  fic  ben  Stiel  gwif^en  bie  Seine  genommen  §aben: 

„Up  un  dervan 
Un  narens  an.u 

unb  im  $)ui  gerjt'3  burdj  ben  Sajornftein  r/inburdj  in  bie  tfüfte, 
unb  in  wenig  Stugeublitfen  befinben  fie  fidj  auf  bem  aügemeinen 
$erfammfong$r>lafce. 

(Sine  iunge  $ere,  weldje  baß  erfte  2Wal  auSfat/ren  wollte, 
t>erfpradj  fid)  unb  fagte: 

„Up  un  dervan 
Un  allerwejens  an.u 

unb  bie  ^o(ge  baoon  war,  bajj  fie  fofort  gegen  ben  Hamborn  (bie 
Cuerleifte  über  bem  greuer^erb,  an  ber  man  <Sdjinfen,  Surfte  unb 
Spetffeiten  auffängt)  flog  unb  nun  immerfort  gurücfgefiofjen  unb 
wieber  Ijerangefd/leubert  würbe.  35ie$  währte  fo  lange,  bi«  bie 
übrigen  §eren  toom  Sloiföbergc  3urücfter;rten  unb  bie  üftadjt  beS 
SKainat^tjauber«  gebrochen  war.  (Sä  ift  tyr  baburd)  bie  2uft  an 
folgen  'Jkdjtfaljrten  grünblid)  benommen  worben. 

Um  fidj  uor  ben  böfen  ©inflüffen  ber£eren  su  jdjüfcen,  maa)t 
man  mit  bem  Scf/üfcel  (b.  i.  bie  ftvücfe,  mit  weldjer  beim  Warfen 
bie  glüljenben  &of>len  uadj  oorn  gefdjoben  werben)  an  alle  Spüren 
nnb  ©eräte  fdjwar$e  Streute.  $)ie  weisen  Äreuje  mit  Äreibe, 
weldje  man  audj  ttfufig  fie^t,  nüfeen  nidjt  Diel.  Sil«  eine  $>ere 
biefetben  erblidte,  rief  fie  au«: 


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«Witt, 

Dat  is  vorn  Schitt! 
Äwer  schwärt, 
Dat  is  härt!" 
9Jtünblid)  aus  Söeicrsf)Öbc,  Urei«  Öreifen&aßen. 

427. 

#e|e  im  Stebreifen  bei  8eicr0f)öljc. 

©in  #ncd)t  ging  einft  in  ber  52ä^c  ton  93eter«hölje,  im 
Greife  ©reifentyagen,  auf  ber  l'anbffrajje,  al«  tym  ein  ©iebreifen 
entgegengelaufen  fam,  au«  bem  btc  f>errlid)fte  Sttufif  ertönte.  $)er 
Smif  mollte  an  i^m  »oriiber  eilen,  bod)  ber  Surfte  friefe  ben 
Siebranb  mit  bem  oHifce  unt/  unD  nun  "ef  e*ne  ©throne  fläglidj: 
,,$d)  bin  eine  $ere  unb  auf  meiner  ftatjrt;  ridjtejt  bu  ben  9?eifen 
nidjt  mieber  auf,  fo  bin  id)  oerloren  unb  mufc  mein  Veben  laffen." 
3)o  lieg  fid)  ber  ÜRann  ermeidjen  unb  miüfa^rte  ber  ©itte,  unb  in 
bemfelben  Slugenblicfe  mar  ber  <Siebranb  audj  fdjon  mieber  in  Se* 
megung  unb  rollte  bie  Straße  baljin  unb  mar  balb  in  ber  fterne 
üerfdjmunben.  Gbenba|er. 

428. 

$cr  9?iirfeufm>d)cn  Dom  f et) morgen  Äater. 

95ei  flßartenfliefj  lebte  einft  ein  üttann,  ber  gefürdjteter  mar, 
mie  ber  leibhaftige  Xeufel.  So  er  ftafjt,  ba  gelang  e*  tym  immer, 
ba«  gange  $au«  auSsuplünbern;  benn  alle«  mar  oom  tiefften 
Sdjlafe  umfangen,  folange  er  in  ber  Söolroung  meilte.  Ser  ü)n 
geärgert  Ijatte,  bem  oermünfdjte  er  ba£  3Mef>  ober  er  bradjte  U>m 
eine  Scrantyeit  an  ben  §atS,  unb  mad)te  ftd)  bie  ^olijei  auf  ben 
Söeg,  um  tön  für  bie  Untaten  in  ba«  ©efängni«  $u  fteefen,  fo 
bannte  er  bie  ©enbarmen,  bafj  fie  feft  mürben  unb  fein  ©lieb  meljr 
regen  fonnten.  9?ur  auf  uiele«  ©itten  toerftanb  er  fid)  bagu,  fte 
mieber  gu  löfen.  28er  aber  einmal  in  biefer  £age  gemefen  mar, 
ben  oermodjten  feine  9?erfpred)ungen,  ie  mieber  $anb  an  benUntyolb 
gu  legen. 

(Snblid)  fam  man  ba^inter,  mof>er  er  fold)e  äfladjt  befaß. 
$n  einer  9Jeuia^r«nad)t  hatte  er  einen  fofjtfa)tt)aräen  Äater,  an  bem 
aud)  fein  einzige«  meifceS  §aar  mar,  genommen,  an  ben  pjjen 


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342 


jufammengebuubeu  uttb  tebenb  in  einen  Seffel  »armen  Laffeld  gefegt. 
$)arauf  madjte  er  <£euer  unter  Dem  Äejfel  an  unb  ließ  ben  Sater 
äu  £obe  fodjen,  big  fidj  fteü  unb  ftteifd)  0011  *>en  &iwd)«t  löften. 
©obann  naljm  er  einen  Keinen  $noä)en  oom  föiicfgrat,  ftecfte  il)n 
$u  fid)  unb  war  bamit  in  ben  93eftfc  beS  3au^crS  fle^anfl**  Dcr  ^u 
bie  größten  unb  fdjwerften  ftünfte  foielenb  »errieten  ließ.  $Ba3 
biefer  $eufet$fited)t  für  ein  Gnbe  genommen,  weiß  man  nic^t  meljr. 

URünbfid)  au$  ÜWarienfliel,  ÄreiS  SaajtQ. 

429. 

flogen  tterblenbcn. 

$n  fttcfer  lebten  früher  jwei  große  «fterenmeifler,  ein  Qä'ger 
unb  ein  Sauer,  bie  waren  einanber  fpinnefeinb.  Um  feinen  $eben* 
bunter  3U  ärgern,  oer^te  ber  Sauer  eine«  Jage«  bem  ^äger  baS 
(Sewefyr,  fo  baß  berfetbe  feinen  Sctyuß  abfließen  tonnte.  Dodj 
oermöge  feiner  ßauberfünfle  wußte  biefer  batb,  worin  ber  Übet» 
ftanb  feinen  ©runb  Ijatte,  unb  wer  ber  Urheber  beSfetben  gewefen 
war,  unb  befdjtoß,  fid)  ju  räcf>en. 

2ÜS  ber  Sauer  am  Stbenb  in  ben  Statt  ging,  um  $äcffel  für 
bie  ^ferbe  $u  fdmeiben,  fanb  er  im  Stroty  eine  2Wenfdjenljanb 
liegen.  ($rfa)rocfen  ergriff  er  fie,  ging  bamit  in  bie  <§tube,  um  fie 
nityer  $u  beficfytigen,  unb  bemerfte  nun  31t  feinem  ärger,  baß  es 
feine  eigene  $anb  war,  weldje  er  feftljielt.  3)a  erfannte  er,  baß 
er  eS  in  bem  ^ager  mit  einem  Stärferen  &u  tfmn  Ijabe,  unb  banb 
fünftig  nie  wieber  mit  ilnn  an. 

9RünbIi$  aus  Äicfer,  #rei$  Wauaatb. 
430. 

$ie  SWüttmn  imb  ber  SWä^fned|t. 
I. 

3tuf  einer  ÜRüljte  tonnte  unb  tonnte  fein  ÜJ2iu)tfned>t  lange 
aushalten;  benn  jebe  Stfadjt  fam  eine  große,  abfdjeulidje,  fdjmar$e 
ftafce  in  ba$  Sdjlafäimmer  beSfetben  unb  erfdjrecfte  tyn  bermaßen, 
baß  er  alle  l'uft  öerlor,  aud)  nur  eine  5)iad)t  nodj  in  ber  unt|eün* 
Itdjen  2J?iu)le  aufbringen.    (Jnblia)  mclbcte  fidj  bei  bem  SWüücr 


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343 


ein  bester  (SJefelle,  ber  Eob  uub  £eufel  nidjt  fürchtete,  wie  man 
fo  $u  fagen  pflegt,  unb  bat,  if>n  al$  sJ)ftif>lfnedjt  anguftellen. 

3)er  Füller  ging  jwar  barauf  ein,  ergäljlte  jebod^  gubor  bem 
neuen  Änedjt  unummunben,  was  feinen  Vorgängern  in  ber  erften 
•Jfadjt  $ugeftoßen  fei.  Slber  bem  Surften  mad)te  ba$  feine  ©orge, 
unb  ber  ßienftoertrag  mürbe  abgefdjloffeu.  21t*  e«  nun  Slbenb 
würbe,  na§m  ber  ©efelle  einen  großen  Snüppel  unb  ging  in  feine 
Sammer  Ijinauf,  bann  30g  er  um  feine  t'agerftatt  einen  &rei8  mit 
treibe  unb  legte  ficf>  fd^Cafen. 

®egen  ÜHitternad)t  erwadjtc  er  wieber,  benn  bie  Stfnir  öffnete 
fidj,  unb  herein  trat  bie  große  Äafee,  unb  fec^S  anbere  folgten  ifn* 
nadj.  «Sobalb  bie  erfte  ben  &reibefrei£  überf dritten  fjatte,  fprang 
ber  ü)?üljlfned)t  auf  unb  oerfefcte  iljr  einen  folgen  ©djlag  mit  bem 
Snüppet,  baß  fte  jitfammenbrad)  unb  fofort  oerenbetc.  ^n  bem« 
felben  Slugenblicf  waren  aber  and}  alte  $afcen  famt  ber  toten  Oer* 
fdjwunben,  uub  ber  &ned)t  legte  fid)  wieber  in  fein  Söett  unb 
fdjlief  weiter. 

9113  am  anbern  3ttorgen  bie  Veute  gum  f^riiljftücf  oerfammelt 
waren,  erfdn'en  bie  SWeifterin  nicfyt  beim  (Sffen.  Üttan  wartete  lange 
oergeblidj,  enblid)  fab  man  in  ber  8djlafftube  nad),  unb  fielje,  ba 
lag  bie  SOftillerin  tot  im  93ette,  uub  oon  ber  einen  £anb  fehlte  ein 
ftinger.   $en  Ijatte  ber  ftnedjt  mit  bem  Änüppel  abgeflogen. 

üRünblidj  aus  Den  Ärcifcn  Staugarb  unb  Semmtn. 

n. 

(Sine  ÜMlerSfrau  war  eine  große  $ere.  Qn  ©eftalt  einer 
Safee  fpürte  fie  tyren  (Mefellen  auf  <Sdjritt  unb  Stritt  nad},  unb  bie 
waren  ttyöridjt  genug,  fie  nur  mit  gelinben  8d)lägen  ljinweg  $u 
treiben.  $)afür  rädjte  fidr)  bann  ba«  boSljafte  Sßeib  unb  braute 
alle  ©efellen  ber  SHeifye  nad)  um.  Ratten  bie  Surften  bie  #afce 
blutig  gefd)lagen,  fo  fyätte  iljnen  bie  äftüüeriu  nidjts  angaben  fönnen. 

$)er  SWüUer  fonnte  am  @nbe  feinen  ©efellen  me^r  finben, 
ber  bei  tym  btenen  wollte.  3ulefet  welbete  ftdj  nod)  ein  alter 
SWann.  35er  fagte,  er  wolle  e«  einmal  oerfudjen,  er  fei  ja  boef) 
fdjon  alt,  unb  an  feinem  ?eben  wäre  nic^t  meljr  Diel  gelegen.  Der 
ÜRüller  war'«  aufrieben,  unb  ber  neue  ©efelle  trat  feinen  $)ienft  an. 

(Sine«  9(benbS  ging  ev  auf  ben  £of,  $013  gu  fyolen,  um  ba* 
mit  feinen  Cfen  ju  feigen.   (Sben  wollte  er  einige  ©djeiter  öon 


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:U4 


bem  ^>olgfto§  herunter  nehmen,  als  er  einer  Äafce  anfidjtig  würbe, 
bie  tl)re  Pfoten  auf  bas  ^>ptj  legte  unb  iljn  baburdj  fn'nberte,  baoon 
gu  nehmen.  „§alte  bie  Pfoten  meg",  rief  er  beut  Xitr  gu;  ober 
bte  Äafce  folgte  nidjt.  $a  Ijieb  er  mit  feinem  fdjarfen  Seite  gu 
unb  fdjlug  ityr  bie  eine  ^fote  ab.  $m  nämlidjen  Sfagenblicfe  mar 
bie  Äafce  uerfdjmunben,  anftatt  ber  'Pfote  lag  aber  ein  Ringer  auf 
bem  93oben,  auf  bem  ftetfte  ein  Trauring,  unb  ber  Warne  barin 
mar  fein  anberer  al$  ber  Warne  ber  SWüllerin.  ^e^t  erfannte  ber 
alte  3J2üller,  baß  feine  ftrau  eine  $ere  mar,  unb  tief}  fie  tot  „abem". 
2luö  Moro,  fit.  gtegenroalbe:  ÜNitfleteilt  burdj  fcrnn  $rof.  6.  5?uf>n. 

431. 

$er  $lotf$&erg  im  Schweriner  8rud|. 

2lm  Sulbrect/tSabenb  gter)eu  bie  $eren  in  ben  <Sdjmeriner 
Srud)  auf  ben  ©locfsberg,  mo  man  bann  am  anbern  borgen  nodj 
ben  9fing  fet/en  fann,  ben  fie  im  ®rafe  getangt  l)aben.  (Sine  $ere 
na^m  einmal  auf  biefe  Steife  iljren  £ned)t  mit  unb  flog  babei  als 
eine  fdjmarge  (Sau  mit  iljm  burdj  bie  tfiifte.  9(18  fie  auf  bem 
SlodSberge  angelangt  maren,  betam  jebe  £eje  beim  2ftatjle  eine 
Krüllerft,  baS  ift  eine  fo(dt)e  (Srbfe,  bie  einmal  aufgequollen  ift. 
£er  Sfrtedjt  mußte  babei  auf  einem  flafeenfdjmang  bie  SJhtfif  macr/ert 

33er  e$  mit  anfet)en  mill,  mie  bie  §eren  in  ben  33rudj  far/* 
ren,  ber  muß  fidj  unter  eine  (Srbegge  fefeen.  @in  $nedjt  tt)at  baS 
audt)  einmal,  unb  ba  fab  er,  mie  eine  ftravi  an  iljren  Satfofen  trat, 
fidj  auf  eine  ©erfteP)  fefete  unb  mit  bem  Spruche: 

M91uf  unb  baüon 
Unb  nirgenbä  an." 
in  bie  2uft  flog.   (£r  motlte  e$  ifjr  nadjtlmn,  fpradj  aber  ben  gprudj 
falfdj  nadj  unb  fagte: 

„9(uf  unb  babon 

Unb  attermegen  au". 
3)a  ift  er  benn  untermegS  arg  in  bie  Säume  geraten  unb  gang  ger* 
fdjunben  auf  bem  SlocfSberg  angefommen,  fo  baß  er  nie  mieber 
l'uft  gu  folgen  ftor/rt«1  in  fidj  ocrfmtrte. 

Gbenbat)«. 

l)  öerftel  ein  Sadgerät,  auf  bem  bic  JBtotc  in  ben  »acfofen 
fdjoben  roetben. 


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345 


432. 

$e;e  mill  ihre  £od}ier  jaubern  (eljreit. 

Der  Teufel  fefet  ben  J)e$en  fehr  gu;  fo  muß  jebe  $)exe  bor 
ihrem  Xobe  eine  anbere  angelernt  Ijaben,  bamit  bie  Qaty  immer 
ooll  bleibe.  T)a8  ift  aber  nidjt  fo  leidjt  ju  machen,  benn  melier 
gottesfurchtige  Shrijtenmenfdj  oerfdjriebe  ftdj  mohl  gern  bem  Teufel. 
T>a  fie  jebod)  ihrer  ^flidjt  na^fommen  müffen,  fo  ^at  eine  alte 
$ere  einmal  fogar  ihrer  eigenen  Tochter  nid)t  gefront,  <Sie  faufte 
einen  neuen  Topf,  ftellte  ihn  auf  ben  Tifd)  unb  fprad)  bann 
bie  Sorte: 

„3$  glaub'  an  ben  Topf, 

Unb  fch  .  .  .  in  ©ott". 
Das  follte  baS  $inb  nadjfpredjen ;  bod)  es  mar  beffer  als  feine 
gottlofe  9)totter  unb  tyat  es  nicht  gett)an. 

ßbenbaher. 

433. 

$rebtgcrStodjtet  lernt  I|e|en. 

(Sine  ^ßrebigerStodjter  mar  mit  einem  ©utSbefifeer  »erheiratet. 
Sie  hatte  bort  jmar  it)r  gutes  2luSfommen,  aber  trofebem  mar  fie 
habgierig  unb  hatte  feinen  größeren  2öunfch,  als  reich,  fehr  reich  $u 
merben.  Da  mar'S  ihr  benn  recht  angenehm,  baß  ihr  eine  alte 
§e$e  im  Dorf  bie  ftunft  lehrte,  aus  ben  Slcferfelbern  unb  bem  2Meh* 
ftanb  einen  boppelt  großen  Ertrag  $u  erzielen.  3u  bem  ^meefe 
faufte  baS  Sffieib  einen  neuen  Topf,  pellte  ihn  auf  ben  Tifch  unb 
fpradj  ber  iungen  ftrau  bie  (äfterlic^en  ©orte  bor: 

,(3dj  glaub'  an  ben  Topf, 
Unb  fch  ...  in  ©Ott". 
Unb  baS  habgierige  SBefen  fprad)  ben  ©prud)  nadt)  unb  fagte  fi(h 
bamit  lo$  oon  ©Ott. 

2US  fie  nun  auf  bem  Totenbette  lag,  fam  auch  ber  SBater  $u 
ihr,  um  ihr  Troft  juaufpredjen.  2Bie  er  jeboth  ihre  große  Slngft 
unb  ©eelennot  gemährte,  oermunberte  er  fid)  barüber  unb  brang  in 
fie,  bi«  fie  ihm  alles  geftanb.  Der  33ater  marb  fehr  jornig  über 
feine  gottlofe  Todjter,  aber  meil  fie  fein  Äinb  mar,  berfpradj  er  ihr, 
ohne  Aufhören  für  fie  au  beten,  unb  als  ein  3eid)en,  baß  fie  oon 
®ott  begnabigt  fei,  molle  er  eS  anfehen,  menn  fte  nadt)  ihrem  Tobe 


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34« 


al«  toeiße  Xaubt  an  fein  ftenfter  'ämc-  ^ämc  aDer  em  ^ö&c'  f° 
wijfe  er,  baß  ©Ott  fie  oertoorfen  Ijabe. 

Sobalb  bie  ftrau  geftorben  mar,  flog  ein  SRabe  gegen  baS 
Orenßer  unb  frädjjte  mit  fdjauriger  Stimme: 

„®ott  einmal  oerfdjtooren, 
Stuf  etoig  oerloren!" 

9Bte  tief  übrigen«  felbft  "^rebigerSfrauen  finfen  fönnen,  fietyt 
man  barauS,  baß  ba3  ©eib  eines  ^aftorS  in  ber  9Kcfolücr  ©egenb 
oerjtanb,  burdj  einen  auf  bie  (£rbe  gefegten  unb  mit  einem  3aubcr= 
fpru$  gefegneten  gtoirnöfnäuel  bei  bürrer  ßeit  ben  Regelt  auf  iljre 
gelber  ju  gießen. 

Gbcnbabtr. 

434. 

©ie  man  $ejen  unb  $e;enmerf  erfemten  fauu. 

©er  ein  fünfblättriges  Äteeblatt  ober  ein  (Si,  ba«  am  Öfter* 
morgen  oor  »Sonnenaufgang  ober  in  ber  WeuialjrSnadjt  gelegt  ift, 
ober  einen  tföffel  mit  $eig,  melier  $ur  felben  3eit  mit  biefem 
Söffet  eingerührt  ift,  unmiffenb  bei  fid>  fü^rt,  ber  tann  alte  |)cyen 
erfennen.  $n  ber  Stirpe  tragen  biefelben  nämlid)  ftatt  ber  Rauben 
SButterfäffer,  Stü^eln  ($>anbfäffer)  unb  anbere  berarttge  Singe 
auf  bem  Äopfe. 

©enn  man  fo  ettoa«  gefeljen  Ijat,  muß  man  jebo$  fe^r  oor* 
fidjtig  fein;  benn  bie  §eyen  roiffen  genau,  baß  fie  erfannt  finb. 
Um  ityrer  föadje  ju  entgegen,  muß  man,  beoor  oon  bem  ^rebiger 
Slmen  geforo^en  ift,  eitenb«  au«  ber  Äir^e  herauslaufen.  Chrbafdjen 
bie  erboften  §ejen  einen  babei,  fo  wirb  er  oon  tynen  serriffen,  wenn 
er  tynen  nid)t  gufd^mört,  fie  niemals  oerraten  gu  motten. 

Sonft  fann  man  bie  $)eyen  aud)  an  iljren  roten  Stugen  unb 
an  i^rem  boshaften  §erjen  erfennen.  £enn  eine  richtige  §ejre  freut 
fta)  über  eine  fdjledjte  £t>at,  bie  fie  oerübt  ljat,  metyr  als  über  ben 
fünften  ©raten. 

(Sbenba^er. 

435. 

Gfauffer  enttarnt. 

(Sin  „Spiet"  (b.  i.  ein  £afd)enfpieler,  ^ejenmeifter,  ©aufter 
ober  tauberer)  machte  auf  ber  Straße  feine  Äunftjtücfe.  Unter  an* 
berm  frod)  er  mitten  burd)  einen  Ätofc  ($rumm)  ^inburd),  baß  bie 


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347 


dauern  2)iunb  unb  9iafe  aufteilten.  2)a  fam  ein  2)Jäbd)eu  Ijinju, 
ba«  sufälfig  ein  fünf  blättrige*  Jtleebtatt  bei  fid)  trug.  tonnte 
ber  £piel  bie  Slugen  nidjt  oerblenben,  unb  baram  falj  fie  genau,  bajj 
ber  #erenmeifier  nitfyt  burdj  ben  $lofe,  fonbern  nur  über  ilpn  Ijimoeg 
lroa>  Vergnügt  lachte  fie  ben  ^djtoinbler  au«.  2)er  l)at  ifn*  ba« 
aber  getoaltig  übet  genommen  unb  fyat'3  ft)r  angetan,  fo  bafj  fie 
nacf)  brei  Jagen  fterben  mujjte. 

ßbenba&er. 

436. 

$er  Säger  unb  ber  Sdjäfer . 

$n  Sängerin  lebte  einmal  ein  Säger  unb  in  ^iepfiocf  ein 
©djäfer,  bie  beibe  Qaiiberbiidjcr  befafjen.  Sine«  £age*  erzürnten 
fie  fidj,  unb  ber  (Sdjäfer  fcr>og  be*tyalb  oon  *?ßiepftocf  au*  bem 
3äger  in  Sängerin  in*  Sein.  3)a*  toar  aber  ein  nod)  größerer 
3auberer  al*  ber  Sdjäfer;  unb  toie  biefer  einft  auf  einem  <©tein» 
brint  faß  unb  in  feinem  .ßauberbudje  laö,  fam  plöfclid)  eine  gro&e 
Üttenge  üRaben  fjerbeigeflogen  unb  bacfte  ir)m  auf  ben  Äopf.  föücf* 
roärtslefen,  ba*  fonfi  immer  fnlft,  tonnte  bie  33ögel  nid)t  Oer* 
treiben.  2)a  merfte  er  benn  roofyl,  bajj  e*  iljm  ber  Qäger  an* 
getfyan  Ijabe. 

9Jad)  einer  ganzen  ©eile  fam  biefer  aud)  ju  iljm  unb  fagte, 
bie*mal  roolle  er  tym  ba*  Seben  nod)  fdjenfen;  er  folte  e*  aber 
nie  »ieber  »agen,  mit  ifrni  in  Settfrreit  gu  treten.  £)ann  liefe  er 
bie  9laben  berfd)tt>inben  unb  fefyrte  roieber  nadj  Sängerin  gurüd. 

$)erfelbe  $äger  fd>ojj  oft  Äafeen  oom  (Sdjornßein  Ijerab,  unb 
nenn  fie  unten  anfamen,  fo  maren  e*  J)afen  unb  rourben  aud)  oon 
ben  Vcuten  al*  $afen  gefauft  unb  gegeffen.  Sobalb  er  jagte, 
brauste  er  bagu  gar  ntct)t  in  ben  Salb  gu  geljen.  @r  fdjojj 
einfach  pm  ^enfter  tyinau*,  unb  in*  $>er$  getroffen  ftür^tc  ein 
$afe  nieber. 

ISbtribobtx. 

437. 

$a*  fcdifre  unb  fieberte  8udj  SWofe*. 

Räuber*  ober  ÄoraftemSüdjer  finb  befonber*  ba*  fedjfie  unb 
fiebente  33ud)  üttofe*.  Segen  tbrcö  un^eilbringenben  Qnl/alt*  finb 
fie  au*  ber  33ibel  oerworfen  tuorben,  bod;  finbet  man  fie  no$  $in 


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348 


wtb  wteber  oon  beu  ^aftoren  in  bcn  Sttrchen  aufbewahrt.  SBirft 
man  fotc^e  Siicfjer  in  bog  fteuer,  f»  öerbrenneu  fic  nicht. 

(Sin  SDMllergefelle  bcfa§  ein  berartige«  3auberbuch.  er 
nun  cinft  in  bic  Äir^e  gegongen  war,  fam  fem  ÜJieifter  herju  unb 
la«  in  bent  Suche,  ba8  ber  ©efelle  au«  3?erfehen  auf  bem  Jifdje 
hatte  liegen  laffen.  $ie  ©ef  (hinten,  welche  barin  ftanben,  gefielen 
ihm  über  bteflHafjen;  aber  mährenb  er  la«,  traten  mit  einem  2Me 
»tele  $errcn  jnr  Shüre  hinein,  festen  fic^  an  ben  Sifdj  unb  »er* 
langten  Arbeit. 

$)a  würbe  bem  üJteifler  himmelangft,  unb  er  fanbte  jur  #irct)e 
unb  lief  ben  ©efellen  eilenb«  herbeiholen.  £)er  la«  alle«,  ma«  ber 
2ttütler  oorwärt«  gelefen  hatte,  wieber  riiefwärt«  aurüct,  unb  bamit 
oerfdjwanben  bie  ©eifier.  Dod)  mar  er  fc^r  böfe  über  ben  Sßorwife 
[eine«  Sfteifter«  unb  fdjalt  u)n  tüchtig  au«  unb  befahl  ihm,  nie 
wieber  bie  Südjer  anzurühren.  ebenbaber. 

438. 

$a£  Suttermadjen. 

(Ein  ©djneiber,  ber  bei  einer  ftrau  in  Sdjooanj  arbeitete, 
bemerfte  einmal,  wie  biefetbe  beim  Stottern  etwa«  unter  ba«  gafj 
legte,  worauf  bteSutter  fofort  herausquoll.  2U«  ba«  ©eib  hinauf 
gegangen  mar,  nahm  er  bie  (Gelegenheit  wahr  unb  flaute  nad}. 
35a  fah  er  nun,  baf  ein  roter  Sappen  unter  bem  gaffe  lag.  Schnell 
ergriff  er  bie  ©djere,  fchnitt  ein  ©tücfdjen  baoon  ab  unb  nahm  e« 
mit  [ich  na(h  $>aufe. 

$ort  oerfudjte  er  auf  biefetbe  Söeife  ju  buttern,  wie  bie  grau 
in  ©chooanä,  unb  e«  gelang  auch  fehr  gut.  Slber  am  Slbenb  öffnete 
fi(h  bie  Ihüre,  ber  Xeufel  trat  herein  mit  einem  Such  unter  bem 
2lrm  unb  oerlangte  oom  Sdjneiber,  er  folle  barin  feinen  tarnen 
einfehreiben;  benn  er  fei  jefct  fein,  weil  er  oou  feinem  Raupte 
etwa«  abgefchnitten  h<*be.  $er  ©cfmeiber  oerlangte  Sebenf  jeit,  unb 
ber  Söfe  ging  auch  barauf  ein,  lief?  ba«  Such  bei  bem  Spanne 
liegen  unb  üerfdjwanb  mieber. 

Saum  mar  er  fort,  fo  eilte  ber  ©chneiber  jum  *Paftor  unb 
erjählte  ihm  ben  ganjen  Raubet.  2)er  ^Jrebiger  riet  ihm,  er  folle 
in  ba«  Such  htneinfehreiben :  ,,2)a«  Slut  $efu  GhrifH,  be«  ©ohne« 
©orte«,  macht  mich  rein  öon  allen  ©ünben",  unb  bann  möge  er 
nur  ruhig  abwarten,  wie  alle«  oertaufen  werbe. 


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349 


911«  am  anbevn  borgen  ber  £eufel  wieberfam,  tonnte  er  ba« 
23ud)  nidjt  angreifen.  3omig  »erlangte  er,  ber  <§djneiber  folle  ben 
5prud>  ausreißen.  9lber  ber  lieg  ben  Söfen  reben,  fo  oiel  er 
wollte,  unb  wirfltd)  fonnte  ibm  ber  Xeufel  mdfytd  angaben,  fonbern 
mujjte  unoerridjteter  ©adje  ljeimfer)ren.  Neugierig  öffnete  ber 
Sdmeiber  jefct  ba«  23u$,  unb  fielje  ba,  alle  ftrauen  au«  (Sdjoüanj 
waren  bort  al«  £exen  eingefdjrieben,  unb  »eil  ber  Teufel  iljre 
Unterfdjriften  nidjt  meljr  tyatte,  fo  waren  fie  aUefamt  erlöft. 

Docr)  einen  s3?adjteil  Ijaben  bie  ©d)ooanaer  bennod)  oon  tyrem 
§erenmerf  gehabt.  $tyre  S9utter  pflegten  fie  tiämltc^  nadj  $lat$e 
3U  Hefern.  911«  aber  biefe  ©efdudjte  rud>bar  würbe,  ba  würbe  e« 
ben  ^latbenern  flar,  warum  fid)  ifyre  SJutter,  fobalb  fie  in  bie 
Pfanne  gefommen,  ftet«  in  Äufnnift  oerwanbelt  Ijatte,  unb  fein 
3Wenfö  in  Watlje  Ijat  feit  ber  Seit  wieber  au«  ©djoöanj  ©urter 
bejogen. 

Gbenbal)et. 

439. 

25a«  Srfjloft  öerfdjlte^cH. 

$rüfjer  fyat  e«  fdjänblidje,  alte  $)erenweiber  gegeben,  welche 
burdj  .ßauberfünfte  bie  Styen  finberlo«  $u  madjen  wußten,  ©o  war 
einmal  eine  foldje  $ere,  bie  lief  mätyrenb  be«  Srautjuge«  jWifdjen 
ben  Abteilungen  ber  grauen  unb  Männer,  atfo  $wifd)en  SSraut  unb 
Bräutigam,  Ijinbur^  unb  ^ielt  babei  ein  ©d>lof  in  ber  $anb,  ba« 
fie  jubrüefte  unb  in  einen  tiefen  SBrunnen  warf. 

$a«  junge  (£^epaar  blieb  infolge  beffen  lange  Qtti  finberlo«. 
5)a  würbe  einmal  uad)  Qa^ren  ber  Srunnen  gereinigt,  unb  e«  fanb 
fiel)  bovin  ein  oerroftete«,  jugebrüefte«  @d)lojj.  Sil«  man  e«  öffnete, 
quollen  barau«  brei  3Mut«tropfen  f)er»or.  Qeber  S8lut«tropfen  war 
ein*  ber  ftinber,  welche  burd)  bie  ftunft  ber  alten  $ere  ben  (Sltern 
geraubt  waren. 

(fbenbaber. 

440. 

§tnrtd)tung  einer  Äiub«mötberiu  bei  $aber. 

$or  oielen  ^aljren  würbe  auf  bem  ftelbe  unweit  2)aber  eine 
fönbäntörberin  hingerietet.  @«  war  ein  l;übfd)e«ä)?äbdjen,  unb  ber 
genfer  erbot  fidj,  fie  jur  $rau  $u  nehmen;  aber  fie  fdjlug  e«  au«, 
ba  fie  nur  bie  oerbiente  ©träfe  erleibe,  Wenn  fie  flerbe. 


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350 


9H«  il>r  nun  ba«  §aupt  abgefölagen  fear  unb  ba«  Sfut  meit 
umljerfprtt)te,  brängten  fia?  aße  Seute,  bie  etwa«  $u  oerfaufen 
Ratten,  befonber«  ©äefer  unb  ©rauer,  t>eran,  um  in  einem  Sappen 
einige  tropfen  aufzufangen.  Da«  ©tut  eine«  armen  Sünber«  ff» 
nämlidj  gut  ju  mancherlei.  Die  Söäcfer  unb  Trauer  tauten  ben 
Sappen  mit  folgern  ©lut  in  ben  Xeig  unb  ba«  5Jier,  bann  U- 
fommen  fie  großen  3ulauf  oon  Äunben.  ^ferbebefifeer  reiben  mit 
folgen  Sappen  iljre  föoffe,  barnadj  werben  fie  blanf  unb  glängenb; 
unb  bergleidjen  me^r. 

9lud>  er$ät)lt  man  fid),  baß  ba«  Sdmjert  be«  genfer«  oor 
jeber  Einrichtung  brei  Tage  lang  an  ber  2öanb  gittert.  Üttan 
nennt  ba«,  ber  Teufel  „fpielt"  an  bem  <Sd>  werte,  ferner  wiffen 
bie  Seute,  baß  ber  ©ajinber  brei  Streike  frei  tyabe;  trifft  er  bann 
noc^  nidjt,  fo  muß  er  felbft  be«  £obe«  gerben. 

ßbenbafcr. 

441. 

Sarum  ber  $ajj  Sbbon  je$t  Scatrijr  Ijeiftt. 

Senn  man  an  bem  £age  Slbbon  einen  Schnitt  in  einen  Saum 
frfmeibet,  fo  ift  e«  fidjer,  baß  berfetbe  oerborrt.  ^djledjte  Seute 
t)aben  be«ljalb  früher  an  biefem  Jage  fetjr  mel  <Sdjaben  tt)un  fönnen. 
Slu«  bem  ©runbe  fjat  man  bem  Xag  einen  anbern  tarnen  gegeben 
unb  tt)n  93eatrij  genannt,  bamit  bie  Kenntnis  oon  feinen  untjeil* 
ootten  (Sigenfdjaften  oerloren  gefyen  mödjte. 

gbenbaber. 

442. 

$et  .Sauber  in  ber  8nbrea«narf)t. 

Dura)  geiuiffe  3erc"ionien  fönnen  fid)  bie  2ttäbdjen  in  ber 
9lnbrea«nad)t  ben  Slnbluf  it)re«  fünftigen  ^erjtiebften  »erfdjaffen. 
(Sine  Dirne  tljat  ba«  aud),  unb  ba  erblitfte  fie  einen  frönen,  ftatt» 
lid)en  ©otbaten,  ber  fie  nadjmal«  wirflid)  jur  Jrau  na^m. 

Da«  üftäbdjen  t)atte  bem  SKanne  aber  in  jener  ^adjt  fein 
©djwert  abgenommen  unb  f elbige«  lange  $at)re  in  iljrer  Sabe  Oer* 
wat)rt.  3uf&Hig  fa"j  c$  oort  Der  ^olDat  einmal  liegen,  geriet  in 
großen  3orn  unb  fagte:  „2tffo  bu  bift  bie  $)ere,  bie  mir  foldje 
©djmadj  angettyan  t)at,  baß  idj  mein  Sdjmert  uerlor  unb  miA  in 


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351 


iener  Oiadjt  fo  quälte!"  Damit  ergriff  er  ben  Stahl  unb  friefc  it)n 
ber  ftrau  in'8  §erj. 

Gbenbaper. 

443. 

Der  SlotfSfcerg  bei  Ganttmn. 

^TOifdjeu  (Sammiti  unb  ©ottin  liegt  ein  Heiner  Sanbljügel, 
ber  SlocfSberg  genannt,  auf  bem,  toie  überhaupt  auf  aUen  991ocf$* 
bergen,  bie  $ejen  ber  ©egenb  in  ber  2öalpurgi$nadjt  ihre  35er* 
fammlungen  abzuhalten  pflegen. 

CSinft  ^atte  ein  Mann  au«  Soltin  ben  51benb  oorljer  feinen 
#iegenbocf,  ber  am  331ocf$berg  meibete,  in  ben  Stall  31t  bringen 
oergeffeu.  l'ange  nach  Mitternacht,  als  e$  fdjon  gegen  borgen 
mar,  ermatte  er  plöfelid)  unb  erinnerte  fidt)  an  biefeä  SBerfäumniS. 
Silmell  fleibete  er  fid)  an  unb  rannte  bem  ©locfSberge  ju,  wo  er 
brei  $)ejen  unb  einen  $>e$enmeifter  oerfammelt  fanb. 

O^ne  fid),  mie  man  bod)  t^un  foll,  breimal  ju  befreien, 
toollte  er  eilenbS  ben  33ocf  loSfetten,  aber  bie  §ejren  t>erl)inberten 
t^it  baran  unb  fagten  ihm,  jefct  fei  er  ber  ihre  unb  mäffe  bei  it)nen 
bleiben.  Da  er  jebodj  feinen  Sefen  $um  Reitpferb  t)abe,  tute  bie 
anbern  aperen,  fo  folle  er  ba^u  feinen  3^c3en^oc^  gebrauchen.  So* 
bann  mußte  er  fid)  auf  benfelben  fefeen  unb  breimal  ben  Serg 
umreiten. 

Seit  ber  $eit  hat  man  biefen  Mann  niemals  mieber  in  Sol* 
tin  31t  fet)cu  befommen.  9Zur  in  jeber  £Ba(purgi£nad)t  fann  man 
Um  bor  Sonnenaufgang  erblicfen,  roie  er  mit  ben  anbern  |)ejeu 
auf  bem  231ocf$berge  erfd)eint.  23ei  bem  Umritt  finbet  folgenbe 
Reihenfolge  ftatt.  Sit«  erfter  reitet  ber  ^ejenmeifter  auf  einem 
fajwarj  unb  meinen  99ocf,  bann  fommen  bie  brei  §ejen  auf  ihren 
SBefenftielen  unb  als  lefcter  enblich  ber  Soltiner  Söauer  auf  feinem 
eigenen  »jiegenboef. 

2)iünblia?  aus  Sottin,  ÄreiS  (lammin. 
444. 

Odtfe  511  $obe  gejanbert. 

£)at  ein  Dieb  oon  bem  geflogenen  <&ute  etroaS  jurüefgetaffen, 
fo  fann  mau  mit  $ilfe  biefeS  9tefte£,  unter  Slnwenbung  bon  Qaubex* 
fünften,  ben  Miffetljäter  31t  Xobe  bringen. 


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352 


(Sine  %ran,  rodele  biefe  Sunft  audj  fannte,  Ijatte  <5torn  ^um 
Steigen  an  ben  8ee  gebraut,  3n  iljrer  Slbmefentyeit  fam  ein  Odjfe 
unb  oeifdjteppte  einen  großen  £ei(  baoon  in  ba«  ©affer.  Da  ber 
ftrau  fdjou  meljrmat«  äljnlidje«  augeftoßen  war,  mürbe  fie  unmutig, 
naljm  erma«  oon  bem  übrig  gebliebenen  ®arn  unb  gebrauste  iljre 
^Wittel.  33on  ber  &it  an  nafjm  merfroürbigeroeife  ein  9tinb  au« 
bem  Ijerrfdjafttidjen  Stalle  oon  Jag  gu  Jag  immer  meljr  ab  unb 
ftarb  nad)  furjer  £eit. 

?U«  nun  im  fommenben  Sommer  ba«  ©affer  im  See  aurücf* 
trat,  faty  man  ba«  ©arn  auf  bem  ©runbe  liegen,  unb  ba  erfannte 
man,  baß  ber  »erenbete  ©djfe  ber  Xljäter  gemefen  mar. 

SRünblid?  au§  Ärafeifl,  ÄrfiS  Jürftentum. 
445. 

SRitttoodj  nnb  Somtabcnb  finb  feine  Sage. 

Qn  ben  Unglü(f«ia^ren  1806  unb  1807  befam  ein  Sauer 
(Einquartierung  oon  mehreren  $ramjofen.  Da  tym  ber  ^einb  oor» 
tyer  fcfyon  faft  aüe  feine  Vorräte  meggefdjleppt  Ijatte,  fo  »ergrub  er 
ba«  lefete,  ma«  er  befaß,  ein  ^aar  Specffeiten,  in  bem  ©arten 
unter  einem  Saum. 

Der  eine  f^rangofe  aber  fonnte  mefyr  al«  Sroteffen,  rod) 
fofort  ben  ©djafe  be«  armen  Sttanne«,  grub  iljn  au«  unb  fpra$ 
bann  gu  feinem  SÖirte:  „Sater,  fäaff  nur  Srot  unb  Srannrmetn; 
für  ^leifdj  »erbe  id>  felbft  forgen".  Der  Sauer  tfmt,  mie  ifjm  be* 
fohlen  mar.  911«  fte  nun  aßen,  mollte  er  nid)t«  öon  bem  Sped 
genießen.  Der  ftrangofe  aber  rief:  „ftß  nur  Sater,  e«  ift  oon 
beinem  ftleW-  ®er  Sauer  läugnete  aud)  jefet  nodj;  ba  erflärte 
iljm  ber  ftrembe,  wenn  cr  lieber  einmal  etroa«  oergraben  roolle, 
möge  er  bie«  ju  einer  $eit  tljun,  bie  meber  9?adjt  nodj  Jag  fei, 
unb  außerbem  müffe  er  ein  menig  Sdjmeinebrecf  mit  babei  legen, 
bann  fönne  fein  Sföenfdj  ben  Sdjafc  §erau«ried)en. 

„töuu",  meinte  ber  Sauer,  „bann  muß  man  e«  mof)I  beim 
gmielidjt  tfytn".  „fliein",  ermiberte  ber  $raugofe,  „ba«  mürbe 
nia)t«  Reifen.  G«  muß  SDcittmodj  ober  Sonnabenb  gefdjeljen,  benn 
bann  ift  meber  Jag  nodj  9tad)t". 

Sbenba&cr. 


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353 


446. 
$e|c  entbetft. 

(Sin  3äger  bei  flWftifl  $atte  fi$  mit  feiner  alten  ©djnneger* 
mntter  ergürnt.  9U«  er  nun  auf  bie  $agb  ge^en  moltte,  fagte 
biefe:  „$üte  bid)  nur,  ba§  bir  nidjt  ber  breibeinige  §afe  begegnen- 
der 3äger«mann  fe^rte  ftdj  iebocfy  nid>t  an  ba«  ©efötoäfe  nnb 
ging  ru$ig  feiner  Söege. 

(Er  war  nod)  ni$t  mett  gegangen,  ba  fa$  er  toirtti^  einen 
breibeinigen  $>afen  über  ben  ©eg  laufen,  <5ogleid>  legte  er  an 
unb  gab  bem  Siere  eine  fo  gut  gezielte  Sabung  auf  ben  $elg,  bajj 
e3  ftd)  breimal  überfugette.  „^tun",  fagte  er,  „bu  müfjtejt  fdjon 
gerabe  ein  ftud)«  fein,  wenn  bu  mit  bem  ßeben  baoon  fommen 
fottteft".  $o<&.  ber  §afe  erljub  fid)  mieber  unb  tief  über  einen 
©erg.  der  Säger  fefcte  iljm  naety  unb  erblitfte  auf  ber  anberen 
©ehe  be«  $figel«  einen  breibeinigen  ftudj«  taufen.  2Iud>  biefen 
traf  er  fo  ^art,  bajj  ber  ftud)«  ftdj  nur  mit  großer  Sttülje  burdj 
bie  3rfo<$t  feinem  Verfolger  entgietyen  fonnte. 

Hl«  ber  Sttann  in  ben  3öatb  eintrat,  ftürgte  mit  einem  3Me 
ein  breibeiniger  Söolf  auf  i$n  lo«.  diesmal  fehlte  ber  (Sdn'ujc  fein 
3iel;  bodj  ftpnett  30g  er  feinen  $irf$fänger  tyerau«  unb  fdjlug  fo 
gemattig  auf  ba«  Untier  ein,  ba§  e«  fdjleunigft  entflog  3öie  ber 
Säger  nun  na$  §aufe  fam,  lag  feine  ©djmiegermutter  gang  ger* 
fd)offen  unb  gerfölagen  im  ©ett  unb  gab  batb  barauf  tyren  ©eift  auf. 

SRünblia)  aus  WfeiQ,  ÄrciS  Scoiefclbein. 

447. 

$aftor  k^rt  eine  $rau  beforedjeu.1) 

(Sine  arme  ^rau  fpradj  im  ^farrfyaufe  um  eine  rnübe  <$af>e 
an.  „SBarum  oerbienfi  bu  bir  benu  ntc^t  fetbft  bein  tägliaje«  ©rot", 
fragte  ber  ^afior.  „Qu,  harter  Arbeit  bin  id)  gu  fdjtoad),  unb 
anbere  ©efdjäftigung  erhalte  id)  nid)t",  entgegnete  bie  ©ef ragte.  — 
„§aft  bu'«  benn  fdjon  mit  bem  ©cfprectyen  »erfudjt?"  —  „U?ein, 
§err  ^aftor,  ba«  oerftelje  idj  nidjt."  —  „O,  ma«  bu  fagft,  ba« 
bleibt  fid)  gl*i($,  bu  mufct  e«  nur  leife  fpredjen  unb  brei  Äreuge 
barüber  fliegen,   ©ete  getroft  folgenben  <Sprud)  fyer: 

l)  Varianten  biefer  Sage  finben  ftd)  in  allen  Steifen  <p,ommcrn§. 

23 


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?»54 


Beut,  beut, 
Krej  hat  Fäut, 
Krej  hat  anne  lange  Schtät, 
Dat  't  niä  ball  baete  wät. 
Helpt  't  ne, 
So  schäd't  6k  ne.u 
Das  ©eib  uerfrradj,  ben  5Hat  ^it  befolgen,  wanberte  in  eine 
anbere  ®egenb  au«  unb  ließ  fid>  bort  als  fluge  grau  nieber. 

einige  3al?re  barauf  würbe  ber  ^aftor  fterbenSfranf;  ein 
böfeö  §al$gefd>wiir  natym  ifym  ben  fttem  unb  liefe  itni  nid)t  effen, 
unb  bie  Birgte  Ratten  ibn  oöllig  aufgegeben.  £»rad>  bie  grau 
^aftorin:  „tfiebeö  ÜMänndjen,  wir  wollen  bod)  mal  31t  bem  flugen 
SBeib  [Riefen,  oon  ber  alle  2Delt  fid>  SunberS  ersäht."  £>er 
Pfarrer  mochte  fiety  nid)t  barauf  einlaffen,  aber  feine  grau  fefcte  e« 
bod)  burefy,  unb  ba$  Seib  murb?  geholt. 

3öie  fie  nun  an  baS  93ett  trat,  begann  fie  $u  foredjen: 

„Beut,  beut, 
Krej  hat  Fäut" 
Der  Softer  bliefte  auf,  erfanutc  bie  arme  grau  wieber  unb 
mujjte  über  ben  toüen  llnfinu  fo  fjell  aufladen,  ba$  ba$  ©efd>wür 
int  $alfc  aufbrac^.  2o  war,  efyc  ber  eprud?  nod)  gan$  ju  (£nbe 
gefprodjen  war,  bie  (9efaf>r  befeitigt  unb  be$  'ißaftorS  £eben  ge* 
rettet.  DMan  fielet  aber  barauä,  worauf  eS  bei  bem  Sefpredjen 
aufommt.  ebenbaber. 

448. 

i'tcbc3$aubcr  tu  ber  Stenjaljrdnfliljt 

9öer  wiffen  will,  wie  fein  ftinftiger  £djafe  ausfielt,  ber  mufj 
bie  ^euja^rönat^t  gut  ausuu&en.  @r  madje  im  Cfen  ein  geuer 
oon  neunerlei  $olg,  [teile  fid)  mit  bem  JHiicfen  gegen  bie  glamme 
unb  fdjaue  fobann  jwifdjen  ben  deinen  in  bie  ®lut  Innern,  fo  fietyt 
er  bie  betreffenbe  ^erfott,  mit  ber  er  fpöter  oereint  burd}$  ?eben 
gelten  foll,  in  bem  Cfeu  ftefyen. 

iNod)  oiel  wirffamer  l;alten  maudje  l'eute  jebodj  folgenbe« 
üHittel:  ÜNan  fäe  in  ber  genannten  iVad)t  Veinfamen  in  baS  93ett 
unb  fpredje  barauf: 

„^dj  fäe  biefeu  Veiufamen 

2ln  biefem  ^eiligen  ^JeujaljrSabcnb! 


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355 


©er  ba  will  mein  Siebdjen  fein, 
$er  fietf  fic$  $eut'  Waty  bei  mir  ein!" 
$a«  fityrt  immer  $um  £iele.  (Sin  junge«  üHäbc^en  in 
SRifeig  tfat  alfo,  unb  herein  trat  $u  tyr  ein  ©eift  in  grünem  ©e* 
wanbe.  Unb  wirftic^,  als  fic  fid}  fpäter  uerlobte,  falj  if)r  Bräutigam 
genau  fo  au«,  wie  ber  üRann,  weldjen  fic  in  jener  ^ladjt  gefefjeu 
Ijatte,  unb  trug  aud)  ba«felbe  grüne  ©ewanb. 

(Sine  fd)on  bejahrte,  aber  immer  nod)  fc^r  ljeirat«luftige  SBitwe 
in  bemfelben  $orfe  bebiente  fid}  ebenfall«  biefe«  Räuber«.  Sa 
trat  jeboa)  ber  ©eift  ifyre«  oerftorbenen  ©fjeljerrn  in  bie  Cammer 
Ginein  unb  bliefte  fte  brofjenb  an,  ging  aua)  nidjt  efjer  fort,  al«  bi« 
bie  Xurmu^r  $wölf  gefdjlagen  fyatte.  ©er  guten  ftrau  ift  barauf 
jebe  £uf!  3U  neuen  ?iebfdjaften  »ergangen,  unb  fie  ift  Sitfrau  ge- 
blieben iljr  lebelang. 

WünbliO)  au$  SRifci«,  ffreiS  Sc^iefetbcin. 
449. 

£erc  fätjrt  juui  $lod«berg. 

(Jin  &ned)t  au«  Wifcig  fam  eine«  Wadjt«  am  93locf«berg  uor* 
bei,  al«  er  auf  ben  93erg  ju  einen  Siebranb  mit  großer  ©c* 
fdjminbigfeit  bafyinlaufen  falj.  $>abei  fang  eine  «Stimme  fefyr  fdjön. 
3)er  9Äann  rebete  ben  <2puf  an  unb  fragte:  „2Kft  bu  ber  Teufel, 
ober  »er  fonft?"  $)a  ftanb  plöfclidj  eine  ftrau  oor  ilnn  unb  jagte, 
fie  fei  auf  bem  SÖege  nad)  bem  23lod«berg,  benn  bort  fei  f>eute 
großer  fteftta9;  er  folle  nur  mitfommen.  $)er  Shiedjt  mufcte  fid) 
nun  tyinfefcen,  bie  £>ere  nafym  ifm  mit  in  tyren  Reifen,  unb  in  fur^er  ' 
3eit  waren  fie  oben  auf  bem  93erg. 

9iad)bem  fie  bort  bi«  gegen  borgen  gefpielt  unb  getankt 
Ratten,  festen  fidj  beibe  mieber  in  ben  ©iebranb,  unb  bie  ftrau 
bradjte  ben  ftnedjt  bafjin  jurücf,  oon  wo  fie  il)n  Ijergeljolt  fyatte. 

tfbenbaljer. 

450. 

S)ie  unfdjnlbig  oerbranute  $cjre. 

3u  tfliujfow,  im  Greife  ©tyefelbein,  lebte  oor  oielen  Sauren 
eine  fromme  SBäuerin,  bie  fo  geredjt  war,  bajs  fie  jebermann  un* 
»erhielt  bie  SBafjrljeit  in  ba«  ©efiajt  fagte.   Da«  oerbrofe  gar 

23* 


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356 


mannen,  benn  bie  SBahrljeit  $ört  gemeiniglich  niemanb  gerne,  unb 
bie  Weiber  ber^rau  teuren  e*  enblidj  ba^in  $u  bringen,  bat  *"an 
ihr  ben  ^rojeß  machte  unb  fte  al«  $ere  oor  ©eridjt  fteltte.  «uch 
ein  üWann  mar  gar  balb  gefunben,  bem  fie  eine  Ärantyeit  anget)ert 
haben  füllte.  $a«  fromme  Seib  traute  auf  it)r  gute*  ©eteiffen 
unb  tote«  alle  SBefdjulbigungen  al«  unmahr  juritcf.  fcod)  e«  t)alf 
i^r  $u  nicht«,  fte  mürbe  oerurteilt  unb  mu§te  auf  bem  Scheiterhaufen 
ihr  2eben  enben.  33ort)er  rief  fie  aber  noch  au«:  „@o  wahr  ich 
unfdjulbig  bin,  fo  ttwhr  wirb  über  ein  3fahr  ein  Dornftrauch  au« 
meiner  Slfche  entjtehen,  unb  jtoei  SSögeldjen  »erben  in  ihm  niften." 

Unb  fo  gefchah  e$  auch-  3n  3ah"«frif*  ertouch«  auf  ber 
8ranbftefle  ein  SDornbufch,  beT^noch  feurige«  Jage«  fleht,  unb  noch 
iefct  niftet  in  feinen  3meigen  einv  jehöne«  SJögelpaar. 

Münblid)  aiösÄtübloro,  «reis  ©djiefelbein. 

451. 

Untreuer  SRaun  mirb  (jerbeitfefocht. 

(Einer  ftrau  flu«  ber  Umgegenb  oon  iWpelburg  mar  ber 
Sttann  baoon  gelaufen.  $n  ihrer  9iot  manbte  fhiftch  an  eine  *on 
ben  Kartenlegerinnen  (Käterleijerinnen)  unb  eVhjelt  ton  biefer 
folgenben  föat.  <Sie  mujjte  eine  alte  $ofe  ihre«  Spanne«  herbei* 
fdjaffen.  9lu«  berfelben  fdjnitt  bie  $ere  ein  gute«1|tücf  herau« 
unb  jmar  au«  bem  $ofenlafee.  $ann  mürbe  auf  freiem^elbe  ein 
tüchtige«  fteuer  angemacht,  ein  (Sifertopf  mit  Söaffer  angef*fe*  nnb 
.  ber  fdjmufeige  ^liefen  hineingethan.  / 

<£«  oerging  eine  Stunbe  nach  Der  anberen,  ba«  ©aiff«  wollte 
nicht  lochen,  obgleich  bie  Wachbar«leute  fämtlich  ba«  feiler  fchüren 
halfen  unb  man  e«  an  nicht«  fehlen  lie§.  (£rft,  nadjbem  bie  flamme 
über  oierunbaman^ig  ©tunben  unterhalten  mar,  begann  bl*  Gaffer 
3U  jifdjen  unb  $u  brobeln,  unb  mit  biefem  Slugenblicfe  miipDe  auch 
ba«  OJemiffen  be«  untreuen  9)tanne«  erregt.  Ell  fein  <&räuben 
half  ihm  nicht«,  er  mußte  umfehren  unb,  fo  fchnell  ihn  feinr^S«^ 
tragen  fonnten,  $u  feiner  ftrau  juriier" eilen.  ^ 

£ange  hat  fte  aber  ihre«  miebergemonttenen  §au«t)errn  ^<ht 
froh  f«n  föntten,  benn  fchon  cor  Ablauf  be«  ^ahre«  mar  er  eine 
deiche.   £a«  Äodjen  hatte  e«  ihm  angethan.  V 

^Jtünblicb  aus  Sempflburq,  ÄwiS  9iruftrttin.  \ 


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357 


452. 

ÄTaft  be*  5>iebSfegen«. 

21m  .ßeplinfee  unD  öem  5^c§  (F16t)  liegen  bie  Pfaffengärten 
(Päpegädens),  welche  ber  fatholifdjen  Äirdje  in  Xemoelburg  ge* 
hören.  (Einft  ^atte  bort  ein  ÜWann  oiel  Salat  unb  £ot)l  gepflanzt 
unb  freute  ftd;  fdjon  im  oorauS  auf  bie  reiche  (Srnte.  ©er  »er» 
benft  ihm  barum  feinen  #rger,  als  eines  borgend,  wie  er  feine 
Pflanzungen  befidjtigte,  nichts  met)r  oon  bem  frönen  Äraut  oort)an* 
ben  war.  flttan  ^atte  il)m  bei  ^a^tjeit  alles  geflogen,  unb  bie 
."poffming  auf  ben  großen  (gewinn  war  grünblich  vereitelt. 

$n  feinem  3orn  rifc  ba  ber  Sftann  bie  ^o^Iftümpfe  unb,  was 
fonft  noch  übrig  geblieben  war,  auS  bem  Chrbreid)  ^erauS  unb  Warf 
e£  unter  bem  f)erfagen  beS  3)iebSfegenS  in  ben  3eP^nfC€  hinein. 
#aum  ^atte  er  bie  fdjrecflidjen  ©orte  auSgefprothen,  fo  ba§  er  noch 
fet)en  fonnte,  wie  bie  ©eilen  baS  föraut  mit  fid)  fortführten,  als 
eine  arme  %ra\x  herbeilief,  ju  feinen  5"§en  nieberfiel  unb  it)n  um 
Rottes  willen  bat,  ben  3auberbann  surücfjunehmen. 

Sefct  tt)at  it)m  fein  oorfdmelleS  §anbeln  leib,  unb  er  will* 
fahrte  bem  ©eibe,  aber  bie  Sohl*  unb  ©alatrefte  fonnte  er  nicht 
wieber  jjurücffchaffen.  So  fam  eS,  bafc  bie  unglücfliche  $rau  oon 
bem  Jage  an  langfam  baljinfiedjte  unb  ben  ©chlujj  beS  Qaljreö 
nic^t  mehr  erlebte.  ßbenbaher. 

453. 

$er  Poigenberg  bei  $empe(burg. 

Huf  bem  Poigenberg  bei  Sempelburg  fanben  früher  bie  Ein- 
richtungen ftatt.  Sei  folchen  Gelegenheiten  war  ftets  großer  $tn» 
brang  um  ben  föidjtblod;  benn  ein  jeber  fudt>te  etwas  oon  bem 
©lute  beS  armen  (SünberS  $u  erhoffen,  um  baffelbe  als  merroollen 

Räuber  mit  ftdj  nach  $aufe  3U  nehmen. 

$er  SBefüj  biefeS  öluteS  bringt  nämlich  GHücf  unb  Reichtum, 
wie  nichts  anberS  in  ber  ©eü,  bodt)  währt  bie  $>errlichfeit  nur  bis 
in  baS  britte  ©lieb.  SefonberS  eifrig  fuchten  bie  ©aftwirte  beS 
SünberbluteS  ^ab^aft  ju  werben,  ©enn  fie  baoon  etwas  in  bie 
©ranntweinfäffer  thaten,  fo  tonnten  bie  Öeute,  welche  einmal  oon 
bem  ©dmapS  getrunfen  h<*"en,  benfelben  nicht  mehr  (äffen  unb 
mujjten  für  immer  in  beS  ©irteS  Äunbfchaft  bleiben.   9ioch  wirf» 


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358 


famej  foü  e$  gewefen  fein,  ein  gaugeä  ©lieb  uou  einem  armen 
Süuber,  fo  3.  23.  einen  Ringer,  in  baS  5af?  ju  legen. 

(SiueS  £age#  würben  auf  bem  (Poigenberg  $wei  Scanner  uon 
Reuters  $anb  getötet,  beren  Sdjulb  nidjt  t»öHig  ertotefert  war  unb 
bie  fiaj  aud)  ftanbljaft  bis  an  ifyr  ©nbe  als  unfdjulbig  befannt 
Ratten.  2113  nun  ifn*  Äopf  gefallen  war,  flogen  if>re  Seelen  in  ©e* 
ftalt  zweier  weifeer  Janben  in  bie  sv'üfte.  £a  fyat  beim  jebermann 
gewujjt,  bafj  ttjre  2lu8fagen  waljr  gewefen  unb  fie  ju  Unredjt  ent* 
Rauptet  waren. 

dbenbabet. 

454. 

Chröt  Treink  fie  klein  Treink. 

Chröt  Treink  üe  klein  Treink  wönta  b6r  allein  in 
einem  Haus.  Väta  üe  Mutta  harra  se  ne  mea,  dei  wera 
all  schturwe.  Weil  sei  nau  ümma  sö  allein  wöra,  söa 
dei  Tanta,  dei  däa  im  nöchsta  Doeap  wänt,  sei  schulla 
dat  Awends  däa  wat  tau  6a  käma  üe  bringa  sich  dat 
Schpinnrad  mit;  denn  bei  6a  kema  dat  Awends  noa  mea 
Mökes  tarn  Schpinnen  top. 

Sei  jinga  nau  uk  hen  all  Awed.  Nau  kam  as  dat 
Awends  ein  ull  Früch  uk  däahen,  üe  dem  Weif  trüchte 
kein  Minsen  wat  jauds  tau.  Sei  votellta  sich  voa  disera 
üe  voa  j6nem.  Dies  Mekes  wöra  öa  noa  üebekannt,  denn 
sei  harr  sei  noajäa  ne  seie.  Nau  mäuk  sei  denn  uk  mit 
6a  Bekanntschaft  üe  söa  tau  ea,  sei  schulla  uk  as  tau 
6a  käma;  denn  sei  wöa  imma  sö  allein,  ganz  allein.  Dei 
Mökes  dei  willichta  dat  uk  mit  in,  dei  andre  Mökes  äwa 
rödta  6a  alla  af.  Sei  s6ra:  „Dat  ull  Weif  is'n  ull  Hex"; 
äwa  wöm  nittau  raren  is,  is  uk  nittau  helpen,  üe  sö  was 
dit  hia  ök. 

Am  andre  Awed  drup  jing  dei  üllst  Schwesta  hen 
tau  dei  ull  Hex.  As  sei  im  Busch  wöra,  satt  eia  Vägel 
im  Böm  üe  söa: 

„Chröt  Treink, 
Ja  ni  hen!u 

Awa  chröt  Treink  koeat  sich  däa  nidran  üe  meint,  dat 
w6a  äuwrich,  wat  dei  ull  Vägel  sägge  doer. 


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359 


Dei  Vägel  harr  dit  Mal  äwa  dorreeht,  denn  chröt 
Treinkkam  nimmea  truech.  ßa  jüngst  Schwesta  chloewt, 
dat  jing  ea  däa  sea  jaud  üe  mäuk  sich  den  andre  Awed  ök 
däahen.   Im  Busch  satt  dei  Vägel  werra  im  Böm  üe  s6a: 

„Klein  Treink, 
Ja  ni  hen!u 

Äwa  klein  Treink  dacht  ia  dm  Sinn:  ^Kaup  dau  ma! 
Jüstra  Awed  seast  dau  6k  söh  üe  jing  fira  (weiter). 

As  sei  nau  bei  dem  Haus  was,  wöa  dei  ull  Hex 
wänt,  üe  dei  Däua  upmäuka  wull,  sach  sei,  dat  dei  Dana 
tauschtickt  was  mittem  Minschefinga.  Däa  kröch  sei 
chlik  söne  Schreck,  dat  sei  dat  Schpinnrad  falla  leit. 
Awa  sei  faut  dö  a  Hart  üe  mäuk  dei  Däua  up  üe  trat 
äuwa  dei  Süll. 

Uppem  Flaua  sach  sei  alles  mit  Blaud  besehpringt, 
üe  inne  Eck  sach  sei  ein  chröt  Tunn  schtän.  Sei  was  ne 
anncs,  as  all  Mökes  sün,  üe  koek  ia  dei  Tunne  rin.  Nau 
sach  sei,  dat  sei  half  vull  Blaud  was.  Eia  anna  Minsen 
wea  woll  wechlöpe,  äwa  sei  mäuk  6k  no  dei  Stauwe- 
däua  up.  Däa  schtund  m irren  uppe  Däucl  eie  Hackklotz 
üe  därup  ein  Schottel  mit  Minschedäume  (Menschen- 
därme), üe  hinne  inne  Holl  satt  dei  ull  Hex. 

„Wat  wisdu  hia?w  schlich  sei  los;  „dei  schatt  sö 
jäa,  as  deine  Schwesta  jäa  hät!u  üe  flicht  up  &a  tau. 
Awa  klein  Treink  was  Anika  as  dei  Hex  üe  leip  öa  wech. 
As  sei  im  Doeap  was,  mäuk  sei  chlik  Anzeije  beim 
Schulta.  Dei  nam  dei  Baure  im  Doeap  mit  sich  tau 
Hülp,  üe  sei  jinge  hen  üe  näme  dat  ull  Weif  jefanga. 
Nau  müst  sei  bekenna,  wat  sei  all  fäue  Sehlechtich- 
keita  bejäa  harr  üe  wuo  sei  all  dei  Minsche,  dei  sei  üm- 
bröcht  harr,  im  Kella  bechräwe  liarr.  As  sei  alles  be- 
könt  harr,  wurr  sei  vobrinnt,  üe  all  Luer  fröchta  sich, 
dat  sei  vorra  Wilt  wöa.      OJlünbli*  aus  oijboro,  ffreia  Sc&laioe. 

455. 

$e{e  öetttmnbelt  fidj  in  einen  SBagen. 

(S$  war  au  einem  ^uuabenb,  als  ein  2D?ami  Don  ftatfdjoto 
nadj  Srefin  giug^  um  bort  einen  $xmnt>  311  befugen.   $a  feu)  er 


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360 


plöfclid)  oon  »eitern  einen  ameiräbrigen  Sagen  baljcr  fommen,  oljne 
baß  iemanb  gu  fe^en  mar,  ber  tyn  flöge.  $aß  bem  Söanberer  bei 
biefem  Änblicf  untyeimlidj  $u  3Rute  mar,  läßt  fi$  benfen,  unb  fdwn 
beabfttyigte  er  feitwärt«  in  ba«  Äorn  $u  geljen,  um  ba«  merf< 
würbige  ©ef%t  ungeljtnbert  feines  ©ege«  fahren  ju  (offen.  $odj 
bie  frurdjt  würbe  bei  bem  SWanne  oon  ber  9ieugierbe  übermunben. 
Gr  blieb  fielen,  unb,  al«  ber  SBagen  an  tym  oorüberfaufen  mollte, 
fHeß  er  mit  bem  ftuße  nadf  il>m. 

$n  bemfelben  2lugcnbli(f  flogen  audj  bie  ffläber  baöon  unb 
festen  tyren  2Beg  alfeine  fort,  au«  bem  Söagengefteü  bagegen  mürbe 
eine  alte  ftrau  au«  ber  Wa^barfdjaft,  bie  fa^on  allenthalben  al« 
,£e$e  befannt  mar.  2)ie  fing  gewaltig  an  ju  bitten,  er  möge  fte 
bod)  nic^t  »erraten,  ©ie  fei  fajon  fo  wie  fo  bei  allen  beuten  in 
Verruf,  unb  er  möge  bod>  nur  nidfjt  ba«  ©erebe  nodj  größer  ma^etu 
«ber  ber  9Wann  f>at  bem  alten  Söeibe  biefen  (Befallen  nic$t  getyan, 
fonbern  weit  unb  breit  bie  @efö)ic$te  funb  gemamt,  bamit  fi$  jeber 
oor  biefer  $>e$e  in  ad>t  nehmen  fönne. 

3Rünblicg  auä  Äatia)oro,  Är.  fiauenbuta. 

456. 
$te  Freimaurer. 

Gin  SWal  in  jebem  ftatyr  (ofen  bie  Freimaurer  unter  einanber. 
^Derjenige,  welken  ba«  So«  trifft,  muß  im  ©erlaufe  be«  3aI)reS 
fterben;  bod)  fann  fia)  ber  Setreffenbe,  fall«  er  einen  Grfafcmann 
ftellt,  zweimal  oom  lobe  lo«fanfen.  trifft  tyn  ba«  So«  jum  brit« 
ten  ÜRale,  fo  ift  feine  Rettung  metyr  möglich,  unb  er  muß  fterben. 

Ginfl  fam  ber  ®ut«$err  oon  ftunfen&agen  bei  Äö«lin  $u  bem 
Stellmadjer  in  §otyenfelbe  unb  forberte  ujn  auf,  eine  S^rift  $u 
unterfdjreiben.  ©bgleid)  nun  ber  2Wann  nidjt  lefen  tonnte,  fam 
iljm  bie  ©adje  bodj  berbäcfytig  cor,  unb  er  oerweigerte  bie  Unter* 
färift.  $a  fudjte  ber  $err  oon  Ort  $u  Ort,  bi«  er  fdjließlidj 
einen  alten,  etwa«  bummen  Änedjt  fanb,  welker  arglo«  feinen 
tarnen  unter  bie  Sdjrtft  fefete.  t>enfelben  9iaa)mittag  jebodj  befam 
er  »löfclidj  fo  fürdjterliaje  l'eibfd)mer$en,  baß  er  nad)  wenig  <Stun= 
ben  feinen  (Seift  aufgab.  2)er  ©ut«^err  aber  folgte  au«  itanfbar- 
feit  ber  Seto^e  mit  allen  feinen  ftreunben. 

üRimblia)  aul  Ärabtg,  äreia  tfürftentom. 


361 


457. 

3Bic  bie  Freimaurer  ihre  ©ehetmmffe  bettn^ren. 

Gin  Freimaurer  rourbe  von  feiner  $rau  tagtäglich  geklagt, 
ihr  bie  ©eheimniffe  beS  Crben«  §u  »erraten.  er  fid)  ihrer 
nietet  mehr  $u  erwehren  mußte,  fagte  er  ihr,  fie  möge  mit  einer 
}?abel  fein  SJilb  burd)fted)en.  Die  Frau  Iie§  ftdj  Überreben  unb 
bura)ftach  bas  Silb.  Da  lag  ben  anbem  üRorgen  ber  üHann  tot 
in  fernem  Sette.  So  ift  er  lieber  geflorben,  ehe  er  bie  ©eheimniffe 
ber  Freimaurer  oerraten  f>at. 
Äu3  3Refon>,  ftr.  Keflenroalbe:  ^Mitgeteilt  buta)  fcerrn  $tof.  @.  Äuf)n. 

458. 

Die  9tarJ}e  ber  Freimaurer. 

(Ein  junger  Freimaurer  heiratete  ein  fdjöneö  2Räbchen,  ba«  er 
innig  liebte.  Die  Frau  ^ar  a°er  fehr  neugierig  unb  beftirrmte 
ihren  Wann  mit  Sitten,  er  möge  ihr  boct)  offenbaren,  roaä  e£  mit 
ben  Freimaurern  eigentlich  auf  fidj  \)dbt,  unb  roarum  fie  alle«  fo 
geheim  gelten.  Sie  liefj  aud)  nicht  nact),  bi£  er  mäbe  warb  unb 
atteS  er^ä^lte.  2(m  nächften  borgen  hing  er  tot  an  einem  Saum, 
ber  am  SBege  ftanb.   Da8  roar  bie  töacfje  ber  Freimaurer. 

Öbentabet. 

459. 

Der  Freimaurer  9hibel  in  Sftefom. 

Die  Freimaurer  flehen  mit  bem  leufel  im  ©unbe.  Sie 
haben  ein  gana  fer/toara  aufgetragene«  ©emach,  barin  fleht  ein 
©arg,  unb  m  bem  Sarg  liegt  eine  fchmarge  Äafce.  Früher  mu&te 
ber  Seufel  jebem  Freimaurer  eine  beftimmte  3eit  bienen,  nach  beren 
Verlauf  berfelbe  feiner  ÜRacht  oerfaüen  mar.  Da«  bauerte  bem 
Söfen  jebodj  auf  bie  Dauer  $u  lange;  unb  er  läfjt  bie  Freimaurer 
be§f?a(b  jefct  jebe«  %af)r  lofen.  ©en  ba«  Co«  trifft,  ben  nimmt  er 
mit  fich,  unb  er  geroinnt  auf  biefe  ffieife  alle  Qahre  eine  Seele. 
31ber  aud?  bagegen  roiffen  manche  Freimaurer  9lat,  fte  faufen  fict) 
einen  Stellvertreter,  ber  bann  ftatt  ihrer  oon  bem  Xeufel  ge» 
holt  roirb. 


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362 


©o  lebte  einmal  bei  einem  oor  öielen  ^atyren  ferftorbenen 
^äcfyter  be«  Rittergutes  üttefonj  ein  junger  üftann  ju  93efud),  9tobel 
geheißen.  Der  war  fo  reia),  bafc  er  fein  ©elb  mit  Steffeln  meffeit 
tonnte,  unb  gehörte  aud}  ju  ben  Freimaurern,  liefen  traf  baS 
Vo3.  Da  eilte  er  ju  einem  £agelöfmer,  namen«  ^utyrmann,  auf 
ba«  33ormerf  lnnau«  unb  traf  tyn,  wie  er  gerabe  mit  feiner  %rau 
unb  einem  flfläbdjen  feiner  Setanutfdjaft  über  ftelb  ging.  9iubel 
Mnter  Urnen  brein  unb  bat  ben  ÜMann,  fielen  3U  bleiben.  Darauf 
na^m  er  ü)n  bei  Seite,  befpradj  etwa«  mit  ir)m  unb  fdjitfte  tyn 
bann  toieber  ju  ben  Seinen  surücf. 

Denen  fiel  e$  auf,  ba§  Fuhrmann  ganj  blaß  auSfalj,  unb 
ba§  ber  Daumen  unb  ber  f leine  Ringer  ber  redeten  $anb  mit  einem 
Wappen  oerbunben  maren.  3tls  fte  i^it  banad)  fragten,  behauptete 
er,  er  §abe  fid)  eben  geftofjen.  Dod)  mar  er  oon  Stunb  au 
traurig  unb  einfilbig  unb  feufote  jumeilen  auf:  „flWeine  3d)mefter 
in  Daber  merbe  idj  nie  mieberfeben".  Da«  mar  aber  nidn  ber 
Fall,  beim  einige  Hage  fpäter  roauberte  er  mit  einem  jungen 
3Jiäbd>en  au«  ÜWefom  gemeinfdjaftlia)  nad>  Daber  hinein.  Unter* 
meg«  mar  er  au«gelaffeii,  wie  nie  auuor,  unb  ber  leufel  trieb  fein 
SBefen  fo  fetyr  mit  tym,  bajj  er  über  einen  breiten  ©raben  roie  ein 
SJogel  flog. 

311«  er  bei  feiner  Sdjmefter  eingelegt  mar,  blieb  er  bie  $acf>t 
bort.  Slm  anbern  ÜRorgen  fanb  man  ifyn  tot  auf  bem  Fuftboben 
liegen.  ©in  £ud>  Imtte  er  um  ben  $)at«,  ba«  mit  einem  Stocfe 
feft  äugebretyt  mar  unb  t^n  ermürgt  Ijatte. 

^n  ber  nämlidfen  iHadjt,  ba  ityn  ber  Teufel  geholt  l>at,  ift 
Fuhrmann  oor  bem  Sörennereigebäube  oon  SDkforo,  in  bem  s)lubei 
fölief,  gemefen  unb  Ijat  gebeult  unb  gefdjrieen:  „^ubel!  bu  33er^ 
fludjter,  gieb  mir  mein  SBlut  jurütf!"  (£r  fragte  babei  in  feiner 
£obe«angft  gro&e  Stürfen  Statt  fcon  ber  Saub;  bod)  tyat  ber 
Gärtner  ba«  alle«  nodj  üor  £age«anbruä}  mieber  au«beffern  müffen, 
bamit  niemanb  oon  ben  beuten  etma«  merfen  fönne. 

Gbenbafjet. 

460. 

SBic  ber  Teufel  mit  einem  Freimaurer  bnrdj  bie  fiuft  farrte. 

grüner,  al«  ber  Teufel  nodj  auf  ber  ©rbe  manbelte,  fam  er 
au$  einft  nadj  Demmin,  natym  ftdj  oon  einem  §ofc  eine  S^ub- 


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365 


farre  unb  fuljr  bann  bannt  ben  Strom  entlang,  immer  mit  bem 
Dampfer  in  bie  Sette,  bis  jur  nä'dtften  ©tabt.  $)ier  liefe  er  bie 
Sarre  auf  bem  Söaffer  fteljen,  flieg  an«  i'anb  unb  leulte  in  bie 
©trafec  hinein,  bem  $)aufe  eine«  Freimaurers  $u,  um  benfelben  $ur 
$)ölle  ju  fjolen. 

55er  Freimaurer  mufete,  bafe  feine  $eit  gefommen  mar,  unb 
faß  mit  einem  guten  Fi'eunbe  auf  anraten,  um  ben  2lbfö)iebSirunf  $u 
trinfen.  211«  nun  ber  £eufel  bie  2$üre  öffnete,  minfre  er  bem 
Freimaurer  berfto^en  au,  er  möge  fid?  bereit  madjen;  beim  er 
moUte  fein  ftuffefjen  oon  ber  (£ad>e  madjen.  Dem  üttanne  fam 
jebod)  ein  ©raufen  an  »er  bem  Sdjicffal,  ba«  feiner  wartete,  unb 
er  tyat  beStyalb,  als  $abe  er  niajts  gefe^en. 

Da  marb  ber  Teufel  ärgernd).  <£r  eilte  ^inju,  ernrifajte  ben 
Freimaurer  bei  ben  F«§*n  fdjlug  tyn  mit  foldjer  ©etoalt  gc^en 
bie  Sanb,  bafe  baS  ©e^irn  in  ber  ©tube  unu>rfpri&te.  Dann 
naljm  er  ben  i'eidjnam,  trug  tyn  gum  Ffoffo  »arf  ilw  in  bie  Äarre 
unb  farrtc  bamit  burdj  bie  £uft  baoon,  über  bie  ^Jeene  toeg. 

Unter  tym  fu^r  toieber  ein  Dampfer,  unb  als  bie  Qnf äffen 
beöfelben  merften,  bafe  es  ber  lenfet  fei,  ber  ba  oben  falne,  unb 
bafe  er  ftd>  nur  einen  F™»™"™*  Q^it  fjabe,  ba  erhoben  fie  ein 
fdjallenbe«  @eläd)ter.  Da«  oerbrofe  ben  Söfen.  ^ornig  liefe  er  bie 
Äarre  in  ben  F*»fe  ffinabfallen,  natym  ben  tfeiajnam  in  feine  flauen 
unb  flog  mit  u)m  eiligft  ber  $)öüe  31t. 

*Dlünblia)  au«  £emmin. 


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X. 

461. 

allgemeine«. 

(Sine  befonbere  ©teile  in  bem  pommerfdjen  93olf«glauben 
nimmt  bie  Sföatyrt  (Mat,  Märt,  Märriden)  ein.  <5«  ift  ba«  ein 
9tadjtgefpenft,  meiere«  bie  ÜWenfdjen  im  <2d)lafe  quält  unb  brücft 
unb  barin  gang  bem  f)odjbeutfct)en  ?llp  erttfprid^t.  $ie  Crrflärung 
be«  Ramend  bietet  manche  ©etymierigfeiten.  ^afob  ©rimm1)  bringt 
eS  mit  SRäljre  (^ferb,  att§oa)beutfd)  Marah)  gufammen,  unb  für 
ü)n  fprädje,  bafj  fid)  <Sage  9fr.  478  bie  SRa^rt  in  ©djimmelgeflalt 
auf  tyr  Opfer  ftürgt.  Slnbere  bagegen  motten  ben  tarnen  aus  bem 
<5lamifd)en  herleiten.  $a«  93olf  enbtidj  fütyrt  bie  Benennung  auf 
ben  Sftarber  jurücf,  unb  audj  biefe  (Erflärung  Ijat  eine  gemiffe 
©tiuje;  benn  tohrflid)  fteltt  man  fia)  in  »ielen  ©egenben  ba«  Stojjere 
ber  Sfla^rt  marberartig  oor.  <5etbft  über  ba«  ©efdjledjt  be«  ©or* 
te«  ift  man  fid}  unflar;  mandje  fprec^en:  ber  3ßa$rt,  manage:  bie 
ÜJk^rt,  bod)  übertoiegt,  in  Bommern  toenigften«,  ba«  (entere. 

Dbgletdj  bie  SKatyrt,  fdjon  wegen  ber  33ermanbtfd)aft  mit  bem 
211p,  entfctyieben  $u  ben  elbifdjen  ©eiftcrn  gehört,  fo  fommen  mir 
bennod)  erft  jefct  gu  einer  ©iebergabe  ber  9Ral)rtfagen,  ba  biefelben 
bie  mannigfachen  öerüljrung«punfte  mit  bem  $>erenglauben  bieten. 
$odj  ift  ba«  erft  jüngere«  93erberbni«,  unb  mir  Ijaben  in  ben  (Er* 
gelungen,  meldje  bie  SRatyrt  ben  ®eift  einer  bo«ljaften  $)ere,  eine« 
tierltebten  *D2äbd)en«  u.  f.  m.  fein  (äffen,  eine  fpäte  Seemfluffung 
fetten«  be«  $exenglauben£  auf  bie  33orftellungen  t>on  ber  SRafyrt 
gu  erbitten;  unb  ba«  Umgefe^rte  ift  ber  ftaü,  »enn  bie  $>e$en 

»)  (Stimm,  $eutf$e  Wptbotoflic.  2.  «uflafic.  6.  1194. 


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365 


unter  ben  Älängen  bcr  föönften  3flufif  im  ©tcbrcifcn  ba$in  fahren, 
loa«  urfprüngttd)  nur  ben  SWatyrten  aufommt. 

Söenn  nun  audj  ber  üRaljrt  burdj  biefe  93erqui<fung  mit  ben 
|)cjcn  toiefe«  oon  tyrer  (Eigenart  oerforen  gegangen  ift,  fo  ftnben 
fidj  bodj  audj  in  ben  tyertjergeljörigen  8agen  toieberum  noä)  gar 
manche  3ügc  oor,  toefdje  ben  9Raljrten  gan$  allein  etgentfimlidj  finb 
unb  ftc  baburd),  felbjt  $eute  nodj,  nic^t  nur  oon  ben  §ercn,  fonbern 
auti)  ton  allen  anberen  elbifdjen  ©eiftern  fäarf  untertreiben.  $dj 
erwähne  nur  ein«,  Den  3ug,  bafj  bie  Üttaljrt  in  ber  ©efangenföaft 
bleiben  mujj,  unb  bort  ^ur  (S$c  gelungen  »erben  fann,  toenn  man 
fie  ibrer  mitgebrachten  Äleibung  beraubt.  (Erhält  fic  fpater  einmal 
burdj  3ufaü  ober  auf  il)r  Sitten  bie  ©etoänber  jurüd,  fo  Oer* 
fdjroinbet  fte  unb  enteilt  toieber  in  ü)re  überirbiföe  $>eimat,  baS  (Enget* 
Inno.  Daraus  fe^en  mir,  bafc  bie  3tta$rt  ein«  ift  mit  ben  clbifdjen 
©t^maniungfrauen,  weldje  in  ber  germanifdjen  $elbenfage  oon  fo 
großer  Sebeutung  finb,  unb  beren  (Eigenart  unbefrreitbar  ift. 

2)ie  Verbreitung  ber  ÜHafrtfagen  in  Bommern  erftreeft  fid^ 
über  bie  ganje  ^rooinj,  unb  fomeit  ifl  bie  Sfofflärung  nodj  ni^t 
gefäjritten,  bajj  bie  ©a^eit  biefer  93orftellungen  in  ben  breiten 
<2djidjten  ber  tfanbbeoölterung  oon  irgenb  einem  ernfHtd)  in  fltoeifet 
gebogen  mürbe. 

462. 

Wlatpt  wirb  mit  3to»fNjanbfd)uf)en  ergriffen. 

In  Meisge  wir  mal  eis  ein  Knecht,  dei  här  ümme 
so  vael  Märriren.  Dat  16t  em  nachts  gar  nich  släpen, 
un  hei  froech  'ne  ull  Frü,  wat  dar  wol  gaud  vaer  wir. 
„Jä",  sacht  dei,  „min  Säen,  du  moest  di  Füsthantschen 
antrecken  un,  wenn  dat  rup  springt  up  din  Baer,  donn 
moest  dü  tau  gripen  un  hulln  dat  wissu. 

Na,  dat  der  hei  uk  un  krej  darbi  twei  Rachärn  tau 
hulln.  Dei  laer  hei  in  sin  Lar  un  slöpt  donn  in.  An 
annen  Morgen  slütt  hei  dei  Lär  werre  up  un  donn  16ch 
dar  ein  Frugensminsch  in.  „Sue",  sacht  hei,  „nü  häw 
ik  dl  fatM ;  un  as  hei  dat  saer,  donn  wir  sei  mit  eis  dörch't 
Släetellock  gan  un  is  uk  nich  werre  k&mn. 


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463. 

Wann  betratet  bie  TOafprt. 

I. 

<£inem  2)Jann,  weldjer  fein*  üon  ber  2ttafjrt  geplagt  würbe, 
rieten  feine  ftreunbe,  er  foH*  nur'  wenn  fic  toteber  bei  ibm  wäre, 
ba«  Scfylüffellod)  mit  $öad)3  oerfleben;  bann  fönne  er  fic  fangen. 
Dad  tfyat  er  benn  aud)  eine«  9lbenb«,  unb  wie  er  am  näc^ften 
SDlorgen  erwarte,  war  ein  Ijübfdje«,  junge«  ÜWäbdjen  bei  ilmt  in 
ber  Stube.  2ftö  er  fie  fragte,  wotjer  fie  benn  Jörne,  fagte  bie 
3Ha!)rt,  fie  fei  and  (Jngellanb.  X)ie  Jungfrau  gefiel  bem  Spanne, 
er  oerfteefte  ifjre  Äleiber,  30g  iljr  anbere  an  nnb  heiratete  fie,  ob* 
gleidj  er  fd?on  mit  einem  anbem  ü)Zäbd)en  rerfprodjen  war. 

So  lebten  fie  eine  SReiljc  oon  ^aljren  mit  einanber,  nub  bie 
3Dfal)rt  fdjenfte  iljrem  @emaf)l  brei  Äinber.  iRur  ba«  fam  allen 
abfonberlid)  oor,  bafj  fie  Ijäufig  wäljrenb  be«  Spinnen«  fang: 

„.fte&t  ruft  meine  SIhttter  in  Gngellanb, 

Sparte  Äattjarine, 

Üreib  au«  beine  Sdjwiene". 
ober,  wie  anbere  beffer  wiffen  wollen: 

„Qefct  bläft  mein  Vater  in  ©ngellanb, 

SDiarie  Äatljarine, 

Ireib  beine  Sdjwiene". 
?U«  ber  Wlann  nun  eine«  Xage«  nadj  $aufe  (am,  t^örtc  er, 
wie  feine  $rau  gerabe  ben  Äinbern  offenbarte,  bafj  fie  al«  äHatyrt 
au«  (Sngeltanb  getommen  fei.  Sd)on  wollte  er  iljr  barüber  Vor- 
würfe machen,  al«  fie  ju  bem  Sdjranfe  ging,  in  bem  er  ifjre  Klei- 
ber oerfteeft  tyatte,  fid)  biefelben  umwarf  unb  oerfdjwanb.  3)od) 
ganj  Ijat  fie  ü)ren  2ftann  unb  bie  Äinber  nidjt  oerlaffen  mögen. 
3)e«  Sonnabenb«  flellte  fie  fidj  unfidjtbar  in  ber  glitte  ein  unb 
legte  für  jeben  einzelnen  frifd)  gewafdjene  ©äfdje  auf  ben  Stu^l 
ljin.  Slufjerbem  erfdjien  fic  alle  92ad}t,  wenn  bie  anbem  fdjliefen, 
na&m  ben  «Säugling  au«  ber  Söiege  unb  ftillte  tyn  an  tljrer  ©ruft. 

2Rünblid>  aus  ben  Ätcifcn  Gammtn,  6aajia  unb  ©ajiefdbfin. 

II. 

3wei  Änedjte  fa^liefen  jufammen  in  einer  Cammer,  unb  einen 
0011  tynen  ritt  bcr  ÜRa^rt  fo  oft,  bafe  er  enblid}  feinen  tfameraben 


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367 


bat,  roenn  e«  ba«  näd)fre  2M  roieber  gefdjätye/  mödjte  er  boefj  ba« 
31fttod^  in  ber  &ammeru)fire  oerfiopfen,  bajj  fic  ben  ütta^rt  fingen. 
2U«  er  nun  ba«  nädjfte  ÜWal  im  <©d)lafe  jämmerlidj  ädjgte  unb 
ftö^nte,  tfyat  jener,  roie  er  gebeten  roorben,  rief  feinen  fdjtafenben 
©efeüen  beim  tarnen,  unb  ba  kvad^te  ber  auf,  fajjtc  fdmell  gtt  unb 
Ijatte  einen  «Strofjljaun  in  ber  §anb,  ben  er  audj  fo  fange  trofo 
alle«  ftrümmen«  unb  Sinben«  feft  Ijielt,  bi«  jener  ba«  2lftlodj  Der* 
ftopft  ljatte.  darauf  legte  er  ben  @trol|6<t(tn  auf  ben  Xifd>,  unb 
fic  [erliefen  beibe  bt«  311m  borgen. 

9U«  fie  ermatten,  erbtitften  fie  ein  fdjöne«  ÜWäbdjen  hinter 
bem  Cfen  unb  entzweiten  fid}  faft  barüber,  roem  fie  angehören  follte. 
$)enn  ber,  roeldjer  ba«  Slftlod)  oerftopft  f)atte,  behauptete,  ba§  fie 
fein  fei,  roeil  fie,  fobalb  er  e«  nid)t  geu)an,  roieber  entroidjen  fein 
rourbe;  ber  anbere  aber  fagte,  fie  gehöre  it>m,  ba  er  fie  ja  gefan* 
gen  Ijabe.  ©nbli$  gab  benn  jener  nadj,  unb  biefer  heiratete  nun 
ba«  üfläbdjen,  unb  fie  betonten  Äinber  unb  lebten  redjt  glütfüdj 
gufammen. 

3tber  bie  ftrau  brang  oft  in  ben  üflamt,  er  möge  tyr  bod) 
ba«  Sljtlodj  geigen,  roo  fie  funeingefommen,  e«  laffe  tyr  gar  feine 
fflulje,  bi«  fte  ba«  gefeljen.  £)er  ÜRann  roiberftanb  eine  lange  ßeit 
allen  tyren  Sitten ;  bod)  einmal  bat  fte  ifjn  fo  inftänbig,  inbem  fte 
u)m  fagte,  fie  fjöre  tyre  üttutter  in  ©ngtanb  bie  <5d>roeine  lorfen, 
er  möge  fte  biefelbe  nur  noa>  ein  einzige«  Üflal  fetyen  laffen,  bafj 
er  roeidj  rourbe  unb  nachgab.  £)a  ging  er  mit  iljr  Inn  unb  geigte 
if)r,  roo  fte  ftneingefornmen,  aber  augenblicflid}  flog  fie  and)  roieber 
l;inau«  unb  ift  nie  roieber  gefommen. 

2tuS  Sromemünbr.  Äutjn  unb  ©d)roarfe,  ftotbb.  Saßen.  *Rt.  16. 

464. 

$ftrbcuaf)rt  in  Ufebom. 

3n  Ufebom  lebte  einmal  ein  Sötrt,  ber  Ijatte  ein  $ferb,  ba« 
roar  immer  tüdjttg  unb  gut  im  Staube  geroefen;  aber  auf  einmal 
rourbe  e«  mager  unb  naljm  ab,  unb  fo  gut  e«  audj  gefüttert  rourbe, 
wollte  e«  bod)  nidjt  roieber  auffommen.  £a«  fam  iljm  bo($  gang 
rounberbar  oor,  unb  er  fann  Ijin  unb  $er,  rooljer  e«  too^l  fommen 
möd)te,  tonnte  e«  aber  nit^t  l)erau«briitgeu  unb  liefe  enblidj  einen 
flugen  ÜHann  tjerbei&olen,  bajj  er  tym  riete.  £er  fam  al«balb,  be* 
fa^  ba«  <Pferb  nnb  fagte,  er  roolle  Reifen 


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36h 


Darauf  btieB  er  über  9?adjt  bort,  unb  mitten  in  berfelben 
ging  er  jutn  ©tall,  oerftopfte  ein  an  ber  2^ür  beftnbliche«  Sftlodj, 
holte  bann  ben  ©trt,  unb  fic  traten  nun  hinein.  Da  fab  benn 
biefer,  gu  fetner  großen  93erwunberung,  eine  ftrau  au»  feiner  Sefannt* 
fdjaft  auf  bcm  ^ferbe  fifeen  unb,  fooiel  fie  ftch  auch  mühte,  tonnte 
fie  bodj  nicht  ^erabfteigen.  Da*  mar  ber  ^ferbemahrt,  ber  fo  ge« 
fangen  war.  Da  bat  fie  benn  §odj  unb  teuer,  fie  bodj  bie«mal 
nur  noch  freijulaffen,  unb  ba«  t^at  man  auch,  aber  fie  mu§te  oor* 
her  oerf predjen,  nie  wieber  ju  fommen. 

»u«  Sellentin  auf  Ufebom:  Äuljn  unb  S(pn>arfe,  florbb.  Sag.  9h.  21. 

465. 

SOTaljri  im  Siebraub  gefangen. 

(Sin  junger  Surfte  würbe  allnächtlich  Oon  ber  Sföatyrt  geritten, 
unb  bie  ©djmeraen,  Weld)e  er  babei  au«ftehen  mußte,  würben 
fchließlich  fo  groß,  baß  er  auf  ein  ORittel  fann,  be«  ^lagegeifie« 
tebig  ju  werben.  3u  bem  ^weefe  ^ielt  er  fidj  eine«  Wacht«  mit 
©ewalt  wach  unb  ging,  al«  bie  ßeit  gefommen  war,  ba  bie  2Baljrt 
fich  einauftellen  pflegte,  fdjnetl  jur  Xhüre  unb  oerftopfte  ba« 
©chlüffelloch  mit  ©adj«.  ©obann  tegte  er  fich  auf  fein  tfager  unb 
Mttef  ein. 

81«  er  am  anbern  9ftorgen  wieber  erwarte,  ftanb  oor  feinem 
äöette  ein  großer  ©ie&ranb,  unb  in  ihm  faß  ein  naefte«  SWäbchen. 
<5r  ^olte  bie  9flahrt  barau«  tyeroor  unb  forberte  oon  it)r  Stechen* 
fc^aft  über  bie  oielen  Qualen,  bie  fte  ihm  jugefügt  §atte.  Da« 
2Jfäbchen  weinte  bitterlich  unb  beteuerte,  e«  fei  ihre  @chulb  nicht, 
baß  fte  al«  SKa^rt  bie  üttenfehen  reiten  miiffe.  „9iun,  bann  Oer» 
fpridj  mir  wenigften«,  baß  bu  mich  fortan  in  föulje  (äffen  willft", 
oerfefcte  ber  SBurfdje.  „21uch  ba«  ift  mir  nicht  möglich",  flagte  bie 
Dirne,  „ ju  wem  e«  ntid)  jieht,  ben  muß  ich  brüefen.  Sber  laß 
rnia^  nur  fdjnefl  frei,  benn  meine  Sfluttcr  oerlangt  fdjon  nach  mir." 
—  „SBo  wohnt  benn  beine  2ttutter?"  fragte  ber  ßnecht  oerwunbert. 
„Über  fmnbert  Steilen  oon  hier",  antwortete  bie  ÜRahrt.  —  „9hm, 
bann  eile,  baß  bu  $u  ihr  gelangft;  bie  Xhüre  ift  offen."  —  „fta, 
ba«  nfifct  mir  nicht«",  erflärte  ba«  Stäbchen,  burd)'«  ©chlüffellod) 
bin  ich  gefommen  unb  burdt)'«  ©djlüffelloch  muß  ich  »icocr 
fahren." 


369 


Qem  Surften  graute  babor,  nodj  länger  mit  ber  ÜRaljrt  in 
einem  3immer  iu  fem>  barom  tljat  er  ba«  ©ad)$  fort.  $n  bem» 
feigen  Stugenblicf  fafj  bie  $)irne  aud)  fdjon  in  iljrem  Siebranb  unb 
faufte  burd)  ba8  <5djlüffellot$.  Neugierig  tief  ber  Sfrtedjt  ifyr  nad), 
fonnte  aber  nur  nodj  bemerfen,  wie  fte  Ijod)  oben  au$  ber  £uft  iljm 
gurief:  „$>örft  bu  nidjt?  $cfct  ruft  meine  üftutter:  „Küküsaej!" 
Da8  mag  woljt  ber  9iame  beö  üfläbdjenS  gewefen  fein.  3)er 
Surfte  $at  aber  feit  ber  3eit  nie  toieber  bon  ber  SWaljrt  $u  leiben 
gehabt. 

ÜJlünblid)  au8  3^betdborf,  ÄteiS  9tanbon>. 
466. 

^ferbcmaljrt  bcrmanbelt  ftdj  in  eine  ©terfnobcl. 

2)ie  Uia^rt  ift  bie  Seele  eine*  üttenfcfyen,  wetdjer  bon  ©eburt 
bagu  berurteitt  ift,  menfd)ltcl)e  ©efen  ober  ^ßferbe  ober  gar  3)orn> 
büfdje,  Reifen  unb  ©emäffer  bie  91adjt  über  ju  brüefen.  $afi  immer 
finb  e8  SBeiber,  wetdje  af$  ÜWafjrt  reiten  geljen;  fyin  unb  lieber 
^ort  man  jebodj  audj  bon  männlidjen  üRafyrten  ergäben. 

So  Ijatte  ein  Sauer  einmal  ein  fdjöne$  ^Jferb,  wetdjeä  sJiad)t 
für  9ted)t  bon  ber  üRaf)rt  geritten  mürbe.  Um  bem  Unwefen  ein 
(£nbe  gu  madjen,  blieb  er  eine«  Slbenbg  auf,  bis  ba$  sJfad)tgcfpenft 
ftdj  auf  ba8  lier  warf,  ergriff  fobann  fdmelt  eine  wollene  Decfe 
unb  rieb  bannt  bon  Äopf  bis  gum  Sajwanj  ben  gangen  dürfen 
tüchtig  ab.  darauf  tyielt  er  baä  Xud)  gegen  bie  Öaterne,  unb  fiet?e, 
e$  befanb  ftdj  eine  Stecfnabet  bariu,  weldje  er  bor^er  nod)  nidjt 
bemerft  Ijatte.  Neugierig  30g  er  bie  9tabel  fjerauS,  unb  fofort  ber« 
manbelte  fie  fiety  in  einen  Uftann  aus  ber  9iad}barfd)aft,  ben  er  gar 
wob,!  fannte.  3)er  ertappte  ©efell  mußte  eine  lange  Strafprebigt 
anhören  unb  fdjwören,  nie  wieber  bem  $ferb  etwas  angaben  gu 
wollen;  bann  liefc  ber  Sauer  iljn  frei.  Unb  bie  (Srmaljnung  mufc 
moljt  einbringltd)  gewefen  fein,  benu  feit  biefer  9?ad)t  tyatte  baS 
^ferb  bon  ben  Sefudjen  ber  SHaljrt  nidjts  metyr  3U  leiben. 

$ür  gemöfynlicb,  tagt  man  iebod)  bie  ^ferbema^rten  ru^ig  ge* 
währen;  benn  ben  Stieren,  weldje  fie  fid)  gum  leiten  auSerfcfyen, 
bringt  biefe  Sab,!  eljer  ®lücf  als  Watyeif.  frreilidj  ift  bei  folgen 
^ferben  bie  ÜHätyne  jeben  Üttorgen  berwirrt  unb  in  Meine  3öpfe 
geflößten,  weil  bie  SKatyrt  ftd)  an  benfelben  feftjuljalten  pflegt,  aud) 

24 


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370 


fefjen  fie  gewö^ntid)  etwaö  „ranfer"  au£,  wie  anbere  Stoffe,  aber 
bafür  fann  ifynen  audj  feine  StTanfljeit  unb  feine  §eyerei  etwas  an- 
gaben. Der  gange  übrige  93iefjftanb  mag  oon  Seudjen  befallen 
werben,  mag  fid)  Verfangen  unb  bie  Äolif  befommen,  ein  ^ferb, 
weldje«  bie  3J?atjrt  reitet,  ift  oon  berartigen  Übeln  fhts  frei. 

Gbenbaber. 

467. 

Wa^rt  in  Sdjroarjow. 

@in  8$neiber  in  ecbwar^ow,  weiter  bäufig  oon  ber  SKa^rt 
geritten  würbe,  ^atte  fid)  fagen  taffen,  er  folle  nur  einen  ©tuljl 
neben  fein  93ett  ftetlen  unb,  wenn  er  bie  Slnfunft  ber  2Kaf>rt  Oer* 
fpüre,  mit  einer  3?abel  auf  ba$  <2ifebrett  fielen.  Da«  ttyat  ber 
Sdweiber  eine«  SlbenbS  aua%  unb  al$  er  am  anbem  borgen  er» 
wadjte,  fniete  ein  üttann  au«  bem  Dorfe  neben  bem  «Stu^l;  benn 
fein  redjteS  Obr  war  mit  ber  Wabel  auf  bem  ©ife  feftgeljeftet. 

Sttünblia)  aus  Scbroarjoio,  ÄreiS  9iaugarb. 
468. 

SWaljrt  tictungltitft  mit  ifjrem  ©iebranb. 

©ine  Sauerfrau  au$  üftefow  befanb  ftdj  einft  mit  mehreren 
anbem  auf  ber  ^ferbewiefe  be$  Dorfen.   Da  faf>  fie  ptöfclid)  einen 
Siebraub  baljer  rotten,  aus  bem  tönte  e$: 
„Xüf!  lad! 

SWeiu  ©ott  in  ber  $W  fei  @f)r'." 
flttit  einem  Sflate  oerftummte  ber  £ou,  unb  at$  fie  nätyer  ju* 
fallen,  war  ber  ©iebranb  umgefallen.  sJ?idjt  lange,  fo  fdjrie  eine 
fläglidje  ©timme:  „Stiftet  meinen  Reifen  bod)  wieber  auf!  ftd) 
bin  au«  93orfenljagen,  wo  id)  morgen  wieber  pflügen  mujj,  unb  Witt 
ii od)  beute  in  ^flugrabe  fein,  um  bort  einen  Änedjt  ju  brüefen." 
SÖeit  bie  9Hal)rt  fonft  bötte  fterben  müffen,  fo  richteten  bie  tfeute 
ben  ©iebranb  wieber  auf,  unb  bie  äWafyrt  fdjeufte  ifmen  jum  Danfe 
bafür  <&elb  unb  roflte  barauf  iljre  Strafte  weiter. 

9lu§  Wcforo,  Str.  *Heacm«albc.   ÜJiitactcüt  bureb  fcerrn  Ikof.  tf.  Äu&n. 


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371 
469. 

SDtoljrt  tötet  einen  2Renfdjeii. 

Um  ber  (öftigen  Otogen,  meiere  baS  9flat>rtreiten  bereitet, 
loSsumerben,  gibt  eS  oerfefciebene  ÜWittet.  3«an  fegt  jutn  «eistet 
einen  S3efen  oor  baS  99ett,  ober  man  ruft  ber  3ttaf>rt  $u,  fie  fotte 
fitt)  morgen  jum  ftrüljftüd  einfinben,  wo  fie  bann  erfdjeinen 
nroj?  unb  man  ifyr  baS  ©ieberfommen  grünblidj  oerfeiben  fann. 
©eljr  gefäljrlidj  ift  baS  üttittel,  fid?  eine  fdjarfe  fttadjsljea>t,  bie 
(Spifeen  nadj  oben,  auf  bie  SBruft  gu  legen,  ©emerft  bie  aKaljrt  eS 
nid)t  rechtzeitig  genug,  bann  ift  eS  freilief)  gut,  fie  treibt  fid)  bie 
eifernen  3in(en  in  bie  ©ruft  unb  mu§  fterben.  $>äufig  fmb  aber 
bie  ÜÄatyrten  fel)r  oorfidjtig.  80  tyat  eine  flftaljrt  einmal  bem 
£ned>t  bie  $ed)ef  umgebretyt,  fid)  barauf  über  Ujn  geworfen,  unb 
ber  3(rnifte  mufjte  fetbft  eines  elenben  £obeS  fterben. 

dbenbabet. 

470. 

SRaljrt  alö  »««feige. 

Huf  ben  $of  eines  SJauern,  beffen  eines  $ferb  Ijäuftg  oon 
ber  ÜRafjrt  geritten  mürbe,  (am  einft  ein  neuer  &ned)t,  ber  ein 
bifjdjen  bumm  mar,  unb  natjm  bort  Dienfte.  2Öie  ber  nun  eines 
SlbenbS  im  (Statte  ftanb,  legte  fid)  bie  Sttafyrt  nadj  itjrer  ©emo§n= 
tyeit  mieber  auf  baS  betreffenbe  £ier.  $er  Shtedjt  woflte  ben  ©auf 
beruhigen,  {treidelte  tym  ben  dürfen  unb  befam  babet  eine  SSirn* 
feige  in  bie  Ringer.  $n  feinem  Unoer  ftanb  ajj  er  biefelbe  auf  unb 
warf  ben  Stengef  in  bie  «treu.  9tlS  er  aber  am  anberu  3)?orgen 
in  ben  (Statt  fam,  fanb  er  im  Strolj  ein  $aar  Orrauenbeine  fielen ; 
baS  übrige  tyatte  er  im  SMagen. 

SRünbliaj  «u8  Ärafeig,  Ätei§  ftürftentum,  unb  SWeforo,  Stete  «Regenroalbe. 

471. 

3Wat)rt  als  Strofjtwlm. 

(Ein  &ned)t  fudjte  fein  ^ferb,  we(d)eS  gerabe  Ijeftig  oon  ber 
SWaljrt  gequält  mürbe,  ju  beruhigen  unb  (topfte  tym  auf  ben  fftücfen. 
$)abei  ermifdjte  er  mit  ber  $>anb  einen  langen  ©tro^alm.  9?eu* 
gierig,  maS  barauS  mo$t  mürbe,  jteefte  er  bie  (Snben  bes  £>alm§ 

24* 


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:M2 


in  einanber  unb  langte  tyn  barauf  wie  eine  Surf!  an  einem 
Söanbnagel  auf.  2(m  anbern  üHorgen  crblicfte  er  ftatt  be$  ©trotj* 
Ijalm«  eine  tote  ftrau  oon  wunberbarer  Sdjönfyeit,  weldje  bie  ©eine 
im  2Wunbe  jteefen  $atte. 

ßbenbaber. 

472. 

9)ia|rt  burd|  @d>elrtoorte  »ertriefcen. 

©erben  SWenfdjen  ober  ^ferbe  be$  sJkdjt$  oon  fdjweren 
Xräumen  gequält,  bog  fie  im  Schlafe  nadj  Vuft  ringen,  falten 
9(ngftfc^roet§  uergiefjen  unb  iämmerlidj  ftölmen,  fo  fyeifjt  e$:  „$)te 
reitet  bie  3D?ar)rt".  6$  ift  ba£  ber  ©eift  eine«  Üftenfdjen,  melier 
auf  foldje  Seife  mit  einem  anbern  Sefen  in  3$erbinbung  tritt. 

$8ill  man  bie  üftafyrt  gerne  wieber  lo£  werben,  fo  fann  ba£ 
auf  folgenbe  Seife  bewerfftelligt  werben.  Senn  man  gegen  Slbenb 
füfylt,  bafj  fie  in  bie  Stube  gefommen  ift,  fo  überhäufe  man  fie 
mit  ben  gröbfiten  Sdjeltworten  nnb  ebettfo,  wenn  fie  weggebt.  $>aö 
nimmt  fie  bann  in  ben  meifien  fallen  fo  übet,  bafe  fie  nie  mieber 
fommt. 

HJlimblidj  au«  Ärafeia,  Äwi«  ftürftentum. 
473. 

9)taljrt  läuft  in  einem  Siebretfen  nao)  Chtgeüanb. 

Die  3)tot)rt  legt  in  furger  £eit  bie  grölen  (Entfernungen 
gurüd,  inbem  fie  fiö)  gu  bem  $wecf  in  einen  rafdj  baljin  rotlenben 
Siebraub  oerfefct.  begegnet  mau  einem  folgen  Reifen  unb  ftößt 
tyn  um,  fo  fann  bie  üttafjrt  nidjt  weiter  uub  aud)  nidjt  in  iljren 
Äörper  jurücf,  unb  fie  mu§  fterben. 

©in  üttann  traf  einft  auf  ber  l'anbftrafje  einen  Siebranb, 
ber  in  fdmellem  £aufe  au  ifym  Dorbeieilen  wollte.  911$  er  il)n  nun 
umftiejj,  bat  eine  Stimme,  er  möge  boa)  ben  Reifen  wieber  auf* 
richten;  in  einer  IMertelftuitbe  miiffc  fie  in  (Sngellanb  fein  unb  bort 
einen  Sdjmiebcgefelleu  reiten. 

„Rund  assa  Söwrand, 

In  Virtelstunn  in  Eugelland". 

ebenbaljer. 


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373 


474. 

Wlat>xt  tu  Wtyig. 

@iu  ÜMann  in  sJfifeig  mürbe  feljr  ton  ber  9Waf)rt  geplagt  unb 
Hagtc  einem  ftremib  feine  }Jot.  Diefer  blieb  bie  Madft  bei  ünn  in 
bem  Limmer,  ""b  fobalb  bie  sJftaf)rt  gefommen  war,  oerftopfte  er 
fd)uell  alle  sJtifcen  unb  Vödjer  in  ber  Stube  unb  fteefte  fdjliejjlid) 
ein  Stürf  5öad)$  oor  baS  Sdjlüff  e!lod> ;  bann  ging  er  rufyig 
fetner  SBege. 

311«  er  am  anbern  3Worgen  mieber  fam,  ftanb  eine  fdjöne 
ftrau  hinter  ber  Üfn'ire  unb  bat  ifm,  er  möge  fie  bodj  IjerauGlaffen. 
Der  sJWann  aber  erflärte,  er  fyabe  fie  nic^t  bereingelaffen,  fo  fönne 
fie  aud)  alleine  wieber  fyerauSgefjen.  Da  tagte  fie :  „$>örft  bu  benu 
nidjt,  wie  meine  9)futter  in  (Snglanb  bie  Sdjroeine  locft?  SDiad) 
bod}  ba«  <5d}liiffellodj  auf !"  „®emi§",  ermiberte  ber  2Rann,  „meint 
bu  meinen  Ofreunb  me^r  rcjfen  tuillft".  Da8  fönne  fie  nidjt 
oerfpred^en,  entgegnete  barauf  bie  SDfafjrt,  bar  an  fei  fie  unfdmtbig; 
ber  "ßaftor  Ijabe  bei  ifyrer  £aufe  etmaö  oerfeljen,  unb  fie  muffe  erft 
umgetauft  merben.  Da  mußte  fie  benn  ifjren  tarnen  auffdjreiben 
laffen  unb  ben  Ort  in  (Snglanb,  mo  fie  geboren  mar.  sJfad)bem 
bie«  gefd)eljen  mar,  ließ  fie  ber  3ttann  burd>  ba$  Sdjlüffellod) 
3urü(ffet>ren. 

@r  fa)rieb  aber  gleich  barauf  nad)  (Snglanb  an  ben  ^ßaftor, 
roeldjer  bie  ftrau  umtaufte,  unb  feit  ber  #eit  ^  jjc  nie  roieber  als 
s3Uf)vt  gefommen. 

ÜHünblia)  au«  Mfeia,  ÄretS  8a)iefelb«in. 
475. 

9ttaljrt  in  IRetnfelb. 

$n  bem  Dorfe  SHeinfelb,  eine  Ijalbe  ©tunbe  oon  föifctg  ent* 
fernt,  lebte  einft  ein  $nedjt.  Derfelbe  mürbe  jeben  Hbenb  gegen 
jelju  Uf>r  fo  fdjläfrig,  baß  er  fid)  Einlegen  mußte.  Darauf  fd>rie 
unb  iammerte  er  eine  Seile  unb  ftanb  bann  mieber  auf.  Anfangs 
glaubten  bie  anbern  Dienftboten,  er  treibe  nur  <S$erj ;  ba  fidj  ^er 
bie  8a$e  jeben  Mbenb  miebertyolte,  merften  fie,  baß  tyn  bie 
ÜHaf>rt  reite. 

2U§  fid)  nun  ber  Shtcd)t  mieber  um  jetyn  ll^r  Einlegen  mollte, 
gelten  ifyn  bie  anbern  mit  ©emalt  mad),  obmof}!  er  fdjrie:  „Vaßt 


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374 


mid>  bod)  fc^tafcn,  midj  fd>läfert  fo  fe^r !"  darauf  antwortete  eine 
Stimme:  „%a,  mid)  fcfyläfert  audj  fdjon,  leg  bidj  nur  fdjlafen!" 
$a8  war  bie  SDtafjrt  gewefen.  Se(bftoerftänbUd)  ^ielt  man  ben 
&ne$t  nun  erft  red/t  wadj,  unb  bie  2Raijrt  Imt  tyn  feitbem  nie 
Wieber  geritten.  »blieb,  au*  Ncinfelb,  ffreis  SBelgarb. 

476. 

$te  bret  SWa^tten. 

I. 

(Sin  ©ut$befu)er  $atte  $wei  Sötyne  unb  brei  $öä)ter.  Die 
Äinber  waren  fämtlidj  fleißig  unb  orbentlidj,  nur  gleich  nadj  bem 
2lufjte§en  waren  bie  Xödjter  immer  mübe  unb  träge.  Dem  35ater 
fam  bie  ^adje  nidjt  geheuer  bor,  unb  er  wad)te  barum  einmal  bie 
9?adjt  über  an  ber  8d)laftammer. 

Da  Ijörte  er  benn,  wie  fidj  in  ber  sJtad)t  bie  ÜHäbdjen  an» 
fteibeten  unb  bann  burd)  ba$  ^c^(üffeIfocf>  Ijinburdj  flogen.  9U8 
er  in  ba8  3immer  fr**»  waren  aüe  Letten  leer.  92ad)  einer  ©tunbe 
fetyrten  fic  wieber  jurücf;  bie  ältefte  Jooster  ttagte  über  $rofr,  bie 
jweite  jammerte,  tyr  märe  bie  £aut  auf  93ruft,  Sirmen  unb  Seinen 
^erfdjunben,  bie  jüngfte  aber  mar  ganj  gufrieben. 

2lm  anbern  üttorgen  fragte  ber  ©utsbefifoer  feine  Üödjter, 
wa«  fic  mit  ib,ren  SReben  hätten  fagen  motten.  (Srjt  läugneten  fic, 
bann  geftanb  aber  bie  erfte,  fie  miiffe  jebe  9iadjt  auf  ba«  3öaffer, 
bie  anbere,  fie  müffe  jebe  9tad)t  auf  einen  Dornftraudj,  bie  Dritte/ 
fie  reite  jebe  9?adjt  als  SWaljrt  einen  jungen  SWenf^en.  Da  Ue§ 
ber  ÜWann  bie  brei  üfläbcfyen  umtaufen,  unb  feit  ber  Qtit  finb  fie 
bie  9?äd)te  immer  orbentlidj  31t  $)aufe  geblieben. 

Cbenbaljet. 

n. 

3u  einem  $afior  fam  einft  ein  SBettler  unb  bat  um  ein  Waty* 
lager.  Da  wenig  föaum  im  $aufe  war,  fo  lie§  ber  Pfarrer  tyn 
in  ber  «Stube  feiner  brei  £öd>ter  fdjlafen.  Qn  ber  iRactyt  työrte 
nun  ber  üflamt,  wie  bie  3ttäbdjen  aufßanben,  brei  33efcn|rielen  tyre 
§emben  anzogen,  biefelben  in  bie  93ctten  legten  unb  bann  burdj 
ba8  «Sdjlüffellod)  babon  fuhren. 

Sllä  ber  Settier  bie«  am  anberen  SWorgen  bem  SJater  erjagte, 
geftanb  bie  älteße  Üodjter,  fie  muffe  alluädjtlidj  auf  ba$  ©affer; 


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H7f> 


bie  anbere  fagtc,  fic  ginge  immer  auf  einen  Dornftraudj ;  bie  jüngfte 
aber  flagte  am  meifteu,  benn  fic  ntufite  bie  Vattett  reiten.  Da 
ualjni  ber  ^aftor  fdjleunigft  anbere  ^aten  für  feine  Äinber  unb 
taufte  fie  um.  Seit  ber  $cit  fiub  fie  nie  mieber  at«  2ttafyrten 
burdj  ba«  ScpffeHod)  gefahren. 
Sftünblia)  auä  Srjebiatfotü,  Ärciä  Witoto,  unb  sJDic|*orof  ffwis  Mcacmoalbe. 

477. 

Wlatyt  als  Satfbtntc  mit  $mei  Stengeln. 

(Sin  9ttann  au*  ber  ©egenb  üon  Sempelburg  mürbe  fe^r  oon 
ber  9D?af>rt  geplagt.  Da  rieten  tym  feine  Sefannten,  er  folle  nur, 
wenn  fie  tyn  roieber  reiten  würbe,  mit  ber  $anb  über  bie  Settberfe 
fahren.  2Ba$  er  bann  in  bie  fttnger  be!äme,  möge  er  getroft  3er* 
reißen,  bann  mürbe  er  töutye  fjaben. 

Sobalb  ber  üflann  nun  in  ber  Wad)t  merfte,  baß  bie  üWatyrt 
in  bie  Stube  gefommen  mar,  tljat  er,  mie  bie  ftreunbe  geheißen, 
unb  erfaßte  eine  33acfbirne  mit  ^mei  ©tengein.  Sdjnell  riß  er  ben 
einen  «Stiel  fyerauS  unb  warf  ilm  in  bie  @<fe,  mo  berfelbe  ferner 
nieberfiel ;  bann  fdjlief  er  ein.  2U3  er  am  anbern  SWorgen  ermatte, 
tag  ein  ftrauenbein  in  feiner  Stube.  $m  Stadjbarborfe  aber  ftarb 
nodj  am  felben  Jage  eine  ftrauenSperfon,  ber  über  Wadjt  auf  uner* 
ftärlidje  Söeife  ba«  eine  ©ein  auSgeriffen  mar.  Da*  mar  mo$t  bie 
ütta^rt  gemefen.  3Künblid>  aus  Sempelbura,  Ätei*  9leuftettin. 

478. 

3>te  SWaljrt  al#  ©<f)itmnel. 

Da«  3J?a$rtreiten  plagt  bie  üftenföen  befonber«  $ur  ftaftengeit, 
unb  amar  nidjt  allein  im  ©ette.  ©enn  man  in  biefen  Sagen  be$ 
Wadjt«  auf  ber  Straße  getjt,  fo  fyaett  e$  einem  ptöfelic^  öon  hinten 
auf  in  ©eflatt  eine«  meißen  SdjimmelS.  ÜRan  mag  Rütteln  unb 
rütteln,  fo  toiel  man  nur  miß,  man  mirb'S  nidjt  mieber  lo$,  unb  mit 
jebem  Stritte  mirb  bie  Saft  fernerer  unb  unerträgtidjer.  <£rft  bann 
»erläßt  ber  ^(agegeift  fein  Opfer,  menn  ber  SWenfdj  an  eine  Seiten» 
ftraße  gelangt  ober  menn  er  ber  üfla^rt  juruft:  „Qm  Warnen 
®otte«,  be$  Katers  unb  be«  SofmeS  unb  be«  Zeitigen  ©eifre«, 
»erlaß  mid)."  (Sbenbaber. 


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37*i 


479. 

Wlaf)tt  mtrb  lierbeiflefodjt. 

SBemt  jmei  üttenfdjen  ftdj  lieb  Ijaben  unb  bod)  ntc^t  vereint 
burd)  ba«Veben  gelten  fönnen,  plagen  fie  fidj  in  ben^ädjten  gegen* 
feitig  al«  ÜDcaf/rt.  So  lebte  einmal  in  einem  Dorfe  ein  ftnedjt, 
ben  e«  Wadjt  für  9iad)t  quälte  unb  brücfte,  bafj  er  e«  faum  meljr 
311  ertragen  oermodjte.  (Seine  Äameraben  matten  gmar  auf  fein 
bitten  eine  5Wa^t  burdj  an  feinem  tfager,  aber  ba  fie  nidjt«  feljen 
tonnten,  glaubten  fie,  er  Ijabe  fie  gum  Marren,  unb  e«  fefjlte  menig, 
ba§  fie  i^n  burdjgeprügelt  hätten. 

Da  manbte  er  fidj  enblid)  an  eine  Huge  ^rau,  bie  fragte  tyn, 
ob  fein  $embe  nid)t  jeben  ÜWorgeu  0011  Sdjmeijj  gang  burdjtränft  fei. 
311«  er  ba*  bejaht  fyatte,  befahl  fie  tym,  ba«  §embe  gufammengu« 
mringen  unb  in  einen  gnng  neuen  £opf  gu  ftetfen,  biefen  fobann 
luftbid)t  311  uerfdjlie§en  unb  unter  if>m  ein  fteuer  angumadjen. 
2^äte  er  ba«  brei  Jage  hinter  etnanber,  ber  Grfolg  mürbe  nidjt 
auf  fid)  toarten  laffen. 

Der  Jtned(>t  befolgte  ben  9iat  berfjere,  unb  fielje,  »ie  er  am 
britten  2lbenb  bei  bem  fodjenben  $opfe  fafj,  öffnete  fidj  bie  £l)üre, 
unb  herein  trat  eine  Dirne  au«  bemfelben  Dorfe.  „2ajj  um  ©orte« 
millen  ba«  Äodjen",  rief  fie  atemlo«,  „ftfjon  geftern  unb  oorgeflern 
mußte  id)  nidjt,  mo  id)  mict)  toor  innerer  Unruhe  in  meinem  $aufe 
laffen  follte.  £eute  Slbenb  get)t  e«  mir  aber  an«  l'eben."  <Spradj 
ber  fötedjt:  l(©efd)iet)t  bir  fdjon  gang  red)t,  marum  plagft  bu  midj 
immer  al«  SWa^rt."  Slntmortete  ba«  9J?äbd)en:  „ÜKir  get)t  e«nid)t 
beffer,  mie  bir,  id)  quäle  bidj,  unb  bu  quälft  midj."  Da  mürbe  ber 
Surfte  mitleibig,  lief  ba«  fteuer  ausgeben,  unb  bie  Dirne  ging 
mieber  nact)  #aufe. 

©efyotfen  r)at  ba«  &od)en  aber  bodj,  benn  bon  bem  Xage  an 
r)aben  ber  Änedjt  unb  ba«  9Käbd)en  nie  mieber  etma«  00m  9ttar)rt* 
reiten  oerfoürt. 

3Jiünblid>  auä  Sqboro,  Str.  ©djloroc. 
480. 

$ic  Sftatjrt  oermanbelt  ftd)  in  einen  gelben  9tyfe(. 

(Jin  Änefy  lag  eine«  Slbenb«  im  ©ette  unb  mar  gerabe  im 
begriff  eingufdjlafen,  al«  er  neben  ficr)  ein  ©eräufd)  r)örte.  Gr 


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377 


fetyrte  fid)  aber  nidjt  toeiter  baran,  fonbern  fdjlief  ein.  Da  legte 
fid)  plöfclid)  ein  fdjmerer  Körper  auf  tyn.  (Er  erwarte,  tonnte  fid> 
jebod)  mit  feinem  ©liebe  rühren,  fonbern  füllte  nur,  ba§  tym  etma« 
auf  ba«  ©efidjt  brürfte  nnb  tyn  umarmte. 

Qefet  ualjm  er  aüe  äraft  guf  anraten  unb  frümmte  unb  manb 
feinen  tförper,  um  ftd)  ber  Umarmung  $u  ent^ie^en.  Der  (Erfolg 
baoon  mar,  ba&  fid)  bie  3ttaljrt  entfernte  unb  er  mieber  feiner 
©lieber  $err  warb.  3u  feinem  ©rftaunen  bemerfte  er  nun  einen 
gelben  Slpfel  auf  feiner  SBrnft  liegen.  Diefen  naljm  er,  bifc  hinein, 
fpie  aber  ba«  <£tücf  fofort  au«,  beim  ber  Hpfel  Imtte  einen 
gang  eia.entümlid)en ,  efel^aften  @efd)mad\  darauf  fd)lief  er 
tuieber  ein. 

Sit«  er  fiel)  am  anbem  ÜHorgen  oon  feinem  tfager  ertyub,  (ag 
neben  feinem  Seite  ein  <Stücf  ÜJ?enfd)enfleifd).  ©ine  ftrau  im  Dorfe 
aber  mürbe  $u  aller  (Srftaunen  tot  im  93ette  gefunben,  unb  gfoar 
fehlte  tyr  au«  bem  <5d)enfel  ein  grofje«  Stütf  ftleifd). 

Daran,  bajj  iemanb  eine  3ttaljrt  ijt,  trägt  übrigen«  nur  ber 
<ßaftor  bie  ©d)ulb.  (Er  ift  nämlid)  bei  ber  Xauföanblung  in  ber 
9lu«fprad)e  ber  ^eiligen  Sporte  nad)läffig  gemefen  unb  $at  nid)t  ge» 
fprod)en:  „^m  tarnen  be«  SJater«  unb  be«  Sb^ne«",  fonbern  „3m 
tarnen  be«  SKa^rte«  unb  be«  ÜHonbe«".  3ft  ber  ungliicflid)e  Sauf* 
ling  nun  ermadjfen,  fo  muß  er  biefen  i'eid)tfinn  feine«  Seelforger« 
ferner  büfjen  unb  at«  v)Jad)tgefpenft  bie  ÜRitmenfd)en  plagen  ober 
Dornbüfdje  reiten,  ©e^olfen  fann  u)m  nur  baburd)  merben,  bajj 
er  oon  einem  anbem  ^Jaftor  unter  3ujie$ung  neuer  $aten  um* 
getauft  mirb. 

Wünblid)  au«  Äatfcfcoio,  Äteiä  Sauenbura. 
481. 

Watyt  auf  ben  anbem  tag  beftettt. 

3n  £atfd)on>  mürbe  ein  Shtedjt  jebe  9Jad)t  oon  ber  ÜWaljrt 
geritten  unb  Ijatte  babei  bie  fd)recflid)ften  Qualen  au«gufte$en.  $n 
feiner  9?ot  fragte  er  enblid)  einen  oerftänbigen,  alten  3ttann  um 
»tat,  melier  tym  al«  Slb^ilfe  folgenbe«  ÜKittel  anprie«.  <3obalb 
bie  ütta^rt  ju  u)m  fäme  unb  fid)  auf  tyu  gelegt  l)abe,  folle  er  fie 
bei  ben  paaren  paefen  unb  auf  ben  anbern  SWorgen  aum  ftrityflikf 
bitten,  unb  jtoar  fotle  fie  felbft  «Keffer,  ©abel  unb  Söffet  mitbringen. 


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378 


$)er  tfnedjt  tfyat,  wie  üjm  ge^eigett  war,  ergriff  bie  SWaljrt 
unb  forberte  iljr  ba8  SUcrfpredjen  ab.  #aum  ^atte  biefelbe  bieg 
^ecjcben,  fo  oerfdjwanb  fie.  91(3  nun  am  anbern  ©Jorgen  ber  Shtedjt 
bei  feinem  ftrüf/ftücf  fa§,  öffnete  fid>  bie  Xljüre,  unb  eine  alte  ftxau, 
Weldje  man  fdjon  lange  im  5$erbaa)t  fjatte,  bafj  fie  alö  ÜHaljrt  bie 
tfeute  brüefen  ginge,  trat  herein.  Cime  ein  SBort  ju  fpredjen,  blieb 
fie  bor  bem  ÜWanne  fte^en.  Um  fo  meljr  Ijat  biefer  jebod}  beu 
SWunb  aufgetfyan  unb  feine  Sdjeltworte  nodj  obenbrein  burdj  reidj« 
lidjc  Schläge  mit  bem  Holzpantoffel  berftärft.  £)ie  ftolge  baoon 
war,  bog  er  feit  ber  3eit  nie  wieber  in  ber  9iadjt  oon  ber  3ttal>rt 
geritten  würbe. 

Cbenbaf)cr. 


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XI. 

482. 
Allgemeine». 

93ei  ben  oerfdjiebenften  SBöffcrn,  bei  ben  ©rieben  unb  9tö* 
mem  nid)t  weniger,  wie  bei  ben  ©tarnen  unb  (Sermanen,  finbet 
ober  fanb  ftd)  ber  ©laube,  bajj  gemiffe  Üftenfdjen  bie  ©abe  befäfjen, 
je  nadj  ifyrem  öelieben  fidj  in  3Bö(fe  oerroanbeln  $u  fönnen.  $ie 
3)eutfcf)en  nennen  einen  fotdjen  ÜWenfdjen  ffiermolf,  b.  i.  fflanu* 
motf  (oon  Wer  =  SOJann),  in  unferm  pommerfdjen  fyiatt  Wäawulf. 

2lu$  nafjeliegenben  ©rünben  ift  biefer  ÜUermoIföglaube  in  ben 
einzelnen  Vanbeäteilen  baüon  abhängig,  ob  bort  nodj  toirttidje  Sölfe 
uortianben  finb  ober  ntct)t.  ©o  ber  flÖotf  fdjon  oöüig  ausgerottet 
ijt,  finb  aud)  $ü3ertoolf£fagen  nur  fpärlidj  311  finben  unb  roerben  mit 
ber  .ßeit  gan$  erlösen ;  mo  aber  nod)  2Öölf e  oorfommen,  ba  empfängt 
biefer  ©taube  tagtäglid)  neue  9fatyrung  unb  mirb  bem  33oIfe  ferner* 
lidj  ju  nehmen  fein.  Qarnad)  ift  e$  benn  aud)  nidjt  me^r  nrie 
natürlich,  menn  in  ben  nadjfotgenben  2Bertuolf3fagen  $interpommern, 
beffen  Äretfe  jum  Stctt  nod)  aüiäljrlid)  ben  93efuä)  oerfprengter  pol* 
nifd)er  2Bötfe  ermatten,  toeit  meljr  oertreten  ift,  al$  Vorpommern, 
mo  ©ölfe  bem  tfanbbolf  nur  oon  ©djaububen  tyer  befannt  finb. 

483. 

Sie  SBcrmölfe  tu  ©retf«ma!b. 

SSor  $toeif>unbert  $a§ren  mar  $u  einer  £eit  in  ber  ©tabt 
©reifsmatb  eine  erfdjrecflidj  große  Spenge  SÖeroötfe,  toet^e  tyren 
©ifc  befonberS  in  ber  9tofo»er  ©trage  Ratten.   33on  ba  au«  über* 


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380 


fielen  fic  alle  £eute,  bie  fidj  be«  flbenbs  nad>  adjt  Ufjr  aufjer  bem 
$aufe  fe^en  lie&en.  $u  oer  bamaligen  waren  aber  aud>  toielc 
bellte  ^tubenten  in  ®reif$walb.  Die  traten  fidj  gufammen  unb 
gogen  in  einer  ftadjt  gegen  bie  llnlwlbe  and.  Anfangs  tonnten 
fic  ilmen  nidjtS  angaben,  bis  bie  ©tubenten  gulefet  alle  it^rc  filber* 
neu  knöpfe  gufammennalmicn,  bie  fie  geerbt  fjatten,  nnb  bamit  bie 
Untiere  erlegten.  Icmme,  $o(t*iaaen.  9h.  259. 

484. 

$er  SBerwolf  bei  ftafeburg. 

Qn  ftafeburg  auf  Ufcbom  waren  einmal  ein  SOiann  nnb  feine 
ftrau  beim  $euen  auf  einer  Siefc  befdjäftigt.  Da  fagte  bie  ftrau 
nadj  einiger  3eit,  fie  Ijabe  gar  leine  Ülu^c  meljr  unb  fönite  nid)t 
mef>r  bleiben,  unb  ging  fort,  ^orljer  aber  tyatte  fie  uod>  ibrem 
SWanne  gefagt,  ba8  folle  er  iljr  fcerfpredjen,  baß,  wenn  etwa  ein 
wilbe*  Xier  fäme,  er  if>m  feinen  $ut  bi»roerfeu  unb  bann  fliegen 
Wolle,  ba|  e8  tym  feinen  3$aben  tfyäte.   Da3  oerfprad}  ber  SWann. 

ÜJur  eine  fleine  Seile  war  fie  fort,  ba  fam  ein  Solf  burd) 
bie  ©wine  gefdjwommen,  ber  ging  gerabe  auf  bie  £euer  loö.  Da 
warf  iljm  ber  ÜRann  feinen  $>ut  tyin,  ben  ba«  £ier  fogleid;  furg 
unb  flein  rijj.  Stber  unterbeffen  fyatte  fidj  ein  ftnedjt  mit  einer 
t^orfe  ljerangefd>lid>en  unb  erftad)  ben  SBolf  oon  hinten.  ^m 
Slugenblüf  »erwanbelte  fidj  auaj  baä  Xier,  unb  alle  crjtaunten  nidjt 
wenig,  als  fie  fa^en,  bajj  eö  be$  Säuern  Jrau  war,  bie  ber  Ünedjt 
getötet  ^atte. 

flu«  ©roinemünbe:  Äubn  unb  Sajionrfc,  9iorbbeutfc^e  Sagen  9ir.  22. 

485. 

gattyrmattn  als  SBcrwolf. 

35or  langer  $eit  würben  immer  bie  <&dnlbwad»en  auf  ber 
©tabtmauer  öon  ©arg  be«  sJtadjt3  burd;  einen  Solf  gefdjrecft,  fo 
bafe  balb  feiner  meljr  ba  aushalten  mofye.  @inft  gog  nun  ein 
befonberS  mutiger  Solbat  auf  ben  Soften;  ber  fd)o|  auf  ben  SBolf, 
unb  als  man  nadjfafy,  faub  mau  ben  Hauptmann  tot  ba  liegen. 
Dcrfelbe  fjatte  bie  Äunft  oerftanben,  als  3ftenfd)  fidj  in  einen  SBolf 
gu  oerwanbeln.  'JRünfclia)  aus  öarj,  flrciö  «Ranboro. 


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381 


480. 

$er  SBerwolf  bei  .garuoto. 

$n  bcr  ®egenb  »on  garnoro  t™0  M  &or  fünfzig  ^abjen 
ein  grimmiger  $Bolf  umf)er,  ber  flttenfdjen  unb  3MeIj  Dielen  Stäben 
gufügte.  (Sinmaf  gerriß  er  fogar  ein  Äinb.  $)a  matten  fidj  aber 
alle  Sauern  aus  3arnom  oen  umliegenben  Dörfern  auf  unb 
oerfolgten  ibn  unb  fdjtoffen  ilm  audj  toirflid)  in  einem  Sufdje  ein. 
Vll$  fte  i t)it  l)ier  jebod)  erlegen  mollten,  ftanb  auf  einmal  ftatt  M 
2ßoIfe$  ein  großer,  frember  3Hann  mit  einer  Äeule  »or  ifynen.  $)a 
erfannten  fie,  baß  fie  einen  SÖermolf  bor  fid)  Ratten. 

ü)?an  fagt,  ber  fönne  fid)  in  einen  ©ermolf  oermanbeln,  ber 
fidj  mit  einem  fttiem^n  umgürtet,  meldjer  aus  ber  92üden^aut  eines 
•  (9eb,ängten  gefdjnitten  ift. 

Icmme,  $olf*faaen       260  unb  ©.  340  fg. 

487. 

Ofrau  f)at  Umgang  mit  einem  SScrwolf. 

9ltle  Veute,  toeldje  ein  3?erbred)en  begangen  ^aben  unb  bafür 
uon  bem  irbifdjen  Mieter  nidjt  gur  föedjenfdjaft  gegogen  finb, 
werben  nadj  iljrem  £obe  gu  SBerroölfen.  @ie  nähren  fid)  oon 
9)ieufdjenfleifd}  unb  fdjarren,  ba  fie  ja  lebenber  2tteufdjen  nidft  ade 
3eit  ^abbaft  »erben  tonnen,  auf  ben  ftriebljöfen  l'eidjen  au«  unb 
f reffen  biefelben. 

(Sinft  »erheiratete  fia)  ein  2)tonu  mit  einem  $übfd)en,  iungen 
2)?äbd)eu,  oon  ber  er  nid}t  afynte,  baß  fie  eine  gang  abfäeulidje 
$ere  mar.  Sic  nun  am  Jage  nad)  ber  $)od)geit  bie  ÜJiittagS* 
ftunbe  Ijerangerücft  mar  unb  bie  foftlidjen  Soeifen,  roeldje  ber  (3:Ije* 
mann  feiner  fajönen  ftrau  gu  (£§ren  hatte  auftragen  (äffen,  auf  bem 
£ifdje  ftanben,  ba  t^at  fie,  als  idmietfe  eg  tyr  nidjt,  unb  ließ  alle« 
unberührt  fielen. 

2)a8  na^ni  ben  ©emafyl  Sunber,  aber  er  fctymieg  fülle  unb 
wartete  ruljig  ab,  bis  es  ilbcnb  mar.  $)aun  legten  fid;  beibe  gur 
JJiu^e,  unb  ber  SRauti  ftellte  fidj,  als  ob  er  feft  fd>liefe.  @S 
bauerte  aud)  gar  nidjt  lange,  fo  erlmb  fi<§  feine  ftrau,  fleibete  fid) 
au  unb  ging  gur  Ilnire  ^inauS.  Unuermerft  folgte  ber  ©arte  ityr 
naß  unb  gemährte  gu  feinem  (Sutfefceu,  baß  fein  Söeib  über  bie 
üird?f>ofSmauer  ftieg  unb  fidj  auf  ein  @rab  fefcte.   Äaum  hatte  fie 


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382 


ftd)  niebergelaffen,  fo  fam  ein  ©erWolf  bahergefprungen  unb  be* 
grüßte  bic  ©ejre,  fdjarrte  ba«  bctreffenbe  @rab  auf  unb  ^ottc  bie  in 
ihm  (iegenbe  tfeidje  IjerauS.  <3obann  serriß  er  ben  l'eidjnam  unb 
oerfdjlang  if>n,  legte  aber  auch  ein  gute«  Stficf  für  feine  ^reunbin 
äurücf,  weldje«  biefelbe  mit  großem  ©ohlbehagen  öer$ehrte. 

$efct  fyatte  ber  9Hann  genug  gefehen.  (Jr  fe^rte  um  unb 
legte  fid)  wieber  f Olafen.  9iac^  einer  f leinen  ©eile  fam  aua?  bie 
3frau  $urücf,  warf  fid)  an  feiner  «Seite  auf  ba«  £ager  hin  unb  fd)lief 
fo  ruhig  ein,  al«  fei  nid)t«  9lnßergewöhitliche«  vorgefallen. 

93eitn  nächften  sJ)?ittag«mahfe  fteüte  fid)  ba«  ©eib  wieber,  als 
feien  alle  aufgetragenen  ©eridjte  nicht  nach  it)rem  (SJefchmacfe. 
„©ewiß",  fpradj  ba  ber  aKanu,  „wenn  man  bie9kcht  tfeichenfleifch 
gefreffen  hat,  bann  fyat  man  am  anbern  läge*  feine  i'uft,  menf^en* 
würbige  ©peifen  ju  fid}  $u  nehmen".  „Sllfo  belaufet  ^aft  bu 
mich?"  rief  barauf  ba»  ©eib,  unb  efje  ber  bemann  wußte,  wie 
it)m  gefdjah,  war  er  oon  ber  erboften  §ejre  in  einen  $>unb  Oer» 
wanbelt  unb  mußte  e«  bleiben  fein  lebelang. 

SJKinblid)  au«  ffider,  ÄreiS  Wauaarb. 

488. 

Settoolf  Ui  $ffograbe. 

3n  bem  2)orfe  «pflugrabe  bei  üHaffow  fanb  einfi  ein  Sauer 
beim  liefern  einen  lebernen  Siemen.  Gr  nahm  ihn  auf,  ftecfte  ü)n 
5U  fich  unb  legte  il)n  bei  feiner  £>eimfeljr  auf  ben  ©oben.  Sange 
3eit  barauf  wollte  e«  ber  ^ufalt,  baß  e«  ihm  an  einem  Leibriemen 
gebrach  unb  er  fid)  barauf  be«  auf  bem  ©oben  verwahrten  ©urte« 
erinnerte.  <£r  frieg  hinauf,  legte  ihn  um,  fam  aber  nid)t  wieber 
herunter;  fonbern  flott  feiner  ftür^te  ein  ©olf  au«  ber  ©obenthüre 
herau»,  bie  treppe  f)i\\\mttrf  burd)  ba*  $au«  unb  ba«  gange  $>orf 
unb  entfdjwanb  auf  bem  ftelbe  ben  ©liefen  ber  erftaunten  ©auern. 

©rjt  einige  Sage  fpftter  flärte  fid>  ba«  Stätfel  auf.  3>er 
oermißte  ©auer  (am  nämlich  plöfelich  00m  ftelbe  $urücf  mit  bem 
»Kernen  in  ber  #anb,  ber,  wie  iefct  aüe  erfannten,  bie  Äraft  in  fid) 
trug,  ben,  welker  fich  mit  ihm  gürtete,  für  einige  Sage  in  einen 
©olf  ju  oerwanbeln.  Um  ieboch  ein  Unheil  31t  oerhüten,  nahm  bie 
ftrau  be«  ©auern  ben  Siemen  au  fich,  aerfchnitt  ihn  unb  oergrub 
ihn  an  einer  abgelegenen  Stelle. 

2RünDli<0  au§  ftreibeibe,  ffreiS  5?außorb. 


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_883_ 
4S9. 

$ie  ©erwölfc  im  fflcgetnoalber  Greife . 

o^rüber  fyat'S  im  ÜHegenwalber  Greife  oiel  Serwölfe  gegeben. 
SWatt  founte  fie  leid)t  erfeunen,  beim  uon  bem  ^ctüöbntid^en  Solf 
unterfdjieben  fie  fief^  burd)  bie  weifje  Siegle,  aud)  wagte  e$  fein 
$unb  fie  anzufallen.  $t>re  ^erWanblung  bewirften  fie  burd)  einen 
lebernen  3aubergürtel  mit  fie&en  t'öd)ern.  3ebc§Vod)  galt  ein  ftafir; 
wer  fid)  ben  SolfSgiirtel  in  ba3  fiebente  t'od)  gefdjnallt  Ijiatte,  mufjte 
alfo  fteben  $aljre  Serwolf  bleiben.  Surbe  er  aber  wäfyrenb  feiner 
3*erwanblung$$eit  bei  feinem  »ollen  tarnen  angerufen,  fo  war  ber 
Räuber  auf  ber  ©teüe  gehoben.  X)cr  (Gürtel  fyatte  aud)  bienjunber- 
bare  (Sigenfd)aft,  bajj  er  unoerbrennbar  war.  3clbft  wenn  man  ifm 
in  einen  glüfjenben  Ofen  warf,  blieb  er  unoerfeljrt.  $crner  tonnten 
bie  Serwölfe  burd)  fein  gewöf>nlid)e$  ®efd)o§  erlegt  werben. 

Sflan  weijj  nod)  oon  gar  maudjen  l'euten  ju  er$äfjlen,  bie 
Serwölfe  waren.  Qn  üttellen  3.  25.  lebte  ein  üftann  mit  tarnen 
^oljann  ^riebrid)  ÜRofyiS.  SlbenbS  in  ber  Spinufnibe  frod)  ber» 
felbe  hinter  ben  Ofen  unb  oerwanbelte  fid)  bort  in  einen  Serwolf 
Sd)aute  er  bann  mit  feinem  abfd)eultd)en  Solfäfopfe  Ijertoor,  fo 
riefen  bie  anbern  gefd)winb  feinen  tarnen,  unb  fofort  warb  er 
wieber  $um  3ttenfd)en. 

(Sin  anberer  Sermotf  lebte  in  geitlifc.  5)a£  war  eine 
Söauerfrau,  bie  in  iljrer  oerwanbelten  ©cftalt  bem  Birten  in  bie 
.§erbe  brad)  unb  bie  2d)afe  wegfrajj.  9iid)t£  founte  iln*  etWaS  an- 
gaben, jebe  Hitgel  blieb  bei  iljr  wirfungSloS.  (Enblid)  lief;  fid)  ber 
2d)äfer  eine  ©olbfugel  gießen,  unb  mit  iljr  fjat  er  bem  Seibe  ben 
©arauS  gemad)t. 

ttus  Woiu,  tfr.  JHeflfnroalbc:  Mitfleteilt  burd»  &er™  *Utof.  G.  Äubn- 

490. 

$er  Sermolf  tu  Sarnow. 

$n  Sarnow  weibete  ein  Üftann  beö  ÜMorgenS  feine  ^Jferbe 
unb  legte  fid)  lu'nter  einen  $>cnljanfen.  $a  fal;  er,  wie  ein  2)?äbd)en 
am  bem  S>orfe,  ÜMarie  £cf$  genannt,  gerbet  fam,  fid)  einen  9tie* 
men  um  ben  tfeib  fd)nallte,  einen  Stocf  in  ba$  §interteil  freefte  unb 
barauf  311m  Solfc  warb.   Sie  ber  Serwolf  nun  aber  ba«  eine 


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384 


froren  anfallen  wollte,  ba  rief  ber  erfdjrotf ene  SSauer  ootter  Slngft : 
„üWarie  £ef«,  bu  wirft  mir  bodj  nidjt  mein  ftoljfen  auffreffen?" 
©ogleid)  war  ber  3a"&ei*  gehoben,  unb  ba«  ÜÄäbdjen  Ijatte  feine 
frühere  ©eftaU  wieber  erlangt. 

Dtünbltcp  au«  Samoro,  JfreiS  (lammin. 
491. 

$er  SJerwolf  in  Ärabig. 

$er  ©erwolf  ift  ein  2ttenf<$,  ber  fidj  mit  $>ilfe  ber  föwarjen 
Äunft  in  einen  ©olf  oerwanbeln  fann.  Stogu  bebarf  er  eine« 
Kiemen«,  melier  au«  einem  3öolf«fell  gefönitten  unb  mit  gewiffen 
tföc^ern  unb  einer  ®d)nalle  oerfeljen  ift.  ©er  einen  folgen  Kiemen 
umfdmallt,  ber  wirb  ein  ©ermolf. 

(Sinjit  hüteten  ber  Shtedft  unb  ber  Äufyunge  eine«  Shrafciger 
dauern  bie  ^ferbe  auf  ber  ©eibe.  Sil«  fie  mübe  waren,  legten  fie 
fidj  Inn  unb  fd)liefen.  £)er  Oun9c  aDer  nur  f°/  a^  °&  er 
eingefdjlafen  märe,  unb  ba  faty  er  benn,  wie  ber  flnec^t  plütjüd) 
auffianb,  in  ba«  ©ebüfa?  eilte  unb  bort  einen  ffiolf«gürtel  um* 
fdjnallte.  Kadj  einer  Keinen  ©eile  fam  and)  wirflidj  au«  bem 
©ufdj  ein  großer  Söolf  Gerau«  unb  gerabe  auf  ben  jungen  ju. 
3)iefer  ließ  fiö)  aber  trofe  feiner  Slngft  nidjt«  merfen,  fonbem 
fdjnardjte  gang  laut. 

Kl«  ber  3Bo(f  fidj  beruhigt  ^atte,  baß  er  unbelaufdjt  geblieben 
fei,  fprang  er  unter  bie  $>erbe,  ergriff  ba«  bcftc  füllen  unb  fraß 
e«  Ijalb  auf.  Dann  lief  er  in  ben  93ufdj  jurücf  unb  fam  nad)  für* 
ger  3eit  al«  SWenfdj  wieber, 

Sie  nun  am  anbern  Sage  ba«  gange  ©efinbe  be«  Sauern 
beim  ^a'cffelfdmeiben  befdjäftigt  war,  fpie  ber  ftnedjt  oft  au«  unb 
flagte:  „üRir  ift  fo  wiwwclwawmel  im  i'eibe".  —  „3)ir  muß  audj 
fc^ön  wiwwelwawwel  fein",  entgegnete  ber  Stuljjunge,  „bu  ^ajt  ja 
ein  tyalbe«  füllen  im  tfeibe".  3)a  antwortete  iljm  ber  Änedjt 
gornig:  ,,3)a«  tyätteft  bu  nur  geftern  ^adjt  fagen  follen!"  benn 
oor  ben  anbern  beuten  fürchtete  er  fid}  ben  jungen  al«  Serwolf 
ju  gerreijjen,  weil  fie  iljn  fonft  gewiß  tot  ge|d)lagen  hätten. 

Wünblia)  au«  Ärafeia,  Ärci«  Sütftfntum. 


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385 


492. 

$ic  brci  Dnshäre. 

Gin  3d)äfer  befaj?  eine  ftattlidje  .£>erbc ;  fo  tiet  Vo^it  er  jeboef) 
feinen  ftnedjten  au^fe^en  modjte,  lange  gelten  fic  bei  ifjm  tiic^t  aus*. 
Der  sDJann  gab  3mar  ba£  työdjfte  ©eljalt  in  ber  ganzen  ©cgenb, 
bafür  verlangte  er  aber  aud>,  bafj  ber  ftuedjt  aus  feiner  eigenen 
Safdje  ben  >£d)aben  vergüte,  meieren  bie  ©ölfe  etwa  unter  ben 
Sdjafen  anrid)ten  würben.  Da  [teilte  fid;  benn  regelmäßig  am 
£d)lujj  be3  ^afjrcS  fyeraus,  bafj  trofc  be$  fyoljen  Solmeä  ber  tfnedjt 
nodj  3ufefcen  mußte. 

Ginft  ^atte  ber  Sdjäfer  roieber  einen  neuen  Ünedjt  angenom* 
men  unter  benfelben  93cbingungen,  tute  bie  vorigen.  Der  glaubte 
and)  gang  fidjer  311  geljen,  benn  er  üertraute  auf  feine  beibeh  rie* 
figen  2öolf£lmnbe.  2115  aber  ber  SÖolf  in  bie  .£)erbe  eiubradj,  waren 
bie  £ierc  burdj  nichts  3U  bewegen,  ben  Räuber  anjuparfen. 

®ana  traurig  fa§  nun  ber  £>irt  auf  b*ni  5e^e/  a^  cm  ^c'; 
fenber  oorbei  fain  unb  Um  fragte,  marum  er  benn  fo  betrübt  aus« 
fäfye.  Der  &ued)t  teilte  bem  ©anberSmaun  feinen  Kummer  mit, 
unb  biefer  riet  ifmi  (benn  er  afmte  gleid),  bafj  e£  ein  Söcrroolf  fei), 
er  folle  nur  ben  £>unbeu  bie  brci  Drishäre  unter  ber  5tel;le  au^ 
3ieljen,  bann  mürben  fie  fdjon  jubeijjen. 

DaS  tf>at  ber  tfnedjt,  unb  al$  balb  barauf  ber  3öolf  mieber 
in  bie  |)erbe  einbrach,  fielen  bie  §unbe  fofort  über  ifyu  fyer.  Da 
uermaubelte  jidj  ber  ©olf  plö^lid)  in  ben  Sdjafer  unb  fcfyrie  flefyent; 
ltdj  um  £>ilfe;  bodj  bie  |mnbe  roaren  nidjt  mefyr  jurücf^u^altcu 
unb  3erriffen  tyn. 

Der  Änedjt  geigte  ben  Vorfall  bem  Slmtmann  an;  ber  aber 
fagte:  „Ginem  9)Jann,  roeldjer  fidj  in  einen  Üöolf  »erroanbelt  unb 
bann  Sdjafe  frißt,  gefdu'eljt  gan3  redjt,  menn  er  üon  ben  $mnben 
jerriffen  mirb.  3Rünbli$  au$  Mfeia,  Äreis  Sa)iefelbcin. 

493. 

$cr  ^ferbefreffer  in  tölcbow. 

$n  bem  Dorfe  SHeboro,  im  ^euftettiner  Sh-eiS,  mar  eiuft  ein 
9)Jann,  roeldjer  nur  menig  »on  feiner  £anbe  Arbeit  lebte.  ^iu 
oMrüftafjr,  menn  bie  ^ferbe  mit  ben  ftoljlcn  3ur  ©eibe  getrieben 

25 


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386 


tourben,  ging  er  auf  bie  einzelnen  £öfe  unb  fpradj  bort  ben  ©olf«* 
fegen.  Dafür  würbe  er  bann  mit  ($elb  unb  anberen  Dingen  reicfylid) 
belohnt.  Unb  merftuürbig  war,  ba§  ben  Veuten,  roeldje  ifr)n  ben  «egen 
fpredjeu  ließen  unb  bofür  bejahten,  tvirtttc^  ber  3£olf  nie  «Schaben 
zufügte;  allen  anbem  bogegen  flerrif}  er  gerabe  bie  beften  ftofylen. 

(£inft  ging  biefer  üftann  311  feinem  9fadjbar  unb  erflärte  i^m, 
er  roolle  für  feine  ^ferbe  ben  Solfäfegen  fpredjen.  Dodj  bcr  meinte, 
©elb  gebe  er  für  foldje  Socken  nidjt  au«;  wenn  ber  Söotf  fein 
füllen  fyolen  wolle,  bann  möge  er  nur  fommen.  ,,©ut",  Jagte  ber 
ÜHann,  „bann  wirb  bein  fdjöne«  ftoljleu  n?0^  oal°  scrriffen  fein". 
2öie  nun  ber  Söauer  auf  bem  ftelbc  beim  pflügen  ift,  fommt  audj 
roirflic^  ber  Solf  an  unb  tauft  auf  ba«  füllen  *00-  ^0£^  Der 
üflann,  nid)t  faul,  nimmt  einen  Prügel  unb  fdjlägt  bermafcen  auf 
ba«  Untier  ein,  baß  e«  faum  mit  bem  Veben  baoon  fam. 

911«  ber  3kuer  gum  ÜWittageffeu  nadj  $>aufe  ging,  erjagte 
itnn  feine  tyau,  oer  9toc$bar  läge  fdnoerfranf  im  Sette  unb  wäre 
ganj  braun  unb  blau  am  Veibe.  „Der  foll  wotjl  fdjwarj  fein", 
erwiberte  ber  üJJann;  „ber  Äerl  wollte  mein  fdjöne«  füllen  freffen. 
künftig  werben  $nt  wol)l  feine  ©elüfte  auf  ^ferbefleifdj  oergefjen". 

ßbenbaber. 

494. 

SBertoolf  erlöft. 

fteber  üftenfdj  fann  fid)  mit  §ilfe  eine«  jauberfräftigen  SRie* 
mens  in  einen  SBolf  oerwanbeln.  (£«  ifit  ba«  ein  geroöfmlidjer 
Vebergurt  mit  Schnalle,  weiter  unter  allerljanb  gauberfünften  au* 
bein  Öfelle  eine«  Söolfe«  gefdjnitteu  ift.  Der  SBolföriemen  tjat  neun 
Vödjer.  £d>nallt  ein  2)?enfd)  ifjn  in«  erfte  Hod),  fo  ift  er  eine 
Stunbe  ©olf,  in«  jtoeitc  gwei  Jage  u.  f.  tu.,  in«  neunte  neun 
gauje  ^atyre. 

Mun  Ijatte  etnft  ein  SNami,  Äarl  ftriebrid)  Spiegel,  au«  einem 
Dorfe  bei  ©oltnow  gebürtig,  oon  einer  £eje  einen  2öolf«riemen 
geerbt.  (Sr  ging  mit  tym  auf  ben  <5dmlacnI>of,  h>o  nod)  anbere 
dauern  oerfammelt  waren,  unb  legte  bort  ben  Siemen  um  unb 
fpanute  tyn  in«  eierte  t'od).  Storker  fyatte  er  aber  au«gemad)t, 
fall«  er  wirflia)  ein  ffiolf  »erben  follte,  fo  mödjten  tyn  bie  anbem 
fdjnell  beim  tarnen  rufen;  beun  bann  wirb  jeber  ©ermolf  fofort 
toieber  Sttenfä. 


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387 


Shunt  fjatte  ber  flftann  aber  ben  ©urt  umgelegt,  fo  fprang 
er  aud)  fa>n  als  Solf  burd)  baS  ftenfter  unb  tief  in  ben  3öalb. 
Da  man  i(jn  nid)t  meljr  einholen  fonnte,  fo  lie§en  bie  Sauern  überall 
befannt  madjen,  man  möge  bodj  jebeit  SBolf  5larl  ^riebric^  Spiegel 
anrufen,  oielleidjt,  ba§  man  ilm  fo  erlöfen  fönne.  Dodj  ber  35auer 
blieb  uerfd)ollen,  unb  brei  $af)re  waren  feitbem  faft  vergangen, 
ohne  bajj  man  lieber  irgenb  etwas  oon  ihm  erfahren  ^ätte. 

Da  fuljr  eines  Jage«  ein  SWaim  gur  WUfyiz  unb  fah,  wie 
fid>  gerabe  ein  Söolf  auf  fein  ^ferb  ftürgen  wollte.  @r  oerlor  aber 
triebt  bie  Raffung  unb  rief:  „Käl  Frich  Sp6jel,  büst  du  dat?u 
unb  ba  ftanb  er  aud)  oor  ihm  unb  fagte,  alle  tfeute  hätten  ftets  fo 
große  fturcht  oor  ihm  gehabt,  baß  feiner  baran  gebaut  hätte,  ihn 
angurufen.  $ätte  er  ihn  jefct  nid)t  angerebet,  bann  hätte  er  noch 
fo  lange  als  SBolf  l)erum  laufen  muffen,  bis  baS  britte  $al)r  gu 
©nbe  gemefen  märe.  (Seine  £)äube  maren  aber  oon  bem  Dielen 
Umherlaufen  noch  lange  gang  burdjgerieben. 

(fbenDat)cr  unb  au$  Suboro,  Äreiä  ©cblaioe. 

495. 

$er  Willeduewelsdöd. 

35or  oielen  fahren,  fo  ergäben  bie  alten  £eute,  fam  auf  bem 
herrfdjaftlichen  $ute  gu  sJieinfetb  jebe  92ad>t  auf  unerflärlia^e  ©eifc 
ein  Sd)af  fort,  fo  oiel  Säcfyter  man  audj  aufteilen  mochte.  Dabei 
geigte  fid)  gu  berfelben  $eit  immer  gegen  Mitternacht  ein  entfefelicher 
Spul:  oier  Ungeheuer  trugen  auf  einer  3Jal;re  einen  £oteu  gur 
Sirche  hinein.  Da  ^ieß  es  bann  im  Dorfe:  „Da  is  allwerrer 
eie  dea  Willeduewelsdöd  schturweu. 

Um  bem  Unwefen  ein  (Snbe  gu  machen,  begaben  fid)  eublta) 
einige  bet)ergte  junge  Surften  auf  ben  lurm;  unb  als  gegen 
Mitternacht  ber  XeufclSfpuf  mieberum  in  bie  ftirdje  gog,  läuteten 
fie  aus  allen  Gräften.  Sürdjenglocfeu  fann  nun  ber  Teufel  nicht 
^öreu,  unb  fo  mujjte  er  entweichen.  Da  oerwanbelten  fid)  mit  einem 
Male  bie  Untiere  in  oier  Männer  aus  bem  9Jachbarborf  unb  ber 
$ote  auf  ber  öafyre  in  ein  geflogenes  Schaf.  Die  *'eutc  Ratten 
nämlich  bie  Sdmfbiebftähle  mit  «f)ilfe  beS  leufels  Dollführt  unb 
bann  in  feiner  ©efellfdmft  im  ©otteShaufe  ben  Maub  oergefjrt. 

Wünblicb  au«  heimele»,  Äreis  93elgarb. 


25* 


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XII. 

49G. 
9111  gemeines. 

Sagen,  lueldje  ftd)  auf  bic  ^erfon  beS  3)ienfd)en  bestehen, 
füllen  in  biefem  Kapitel  nriebergegeben  toerben,  cS  if*  barum  erfor* 
berlidj,  in  fur$en  3ügen  baraulegen,  in  meinem  Verhältnis  baS 
Volf  £eib  imb  Seele  $u  einanber  glaubt,  einmal  wirb  bic  Seele 
für  ein  burd>auS  felbftänbigeS  ©efen  gehalten,  baS  nur  in  lofem 
.tfufammenfjang  mit  bem  Körper  ftc^t.  Sie  enteilt  beSt)alb  nidjt 
nur  fofort  mit  bem  Eintritt  beS  XobeS  in  bie  Cüfte,  toofelbft  fie 
bis  jum  jüngften  £age  umf/er  fdjroebt,  fie  fann  fiefj  fogar  fdjon  bei 
^ebgeiten  beS  SKenföen  aus  bem  V'eibc  entfernen,  tuaS  bann  Xräume, 
21t)nungen  unb  fogenannte  Doppelgänger  gur  ^otge  I)at. 

Slnbere  toiffen  ?cib  unb  Seele  ntc^t  in  bem  SWafee  $u  tren* 
nen.  Sie  beibe  im  £eben  an  einanber  gebunben  toaren,  fo  müffen 
fte  aud)  im  lobe  jufammen  bleiben,  baS  Ijeifjt,  bie  Seele  Hebt  an 
bem  Stücf  (Jrbe  feft,  100  ber  tfcidjnam  eiugefenft  ifl,  unb  bleibt 
bort,  folange  bie  ©ebeine  nod>  nidjt  31t  Slfdje  geworben  finb. 

tiefer  SBorftellung  entfpridjt  es,  toenn  pommerfdje  Sagen 
bie  Seele  in  ©eftalt  eines  flüchtigen,  rafdj  baluu  )dne&enben  £iereS, 
eines  SßogelS,  einer  9ftauS  ober  Solange1),  feinten  ober  aber  als 
einen  frei  in  ber  Cuft  fdjtoebenbcn,  feurigen  $)aud)  (^rrlidjt);  jener, 
wenn  bie  Seele  nur  in  ©emeinfcfyaft  beS  »enoefeuben  ftörperS  aus 
bem  ®rabe  gurütffommen  fann,  um  als  9}ad)3eljrer,  Ungeheuer  ober 
s)feuntöter  bic  üttenfdjen  ju  quälen,  tuenn  bic  oerftorbene  9flutter 
an  ber  falten  Xotenbrnft  ben  juriicfgelaffenen  Säugling  ftillt,  ber 
oon  ber  ©attin  fortgeriffene  Sttann  bei  ber  neuen  Trauung  feiner 

Sir.  125. 


389 


3rrau  förperlidj  am  9lltare  gegenwärtig  ift,  ber  um8  £eben  gefom* 
mene  Bräutigam  bie  ifym  burdj  Xreufd)tour  oerbunbene  83raut  $u 
ftcr>  in  bie  falte  ©rabfammer  fycrabfyolt.  33eibe  33orftel(ungen  Oer* 
einigen  fid)  in  bem  ©tauben,  bafj  bie  (Seele  als  Üölume  ober  über« 
Ijaupt  als  "Pflanje  aus  bem  ©rabe  fyeroortoäajft;  benn  tjicr  bleibt 
bie  Seele  jtoar  ein  felbftänbige«  SBefen,  aber  fte  tourjelt  mit  ben 
SBurgedt  ber  ^Jflan$e  in  bem  oenoefenben  Äörper  unb  ift  an  ben 
%led  (£rbe,  too  ber  Xote  rutyt,  für  immer  gebunben. 

$in  übrigen  ift  man,  tute  anberötoo,  fo  aud)  in  Bommern  ber 
Überzeugung,  bafj  bie  ©eifter  alter  Verstorbenen  um  bie  EWitter- 
naa^tsftunbe  in  fidjtbarer  ©eftalt  erfdjeinen  bürfen.  Sie  oerfetyren 
aber  nur  mit  3$re£g(et$en,  Ratten  ©otteöbienfte  unb  $äu$e  ab,  je 
nadjbem  e3  ilmen  gefällt,  unb  adjten  forglidj  barauf,  bafe  fie  im 
SBefife  ber  Dinge  bleiben,  toeldje  iljnen  mit  in  baS  ©rab  gegeben 
tourben,  unb  bafj  fein  tfebenbiger  fie  in  i^rcn  gufammenfünften 
ftört.  Der  2J?enfdj,  welker  einen  ©eift  beraubt  ober  einer  ©eifter* 
oerfammlung  beiwohnt,  muj?  feinen  SBortoife  fdfioer  büjjen. 

9?ur  bie  «Seelen  ber  S'eute,  bie  bei  tyren  ?eb$eiten  nidjt  gut 
tl)un  hMten,  Sföörber,  Diebe,  ©eij^älfe  unb  ©otteäläfterer,  bann 
aber  audj  biejenigen,  roeldje  burdj  irgenb  einen  unglücflidjen  ^ufall 
früher  um  ba«  tfeben  gefommen  finb,  al£  iljnen  urfprünglidj  oom 
Sdjicffal  »errängt  fear,  Wonnen  einfam  für  fidj,  gefonbert  oon  ben 
übrigen  ©eiftern.  (Sie  fpufen  ^erum  unb  ängftigen  bie  lebenben 
üftenfdjen  burdj  iljre  (Srfcfyeinungen,  (äffen  fidj  al$  fdjrecfenerregenbe 
Cuäl*  unb  Poltergeister  an  ben  Orten  nieber,  too  fie  e§emal$  ityre 
Sajanbt^aten  oerübten  ober  um  ba8  ?eben  famen,  unb  fönnen  nidjt 
anberS  $ur  föulje  gebraut  »erben,  als  bun§  Räuberei  ober  baS 
Abfingen  frommer  ©efangbud)«lieber. 

VorauSgefdjicft  ift  ben  einseinen  Sagen  über  ba«  Seelen» 
leben  be«  äWenfdjen  eine  ©iebergabe  be«  pommerfdjen  äinberglauben« 
oon  ber  §erfunft  ber  Äinber,  ba  berfelbe  auf  uralten,  tyeibnifdjen 
Vorftellungen  über  ben  Urfprung  ber  Seele  fußt.  Denn  ber  <Stora^ 
(Sa^toan)  ift  in  SBaf>rl)eit  unfern  Vorfahren  ber  Äinberbringer 
getoefen,  inbem  er  nad)  iljrer  SWeinung  bie  Übertragung  ber  «Seele 
in  ben  neu  entfteljenben  ÜRenfdjenleib  »ermittelte.  —  Die  beiben 
legten  Hummern  btefeS  Slbfdmittc«  finb  (Sagen  oon  £eufel«befeffenen. 
Sie  finb  fjier  aufgenommen,  um  ju  aeigen,  baß  in  biefem  <Stücfe 
bie  d>riftliaje  9lnfa>uung«toeife  bie  ^eibnifd>e  oerbrängt  tyat.  Der 


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390 


alte  3?otf#glanbe  erflärte  ©emütSfranffjeiten  mit  einer  ©eeinfluffung 
»on  Seele  unb  t'eib  bnrdj  eine  äußere,  immer  außerhalb  beä  SörperS 
bleibenbe  SKadjt,1)  bie  3?orfteIlung,  bafc  ein  teuflifdjer,  böfer  ©eift 
neben  ber  Seele  im  ?eibe  feinen  Sofmfifc  auffdjlagen  fann,  ift  in 
jeber  93e$iel)ung  nnbentfd). 

497. 

SdjtoMu*  unb  Hbefror» Steine. 

5>ic  ungeheuren  ©ranitblöcfe,  tt>e(cr)c  an  ber  Äüfte  fron  $aä* 
mnnb  uerftrent  liegen,  »erben  ton  ben  ©eioobnern  be$  Dorfes 
Saßnifc  Sdjro  an  [teilte  genannt.  $n  ibnen  t?erfd>loffen  liegen  bie 
fleiiten  Sinber,  Sdjrcansrinber  ge^eipen.  fragt  ein  Sinb:  „Mudder! 
\V6  kümmt  dat  lütte  Schwänskind  her?"  So  Reifet  e$:  JUi$ 
bem  Stfnoanftein,  ber  wirb  mit  einem  Sdjlüffel  anfgefa^loffen  unb 
ein  SdjroanSfinb  herausgeholt". 

häufiger,  roie  bie  Sdjtoanftetne,  ftnb  Slbeborfteine.  (Sin 
foldjer  Slbeborftein  liegt  bei  Söierf  auf  Sitten?  in  ber  Cftfee  hart 
am  Straube.  ?lnf  biefem  ftelsblocf  troefnet  ber  Adebar  bie  Keinen 
Minber,  roenn  er  fic  au$  ber  €|"tfee  geholt  h«t,  beoor  er  fie  ben 
füttern  in'«  #an3  bringt,  totere  roeifen  ben  ftelSblocf  gerne  ben 
kleinen  nnb  erzählen  tynett  babei,  mie  aud)  fie  einft  barauf  üon 
bem  Stora)  ginn  Xrorfnen  nicbergelegt  feien. 

(Sin  anberer  ?lbeborftein  ift  ber  gro&e  Stein  bei  ©riftoro  in 
ber  Wähe  (EamminS.  9lnS  tym  beforgt  ber  Stord)  ben  8inberoorrat 
oon  Qatnmtn.  Damit  snfammen^ängen  mag  auch,  bajj  im  Streife 
föegemoalbe  rnttbliche,  glatte,  fdjwarje  Steine  ben  tarnen  Stnacfober* 
(Storch)  Steine  führen.  Die  ftinber  toerfen  fie  in  bie  #öhc  unb 
fpred/en  babei  ein  Sfrrüdjlein,  baS  ben  Knackäber  um  ein  33rü* 
bergen  ober  Sdnuefterchen  bittet. 

9JtünbUd)  unb  nach  ÜJhtteilunaen  bes  fceirn  ^rof.  Äul)n. 

498. 

Tie  »elfte  3Rau«. 

Gine«  ftacht«  lag  ein  ^ferbehirt  auf  ber  Grbe  unb  fdjlief; 
ba  fah  fein  ©efährte,  toie  ihm  eine  toeifje  SWauS  auS  bem  9tfunbe 

M  ^Dierfmiirfcifl  im  Mreife  Sdjiefolhcin  bic  Lebensart:  „Dei  hüt  de» 
Fik,"  roenn  man  uon  einem  (djiwmütiacn,  im  Stopfe  niebt  aaiij  ricotiaen 
Wenfdjen  fpriebt.  3*  ftelle  bie«  Fik  mit  Fri,  Fuik,  Fd  jufnmmen  unb 
bejiebe  e$  auf  bie  ©öttin  Fri».   3Jgl.  oben  (Sage  39. 


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391 


frod)  unb  hinüber  lief  in  einen  alten  ^ferbefdjäbel.  (Srfl  mollte  ber 
#nedjt  baö  £ier  tot  Wagen,  aber  er  befann  fid)  eine«  #efferen, 
meil  man  mei§e  ÜWäufe  überhaupt  ntcr)t  gern  tötet.  Überbie«  tarn 
ibm  bie  ganje  Sad)c  uidjt  geljeuer  cor. 

9118  nun  narf)  einer  SßJeile  bie  ÜWauS  mieber  au*  bera  sJtojj* 
fdjäbel  heraus  rooüte,  oerfperrte  er  tyr  ben  Ausgang,  fo  bog  fic 
nur  an  einer  Stelle  ifyren  töütfroeg  antreten  tonnte,  n?o  fur^  guöor 
ein  ^Jferb  fein  Saffer  gelaffen  trotte,  l'ange  fträubte  fie  fid)  ba* 
burd)  31t  gelten,  biö  fie  eublid),  ganj  bid)t  an  ben  ttRanb  beS  ®d)ä* 
belö  fid)  brücfenb,  an  ber  ^fiuje  oorbeifam,  mieber  ju  bein  Sdjläfer 
lief  unb  burd)  beffeu  üflunb  in  fein  innere«  fd)liipfte. 

Da  toaste  berfelbe  gang  in  Sd)mei&  gebabet  auf  unb  erjüljlte, 
mie  er  eben  im  Xraum  in  einem  9tofjfd)äbet  gemefen  märe,  unb  als 
er  mieber  fyerauS  roollte,  beinahe  in  einem  unermejjlidjen  ©affer 
ertrunfen  fei.  9iur  mit  gro&er  3Mje  fei  e8  tym  mögltd)  geroefen, 
barüber  aufommen. 

2Künblia)  au§  flrafetg,  Äret«  ftürftentum. 
499. 

$et  Doppelgänger. 

(£8  giebt  9J?enfd)en,  bie  mit  bem  £eufel  im  S3unbe  flehen. 
Söenn  fie  fo  alleine  gefeit  ober  toenn  man  fie  belaufet,  fietyt  man 
iemanb  neben  tyneu,  ber  mit  tynen  gleiten  Stritt  Ijält  unb  aud) 
baffetbe  fluSfetyen  Ijat;  baS  ift  ber  Xeufel  felbft.  So  er$äf>lt  man 
in  ber  Wörenberger  ©egenb,  im  Greife  Saajig;  in  bem  Greife 
föegenmalbe  bagegen  ift  e8  ber  Selmgeift,  melier  baS  33ilb  be8 
Doppelgängers  ^ert?orritft. 

So  lebte  früher  eine  mirtfd)aftlid)e  <ßäd)terfrau  in  bem  Dorfe 
Sd)toerin.  Die  mürbe  an  jebem  ÜWorgen  gu  feljr  früher  Stunbe 
oon  tyren  Dienfitboten  in  ben  teUerräumen  be«  $aufe«  angetroffen, 
mte  fie  mit  ben  Sd)ltiffeln  flappertc,  bie  Sd)ränfe  unb  Spüren 
öffnete  unb  anbere  ^äuälidje  Dinge  öerrid)tete.  Die  ftrau  felbft 
aber  lag  im  93ette  unb  fdjlief  unb  n>u§te  nid)ts  baoon.  Sllle  Dienft* 
boten  pteten  fid)  ben  Doppelgänger  angureben,  meil  ja  nur  ber 
®eift  ber  ftrau  in  ifmt  Ijerummanbelte.  Qljr  felbft  mürbe  e«  ben 
Stob  gebrad)t  tyaben,  ^ätte  man  ü)r  Doppelbilb  angefprod)en. 


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392 


?fadj  in  9?ügen  glaubt  man,  ba«  Doppelbilb  werbe  burd) 

fefynfucfytswoUe  ©ebanfen  an  einen  Entfernten  hervorgerufen.  2)?an 

nennt  bort  bie  gange  ©rfcheinung  wafeln.    ©in  ftifdjermäbchen 

erzählte,  il)r  ©ruber,  ben  fie  Ertlich  liebte,  fei  einft  jum  ftifdjen 

auf  See  gewefen.   $\\  ber  Sfadjt  brach  ein  großem  Unwetter  lo$, 

unb  bie  Dirne  würbe  von  foldjer  ©angigfeit  um  baS  Veben  ihres 

©rubere  ergriffen,  baß  fie  in  it)rer  ^erjenöangft  an  ben  Stranb 

lief  unb  ©ott  anflehte,  it)r  ben  ©ruber  am  ?eben  gu  erhalten.  Sie 

fie  fo  baftanb,  erblicfte  fie  plö&lid)  ihren  ©ruber  unb  rief  au§: 

„O,  ©ott!  9ton  wafelt  er,  nun  ift  ftarl  tot!"    Das  war  aber  nicht 

ber  #all;  benn  nad?  einigen  Jagen  feierte  er  wohlbehalten  jurürf. 

Dodj  fdjalt  er  feine  Schwefter  ^efttg  um  ihrer  fehnenben  ©ebanfen 

willen,  er  habe  in  ber  Sturmnacht  t>or  Unruhe  nicht  gewußt,  wo 

er  bleiben  folle,  unb  baran  fei  fie  allein  fdmlb  gewefen. 

flad)  Witteilunflen  bes  Jpctrn  ^tof.  G.  JTluljn  unb  l&  frerrn  «nmnaftal: 

lcf>rcr^  D.  Änoop. 

500. 

SountagSfiuber  unb  ©eiftcrfeljer. 

£eute,  bie  am  Sonntag  jwifchen  elf  unb  jwölf  Uhr  geboren 
unb  gleichfalls  an  einem  Sonntag  smifdjen  elf  unb  jwblf  Uhr  ge* 
tauft  finb,  befifeen  bie  ©abe,  ©eifter  $u  fehen. 

$n  Xefchenborf  am  ©otfehwinefee  lebte  ein  folcher  3J?ann, 
Biebrich  ©ott)  geheißen,  $ebe3mal,  wenn  jemaub  im  Dorfe  im 
Sterben  lag,  würbe  ber,  fall«  er  nicht  burdj  ba«  ftenfter  nach  beut 
Kirchhof  ^inau^fet)cn  Tonnte,  burch  eine  unerflärliche  ©ewalt  aus 
ber  Stube  auf  ben  ftriebhof  getrieben.  Dort  erblicfte  er  ben  Ster* 
benben,  wenn  er  oerbammt  werben  foüte,  in  fchwarjen,  fonft  in 
weißen  ©ewänbern.  So  hat  er  auch  einft  eine  ftrau,  bie  bei  ber 
Gntbinbung  geftorben  war,  mit  ihrem  neugeborenen  tinbe  in  weißen 
Kleibern  über  ben  Kirchhof  gehen  fehen. 

Sil«  einmal  eine  $)alSfranfheit  im  Dorfe  herrfchte,  fragte  ihn 
ein  ©auer,  bem  fünf  ftinber  geftorben  waren,  ob  eS  nun  51t  (£nbe 
fei  mit  bem  Sterben.  Darauf  antwortete  ftriebrid)  ©otfj:  „(Einer 
ftirbt  noch",  "n*>     flefchah  *§  auch- 

2lm  ftärfften  seigt  fich  bie  ©abe  beS  ©eifterfehenS  in  ber 
Ghrift*  unb  in  ber  WeujahrSnacht.   2tfan  fann  bann  alle  i'eute 


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4 


393 


feljen,  welche  in  bem  fommenben  ^ahre  fterben  werben.  So  er* 
blicfte  bei  einem  Ilmaug  ber  $eil  *  df^riftcn  einer  Oon  ihnen,  Wie 
feine  (Gefährten  mitten  bind)  einen  tfetdjenjua,  fyinbnrd}  gingen. 
,,.£abt  ihr  beim  foeben  ntdjtö  wahrgenommen?"  fragte  er  feine  (Me* 
feilen,  „Wein",  antworteten  biefe,  „gefehen  haben  wir  nichts;  wohl 
aber  I/aben  wir  ein  Drängen  unb  Stoßen  gefügt,  wie  inmitten 
einer  großen  Üttenfdjenmenge". 

ÜWeforo,  Sir.  9ceaenroalbc:  Witflctetlt  burd)  fcerrn  ^?rof.  Q.  Jhthn. 

501. 

Daä  Saufen  ber  Seele. 

i'iegt  ein  ÜWenfd)  in  ben  legten  ßügen,  bafe  Veib  nnb  ®eift 
fid)  balb  Reiben  muffen,  unb  ^at  er  bann  nod)  einen  SSuufch,  ent* 
Weber  feineu  #reunben  Vebewohl  311  fagen  ober  fonft  irgenb  etwas 
311  oeiridjten,  fo  geht  feine  Seele  wanfen.  iöerwanbte,  bie  oon 
bem  Sterbenben  Stunbeu,  ja  Rimberte  oou  SWeilen  weit  entfernt 
finb,  fiören  in  ber  Sobeäftuube  it)re$  Angehörigen  ben  Stubentifd) 
fradjeu  ober  an  bie  ^enfter  üodjeu,  ftreunbc  unb  Öefanute  fernen 
ben  betreffenben  2)feufd)eu,  obgleich  er  tctfranf  in  feinem  $ette  liegt, 
ptbfctid)  neben  fic^  im  Ve^iiftufjl  ober  gar  wot)l  oben  auf  bem  Cfen 
fifeen  u.  f.  w.  Der  öefdnchten,  welche  oou  biefem  Tanten  ber 
Seele  erzählt  Werben,  finb  unzählige,  3Bir  wollen  es  hier  mit  ben 
beiben  nachfolgenbcn  bewenben  laffen. 

Gin  Steuer  in  ftuuow  bei  SBolliu  liegt  in  ben  testen  ^iigen. 
^Slöfclich  richtet  er  fid)  auf  unb  fagt  $u  bem  ftreunbe,  Welver  feiner 
am  ttranfenbette  wartet:  „©eoatter,  eben  war  idj  brüben  beim  ftaa> 
bar  unb  hob'  in  ber  Äifte  auf  bem  Schranf  bie  fed^e^tt  alten  92ägel 
gesäfilt".  Dann  finft  er  in  bie  Riffen  aurücf  unb  oerfdjeibet.  £opf* 
fdjüttelnb  ge^t  fein  ftreunb  am  anbern  borgen  jum  Wachbar  unb 
erjagt  ihm  bie  Sache.  „$Mr  wollen  boch  gleich  mal  bahinter  fom* 
men,  ob  er  richtig  gewählt  t)al",  antwortet  ber  Machbar,  Öffnet  bie 
bezeichnete  ftifte  unb  richtig,  eS  liegen  fechäehn  oerrofkte  Draht» 
ftifte  barin,  nicht  mehr  unb  nicht  weniger. 

Gin  alter  Warm  im  Dorfe  Ärafeig,  im  Greife  ftürftentum, 
oerlangte  in  ber  XobeSftunbe  baö  Qahr,  ben  Sag  unb  bie  Stunbe 
feiner  ©ebnrt  $u  wiffen.  ÜJJan  antwortete  ihm,  fein  £auffchein 
wäre  nicht  $u  fiuben  unb  e£  fei  nicht  möglich  fcor  XageSanbruch  in 


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394 


fein  .J)eimath«borf  $u  gelangen,  um  aus  bem  Sirehenbueh  bie  ge* 
wünfehten  Slngaben  ju  entnehmen.  „$efct  weife  ich'«  fehon  felbf!", 
entgegnete  ber  ©terbenbe  unb  fügte  t/in^u:  „(£r  fei  eben  in  bem 
•ißfarrljaufe  jene«  Dorfes  gewefen  unb  habe  felbft  ba«  ftirdjenbudj 
nachgeflogen".  Daun  ftarb  er.  2)?an  30g  am  anbern  Tage  bei 
bem  ^ßaflor,  au«  beffen  Dorf  er  flammte,  (Srhtnbigungen  ein,  unb 
ba  berichtete  biefer:  „Jn  ber  vergangenen  sJ2ad}t,  al«  id)  tu  meiner 
<Stubierfhtbe  fa§  unb  au  ber  "JJrebigt  arbeitete,  öffnete  fich  plöfelicb. 
bie  Thüre,  ein  unfidjtbareS  Söefen  trat  ^aftig  herein  unb  nahm  ba« 
Sirchenbuch  Dom  ©tänber  tyxab;  fobann  fd)lug  e«  bie  SJlätter  eilig 
herum,  roarf  ba«  Such  wieber  ju,  ftellte  e«  an  ben  toorigen  ^lafc 
unb  —  t?erfchtt?unben  war  ber  ©put".  Da  fal)  man  benn  ein,  bafe 
be«  alten  tarnte«  Seele  wirf  lieh  toanfen  Qfgaitgen  war. 

Wünbtid). 

502. 

Die  meinen  Tauben.1) 

- 

(Sin  frommer  3ttann  hotte  jwei  liebliche  Töchter,  au  benen 
fein  ganje«  #ers  ^ing.  Doch  fotttc  fein  ©lücf  nicht  lange  währen, 
benn  eine«  Tage«  würben  bte  3fläbchen  franf,  unb  alle  Tränte, 
welche  bie  Nachbarinnen  unb  ©ebattern  für  bie  beiben  Äranfen 
brauten,  wollten  nicht«  tyi\en. 

Da  fprach  ber  befümmerte  93ater:  „Sich!  Söenn  ihr  benn  nun 
boch  einmal  fterben  mü&t,  fo  bitte  ich  «wdj  wenigften«,  bafj  ibr  mich 
nach  eurem  Tobe  noch  manchmal  befugt."  Wenige  ©tunben  fpäter, 
al«  er  bie«  gefagt  fyattt,  würben  bie  Jungfrauen  al«  Veiten  auf 
bie  Totenbahre  gelegt. 

2lm  anbern  Tage,  al«  ber  2ttanu  gerabe  fein  ^"hpcf  ein* 
nahm,  tarnen  jwei  weife  Tauben  an«  ftenfter  {^flogen,  $w  SBater 
ahnte,  ba§  e«  feine  Töchter  wären,  öffnete  unb  fogleid)  flogen  bie 
Tiere  auch  jurraulid)  auf  ben  Tifeh  unb  pieften  bort  bie  $erum* 
liegenben  Srotfrümchen  auf.  sJiad)bem  fte  eine  Söeile  in  ber  Stube 
gewefen  waren,  entfernten  fie  fich  wieber,  um  am  anberen  borgen 
ihren  $efuef>  in  ber  gleichen  Seife  $u  wieberholen. 

So  ging  ba«  lange  $eit  ^inburc^.  ?lber  ba«  gufltegen  ber 
fchönen  55ögel  war  einem  «=ßaar  böfer  ©üben  au«  ber  ^achbarfchaft 

»)  #u  ber  Storftetluna,  bafe  bie  Seele  aU  *ogel  baoon  fliegt  ugl.  oben 
9h.  415,  417,  433,  453. 


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395 


nidt/t  »erborgen  geblieben.  Sie  pellten  ficf>  unter  bem  $cnßer  auf/ 
unb,  als  bie  Xauben  bem  9)?anne  hineinflogen,  griffen  fie  nach 
ihnen.  2tber  bie  £iere  etttfc^läpften  ihnen  unter  ben  £>änben  unb 
entflogen  unb  mürben  feit  ber  $eit  nie  mieber  gefef>en. 

^lünblid)  nu£  Xrnmburfl. 

503. 
Irrlichter. 

Irrlichter  finben  fief^  allüberall,  mo  e$  bruchig  unb  mo» 
raftig  ift.  (£ö  finb  baS  bie  Beelen  öon  Sinbern,  roeld)e  t>or  ber 
£aufe  geftorben  finb  unb  bie  nun  bis  ^um  jüngften  Jage  ruhe* 
unb  raftfoö  auf  ben  Sümpfen  ^bringen  muffen.  $ur  ^ac^t^ett 
erfdjeinen  fie  ben  3Banberern  al«  ein  ftacfernbeö  Vicht  unb  führen 
fie  auf  Irrwege,  ja  Pufig  fogar  in  baS  blanfe  ©äff er  hinein. 
.g>at  baS  Qrrüdjt  feinen  gxoeä  erreicht  unb  ben  aflenfdjen  öcrlocft, 
fo  flatfcht  eö  üor  $reuben  in  bie  |>änbe  unb  ift  üerfa^njunben.  Der 
irregeleitete  aber  mag  anheilen,  toa«  er  mill,  er  finbet  fiaj  biefe 
9iadjt  burdj  nid)t  mieber  auf  ben  regten  2Beg;  er  mu§  »arten, 
bis  bie  ©oune  aufgebt,  erft  bann  ift  ber  Räuber  gelöß. 

Wünblia). 

504. 

^rrlirfjt  toirb  bnrrf)  ftlnd)eu  vertrieben. 

Der  'Paftor  üou  Stobom  fu^r  einft  in  jpäter  sJiac^t  t»on  ©ufemin 
äurtief.  Den  Salb  Ratten  fie  fa>n  Ritter  fidj  unb  Ratten  nun 
Spbon?  unten  im  ©runbe  öor  fid)  liegen  fefjen  muffen.  DaS  mar 
aber  bieSmal  nid)t  ber  ftall,  benn  plöfelich  taudjte  ein  Irrlicht  oor 
it)nen  auf  unb  führte  fie  bermafeen  in  bie  ftrre,  baj?  fie  fd)lie§lich 
in  einen  tiefen  flfloraji  gerieten,  au«  bem  fein  SluSmeg  mehr  mög- 
lich festen. 

Da  warb  eS  bem  Unechte  benn  bodj  $u  arg,  unb  mät)renb 
er  bi^er  auf  ben  Stanb  beS  £>errn  ^aftorS  ^Rücfftc^t  genommen 
hatte,  fjub  er  iefct  greulich  an  8«  fluten.  „2öa8  fällt  bir  ein?" 
fchrie  ber  ^aflor  entfefct.  Slber  fiet)e,  ba«  Vicht  mürbe  burdj  bie 
gotteslästerlichen  hieben  jufeljenbs  fleiner.  Da  mürbe  benn  auch  f«r 
bieSmat  ber  ^rebiger  anberer  Meinung  unb  fpradt):  „Wa,  ftriebrich, 
menn'S  fo  hilft,  bann  fluche  noch  einmal."  Unb  richtig,  faum  tjattt 
ftriebrich  feine  Litanei  511  ©übe  gebracht,  fo  mar  baS  Irrlicht  ber* 


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396 


fdjmunben,  unb  fie  würben  geroaljr,  ba&  fie  fyart  am  9?anbe  be$ 
tDfaftfjinfefeeä  fid;  befanbcn,  bcr  gerabe  auf  ber  ($renje  ton  föufcmin 
unb  2tybom  liegt.  bauevte  eine  gute  Weite,  bis  bcr  Sagen 
tuieber  auf  baS  fefte  Vanb  gebraut  mar,  unb  erft  gegen  SJforgen 
langten  fie  in  bem  Dorfe  an. 

3Hünb(id>  aus  2»)boio,  S»rei§  £Alnn>e. 

505. 

3rrlid}t  bei  JRcrfoto. 

3  m  Greife  Vauenburg  glaubt  man,  boö  ^rrlidtjt  fei  ber  Teufel, 
unb  e$  mufe  aud}  tuofyl  fo  fein.  @inc3  }lbenb$  ging  nämlidj  ein 
Sauer  oon  SRecfom  nad)  Sörefiu.  9U3  er  nun  an  ben  93ad)  ge> 
langte,  bcr  ringsum  »on  SRoräften  unigeben  ift,  falj  er,  roie  bor 
iljm  ein  Heine*  l'idjt  immer  fyin*  unb  fyerljüpfte. 

„3lf)a",  backte  er  bei  fid),  „baS  ift  baö  Orrlidjt,  ba  tlmft  bu 
moljl  beffer,  bu  fefyrft  fdjteunigft  um."  ©nblidj  befann  er  fidj  jebod) 
eines  33effcren  unb  ging  mutig  weiter.  W\t  einem  SWale  erlmb  fid) 
ein  ganj  entfc(jlid)cr  ©türm,  melier  ben  dauern  fjodj  in  bie  t'uft 
mirbelte  unb  bann  in  ben  Znmp\  fdjleuberte.  Gr  mollte  lieber 
fjerauöflettern,  aber  je  mefjr  er  fid)  anftrengte,  um  fo  tiefer  geriet 
er  hinein. 

Sdjliefjlidj,  als  e$  beinahe  fajon  mit  ilun  garauS  mar,  fyörte 
ein  borübergeljenber  Sauberer  fein  21ngftgefdjrei,  ergriff  itm  bei  ben 
paaren  unb  jog  Um  aus  bem  9florafte  ^erauö.  Da«  ^rrlia^t  aber 
mar  oerfdjrounben. 

tmiiiiblic^  aus  JHcdoro,  flr.  Stouenburg.. 

506. 

De  frame  Bur. 

In  Kubitz  bi  Kenz  lewde  een  Bur,  dat  was  een  still, 
gottsfrüehtig  Minsch,  un  he  hedd  eene  leewe  un  frame 
Husfrau,  un  se  lewden  mennig  schön  Jähr  mit  eenanner 
un  hedden  Glück  un  Kinder.  Da  sturf  de  Frau,  un  de 
Mann  was  sehr  trurig,  denn  se  was  eonWif  west  as  een 
Engel  un  so  fründlich  un  godhartig,  dat  se  keener  Fleg 
wat  to  Leeden  dhon  kunn.   Un  de  Mann  were  woll  för 


397 


all  sin  Lewen  een  Wittmann  blewen,  hedd  he  de  lütten 
Kinderken  nich  nett,  de  en  in  ehrer  Vörlatenheit  jam- 
merden.  Un  he  ging  denn  tu  un  nam  sick  de  tweede 
Frau,  äworst  sin  Hart  was  jümmer  noch  sehr  bedröwt. 

Ook  disso  Frau  was  een  recht  fram  und  fründlich 
Minsch  un  holt  de  lütten  Kindekens  reinlich  un  nett  un 
ertog  se  im  Christendom  un  in  aller  Gottseligkeit;  un  de 
Bur  hedd  se  recht  leew  un  lede  ook  noch  tweo  Kinder 
mit  ehr  to.  Äwerst  sine  erste  Frau  kunn  he  nich  vör- 
gäten,  un  dat  was  ook  woll  nich  nödig.  Se  seggen,  se 
besöchte  en  oft  un  kam  biuah  jede  Nacht  an  sin  Bedd 
un  sprack  em  fründlich  to,  un  ging  denn  rund  üm  de 
Bedden,  worin  ehre  Kinder  slepen,  un  runde  en  wat  in 
de  Ohren  un  sognedo  so. 

Dat  is  äwerst  gewis,  datt  de  Bur  mennige  Nacht 
keene  Rauh  hedd  un  upstahn  müsst  un  in  't  Feld  gahu. 
Un  nüms  wüsst,  wo  he  hen  ging.  He  ging  äwerst  nah 
Kenz  un  up  den  Kenzer  Karkhoff  un  lag  up  dem  Grawe, 
worin  sin  Schatz  vergraben  lag,  un  ho  meende,  denn  were 
em  am  nüdlichsten  toMod  in  sinem  ganzen  Lewen.  Un 
he  hedd  dat  nich  heemlich  vor  siner  jetzigen  Frau,  datt 
dat  sines  Hartens  Froidcnstunden  weren  un  datt  he  dat 
Nachtwandeln  nich  laten  künn.  Un  da  lag  un  satt  he 
in  dem  schönen,  grönen  Sommer  un  in  dem  kolden,  bittern 
Winter,  wo  de  Wülw  un  Voss  vor  Frost  hülen  un  de 
Tunköning  üm  de  Finster  Hüggt  un  piept. 

Da  hebben  de  Kenzer  Lüde  en  eenen  Morgen  funden, 
datt  he  lang  utstreckt  lag,  as  hedde  he  dat  Grass  küssen 
wullt  un  mit  sinen  Armen  ümfaten.  So  hett  he  eenen 
schönen,  seligen  Dood  nahmen,  un  Gott  un  sine  olde 
Leewste  hebben  en  to  sick  ropen  in  dat  himmlische 
Paradies,  wo  ho  nu  de  Krön  dreggt.  Un  he  hett  so 
früntlich  da  legen,  as  de  in  Froiden  ut  disser  Welt  hen- 
äwergahn. 

Se  hebben  en  in  't  Graf  leggt  bi  sinen  Schatz  un 
em  da  mit  köhler  Erd  de  warme  Leewe  todeckt.  Un  dat 
hett  sick  begewen,  as  dat  Gras  un  de  Böm  bloihden,  da 
wussen  de  schönsten  Liljen  un  Rosen  ut  ehrem  Grawe 


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398 


allen  tom  Teken,  datt  twee  true  Harten  da  begrawen 
sünt  Un  de  Blonien  sünt  jedes  Fröhjähr  wedder  ut- 
braken  un  hebben  niennig  schön  Jahrbloiht,  bet  se  eenen 
groten  Steen  up  de  Grutt  leden.   Don  was  't  vörbi. 

(*.  SR.  Ktnbt,  Würben  unb  ^uflenberfl.  II.  S.  72-73. 

507. 

$er  Stornfrufd)1)  bei  ^afo6«^ttflc«. 

$n  ^ofob^agen  lebte  einft  eine  $rau  53orf,  roeldje  it>rem 
Sttanne  Ijart  aufefete  unb  tym  baS  i'eben  bltttfauer  machte,  ©nblidj 
rifj  iljm  bie  ®ebulb,  er  nafmt  einen  grofjen  Bad,  fteefte  feine  ftrau, 
Ȋtirenb  fte  fd)lief,  hinein  unb  trug  ftc  bann  in  ben  ftafobSfyagener 
©alb,  h?o  er  fte  lebenbig  »ergrub,  öatb  barauf  n>u$0  ein  Dorn* 
ftraud)  au«  bem  ftörper  ber  ©rmorbeten  Ijeroor,  unb  biefer  $ufd) 
grünt  unb  blüfyt  bis  auf  ben  heutigen  Xag.  Oft  fyat  man  audj  bie 
ftrau  in  bem  Strauße  an  ifjrem  ©pinnrab  fpiuuenb  gefefyen. 

2>atob$l)agen,  ÄteiS  Snajig.   Dtitflrteilt  burd)  batn  C.  Änoop. 

508. 

$te  Stftelftanbe. 

Qu  bem  Dorfe  Sdjtoerin,  im  fltegemoatber  Äreife,  lebte  bor 
nodj  nidjt  alljulanger  $eit  ein  Statin,  ber  mit  feinem  SÖeibe  eine 
fef>r  uttglütflidje  (£f>e  führte.  Die  $rau  mar  leidjtftunig,  liebte  ben 
£an£bobeu  über  bie  ÜJtafjen  unb  madjte  ityrem  Statine  nodj  oben* 
brein  ^ortoürfe,  ba§  er  nidjt  fo  reid)  fei,  roie  fic  unb  ib,re  2$er* 
manbten.  Da3  nab,m  fid)  ber  $rmfte  fefyr  511  ^erjen  unb  fdjlietjlidj 
marb  er  fo  »erjagt,  ba§  er  nid)t  länger  leben  mochte,  einen  Stricf 
faufte  unb  fidj  erging. 

Darüber  grämte  fidj  bie  alte  Statter  beS  Verstorbenen  fester 
3U  £obe,  benn  fie  forgte,  bajj  er  als  ©elbftmörber  nief/t  ber  <2elig- 
feit  teilhaftig  geworben  fei.  $n  t^rcr  ^erjenöangft  eilte  fie  ju  bem 
^aftor  in  Spellen  unb  llagte  bem  iljre  9tat.  Da«  n?ar  ein  frommer 
Stamt;  liebeooll  beruhigte  er  bie  ftrau  unb  fagte  if>r  für  gettrifj  ju, 
bafj  i^r  @ol)n  bort  oben  feiig  fei. 

!)  S)ie  Seele  als  Sornftraud)  aud)  oben  9ir.  450. 


H99 


9lber  bie  Butter  mar  noch  ittc^t  gang  beruhigt.  X)arum  bat 
fie  ben  lieben  ©Ott,  er  möge  ihr  bod)  auf  bem©rabe  it)re£  Sohnes 
ein  fia)tbare$  Reichen  geben,  bafj  baö,  roaS  ber  ^aftor  iln*  gm 
gefiebert  habe,  auch  mirflid)  mala*  fei.  Siehe,  ba  tuudjS  au*  bem 
©rabln'iget  beg  Sohneö  eine  $)iftelftaube  h^auS.  £ie  blühte  fo 
herrlich  mit  bieten  roten  ©turnen,  nnb  als  bie  ftrau  fie  fat),  füllte 
fie  fidj  gang  getröftet  unb  toujjtc  oon  jefet  an  gang  -genau,  baj$  ihr 
Sot)u  in  emiger  Seligfeit  lebe. 
%m  Wefou),  Ür.  Wegcnroalb«:   ÜKitfletcilt  butd)  fyxtn  ^kof.  (f.  Jtuhn. 

509. 

$er  fpufntbc  Saum  in  $rnmburg. 

2ln  ber  ^romenabe,  melche  fidj  runb  um  2)ramburg  tyvnm* 
gieht,  fteljt  in  ber  9iähe  be$  bortigen  Üiettung^aufe«  ein  Saum, 
an  bem  fidj  oor  üielcn  fahren  ein  böfer  SDJenfch,  ber  tveber  nach 
©ott  noch  ÜRenfchen  fragte,  erhenft  tyat.  SÖenn  nun  oom  Xurme 
ber  alten,  e^rtoürbigen  3)?arienfirche  bie  1%  bie  groölfte  Stunbe  »er* 
funbet,  fo  fängt  ber  Saum  an,  in  allen  feinen  #ften  unb  £roeigen 
fürchterlich  gu  äct)aen  unb  gu  ftöhnen,  bajj  ben  gufällig  oorüber 
(Silenben  oor  ©ntfefeen  bie  $)aare  gu  Serge  fiteren. 

Sei  t)eUem  2D?onbfcr)eiii  mollen  etliche  l'eute  auch  f^on  9e> 
fet)en  haben,  mie  an  bem  Saum  um  2Jiitternacht  ber  Körper  eine« 
SWenfdjen  fichtbar  nmrbe.  $>ie  3unge  Inufl  bemfelben  lang  au«  bem 
§alfe  herauf  unb  bie  Bugen  im  ftopfe  oerbrehte  er  greulich-  ©e* 
nauer  fyat  l^odj  noch  niemanb  hingufchaueu  gewagt,  fie  finb  oiel- 
mehr  oor  8chrecfen  fchleunigft  baoongelaufen.  ©obatb  bie  ©toefe 
eins  fchlägt,  ift  ber  Spuf  toieber  oerfchmunben  unb  ber  Saum,  wie 
ein  anberer  Saum. 

9Jiünblicb  au§  2>rambura. 

510. 
$a£  ftlötenrohr. 
I. 

Dat  is  nü  all  lang  her,  däa  is  eis  eieKoenich  west, 
dei  hat  eie  ser  hübsch  Maeke  hat,  üm  dei  sich  vel  be- 
wurwe,  dat  sei  s'  häwwe  wutt  taune  Frü  häwwe.  Nü 
is  dar  in  de  Jigend  sone  schlimm  Schwin  west,  dat  hät 


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400 


so  v£l  Lued  död  mäkt,  dat  dei  Koenich  eie  Geböt  ütgäa 
loct:  Wör  dat  Schwin  fängt  ö  dod  mökt,  dei  schü  sin 
Dochtor  tau  'no  Früje  häwwen. 

Nu  sin  dar  e  eim  Dorp  twei  Bräure  west,  ö  de  ein 
däva,  de  hat  dat  Glück,  dat  Schwin  död  tau  niake.  Wil 
hö  nü  schütt  dem  Koenich  sin  Dochter  häwwe,  hat  dat 
dem  andre  Braure  sör  ärgert,  ö  he  red  sim  Braure,  sei 
wille  eis  eine  Sehpuzirgang  inäke.  Hei  j&t  mit  em  eie 
Wech,  wo  sei  nä  eim  Water  käme.  Auwer  dit  Wäter  is 
'n  steinern  Broej  west,  As  sei  nu  wille  bßd'  räuwer  gäa, 
kümmt  dös  Braure  hör  ö  schtött  dise  andre  dar  rin  in 
dat  Wäter,  dat  hei  versoept  Dünn  gröft  hei  em  däa  e. 
As  hei  t'  Hus  kam,  saer  hei,  sie  Braure  wör  verröst 

Nä  no  lange  Tid  hod  dar  eis  e  Sehaepe  mit  Schaupe, 
dicht  bi  dea  Broej,  6  kümmt  ö  schnid  sich  va  dem  Kör 
ein  Floet    As  hei  därup  floete  wi,  dunn  singt  dei  Floet: 

„^dj  armes  Wot)r  am  ©riicfenftein, 

2)Jein  23ruber  [tief?  mid)  lu'er  f)inetn 

SBSoljl  um  bas  £djruein,  rvotyi  um  ba£  tSdjtoein 

Unb  um  beö  Honigs  £öd)tertein." 
As  dei  Sehaepe  upbe  Awend  t'  Hus  kömmt,  zeigt 
hei  dit  glik  bim  Schulte  an,  ö  dei  Schult  mökt  wire 
Anzeig  bine  Polizei  inne  Schtadt,  ö  nü  komme  dei  alle 
rüte.  Glik  wäd  up  dea  Schtell  nägräwt,  wö  dat  Kör 
stäa  hat,  ö  wat  finnes?  eie  Leichnam,  dei  allem  Aschin 
nä  dei  was,  dei  dat  Schwin  umbrecht  hat.  Dä  wäd  dei 
anne  Braure  befraucht,  wö  hei  sich  de  mit  sim  Braure 
schöd  hat.  Dem  schlöt  glik  dat  Jewissen,  ö  hei  bekennt, 
dat  hei  sine  Braure  a  de  Broej  ümbröcht  hat. 

Dä  nämen  em  dei  Lued,  ö  hei  wäd  herricht  Sia 
Braun;  auwa  wäd  upbe  koenichliche  Kirchhof  ingräwt,  ö 
dei  Koenichsdochter  plant  Blaume  up  sie  Graf. 

»Hinblick  au*  Mieter,  Äreig  flaugarb. 

IL 

@in  Söater  Ijatte  atoei  Söfme.  Der  eine  baoon  war  ftug 
unb  oerfiänbtg,  ber  anbere  ober  galt  allgemein  für  einen  $>umm* 
topf.   SU«  ber  35ater  nun  alt  geworben  fear  unb  fuljlte,  bajj  er 


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401 


batb  fterben  müffe,  gab  er  feinen  beiben  Söfmen  auf,  fte  foüten 
i^m  eine  gemiffe  SJlume  im  Salbe  fudjen.  2Öer  fte  fänbe,  folle 
ber  (Srbe  feine«  $aufe«  werben. 

Die  trüber  madjten  fidj  auf  ben  $öeg  unb  fugten.  So  fefyr 
aber  aud)  ber  2?erftänbige  mit  feinen  Stugen  umf)erfpäf)te,  er  fonnte 
bie  SÖIume  nit^t  eutbeefen.  Der  Dumme  bagegen  [tiefe,  oljne  bafe 
er  oiet  gefugt  Ijätte,  auf  biefelbe,  bradj  fie  ab  unb  eilte  bamit  ju 
feinem  53ruber.  §luf  bem  §eimmeg  würbe  biefer  neibifd)  auf  ba« 
mwerbiente  ÖJlikf  be«  Dummfopf«,  ermorbete  U)n  unb  warf  ben 
2eidjnam  in  ein  fliefeenbe«  ©affer,  wo  er  unter  einer  $rütfe  Rängen 
blieb,  darauf  ging  er  in  feines  23ater«  $au«  junid,  3eigte  bie 
SKume  uor  unb  er^iett  ba«  (Srbe. 

9iadj  $al)re3frift  fameu  $)irten  au«  ber  Umgcgenb  3U  ber 
Steüe,  wo  ber  (Ermorbete  im  Gaffer  uerfunfeu  war.  Sie  faljeu 
3War  üon  bem  tfeidwam  nidjt«  mefyr,  benn  berfetbe  tag  tief  unten 
im  Sdjtamme;  aber  au«  tym  rjeraues  war  ein  92o^rr)a(itt  gewadjfen. 
Den  fd)nitt  einer  ber  Birten  ab,  um  eine  fttöie  3»  madjeu.  %(# 
biefetbe  nun  fertig  war  unb  er  fie  au  ben  ÜMuub  fefcte,  fang  fie: 

„?ldj  -Dlutter  mein,  ad}  Üftutter  mein, 

Die  fttöte  ift  Dom  Xotcnbeiu. 

9)fein  ©ruber  I/at  mid)  tot  gefd)tageu; 

(Sr  naljm  ba«  Slümdjen,  ba«  in)  fanb, 

Sind  meiner  $>anb 

Unb  fagt',  e«  fei  ja  fein." 
Da«  Irrten  itferwanbte  be«  (£rfd)lageuen.  Sie  gruben  an 
ber  Stelle,  wo  ba«  Woljv  geftanbeu  hatte,  nad),  fauben  ben 
Veidmam  unb  brauten  barauf  ben  SWörbcr  oor  ®erid)t.  Dort  ge* 
ftanb  biefer  benn  and)  bie  ^reoeltfyat  ein  unb  warb  3iir  Strafe 
Eingerichtet. 

Wiinblid)  au^  ftatfajom,  Sfreiä  l'auenburg. 

öl  1. 
$cr  Mcitutöter. 

<£«  giebt  Veute,  beneu  e«,  wenn  fie  geftorben  finb,  im  ©rabe 
feine  Stu^e  läfjt;  fie  treten  au«  bem  Sarge  tyerau«  unb  sieben 
anbere  9J?enfd)en  fid}  nadj.  Da«  tlmn  fie  neun  $aljre  lang,  unb 
in  jebem  $al)re  holen  fie  fid)  ein  Opfer.   9lu«  bem  ©runbe  werben 

26 


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402 

fie  gemeinhin  9ieuntöter  (Naejondoeder,  Naejadoera)  genannt. 
3ttan  fennt  bereu  nicfjt  allein  bei  ben  sJRenf(ueu,  fonbern  and)  bei 
bem  SBielj,  nnb  weil  fie  fo  uncnblid)  viel  Sdjaben  anrichten,  gilt 
„Weuntöter"  für  ba$  ärgfte  Sdjimpfivort,  ba$  jemanb  nur  in  ben 
sJ)htnb  nehmen  (anu. 

$n  flttefotv,  im  Jtreis  Wegenumlbc,  ftarb  einmal  ein  Weum 
töter.  Da  tjat  mau  benn  au  ad  ben  nenn  Opfern,  bie  er  fid) 
nadjgeljolt  fyatte,  am  Strumpf  einen  33(utflecf,  einen  Sterfnabelfnopf 
grofe,  gefeljeit,  fonft  l)at  man  an  ilwen  nirgeubs  bie  Spur  einer 
^erletmug  mal)rnetnnen  tonnen. 

Miinblid)  au*  bm  Greifen  tfürl'tentum  uub  Woflennwlbe. 

512. 

$a*  I  nhir  ober  ruinier. 

$Mrb  ein  itinb  mit  einer  Mappe  geboren,  fo  fagt  mau,  ba$ 
ift  ein  Unhir  Cöütotv)  ober  Unhuer  (ftiirftentnm).  ^eun  folaj 
ein  IJnhir  ftirbt,  Ijolt  eö  juerji  alle  auö  ber  4>envaubtftf}aft  nad); 
barauf  geljt  es  au  bie  iiirdjenglocfe,  fdjlägt  baran,  uub  fotucit  ber 
Scfyall  31t  fyöreu  ift,  fotveit  fterben  ringsherum  alle  l'eute.  Die 
üJiutter  be§  Unhirs  fanu  bem  Unheil  baburd)  vorbeugen,  bajj  fie  bie 
iiappe  ju  ^ltCver  verbrennt  unb  bem  Miube  mit  ber  SMlcb,  eingiebt. 

Selbft  im  Xobe  nod)  ift  ba$  Unhir  für  iebeu  ilunbigen 
leitet  lenntlid);  feine  Vcidje  fielet  nämlidj  gau$  frifdj  unb  rot  au$, 
als  ob  ber  sJ)2enfd)  noa)  t'ebcu  in  fid)  l}5tte.  5Ber  nun  feineu  Vorteil 
verfielt,  ber  legt  einer  foldjeu  Veid)c  ein  <yifd)llc&>  ®elb,  eine 
^ageurunge  unb  beriet  Dinge  mein-  in  ben  Sarg  t>ineiu,  bafj  fie 
e£  mit  fidj  unter  bie  (hbe  niuuut.  Damit  muß  bann  ber  £ote 
arbeiten  uub  fanu  uidjt  311m  sJiacf)3clnen  loinmen.  SUtc  Veutc  rufen 
bem  Unhir  audj  tvofyl  fyölmeub  nadj:  „$*euu  bu  baö  Wefc  auf* 
gefnotet  Ijaft,  bann  magft  bu  und  fyoleu!"  Sie  tuiffen  aber  redjt  gut, 
baß  ein  ^tfc^ue^  in  einer  Ofadjt  auffnoten  einfad)  uumöglid)  ift. 

«Utiinblicp  au*  beu  .Hicü'en  iöütoio  unb  äürftentum. 

öl  3. 

Unhir  tu  Zttfbiattow. 

(Stiva  vor  einem  3Menfd)cna(ter,  bie  alten  Veute  tönneu  fid) 
ber  Saa)e  nodj  genau  erinnern,  rourbe  in  Srjebiatfolv  ein  3)faun 


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403 


begraben,  imb  e«  bauerte  gar  nidjt  fange,  fo  ftarb  einer  nad)  bem 
anbem  au«  ber  33erwanbtfd)aft  be«  Verdorbenen.  Da  merften  bie 
l'eute,  mit  wem  fie  e«  $u  tfmu  Ratten;  einige  bellte  Männer 
gingen  auf  ben  ftirdjljof,  gruben  ba«  ®rab  mieber  auf,  unb  ba  faß 
beim  ba«  Unhir  im  Sarge  unb  nagte  au  ©ruft  unb  £änbeu. 

Die  Veute  fugten  nun  bie  Veiaje  un^ubre^en,  bamit  ba« 
Unhir  in  bie  (£rbe  freffe  unb  nidjt  lieber  SDicnfctjen  nadjfwle; 
bodj  bagegen  wehrte  fic^  ber  Xote  mit  aller  iDJadjt.  Da  na^m  ein 
ftarfer  üWann,  &Mtt  geheißen,  einen  febarfen  Sorffpaten  unb  [rieft 
tym  mit  einem  Stoß  ben  tfopf  ab.  Von  ber  ßeit  an  Ratten  bie 
Vewotyner  oon  Srjebiatfow  wieber  föube  oor  bem  Unhir. 

aWünblia)  au§  2rjol)iatfoa>,  WrciS  «ütoio. 

514. 

$er  9tadj£ef|rer  in  £arfd>ow. 

$n  bem  Dorfe  Äatfd)ow,  im  ^Nienburger  Steife,  ftarb  ein 
Sttanu,  ber  fein  ganje«  £cben  tjinburd)  gierig  gewefen  war.  911« 
bie  i'eid)e  in  ben  ©arg  gelegt  werben  füllte,  bemerfte  man,  bajj  ber 
Xote  fein  tfagcr  befubelt  Imtte.  Dod>  um  nidjt  flftifjfallcn  unter  ben 
Verwanbten  be«  Verdorbenen  $u  erregen,  war  man  leichtfertig  genug 
auszugeben,  bie  Waffe  rüf)re  baoon  I)er,  baß  ber  ü)iann  im  lobe«* 
fampfe  uiel  ©djwcu}  oergoffen  tyabe.  Darauf  würbe  ber  ©arg  auf 
ben  £irdjf)of  getragen  unb  bort  in  ber  gemeinten  @rbe  eingefenft. 

(S«  oergingen  einige  SBodjen,  ba  würbe  ber  ältefte  ©ofm 
be«  Verdorbenen  franf  unb  ftarb;  ad)t  £age  barauf  folgte  ilmt  ber 
zweite;  nad)  weiteren  adjt  Jagen  trug  man  ben  britteu  Ijiuau«,  unb 
al«  gerabe  ber  erfte  3J?onat  naefy  beut  £obe«fall  be«  älteften  Vru* 
ber«  oerfloffen  mar,  mußte  aud)  ber  jüngfte  unb  lefete  ©olm  an« 
biefer  Seitlia^feit  Reiben. 

2Öie  natürlich  erregten  biefe  fdjnell  auf  einanber  folgenben 
Xobe«fätte  im  ganzen  Dorfe  bie  größte  Veftiirjung.  Die  Vcrwan* 
bten  ber  fdjwer  getroffenen  ^amilte  begaben  fid)  in  ba«  Dorf  tfatig, 
wo  ein  alter,  erfahrener  SRann  wohnte,  ber  in  fotdjen  Angelegen» 
Reiten  fixere  $ln«funft  gu  geben  oermodjte.  Diefer  eröffnete  if)iien, 
e«  müßten  jWei  tfRänner  in  ber  Wadjt  jwifdjen  elf  unb  zwölf  Ut)r 
auf  ben  &irdjt;of  gefjen  unb  bann  ba«  ®rab  be«  Vater«  auf* 
graben,  ©enn  fie  ben  Derfel  be«  ©arge«  gehoben  Ritten,  würben 
fie  ben  £otcn  in  fifcenber  Stellung  antreffen.    @r  würbe  tyneu  bie 

26* 


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404 


£)anb  reiben  wollen  unb  hielte  madjen,  mit  iljnen  ein  ©efpräd) 
angufnüpfen.  Sic  füllten  f icf>  jebod)  barauf  nidjt  etnlaffcii,  fonbem 
fofort  einen  fdjarfen  Spaten  nehmen,  ber  Veidje  bamit  ben  $opf 
abftedjen  nnb  benfei  ben  fobann  it>r  ghrifötn  bie  Süfee  legen.  Vann 
wäre  alle  (#efaljr  für  immer  befeitigt. 

Späten  fie  ba$  aber  nid)t,  fo  würbe  ber  £ote  fein  fdjaurige« 
Serf  weiter  »errieten  unb  alte  Wädjte  Don  elf  biä  ^wölf  Uljr  an 
bem  VebenSmarf  feiner  StfermanMen  aeljren,  bid  er  fie  fämtlid)  unter 
bie  (£rbe  gebraut  Ijabe.  SllSbann  würbe  ber  Tote  auf  ben  NiraV 
türm  oon  ftatfdjom  fteigen  unb  bort  mit  ben  ©lotfen  läuten.  Soweit 
ber  Sdjall  baoon  gefje,  fo  weit  würben  aud)  alle  ÜWenfcfyen  auSflerben. 

$ie  U*erwanbten  gerieten  burdj  biefe  vSntfjüllnngen  nodj  meljr 
in  fturdjt  unb  boten  oiel  (9elb  aus,  bamit  fid)  3wei  ÜWänner  ju 
bem  eutfc^lic^cn  ©ange  fänben.  (£nblid)  erflärten  fid)  audj  wirtlid) 
jwei  trüber  bagu  bereit,  gingen  auf  ben  tfird)l)of  unb  gruben  jwü 
fdjen  elf  unb  ^wölf  Ufjr  bie  tfeidje  au$.  Sie  fanben  alle«  fo,  wie 
ber  weife  jUiann  oortjer  gefagt  r)attc,  unb  al£  ber  $ote  bie  #änbe 
nad)  ifmen  auSftrecfte,  ergriff  ber  eine  oon  ifjnen  ben  Spaten  unb 
ftad)  bem  v)Jad)3eljrer  mit  einem  Wurfe  ben  Hopf  ab.  Sobann  leg« 
ten  fie  if)m  ba£  £aupt  3Wifdjeu  bie  ftüfee  flutteten  bie  GJrube 
wieber  $u.  Unb  wirflid)  fyat  ber  lote  oon  ba  ab  feineu  metjr  nad) 
fid)  jietjeu  Wimen.  Münblid)  au«  Matfd>ou>,  Ärei§  i'auenburn. 

515. 

$er  Jreufdjwur  auf  tob  unb  l'eben.1) 

I. 

©in  %*aar  i'iebeube  Ratten  fid)  jwgefdjworeu,  bafc  fie  nie  oon 
eiuanber  laffen,  bajj  fie  fid)  angehören  wollten  and)  nod)  im  Xobe. 
darauf  nmfjte  ber  Bräutigam  unter  bie  Solbaten  unb  fam  311 
Stäben,  bafj  er  ftarb.  (SincS  MeubS,  als  ba«  2)?äbd)cn  im  Statt 
bie  Mülje  melfte,  fyielt  ber  Solbat  auf  einem  fdjönen  Sdjimmel  oor 
ber  Stalltljüre  unb  fagte,  er  fei  gelommcn,  bie  Sraut  311  Ijolen,  ob 
fie  nidjt  mit  tym  wolle? 

$aö  ÜWäbdjen  willigte  frcnbig  ein  nnb  fefcte  fid)  $u  tym  auf 
ba«  ^ferb.  So  ritten  fie  jufammeu  uiele  Weilen  weit  bei  gellem 
sJÜJonbfd)ein.    Unb  wenn  ber  Bräutigam  fragte: 

•>  %l.  )u  biefor  enge  bie  ^otrebc. 


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405 


„Der  Üftonb,  bcr  fdjeint  fo  tyetl, 
Der  £ob,  bcr  reift  fo  fdjneü, 
fteinStiebdjen  graut  bir  nidjt?" 
antwortete  bie  ©raut: 

„$8ic  fottte  mir  benn  grauen, 

Da  itt)  bei  meinem  $ein$Hebd)en  &in?" 

So  ritten  fie  weiter  nnb  weiter,  bis  fic  an  einen  $ird>f>of 
fairen.  Da  ftieg  ber  ©olbat  oom  ^Jferbe  uub  gab  feinem  5««$' 
liebten  bie  .ßüget  ju  Ratten,  wäf;renb  er  ein«  ber  ©räber  311  öffnen 
begann,  ^etjt  warb  bem  9)?äbd)en  flar,  bafj  it)r  Viebfter  ein  Xoter 
fei.  Sie  He§  bie  3üget  be8  s$ferbe8  tos  unb  ftob  ootter  ©djrecfen 
in  ein  £)au«,  nat)e  bem  ftircfytwf,  unb  Ijafte  bie  £f)üre  oon  innen 
ju.   $n  bem  $aufe  ftanb  aber  aud)  eine  tfeidje. 

3?id)t  fange  wäfjrte  eS,  fo  fam  ber  tote  Sotbat  oor  bieXtjür 
unb  rief:  „ÜWeineggfeidjen ,  mad)  mir  auf!"  —  Da  antwortete 
ber  £ote  brinnen :  ,,$6)  fann  nid)t,  ber  Söefen  ftet)t  auf  bem  ftopf ".*) 
—  SWtef  ber  «Sotbat  wieber:  „DonnerStagSftütfgarn2),  mad)'  mir 
auf!"  —  Stber  ba8  Donner&agSftiicfgarn  antwortete:  „^cfy  fann 
nidjt,  id)  bin  titelt  00U  geljafpelt".  —  SRief  ber  ©olbat  abermals : 
„Äeffeüjafen,  mad}'  mir  auf!"  —  Slber  ber  Seffetfyafcn  antwortete: 

fann  nidft,  id>  tyänge  im  britten  ©djaff".  —  Da  rief  ber 
©olbat:  „ßwirnftiäuel  oljue  wag3),  mad)'  mir  auf!"  Unb  ba8 
3wirnfnäuet  rollte  nieber  unb  wiefette  fid)  um  baS  ÜHäbdjen  uub 
brängte  fie  immer  weiter  ber  Jfyüre  51t. 

Dod)  baö  3ttäbd)en  bat  bie  l'eute  im  $aufe,  fie  möchten  bodj 
baS  tnäuet  wieber  aufrollen,  unb  bie  wiefetten  fo  eifrig  unb  fdmeU, 
baf?  ba$  Äuäuet  bagegen  ntdjtfi  ausrichten  fonnte.  Da  fdjrie  bcr 
Solbat  brausen  bem  2ftäbcfyen  $u:  ,,©d>aff  mir  ben  9itng  l>erau$!" 
Itnb  ats  baö  2JMbrf>en  ben  üiing  auf  einen  ©tod  gehoben  unb  fo 
lunauSgereidjt  ^atte,  war  ber  £ote  öerfcfywunben.  Der  ©toef  aber 
ift  jur  Raffte  t?erfof)lt  gewefen. 

SluS  3)lfforo,  Är.  Dteoenroalbe :  5lufaeieia>net  im  ^alirc  1862  von  fcerrn 

^tofcfi'ot  («.  Jtul)n. 

')  $en  »efen  auf  ben  ffopf,  b.  I).  auf  ben  ©tief,  ftellen,  fcbüfct  pot 
Teufel  unb  freren. 

2)  £onner§taas  foll  mau  webet  bafpeln  noa?  fpinnen,  benu  ber  Teufel 
verftellt  ftd)  in  ba$  Sriicfacirn,  bas  am  Donnerstag  aefjafpelt  unb  gewonnen  roirb. 

3)  (Sin  Knäuel,  ba$  ofme  Unterlage,  ohne  öarnroidel,  geroicfelt  ift. 


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406 


II. 

GS  mar  einmal  ein  öerliebteS  tyaav,  baS  ^atte  fidj  Jreue  ge> 
(Comoren  auf  Job  unb  i'eben,  nid)t§  folle  fic  [Reiben.  $)a  Tain  ein 
tfrieg  in  baS  £anb,  ber  Jüngling  mürbe  als  Solbat  eingebogen  uno 
ntn^te  gegen  ben  fteinb  $iefjen.  33eoor  er  ging,  erneuerte  er  jebodj 
feiner  SÖilljelmine  ben  Jreufdjmur  unb  t»crl>ieft  ifyr,  fie  $u  befugen, 
fclbft  toenn  er  fiel)  baju  bem  ärgften  £d?Iad>tgetümmel  ent* 
reißen  müßte. 

8eit  bem  Jage,  baß  Söilljelm  im  5clDC  war,  ^ 
ÜWäbdjen  bei  Jage  unb  bei  iWac^t  feine  Üiulje  mel)r.  Senn  fie 
fann  unb  badjte,  ba^te  fic  nur  an  SBilfyelm,  unb  toenn  fte  träumte, 
fo  träumte  fie  nur  öon  ifjm.  Oft  mar  iljre  Unruhe  fo  groß,  baß 
fte  mitten  in  ber  9lad}t  aufftanb  unb  in«  ftreie  Ifef*  3"  fe^en^  00 
itjr  Bräutigam  nidjt  jurMgefommen  märe.  Qu  mieberljolten  ÜWaten 
fyatte  eS  audj  in  ber  ©eifterftutibe  an  bie  JIjüre  geflotft,  aber  menn 
fie  hineilte  unb  auftrat,  mar  nichts  $u  erblitfen. 

Sdjon  oiele  Soweit  tyatte  fte  fo  augebradjt  unb  faß  mar  ifyr 
ber  ©taube  gur  ©etoißfjett  getoorbeu,  baß  Silfjelm  in  ber  großen 
ftelbfdjladjt  gefallen,  fei,  als  eines  9iad)t8  amifdjen  elf  unb  jtuölf 
Ufyr  fclofclidj  ton  einem  föeiterSmann  auf  fd)mucfem  ©djimmel  ftarf 
an  baS  ^enfter  Qcpocrjt  mürbe,  ©ofort  erlannte  baS  üttäbdjen  ifjren 
Silfyelm  unb  eilte  511  tym  fyinauS;  aber  ba  marb  bie  2lrme  mit 
(Siufefeen  gewahr,  baß  nid)t  baS  [tol^e  ©affeufleib,  fonbern  ein 
ftfilidjteS,  meißeS  Jotengemanb  iljren  93räutigam  umfüllte,  unb  baß 
fein  feuriges  9ioß  nidjt  ^-feifc^  unb  93ein  Ijatte,  mie  anbere  ^ferbe. 

£od)  bie  £)er5enSfreube  über  baS  $Bieberfef>en  mar  mächtiger 
als  bie  fturtbt  unb  baS  @iitfefcen,  unb  in  lautem  $uM  rief  baS 
SRäbdjen  auS:  „O,  mein  lieber  ©ityetm !  23ift  bu  cS!  93ift  bu  eS!" 
-  Sie  ©eftalt  gab  $ur  Slntmort:  „$a,  idj  bin  e$,  meine  SBilfceU 
mitte*.  Unb  weiter  fpradj  ber  s3ieiterSmann:  „Äoittm'  nur  mit  unb 
fefce  bidj  auf  mein  9?oß,  beim  id)  muß  Ijeute  nodj  meit,  weit  gurücf* 
reiten  bis  bafyin,  tuo  mau  mir  mein  ©rab  gegraben  f>at".  —  ^efet 
badjte  SBilfjelmine  au  ifjren  Gib,  unb  mie  ifjr  bie  alten  t'eute  immer 
gefagt  Ratten:  ,,©ieb  feinen  Sdnour  auf  Job  unb  ?eben,  baS  mirb 
unb  muß  ein  fd)ted)teS  (Sitbe  nefjmeu".  $ann  erinnerte  fic  ftdj 
jebod>  ber  tyerrlidjen  ^eit,  bie  fie  an  ber  Seite  SßMlfjelmS  oer* 
lebt  Ijatte,  unb  »oller  ®el>nfud)t  ftiirate  fie  fid)  in  feine  9lrme  unb 


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407 


lief?  fidj  uon  tym  auf  ben  Sdjimmel  Ijeben,  ber  fogleid)  pfeilfdjnell 
mit  feiner  boppelteu  i'aft  bauon  eilte. 

216er  Wa8  war  ba$  für  eine  ^yalprt !  T'qö  ging  uid)t  auf  ebener 
Grbe,  nein,  f)odj  burd)  bie  Wifte  faufte  baö  9FJcf?  wie  ein  2?ogel 
bafnn.  }fad)  hirjer  Steile  fpradj  Sil^etm:  „SaS  foll  id)  nun  mit 
bir  ttyun,  ^-einSliebdjen  ?  3>u  bift  übel  baran.  Den  3(fjwur  muffen 
wir  Ratten,  unb  bu  muRt  alfo  fterben,  tute  audj  idj  geftorben  bin". 
$auin  r)attc  er  auögefprodjeu,  fo  befanbeu  fie  fid)  aud)  fdwn  in 
einem  oben  $ird)f)of,  ber  ©dummel  war  cerfäjwunben,  unb  fie  flau* 
ben  aüein  auf  einem  ®rabfyiigel.  (5f?e  bie  &rmfte  wuftte,  wie  ifyr 
gefdjafy,  fyatte  ber  Bräutigam  fie  an  feine  ©ruft  gebrüeft,  bafj  iln* 
,J)ören  unb  ©efyen  »erging,  ©ern  wäre  fie  jefct  nod)  entflogen, 
aber  e§  war  $u  fpät;  ber  ®eift  fiel  über  fie  fyer,  tötete  fie  unb 
jerfteifd/te  ben  gangen  Äörper  unb  aerbrad)  ifjr  alle  &uoä)eu  im 
i'cibe,  fo  bafj  fein  ©türf  unuerfeljrt  blieb. 

3)a$  ift  fo  ba£  (£nbc,  wenn  junge  teilte  gottloö  genug  finb, 
fidj  tfiebe  3U3ufd)wören  auf  Job  unb  Veben.  Niemals  aber  follte 
ein  3ftäbd)en  fo  leidjtfinnig  fein  unb  einen  fötalen  <2d)Wur  mit  einem 
Solbaten  eingeben ;  beim  ba  ift  bie  ®efafyr  bei  ben  oielen  Sdjlarf)* 
ten  unb  ©efedjten  ja  boppelt  grojj.  Xfjut  fie  e£  bennodj,  fo  er- 
wartet fie  ein  l'ebenSenbe,  fdjrecftidjer,  wie  e3  überhaupt  mit  Sor< 
ten  gefagt  werben  fanu. 

Ttünblid)  au§  flatfäoro,  £rei$  Sauenburg. 
516. 

Serftorbene  äRutter  ftilli  ifjr  Äinb. 

3ur  ^ranjofen^eit  lebte  in  3JMlen  ein  Üfläbdjen,  baS  itjrein 
i'iebfyaber,  einem  frangöjifdjen  (Solbaten,  bis  Stettin  nadjfolgte.  93alb 
barauf  fefyrte  fie  nad)  bellen  jurücf,  fam  mit  einem  Knaben  nieber 
unb  ftarb  bei  ber  (Geburt. 

2113  bie  SDJutter  ber  Verdorbenen  nun  einmal  abenbs  bei  ber 
Siege  be§  ÄinbeS  fafj,  merfte  fie,  wie  bie  Söiege  ungemein  fd)wer 
Würbe,  and)  ljörtc  fie  ein  ©eräufd),  wie  wenn  ba3  ftinb  fauge.  £)a 
wufjte  fie,  baf$  bie  oerftorbene  9)hitter  wieber  jurücf  gefeiert  fei,  um 
ifyr  5?inb  ju  ftillen. 

3tu5  ÜJlefoto,  Äteie  Wcgemoalbc:  Mitgeteilt  burcp  fcetrn  $rof.  Q.  Äufjn. 


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408 


517. 

GMft  ber  regten  SWutter  jfi^tigt  bie  Stiefmutter. 

3m  £orfe  ÜKcefigcr  lebte  einfi  ein  3)?ann,  ber  um  feiner 
oielen  unerzogenen  Sinber  reilten  eine  atoeite  <Sf>e  eingegangen  n?ar. 
Vit  neue  ÜWutter  war  jcbodr)  gegen  ifyre  ©tieftinber  t>art  unb  fdjlug 
fie  häufig  um  ber  tteinflen  Hergeben  willen.  @ine3  StbenbS,  wie 
fie  wieber  bie  armen  Kleinen  graufam  jüdjtigen  wollte,  erfdjien 
plöfelid)  bie  rechte  SWutter  unb  gab  ber  feiten  ftrau  einen  33aden* 
ftrei($,  bafe  if>r  §ören  unb  Sefyen  verging.  $ann  berfcfywanb  fie. 
Seit  ber  $eit  f>at  fidj  bie  Stiefmutter  ber  ifjr  anvertrauten  ftinber 
beffer  angenommen  unb  ift  beSfyalb  audj  ber  ®eifr  ber  regten 
3J?utter  nie  toieber  erfdjienen. 

27tünblid)  au$  ^Weefißcr,  Äreiö  2>ftnmin. 

518. 

$te  Seelen  abgefducbencr  Gljegattett. 

SBeun  fidj  jemaub  aum  ^Weiten  SWale  oerljeiratet,  fo  erfdjeint 
bei  ber  £>o%'it  ber  oerftorbene  (Sf>egatte.  So  Ijatte  in  Roggow  ein 
3J?ann  eine  zweite  ftrau  genommen.  $a  falj  einer  ber  ^o^eitö- 
gäfte,  wie  fidj  bie  oerftorbeue  ftrau  burd)  ben  Sdjwarm  ber  tfeute 
fjinburdjbrängte,  unb  rief  be8l?alb  audj  gan$  taut,  man  möge  <ßlafc 
madjen.  darauf  ift  ber  ®eift,  oou  niemanbem  als  bem  einen  ge* 
fefcn,  in  ba$  £au$  gegangen,  f)at  bie  .ftod^eitsfammer  geöffnet 
unb  bie  jungen  (Seeleute  einige  flugenblicfe  ftill  angefefyen.  Sobann 
Ijat  er  fid}  wieber  umgewanbt  unb  ift  fdjweigenb  fortgegangen. 

<£in  anberer  fafy,  als  eine  3Bittme  fi$  junt  ^weiten  SDMe 
oermäljlte,  toie  il)r  oerftorbener  ©fjefjerr  bei  ber  Xrauung  zugegen 
mar  unb  mit  bem  .ftod^eitepaare  augleid)  gum  flltar  trat.  ?U8 
bann  bie  ÜRinge  gewedjfclt  »urben ,  tyat  ber  2ote  gleichfalls  bie 
Ringer  auSgefiretft. 
3lu§  Wcforo,  firetö  SReflcnroalbe :  OJtitßeleitt  burcb  fcerrn  ^rof.  I*.  Äubn. 

519. 

De  Grlsing  un  de  Schatz. 

In  Richtenbarg  wahnde  een  Timmerniann,  dat  was 
een  deeger,  flitiger  Minsch  un  hcdd  ook  eene  sehr  gode 


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409 


im  gottsfrüebtige  Frau.  Dat  weren  een  Paar  flitige  im 
ordentliche  Lud,  äwerst  Gott  wet,  dat  wull  doch  nich 
recht  mit  en  fürt,  un  se  hedden  in  Richtenbarg  nich 
Stiem  noch  Glück.  De  Timniermann  ging  also  hen  un 
vörköfde  sin  Hus  un  wull't  up  eener  annern  Sted  vör- 
söken  un  köfde  sick  wedder  in  Grimm  (Grimmen)  an. 

As  nu  de  Tid  kam,  datt  de  goden  Lüde  bald  weg- 
tehn  schullen,  wurd  de  Fru  eenmal  nachts  dör  een  ganz 
lises  Ruschein  ut  den  Slap  weckt  un  keek  up  un  sach 
in  der  Eck  achtern  Kachelawen  eenen  olden  Mann  im 
grisen  Rock,  mit  eener  witten  Slapmütz  up  'm  Kopp  un 
eenen  Slätel  in  der  Hand,  up  'in  Stol  sitten.  Et  sach  ut, 
as  wenn  he  ehr  fründlich  towenkte,  un  to  gliker  Tid 
wisde  he  mit  der  Hand  jümmer  up  den  Awen. 

De  Fru  vörschrack  sick  sehr  äwer  den  olden  Gries- 
kopp un  drückte  sick  in  der  Angst  an  ehren  Mann,  stödd 
em  an  un  reep:  „Mann!  Mann!  Wack  doch  up  un  seh, 
wat  da  in  der  Eck  achter  m  Kakelawen  sitt!"  De 
Timmermann  richtede  sick  up  un  keek  un  keek  un  kunn 
nicks  sehn.  Un  he  wurd  bös  un  schult  de  Fru  hart  un 
bedrauwde  se,  wenn  se  em  nich  tofreden  let  im  Slap. 
Se  äwerst  antwurt'te  em:  „Seh!  Seh!  Wo  he  nu  wedder 
up  den  Awen  henwist!  He  het  uns  wiss  wat  to  apen- 
bären!  Ach,  du  Herr  Je!  Wo  schüddelt  he  nu  mit  dem 
Kopp,  un  wat  süht  he  mit  eenem  Mal  bös  ut!u  Un 
de  Fru  schreide  lut  up,  un  de  Timmermann  schult  noch 
heftiger,  un  damit  vörswund  de  olde  Grising. 

De  nächste  Nacht  ging  't  grad  wedder  so,  un  de 
Fru  weckte  ehren  Mann  wedder  up.  As  he  se  äwerst 
bedraude,  wenn  se  en  nich  in  Freden  slapen  lete,  würd 
he  ehr  de  Gespenster  mit  ungebrennter  Asch  utdriwen, 
sweeg  se  un  Stack  ehren  Kopp  unner  't  Bedd.  Un  de 
grise  Mann  kam  jede  Nacht  up  dersülwigen  Wise,  un 
dat  Wif,  dat  en  sehn  kunn,  waktc  jümmer  up;  man  se 
dörst  sick  nicks  marken  laten.  So  geschach  dat  woll  een 
paar  Weken,  un  därup  tögen  se  nah  der  Stadt  Grimm  af. 

Dit  was  üm  de  Ostertid,  as  se  Richtenbarg  vörleten, 
un  as  't  gegen  Martini  ging,  kreeg  de  Timmermann 


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410 


eenen  Bref  van  dem  Mann,  dem  he  sin  Hus  vörköft  hedd, 
un  he  schref  em:  „Min  leewc  Fründ!  As  wi  anfungcn 
intoböton,  kreg  de  olde  Krakelawen  in  der  Wahnatuw 
so  vcele  Risse  un  roktc  so  entsetzlich,  datt  keen  Minsch 
däbi  beduren  kunn.  Ick  müsst  also  to  dem  Pötter  schicken, 
datt  he  kern'  un  den  Awen  ümsettede.  As  wi  nu  däbi 
weren  un  dat  Ding  wegnehmen  un  up  den  Grund  kernen, 
wat  segen  wi?  Een  höltern  Kästchen  mit  Bleck  beslagen 
un  mit  eenem  vörrusterten  Slott,  un  as  de  Deckel  up- 
sprung,  funden  wi  de  hellsten  und  blanksten  Dukaten 
un  sammelden  mehr  as  1500  up.  Nu  kamt  un  halt  juw 
Geld.  Mi  kümmt  dat  nich  to;  denn  ji  hewt  mi  dat  Hus 
vörköft,  äwerst  nich  den  Schatz." 

De  Timmermann  erstaunde,  as  he  den  Bref  lesen 
hedd,  un  sweeg  eene  lange  Tid.  Därup  ging  he  hen  un 
las  siner  Fru  den  Bref  vor.  Un  se  besunn  sick  nich 
Inn  g  un  reep:  „Sühst  du  't  nu,  Mann?  0  min  nüdlich, 
grises  Väderken!  O  du  min  klokes  Slapmützkerlken ! 
Da  hebben  wi  di,  da  büst  du  sülwst  Du  Büffelsknop 
du!  Hebb  ick  di  't  nich  seggt,  as  min  Grising  achter'm 
Awen  satt  un  so  bedenklich  mit  dem  Kopp  wackelde 
un  mit  den  Henden  wenkte?  Gewiss  dat  is  eener  van 
unsern  Vöröldern,  de  uns  den  Schatz  dä  wegleggt  hett, 
wenn  eener  van  den  Sinigen  mal  in  Not  geröde,  datt 
he  uns  helpen  künn.  Un  nu,  as  wi  dat  Hus  vörköpen 
un  in  eenen  annern  Ort  tehn  raüssten,  hett  et  en  jammert, 
datt  frömdo  Lüde  besitten  schullen,  wat  den  Sinigen  to- 
kam,  un  därum  hett  he  mi  jümmer  upweckt." 

So  sede  dat  Wif  un  sprung  as  dull  un  vull  up  allen 
Vieren  herum  un  let  dem  Mann  keene  Rauh,  he  musste 
sick  eenen  Wagen  anspannen  laten,  un  se  setteden  sick 
drup  un  flink  nah  Richtenbarg  to.  As  se  an  kernen,  be- 
stund de  Mann,  de  ehr  Hus  köft  hedd,  därup,  se  schullen 
den  ganzen  Schatz  nehmen.  Äwerst  de  redliche  Timmer- 
mann sede:  „Wat  recht  is,  schall  schehn,  un  wi  willen 
delen.u  Noch  strüwde  sick  de  brawe  Mann,  doch  toletzt 
drung  de  Timmermann  en  därto.  Don  reisten  de  beiden 
Ehlüd  gär  vörgnöglich  to  Hus  un  köften  sick  Acker  un 


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411 


Wischen  un  hedden  van  dem  Dage  an,  datt  do  olde 
Grotvader  sine  Kist  updhan  hedd,  in  allen  ehren  Dingen 
Glück  un  Segen. 

(r.  9H.  2lrnbt,  3Rärd>en  u.  ^iiflenber«.  II.  Seil.  3.  77-81.  (©etiint.) 

»20. 

$ad  Totcufjcrabe. 

(Siuem  armen  jungen  traren  beibe  (Eltern  geftorbeu,  unb  ba 
feiner  t?on  ben  2?ern?anbten  fid)  feiner  annehmen  wollte,  fo  mufcte 
er  bura)  baSi'anfc  ftreidjen  unb  betteln  geben.  Dabei  fam  er  aud) 
in  ba«  etäbtdjcn  l'oifc.  ©eil  e$  frfjon  gegen  Slbenb  nw,  bemühe 
er  fid)  eifrig,  irgenbioo  Unterfunft  311  erhalten,  aber  umfonft,  überall 
toieS  man  tym  bie  Sluire.  Snblid)  gen?af?rtc  er  eine  Hernie,  bie 
f>art  an  benftird^of  ftiefc,  offen  ftefyen,  fcfylüpfte  Innern  unb  machte 
fid)  in  bem  »oarmen  .J>eu  ein  l'ager  fertig. 

3njifdjen  elf  unb  jtoölf  Uf>r  erwarte  er  unb  faf)  auf  bem  ftrieb* 
f>of  einen  £oten  aus  ber  Grbe  fjcrauSfteigen,  ber  feine  ©etofinber 
auf  ben  ©rabl)ügel  legte  unb  fid)  fobann  entfernte.  Dem  armen 
ßiube  trat  bei  biefem  9lnblicf  feine  bürftige,  rümmerlid)e  &ige  fo 
lebhaft  bor  bie  £eele,  baß  eö  befdjloB,  bem  ©eifte  ettoa«  oon  ben 
flleibungSftiitfen  flehen.  9)?it  fdmellen  ©dritten  war  e3  bei 
bem  ©rabe,  unb  toenige  Slugenblitfe  fpäter  ^atte  eS  bie  begehrten 
Äleiber  in  ber  <Sd)eune. 

Dod)  e8  follte  anber«  fommen,  al«  ber  #nabe  gebaut  fiatte. 
($3  bauerte  gar  nid?t  lange,  fo  lehrte  ber  Xote  surücf,  um  toieber 
in  fein  ®rab  gu  [feigen,  unb  vermißte  nun  bie  geftofjlenen  ®e* 
njäuber.  ^inbig,  toie  ©eifier  finb,  Ijatte  er  balb  bie  Spur  be« 
Diebeö  eutberft,  unb  fo  fefyr  ber  ßnabe  fid)  audj  $u  oerfteefen  be^ 
mü^t  mar,  ber  23erftorbene  trat  in  bie  <Sd)euue  hinein  unb  fdjritt 
gerabeStoegS  auf  ben  gum  $obe  erfdjrocfenen  ftnaben  gu.  ©id/erlidj 
§ätte  er  i^m  aud>  fogleidj  ben  ©arauS  gemacht,  wenn  nic^t  in  bem* 
felbeu  Slugenblitf  bie  lurntufjr  bie  aroötfte  £tunbe  oerfünbet  f>ätte. 
Da  fonnte  ber  ©eift  für  biefe  sJiadjt  frem  jungen  nichts  meljr  an* 
baben,  benn  mit  bein  (Sdjlage  $iuölf  verlieren  bie  ©eifter  bie  üfladjt 
über  menfdjli^c  Söefen  unb  muffen  in  ilne  ©räber  gurüdfefyren. 

2US  nun  ber  borgen  graute,  lief  ber  Änabe  in  £obe3angft 
gu  bem  <®uperintenbenten  unb  ergäbe  itym  reumütig  bie  gange 


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412 


Sadje.  Der  geiftlid)e  .f)cvr  »vor  gtvar  fetyr  böfe  über  bic  ftrevef» 
t^at  be$  ßinbeS,  aber  er  trollte  t^tn  bodfj  [ein  ?eben  erhalten  unb 
befaßt  ifjm  beSfjalb,  ftd)  am  2Ibenb  mit  ben  geraubten  ÄleibnngS* 
ftüdfen  bei  if)tn  eingufinbett.  sJ?ad)bem  ber  Snabe  gefommen  tvar, 
mnfete  er  fidj  ^tvifdjcn  ben  euperintenbenten  unb  einen  mitl>in$u* 
gc3ogenen  ^ajlor  fe^en,  tväl;renb  vor  ben  breien  eine  33ibel  auf*- 
gefd)lagcn  ivar,  an  ber  Stelle,  tvo  ber  Sprudj  fteljt:  ,,^d)  n?t(I 
o"einbfdjaft  fefeeit  amifdjen  bir  unb  bem$!3eibe."  9(uf  ber  geöffneten 
33ibel  lagen  bie  geftofyleuen  (Semäuber. 

Um  elf  Ufyr  erfdjien  ber  Xote  unb  »erlangte,  baS  Äinb  folle 
iljm  fein  (Sigentum  auf  ben  ©rabfyügel  legen.  Da  ergriff  ber 
6uperintenbent  ba8  Sort  unb  verlangte  feinerfeitS,  ber  <$eift  möge 
bie  Kleiber  von  bem  Zeitigen  Söudje  fyerabneljmen.  911«  nun  ber 
Jote  barauf  ermiberte,  ba$  tvdre  ifym  fd)led)terbing$  unmöglich, 
antwortete  ber  Superintenbent:  „(Jbenfo  unmöglidj  ifl  e$  für  ben 
ftnaben,  mit  bir  gefyen  unb  bie  ©etvänber  tvieber  an  bie  Stelle 
p  legen,  üon  ber  er  fie  weggenommen  Ijat."  Da  mujjte  ber  ©eift 
fidj  unverridjteter  Dinge  entfernen. 

Dod)  ber  Superintenbent  beabfidjtigte  nid)t,  ben  loten  um 
fein  Eigentum  311  bringen.  Den  folgenben  Slbenb  madjte  er  fid) 
beSljalb  mit  bem  ^aftor  unb  bem  ftnabcn,  iveldjer  Von  ben  beiben 
geiftlicfyen  $erreu  wieber  in  bie  ÜJiitte  genommen  würbe,  auf  ben 
SBeg  nadj  bem  5tird)l)of.  Da8  #inb  trug  ba£  ÜTotenljembe  unb 
legte  e$  in  ber  Stunbe  gtvtfdjen  elf  unb  ^wölf  auf  ba8  betreffenbe 
©rab.  Daburd)  war  bem  (Reifte  (Genüge  gefäeljen  unb  ba3  Veben 
be$  Knaben  gerettet. 

Elünblicb  au$  ÜWcefifler,  Äreiä  2)emntin. 
521. 

£etrf)e  ergreift  einen  $ieb. 

(Siner  armen  ftrau  ftarb  ber  sJD?ann.  Da  lief  fie  jum  "Jiad)- 
bar  unb  fragte  tyn  um  Mal,  wie  fic  e«  anfangen  folte,  ba8  ©elb 
für  bie  SBegräbutefoften  aufzubringen.  „SSerfaufe  beine  ftulj,  bann 
^aft  bu  ©elb  genug",  gab  ber  iljr  3ur  Antwort;  „aber  lege  ben 
©rlöS  unter  baS  ftopffiffen  ber  Veidje,  bamit  bir  baö  @elb  ntc^t 
geflogen  wirb.  @inem  loten  wirb  cö  ja  niemanb  rauben."  Der 
Mat  gefiel  ber  ftrau,  unb  fie  tt>at  fo,  wie  iljr  ber  Siacfybar 
geheißen  tyatte. 


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413 


9(m  anbern  Morgen  follte  bic  tfeidje  gewafcften  werben,  ©te 
erftaiinten  ba  alte,  ald  fie  ben  ^ad|bar  neben  bem  Totenbett  ftetjen 
faljen.  (Sr  märe  gerne  baoongelaufen,  aber  es  ging  nietjt  an,  bie 
lietdje  fyatte  feine  Siebte  ergriffen  nnb  hielt  fie  feft  umflammert,  fo 
bajj  er  fidj  nict)t  oou  ifjrer  Seite  bewegen  fonnte.  Um  ben  Dieb 
an£  feiner  üblen  l'age  $u  befreien,  mußte  it)m  bie  §anb  mit  bem 
©eile  abgefdjlagen  werben.  9(ber  aud)  iefet  liefe  fie  ber  Xote  nid)t 
fahren,  fonbem  er  hat  fie  mit  fid)  unter  bie  (Srbe  genommen. 

Münblid?  aus  Stoljenbutfl,  #iei$  fttmbo». 

Ö22. 

Mäbchcu  raubt  einem  (9eift  fetue  Schlafmütze. 

Qu  $lantiforo  war  auf  einem  ®anerI)ofe  großer  Värm.  Die 
Veute  tauften  uub  fprangen,  uub  alö  fie  h^B  geworben  waren,  oer- 
langten fie  Branntwein.  Ser  foüte  itm  aber  herbeiholen?  benn 
ber  &>eg  511m  Äruge  führte  über  ben  #ird)hof,  unb  bie  Mitternacht 
war  nahe,  dnblid)  erbot  ficr)  ein  oorwifcigeS  Mabchen  baju,  ben 
Branntwein  $u  befolgen. 

(£$  ging  aud;  atleS  nach  ©unfd;.  Ohne  jebeS  £inberni$ 
langte  fie  in  ber  Scheute  an  uub  erhielt  ba$  Verlangte,  fßie  fie 
aber  über  ben  tfirdjlwf  $urücffehrte,  ftanb  ba  eine  weijje  ©eftalt. 
Mutwillig,  wie  bie  Dirne  war,  rijj  fie  bem  ©efpenft  feine  Schlaf* 
müfee  ab  uub  lief  bamit  eiligft  in  ben  £of  luuein. 

tfaum  war  fie  jebod)  bafelbft  augelaugt,  fo  rief  eine  Stimme: 
,,©ieb  mir  meine  Müfce  wieber".  Qu  ihrer  $)er3en3angft  tf>at  fie 
baS  aud;.  Da«  (^efpenft  fefcte  fid)  feine  Sdjlafmüfee  wieber  auf 
ben  Jtopf,  gab  bem  Mäbdjen  einen  Bacfenftreidj  unb  oerfdrtoanb 
mit  ben  Korten :  „(Ein  anber  Mal  wirft  tat  bie  Müfee  fifeen  laffen". 
Drei  Jage  barauf  ftarb  bie  Dirne. 

m<iom,  Är.  Weaemoalbe:  Mitgeteilt  Dura)  fcerrn  ^rof.  lj.  Mubu. 

523. 

»efhrafter  »orwi^. 

(Sin  Softer  tyatte  ein  Sua?  in  ber  ftirdje  liegen  laffen.  Spät 
abeubS  beim  Stubiereu  oermißte  er  baSfetbe,  aber  niemanb  wagte, 
es  itmi  ju  t)olen.   Da  er  ba*  Sud)  nötig  gebrauchte,  fo  oerfprach  er 


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414 


bemjenigen,  ber  e$  ibm  bringen  würbe,  eine  $ub  jnr  SBelofynung. 
Da8  reifte  ein  fecfeS  SDJäbd^cn,  nnb  fie  mochte  fid}  auf  ben  ©eg. 

3S?ei(  fie  aber  ben  ®ang  obne  bringenbes  iöebürfnis,  fonbern 
nur  aus  Stforwifo  unternommen  Ijatte,  fo  fonnte  fie  mitten  auf  bem 
ftircbbof  plöfelidj  nid)t  weiter.  Allein  fie  wu&te  fid)  £tt  Reifen  nnb 
betete  ein  Sllaterunfer,  warb  wieber  frei  unb  fam  glücflidj  in  bie 
ifircfye  hinein.  Dort  ergriff  fie  baS  Söud),  mußte  aber  üon  neuem 
ein  5?aterunfer  beten,  weil  fie  abermals  bind)  unfidjtbarc  ©ewalt 
am  Weitergeben  oerijinbert  würbe. 

©lücflid)  gelangte  fie  jefct  über  ben  ftirdjbof;  bod)  ^nter  'br 
breiu  rief  eine  Stimme:  MVa§  bir  nur  oon  bem  ^aftor  bie  fdjwar^e 
Ätut)  geben".  Sa«  gefdjal)?  Waa)  brei  Tagen  mar  ba£  3)Zäb» 
(ben  eine  Vetc^e.  Gbenbaber. 

f>24. 

l'eidjc  $erreifjt  ctueu  #unb. 

©itiein  ©aftwirt  war  feine  ^rau  geftorbeu.  $>ie  Veic^e  lag 
nod)  aufgebahrt  in  ber  Siube,  alö  ein  alter,  befannter  .ganbettmamt 
311  ibm  fam  unb  ein  ^^ac^tquartter  begehrte.  „2llle  Limmer  finb 
befefct",  entgegnete  tym  ber  Wirt,  „unb  in  bem,  wo  bie  tfeidje  ftebt, 
wirft  bu  wobl  uic^t  tibernadjten  wollen".  —  „Slrt)  toaS",  erwiberte 
ber  £anbel$mann,  „tyaV  \dj  bod)  mein  gau^cö  Veben  lang  mit  beiner 
ftrau  gut  geftanbeu;  ridjte  mir  nur  bie  Stube  bei".  Unb  babei  blieb  eS. 

911ö  e$  nun  ^adjt  war  unb  ber  §anbel$mann  im  S3ette  lag, 
fab  er,  wie  bie  Vcidje  fieb  bewegte  unb  erft  ben  einen  ftufj  au$  bem 
Totenbette  fefete  unb  bann  aud;  ben  anbern.  Die  $aare  fliegen 
ibm  bei  bem  ?lnblicf  ^u  Serge,  er  ffol)  aus  bem  Limmer  unb  warf 
bie  Xbüre  fo  fdjnell  hinter  fieb  ju,  bajj  fein  groger  £mnb  brinnen 
blieb.  2lm  anbern  3)iorgeu,  wie  fie  nad)faben,  lag  bie  Seidje  mit 
ganj  $erfrafctem  <#efid)t  auf  ibrem  i'ager,  ber  Jpunb  aber,  in  Stüde 
äerriffen,  auf  bem  ftujjboben.  ßbenbaber. 

525. 

$cr  ©orteSbicnft  ber  ©eifter.1) 
I. 

$n  ber  Oieujabrönadjt  fommen  bie  ©eiftcr  beS  ganjen  ilird)« 
fpiels  in  ber  ^auptfirdje  jitfammen,  alle«  ift  b*ü  erleud)tet,  bie 

')  Storiantcn  ju  biefer  3aac  in  ganj  Bommern  Mannt. 


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415 


oerftorbenen  ^rebiger  befteigen,  fo  Diel  ihrer  finb,  bie  $an3cl,  unb 
e$  wirb  ein  großer  ©otteSbieuft  abgehalten. 

(Sine  ^ran  auö  Sdjiefelbein  fah  einmal  oom  3ktte  auö  eine 
fold)e  itferfammlung ;  fic  glaubte  jeboefj,  cö  fei  ber  ftrübgottesbienft 
unb  fic  habe  nur  bie  $e\t  oerfdjlafen.  Darum  fleibete  fie  fid)  fdmell 
au,  natun  baö  ©cfangbud)  unb  eilte  bann  in  bie  ftirdje  hinein. 
Dort  faß  Stopf  an  Mopf  eine  ungeheure  9)icngc  iln*  völlig  frember 
sJD?en|"d)en,  nur  bie  $xa\i,  welche  neben  ihr  faß,  fc^icu  it;r  befannt. 
Sie  fcQautc  näher  htngu,  unb  fietje,  ba  war'S  ihre  Wadjbarin,  bie 
oor  einigen  Socken  geftorben  war. 

Ütor  2lngft  wagte  fid}  jefct  bie  Jrau  lüc^t  311  rücfcn  unb  311 
rühren.  911«  eö  aber  311111  Segen  fam,  gab  ihr  bie  Nachbarin  einen 
Stoß  in  bie  Seite  unb  raunte  ihr  31t:  „SDJach',  baß  bu  üor  bent 
Anteil  auö  ber  Üirdjc  fommft,  fouft  bifl  bu  Derloreu".  Da  fuhr  fie 
auf  unb  lief  ber  Xlu'ire  311,  unb  fauni  war  fie  braußen,  fo  riefen 
bie  uieleu  sJJrcbiger  auf  ber  Hai^el  aud)  fdjon  ?lmen,  unb  bie  Pforte 
fdjlug  mit  gewaltigem  Krochen  31t.  Dabei  würbe  ber  ^tpfel  ihres 
©ewanbeS  eiugctlcmmt ;  fie  aber  ließ  tyn  fahren  unb  fam  glüeflid) 
ohne  weiteren  Unfall  31t  $>aufe  au. 

?ll$  fie  am  anberen  3J?orgen  nachfah,  wa$  auö  bem  «leiben 
3ipfel  geworben  fei,  fanb  fic  auf  jebem  ®rabc  ein  Stücfct)en 
baoon  liegen. 

«Utünblich  aud  Mifcia,  Üreid  3d)iefclbeiii. 
II. 

Qm  Anfang  btefeS  3abrl)unbcrtö  wachte  einmal  eine  ftrau  in 
£empelbnrg,  welche  ftarf  an  ber  üttonbfucht  litt,  bei  gellem  SDionb« 
fdjein  auf.  Sic  glaubte,  bie  GHocfen  läuten  31t  hören,  bitbete  fid) 
ein,  e*  fei  ^rnljHrdje,  ftanb  barum  auf  unb  ging  bem  ©ottedljaufe 
311.  911$  fie  ben  ftriebhof  betreten  ^atte  unb  fidj  bem  oor  ber  ftirdje 
befinblicheu  ®locfeuftuhle  näherte,  fah  fie  benfelbcn  gan3  oollcr 
weißer  (^eftalten  fifecn.  Natürlich  crfdjraf  bie  arme  ftrau  nicht 
Wenig  barüber  unb  fehrte  fofort  wieber  um;  benn  wäre  fie  gerabe 
auf  bie  ®eifter  3U  gegangen,  fo  wäre  e«  ihr  fdjledjt  befommett. 

Dorf)  aua^  fo  füllten  fid)  bie  ©eftalten  in  ihrer  ütuhe  gefrört. 
Sie  erhoben  fict)  unb  eilten  fynttr  ber  fliefyenbeu  ftrau  tyx,  baß 
fie  faum  noch  D01*  iJ)re»  Verfolgern  bie  ÄirchhofSpforte  erreichen 
founte.   3u  ihrer  SBolmung  bemerfte  fic,  baß  [k  in  ihrer  Slngft 


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41(5 


it)r  Stopftudj  berloren  t)abe.    Um  bieS  ju  fudjen,  ging  fte  am 
anberit  3Jiorgeu  auf  ben  Äirdjlwf  jiirücf  unb  fanb  eS  audj  mirflidj 
tjart  bor  ber  Pforte  wieber.    2lber  in  meinem  ^uftanbe? 
erjürnten  ®eifter  Ratten  baöfelbe  in  it)rer  Söut  in  taufenb  Stüde 
jcrriffen. 

s]J{unblidj  aus  lempdlmrrt,  ÄreiS  9teuftettin. 
520. 

©eift  forbert  feinen  ©arg  jurfirf. 

(Sin  $ifd>ler  in  Sempelburg  Ijatte  fid)  mit  einem  Üfläbd)en 
üerfprodjen  unb  wollte  mm  gar  gerne  balb  ^ocfoeit  galten.  (£3 
fehlte  ilmen  jcboct;  baju  am  allernötigfteu,  benn  nidjt  einmal  eine 
Söettfteüe  rennten  fie  fidj  aus  iljren  geringen  Mitteln  befdjaffen. 
(Sineä  flbenbs  ging  ber  behimmerte  Bräutigam,  ben  Äopf  ootl 
fdjmerer  borgen,  über  ben  ^apentjof.  $)a  fafj  er  einen  offenen 
«arg  ftetjeu,  aus  bem  fid;  bie  Veidje  für  turje  3eit  entfernt  ^atte. 

„£air,  backte  er  bei  fid),  ,,ba«  wäre  ja  ein  öett  für  bid> 
unb  beine  Söraut.  wilf*  nur  getroft  bem  £oten  wegnetmten, 
ber  brauet  eö  bodj  nidjt  fo  nötig  wie  mir  beibe".  Unb  —  ^aft  bu 
nicfyt  gefet)en  --  ber  Sarg  mar  auf  feiner  Sdmlter,  unb  fort  lief 
er  bamit  in  feine  Üöot)nung. 

tfurje  ^cit  barauf  feljrtc  ber  ©eift  mieber  jurürf  unb  fanb 
fein  tfluljefämmerlein  nic^t  mcljr.  (Sr  mitterte  aber  fogleid)  bie 
■Spur  beS  $>iebe3  ljerau3,  eilte  iljm  nadj  unb  traf  ilm,  wie  er 
gerabe  befdjäftigt  mar,  ben  Sarg  in  ber  Stube  aufeufteUeu  unb  jutn 
$)od)3eitöbette  umjuänbern.  Sein  Sdjrctfen  mar  nidjt  gering,  als 
er  ben  red>tmäpigeu  öefifeer  in  bro^enber  Stellung  oor  fid}  falj,  unb 
er  tonnte  nod>  oon  ©lütt  fagen,  bajj  er  il)m  weiter  feine  Strafe 
auferlegte,  al$  ben  Sarg  auf  ber  Stelle  wieber  gum  ikpenlwf  $u- 
rücfjutragen.  Daö  t^at  ber  Üifdjler  aud)  unweigerlich;  aber  redjt 
frol)  tonnte  er  uon  bem  Jage  an  feine«  VebenS  nidjt  rnctjr  werben. 
Gr  fing  an  langfam  batjin  31t  fielen  unb  war  nod)  in  bemfelben 
$at)re  eine  tfeidje.  Gbenbaber. 

f>27. 

De  Brugg  bi  Slemiuin. 

In  Zornow  was  eene  smucke  Dem,  eeues  Schepers 
Dochter,  de  hedd  sick  dreimal  vörjumfert  un  jedesmal 


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417 


ehr  Kind  ümbröcht,  un  de  drei  Kinder  in  dem  Graben 
bi  der  Brugg  im  Slemminer  Holt  in  de  Erd  steken. 
Äwerst  achter  dem  drüdden  Kinde  is  de  Satansuudhad 
utkainon,  un  se  hcbben  de  Dem  nahmen  un  se  in  eenen 
Sack  dhan  un  bi  der  Brugg  in  dem  Graben  vörsöpt,  un 
hebben  de  Lik  van  der  armen  Sünnersche  bi  ehren 
Kindekens  ingraben. 

Äwerst  wat  künn  tuschen  dissen  Vördrag  wesen? 
Un  't  is  darnah  eene  dulle  un  wilde  Wirthschaft  worden, 
datt  den  Lüden  de  Haar  to  Barg  stahn  sunt,  so  hebben 
sick  de  flegenden  un  klagenden  Geisterken  van  den 
Kindekens  fohlen  un  vornehmen  laten.  Un  wer  in  dem 
Holte  wat  to  dhon  nett,  dem  will  ick  nich  raden,  datt  he 
sick  lang  nah  Sünnenunnergang  edder  vor  Sünnenupgang 
da  betrappeln  lett. 

Dat  piept  un  flüstert  un  Wispelt  un  tutet  un  hält 
da  denn  de  ganze  Nacht  dörch,  as  wenn  Katten  Hochtid 
hollen  edder  lütte  Kinder  quarren,  un  Ulengequiek  un 
Kraiheugeschrei  klingt  jümmer  dätüschen.  Denn  in  eener 
hoDen  Eek  äwer  der  Brugg  sitt  Dag  un  Nacht  eene  olde 
Ul,  un  dat  is  de  arme  Schepersdochter,  de  in  disser  Welt 
keene  Rauh  findt  Un  des  Nachts  mütt  se  jümmer  hen 
un  her  flegen  van  Boom  to  Boom  un  van  Twig  to  Twig 
un  schreien  un  quiken,  datt  eenem  de  Haar  up  dem 
Kopp  susen,  un  drei  junge  Ulen  uhuen  und  flegen  jümmer 
achter  ehr  her,  un  dat  sünt  de  drei  Kinder,  de  se  ver- 
mordt  hett. 

Äwerst  tüschen  Twelw  un  Een  da  geit  et  erst  recht 
lustig,  un  Gott  gnade  dem,  de  denn  äwer  de  Brugg  mütt 
Denn  hett  sick  dat  ganze  Ulenrik  tosam  vörgadert,  un 
se  maken  eene  Musik  in  der  Luft,  wornah  dat  ganze 
düwelsche  Heer  in  der  ersten  Mainacht  danzen  künn; 
un  een  hungriger  Wulf  mit  glönigem  Rachen  steit  an 
der  Eek  un  holt  eene  Bassviol  tüschen  den  Beenen  un 
speelt  lustig  up,  un  Voss  un  Katers  un  Märten,  Ilken 
un  Wesel  un  anner  deefsches  Nachtgesindel  danzt  däto. 

De  Sinitt  in  Slemmin  hett  't  sehn.  De  is  mal 
darunner  geraden,  un  he  was  äwen  nich  up  Gotts  Strat, 

27 


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41S 


denn  he  hedd  de  Äx  up  'm  Nacken  un  wull  sick  eene 
junge  Eek  hauen.  Den  hebben  se  terreten  un  terzust, 
un  so  is  he  to  Huse  kamen  ganz  terkrasst  un  verbaast, 
uu  sine  Oldsehe  hett  ein  drei  Weken  eene  Kindersupp 
kaken  müsst,  so  hedden  de  Satansgesellen  den  armen 
Kerl  afängstigt. 

If.  m.  »rnbt,  MärdKn  unb  Anberg.  II.  Teil.  3.  29  -32.  (QktürjU 

•>28. 

De  Steen,  de  de  Klock  slan  hürt. 

Tüschen  der  Martenshäger  un  Langenhanshäger 
Schede  an  dem  Wege,  wenn  man  von  Harth  kümmt, 
liggt  een  Steen,  de  mütt  alle  Nacht  üm  Klock  Twelw 
sick  ümdreihen.  Vor  langer,  langer  Tid  hedden  de  Mar- 
tenshäger un  Langenhanshäger  mal  Strid  üm  Scheden 
un  (kränzen,  un  in  Martenshagen  was  een  Verwalter,  een 
gottvörgetener  un  gottloser  Kerl,  de  sine  Kisten  un  Kasten 
nich  swind  genog  für  den  Düwel  füll  kriegen  kunn.  Un 
he  dacht  man  an  disse  Welt  un  swur  un  swur  falsch, 
datt  dar  un  dar  de  Gränz  were.  Un  de  Langenhanshäger 
müssten  ehre  Steene  rücken,  un  de  Martenshäger  gewunnen 
woll  viertig  Morgen  Land  un  Busch. 

Up  de  Stell,  de  de  Verwalter  wist  hedd,  wülterden 
se  eenen  groten  Steen,  wo  nu  de  Pähl  an  dem  Graben 
steit.  De  Vörwalter  müsst  sick  an  den  Steen  stellen, 
wo  sin  Finger  de  Stell  wist  hedd,  un  sweren,  dat  were 
de  rechte  Sched  tuschen  den  beiden  Dörpern,  un  wenn  't 
nich  währ  were,  schull  de  Düwel  en  mit  Hut  un  Haar 
hebben.  Un  he  lede  sine  Hand  up  den  Steen  un  krüzte 
sick  un  sede:  de  Steen  mügt  Föt  kriegen  un  up  en 
springen  un  danzen,  weun  he  löge. 

Un  wat  geschah  därnahV  Man  schall  mit  dem  olden 
Fiend  keenen  Spass  driwen,  he  is  een  gefährlich  Herr 
un  lett  sick  nich  ümsünst  herutfodern.  Se  groben  un 
grüben,  un  de  Vörwalter  nam  ook  eenen  Spaden  un  hulp 
dat  Loch  graben,  wo  se  den  Steen  herinsenken  Wullen. 
Un  as  he  bi'm  besten  Graben  was,  da  wurd  de  Steen 


419 


den  Lüden,  de  en  up  der  Kant  hüllen,  mit  eenem  Mal  to 
mächtig  un  swippte  weg  un  sprung  dem  Vörwalter  grad 
up't  Liw  un  quetschte  em  beide  Beenen  af  un  rullde  em 
up  den  Buk,  un  muschdood  was  he  un  peep  nich  mehr. 
De  Lüde  äwerst,  de  dat  mit  ansegen,  kam  eon  Gruwel 
an,  datt  se  bi  hellem,  lichten  Dago  binah  davon  lopen 
weren. 

De  Mordsteen  liggt  up  dersülwigen  Stell  bet  an  den 
hütigen  Dag,  un  üm  de  Middnacht,  wenn  't  Twelw  sleit, 
is  't  da  nich  richtig.  De  Steen,  as  he  de  Klocken  in 
Langenhanshagen  un  Lüdershagen  slan  hürt,  springt  up 
un  makt  eenen  Dreih,  as  wull  he  tor  Hochtidsmusik  des 
jüngsten  Dags  updanzen.  Un  as  he  sick  rögt,  krüppt  een 
Mann  unner  em  herut  mit  eenem  grisen  Rock  an  un 
eene  witte  Slapmütz  up  'm  Kopp.  De  mütt  eene  ganze 
Stund  up  dem  Steen  sitten,  Winter-  un  Sommertid,  bi 
Mond-  un  Stiernschin,  bi  Hagel  uu  Storni,  ahne  Rast  un 
Rauh,  bet  et  Een  vam  Thorm  klingt 

In  der  Tid  wankt  nüms  gern  vor  dem  Steen  vörbi. 
Da  sitt  de  arme  Sünner  denn  un  wringt  de  Händ  un 
winselt  un  günst,  un  mütt  den  gruwelichen  Klang  singen: 
.0  Steen!  O  Steen! 
Wo  drückst  du  mine  Been! 
Wo  hart  is  de  Stell! 
Doch  harder  de  Holl." 

O,  Gott,  wo  hüpig  bi  dissem  Steen  Unglück  schüht! 
Dat  is  eenmal  wiss,  wer  bi  deeper  nachtslapender  Tid, 
wenn't  vam  Thorm  bald  de  meisten  Släge  dhon  will,  up 
de  Landstrat  mit  eenem  Wagen  vörbi  will,  snurrig  mütt 
et  togahn,  wenn  de  Räder  nich  herümslan  edder  eene 
Lüns  utspringt,  un  were  de  Weg  glatt  as  eene  Deel.  Un 
wer  to  Perde  kümmt,  da  geit  et  an  een  Prusten  un 
Brenschen  un  Strüwen,  un  wo  fast  he  sick  ook  im  Sadel 
holt,  he  mütt  herunner,  da  is  keene  Gnad  vor. 

An  dissem  Wege  was  et  ook,  datt  de  Wewer  Lang 
ut  Wobbelkow  sin  Deel  kreg,  datt  he  dran  glöwen  müsst. 
De  arme  Kerl  was  mit  den  Schatzgrawers  utfähren,  un 
man  süht  noch  een  paar  gewaltige  Steen,  de  se  up  der 

27* 


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420 


Heid  ut  der  Erd  upwöltert  hebben.  Wewer  Lang  was 
de  Lanterndreger  un  sehull  bi  dem  Wagen  un  Veh  un 
dem  Geschirr  bliwen,  dat  an  dem  Wege  hollen  blew. 
Da  is  dem  armen  Schelm  de  Tid  lang  un  he  is  möd 
worden,  derwiel  de  annern  bi'm  Grawen  weren,  un  is 
herümsleken  un  hettsick  up  den  glimmen  Vörwaltersteen 
sett't.  So  was  he  dem  Bösen  in  sin  Vörbet  kamen,  un 
de  hedd  cm  ecne  Mulschell  streken,  woran  em  ogen- 
blicklich  de  Kopp  dicker  wurd  as  en  Irnmenrump,  un  den 
annern  Namiddag  was  he  een  doder  Mann. 

<i.  TO.  Strnbt,  Wärmen  u.  3uflenb<?r*.  11.  Seil.  S,  25-28.  (OMÜrjt.) 

529. 
Dei  Maudel. 

Bi  Duewelsdörp  is  ein  deperPaul,  dei  heit  dei  gröte 
Maudel,  un  dicht  därbi  lijjt  ne  Broech.  Dar  isdat  Klock 
twölwen  inne  Nacht  nich  riehtich,  un  schön  manchen  sün 
dar  boese  Geschichten  passiet.  So  kiunmt  6k  eis  ein  Bür 
spaet  inne  Nacht  äewer  dei  Broech  tau  fuern,  un  as  hei 
dicht  bi  is,  kümmt  mit  eis  eine  gröt,  witt  Katt  unner  dei 
Broech  rüt  un  up  em  lös.  Un  sin  Pierd  stan  väer  Schreck 
still  un  hingen  an  tau  baewern. 

Dei  Bür  wüsst  tauirst  gär  nich,  wat  lös  wir  un  sleit 
dei  Pierd  weck  in.  Hei  kann  sei  äewer  nich  von  dei 
Stell  krijen.  Tauletzt  springn  dei  Pierd  mit  ein'n  mäch- 
tigen Satz  äewer  dei  Broech  raewer,  un  dei  Bür  flücht  uk 
mit.  Nu  hat  hei  dat  Unglück  up'n  Nacken.  Dei  witte 
Katt  hackt  em  up  un  lät  em  nich  ir  werrer  lös,  bat  hei 
tö  Hüs  anküinmt.  Darbi  suet  hei  äewer  nix,  un  sweiten 
deid  ern  as  sön  Bar,  un  spicken  künn  hei  kein  Wüert 

Wenn  ein  Keuter  bi  dei  gröte  Maudel  väerbi  kümmt, 
denn  is  dat  nich  ne  witte  Katt,  sundern  ein  Rö,  dat  sich 
niidden  up  dei  Broech  stellt  un  dei  Luer  uphackt,  wenn 
sei  dei  Pierd  mit  Gewalt  andriben.  Uk  is  in  dös  Maudel 
ein  Waterjumfer,  dei  all  männich  einen  rin  treckt  hat. 

TOünbltd}  aus  ^eyelsbocf,  Ürciä  (trimmen. 


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421 


530. 

$er  fptifenbe  ftclbmeffer. 

Twischen  Zarnekow  un  Gißwitz  da  sali  eis  dci  Grenz 
bestimmt  Wörden  sin,  un  dei  dat  utmetenhät,  dei  hat  dei 
Grenz  vcrkirt  angäben.   As  hei  nu  störben  is,  sali  hei  jede 
Nacht  Klock  twölwen  dar  kämen  mit  Köden  unraupen: 
„Hirher!  Hirher! 
Hir  geit  Grenz  un  Scheid  her!" 

9)tünblirt)  auö  Gkammenborf,  Ärci«  Wrimmen. 

531. 

©cfoenfttfaje  Leiter. 

Überall  in  Bommern  erjäfjlt  man  fidj  bon  gefpenftifdjen  fRci- 
lern,  bic  be3  9faa)t8  bie  l'anbfrrafce  unfidjer  madjen  ober  fid)  in 
ftelb  unb  Salb  umfjer  treiben.  So  ging  einmal  eine  l'efyrerfrau 
bon  Sollin  nad)  Sobram  surücf.  Unterwegs  begegneten  ib,r  $wei 
berftorbene  $erren.  Sie  erfdjraf  fein'  barüber,  bodj  bie  beiben 
riefen  iljr  freunblid}  $u:  „9)?eiu  ftinb,  fürchte  bid)  nid)t,  wir  finb 
befannte  Veute!"  unb  bann  jagten  fie  in  ben  $ufd>  hinein,  wo  fic 
laute«  £mnbegebell  empfing.  Salb  barauf  erfdjien  ber  eine  bon  ben 
beiben  in  ber  "Mty  feiner  früheren  SBofmung  einem  $ienftmäbd?en 
unb  fprad)  t^u  ifjr,  als  er  tljre  2lngfi  bemerfte:  „ViebcS  $iub,  färbte 
bid)  nid)t,  fag'ö  aber  aud)  feinem  nadj".  Die  Dirne  ronnte  jebod) 
ben  Sttunb  nidjt  galten,  erjagte  e3  weiter  unb  war  in  wenig  Jagen 
eine  tfeidje. 

®ef)r  häufig  wirb  angegeben,  be$  Deiters  $ferb  fei  ein  «djim* 
mel  gewefen.  ©in  fötaler  <&d> immeheiter  fprengt  jebe  Wadjt  Sdflag 
jwölf  Ub,r  in  ber  ©rammenborfer  ©utaforft,  im  ftreife  trimmen, 
fopfloä  um  bie  ättefte  $ud)e  im  Salbe  Ijerum.  Die  teilte  fageu, 
e$  fei  ber  ®eift  eineö  9flanne3,  ber  fiel?  bor  langen  ^afyren  bort 
an  bem  33aume  aufgehängt  Ijabe. 

(Sin  anbercr  Sdnmmelreiter  jeigt  fidj  allabenblid)  in  ber  Um* 
gegenb  bon  Dörenberg,  im  Streife  Saa^ig,  unb  jwar  reitet  berfetbe 
niemals  mitten  auf  ber  $)auptftrafje,  fonbern  immer  auf  ben  leiten* 
wegen,  Sill  man  nid)t  bon  tym  iibergeritten  werben,  fo  miif?  mau 
in  ba8  ©eleife  treten  ober,  nod)  beffer/  bon  bornel;ereiu  äwifdjen 
ben  Sagengeleifen  gefyen. 


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422 


Gnblicr)  mag  aud)  nod)  beS  Schimmelreiters  beim  3J?orbfu^Ien« 
bcrg  auf  ffiollin  gebaut  werben.  911$  nämlich  einige  Arbeiter  aus 
^ernowsfelbe  auf  ihrem  Söege  nad)  JorbanShütte  am  fetten  üftittag 
an  bein  Jümpel  vorbeigingen,  ber  oben  auf  biefem  93erge  liegt, 
foufte  an  ihnen  ein  fopflofer  Wann  auf  einem  fdjneeweißen  Sd}im« 
mel  ooriiber.  T>aS  *?ßf erb  lief  babei  in  ber  freien  £uft,  fo  hoc^ 
ba§  feine  yHiße  brei  gange  3djuh  com  ©rbboben  entfernt  waren. 

Wünblid). 

532. 

©cfpenftifche  $nnbe. 

Deicht  minber  ^äufig  wie  bie  gefpenftifcr)en  Leiter  finb  gefpen* 
frifdje  .gwube,  nur  baß  fie  noch  greulicher  finb  als  jene.  3wei  Sei- 
fpiele  roerben  genügen. 

©ehft  bu  in  Ücfermünbe  nachts  ijwifdjen  elf  unb  $wölf  Uhr 
am  Äird)I)of  oorbei,  fo  läuft  regelmäßig  ein  fdnoarjer  $>unb  oor  bir 
her.  Anfangs  ift  er  nur  gang  Hein,  aber  mit  [ebem  Stritte  mächft 
er,  bis  er  enblich  ein  rieftgeS  Ungetüm  wirb.  3>ann  giebt  er  bir 
einen  Stoß,  bu  fäüft  bewußtlos  $u  SBoben,  unb  oerfebwunben  ift 
baS  ganje  £eufelSwerf.  @S  laffen  fidr)  oiele  t'eute  in  Ücfermünbe 
aufgäben,  benen  ber  ©efpenftercmnb  fo  mitgefpielt  hat.  — 

©in  93übner  ging  am  Johannistage  nach  Sonnenuntergang 
oon  Söarthe  nach  ^cPe-  ^a  fah  er  3U  Www  fechten  auf  einem 
Äartoffelftücf  einen  großen  |mnb  anfommen.  „©ernähr'  mich  ©Ott", 
fprach  er  bei  fich  felbft  unb  blieb  flehen,  um  abzuwarten,  was  aus 
ber  Sache  werben  würbe.  Sowie  er  aber  ftehen  blieb,  blieb  baS 
Untier  audj  ftehen,  unb  als  er  barauf  näher  h^anging,  ging  eS 
auch  na^er  ^eran  unD  würbe  babei  mit  jebem  Schritte  größer.  $u* 
lefet  war  ber  ©unb  fo  groß,  wie  ber  größte  Dchfe.  55a  ftanben 
bem  ÜRann  oor  2lngft  bie  ,£aare  $u  93erge,  unb  er  rief  auS:  ,,.f)err 
©ott,  fteh  mir  bei!"  Äaum  hatte  er  bie  Söorte  beenbet,  fo  würbe 
baS  Spufgefpenft  fleiner  unb  fleiuer,  bis  eS  oerfchwanb. 

»blieb. 

533. 

$a£  ©trohabwerfen. 

Qn  SBarthe  auf  Ufebom  ftarb  ein  ÜHann,  oon  bem  bie  £eute 
fagten:  „Dei  is  nich  gaud  ankummen".   211S  man  mit  bem 


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423 


tfeid)enaug  jur  ©ren^e  beS  Dorfes  tarn,  würbe  beSljalb  ein  Sunb 
Stroh  Dom  Sagen  tjerabgeworfen,  batnit  ber  lote  im  Dorfe  md)t 
fpufen  fönne.  —  ©in  Wann,  ber  an  bieS  ÜKittet  nicht  glaubte, 
ging  jur  ©eifterftuube  an  bem  Strohbunb  torüber  unb  fyub  e£  auf. 
So  wie  er  abtr  baS  Stroh  aufgenommen  hatte,  mar  ihm,  als  fäfce 
jemänb  auf  feinem  Warfen,  unb  bie$  ©efühl  »erlieft  ihn  and)  nicht, 
btö  er  in  feiner  Sohnung  anlangte.  2(13  er  fid)  nun  ju  Sette 
fegte,  ba  hörte  er,  wie  jemanb  uor  feinem  $)aufe  immer  fernere, 
eiferne  ftetten  auf  ben  (Srbbobeu  herabfallen  lieg,  ftantt  baä  ein 
anberer  gemefen  fein,  als  ber  leibhaftige  Xeufel? 

anünblia)  aus  5Snrtfjc  auf  Ufcbom. 

534. 

$er  Eilige  Snrthclraä  tu  ber  ftafclowcr  £>ctbe. 

$n  ber  Safelower  $eibe  ift  eine  Srücfe,  ba  tft'ö  ttic^t  richtig. 
<£inft  oerfutffte  ein  Sauer  bei  9iad)tjeit  barüber  hinweg  ju  fahren, 
aber  bie  ^ferbe  blieben  fte^en  unb  rücften  unb  rührten  (ich  nicht  oon 
ber  Stelle,  ber  SWann  mochte  ihnen  gurufen  unb  fie  mit  ber  ^eitfdje 
fdflagen,  fo  m'el  er  auch  wollte.  Gfrtblich  fprang  er  oom  Socfe  unb 
fah  nach/  was  ba  märe,  unb  nun  erblicfte  er  ein  Meines  Männchen, 
baS  hielt  bie  ©äule  an  ben  Räumen  fefl»  9lugenblicflich  warf  er 
fich  auf  bie  Äniee  unb  flehte  baS  Äerldjen  an:  „O  lieber,  heiliger 
Sarthelmä  lag  meine  ^Jferbe  wieber  loS".  Da  hat  ber  Sarthelmä 
bie  liere  loSgelaffen,  unb  ber  Sauer  tonnte  ungehinbert  feinen 
©eg  fortfefcen. 

ORitöctcilt  von  $>mn  öimmartalbircftot  fc.  2  cm  de  in  Stettin. 

535. 
ftief  aurf). 

Der  ehemalige  Sürgermeifter  tfiefebufeh  Oon  Daber  fpufte 
früher  im  t)ot;leii  ®runbe  bei  SraunSberg.  ^efct  liegt  er  jebod)  in 
ben  Siehbergen  bei  Daber,  wo  man  ihn  hingetragen  W>  $ort 
pflegt  er  alterhanb  Unheil  anzurichten. 

einmal  ftellte  er  fich  »or  bie  tyiive  einer  ©ächterhütte  in 
ben  Schafhürben  auf.  211S  ber  Schäfer,  ber  in  ber  glitte  über* 
nachtet  hatte,  nun  beS  SWorgenS  bei  ber  Dämmerung  hinaus  wollte, 


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424 


fanb  er  ben  2Seg  oerfperrt;  benn  er  fürcfjtete  fid>  bei  ber  @rföei* 
nung  torbei  311  gefyen.  Crubtid)  fa§tc  er  ficf;  ein  $er3  unb  rief: 
„©er  muß,  ber  muß!"  $a  fmt  bie  ©eftalt  geaiitmortet:  „ftüf  audj" 
unb  fjat  ibu  oorbei  gelaffen. 

Söenn  man  einen  2puf  aufprid?t  mit  bem  <2prud;:  „Me 
guten  ©elfter  leben  ©ott  ben  §errn"  unb  biefer  antwortet: 
aud}",  fo  ift  e$  ein  guter;  erroibert  er  aber:  „Äicf  audj",  fo  ift  e$ 
ein  böfer  ©eift. 

Stu*  'Mo»,  flreis  JRcflcniualbe :  Mitgeteilt  burcp  fcettn  $rof.  (?.  Äuljn. 

536. 

©pufeuber  (Sbrimann  mtrb  meggerragen. 

Gin  Gbetmann  fpufte  nad)  beut  2obe  auf  feinem  tfornboben 
tjerum.  s?llS  e£  $u  arg  mürbe,  befteltte  man  einen  ÜD?enfdjen,  ber 
ba$  253  egt  ragen  üerftanb.  $er  hat  ben  ©eift  auf  bem  33oben 
oon  einem  3'flß  311m  anbern  Verfölgen  muffen,  3ulefct  f prang  ber 
3puf  fogar  auf  baS  £adj;  aber  baS  f)alf  iljm  altes  nicr/tS,  ber 
ÜNann  oerftanb  feine  £ad)e  31t  gut,  unb  ber  ©eift  mußte  fidj  mofjl 
ober  übet  in  einem  Sacfe  fangen  unb  au3  bem  .§aufe  tragen  (äffen. 

UntermegS  madjte  er  fidj  jebodj  fo  ferner,  baß  fein  Üräger 
bie  £afi  nidjt  weiter  3U.  fdjleppen  oermodjte.  $)a  naf>m  berfetbe 
feinen  <2to<f  unb  fd)lug  unauffjörlidj  auf  ben  Bad  ein,  unb  e$ 
bauerte  audj  gar  nid)t  lange,  fo  mürbe  ber  Bad  mieber  gan$  leid}t, 
unb  ber  ©eift  bat  bemiitig :  „SBenn  er  ifyn  benn  bod>  einmal  burdj* 
aus  wegtragen  motte,  fo  möge  er  ifm  überall  Ijin,  nur  nidjt  in  einen 
Dornbufd)  bannen.  (fbenbaper. 

537.  \ 

Spufenber  Stouar  in  $orom  wirb  gebannt. 

$n  $)orow  lebte  einmal  ein  Söauer,  ber  mar  fein*  geisig  unb 
gottlos  unb  ein  2)?eineibiger  baju.  £afür  mußte  er  uadj  feinem 
£obe  umgeben.  33iele  Ijaben  il)n  gefeljen,  mie  er  als  ein  <5d)wein 
ober  ftalb  umherlief  unb  fid)  auf  bem  S3oben  mälzte  ober  in  meuf$s 
lidjer  ©eftalt  auf  einer  Biotine  fpielte.  * 

gulefct  trieb  er  e$  fo  arg,  baß  fein  Üflcnfdj  mefyr  auf  bem 
.f)ofe  aushalten  tonnte  unb  man  nad)  einem  SRanne  fd)ideu  mußte, 
ber  baS  Mannen  oerftaub.   berfetbe  begab  fid)  in  Segleitung  nod) 


f 

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425 


eines  anberen  auf  einen  Äreugweg  unb  reifte  bort  feinem  ©cfäfjr 
ten  einen  Satf  ^in  mit  bem  ©efefyl,  tyn  aufhalten.  GS  bauerte 
gar  nidjt  lange,  fo  fam  ein  breibeiniger  §afe  baber  gelaufen,  „tytjt 
Ijalte  ben  Sacf  gii",  rief  ber  ©anner,  unb  ber  ÜRatm  tfjat  es  aud), 
obwohl  er  gar  nid)t  bemerft  Ijatte,  bafe  etwa«  hinein  gerannt  fei. 
$aS  fümmertc  aber  ben  ©eifterbanner  wenig,  foubern  er  nafmt  ben 
Sacf  auf  ben  ©ucfel  unb  trug  ifjn  in  einen  Qornbufö,  ber  am 
©ege  ftanb,  unb  bannte  ben  ©eift  hinein. 

$er  ©auer^of  war  jefet  freilief}  beS  Übeln  ©afteS  lebig,  aber 
bie  ©egenb  um  ben  £ornbufdj  mürbe  um  fo  unfidjerer.  2113  ber 
<S»uf  nun  gar  eines  SlbenbS  einem  #ned)te,  ber  bort  oorbei  futyr, 
bie  Sßfcrbc  bermafcen  erfdjrecfte,  bafc  fie  fdjeu  mürben  unb  leidjt  ein 
gro&eS  Unglücf  Ratten  anrieten  fönnen,  mußte  ber  ©anner  uod) 
einmal  fommen  unb  ben  ©eifi  mein*  in  baS  ^clb  hinein  tragen. 

Übrigens  ift  eS  gar  uidjt  fo  leidet,  einen  Spuf  $u  bannen. 
Ser  fidj  beffen  unterfängt,  muß  feine  3auberfprüd>e  oormärts  unb 
rücfmärtS  fpredjen  fönneu.  Giner  Ijat  nur  ein  einzige«  Sort  »er* 
fefjlt,  unb  obgleid)  er  eS  fofort  nacr^olte,  fo  fyat  er  bodj  auf  ber 
(Stelle  einen  brennenben  Sdjmerg  im  flopfe  gefüllt  unb  mar  nad) 
brei  Xagen  ein  toter  SWann. 

Gbcnbafcr. 

538. 

$er  bom  $cngft  erfdjlagenc  .ttncdjt. 

3n  #orft  mürbe  einft  ein  Äned)t,  namens  &olf,  oon  einem 
fefjr  milben  $)engft  erfdjlagen.  2>a  ljörte  man  fieben  2£ocf/en  lang 
in  jeber  s;Nad)t  um  bicfelbe  Stunbe,  in  meldjer  berftnedjt  geftorben 
mar,  ben  §engft  in  größter  "Mngfl  unb  Unruhe  f plagen  unb  lärmen, 
als  ob  ibu  etmaS  fneife  unb  quäle. 

^n  einer  sJ?ad)t,  als  ber  &ned>t,  ber  im  Stalle  fcfjlief,  Don 
bem  Wärmen  ermatte  unb  ärgerlid)  rief:  „DueweL,  wat  häst  all 
werrel"  antwortete  eine  Stimme:  „©ruber,  id)  bin'S,"  unb  als  er 
auffafy,  ftaub,  gang  meijj  gefleibet  unb  meinen  StngefidjtS,  ber  er* 
fdjlagene  &ncd>t  oor  feinem  ©ette  unb  gebot  itjm,  aufeuftefjen  unb 
ifjm  gu  folgen,  er  babe  t^tn  nod)  etwas  anvertrauen. 

$a  gingen  fie  beibe  t)'u\aü§  auf  ben  äird^of  unb  festen  fid) 
auf  ein  Stücf  ©aufwla,  unb  ber  £ote  f>at  bem  anbern  gefagt,  maS 
er  no$  au  fagen  begehrte,  unb  fjat  iljm  audj  angegeben,  wie  er  ilm 


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42G 


wieber  (öS  merben  fönne.  Werna!«  Ijat  jebod)  bcr  änedjt  jemanbem 
f erraten,  n?a$  ifjm  ber  Zote  anvertraute;  ber  $engft  aber  Ijat  feit 
ber  $eit  ffiufjc  gehabt. 

Cb«nbnl)er. 

539. 

$er  <5pnt  auf  ber  ®d>ara)ott»cr  örärfe. 

^roifdjen  93üff entin  unb  bem  eine  ?ld)telmeile  baoon  entfernten 
<Stf)ard)on>  liegt  eine  $rü(fe,  auf  toeldjer  fia?  jeben  flbenb  ein  9)?ann 
oljne  Äopf  3eigt. 

(Sinfl  ging  ein  93auer  von  ©djardjoro  nadj  93üffentin  jurücf 
unb  fafj  ben  <Styuf  mitten  auf  ber  Sötücfe  flehen.  Sof)l  ängftigte 
fid)  ber  2ttann,  aber  er  bedang  feine  tfurdjt  unb  betrat  bie  93rücfe 
unter  bem  frommen  Sprud):  ,,.f)ilf  ©Ott  burd)  ^efum  ß^rift".  'Da 
[türmte  fid)  baö  ©cfpenft  mit  großem  (herauf d)  über  ba$  ©elänber 
roeg  fopfüber  in  ben  Sumpf  hinein  unb  ocrfdjroanb. 

9Jtünblid>  au$  ©üffenttn,  Ärctö  Gammin. 
540. 

$er  Bput  in  Wcraii?. 

On  einem  .^oljflaU  in  Sfemifc  mar  e8  fdjou  feit  Tanger  3eit 
ntdjt  geheuer;  beim  ieben  Slbcnb  fyörte  man  in  tym  entfefeliays 
foltern,  als  mürben  große  haften  $ol$  Ijeruntergemorfen.  Um  bem 
Umvefen  ein  ©übe  gu  bereiten,  befafft  bcr  .f)err  feinem  ftnedjt,  einen 
331eifnopf  entgmei  $u  ftfjlagen,  baö  eine  Stücf  in  eine  filmte  $u 
laben  unb  biefelbe  am  Slbenb  in  bem  Stalle  abgufd/iejjen. 

Der  $ned)t  begab  fid)  aud)  gegen  (Sinbrudj  ber  Sfadjt  mit 
bem  ©eroeljr  in  ben  Statt  unb  rief:  „(Sin  guter  ©eift  fommt  nidjt, 
ein  böfer  (fteift  bat  Ijier  nid)t8  $u  fdjaffen.  ^Jacft  eudj,  ober  id> 
gebe  ^euer".  $a  oerftummte  ber  Vä'rm  unb  ift  feit  ber  $eit  nie 
toieber  oemommen. 

21(3  nun  ber  §err  ben  $nedjt  fragte,  marum  er  benn  nidjt 
gefdjoffen  Ijabe,  antwortete  biefer:  „Der  Sdjufc  f)ätte  audj  riidfwärtg 
gefyen  Föunen  unb  mtd)  treffen". 

SJtünblia)  aus  9iemife,  ÄteiS  (Samtntn. 


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427 


541. 

$cr  flcfyettfttfdjc  $ud)$  am.  ^ordjtonlbfcc. 

%m  $ord)walbfee  gefyt  häufig  ber  ehemalige  #err  beS  (9uteS 
um  auf  feinem  todj  öfter  noef)  fieljt  man  lefeteren  allein, 

bann  aber  in  GJeftalt  eines  wirflidjen  ftudtfeS. 

(Sin  alter  Sdjneiber  ging  einft  gegen  ÜHitternad)t  am  See 
oorbei  unb  fprad)  fo  für  fid)  Ijin:  „£ier  tyat  ber  alte  gnäbige  £err 
fä>n  oft  gefpuft".  ftaum  Ijattc  er  bieS  gefagt,  als  aud)  ber  ©e* 
fpenfterftta)S  bei  ifjm  war  unb  immer  um  tyn  fjerum  lief,  fo  ba§ 
er  weber  rütfmärts  noa)  oorwärtS  fonnte.  $n  feinem  Ärger  rief 
ber  2d>nciber:  *Ä,  Ding,  gäa  mi  voa  de  Fäute  wech!"  unb 
bamit  l)atte  er  fid)  in  bic  ©ewalt  beS  ©cfpenfleS  begeben.  Der 
ftudjS  maa)tc  fid)  plöfcltdj  fo  lang,  wie  ein  28ieSbaum,  unb  warf 
fid)  bem  alten  Wann  auf  ben  Warfen,  baj?  if>m  baS  ©tut  au«  ftafe 
unb  Clären  brang.  So  Ijat  man  tyn  am  anbern  SWorgen  gefuuben, 
unb  wenige  Xage  barauf  war  er  tot. 

ÜJlünblicb  au$  Ärafcig,  £rci§  ^ürftentum. 
542. 

$er  fpufenbc  Sdjweiwcljänbter  in  Mi^ig. 

Durd)  baS  Dorf  Wifcig  $og  einft  ein  reidjer  Sdjweinefyänbler 
mit  feiner  .f)erbe;  um  ben  l'cib  trug  er  eine  fdjwere  (tyelbfafce  ge^ 
fdmallt.  Der  GJutSfjerr,  ein  fjabfüdjtiger  ÜJJann,  lorfte  beu  .£)äubler 
in  ein  ,$auS  unb  erfdjlug  ifyn  bafelbft.  Wadjbem  er  ben  Joten  fer- 
nes (Selbes  beraubt  fyatte,  fdjleppte  er  bie  feiere  in  eine  leerftefjenbe 
.Jmtte  unb  üerfdjarrte  fie  im  Sanbc  unter  ber  Diele. 

<5d)on  waren  breifjig  Qafyrt  barüber  üergangen,  als  ber  93e- 
fifeer  beS  .J)aufeS,  in  bem  bie  2J?orbtfyat  gefdje^en  war,  am  gellen 
Jage  einen  Wann  oljne  Mopf,  eine  ®elbfafee  in  ber  ,£)anb  unb  oon 
3Wei  Jmnben  begleitet,  aus  bem  unifjboben  heraustreten  fal).  Da 
baS  ©efpenft  fiö)  ftellte,  als  wolle  es  ifm  mit  bem  ^eberbeutel  er* 
fdjlagen,  flotj  ber  ^auSbefifeer  entfefct  oou  bannen.  Darauf  oerliefe 
ber  'Spuf  baS  §auS,  ging  in  bie  $)ütte,  wo  bie  l'eidje  oerfd)arrt 
fein  foll,  unb  oerfd)Wanb  Ijier  wieber  unter  ber  Diele. 

SRünblia?  au§  JHifcifl,  ÄreiS  Scpicf  elbein. 


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428 


543. 

$cr  <Bput  auf  bem  »lorfSbcrg  bei  ffltytg. 

3wifd)cn  ffiifeig  unb  Sleinfetb  liegt  ber  Slocfsbcrg,  auf  bcm 
immer  bie  .£)e|enoerfammlungen  fiattfinben.  2lber  audj  fenft  ift  es 
bort  nidjt  richtig.  Senn  bie  Veute  morgens  ober  abenbs  bei  biefem 
Serge  vorbei  fommen,  fo  erblicfen  fie  bort  einen  SRann  ot)nc  iTopf 
mit  einer  langen  Stange  in  ber  .J)anb.  (Sin  Keines  (Snbdjen  weiter 
ift  eine  Srücfe,  bie  über  ben  2d)eibebnrf)  f üf>rt,  welcher  bie  ^elb* 
marfen  ber  beiben  Dörfer  trennt.  Dort  fann  fein  %*ferb  ef)er  oon 
ber  Stelle  gebraut  »erben,  als  bis  man  oor  ifrm  brei  Hreugc  im 
Sanbe  betrieben  fyat. 

9J?and)mal  $cigt  fidj  audj  beS  ?lbenbs  auf  bem  SlocfSberg  ein 
grofeeS  $euer,  un0  "n  2Wann  ftefyt  babei  unb  wiifylt  mit  einer 
Sdjaufel  in  ben  Sohlen  fyerum.  $3aS  baS  alles  bebeuten  foll,  wer 
fann'S  wiffen.  Die  einen  finb  ber  Ütfeinung  eS  fei  auf  bem  Serge 
ein  Sdjafe  oergraben,  anbere  wieber  fageu,  ein  reicher  SDcann  fei 
bort  erftodjen  warben,  unb  ber  fönne  nun  feine  SRulje  finben.  Ser 
bon  beiben  redjt  l)at,  baS  wirb  wofyl  niemals  offenbar  werben. 

(*benbaf)cr. 

i  >  t-i. 

BpüUnM  Sftäbdjcn  bei  tr^cbiatfotti. 

(5inft  wollte  ber  Vefyrer  oon  Ir^ebiatfow  nad)  bem  Dorfe 
3emmen  gef>en.  Wie  er  in  ber  9?älje  beS  Steinbrunnens  ift,  fteljt 
ba  ein  fleineS  Äinb,  welches  ifym  fofort  auf  ben  Würfen  tjoeft.  Der 
ÜRaun  wiU  fia)  feiner  i'aft  entlebigen,  aber  alles  Sträuben  tyilft 
nid)tS,  er  mujj  ben  Spuf,  welker  mit  jebem  Stritte  größer  wirb, 
bis  3um  ©ren^berg,  ber  auf  bcr  3Begfd)eibe  beiber  Dörfer  liegt, 
fd)leppen.  <5rft  bort  »erläßt  ifm  baS  ®efpenft  wieber,  ^at  aber 
jefct  bie  ©röjje  eines  ermadtfenen  ÜttäbajenS. 

Seim  Slbfäieb  ergäbt  tym  baSfelbe:  nun  fei  fie  erlöft.  Sor 
adjtaefyn  $af)ren  fei  t^re  Üftntter  an  bem  Steinbrunnen  mit  Hjr 
niebergefommen  unb  fjabe  fie  aus  gnr^t  oor  ber  Staube  ermorbet. 
ftefct  fei  u>e  Butter  an  einen  ®ittsbefifeer  in  ber  9iad)bar[d)aft  oer* 
heiratet.  Sind)  manches  anbere  no$  Ijat  bcr  Spuf  bem  Vefrrer  offene 
bart,  bod)  t^at  berfelbe  alle  biefe  ®eljeimniffe  mit  fid)  in  baS  (#rab 
genommen.  2Rünblid>  au*  Irjebiattoro,  Stceid  »ttto». 


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429 


545. 

(Defpenft  megfingen. 
L 

$u  hinter  Bommern  ^errfc^t  allgemein  ber  ©laube,  bafj  ein 
3)icufd^  weldjer,  mit  einem  ferneren  i&erbredjen  auf  ber  Seele  unb 
oI>ne  es  311  befenuen,  geftorben  ifi,  nad)  bem  tobe  umgeben  muf?.  @r 
fann  nur  baburd?  erlöft  werben,  baß  eine  baju  oom  ©efdjicf  be= 
fiimmte  ^erfou  an  feinem  ©rabe  einen  ©efang  betet;  barauf  mufe 
baS  ©efpenft  feinem  ©rlbfer  baö  23ergel;en  befennen.  Wlan  nennt 
bas  ©an^e:  ben  Smif  roegfingen. 

Solare  ©efdjidjteu  »erben  in  üftenge  erjä^tt ;  aud)  fouft  glaub» 
mürbige  teilte  berieten,  baß  tfmen  felbft  berartige  Dinge  jugeftofjen 
feien.  So  lebt  nod)  Ijeute  ein  9flaun  in  ber  ©egenb  oon  ftrafeig, 
ben  man  eines  ferneren  3>erbredjenS  fdmlbig  fyält,  obgleich  er  oom 
(yerid)t  freigefprodjen  ift.  9iun  geigt  mau  fdjou  iefct  einen  ftiiaben, 
meldjer  biefen  9)}aun,  wenn  er  nad;  bem  tobe  feine  SKufye  finben 
fann,  Wegfiligen  muß.  3ludj  baS  Äittb  felbft  fagt  au£,  eS  fei 
bagu  geboren. 

DL 

(£in  Sinedjt  aud  tfiefer  fjatte  in  föafom  harten  gefpielt.  3Bic 
er  fia)  nun  be§  Slbenbö  aufmalte,  um  in  fein  Dorf  auriitfguge^en, 
begegnete  tym  auf  ber  ©rengfdjeibc  eine  meißc  ©eftalt.  Die  be* 
faljl  tym,  ein  beftimmteS  Vieb  aus  bem  ©efangbudj  auSmenbig  gu 
lernen  unb  uad>  adjt  tagen  mieber  an  benfelben  Ort  gu  fommen. 
Mit  bem  Webe  folle  er  fie  unb  iljre  brei  iiinber  tregfiugen. 

ber  ftnedjt  nad>  £aufe  fam,  ergäf)lte  er  bort  fein  2(ben* 
teuer  unb  madjte  fid>  nadf  ad}t  tagen  in  Segleitung  mehrerer 
5-reunbe  auf  ben  Seg.  Sie  jie  fo  gingen,  braufte  plöfetid}  ein 
Säufelwinb  bafyer  unb  entriiefte  ben  tfnedjt.  Seit  weg  fann  es 
nitfjt  gemefen  fein,  beim  mau  fonnte  iljn  beutlidj  fingen  frören,  ob« 
n?ol;l  man  if>n  nidjt  fafy.  Wad)  einer  falben  Stunbe  mürbe  er  auf 
biefclbe  Seife  wieber  gurüdgebradjt.  Die  ©eftalt  fmt  ifjm  geftan* 
ben,  fie  f>abe  früher  als  Dienftmagb  eine  Siebfdjaft  mit  einem 
Wncajte  in  £icfer  gehabt.  DaÖ  erfte  üftal  fei  fie  oon  3miUingen 
entbunben  morben,  bann  Don  einem  eingelneu  Äinbe.  Sllle  brei  Ijabe 
fie  balb  nad)  ber  ©eburt  auf  bem  ©rengfyügel  oerfdwrrt.   ftür  ifm 


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430 


roürbe  bie  Sadje  lange  nid)t  fo  gefäbrlid)  geroefen  fein,  wenn  er 
ofyne  ^5eg(eitutig  gefommen  roäre. 

hl 

^or  einigen  $aljren  fjatte  ber  53auer  Sdjmibt  t?om  ßefciner 
9lu?bau  feine  Xoc^ter  nad)  bem  eine  halbe  sJtteile  von  üRifcig  ent- 
fernten Sufterroife  gefdneft,  um  bort  3™8  8U  fwlen.  ©eil  fte  fpät 
abenb?  nod)  nidjt  roieber  ba  mar,  fd)icfte  ihr  ber  SBater  eine  jfin» 
gere  Sdjroefter  entgegen.  Sie  bie  ältere  nun  an  ben  färeujroea, 
fam,  loo  bie  Straße  ben  Seg  oon  Cronenberg  nad}  ©roßgriiuonj 
fdnieibet,  begegnete  iljr  eine  (Üeftalt. 

3n  bem  (Glauben,  e?  fei  ifjrc  Sdwefter,  rief  ba?  ÜJJäbdjen : 
„91a,  nenn  bu  nidjt  efjer  fommen  fonnteft,  bann  ffätteft  bu  nur  511 
£aufe  bleiben  follen".  —  „(£?  ift  gut,  bafj  bu  midj  anrebeft",  er= 
roiberte  bie  ©eftalt,  „barauf  fyabe  idj  fdjon  breiig  Safjre  geroartet, 
©elje  jefct  nad)  $>aufe  unb  lerne  ba?  Vieb:  „So  t)ab  td)  nun  ool* 
lenbet  ben  ferneren  tfcben?lauf",  bann  fomm  uad)  öierjelw  Xagen 
um  biefelbe  $e\t  roieber  unb  bete  ben  ®efang  fyer". 

Sic  t^at  ba?  audj,  nafjm  aber  it>re  Sdjroefter  mit.  Sie  bie 
sJ)fäbd)en  nun  auf  ben  $reu$roeg  famen,  roarb  bie  ältere  plöfctidj 
auf  ben  Sufterroifeer  ftirdnjof  an  ein  offne?  ©rab  eutriieft.  £)ort 
mußte  fie  ben  Biefang  Verfingen.  311?  fic  bamit  fertig  roar,  fagte 
ba?©efpenft:  „34/  bin  eine  Slinb?mörberin  unb  fyabe  meine  beiben 
Stoiber  oor  ber  £aufe  umgebrad)t,  barum  mußte  id)  fo  lange  um= 
gefjeu.  3efet  bin  id;  aber  erlöfi".  Unb  uadjbem  ba?  ©efpenft  biefe 
Sorte  gefprodjen  Ijattc,  oerfd^oaub  e?;  ba?  9)iäbd)en  aber  gelaugte 
ungefäfyrbet  roieber  in  il;r  (Slternfyau?  5urücf. 

f>4G. 

Madjtfrcnjcr  unb  9Jad)tluf}ret. 

3n  ber  ©egenb  00m  Cap  ber  guten  Hoffnung  treibt  fidj  ein 
'»Jiacfytfreuacr  in  ber  See  Ijerum.  Gr  freuet  an  aüe  Skiffe  Ijeran, 
unb  man  fief)t  au?  allen  feinen  ttanonentufen  fteuer  brennen.  <£r 
fommt  fo  nalje,  baß  man  ba?  flattern  ber  Segel  oerneljmen  fann; 
aber  im  Saffer  rauften  Ijört  man  tyn  ni$t.  flttan  mujj  fidj  tor 
if>m  in  adjt  nehmen,  ba§  man  nidjt?  öon  ihm  annimmt,  aud;  ni$t 


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431 


einmal  einen  53rief  jnr  33eftellung.   tiefer  s)iaditfreii3er  foll  fid) 
nämlid)  einmal  oor  langer  fyit  in  großer  9?ot  bem  Xeufel  übergeben 
fyaben,  wenn  er  eine  glücflidje  Oieife  tnadjen  werbe.    9iad$er  ift 
it)m  baö  leib  geworben,  unb  er  fyat  bem  33öfeu  ben  ilontraft  auf 
getünbigt.   9iuu  fann  er  niemals  nad)  $aufe  fommen.  — 

3ftand>ma(  Ijat  man  and)  3iadjtlid)ter  auf  ber  See,  unb 
3War  finb  biefelben  befonbere  fjäuftg  in  ber  Syanifdjen  See  (bem 
großen  O^ean)  311  treffen.  Senn  mau  benen  begegnet,  fo  I)at  mau 
beftimmt  großen  Sdjaben.  Denn  wenn  aud)  mandje  gelehrte  tfeute 
fagen,  bie  flamme  entfiele  burd)  baS  3l,ffln,,tlcni^ta9en  Dfö  fa*3'3en 
Safferö,  fo  ift  baö  bod)  uiditö;  man  weiß  oielmeljr,  baß  ba,  wo 
foldje  Vinter  finb,  ein  2Jtann,  welches  ber  Teufel  felbft  fein  mag, 
fidi  in  einer  leertonue  auf  ber  See  untertreibt. 

lemme,  $olt*iaflen  3.  3T><)  au*  ben  bitten  Der  ^omm.  ^efellfdjaft 

für  ®efdpia)te. 

547. 

$te  befeffeue  Jööueriu  in  Oiügcu. 

(Sine  33auerfran  in  Dtügen,  bie  fdwn  erwadjfene  Jünber  r)atte, 
fam  0011  neuem  in  gefegnetc  Umftäube.  Da  ergriff  fie  Sdjam  unb 
^orn,  unb  wütenb  rief  fie  and:  „§ol  ber  Xeufcl  bie  ftrudjt  meinet 
l'eibeö  ^ur  .J>öllc!"  ©3  war  gcrabe  bie  fcf>öufte  Sommerzeit  nub 
babei  ein  fyerrlia>r  Sonntag^ormittag,  alö  fie  biefe  gotteötäfter^ 
lidren  Sorte  fycröorftieß,  unb  bie  gan^c  übrige  ftamilie  befanb  fidj 
in  ber  Sirdjc;  fein  Üttenfd;  formte  alfo  ber  SJäuerin  Reifen,  als 
plöfelidi  eine  abfaVulid)  große,  fdjwaqe  33rummfticge  üor  bem  ften 
fter  auf  unb  ab  fuminte,  mit  einem  3)iale  in  bie  £)br;e  flog,  burd> 
ben  Sdwrnftein  Ijcrab  fidj  in  bie  Stube  ließ  unb  bann  ber  erfdjrocfe^ 
neu  ftr<m  in  ben  3Kunb  fuf>r. 

$on  ber  £eit  an  war  ba$  Seib  oom  teufet  befeffen  unb 
oon  ben  fef/reef lidtften  ®emiffeu8btffen  geplagt;  beim  baö  fttnb,  baö 
fie  3iir  Seit  braute,  war  eine  elenbe  Mißgeburt,  bie  nad?  wenig 
klugen blideu  ben  ®eift  aufgab.  —  31ber  an  ber  (&nabe  ©otteö  brauet 
felbft  ber  ärgfte  Sünber  nid)t  3U  üe^weifelu,  ba$  ift  an  biefer 
Jrau  wieber  offenbar  geworben,  fromme  Vcute  beteten  mit  tyr 
unb  fyracfyen  ifyr  Xroft  ju  unb  rieten  tyr,  311111  3tbenbmaf)le  311 
getreu.   Daß  ttyat  fie  enblidj  nad?  langem  ^ureben,  unb  wirflid), 


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432 


beS  Teufels  SMad&t  würbe  baburdj  oon  lag  gu  £ag  fdjwädjer,  bis 
er  [ein  Opfer  fdjtiefjlidj  gan$  oerfaffen  mufjte. 

9Jlünblid)  au«  ®arj  auf  9iügett. 

548. 

$er  öefeffene  in  $oljin. 

$n  ^olgin  fjatte  ber  iöruber  oom  Sefmtäen  einen  böfen  @eift. 
%[$  alle  Drittel,  i  f>  it  $u  feit  reiben,  uid>tß  Reifen  tpoüten,  ging  ber 
©efeffene  gum  ^aftor.  $)er  betete  mit  iljm,  unb  fielje,  ba  fprang 
u)m  etmaö  au«  bem  ÜJhinbe,  ba8  falj  au«  wie  ein  ^rofe^.  darauf 
gebot  ü)m  ber  Pfarrer,  jeben  borgen  unb  jeben  5(benb  p  beten, 
bann  würbe  eS  für  immer  oon  u)m  fern  bleiben. 

Einmal  würbe  ber  flttanu  nun  aber  fefyr  früfy  $ur  üttüljte  ge* 
fefneft,  fo  bafc  er  nidjt  mefyr  beten  fonnte.  5)a  (am  ein  großer, 
fefywarjer  fterl  auf  if>n  ju  unb  fpradj:  „Nu  bün  ik  wedder  dar!" 
unb  ful)r  ifmi  in  ben  9)funb  hinein.  SNidjtS  oermod)te  ityn  jefct 
wieber  ju  oertreiben. 

"ÜHünblicp  au«  <JJoljin,  ÄreiS  »elgatb. 


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XIII. 

Qtmt  Uni  ipanjm 

549. 

2öie  ber  $är  jn  feinem  fonberbareu  Stuöfeljen  gefommen  ift. 

95$enn  man  einen  Xanjbären  fieht,  fo  möchte  man  taut  aufladen 
über  bie  f leinen  Cfyren,  ben  fonberbar  gewidmeten  Siürfen  unb  bie 
Pfoten  unb  ba£  ©efidjt  mit  ihrem  furzen  ,£>aar.  9Joch  brotliger 
aber  erfdjeint  baS  atleS,  wenn  man  meifj,  auf  meiere  ©eife  ber 
93är  31t  biefem  SluSfehen  gefommen  ift. 

früher  ^atte  er  nämlich  prächtige  tfappofjren,  nnb  ber  gauje 
^et$  mar  gleichmäjjig  befefet  mit  fdjönen,  langen  ^ottelhaareu. 
vJ?un  Hebte  er  auch  bamalö  fd)on,  roie  heute  nod),  ben  $)ouig  über 
altes,  unb  befonberS  häufig  befugte  er  beS  2JfülIerS  33ieiienförbe,  beun 
ba  brauchte  er  nicht  fo  fyodj  in  bie  Zäunte  $u  ftettern,  mie  bei  ben 
milbeu  33ieneu.  3)aS  mar  aber  fein  $$erberb.  £)er  Butler  tjatte 
einen  fdjlauen  2)?ahlburfchen,  ber  f tobte  einen  $aumftamm  auf, 
fteefte  einen  fteü  in  bie  (Spalte  unb  tegte  barauf  ben  hatten  quer 
über  bie  <2töcfe. 

5U3  nun  ber  SJär  fam,  mufjte  er,  mollte  er  anberS  sunt 
$onig  gelangen,  Stopf  uub  Pfoten  burd)  bie  Spalte  fteefen;  unb 
babei  mar  er  fo  f)aftig,  bajj  ber  ßeil  herausflog  utib  bie  beibeu 
Hälften  gufammen  fdjlugen.  darauf  Ratten  ber  ÜJiüller  uub  fein 
Stnecht  nur  gemattet,  fie  tiefen  gerbet  unb  fälligen  mit  Knütteln 
auf  if)n  ein,  fo  baj?  er,  um  uidjt  baS  \?ebeu  $u  vertieren,  mit  Sin* 
fpannung  aller  feiner  fträfte  ficf>  herausarbeitete,  maö  freilich  nur 
mit  (Einbuße  beS  prächtigen  ftelteS  an  Schnauze  unb  ftiifjen  unb 
mit  SSerluft  ber  fdjönen  t'appohreu  311  bemerfftetligen  mar. 

28 


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4:54 


SaS  er  bamals  oerloren  tjat,  ift  ifym  nie  wieber  er* 
fefot  Würben,  unb  alle  feine  ttinber  leiben  nodj  barunter  bis  auf 
biefeu  £ag. 

(Sinen  anbern  ®runb  bat  es  mit  ber  iliücfengeidnmng  beS 
3}ären.  (£r  fyatte  fitf)  einmal  grobe  ®ewalttt)ätigfeiten  gegen  bie 
anbereu  Üiere  311  Srfmlben  lomiueu  (äffen,  worauf  bie  itm  bei  bem 
iiönig  oerflagten.  $m  Strafe  foltte  er  ein  Stiicf  feines  gelles 
laffen,  unb  er  wählte  ba$u  ben  Würfen,  benn  bort  glaubte  er  es  am 
erfteii  miffen  ^u  tonnen.  $)aS  Jell  ift  nun  $war  wieber  gewad)fen, 
aber  bie  ftarbe  warb  auberS,  wie  auf  bem  übrigen  Körper;  unb  audj 
biefeS  3)ierfmal  l)at  fid)  bei  beS  SMren  Dtadjfommenfdjaft  oererbt 
unb  wirb  fid}  immer  weiter  oererben,  fo  tauge  eS  nod)  93ären  giebt. 

vJWihiblid)  aus  Sijboio,  ifrd*  £fblaiDf. 

550. 

35er  treue  öür. 

©ine  ftrau  fef>rte  00m  stallte  Ijeim.  Sie  fyatte  es  feljr  eilig, 
beim  ilne  ftinber  fyarrten  tljrer  fdjon  feit  bem  frühen  borgen,  unb 
beslmlb  fnelt  fie  ftd)  im  SBalbe  nidjt  auf  ber  breiten  l'anbflrajje, 
fonberu  fd;lug  ben  fdnnaleu  iRidjtftcig  ein.  ©erabe  wollte  fie  ba 
ein  bidjteS  Öebüfd)  paffieren,  als  plöfcüd)  auS  bem  33ufdjwerf  ein 
mächtiger  $är  auf  ben  £>interfüßen  heraustrat  unb  fdjnurftracfS  auf 
fie  losging. 

3u  ÜobcSangft  ftanb  bie  arme  ^rau  ftill  unb  flaute  ftarr 
bem  Untier  in  ben  sJfad)en.  £>aS  fdjien  aber  mit  bem  ^reffen  feine 
(£ile  311  baben,  es  brummte  nur  unb  fyielt  babei  bittenb  bie  eine 
^orberta^e  bem  Söeib  oor  bie  klugen.  Anfangs  madjte  bieS  Söe» 
ginnen  beS  öftren  bie  ftrau  nur  nodj  furdjtfamer,  enblidj  faßte  |ie 
fid>  jebod)  ein  $>erj  unb  fprad)  bei  fidj:  „So  ober  fo  tot;  id)  will 
bod)  einmal  nnterfudjen,  waS  mit  ber  ^fote  ift." 

Sie  ergriff  biefelbe  mit  beiben  $änben,  unterfudjte  fie  unb 
fiefjc  ba,  in  bie  Xafcc  fyattc  fidj  ein  großer  £>oläfplittcr  tief  hinein* 
gebohrt,  ber  aber  fd)on  gaii3  oereitert  war  unb  bem  armen  £ier 
unfäglia)c  Sd)incr$en  bereiten  muBte.  $a  fie  ein  gutes  ,J)ers  Ijatte, 
Sog  fie  fdjnell  eine  iNabcl  fyeroor,  grub  beu  Splitter  fyeraitS  unb 
entfernte  ben  ©iter.   $>anu  ließ  fie  bie  Xafee  wieber  fahren. 


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435 


&cr  53är  fefetc  fie  oorficfytig  $ur  (Erbe  uttb  »erfudjte  bamit 
aufzutreten.  9US  baS  glücfte,  brummte  er  oergnügt  auf,  pacfte  mit 
feinen  3äfy,,en  bie  Jrau  bei  ber  Sdjür3e  unb  $errte  fie  fobaun 
hinter  ficfy  Ijer,  in  baS  £>icfid)t  beS  3£albeS  hinein.  93ei  einer  Ijoljen 
©id)e  machte  er  enblid)  $ait,  unb  nun  glaubte  bie  ftrau,  ir)rc  letyte 
Stunbe  Ijabe  gefcblageu.  £>odj  ber  Söär  lief?  il)re  Sd)ür$e  fahren 
unb  Fletterte  au  bem  Stamm  ber  (Sidje  empor. 

raffet  'f*  3e^  8U  entfliegen",  backte  baS  föeib,  unb  fort 
mar  fie.  9lber  ber  23är  Ijatte  ifyre  J$iud)l  faum  bemerft,  fo  mar  er 
aud)  mit  einem  Safce  oom  Raunte  herunter,  unb  nun  ging'S  hinter 
it>r  brein,  bis  er  fie  eingeholt  Ijatte.  Sofort  pacfte  er  fie  mieber 
bei  ber  Sdjürje  unb  führte  fie  ^um  Söaume  junict. 

Diesmal  titelt  bie  $rau  ftanb,  meil  ein  (Entrinnen  ja  bodj 
nid)t  möglid)  mar.  Der  33är  fletterte  barauf  bis  jur  falben  $>öfje 
ber  Gid)c  unb  griff  bort  in  eine  $ötylung  beS  Stammes,  in  ber 
tuilbe  33ienen  $onig  gebaut  Ratten,  Daoon  nafrni  er  ein  paar  große 
Älnmpen  unb  marf  fie  bem  unten  freljenben  ©eibe  gerabe  in  bie 
Sdjürae  f)inein,  unb  jefet  falj  btefelbe  ein,  bafc  baS  $ier  fief)  nur 
Ijabe  bebauten  motten.  9Jad}beni  bie  Sdjür$e  gan$  mit  $onig  an* 
gefüllt  mar,  ftieg  ber  99är  mieber  fjerab  unb  führte  feine  %$ol)U 
tfjäterin  bis  311  ber  Stelle  beS  9tief)tfteigS  surücf,  mo  fic  iljm  ben 
Splitter  aus  ber  sßfote  gebogen  batte.  Dort  feljrte  er  um  unb 
ging  in  ben  Salb  jurücf.  Die  ftrau  aber  Farn  unbefdjabigt  mit 
bem  oielen  |)onig  $u  ifyren  fönbern  Ijeim  unb  er$£tylte  ifynen  oon 
bem  munberbaren  Abenteuer. 

Gbenbaljer. 

551. 

Sie  ein  (Sljemann  ju  einem  öären  warb. 

(Es  mar  einmal  ein  junger  Seemann,  bem  mollte  in  bem 
^eiligen  (Ef)eftanb,  in  ben  er  getreten  mar,  nidjtS  gefallen.  9?on 
morgens  frülj  bis  abenbs  fpät  tyatte  er  immer  etmaS  311  brummen 
unb  madjte  baburdj  feiner  jungen  ftrau  baS  i'eben  redjt  ferner.  Da 
er  fidj  burdjauS  nid)t  befferu  mollte,  fdjritt  bie  Sdjmiegermutter  ein 
unb  oermünfdjte  ben  3Jfonn  it)rer  Softer  $ur  Strafe  für  fein  ®rum* 
men  auf  je$n  ^aifvc  in  einen  ®äreu. 

28* 


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436 


3efct  mufcte  ber  mifjoergnügte  3Ramt  mit  bem  Bärenführer 
oon  Ort  ju  Ort  unb  oon  $)au«  311  ©au«  gießen  unb  ben  beuten 
oortangen;  baju  fonnte  er  brummen  nad)  |)er$en«luft.  (Einft  fam 
er  auf  einen  $of,  wo  gerabe  ^olterabenb  war,  unb  fogleich  würbe 
er  hereingeholt,  um  Braut  unb  Bräutigam  mit  feinen  Äünflen  gu 
erfreuen,  ©ie  er  gerabc  mit  bem  lanj  beginnen  wollte,  mar  aber 
auch  ba«  $etmte  3at)r  feiner  ^eibenSjeit  abgelaufen,  unb  er  ftanb 
plöfclid)  su  au<er  ©rflaunen  oor  bem  jungen  $aare  al«  üWcnfc^  ba. 

Unb  e«  mußten  wohl  bie  jelm  (fahre,  bie  er  al«  Bär  t^nim» 
gelaufen  mar,  ihre  SBirfung  auf  ihn  nicht  oerfehlt  höben.  Denn  mit 
einbringlichen  Sorten  ermahnte  er  ben  oor  ihm  ftehenben  Bräutigam, 
bodj  ja  in  ber  (She  nidjt  oiel  gu  brummen,  Sonft  fönne  e«  ihm 
leid)t  ergehen,  bajj  er  auch  oon  feiner  Schwiegermutter  in  einen 
Bären  oertoünfcht  werbe. 

9ioch  ^eutiged  Jage«  ift  bie  Erinnerung  au  biefe  wunberbare 
Begebenheit  in  fltugen  nicht  erlofchen.  Bei  jebem  ^olterabenb  er« 
fcheint  bort  ein  2Nann,  bem  ein  Bärenfell,  meiften«  freilidj  in  Er* 
mangehmg  eine«  folgen  nur  ein  alter  ^Jel$,  umgehangen,  unb  um 
ben  £eib  mit  einem  Binbfabcn  feftgebnnben  ift.  Sobalb  biefer 
Bär  ein  wenig  getankt  §at,  fdjneibet  einer  ber  Umftehenben  ben 
Stricf  burch,  ba«  %til  fällt  hfru»ter,  H"b  ber  betreffenbe  SWenfdj 
erjählt  nun  biefelbe  ©efchidjte,  welche  wir  eben  gehört  h<*ben,  al« 
fein  eigene«  Erlebnis.  Slud)  oerfäumt  er  e«  nicht,  bie  nötige  Sitten* 
prebigt  über  ba«  Brummen  bem  Bräutigam  oorgutrageu. 

SHünblia)  au«  ®atj  auf  Siügen. 

552. 
35er  SBoIf.1) 

3«  ben  3wblften  erfcheinen  bie  SBölfe  immer  $u  gwölfen  auf 
einmal.  Sehen  fie  einen  üftenfdjen,  fo  gehen  fie  mit  weit  aufge- 
teiltem SWaule  auf  ihn  lo«  unb  zwingen  ihn  auf  biefe  SBeife,  in 
ihren  dachen  ^tuciu  31t  fehcn.  Darin  fiet)t  e«  ganj  t)cu*  au^  wnt> 
wer  hi"«"fleblicft  hat,  wirb  fo  Reifer,  baß  er  fein  ©ort  <ui  fpredjen 
oermag.  Da«  wiffen  bie  $ßölfe,  unb  fie  fperren  ihren  dachen  auch 
nur  be«t)alb  auf,  um  ben  attenfdjen  am  Hilferufen  $u  hinbern. 

')  %m  SRegemoalber  Streife  wirb  ber  sBolf  aud>  Lössbar  genannt. 


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437 


Überhaupt  ftnb  bie  ©ölfe  fonberbare  Xiere.  ©er  oou  tyrem 
ftleiföjc  gegeffen  l;at,  erlangt  baburdj  bte  ©abe,  aUc  ttnfdjmetlungen 
unb  2lu$roü$fe  ber  $aut  bura?  93 eb eigen  ju  feilen.  2Han  fagt 
aud),  toenn  ftcinen  SHnbern  t^rc  <2petfe  burdj  eine  ©olfSgurgel 
eingeflößt  mirb,  fo  würben  fie  ftarf,  mie  bie  ©ölfe.  Soldje  üKenf^en 
fann  man  fofort  baran  erfennen,  baß  fie  Ijeißfmngrig  finb  nnb 
außerbem  3foar  ftarfe,  aber  jfrife  ©lieber  befifcen. 

2lu$  ben  Greifen  Jürftentum  unb  IHcgennwIbe. 

553» 

©ie  bet  »off  an  bem  ffcifen  ©enitf  nnb  bem  finmpfufj 

gefontnten  ift. 

3(18  unfer  $>errgott  ben  ©olf  gefdjaffen  tyatte,  benahm  ftd> 
berfelbe  fo  »Hb  unb  oerübte  fo  oiele  <5$anbt&aten,  baß  ber  <5adje 
einhält  getf/an  merben  mußte.  35er  liebe  ©Ott  rief  tyn  barum 
$u  ftdj,  tyielt  tym  feine  8ünben  oor  unb  öerfünbete  itym,  ein  ©e* 
bredjen  mürbe  er  »on  nun  an  fein  lebelang  an  feinem  tfeibe  tragen 
müffen;  bo$  fönne  er  unter  brei  fingen  ben  fteljler  mäljlen,  mel* 
tyx  tym  nodj  am  leidjtejten  $u  ertragen  fdjiene.  (Sntmeber  muffe 
er  »on  nun  an  ein  fteife«  ©enief  führen  unb  einen  lahmen  ^u§ 
ober  einen  eine  tyalbe  2tteile  langen  Sdjmanj  ober  enblid)  eine  SHin* 
gel,  bie  jeglidjeS  £ier  in  ber  Entfernung  einer  ganzen  Steile 
$ören  fönne. 

$er  ©olf  mar  barüber  fe^r  traurig,  bodj  ba  tym  nidjt«  an* 
bereS  übrig  blieb,  als  in  ben  fauren  Slpfel  $u  beißen,  fo  fpradj  er 
jum  lieben  ©ott:  „Der  lange  ©djroanj  unb  bie  meitfd)allenbe  #lin* 
gel  mürben  bewirten,  baß  i<$  überhaupt  fein  Stier  meljr  erjagen 
fönnte,  barum  gieb  mir  lieber  ba8  fteife  ©enid  unb  ben  Öumpfuß. 
5)a$  ^inbert  jmar  au$  feljr,  läßt  mid?  iebod)  menigftenS  nidjt  $un* 
ger8  fterben".  Unb  toie  ber  ©olf  gemäht  tyat,  fo  ift'S  aud&  ge* 
fdjeljen.  £eber  ©olf  §at  ein  fteife«  ©enief  unb  muß  auf  einem 
Seine  lumpen  (tyinfen)  bis  auf  biefen  lag. 

9tu8  b«n  Äreifen  ftürftentum,  föegemoalbe  unb  Manboto. 

554. 

©ie  ber  SBolf  um  feinen  Sdjumn$  fam. 

©ie  fo  oftmal«,  fam  bem  ©olf  im  ©albe  etma«  in  bie  Quere, 
unb  5»ar  traf  tyn  bie  (Snttäufdjung,  als  er  gerabe  unter  einem 


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438 


33aume  ftanb,  auf  bem  ein  £mlsbacfer  mit  feinem  33eile  faß.  „So 
mollte  id)  bod)",  rief  baö  erboftc  $ier,  „baß  mir  ber  Scbmanj  tfom 
.^intern  fiele".  Soglcid)  marf  ber  .^ol^auer  fein  fdmrfetf  SBett 
fyerab  nnb  fc^nttt  ifyin  bamit  in  einem  ffiucf  bcn  Sdjman3  ab.  DaS 
mar  aber  bem  933oIfe  gar  nidjt  lieb,  nnb  empört  breite  er  feinen 
ßopf  nad)  Lintert  nnb  rief  ganz  beleibigt :  „9ia,  barf  man  beim  aurfj 
fein  einziges  ©ort  mefjr  im  Spaße  fagen?" 
flu*  m\ovo,  Kreis  ftcoemoalbc:  OTitaeteilt  bur*  Gerrit  ^rof.  (?.  Jtuf)n. 

555. 

$e«  »olfe«  Sctben$flefd>tdjte. 

(Sine  Stute  mar  mit  ifyrem  $of>ten  auf  ber  Söeibe.  Da  fam 
ein  hungriger  Söolf  an  unb  fudjte  fid)  beS  ^ofyleug  51t  bemädjtigen. 
Die  Stute  fal)  ein,  baß  f>ier  nur  ?ift  retten  fönne,  tief  bem  Söolfe 
entgegen  unb  rief  ifmi  ju:  „Söillft  bu  nid)t  mein  junges  nehmen? 
\d)  mag  e8  nid)t  metjr  fyaben.  Docb,  eine  l'iebe  ifit  ber  anbern  mert; 
bu  mußt  mir  bafür  ben  (Splitter,  ben  idj  mir  in  ben  redeten  Hinterfuß 
getreten  f)abe,  IjerauSzieljen".  .£>od)  erfreut  über  bie  freunblidje 
ftufnaljme,  miüigte  ber  SBolf  fogleid)  ein  unb  machte  fid)  an  bem 
Hinterbein  ju  fdjaffen.  Äaum  mar  er  iebodj  mit  bem  üflaule  an 
ben  £)iif  gefommen,  als  bie  «Stute  ibm  einen  folgen  Sdjlag  gegen 
ben  Sdjäbel  ocrfefcte,  baß  er  beruußtlo$  jufammenbrad). 

er  fid)  mteber  erholt  t)atte,  maren  fjferb  unb  3-ofylen 
fdmn  längft  oerfdjmunben,  unb  ber  28olf  mußte,  nod)  hungriger  mic 
Zitöor,  meiter  gefyen.  Da  fal)  er  gmei  ^^fl^^öcfc,  meld)e  fidj  um 
ifyre  Seibepläfce  janften.  Der  Sßolf  lieft  fid}  jum  SdjiebSridjter 
ernennen  unb  bebaug  fid)  aus,  bcn  £cil,  melier  Unred)t  befommen 
mürbe,  f reffen  311  bürfen.  Gr  ftellte  fid)  3U  bem  $mecfe  zmifdjen 
beiben  auf.  Da  blinzelten  fid)  bie  SÖÖtfe,  meiere  ben  gangen  Streit 
nur  auö  £ift  angefangen  Ratten,  mit  ben  ?tugeu  gu  unb  rannten 
plbfelid)  mit  fo  großer  ©ud)t  auf  ben  ©olf  lo§,  baß  il)m  bie  Wippen 
im  Veibe  brauen  unb  er  für  tot  311  ©oben  fanf. 

Wad)  langer  $e\t  fam  er  erft  mieber  3U  fid),  unb  Den  bcn 
^iegenböcfen  mar  nic^tö  met>r  31t  fefjen.  ÜWit  gerfc^lagenem  Äopf 
unb  zerbrochenen  Wippen  fefcte  er  barum  feine  Sßknbcrung  fort  unb 
traf  eine  Sau  mit  neun  Ferteln,  meldje  im  zurief:  „ftriß  bod)  ein$ 
ober  zmei  oon  ben  $crfeln,  id)  fann  fie  gar  nidjt  mer)r  ernähren, 


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439 


betm  e$  finb  ihrer  311  Diele".  „Sehr  gern",  erwiberte  ber  Solf 
unb  wollte  gleich  3ubeij?en.  „Sief)  nein",  entgegnete  bie  San,  „juuor 
wollen  wir  fte  bod)  taufen,  bamit  fte  feiig  fterben". 

$er  Söotf  war'S  aufrieben,  nnb  fte  gingen  jitr  SBaffernuihle, 
an  bie  Stelle,  wo  ba$  Saffer  auf  ba3  Stttihlrab  herabfällt.  Dort 
legte  bie  Sau  ein  Srett  an  bie  ^öl^erne  9tinne  unb  fteltte  fid)  auf 
bie  aufliegenbe  Seite  beffelben,  weil  fte  ber  fchwerere  Xeit  war. 

Der  iBJotf  .mußte  fid)  auf  baä  überragenbc  CSnbe  fefcen,  um 
t>on  bort  auä  bie  einzelnen  derlei  taufen  311  föunen.  (Merabc  als 
ba$  erfte  ^erfcl  hinübergereicht  werben  foltte,  trat  bie  Sau  jebodj 
jurütf,  ber  ©olf  fiel  auf  baS  Mab,  würbe  t>ou  ben  Schaufeln  3er 
fdjlagen  unb  bann  in  baö  Söaffer  gefchleubert,  aus  beut  er  faunt 
fein  l'eben  311  retten  vermochte.  S*on  ber  Sau  mit  ihren  fyvUlH 
mar  wieberum  nichts  mehr  31t  fehen. 

üttifemutig  unb  am  Veben  ue^agenb  ging  ber  Solf  nun  in 
ben  Söalb,  wo  ein  alter  Sefeubinber  mit  feinem  Seite  §013  fdjlug 
unb  Reifer  fudjte.  Sttie  ber  ben  Solf  erblirfte,  ftetterte  er  bor 
Slngft  auf  einen  Saum.  Der  SBolf  ^atte  itm  in  feinem  Kummer 
gar  ntdjt  beinerft,  fonberu  legte  fid?  unter  benfetben  Saum  unb  ber= 
wiinfehte  fein  Sdjitffal.  „Sich",  fenf^tc  er,  „ich  bin  fo  unglüeflich, 
würfe  bodj  ber  liebe  ®ott  ein  Seit  fyerab  unb  erfdjlüge  mich".  Der 
Sefcnbtnber,  nidjt  faul,  warf  ihm  mit  tüchtigem  Sdjwunge  fein  Seit 
auf  ben  Sdjäbel.  Da  fdjrie  ber  28olf  noch  auf:  „©,  lieber  ©Ott, 
fo  ernft  hatte  id)  es  nidjt  gemeint!"  unb  uerfebieben  war  er. 

Oflünblid)  aus  Sqboro,  ÄrciS  6d)Iaioe. 

556. 

Sie  ber  Söolf  ben  ftudjS  betrog  unb  bort)  anlegt  ben 
filteren  jteljen  mußte. 

2Bolf  unb  #ud?S  finb  auf  ber  Sanberfdjaft.  Äommt  ein 
,'periugSmann  angefahren  unb  bie  5ifd)e  rieben  ben  beibcu  fo  Heb* 
fich  in  bie  ftafnt,  bafe  fie  baoon  haben  möchten.  Sruber  ftuchS 
läuft  barum  in  weitem  Umweg  beut  SÖageu  Dorath  unb  legt  fich 
wie  tot  auf  ber  Strafte  nieber. 

Sil*  ber  Fuhrmann  ihn  erbtieft,  tyricr/t  er:  „Sllja,  ein  toter 
ftuch«!  Mim  bem  ift'ö  fchon  recht  gefchehen,  bafe  er  in  feinen  Sün= 
ben  abgefahren  ift.   Dod)  fein  fct)öner  ftt^  foll  t^ier  nicht  »erfom* 


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440 


inen".  2>?it  tiefen  ©orten  fpringt  er  oom  ©ocfe  tyrab,  ergreift 
©ruber  fttcinfyart  beim  Sdjroana  unb  roirft  üm  hinten  auf  ben  ©a* 
gen,  fo  bafe  er  gerabe  auf  bic  geringe  fällt.  $>ann  fefet  er  fidt) 
roieber  auf  feinem  £ifee  sure^t  unb  fcfyläft,  wie  ba$  einem  brauen 
<yufjrmann  auauftojjen  pflegt,  feft  ein. 

darauf  f)at  ber  ^urt^ö  nur  geroartet;  feinet!  roirft  er  einen  ftifdj 
narf)  bem  anbern  auf  bic  etrafje  berab  unb  tyört  bamit  erfl  auf, 
a(S  ber  $ering£mann  tief  aufatmet  unb  311  erroacfyen  beginnt.  3n 
biefem  Slugenblicf  fpringt  er  mit  einem  ^afee  bem  geflogenen  ©ut 
natf)  unb  ifl  in  <§icf)erljeit.  Unten  trifft  er  ben  ©olf  unb  fagt  $u 
ifmt:  „©eoatter,  roo  fjaft  bu  mir  benn  nun  meinen  $eU  aurücfge* 
legt?"  —  „,§ier,  ©ruber  fyidiS",  fagt  ber  ©olf  ganj  treu^ergig, 
„genau  bie  §älfte  foU  bein  fein",  unb  bamit  fütyrt  er  tyn  3U  einem 
grofjen  Raufen  träten,  ba£  %U\)ä)  hatte  er  felbft  gefreffen. 

Der  fturffS  oerbei&t  feinen  trger  unb  fie  geljen  roeiter.  Slber 
gering  madjt  Dürft,  unb  e3  banert  nidjt  lange,  fo  jammert  ber 
©olf:  „©ruber,  f^aff  mir  ©affer".  —  „Dä8  follft  bu  haben,  ©c* 
uatter",  antroortet  Steinhart,  „unb  jroar  baS  fdjönfh  auf  ber  ganzen 
©elt,  fomm  nur  mit". 

Der  ©olf  geljordjt,  unb  fie  gelangen  $u  einem  3ie^brunnen. 
Sogleirfj  fpringt  ber  $udi*  in  ben  oben  befinbli^en  (Eimer  unb 
fährt  mit  ihm  in  bie  £iefe  hinab,  trinft  bort  unb  preift  mit  ben 
fünften  Sorten  baö  herrliche  ©affer.  „^a,  aber  ich  ^abe  bo$ 
nicht«  baoon",  fnurrt  oben  ber  ©olf.  —  „O",  erroibert  ber  fdflaue 
föcinhart,  „fpriug  nur  in  ben  (Simer,  ber  jefet  oben  ift".  Der  ©olf 
t^ul  eö  unb  rounbert  fid)  nicht  roenig,  roie  er  jefct  ^inabfä^rt  unb  ber 
i$\xd}&  fyerauffteigt  unb  fie  fid)  beibe  gerabe  in  ber  Üftitte  begegnen. 

Dod>  au  langem  9?achbenfen  läßt  ihm  fein  Durß  nid)t  3eit, 
fonbern  in  mächtigen  ^ügen  fdjlürft  er  unten  baS  treffliche  ©affer 
ein.  Unterbeffen  läuft  ber  g-n^ö  311  ben  ©auern  auf«  ftelb  unb 
ruft:  „tommt  alle  herbei,  ber  ©olf  ift  im  ©runnen  unb  fann  nicht 
roieber  herauf".  Da  laufen  fie,  fo  fdmetl  it)re  ©eine  fie  nur  tragen 
fönnen,  pichen  ben  unglücflirijen  ©olf  in  bie  $ölje  unb  gerben  ihm 
baS  fteli  mit  ihren  Spatenfttelen  unb  fauftbiefen  Änütteln  bermafjen/ 
baß  er  mit  genauer  9iot  bem  £obe  entrinnt  unb  ftd)  burdt)  bie 
ftludjt  rettet. 

Kaum  ift  er  ein  paar  fyunbert  Sdjritte  fortgehinft,  fo  fietyt  er 
ben  fcrjlauen  ftucfyS  roinfelnb  auf  ber  ©rbe  liegen  unb  Ijört,  roie  er 


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441 


im  fläglidjfien  £one  ruft:  „O,  ©eöatter,  ©eoatter,  mit  mir  ifTö 
au£;  bu  bifi  grofc  unb  ftarf  unb  wirft  bic  Prügel  motyl  nodj  oer* 
hrinbeit,  aber  mir  gefjen  bic  oieten  Stfjtäge,  toetdje  idj  öon  ben  gro« 
bcn  Stauern  erholten  fmbe,  bis  and  i'cben.   $omm  unb  trag  mid)". 

Der  SBolf  glaubt  bem  ©ruber  föeinfjart,  unb  ba  er  ein  mit* 
teibiged  £>er$  fyat,  Ijeijjt  er  tt)n  auf  feineu  rounben  SBucfet  feigen 
unb  fdjteidjt  mit  feiner  Saft  bem  Söafbe  gu.  Da  fann  ber  ftudjs 
feine  Spottuift  ltic^t  öerbei&en  unb  fpricfy  Ijalbtaut: 

„6  Wunner!  6  Wunner! 

Dö  Kranke  drächt  de  Sunnor!" 
,,$öa$  fagft  bu  ba?"  fragt  ber  ©olf  jornig.  —  ,,2(d)  ©eoatter!"  min. 
feit  ber  ftudj«,  „idj  mu§  toü  fein.  Die  tfeute  Ijaben  mir  meinen 
93regen  eingetragen,  unb  jefct  rafe  idj".  „Via,  ba«  ift  etroaö  an* 
bereä,  mein  armer  ©ruber",  begütigt  ber  betrogene  Sföotf  unb  trägt 
ilm,  obglettt)  er  nod)  oftmals  untermeg«  ruft: 

„ö  Wunner!  Ö  Wunner! 
D6  Kranke  drächt  d6  Sunner!" 
getreulia}  $u  feiner  .ftityle  im  Söatbe  fyin. 

TOünblidj  au§  SJtarienfliejj,  ÄreiS  Saajin. 

557. 

Voss  un  Wulf  up  de  Kinnelbir. 

Dat  löwten  einmäl  ein  Voss  un  ein  Wulf  in  eine 
Hoel  t6  höp.  Einmal  haeren  sei  nix  tau  fraeten,  un  dei 
Wulf  saer  tau  den  Voss:  „Varrermann,  wö  krigen  wi  wat 

tau  fraeten?"  —  „O,  dat  's  nich  slimm,u  saer  dei  Voss. 
„In  'n  Dorp  is  Kinnelbir,  un  dar  is  naug  tau  häbben." 

„Ja",  sächt  dei  Wulf,  „dar  dörren  wi  nich  kämen." 

„Dat  is  gewisu,  saer  dei  Voss,  „as  voernemen  Gast 
dörren  wi  nich  rinspaziren,  wi  moeton  dörch  dei  Hinnor- 
doer gaun." 

„Na,  denn  man  tau",  sächt  dei  Wulf.  „Satt  aeten 
moeten  wi  uns  eis  werrer.   Dat  mäch  kämen,  wat  dar  will." 

Abens  in'n  duesdern  mäkten  sei  sich  hen.  Dei 
Hinnerdoer  was  tau,  äewer  dei  Voss,  eins,  zwei,  drei, 
Lock  gekratzt,  un  nü  beir  nä  dei  Spiskämer  rin.  Dei 


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442 


Voss  besej  sieh  alles,  dei  Wulf  haer  hir  aewer  kein  Tid 
tau,  hei  sluckt  ümmer  rin,  wat  ein  väert  Mül  körn.  Dei 

Voss  aewer  wir  kläuker  und  sej  alle  Ogenblick  tau,  ob 
hei  noch  dörch't  Lock  künn. 

As  dei  Voss  nü  markt  dal  dei  Wulf  nich  mir  dörch 
künn,  stoer  hei  ein  Hummel  Pott  anne  «Ir  un  knöpt  dön 
üt  Dei  Wulf  wull  dat  uk  daun,  aewer  dat  ging  nich 
mir,  hei  haer  tau  stramm  inaust. 

Dei  Luer  innc  Stüw  haord'n  aewer  den  Spectakel 
huert  un  stoewden  äewa  Hals  un  Kopp  nä  dei  Spiskäiner 
hen  und  trocfen  dar  nü  den  Gäst.  „Herr  Jö~,  schrijden 
sei,  „hi's  jun  Wulf!  Na  täuwt  man,  den  willn  wi  aewer 
dat  Utgelei  gaebcn.  Hei  säl  tum  tweiten  Mal  nich  werrer 
kämen,u  un  nu  ging  dat  Pruejeln  mit  den  Besenstei  lös, 
aewer  den  Wulf  hör.  As  aewer  einer  raupen  der:  „Hält'n 
Jaeger,  dei  säl  ein  död  scheiten,  dön  drüng  dei  Wulf  an 
un  bingt  sich  mit  aller  Macht  dörch  un  röt  üt 

Dei  Voss  aewer  wull  ein  noch  einen  tweiten  Schaber- 
nack spaelen  un  nöm  sich  ein  ull  Schoert  um  un  sett 
sich  'n  ull  Nachtmütz  up,  dei  up'n  Tun  hingen  der,  un 
stellt  sich  nü  as  sön  ull  Gröszmudder  hinnen  Tün  hen 
un  lacht  den  Wulf  wat  üt,  as  dei  dar  sö  jämmerlich 
voerbi  köm. 

Nü  aewer  Idp  dei  Voss,  dat  hei  irer  in  dei  Hoel  k£m, 
as  dei  Wulf,  un  lör  sich  hen  un  slöp.  Mirrer  Wil  kdm 
dei  Wulf  an  un  sacht  taun  Voss:  „Varrermann,  wo  hat 
mi  dat  aewer  gaun,  mi  hät't  tau  slicht  up  dei  Kinnelbir 
gefolln.  Dar  gä  ik  taun  tweiten  Mal  nich  werrer  hen. 
Mi  häbbns  aewer  richtich  voertöbackt,  dat  vergöt  ik  in 
min'n  Laeben  nich  werrer;  un  am  mirsten  hat  ml  noch 
ärgert,  dat  ein  ull  grises  Wif  hinnern  Tün  mi  noch  wat 
ütlächen  der.  Ik  süll  aewerst  blösz  üp  min'n  gesunnen 
B£n  west  sin,  ik  haer  sei  aewerst  sö  warn  wechnämen.u 

..Jäu,  sächt  dei  Voss,  ,,dat  deit  mi  IM;  aewer  wat 
is  därbi  tau  mäken.  Dar  kämen  ja  ök  noch  werrer  baerer 
Tiden.  Voerloepich  war  ik  dl  voerfl£gen.u  Dei  Voss 
ging  nü  üt  un  wull  Fraetent  ran  hälen  un  söj  in  dei  Firn 
ein  Hiringkirl  fuern. 


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443 


„Na",  dinkt  hei,  „dat  is  jä  all  sö  wat  vocr  di.u  Hei 
smßt  sich  in'n  Wech  hen  un  dOr,  as  ob  hei  död  wir. 
As  dei  Hiringkirl  nu  ran  kamen  der,  sprüng  hei  run 
un  smöt  den  Voss  up'n  Wagen  un  wull  em  tau  Hüs  af- 
trecken.  Dei  Mann  slöp  dön  in,  un  dat  benutzt  dei  Voss 
un  rackt  eine  Patschön  Hiring  von'n  Wagen  un  ging 
därmit  sine  Waej  un  bröcht  sei  den  Wulf. 

„J,  Varrermann,  wö  hast  du  all  dei  schoenen  Fisch 
kraejen?"  —  „Ja,  dar  bin  ik  licht  tau  kamen,  saer  dei 
Voss.  „In'n  Dorp  is'n  gröten  Dik,  un  dar  häf  ik  mlnen 
Swanz  in  dei  Wäk  holln,  un  don  häbbon  sei  anbaeton." 

„Na,  täuw  man",  sacht  dei  Wulf,  „dat  's  jö  nich 
slimm,  dat  war  ik  6k  mäl  daun,  wenn  ik  werrer  baeter 
bün."  Un  dei  Wulf  mäkt  sich  ök  richtich  hen,  sett  sich 
iniig .  n  upt  Js  un  hoel  sinen  Swanz  inne  Wäk  (Eisloch). 

„Nu  hüllst  du  so  lang  still,  baet  du  nc  gaude  Lädung 
hast",  sacht  dei  Voss,  un  dei  Wulf  söt  ök  rcigen  still. 
Endlich  treckt  hei  eis  an,  äewer  hei  wir  irst  cn  baeten 
anfrärn.  „Nö",  sächt  hei,  „dit's  nonnieh  will,  mit  dei  pär 
Dinger  gä'k  nonnieh  tau  Hüs."  Un  sö  söt  hei  nogne 
Stunn,  un  dön  künn  hei  den  Swanz  nich  mir  lös  kraegen. 
„Na  jä",  sächt  hei,  „dar  war  ik  äewer  'n  schoenen  Bengel 
anhäbbn,  dei  krij  ik  jö  gär  nich  mit  einmäl  wech. 
Wur  mäk  ik  dat  blösz?" 

Mittlerwil  würr  dat  Dach,  un  dei  Luor  gingen  an 

Arbeid.  „Na  nu,  dar  sitt  jön  Wulf  up'n  Js!  Kamt,  wi 
willn  em  eis  uns  Döschfloegels  tau  präuben  gaeben."  Un 
därbi  ging  dat  ümmer  kruez-  un  dwaswis  äewer  den 
Wulf  Mr.  Un  hei  treckt  mit  aller  Macht  un  wull  dei 
Fisch  ök  girn  mit  häbbn;  äewer  dat  nutzt  nich,  hei  müst 
sögär  sin'n  Swanz  där  läten  un  kfan  sö  bin  Voss  an  un 
saer:  „Wur  geit  mi  dat  einmal,  ik  nöm  ümmer  tau  vael. 
Ilaer  sön  gröten  Haekt  an,  dat  mi  dei  Swanz  afröt,  un 
häf  werrer  richtich  Pruegel  kraegen,  wü  ik  werrer'n  Tid 
lang  naug  an  häf. 

Dat  is  einmäl  sö,  as  min  ull  Hexenmudder  tau  mi 
säggen  der:  „Jung,  du  krichst  noch  eis  sö  vael  Pruegel, 
dat  du  diu  Blibcnt  nich  weist." 


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444 


Darup  antwürt  ik:  „Denn  mücht  ik  leiwer  ein  Wulf 
sin,  därmit  ik  wenichstens  üm  mi  biten  künn,  un  bün't 
6k  glik  wärdn." 

„Na,  denn  is't  aenlich  sö,  as  mit  mi,"  saer  dei  Voss, 
„ik  bün  Nachtwächtersäen,  un  min  Vadder  saer  eis  tau 
mi:  „Jung,  du  moest  noch  sir  klauk  un  listich  wärdnu. 
Darup  antwürt  ik:  „Denn  mücht  ik  woll  ein  Voss  sin, 
denn  kann  sö  licht  keiner  mi  wat  anhäbbna,  un  wür't 
dön  uk  glik. 

Wi  sünd  nü  einmal  twei  Leidensbräuder  un  willn 
man  tau  höp  laeben  blibn." 
Snipp,  snapp,  snüt 
Nü  is  dei  Geschieht  üt. 

ÜJtünbliaj  aus  $enel$borf,  ÄreiS  (Stimmen. 
558. 

Sötc  %ud)$  unb  töolf  $ut  §oä)$cit  auffanden  gingen. 

3m  Dorfe  mar  eine  gro§e  SBauerntyodfoeit.  Sagte  ber  ftudjs 
guin  Soff:  „©eoatter,  fomm,  mir  motten  bort  auffielen."  Der 
©olf  mar'«  aufrieben,  unb  fie  gingen  [elbanber  $in.  <8ie  toareu 
aber  ©pietleute,  tote  §o$getter  fie  nidjt  gerne  fetyen;  fie  motlten 
erft  bie  ©egaljtung  $aben  unb  bann  mufijieren. 

Darum  matten  fie  fidj  an  bie  «Speifefammer,  fragten  ein 
£od>  burd)  bie  SDtfauer,  unb  brinnen  maren  fte  bei  ben  ©d^infen 
unb  fetten  SBürfteu.  Da  fragen  fie  nun,  bi«  fie  fo  fatt  waren,  bafc 
nichts  ftefte«  me^r  in  ben  ÜWagen  hinein  ging;  bann  traten  fie  an 
bie  93iertonne  unb  tranfen  baju  nadj  §eraen8tuft,  bis  fie  nidjt  metyr 
tonnten.  Den  Äopf  über  unb  über  mit  <5<$aum  bebeeft,  ba«  ©e^irn 
oon  bent  ftarfen  SBicrc  benebelt,  ftanben  fie  ba  unb  beratfä)lagten, 
maS  fie  iefet  tljun  foöten. 

,,©ei§t  bu,  ©eoatter,"  fagte  ber  ©olf,  „eS  ift  unfere  $fHd)t, 
ba§  mir  mit  bem  SWuftgieren  beginnen,  bamit  bie  Seute  taugen 
rönnen".  „Du  tyaft  red)t,"  ermiberte  ber  ftua^S,  unb  nun  begannen 
fie  fo  entfefetidj  gu  Reuten,  ba§  baö  oange  £au«  baoon  erfdjallte. 
Die  $oa)geitSgäfte  mürben  aufmerffam,  ergriffen  trte  unb  tfnüppet 
unb  öffneten  bie  Sammer. 


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445 


Da  fatyen  ftc  benn  bie  Sefdjerung.  Dem  $udj«  freiließ 
fonnten  ftc  nidjt«  angaben,  ber  fölüpfte  fd^teunig  burdj  ba«  meite 
£odj,  ba«  ber  Sßolf  fid)  gefragt  Ijatte,  in'«  ftreie  fyinau«;  aber 
feinem  ©eoatter  erging'«  bafür  um  fo  [Rümmer.  Gr  mußte  fid) 
burtf}  ba«  Meine  oHidjSlod)  brängen  unb  blieb  mit  feinem  Döllen 
Söaudje  mitten  bariit  elenb  fteefen. 

§agelbid)t  fauften  ba  bie  «Sdjläge  auf  feinen  biefen  ^elfl. 
Üflan  paefte  tyn  beim  ©djtoanj,  50g  tyn  gan$  ljerau«  unb  fdjlug 
bermafjen  auf  Um  ein,  bafc  er  gufammenbradj  unb  für  tot  tiegen 
blieb.  Da«  ftell  mollten  i§m  bie  tfeute  ntdjt  fogletdj  ab$ietyen, 
um  nidjt  nodj  mc^r  in  tyrer  $od)3eit«freube  geftört  $u  »erben;  fie 
liegen  tljn  barum  bie  9ßadjt  burdj  in  ber  ©peifefammer. 

Da«  mar  be«  SBolfe«  ©lücf;  benn  er  mar  nod)  nidjt  »öllig 
tot,  fonbern  fam  allmitylidj  mieber  $u  fidj,  frod)  bann  burd)  ba« 
rea^te  £odj  fyinau«  unb  fdjttd)  unter  unfägltdjen  ©djmerjen  feiner 
$öf>le  ju.  $m  SBatb  traf  er  ben  ftu^S  unb  rief  tym  aornig  ju: 
„Du  edjelm  bift  an  allem  Unglwf  fd)ulb;  marte  nur,  id)  roerbe 
bid)  freffen!"  „Hd),"  oerfefcte  ber  oHtdj«,  „bu  glaubjl  mir  gar  nidjt, 
mie  leib  e«  mir  tljut,  baß  id)  bie  £öd)er  oermedjfelte.  .ftdj  fdjmör'« 
bir  $u,  e«  mar  nur  ein  $$erfetyen."  „9ia,  benn  mill  idj  bir  nod) 
einmal  oer$etyen,  aber  bu  mußt  mid)  bafür  in  meine  §öl)le  tragen."  — 
antmortete  ber  ^rudj«,  „wenn  id)'«  nur  fönnte,  mie  gerne 
tf)ät  id?'«.  Hber  mir  ift  felbft  fo  fdnuadj  unb  franf  $u  SWute;  id> 
bin  fyierljer  gefommen,  um  midj  ljtngulegen  unb  ju  fterben.  ffienn 
tfeute  oorbeifommen,  mögen  fie  mir  ben  SReft  geben,  idj  fann  nidjt 
metyr  metter."  ~  „<©o  fa^limm  ftc^t  e«  mit  mir,  ©ott  lob,  nod) 
nidjt,"  fprad}  ber  arglofe  Söolf,  unb  meil  er  ein  gute«  §er3  tyatte, 
forberte  er  feinen  @eoatter  auf,  ftdj  auf  feinen  munben  dürfen  gu 
fefeen  unb  oon  itym  tragen  ju  laffen. 

Der  ftu^«  fprang  fofort  auf  ben  Sucfel  be«  ©olfe«  unb 
freute  ftt^  l)öa}lid}  über  bie  gelungene  8ift.  Slber  feine  ©pottfuty 
ließ  tym  feine  9lu$e.  ©ie  menn  er  mit  fia)  felbft  fprädje,  fagte 
er  halblaut:  „Dei  Kranke  drächt  dem  Gesunde."  „Wat?" 
förie  ber  SBolf  „wenn  dü  sö  weUst,  schnitt  ek  dt  gllk  hen!tt 
„9ld>,"  ftitynte  ber  $ua)«,  «ruber  SBolf,  \$  $ab'«  im  ftieber  ge* 
fprodjen,  trag  midj  nur  meiter,  ia)  fag'«  audj  nia)t  mieber." 

Der  ©olf  glaubte  u)m  unb  ging  meiter.  @8  bauerte  nidjt 
lange,  fo  fpradj  ber  ^ua?«  mieber:  „K!k,  dei  Kranke  drächt 


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446 


dum  Gesunde."  „9iuu  fyol  bid)  aber  ber  £eufel,"  wetterte  ber 
28olf  lo3,  tt?arf  feinen  Weiter  ab  nnb  juvang  if»u,  nebenher  ^u  taufen. 
Dem  fdjlauen  ftud)3  warb  ietjt  fdjroül  311  3)tute,  beim  er  fürchtete 
üou  bem  grimmen  Solfe  ben  Job.  Unb  richtig,  alö  fie  bei  ber 
.£)öfyle  angelangt  waren,  fagte  berfelbe:  ,,©et>atter,  bu  fyaft  mief) 
mein  Vcbtag  genug  geärgert,  idj  will  bid)  freffen." 

$n  feiner  ?lngft  wufete  ber  ^udjss  feineu  anberen  ?luäweg 
unb  f prang  in  bie  £)öf)lc  hinein;  ber  föolf  fufyr  aber  fogleidj  funter* 
breiu  unb  paefte  ilm  beim  Seine.  „Braudel',"  febrie  ba  ber 
fdjtaue  ^ndjs,  „Brauder,  du  hälst  ane  Wörtel,  lät  doch  dei 
Wörtel  lös  ö  tat  dei  Faut  an.**  Der  ©olf  liefe  fidj  tauften 
unb  fefmappte  »0  auberS  l)in;  ber  5nd)ä  aber  entlief  unb  war  aus 
ber  (Gewalt  feine«  erboften  ©eüatterS  befreit. 

"JJlüntlid?  au§  WetfotD,  ÄrciS  i'auenbura. 

559. 

iBic  ber  $ud)ö  ben  SBolf  an  ben  Stauern  »erriet 

Der  ^udjS  fredj  jum  Sd)iit$  gegen  bie  Satte  in  einen  Satf* 
ofen,  würbe  aber  üon  bem  >öefi^cr  gefangen  genommen  unb  mit 
bem  £obe  bebrofyt.  Demütig  bat  er  um  fein  i'eben  unb  tjerfpradj 
bem  Wanne,  er  wolle  ilnn  ftatt  feines  flcineii  ^eljeS  einen  weit 
f(f)öneren  unb  größeren  üerfdjaffen ;  nur  muffe  er  bann  feinen  $>engft 
gebunbett  auf  bie  Strafe  legen. 

Der  Sauer  tiefe  fid)  befdjwafcen  unb  tljat,  wie  ber  ftudjÄ  ge* 
forbert.  Diefer  lief  nun  juni  Solfe  l)in  unb  fpradj:  „Sater,  (benn 
ber  5»^^  n<"nt  Dcn  S55oIf  immer  Sater),  idj  weife  eine  gute  3J?af>l* 
$ett  für  bid}."  Sofort  eilte  ba3  gierige  lier  mit  feinem  ©efäljrten 
auf  bie  Stelle,  wo  ber  §engfi  lag,  unb  wollte  ftd>  audj  fogleid; 
an  ben  ftrafe  machen. 

Das  oerweljrte  ifym  iebodj  ber  ftndjä,  inbem  er  auf  bie  ©e* 
fafyr  aufmerffam  madjte,  meldje  iljnen  auf  ber  tfanbftrafee  brolje. 
@r  fdjlug  barum  bem  SBolfe  oor,  er  wolle  feinen  S(^»an3  an  ben 
beö  ^ferbeS  binbeu,  unb  bann  folle  er  ben  Otaub  in  ben  Salb 
fdjleppen. 

Der  bumme  SSJolf  ging  auf  ben  Sorfdjlag  ein,  unb  ber  8"d}S 
machte  fidj  an  bie  Arbeit.  Staute  ber  ungebulbige  ©olf  fidj  um, 
fo  berf nüpfte  ber  ^ud/S  bie  beiben  3djwänje;  fafy  er  aber  fort,  lojte 


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447 


bev  Sdjelm  bem  $>eugft  bie  yMifefeffeln.  So  fant'«  ba§  ber  fc^taue 
Patron  mit  beibcn  Arbeiten  gugleid)  fertig  war,  unb  at«  er  rief: 

5t^/  Sater,  $iel)!"  fprang  ba«  ^ferb  auf,  unb  »eil  e«  jtärfer 
war,  fdjleifte  e«  ben  Solf  trofe  feinet  Sträuben«  hinter  fid)  Ijer, 
gerabe  auf  ben  Sauerfwf  $u. 

$)er  ftwfyS  aber  lachte  fdjabenfrolj  unb  rief:  „Varrer,  schlaug 
dei  Klauje  in  doi  Brink!1)44  —  „Sief),"  jammerte  ber  betrogene 
Stfolf,  ,.id)  befomme  ia  fein  »ein  an  bie  ©rbe." 

Miinblid?  au*  Ärafeia.  tfreis  ^ürftentum. 
5G0. 

$er  $ui^d  unb  ber  Sauer. 

3)er  $ua)«  tourbe  oom  3äger  verfolgt  unb  fto^  in  ba«  $au« 
eine«  Säuern,  ^leljentlid)  bat  er  ben  SWann,  ilm  bod>  nidjt  gu 
oerraten.  Qnblid)  lte§  fid)  berfelbe  aud)  erweidjen  unb  wie«  ifjm 
einen  Serftetf  unter  ber  Settftelle  an. 

Sil«  nun  ber  3ä9er  m  °'c  $uttc  trat  uno  ,iad)  ocm  ^ud}ö 
fragte,  ärgerte  fidj  ber  Sauer  über  [eine  ©utmütigfeit,  mit  ber  er 
bem  alten  fteinbe  ba«  Veben  gerettet.  Slrgliftig  antwortete  ber 
falfdje  sJttann  barum  gwar,  wie  er  oerfprodjen  ^atte:  „(£r  ift  md)t 
bei  mir  gewefen",  mit  ben  Singen  wie«  er  iebod)  babei  ftet«  unter 
bte  Settftelle. 

Slber  ber  $äger  »erftanb  bie  9lugenfprad>e  nid)t  unb  ging 
feiner  SBege.  SU«  bie  ©efaljr  oorüber  war,  frodj  ber  ftu^S  au« 
feinem  Sdjlupfwinfel  Ijeroor  unb  fprad)  ju  bem  Säuern:  „Dei 

Rerensärte  waere  recht  gaud,  äwa  dat  voaflaucht  ull  Öge- 

wiuket."  Gbentaber. 

561. 

$er  $ud|«  unb  ber  (Kanter. 

2>er  ftudjS  Wt*  «««n  ©änferid)  geflogen.  Sit«  er  ifyn  nun 
auffreffen  wollte,  bat  ifyn  ber  ©anter:  „Öewä^re  mir  bod),  elje  ia) 
fterbe,  nod)  eine  lefcte  ftreube  unb  lange  mit  mir!"  £er  ftud)«  tiefj 
fid)  bereben,  unb  nun  begannen  beibe  im  Greife  ^erumgufpringen. 

l)  Drink  =■=  ftaien,  grüner  Wafc. 


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448 


Der  ©änferidj  fc^rtc  babei  immer:  „Kijackl  Kijack!u,  bcr  ftudjs 
jebocty  fdjmieg  füll,  bcnn  er  mußte  mit  ben  3ä$nen  ben  ftlügel  be« 
93ogeI«  feft^altett. 

„SBarum  fmgft  bu  benn  nic^t  mit?"  fragte  ber  ©anter,  unb 
ber  ftudj«  oergaß  fidj,  ließ  feine  ©eute  fahren  unb  rief:  „Hop- 
sassa!  Hopsassa!"  ftaum  füllte  fid)  aber  ber  ©änferidj  oou  ben 
3^nen  feine«  ^inbfä  f™t  fo  war  er  au$  fctyon  auf  einen  fta^ern 
Saum  geflogen.  Da  fagte  ber  ftudj«:  „Dat  is  sö  gaud  as  af- 
sächt,  väin  Äten  wäd  nich  niea  danzt." 

Sbenbu^cr. 

562. 

$er  $udj«  unb  bic  ©an«. 

(Sine  ©an«,  roelc^e  auf  bem  falbe  grafte,  faty  ©ruber  Mein* 
Ijart  ljeranfd)leid)en.  Da  an  ein  Sntfliefjen  nidjt  mein*  311  benfen 
mar,  rief  fie  bem  i$ud}&  gu:  „$omm  bocfy  Ijer  unb  tulf  mir  fudjcu. 

Ijabe  einen  ©rofdjen  oerloreu,  unb  finbe  id)  ben  nidjt  mieber, 
fo  mill  mir  mein  ©auer  ben  Hopf  abplagen.  Dann  märe  e«  mir 
aber  uodj  oiel  Heber,  menn  bu  midj  fräßefi." 

Der  'ftudjü  madjte  fidj  mit  an  ba«  Suchen,  obgteid)  er  uur 
ben  ©änfebraten  im  ?luge  fyatte  unb  au  ben  ©rofdjeu  gar  nidjt 
badete.  Sftad)  einer  Meinen  Seite  erflärte  er  benn  audj,  baß  ba« 
©elbftiicf  nidjt  gu  finben  fei  unb  er  beSfyalb  bie  ©an«  freffen  motte. 
Die  mar  bamit  einoerfianben,  bebang  fid)  aber  au«,  baß  fie  guoor 
nod)  einmal  mit  bem  ftudtfe  tanken  fönne.  töeinljart  ergriff  fie 
fofort  mit  feiner  ©djnauge  am  rechten  ^lüget  unb  fdjlenferte  fie 
(ufrig  im  Greife  tjcrum.  Die  ©an«  fduen  fein*  vergnügt  unb  fdjrie 
gum  Sange  fröljlidj  i§r  „Kijack!  Ktjack!*  morauf  ber  $\ui)$  mit 
einem  ebenfo  oergnügten  „Hopsassa!  Hopsassa!"  antmortete.  Äaum 
Ijatte  er  iebod)  biefen  <3frfubenruf  fyeroorgefioßen  unb  gu  bem  3roe<fe 
ben  ftlügel  ber  ©an«  au«  bem  ÜJkufe  gelaffen,  al«  biefe,  burü) 
ben  lang  in  ©djmung  gebraut,  plöfelidj  fid)  in  bie  tfüfte  erlmb 
unb  bem  ©eljöfte  guflog.  Dem  oerblüfften  $11$$  ™ef  \b  m  ^uÖe 
gu,  er  möge  fid)  nur  auf  bem  §ofe  geigen  unb:  „Bedenk  di,  be- 
denk dil"  rufen;  benn  fie  fyabe  nur  oor,  bem  ©auern  ben  gangen 
Hergang  ber  ©efdjidjte  gu  ergäben  unb  oon  tym  9(bfd?ieb  gu 
nehmen. 


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419 


Der  8'udjä  folgte  iljr  arglos*  naa),  frod)  in  beu  ©arten  uub 
rief  immer  fort:  „Bedenk  di!  Bedenk  di!"  um  bie  ©an£  baburd) 
aufmerffam  madjen.  Diefe  fd)wamm  wäljrenb  beffen  luftig  auf 
bem  Deidje  Ijerum,  uub  nadjbem  fte  ben  ^-uo}^  häufig  genug 
„Bedenk  di!  Bedenk  di!u  tyatte  rufen  laffen,  antwortete  fie 
enblidj  üom  Gaffer  ^er:  „Dü,  ik  häw  ml  all  bedächt"  3cfe* 
merfte  ber  <£ud)8,  baft  er  betrogen  mar,  uub  ingrimmig  fprad)  er 
p  fid):  „Daö  ift  baö  erfte  unb  lefctc  2)fal,  bafj  irfj  midj  am  (Snbe 
eines  Dinges  bebaut  Ijabe,  fünftig  merbe  id)  mit  bem  Söebenfen 
anfangen." 

9)tünblid)  aus  Syboro,  WreiS  Sdjlntue. 
563. 

Der  ftudjS  unb  ber  Qafyn. 

Der  t^djS  fyatte  ben  §au*l}afm  gefangen  unb  wollte  tt>n 
freffen.  Da  fpradj  ber  $alm:  „Du  äfynelft  aber  beinern  $>ater 
wenig.  Das  mar  bod)  ein  frommer  SDiann  unb  fprad}  oor  jeber 
ÜJfafylaeit  fein  Jifdjgebet."  Der  5'Utt)^  wollte  bem  2>ater  felbft  in 
ber  ^ftonimigfcit  itidjt  nacr/fieljen,  faltete  fdjnell  bie  Pfoten  ^ufammen 
unb  fprad)  fein  Oflebet.  ^nbem  flog  ber  $)afju,  ber  nun  frei  war, 
in  bie  §ö^e  unb  war  ber  ©efat^r  entronnen.  Ü)?i§inutig  rief  bar 
auf  ber  oHidjS.  „DaS  ift  baS  lefcte  ÜJlal,  bafc  id)  oor  ber  Wlafyi* 
äeit  gebetet  Ijabe;  oon  jefct  an  werbe  id>  baS  lieber  nadj  bem  CSffeu 
beforgen." 

(Sbenbaljer. 

564. 
Der  §afe. 

Der  $)afe  war  einmal  beS  i'ebenS  nberbrüffig  geworben.  „$&mi 
bin  idj,  armes  Dier,  überhaupt  auf  ber  3Belt?"  fpradj  er  bei  ftd;,  „ber 
aftenfdj  jagt  mid)  unb  £iere  unb  JBögel  töten  mid>.  Ueberau  tjabe 
iä)  fteinbe  unb  nirgenbs  einen  ftreunb.  3tt)  bin  baS  allerungliicf 
lidjfte  uub  furajtfamfte  ©efdjbpf  auf  ©otteS  drbbobeu.  Darum 
will  id)  tyngeljen  unb  midj  ertränteu." 

Qu  fdjnellem  tfaufe  eilte  er  einem  £eid/e  gu,  um  fein  $or* 
fjabeu  auSäitfüfjren,  erfdjrecfte  iebodj  burd)  feine  dritte  einen  im 
Ufergrafc  fifcenbeu  $rofd)  berma&eu,  baß  er  fiefy  in  £obeSaugft  fopf; 
über  in  baS  Gaffer  ftürjtc.    2US  ber  £afe  bie*  fal),  rief  er  »oller 

29 


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460 


3rreuben:  „2o  giebt  eS  beim  wirflidj  nod)  ein  Xter,  baS  furcht* 
famer  ift,  irie  tdj  bin,  nnb  fclbfl  oor  mir  ftngft  l}at?"  unb  ftol^ 
feljrte  er  wieber  nm  unb  badjte  ^infort  nie  wieber  baran,  fidj  ba3 
tfeben  $u  nehmen.  Wünblia)  aus  flrafcia,  Ätei*  prftentum. 

5()5. 
$er  ^Maulwurf. 

(SS  war  einmal  eine  ^Jrin^effin,  für  bie  Ijatte  ifyre  SWutter 
einen  Bräutigam  ausgewählt,  melier  jebodj  ber  ftot^en  (Jungfrau 
nid)t  $ufagte.  Da  ergriff  bie  Butter  großer  3orn/  uno  fte  öer* 
flud/te  unb  öerwünfdjte  ifjr  eigene^  Äinb. 

Der  ftörper  beS  9ftäbdjenS  fdjrumpfte  barauf  jufaminen,  unb 
üjr  fdjwarjeS,  fcibcncS  Sleib  legte  fid)  als  ein  fdjöner,  tiefjd>war$er 
Sammetpela  um  itm  fyerum,  furj,  aus  ber  fdjöncn  ^rin^efftn  warb 
ber  Maulwurf,  unb  fie  mußte  ÜWaulwurf  bleiben  für  immerbar. 

©eil  aber  Seibe  feine  Jrifee  annimmt,  fo  fyat  audj  baS  ÜWaul* 
Wurfsfell  wuuberbare  ilräfte  erhalten.  2Öer  fdjweijjige  §änbe  l>at 
unb  läßt  einen  lebenbigen  Maulwurf  jwifdjen  feinen  5m9ern  ftoben, 
bem  fdjwifct  bie  .J)anb  fortan  nie  wieber,  weshalb  bie  Wärterinnen 
eifrig  barauf  bebad/t  finb,  eins  biefer  Üierdjen  lebenb  $u  er^afdjen. 

Münblicfc  aus  ®arj  auf  «Rügen. 

$tc  Warten. 

ftlügere  Siere,  wie  bie  Watten,  giebt  eS  fidjerlidj  nirf>t.  (Sin 
9)fanu  Ijatte  einmal  in  einem  tfeffel  eine  große  üftenge  Watten  ge* 
fangen  unb  fdjlug  fie  tot  bis  auf  eine.  Die  naljm  fein  Wac^bar 
für  fidj  in  Slnfprud)  unb  fefete  fie,  fo  £it  fagen,  als  Podoogel  für 
feine  Watten  in  ein  großes  irbeneS  ©efäß,  welkes  er  in  bem 
«Stalle  eingrub.  Slber  bie  liftigen  Siere  bauten  gar  nidjt  baran, 
in  bie  ftaik  31t  gefjen;  fie  fdjleppten  oielmeljr  f leine  Steine  unb 
ÜHift  Ijerbei  unb  warfen  baS  tyrem  $ameraben  in  ben  Zop\  hinein, 
bis  berfelbe  fo  weit  gefüüt  war,  baß  bie  gefangene  Watte  aus  iljrem 
©efängnis  entfdjlüpfen  fonnte. 

©onberbar  ift  eS,  waS  für  ©inflüffe  9ttufif  auf  bie  Watten 
ausübt.   (Sin  93auer  banb  einer  gefangenen  Watte  eine  Klingel  um 


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451 


bcn  §alö  unb  jagte  ftc  bann  über  feine  gelber.  Da  eilten  alle 
hatten,  bie  bort  roofynten,  and  itjren  i'ödjern  nnb  toanberten  aus 
nnb  Ifaben  fid|  nie  roieber  auf  ba$  (Gebiet  biefeä  ÜttanneS  getoagt. 

Die  merfroürbigfte  Rattengefdndjte  ljat  fid)  aber  auf  Umntang 
gugetragen.  Dort  Waren  oor  altert  fo  »tele  Statten,  bafj  bie  Gin» 
toolmer  $ulefet  fid}  ifyrer  gar  nid)t  meljr  enoefyren  fonnten.  Da  er* 
fd|ien  ein  frember  Rattenfänger  auf  ber  ftnfel.  Der  fyat  für  ein 
gutes  Stücf  ®elb  alle  Ratten  gufammengetoeft  unb  bei  bem  Dorfe 
Söujj  burd)  ba£  ffiaffer  naaj  ber  fleinen  ^nfet  füblidj  Umman$ 
oertrieben,  bie  feitbem  Ratten  ort  Reifet.  Seit  jeuer  ßeit  trifft 
man  biä  auf  biefen  Sag  auf  Ummanz  feine  Ratten  mefyr  an. 

?luf  Rügen  ergäben  fidj  bie  tfeute  aud)  oon  einem  Ratten« 
fönig,  ber  eine  fdjöne,  gotbene  Ärone  auf  bem  Äopfe  trägt, 
folt  aber  feine  richtige  Ratte,  fonbern  ber  teufet  felbft  fein. 

Wiinbli*  au$  ben  Streifen  3ür|tentum  unb  S^Iaroe  unb  nneb  bcn  Sitten  ber 
$omm.  WefeUfdjaft  f.  (Mefdndrte.    SJeraL  Xeinme,  ^oltdfaaen  sJir.  128 

unb  £.  341. 

5G7. 

SBte'ä  gefommen  ift,  baft  bie  £unbe  bie  Äuodjen  erhalten. 

$ur  ^cit,  als  bie  ücre  noefy  fpredjen  fonnten,  Ijatte  einmal 
ein  Sd)läd)ter  eine  Äuf)  ge|cr)lad)tet.  Da«  frleifd;  tag,  fctjön  gitge* 
fyauen,  ba  nnb  wartete  nur  nod)  auf  ben  itäufer.  Da  fiel  bem 
sDJefeger  mit  einem  SDiale  ein,  ba§  er  feine  Steuern  311  bellen 
fjabe.  ©efcllen  unb  tfefyrburfdjen  fyatte  er  nid)t,  barum  fpradj  er 
bei  fia):  „Wat  sali  ek  däune?  Ek  niot  tom  Schulte  hen 
un  Klasseschteir  betäle.  Ek  weit  mi  keine  andre  Rat, 
as  dat  min  Hund  inot  hir  bliwe  6  dat  Fleisch  bewachte". 

„Schimmel",  fagte  er  beSfyalb  gum  {mnbc,  „du  most  hir 
bliwe  un  Poste  schtäne  bi  dem  Fleisch.  Dat  sägg  ek  di 
äbber  an,  dat  du  keinem  Wif  oder  Kerl  an  dat  Fleisch 
heran  lätst;  denn  jewes  wäre  hir  völ  Kerls  ö  Wiwer 
käme  ö  Fleisch  welle  koepe.  Tor  Belönung  jöw  ek  di 
he  dichdijet  Schteck;  dei  Knäke  wör  ek  rut  neme,  denn 
wat  sallsdu  met  dem  Knäke,  du  kannst  cm  ja  doch  nieh 
£te.    Nemm  äbber  ok  sülwst  nüscht  von  dem  Fleisch". 

29* 


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4f>2 


Der  §uub  tuar'S  aufrieben  uub  [teilte  fid>  als  Sädjter  auf, 
inbeS  ber  ed)läd)ter  jutn  3dm($eu  ging,  feine  Steuern  311  bellen. 
Der  Sajufje  roar  aber  ein  alter,  erfahrener  Wann,  fcon  bem  man 
ettuaS  fernen  fonute,  unb  wußte  fo  üiel  31t  erjagen,  ba§  ber  ©dtfäfy 
ter  ficf>  lange  toerfäumte.  Dem  §unb  warb  barüber  bie  3eit  lang, 
aitc^  befam  er  junger.  „Ach",  rief  er,  „ek  well  mi  he  Schteck 
von  dei  Kau  neme,  min  Meister  wart  dat  jäu  nich  bemarke". 

©etfyan,  trie  gefagt.  @r  rife  fia?  ein  mäßiges  <BtM  fcon  ber 
ftleifdjbanf  Ijerab  unb  üer^e^rte  e8  gierig.  $aum  tuar  er  bamit 
fertig,  al«  ber  3)?eifter  tjerein  trat  unb  fragte:  „Na,  wo  jöt  dat 

d!  hlr?"  „O,  ek  danku,  enuiberte  ber  $>nnb,  „mi  jSt  dat 
ganz  gaud".  Dabei  erljub  er  fid)  aber  nidjt,  fonbem  blieb  auf 
ber  @rbe  liegen  unb  rührte  fid)  nidjt;  benn  er  tiatte  ju  uiet  gefreffen. 

Den  <2djläd)ter  nmnbcrte  baS,  er  fal)  näfjer  311  unb  roarb  nun 
inne,  baß  tym  ein  großer  £cil  fcom  %hifäe  feljfe.  3orm9  fdjrie 
er  ba:  „Dü  dömliche  Hund,  wat  hast  du  mäukt?  Du  häst 
mi  jäu  he  dichdijet  Schteck  Fleisch  wechnäme;  ek  häbb 
di  doch  säggt,  dü  sallst  mi  nüscht  wechnöine,  ö  dü  häst 
dat  doch  däune.  Dü  best  jäu  he  ganz  niderdrächdijet 
Tir!  Tor  Sträuf  sallst  dü  von  nü  an  von  alle  Lid  nich 
dat  Fleisch  bekäme,  sondere  dei  Knäuke,  ö  dise  sallst  dü 
ok  nich  mal  bekäme,  wenn  dei  Lid  Cte,  sondere  wenn  sei 
alle  säd  send**. 

Unb  njirflid)  ift  e$  fo  gefommen.  Die  $unbe  erhalten  richtig 
feit  bem  Jage  öon  ifyren  .^)crrfc^aften  fein  ftfeifdj  meljr,  fonbern 
muffen  fidj  mit  beu  Änodjen,  ruetc^e  uon  ber  üttatj^eit  übrig  Mei* 
ben,  begnügen. 

sUlünblid)  au«  5Hecton>,  ÄtfiS  Sauenburg 
5G8. 

SBeafjalb  bic  £unbc  fid)  immer  beriedjen. 

Den  £>unben  mißfiel  e$,  baß  fic  toon  ben  ÜWenfdjen  ftetS  unb 
ftänbig  nur  9lbfätte  unb  trotfene«  5Jrot  jur  Wafjrung  erhielten.  Um 
Slbljüfe  $u  fdjaffen,  berief  man  eine  große  .ftunbeüerfammlung,  auf 
ber  eine  SSefdjroerbefdjrift  aufgefegt  würbe,  bie  an  ben  $Jürgermeifter 
uon  ^ßarte  gerietet  war. 


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453 


Da  allen  bie  Sadje  feljr  am  .^er^en  lag  uitb  fcfyleunige  $lb* 
Ijilfe  beS  ÜbelftanbeS  f einlief)  verlangt  würbe,  [o  wählte  man  ton 
fdjneüften  l'äufer  $um  Überbringer  beS  Briefes.  Seil  er  jebod)  ben 
Settel  nidjt  ben  gangen  *<ffieg  über  im  SOZanle  tragen  founte,  fo  mufcte 
er  ben  Sd)wana  eingießen,  nnb  man  flemmte  tytn  baS  SBlatt  floi* 
fcfyen  Sdjwanj  nnb  Sdjenfel  ein.  Sobann  lief  er  feines  5öegeS 
baljin  unb  tarn  babei  an  ein  fteineS  Gaffer,  über  baS  Weber  2öeg 
nodj  Steg  führte. 

9BaS  war  ba  ju  madjeu?  hinüber  mufete  er;  er  fprang  alfo 
hinein  unb  fd)wamm  auf  bie  anbere  Seite.  ?lber  wäfyrenb  beS 
SdjwimmenS  ftreefte  fid}  ber  eingebogene  Sdjwanj  in  bie  $öf)e,  ber 
3ettel  würbe  von  bem  SBaffer  mit  fortgeriffen,  unb  als  ber  $unb 
ben  Sdjaben  merfte,  war  längft  Feine  Spur  meljr  ton  bem  Schreiben 
311  fefyen.  Da  war  es  natürlich  mit  ber  ^arifer  Steife  3U  @nbe;  aber 
aud)  3U  ben  Seinen  jurürfgufe^ren  wagte  ber  uuadjtfame  93ote 
nidjt,  weil  er  Sd)anbe  unb  Strafe  fürchtete.  (£r  blieb  alfo  in  ber 
©egenb,  in  ber  tym  fein  Unglncf  jugeftofjeu  war,  jurüd  unb  friftete 
bort  fein  i'eben,  olme  ben  anbern  .<punben  irgenb  weldje  9iad)rid}t 
$ufommen  $u  laffen. 

Diefe  warten  barum  nodj  heutige«  XageS  auf  bie  föiirffefyr 
tyres  Eilboten  oon  ^ariö,  unb  wenn  fie  irgenb  einen  fremben  .Jmnb 
erblicfen,  fo  eilen  fie  auf  if)n  ju,  guefen  ifnn  unter  ben  Sdnoanj 
unb  befe^en  u)m  bort  feinen  ya%. 

SRünbltd)  am  ftrafeig,  «tei*  ^ürfteiitum. 

569. 
Rafft  föridjr. 

(Sin  Änedjt  ging  am  91benb  aus  i<enfun,  um  einen  befreun* 
beten  dauern  im  sJtod)barborfe  311  befugen.  Unterweg«  fal>  er  an  ber 
Strajje  einen  alten  tfater  ftfeen,  ber  i^mjurief:  „Du,  gruesz  man 
jügen  Kater  un  sägg  em:  Kasper  is  död". 

Der  Änedjt  langte  in  bem  §aufe  feines  Sefannten  an,  unb 
als  er  beffen  großen  Äater  auf  ber  Ofenbanf  liegen  faty,  erinnerte 
er  fid)  an  fein  Abenteuer  unb  fprad)  gu  tytn:  „Na,  ull  Kater, 
man  hat  ini  sächt,  ik  sali  di  grueszen  un  sali  dtsäggen: 
Kasper  is  död".  taum  fyatte  er  biefe  ©orte  gef proben,  als  audj 
ber  flater  jäfj  oon  feinem  $lafce  auffuhr,  fömerjlid)  bewegt  föne: 


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454 


„0,  6,  dat  saer  h6!"  sunt  ^enfter  tynau«ful)r  unb  auf  Limmer* 
toieberfeljen  oerfdjroanb. 

OTünblid)  aus  ^enfun,  ßreiö  SRanboro. 
570. 

Äo^en  barf  man  bei  Wad^eit  nirf)t  anrebcn. 

W\t  bcn  ftafcen  ift  e«  gar  p  fd&limm.  ©äuflfl  fi"P  e«  ber- 
toanbelte  £>eren  ober  gar  ber  Teufel  felbft.  SDfau  fanit  fidj  barum 
t>or  iljnen  nid)t  genug  in  adjt  nehmen. 

©ine«  9ia$t«  gingen  $rcei  Äuedjte  burd>  ^enfun.  Sajj  ba 
eine  frfimarje  5la^e  an  ber  ÜWauer.  .Blum,  hüs,  e  Katt!"  rief 
ber  eine  feinem  ftreunbe  ©lufjm  311.  %m  felben  9lugenblicfe  mv 
ba«  Xier  oerfdjnnmben  unb  ber,  weiter  bie  ©orte  gefprodjen,  er* 
fyielt  üon  unfidjtbarer  £>anb  eine  fo  gemaltige  Cfjrfeige,  bafj  er  auf 
ber  Steife  ba«  ($ef)ör  tertor  unb  taub  geblieben  ift  fein  lebelang. 

£a$  Sidjerfte,  trenn  einem  jur  Wacr^eit  ber  $öfe  ober  eine 
.freje  in  Weftalt  eine«  fcbtvargeit  $unbeä  ober  einer  fc^toar^en  äafce 
begegnet,  ift  immer,  fogleidj  über  ba«  ©agengeleife  ju  treten ;  beim 
über  ein  ©agengeleife  fann  fein  Spuf  ger/en,  möge  er  audj  nod) 
fo  ftarf  fein. 

3WünbIid)  auss  ^enfun,  Ärci^  Sanboro,  unb  Jempellnir«,  Äreis  fteuftettin. 

571. 
$a«  $fcrb. 

$ie  l'eute  erjät^cn,  jebe«  <ßferb  fönne  fidj  nur  einmal  im 
^abre  fatt  freffen,  unb  ^toar  foll  ba«  folgenbe  33en?anbtui«  fyaben: 

$?or  t>iclen  ^aljren  tücibete  eiuft  ba«  *ßferb  an  bem  Ufer  eine« 
Jyluffe«  unb  flieg,  als  e«  fid)  fall  gefreffen,  in  ben  <Strom  hinein, 
um  bort  31t  baben.  £)a  fam  ber  liebe  ©ott  be«  ©eg«  bafyer  unb 
wollte  über  ben  ftlufl  gefjnt.  ©eil  jebod)  gerabe  fjofyer  ©afferftanb 
toar  unb  unferm  Herrgott  ba«  ©aten  nid)t  anflanb,  fo  rief  er  bent 
"Pferb  31t,  e«  möge  31t  ifjm  fomiuen  unb  ilju  hinüber  tragen.  2Hodjtc 
ba«  yflidjtoergeffene  £ier  nun  benfeu,  fein  |)crr  unb  ©ajöfcfer  fönne 
aud)  olme  feine  SJeifyilfe  über  ba«  ©affer  fommen,  ober  motzte  e« 
fonft  etwa«  im  Sinne  Ijaben,  fur3,  c«  tljat,  al«  Ijabe  e«  nid)t«  ge> 
Ijört,  fdnoamm  auf  bie  anbere  Seile  be«  $luffe«,  ftieg 
£anb  unb  ging  bann  unbefümmert  feinen  ©eg  weiter. 


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455 


Da  fprad)  ber  liebe  @ott:  „Du  unbanfbare«  $ier!  ©eil  bu 
folc^ed  gettyan  ^aft  unb  mid)  nic^t  $aft  hinüber  tragen  wollen,  fo 
follft  bu  üon  nun  an  gur  ©träfe  nur  einmal  im  3afyre  bid)  fatt 
effen  fönnen".  Unb  wie  unfer  $errgott  gefprodjen,  fo  ift  e«  audj 
gefeiten.  Da«  iJferb  mag,  wenn  e«  9?u^e  fjat,  freffen  fo  öiel,  wie 
e«  Will,  fatt  Wirb  e«  niemal«.      Wünblia)  au«  <H«!oa\  Är.  Sauenburg. 

572. 

Slnber«  er^len  bie  eben  berichtete  ©eföidjte  bie  alten  tfeute 
im  Greife  flianbow.  Darnadj  war  e«  nidjt  ber  liebe  ©ott,  fonbern 
ber  |>err  Gf>rifiu«,  Welver  ba«  $ferb  aufforberte,  ifjn  über  ben 
ftlujj  $u  tragen.  @r  t^at  bie«,  ntd>t  weil  er  fonft  ben  ©trom 
lüc^t  ljätte  überfdjreiten  fönnen,  nein,  er  wollte  nur  feljen,  ob  aud) 
bie  unoernünftige  Rreatur  fieb  iljrem  §errn  unb  $>eilanb  erfenntlidj 
geigen  mürbe. 

211«  ba«  föojj  tym  ben  i'iebeSbienft  üerweigerte,  öerfludjte  er 
eö  unb  ftrafte  e«  bamit,  bafj  e«  ftct>  fein  lebelang  nidjt  fatt  freffen 
fönne.  Dann  fdjritt  er  auf  ba«  9iinb  $u,  welche«,  nidjt  weit  oon 
ber  Stelle  entfernt,  auf  ber  SBiefe  grafte,  unb  richtete  an  baSfelbe 
bie  gleite  ftorberuug,  wie  an  ba«  ^Jferb.  Da«  fanftmtitige  fftinb 
geljordjte  fofort,  nafym  ben  $errn  ßljrifi  auf  feinen  breiten  Würfen 
unb  burdjfdjwamm  bann  ben  ^lu§. 

„Dein  ©eljorfam  foll  nidjt  uubelolmt  bleiben,"  fagte  ber 
.f)ei(anb  freunbtict)  unb  ftieg  oon  bem  $iere;  „üon  Ijeute  ab  foll 
bir  einmalige«  futtern  mel>r  fjelfen,  wie  bem  ^ferbe  fein  anljaltenbeö 
^reffen."  Unb  fo  gefdjalj  e«  audj.  Da«  ^Jferb  frijjt  ben  ganjen 
Tag,  folange  e«  nur  an  ber  Strippe  gelaffen  wirb,  unb  wirb  bod> 
nidjt  fatt.  ^ur  bann  ruf>t  e«,  wenn  ifjm  bie  Äinnbarfen  üon  bem 
ßauen  webe  tljun;  ba«  9tinb  bagegen  ifl  oöllig  gefättigt,  fobalb  e« 
eine  ©tunbe  gefreffen  t)at. 

3RünMid)  aud  3^be(dborf,  Srtei$  ftanboro.   Sgl.  aud)  Hrnbt,  2Jtätd>en 

unb  ^ugenberg.  II.  ©.  3—4. 

573. 

Hinter  oerfünbeu  ben  tob  tyre«  $trrn. 

Qn  ber  ifteujaf)r«nadjt  awifdjen  elf  unb  jmölf  U§r  reben  bie 
Xiere  in  menfälidjcr  ©pra^e.    diu  Odjfenfnectyt  wollte  gerne 


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45f> 


wiffen,  ob  fidj  ba§  wirflid)  fo  oerfyalte,  unb  legte  fid)  beäfyalb  in 
bie  fflaufe.  nun  bie  Stiiube  fam,  ergäljUen  fid)  bic  föinber 

bie  ©rtebniffe  beS  alten  ^a^rc^  unb  ber  eine  Ccbfe  fprac^:  „&aö 
wirb  woln*  unfer  in  bem  neuen  3af>re  warten?"  —  „^a,"  fagte 
ber  aubere,  „unfere  erfte  Arbeit  wirb  fein,  bafe  wir  unfern  £>errn 
auf  ben  ftirdjfjof  fahren." 

darüber  erfdjraf  ber  Snedft  fo  fein-,  bafe  er  franf  tourbe,  fid) 
Einlegte  unb  ftarb;  bie  Crfrfen  aber  3ogeu,  n?ie  fie  oorfcer  oerfünbet 
Ratten,  feine  Veid;e  auf  ben  ftirdjfjof- 

WiinMid?  aus  2r$cbintton>,  Äwi«  SMitoro. 

574. 

Ter  Strien  ber  Ööflel  mit  ben  tnerffifttgett  Jteren. 

I. 

Oietnr>art,  ber  ftudjs,  Ijatte  bem  ."pafjn  bitter  Unrecbt  getfyan. 
Die  fcbönften  Rennen  Ijatte  er  ilnn  erwürgt,  unb  leer  ftanben  bie 
$)üt)nerbalfen  ba,  auf  benen  fonft  bie  fleißigen  5>ögel  faum  gebrängt 
ben  nötigen  ^lafc  gur  ^iadjtrulje  finben  fouuten.  Um  fid)  föedjt  gu 
fdjaffen  ob  biefer  fdjreienben  ftreoeltljat,  trat  ber  .ftafcn  cor  ben 
Söuig  ber  Siere  unb  oerlangte  bie  $eftrafung  beö  argtiftigen  ^Rein* 
fyart.  2lber,  wie  eö  fo  auf  ber  Seit  gu  gelten  pflegt,  ber  ftud>S 
fonnte  fdjmeidjeln  unb  gute  SStorte  machen,  fonnte  fid)  oor  bem 
l'öwen  winben  unb  brefjen,  ber  biebere  $alm  tfjat  weiter  nidjtd, 
als  ba§  er  treu  unb  efjrlid)  ben  gangen  Hergang  ber  Sadje  er* 
gäblte,  uub  ba«  (Snbe  öom  Viebe  war,  bafe  ber  ftreoler  freigefprodjen 
unb  ber  gefränftc  Äläger  mit  feiner  ftlage  abgewiefen  warb. 

Da  ergriff  ben  $aljn  geregter  £orn,  er  berief  eine  ^erfamm* 
liiug  ber  3>ögel  unb  trug  ilmen  ben  $anbel  oor.  Der  fliedjtsfprudj 
be§  tföwen  erregte  tjier  baS  größte  9J?if?fallen,  unb  naef;  langem 
.£>inuubfjerrebeit  warb  ber  33efd)lu§  gefaßt,  allem  oierfüfeigen  ©etier 
ben  ftrieg  angufagen.  Die  ,£)erau$forbcrung  würbe  oon  ben  Bieren 
angenommen  unb  Jag  unb  Crt  feftgefefct,  ba  ber  (5ntfd)eibungS< 
fampf  oor  ficf)  gefjeu  follte. 

GS  war  ein  fdjöner  3)?orgen.  Die  3?ögel  fdjwebten  über  bem 
freien  $elbe,  bie  IMerfn&ler  Ratten  fid)  am  (Saume  be§  SffialbeS 
im  bi*ten  Stfufcf/Werf  gelagert.    3§r  ^elbljerr  war  ber  ftnäfS, 


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457 


lojljrenb  bic  gcfteberte  3Belt  oon  bem  .$alw  geführt  würbe,  toeldjcr 
jtoifdjen  beibcn  .^ccren  f)od)  oben  auf  bem  SSipfel  eine«  Saunte« 
IMafc  genommen  fyatte  unb  oon  bort  au«  mit  getoaltiger  Stimme 
feine  (betreuen  leitete.  3"  Weingarts  ^elbfagrr  ging  e«  ruhiger 
3u,  beim  er  r>atte  bie  einzelnen  Raufen  unter  bie  (Großen  beö 
£ierreid)«  oerteilt  unb  lief?  iljnen  bie  Befehle  $ufommcn  burdj  feinen 
Sdjnelllänfer  Martin,  ben  $afeu.  9lud)  Ijatte  er  überall  befannt 
gemadjt,  man  follc  nur  gute«  2)?ute«  fein,  e«  tonne  am  Sieg  nidjt 
fehlen.  Sie  follten  nur  aufmerffam  auf  feinen  bufdjigen  Sdjtoeif 
adjten.  Solange  biefer  fid)  flolj  in  bie  i'uft  ergebe,  fei  ba«  Srieg«- 
gliicf  auf  iljrer  Seite;  muffe  er  ben  3d}wanj  aber  fallen  laffen, 
bann  freiließ  fei  alle«  Oerloren. 

Anfang«  fetyien  bie  ^ßroprjegeiung  SReintjart«  fid)  betraf 
betten  31t  follen.  Ungebulbig  barüber,  baß  bie  ^einbe  feine  3)?iene 
matten,  mit  bem  Kampfe  311  beginnen,  befdjloß  ber  .ftafyn,  felbft 
Sunt  Singriff  $u  gelten,  unb  gab  93efef>l,  baß  alle  großen  Vögel :  bie 
?lbler,  Störche,  Waben,  Clftern,  Gulen,  SReifyer  unb,  lüie  fie  fonft 
nod)  Reißen  mögen,  auf  bie  Vierfüßler  eiubrängen.  Slber  roa«  fyalf 
ben  Vögeln  all  tf»r  $hieg«mut?  ©enn  fie  fid)  aud)  bie  frlügel  ttninb 
fälligen,  in  ba«  Salbcsbirfidjt  fonnten  fie  bod)  titefft  gelangen; 
fie  mußten  fid)  alfo  nad)  fyartcr  Arbeit  unter  bein  $ofmgeläd)ter 
ber  $eiube  jiirücfyieljen  unb  frolj  fein,  baß  fie  nidjt  mcljr  Sdjaben 
gelitten  Ratten. 

Siege«getoiß  fdjtoenfte  ber  ftud)3  feinen  roten  Sdjroeif  in  ber 
Vuft  fyerum,  ber  .§afyn  aber  ließ  fid)  baburd)  nidjt  beunruhigen, 
„konntet  ifjr  Größten",  rief  er  ben  gefd)lagenen  Vögeln  311,  „ben 
Sieg  nia)t  erringen,  fo  toirb  e«  ben  tfleinften  fidjerlid)  nid)t  fehlen!" 
unb  bamit  fanbte  er  bic  .^ornbrut,  al«  ba  finb:  .Jjorniffen,  Sremfen, 
2t*efpen  unb  fo  toeiter,  gegen  beu  ^eiub.  £m!  ©ie  fdjnurrte  unb 
fummte  ba«  in  ber  £uft,  al«  fie  gegen  ben  SBalb  anrüeften!  ®an$ 
oorne  ßaub  SWeinfjart,  unb  barum  traf  ilm  aud)  bie  Dtadje  ber  er« 
■jürnten  .gornbmt  am  erfteu.  3m  9iu  fyatte  fid)  ein  großer  Sdnoarm 
ber  böfeu  .^orniffen  auf  il)n  Ijerabgefenft  unb,  loäfyrenb  il)m  bic 
einen  um  9lugcn  unb  Oljren  fdjtoirrten,  frod)  ibm  ber  übrige  £eil 
unter  ben  erhobenen  Sdjtocif,  baß  er  laut  Ijculenb  ben  Sttebel 
3)oifdjen  bie  Seine  fniff  unb  baoou  jagte. 

„Sa*  ift  bir  benn,  ®eoatter  $ud)«",  rief  ba«  loilbe  Sdjrocin 
ifjm  511,  „bu  ffie^ft  ja,  et>c  bie  Sriilad)t  beginnt?"  —  ,f9ldj,  alle« 


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458 


if!  aus,  ©eoarter  93är",  jammerte  Steinhart,  „eben  ijat  ber  Äampf 
erft  begonnen  unb  fc^on  Ijab'  idj  fieben  Sduiffe  im  £)interteil." 

?l(S  baS  milbe  Sdrtoein  unb  bie  anberen  Üiere  baS  oernafjmeu, 
ba  löfte  fid)  if>r  ganzes  |)eer  in  milber  3rlud)t  auf,  unb  ein  jeber 
fudjte,  bafc  er  möglidjft  batb  feine  §öfjle  erreichte  unb  ber  Üiaa^e 
ber  93ögel  entging.  So  mürbe  burdj  bie  Meinen  ^orniffen  baS  ge* 
maltige  ,f)eer  ber  oierfüfjigen  Üiere  gefdjtagen,  unb  ber  $)a^n  mar  an 
feinem  Xobfemb  föeinfyart  unb  an  bem  ungerechten  9tid)ter,  bem 
Dörnen,  geragt. 

9Jtünblid)  nuS  ©egejin,  ÄrciS  Inflam. 

IL 

©S  mar  in  ber  fcfybnften  $rüf)lingSgeit.  $ie  93ögel  Ratten 
ir)re  9iefter  fertig  gefteltt,  bie  (Sier  ausgebrütet  unb  maren  jefet 
eifrig  befdjäftigt,  bie  hungrige  93rut  mit  92a^rung  ju  oerforgen. 
$)aS  prächtige  3Better  fyatte  aud)  bem  33ären  feine  9tul)e  in  feiner 
bumpfen  $öf>le  gelaffen  unb  fdjmerfällig  tappte  er  an  ben  53ud)em 
berfen  entlang,  ob  er  nidjt  irgenbmo  etmaS  für  feinen  SRageu  fänbe. 
©ei  biefer  Söanberung  ftiejj  er  auf  baS  sJiejt  beS  sJieffelfönigS,  ber 
jebodj  mit  feiner  ®emal}lin,  ber  Weffelfönigin,  jur  3eit  fierabe  auf 
ftliegenfaugen  ausgeflogen  mar. 

9US  er  bie  naeften  jungen  in  bem  tiefte  erblicfte,  lachte  ber 
grobe  ©efcll  taut  auf.  „9ia,  tyx  Satybucfen",  (fo  nannte  er  fie, 
meil  fic  nod)  gang  fafyl  maren  unb  feine  einzige  fteber  an  tfjrem 
Veibe  trugen)  fagte  er;  „maS  mad)t  tyr  benn  ba?"  £>ann  manbte 
er  geringfdjäfeig  fein  ©efidjt  oou  tynen  ab  unb  trottete  gemädflidj 
meiter.  Diefer  Sdjimpf  ful)r  beS  9ieffelfönigS  Äinbern  gemaltig 
in  bie  Srone.  Sie  gelten  fidj  für  tönig«  Äinber,  nannten  fid) 
^ringen  unb  follten  fidj  nun  oon  bem  garftigen  93ären  ungeftraft 
Äaljlbucfen  freiten  laffen?  Sttein,  baS  ging  nidjt  an.  SllS  bie 
beiben  Sitten  gurücffeljrten,  erflärten  fie  barum  runb  meg,  fie  mürben 
feine  ^afyrung  meljr  annehmen,  menn  nid)t  guüor  ber  23ar  megen 
feine«  Übermuts  beflraft  fei. 

$ie  (Sltem  fugten  bie  Äleiuen  ju  beruhigen,  aber  all  tyr 
hieben  fyalf  nidjts,  fie  mußten  mofjl  ober  übel  baS  gange  ©ogetyeer 
gufamnienrufen  unb  bem  SBären  ben  ftrieg  erflären.  Slber  ber  93ar 
mar  aud)  nidjt  allein;  iljm  franben  alle  üierfüfjigen  £iere  bei,  unb 
fo  festen  es  311  einer  großen  ftelbffyafy  fommen  $u  follen.  ©anner» 


459 


träger  unb  oberfter  #elbljerr  war  bei  ben  Bierfüßlern  ber  $ud)8, 
beim  ber  trug  baflumal  ben  Sdjmanfl  I)öfyer  als  alle  übrigen  £iere 
uub  war  beSfjalb  leidjt  feuntlidj,  audj  im  bidjteften  Äampfgewüf>l. 
,,^o  lange  id>  meinen  Bufdj  l)od)  fjalte",  fyatte  er  ben  anbern  ge* 
fagt,  „fo  fange  getyt  ed  und  gut;  lag  icf>  it)n  aber  fiufen,  bann  ift 
alles  verloren." 

©ie  bie  @ntftt>ibungafd)tad)t  gefdjlagen  Werben  follte  unb 
bie  beiben  §eere  einanber  fdjon  gegenüber  ftanben,  frfjtcfte  ber  Reffet* 
fönig  Spione  au$,  um  bie  Stellung  beS  ^einbe«  $u  erfunben.  Der 
erfte  tfunbfdjafter  war  bie  2D?ücfe.  Sie  flog  auf  ben  ftuc^S  3U, 
fummte  if>m  um  klugen  unb  Cfjreu  Ijerum  unb  fdjrie  babei,  wie 
ftc  31t  tf)un  pflegt:  „ftrinnb!  ftrinnb!"  SBeiter  fonnte  fie  aber  and) 
uidus  auSridjten  unb  mußte,  otjne  befonbereu  3iufeen  gemirft  ju 
fjaben,  wieber  jurütffe^ren.  Da  fanbte  ber  iNeffelfonig  bie  Biene. 
Die  flog  auf  ben  ftucf)3  311,  Frod)  ifmt  unter  ben  Sdjroeif  unb  ftadt) 
iljn  in«  ^teifdr).  3lbcr  töetmjart«  ^etl  n?ar  bitf,  ber  Stapel 
ber  Biene  braefy  ab,  unb  ber  gai^e  ©rfolg  war,  baß  ber  $ud)3 
ein  wenig  mit  bem  Sd^wan^e  3ticfte. 

Die  Bierfüßler  glaubten,  e3  wäre  eine  üble  Borbebeutung, 
aber  iljr  Bannerträger  rief  iljnen  ju:  „ftürdjtet  CU(*)  nWt  l$ 
flolpertc  nur  ein  wenig".  211*  aud)  bie  Biene  uiwerridjteter  Dinge 
^eimfeljrtc,  fc^tefte  ber  ^effelfönig  bie  2£efpe.  £ort  brummte  fie 
biefelbe  Straße,  welche  bie  Biene  genommen  Ijatte,  aber  iln*  Stid} 
faß  beffer,  ber  fdjarfe  Ütfefpenftadjel  bohrte  fid)  tief  in  Wein* 
fyartä  öMcifd)  hinein.  £mi,  wie  fniff  ba  ber  ftud>3  feinen  Sdjwana 
3Wifdjen  bie  Beine.  Uub  ba  er  firf)  uor  weiteren  Stilen  fürchtete, 
nafnn  er  töeißauS,  fo  frfmeü  feine  $üße  ifm  31t  tragen  oermodjten. 

ber  %üt)m  flof>,  gelten  aud)  bie  anbern  Bierfüßler  uictyt 
länger  ftanb,  foubern  alle  eilten  in  wilber  3lud)t  it)rcn  .£)öfylen  3U 
unb  t»erfa)wureu  fid)  i)od)  uub  teuer,  nie  wieber  mit  bem  Bögeloolf 
einen  Stieg  anzufangen. 

Der  ^aunfönig  aber  entließ  freubig  fein  fiegreidjeS  §eer  uub 
t?erfünbete  ftol$  feinen  Äinbern,  baß  ber  ftrefel  beS  Bären  an  ber 
ganzen  bierfüßigeu  Tierwelt  gerächt  fei.  Da  Ratten  aud)  bie  kleinen 
feinen  ©runb  mefyr  ju  jungem  unb  ließen  fid)  willig,  wie  juüor, 
mit  fliegen  unb  anberen  lederen  Speifen  äfceu.  Daß  e$  jebod) 
mit  biefer  ©efdudjte  feine  9Jid)tigfeit  fmben  muß,  erfennft  bu 
leidjt  barauS,  baß  bu  niemals  ben  %ud)&  mit  erhobener  9iute 


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460 


wirft  über  baS  ftelb  fctylei^en  feljen.  sJJodj  immer  fürchtet  er,  ber 
9feffelföntg  möchte  wieberum  eine  Sefpe  gegen  if)n  fenben,  mib 
uod)  immer  nityt  \)at  er  es  oergeffen,  wie  welj  ein  Sefpenfttdj 
tljut,  jumal  wenn  er  gerabe  unter  bem  eajweif  in  ben  ftörper 
hineinbringt. 

TOünblid)  au«  3abfl£botf,  ÄreiS  SRanboro. 
575. 

©e«(>alb  bte  ®änfe  t>or  ben  Sdjafen  über  bte  Stößeln 

getrieben  werben. 

ftrüf)er  Ratten  bie  ©änfe  allen  ©runb,  mit  ihrem  Bä)id\a[  un- 
aufrieben  ju  [ein.  Überall  würben  fie  $urücf gefefet ,  felbft  bte 
Schafe  Ratten  eS  beffer  wie  fie;  benn  wenn  bie  (Ernte  beenbet  war, 
gönnten  ilmen  bie  mifegünftigen  3)?enfdjen  nidjt,  auf  ben  Stoppel* 
felbern  bie  tofynenbe  sJ?ad)lefe  $u  galten,  nein,  ba  mußten  3uerft 
bie  bummen  Hammelherben  hinüber  getrieben  werben,  unb  nur, 
wa$  biefe  nidjt  f reffen  motten,  fiel  ben  armen  (hänfen  als  ifjr 
Anteil  5U. 

9?uu  lebte  einmal  ein  fehr  angefeilter  2flann.  T>er  warb 
plöfetid)  fterbeu*franf,  unb  fein  9tr$t  fonute  mehr  Reifen.  £eiue 
#rau  weinte  unb  jammerte  ben  ganzen  Jag,  fo  bajj  fd)liefcli(f>  ber 
alte  ©änferich  auf  bem  $>ofe  oou  ihren  klagen  gerührt  würbe. 
„3-rau",  fpracfj  er,  „wenn  beiu  SWann  eine  ©an«  wäre,  fo  wollte 
ich  ihn  retten;  aber  ba  er  ein  2Henfdj  ift,  wie  alle  unfere  Unter- 
brüefer,  fo  mag  er  nur  immerhin  feinem  Reiben  erliegen".  —  „Sie 
wollteft  bu  ba$  wohl  aufteilen,  bie  Äranfheit  $u  feilen?"  fragte 
ba£  SBeib  oerwunbert.  —  „O,  baS  ift  gar  nicht  fo  fdjwer,  wie  eö 
ausfielt",  entgegnete  ber  ©änferid),  „braufjen  in  bem  SBalbfee 
wädjft  ein  $raut,  Weldas  nur  wir  ®äufe  fenuen.  2ßer  baoon  i$t, 
ber  wirb  gefunb  511  ber  f elbigen  <©tunbe." 

211$  bie  ftrau  ba$  ^örte,  bat  fie  ben  ©änferidj  inftänbig, 
er  möge  bod)  baS  Söunberfraut  irbeibringen,  e8  folle  ihm  aud) 
reid}lid}  belohnt  werben.  „92un  gut",  fprad)  ber  SBogel,  „wenn  bu 
mir  öerfprichft,  bafj  bie  9Kenfd;eu  fortan  und  nicht  met)r  fo  jurürf» 
fe|sen  unb,  wie  es  billig  ift,  unS  oor  ben  Schafen  bie  ©toppelfelber 
abweibeu  laffen,  fo  will  id)  beiner  Sitte  willfahren."  Die  ^rau 
oerfprad;  in  ihrer  $)cr$eiiSangfi  alles,  unb  ber  ©änferid)  flog  in 


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461 


ben  $Balb  unb  fefyrte  nadj  Turner  ?yrift  mit  bcm  munberbaren  Oqc'iU 
traut  gurürf.   ÜJian  gab  bafon  bcm  Sfranfen  ein  tuenig  311  effen, 
unb  ridjtig,  bie  ftranffyeit  toid)  fogleicfy  oon  itym,  unb  er  loarb  gc 
funber,  wie  je  junwr. 

9lber  in  feinem  ©Kirf  oergajj  er  feines  9Bot)Itljäter«  nidjt. 
(Sr  er^ä^lte  ben  beuten,  toeldj  großer  Dienft  iljm  Don  ben  ©änfen 
erliefen  fei,  unb  ba  festen  bie  <D?enfd)en  für  alle  Reiten  feft,  bafj, 
fobalb  bie  Ce^te  ©arbe  öom  ^elbc  fyeimgeljolt  fei,  bie  ®änfe  über 
bie  Stoppeln  getrieben  würben  unb  erft  bann,  menn  biefe  nidjt« 
mel>r  finben,  bic  Sdjafe.  Unb  fo  ift'«  geblieben  bis  auf  ben 
Ijentigen  Xag. 

"SDfünblid)  nuS  Seijlöbocf,  &rei$  Örimmen. 
57G. 

$er  ftbebor  ein  iHittergutSbcftycr. 

Der  Slbebor  ift  ein  oertoanbelter  3tittergut«befifeer,  wie  au« 
folgenber  ©efctyidjte  geuugfam  erhellt: 

©in  Sauer  ^atte  bem  2lbebor  auf  feinem  Daa>  ein  rote« 
Sanb  um  ben  .§al«  gebunbeu,  um  fid}  baoou  311  überzeugen,  bafe 
bie  Störte  jcbcö  3af>r  mieber  if>re  alten  Hefter  auffudjen.  Sil« 
nun  ba«  nädtfte  Orrüftaljr  fam  unb  ber  Slbebor  roirflid)  ba«  rote 
Sanb  nodj  um  ben  §al«  gebunben  trug,  fagte  ber  Sauer  $u  feiner 
ftrau:  „Fru,  wi  wolle  doch  mal  dem  Adbör  futtre,  dann 
wäre  wi  mal  seine,  wat  hei  uns  tom  L6n  jßwe  wart". 

Unb  fo  ü)at  er  aud>.  Der  Slbebor  befam  jeben  £ag  fein 
gutter  unb  fyatte  nic&t  me$r  nötig,  auf  bie  Jöiefen  ju  fliegen  unb 
bort  ftröfcfje  ju  fud>en.  Sit«  e«  nun  £erbf*  ttmrbe  unb  bie  geit 
Ijerannatye,  mo  bie  Störte  roieber  fort  fliegen,  faty  ber  &bebor 
immer  fetyr  traurig  au«,  unb  iebe«mal,  toenn  ber  Sauer  über  ben 
§of  ging,  war  e«  Üjm,  al«  riefe  eine  (Stimme  00m  Dadje: 
toiü  bir  einf*  ben  Coljtt  für  beine  SBo^ltljaten  geben".  Der  3J?ann 
fetnle  fidj  jebod)  nidjt  oiel  barau,  fonbern  fagte  nur  $u  feiner  grau: 
„Frü,  mi  schint,  as  wenn  dei  Ädbör  tau  mi  s6d:  $dj  will 
bir  lofjnen". 

Die  Störte  sogen  ab,  ber  Sinter  fam  in«  i'anb,  unb  für 
ben  Sauern  begann  eine  redete  Unglü<f«jeit.  (Sin  Stücf  Siety  naa) 
bem  anbern  fiel  tym  unb  gu  guter  Sefet  aünbete  tym  gar  nodj  ein 


462 


Söfetot$t  ba«  §au8  über  bem  $opfe  an.  So  mar  er  gum  Bettler 
gemorben  unb  befdjloß  mit  fetner  ftrau  au«gumanbern,  um  in  einem 
onbern  tfanbe  fein  ®tücf  gu  oerfndjen. 

«Sie  sogen  immer  nadj  Süben  gu  unb  tarnen  fdjließlidj  audj 
an  ba«  große  SÖaffer,  ba«  im  Wittag  liegt,  £>ier  ließen  fie  ftdj 
überfein  unb  betraten  nun  ©egenben,  in  benen  wenig  tfeute  molm« 
ten,  unb  bie  bort  mofynten,  maren  noa)  bagu  gang  fdjmarg.  (Snbltd) 
famen  fie  auf  ifjrer  Säuberung  auefj  an  ein  große«  ®ut,  unb  ba 
fie  junger  Ratten,  fo  fpracben  fie  an  unb  baten  bie  §errfdmft  um 
Speife  unb  Iranf. 

Da«  mürbe  iljnen  bereitmillig  gemährt;  bodj  als  fie  fidj  fatt 
gegeffen  Ijatten,  mar  ber  Sauer  in  großer  Serlegenfyeit,  momit  er 
bie  Semirtung  oergelten  follte,  benn  oou  ©elb  unb  ©elbe«mert  befaß 
er  nify«  meljr.  <£r  fprad)  barum  gu  bem  ©ut«befifeer:  „Sei  häbbe 
mi  tö  Eton  jöwt,  6  ek  bim  met  min  Frü  ser  säd.  Ek 
häbb  nü  obber  nüscht  bi  nii,  dat  ek  cn  kunn  dat  Ete  bltale." 

211«  ber  föittergut«befifeer  bie  (Stimme  be«  üttanne«  f>brte, 
fam  fie  itym  befannt  uor,  unb  er  rief  feine  ftrau  feitmärt«  unb 
fprad)  gu  u)r:  „9)tir  tommt  e«  fo  oor,  al«  fei  bie«  ber  Sauer,  auf 
beffen  $aufe  id)  jeben  Sommer  Ijinburdj  al«  Hbebor  leben  muß", 
darauf  fragte  er  feinen  ®aft,  mo  er  benn  Ijer  märe  unb  mie  er 
Ijieße.  Der  ergäfjlte  ifmt  benn  nun  feine  gange  £eiben«gefd»'a>te, 
mie  man  tynt  fein  §au«  angegünbet  Imbe,  mie  er  baburdj  gang  Oer* 
armt  fei  unb  auf  ben  ©ebanfen  gefommen  märe,  feine  §eimat  gu 
oerlaffen  unb  in  ber  ftrembe  fein  $eil  gu  oerfurf)en. 

Qefet  tonnte  für  ben  SRittergutSbefifeer  fein  ^meifel  metjr  ob» 
malten,  er  gab  fidj  gu  erfennen  unb  eröffnete  bem  9)?aune,  baß  er 
ber  Wbebor  fei,  ben  er  im  vergangenen  Qafyre  fo  gut  gepflegt  Ijabe. 
„Ach",  antwortete  jebodj  ber  Sauer,  „min  leiw  Mann,  wo  kann 
hei  e  Adbör  sinne.  Dat  jöt  ja  doch  gar  nich",  unb  erft 
bann  ließ  er  fid)  übergeugen,  al«  ber  ©ut«befifeer  ba«  rote  Sanb 
fyeroorfyolte,  ba«  ifnn  ber  Sauer  bainal«  um  ben  $al«  gebunben  fyatte. 

s)fun  mar  bie  ^reube  groß.  Der  bantbare  Slbebor  fyatte  ba« 
Serfpredjen,  weldje«  er  feiner  $eit  bem  Säuern  gegeben  Imtte,  nid)t 
oergeffen.  (5r  gab  iljm  «f)au«,  tfanb  unb  alle«,  ma«  gu  einer  2öirt* 
fdjaft  gehört,  fo  baß  ber  Sauer  mit  feiner  $rau  beffer  unb  Jorgen* 
freier  leben  tonnte,  benn  Je  guoor. 

Dlünblicp  au3  JRedoro,  tfr.  £auenbura. 


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463 


577. 

$a«  Storcfjlnnb,  uub  wie  ritt  Dörfer  bort  $u  einem 
Slbcbor  geworben  tft. 

Sofjin  ber  Slbebor  im  $erbft  aietyt,  ba«  weife  mit  33efrtmmt* 
ljeit  fein  Sttenfdj  anzugeben,  ©an$  alte  tfeute  ergäben:  „Söeit, 
weit  gegen  üttittag  liegt  ein  breite«  SBaffer.  ©elangt  ein  Sauberer 
borten,  fo  treibt  e«  tyn  inwenbig,  in  bie  $>änbe  $u  Hatten.  tfaum 
t)at  er  bie«  aber  getrau,  fo  fdjwebt  er  au$  fdjon  al«  Slbebor  fjodj 
in  ber  £uft,  fliegt  über  ba«  Ütteer  hinüber  unb  Iä§t  fidj  erft  auf 
beut  gegenüberliegenben  ©eftabe  lieber  al«  Üflcnfö  nieber.  Sllle 
teilte  nun,  bie  bort  wohnen,  oerwanbeln  fid)  im  f^rüt)ja^r  in  ©tördje 
unb  bringen  bann  ben  Sommer  über  in  biefer  ©eftalt  in  unferen 
©egenben  ju." 

(£inft  fam  ein  reifetuftiger  33äcfergefell  auf  feiner  SÖanberfdjaft 
auf  biefe  Seife  in  ba«  Storcfilanb  hinüber.  SJermunbert  fragte  er 
in  bem  näd)ften  $)orfe  an,  wo  er  benn  eigentlich  wäre.  Slber  nie» 
manb  oerftanb  feine  Spradje.  (dublier)  ftiejj  er  auf  einen  Söder* 
laben  unb,  ba  ber  afteifter  erriet,  bafj  er  ein  §anbwerf«genoffe  fei, 
fo  gab  er  tym  Arbeit.  Da«  £eben  in  bem  merfwürbigen  Vanbe 
gefiel  tym  redjt  wof)l,  benn  mit  ber  ßeit  fwtte  er  bie  ©pradje  ber 
$ewof>ner  erlernt;  aber  fdjliefjlid)  befiehl  iljn  bod)  ^eimtoefj,  unb 
er  »erlangte  bon  bem  2Beifter  feinen  Slbfdjieb. 

gel)t  ba*  nidjt  an",  erwiberte  biefer,  ,,id)  $abe  gerabe 
eine  grofje  SReife  bor,  bie  mid)  auf  ein  Ijalbe«  ftaljr  bon  meinem 
©aufe  fern  tyält.  31ber  über«  $al)r  mclbe  bidj  lieber,  bann  wollen 
wir  bie  Sadje  bereben."  £)er  SBäcfergefell  war  e«  aufrieben,  fein 
$err  reifte  ab  unb  fam  naefy  fed)«  SDionaten  jurücf.  9?ad)bem  wieber 
fo  oiel  $eit  oergangen  war,  erinnerte  ber  ©efelle  feinen  SOZeifter 
an  ba«  gegebene  5tferfprecf>en.  ,,©ern  willfahre  idj  bir",  berfefcte 
ber  Söäcfer,  „benn  bie«mal  fönnen  wir  fd)on  jufammen  reifen."  911« 
fie  am  9Weere«ufer  waren,  mußten  fie  bem  innern  Crange  nachgeben 
unb  in  bie  .fjä'nbe  flatfdjeu.  Sogleich  würben  fie  gu  ©tördjen, 
flogen  über  ba«  9)ieer  unb  reiften  in  be«  ©cf  eilen  $eimat.  §lber 
aud)  ^icr  oerlor  fidj  iljrer  beiber  ©tordjgeftalt  nidjt.  Wie  jeber 
anbere  flbebor  mußte  ber  SBacfergefell  ben  gangen  Sommer  burd) 
ftröfdje  freffen  unb  mit  bem  ©dmabel  flappern.  @rft,  al«  er  mit 
feinem  §erm  im  §cr6fte  wieber  in  ba«  <§tordjlanb  jurüefgefe^rt 


4G4 


war,  erlangte  er  feine  oorige  ©cftalt.  Uub  wie  e«  iljm  in  biefem 
^aijre  ergongen  war,  fo  erging  e«  ilun  audj  fürberfyin.  9Jur  als* 
9lbebor  burfte  er  ba«  Stordjlanb  uerlaffen ;  wollte  er  tuteber  2)2enf  tf) 
werben,  fo  mußte  er  über  ba«  große  Gaffer  ^unitf  fliegen. 

WimMicp  au*  3abeUborf,  Atrei^  Manboiu. 

578. 

Schiffer  fegeli  ba«  6tord)tanb  auf. 

<5in  Sdn'ffer  fegelte  auf  bem  großen  SBeltmeer.  (Sr  mod)te 
Wof)(  fa>n  einige  Si$od)eu  unterweg«  fein,  al«  plöfclid)  feine  3)?a- 
trofen  tym  oerfünbeten,  fyodj  oben  auf  ber  ÜHaftfpifee  flelje  ein  9lbe* 
bor.  „$>alt",  badete  ber  Schiffer,  „ber  ift  auf  ber  töeife  in« 
©tordjlanb.  $efct  wollen  mir  fdjon  hinter  ba«  ©effeimni«  ber 
<§tÖrd/e  foinmen." 

911«  ber  Wbebor  fiel;  üon  feinem  ^lafee  erlaub  unb  weiter  flog, 
fteuerte  er  be«ljalb  fein  ^a^rjeug  genau  in  ber  Widmung,  weldje  ber 
5$ogel  genommen  &atte.  <£«  bauerte  nur  wenige  £age,  fo  fjatte 
man  i'anb  in  Sidjt;  aber  wie  lanben?  Denn  ring«  um  ben  Straub 
30g  fidj  eine  gewattige  SQhuer,  fo  I)od>,  baß  bie  Spifeen  ber  2)?aft- 
bäume  gerabe  bis  $u  iljrcr  ßiune  reiften. 

3>er  Schiffer  ließ  fid)  baburdj  iebod)  nidjt  Don  feinem  SBov 
fyaben  abbringen.  „@iu  SWanu  auf  ben  2ttaft",  befahl  er.  £er 
betreffenbe  üttatrofe  gelwrdjte  unb  Vetterte  hinauf,  itaum  Ijatte  er 
aber  bie  ©pifee  erflommen,  fo  fd)rie  er  taut  auf,  madjtc  einen  ge* 
waltigen  ©afc  unb  fprang  über  bie  Üttauer  weg  in  ba«  unbefannte 
tfaub  hinein,  3)ie  ifleugierbe  be«  Sdjiff«fjerrn  wudj«  nur  um  fo 
mein*.  ,,§at'«  ber  erfte  nidjt  gefonnt,  fo  mag'«  ber  zweite  oollbrin* 
gen",  rief  er,  unb  ein  anberer  ÜJiatrofe  mußte  Ijinauffreigeu.  Hber 
audj  bem  erging  e«  ni$t  beffer,  wie  bem  oorigen.  Wlit  einem  lau* 
ten  Schrei  fprang  er  oom  SKaft  über  bie  Üftauer  hinüber. 

^efet  madjte  fidj  ein  britter  au  ba«  Abenteuer,  bat  jebod)  $wei 
feiner  ©efätjrteu,  fie  motten  it?m  nadjfteigeu  unb  tyn  an  ben  tyt'v 
nen  feftfyalten,  wenn  er  oben  angelangt  wäre.  Unb  ba«  war  Hug 
gefjanbelt;  benn  fautn  war  er  tjodj  genug  geflettert,  um  über  bie 
üftaucr  Mieten  ju  fönnen,  fo  fdjrie  er  ebenfall«  taut  auf  uub  wollte 
fpringen.  9lber  bie  beiben  ©efäljrten  gelten  ifm  feft,  riffen  ifjn 
rrofc  feine«  «Sträuben«  Dom  Üttaftc  ^erab  uub  brauten  il)n  auf  ba« 


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465 


i^crbecf  ^urücf.  Stört  bradj  er  olwinädjtig  $ufanimeu  unb  mar  erft 
nad)  brei  Xagen  imb  brei  Wädjifn  feiner  3inne  wteber  mädjtig.  Mer 
autf)  bann  fonnte  er  nod)  nicfyt  fpredjeu.  9ttan  gab  ifun  Sdjreib* 
3eug,  unb  ba  fdjrieb  er  beim  auf:  jenfeits  ber  Mauer  läge  ba$ 
^arabies*.  ßtuifdjen  ben  Räumen  hätten  bie  Crngel  fo  lieblid)  ge* 
fungen  uub  gezielt,  ba§  er  oor  (selmfudjt  oou  Sinnen  gefommen 
fei  unb  feinen  anbern  ©ebanfen  gehabt  fjabe,  als  bei  itmen  31t  fein. 

ber  2d)iffer  oerualnn,  baß  er  vor  bem  ^arabiefe  gelautet 
fei,  feinte  er  fäleunigft  um  unb  fur>r  nacfy  $aufe.  2eitbem  weiß 
mau,  wo  ber  9lbebor  ben  Sinter  ^bringt.  Gbenbaber. 

579. 

$a«  fcibcttr  uub  baä  golbeue  Sanb. 

tfura  bevor  bie  Stördje  wegjieljeu  wollten,  fagte  ein  $auer 
$u  feiner  $rau :  „Butter,  mir  motten  bod)  einmal  feben,  ob  eä  waln; 
ift,  bafc  immer  biefelben  2tbrdje  311  und  jurücf  feinen' J,  unb  bamit 
fefcte  er  eine  Leiter  an  bie  Saub  uub  fletterte  auf  baö  Dad),  er^ 
l;afcr)te  bort  oben  ben  alten  Stfrebor  im  tiefte  an  feinen  tflügeln 
unb  banb  t^in  ein  fd)öntö,  rot=feibcue$  iöanb  um  ben  J)al8.  „WitU 
leicht  erfährt  mau  auf  biefe  Seife  aud)  etwas  über  bie  §eimat  ber 
^tördje",  oatytc  er  bei  fid)  unb  ftieg  bann  wieber  bie  Leiter  tyerab. 

511$  im  uäcfyfteu  5ru^jal)r  bie  Störche  wieber  jurücffefyrten, 
flaute  ber  sJ)2anu  erwartungsvoll  nad)  bem  Slbeborueft  auf  feinem 
^aufe.  Uub  ridjtig,  ber  3tord)  trug  uod)  immer  ein  $3anb  um  ben 
$al£,  aber  jefet  war  es  fein  feibeneö  mefyr,  fonbern  ein?  oon  fdjim* 
membem  ÖJolbe.  Seil  ber  Stbebor  fo  $utranlid)  llapperte  uub  mit 
bem  &opfe  niefte,  ftieg  ber  ibauer  wieberum  auf  baö  3)adj  unb 
unterfudjte  ben  iHeifen  uäfycr.  Da  [taub  mit  großen  $}ud}[taben 
barauf  gefdnieben:  „(gelobtes  Vanb".  Der  Storch  fjatte  bamit 
fagen  wollen,  baß  ba§  l'anb,  wo  er  ben  Sinter  oerbringe,  weit 
fdjöner  fei  als  unfer  beutfdjeS  3>aterlanb.  mag  woljl  gar  ba« 
%*arabie$  felber  fein.       2)Utnblicp  au«  Stoljenburö,  Äretä  «Xanbo». 

560. 
$cr  »laufufj.1) 

Der  93laufufj  war  feiner  $e\t  ein  ftoljer,  oerwegener  bitter, 
ein  redjtev  ÜWenfdjen plager,  fo  ocrljaBt  bei  ben  Vcuten,  baß  bie 
')  $I(iufufs  eine  Aolfeiuut. 

30 


46G 


Vauern  noc^  immer  Vlaufufj  foredjen,  wenn  fic  Qunfer  fagen 
wollen  ober  verblümt  einen  ©belmanu  meinen,  tiefer  93faufu§ 
^atte  gmar  bie  fdjönften  Sdjlöffer  nnb  ®üter,  aber  bennod;  mar  er 
gegen  bie  Sirmen  of>ne  alle«  Erbarmen,  unb  fein  Vettler  wagte  e«, 
bie  Schwelle  feines  £aufe$  $u  übertreten.  $a,  icf)  glaube,  ber 
Seufel  qu«  ber  §ölle  fjätte  fidj  nify  erbreiftet,  in  feinen  ©älbern 
einen  Spagierftod  gu  fdjneiben  $ie  größte  ft""0*  bereitete  eS 
aber  bem  Uinjolb,  wenn  er  feine  dauern  unb  £agelöf>ner  beim  grö> 
ten  Schneetreiben  ober  im  tjeftigfteu  |>agelroetter  in  $elb  unb  Salb 
auf  bie  Arbeit  treiben  fonute.   $)ann  fcfjrie  er  babei  freubig  fein 

„Wöl!  Wöl!" 
unb  bag  trieb  er,  fo  lange  er  lebte. 

(Snblicf)  traf  ifm  bie  Vergeltung;  ber  Job  floate  an  feine 
£ljüre,  unb  in  feiner  ©efellfdjaft  erfdjien  ber  Xeufel  mit  einer  Sdjar 

1)  öüifcf)er  ©eifter,  bie  ergriffen  bie  Seele  be$  Umnennen  unb  naf>s 
men  fie  mit  fid)  gur  $öüe  Ijinab.  3lber  ba$  Slnbenfen  an  it;n  follte 
auf  (Srben  nid)t  »erloren  geljen,  unb  be$f>alb  oerwanbelte  unfer 
$)errgott  ben  Sofm  be8  wilben  ftunfer«,  ber  gleichfalls  ein  rechtes 
£eufel£finb  war,  in  einen  Vogel,  ber  eben  ber  Vtaufufe  ifi.  ©äfj» 
renb  ber  Vater  in  ber  £ötle  fdjmacfytet,  muf$  ber  Sot)n  mit  t}äfj* 
liebem  ©efctjrei  in  ber  t'uft  umherflattern  unb  jungem  unb  frieren, 
wenn  •  ba$  übrige  Volf  ber  galten  unb  Söeitjen  fröf>lidj  unb  guter 

2)  inge  ift. 

5)enn  wenn  eS  falt  wirb  unb  ber  fatjle,  magere  Söinter  fommt, 
fo  jie^en  bie  meiften  Vögel,  weit  über  See  unb  ?anb,  batjin,  wo 
e$  warm  ift,  unb  fommen  erft  im  $rüf)iar)r  wieber,  wenn  Schnee 
unb  9teif  weg  finb.  T*er  Vlaufufc  bagegen  mufj  ^ier  aushalten  unb 
über  bie  weiten,  fdmeebebeeften  fliegen  unb  lauern  unb  lauern 

unb  lauern,  ob  er  wot)l  irgenb  wo  ein  magere«  9J?äuSdjen  ober 
einen  flehten  Vogel  erljafdjen  fann.  dauern  muß  ber  Schelm,  beim 
erfliegeu  fann  er  uid)ts  ftette«  UUD  ®ut c* ;  ®ott  W  ^m  Sur  ^traf c 
311  fdjwere  fttügel  gegeben. 

©enn  nun  bie  Wüte  ben  fdjlimmen  ßunfer  fliegen  fefyen,  fo 
rufen  fie  if)in  Ijöljnenb  $u: 

„Blagfoot!  Blagfoot! 

Wo  bekümmt  di  de  Kattenspise  ? 

Wo  smecken  di  de  Müse?u 
Da«  mufj  er  ungeftraft  über  fid}  ergeben  Iqffeu,  unb  er  ntufj  in 


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467 


btcfer  ©ebrängni«  (eben,  unb  feine  ftinber  unb  ßinbeöfinber  mit 
h)m,  bis  in  aUe  ©migfeit. 

tfadj  (f.  0».  Slrnbt,  SHäntyn  unb  ^uflenberfl.      S-  20-22. 

581. 
2>ie  ©nie. 

(Sinft  toar  eine  reiche  $ame  geftorben,  bie  oon  ÜRenfdjen  unb 
Bieren  gleicher  ©eife  betrauert  tourbe.  £)ie  SBöget  berieten  unter 
fid),  tuen  oon  ben  Qfyvtn  fie  ber  Verdorbenen  gu  ©Ijren  als  tfeidjen* 
Wächter  fdjicfen  fotlten.  9)fan  warf  baS  1'oS  unb  baSfelbe  entfdjieb 
für  bie  (Jute. 

$)iefe  wartete  aud)  anfangs  ifyreS  21mteS  mit  getoiffenfyafter 
Sorgfalt;  enblid)  tourbe  if>r  jebodj  bie  $eit  $u  lange,  unb  fie  fpradj 

bei  fid):  „Ek  well  ein  Ög  tau  mäuke,  un  met  dem  andere 
war  ek  wachte."  ©ie  fie  gef protzen,  tljat  fie  aud);  nur  fdjabe, 
ba§  baS  anbere  Sluge  batb  ebenfalls  gufdjtug  unb  bie  CSule  auf  biefe 
SBeife  in  tiefen  Sdjlaf  tocrfiel.  1)er  borgen  bammelte,  bie  anbern 
SBögel  famen  herbei  geflogen  unb  fa^en  bie  grofje  Staube,  ba§ 
ber  oon  iljnen  geftetlte  £eid)emoädjter  fein  ©hrenamt  fo  unehrenhaft 
oenoaltet  ^atte.  ^ornig  flogen  fie  auf  ben  pflidjtoergcffenen  33ogel 
$u,  jagten  u)n  in  bie  ftludjt  unb  fdjiouren  i^m  etoige  fttad)e.  So 
ift  es  gefommen,  bafe  bie  <5ule  nur  beS  ^iadjtS  fic^  fjeroonoagt  unb 
auf  9iaub  ausgebt  unb  ben  Jag  über  in  bunfeln  ©ebäuben  ober 
großen,  finfteren  Kälbern  fidj  aufhält. 

3JlünbIidj  au$  Medow,  Ärci«  Sauenbuta. 
582. 

<£ul«  unb  9WauS. 

£>ie  (gute  [teilt  fidj  bor  bem  Waufeloc^  auf  unb  fpridjt  $u- 
traulidj  jur  2RauS:  „Kumm  arüte,  kumra  arütc,  ik  dau  di 
nist!u  $ie  3HauS  merlt  aber  ben  ©raten  unb  antwortet:  „Ik 
trü  di  nich,  ik  trü  di  nich,  du  büst  e  Schalk!" 

'lRünb(id)  au*  Eitler,  töreu?  9la uflarb. 

30* 


408 


583. 

£<on  ben  Sft-äf/en  er^äfjlen  bie  93auertt,  e$  feien  oertoanbelte 
y>eren;  unb  bafe  bieS  ©erebe  and)  roirflid)  feine  guten  ©rünbe  r;at, 
bafür  fleugt  fotgenbe  (Mefd)id)te: 

©in  ^auer  aus  iNecfoto,  im  .Steife  Wallenburg,  fufyr  auf  ber 
Vanbftrafje  unb  fam  mit  feinem  (Mefä^rt  bei  einem  Söaume  oorbei, 
auf  tveld)em  eine  fträr/e  fa§.  fll$  fie  ben  dauern  erblicfte,  fjub 
fie  fürd)ter(id)  an  flu  fd)reien;  ber  feljrte  fid)  aber  ntc^t  baran,  fon^ 
bern  rief  iljr  btofj  flu:  „Du  oll  Hex,  sei  schtell!  Du  kannst 
ml  nischt  däune." 

Die  Mräbe  n?ar  aber  feineStuegS  ftill,  fonbern  begann  nur 
um  fo  ftärrer  flu  fd)reieu,  unb  als  ber  $auer  fid)  nad)  iljr  umfab, 
würbe  er  flu  feinem  'Ärger  getoafjr,  ba§  ber  fdjlimme  Hogel  feine 
klugen  ganfl  fd)arf  auf  ibn  unb  feinen  $Bagen  gerietet  Ijarte.  (£r 
biett  barum  im  5*ar)rci1  »inc  u»°  rief,  fo  laut  er  nur  fonnte:  „Du 
dämliche  oll  Hex,  sei  doch  schtell!  Denn  dat  du  dei 
Mensche  nischt  jennst,  dat  weit  ek  eil  lang!" 

Selbft  biefe  fltoeite  Slufforberung  fjatte  nid)t  ben  erroünfdjten 
©rfolg,  unb  fo  fam  e«,  baß  ber  erbofte  3)iauu  fid)  felbft  t>erga§ 
unb  einige  träftige  3Iiid)e  gegen  bie  fd|reienbe  Sfräty  auSfiiefc. 
Staunt  roaren  jebod)  bie  frhtdje  feinem  sJD?unbe  entfahren,  als  aud) 
alle  üier  iHäber  uom  '-Wagen  fielen  unb  ben  $erg  fnnab  rollten. 
SaS  toollte  ber  arme  $auer  machen,  er  mußte  ben  iÖJagen  flehen 
laffeu  unb  mit  ben  ^ferben,  meldje  nod)  obenbrein  loilb  geroorben 
roaren,  nad)  $>aufe  reiten. 

Dort  erfläblte  er  fofort  ben  beuten  fein  mü)eimlid)eS  übtn- 
teuer;  bie  aber  uerroiiuberten  fid)  nid)t,  fonbern  fprad)en:  „Dat 
habbe  uns  all  unsere  Olle  verteilt,  dat  dei  Kreje  Hexe 
send.    Sei  wate  da  dat  uk  bliwe." 

'Dtünblig  au*  iRedoro,  Ärei«  Wallenburg. 

584. 

sBa%  fid)  bic  Äräf>eu  erjä(|len. 

ftommt  eine  8d)ar  ihäljen  flufammen,  fo  fyebt  bie  erfte  an: 
„Jk  wOt  Aus!   Jk  wöt  Aus!tt 
fragt  bie  flroeite:        „Wo  is'tV    Wö  is'f?44 


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4fi9 


r-erfefct  bie  folgenbe:   „Hinnem  Bä-äreh!  Hinnem  Ba-areh!" 
erfunbigtfitfjbieöierte:  „Js  uk  wat  a?   Js  uk  wat  ä?" 
fogt  bic  Ic^te  betrübt:  „Lüter  Knäuke!    Lütcr  Knäuke!" 

Wünblid)  au*  ^nricnflicfc,  Ärei*  Sanofi. 

585. 
$cr  töabenfietit. 

Senn  ein  SKabeiipaar  fyunbert  Sinter  mit  einanber  gelebt  unb 
gebeert  Ijat,  bann  legt  e«  ben  erften  föabenftein  unb  bann  alte  3ef>n 
Sinter  einen  neuen.  Diefe  föabcufteiue  warfen  au«  ben  DiebSaugen 
Ijerau«,  wetdje  bie  Waben  am  Walgen  au«getyacft  fjaben,  unb  ba« 
muffen  bie  Stäben  an  bieten  fyunbert  hieben  getrau  fyaben,  ct;e  ftc 
einen  foldjen  Sunberftein  legen  fönnen.  Gr  ift  oon  ber  ©röfcc 
einer  it»clfcr)cn  Nu§  ober  eine«  SHabeneie«,  ganj  runb  uiib  glatt  unb 
feurigrot,  wie  ein  Äarfnnfeljteiu,  unb  wirb  in  ber  legten  9?ac^t  be« 
.ftornung«  gelegt.  G«  Ijat  aber  biefer  graufige  Sunberftein  jwei 
Gigenfd)aften:  bie  erfte,  bafc  er  in  ber  9iadjt  leitetet,  rote  bie 
Sonne,  unb  alle«  umljer  fyeü,  feinen  Präger  aber  uufidjtbar  mad;t, 
fo  ba§  fidj  f>errlid)  mit  it>m  fte^leu  fäfet:  bie  streite,  ba§  er  $u 
bälgen  unb  föab  Ijinlocft. 

Ser  eine«  SRabenftein«  fjabfyaft  werben  roill,  ber  mu§  in  bie 
Iwljen  ftorfteu  9e*}en>  100  9™feeiV  fjimmelfwljen  Säume  fielen; 
benn  auf  ben  fdjlanffien  unb  fdjierften  Jidjteu,  Gidjen  unb  Sudjen, 
meldfye  ber  gewanbtefte  flWatro«  nidjt  leitet  erflettern  fanu,  baut  ber 
fluge  SHogel  fliabe  fein  9feft.  Gr  mag  jebod)  alle  Hefter  rufyig 
liegen  laffen,  unter  beren  Säumen  3d)nee  liegt;  benn  in  foldjen 
ift  fein  föabenftein.  Der  sJtabenftein  ift  nämlid)  fo  warm  oou  oben, 
bafe  e«  unter  feinem  9tefte  nimmer  friert  nod)  taut,  unb  bafc  ber 
Sdjnee  üt  ber  ÜRinute  oergetyt,  in  welker  er  fällt. 

2(ber  wer  bie«  aud)  weif?,  faun  bodj  woljl  Ijunbert  3al)re 
in  allen  Sälbern  unb  unter  allen  Säumen  herumlaufen  unb  fid) 
bie  tlugen  au«  bem  Sopfe  gucfen,  unb  fiubet  bod)  ba«  9ieft  mit 
bem  SRabeuftein  nicfyt;  benn  ba«  ©tiicf  läjjt  fid)  nidjt  immer  fo  teicfyt 
greifen,  als  bie  einfältigen  £eute  fidj  einbilben.  Unb  felbft  wenn 
einer  einmal  einen  foldjen  Saum  gefunben  fjat,  fo  will  e«  nod)  ein 
rechte«  tföwenljerj  ba$u,  ben  (Stein  au«  bem  Wefie  herunter  $u 
$olen. 


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470 


9?ur  in  ber  legten  9?adjt  be8  $ornung«  fann  ba8  Sßagniä 
unternommen  werben.  £>er  ©etreffenbe  muf?  gan$  einfam  unb  allein 
fommen,  unb  feine  einzige  ÜWenfdjenfeele  barf  toiffen,  tooljtn  unb 
n?ofür  er  ausgegangen  ift,  audj  teilten  £aut  barf  er  oon  fid)  geben. 
Gienau,  wenn  bie  ©locfe  ^wölf  fc^fägt,  mu§  er  feine  Äleiber  oon 
ftd)  tlijun  unb  fplitterfafernaeft  ben  Stamm  Ijinaufflettern.  (Snt- 
fäfyrt  iljm  babei  aud)  nur  ber  teifefte  flaut,  fo  ift  er  fogleidj  be8  STobeS. 

5öenn  nun  oom  Xeufel  ber  arme,  gierige  Werterer  biö  oben 
•utr  Spifce  funaufgeloeft  ift,  tt?o  baS  fjeillofe  9?eft  fifet,  fo  barf  er 
nidjt  fyiueinfdjauen  unb  fidj  ben  leudjtenben  Stein  auSfudjen,  fon* 
bern  er  muß  fid)  nodj  breimal  um  ben  Stamm  Ijerum  fdjtoingen, 
bie  Stugen  3utljun  unb  blinb  hineingreifen,  unb  was  fein  ftinger 
juerft  berührt,  ba«  mu§  er  behalten.  So  §at  e8  fidj  oft  begeben, 
ba§  man^e  mit  einem  falfdjen  @i  herunter  gefommen  ftnb  unb  für 
aüe  ?Ingft  unb  Arbeit  unb  Sdjmeraen  nur  Spott  gehabt  ^aben. 
9J?andje  fjaben  aud)  im  lefeten  2(ugenbli<fe  nod)  ba8  Srillfdjroeigen 
gebrodjen;  auf  biefe  finb  fobann  mit  einem  ÜHale  SRaben  in  grofjer 
$at)i  eingeftürjt,  fo  baß  fie  roieber  herunter  mufcten,  fie  motten 
wollen  ober  md)t.  3  m  glücflid)ften  ^aüe  finb  fie  mit  ^er^arften 
Hugen  unb  aevbiffenen  fangen  auf  bem  (Srbboben  angelangt,  wenn 
fie  nid)t  gar  fopfüber  fyerabftüraten  unb  ben  $alS  brauen. 

flad)  IS.  9».  2lrnbt,  mxtyn  u.  Sugenterg.  II.  ©.  348-369. 


maü  wollte  ber  av  &  j>  %  «  " 


alle  otei  »* — »- 


laffen  unb  mit  bei 
waren,  nad)  .fcaufe 
$ort  cr5ät»tt- 
teuer;  bie  aber  oe 
lmbbe  uns  all 
send.   Sei  war 


£»  >-  .5  n 


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53  W   £    <0  _ 


'S   t    :0    ■«  € 


£er  Ätcbt*. 

kS'ebifc,  er  möge  bod)  ben 
unb  überwintern.  Der 
«t  e«  iljm  in  ben 
%  c_  mit  gjtfft  unb 
.1     Unb  ootler 
&  *5 


raupen 


äommt  eine 


fragt  bie  ätoeite: 


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471 


587. 
Sic  Alfter. 

3Me  (Slfler  ober  «J>efter  ift  ein  Uuglücf«oogel,  barum  wirb  fte 
auch  fo  ^äufig  ton  ben  dauern  in  ©einem fdjaft  mit  Guten  unb 
.$a6id)tett  au  bie  echeunenthüren  genagelt,  bamit  baburd)  bie  alten 
9Ö?etterheren  oon  bem  ©ehbft  ferngehalten  merbeu. 

ffiinft  lebte  tu  tföbnifo  bei  iöartf}  ein  Ääthner,  Johann  tyauU 
mann  geheißen.  Neffen  Ofachbar  mar  fterben«franf  gemorben,  nur 
bte  @atbe  be«  Sdjinber«  in  Damgarten  fonnte  ihm  noch  Reifen. 

fefcte  fidj  ^audnaun  ju  ^Jferbe  unb  ritt  h»n;  aber  obgleich  er 
am  frühen  borgen  aufgebrochen  mar,  e«  mürbe  Wad)mittag,  e« 
mürbe  $lbenb,  er  fam  nicht  mieber.  (Snblidj,  al«  e«  fdmn  tiefe 
9?ad)t  mar,  langte  er  in  ^öbnife  an  unb  hotte  bie  Salbe  aud)  bei 
fich;  bodj  wie  fah  er  au«!  £a«  ®efict)t  leichenblaß  unb  üerftört, 
unb  fein  Sort  fonnte  er  herausbringen.  9J?an  fragte  ihn,  ma« 
it)m  fetale,  unb  enblict)  famen  ihm  bie  ©orte  mieber,  unb  er  erzählte 
folgenbe  ©efdn'chte: 

,,2ll«  ich  oon  $>amgarten  jurücf  fam  unb  bei  bem  Ärug  oor- 
bei  ritt,  fah  ich  Mty  bor  bem  SWartenShagener  Söalbe  eine  Ungahl 
bunter  2?ögel,  bie  fchmärmten  um  mich  hcrum  fchrieen  in  bev 
Vuft,  unb  mir  mar  babei  fo  graulich  $u  ÜHute,  baß  mir  grün  unb 
gelb  oor  klugen  mürbe  unb  ich  «'^t  mehr  meiß,  mie  ich  oen 
Salb  geritten  bin.  9luf  ber  Vöbnifcer  ftelbmarf  maren  bie  93ögel 
oerfchmunben,  nur  amei  bunte  elftem  faßen  noch  ouf  einer  Söeibe, 
bie  fahen  ganj  abfonberlich  au«,  unb  e«  fchien  mir,  al«  brächen  fte 
mit  einanber,  mie  menn  gmei  3Henfchen  jufammen  foredjen.  Unb 
mein  ^ferb  ftanb  ftill,  unb  bie  eine  oon  ben  $eftern  fchlug  mit  ben 
ftlügeln  unb  foerrte  ben  Schnabel  auf  unb  rief  mir  mit  lauter 
Stimme  gu:  „^aulmann,  bu  mußt  fterben  unb  liegft  nach  acht 
Sagen  unter  ber  Grbe,  bein  Machbar  aber  geht  bann  gefunb  unb 
munter  mieber  hinter  bem  Pfluge  her."  $a  nwb  mir  fchminbtich 
oor  ben  flugen,  unb  e«  fam  mir  oor,  al«  märe  ich  a"f  cincr  Öro* 
ßen,  milben  §eibe.  Unb  ich  *»o^I  fünf  Stunben  ratio«  umher, 
unb  mie  ich  enblich  ju  euch  gefommen  bin,  ba«  meiß  ich  "ity;  fo 
oiel  aber  meiß  id;,  baß  ich  W  cm  tDtcr  STOann  bin." 

$ie  i'eute  mollten  ihm  ba«  au«reben,  aber  er  fanf  auf  bie 
SBanf  hin  unb  mürbe  blaß,  mie  ber  $ob,  unb  fie  brachten  ihn  $u 


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472 


Sett,  uub  ben  britten  2ag  mar  er  eine  Yeidje,  unb  am  fiebenten 
£age  ba  lag  er  auf  bem  Steider  ftird)I)of.  Der  franfe  9Jarf>bar 
aber  hntrbe  burdj  bie  Damgartener  Salbe  micber  ferngefuub,  mib 
als  ftc  Kaufmann  begruben,  ging  er  hinter  feinen  Cdifen  auf 
bem  ftelbe. 

flad)  C.  SJK.  ?ltnbt,  Wärmen  u.  >flenbeta.  II.  ©.  44-49. 

588. 
$cr  Äurfurf.1) 

(Sinem  Sauern  ging  c3  in  feiner  SBirtfdjaft  fo  fdjledjt,  ba§ 
er  feinen  Riffen  ©rot  mef>r  im  ftaften  ^atte.  -Da  naljm  er  feine 
beibcn  ftiuber,  führte  fie  in  ben  2Balb  unb  fprad):  „So,  Ijier  fudjt 
eudj  nur  Seeren,  unb  wenn  idj  rufe:  „©ucf!  ©tief!"  fo  bin  tcfj  roic- 
ber  in  eurer  Wäfje  unb  bringe  eud)  nad)  .f)aufe  guräcf".  Damit 
liefe  er  bie  &inber  allein  auf  ber  Hülben  .£)eibe  unb  ging  an  feine  Arbeit. 

911$  ber  näcfyfte  Sommer  fani,  Ijatte  fid)  fein  SEBofjlftanb  mie* 
ber  gehoben,  unb  nun  fef>nte  er  fid)  nad)  feinen  ftinbern  ^urücf. 
©r  ging  in  ben  Salb  unb  rief,  fo  laut  er  nur  tonnte,  ben  ganzen 
lag:  ,,©urf!  ©uef!"  aber  niemanb  antwortete  ifym.  Üflit  einem 
ÜJiale  ftanb  eine  ^rau  bor  ifjm  unb  fprad):  „Deine  ßinber  finb 
fdjon  lange  im  ^öalbe  üerfjungert.  ?lber  gur  Strafe  für  bie  ©rau* 
famfett,  mit  ber  bu  fie  berftofceu  Ijaft,  follft  bu  oou  jefct  an  bis  in 
alle  Gtoigfeit  ,,©ucf!  ©utf!"  fdjreien  muffen."  Sogleid)  warb  ber 
Sauer  gutn  Sögel  uub  fonntc  nid)t£  anberS  au£  feiner  Seljle  tyer* 
aufbringen  als  nur:  ,,©ucf !  ©nef !"  loeäfjalb  er  aud)  ton  ben  üflen* 
fdjen  ben  tarnen  Äucfucf  erhielt. 

3)timblid)  au*  OTarienfliefe,  Ärei*  oaajig. 

589. 

Sie  ber  äutfmf  feinen  Warnen  betaut. 

2113  unfer  ^errgott  bie  $iere  erfdjaffen  batte,  erhielt  ein  feg* 
lidjeä  feinen  Warnen,  nur  ber  Äntfucf  ging  leer  anS.  Da§  berbrof? 
ifju,  unb  er  flog  bor  ©otte$  Stroit  unb  fpradj:  ,,.J)ab'  id)  benn 
feinen  Wanten  befommen?"  —  „Wein",  fprad)  ber  liebe  ©Ott.  Da 
fagte  ber  erbofte  Sögel: 

')  $al.  aua)  oben  Sage  flt.  02. 


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473 


„So  ftill  idr)  nun  ber  Äucfucf  fein 

Unb  ewig  meinen  Warnen  fdjrein". 
Seit  ber  $e\t  \)övt  man  oon  ihm  feinen  anbern  Vaut  als  aWein 
ba«  Sort  ftucfucf. 

Gbenbaljet. 

Ö90. 
Der  SBicbebopf. 

Der  ^Biebe^opf  ifl  einft  ein  Damenfdmeiber  geioefen,  unb  toer 
fictjt  e$  ihm  jefet  loobl  au,  bafe  er  oormalS  in  feiner  unb  jjierlicber 
©efellfchaft  gelebt  Ijat?  Gr  Im*  in  einer  großen,  reichen  Stabt 
getrotzt  unb  fiel)  mie  ein  h»bfcher  unb  feiner  ©efetl  gehalten  unb 
einen  bunten,  feibenen  VRocf  getragen  unb  ift  oon  einem  oornebmen 
£aufe  in  baS  anbere  unb  Don  einem  ^alaft  in  ben  anbern  gegangen 
unb  bat  bie  foftbarften  3euge  unb  Stoffe,  worauf  er  Sleiber  matten 
foKte,  311  ,£aufe  getragen.  Unb  »eil  er  tyibfcf)  unb  manierlich  ge= 
hjefen  ift,  haben  alle  fmbfdjen  grauen  ifm  31t  ihrem  Sdjneiber  ge* 
nommen,  unb  immer  hat  er  Arbeit  bei  ihnen  gehabt,  unb  auch  ber 
ttönigin,  als  fie  gefrönt  »erben  follte,  ^at  er  ben  iHocf  augemeffen. 

So  ift  9)?eifter  ©icbehopf  balb  ein  febr  reicher  SWann  geroor^ 
ben  unb  hat  boeb  nicht  genug  friegen  fönnen,  fonbern  ift  immer 
herumgelaufen  unb  hat  31t  ,§aufe  gefdjleppt  unb  oft  fo  oiel  31t  tra* 
gen  gehabt,  baß  er  mie  ein  ftarrengaul  unter  feiner  ?aft  ftöfmen 
unb,  wenn  er  bie  Xreppen  ^inaufftieg,  ,,.f)uup!  ,§upupp!"  fdjreten 
mußte.  Dicfc  Nrbeitfeligfeit  unb  $>abfeligfeit  hätte  ©Ott  ihm  mohl 
oergeben,  aber  eö  if*  eine  arge  $>abfucht  barau«  geworben,  unb  bie 
hat  ber  |)err  nicht  länger  mit  ©ebulb  anfehen  fönnen.  Der  Sdmei- 
ber  hat  aulefet  geftohlen  unb  oon  allen  Mengen,  bie  er  in  bie  sJKache 
befam,  feinen  Seil  abgefniffen  unb  abftibifct. 

Da  ift  e$  ihm  beim  gefdjehen,  baß  er  eine«  ?lbenb$,  als  er 
mit  einem  fehleren  Söünbet  unb  noch  fchmererem  £>uupp!  £upupp! 
bie  £reppe  binaufächate,  plöfctich  in  einen  bunten  33ogct  oerroanbclt 
roorben  ift,  melier  nach  ihm  SBiebehopf  ^eipt  unb  nun  um  bie 
Käufer  unb  Ställe  ber  9J?enfchen  umfliegen  unb  bort  mit  unerfätt* 
licher  <55icr  baS  2lllergarftigfte  auflefen  unb  in  fein  Weft  tragen  muß. 
<5r  trägt  bis  auf  biefen  Jag  einen  bunten  SRocf,  aber  einen  foleben, 
ber  an  einen  fct)limmen  Ort  erinnert,  toohin  bie  Diebe  unb  Schelme 
gehören.   Der  eine  Xeil  beS  9?ocfe£  ift  rabenfehtoarj,  ber  anbere 


4  74 


feuerrot,  unb  ftab  betbe  Seite  färben  ber  $>ölle;  benn  ba«  ©djtoarje 
be«  SRocfe«  foü  bie  $ötlif$e  frinfterni«  unb  ba«  feuerrote  ba« 
Ijöllifdje  fteuer  bebeuten. 

$a«  l>at  ber  fBiebeljopf  ttoc^  fo  Beibehalten  au«  feiner  alten 
<Sdmeiber$ett,  bafe  er  immer  $>uutofc!  .ftufcupt!  freien  mu§,  als 
trüge  er  nod)  Diebe«laft,  bie  i^m  ju  fc^tuer  toirb.  Die  Öeute  nen- 
nen Um  be«megen  Ijäufig  ben  Äticfncf üfter,  toeil  fein  Saut  aus  ber 
eherne  loirflid)  oft  fo  Hingt,  at«  tootle  einer  bem  ftutfuef  feinen  @e» 
fang  nadjftngen,  tote  ber  Shifter  bem  ^aftor.  Slber  ber  Äurfucf  ift 
ein  luftiger  Sdjelm  unb  faun  fein  £ieb  in  ftreuben  fingen^  ber 
SBiebetyoof  aber  ifl  ein  trauriger  Sdjelm,  unb  barum  mufc  er  feufoen 
unb  Hagen  unb  fein  $>uupp!  .fmpuüp!  ge^t  tym  gar  fdjtoer  au« 
ber  £e$Ie. 

(5.  m.  Brnbt,  0Rärd>en  u.  ^ugenberg.  2.  Bufl.  I.  6.  357—359. 

591. 

29e«fjalb  bte  9iaud)fdjn>alben  einen  roten  Qflerf  nnter 

ber  ftefjle  tjaben. 

Die  föaudjfdjtoalben  finb  feit  [e^er  feljr  neugierig  getoefen. 
Sie  flogen  immer  an  ben  ftenftern  auf  unb  ab,  um  ni  fef>en,  toas 
in  ben  Käufern  borginge,  unb  fo  ü>e  Weugierbe  ju  befriebigen.  Da« 
ärgerte  einen  ftinfen.  ®r  beftettte  fic^  be«^a(b  ein  fta&  rote 
Stinte  unb  fa^rieb  barauf  mit  groger  Sdjrift:  „§ter  ifi  ein  @e< 
fjeimni«  brin." 

Sofort  famen  bie  SRaudjfdjmalben  Ijerbeigeflogen  unb  gurften 
junt  Sbunblodj  hinein.  Der  ftinf  aber  fafc  in  ber  9iä$e,  eilte 
föneü  hinau  unb  ftie§  fie  mit  bem  $obfe  hinein.  (Seit  ber  3eit 
tragen  bie  fflaud)fd)tt)alben  ben  roten  ftteef  unter  ber  Äetye. 

5Jlünblid)  au*  ffider,  ÄreiS  9tou{jatb. 

592. 
$er  Stieglüi. 

3(1«  ber  liebe  ©ott  bie  93ögel  gefdjaffen  fyatte,  frriety  er  fie 
mit  ftarbe  an,  bamit  fie  bon  einanber  $u  unterfdjeiben  toären. 
93eim  (Stieglife,  toefdjer  julefet  tyeranfam,  ijt  itym  jebod)  bie  ^arbe 
ausgegangen,  unb  er  fjat  au«  allen  Üöbfen  ben  legten  SReft  ju* 


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475 


fammenfucben  müffen,  um  ihm  ba«  ©efieber  $u  bemalen.  De^alb 
ift  ber  (Stieglife  fo  bunt  geworben. 

ORünblia}  au«  Weeftaer,  Ärete  £emmin. 

593. 
$tc  ftadjrtgafl. 

Die  "Nachtigall  ift  eine  üerwünfehte  ^djäferin,  »c^alb  fie  auch 
nod)  beute  ftrau  Nachtigall  genannt  n?irb.  (Sie  fyat  ft<^  ihr  Unheil 
felbft  ausschreiben;  benn  alle  borgen  toeefte  fic  bie  Äned>te  3U 
frü^.  Snblidj  riß  einem  Don  ihnen  bie  ÖJebulb,  in  feinem  Ärger 
fcerwünfebte  er  bie  (Schäferin,  unb  fic  warb  gur  Nachtigall, 
flu*  OTcforo,  ffr.  fteßentwlbe:  Mitgeteilt  bureb  fcenn  <flrof.  <*.  flubn. 

594. 

$er  £ann*  ober  Weffelfbmg. 

(Sinft  lebte  ein  Sauer,  #an$  Diebenforn  genannt,  ber  tjatte 
einen  Sor)n,  namens  ftodjen.  Das  war  ein  fdjliminer,  ungefragter 
ftunge  fcoll  Silbt)eit  unb  Schal  föftreiche,  ben  feiner  bänbigen  tonnte. 
Dabei  f>atte  er  jeboa)  eine  fetjr  f<höne  tfeibeögeftalt  unb  war  ein 
93urfdje,  ber  fei»  sJ0?aul  fo  gut  gebrauchen  unb  fo  angenehm  thun 
tonnte,  ba§  fein  üttenfd)  unter  biefer  Äappc  ben  <öd)elm  vermutete. 

Defto  beffer  fonnte  er  feine  Sfcäfee  unb  «SdjalfSfrreiche  mit 
anbern  ausführen;  benn  er  fonnte  fo  leibig  fein,  bafj  auch  bie  ge* 
fdjeiteften  unb  flügften  Ceute  Don  ihm  angeführt  mürben.  Der 
3?ater,  ber  feinen  9?ogel  tannte,  hielt  ihn  nun  freilich  fe^r  jur  ?lr* 
beit  an;  aber  fo  wie  er  nur  einen  freien  Slngenblüf  hatte,  war  aud) 
ber  Sd)elm  ba  unb  fogleich  auf  allen  ©äffen  ®efd)rei  über  ihn. 
^nbeffen  fagt  ein  alteö  «Sprichwort:  „Der  Ärng  get)t  fo  lange  jum 
SBaffer,  bis  er  bridjt",  unb  baS  gefdjah  auch  bei  ^od^en. 

(SineS  ÜageS  fam  er  auä  bem  ©albe  unb  fürang  mit  Irallala 
unb  Qud)heiba  über  ba$  ftefo  bafyin.  (58  war  ein  falter  ©inter* 
tag  unb  fdjneite  unb  fror  fet)r.  er  fo  tralleienb  unb  judjheienb 
einen  $>ohlweg  fyinablief,  ftanb  ein  fleiner,  fct)neeweij$er  SKann  ba, 
ber  febr  alt  unb  jämmerlich  auSfah  unb  ftöfmte  unb  ächjte  bei 
einem  großen  Sorbe,  ben  er  fid)  auf  ben  SRücfen  t)eben  wollte  unb 
nicht  fonnte.   Sil«  er  nun  Jochen  fommen  faf>,  warb  er  froh 


476 


bat  ben  Surfdjen  freunblidj:  „Vieber  ©olm,  bebenfe,  bog  bu  aud) 
einmal  alt  unb  fd)toad)  merben  fannft,  unb  l)ilf  mir  biefen  Äorb 
fjier  auf  ben  föücfen."  „$?on  §er$en  gern",  fprad)  ^oetyen,  fp«*ang 
fjin$u,  bub  ben  Sorb  auf  unb  fyängte  bem  alten  Sftann  bie  .$änfel 
beffelben  um  bie  ©dmltern;  barauf  ri§  er  ifyn  mit  bem  Äorbe  um 
unb  liefe  tyn  im  ©djnee  liegen  unb  ladjte  unb  rief  im  Weglaufen: 
„<JMep,  Eogel,  piep!" 

Der  alte  3Kann  wühlte  fidj  mieber  au$  bem  ©djnee  auf  unb 
fammelte,  ma«  berauSgefallen,  mieber  in  ben  Äorb  unb  fdjrie  mit 
äorniger  ©timme  hinter  bem  ladjenben  %od)en  Ijer:  „3a,  piep, 
3?ogel,  piep!  ©Ott  wirb  bidj  piepen  lehren,  bu  gotttofer  Sube!" 

Unb  ©ott  Imt  ben  9?ogel  pfeifen  gelehrt.  Denn  al«  3oüjen 
ben  anbern  borgen  mit  ber  9ljt  auf  bem  Warfen  in  ben  ©alb 
gefjen  molfte,  ba§  er  .f)olj  fälle,  mufjte  er  toieber  burdj  biefen 
§otylmeg  ge^eu.  Dodj  tote  er  näfyer  fam,  marb  tym  ganj  munber= 
tid)  31t  2Wute,  fo  munberlid),  al«  iljm  in  feinem  lieben  nitfyt  um'$ 
«f>cra  gemefen  war.  Unb  obgleid)  e3  geller,  lidjter  £ag  mar  unb 
bie  Sinterfonne  eben  feuerrot  aufging,  mar  tym  bodj  graulid),  als 
märe  es  3Witternacr/t  gemefen.  Da«  mar  fein  böfe«  ©emiffen,  unb 
eS  beulte  ilnn  immer,  als  fomme  ber  alte  SWaitn  jeben  Slugenblicf 
au«  bem  ,£>o^lmege  auf  ityn  gu  unb  föreie  iljn  an:  „$iep,  S?ogel! 
piep!"  unb  er  märe  gern  einen  anbern  ©eg  in  ben  $öalb  ge^ 
gangen. 

3nbeffen  magte  er  e$  boct)  unb  ging  in  ben  fdjauerlidjen 
■J>o$lmeg  hinein.  9lber  faum  tjatte  3od)en  feinen  ftufe  auf  bie  ©teile 
gefefet,  mo  er  geftern  Slbenb  ben  alten  SRamt  mit  bem  torbe  in 
ben  ©dmee  geftür$t  ^arte,  fo  tyat  e8  ityn  gefaßt  unb  gefdjüttelt,  unb 
in  einem  2lugenblicfe  ift  er  meg  gemefen  unb  ift  aud)  nie  mieber 
gefommen,  unb  fein  üttenfä  ljat  gehört,  moljin  er  geftoben  ober  ge^ 
flogen  ift.  Die  tfeute  fyaben  aber  geglaubt,  bafc  ber  böfe  fteinb 
if>n  geholt  r)abe  megen  ber  üielen  oerrudjten  unb  gottlofen  ©treibe, 
bie  ber  übermütige  3m,9c  immer  oerübte. 

DaS  ift  eS  jeboa}  nid)t  gemefen,  fonbern  beS  alten  9Wanne8 
mit  bem  fforbe:  „"piep,  SBogel,  piep!",  ben  er  in  bem  $of)lmcg  fo 
fdjänblidj  umgeflogen  unb  bann  nodj  fdwbenfrolj  auSgeladjt  r)atte. 
3oa)en  f>at  pfeifen  lernen  müffen,  er  ift  in  einen  ^iepoogel  Oer« 
manbelt  unb  ber  allerfleinfte  SJogel  gemorben,  ber  auf  (Srben  lebt. 
Da«  ift  nun  feine  ©träfe,  bafj  er  im  ffrengften  Sinter  burd)  bic 


477 


Sträuße  unb  £e<fen  fliegen  unb  um  bie  §äufer  unb  ^enfter  ber 
flflenfehen  flattern,  metj*  aber  bei  armen  beuten  herumfliegen  unb 
hungern  unb  frieren  unb  piepen  mufc. 

(£r  ^at  ein  graue«  9iö(fdjen  an,  gleich  bem  grauen  Littel,  ben 
er  trug,  al«  er  oermanbelt  morben,  unb  muß  bis  biefen  £ag  au« 
fdjelmifdjeu  unb  fpifcbübifd?  freunblidjeu,  Keinen  äugen  ladjen,  auch 
luenn  t^ut  tueinerlich  ju  3)?ut  ift.  (£r  ^ei^t  ber  3aunfönig,  bie 
Veute  nennen  ihn  aber  oft  au«  Spott  ben  grojjen  Jochen  ober  ben 
furzen  $an;  auch  wirb  er  ^effelfönig  genannt,  weil  ber  arme 
Steint  burch  Ueffeln  unb  $ißeln  unb  f leine,  fiadjliche  Sträuche 
fdjlüpfen  unb  fliegen  mufj  unb  meinen«  in  ^effelbüfchen  fein  SWeftchen 
baut.  $a  hat  er  nun  £eit  feine  Sünben  311  bebenfen,  mann  ber  Söinb 
pfeift  unb  ber  Schnee  ftöbert  unb  er  in  fahlen  §ecfen  unb  Jaunen 
fifcen  unb  piepen  mufc.  £a  hören  bie  tttnber  ihn  oft  mit  feiner 
feinen  Stimme  fingen  unb  benfen  an  bie  alte  ®efchichte  oon  Jochen 
$)iebenforu. 

(fr  fingt  aber  alfo  fein  ,,^iep,  SSogel,  piep!": 
„Piep!  Piep! 
De  Appel  sunt  riep, 
De  Beren  sunt  gel, 
Dat  Speck  in  de  Tweel, 
De  Stuw  is  warm, 
Hans  slöpt  Greten  im  Arm. 

Piep!  Piep! 

Wo  koold  is  de  Riep! 

Wo  dünn  is  min  Kleed! 

Wo  undicht  min  Bedd! 

Wo  lang  is  de  Nacht! 

Wer  hedd  dat  woll  dacht?" 
Nacb  atnbt,  üHäichcn  u.  ^ugenbeta,  2.  HufL  I.  S.  319—356. 

595. 

Sie  ber  3aunfbnig  ein  ÄÖnig  ber  Sögel  geworben  ift. 

$11«  bie  IDienf d)cn  fich  einen  ftbnig  getoählt  har^eit'  wollten 
ihnen  bie  S3ögel  nicht  nachftehen  unb  befchloffen,  fich  ebenfall«  einen 
£)errfd)er  $u  füren.  G«  marb  eine  grojje  ))tat«oerfammlung  berufen, 
unb  man  fam  nach  langem  §inunbher»9ieben  überein,  ber jenige 


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478 


folle  oon  arten  unmeigerlidj  al«  Sogelfönig  anerfannt  werben,  ber 
am  työdjflen  fliegen  fönne. 

2(n  einem  oorljer  feflgefefeten  $age  erfdn'enen  alle  Sögel  auf 
einer  fjerrlia^en  Söiefe,  bic  mitten  im  ©albe  lag.  ©in  3eid)en 
mürbe  gegeben,  unb  luftig  er^ub  fidj  bie  gange  ©efetlfdjaft  in  bie 
tfüfte;  aber  nidjt  (ange  mährte  e«,  fo  erlahmten  einem  nadj  bem 
anberu  bie  Gräfte,  <5o  gerne  fte  Äöntg  geworben  mären,  fie  mußten 
umfe^ren  unb  bie  erfelmte  ©ürbe  üöefferen  überlaffen.  Seiner  tfyat 
e«  ieboa)  bem  Hbebor  gleich  ©eit,  meit  unter  ü)m  befanb  fta> 
ber,  melier  ber  jmeite  nadj  iljm  mar. 

®o  50g  er,  nad)bem  e«  offenbar  gemorben,  baß  er  unbejrritteu 
ber  «Sieger  fei,  fiol$e  Äreife  in  ber  Suft  unb  ließ  fid}  bann  eben» 
fall«  nieber,  ba  aud>  feine  Sfraft  gu  erlahmen  begann.  $n  biefem 
Wugenblicfe  fdjlüofte  unter  feinen  ftlügeln  ein  minjige*  Sögeidjen 
Ijerau«,  fo  flein,  baß  e«  nodj  gar  feinen  tarnen  erhalten  ^atte,  ob» 
gleidj  e«  an  Älug^eit  alle  aubern  Sögel  übertraf,  flieg  in  bie  ?üfte 
unb  fdjrie,  fo  fefyr  e«  nur  fonnte: 

„Ek  ben  Koenich! 
Ek  ben  Koenich!" 

Der  ?lbebor  mürbe  gornig,  benn  er  burt$fa>ute  ben  Setrug 
unb  erfannte,  baß  ifun,  olme  baß  er'«  bemerft  $atte,  ba«  lierdjen 
auf  ber  ©iefe  unter  bie  ftlüQel  gefroren  mar.  Slber  roa«  fonnte 
all  fein  ^ürnen  Reifen;  ma«  gefdje^en  mar,  mar  gefdjefcn.  Den 
fleineii  <Sdjelm  im  fttttQm  ju  überholen,  baju  reiften  audj  beim 
beften  ©Wen  be«  Slbebor  Gräfte  nia)t  me^r  au«.  <£r  ließ  fidj 
barum  gur  ®rbe  ^erab  unb  rief  mit  bem  übrigen  gefieberten  $eer 
ben  fleinften  Sögel  al«  tönig  au«.  Äaum  mar  bie«  gefdjetyen, 
fo  machte  er  jeboc^  bie  Serfammlung  auf  ben  Setrug  aufmerffam 
unb  gab  ben  SRat,  ben  mingigen  $errfd>er  urnjubringen  unb  bann 
jur  neuen  $önig«maljl  $u  f djreiten. 

©obalb  ber  Sogetfönig  auf  bem  (Erbboben  angelangt  mar, 
fiel  be«I>alb  alle«  über  tyn  tyer  unb  fudjte  i&m  ba«  tfeben  ju  nehmen. 
Der  Heine  Äönig  mar  aber  flinfer  al«  alle  feine  Untertanen 
fammen  genommen.  $>aft  bu  nidjt  gefc^en?  mar  er  in  ein  3J?aufe* 
lodj  gefdjlüpft  unb  bort  oor  jeber  9iadjftelümg  fidjer. 

Die  Sögel  murmte  e«,  baß  ber  Sdjalf  fo  feiner  geredeten 
©träfe  entgegen  follte,  unb  [teilten  bie  (Jule  al«  ©äfyer  bei 
bem  tfodje  auf,  bamit  fie  ba«  Sögeidjen,  menn  e«  entmifdjen  molle, 


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479 


fogleid)  patfe  unb  freffe.  Die  (Sule  gefaxte  unb  oerfprac§,  genau 
Dbadjt  geben.  ?lber  tüte  e«  fo  $u  getyen  pflegt,  ba«  lange 
Steden  unb  «uf paffen  maajt  mübe.  @I>e  fie'«  ft$  »erfaty,  war  fte 
eingefölafen,  unb  al«  fie  wieber  erwadjte,  war  ton  bem  Keinen 
(befangenen  nidjt«  metyr  ju  feljen. 

Sie  ärgerte  ficr)  bie  <£ule  ba  über  ftd)  felbft!  Uber  e«  follte 
nodj  fdjlimmer  fontmen;  beim  faum  Ratten  bie  anbem  93ögel  »on 
tyrer  sflad)läffigfeit  erfahren,  fo  flogen  fte  l?eran,  jergauften  ifjr  bie 
frebern,  oer^ölntten  unb  oerfpotteten  fte  bermaßen,  baß  fte  in  ben 
bunflen  Salb  fliegen  unb  fta?  im  f$mar$en  Ditfidjt  oerfteefen 
mußte,  um  nur  wieber  föulje  $u  befommen.  9tocf/bem  bie  (Sule 
beftraft  war,  faxten  bie  SJögel  ben  ©efajluß,  ein  ieber  foüe  ben 
Äönig  umbringen,  wo  er  if)n  audj  fänbe. 

Um  nun  bem  £obe  $u  entgegen,  ift  ber  SBogelfönig  gezwungen, 
ftdj  in  $>ecfen  unb  Zäunen  unb  niebrigem,  bidjtem  Straudjmerf  auf« 
jufjalten,  wo  fein  anberer  53ogel  leben  fann.  Unb  ba«  Ijat  i^m  ben 
Spottnamen  ßaunfönig  00cr  ^cffelfönig  eingetragen,  ben  er  audj 
uoa)  füljrt  bi«  auf  biefen  Jag.  (Jbenfo  wagt  audj  bie  (Eule  bi« 
feilte  nodj  ntdjt,  ftd)  bei  Jage  unter  ben  Sögeln  fef>en  $u  laffen, 
unb  gety  be^alb  immer  nur  be«  Wadjt«  auf  tyre  9ialjrung  au«. 
Wünblid)  nu«  Dtedoto,  Jtrci8  Smienbura,  unb  flrafeia,  Ärci$  ftürftentum. 

596. 

$a«  ffiotfeQIdjen  nnb  bie  ftoljlmcife. 

9totfeI)(d)en  unb  $ot}lmei«d)en  waren  einft  ein  ^Jaar  fu'tbfdje 
Dirnen,  Jödjter  einer  alten,  frommen  2öitme,  bie  fid)  oon  Spinnen, 
sJiäfjen  unb  Saften  unb  »on  anberer  Slrbeit  fnapp  aber  efyr(id) 
ernährte.  Sie  Ijatte  nur  biefe  beiben  Äinber,  üon  welken  ba« 
ättefte  ©retten  unb  ba«  jüngfte  Äatfyrindjen  Ijieß.  Sie  lu'elt,  wie 
fauer  e«  iljr  aud)  warb,  bie  tönber  immer  nett  unb  reinlich  in  ber 
Reibung  unb  fdjufte  fie  fleißig  $u  $ird)e  unb  Schule,  unb  al«  fie 
größer  würben,  unterwie«  fie  fie  in  allerlei  fttnftlidjer  Arbeit  mit 
ber  Safere  unb  mit  ber  s)2abel  unb  Ijielt  fie  fHll  in  iljrem  Lämmer» 
(ein  in  aller  (Styrbarfeit  unb  Jugenb.  Unb  ©retten  unb  Äatljrin* 
dftn  gebieten,  baß  e«  eine  »Jreube  war,  unb  würben  eben  fo  Ijttbfdj 
unb  fein,  al«  fte  fleißig  unb  ehrbar  waren,  fo  baß  alle  9ttenfa>n 
iljre  l'uft  an  tynen  Ratten  unb  bie  Wadjbam  fte  iljren  lottern  al« 
redjte  ÜRujter  geigten  unb  lobten. 


430 


21la  aber  bie  ÜKutter  ftarb,  blieb  e$  uic^t  lange  mehr  fo  ftill 
in  bem  §äuSd)en,  roie  eä  foitft  geroefen  war.  93öfe  ©üben,  welche 
auf  fcfyöne«,  iungeS  931ut  lauern,  merften,  ba§  bie  Hüterin  weg  war, 
meldte  bie  £äubd)en  fonft  beroadu  hatte,  unb  es  fanben  ftd)  lofe, 
junge  ÖJefellen  ein,  tpetc^e  bie  sJD?äbdjen  ju  Sängen  unb  ©elagen 
unb  3U  Spaziergängen  auf  bie  Dörfer  oerlocften.  2)a$  foftete  t>iel 
®elb,  mehr  ©elt>,  als  ©retten  unb  Stathrinchen  auf  ehrliche  Seife 
erlangen  tonnten.  Da  fte  nun  aber  oiele,  fdjöne  Arbeit  unb  foft- 
bare  £euge  unter  ben  §änben  Ratten,  morauS  fie  Sdnnucf  unb 
Äleiber  ftteften  unb  nähten,  fo  fingen  fie  allmählich  an  ju  maufeu; 
ad}!  fie  fragen  julefct. 

(Sinntal  Ratten  fie  einen  bunten,  feibenen  SHocf  geflogen,  ber 
in  einem  5?ad)barl)aufe  am  ^enfter  bing,  unb  au  einen  herumgiehenben 
gilben  üerfauft.  @in  armer  Scbneibergefell,  bei  welchem  man  oiele 
bunte  Wappen  unb  Streifen  $eug  gefunben,  bie  er  and)  wotjl  ge- 
mauft  haben  mochte,  mar  barüber  angesagt,  gerietet  unb  gelängt 
worben.   (ir  hing  unb  baumelte  an  bem  lichten  (Matgen. 

(SineS  9lbenb$  fpät  famen  bie  beiben  Dirnen  mit  anbern 
©efelleu  unb  Gefährtinnen  uon  einem  Dorftan$e  jurücf,  unb  ber  Seg 
ging  an  bem  ©algen  oorbei.  Da  rief  einer  auä  ber  Schar,  ein 
leichtfertiger  Surfte:  „$ri$  Sdjneiberlein !  $rife  Sdjneiberlein ! 
©ie  teuer  wirb  bir  bein  bunter  sJtocf!"  Äaum  aber  hatte  er  ba£ 
©ort  gefprodjen,  fo  fa)lug  bie  Sünbe  tote  ein  ©lifo  in  bie  beiben 
hinten,  bie  fdmlb  waren  an  beS  armen  Sch"eiber8  Job.  Sie 
ftürjten  beibe  wie  tot  $ur  (Srbe  l)in,  unb  bie  anbern,  bie  e£  fat)ett, 
liefen  ooll  Schrecf  weg,  als  Ratten  ihnen  alle  ©algenüögel  fdwn  in 
bem  Warfen  gefeffen.  Sie  haben  bie  ©efdjidjte  in  ber  Stabt  erzählt, 
unb  bie  Seute  finb  Eingegangen,  aber  bie  beiben  Dirnen  haben  fie 
nimmer  gefunben. 

Unb  wie  hätten  fie  fie  finben  f ollen?  Sie  waren  in  33ögct 
oerwanbelt  unb  müffeu  nun  in  ber  wetten  SÖelt  herumfliegen. 
(Sketchen  ift  ein  Kötterichen  geworben  unb  Äatt)rind)en  ein  Äoljl* 
meiächen;  benn  Grethen  trug  immer  ein  rotfeibeneÄ  Sud)  um  ben 
^palö  unb  &att)rind)en  ein  gelbem.  So  muffen  fie  nun  al£  Heine 
33ögel  tu  ben  Söälbern  herumfliegen  unb  junger  unb  Dürft  leiben, 
v^t|e  unb  Sälte  aushalten  unb  t?or  Sperbern  unb  Ralfen,  üor 
Schlangen  unb  Cttern,  t?or  Jägern  unb  tuilben  33ubeu  gittern. 


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481 


Daß  biefe  Reinen  3?ögcl  einft  SRenfctyen  getvefen,  i|t  gauj  na» 
türlidj,  unb  man  fann  eö  aucfy  barau§  fefjeu,  bafc  fie  immer  um 
bie  Käufer  ber  SNenfdjen  fliegen,  and)  oft  burdj  bie  offenen  Qreufter 
in  bie  ßimmer  fommen  unb  fid)  ba  fangen  laffen,  aud)  bafc  fie  im 
©albe,  fo  toie  fidj  nur  SOfenfdjen  ba  fefyeu  laffcn,  fogleid)  um  fie 
fyerumflattern  unb  gnritfcfyeru.  8ie  Ijaben  audj  bie  alle  Unart  im 
Utogcffleibe  nod)  nicfjt  abgefegt  unb  fönnen  baS  ü)2au|"cn  nid)t 
laffen,  fonbern  finb  nod)  immer  ©rgbiebe,  unb  roo  nur  etwa«  53unte£ 
unb  9feue£  unb  2d)immernbed  ausgehängt  roirb,  ba  fliegen  unb 
fdnia^en  fie  barnad),  unb  werben  bafyer  feine  33ögel  letzter  in 
Jadeit  unb  2d)lingen  gefangen,  als  biefe  beibeu,  unb  muffen 
Wretdjen«  unb  &atfjrind)euS  gefieberte  Urcufel  e3  nod)  entgelten, 
bap  fie  einft  ^uoiel  auf  tfirmeffeu  unb  Janje  gegangen  finb  unb 
ben  bunten  9iocf  geflogen  Ijaben,  um  beffen  luillen  ber  Sdweiber 
fangen  mußte. 

ftad)  (?.  9R.  Slrnbt,  üRär^cn  unb  Sugenberg.  2.  tfufl.  I.  5.  300-305. 


597. 
$oge(f)>rad)e. 

Tne  Sajroalbe  fingt: 

As  ik  wech  jung,  as  ik  weeh  jung, 
Da  was  alles  dick  un  vull,  da  was  alles  dick  im 
vull; 

Nu  ik  wedder  kam,  nü  is  alles  leddich, 
Nü  is  alles  upfröten  un  verschlungen  uu  ver- 
klungen. 

LüttMaeten  dat  gröt  Maeten  'n  Büdding  gewen  will; 
Wenn  liber  Renz  dat  nich  will,  denu  schlaug  ein 
voer  de  Blerrrrr. 

©OlflOlt. 

As  ik  wech  toch,  harr  ik  Kisten  un  Kasten  vull; 
As  ik  werrer  kaim,  harr  ik  nist  as  en  käl  Flerer- 
müs. 

Alles  ütgefrete,  alles  vull  geschete! 
Kumm,  leck  nü't  Flirrrrr. 

Mici*  OlauaaTb. 
31 


4*2 


As  ik  wech  töch,  harr  ik  all  Kisten  un  Kasten 
vull; 

As  ik  werre  kam,  härr  es  alles  ütfröte,  alles  vull 

makt 
NO  lick  mi't  Flirrrrr. 

Ärei«  Sürftentum. 

As  ek  wech  jing,  leit  ek  Kiste  ö  Kaste  voll; 
As  ek  wedder  käm,  wer  alles  ütfröte,  ütseh&te. 
Frett,  dat  du  harschte  warscht. 


ÄTfiö  gauenburfl. 


Der  Sudjftnf  fingt: 

ÜJiein  ÜWann  ift  ©eridjtsuottjiefyer! 
9Wein  SDJann  ift  (&erid)t*i>oll jiefyer ! 

Die  Söadjtel  fingt: 

Flick  de  Büx  tau! 
Flick  de  Büx  tau! 


ÄreiS  Saajifl. 


Äreis  ©rimmen. 


Die  £erd)e  fingt: 

SWeiite  Butter  §atte  fieben  Söcfjter, 

Die  Ratten  alte  fieben  tfödjer; 

Söeit  finb  fie  nity,  aber  tief,  tief,  tief! 

flrei*  ^ürflentum  um)  ttuienbura. 

Der  Siebefyopf  fpri(f|t: 

Qd)  bin  ber  fdjöne  SMebeljopf, 
£rag'  eine  Strone  auf  meinem  Jtopf, 
Unb  bocf)  fagen  bie  Veutc  id)  ftinf? 


ÄTti«  ^ürftfntum. 


Der  ttiebife  färcit: 
Kiwit, 

Wo  hllw  ik? 

Die  Ätnber  antworten  baranf: 

Bliw  du  recht,  wo  du  wist, 
Jk  fäue  uäure  Schtadt 


Jütftentum. 


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483 


598. 
$er  ftfunber. 

$ie  23ögel  Rotten  fid)  eine»  ftöntg  gemär/lt.  $a  würben  bie 
^ifdje  neibifd)  unb  wollten  e$  it)nen  gleid)  tt)un.  Sie  famen  borum 
überein,  baß  fidj  alle  $ifdje  in  bem  großen  ©affer  toerfammeln  unb 
barauf  an  einem  Settfdjwimmcu  beteiligen  füllten.  Ser  am  läng* 
fien  ba8  Sdjmimmen  ausweite,  ber  folte  Mbuig  werben. 

3öie  e3  ausgemacht  war,  fo  gefd)al?  es  aud).  $ie  ftifdie 
famen  im  $fteer  pfanunen  unb  fdjwammett  um  bie  Serie;  bod)  bie 
meiften  würben  nad)  furger  3eit  fdjou  mübe  unb  blieben  infolge  beffen 
gurücf.  «ber  aud)  bie  Wenigen,  meldjc  U)rc  Strafte  nic^t  fo  balb 
»erlaffen  Ijatten,  mußten  fd)ließlid)  einem  meinen,  ber  an  ?luöbauer 
allen  anbem  ooranftanb,  nämlid)  beut  .fteriug,  weldjer  auf  biefe 
Seife  Stönig  ber  ftifd)e  würbe. 

Unter  ben  ^urücfgebliebeneu  befanb  ficf>  aud)  ber  gtunber. 
Der  war,  als  bie  anbem  ben  ©ettfamfcf  beginnen  wollten,  nod) 
fdwell  einmal  nad)  |)aufe  gefd)Wommen,  um  fid)  oon  bort  feine 
Sdntrge  gu  Iwlen.  „Denn",  fagte  er,  „wenn  id)  meine  Sdjitrgc 
§abe,  werbe  id}  um  fo  fdjneller  fdjwimmcn  fönuen".  Sil«  er  jebod; 
mit  feiner  Sdjürge  am  ^erfammlungSplafe  anfam,  waren  mit 
9lu$nafjme  be§  gering«  bie  übrigen  frifdje  fdjou  längft  wieber 
jurücfgefefjri.  sJcicr)tS  befto  weniger  gab  ber  ^luubcr  feine  Sadje 
burdjau«  nidjt  verloren.  Gr  baub  feine  Sdjürge  um,  fdjrie  vor 
ftreube:  „Qefet  habe  id)  meine  Sdjürae  unb  werbe  WÖuig"  unb  be« 
gann  barauf  baö  Saffer  mit  feinen  Stoffen  gu  teilen,  £>cd),  o  wer/, 
über  bem  vielen  Oteben  unb  ber  Sdnirge  hatte  er  gang  baö  Schwillt« 
men  »erlernt  unb  fiel  auf  eine  Seite.  Slber  aud)  baö  flimmerte 
it)n  wenig,  fo  gut  ober  fdjledjt  eö  ging,  er  fdjwamm  weiter  unb 
rief  babei  mit  feinem  burdj  baS  fdjiefe  Sdjwimmen  verzerrten  2)2aule: 
„Ek  war  Koenich!  Ek  war  Koenich!^ 

Seit  biefer  $eit  muß  ber  ftluuber  immer  auf  einer  Seite 
fd)mimmen  unb  f/at  ftets  ein  fdjiefeS  ÜJcaul. 

s])tünt>licb  au$  üiedoro,  .Vtvei*  i'aucnburg. 

599. 
$te  SWarnue.1) 

Waranen  giebt  e#  in  Bommern  nur  in  ber  Üiabüe,  fouft 
finbeu  fid)  biefe  tfifche  nirgenba  in  ben  Seen  beä  t'anbe».  Sie 
Tltal.  Icmme,  Mefngen  Nr.  7"j. 

31* 


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484 


finb  überhaupt  Feine  beutfdjen  ftifd)e,  fonbern  flammen  aus  bem  fer- 
nen flfrifa  nnb  finb  auf  folgende  Seife  in  ben  Üflabüefee  gefommen. 

Gin  ÜBauer  im  Scharfer  inadjte  mit  bem  teufet  einen  fion* 
traft  unb  oerfd>rieb  if)tn  feine  Seele,  menn  er  ifrni  fror  bem  #afmrrat)t 
ein  ®erid)t  9J?oränen  aus  Afrifa  Ijerbeijubringen  oermödjte.  Der 
93öfc  mar  ot)ne  meitereS  barauf  eingegangen,  unb  menn  fidj  ber 
33auer  aud)  anfangs  uicfjt  oiel  um  ben  .ftanbel  fümmerte,  meil 
er  bie  Ausführung  ber  Sadjc  für  unmöglich  tfielt,  fo  ergriff  ifm 
borf)  beim  Morgengrauen  fürd)ter(id)e  Angft,  ber  Teufel  mödjte  am 
(Snbc  baS  fdjeinbar  Unutöglidje  Sege  311  bringen.  C?r  ging  beS* 
^atb  aus  feinem  ,$aufe  berauS,  Hatzte  in  bie  ,£änbe  unb  fräste 
mie  ein  £afm.  itaum  Ratten  bieg  fein  eigener  $au$f>afm  unb  bie 
©ätyne  ber  9iac^bar[rf)aft  gehört,  fo  ermadjten  fie  unb  gaben  Antmort. 

Unb  e$  mar  für  ben  Sauern  bie  hbdjfte  $eit  gemefen,  beim 
fdjon  befanb  fid)  ber  Satan  über  ber  SOJabüe.  AIS  er  nun  bort 
Imcfj  in  ber  Vuft  baS  Äraren  l)örte  unb  einfalj,  bajj  alte  feine  üJ?iit)e 
oergebliri)  gemefen,  liefe  er  ärgerlid)  bie  8'ifd)c  ffl^e«  unb  flog  bat?on. 
Die  SNaräneu  jebort)  oermebrten  fidj  in  bem  See  unb  finb  bie 
Stammeltern  ber  9)Jaräneu,  meld)e  nodj  jefct  in  ber  Üftabüe  gefangen 
merben. 

Wünblidj  aus  Staraarb. 

GOO. 

$te  Äreusotier  unb  bie  8linbfdjletd)e. 

AIS  unfer  lieber  .^errgott  bie  SÖelt  gefdjaffeu  unb  alles  bar* 
auf  fo  fdjön  unb  berrlid)  gemadjt  hatte,  ärgerte  biefe  ^radjt  bie 
Äbber  (^reu^otter)  unb  ben  ©immer  (SBlinbfdjleidje),  unb  fie  be< 
fdjloffen  beibe,  fidj  bagegen  $it  fefcen.  Die  flbber  oermafe  ftdj,  burdj 
Stein  nnb  Stal)(  ju  beigen ;  bod?  ber  liebe  ©ott  r)at'S  il;r  vereitelt, 
nnb  fie  fann  uid>t  einmal  burd)  i'einmanb  fteeben.  Der  ©immer 
bagegen  fyattt  gefügt,  er  motte  bem  dauern  bie  Speiden  im  9iabc 
äerbredjeu.  Dafür  marb  er  feines  Augenlichtes  beraubt;  immerhin 
ift  er  aber  uod)  fo  ftarf,  bajj  er  einem  Wanne,  menn  er  fid;  um 
feinen  Arm  minbet,  ben  ftnodjen  $er6ridjt. 

ÜMerfmürbig  ift?S,  baf?  bie  Äbber,  fobalb  fie  $unge  befommen 
mill,  fdjreit  mie  ein  tleineS  Minb.    Daruad)  aerplafct  fie,  bie  jungen 
Äbberu  frieden  heraus  unb  oer^el^ren  bie  fterbenbe  9)?uttcr. 
«HS  miom,  Sit.  Neacniualfcc:  Mitgeteilt  burd?  frerrn  ^rof.  I*.  Äubn. 


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485 


601. 

Der  Sc^Ianflcnfömfl. 

Der  $errfd)er  ber  2d)langeu  ift  ber  ^djtangenfönia,.  Cr 
trägt  eine  fd)öne,  wunberfyerrlidje  ftrone  auf  bem  ftopf,  weldje  fun* 
feit  wie  lauteres  ©olb. 

©inmal  Ijat  ein  Statin  gebettet  unb  fid)  t>ermeffen,  bafe  er 
aüed  ©ewürm  um  einen  &rei$  Ijerum  bannen  fonne,  oljne  ba§  fie 
eö  wagen  füllten,  bie  ©renge  ju  überfd^reiten.  @r  50g  audj  wirf* 
lid)  einen  #reis,  trat  hinein  unb  fprad>  ben  Sann.  (Sofort  firöm* 
ten  gerbet  alle  Slbbern,  Senaten  unb  'Bimmern  unb  alles  fonfrige 
©ewürtn  unb  lagerten  gefyorfam  unb  füll  ringS  umfyer.  Der  ■ättann 
Ijatte  aber  au$  93erfef>en  ein  ©ort  in  bem  .ßanberfprudje  fcergeffen, 
wenn  audj  nur  ein  einziges,  unb  baS  war  fein  Herberten.  Denn 
fielje,  plö^lic^  na^te  ber  <©d)langenfönig  mit  ber  funfelnben  $rone, 
bahnte  fid)  einen  SÖJeg  burdj  baö  ©e^üd^t  unb  fdjritt  über  ben  &rei$ 
gerabe  anf  ben  *Diamt  I08.  Die  tbbern  unb  bie  Sdmafen  unb  bie 
Zimmern  unb  alle  anbern,  ald  fie  eö  gewahrten,  folgten  iljrem 
Äönig  naefy  unb  töteten  unb  ver^c^rten  ben  Sanner. 

Gbcnbal)«. 

602. 

Dem  Sd^langcnfönig  wirb  bie  Äroue  geraubt. 

©in  Leiter  falj  einmal  ben  Sdjlangeufönig.  ©dmell  flieg  er 
ab  unb  fdjlug  ifjm  bie  Ärone  oom  Raupte,  fprang  fobann  bamit 
eilig  auf  baS  <Pferb  unb  jagte  baoon,  Was  fein  lier  nur  laufen 
mod)te.  Die  ©anlangen  unb  ba§  fonftige  (Gewürm,  meldje  um  ifjren 
Äönig  oerfammelt  waren,  folgten  jebod)  bem  Leiter  uad)  unb  blieben 
iljm  immer  Ijart  auf  ben  ftwfen.  (Snblid)  fam  er  in  ein  Dorf,  wo 
eine  Söafdjfrau  auf  ber  ©tra§e  ftanb  bei  einem  fodjenber  tfauge. 
Da  Ijinein  warf  ber  Leiter  in  feiner  JobeSangft  bie  $rone,  unb 
alles  ©ewürm  [türmte  fidj  $>al$  über  $opf  bem  ftleinob  nadj  unb 
üerbrannte  elenbiglidj.  Der  SWann  aber  war  gerettet,  unb  beö 
©cfylangenlönigS  Ärone  war  fein. 

(Jbenbal)«. 


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4«rt 


603. 
I. 

Dei  Arre  hat  sacht:  „Jk  bit  döreh  Js  6  Schtal". 
Dunn  sacht  leiw  Gott  tau  er:  „Du  bittet  nonnich  dörch 
ne  wulle  Fare". 

Dei  Schnauk  sächt:  „Jk  bit  6  Nor;  wenn'k  äwer 
bit,  de  jet  tom  Dör". 

Dei  Winnolworm  sticht:  „Wenn  ik  sö  kike  kö,  as 
ik  hoere  ka,  de  veschönt  ik  nich  't  Kind  inne  Weijw. 

WünbliO)  au«  Äitfer,  Äret«  tfaiiflcirb. 

IL 

Dei  Schnak  sächt :  „Jk  bit  dörch't  Ledder, 

Doch  wat  ik  bit,  watt  noch  wedder". 

Dei  Arrer  sächt:  „Jk  bit,  ik  bit  ö  Nör, 

Un  wat  ik  bit,  dat  kümmt  tau  Döru. 

Dei  Hartworm  sächt:  „Wenn  ik  so  kiken  künn,  as 

huern, 

Verschönt  ik  dat  Kind  inne 

Weij  nichu. 
3Rünb(i$  au«  SHeefiaer,  Ärei«  Deiumin. 

III. 

De  Schlang  sächt:  „Jk  schtek,  ik  schtSk  6  Nöd, 

Un  wat  ik  schtek,  dat  jet  t6  Dödw. 
De  Adder  sächt:  „Jk  bit,  ik  bit  6  Gern, 

Un  wat  ik  bit,  dat's  wedder  tau  wernu. 
De  Blenning  sächt:  „Wenn  ik  so  söen  künn,  as  ik 

hoeren  kann, 
Denn  wull  ik  kön  Kind  in't 

Wij  verschönen, 
Wenn  uk  isern  Doer  voer  waeru. 
SRünblicb  au«  3<«M«borfr  Ätei«  SRanboro. 

*)  Ärrc,  Arrer,  ÄHder  =  ÄtcujOttft;  Schnauk,  Schnak,  Schlang 
=  SJinaelnattcr;  Wimmer,  Wimiel woran,  Hartworm,  Blenning  =  3Miub= 
fcbleidje. 


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487 


604. 

$te  $abi*e  (GHbedtfe). 

<5o  fcinb  bic  Sdjtangeu  bcn  2flenfcf)en  finb,  fo  freunbttd)  iß 
ibnen  bie  fleine  föabifce  geftnnt.  Viegt  ein  2ftenfd)  auf  ber  (Srbe 
unb  fdjläft,  unb  fommt  bann  eine  $bber  ober  ein  Sdjnafen  in  feine 
fo  läuft  bic  |)abifee  if>m  über  ©ruft  »nb  ®efid)t.  Damit 
wecft  fie  it)n  unb  $eigt  tym  an,  in  roetdjer  ©efaf>r  er  ftd)  befinbet. 
^Reijt  man  aber  bie  .fwbifee,  fo  wirb  fie  fefyr  böfe  unb  beijjt  neun 
Jßunben  auf  einmal.  Daoon  Ijeilt  jebeö  Qafjr  eine;  I>at  fidj  aber 
bie  neunte  SBuube  gefdjtoffen,  fo  nmfe  ber  üflenf  dj  fterben. 

2tuö  Woro,  Ät.  tteacmoalbf :  Witarteilt  burd)  $>crrn  $rof.  Q.  Stubn. 

605. 
ftrofdjfleforad). 

SBenn  bie  ftröfdje  im  £eid)e  ftfcen  unb  quafen,  fo  Ijat  ba« 
aüeö  feinen  richtigen  Sinn  unb  33erftanb;  benn  immer  einer  ruft 
bem  anbern  ju:  „Näwer!  Näwer!  Jk  back,  ik  back !"  «Darauf 
ertoibert  ber  Slngerebete :  „Jk,  ik,  ik  ukl  Jk,  ik,  ik  uk!a  Unb 
fo  geljt'S  bun$  bis  tief  in  bie  fladjt  hinein. 

2Rünblicp  au«  Warienfliefe.  Ätci«  Snajig. 

606. 
$te  Siene. 

©otyl  feine  93tume  birgt  in  iljrem  Äetdje  meljr  $onig  als  ber 
rote  Ä(ee,  unb  bod)  befugt  ifm  bie  53iene  niemals.  2)aS  macbj,  fic 
fann  mit  il>rem  üRüffel  ber  33lüte  uic^t  auf  ben  Wrunb  fommen, 
unb  ber  fdjöne  $omg  bleibt  ü)r  beSljalb  für  immer  oerfagt.  ftrityer 
mar  baS  ntcfyt  ber  ftall,  unb  erft  burd)  bie  eigene  Sdjulb  ber  93tene 
ift  aüeö  fo  gefommen. 

®erabe  in  ber  fd)önften  ^oniggeit  mar  nämlidj  ein  garftigeS 
Unwetter  über  baS  t'anb  ausgebrochen,  fo  baß  feine  S3iene  ben 
Stocf  oerlaffcn  fonnte.  9ld)t  Jage  lang  hielten  Sturm  unb  Regelt 
an,  unb  als  am  neunten  enblidj)  bie  liebe  Sonne  mieber  hcrborbrad), 
ba  mar  es  Sonntag  unb  bie  Arbeit  oerboten.  ,,%d)  waS",  fagte 
jeboc^  bie  Steine,  „was  f/eifjt  mir  Sonntag!  .JJdj  habe  ad)t  £age 


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48S 


feiern  muffen,  nun  roill  idj  nicfyt  aud)  nodj  ben  Sonntag  bagu  fau* 
lenken".  Der  liebe  ©ott  ermahnte  fie,  fcon  ir/rem  fd)led)ten  $>or* 
babcn  abjjufteljen,  ober  fein  sJ?ebeu  f>alf  iücr/t8;  bie  ©ieiic  flog  auö 
unb  fammelte  ben  ganzen  Sonntag  über  nad)  Gräften  ein. 

Da  fpradf  bcr  liebe  ©ott:  „$ur  Strafe  für  bie  SEeradjtung 
beä  Sonntags*  foll  bir  bie  33lume,  tvetd^e  ben  nieiften  .£>onig  trägt, 
auf  eroig  uerfdjloffen  btciben".  5?on  bem  Jage  an  roarb  ber  Äeldj 
beä  roten  ftleeS  fo  lang  unb  biinn,  ba§  feine  $iene  au$  if)m  ben 
.ftonig  fjerauSfaugeu  fann. 

Wünblicp  au$  Senfein,  Äretö  $emmin. 
607. 

$ad  §attffetb  (SibeHe). 

(53  roar  einmal  eine  ^riiifleffin,  bie  führte  ein  gar  roilbeS 
l'eben.  Den  ganjen  lag  über  tummelte  fic  ftd}  auf  if>rem  feurigen 
ffioffe  l)crum  unb  burcfiftreifte  auf  tfmt  tylb  unb  $lur.  (Jineö 
£age§  ritt  fie  burd}  einen  finfteru  $?alb.  Da  trat  ein  Keines  3R5nn* 
cljeu  auf  fie  £it  unb  flehte  fie  um  eine  milbe  ($abe  an.  2lber  bie 
t)artl)er$ige  Jungfrau  roollte  fidj  nid)t  in  ir/rem  Vergnügen  ftören 
laffen  unb  befahl  bem  ÜD?änndjen,  au§  bem  Sege  ju  treten. 

baSfelbe  nidjt  gef>ord)te,  trieb  fie  if>r  9to&  mit  ben  Spo* 
reu  an  unb  ritt  e£  über.  #aum  roar  ber  freuet  gefdjerjen,  fo  rief 
baö  <D2äimd)ert  mit  überlauter  Stimme:  „$öeil  bu  fo  graufam  ge* 
roefeu,  follft  bu  famt  beinern  fjferbe  in  alle  Groigfeit  auf  ber  £)eibe 
herumreiten".  Unb  foglcidj  ferroanbelten  fid)  bie  fyttigefftn  unb  if/r 
9tfo§  in  ein  geflügelte«  Tierdjen,  meiere«  jum  SOibenfen  an  bie  33e- 
gebenbeit  bi$  auf  ben  heutigen  Tag  baö  .£)afcpferb  genannt  roirb. 
(Srft,  roenn  ba£  iüngfte  ®erid)t  anbriet,  roirb  oon  ifym  ber  ftlucr; 
frfjroiubeu  unb  e£  roieber  $ur  üHetterin  roerben. 

gjliinblicb  au#  Waricnflic^,  ftieis  eaajia, 

608. 
Die  Spinne. 
L 

Die  Spinne  barf  man  nid)t  töten.   Sie  ift  ein  IjeiligeS  Tier, 
beim  fie  Ijat  einmal  unfern  £errn  Gf/riftuS  au«  einer  großen  ©e< 


489 


fafjr  gerettet,  ©o  unb  traun  baS  gefdjeljen  ift,  weife  man  aber 
nid)t  meljr. 

ftud)  ift  bie  Spinne  ein  trefflicher  Sttafyrfager.  üttan  ^at  beu 
VHcim  von  Ujr: 

Spinne  am  SDforgeu 
93riugt  Summer  unb  Sorgen; 
Spinne  am  9lbenb 
Grquirfeub  unb  labenb; 
Spinne  am  SWittag 
#reube  ben  ganzen  Xag. 
Sellen  bie  Veute  im  Greife  9?augarb  eine  Spinne,  fo  rufen 
fie  it)r  ju: 

„Schpenn,  glückst  du  ml, 
Denn  schtestu  schtill; 
Glückst  du  mi  ne, 
Denn  jest  du". 

Daun  geben  fie  genau  Cbadjt  auf  bie  Semegungen  be«  JierdjeitS 
unb  ridjten,  je  nadjbem  fie  flehen  bleibt  ober  fortläuft,  üjr  Jage* 
teer!  ein. 

%U  ben  .Hreifen  fteuftettin,  5?auanrb  unb  JHügcn. 
II. 

@in  Sauer  tjatte  in  ber  Stabt  eine  grofte  @rbfd)aft  erhoben 
unb  toanberte  nun,  mit  (Mctb  fdjroer  beloben,  feinem  .§ofe  ,ui. 
2d)led)te  teilte  Ratten  icbod)  oon  ber  Sadje  erfahren  unb  lauerten 
bem  Spanne  int  Salbe  auf,  um  ifyn  31t  ermorben  unb  bann  ,ut  be- 
rauben. $11  bem  .ßroeefe  lagerten  fie  fid}  im  bidjteu  33ufd)tt?erf  unb 
oerabrebeteu  bort,  toie  fie  bie  Sadje  moljl  am  beften  anzufangen 
Ratten.  Dem  einen  0011  tynen  mar  ba8  nidjt  red)t,  beut  anbern 
roieber  wollte  jenes  ntc^t  gefallen,  unb  fdjliefjlid)  uuterfyanbelten  fie 
fo  laut,  baß  ber  93auer,  al$  er  in  bie  'DJälie  beä  .jpinterljalteS  fam, 
iljre  Sieben  l)örte  unb  $u  feinem  Sdjretfen  erfuhr,  bafe  man  bort 
über  nichts  ©eringereö  janfe  als  barüber,  tote  er  am  fidjerfreu  au$ 
ber  Seit  ju  ftfyaffen  fei. 

$n  feiner  $>ersenSangft  oerfterfte  er  fid)  beStyalb  in  ben  Stamm 
einer  fyoljlen  (Sitdje.  Unb  als  er  brtnnen  mar,  frod)  eine  Ärenj- 
fpinue  Ijeroor  unb  fpann  einen  ftaben  m$  oem  onbern  über 


490 


bie  Öffnung  bi«  ba«  ganje  £odj  mit  einem  bieten  @emebe  bc* 
betft  war. 

3n$mtfd>en  galten  fidj  bie  Räuber  geeinigt  unb  fperrten  btc 
Straße.  5lber,  wer  nid)t  tarn,  mar  ber  reicfje  $auer.  G«  »erging 
eine  Stunbe  unb  bann  nod)  eine,  ja  e«  mürbe  Slbenb,  unb  immer 
mar  uod)  nicfyt«  üon  bem  2)iann  311  erbücfen.  „Der  Sdjelm 
bat  im«  belaufet",  fpracfjen  fic  enblicf)  $u  einanber,  „unb  irgeubwo 
einen  ^erftetf  gefuubeu  flommt,  laßt  un«  tt>n  fudjen!"  Unb  nun 
ftreiften  fic  ben  ganzen  9Balb  ab,  fonnten  aber  feiner  nicfyt  Ijabtjaft 
merbeu. 

(Snblicty  fliegen  fic  aud)  auf  bie  ^ot)(c  <Sid)e.  „§ier  fifct  er 
gemiß  hin!"  rief  ber  erfte  unb  trollte  fdjon  t>ineinfdjauen;  aber  bie 
anbern  Iahten  il)n  au«  unb  fpra^en:  „Du  Dummfopf!  Sicljft  bu 
beun  nicfyt,  baß  oor  ber  Öffnung  ein  unocrfefyrte«  Spinnengewebe 
tätigt  Säße  er  brinnen,  fo  müßte  bodj  ba«  Slefe  jerriffen  fein". 
Da«  leuchtete  bem  Räuber  ein,  er  flanb  oou  feinem  9?orfyaben  ab 
unb  30g  mit  feinen  ©enoffen  um?errid)teter  Dinge  mieber  na#  $aufe. 
Der  ©auer  mar  aber  mit  ©otte«  $>ilfe  burd>  bie  Slug^eit  unb  ?ift 
ber  Keinen  Äreujfpmne  gerettet  morben. 

Da«  follen  mir  nun  bi«  auf  ben  heutigen  Xag  ber  Spinne 
nid)t  oergeffen,  baß  fte  einen  braöen  93auer«mann  t>or  bem  lobe 
behütet  fjat,  unb  ein  gottlofer  93öfemid)t  ifl  e«,  wer  mutwillig  Spinnen» 
fleroebe  zerreißt  ober  gar  bie  lierdjen  tötet.  ©r  wirb  feiner  Strafe 
bafür  fpäter  einmal  nidjt  entgegen. 

SRünbltcp  au$  Sgboto,  5ttei$  ©d>law. 

600. 

$te  SBetbe  unb  bie  tanne. 

I. 

Die  Seibe  unb  bie  Xanne  finb  in  tyrem  $Budj«  ganj  »er- 
Rieben  gehaltet,  unb  $mar  au«  folgenber  Urfadje.  9(1«  unfer  .f)err 
(S^riftu«  auf  ber  @rbe  ton  ben  Quben  gepeinigt  mürbe,  fyat  mau 
ifm  mit  Söeibenruten  gefdjlagen.  Die  Xanne  bagegen  gab  if;r  $>oIg 
ju  bem  ftreuje  fjer,  an  bem  ber  Grlöfer  für  bie  Sünben  ber  ©elt 
geopfert  mürbe.  3ur  Strafe  fann  bie  SBeibe  nur  früpplicfye«  ©e* 
büfd)  ober  niebrige  Zäunte  bilben,  mätyrenb  bie  Xanne  $um  ?o$n 


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491 


für  ben  £>ienft,  wetzen  fie  bem  .£)eilanb  erfoiefen  f>at,  al8  flof^er 
Saum  emporragt. 

Wünblidj  nu$  Weciiger,  Äreiä  feminin. 
II. 

311$  ;lubaö  ^ft^ariot^  ben  fierrn  verraten  fjatte,  t)ing  er  fiefc, 
an  eine  sBcibe  nnb  ftürjte  binab,  fein  Yeib  barft  an3  einanber  unb 
bie  Gingetveibe  fielen  auf  bie  (Srbe.  ^eit  ber  $eit  roäcbft  bie 
Ütfeibe  fetten  über  2)?annst)öf)e,  and)  miiffen  fid)  itjre  .fttoeige  jur 
(£rbe  fyerabbeugen.  Unb  n?ie  ^nbaö  verfdn'ittet  and)  fie  ifjre  (£in* 
getoeibe,  tve^balb  alte  3Ö3eibenbäume  im  Hilter  fyoljl  werben. 

Die  $anne  bagegen  gab  bei  bem  Xobe  (Jtjrifti  if)r  .$01$  $um 
Streute  ber,  unb  barum  ifi  fie  bor  ben  übrigen  Säumen  ausgezeichnet. 
Stenn  alle  anbern  Öteioädjfe  im  hinter  ba$  Vanb  verlieren,  bleibt 
bie  $anne  grün,  ferner  üertoenbet  man  fie  jur  5telofmung  pm 
Setynacfytöbaum,  ber  nad)  ber  $at)i  ber  jtoblf  Slpoftel  mit  flirölf 
Viertem  befteeft  tuirb. 

Wünblid)  aus  ?lbtöbagcnr  Äreiö  Grimmen. 

610. 
$er  »albrtan. 

Väer  ollen  Tiden  is  mal  eis  'n  Maeten  nän  Noutplücken 
gän  unner  dei  Kerktid.  Da  is  Sr  'n  Mann  bejeigent,  dei 
hat  tö  6r  sacht: 

„Haest  du  nich  den  Bullerjän, 

S6  wull  ik  mit  d!  nän  Noutplücken  gän, 

Dat  di  dei  Ogen  in  'n  Nacken  stän.u 
Dat  Maeten  was  äowerst  Bullerjän  nä  den  Schau  rinfallen, 
un  däriim  künn  dei  Duewel  er  nix  anhäwwen. 

2Jtünblid>  au$  ©rammenborf,  5tret§  Grimmen. 

611. 

2ter{ufjraeinni<f)t. 

9ll£  tftott,  ber  .f)err,  ben  ?tbam  gefdjaffen  f>atte,  gab  biefer 
allen  ^flan$eu  tarnen,  unb  eine  jebe  behielt  benfelben  getreu  im 
<$ebä$tut£.   Oiur  eine  Heine,  blaue  ©lume  fam  balb  barauf  $u  bem 


I 


492 


ÜWenfdjen  juriicf  unb  bat  um  einen  neuen  Hainen,  ba  fic  ben  iljri; 
gen  oergeffen  ^abe.  Da  warb  Slbam  feljr  jornig  unb  fpradj:  „Du 
bumme*  ©efc^öpf,  weil  bu  fo  ocrgefelidj  bift,  foUft  bu  beinen  Stanb* 
ort  jur  Strafe  nur  an  GueUen  ober  fteljenbeu  ©ewäffern  fjaben 
unb  in  alle  ©wigfeit  ben  Tanten  Vergiß  mein  nid)t  führen". 
Unb  fo  ift  eS  beim  audj  geblieben  bis  auf  biefen  Xag. 

sJWiinblid)  au«  ben  Äteifcn  Souenburg,  Xemmin,  örmmen. 

612. 
$er  9ernftein. 

Die  $>albinfelu  Söittow  unb  Qaftimnb  werben  jefct  nur  burefy 
eine  finale  Vanbjunge,  bie  §d)abe  genannt,  oerbunben.  ftrityer 
war  ba3  anberS.  Da  lag  bort,  wo  jefet  bie  Xromper  SBicf  flutet, 
ein  großer  Sßalb  unb  eine  bcoölferte  Stabt.  Unb  ba8  würbe  wot>l 
aud)  tjeute  nodj  fo  fein,  wenn  ntdjt  einft  ein  gewaltiger  Oftwinb 
fec^ö  gauje  5Bod)cn  ^iiiburc^  gegen  baS  ©eftabe  gewebt  Ijätte.  2o 
Tarn  eö,  ba&  alle«  Vanb,  bis  auf  bie  Sdjabe  Inn,  oon  ber  Cftfee 
fortgeriffen  unb  in  ben  bellen  begraben  würbe. 

2?on  ber  Stabt  weh}  man  wenig  meljr,  aber  bie  ©rinnerung 
an  ben  untergegangenen  Salb  Ijat  fidj  nod;  frifdj  im  ®ebä$tnis 
erhalten.  Denn  baä  §arj  ber  oerfunfenen  Säume  ift  in  bem  faU 
$igen  ÜWeermaffer  51t  «Stein  erftairt  unb  wirb  beute  nod)  als  Sern* 
ftein  am  Stranbe  gefunben. 

^Werfwürbig  ift  ein  Sraud)  ber  §ibbenfeer.  Söenn  einer  ton 
ben  23ewoljnern  biefer  ^nfel  zufällig  ein  S>tü(f  SBernfteiu  finbet,  fo 
nimmt  er  es  fofort  in  ben  SWunb,  fpridjt:  „Nu  häw  ik  't  in  't 
Mul,  nü  finn  ik  uk  m6ra  unb  läuft  bann  eilig  ben  Straub  ab. 
(£r  ift  bann  feft  überzeugt,  bafj  er  an  bem  £ag  nod)  mefyr  Sern* 
ftein  finben  wirb. 

Wünblidj  nu$  fcibbentee. 


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XIV. 

Agenten  uträ  lcgciüiiiriff^e  ©rjfiljluwpn- 

$er  $err  <£l}rtfru£  befugt  ben  föcidjcn  nnb  ben  Krtnen. 

53ei  bem  reiben  Kaufmann  Naumann  war  grofce  ^oefoeit. 
Unfcr  §err  (Sfn-ift  fal)  ba$  &om  Gimmel  Ijer  unb  backte  bei  fid>: 
„$11  tuiüft  bodj  einmal  feljen,  wie  biefe  reiben  V'eute  bidj,  iljren 
$eilanb  unb  @rtöfer,  aufnehmen  werben".  @r  natym  beStyalb  bie 
©eftalt  eine«  armen  Üttanne3  an,  ftieg  jur  ©rbe  fyerab  unb  trat 
burdj  bie  Eljüre  in  ba«  ^odföettSfjauS  hinein. 

2>a  fam  er  aber  fd)ön  an.  £ie  SBirtSteute,  bie  ©äfte,  ba« 
©efinbe,  alle«  ftürgte  über  if)n  f)er  unb  fdjaft  tytt  einen  £agebieb, 
fd)fug  mit  Knütteln  auf  ifm  ein  unb  warf  Um  jum  #aufe  IjinauS. 
§Iud)  bie  .§unbe  Ijefete  man  auf  tyn  I08 ;  boa)  biefe  erfannten  iljrcn 
Schöpfer  felbft  unter  ber  armfeügen  §üfle  unb  rührte  tyn  mit  iljreu 
^äfmen  mcfyt  an. 

3ornig  wollte  ber  §eilanb  fdjon  ba$  gan^e  #auö  in  fteuer 
aufgeben  laffen,  aber  er  befann  fid)  unb  fagte:  „£ajj  fie  nur  fo 
weiter  leben,  fie  »erben  in  ber  anbern  SBelt  iljrer  «Strafe  nidjt  ent* 
geljen".  (Sobann  ging  er  jum  Dorfe  IjinauS  unb  fefyrte  in  einer 
niebrigen  £)ütte  ein,  wo  eine  arme,  alte  ^rau  mit  t^ren  SHnbern 
lebte.  Diefc  ualjm  ben  §erru  fofort  freunblid)  auf,  ljie§  ifm  fid) 
fefcen,  gab  ifjm  ba$  befte  Xeif  »on  beut  färglidjeu  3(beubbrot  unb 
behielt  ifjn  aufjerbem  nod)  $u  9Jad)t  in  itjrer  (Stube.  Uli  ber  §err 
(Sfjrift  am  anbern  ^Jorgen  oon  iljr  Slbfdjieb  nafym,  gab  er  fid)  ber 
gutherzigen  \$vau  gu  erfennen  unb  fprad):  „Sin  ©efdjenf  will  ia) 
bir  jefet  nidjt  geben.  (£$  ift  beffer  für  bidj,  wenn  bu  weiter  fo  arm 
bfeibft,  wie  bisher ;  ber  große  Votyn  wirb  bir  bann  nad)  bem  $obe  im 


494 


ewigen  t'eben  fidjertich  ntc^t  fehlen."  Unb  nad/bem  er  ba«  gefagt 
hatte,  oerfdjmanb  er. 

Ü)tünblid>  aus  flabelsborf,  Mrei«  9ianbon>. 
614 

Söeöfjdb  bie  Mütter  i^re  Äinbcr  ein  ganjed  ^a^r  auf  bent  9rm 

tragen  mtiffen. 

(Stuft  wanberte  ber  ,£err  S^riftu«  auf  ber  @rbe  umher  unb 
fam  burd)  ein  Dorf.  Dort  fal)  er  eine  ftrau,  Welche  it)r  neugebo* 
renesi  fttnb  auf  beut  9lrme  trug.  „28aritm  läjjt  bu  bein  $inb  nicht 
get)en?"  rebete  fie  unfer  $eilanb  au.  „SBeil  eS  noch  nid)t  laufen 
fanu",  gab  ba8  3Bcib  trofeig  ^urücf.  Der  $)err  wiebert)olte  feine 
Srage,  erhielt  jebodj  biefetbe  grobe  Antwort.  Da  warb  er  jornig 
unb  fpraa):  „2o  follen  benn  oon  iefet  an  alle  ftrauen  if^e  Üinber 
ein  ^atjr  taug  auf  bem  Slrme  tragen  bie  in  aüe  (£migfeit". 

#ätte  ba«  t^öric^tc  Seib  auf  beS  £errn  ®ehei&  ba«  ttinb 
laufen  laffen,  fo  würben  aüe  Heineu  Äinber,  fobalb  fie  geboren 
finb,  fofort  auf  ber  (£rbe  gehen  fönnen. 

öbenbaljer. 

015. 

Der  9erg  Brarat. 

?H$  92oab,S  91rdje  fidt)  auf  ben  33erg  Strarat  niebergelaffen 
hatte  unb  aüe  it)re  ^nf äffen  ttjalabwärtg  ins  i'anb  gebogen  waren, 
t)at  ber  liebe  ®ott  befohlen,  fein  Üttenfch  foüe  e8  wagen,  ben  SBerg 
Je  wieber  ju  befteigen.  Drei  $anbwerf$burfd?en,  welche  auf  ihrer 
SBanberung  aud)  in  bieje  ©egenb  gelangten,  fyat  bie  Neugier  jeboch 
feine  9tut)e  gelaffen.  Obwohl  fie  ©otteS  ©ebot  fannten,  fliegen  fie 
auf  ben  ftrarat  hinauf.  Die  beiben  erften  gelangten  glei^eitig  auf 
ben  ©ipf  el,  brachen  aber  oben  fofort  tot  jufammen ;  ber  britte  befam 
unterwegs  ($ewiffen$biffe  unb  fet)rte  auf  falbem  3öege  wieber  um. 
9ttd)t$beftoweniger  entging  auch  er  feiner  Strafe  nicht.  2tlö  er  ben 
ftufc  beS  93erge$  erreicht  hatte,  warb  er  taubftumm  unb  blieb  e£ 
fein  lebelang. 

sJ?achbem  er  in  feine  £>eimat  jjurücfgefehrt  war,  mujjte  er  fei» 
neu  Angehörigen  unb  frreunben  auftreiben,  was  er  benn  eigentlich 
auf  bem  Slrarat  gefeben  hätte.   Da  ftanb  auf  bem  Settel,  er  habe 


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495 


bort  gar  nidjt«  Nbfonberlidje«  bewerft.  Söarum  ber  liebe  ©ott  ben 
SSefudj  >e«  Serge«  »erboten  tyat,  ift  bantm  unerfinblidj.  ©einig, 
mir  müffen  un$  bamit  begnügen,  ba&  er  e«  nidjt  mill. 

ßbenbaljer. 

(il6. 

$er  fromme  Jfaffemu«.1) 

Der  fromme  t'affeniuä  mar  ein  blutarmer  Stubent  unb  mujjte 
nid)t,  mofyer  er  Speife  unb  £ranf  nehmen  follte.  So  langte  er 
eine«  9iadjt8  totmübe  in  einer  Stabt  an  unb  liejj  ftdj,  t>on  ben 
förperlidjen  (Entbehrungen  erfdjöpft,  auf  ber  fiette  oor  ber  §aupt* 
firdje  nieber.  Sdjon  machte  er  fid)  jum  Sterben  bereit,  als  bie 
Dienftmagb  be$  SdjlofjpfarrerS  auf  if>n  311  trat  unb  ifm  aufforberte, 
fie  31t  iljrem  §eirn  gu  begleiten. 

Dem  Sdjlofjprebiger  mar  nämlid)  im  Traume  ein  ©efidjt  er- 
fdjienen,  ba8  fyatte  if>m  befohlen,  er  folle  Ijinabfdjitfen  unb  ben 
Stubenten  bei  fidj  aufnehmen  unb  fpeifen,  ber  bort  unten,  bem  lobe 
nalje,  au  ber  ftirtfyentfyüre  [äße.  911$  nun  tfaffeniuS  bei  bem  Pfarrer 
mar,  mürbe  er  fofort  an  eine  retcr)  befefote  Xafel  geführt  unb  ge* 
fpeift.  Sobann  erjäfjlte  ber  Sdjlofeprebiger,  maS  tyttt  ©Ott  im 
Traume  geljeifjen  fyabe,  unb  forberte  tyn  auf,  bei  tym  gu  bleiben 
unb  feine  Stubien  ju  ootleuben. 

hierauf  ging  £affenm8  mit  ftreubeu  ein.  (Sin  (Spanten  brauste 
er  überhaupt  nur  nodj  5U  madjen,  unb  ba$  mar  batb  beftanben. 
Sobann  burfte  er  prebigen,  fo  oiel  er  mollte,  unb  feinem  ffiotyl- 
tfjäter  im  ?lmte  Reifen.  Unb  mie  prebigte  er?  deinem  .ßutyörer 
blieb  ba$  9luge  trotten,  unb  bie  ftirdje,  mo  er  ben  ©otteöbienft 
Ijiclt,  mar  ftetd  mit  ÜJknfcfyen  überfüllt.  So  fam'$,  bafj  £affeniu$, 
als  ber  alte  Pfarrer  ftarb,  allgemein  jum  'Dfadtf olger  beffelben  im 
3lmte  begehrt  mürbe. 

Der  Äönig  mar  bamit  aud)  einoerftanben,  nur  münfdjte  er, 
uorfjer  ben  i'affeniu«  auf  feine  ©eleljrfamfeit  gu  prüfen.  (Sr  liefj 
ifjm  beöf)alb  fagen,  er,  ber  Sönig,  molle  bei  feiner  nädjften  ^rebigt 
zugegen  fein  unb  if>m  ben  üteyt  bagu  fdjicfen.   *?affeniu3  martete 

»)  D.         ÜaffeniuS,  flcb.  ben  26.  «yril  1636  ju  ©alboro,  tftciS 
NummelSburfl;  geft.  am  29.  fluguft  1692  als  fcofprebiger,  $oftor  unb  tyro= 
ff  Hot  Der  Ibeoloflic,  Äonnitotialaffeffor  unb  ^aftor  ju  St.  s^etri  in  ftoytn 
l)ngcn.   TitbUx  einer  Weibe  betannteret  Äirdjenlieber. 


490 


unb  »ortete  auf  ba«  föniglicfye  Schreiben,  e«  fam  ntd^t ;  erft  al« 
er  am  Sonntag  auf  ber  tanket  ftanb,  würbe  iljm  ein  93rief  über« 
reicht,  unb  al«  er  ilju  öffnete,  war  nidjt«  gu  feljen,  al«  leere«, 
meifee«  Rapier. 

$)a  nämlidj  bie  meiften  ^rebiger  iljre  333eidf;ett  mir  au«  ben 
gebrucften  Söüdjern  fdjöpfen,  fo  wollte  ber  König  feljen,  ma«  Vaffeuiu« 
anfangen  mürbe,  wenn  er,  unvorbereitet  unb  olwe  einen  bcftimmten 
£ejt  wägten  31t  bürfeu,  fpred)en  folle.  Vaffeniu«  tiefe  fid)  aber  nidjt 
au«  ber  Offling  bringen,  fonbern  fdmell  entfctyloffen  fpradj  er: 
„§ier  ift  nid)t«,  unb  ba  ift  niajt«,  au«  nid>t«  fmt  Gtott  bie  Seit 
erfdmffen."  ftamit  Ijatte  er  einen  Xert,  unb  nun  prebigtc  er  fo 
fd)ön,  bafe  ber  ftöntg  itjn  nadj  bent  ©otte«bienfte  ju  feinem  Sdjlofe* 
Pfarrer  ernannte. 

^n  biefem  Simte  ftiftete  ber  fromme  3flann  unenblidj  oiet 
©ute«,  unb  befonber«  ben  21rmen  teilte  er  oon  bent  Seinen  fo 
reirfflid)  mit,  bafe  ibm  felbft  wenig  oon  irbifdjen  Öütern  oerblicb. 
(Sinjt  fam  ein  alter  Söcttler  unb  bat  um  eine  milbe  ©abe,  fofort 
ergriff  Vaffeniu«  bie  golbene  ©Ijrenmünje,  meldje  iljm  furg  juoor 
ber  tfönig  gefdjeuft  Ijatte,  unb  reidjte  fie  bem  Sinnen  bar. 

So  rcdjt  unb  gut  ba«  nun  audj  mar,  fo  l?atle  e«  ben  tönig 
bennoeff  beteibigt;  bemt  biefer  fjielt  bie  Wdjtadjtung  be«  ©efäenf« 
für  eine  ©eringfdfätmng  feiner  ^erfönlid)feit.  Spöttifd)  fpradj  er 
barum  eine«  läge«  beim  üWafyle  gu  ben  £>oföcrren:  „Qd;  will  bodj 
einmal  311111  £affeniu«  f Riefen  unb  nadrforfdjen  (äffen,  wa«  ber  mit 
feiner  ÜBilbtljätigfeit  unb  feinem  ©ottoertrauen  jefct  anfängt."  So* 
fort  eilte  ein  Liener  in  bie  ^farrwolwung  unb  fam  uaefy  furjer 
ftrift  mit  ber  ftunbe  jurücf:  £affeniu«  fifee  mit  feiner  grau  *or 
gebeeftem  Xifd),  e«  fei  jebodj  nidjt«  oon  Speife  ober  Xranf  auf 
bemfelben.  91uf  feine  ftrage,  wa«  fie  beim  äfeen,  l)abe  ber  ^aftor 
gefagt,  fie  Ratten  Ijeute  nidjt«,  fie  oertrauteu  jebodj  auf  ©ott,  bafe 
er  ifmen  Speife  unb  Xranf  fenben  mürbe. 

3)a  marb  ber  tönig  befdjämt  unb  liefe  bie  föftlidjfteu  Speifen 
auf  filberuen  Sdjüffeln  in  ba«  £)au«  be«  Vaffeuiu«  tragen.  $ort 
murbc  alle«  mit  Danf  angenommen,  bie  foftbaren  Sdniffeln  aber 
mürben  oon  bem  frommen  SDiann  au  bie  bebürftigen  Firmen  ber 
Stabt  verteilt.  2)a«  mollte  bem  ftöuig  mieber  gar  nidjt  gefallen, 
fein  $orn  erreichte  aber  einen  nod)  oiel  fyöljercn  <$rab,  al«  er  am 
fommenben  Sonntag  in  bie  ftirdje  ging,  um  bie  ^rebigt  be« 


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497 


ttaffeniu«  gu  ^örcn.  Dcrfelbc  ftanb  fdjon  auf  ber  Äangel  unb  rief 
bcm  Äönig,  an  beffcn  Seite  fid;  nicht  bie  ftönigin,  fonbern  ein 
Äeb«weib  befanb,  mit  fyarten,  ftrafenbeu  ©orten  gu:  „Seht,  ba 
fommt  ber  Stönig  mit  ber  babtolonifchen  üttefce!" 

Da«  mar  bem  Äönig  gu  »tel,  unb  fofort  befahl  er,  ben  ^rebiger 
auf  ba«  3djlo&  gu  führen,  bamit  er  bort  Eingerichtet  mürbe, 
tfaffeniu«  folgte  ben  Schergen  unb  trat  in  ben  Saal  hinein,  mo 
ber  genfer  fchon  feiner  harrte,  ^urdjttosf  frfjritt  er  iebod;  auf  ben 
Äönig  su,  reichte  it;m  feine  aufgefdjlagene  ©ibelbar  unb  fprad>  gu  ihm: 
„©enn  ber  $>err  ttönig  biefen  Spruch  au*  ber  ^eiligen  Sdjrift 
entfernen  fann,  bann  miü  ich  mir  gerne  baß  $)aupt  abfdjlagen  laffen." 

Da  lie&  ber  ftönig  Sinte  unb  Sleifeber  holen  unb  ftricf>  ba* 
mit  ben  Spruch  burd);  e«  l;alf  aber  nicht«,  bie  Schrift  tarn  immer 
wieber  gum  ^orfdjein.  (£r  terfuc^te  e«,  ihn  au«gufchneiben ;  mm 
fonft,  auc^  ba«  gelang  nid)t.  Selbft  ba«  Ausbrennen  mit  einem 
glüfjenben  Stahl  hatte  feinen  Erfolg,  Sefct  würbe  ber  ftönig  flcin- 
laut  unb  »erlief  ftiüfchweigenb  ben  Saal,  folgte  einer  nach 

bem  anbern.  Qulttf  ging  aud)  ber  genfer,  unb  l'affeniu«  ftanb 
gang  allein  in  bem  weiten  Saale.  9ton  hielt  er  e«  aud;  nid)t  mehr 
für  nötig  au«guharren,  er  fchritt  ber  Xfyürt  gu  unb  eilte  bann 
fröhlich  in  fein  §au«,  wo  feine  $rau  ihren  klugen  nicht  trauen 
wollte,  ben  tot  geglaubten  ©emahl  wieber  gu  fehen. 

,,©ie  h*f*  bu  ba«  beim  angeftellt?"  rief  fie  fcotl  #reube.  — 
„€",  fagte  er,  „id;  fyabe  weiter  gar  nicht«  gethau.  ^dj  gab  bem 
flönig  meine  33ibel  unb  forberte  ihn  auf,  einen  Sprud;  barau«  gu 
entfernen.  Da«  tonnte  er  nid)t,  unb  *arum  ging  er  fort.  3hm 
folgten  nach  einanber  bie  SWiniftcr,  bie  #ofleute  unb  jd;lfefclid;  aud; 
ber  genfer.  ©a«  folite  ich  oa  ttod)  aüeine  anfangen,  barum  bin 
ich  $u  °'r  gurücf gefet)rt." 

33on  biefer  $eit  an  ^at  ocr  Äönig  bem  l'affeniu«  nid;t« 
mehr  gu  leibe.  (Einmal  ließ  er  Ü;m  jogar  einen  fdjmeren  l*erbred;er 
guführen,  ber  nicht  gefter)en  wollte  unb  trc$  aller  (Ermahnungen  un* 
bu§fertig  blieb.  211«  ber  fromme  9)Jann  ben  gottlojen  ^ienfdjeu 
fah,  rebete  er  ihm  freunblich  in«  ©eroiffen.  Doch  ber  antwortete, 
er  möge  nur  feine  ©orte  iparen,  er  gaube  bod;  nidjt.  Da  fprad; 
tfaffeniu«:  „Ölaubft  bu  nicht  meinen  ©orten,  fo  wirft  bu  einem 
©unber  ben  ©laubeu  nicht  oerfagen,  einem  ©unber,  ba«  bu  mit 
ben  Slugen  fehen  unb  mit  ben  .<pänben  greifen  iannft." 

32 


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49* 


Damit  Warf  er  feinen  Fingerring  in  ben  £fen  unb  lie§  irjn 
ganj  weijjglüfjenb  werben.  Sobann  nahm  er  Um  mit  blofcen  Ringern 
heraus  unb  legte  ifm  bem  Verbrecher  in  bie  §anb.  Da  füllte  fic^ 
ber  töing  trofe  feiner  ©lühhifee  eisfalt  an.  „«Run  tpirf  ihn  jur 
(Srbe!"  rief  i'affeniuS.  Der  flttenfch  gehorchte,  unb  fiehe,  ba§  3Hetaü 
fear  noch  fo  feurig,  baß  eS  ein  tiefet  i'od)  in  bie  Diele  brannte. 

M$  ber  Verbrecher  bie«  Söunber  fafj,  überfiel  ifjn  ftunht 
unb  ©rauen.  (£r  geftanb  feine  Untaten  ein,  beugte  fid)  oor  ©Ott 
unb  fonnte  al*  reumütiger  Sünber  Eingerichtet  werben. 

Üßunberbar,  wie  ba8  tfeben  beö  l'affeniuS,  war  aud)  fein  Job. 
Denn  als  er  geftorben  unb  feine  tfeidjc  aufgebahrt  war,  fävotbte  eine 
«Schar  oou  Ingeln  über  bem  Xrauerhaufe  unb  fang  herrliche,  tjimmlifdje 
2Öeifen,  unb  biefer  wunbcrbare  ©efang  hielt  folange  an,  als  bie 
t'eidje  noch  über  ber  Grbe  ftanb.  ©rft  als  bie  fterblidjen  SHefte  be3 
frommen  ©eiftlidjen  in  bie  geweihte  ftirchhofSerbe  gefentt  waren, 
oerfdjwanben  bie  (fngel  wieber.  ebenbabcr. 

617. 

$tc  9Warttn«flan«. 

Vor  langen  fahren  lebte  einft  in  einem  Dorfe  ein  fleiner 
Änabe,  namens  Martin.  Der  war  recht  faul,  wollte  burdjauS  nicht 
lernen  unb  oerfäumte,  fo  oft  er  fonnte,  bie  Sdmle.  ßineS  $ageö 
tt)at  er  baö  wieber  unb  lief,  ftatt  jutn  Vexier,  in  ben  Vufdj,  legte 
fid>  bort  in  ba$  bid;te  (straudjmerf  unb  fdjlief  ein. 

Die  teilte  im  Dorfe,  bauten,  e8  fei  ihm  ein  Uuglücf  juge^ 
ftojjen,  unb  mad)tcn  fich  Mfyalb  auf  ben  9Beg,  it)n  ju  fudjen,  fanben 
Um  aber  nicht.  Da  trieb  ber  ©änfehirt  mit  feinen  ©änfen  oorbei. 
Die  liefen  in  ba$  ®ebüfch,  blieben  oor  bem  fa^lafenben  ttinbe  freien 
unb  erhoben  ein  gewaltiges*  ©efefmatter.  ÜJian  warb  aufmerffam, 
eilte  fiin,  unb  ber  flcine  ftaulpela  war  gefunben. 

5eit  ber  $eit  pflegt  man  bie  ÖJänfc  2JcartinSgänfe  ju  nennen. 

"JJtiinbliO)  au*  fcer  Umaegent  uon  Äitelin. 

618. 

$ic  ftinfjt  ju  ©ingft. 

3n  bem  Dorfe  ©ingft  auf  SRügen  ftanb  ehemals  eine  uralte, 
fdjöue  Stirdje,  bie  oon  ftarfem  ©emäuer  aufgeführt  war,  grojje 


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499 


Schwibbogen  unb  eine  fet)r  f>of>e  £urmfpüje  ^attc.  Diefe  förche 
follte  urfprüugltch  au  einer  90113  anberen  Stelle  aufgerichtet  werben, 
nämlic^  a"f  De,n  ®*räc  ^tnter  bem  3)orfe  töofemfc,  gerabe  ber 
3nfel  Ummang  gegenüber,  um  auch  biefcö  tfänbdjeit  bem  ftircbfoiel 
mit  einauoerleiben. 

3u  bem  (Snbe  ließ  ber  2lbt  311  ^3ubagla,  als  ber  Stifter  bei- 
drehe, baS  SilbniS  beS  ^eiligen  3afobu$,  bem  311  eijren  ftc  follte 
errietet  werben,  auf  jenem  Serge  aufftellen.  Slllein  am  anbern 
SRorgen  fanb  man  baS  Silb  bort  nicht  mehr,  fonbern  es  fjattz  fid> 
oon  felbft  nach  ©ingft  auf  ben  2öeg  gemacht,  unb  bort  ftanb  e» 
an  berfelben  Stelle,  wo  jefet  bie  Kirche  fiel)  befinbet.  (*3  tourbe 
3War  nach  bem  Serge  jurücf gebracht;  al$  e$  fich  aber  noch  3U 
breien  Skalen  oon  felbft  wieber  nach  GKngft  begeben  t)atte,  ba  er» 
fannte  man  ben  Hillen  bcS  Rimmels,  baß  hier  pie  ^rt^c  M«» 
folle.  Um  folgen  SunberwerfeS  willen  würbe  bie  tfirche  in  GJingft 
erbaut. 

53nden  rober,  SUteü  unb  neues  5Hügen.   £.  236. 
SJfll.  Semme,  »öltet  aßen  Wr.  &3. 


Ü19. 

$ie  Stirpe  in  ($erty. 

(Stwa  eine  3)ceile  oon  fötölin  entfernt  liegen  bie  Dörfer 
©erifc  unb  £h"»°w.  £ad  fleine  ©erifc  befifct  eine  Jtirdje,  wogegen 
bass  reiche,  grojje  $$unow  feine  hat-  foll  auf  folgeube  Seife 

gefommen  fein: 

£ie  Säuern  oon  £hu"°w  wollten  eine  tfiretje  bauen  unb 
hatten  fd)on  ba$  Sauholj  3ufammengefahren;  ba  fanb  man  bad- 
fetbe  ben  üftorgen  barauf  an  einer  anberen  Stelle,  ein  gut  Stücf 
SöegeS  oon  $him<n»  entfernt,  liegen.  2Ican  brachte  e$  auf  ben 
Sauolafc  jurücf,  boch  am  folgenben  Jage  war  baSfelbc  Söunber  511 
fchauen.  £)a  erfannten  benn  bie  tfeute,  bajj  e$  ®otte$  3Bille  wäre, 
hier  bie  Kirche  3U  errichten. 

3m  i'aufe  ber  .ßeit  fiebelten  fich  um  biefelbe  einige  Sauern 
an,  unb  fo  entftanb  baS  3)orf  ®erifc. 

Wünblid)  au*  Wrafeifl,  Strei*  ,yür!tcutum. 

32* 


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500 


620. 

$te  ätrdjt  in  Sutten. 

3mei  bis  brei  teilen  »on  Gummelsburg  liegt  baS  Dorf 
Vubben.  Dic^t  bei  beut  Ort  befinbet  fiß  ber  t)ot)e  fttßtberg.  Der* 
felbe  ift  gang  mit  5'd)*en  bewarfen,  nur  oben  auf  bem  ©ipfel 
ftetjt  eine  eiufame  Vinbe,  melße  ben  Sdjiffern  als  üfterfyeißen  bient. 

Um  ftufee  biefes  Herges  nun  ftet)t  bie  Äirdje  con  Rubbert. 
Der  ©utSfyerr  mollte  fie  gern  auf  bem  ©ipfel  erbauen;  boß  jebeS* 
mal  fanb  man  baS  Saißolj,  maS  ben  Xag  über  tn'naufgefßafft 
mar,  am  anberen  borgen  am  ^u§e  beS  §ügels  liegen,  ba,  roo  jefct 
bie  5tirße  ftetjt.  Über  bie«  $öunber  mürbe  ber  $tn  fo  aufgebraßt, 
bafj  er  im  ©alopp  mit  feinem  ^Jferb  ben  fleiten  Slbtjang  funab 
jagte,  fo  bafj  9tofj  unb  Leiter  baS  ©enief  brachen. 

Die  Vnbbener  bauten  barauf  bie  tfirße  auf  bem  ^lafc,  ber 
oon  ©ott  in  fo  munberbarer  $8eife  angezeigt  mar ;  benn  fie  erfann* 
ten  in  bem  jäf)en  lob  it)reS  ^perrn  ein  Strafgerißt  beS  Rimmels 
für  feinen  Ungefjorfam.  Unb  gum  9lnbenfen  an  biefe  ©efßißte 
werben  nodj  jefct  feine  Spören  in  ber  &irße  oorgejeigt. 

Wünbüß  mt§  Hibben,  Äreis  Stummelsburö. 

G21. 

Spott  beim  ©emirter. 

Sei  ©rugel  in  iJieuoorpommern  mar  ein  3?ater  mit  feinem 
Soljne  auf  bem  fttlbt  unb  pflügte.  Da  30g  ein  fßmereS  ©emitter 
herauf,  unb  ein  geller  Slife  gurfte  Ijernieber,  bem  fraßenber  Donner 
folgte.  Der  gotteSläfternbe  @ot)n  rief:  „Petrus  schueft  Kaegol". 
Der  fromme  l>ater  marnte  tyn,  unb  faum  t)atte  er  anSgefproßen, 
als  ein  jroeiter  noß  heftigerer  Schlag  erfolgte,  .Qfefct  rief  ber  Solm: 
rNü  kümmt  hö  mit  söss  !a  Der  23ater  marnte  ilm  $um  jmeiten 
2)?ale,  altein  umfonft.  Sei  einem  britteu  furchtbaren  Sßlage  rief 
ber  Sotm:  „Nu  kümmt  h§  mit  twölf !",  aber  gleiß  barauf  fu^r 
ein  Slifc  tjernieber  unb  erfßlug  ben  ©otteSläfterer. 

ffuljn,  ©eftfill.  Sagen  I.  ftr.  398. 

(522. 

Die  brei  Sßüjfe  naß  bem  lieben  ©ort. 

911*  e*  im  Sommer  beS  Qa^reS  1838  über  aßt  Soßen  lang 
jeben  Jag  regnete,  fo  bafc  alle  Saaten  3U  oerberben  brotjten,  mar 


501 


in  ber  ©egenb  öon  (Stettin  ein  Slmtmann,  ber  audj  biet  Äorn  auf 
bem  $ttt>t  ftetyen  tyatte,  ba«  er  rtid^t  einfahren  fonnte.  Darüber 
würbe  ber  üttann  fo  erboft,  bafc  er,  anstatt  $u  beten,  täfterlid)  bem 
lieben  ®ott  bro^te:  wenn  er  uidjt  in  brei  Jagen  anber  Setter 
madje,  fo  wolle  er  ifjm  fdjon  etwa«  aeigen. 

Unb  als  bie  brei  Xage  um  waren,  aber  fein  anber  ©etter 
fia)  eingefteflt  Ijatte,  ba  naf>m  er  fein  getabene«  ®ewef)r  unb  fd>§ 
bamit  in  feiner  33erMenbung  breimal  gen  |)imme(  nad|  bem  lieben 
©Ott.  Äaum  ^atte  er  aber  ben  brittett  6dju§  getrau,  fo  oerfanf 
er  bi«  mitten  an  ben  Seib  in  bie  ©rbe  hinein,  unb  e«  war  fein 
9ttenfd)  im  ftanbe,  if>n  wteber  f}erau«gusief)en.  2ttan  fdjicfte  julefet 
$u  bem  ^rebtger,  aber  aud)  ber  fonnte  nidjt  Reifen ;  ber  Stmtmann 
fanf  tiefer  unb  tiefer  unb  ftarb  eine«  iämmerlidjen  Xobe«. 
2cm mc,  "Colteiaa.cn  9fr.  264;  Äufjn  u.  ®a)n>arfc,  9lorbb.  Sag.  9fr.  8. 

623. 

Die  $anb  in  SWcOenttn.1) 

Da  is  mal  eis  tau  Mallendin  en  Maeken  west,  dei 
haft  bi  aere  Löwenstien  ümmer  aere  Mauer  slän,  un  as 
se  nü  storwen  is,  da  is  aer  de  Hant  ütet  Graf  rütwassen 
un  wö  ofte  auk  de  Mallendlnsche  Büren  dei  wöer  inbud- 
deln  döen,  sei  is  ümmer  weer  büten  west  Da  häbben  se 
s'denn  updletzt  afsnSden,  un  wil  dünn  gräd  de  Mallen- 
dlnsche Kerk  bucht  wür,  häbben  s'  achtern  Altar  einen 
Stein  bucht  un  häbben  s'  da  dal  leggt,  un  da  liggt 
se  noch. 

Su«  fcerinoSborf:  Üubn  unb  ©ajioarfe,  9lotbb.  Sagen  9fr.  28. 

624. 

Da«  Dorf  Ungnabe. 

Qn  ber  5lä^e  oon  |)an«ljagen  fielen  einft  be«  9?aü)t«  mehrere 
^ferbejungen  einen  atten  üDiann  an,  plünberten  ifyn  gang  au«,  fdjlu- 
gen  tyn  tot  unb  oerfdjarrten  feinen  tfeidjnam  au  berfelben  <&tette. 
Die  testen  Söorte,  weldje  ber  (Srmorbete  gefprodjen  $atte,  waren: 
„©tebt  e«  benn  In'er  feine  ®nabe  mef)r?",  unb  barnadj  fyat  ba« 

J)  !Ätmlia)c  Sagen  in  gana  Bommern;  ogl.  aua)  Semme,  Söolf«. 
fagen  9fr.  92. 


502 


Dorf,  wela>$  fpäter  in  bicfcr  ©egenb  entftanben  ifl,  ben  dornen 
Unguabe  befommen. 

Die  aJcörbcr  beS  alten  anatme*  aber  Ratten  feit  jener  3iad>t 
Feine  fHutje  mefyr;  benn  ber  ©eift  beS  <5rfd)(agenen  plagte  fic  un 
aufbörlid?  mtb  rul)te  auc^  niebt  efjer,  als  bis  fie  über  [einem  ©rabe 
ein  fleineS  #äuSd)en  errietet  hatten  unb  Sttmofen  hineintaten. 
Da  wid)  bie  ^lage  oon  if)tien,  unb  baS  £äu$djen  erhielt  obenbrein 
bie  Sunbergabe,  jebeu  Ä raufen  wieber  gefunb  $u  machen,  wenn  er 
irgeub  ein  9llmofen  burefj  bie  STnirrifec  in  baS  innere  fnneinfd)ob. 

s3Jun  würbe  einmal  baS  l'iebltngSpferb  beS  ©utSljerrn  franf, 
unb  man  verfugte  an  ifnn,  ob  fid)  bie  SSunberfraft  beS  £aufeS 
and)  wofjt  auf  baS  93ief)  erftrerfen  würbe.  Unb  ridjrig,  baS  $ferb 
würbe  wieber  gefunb,  aber  feit  ber  $eit  wid)  audj  bie  §eilfraft 
oon  beut  $>aufe;  unb  man  mag  jefet  fo  oielSUmofen  burd)  bie  I^ür» 
rifee  Rieben,  wie  man  nur  immer  Witt,  man  wirb  jwar  fein  ©elb 
los,  aber  bie  ftrantyeit  behält  man. 

OTünblia)  aus  ^cuentitdjen,  &tei§  ©rfifsroalb. 

625. 

Die  betben  Störe  unb  bie  geizigen  SRBnaje  $u  (9robe. 

?luf  Ufebom  lag  oor  Reiten  ein  Älofter,  ©robe  geheißen. 
2US  nun  einft  grejje  Jeurung  im  £anbe  war  unb  eS  audj  ben 
3Rönd)en  in  ®robe  an  Lebensmitteln  $u  gebredjen  begann,  ba  famen 
auf  einmal  wunfcerbarer  ©eife  ^wei  grofje  Störe  au«  bem  §aff 
bis  an  baS  filofler  gefdjwommen  unb  gellten  fidj  ben  ättöndjen  bar 
unb  warteten  fo  lange,  bis  einer  oon  üjnen  gefangen  war.  Darauf 
fd)wamm  ber  anbere  eilenbs  jurfitf,  als  wenn  er  ben  ©efangeneu 
Ijergcbradjt  hätte.  Der  eingefangene  Stör  War  aber  fo  gro§,  bajj 
bie  Üflönrfje  eine  gute  3eit  baton  leben  tonnten.  9luf  baS  nädjfte 
$aljr  fam  ber  entlommene  ftifd)  felbanber  Wieber  big  an  baS 
Softer  unb  wartete,  wie  baS  erfte  üflal,  btö  ber,  ben  er  gebradjt, 
t»ou  ben  aRöndjen  gefangen  war. 

Das  gefdjab  alfo  mele  $ar>re,  unb  bie  9ftöndje  befamen  all* 
jäfjrlid)  einen  großen,  fetten  Stör,  bis  fie  aulefct  $u  geigtg  würben 
unb  beibe  einfingen.  Da  fjat  plöfelidj  baS  Sunber  aufgehört,  unb 
es  ift  fein  Stör  mefyr  naa)  ©robe  gefommen. 

ftanfcoro,  s#omfratua.  I.  3.  137;  ÜRicräliuö,  9llt.  ^ommerlanb.  I. 
8.  189—190;  Gramer,  ©r.  $omm.  ftirdpn*(£bnm.  n.  6.  11. 


_  DigilizecLbyX^Oflgle 


503 
626. 

28ie  ber  alte  ftritf  unb  Siethen      bei«  Säuern  einfetten. 

$em  alten  ^rife  lag  nichts  mehr  am  $erjen,  als  fein  gange« 
55off  »on  @runb  au«  fennen  $u  lernen,  bamit  er  e«  bann  um  fo 
beffer  regieren  fönne.  2lu«  bem  ©runbe  gog  er  fid)  l)äufig  fdjlechte« 
$eng  an  unb  fprach  barauf  in  biefer  Sßerfteibung  bei  bem  gemeinen 
SDtanne  uor;  benn  wenn  er  in  föniglidjer  *ßrad)t  unb  §errUa)feit 
gefommen  wäre,  fo  Ratten  fidj  bie  ?eutc  au«  fturcht  unb  Verlegen* 
beit  bod)  nid)t  fo  gezeigt,  wie  fie  eigentlich  waren. 

©o  Köpfte  ber  Äönig  mit  feinem  treuen  Sitttyn,  Settel* 
(eute  oerfleibet,  eine«  2lbenb«  bei  einem  Sauern  an  bie  Xfyüxt  unb 
begehrte  Speife  nnb  £ranf  unb  Nachtlager  baju.  £>er  Sauer 
willfahrte  ber  Sitte,  unb  e«  tourbe  ben  beiben  eine  gro&e  Sd)üffel 
mit  @rüfce  oorgefefet.  $ie  waren  aber  anbere  Speife  gewohnt  unb 
fonnten  feinen  Siffen  herunterbringen,  „ffir  bettelt  nnb  wollt 
bann  wäfjlerifdj  fein?"  fpracr)  ber  Sauer  erregt,  unb  h<»f*  bu  md)t 
gefehen,  hatte  ber  alte  ftrife  einen  Sacfenftreidj  befommen,  baj?  ihm 
§ören  unb  Sehen  oerging.  9118  er  wieber  gu  ftdj  fam,  mujjte  er 
wohl  ober  übet  oon  ber  formalen  Äoft  gulangen,  wollte  er  nicht  ben 
£orn  be«  Sauern  noch  größer  machen. 

Nach  ber  SDiahlgeit  wie«  man  ben  beiben  in  ber  Scheune  ein 
Vager  an  unb  machte  ihnen  befannt,  morgen  würbe  gebrofchen  unb 
fie  müßten  mithelfen.  @he  am  anbern  Jage  bie  Sonne  aufging, 
erfdjien  benn  auch  ber  Sauer  an  ihrem  Sager  unb  h«&  fie  auf* 
ftehen.  $och  ba«  ftrühaufflehen  war  ihnen  faft  noch  ungewohnter, 
wie  geftern  ba«  fdrgliche  Slbenbbrot.  taum  war  ihr  Söirt  au«  ber 
Scheune  herau«gegangen,  fo  traten  fie  barum  auch  f^°«  M<  %u$en 
wieber  $u  unb  fchliefen  weiter. 

211«  bie  oermeintlichen  Settier  nicht  bei  ber  Arbeit  erfchienen, 
würbe  ber  Sauer  fehr  gornig,  ergriff  feinen  5htotenftocf,  fchlich  fid) 
in  bie  Scheune  unb  prügelte  ben  alten  ber  Dorne  lag,  tüchtig 
burch  unb  befahl  ben  beiben  oon  neuem  aufgufteben.  2lber  auch 
jefct  fonnten  fie  ihre  ^aulbeit  noch  nicht  überwinben.  Nur  befahl 
ber  Sönig  bem  Rieten,  bajj  cr  oen  ^M*  mit  ihm  taufte,  ba  er 
nicht  noch  einmal  uon  bem  Sauern  burchgeprügelt  werben  wollte. 

tiefer  wartete  mit  bem  5)refchen  eine  furge  Qtit,  unb  al« 
wieberum  feiner  fam,  ging  er  jum  britten  Sttale  in  bie  Scheune 


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504 


unb  rief:  „Qljr  faulen  Sdjelme,  feib  ü)r  benn  ganj  unoerbeff  erliefe? 
aber  bie«mal  follft  bu  babinten  bic  Prügel  befommen,  bamit  bu 
nirtjt  leer  au«gel?ft."  Unb  batnit  $og  er  ben  alten  ^rrifc  am  ©eine 
au«  feinem  ^erfteef  fyeroor  unb  prügelte  ifm  mieber  burdj.  $efct 
ri§  bem  Äönig  bie  Giebulb,  rafdj  fprang  er  auf,  lief  mit  $iettjen 
jum  ©eljöfte  l)inau«  unb  madjte,  bajj  er  mieber  nadj  Berlin  in  ba« 
föniglicfye  Sdjlof?  fam. 

Sinige  Xage  fpäter  mürbe  ber  Sauer  jum  Äönig  befohlen, 
unb  al«  er  nun  mit  fdjlotternben  $nieen  bor  iljm  ftanb,  fragte  ber 
alte  $rife  ty"  leutfelig,  ob  nid)t  neulid)  jmei  Settelleute  auf 
feinen  .$of  gefemmen  mären.  ,,^a  mofjl,"  fagte  ber  Sauer,  „fie 
Ijaben  bei  mir  gegeffen  unb  gefcfylafen;  bod)  al«  fie  jum  (Entgelt 
am  anbern  borgen  brefdjen  follten,  ba  finb  fie  au«  bem  $>aufe  ge* 
taufen."  —  „3ft  bie«  oielleidjt  einer  oon  ben  beiben?"  fagte  ber 
Sönig,  unb  burd)  eine  Seitentfjüre  trat  3ict^en  ^ent,  in  ber 
tfleibung,  bie  er  bamal«  getragen  fjatte.  —  „3a,  ba«  tft  ber  eine/' 
antwortete  ber  Sauer;  „§ätte  itf>  nur  no$  ben  anbern  bagu,  e« 
follte  ben  (sdjelmen  fdjledjt  geljen." 

darauf  ging  3ietf)en  JjerauÄ,  fleibete  fidj  um  unb  fam  in 
feiner  ©eneral«uniform  mieber.  $efet  erfannte  Um  aber  ber  Sauer 
nitt?t;  ebenfo  menig,  mie  er  e«  gemerft  Ijatte,  baft  ber  alte  ftrife 
berjenige  oon  ben  beiben  Settleru  gemefeu  mar,  ben  er  fo  fetyr  burü> 
geprügelt  Ijatte.  9iun  blieb  ßietfjen  mit  bem  Sauern  allein,  ber 
Äönig  verliefe  ben  Saal  unb  erfrf)ien  uadj  menig  Slugenblicfen  eben» 
fall«  in  bem  Settlerlleibe.  Der  Sauer  erfannte  ilm  aud)  fogleidj 
unb  rief:  „Da  bab'  idt)  bia?  ja,  bu  £agebieb;  mo  ift  aber  nun  ber 
anbere?  bamit  id>  eutfi  beibe  unferm  #errn  unb  ßönig  r-orfüfjren 
fann."  £rton  mollte  ber  Sauer  ujn  anwarfen,  aber  ber  alte  ftrifc 
entmirf)  tym,  um  gleid)  barauf  in  feiner  föniglia^en  Äleibung  mieber* 
jufommen. 

9?adjbem  fie  fid>  nun  genugfam  über  bie  CHnfalt  be«  Sauern 
gefreut  Ratten,  ging  man  $u  £ifd)e,  unb  ber  Sauer  mu§te  fidj  audj 
mit  In'nfefecn.  Säfn-enb  bic  anbern  aber  bie  föftlidjften  Steifen  be* 
famcu,  erhielt  er  nicf)t«  anbere«,  al«  eine  ©djüffel  mit  ©rüfee.  Da 
mod)te  c*  it/m  gar  nid)t  fdnnecfen,  unb  er  fonntc  faum  einen  Siffen 
fperuntermürgen.  „Du  Sdjelm",  rief  jefct  ber  Äönig  ebenfall«,  „ift  bir 
bie  <2peife  nid)t  gut  genug?",  unb  bamit  gab  er  ifjm  einen  Saden* 
ftreid).   3el?t  dingen  bem  Sauern  bie  Slugen  auf,  unb  er  merfte, 


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505 


wer  bamal«  feine  ©äfte  getoefen  waren.  Xotenbteidj  bat  er  ben 
flönig  um  3?ergetyung.  Der  alte  ftrifc  <*Dcr  M**  unD  ^" 
gute«  üflute«  fein,  Heß  ifyn  anbere  ©peifen  oorfefeen  unb  entliefe 
iljn  gu  guter  lefct  reidj  befttjenft  in  feine  £>eimat. 

ajlünblid)  aus  3abcl#borf,  ÄreiS  flanbora. 

627. 

(Die  Sauberfünfie  be«  alten  $rtfe. 

Der  alte  ia  ba«  war  einmal  ein  flönig,  ber  fonnte  au« 
§äcferling  unb  (Slfenbüfdjen  ©otbaten  gaubern;  unb  aufjerbem  »er* 
jtanb  er  bie  ßunjt,  fidj  feft  gu  matten,  fo  baß  ifyn  feine  #ugel  gu 
treffen  oermodjte.  Da«  fam  aber  baljer,  weil  er  ba«  fed)fte  unb 
fiebente  93ud)  2ftofe«  befoß.  Daß  bie«  feine  SRidjtigfeit  l)at,  fann 
man  audj  au«  bem  Silbe  be«  alten  ftrife  feljen,  weldje«  in  Stettin 
auf  bem  ^arabeplafe  in  <Stein  genauen  tfl.  Die  Sdjriften  nämlidj, 
bie  bort  mit  ausgemeißelt  ftnb,  fteüen  niajt«  anbere«  bar,  al«  jene 
beiben  33üö)er. 

einmal  fatte  ber  alte  ftrifc  eine  große  ©djladjt  berloren  unb 
mußte,  nur  oon  ge^n  Leitern  begleitet,  bie  ftlufy  ergreifen.  Da« 
fat)en  bie  ^einbe  unb  folgten  ifjm  nad>,  mit  einem  gait3en  Regiment 
©olbaten.  Sil«  fie  nun  an  einen  Serg  famen,  auf  bem  jiaj  ber  ftönig 
mit  feinen  ©etreuen,  gum  £obe  erfajöpft,  ausruhte,  ba  erblicften 
Tie  mit  einem  3Me  ben  gangen  §ügel  bify  mit  ©olbaten  befefet, 
obgleich  borljer  nid)t«  baoon  gu  fefjen  gewefen  n?ar.  <§ie  festen 
beftürgt  um;  bod)  al«  fie  naa?  einer  «einen  SBeile  gurütff Rauten, 
waren  e«  feine  Solbaten,  bie  auf  bem  Serge  gewefen  waren, 
fonbern  nicfyt«  al«  ©Ifenbüfdje.  <©o  f>atte  ber  alte  ftrifc  Urnen  mit 
feiner  Äunft  bie  Slugen  »erblenbet. 

gbenbaber. 

628. 

$er  alte  ftrtfc  unb  ber  Sauer. 

(Jinft  ritt  ber  alte  ftrife  über  ftelb  unb  erblicfte  einen  lwd> 
gewadjfenen,  ftarfen  üttann,  ber  mit  feinen  hoffen  ba«  ftelb  be* 
pflügte.  „Sa«  bift  bu  für  ein  fräftiger  flerl!"  rief  tym  ber  ffönig 
gu;  ba  fajaute  ber  Sauer  auf,  ergriff  ben  faseren  (Jtfenpflug  unb 


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506 


wie«  bamit  quer  über  ba«  ftelb  ^m:  „Dort,  Jtönigtuhe  Sflajeftät," 
fagte  er,  „fteht  mein  99ruber,  ber  ift  nodj  zehnmal  ftärfer  wie  id)." 

Der  alte  f^rife  r)ätte  nun  gerne  mehr  gewußt  oon  bem  ÜRamte 
unb  fragte  Hjn  nad)  feinem  ©eburt«jahr.  Antwortete  ber  93auer: 
„Die  3a^  fcnne  nicht,  nur  wer§  Daß  in  ^r  §interfte« 
unb  SPorbcrfitcd,  Obere«  unb  Untere«,  alle«  gan$  gleich  ift." 

Die  sJ?uß  war  bem  alten  Su  f^wer,  er  fehrte  ins 
Schloß  jurücf  unb  erzählte  feinem  treuen  Hofnarren  #ion  ben 
$anbe(.  $un  bauten  fie  ju  jweien  nad),  unb  ba  fanben  fie  enb* 
lid),  ber  Sauer  fönne  nur  bie  $af)i  1691  gemeint  $aben;  benn  nur 
bei  ihr  fei  ba«  $)interfte  gleich  bem  3?orberflen  unb  ba«  Obere 
gleich  bem  Unteren.  Der  35auer  mürbe  herbeigerufen  unb  richtig, 
e«  ftimmte,  er  mar  im  $ahre  1691  geboren.  Der  $önig  aber 
lachte  über  ba«  treffliche  föätfel  unb  entließ  ben  ftarfen  üflamt,  reid) 
befcEienft,  in  feine  $eimat. 

OTiinbltd)  au*  SJlarienflicfe,  ÄreiS  ©anjig. 
629. 

Der  alte  ftril?  nnb  feine  gefallenen  Solbatcn. 

Ginft  ^atte  ber  alte  ^rife  eine  große  Sd)lad)t  gefdjlagen,  unb 
al«  e«  Slbenb  geworben  mar,  gab  er  93efef)l,  bie  £oten  ju  beerbigen, 
ftaum  mar  mau  bamit  fertig,  fo  hörte  man  ein  laute«  ©emimmer 
über  ba«  Sdjlachtfelb  Rieben.  Da  ift  ber  alte  ^rifo  über  bie  3Bal* 
ftatt  gegangen  unb  bat  gerufen: 

„fltuhet  wohl,  i^r,  meine  Söhne, 

(Sure  Seele  fteht  bei  ©ort; 

S3in  id)  fdjulb  an  eurem  $obe, 

Straf  mid)  ber  geregte  ©Ott". 
Darauf  ift  ba«  ©emimmer  oerftummt. 

?lu$  9JWoid,  Är.  Scflenioalbc:  SRitgeteilt  burd)  fcmn  %xol  (?.  Äuljn. 

6m 

Der  alte  ftrifc  unb  fein  Solbat. 

Unter  ben  Sotbaten  be«  alten  ftrifc  ift  einer  gemefen,  ber 
trofe  feiner  fpärlidjen  Cöhnung  immer  eine  fefjr  präd)tige  Äleibung 


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507 


trug.  Slllen  Äameraben  war  eS  ein  föä'tfel,  wober  er  baS  @elb 
bagu  nä^me,  uiib  enblid)  brauten  fie  eS  cor  ben  ftönig.  Der  30g 
fid)  fdjledjte  Kleiber  an  nub  ging  $u  bem  ©otbaten  unb  fragte  ilm, 
wie  es  beim  fomme,  baß  er  jtetS  fo  fäön  gefletbet  fei.  2(rgtoS 
oertraute  ifmt  ber  Sotbat  fein  ©eljeimniS  an  unb  fagte:  n$ü)  be* 
ftfee  einen  ßauberftab,  oor  bem  öffnen  ftd>  alle  Xpren.  Damit 
gelje  id)  jjur  ^adjtjeit  in  bie  $äufer  ber  Sanfteute  unb  teile  bort 
alles  ©ut  in  brei  Seile,  ßoftenpreiS  unb  erlaubten  ©ewinft  taffe 
id>  ibnen,  aber  ben  Überfluß  behalte  id)  für  mi$". 

fragte  ber  alte  ^rife:  „Dann  fannft  bu  wofjl  audj  in  bie 
Sdiafcfammer  beS  ÄönigS  fommen?"  —  „s)Zatürü$",  antwortete 
ber  2olbat.  —  „9Jun",  meinte  ber  alte  ftrifc,  „bann  fönneu  wir 
ja  einmal  beibc  ^ufammen  bortfyin  geljen".  Der  Solbat  wellte  fief^ 
anfangs  nicfyt  auf  bie  <Sad)e  eintaffen;  als  tym  aber  ber  Äönig 
t>eilig  oerfpradj,  er  wolle  nichts  mit  ftd)  nehmen,  willigte  er  enblid) 
ein  unb  fie  fajritten  felbanber  bem  <Sdjloffe  gu.  ©irflid),  ber  <&oU 
bat  §atte  nidjt  gelogen,  faum  Ijatte  bie  3au&crrutc  cm  ©djlofc  be< 
rütyrt,  fo  fprang  bie  £I)üre  fogleidj  auf,  unb  fie  befanben  fid)  nad) 
wenig  2lugenblufen  in  ber  Sdjafcfammer. 

#ier  gingen  fte  beibe  eine  3eit  lang  auf  unb  ab  unb  befa^en 
alles,  bann  brängte  ber  Solbat  jutn  Slufbrudj.  Dabei  fonnte  eS 
aber  ber  alte  ftrifc  nid>t  über  fidj  gewinnen,  ben  Solbaten  bis  auf 
ben  ©runb  $u  prüfen.  föafdj  griff  er  $u  unb  raffte  eine  $)anb 
uoll  ©elb  aus  ber  Stifte,  $u  bemiclben  2(ugcnbli(fe  war  aber  audj 
ber  ^olbat  fd)on  bei  ilmt,  rief  ü)m  $u:  ,,.£)ältft  bu  fo  bein  Sort? 
(Sinent  Könige  barf  man  nichts  nehmen,  ber  fjat  oiele  $u  oerforgen", 
unb  prügelte  bann  wader  auf  ben  ÄÖnig  ein,  fo  bafj  er  fro$  war, 
als  fie  wieber  aus  ber  ^djafcfammer  ^erauS  waren. 

* 

3lm  anbern  borgen  erhielt  ber  ©olbat  Sefeljl,  jum  flöntg 
^u  fommen.  Dort  erfuhr  er  3U  feinem  (Sntfefeen,  wer  in  ber  Oer* 
gangenen  9kdjt  fein  Begleiter  gewefen  fei  unb  wen  er  burdjgeprih 
gelt  Ijabe.  9lber  ber  alte  ^rh>  trug  iljm  bie  (Streike  nidjt  nadj, 
fonbern  machte  ilm  fogleid)  frei  oon  ben  ©olbaten  unb  fdjenfte  iljm 
obenbrein  ein  IjübfdjeS  ©runbftürf.  Wut  ben  3au&crf*ao  fa*  öer 
8olbat  abgeben  müffen,  ber  festen  bem  alten  ftrtfc  benn  bodj  $u 
gefäljrlidj. 

gbenbabtr. 


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508 


631. 

$rr  alte  Sri*  im  9i»af. 

(Einmal  ifi  bcr  alte  ftrifc,  toie  er  ba«  oft  getljan,  in  Söauern* 
tratet  burdj  bte  im  SBiioaf  liegenben  (©olbaten  gegangen;  benn  überall 
Ijat  er  fid)  oon  allem  fctbft,  burdj  ben  eigenen  Slugenfdjein,  über« 
jeugen  trollen.  Dabei  fam  er  audj  $u  einigen  ©olbaten,  bie  um 
ein  ^euer  lagen  unb  ftd)  wärmten,  unb  fragte,  ob  er  fidj  nidjt  mit* 
mannen  bürfe.  „©enrifc",  ertoiberten  bie  Seute,  „bodj  mu§t  bu  mit 
$ol$  herantragen  Reifen".  Diefe  9lrbeit  ftanb  bem  alten  ^rifc  nidjt 
an,  unb  toeil  iljn  fror,  trat  er  otyne  roeitered  an  ba«  $euer  Ijeran. 
Da«  ging  ben  tapferen  <Sotbateu  über  ben  <apa§,  fic  fdjalten  unb 
fdjimpften  auf  if)n,  ja  einer  fing  an,  iljn  mit  plagen  baoon  $u 
treiben.  Qn  biefer  $ot  fdjlug  ber  alte  ftrifc  feinen  ÜJiantel  auf 
unb  gab  fidj  fo  ben  beuten  ju  ertennen.  Da  gerieten  fie  alle  in 
grofjen  ©djrecfen,  aber  ber  alte  ftrifc  f>at  ifjnen  bie  fdjledjte  SJeljanb* 
lung  niemal«  na^getragen. 

gbenbabet. 

632. 

$er  alte  &ri*  uub  fein  3«ger. 

Der  alte  ftrifc  ^atte  einen  Qäger,  ber  iljm  bie  beften  93äume 
ans  bem  SÖalbe  ftaf)l.  $ur  Strafe  würbe  er  feine«  Slmte«  entfefct 
unb  nacfenb  an  einen  $aum  gebunben,  um  bort  ben  fliegen  jum 
ftrafce  p  bienen.  sJtaa)bem  ber  ÜHann  einen  £ag  lang  fo  geftanben, 
ritt  ber  alte  ftrifc  oorbei  unb  faf>  ben  ganzen  Körper  oon  bem  ©e= 
fdjmei§  bebecft.  Üttitteib  ergriff  feine  (Seele,  unb  er  fdjeudjte  eine 
fliege  oon  bem  ?eibe  fort.  Da  foradj  aber  berftäger:  „#a§t  ba« 
Üier  nur  fifeen;  ba«  Ijat  fid)  fdjon  oollgefogen  unb  fd)merjt  midj 
nidjt  meljr.  Äommt  aber  eine  neue  fliege,  fo  tyabe  idj  audj  neue 
<Stict)e  au«jufleljen." 

Sil«  ber  alte  $rifc  ba«  gehört  f>atte,  Ijtejj  er  ben  Qäger  lo& 
binben  unb  fefcte  ü)n  aud)  mieber  in  fein  frühere«  Slmt  ein ;  „benn", 
fagte  er,  Mtt>a«  foll  id)  machen?  ^efjtne  id)  einen  neuen  Qäger,  fo 
beftie^lt  er  mia)  oielleidjt  nodj  oielmal  meljr  al«  ber  alte". 

(Sbenba&er  unb  aus  SRifeia,  ÄtciS  ©djiefelbein. 


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XV. 

G33. 

Wür  Külmann  dat  Spreken  lirt. 

Da  was  einmäl  ein  Paster  in  Luebeck,  dei  les  inner 
Zeitung,  dat  dat  ne  Stadt  göf,  wür  dei  Hunn  dat  Spraken 
liren.  Nu  haer  dei  Paster  ein  klaugen  Hund,  dei  heit 
Külmann.  Hei  laet  söfört  sinen  Deiner  Jehann  kämen 
un  saer  tö  em:  „Dü,  Jehann,  ik  16s  hlr  eben  inner  Zeitung, 
dat  dat  ne  Stadt  gift,  wür  dei  Hunn  dat  Spröken  liren. 
Wat  meinst  dü  woll,  sull  uns  Külmann  dat  ök  woll 
liren?" 

nJ  jä,  Herr  Paster!  Wörüm  nich?  Jk  gloew't  ümnier." 
„„Na,  Jehann,  wust  dü  em  denn  woll  henbringen?uu 
„Jä  woll,  Herr  Paster. u 

„„Dei  Stadt,  Jehann,  heit  Winachten  un  licht  dicht 
bi  M6lgrüttuu 

„Na  jä,  Herr  Paster,  denn  weit  ik  Bescheit1* 
Jehann  kricht  alsö  ne  Tasch  vull  Gild  un  reist  mit 
Külmann  lös  un  kümmt  ök  richtich  in  Winachten  an 
un  laet  sich  bi  den  Direkter,  wür  dei  Hunn  dat  Spraken 
liren  sulln,  anmellen,  grueszt  von  sinen  Herrn  un  stellt 

Külmann'n  väer  un  beschrift  alle  gauden  Lgenschaften  von 
em.   Un  hoi  watt  ök  annämen. 

Jehann  reist  därup  tö  Hüs  un  bringt  sin'n  Herrn  Be- 
scheit,  lücht  äewer  düchdich  wat  tau  un  sacht,  dat  hei 
Külmann'n  nä  drei  Wochen  afhälen  kann. 

Dei  Paster  freujt  sich  sör  däräewer  un  kann  gär  nich 
dei  Tid  afwarten,  böt  Külmann  werrer  kümmt.    As  dei 


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510 


Tid  nü  aflöpen  is,  moet  Jehann  hen;  hei  kricht  Külmann'n 
äewer  noch  nich  mit  un  kümmt  sö  werrer. 

Sin  Herr  kümint  em  all  entgegen  un  rappt  all  von 
fiern:  „Wür,  Jehann,  du  hast  den  Hund  nonnich?« 

„Ja,  Herr  Paster,  so  flink  geit  dat  nich.  Jk  sull 
vSlmäl  grueszen  von  Herrn  Direkter,  un  virteigen  Däch 
müst  Külmann  noch  dar  bliben.  Hei  meint  jö,  dat  Kül- 
mann  dat  liren  würr.M 

Den  Paster  würr  dei  Tid  lang,  un  nä  virteigen  Däch 
müst  Jehann  werrer  hen.  Hei  kaem  äewerst  werrer  so 
troech.  Da  sächt  dei  Paster:  „Jehann,  du  hast'n  jö 
nonnich?" 

„Jä  huern  s'  blösz,  Herr  Paster!  Jk  kam  ja  hen  un 
fräch  an  nä  Külmann.  Dunn  sächt  dei  Direkter  tau  mi: 
„Külmann  is  all  binä  tau  gelirt,  denn  hei  gift  all  Unner- 
richt  bi  dei  anner  Hunn;  sei  künn'n  sich  mäl  ans6n.u 

Jk  ging  also  mit  un  kök  dörch  dei  Glasdoer  un  s£j 
nü  dei  Geschieht  dar.  Külmann  gßf  Fijölinstunn.  Dei 
Direkter  saer:  „Jk  will  em  mäl  rin  raupen."  Külmann 
kaem  ja  rin  un  glik  up  mt  lös  un  saer:  „Gön  Dach  uk, 
Jehann,  wür  geit't  denn?  Wat  mäkt  uns  Herr  Paster'? 
Js  hei  noch  ümmer  so  unanstännich?" 

Hueren  s'  mäl  Herr  Paster,  wider  laet  ik  em  gär 

nich  kämen.  Jk  gew  em  eis  hinner  dei  Üren,  dat  hei 
hentummeln  daer  un  em  all  dei  Gelirsämkeit  üt'n  Kopp 
floech." 

„Dat  hast  du  göd  mäkt,  Jehann,  denn  hei  haer  uns 
süs  noch  all  beir  verräden." 

s]Rünbli(b  au§  XiegelSborf,  ftteis  (Stimmen. 
634. 

Würaus  dei  Taetröer  ern  8dd  ütraaeten  hftbbn. 

Eis  wulln  dei  Taetröer  weiten,  wür  deip  6r  Söd  wir, 
un  sei  wüsten  nich,  wür  sei  dat  angän  sülln.  Sei  gingen 
taun  Burmeister  un  froegen  den  üm  Rät.  Dei  saer:  „Dat 
kann  so  slimm  nich  sin;  wi  willn  glik  bigän.1* 


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511 


Sei  laeden  nü  ein  breides  Sleit  dwass  räewer,  un  dei 
Burmeister  16t  sich  daran  hingn.  „Söu,  sacht  hei,  „nü 
fät't  man  an,  oin  ümmer  den  annern  an  dei  Bein,  bat  wi 
tauletzt  upn  Badn  känin."  Dat  dein  sei  6k.  Den  Bur- 
meister würr  dat  äewer  bald  tau  swör,  un  hei  rep:  „Kierls, 
hüllt  wiss,  ik  moet  mi  irst  eis  in'n  Hinn  spignu.  Darup 
let  hei  lös,  un  dei  ganze  Kummeli  von  Kirls,  samt  den 
Burmeister,  schoeten  unna  däl.   Dat  is  dat  Taetröer  Söd- 

Ütmaeten."  ebenbatjtr. 

635. 

Von  den  Räubenstaelern. 

Twei  Kirls  in  Taetrö  haerdn  eis  Rauben  stäln  un 
gingn  därmit  nän  Kirchhof  rup.  Hir  saer  dei  ein  tau'n 
annern:  „Jk  wär  ml  hir  hen  setten  un  uns  dei  Räubn 
üt  einanner  telln,  dü  gä  unner  dei  Tid  hen  un  stael  uns 
ein'n  Hämel  tau,  denn  aeten  wi  morgen  Hämelfleisch  un 
Rauben."  Na,  dat  dör  dei  anner  6k,  un  dös  füng  nü  an 
tau  telln:  „Dit  sünd  min,  un  dat  sünd  dtn.  Dit  sünd 
min,  un  dat  sünd  dinu,  un  so  ümmer  fürt. 

Dit  huert  dei  Köster,  dei  eis  upstau  wir.  Söglik 
lep  hei  tau n  Paster  un  röp:  „Herr  Paster!  Kämn  s'  mal 
rasch  eis  mit!  Dei  Dorn  sitten  up'n  Kirchhof  un  telln 
sich  dei  Knäken  üt  einanner.*  Dei  Paster  wir  grüglich 
un  saer:   „Ach,  ik  kann  nich,  ik  häbb'n  kranken  Beinu. 

-  ,.Nau,  sächt  dei  Köster,  „kämn  s'  man  mit;  wenn't  nich 
anners  is,  nöni  ik  sei  hackebutt",  un  dat  löt  sich  dei  Paster 
gefalln. 

As  sei  nü  beir  up'n  Kirchhof  wirn,  meint  dei  Roewer, 
dat  wir  sin  Kollej  mit'n  Hämel,  un  hei  röp:  „Smit'n  man 
däl,  wi  willn  em  glik  dei  Köl  afsniden.u  As  dit  äewer 
jüst  dei  Paster  huert,  don  sprüng  hei  runner  un  16p,  dat 
em  von  krankn  Bein  nix  antausein  wir,  un  dei  Köster 
gew  6k  kein  slichtes  Hackengild.  (Sbenba^er. 

636. 

Dat  Vageinest. 

An  den  Taetröer  Kirchturm  söt  eis  von  büten  tau 
unnat  Szifl'erblad  ein  Vägelnest,  un  vir  Jungens  Stögen 


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512 


up  den  Torrn  un  Wullen  dat  Nest  ütnömen.  Sei  körnen 
bi,  stöken  ein  langes  Bred  üt  dei  Lük,  un  dei  Drtst  von 
er  würr  sich  därup  stellen. 

As  hei  nü  in  dat  Nest  langt,  lögen  aewer  man  drei 
Eier  in,  un  vir  Jungens  wiren  sei.  Hei  röp  also:  „Drei 
Eier  bring  ik  man;  ein  von  uns  kann  kein  krfgen".  — 
„Na,  denn  krichst  du  kein",  saerdn  dei  annern,  „wi  häbbn 
jö  dat  Bred  fast  hulln".  —  „Dat  wir  ök  noch  so  watu, 
rßp  doi  irst,  „ik  war  doch  hlr  nich  rüt  stigen  un  juch 
denn  dei  Eier  gaebn".  —  „Wenn  dü  dar  nich  mit  inver- 
stan  büst,  denn  läten  wi  dat  Bred  lös"  antwürten  sei.  — 
,. Ja,  dat  käenen  jl  mln'n  waegent  daunu,  meint  hei.  Bautz 
löten  sei  dat  Bred  lös,  un  runner  reist  hei. 

As  hei  unna  anköni,  kek  hei  tau  Hoecht  un  röp 
ganz  spilljäeksch  (übermütig):  „Sein  ji  wollV  Nü  krljen 
ji  'n  Schöt!"  un  16p  mit  sin  Eier  tau  Hüs. 

637. 

W urans  dei  Taetröer  dei  Schau  mäkeu. 

Dar  köm  mal  eis  einer  nä  Taetrö  un  ging  in  't  Gast- 
hüs.  „Kellner",  saer  hei,  „häbbn  dei  Luer  in  Taetrö  dat 
6k  all  sö  wlt  bröcht,  dat  sei  in  ein  Stunn  'n  Pär  gaude 
Schau  färich  bringn?  Aewer  sei  moeten  Ck  glatt  sitten*. 
—  „Gewisu,  antwurd  dei  Kellner,  „dei  käen'n  sei  krljen**, 
un  därmit  treckt  hei  em  dei  Stacheln  üt  un  stej  därmit 
tau  Bäen.  Nich  lang,  dön  körn  hei  6k  richtich  mit  'n  Par 
schoen  ümsoemte  Schau  troech.  „Szueu,  sächt  dei  Herr, 
„dat  hat  ja  fix  gän,  dat  haer  'k  in  mtn  'n  Laeben  nich 
gloewt,  dat  dei  Taetröer  sö  wat  in  s6  körte  Tid  färich  brin- 
gen künn'nM. 

As  hei  dei  Schau  nü  antrecken  dör,  müst  hei  sei 
noch  mir  bewunnern,  denn  dei  Dinger  pasten  tau  nett; 
aewer  hei  haer  tau  tidich  lacht.  An  annern  Morgen,  as 
hei  afreisen  wull,  ja,  wür  wir'n  dön  sin  Staewel?  Hei  künn 
sei  närens  finn'n.  Am  letzten  Inn  röp  hei  den  Kellner 
un  saer:  „Wür  hast  d'  min  Staewel  laten?"  Dei  Kell- 
ner  antwürd  ganz  Irlich:  „Dei  Staewel  häbb'n  sich  ent- 


513 


puppt>  dar  sünd  Schacht  im  Schau  üt  wärdn".  Dei  Herr 
wüst  süllst  nich,  wat  hei  dartau  säggn  süll,  hei  dacht 
so  bi  sich:  „Taun  tweiten  Mal  lät  ik  mi  in  Taetrö  kein 
Schau  werrer  mäkenu. 

Gbenbaljer. 

638. 

Würaus  dei  Schult  in  Taetrö  praedieht  hät. 

As  eis  dei  Preisters  sö  knapp  wir'n,  dön  kem'n  dei 
Taetröschen  niäeglich  in  dei  Klemm;  denn  er  ull  Paster 
wir  död  blaebn,  un  sei  künn'n  näreus  ein  annern  hör 
krijen.  Tauletzt  foel  er  in,  sei  wulln  den  Schult'n  taun 
Preister  maken,  un  dei  dör  dat  uk. 

As  hei  nü  sin  örst  Praedieht  hulln  här,  körn  ein 

tau  Örn,  dat  dei  Bürn  nich  recht  därmit  taufraeden  wirn. 
Hei  froech  sin'n  Näwer:  „Js  min  Praedieht  denn  nich 
gelirt  nauchV"  —  „Nöu,  sächt  dei,  „so  as  ik  huert  häf, 
faelen  dar  latinsche  Wuer  mauk."  —  „Jäu,  sächt  dei 
Schult,  „denn  moet  ik  mi  man  eis  nän  Köster  maken, 
ob  dei  kein  weit,  denn  ik  häf  kein  up  Läger/' 

Dei  Köster  wüst  twäst  uk  kein,  saer  aewer  tau  em: 
„Kumm  man  mit  nän  Hult,  dar  warn  wi  weil  weck  finn'n.u 
Sei  wir'n  noch  nich  wit  gän,  dun  saer  dei  Schult:  „Wat 
is  denn  dar  von'n  högen  Born?"  —  „Jetzue44, l)  sächt  dei 
Köster,  „dar  häbbn  wi  jö  all  ein:  Högbömus".  Dat 
düit  nich  lang,  don  platzt  dei  Schult  werrer  rüt:  „Dar  is 
jö'u  Kraigennest  up  dei  Eik44.  —  „Kraigennestus44,  saer 
dei  Köster.  Ein  Enn  wirer,  dar  lech  ein  afraeten  Schau- 
schlarm.  „Kik44,  sächt  dei  Schult,  „ein  afreien  Schau- 
schlärm".  —  „Sehauritrantusu,  foel  ein  dei  Köster  int 
Würt  Am  letzten  Inn  kßm'n  sei  an  ein  lütt  Hüs.  Vaer 
dei  Däer  spaelten  dei  Gäern  un  stekeu  därbi  den  Hund 
in'n  Sack.  „Wat  maken  dei  dar?"  rep  dei  Schult.  „All- 
werrer  ein",  sächt  dei  Köster,  „Krüpindeisaek  tus,  un 
nü  hast  nauch  Wuer"  un  don  gingen  sei  nä  Hüs. 

Den  Schult'n  danzten  sin  Wuer  den  ganzen  Dach 
in'n  Kopp  rüm,  un  hei  küun  gär  nich  üthulln,  bät  dei 

l)  Jetzue  =  fiel)  mal. 

33 


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Sünndach  kAm.  As  hei  nü  endlich  dar  wir  un  dei  Luer 
nä  dei  Kirch  gingn,  stünn  dei  Köster  all  an  dei  Kirchen- 
däer  un  saer  taii  jörerein'n:  „Huet  rit  man  Nes  un  Mül 
up,  huet  wat't  juch  woll  gefalln."  Dei  Schult  dör  j6  nü 
uk,  wat  hei  künn;  un  as  hei  ball  tau  lnn'n  wir  mit  dei 
Praedicht,  dön  smdt  hei  sich  in  dei  Bost  un  schröch  mit 
Iure  Schtinim:  „Högbömus,  Kraigennestus,  Schauritrantus, 
Krüpindeisacktus.  Amen." 

As  hei  nü  von  dei  Kanzel  runner  wir,  kloppten  em 
dei  Bürn  up  dei  Schullern  un  saerdn:  „Sue,  Varrermann, 
son'n  Praedicht  läten  wi  uns  gefalln  !a 

ÜJlünblidj  au§  SJtecfiocr,  ÄreiS  S)emmin. 

639. 
$er  Zugang. 

Da  was  mal  es  en  Bür,  de  foert  nän  Busch.  As  h§ 
dicht  hen  is,  da  löpt  en  Häs  öwern  Wech.  H6  sae  to 
sinen  Knecht,  dat  boduet  Unglück,  un  hö  foer  törue. 

Annern  Dach  foert  he  werrer  hen,  da  löpt  ön  Wulf 
öwern  Wech,  un  hß  sae,  dat  is  Glück.  Un  as  hd  innen 
Busch  rin  kaem,  da  kaem  de  Wulf  an  un  fröt  de  Per  up. 

9Rünbli$  aus  Üdermünbe. 

640. 

$er  SRaffotoer  ©algen. 

5113  einft  bie  ©targarber  einen  SBerbredjer  Rängen  toollten, 
fanb  e8  fidj,  bafc  ber  ©algen  gang  oerfaQen  mar.  üttan  mußte  fid» 
entfetteten,  einen  neuen  ju  bauen,  ber  aber  »iet  ©elb  foften  foltte. 
£>a  fiel  einem  Rügen  föatgfjerrn  ein,  baß  fürgUd}  in  ÜJtaffoto  ein 
neuer,  fcfyöner  ©atgen  errietet  fei,  alfo  ber  arme  ©ünber  &ietteia)t 
bort  gelängt  tnerben  fönnte.  SDtan  roanbte  fid)  SU  bem  Qnt&t  an 
ben  diat  oon  ÜWaffom;  bie  Sitte  mürbe  jeboa)  von  biefem  abfdjlägig 
belieben:  benn  bie  3)?affotoer  Ratten  ben  ©algen  für  fidj  unb  iljre 
tfinber  erbaut,  unb  nidjt  für  ftrembe. 

2>a*  liebe  Vommerlanb.   8.  19  fg. 


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515 


641. 

$te  Ätrdje  in  3anoW. 

^Cfö  bie  3'anower  i^rc  Äirdje  gebaut  Rotten,  ftanb  fie  tynen 
nic^t  paffenb  genug  auf  bem  2Rarft.  Sie  befc^foffen  baljer,  ba« 
©ebäube  etwa«  weiter  gu  fdjteben.  £>amit  e«  aber  ntc^t  gu  tuett 
würbe,  gog  ber  Sürgermeifter  feinen  ffiotf  au«,  warf  tyn  auf  ben 
äflarftplafc  unb  fpradj:  ,,93i«  gu  meinem  SRocf  wirb  bie  fördje  ge* 
fdjoben".  darauf  ftellten  fid)  alle  an  bem  ©Ottenau«  auf  unb 
fließen  mit  ben  köpfen  gegen  bie  Sanb. 

Qngwifdjen  war  ein  §anbwerf«burfdj  be«  Seg«  batyer  ge= 
fommen  unb  Ijatte  ben  guten  SRocf  mit  fidj  genommen.  511«  bie 
3anower  nun  eine  geraume  3e^  gefdjoben  Ratten  unb  nadjfaljen, 
war  ber  SRotf  oerfdjwunben.  Da  glaubten  fie  benn,  fie  Ratten  bie 
Äirdje  auf  ben  iRocf  gefdjoben.  Seil  e«  aber  eine  faure  9Irbeit 
gewefen,  wollten  fie  ba«  ©ebäube  nicfyt  wieber  gurücffd)ieben,  unb 
ber  Söürgermeifter  gab  für  ba«  Sofyt  3anowÄ  feinen  föoef  Inn. 

Seit  ber  Qzit  fagt  man  gu  einem  Üttann  mit  einer  faxten 
statte:  „Du  bist  uk  wol  eie  voa  d£re,  dü  hast  uk  wol  mit 
schübe  hulpe  anne  Zänasche  Kirch  u. 

Wünblid)  aus  Srnfeifl,  $rci§  ^ürftentum. 

642. 

$te  3ano»e?  fäcn  ©afg. 

$)ie  3<mower  mußten  jäfyrtidj  oiel  ©elb  für  Saig  ausgeben. 
Um  biefe  Summe  bem  Stabtfecfel  gu  ermatten,  befäten  fie  einen 
großen  Sanbberg  mit  Saig  unb  wiefen  ben  ©emeinbefu'rten  an,  \a 
rcdjt  atijt  gu  geben,  baß  ba«  $ielj  bie  Saat  nidjt  oerwüfte. 

Da«  ging  eine  Seile  gang  gut,  unb  wenn  aud)  gerabe  fein 
Saig  aufging,  fo  bodj  um  fo  mein"  Ueffeln;  unb  biefe  gelten  bie 
3anoWer  für  Saigtraut.  (Sine«  Jage«  nun  war  ber  $3utle  trog 
aller  SBorfidjt  bennod)  in  bie  föftlidje  Saat  geraten,  unb  ade«  war 
in  Sorge,  wie  bem  Unglüä  abgufyelfen  fei.  3)er  Sdjäfer  burfte 
ba«  £ier  ntdjt  gurüetbringen,  benn  er  f>atte  gu  große  §üße.  ^agte 
man  aber  ben  Süllen  mit  Steinen  oom  ftelb,  fo  wäre  ber  Stäben 
immer  größer  geworben. 

$e«tyatb  fanbte  ber  ljolje  töat  oon  3anow  Männer  auf 
ba«  jjelb.   $)ie  ergriffen  ben  Stier,  fdjnürten  feine  Seine  gufammeu 

33* 


516 


unb  wäljten  tljn  bann  tyerauS.  So  würbe  burä)  ganowfdje  ©eis* 
$eit  bie  Saat  oor  ben  grojjen  ftüfcen  beS  |)irten  unb  ben  $>ufen 
beS  ©emeinbebullen  gerettet.  ebenbater. 

G43. 

$ie  ©parfamfeit  ber  3<raower. 

3luf  bem  Stabtturm  oon  3anow  wudjS  fd)öueS  ©ras,  unb 
bcn  guten  ßanowern  ^at  c$  Mb/  oafc  ber  Segen  ©otteS  fo  »er* 
fomnten  folle.  Sie  befdjloffen  beSfyalb,  baS  ©ras  abtreiben  $u  laffen, 
unb  ertoren  baju  ben  ©emeinbebuüen.  9J?an  legte  bem  £ier  eine 
Sdjlinge  um  ben  .*pal3  unb  30g  es  in  bie  $>ölje;  bod)  fdjon  auf 
falbem  ©ege  mar  ber  arme  Stier  oerrecft.  Gbenb<tf>r. 

044. 

$Me  bie  £anomer  jäfjlcn. 

^la^t  3anomer  9»l3en  ctnft  über  ftelb.  Unterwegs  wollten 
fie  narfjfcljen,  ob  fie  audj  nod)  alle  beifammen  wären.  Sdmlt  §aS 
begann  $u  jaulen:  „Ik  bin  ik,  eiu,  twei,  drei44  u.  f.  m.,  unb 
fielje,  es  waren  nur  ficben;  nid)t  bcffcr  erging  es  ben  anbem  mit 
ifyrer  Siedjenfunft.  Sd>o»  waren  fie  gan^  troftloS,  als  fie  einen 
frifdfcn  Raufen  Stuljmift  erbtitften.  ^n  biefen  ftadjen  fie  mit  i^ren 
Störten,  $äf)lten  bie  Vödjer  nad)  unb  fanben  jn  ifjrer  SBcrufu'gung, 
bafj  fie  Wirflidj  nodj  ad)t  waren.  (fbenbaber. 


G45. 

$te  Hönower  britigen  Steufjolj  in  bie  Stabt. 

(Sinft  brauten  bie  3anowcr  einen  großen  ©alten  in  bie  Stabt; 
ba  fte  tyn  aber  in  ber  Cnerc  trugen,  fo  tonnte»  fie  itm  auf  feine 
JBeife  burd)  baS  £ljor  bringen.  Oben  auf  bem  £fyor  fajj  nun  eine 
Ärälje  unb  fd)rie.  T>a  fagte  einer  ber  .ßauower:  „§ord)t  boa),  Wae 
ber  Stegel  fprid)t!"  Die  tfräfje  rief  aber:  „Va— augS!  i*a~  angS!" 
$>a  breiten  bie  3all0>üer  Den  Steifen  längs  unb  fiefye,  jefet  ging 
alles  ganj  teidjt  unb  fdjön. 

Seit  ber  $eit  halten  bie  3anower  °'c  #rälje  für  ben  wei< 
feften  Stegel.  (jbenba&er. 


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646. 

$er  9Wau3f)unb  in  ^anoto. 

T>ie  3anoroev  Ratten  nod>  niemals  eine  Äafce  gefe^en ;  fo 
fam'*  beim,  ba§  ftc  oor  93crmunberung  9flunb  unb  9?af«  auffperrten, 
als  ein  burdjreifenber  .fmnbfeerföburfdje  ein  foldje«  $ier  auf  bem 
?lrme  trug  unb  fytten  erftärte,  ba$  fei  ein  2WauSlmnb.  „$tofre  e$, 
was  e$  wolle",  rief  £d)ult  $a£,  „ba$  Söunbertier  müffen  wir 
Ijaben";  unb  als  :tber  grembe  als  Kaufpreis  taufenb  £fjaler  Der» 
langte,  würben  iljm  biefelben  auf  ber  Stelle  au«  bem  Stabtfetfel 
l)ingeaaf,lt. 

Der  |>anbwerfSburfdje  Ijatte  gerabe  bem  ©täbtajen  ben  dürfen 
gefetyrt,  als  bie  guten  l'eute  ju  itjrem  Scheden  gewahr  mürben, 
ba§  fie  oergeffen  Ratten  ju  fragen,  momit  ber  ÜWauSlmnb  gefüttert 
merbe.  Sdjult  .fjaS  mußte  fidj  barum  fofort  auf  ben  $Beg  madjen 
unb  bem  ^remben  nacheilen.  911S  er  iljn  in  ber  ^erne  auf  ber  $anb* 
frrafce  erblicfte,  rief  er  iljm  ju:  „©uter  ftreunb,  was  frißt  benn  ber 
aWauSfyunb?"  —  „2ÖaS  man  ifjm  beut",  gab  ber  §anbwerfSburfdje 
jur  Antwort.  Sd)ult  §aS  oerjtanb  aber:  „33ie(j  unb  ^eut",  tief 
fpornftreidjs  nad)  ganow  $urürf  unb  erjagte  bort  bie  fdn-ecflidje 
Äunbe. 

Da  bewaffneten  fidj  alle  $anower  unb  $ogen  gegen  ben  ÜHauS* 
Iwnb  £U  $elbe.  Die  Safce  fprang  oon  .§auS  $u  §auS  unb  ent- 
wifdjte  fdjltefjlidj  in  bie  $ird)e,  aber  eS  nüfete  ifyr  alles  nid}tS,  oben 
auf  bem  £urme  mürbe  fie  ergriffen  unb  oon  <5dmlt  .f)aS  mit  einer 
sJJJiftgabel  erftodjen.  ©o  mar  $auow  f«r  Diesmal  noef)  bem  93er^ 
berben  entgangen. 

OJiünblid)  au«  9teuflenv  Streik  ftürftentum. 
647. 

SeStmlb  bie  äanotoföc  ftelbmarf  fo  nein  ift. 

Die  .ßanomer  Ratten  einft  einen  fyarten  Streit  mit  ben  ÄbS^ 
tinern  über  bie  ®renje  iljrer  ftelbmarfen.  Snbliaj  fam  man  über- 
ein, bie  Sadje  folte  in  ber  Seife  beigelegt  werben,  ba§  an  einem 
beftimmten  läge  bei  Sonnenaufgang  bie  Sürgermeifter  beiber  Stabtc 
t>on  tyren  2HarftplcU}en  abreiten  foliten;  wo  fie  fidj  bann  träfen,  ba 
folle  bie  ©renge  fein. 


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518 


£ie  ganower  wollten  eS  nun  redjt  fdjlau  anfangen  unb  be* 
fd)loffen,  ihren  SBürgermeifter  auf  einem  C<f)fen  retten  $u  laffen. 
$a  nämlich  ber  Stier  »iel  ftärfer  ift  wie  baS  IJferb,  fo  glaubten 
bie  guten  Oeute,  er  würbe  auch  m'el  fchneller  laufen  fönnen.  Unb 
über  ben  trefflichen  ^ßtan  waren  fie  fo  erfreut,  baß  fie  ftd)  ^tnfe^ten 
unb  ein  großeß  ©elage  anpeilten  unb  aßen  unb  tränten,  bis  tief  in 
bie  9?adjt  hinein.  SBer  barauf  aber  am  anbern  Jage  ben  (Sonnen» 
aufgang  oerfd)(ief,  war  ber  $anowfche  ©ürgermeifter ;  unb  als  man 
it)n  enblid)  munter  gerüttelt  unb  auf  ben  Cchfen  gefegt  hatte,  ba 
war'S  bereits  lichter  ÜWorgen.  Dicht  hinter  ben  ©tabtthoren,  bei 
bem  .ßanower  OorDan/  lfaf  er  barum  auch  fdjon  auf  ben  ÄöSliner, 
Welcher  nicht  wenig  über  feinen  Sollegen  aus  3anoft'  ladete,  ber 
noch  baju  oerfehrt  auf  bem  Cchfen  faß  unb  ftatt  beS  3ügelS  ben 
Schwang  in  ben  .§änben  ^ielt. 

9luf  biefe  SBeife  ift  eS  gefommen,  baß  bie  3anowfdje  ftelb* 
inart  fo  «ein  ift.  Pbetibobet. 

648. 

$er  Äönig  fommt  burefj  £anow. 

(Sinji  hatte  ber  flönig  befannt  matten  laffen,  er  wolle  bura) 
$anoW  3ter>cn.  T>a  Waren  bie  Sürger  in  großen  Sorgen,  wie  fie 
fich  bei  fofeher  Gelegenheit  $u  »erhalten  Ratten.  Sdmlt  $aS  tröftete 
fie  jeboch;  er  Wolle  an  ber  Spifce  gehen,  fie  foüten  nur  alle  gerabe 
fo  tt)un,  wie  er,  bann  würbe  es  fdjon  gut  ablaufen. 

2öie  fie  nun  unterwegs  waren,  mußte  fidj  Schult  §aS  etwa« 
»om  SBege  entfernen,  um  ber  9iatur  it)r  Siecht  einjuräumen.  Äaum 
aber  hatte  er  fich  niebergehoeft,  ba  hieß  eS:  „Der  Äöntg  fommt".  Da 
na^m  Sd)utt  #a$  eilig  mit  beiben  .gänben  bie  |)ofen  in  bie  §ölje 
unb  eilte  an  bie  Spifee  beS  3ugeS.  311S  bie  93ürger  ben  Schufen 
fo  laufen  fat)eit,  matten  fte  eS  ebenfo  unb  empfingen  in  biefer 
Stellung  ihren  fiönig. 

SJtünbliaj  au$  2>arfeton>,  ÄteiS  ftummelgbura. 
649. 

$a$  Rathaus  in  Storfefoto. 

911S  bie  Darfefomer  ihr  SRathauS  gebaut  ^atten^  war  eS 
gan$  bunfel  barin,  beim  bie  guten  Ceute  hatten  bie  frenfter  »er* 


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geffen.  Da  nahmen  Tic  große  9Mben  unb  trugen  ba«  Sidjt  hinein. 
Dodj  e«  wollte  wenig  ^etfen.  3um  guten  ®lücf  [tiefe  eine  alte 
ftrau  in  tyrem  (Sifer  mit  einem  3Jknne  jufammen,  unb  beibe  fielen 
fo  Ijart  gegen  bie  eine  SBanb  be«  töatfyaufe«,  baß  biefe  eiuftürgte. 
Da  Ratten  benn  bie  Darfefower  mit  einem  2J?ale  Vidjt. 

Vinn  wollten  fie  am$  gerne  einen  rcdjt  frönen  Tanten  für 
ba«  neue  Oebäube  Ijaben,  benn  föat^au«  flang  ifmen  uiel  ju  ge* 
wöfmlid}.  (Sie  Rieften  beöljalb  ©dmtt  $a«  in  bie  9?ac$barftabt: 
er  folle  bort  ben  SBürgermeifter  um  einen  tarnen  bitten.  2öie  nun 
«Sdjult  $a«  $u  bem  SBürgermeifler  fam,  fagte  er  nur:  „2Bie  follen 
mir  ba«  §au«  nennen?"  Der  SDZann  a^nte  gar  nid>t,  wa«  ®dmlt 
.J)a«  eigentlich  meinte,  unb  fragte  iljn,  ob  ein  £tyor  in  bem  §au« 
märe.  „Qa,  gewiß,"  fagte  biefer.  „9iun,  bann  nennt  e«  bodj 
Dörtimmer,"  erwiberte  ber  33ürgermeifter. 

Vergnügt  eilte  @d)ult  §a«  nadj  Darfefow  gurücf.  Unterweg« 
mußte  er  jebod)  über  einen  Kraben  fpringen,  fiel  auf  bem  anbern 
Ufer  3U  ©oben  unb  Ijatte  oor  ©djrecf  ben  fd)önen,  neuen  tarnen 
fcvgeffen.  Da  fprang  er  immer  Ijin  unb  f)er  unb  rief  babei:  „Hir 
haed  'ik  di,  htr  verlös  ik  dt,  h!r  mut  ik  di  uk  finge." 
©äljrenb  er  fo  fprang,  fam  ein  ftrember  be«  2öege«  ba^er  unb 
fpradj:  bu  2^or."    „Dörtimmer!  Dörtimmer!"  rief  ba 

^cljult  $a«  unb  rannte  in  ba«  Dorf  hinein. 

vlRünbli$  aus  2rjfbiatton>,  Ärei$  Sütoro. 

650. 

Sie  luftige  $efrf)i(f)te  bom  Sauern  ftietoit  in  Darfefow. 

33or  langen  Sauren  lebte  in  Darfefow  ein  SBauer,  ber  fyiefc 
Ätewit.  Ginft  ging  berfelbe  mit  feinem  Odjfen  auf  ba«  ftelb,  um 
ju  pflügen.  Da  fam  ber  3?ogel  Äiewit  an  unb  rief  luftig  fein 
„Ätetoit,  Äiewit"  in  bie  tffifte.  Der  Sauer  aber  meinte,  ber  33ogel 
»olle  tyn  bamit  tyänfeln,  unb  berwie«  t^m  feine  Unart  ernftlidj. 
91t«  ba«  nidjt«  Ijalf,  fdjrie  er:  werbe  bicf>  Wimpfen  lehren!" 
na$m  feinen  Plauchschteke  (^flugftorf)  unb  warf  nadj  bem  SBogel. 
Dodj  ber  ffiurf  ging  fe$l  unb  traf  ben  Odrfen  fo  unglütflidj  oor 
ben  $opf,  baß  er  tot  gu  ©oben  ftürjte. 

traurig  30g  nun  ber  ©auer  bem  £ier  ba«  frell  ab  unb  ging 
bamit  na$  <5tolp,  um  e«  bort  ju  oerfaufen.  Qn  ber  ©tabt  teerte 


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520 


er  in  einem  ©aftyauS  ein,  fette  fidj  unten  an  ben  Xifcf)  unb  marf 
bie  .ftaut  unter  ben  ©cfjemel.  9iicf;t  lange  batte  er  fo  gefeffcn,  als 
ber  Lüfter  in  bie  £tube  trat,  unb  roäbrenb  ber  Sauer  £aferfuppe 
befam,  becfte  bie  #rau  bem  öftrer  53iot,  Sein  unb  ^leifcb  auf; 
benn  fie  trotte  ein  bcimlicr/e$  i'iebeSoerbältniS  mit  ifmt. 

311$  nun  ber  &Mrt  na*  .ftaufc  fam,  paefte  fie  ba$  »rot  iAneU 
in  bie  flammer,  $teifcf;  unb  ©ein  in  bie  Cfcnrityre,  ber  Lüfter 
aber  muf?te  in  baS  tfleiberfpinb.  Der  SßMrt  merfte  barum  aud>  t>on 
ber  ganzen  Sact/e  nidits,  fcfcte  ftcb  rulug  t)in  unb  liefe  fidj  fein 
2lbenbbrot  auftragen,  Da  nafjm  ftieroit  feinen  flrücffiocf  unb  f$fog 
auf  bie  #aut.  Sermunbert  fragte  ber  SLMrt,  ma$  er  benn  ba  mit 
bem  ^eUe  maef/e.  „§a",  entgegnete  ber  Sauer,  „baS  ift  Fein  ge* 
n?ör)nlicf)c«  ftell,  ba$  ift  ein  253af>rfager,  unb  ber  erjät)lt  mir  eben, 
in  ber  Sammer  liege  Srot  unb  in  ber  Cfenrbt)re  ^teifc^  unb  Sein." 

Die  %vau  mußte  natfifefyen,  unb  ricr/tig,  e$  fanb  fidj  fo,  tote 
ber  $£ar/rfager  gefagt  batte.  darauf  festen  fidj  beibe  fjin  unb  afeen 
unb  tranfen.  311?  fie  bamit  fertig  roaren,  fdjlug  ber  Sauer  mieberum 
mit  feinem  Stukfftocf  auf  bie  $)aut.  „&a$  fagt  er  bir  benn  nun?" 
forfdjte  neugierig  ber  SBirt.  —  „9iein,  bieSmal  fann  id)  e£  nitfy 
fagen",  ertuiberte  ftiemit,  „e$  mürbe  bid)  3U  fef)r  ärgern".  $11$  aber 
ber  3J?ann  nidjt  nad)tie§  mit  Sitten,  fpradj  ber  Sauer:  „s)fun 
gut,  mein  Satyrfager  bat  mir  eben  offenbart,  bafe  beine  ^-rau  ^eim^ 
lid}en  Umgang  mit  bem  ftüfier  bat,  unb  je£t  fifet  er  gerabc  in  beinern 
Ülciberfpinb."  Da  fal)  ber  Söirt  felbft  nad),  unb  al$  er  e8  rid)ti<i 
befai^,  rief  er:  „Saiter,  oerfaufe  mir  bie  $aut,  idj  mill  bir  ba> 
für  galten,  n?a£  bu  !)aben  roiüft." 

„9fun",  meinte  Siemit,  fffolcr/e  $äutc  finbet  man  nicr/t  oft, 
unb  eigentlich  ift  fie  mir  nid)t  feil;  aber  meil  bu  e$  bift,  mill  idj 
fie  bir  für  breitmnbert  ÜTt)aler  laffen.  Dod)  ber  SBaljrfager  ift  jefct 
feljr  angefpannt,  bu  barfft  it)n  nidjt  fror  morgen  abenb  befragen." 
'Der  2Birt  begaste  mit  ftreuben  ba§  ©elb  unb  ladjte  innerlich  über 
bie  Dummheit  beö  Sauern.  311$  er  aber  am  anbern  2lbenb  ben 
$£at)rfager  fragte,  fonnte  er  feine  3lntroort  befommen,  fo  friel  er 
aud>  mit  feinem  Stocfe  auf  bie  .f)ant  ftofcen  modjte. 

Äiemit  mar  inbeffen  fajleunigft  nad)  Darfefom  geeilt,  benn  er 
fürchtete,  ber  2öirt  möchte  ben  Setmg  merfen.  3m  Dorf  famen 
ifmt  bie  Sauern  entgegen  unb  frert}öt)nten  ilm,  ba§  er  feinen  Odjfen 
getötet  t)abe.    „O",  fagte  ftieroit,  „baS  gereut  mi$  gar  nidjt.  Die 


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521 


Ccbfenhäute  finb  h*uer  rar  in  ©tolp;  ich  t)aU  breifmnbert  Xfafer 
für  bie  ineinige  bcfommen."    Dabei  wies  er  ihnen  baS  (Selb. 

211S  bie  dauern  baS  Nörten,  fchlugen  fie  fchnell  alle  ilne 
Winber  tot,  jogen  ihnen  bie  .£)äute  ab,  fuhren  bamit  nad)  <Stotp 
unb  boten  bort  baS  ftell  für  breibuubert  ÜTbater  aus.  Die  ^tolper 
aber  oerftanben  feinen  <Spafc,  bauten  bie  Darfefower  wollten  fid) 
über  fie  luftig  machen  unb  fperrten  bie  gan$e  ©efelifcbaft  auf  einige 
'Jage  in«  (Gefängnis. 

9ton  wollten  fid)  bie  Sauer  nrädje  nnnb  befd)loffen,  ben  Äiewit 
in  ber  9fadit  tot  $u  fdjlageu.  Dod)  biefer  ahnte  fdjon  ihre  böfc 
^Ibfidjt  unb  fprad)  beShalb  311  feiner  grau,  als  er  fid)  mit  ifjr  $u 
Sette  legte:  „?ld),  lege  bu  bid)  ^eutc  oorne  tyn,  id)  möchte  auch 
mal  gerne  an  ber  SBanb  fdjlafen."  2öie  nun  in  ber  ?fad)t  bie 
dauern  fameu,  fälligen  fie  bie  ftrau  tot,  benn  fie  glaubten  ber 
Wann  läge  oorne. 

2lm  anbern  borgen  ftanb  tfiewit  auf,  naf)m  feine  tote  %iau 
unb  fefele  fie  auf  ben  ©agen,  mitten  unter  bie  .ßwiebeln  unb  Styfel, 
fo  bafc  eS  auSfah,  als  wolle  fie  bie  'Sadjen  oerfaufen.  Dann  fuhr 
er  mit  ihr  nad)  £tolp.  Dort  fam  ein  ÜWann  an  ben  3Bageu  unb 
wollte  gerne  ^wiebeln  haben.  Gr  fragte,  was  bie  üttefce  fofte;  aber 
bie  ^rau  antwortete  nid)t.  Da  warb  er  enblid)  ärgerlich  unb  gab 
ihr  einen  Sadenftreid),  fo  bafi  bie  ?eid)e  baS  ©feichgewidjt  oerlor 
unb  auf  bie  Grbe  ftürjte. 

Qc^t  fam  ftieroit  herbeigelaufen  unb  rief:  „sD?örbcr!  ÜWörber! 
Der  hat  meine  ftrau  tot  gefdjlagen!"  —  „?lch,  fei  bod)  nur  fttU", 
antwortete  ber  2)cann,  ,,id)  will  bir  aud)  gerne  breifmnbert  X^aler 
begaben."  „s)la,  baS  i|t  etwas  anbereS",  meinte  ftiwit,  ftrid)  baS 
(SJelb  ein  unb  fuf)r  mit  ber  toten  firau  nad)  Darfefow  gurürf. 

9IIS  bie  dauern  ihn  fo  fahren  fat)en,  oerwunberten  fie  ficf> 
fehr.  C£r  aber  erzählte  ihnen,  fie  bitten  nid)t  ihn,  fonbern  feine 
tyrau  totgefdjlagen.  9ftit  ber  fei  er  eben  nadj  Stolp  gefahren  unb 
habe  breihunbert  X^aUr  für  if)re  Veidje  befommen. 

Gilig  liefen  bie  Säuern  ba  nach  $öufe,  erfdjlugen  ihre  grauen 
unb  boten  fie  in  Stolp,  baS  3tücf  für  breihunbert  XfyaUr,  aus. 
Dodj  bort  nahm  man  bie  Sache  übel  auf,  ergriff  fie  als  9J?örber 
unb  fperrte  fie  auf  lange  geit  ein. 

(Snblidj  lie§  man  fie  wieber  frei,  unb  faum  waren  fie  nach 
Darfefow  gurürfgefornmen,  als  fie  aud)  Äiemit  ergriffen,  um  ihm 


522 


auf  eine  recht  graufame  Seife  ba«  Ceben  gu  nehmen.  (Sie  fähigen 
eine  Xonne  mit  9tögeln  au«,  trugen  fie  auf  einen  $üget  am  See, 
ftedten  ben  Äiewit  hinein  unb  wollten  gerabe  ba«  in  ba8 
SBaffcr  rollen,  at«  bie  ftre&gtocfe  ertönte. 

3n  Darfefow  ift  nämlich  eine  GHocfe,  welche  bie  o^efcglocfe 
heifet.  Sobalb  biefe  ertönt,  läßt  jeber  Sauer  feine  Arbeit  liegen, 
e«  fei,  ma«  e«  fei,  unb  rennt  nach  $aufe  gum  (Sffen. 

Äaum  Ratten  bie  93auern  bie  ftrefcglocfe  gehört,  al«  fie  au$ 
in«  Dorf  liefen,  um  bie  üflahlgeit  einzunehmen.  Säljrenb  beffen 
gog  ber  (Schäfer  mit  feiner  ©erbe  an  bem  ©üget  borbei.  t>a 
feufgte  Äiewit  in  feiner  Sonne  fo  recht  tief  auf  unb  fpradj:  „Jk 
schall  Schulte  Trine  frijen  un  will  nich." 

Der  <Sdjäfer  nun  hotte  ba«  ÜRäbdjen  gar  gu  gerne  gehabt, 
barum  antwortete  er:  „Ach,  ik  will  Schulte  Trine  jörn  frijen.u 
„9ton",  fagte  SHewit,  „bafür  fann  töat  »erben.  $ilf  mir  au?  ber 
Xonne  unb  fefee  bid>  hinein,  bann  wirft  bu  fic  befommen."  $er 
(Schäfer  ging  ben  ©anbei  ein,  rrodj  anftatt  be«  dauern  in  bas 
frafj,  unb  tfiewit  30g  mit  ber  ©erbe  baoon. 

AI«  nach  «ner  gangen  Seile  bie  Säuern  wieber  gurücffam», 
fdjrie  ber  Schäfer  au«  £eibe«fräften  au«  feiner  !£onne  herauf:  ^ 
will  Schulte  Trine  jern  frijen."  Da  mürben  fie  gornig,  fagten: 
„Nu  kimmt  em  noch  dat  Frijen  an  inne  Tunn!"  unb  rollt« 
fie  in  ba«  ©affer  ^inaB. 

Sie  bie  ©auern  nun  gang  befriebigt  nad)  ©aufe  gingen,  bf« 
gegnete  ihnen  am  föanbe  be«  See«  plöfelicfcftiewit  mit  feiner  grcfen 
©erbe,  „^a,"  rief  er  ihnen  gu,  ,,ba«  fdjöne  9$iet)  habe  ich  M 
au«  bem  See;  feht,  ba  ift  noch  t>tcl  brin,  befonber«  ber  gro&e  Seit« 
hammel  wäre  fo  recht  wa«  für  ben  Schulgen!",  unb  babei  geigte  er 
auf  ba«  Spiegelbttb  feiner  ©erbe  im  ffiaffer. 

Die  Sauern  hätten  fotch  Sieh  gar  gu  gerne  gehabt,  unb  Schult 
©a«  f prang  guerft  in  ben  See,  um  fidt)  ben  Seithammel  gu  greifen. 
Sie  er  nun  im  Saffer  nach  ^uf*  fönappte  unb  blubberte,  riefen 
bie  anbern:  „gefct  pacft  er  ihn  an  ben  hörnern!",  frürgten  ftch  dl*' 
famt  in  ben  (See  unb  ertranfen. 

(So  war  benn  ba«  gange  Dorf  au«geftorben  unb  ber  Steuer 
Stewit  warb  ©err  oon  Darfefow.  ®enbcu>r. 


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523 


651. 

Chtlenfpiegel  in  Bommern. 

6«  tyatte  fiä)  (Sulenfpiegel  in  alten  tfanben  mit  feiner  Soweit 
befannt  gemacht,  unb  wo  er  einmat  gewefen  war,  ba  war  er  nid)t 
311m  fetten  Üflal  willfommen.  Derofyalben  war  er  nun  gwar 
anfangt  guter  Dinge,  auf  bie  Dauer  aber  ging  er  bodj  in  fid)  uub 
gebaute,  »ad  er  anfinge,  baß  er  wieber  $u  ©elbe  fäme  burdj  9Jid)t«; 
tlmn;  benn  er  fa$,  baß  mandjer  mit  Üttüßiggeljen  beffere  Jage 
Ijatte,  benn  ein  anberer  mit  faurer  9lrbeit.  Da  gebadete  er,  baß 
er  nodj  nic^t  im  ^ommerlanbe  gewefen  fei,  unb  er  uatym  fi(§  üor, 
bafjin  gu  geljen. 

<£r  Heftete  fid)  alfo  au«  für  einen  2)töncr),  naljm  Don  einem 
93auernfird$ofe  irgenb  einen  alten  Sotenfopf,  ben  er  in  ©ilber  ein» 
faffen  ließ,  unb  reiße  bamit  in  ba«  Sanb  Bommern,  wo  bie  ^Hefter 
$u  bamaliger  3eit  fid)  metyr  auf«  kaufen,  benn  auf«  <ßrebigen 
legten.  Söenn  er  benn  nun  in  ein  Dorf  fam,  wo  flirdjweilj,  #odj* 
Seit  ober  fonft  eine  93erfammlung  war,  fo  bat  ©ulenfpiegel  ben 
^farr^errn,  baß  er  prebigen  unb  ben  ©auern  ba«  §eitigtum  Oer* 
fünben  bürfe,  wel^e«  er  mit  fid)  füljre,  öerfpradj  bemfelbcn  aufy 
baß  er  ujm  wolle  abgeben  oon  ben  Opfern,  fo  er  befommen  werbe. 
Damit  waren  bie  Pfaffen  gern  aufrieben,  baß  fie  ®elb  befämen. 

©ie  nun  ba«  meifte  33olf  in  ber  Stirbt  war,  fHeg  (£ulen* 
fpieget  auf  ben  $rebigtfhtl?I  unb  fprad^  oiel  oon  ber  atten  (Sfye 
unb  oon  ber  neuen,  oon  ber  Sirene  unb  bem  gälbenen  (Sinter,  wo 
ba§  $immelbrot  innen  lag,  baß  ityn  bie  tfeute  guerfl  für  einen 
grunbgele^rten  unb  ^eiligen  SJiann  gelten.  2Jl«bann  aber  geigte  er 
i^nen  feinen  oerfilberten  £otenfopf  unb  rebete  if)neu  gu,  baß  bie« 
ba«  .§aupt  eine«  großen  $eiligen  fei,  fo  ©rannio  geheißen,  unb  für 
ben  er  gu  einer  neuen  Äirdje  fammeln  wolle.  2tl«bann  forberte  er 
fie  auf,  baß  audj  fie  gu  biefer  ftirdje  opfern  füllten.  Dabei  fuljr 
ber  ©djalf  bann  fort:  „Da«  tfmet  aber  nur  mit  reinem  ©ut.  31b* 
fonbertid)  Witt  ber  ^eilige  fein  Opfer  oon  einer  ©$ebredjerin.  Die 
unter  eudj  eine  fold&e  unb  nidjt  rein  ift,  bie  fle^e  ftill  unb  ge$e 
nidjt  gum  ©pferattare.  Denn  fo  mir  eine  wa«  opfern  würbe,  bie 
be«  CE^ebradj«  fdmtbig  ift,  fo  neunte  \$  e«  niifct,  oon  ber  oerfdjmiuy 
t$  e«.  Darnad)  wiffet  eudj  gu  rieten." 


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524 


hierauf  gab  er  nun  ben  beuten  ba$  §aupt,  baS  er  mit  ftd) 
führte,  $u  füffen,  erteilte  tr)nen  feinen  (Segen  unb  trat  an  ben 
5lltar  $u  bem  Dpferbecfen.  9(l$bann  fing  ber  ^farrljerr  an  ju 
fingen  nnb  bie  "Schelten  $u  läuten.  $>a  brangen  benn  bie  bßfen 
mit  ben  frommen  Leibern  gum  2Utar,  um  3U  opfern.  Unb  bie  ein 
böfeS  ©efdjrci  Ratten  ober  bie  nirfjtö  taugten,  bie  maren  bie  erften 
mit  iljrem  £pfer;  benn  eine  jebe  meinte,  bie  [tili  ftünbe  unb  nidjt 
au  ba«  Opferbecfeu  träte,  bie  fei  nid)t  fromm.  (Stücke  maren  fogar, 
bie  $roei  ober  breimal  opferten,  bajj  ed  ba$  9$oIf  füllte  fefyen,  unb 
fie  aus  iljrem  böfen  Gtefdjrci  fämeu.  Unb  meldjc  fein  ®elb  Ratten, 
bie  opferten  ifyre  SRiuge  ober  wa$  fie  fonft  oon  ©ert  befaßen. 

(Sulenfpiegel  aber  lachte,  benn  er  befam  fo  oiele  Cpfer,  ber» 
gleiten  bisher  uodj  nidjt  mar  gehört  toorbeu.  Unb  er  30g  als  ein 
reidjer  Sflann  aus  Bommern. 

?llte§  fciftortenbud)  von  ItU  (fulenfpieael ;  ogl.  Icmmc,  «oltefagen  flr.  79. 

652. 

(fulcnfpicgel  Ir^rt  ben  ©fei  lefen. 

©in  reifer  iHittergutöbefifcer  Ijatte  einen  prädjtigen  (Sfel,  bem 
er  gar  gerne  eine  gute  (^dmlbilbung  tiätte  $u  teil  toerben  laffen.  £a 
melbete  fid>  (Sulenfpiegel  unb  fagte:  „Otogen  eine  angemeffene  ©eloti- 
nung  toill  iety  bem  |"d)önen  Xier  baö  Yefeu  beibringen".  $er  ,£>err 
mar  l}od>erfreut,  befdjeufte  ben  ®d)alf  reid)lid)  unb  oerfpracfy  tym 
nod)  größere  93eIofmuug,  toenn  er  fein  SBerf  oollenbet  fyabe. 

(Sulcnfpiegel  gab  nun  bem  Gfel  einige  Jage  nidjtS  31t  freffen, 
unb  als  ber  WutSbefifcer  am  britten  Sage  neugierig  in  ben  <StaU 
fam  unb  fid)  nad)  ben  #ortfd)ritteu  be$  <§d)üler§  erfunbigte,  fpradj 
er  $u  ifmi:  rr2tücr  Anfang  ift  ferner;  aber  mit  ber  93ofal* 
teljre  finb  mir  fdjon  im  guten  ^uge".  3n  bemfelben  3(ugenblicfe 
begann  baä  hungrige  £ier,  ba3  oon  feinem  §errn  ftntter  ermar* 
tete,  tTäglidj  $u  freien:  „3— 2lu,  3  —  91h,  3  —  Äu!" 

„$a,  nun  pre  id)  eö  felbft",  rief  erfreut  ber  $err  unb  gab 
bem  Yefjrmeifkr  jur  Aufmunterung  eine  gute  $anb  ooll  ©elb.  ?ln 
bemfelben  Sage  fdjtid)  fid>  (Sulenfpiegel  jebod)  fdjleuntgft  oon  bannen, 
unb  ber  töittergutöbefifcer  f>atte  ba*  ^adrfefjen. 

Wünblicp  nu$  2Rarienfliejj,  ÄteiS  Saajig. 


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525 


653. 

fttau  giebt  töäubern  ein  fflötfri  auf. 

(Sine  ^rau  roollte  i^rc  5ßertoanbtcit  befudjen  unb  mujjte  burdj 
einen  großen  SBalb.  ^löfelid)  ftürjten  Räuber  auf  fie  $u  unb  fd)Iep^ 
ten  fie,  trofc  i^reS  .JammernS,  Imt  ftd)  m  ^rc  §ö^le.  §ter  foüte 
fie  getötet  »erben,  aber  fie  bot  unb  flehte  fo  fange,  big  bie  Räuber 
milb  geßimmt  mürben  unb  fagten:  ,,©ir  »ollen  bidj  uerfdjoueu, 
menu  bn  uns  ein  Siätfel  aufgiebft,  meldjeS  mir  nidjt  erraten  tonnen." 
Die  ftrau  befaun  fid)  ein  wenig  unb  fprad)  fobann: 

„Stuf  ^(afö  gebe  id>, 

Stuf  %iaH  ftef>e  id), 

Stuf  Qtafö  Ijabe  id)  meinen  SWann  empfangen, 

Stuf  $iaH  bin  id)  hergegangen". 
DaS  9iätfel  mar  ben  Sfäubern  $u  fcfymer,  fie  »ermodjten  eS  nid)t 
$n  löfen  unb  mußten  bie  ^rau  frei  laffen.  Starker  tiefen  fie  fid) 
iebod)  bie  Höfling  fagen,  unb  ba  Ijattc  benu  bie  ®efdjid)tc  folgenbc 
$3emaubtniS.  Der  Stoter  ber  ftrau  befaß  einen  €>djäfer(ninb , 
ber  tjieji  3lafS.  2U3  berfelbe  geftorben  mar,  30g  er  tym  ba*  ftell 
ab,  gerbte  e$  unb  ließ  feiner  Jooster  barauS  bie  Srautföutye  oer= 
fertigen.  Stuf  tiefen  Sdmfyen  befudjte  fie  aber  aud)  jefct  t^vc  iUer- 
wanbten,  unb  fo  Imtte  altes  feine  SHidjtigfeit. 

Da  ftauuteu  bie  Räuber  über  bie  tflugfycit  ber  ftrau  unb  be^ 
fdjenften  fie  reicfylid),  führten  fie  aus  ber  §<tyle  berauS  unb  miefeu 
iljr  ben  nötigen  Söeg  311  il;reu  ^ermanbten. 

Wünblid)  au«  Weefigcr,  Ärei*  feminin. 

654. 

SBie  ber  Sd|äfer  bem  (Balgen  entrann. 

©in  ^djäfer  führte  ein  milbeS  Heben  unb  Imtte  fdmn  gar 
mandje  Sünbe  auf  bem  ©emiffen,  meldje  ba$  (SJefefe  ferner  311  atyi- 
ben  befiehlt.  Da  er  aber  nur  an  geringer  unb  armer  Veute  (Jigem 
tum  fid)  uergriff,  fo  fyatte  ber  ftrenge  ©eridjtstmf  iDJitleib  mit  feinen 
£d)iväd)en,  unb  er  fam  ftets  mit  einem  Verweis  ober  mit  einer 
fleinen  ftreifyeitsftrafe  baoon. 

(Sinmal  mar  er  jebod>  fredj  genug,  feines  abiigen  ©errn  §unb 
3U  crfdjtagen.   SU*  ba«  bie  sJtidjter  erfuhren,  ba  fa^en  fie  ein,  baß 


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526 


tyre  frühere  3Ri(be  fd^ledjt  angewanbt  war.  Des  Qlbefmann«  Sieb« 
ling«l)unb?  —  nein,  ba  mufjte  ein  (Stempel  ftatuiert  werben.  Äurj 
unb  gut,  ber  <©tab  würbe  über  bem  ftre&ter  gebrochen,  unb  ber 
genfer  foUte  if>n  Rängen. 

SÖie  ber  (Sdjäfer  nun  unter  bem  ©afgen  ftaub  unb  ber  Sdjarf * 
ridjter  i$m  bie  ©Glinge  über  ben  Warfen  werfen  wollte,  erfjub  er 
nodj  einmal  feine  Stimme  unb  bat  um  ©nabe.  ßwei  föfttfel  möge 
man  u?n  aufgeben  (äffen,  unb  wenn  ein  2Jcenfdj  audj  nur  eins  »on 
ben  beiben  $u  (Öfen  vermöge,  fo  wolle  er  gerne  jhrben.  Die  9licr)tcr 
würben  neugierig,  gaben  bie  (Er(aubni«  unb  fagten,  wenn  niemanb 
bie  9lätfe(  errate,  fo  fofle  tym  ba«  tfeben  unb  bie  ^rei^eit  ge« 
fcfjenft  fein. 

Der  arme  ©ünber  befann  fidj  ein  wenig,  flaute  auf  feine 
©tiefet  unb  $anbf$utye  unb  fjub  an: 
«9"  3Iof  ge$'  ia), 
3n  3(of  M  «* 
Um  3lof  (eb'  id&  fefber  nity, 
Da«  hälfet  raten  meine  Heben  $erren  tyeut'  no$  ntc^t". 
Die  Stifter  jerbradjen  fidj  ben  Äopf  barüber,  aber  weber  fie 
nodj  aU  ba«  SSolf,  ba«  ringsum  ßanb,  fonnten  bie  £öfung  finben. 
,,2öa«  ifF«,  fagf«  felbft",  riefen  fie.  —  „Qlof  ift  ber  Marne  be«  £um 
be«,  ben  i(fy  getötet",  entgegnete  ber  ©djelm.   „93on  feinem  ftel! 
trage  td)  ©tiefei  unb  $>anbfdju!je,  fein  £ob  ift  bie  Urfa$e  meine« 
Unglü<f«,  unb  fo  einf  adj  audj  alle«  jufammen^ängt,  fo  Ijaben  meine 
lieben  $>erren  ba«  9tätfel  bodj  nidjt  erraten  fönnen". 

Alle«  lachte  über  ben  fdjlauen  Surften,  unb  man  verlangte 
ba«  aweite  SRätfel.  Der  ©$äfer  flaute  jur  Werten  unb  erblicfte 
einen  Ijoljen  33aum,  in  bem  ein  ©ingöogel  fein  SReft  baute,  bann 
wanbte  er  fidj  $ur  Cinfen  unb  faty  am  3Mje  be«  Serge«  einen 
2)?ann,  ber  einen  ©aef  aufljub,  unb  auf  bem  ©ipfel  einen  ftranid} 
(Kran),  welker,  wie  e«  biefe  SBögel  tyäuftg  gu  njun  pflegen,  mit 
ftolgen,  gemeffenen  ©dritten  auf  unb  ab  ging  unb  babei  mit  bem 
©djnabel  im  ©anbe  §erum  wühlte.  Darauf  badjte  er  ein  wenig 
naefy  unb  fprad)  ba«  jWeite  9t&tfe(: 

„Höchbömus 
Kleinnestus.  — 
Sackfuntus ! 
Kränsandlast". 


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527 


SRattirHdj  Fotmten  au$  bieSmat  bie  töidjter  ntc^t  erraten,  ba§ 
Höchbömus  Kleinnestus  ben  $oljen  $aum  mit  bem  SBogelneft, 
baß  Sackfuntus  ben  SBanberer  mit  bem  ©ad  unb  Kransandlast 
ben  tfranidj  auf  bem  ©erge  bebeuten  foüe.  Der  genfer  mußte  atfo 
bie  ©djUnge  mieber  loSfnüpfen  unb  ben  ©djäfer  frei  (äffen.  Der 
r)at  fidj  aber  fein  (ebelang  gehütet,  nodj  einmal  mit  (Jbetteuten 
$&nbet  anzufangen,  benn  „mit  großen  $erren  ift  nidjt  gut 
Äirföen  effen". 

9frünblid)  aus  3abel«t>orf,  ftreis  Stanboro. 
655. 

Serurteilted  SOTäMjen  rettet  ftdj  burd)  ein  9tötfe(. 

(Sin  9ttabd>en  mar  jum  lobe  oerurteilt.  Dodj  begnabtgte 
ber  Äönig  ba$felbe  unter  ber  ©ebingung,  ba§  e8  ein  SRätfel  auf- 
geben fönnte,  ba«  niemanb  $u  raten  oermödjte.  Da  gab  bie  Dirne 
folgenbe*  Sftätfel  auf: 

„©rünen  2Beg  idj  ging, 

fHoten  Sein  id)  tranf, 

Ungeborene«  ftleifö  idj  aß." 
Niemanb  fonnte  e«  raten,  unb  fo  entging  bie  SSerurteUte  iljrer 
©träfe.   Die  tföfung  aber  mar  biefe:  <Sie  ging  auf  einem  grünen 
fflain  in  ben  2Ba(b  unb  traf  ba  eine  milbe  (»au.   Die  tötete  fie, 
tranf  ir;r  Slut  unb  aj?  oon  ben  ungeborenen  fterfeln. 

Wünblicp  aus  Sgboro,  Äreis  Scplatoe  unb  naa)  %x.  $rofibn  in  ber 
3tfarft.  f.  2>eutfa>e  WUotogie.  v.  »anb.  &aüe  1873.  S.  147  fg. 


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XVI. 


656. 


Glau*  BtMtbtdtx  unb  ©Sbefe  9ttid)cl. 


Sßor  oielen  fahren  Ratten  bie  Setoohner  9tügen3  oon  ben 
(Einfällen  unb  93ranbfcha|jungen  einer  gefährlichen  sJtäubcrbanbe  311 
leiben,  bereit  9(nfüt)rer  @lau$  Störtcbecfer  unb  ©öbefe  2JJid)el  l)ie§eu. 
?ln  ber  Oftfüfte  ber  §albinfel  .ftaSmunb,  ba,  tvo  bie  ttreibefclfen 
ihre  l^öc^fte  §öfje  erreichen,  lag  it>r  Schlupftointel,  in  ben  fie  flüch: 
teten,  tuenn  ©efaljr  brodle,  unb  100  fie  ihre  unermeßlichen  Sdjäfcc 
verbargen.  (£&  folt  eine  große,  geräumige  £)öhle  getoefen  fein  in 
ber  9iälje  ber  Guelle,  welche  f)od)  oben  im  £yclfcn  entfpringt. 
Jrofebem  fonnten  StÖrtebecfer  unb  ©öbefe  SÄidjel  mit  ihren  Skiffen 
oon  ber  See  aus  iu  bie  £)öhle  hineinfahren.  3Öie  fie  ba$  aber 
fertig  gefteüt  haben,  ba8  hat  bis  jefct  noch  fein  3flenfch  in  ©r* 
fahrung  gebracht. 

fcange  gett  entging  bie  $anbe  burch  bie  Schlauheit  unb  Äühn^ 
heit  ihrer  Anführer  ber  oerbienten  Strafe;  enblidj  gelang  e$  ben 
öeaohnern  SHügenS  aber  boch  einmal,  ihrer  ^ab^aft  $u  werben: 
©lau«  StÖrtebecfer  fotoohl  toie  Bichel  ©öbefe  würben  gcfeffelt  eim 
gebracht  unb  $um  £obe  oerurteilt.  Sie  fuchten  jtoar,  bem  Sßerberben 
31t  entgehen,  unb  oertyradjen,  fich  mit  einer  golbenen  Seite  $u  löfen, 
welche  ring«  um  bie  Stabt  Hamburg  henim  reiche;  aber  bie  Veutc 
in  »lügen  ließen  fidj  bnrd)  folche  ^erfpredmngcn  nicht  blenben,  fie 
waren  froh,  ihre  "plagegeifter  in  ihre  ©emalt  befommen  $u  haben, 
unb  baö  Urteil  würbe  an  ihnen  00m  genfer  oou>gcn.  91och  he"te 
jeigt  man  bie  Stelle,  wo  bie  beiben  Räuber  getötet  unb  ihre  £eia> 
name  eingefcharrt  ftnb;  e3  ift  ba«  eine  Heine  Dichtung,  inmitten 
ber  Stubnifc  gelegen. 


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529 


$)ie  @d)iffe  bcr  «Seeräuber  würben  auf  Slbbrudj  »erlauft,  unb 
bafcet  erftanb  fidj  ein  armer  Xagelötyner  bic  2Raftbäume,  um  fie 
als  SBrennljolg  in  feinem  flehten  §auSljalt  gu  üerwenben.  ©ie  er 
fidj  nun  baran  madjte,  bie  Sftaften  in  ®tücfe  gu  fägen,  fief)e,  ba 
fielen  ftatt  ber  <5ägefoäne  Heine,  btanfe  ftörndjen  gur  (Srbe.  <Sr 
flaute  näljer  gu,  unb  ba  ergab  e«  ftdj,  baß  fämtlidje  9Waftbäume 
inwenbig  f)ot)f  unb  bie  $>öt)fungen  mit  lauterem  <5tolbe  gefüllt  waren. 
$a«  mar  ba«  ©otb  gewefen,  au»  welkem  ©törtebecfer  bie  Äette 
tjatte  anfertigen  wollen,  bie  er  al«  Söfegetb  in  StuSfidjt  gepellt  fjatte. 
$er  arme  Sagetöjmer  aber  würbe  burdj  bie  gefunbenen  ©c^&fec  ein 
(teinreidjer  üttann,  baß  er  genug  ^atte  fein  lebelang. 

Hu«  SaSmunb:  SJtitgeteilt  bura)  $etrn  Dr.  Ä.  £aa«  in  «Stettin. 

657. 

$te  Räuber  im  flflorbf Uhlenberg  auf  SBotttn.1) 

3wifdjen  ©arnow  unb  ^orban^ütte  liegt  ber  3ttorbfut)Ien* 
berg,  in  bem  früher  Räuber  gekauft  Ijaben.  -£>a«  war  aber  gu  ber 
3ett,  ba  SBollin  nod>  ^oUin  hieß. 

2)ie  Räuber  im  9Worbfut)Ienberg  oerbreiteten  großen  @$recfen 
in  ber  gangen  ©egenb;  fo  biet  9Henfd)en  erfdjlugen  fie,  baß  jeben 
Slbenb  gwei  üon  it)nen  gum  Söarnower  <See  mit  einem  Sarren  fahren 
mußten,  um  bie  blutigen  §ofen  ber  anbern  gu  Waffen,  ftiemanb 
tonnte  metjr  ftdjer  in  ber  ©egenb  reifen;  benn  bie  <©djelme  Ratten 
eine  ©djnur  über  ben  3Beg  gegogen,  bie  leicht  mit  ©anb  gugebeeft 
war.  SDiefelbe  reifte  bi«  in  bie  #öljle  hinein  unb  war  an  iljrem 
dnbe  mit  einer  £af  erfülle  in  93erbinbung  gebraut.  Erat  nun 
ein  arglofer  SBanberer  auf  ben  ©trief,  fo  flingelte  e«  in  ber  $b^(e, 
ba«  ©efinbel  ftürgte  tyerau«  unb  ermorbete  it)n. 

Stuf  biefe  Söeife  Ratten  ftc$  bie  Räuber  einmal  eine«  3M>d)en« 
bemächtigt,  welche«  naef)  3orban«ljütte  getyen  wollte.  $a  bie  SDirne 
aber  jung  unb  fdjön  war,  fdjonte  man  itjr  Seben,  nadjbem  fie  guoor 
einen  fürdjterlidjen  @ib  gefdjworen,  nie  einem  SMenfdjen  ben  ^u* 
ftud}t«ort  it)rer  Reiniger  oerraten  gu  wollen. 

3n  ber  ©öljle  mußte  fie  allerljanb  $ienfte  »erridjten;  tyre 
$>au»tarbeit  aber  war,  bie  $ofen  am  Söarnower  ©ee  oom  93lute 
gu  reinigen  unb  Sürfte  oon  bem  Orleifö  ber  getöteten  2Renfa)en 

Äu&n,  ffieftfäL  Sagen  9tr.  417. 

34 


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530 


nach  Qfoütn  auf  bcn  ÜWarft  gu  bringen.  SDort  traf  fic  einft  ihren 
früheren  Srautigam;  aber  fo  fc^r  fie  e$  audj  münfehte,  magte  fte 
bennodj  nicht,  ihm  bic  @adje  gu  oerraten,  megen  be«  gefchmorenen 
(5ibe8.  Sil«  ber  ©urfdje  fic  jeboch  immer  mieber  unb  mieber  mit 
Sitten  beftürmte,  befahl  fie  ihm  enblich,  fid)  unter  bie  Srücfe  gu 
legen,  menn  fie  bie  <Stabt  oerlaffen  mürbe.  5>tc8  tljat  ber  SWann 
benn  auet),  unb  als  baS  SRäbchen  eS  bemerfte,  fiel  fie  oor  einem 
«Steine  auf  ber  ©rücfe  nieber  unb  flagte  bem  ihr  gange«  Seib. 

©er  Bräutigam  ^atte  unter  ihr  jebeS  ©ort  vernommen  unb 
geigte  bie  ©ad)e  fchleunigft  an.  9ton  nahm  man  oiele  ©olbaten 
uno  gog  gum  ÜRorbfuljlenberg  ^inau5.  Dort  matten  bie  ÄriegS* 
leute  ein  fteuer  an  unb  bereiteten  glüt)enb  ^ei|e  Äliebenfuppe. 

2Öie  baS  üftäbetjen  baS  herannahen  ihrer  Detter  gemährte, 
fing  fie  an  gu  jammern  unb  flagte  über  Öeibmeh-  „SRun,  fo  leg* 
biet)  bod)  in$  SBett",  rieten  bie  Räuber.  <§te  aber  oerlangte  nach 
frifdjer  £uft  unb  trollte  entfliegen.  £>a  merften  bie  Scanner  bie 
(©adje  unb  fdjoffen  nad)  it)r.  $n  bemfelben  Hugenblicf  waren 
aber  aud)  fd)on  bie  ©olbaten  ba  unb  goffen  ben  Räubern  bie  ^eipe 
<Sup»e  in  baS  ©efidjt,  bajj  it)nen  bie  Slugen  gugeflebt  mürben, 
©obann  fdjoffen  fie  fo  lange  hinein,  bis  feiner  oon  ihnen  mehr  am 
fieben  mar. 

$)a«  ÜWäbchen  oert)eiratete  ftd)  barauf  mit  einem  flttanne,  ber 
auf  ähnliche  ©eife,  mie  fte  felbft,  in  bie  $änbe  ber  Räuber  ge* 
raten  mar,  fidj  aber,  oon  ber  Jungfrau  gemarnt,  noch  rechtgeittg 
au«  ber  §öt)le  geflüchtet  hatte.  SllleS  ®olb  jeboch  unb  bie  anbem 
©djäfce,  meldte  bie  Räuber  im  3Korbfuhlenberg  aufgefpeichert  Ratten, 
liegen  noct)  bi«  gum  feurigen  Jage  in  bem  $ügel  oerborgen. 

3HünbUd)  aus  frmoioSfelbe  auf  ©oüm. 

658. 

%J  »  V  ♦  ♦  ^  ^         /  j  • 

S3or  oieten  hunbert  fahren  lebte  auf  ber  3fnfe(  ©ottin  ein 
tapferer  Kitter,  namens  Demming.  2)er  mar  einft  mit  bem  $ergog 
oon  Bommern  auf  einen  Streuggug  gum  ^eiligen  ©rabe  gegogen  unb 
^atte  feine  üHutter  Barbara,  bie  ihn  feljr  liebte,  allein  mit  einigen 
Unechten  auf  ber  SBurg  gurücfgelaffen.  SÖte  nun  bie  ffiitme  Sarbara 
täglich  nur  für  bie  glücflidje  töücffehr  ihre«  ©ohneS  betete  unb  um 


531 


baä  §au8roefen  ntdjt  Dtcl  fid)  befümmern  fonnte,  ba  trieben  bie 
Änedjte  allerlei  Unttefen,  unb  infonbertyeit  legten  fie  fid)  auf  bie 
SBegetagerung  unb  »lünberten  unb  erfdjtugen  einen  jeben,  ber  burdj 
bie  ©egenb  30g. 

(Sine«  ÄbenbS,  a(8  fic  audj  ttieber  auf  ber  Sauer  lagen, 
fatyen  fte  einen  einfamen  ^itgerSmann  be8  SegeS  fontmen.  Der 
ging  tangfam  unb  mübe  unb  feufete  oft  fdjtter  auf.  Daraus 
ftyoffen  bie  fotedjte,  er  muffe  grojje  ©epfce  bei  ftd>  führen,  bie  er 
aud  fernen  £anben  mitgebradjt  unb  an  benen  er  fdjtter  gu  tragen 
$abe.  <3ie  fielen  baljer  unoerfeljenS  über  tyn  f)er  unb  erfdjlugeu 
Uni;  bodj  fanben  fie  nidjtS  bei  ifmt,  als  einen  gotbenen  töing,  ben 
er  am  Ringer  trug.   Den  nahmen  fie. 

Seit  ber  tfting  nun  ein  fonberbare«  ©appen  führte,  fo  jeigten 
fie  iljn  am  anbem  Sage  ber  (Sbelfrau,  unb  toie  bie  ben  üling  be* 
falj,  ba  erfannte  fie,  ba§  er  tyrem  <So^n  gehöre,  unb  fragte  ^aftig, 
mo  ber  fei,  ber  ben  flting  getragen  tyabe.  Da  mußten  bie  Änedjte 
gefielen,  bafc  fie  tyft  im  ftelbe  erfragen  Ratten,  unb  ber  Seidjnam 
liege  nodj  ba.  ^efet  mar  e$  fdjrecflicf)  an$ufe$en,  mie  bie  alte, 
greife  (Sbelfrau  bie  $>änbe  rang  unb  jammerte,  ««Sie  tief  ju  ber 
©teile,  too  i§r  @o$n  tag,  unb  als  fie  fyn  erfannt  tyatte,  faßte  fie 
ttilbe  SSerjmeiflung,  unb  fie  ftürjte  fidj  in  einen  tiefen  (Sumpf,  ber 
in  ber  SWilje  mar. 

Die  «Stelle,  too  ber  SRitter  ftlemming  erfdjlagen  ift,  befinbet 

fidj  in  ber  Strebenotter  ftelbmarf,  unttett  ^Boitin.  <Sie  Ijiejj  früher 

ber  ftreubenberg,  tteit  bie  atten  tyeibnifdjen  SBoüiner  bort  tyren 

©öfcen  geopfert  unb  babei  öiele  ftefte  gehabt  Ratten,   ©eit  bem 

£obe  beS  SRitterS  Ijeißt  fw  aber  bi«  auf  biefen  £ag  ber  £rauer* 

berg.   Der  <Sumpf,  in  bem  bie  (Sbelfrau  tyren  £ob  fanb,  ift  jefct 

eine  SEBiefe  unb  ttirb  nadj  ifyr  bie  Söarbarattiefe  genannt. 

Scmme,  Stolföfagen  9lr.  145  ou§  ben  Sitten  ber  $omm.  ©efellfajaft  für 
©efc&iajte  unb  naaj  ftteiberg,  $omm.  Sagen  ©.  88—94. 

659. 

2>a«  föaubfdjlofi  bei  ftafecff. 

3»ei  üftetlen  oon  ©ollnott  liegt  ba«  Dorf  Äantrecf,  unb, 
ettta  eine  SBiertelmeile  baoon  entfernt,  fieljt  man  auf  giemlt(fyer 
Stufte  bidjt  bei  einem  ftaren  See  bie  Ruinen  einer  alten  $urg. 

34* 


532 


$a«  ift  früher  ein  Raubfdjlofe  geioefen,  ber  gamilie  oon  Söller  ge- 
hörig. Äein  Kaufmann  ober  anberer  Reifenber  fonnte  ungeplünbert 
burch  bie  ®egenb  gießen.  Dabei  Ratten  fich  bie  Raubritter  ü)r 
©ctoerbe  fo  fet)r  erleichtert,  bafe  fie  md)t  einmal  nötig  Ratten,  einen 
«Später  auf  bie  Rinnen  ifjrerSöurg  311  ftetlen;  bie  armen  Reifenben 
mußten  ihnen  oielmehr  x>o\i  felbft  entgegen  fommen. 

9tu«  bem  53urgfee  ergofe  ftd)  nämlidj  ein  fleine«  Orliefe,  welche« 
fpäter  in  ben  ©ubenbadj  fiel.  Diefe«  ftliefe  tief  quer  burch  bie 
ßanbftrafee,  fo  bafe  jeber  Sanberer  e«  paffteren  mufete.  Run  Ratten 
bie  sperren  oon  Hölter  barüber  eine  Jöriicfe  fdjlagen  (äffen,  bem 
Slnfchein  nad)  jur  Sequemlidjfeit  ber  Reifenben,  in  SBafjrfyeit  aber 
jur  (Erleichterung  it)re«  böfen  ©etoerbe«.  Denn  an  ber  ©rüde 
Ratten  fie  einen  Drat)t  befeftigt,  ber  unter  ber  ©rbe  hin  bis  gur 
Söurg  hinaufging  unb  bort  an  eine  ©locfe  reichte.  <©o  wie  nun 
iemanb  auf  bie  SBrticfe  trat,  geriet  burch  bie  ©rfchütterung  ber 
Draf>t  in  ^Bewegung,  unb  bie  ©locfe  in  ber  33urg  läutete.  2ll«bann 
brach  a^eg  auf  unD  überfiel  ben  arglofen  2öanb*erer. 

Diefe«  Umoefen  bauerte  bi«  gu  ber  ßeit,  ba  ©uftao  Slbolf 
nach  Deutfchlanb#fam;  beim  als  ber  Äönig  burch  Bommern  50g 
unb  oon  ber  Räuberburg  hörte,  befd)lofe  er  foforf,  fie  gu  belagern.  . 
Anfangs  fpottete  fein  ber  Raubritter,  ber  bamal«  auf  bem  <öd)lofe 
häufte.  Rachbem  ©uftao  3lbolf  aber  eine  geitlang  baoor  gelegen 
hatte  unb  bie  auf  ber  5Jurg  fehen  mochten,  bafe  feine  Rettung  mehr 
für  fie  fei,  erfdjien  auf  einmal  eine«  2lbenb«  in  bem  $elte  be« 
Äönig«  eine  h°h«/  föönc  Srau-  ^c  feinte  fehr  unb  fpraa)  gu 
ihm,  fie  fei  bie  $rau  be«  $errn  oon  Völler,  unb  bat  ihn  inftänbig, 
boch  ihrer  unb  ihre«  üflanne«  gu  fdjonen.  Der  tfönig  üerfpradj 
ihr  ba«  auch  für  fie,  oon  ihrem  üWanne  wollte  er  aber  nicht«  wiffen. 
Da  bat  bie  ftrau  ihn  enblich  um  freien  Slbgtig  beffen,  wa«  fie  oon 
ber  ©urg  werbe  tragen  fönnen,  unb  ba«  fagte  ihr  ©uftao  Hbolf  3U. 

9lm  anbem  borgen  liefe  fidj  bie  ^ugbrücfe  ber  SBnrg  nieber, 
unb  über  biefelbc  fchritt  bie  ftrau  oon  Völler  unb  trug  ihren  SWaim 
auf  bem  Rüden,  ben  fie  alfo  rettete.  Der  ftönig  lie§  barauf  ba« 
'Schloß  gerftören  unb  tötete  alle«,  wa«  barinnen  war.  ftrau  oon 
Äöüer  aber  trug  ihren  üflann  au«  fturdjt,  ben  Sönig  möchte  bie 
(Sache  gereuen,  über  eine  Eiertelftunbe  weit,  ehe  fie  ihn  gur  ©rbe 
hernieber  liefe.  Sin  ber  ©teile,  too  ba«  gefchah,  bauten  beibe  bann 
fpäter  ba«  Dorf  ßantreef.        flach  Scmme,  SSolfemgen  <Rr.  158. 


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f>33 


660. 

$te  Räuber  im  ©oflenbcrge. 

Der  Gollenberg  hatte  in  früheren  Qa^rcn  eine  üflenge  tiefer 
unb  bunfler  SBalbflüfte,  in  benen  ftd?  fange  3«t  ^inbur^  grofce, 
furchtbare  ffläuberbanben  aufhielten.  9toch  |efct  befinbet  fid)  mitten 
int  Serge  eine  Vertiefung,  bie  töäuberfuble  genannt,  in  ber  baö 
©efinbel  fein  §auptlager  aufgetragen  haben  foll.  Die  Sanbe 
hatte  fidj  fo  furchtbar  gemalt,  bafe  niemanb  wagte,  fie  anzugreifen, 
unb  bajj  fie  beShalb  ungefdjeut  plüubern  unb  merben  burften,  was 
i^nen  unter  bie  $änbe  tarn.  Da  würben  fie  enblid}  auf  fotgenbe 
wunberbare  Seife  gefangen: 

3u  ber  Verberge  gu  ÄöSlin  langte  eine«  SlbenbS  bei  grofcem 
Unwetter  ein  frember  föeifenber  an,  ber  unter  bem  ©ollenberge 
hatte  herreiten  miiffeu  unb  babei  gar  unheimliches  ©etümmel  oben 
auf  bem  Serge  vernommen  hatte  ©S  war  ihm  bed^atb  eilig  ge* 
wefen,  bie  ©tabt  gu  erreichen,  unb  er  gitterte  noch  unb  war  bleich 
oor  ©chreefen,  als  er  in  baS  ©aftgimmer  trat.  Darüber  neeften 
ihn  einige  anwefenbe  ©efelien,  bie  ftdj  tynttx  bem  warmen  Ofen 
unb  bem  ®(afe  Sein  munberS  wie  tapfer  unb  mutig  bünften. 

Der  SKeifenbe,  ben  baS  öerbro§,  bot  ihnen  eine  grofje  ©umme 
(MctbcS  an,  wenn  einer  oou  ihnen  ober  auch  f*c  alle  c^  Wagten, 
jefct  gleich  auf  ben  (Stoltenberg  gu  gehen  unb  gum  Reichen,  °ajj  f*e 
ba  gewefen,  fein  Xud?,  baS  er  ihnen  hinlegte,  um  bie  eiferne  {Jahne 
binben  würben,  bic  gum  sD?erfgetchen  für  bie  Schiffer  auf  ber  ©pifce 
beS  SergeS  errichtet  war.  Da  entfiel  aber  ben  Prahlern  baS  £erg, 
unb  es  hatte  feiner  ben  sJRut,  baS  Abenteuer  gu  begehen. 

Das  hörte  bie  Ottagb  beS  SirtShaufeS  mit  an,  bie  eine  mun» 
tere,  beherzte  Dirne  war,  unb  weil  fie  feljr  arm  war,  fo  fam  ihr 
bie  t'uft  an,  bajj  fie  baS  ©elb  oerbienen  möchte,  <©ie  fagte  baS  bem 
ftremben,  ber  fyatte  nichts  bagegen,  unb  obgleich  alle  anbern  ihr 
abrebeten  unb  ihr  oorftellten,  wie  fie  in  bie  $)änbe  ber  Räuber 
falten  unb  bann  niemals  wieberfehren  werbe,  fo  blieb  fie  boct)  feft 
bei  ihrem  Sorfafce.  <2>ie  nahm  baS  SEuch  beS  SReifenben  unb  ging 
mm  getrofl  gang  allein,  in  bunfler  stacht  unb  bei  fchretflichem  Uiu 
Wetter,  auS  ber  ©tabt  hinaus  bem  Serge  gu. 

Anfangs  ging  altes  gut.  <Sie  fümmerte  fich  nicht  um  baS 
beulen  beS  ©turmeS,  ber  burch  bie  ©chen  fuhr,  unb  nicht  um  ba« 


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534 


fträcbgen  ber  Raben  unb  @ulen,  bie  überall  um  fte  her  flogen.  2115 
fte  aber  bie  3pifce  be«  Sergej  erreicht  hatte  unb  fo  gang  allein 
baftanb  in  bem  furchtbaren  Sturmminbe,  in  ber  Raffe  ber  blutigen 
Räuberbanbe  unb  fern  oon  aller  menfmlichen  $>ilfe,  unb  al«  auf 
einmal  bidjt  bei  il)r  bie  alle  eiferne  5flh"e  anfing  gu  fnarren,  bafj 
e«  ihr  burd)  9Jcart  unb  Sein  fuhr;  ba  flopfte  if>r  ba«  §erj,  ba§ 
fie  e«  hören  fonnte  trofc  bem  Reuten  be«  Söinbe«,  unb  fie  geriet  in 
eine  foldje  Hngft,  bajj  fie  nur  faum  nod)  3U  ber  %afyne  gelangen 
unb  ba«  Xttch  herumroiuben  fonnte. 

Qn  bem  Slitgenblicfe  aber,  al«  fte  ba«  tljat,  hörte  fie  nahe 
bei  fich  ein  laute«  §orn,  ba«  furchtbare  §om  ber  Räuber,  ba«  bie 
©inmohner  oon  $ö«(tn  nur  gu  oft  in  manchen  dächten,  wenn  baS 
©eftnbel  in  bie  Rät)e  ber  Stabt  gegogen  fam,  gehört  Ratten.  5)a 
»ergingen  ber  armen  $)ime  fafl  bie  ©inne,  unb  fte  fah  feine  Ret> 
tung,  mie  fie  in  ber  bunflen  Rächt  unb  mit  it)ren  00m  ©djrecfcn 
gelähmten  ©liebern  werbe  entfliegen  fönnen.  2luf  einmal  crblicfte 
fie  neben  fid)  ein  Rofc,  ba«  an  einen  Saum  gebunben  mar. 
mar  fjod)  unb  meife  oon  ©eftalt  unb  ^atte  einen  filbernen  gaum. 
Stuf  ba«  eilte  fte  gu  unb  löfte  e«  uon  bem  Saume  unb  fchroang 
fid>  hinauf.  Unb  nun  Jagte  fte  t?om  Serge  Innunter,  ma«  ba«  *pferb 
nur  laufen  fonnte. 

Mein  bie  Räuber  Ratten  fie  fd)on  gemat)rt,  ba«  §orn  hatte 
fie  alle  beifammen  gerufen,  unb  plöfelicb,  hörte  fte,  mie  ein  groper 
$aufe  auf  fchnetlen  lötoffen,  bie  alle  filberne  Schellen  trugen,  tyntev 
ihr  her  jagte  unb  immer  näher  an  fie  heranfam.  $)a  trieb  fie 
ihren  (Schimmel  flärter  an  unb  jagte  blinb  gu,  ben  Serg  herunter. 
Unb  al«  bie  Rot  am  größten  mar  unb  bie  Rächften  hinter  ihr  fchon 
bidjt  bei  ihr  maren,  ba  hatte  fie  gerabe  ba«  ©tabtthor  erreicht  unb 
mar  gerettet. 

2lber  bie  Räuber  fetten  fie  in  fo  grofeer  Serblenbung  unb 
SBut  »erfolgt,  bajj  fie  nicht  einmal  gemährten,  mie  fte  fich  in  ber 
©tabt  befanben.  $)a«  mar  ihr  Serberbeu ;  benn  bie  mutigen  8ö«* 
liner  fchloffen  nun  gefchminb  ba«  Zfyor  hinter  ihnen  gu  unb  fingen 
fte  alle.  2lm  anbern  Jage  barauf  gogen  bie  Sürger  auf  ben  ©ol« 
lenberg  unb  gerftörten  ba«  Raubfcf)lojj  göngtich.  Sie  fanben  bort 
oiele  ©ebeine  oon  ©rfchlagenen,  aber  auch  oiele  Reichtümer.  Unter 
ber  Seute  mar  auch  ^  grofce  #orn  ber  Räuber,  brei  ftujj  lang 
unb  t»on  ftarfem  Sttetall  gegoffen.   $a«felbe  mürbe  gum  §orn  be« 


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535 


9tad}tteädjterS  für  bie  ©tabt  beftimmt,  unb  al«  folctyeS  t^ut  c8  nodj 
bi«  auf  bcn  heutigen  £ag  in  ÄöSlin  feine  übienfte. 

Seminc,  SJoltefaflcn.  9lr.  157;  ußl.  $omm.  $romnjial  =  SBIätter. 
I.  8.  211-216;  II.  ©.  4,  6. 

661. 
^aggnd  Sperfin. 

SBor  Dielen  $aljren  lebte  in  Bommern  ein  müfler  ^Raubritter, 
namens  33aggu8  ©pecfin.  2Bie  ber  be$  ©uteS  genug  gufammen* 
geraubt  fjatte,  ließ  er  ftdj  in  ber  ©egenb  Don  ©rimmen  nieber  unb 
baute  aflba  eine  SBurg,  in  welche  er  fidj  mit  feinen  Dielen  töeidj* 
tuntern  gurücf  jog.  2(udj  legte  er  runb  um  feinen  Surgfifc  ein  T)orf 
an,  meld>e£  nodj  jefet  befteljt  unb,  weit  e$  ein  "pfarrborf  ift,  gewöhn* 
lid)  &ird)=$aggenborf  genannt  wirb. 

$n  feinen  alten  Sagen  mürbe  ber  ^Raubritter  aber  trübftnnig 
unb  fünfte  fid)  bettelarm  in  ber  ÜRitte  feiner  großen  <Sdjäfce.  <Sr 
fing  nun  an  gu  faften  unb  fid)  ju  geißeln,  aber  er  fonnte  baburdj 
feine  9htt>e  geminnen;  benn  er  füllte,  baß  er  burdj  Mafien  unb 
Äafteien  aQein  ben  $tmme(  für  feine  Dielen  Untaten  ntd^t  Der- 
fölmen  fönue.  $>a  fam  er  julefct  auf  ben  ®ebanfen,  baß  er  Don 
feinem  geraubten  ©ute  brei  Äirdjeu  im  Vanbe  molle  erbauen  (äffen, 
in  ber  Hoffnung,  auf  biefe  Seife  ben  etoigen  Qorn  ®otteS  Don  ftd) 
abgumälgen. 

Um  nun  $u  miffen,  mo  er  bie  ftirdjen  errieten  foüe,  ließ  er 
eine  <£  u  I  e  breimal  fliegen,  unb  mo  ber  33ogel  fid)  iebeömal  nieber* 
ließ  unb  einen  föufyeülafc  fudjte,  ba  glaubte  er  aud)  $ur  SRufye  feiner 
©eele  eine  ftird)e  Innfefcen  $u  muffen.  3)ie  @ule  ließ  fid)  aber 
nieber  $u  ©aggenborf,  ©lemifc  unb  93orlanb,  unb  bort  ließ  beim 
aud)  SBagguS  <Specfin  bie  brei  Äirdjen  bauen,  unb  fte  fteljen  nodj 
bis  auf  biefen  Sag. 

91aa)  Semme,  StottSfagen  ftr.  69. 
662. 

$ie  Stranbbcwo^ner  in  $inlerDommetn. 

^n  Dielen  Ijinterpommerfdjen  Dörfern  an  ber  Oftfee  $aben 
bie  ©emolmer  eine  alte  ©age,  bie  au«  ben  älteften  Reiten  Don 


•  —  »»Iii. 


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536 


Sßotcr  auf  «Sohn  übergegangen  ift,  bafc  ihre  <£tammeltern  auf  brei 
Schiffen  in  bie  ©egenb  gefommen  feien  unb  fidj  bort  niebergelaffen 
Ratten.  ©efonber«  ^etmifrf)  ift  biefe  ©age  in  ben  ftifcherbörfern 
um  föügenmalbe  unb  Solberg  unb  in  9?eft,  im  Sirdifpiel  3J?öüen. 
2cmme,  SJoltefagen  9lr.  13Q  au§  ben  arten  bei  $omm.  ©ffeüfcp.  f.  ®efd). 

663. 

$er  Senfeidfee  Bei  SWarienfliefj. 

Unweit  üftarienflietj  liegt  ein  Heiner,  frei«runber  <&ee  oon 
unergrünblidjer  liefe.  (Sin  paar  <2<huf)  breit  ftel)t  <2ci)ilf  am 
SRanbe,  bann  aber  geben  bie  Ufer  fo  ftetl  ^erab,  bafj  jeber,  ber  fidj 
bort  baben  roiü,  rettung«fo«  »erloren  ift.  üflitten  auf  bem  SBaffer 
blühen  im  Pommer  meifje  3J?ummefn. 

Seinen  tarnen  hat  ber  (See  baoon  erhalten,  bafj  in  it)m  in 
ben  alten  Qtiten  bie  Äinb«mörberinnen  ber  Umgegenb  errränft  51t 
rrerben  pflegten.  (5in  jefct  nod)  tebenber  ©rei«  §at  oon  feinem 
©rofcoater  gehört,  ber  felbft  bei  einer  folgen  Einrichtung  gugegen 
geroefen  mar,  bafj  e«  ba  fotgenbermafjen  zugegangen  fei:  ©in 
2Räbd)en  ^atte  aufjer  ber  @t)e  ein  STtnb  geboren  unb  ba«  arme 
©urm  fobann  getötet,  $ie  Sadje  mar  jebodj  an  baß  £age«h'cht 
gefommen,  unb  nun  gog  ba«  gange  $orf  3J?arienflte§  mit  ber  $irne 
an  ba«  Ufer  be«  £enfel«fee«.  £ter  mürbe  ba«  ÜWäbdjen  gang  uaef t 
au«gegogen  unb  in  ©efeüfdjaft  mit  einem  £al)n  unb  einer  Äafce  in 
einen  <Sarf  gefteeft.  Derfelbe  mürbe  fobann  oben  gugebuuben  unb 
an  bie  ©pifce  einer  langen  (Stange  gefnüpft.  darauf  hoben  einige 
Männer  bie  Stange  mit  bem  <5acf  in  bie  §öt)e  unb  fentten  fie  in 
ba«  Saffer  hinein,  ließen  fie  bort  eine  Söeite  unter  bem  ©affer» 
fpieget,  gogen  fie  oon  neuem  t)crau«  unb  toiebert)oIten  ba«  fo  tauge, 
bi«  üHäbdjen,  Äafce  unb  $at)n  erftieft  maren.  Sarnau)  feljrte  alle« 
mieber  nach  üflarienflie§  guriief. 

OTünblid)  au§  iWarienfüejj,  ÄteiS  ©aajig. 

664. 

2)o«  Sogelgclb  in  Salome. 

£>ie  <2tabt  <öd)laroe  muß  jährlich  an  bie  ©tabt  9?ügenmatbe 
eine  Abgabe  galten,  bie  ben  Spornen  Sogetgetb  führt.  2)ie  2lb« 
gäbe  unb  ber  SRame  finb  auf  folgenbe  ©eife  entflanben: 


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537 


$n  bem  £orfe  SHtfdjlafoe,  f)axt  an  ber  ©typer,  lag  bor  Die- 
len hunbert  fahren  eine  23urg,  in  welcher  ein  ©raf  als  boshafter 
Raubritter  fein  Unwefen  trieb.  QnSbefonbere  raubte  er  auch  jähr* 
lieb,  au«  ber  Stabt  Sdjlawe  eine  gewiffe  2lngahl  Jungfrauen,  bie 
er  in  feiner  33urg  einfperrte.  $abei  war  er  fo  graufam,  baß  er, 
wenn  in  einem  Jahre  bie  3<>^  ""h*  oollgählig  war,  allen  anbern 
ben  Äopf  abfragen  lieg. 

Die  ©ürger  oon  Schlawe  Ratten  foldje  Ungebühr  fange  geit 
ertragen,  weil  fie  gegen  ben  gefährlichen  Ritter  nicht  auffommen 
fonnten.  gulefct  Kurte  es  ihnen  aber  bodj  gu  arg,  unb  fie  Oer* 
fammelten  fich  nun,  um  gu  beraten,  wie  fie  ber  Rot  unb  beS  (SlenbS 
lebig  werben  fönnten.  Sie  oermod)ten  inbeS  fein  SRittel  auSfinbig 
gu  machen  unb  mußten  ohne  Rat  wieber  auSeinanber  gehen. 

Run  befaß  aber  ber  $ürgermeifter  oon  Sdjlawe  eine  Üochter, 
bie  eine  ebenfo  fc^öne  als  fluge  unb  braDe  Jungfrau  war.  9US 
bie  erfuhr,  warum  eS  ftdj  banbele,  ^atte  fie  fchnell  einen  ^lan  er^ 
badjt,  wie  man  beS  wilben  ©rafen  olme  große  ©efafjr  ha&haf*  »er* 
ben  Wune.  Jn  ber  Räf>e  oon  Slltfdjlawe,  nach  ber  öurg  hin,  tag 
nämlich  ein  Rußwälbdjen.  Dahin  wollte  bie  Jungfrau  gang  allein 
gehen,  als  wenn  fie  Rüffe  fuaje.  Der  Ritter  würbe  fie  bann  fel)en 
unb  gefchwinb  herbeieilen,  um  fie  gu  entführen.  Run  follten  bie 
SRänner  öon  <Sd)lawe  fich  in  bem  ©ebüfd)  üerfteeft  galten  unb  über 
tt)n  Verfallen  unb  ihn  fangen. 

Der  ©ürgermeifter  fyattt  feine  $o<f>ter  fehr  lieb  unb  mochte 
batjer  in  ihren  $fan  nicht  willigen,  weil  er  ihm  gu  gefährlich  für 
fie  gu  fein  fcfjien.  (Jnblich  mußte  er  aber  boct)  nachgeben,  unb  eS 
fam  barauf  auch  alles  fo,  wie  bie  fluge  Jungfrau  eS  fich  gebacht 
hatte.  Der  Ritter  war  nur  mit  geringer  SRamifdjaft  aus  ber  33urg 
ge!ommen,  um  fie  gu  fangen,  unb  fo  gelang  eS  ben  bürgern  leicht, 
feiner  ha&haft  Su  werben.  Sie  fegten  ihn  fobann  in  Äetten  unb 
führten  ihn  im  Iriumpfe  in  bie  Stabt,  wo  fte  ihn  in  einen  tiefen  Äerfer 
Warfen,  ©ericfjt  über  i(?n  hielten  unb  ihn  gum  ÜTobe  oerurteilten. 

DiefeS  Urteil  fonnten  fie  aber  nicht  fo  eigenmächtig  ooll* 
frreefen,  fonbem  fie  mußten  eS  guoor  oon  bem  $ergog  in  «Stettin 
unterfchreiben  (äffen,  Sie  fehieften  eS  baher  nach  Stettin.  9lllein 
nun  traf  eS  fich,  Dafe  ocr  $ergog  mit  bem  Raubgrafen  gut  ftreunb 
war;  er  fchrieb  beSf>alb  unter  baS  Urteil  bie  ©orte: 

„Kop  af  nich  lät  laewen." 


538 


Unb  baS  fdjrieb  er,  otyne  irgenb  ein  3c^cn  tfotftyn  bic  Sorte  ju 
fefcen,  fo  ba§  es  einen  ganj  aweibeutigen  Sinn  Gatte  unb  man 
barauS  entnehmen  fonnte,  was  man  wollte.  'Die  kärger  beuteten 
e«  benn  audj  $u  tyren  (fünften  unb  ließen  bem  bitter  ben  Stopf 
abfragen,  $n  ifjrer  großen  grreube  gingen  fie  fogar  fo  weit,  baß 
fie  einen  großen  ftreubentag  Rieften  unb  mit  bem  abgefdjlagenen 
topfe  auf  bem  ÜRarfte  ^erumfugelten,  ma«  im  "JJlattbeutfäyn 
bogeln  Ijeißt. 

91t«  ba«  nun  ber  $>eraog  in  «Stettin  erfuhr,  würbe  er  fe$r 
aornig  unb  legte  feine  Sorte  anber«  auS  unb  belegte  bie  <2tabt 
mit  einer  ©elbftrafc,  welche  fie  naety  föügenwalbe  geben  mußte  unb 
moju  jeber  Bürger  $u  gleichem  Steile  beitragen  foüte.  2?on  bem 
Sojeln  mit  bem  Äopfe  be$  bitter«  erhielt  biefe  Abgabe  ben  tarnen 
©ojetgetb. 

Semme,  «Olingen.  9tr.  141. 
665. 

Der  Ratte  Stramin. 

Sei  ber  Stabt  Demmin  liegt  bie  SRuine  einer  alten  Söurg, 
weldje  nod)  jefet  baö  §au«  Demmin  tyeißt.  tiefer  Warne  ift  auf 
folgenbe  Seife  entftanben:  Die  S9urg  war  oor  alten  Reiten  oon 
brei  ober,  wie  anbere  erjagen,  oon  $wei  ^ringeffinnen  erbaut  worben. 
Die  oerfi^erten  fid)  gegenfeirig  iljr  ^Miteigentum  mit  ben  Sorten: 
„Dat  Hüs  is  din  un  mln!w  Darum  nannte  man  e$  guerft 
dat  Hüs  Dlnmin,  woraus  bann  fpäter  De  mm  in  warb,  3m 
Saufe  ber  £eit  würbe  na^e  babei  eine  «Stabt  gegrünbet,  auf  bie 
nun  ebenfalls  ber  Warne  Demmin  überging. 

Xemme,  ^oltsfaflcn  91t.  131  aus  t>en  Sitten  ber  $omm.  ©efeüfa).  f.  ®e[aji*te 
unb  nad>  Stolle,  0ef*id>te  oon  Semmin.  ®.  4. 

666. 

Der  Haute  ttfebom. 

L 

93or  geiten  ^htt  auf  Dcr  Snfel  Sollin  ein  ftürft,  ber  audj 
bie  benachbarte  Qfnfel,  welche  bamalS  nod)  feinen  tarnen  führte, 
gern  unter  feine  ©otmäßigfeit  bringen  wollte.    <&r  fing  befityalb 


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539 


flrieg  mit  ihren  ©ewohnern  an,  bie  fid)  aber  tapfer  wehrten,  flu* 
Icfet  würbe  er  be«  Streite«  mübe  unb  bot  ihnen  ben  ^rieben  unter 
fehr  billigen  SBebingungen  an,  unb  wie  fie  ben  nicht  annehmen 
wollten,  rief  er  au«:  „O,  fo  bumm!",  um  anzeigen,  wie  bumm 
er  bie  Ceute  erodjte.  33on  ber  3ett  gießen  bie  «emohner  ber  ^nfel 
guerft  bie  Ofobummer,  unb  nad$er  bie  Ufebomer. 

IL 

(Sine  anbere  Sage  berichtet  hierüber  folgenbe«:  3U  a^en 
Reiten,  al«  bie  Qnfel  nod)  feinen  9?amen  fyattt,  aber  fdjon  ötel 
Sßolfd  barauf  Konnte,  bauten  bie  Ceute  baran,  bajj  fie  ihrem  tfanbe 
boc^  einen  Hainen  geben  müßten.  Sie  famen  beSfjatb  alle  an 
einem  Orte  jufammen  unb  matten  unter  fidj  au«,  ba§  nach  bem 
erften  Sorte,  welche«  einer  oon  ihnen  fpräd)e,  bie  Qnfel  benannt 
»erben  follte;  benn  fte  waren  überzeugt,  auf  biefe  Seife  einen  redjt 
hübfehen  tarnen  $u  erhalten. 

Sie  fie  aber  fo  beifammen  waren,  ba  wollte  feinem  ein  gute« 
Sort  einfallen,  unb  fie  ftanben  alle  ftill  unb  fiumm.  darüber 
ärgerte  fid)  ein  alter  üttann  bermafjen,  baß  er  fich  oergafj  unb  plöfe» 
lieh  auörtef:  „£),  fo  bumm."  £)amit  wollte  er  nämlich  au«brticfen, 
wie  bumm  fie  bod)  wären,  baß  feiner  einen  tarnen  ftnben  fönne. 
So  mußten  fie  fid)  nun  felbft  bie  Ofobummer  nennen,  morau«  bann 
fpäter  Ufebom  geworben  ift. 

Semme,  SJoItätagen  «Rr.  132  au$  bett  Sitten  ber  ©efellfcb.  f.  $omm. ©efäicbte. 

667. 

&tt  Warnt  Swinemünbc. 

3n  alten  3eiten  waren  Ufebom  unb  Sollin  nur  eine  einzige 
^ufel,  benn  ber  jefeige  Swinefrrom  ^at  fid)  erft  nach  unb  nad)  ge* 
bilbet.  Anfänglich  fteüte  fidt)  nur  eine  gan$  fleine  ^urt  ein,  unb  um 
bie  £u  überfdt)retten,  brauste  man  nur  einen  Sdjweinefopf  hinein  $u 
leejen.  $af)er  ift  ber  ittame  Swine  entftanben,  ber  auch  beibehalten 
würbe,  als  bie  frurt  fid)  »ergröjjerte  unb  enblid)  ein  breiter  Strom 
barau«  warb.  25on  bem  $lufe  ging  ber  üßame  auf  bie  Stabt  über, 
bie  fpäter  an  ber  ■äJiünbung  ber  Swine  gebaut  würbe,  unb  bie  be«* 
^alb  noch  bis  auf  ben  heutigen  £ag  Swinemünbc  genannt  wirb. 
Xemme,  «oltefagen  9ir.  133  au«  ben  Sitten  ber  $omm.  @efellfc&.  für  ©ei'dj. 


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668. 

$te  Stiert  bei  Stettin. 

2ln  ber  flingenben  33eef  bei  Stettin  liegen  fieben  üßüfylen, 
bie  »or  alten  Reiten  ber  iRat  ju  Stettin  Ijat  bauen  (äffen.  211$ 
fie  fertig  waren,  fuhren  bie  üHatSfjerren  fyinauS,  fie  $u  befefjen  unb 
iljnen  Tanten  3U  geben.  Sei  ber  erften  jagten  fie:  „(Sine  mu§  bodj 
3J?al$  mahlen!"  (benn  fie  badjten  juerft  an  ba8  gute  53ier)  unb 
nannten  fie  ^cö^alb  97?a(gmü^le.  $ie  zweite  fjatte  wenig  SBaffer; 
ba  fpradjen  fie:  „£ie  ift  für  bie  Äüfen,  fie  foll  bie  &üfenmüfyle 
fjeifjen".  Sei  ber  britten  Nörten  fie  einen  Äncfucf  freien;  bie 
nannten  fie  bie  Äucfucf$müf)le.  2luf  ber  werten  empfing  bie 
Söirtin  fie  unfreunblidj ;  barum  erhielt  fte  ben  tarnen  Surfatfö* 
müfyle.  Umgefeljrt  war'S  auf  ber  fünften/  wo  fie  freunblidj  unb 
auf munternb ,  b.  i.  motgeberifd),  aufgenommen  würben ,  unb  bie 
barum  bie  ÜHotgeb ermüfyle  genannt  würbe.  Sei  ber  f elften 
wollten  bie  föäber  gar  nid)t  ftiüe  ftefyen;  ba  fpradjen  fie:  „$)a£  ift 
bie  Slappermüfyle".  $ie  lefcte  enblid),  weldje  am  fyödjften  lag, 
nannten  fie  bie  ©bermüfyle.  2ltle  biefe  tarnen  führen  bie  fieben 
aWü^ten  nod).  Semmc,  iWteiaaen.  flr.  147. 

669. 

$>ie  treue  Jooster. 

2?or  langen  $eiten  fyaben  einmal  ®erid)t$ljerren  einen  Sftann 
3um  ^ungertobe  verurteilt  unb  liefen  ilm  #1  bem  3wecf  *n  cntcn 
bunfeln  Serfer  werfen,  Da  ift  nun  jeben  Xag  bie  £oa)ter  beS 
9J?anne$  $u  bem  £urm  gegangen,  Ijat  burd)  eine  Öffnung  ber 
SJiauer  einen  langen  Sdjlaudj  gefterft  unb  bann  bünue  Suppe  fyin« 
ein  gegoffen.   Stuf  biefe  Seife  friftete  fie  tyrem  2?ater  ba«  tfeben. 

211$  nun  nad)  öielen  Sauren  nad)gefef)en  würbe,  lebte  au  aller 
©djrecfen  ber  (ängft  tot  geglaubte  Sftann  noefy.  Die  erftaunten 
©erte^t^erren  fa&en  bie  Sadje  al«  ein  Söunber  ©otteö  an  unb 
ließen  ben  Unglürflic^en  frei.  Stuf  bie  treue  Sodjter  aber  fingt  man 
nod)  freute  folgenbeS  Öiebdjen: 

M2)urd>  dauern  gefogen, 
§at  |>erren  betrogen, 
Qfft  £od)ter  gewefen 

Unb  ift  burd)  tyren  33ater  ÜJiutter  geworben". 

ORünbli*  au3  Äider,  ffreiS  Waugatb. 


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670. 

$er  gtargumtt  im  8öirdjoto*See. 

ßmifchen  ben  Dörfern  9öurd)ow  unb  Saffenburg,  im  sJ?eu* 
ftettiner  Streife,  liegt  ber  5öirchon)'S ee.  bitten  in  ihm  beftnbet  fid)  eine  . 
Heine  $nfel  mit  hohem  Mingmall.    Sie  roirb  ber  5Jurgtoall  geheißen, 
unb  auf  it)r  foll  for  $eittn  ein  prächtiges  Schloß  geftanben  haben. 

9luf  ber  gegenüberliegenben  Seite  beS  SeeS,  nad)  Saffenburg 
äti,  war  ct>ebem  aud)  eine  Surg,  n?elcr)e  mit  bem  Seefchlofc  burdj 
eine  fdnnale  $urt  in  33erbinbung  ftanb  unb  wn  ber  ebenfalls  noch 
Spuren  3U  fet>en  finb.  S3on  biefen  beiben  Schlöffern  er^lt  man 
ftd)  folgenbe  Sage. 

SSor  oiclcn  fahren  lebte  auf  bem  Öurgmall  ein  Sßitterpaar, 
roelcheS  mit  bem  Saffenburger  Herren  arg  oerfeinbet  mar.  Darum 
roollten  fie  cS  benn  auch  nimmermehr  sugebeu,  baß  ihr  einiges 
£öd)terchen  beu  Solm  iljreS  SobfeinbeS  junt  3)?anne  nehme.  Da 
jebodj  bie  beiben  iungen  tfeute  fict)  Xreue  auf  emig  gefchrooren  t)at* 
ten,  fo  arteten  fie  ben  ihrer  (Sftern  für  nid)tS  unb  mußten  eS 
fo  flug  anjufteden,  baß  fie  tagtäglich  stammen  famen.  Sobalb 
bie  Stacht  heraufzog,  ftellte  nämlich  3"ngfrau  ein  heUe«  ficht 
in  baS  ftenfter  ihre«  SchlaffämmerleinS,  unb  faum  hatte  ber  Qnnfer 
von  briiben  ben  Schein  erbtieft,  fo  fattelte  er  fein  Stoß  unb  ritt, 
genau  bem  V'ichtftrahl  folgenb,  bnreb  bie  fturt  hinbnrch  unb  erhielt 
barauf  in  ben  Sinnen  feine«  1'iebchenS  bie  Belohnung  für  ben  ge- 
fahrvollen 3öeg. 

DaS  ging  eine  lange  $eit  fymbma),  als  ber  Jungfrau  2Jhitter 
001t  ungefähr  hinter  baS  ©eheimniS  fam.  Slrgliftig  wartete  fie  am 
Slbenb  hinter  ber  Zfyirt  ab,  bis  ihre  2od)ter  baS  2id)t  angejünbet 
hatte,  bann  trat  fie  plöfcli#  3ur  Cammer  ^ttiein  unb  löfchte  bie 
SÜerje  aus.  Der  Qunfer  0011  ber  Saffenburg  mar  mit  feinem  föoffe 
fdjon  in  ber  fturt  unb  flaute  unabläffig  nach  öcm  Sichte.  5l(S  eS 
erlofd),  geriet  er  öom  2Bege  ab  unb  üerfanf  famt  feinem  ^ferbe  in 
bem  tiefen  See.  So  ließ  bie  Sdjlofjf rau  oon  bem  93urgroal!  ihrer 
9iachfucht  baS  tfeben  beS  braoen  3"u9^"9^  Sum  Opfer  fallen. 

OJcünblicb  aus  SBurcboro,  ÄrciS  9ieuftettiu. 


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Dtiid  oon  5.  Qeffenlanb  in  Stettin. 


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